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	<title>Kommentare zu: Genetisches Gedächtnis &#8211; In der depressiven Falle</title>
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	<description>netzwerkB ist eine unabhängige Interessenvertretung in der sich Betroffene von sexualisierter Gewalt für die Rechte Betroffener einsetzen.</description>
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		<title>Von: Angelika Oetken</title>
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		<dc:creator>Angelika Oetken</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 21:09:42 +0000</pubDate>
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		<description>Hallo, 
so &quot;zwischen den Jahren&quot; ein paar Gedanken zu diesem Artikel. 

Es ist grundsätzlich erfreulich, dass Hirnforscher, als eher biologisch ausgerichtete Fachrichtung, sich jetzt auch mit den psychosozialen Lebensfaktoren beschäftigen. 
Dass Körper, Seele und Geist nur aus theoretischen Gründen getrennt angesehen werden und in der Realität natürlich eine Einheit bilden und interagieren ist eigentlich unter Praktikern ein &quot;alter Hut&quot;. 

Merkwürdig nur, dass die biologisch ausgerichteten Humanwissenschaften so überrascht tun, wenn ihnen ihre eigenen Forschungsergebnisse genau das auch beweisen.

Evtl. ist das mit darauf zurückzuführen, dass das Paradigma der &quot;Ganzheitlichkeit&quot; - zu - lange von den Esoterikern besetzt wurde und deshalb von seriösen Forschern gemieden wurde. 

Und psychosoziale Wissenschaften die Biologie lange ignoriert und abgewehrt haben, weil sie einmal von den Nationalsozialisten missbraucht wurde. 

Aber uns Betroffenen und somit der gesamten Gesellschaft auch kommen die Forschungsergebnisse zu Gute. 

Wer weiß, vielleicht gibt es schon bald preiswerte, einfache Methoden, die biologisch-strukturellen Folgen  von Traumatisierungen darstellbar zu machen? Also auf der Ebene von Veränderungen von Körperstrukturen, zu dem Nervengewebe gehört, sichtbar zu machen. 

Solange &quot;Datenmissbrauch&quot; dabei unterbunden wird, wären das sehr effektive, nachhaltige Methoden. V.a. und auch wenn es um den Beweis von Straftaten geht, die lange zurück liegen. Oder um Reha- oder Rentenansprüche. 


Die Ansicht von Prof. Bauer teile ich dagegen gar nicht und zwar v.a. aus meiner Perspektive als Fachfrau. 


Zitat :

Der Freiburger Psychosomatik-Professor Joachim Bauer gibt jedenfalls zu bedenken: “Ein Staat, der Eltern nicht ausreichende Möglichkeiten einräumt, sich in der frühen Lebensphase ihrer Kinder intensiv um diese zu kümmern, zahlt später einen hohen Preis - in Form einer Zunahme psychischer, insbesondere depressiver Störungen und anderer Stresskrankheiten.”

Zitatende

Traumatisierungen und Vernachlässigungen sind eindeutig nicht die Folge davon, dass Eltern vom Staat nicht die Möglichkeit bekämen, sich um ihre Kinder zu kümmern. 

Wer weiß das schließlich besser als wir, die Betroffenen. 

Sondern im Gegenteil, sie entstehen dadurch, dass zu viele Menschen, die nicht in der Lage sind, für ein Kind auf allen Ebenen zu sorgen, zu viel Zeit und Gelegenheit haben, ihre Kinder zu misshandeln oder anderen Misshandlungen zu ermöglichen. 

Es gibt in unserer Kultur leider zu wenige Menschen, die Einblick in die familiären Verhältnisse haben und wohlwollend kontrollieren, dass es den Kindern gut geht und dass umfassend für sie gesorgt wird. Und im Zweifelsfall einschreiten.  

Zu viele Eltern sind zu viel allein zuhause mit ihren Kindern. Es gibt zu viele, die selbst so bedürftig und überfordert sind, dass sie nicht ausreichend für ihr Kind sorgen können. 

Erfahrene Praktiker erkennen das schon an der Interaktion und dem, was diese Eltern über ihre Kinder berichten, wenn die noch Säuglinge sind. 

Aber uns Praktikern sind häufig die Hände gebunden. V.a. wenn es um die ersten Warnsignale geht, bevor noch Misshandlungen geschehen. 
Der Staat greift erst ein, wenn Kinder ganz übel misshandelt worden sind. 

Es gibt viele Menschen, die sollten gar keine Zeit mehr allein mit ihren Kindern oder Enkeln verbringen und wenn dann unter Aufsicht einer verantwortungsvollen Person. 

Das alles ist keine Frage des Geldes und auch keine Frage der Zeit, sondern der Qualität. 

