Daniel B. – 1977 im Kinderheim Niendorf/Ostsee sexuell missbraucht

24.01.2010: netzwerkB

Wir bitten Sie um Ihre Hilfe!

Bochum, 24.01.2010

Sehr geehrter Herr Denef,

wir schreiben Ihnen als Hinterbliebene unseres Lebensgefährten, Freundes und Papas Daniel B., der sich im Alter von 39 Jahren am 2. November 2009 das Leben genommen hat.

Daniel litt seit ca. zweieinhalb Jahren extrem an den Folgen sexualisierter Gewalt, die er seiner Meinung nach während eines Kinder-Kuraufenthaltes im damaligen Kurheim in Niendorf/Ostsee (Timmendorfer Strand) erlebt hat. Während des sechs Wochen dauernden Aufenthalts als sechsjähriger Junge, soll er auf  bestialische Weise missbraucht, vergewaltigt, gefoltert und gequält worden sein.

Über dreißig Jahre lang, von 1977 bis 2007, sind Daniel, dem Kind, dem Jugendlichen, dem jungen Erwachsenen, dem Familienvater, diese Ereignisse nicht präsent gewesen.

Daniel war nach  Bewusstwerdung der Ereignisse, nie wieder in der Lage ein „normales“ Leben zu führen.

Er hat bis zum Schluss so sehr gekämpft:
Gegen die urplötzlichen „Flashbacks“ am hellen Tage,  die ihn mitten in der Stadt ereilten und ihn einfach umkippen ließen.
Gegen Todesängste und Panikattacken.
Gegen seine Alkoholsucht.
Gegen die Alpträume die ihn stundenlang gelähmt vor Furcht ans Bett fesselten.

Frau Pypker, seine Lebensgefährtin, hatte bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt (Anfrage beim Jugendamt der Stadt Bochum, über das die Kinder damals „verschickt“ wurden, Anfragen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, umfangreiche Internet-Recherche), um in Erfahrung zu bringen, wie das Kinderkurheim hieß, wer die damals Verantwortlichen waren.

Leider bisher ohne Erfolg.

Das einzige, was in Erfahrung gebracht werden konnte ist, dass es bis 1981 zwei Kinderheime in Niendorf/Ostsee gab, in denen Kinderkuren durchgeführt wurden. Einmal in St. Johann und zum anderen im Antoniushaus. Noch ist unklar, in welchen der beiden Heime der Missbrauch sich ereignet haben soll. Die folgenden Fotos beabsichtigen nicht, mit der jetzigen Einrichtung Maria Meeresstern, zu den damaligen angeblichen Verbrechen einen Bezug herzustellen. Vielleicht kann sich aber dadurch jemand an Daniel B. erinnern und war eventuell mit ihm zur gleichen Zeit dort in dem Kinderheim, Ostern 1977 und kann uns bei der Aufarbeitung helfen.

Postkarte ANTONIUSHAUS Ostseeheilbad Niendorf vom 9. April 1975:

Beim Jugendamt der Stadt Bochum existieren nach so vielen Jahren keine Unterlagen mehr. Polizei und Staatsanwaltschaft sahen keinen Handlungsbedarf, da das angebliche Verbrechen als solches verjährt sei. Was uns alle fassungslos gemacht hat und immer noch macht.

Daniel war bis zum Schluss beseelt von dem Gedanken, mit anderen Opfern in Verbindung treten zu können, denen vielleicht gleiches widerfahren ist.

Wir vier (seine Tochter, ist erst drei Jahre alt) möchten nun stellvertretend für unseren Freund, Liebsten und Papa Licht in das Dunkel bringen. Wir möchten gegebenenfalls die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
Wir möchten denen, die vielleicht auch betroffen sind Mut machen, ihr Schweigen zu brechen, um mit uns gemeinsam die angeblichen Verbrechen aufzuarbeiten.

Wir wissen nicht mehr weiter und stehen vor einer Wand aus Schweigen und Schulterzucken. Wir sind der Meinung, dass eine Veröffentlichung von Daniels Geschichte auf Ihrer Seite helfen könnte, andere Betroffene zu finden, die im selben Jahr dort waren und gegebenenfalls ähnliches erleiden mussten.

Gerne sind wir zu Gesprächen und der Erörterung weiterer Details bereit.

Für Ihre Hilfe sind wir Ihnen unendlich dankbar.

Mit den allerbesten Grüßen

Gaby, Gisela, Julia und M.

Ansprechpartnerin:

Gabriele Pypker, Ottilie-Schoenewald-Str. 16, 44789 Bochum, Tel 0234 34841


260 Kommentare

  1. Angelika Oetken schreibt am :

    Liebe Angehörige,
    zu erst einmal ein ganz herzliches Beileid.
    Sie schildern ein ganz furchtbares Schicksal.

    Dass Sie im liebenden Angedenken an Daniel Bongardt herausbekommen wollen, wer hinter den Verbrechen von damals steckt, finde ich sehr anerkennenswert und es ist sicher in seinem Sinne.

