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	<title>Kommentare zu: Blaue Augen – und Schläge ins Gesicht</title>
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	<description>netzwerkB ist eine unabhängige Interessenvertretung in der sich Betroffene von sexualisierter Gewalt für die Rechte Betroffener einsetzen.</description>
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		<title>Von: Angelika Oetken</title>
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		<dc:creator>Angelika Oetken</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 21:32:57 +0000</pubDate>
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		<description>Hallo,
mir fällt es sehr schwer, mich in Freier und Prostituierte hineinzuversetzen - wahrscheinlich geht es vielen Leuten so. 
Ich versuche es trotzdem mal. 

Tabus und Ausgrenzung führen ja dazu, dass sich viele Mythen um Prostitution ranken. 

Der Reiz von Prostitution für den Freier scheint ja einmal im &quot;Verbotenen&quot; zu liegen und darin, sich ohne große Anstrengung sexuell &quot;erleichtern&quot; zu dürfen. 
Das kann ich sogar nachvollziehen. 

Die Großmutter einer Bekannten hat über ihre sexuelle Beziehung zu ihrem Mann gesagt &quot; ich war seine Sex-Kloake&quot;. Das klingt erstmal schlimm, aber es ist doch eigentlich nur wahr. Die Frau war so ehrlich und realistisch, dass es schon wieder befremdlich ist. 

Es gibt viele wichtige Berufe, die nicht gut beleumundet sind und mit Tabus und Abwehr belegt - Totengräber, Bestatter, Müllmann z.B. 
Wie viele Altenpfleger hören &quot;iiih, alten Leuten die Windeln wechseln...das könnte ich nicht&quot;, wenn sie ihren Beruf nennen. 
Sogar Zahnärzte hören &quot;was, anderen Leuten im Mund rumfummeln?&quot;. Dabei gehören sie im Gegensatz zu den oben genannten Dienstleistern zu den Besserverdienenden. 

Über Prostituierte denken wir &quot;Sowas macht der/die mit wildfremden Leuten?&quot;. 

Die Großmutter der Bekannten wäre doch wahrscheinlich froh gewesen, wenn sich ihr Mann woanders Erleichterung verschafft hätte - warum nicht bei einer Prostituierten. 

Noch besser wäre es gewesen, der Großvater wäre in der Lage gewesen, zu seiner Frau eine echte erotische Beziehung aufzubauen. Davon hätten doch beide was gehabt.
Und die Prostituierte ginge einem Beruf nach, in dem man nicht &quot;Sexualmüllentsorger&quot; spielen muss für Menschen, die mit &quot;Sexualität auf Augenhöhe&quot; überfordert sind. Oder die über Sex nur ihre Aggressionen abbauen wollen und dafür verständlicherweise keinen Partner finden.
Oder die einfach sexuell so unerfahren oder unbedarft und unbegabt sind, dass sie ihre Partner schnell wieder verlieren bzw. der Partner auf Sexkontakte wenig Wert legt.   

&quot;Multimodalen Sex&quot; lernen bzw. können viele Menschen eben leider nicht. Kenntnisse erwerben sich viele Menschen leider über Mythen - &quot;Stories&quot; oder Pornos (filmisch festgehaltene Mythen - Märchen für Heranwachsende und Erwachsene).

Ein Freund hat für die Art Sex, die dieser Großvater damals, genauso wie viele Männer heute noch praktizierte die Bezeichnung &quot;Pömpelsex&quot;. 

Ich weiß nicht, wo die herkommt aber ich finde, das triffts ungemein. 

Zuerst habe ich über den Begriff gelacht - mittlerweile stimmt er mich traurig. 

Die Frauen, die in dem &quot;guardian&quot;-Kommentar beschrieben werden, hatten existentiell die Wahl zwischen &quot;Läusen&quot; und &quot;Flöhen&quot;. Das jemand dann die &quot;Flöhe&quot; wählt, wenn man dafür besser bezahlt wird, dass sie einen beißen dürfen, kann ich gut nachvollziehen. 