Ich empfehle Prof. Bauer einmal eine Hospitation in einem SPZ oder bei einem Kinder- und Jugendpsychiater zu machen. 

Viele der Betroffenen stammen aus so genannten &quot;intakten&quot; Elternhäusern. 

Übersetzt in die Realität heißt &quot;intakt: 

Mami hat beruflich zurückgesteckt und geht ganz in der Fürsorge für die Kinder auf. Sowieso hat sie &quot;nach oben&quot; geheiratet, also jemanden, der beruflich erfolgreicher ist, als sie es je war. Sie steht unter moralischem Erfolgsdruck (gelungene Kinder sind ihr Projekt) und ist sozial isoliert. Erfolgserlebnisse bleiben aus, sie baut kognitiv ab, ihr Selbstwertgefühl sinkt. 
Deshalb sorgt sie dafür, dass die Kinder von ihr abhängig bleiben. Damit man sieht, dass sie gebraucht wird.
Papi übt im Gegensatz dazu eine &quot;wichtige&quot; Tätigkeit aus. Er will auch beachtet und versorgt werden von Mami. Er reagiert eifersüchtig und &quot;kuschelt&quot; jetzt lieber mit den Kindern. 
Er stammt ebenfalls aus einer &quot;intakten&quot; Familie, ist also auch von einer depressiven, unzufriedenen, isolierten &quot;Mami&quot; erzogen worden und deshalb immer ein &quot;Mamisöhnchen&quot; geblieben. Bedürftig und unreif. 

Die Kinder merken, dass sie eigentlich nerven (Mami) oder &quot;gebraucht werden&quot; (von Papi). Nach außen hin, wegen der &quot;Normalität&quot; gibt man sich liebevoll und &quot;glücklich&quot;. 
Die Kinder lernen, dass man nicht echt sein sollte. 

Kommen noch Alkohol und Tabletten hinzu, aktivieren Mami und/oder Papi ganz schnell eigene Erfahrungen mit Übergriffen und geben sie an die Kinder weiter. 

Ich habe solche Familien mal als &quot;Rama&quot;- Familien bezeichnet, weil die Werbeszenen immer so schön klischeehaft verlogen waren, dass sie schon wieder einen Teil der Realität abgebildet haben... 