    Ich bin davon überzeugt, dass Sie mit dem Schritt, sich an Herrn Denef zu wenden und Ihr Anliegen öffentlich zu machen, das Richtige getan haben.

    Es werden sich auf jeden Fall andere Betroffene melden.

    Eine Frage: Wurde der Aufenthalt damals nur über das Jugendamt finanziert? Falls die Krankenkasse in irgendeiner Form beteiligt war, wird es noch Unterlagen geben (die bewahren alles auf).

    Sobald Sie heraus bekommen haben, in welchem Kurheim Daniel Bongardt damals war, können Sie über Kontaktbörsen gezielt nach Menschen suchen, die im gleichen Zeitraum dort waren und versuchen, sich mit denen auszutauschen.

    Sobald Sie mehrere Betroffene gefunden haben, sollten Sie mit denen zusammen beraten, was weiter zu tun ist.
    Auf dieser Seite hier finden Sie Informationen zu den Verjährungsfristen, die nur wenigen Menschen wirklich bekannt sind.

    Wenn es gut läuft, sind die bei mindestens einem Betroffenen noch nicht abgelaufen. D.h. diese Person könnte klagen.
    Falls Sie gar nicht weiterkommen:
    Wenn damals vor allem Kinder aus Bochum geschickt wurden, dann kann ich mir vorstellen, dass die Suchtberatungsstellen, Suchttherapeuten und Beratungsstellen für Menschen, die sexuell missbraucht wurden einige Betroffene als Klienten beraten.
    Sie könnten dort mal anfragen. Sicherlich werden die keine Namen weitergeben, aber evtl. auf einen Aushang von Ihnen aufmerksam machen.
    Dasselbe gilt für psychiatrische Kliniken in Bochum und Umgebung. Wenn Sie sich mit Ihrem Anliegen an die Klinikleitung (Chefarzt oder leitender Psychologe) wenden, dann kann man Ihnen vielleicht weiterhelfen.

    Die Namen „Antoniuskirchhaus“ und „St.Johann“ legen nahe, dass es sich um katholische Einrichtungen handelt.
    Laut „Google“ existieren beide Einrichtungen noch.

    Sie haben ja sicherlich von den „Missbrauchsskandalen“ in kirchlichen Einrichtungen und von den Übergriffen durch Priester und Laien in Deutschland, Irland, Kanada und überall auf der Welt gehört.

    Die Medien interessieren sich für so was. Und eine Einrichtung mit einer solchen Vergangenheit, wie sie das Schicksal Ihres Angehörigen nahe legt hat nur zwei Möglichkeiten, auf das Bekannt werden zu reagieren:

    Alles tun, um für Aufklärung und Gerechtigkeit zu sorgen und durch Handeln beweisen, dass man es verdient hat, dass einem Kinder anvertraut werden

    oder

    Leugnen und damit riskieren, dass der Leumund für immer ruiniert ist (fatal, wenn man von Kassenleistungen lebt).

    Insofern haben Sie gute Chancen, etwas herauszubekommen und für ein Stück Gerechtigkeit zu sorgen. Und vor allem, Kinder zu schützen, die womöglich immer noch Übergriffen ausgesetzt sind.

    Falls ich als Leitung einer dieser Einrichtungen diese Meldung lesen würde, würde ich sofort mit Ihnen Kontakt aufnehmen und zur Klärung beitragen.

    Es kommt sowieso heraus. Da ist die „Flucht nach vorn“ bzw. Kooperation auf jeden Fall besser.

    Und: es kann ja auch sein, dass die Strukturen sich in den Einrichtungen geändert haben. Dann wäre es ein Beweis für Aufrichtigkeit und Integrität.

    Oder?

    Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft, halten Sie zusammen.

    Herzliche Grüße von
    Angelika Oetken, Berlin

  2. Petra schreibt am :

    Liebe Angehörige von Daniel Bongardt,

    ich bin sehr betroffen und traurig berührt von Ihrer Schilderung, was Daniel Bongardt erleiden musste. Ich möchte Ihnen allen mein herzliches, aufrichtiges Beileid aussprechen.

    Ich freue mich über die vielen detaillierten Auskünfte/Aussagen meiner Vorgängerin Angelika, und ich hoffe, die helfen ihnen schon mal ein Stück weiter auf ihrem Weg, für Daniel Bongardt Gerechtigkeit zu erlangen.

    Ich freue mich ebenfalls, dass Sie den Weg hier auf diese Seite gefunden haben, da ich selbst an eigenem Leib und Seele erfahre, wie wichtig und stärkend und heilsam der Austausch mit anderen Betroffenen ist. Umso mehr bedauere ich zutiefst, dass dies für Ihren lieben Angehörigen nicht möglich war, bzw. zu spät kommt.