Und Menschen, die schon als Kind daran gewöhnt wurden, andere über ihre Grenzen gehen zu lassen und Ekel und Abwehr einfach auszuhalten oder zu verdrängen, wird es erstmal weniger schwer fallen, &quot;Flöhe&quot; an oder in sich zu akzeptieren. 
Da ja wie wir hier unlängst lesen mussten, 10 Prozent der Mädchen und 5 Prozent der Jungen genitalen Sex ertragen mussten, ist ja für Nachwuchs dieser Art gesorgt. 
Krank werden diese Menschen sowieso eher als die &quot;Nicht-Betroffenen&quot;. Wenn sie als Prostituierte arbeiten vielleicht noch etwas schneller und heftiger. 

Einige Prostituierte sind dagegen vielleicht einfach  anderen Menschen bzw. dem anderen Geschlecht gegenüber robust oder anspruchslos. Möglicherweise gefällt ihnen ihre Arbeit sogar. 
Dafür wären Umfragen doch gut &quot;Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit, was nicht&quot;.

Was die Einschätzung zur Arbeitszufriedenheit von Büroangestellten angeht, stimme ich mit der &quot;guardian-Kolumnistin&quot; nicht überein. Vielen Menschen gefällt ihre Arbeit grundsätzlich - sie haben nur an bestimmten Dingen etwas auszusetzen. 

Die hochemotionale Diskussion über Prostitution zeigt ja, dass dieses Thema etwas in uns anrührt, was unausgegoren, verdrängt oder ambivalent ist. 

Mir geht es so, dass ich bei diesem Thema immer unangenehm daran erinnert werde, auf welchem Niveau sich die sexuelle Kultur in den meisten Gegenden dieser Welt befindet. 
Nämlich auf einem ganz niedrigen. 

Das ist wohl so, aber es ist kein schöner Gedanke. Er ist so vollkommen unromantisch. 

Angeblich entstand dieser sexuelle Kulturverlust im Neolithikum (Jungsteinzeit), mit dem Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zu den Bauern und Viehzüchtern. 
Aus gleichberechtigen, angesehen, als Mensch wertvollen Frauen wurden nach und nach rechtlose Handelsobjekte. 
Im übrigen konnte auch ein Mann ein Objekt werden - wenn er besitz- und damit rechtlos war. 

Mann musste sich nicht mehr bemühen, er konnte eine Frau, bzw. einen rechtlosen Mann kaufen. Egal wie alt, häßlich, unbegabt oder krank er war, Hauptsache er hatte Besitz. Aus der Perspektive des Besitzenden ein sehr attraktives Arrangement. 

Oder anders gesagt : Aus &quot;haute-cuisine&quot;-Sex wurde &quot;schlabberige Pommes mit ranziger Mayo&quot;. 

Lecker!

Die Jungsteinzeit ist erst 12 000 Jahre her. Insofern besteht Hoffnung, dass es sexualkulturell wieder aufwärts geht. 
Das solche Diskussionen wie hier möglich sind und es Menschen gibt, die sich von Mythen, Traditionen, Dummheit und schlechten Gewohnheiten nicht blenden und verunsichern lassen läßt mich hoffen. 