Grüße von 
Angelika Oetken, Berlin
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo,<br />
so &#8220;zwischen den Jahren&#8221; ein paar Gedanken zu diesem Artikel. </p>
<p>Es ist grundsätzlich erfreulich, dass Hirnforscher, als eher biologisch ausgerichtete Fachrichtung, sich jetzt auch mit den psychosozialen Lebensfaktoren beschäftigen.<br />
Dass Körper, Seele und Geist nur aus theoretischen Gründen getrennt angesehen werden und in der Realität natürlich eine Einheit bilden und interagieren ist eigentlich unter Praktikern ein &#8220;alter Hut&#8221;. </p>
<p>Merkwürdig nur, dass die biologisch ausgerichteten Humanwissenschaften so überrascht tun, wenn ihnen ihre eigenen Forschungsergebnisse genau das auch beweisen.</p>
<p>Evtl. ist das mit darauf zurückzuführen, dass das Paradigma der &#8220;Ganzheitlichkeit&#8221; &#8211; zu &#8211; lange von den Esoterikern besetzt wurde und deshalb von seriösen Forschern gemieden wurde. </p>
<p>Und psychosoziale Wissenschaften die Biologie lange ignoriert und abgewehrt haben, weil sie einmal von den Nationalsozialisten missbraucht wurde. </p>
<p>Aber uns Betroffenen und somit der gesamten Gesellschaft auch kommen die Forschungsergebnisse zu Gute. </p>
<p>Wer weiß, vielleicht gibt es schon bald preiswerte, einfache Methoden, die biologisch-strukturellen Folgen  von Traumatisierungen darstellbar zu machen? Also auf der Ebene von Veränderungen von Körperstrukturen, zu dem Nervengewebe gehört, sichtbar zu machen. </p>
<p>Solange &#8220;Datenmissbrauch&#8221; dabei unterbunden wird, wären das sehr effektive, nachhaltige Methoden. V.a. und auch wenn es um den Beweis von Straftaten geht, die lange zurück liegen. Oder um Reha- oder Rentenansprüche. </p>
<p>Die Ansicht von Prof. Bauer teile ich dagegen gar nicht und zwar v.a. aus meiner Perspektive als Fachfrau. </p>
<p>Zitat :</p>
<p>Der Freiburger Psychosomatik-Professor Joachim Bauer gibt jedenfalls zu bedenken: “Ein Staat, der Eltern nicht ausreichende Möglichkeiten einräumt, sich in der frühen Lebensphase ihrer Kinder intensiv um diese zu kümmern, zahlt später einen hohen Preis &#8211; in Form einer Zunahme psychischer, insbesondere depressiver Störungen und anderer Stresskrankheiten.”</p>
<p>Zitatende</p>
<p>Traumatisierungen und Vernachlässigungen sind eindeutig nicht die Folge davon, dass Eltern vom Staat nicht die Möglichkeit bekämen, sich um ihre Kinder zu kümmern. </p>
<p>Wer weiß das schließlich besser als wir, die Betroffenen. </p>
<p>Sondern im Gegenteil, sie entstehen dadurch, dass zu viele Menschen, die nicht in der Lage sind, für ein Kind auf allen Ebenen zu sorgen, zu viel Zeit und Gelegenheit haben, ihre Kinder zu misshandeln oder anderen Misshandlungen zu ermöglichen. </p>
<p>Es gibt in unserer Kultur leider zu wenige Menschen, die Einblick in die familiären Verhältnisse haben und wohlwollend kontrollieren, dass es den Kindern gut geht und dass umfassend für sie gesorgt wird. Und im Zweifelsfall einschreiten.  </p>
<p>Zu viele Eltern sind zu viel allein zuhause mit ihren Kindern. Es gibt zu viele, die selbst so bedürftig und überfordert sind, dass sie nicht ausreichend für ihr Kind sorgen können. </p>
<p>Erfahrene Praktiker erkennen das schon an der Interaktion und dem, was diese Eltern über ihre Kinder berichten, wenn die noch Säuglinge sind. </p>
<p>Aber uns Praktikern sind häufig die Hände gebunden. V.a. wenn es um die ersten Warnsignale geht, bevor noch Misshandlungen geschehen.<br />
Der Staat greift erst ein, wenn Kinder ganz übel misshandelt worden sind. </p>
<p>Es gibt viele Menschen, die sollten gar keine Zeit mehr allein mit ihren Kindern oder Enkeln verbringen und wenn dann unter Aufsicht einer verantwortungsvollen Person. </p>
<p>Das alles ist keine Frage des Geldes und auch keine Frage der Zeit, sondern der Qualität. </p>
<p>Ich empfehle Prof. Bauer einmal eine Hospitation in einem SPZ oder bei einem Kinder- und Jugendpsychiater zu machen. </p>
<p>Viele der Betroffenen stammen aus so genannten &#8220;intakten&#8221; Elternhäusern. </p>
<p>Übersetzt in die Realität heißt &#8220;intakt: </p>
<p>Mami hat beruflich zurückgesteckt und geht ganz in der Fürsorge für die Kinder auf. Sowieso hat sie &#8220;nach oben&#8221; geheiratet, also jemanden, der beruflich erfolgreicher ist, als sie es je war. Sie steht unter moralischem Erfolgsdruck (gelungene Kinder sind ihr Projekt) und ist sozial isoliert. Erfolgserlebnisse bleiben aus, sie baut kognitiv ab, ihr Selbstwertgefühl sinkt.<br />
Deshalb sorgt sie dafür, dass die Kinder von ihr abhängig bleiben. Damit man sieht, dass sie gebraucht wird.<br />
Papi übt im Gegensatz dazu eine &#8220;wichtige&#8221; Tätigkeit aus. Er will auch beachtet und versorgt werden von Mami. Er reagiert eifersüchtig und &#8220;kuschelt&#8221; jetzt lieber mit den Kindern.<br />
Er stammt ebenfalls aus einer &#8220;intakten&#8221; Familie, ist also auch von einer depressiven, unzufriedenen, isolierten &#8220;Mami&#8221; erzogen worden und deshalb immer ein &#8220;Mamisöhnchen&#8221; geblieben. Bedürftig und unreif. </p>
<p>Die Kinder merken, dass sie eigentlich nerven (Mami) oder &#8220;gebraucht werden&#8221; (von Papi). Nach außen hin, wegen der &#8220;Normalität&#8221; gibt man sich liebevoll und &#8220;glücklich&#8221;.<br />
Die Kinder lernen, dass man nicht echt sein sollte. </p>
<p>Kommen noch Alkohol und Tabletten hinzu, aktivieren Mami und/oder Papi ganz schnell eigene Erfahrungen mit Übergriffen und geben sie an die Kinder weiter. </p>
<p>Ich habe solche Familien mal als &#8220;Rama&#8221;- Familien bezeichnet, weil die Werbeszenen immer so schön klischeehaft verlogen waren, dass sie schon wieder einen Teil der Realität abgebildet haben&#8230; </p>
<p>Grüße von<br />
Angelika Oetken, Berlin</p>
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