    Ich wünsche mir, dass es uns allen gemeinsam gelingt, endlich die wahren, schrecklichen Ausmaße von sexualisierter Gewalt und ihrer furchtbaren Folgen für jedes einzelne Menschenleben ebenso wie für Angehörige und Menschen, die BegleiterInnen dieses schwer gezeichneten Menschenlebens sind, ans Tageslicht zu bringen.

    Ich wünsche mir, dass endlich die Täter/innen für ihre menschen- und gesellschaftsschädigenden Taten zur Rechenschaft gezogen und die Opfer dieser grausamen Geschehnisse rehabilitiert werden.

    Ich wünsche mir eine Veränderung im Ansehen der wahren Täter und der wirklichen Opfer.

    Ich wünsche uns allen, dass wir gemeinsam auf- und hinstehen, um für wahre Gerechtigkeit zu kämpfen.

  3. Elvira schreibt am :

    Liebe Gaby,
    liebe Gisela,
    liebe Julia,
    liebe Mathilda,

    Sie haben mein tiefstes Mitgefühl. Ich nehme sie mit in mein „Gebet“. Ich zünde dafür 5 Kerzen an.

    Elvira B.-G.

  4. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Angelika, liebe Petra,

    ich bedanke mich, auch im Namen von Gisela und unseren beiden Kindern für eure Kommentare zu Daniels Geschichte.
    Sie machen Mut und zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
    Ob damals die Krankenkasse beteiligt war, kann ich noch nicht sagen, aber wir werden versuchen, es über die Eltern Daniels ausfindig zu machen. Auf jeden Fall ist das ein sehr guter Tip. Wir werden euch weiterhin auf dem laufenden halten und über unsere Erfolge oder Misserfolge berichten.
    LG Gaby Pypker

  5. Elke schreibt am :

    Liebe Hinterbliebene Daniel Bongardts,

    beim Lesen Ihrer Zeilen war ich so betroffen, dass ich zunächst gar nichts schreiben konnte. Und auch jetzt bleibt mir fast nur, Ihnen mein herzliches Beileid auszudrücken, verbunden mit dem Wunsch, Licht in das Dunkel von Daniels Vergangenheit und Leid bringen und irgendwann zur Ruhe kommen zu können.

    Die beiden Heime scheint es noch zu geben, somit müsste man auch die Träger ausfindig machen können – dem Namen nach scheinen die Heime in christlicher Trägerschaft zu sein. Die Jugendämter bewahren ihre Akten meist nur 10 Jahre lang auf, manchmal gibt es dort träge Mitarbeiter, die mit dem „Aufräumen“ nicht so schnell sind, aber das haben Sie ja schon versucht.

    Leider habe ich keine weiteren Tipps für Sie. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut und grüße Sie herzlich,
    Elke

  6. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Elvira, liebe Petra,
    auch euch herzlichen Dank für die Anteilnahme. Wir machen weiter und berichten.
    Gaby

  7. kati schreibt am :

    Liebe Familie Pypker und Angehörige, ich bin sehr erschüttert und weiß nicht, was ich dazu noch schreiben könnte. Ich melde mich später noch einmal. Denn unsere Angehörige wird seit Jahren wegen MB und der Folgen psychiatrysiert mit allen möglichen Fehldiagnosen. Auch wir sind sehr verzweifelt und kämpfen seit Jahren und versuchen um Aufklärungsarbeit bei Behörden, Ärzten.

    Traurige und entzetzte Grüße – und bitte kämpfen Sie weiter. Es soll nicht umsonst gewesen sein. Nur Öffentlichkeit kann helfen. Es grüßt Sie kati

  8. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Kati,
    danke für Ihre Mail. Gerne bin ich bereit, mich bezüglich Ihrer Angehörigen mit Ihnen auszutauschen, falls Sie dieses wünschen. In Bezug auf die MB- und deren Folgen bedingte Psychiatrisierung kann ich sicher einiges an Erfahrungswerten beitragen. Ich habe manchmal nicht gewusst, was Schlimmeres anrichtet bzw. angerichtet hat; der MB an sich oder die durch wirklich unzählige, weil sich als inkompetent herausstellende Theras versuchte so genannte Stabilisierung bzw./und Konfrontation.
    In Bezug auf meinen Lebensgefährten werde ich/werden wir nicht ruhen, bis wir alles was möglich ist in Erfahrung gebracht haben. Dass meine/unsere Hoffnung diesbezüglich kein Wunschtraum bleiben muss, zeigt ja gerade jetzt der Berliner Missbrauchsskandal. Einmal angestoßen, haben immer mehr Betroffene den Mut, aufzustehen, zu sprechen, anzuklagen. Und vielleicht geschieht dieses in unserem Falle auch!
    Liebe Grüße
    Gaby Pypker

  9. Lena schreibt am :

    Liebe Familie Pypker,
    es tut mir unendlich leid, dass Herr Bongardt sich das Leben genommen hat.