Angelika Oetken, Berlin</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo,<br />
mir fällt es sehr schwer, mich in Freier und Prostituierte hineinzuversetzen &#8211; wahrscheinlich geht es vielen Leuten so.<br />
Ich versuche es trotzdem mal. </p>
<p>Tabus und Ausgrenzung führen ja dazu, dass sich viele Mythen um Prostitution ranken. </p>
<p>Der Reiz von Prostitution für den Freier scheint ja einmal im &#8220;Verbotenen&#8221; zu liegen und darin, sich ohne große Anstrengung sexuell &#8220;erleichtern&#8221; zu dürfen.<br />
Das kann ich sogar nachvollziehen. </p>
<p>Die Großmutter einer Bekannten hat über ihre sexuelle Beziehung zu ihrem Mann gesagt &#8221; ich war seine Sex-Kloake&#8221;. Das klingt erstmal schlimm, aber es ist doch eigentlich nur wahr. Die Frau war so ehrlich und realistisch, dass es schon wieder befremdlich ist. </p>
<p>Es gibt viele wichtige Berufe, die nicht gut beleumundet sind und mit Tabus und Abwehr belegt &#8211; Totengräber, Bestatter, Müllmann z.B.<br />
Wie viele Altenpfleger hören &#8220;iiih, alten Leuten die Windeln wechseln&#8230;das könnte ich nicht&#8221;, wenn sie ihren Beruf nennen.<br />
Sogar Zahnärzte hören &#8220;was, anderen Leuten im Mund rumfummeln?&#8221;. Dabei gehören sie im Gegensatz zu den oben genannten Dienstleistern zu den Besserverdienenden. </p>
<p>Über Prostituierte denken wir &#8220;Sowas macht der/die mit wildfremden Leuten?&#8221;. </p>
<p>Die Großmutter der Bekannten wäre doch wahrscheinlich froh gewesen, wenn sich ihr Mann woanders Erleichterung verschafft hätte &#8211; warum nicht bei einer Prostituierten. </p>
<p>Noch besser wäre es gewesen, der Großvater wäre in der Lage gewesen, zu seiner Frau eine echte erotische Beziehung aufzubauen. Davon hätten doch beide was gehabt.<br />
Und die Prostituierte ginge einem Beruf nach, in dem man nicht &#8220;Sexualmüllentsorger&#8221; spielen muss für Menschen, die mit &#8220;Sexualität auf Augenhöhe&#8221; überfordert sind. Oder die über Sex nur ihre Aggressionen abbauen wollen und dafür verständlicherweise keinen Partner finden.<br />
Oder die einfach sexuell so unerfahren oder unbedarft und unbegabt sind, dass sie ihre Partner schnell wieder verlieren bzw. der Partner auf Sexkontakte wenig Wert legt.   </p>
<p>&#8220;Multimodalen Sex&#8221; lernen bzw. können viele Menschen eben leider nicht. Kenntnisse erwerben sich viele Menschen leider über Mythen &#8211; &#8220;Stories&#8221; oder Pornos (filmisch festgehaltene Mythen &#8211; Märchen für Heranwachsende und Erwachsene).</p>
<p>Ein Freund hat für die Art Sex, die dieser Großvater damals, genauso wie viele Männer heute noch praktizierte die Bezeichnung &#8220;Pömpelsex&#8221;. </p>
<p>Ich weiß nicht, wo die herkommt aber ich finde, das triffts ungemein. </p>
<p>Zuerst habe ich über den Begriff gelacht &#8211; mittlerweile stimmt er mich traurig. </p>
<p>Die Frauen, die in dem &#8220;guardian&#8221;-Kommentar beschrieben werden, hatten existentiell die Wahl zwischen &#8220;Läusen&#8221; und &#8220;Flöhen&#8221;. Das jemand dann die &#8220;Flöhe&#8221; wählt, wenn man dafür besser bezahlt wird, dass sie einen beißen dürfen, kann ich gut nachvollziehen. </p>
<p>Und Menschen, die schon als Kind daran gewöhnt wurden, andere über ihre Grenzen gehen zu lassen und Ekel und Abwehr einfach auszuhalten oder zu verdrängen, wird es erstmal weniger schwer fallen, &#8220;Flöhe&#8221; an oder in sich zu akzeptieren.<br />
Da ja wie wir hier unlängst lesen mussten, 10 Prozent der Mädchen und 5 Prozent der Jungen genitalen Sex ertragen mussten, ist ja für Nachwuchs dieser Art gesorgt.<br />
Krank werden diese Menschen sowieso eher als die &#8220;Nicht-Betroffenen&#8221;. Wenn sie als Prostituierte arbeiten vielleicht noch etwas schneller und heftiger. </p>
<p>Einige Prostituierte sind dagegen vielleicht einfach  anderen Menschen bzw. dem anderen Geschlecht gegenüber robust oder anspruchslos. Möglicherweise gefällt ihnen ihre Arbeit sogar.<br />
Dafür wären Umfragen doch gut &#8220;Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit, was nicht&#8221;.</p>
<p>Was die Einschätzung zur Arbeitszufriedenheit von Büroangestellten angeht, stimme ich mit der &#8220;guardian-Kolumnistin&#8221; nicht überein. Vielen Menschen gefällt ihre Arbeit grundsätzlich &#8211; sie haben nur an bestimmten Dingen etwas auszusetzen. </p>
<p>Die hochemotionale Diskussion über Prostitution zeigt ja, dass dieses Thema etwas in uns anrührt, was unausgegoren, verdrängt oder ambivalent ist. </p>
<p>Mir geht es so, dass ich bei diesem Thema immer unangenehm daran erinnert werde, auf welchem Niveau sich die sexuelle Kultur in den meisten Gegenden dieser Welt befindet.<br />
Nämlich auf einem ganz niedrigen. </p>
<p>Das ist wohl so, aber es ist kein schöner Gedanke. Er ist so vollkommen unromantisch. </p>
<p>Angeblich entstand dieser sexuelle Kulturverlust im Neolithikum (Jungsteinzeit), mit dem Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zu den Bauern und Viehzüchtern.<br />
Aus gleichberechtigen, angesehen, als Mensch wertvollen Frauen wurden nach und nach rechtlose Handelsobjekte.<br />
Im übrigen konnte auch ein Mann ein Objekt werden &#8211; wenn er besitz- und damit rechtlos war. </p>
<p>Mann musste sich nicht mehr bemühen, er konnte eine Frau, bzw. einen rechtlosen Mann kaufen. Egal wie alt, häßlich, unbegabt oder krank er war, Hauptsache er hatte Besitz. Aus der Perspektive des Besitzenden ein sehr attraktives Arrangement. </p>
<p>Oder anders gesagt : Aus &#8220;haute-cuisine&#8221;-Sex wurde &#8220;schlabberige Pommes mit ranziger Mayo&#8221;. </p>
<p>Lecker!</p>
<p>Die Jungsteinzeit ist erst 12 000 Jahre her. Insofern besteht Hoffnung, dass es sexualkulturell wieder aufwärts geht.<br />
Das solche Diskussionen wie hier möglich sind und es Menschen gibt, die sich von Mythen, Traditionen, Dummheit und schlechten Gewohnheiten nicht blenden und verunsichern lassen läßt mich hoffen. </p>
<p>Angelika Oetken, Berlin</p>
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		<title>Von: Marc</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2009/11/18/blaue-augen-%e2%80%93-und-schlage-ins-gesicht/comment-page-1/#comment-3489</link>
		<dc:creator>Marc</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 14:33:27 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://norbert.denef.com/?p=590#comment-3489</guid>
		<description>Den Text ist starke Propaganda gegen Prostitution. 