    Mir selbst sind im Alter von 30 Jahren die Erinnerungen an sex. Missbrauch „um die Ohren geflogen“ und ich kann nachvollziehen, wie schrecklich das ist.

    Zu Ihrer Recherche…eine vage Möglichkeit wäre auch, ausfindig zu machen, bei welchem Kinderarzt / Kinderärztin Herr Bongardt als Kind in Behandlung war.
    Zwar werden die Unterlagen von den Nachfolgern meist nicht weiter aufbewahrt, aber Ärzte / Ärztinnen haben oft eine erstaunlich gute Erinnerung an ehemalige Patienten, selbst nach so langer Zeit. Sicher wäre der ehemalige Arzt / Ärztin trotz des vermutlich mittlerweilen hohen Alters zu einem Gespräch bereit, wenn Sie ihr Anliegen schildern.

    Eine vage Chance, aber es wäre einen Versuch wert.

    Ganz viel Kraft für Sie und Ihre Familie,
    Lena

  10. Ja, ich stehe auch vor diesem großen Problem und kann die Täter von damals nicht zur Rechenschaft ziehen.
    Ich bin heute 55 Jahre alt.
    Von meinem 5ten bis 15ten Lebensjahr wurde ich regelmäßig auf St. Pauli in Hamburg von Menschen, die mir sehr nahe standen verkauft.
    Mein ganzes Leben war ein Amoklauf. Ich hatte mein Leben nie wirklich in den Griff bekommen. Erst mit 45 Jahren begann ich eine Therapie, die Heute immer noch anhält. Ein sehr langer Gefängnisaufenthalt war ausschlaggebend dafür.Ich wollte wissen was mit mir los war. Ich bin seit 33 Jahren verheiratet, habe drei tolle Kinder aus denen etwas geworden ist. Nur bei mir stimmte nichts. Gefühle konnte ich nie geben……
    Meine Lebensgeschichte hier nieder zu schreiben würde den Rahmen sprengen. Das Schreiben meiner Lebensgeschichte(als Buch) hat mich lebensfähig gemacht… Heute bin ich Autor, zwar kein erfolgreicher aber immerhin….
    Ich kann über mich und das Thema sexueller Missbrauch ohne Hemmungen reden. Gerne würde ich meine Erfahrungen an andere Menschen weiter geben. Erfahrungen, die mein Leben jetzt endlich lebenswert machen. Ich weiß bis Heute zwar immer noch nicht wie sich das Glücksgefühl anfühlt, aber ich kann wieder lachen…Und denke auch nicht mehr an Selbstmord.

  11. Sarah M. schreibt am :

    Sehr geehrte Fr. Pypker,
    ich habe ihre Suche nach Kinder, Jugendliche, die in der selben Zeit wie Daniel Bongardt in einem dieser Heime kuren mussten, in folgendes Forum gestellt, da hier unzählige ehemalige Heimkinder chaten, foren und sich austauschen, alte Freunde suchen oder Heimmitbewohner aus ihrer Kindheit. http://www.heimkinder-forum.de
    Falls sich jemand meldet, dann über Norberts Forum (also hier), da ich seinen Link angefügt habe. Ich wünsche Ihnen so sehr, dass Sie Erfolg bei Ihrer Suche haben!
    Mit freundlichen Grüßen
    Sarah M.

  12. Silvia schreibt am :

    Liebe Gaby Pypker,

    erst mal mein aufrichtiges Beileid für Sie und Ihre Familie.

    Es ist so schrecklich, was dort passiert ist und deshalb sehr wichtig die Wahrheit ans Licht zu bringen.

    Ich habe mal im Internet recherchiert.

    St. Johann wurde 1911 als Stiftung von der Kongregation der Thuiner Franziskanerinnen erbaut. St. Antonius wurde von den Gründern von St. Johann zusätzlich gekauft hauptsächlich lange als Mütter- Kind Heim, erst viel später auch „nur“ für Kinder Kuren.

    Also was ich damit sagen will, es war der geleiche „Besiter“ (Betreiber/Träger),Thuiner
    Franziskanerinnen http://www.franziskanerinnen-thuine.de/
    Der heutige Träger ist der gleiche wie damals als ihr Mann dort war.

    Ich würde an ihrer Stelle mal versuchen, nicht dort, in einer anderen Kurklinik in Erfahrung zu bringen wie lange in Kurkliniken Patientenunterlagen aufbewahrt werden müssen.
    Eine weitere Möglichkeit, versuchen sie ehemalige Mitarbeiter der Heime zu finden.

    Niendorf kenne ich aus meiner Kindheit sehr gut, ich war dort oft mit Eltern und Geschwistern in Urlaub. Es ist wunderschön dort. Vielleicht sollten Sie einfach mal der der Familie dort mal ein paar Tage auf Recherche Urlaub fahren. Niendorf ist klein und viele Einheimische leben dort, auch der kleine Fischereihafen dort ist jeden Morgen ein guter Ort für Information/Tratsch und Klatsch.
    Direkt am kleinen Fischerhafen ist das beste deutsche Fischrestaurant. JEDER geht dort mal essen, da fahren Leute aus ganz Europa hin. Da finden Sie bestimmt Leute, die Jemanden kennen der in den Heimen gearbeitet hat. Die Besitzer des Restaurant betreiben es auch bereits über mehrer Generationen.
    Wenn Sie es selber nicht schaffen dort hinzufahren, könnten vielleicht Freunde dort recherchieren.

    Meine Erinnerung ist eben das die Leute dort alles von Jedem wissen.
    Auch die anderen Orte dort in der Nähe Timmendorf, Scharbeutz, Hafkrug usw. sind absolut einen Urlaub wert und man könnte wunderbar die Leute ausfragen.
    Die Orte liegen alle sehr nahe beeinander, mit Sicherheit hat aus jedem Ort dort Jemand irgendwie mit dem Heim zu tun gehabt. Und oft ist es ja so, dass „kleine“ Angestellte die was mitbekommen nicht selber eingreifen aber froh sind, wenn sie Hinweise geben können.

    Dann würde ich versuchen mich über das Internet zu vernetzen – Facebook, Twitter, My space, …….. und gezielte Foren sozusagen einen Suchaufruf zu starten.

    Nicht schlecht ist wenn sie die Suchanfrage nach Kindern die in den 2 Heimen waren auch über Fan Foren von sehr bekannten Künstlern suchen, diese Fans sind meist weltweit vernetzt und haben weit mehr als 100.000 sende „Freunde“. Wenn sie dort bitten den Suchauftrag ÜBERALL zu posten, werden die Leute das ganz sicher gerne machen. So könne Sie auf sehr große Verbreitung hoffen.

    Ich würde den Fall, kurz mit genauen Zeit-Ortsangaben und Namen der beiden Heime zusammenfasend schildern in 4 Sprachen übersetzen und dann an alle möglichen Fangruppen bei Facebook usw. mit der Bitte um Verbreitung reinstellen.
    Bei Facebook und Twitter ist auch die Presse auf der ganzen Welt, immer auf der Suche nach neuen Geschichten.

    Über Facebook und twitter könnte man auch die Petition gegen die Verjährung mit noch größerem Erfolg verbreiten.
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie auf jeden Fall viel Kraft und Glück für die Zukunft, wenn das in so eine Situation auch schwer ist noch an Glück zu glauben.

    Falls Ihr Mann als Kind mal in einem Krankenhaus/Arzt war würde ich dort auch mal fragen ob dort in den Akten vielleicht ein Vermerk ist wo er zur Kur war.

    Liebe Grüsse
    Silvia

  13. Silvia schreibt am :

    Und noch ein paar Infos:

    St. Johann und St. Antonius wurde von den Thuiner Franziskanern gegründet und ist wohl ein evangelische Orden.
    Die Heime gehörten zur Kirchengemeinde Niendorf/ Ostee , zur Petri Kirche.

    Auffällig ist, dass 1977 der Pastor Heinz Deiseroth ausschied sein Nachfolger wurde Pastor Fritz Wolk.

    Weiterhin könnte es zu Ihrer Geschichte passen, dass ca. Ab 1977 kaum noch Kinder zur Kur dort hinkamen und aus diesem Grund wurde das Heim in ein Mütter/ Kind Heim umgewandelt.

    Nun können die Jahreszahlen ja Zufall sein, jedoch wäre es möglich, dass der Rücklauf der Besuchezahlen und der Pfarreraustausch mit „Vorfällen“ in Verbindung steht.

    Auf jeden Fall gehören die Heime zur oben genannten Kirchen Gemeinde St. Petri Niendorf/Ostsee, also müsste man alle Informationen eigentlich bei der Kirchengemiende erhalten können.

    Die Heime gehören zur Kirchengemeinde Niendorf -Kirche St. Petri.

    Niendorf gehörte kirchlich zu Travemünde-Lübeck.
    In Niendorf wurde die Petri Kirche gebaut und Pfarrer von 1964 – 1977 war Pastor Heinz Deiseroth von 1977 bis 2007 Pastor Fritz Wolk , dann Ünergangsweise Patorin Gallien (Seelsorgerin aus Klinkenberg) und seit 2008 Probst Wiechmann.

    http://www.kirche-niendorf-ostsee.de/?page_id=111

    Hier noch der Link zum Heim Heute und der Enstehung und Geschichte
    http://www.maria-meeresstern-niendorf.de/uklinik/geschichte.html