Leider ist die Debatte sehr polarisiert, weil es um große Tabus geht: Sex, Geld, Arbeit, Ausbeutung, Herrschaft, Migration, Fremde, Geschlecht...

Hier hat sich jemand die Mühe gemacht den Aufsatz zu kommentieren, was ich lesenswert finde: 
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/nov/18/prostitution-handwringing-belle-de-jour

Google Übersetzung ins deutsche:
http://bit.ly/2LhPRu

Bitte keine Verallgemeinerungen aufkosten der Frauen, Transsexuellen und Männern, die in der Sexarbeit freiwillig und selbstbestimmt unter widrigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Vorurteilen überleben wollen (müssen).

Mit solidarischen Grüßen
vom Sexworker-Forum,
dem Vorläufer einer Gewerkschaft für SexarbeiterInnen</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Den Text ist starke Propaganda gegen Prostitution. </p>
<p>Leider ist die Debatte sehr polarisiert, weil es um große Tabus geht: Sex, Geld, Arbeit, Ausbeutung, Herrschaft, Migration, Fremde, Geschlecht&#8230;</p>
<p>Hier hat sich jemand die Mühe gemacht den Aufsatz zu kommentieren, was ich lesenswert finde:<br />
<a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/nov/18/prostitution-handwringing-belle-de-jour" rel="nofollow">http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/nov/18/prostitution-handwringing-belle-de-jour</a></p>
<p>Google Übersetzung ins deutsche:<br />
<a href="http://bit.ly/2LhPRu" rel="nofollow">http://bit.ly/2LhPRu</a></p>
<p>Bitte keine Verallgemeinerungen aufkosten der Frauen, Transsexuellen und Männern, die in der Sexarbeit freiwillig und selbstbestimmt unter widrigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Vorurteilen überleben wollen (müssen).</p>
<p>Mit solidarischen Grüßen<br />
vom Sexworker-Forum,<br />
dem Vorläufer einer Gewerkschaft für SexarbeiterInnen</p>
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