  14. Pastor Winfried Krzyzanowski schreibt am :

    Durch ein Gemeindemitglied wurde ich auf diese Seite hingewiesen.
    Kurz zum obigen Artikel von Silvia vom 25.02.10:
    Silvia irrt mit ihrer Vermutung, dass die Thuiner Franziskanerinnen ein evangelischer Orden sind – es ist ein katholischer Orden. Zu diesem Orden gehörten auch die beiden Heime, die inzwischen als eine Einrichtung geführt werden. Näheres kan man nachsehen auf:
    http://www.franziskanerinnen-thuine.de/
    und zur Geschichte:
    http://www.maria-meeresstern-niendorf.de/uklinik/geschichte.html
    Alle Hinweise auf die evangelische Gemeinde, die nie Träger der beiden Häuser war,und Spekulationen über einen Zusammenhalt mit einem dortigen Stellenwechsel sind daher völlig haltlos!
    liebe Familie Pypker!
    Da meine Mutter immer wieder Kuren in einem der Häuser gemacht hat und ich sie dort dann besucht habe, kann ich mich an beide Häuser natürlich gut erinnern.
    Ich finde es sehr verständlich, dass Sie, liebe Familie Pypker, sich um weitere Aufklärung bemühen. Es dürfte aber sehr schwer sein, Näheres von Ostern 1977 noch zu erfahren. Es gab immer in beiden Häusern einen Riesenmitarbeiterstamm. In den 33 Jahren sind kaum noch relevante Akten vorhanden, da die Aufbewahrungsfrist längst verstrichen ist. Viele damals Tätige sind inzwischen verstorben. Vielleicht haben Sie jetzt hier über das Internet ja Glück.
    Vielleicht hilft Ihnen auch ein anderer Weg, um für Ihre Familie Heilung dieses Traumas zu finden:
    Stellen Sie sich in Ihrer Phantasie den Täter vor. Schreiben Sie ihm all Ihre Wut und Trauer und was Ihnen alles so durch das Herz und durch den Kopf geht in einem Brief. Machen Sie dann im Sommer eine Fahrt zu den beiden Heimen(die liegen in einer Strasse), spazieren Sie dahinter an der Ostsee und werfen Sie den Brief dort als Flaschenpost in die See.Wenn Sie mögen, bin ich auch bereit, Sie dabei zu begleiten.Ich wohne zwar nicht in Timmerdorfer Strand, sondern in Kiel. Aber das lässt sich sicher einrichten.
    Ich wünsche Ihnen vor allem von Herzen einen hilfreichen und heilsamen Weg!
    Ihr Pastor Winfried Krzyzanowski, St. Joseph Kiel

  15. Angelika Oetken schreibt am :

    Liebe Familie Pypker,
    wie Sie sehen, wird diese Seite immer bekannter und damit erhöht sich auch die Chance, daß Sie nähere, konkrete Informationen über die Zeit als Ihr Daniel in Niendorf war erhalten.

    Alle diese kleinen Ostseebadeorte sind sehr überschaubar, vor allem für Einheimische – das waren sie 1977 noch viel mehr als jetzt.

    Ich stamme selbst aus einem kleinen norddeutschen Kurort und ich weiß, daß eigentlich so gut wie keine Information dort verloren geht oder bestimmten, gut informierten Menschen verborgen bleibt. Das heißt aber nicht, daß diese Menschen auch etwas erzählen.
    Sie sind oft recht unauffällig, vertrauenswürdig und fungieren als „Beichtmütter und -väter“.

    In kleinen Orten gibt es eine Balance aus „Ausspionieren“ und „Verschweigen“, wäre es anders, wäre es wegen der Überschaubarkeit und dem damit verbundenen Mangel an „Fluchtpunkten“ nicht zum Aushalten für die Bewohnerschaft.
    Fremden etwas zu erzählen, kommt in der Vorstellungswelt von einigen „Ureinwohnern“ Verrat und Nestbeschmutzung gleich, auch wenn der Täter womöglich gar kein Niendorfer war.

    Der Hinweis, den Herr Kryzanowski erhalten hat, deutet darauf hin, daß die Meldung über Daniel Bongardts Tod und seine Erlebnisse auf der „Kur“ schon bis Niendorf vorgedrungen ist.

    Nur Geduld : ich bin mir ziemlich sicher, daß Sie etwas in Erfahrung bringen werden.

    Und falls nicht, können Sie immer noch dem Rat von Herrn Kryzanowski folgen und der Ostsee eine „anonyme“ Anklage übergeben.

    Solange die Chance besteht, herauszufinden wer 1977 dort hilflose Kinder wie Daniel Bongardt sexuell gefoltert hat, sollte man alles tun, um an Informationen zu gelangen.

    Ihnen weiterhin viel Kraft, alles Gute und eine gehörige Portion Glück !

    Angelika Oetken, Berlin

  16. astrid schreibt am :

    Hallo Jürgen, mich interessiert Ihr Buch. Können Sie mal den Titel posten oder wenn geheim an Admin zum Weiterleiten? Danke

  17. Gaby Pypker schreibt am :

    Ich möchte mich bedanken bei all den Menschen, dir mir in der letzten Zeit so viele hilfreiche Informationen haben zukommen lassen; sei es durch Anrufe oder durch Briefe hier auf dieser Seite. Entschuldigt bitte, dass ich mich erst jetzt dazu zu Wort melde; ich brauchte Zeit zu verarbeiten. Und ich bin überwältigt von dem, was derzeit alles geschieht; was aufgedeckt, bekannt, endlich ausgesprochen wird. Welche Kraft, welche Macht wird plötzlich frei, welche Solidarität. Hätte mein Lebensgefährte nur zwei Monate länger leben können/dürfen… vielleicht…
    Aber jetzt kämpfe ICH für ihn und in seinem Namen. Und ich bin glücklich, dass ich schon jetzt so viel weitergekommen bin, als ich jemals gehofft habe. Und dafür bin ich euch allen hier unendlich dankbar.
    Ich bin am Montag zu einem Interview bei Radio Bochum eingeladen und werde dort über Daniels Schicksal berichten dürfen. Und wer weiß…. vielleicht triggert es plötzlich bei anderen Menschen, die auch in diesem Heim an der Ostsee waren, deren Kindheit, deren Leben auch dort beendet wurde, und sie trauen sich, zu reden. Es wurden in den 70igern viele Kinder aus Bochum und Umgebung zur „Erholung“ dort hingeschickt. Ich habe große Hoffnung! Und ich halte euch auf dem Laufenden!
    Gaby Pypker

  18. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Fr. Pypker,
    wunderbar, dass Sie die Chance bekamen, ein Interview im Radio zu geben. Je mehr Menschen von dem Schicksal mitbekommen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein weiterer Betroffener meldet.
    Ich denke ganz fest am Montag an Sie und wünsche Ihnen weiterhin viel Durchhaltekraft!
    Im Gedanken Ihnen nahe
    Sarah M.

  19. bastian schreibt am :

    @elvira: 5 kerzen und beten helfen hier leider nicht weiter.

  20. Detlef K. schreibt am :

    Hallo liebe Frau Pypker,
    als ich auf diese Seite gestossen bin stockte mir der Atem – denn auch ich war Ende der siebziger in dieser Einrichtung. An sexuellen Missbrauch kann ich mich beim besten Willen zwar nicht erinnern – dafür aber umso mehr an unendliche Quälereien, zumindest was eine Kinderseele betrifft. Prügelstrafe, Knastmethoden, Zensur, klerikale Verbissenheit, ja fast Bosheit waren an der Tagesordnung.
    Ich werde nun versuchen, einen genaueren Zeitraum zu recherchieren, bevor ich Kontakt mit Ihnen aufnehmen werde – sind sie vielleicht bereits im Besitz irgendwelchen Fotomaterials aus dieser Zeit?

  21. "Meppen" schreibt am :

    Hallo,
    auch ich habe einen sex. Übergriff einer Thuiner Nonne erlebt.Der Orden hat eine Ansprechperson genannt, die sehr freundlich ist. Sr. Clarissa. Sie ist auch auf der home-page der Thuiner Franziskanerinnen zu finden. Es kann gut sei, dass sie sich um Weiterhilfe bemüht.
    Mittlerweile gibt es beim NDR auch eine Redakteurin im Emsland, die die Thuiner Nonnen ins Visier genommen hat. Die macht Druck und läßt nicht locker beim recherchieren.Viele Grüße

  22. Gaby Pypker schreibt am :

    Hallo Detlef K.,
    leider bin ich nicht im Besitz von Fotomaterial aus der Zeit in Niendorf. Ich freue mich aber sehr, dass Sie versuchen wollen, einen genauen Zeitraum zu recherchieren und hoffe, bald von Ihnen zu hören. Bis dahin meinen aufrichtigen Dank und viele Grüße
    Gaby Pypker

  23. Gaby Pypker schreibt am :

    Ich bedanke mich für die Nennung der Sr. Clarissa und werde umgehend versuchen, Kontakt zu ihr aufzunehmen.
    Vielleicht wissen Sie auch den Namen der Redakteurin des WDR bzw. wie ich sie kontaktieren kann?
    Viele Grüße
    Gaby pypker

  24. Barbaraberta schreibt am :

    Als erstes mein Mitgefühl für Ihre Probleme und Nöte die sie durchleiden. Ich wünsche Ihnen Erfolg bei der Verarbeitung dieses Schicksals!
    Bestürzt bin ich über die Meinung ,eine Thuiner Ordensschwester könne allen ernstes Kinder misshandelt haben.
    Ich kenne den Orden über viele Jahre -habe meine eigene Geschichte und Erfahrungen.Diese Ordensschwestern haben über 100 Jahre Menschen in den schwierigsten Situationen geholfen -begleitet- gepflegt und höchste Anerkennung erhalten.Und mit einem Mal tauchen wilde Spekulationen auf und sofort werden diese mutigen Frauen mit Verbrechern gleichgestellt.
    Mein Wunsch ist es aufklären und den betroffenen helfen-
    aber die Kirche im Dorf lassen denn nicht jeder der für sie arbeitet und in ihr lebt hat Dreck am stecken.
    Meine Hochachtung an die Thuiner Schwestern sie haben es verdient !

  25. Schneider schreibt am :

    Hallo,
    ich war im Jahr 1975 in diesem Heim, die Zustände waren für uns Kinder gruselig. Die Leiterein damals war eine Ordensschwester namens SR. Burkarde – die lebt garantiert nichtmehr, wäre sonst schon über 100 Jahre alt. Eine Erzieherin hieß SR. Roswitha, dann waren noch ein paar männliche Personen für Kinder zuständig. Das sah damals noch ganz anders aus , ich spreche immer von der Kinderquälanstalt Niendorf wenn ich vom „Erholungsurlaub“ erzähle.

  26. Gaby Pypker schreibt am :

    Hallo Herr oder Frau Schneider,
    wären Sie einverstanden, mich einmal anzurufen? Meine Kontaktdaten sind in unserem Brief über meinen Lebensgefährten angegeben. Ich wäre Ihnen sehr dankbar.
    Liebe Grüße
    G. Pypker

  27. Karin Albrecht schreibt am :

    Liebe betroffene Menschen,
    betroffen von tiefstem Leid was sooft durch Schutzbefohlene zugeführt wurde, eine Verjährung darf es nicht geben, Leid verjährt nicht, Leid ist Schmerz an Körper, Geist und Seele und das fordert sein Recht, denn die
    Würde des Menschen ist unantastbar. Ich bin in Gedanken mit Ihnen

    Mit Herzlichen Grüßen

    Frau Karin Albrecht

  28. Gabi Schneider schreibt am :

    Im Jahr 1975 war ich mit meinen Geschwistern (ich, damals 8, die beiden 6 und 4 J.) für 6 schreckliche Wochen im „Erholungsheim“ Antoniushaus in Niendorf Travemünde, Timmendorfer Strand.  
    
Wir Kinder dort waren unglücklich. Uns drei Geschwister hat man getrennt, mein Bruder – der Jüngste von uns, kam in eine andere Gruppe. Meine kleine Schwester sah ich nur im Speisesaal 1. Die Buben waren im Speisesaal 2. räumlich getrennt durch eine dunkle Holzwand mit gelben Blindglasscheiben. Ich konnte immer nur meinen kleinen Bruder nebenan weinen hören. Er wollte nichts mehr essen. Ich bekam ihn tagelang nicht zu Gesicht. Als er dann eines Tages zu mir in den Speisesaal gesetzt wurde, es gab zum Abendessen warmen Vanillepudding,
    aß mein Bruder widerwillig ein paar Löffel, weil diese Schwester Burkarde ihm im Nacken saß. Dann ganz plötzlich übergab er sich… .den gegessenen
    Pudding zurück in den Teller. Die Schwester fasste ihn im Nacken und befahl: „Aufessen!“ So musste mein Bruder das Erbrochene wieder einlöffeln. Er
    fing dann an fürchterlich zu weinen, wurde einfach aus dem Saal getragen. Dann sah ich ihn tagelang nicht wieder. Als ich ihn im Garten wieder sah, hatte er viele blaue Flecken an den Händen und an den Wangen. Ich fragte seine Betreuerin was er denn da hätte, sie sagte, er sei beim Spielen unglücklich gefallen. Danach sah ich meinen kleinen Bruder bis zum Abreisetag nicht wieder.

    Wir hatten Schwimmunterricht in einem alten Schwimmbecken, das ist nicht jenes welches auf den modernen Bildern ersichtlich ist – dort mussten wir uns vor und nach dem Schwimmen nackend aufstellen.

    Uns wurden Postkarten gegeben, den Kinder die schon schreiben konnten. Ich schrieb darauf: „Mama ich will heim, hier gefällt es mir nicht, die sind böse!“.
    Die Karten wurden zensiert. Nach meinem Geschreibsel landete ich einen Tag lang in einem dunklen Zimmer. Danach gab es nur von der/den Schwestern geschriebene Karten für die Mama. „Hier ist es sehr schön, es gefällt uns gut!“

    Was meine kleine Schwester während der Zeit machte, weiß ich nicht! Wir hatten getrennte Unterkünfte, das einzige positive woran ich mich erinnere ist, dass ich im Sand am Strand ein kleines Stückchen Bernstein fand.  

    Heute als erwachsene Person sehe ich den Heimaufenthalt wie eine Art Kinder-KZ. Psychoterror, Folter, Lieblosigkeit. Was mit meinem kleinen Bruder alles geschah weiß ich nicht – aber er war danach nicht mehr wie zuvor, er ist heute nicht beziehungsfähig, kann sich mit seinen fast 40 Jahren nicht richtig artikulieren… Ich selbst habe erst 1988 wieder an das Heim gedacht – hatte es all die Jahre verdrängt und habe immer noch Lücken…

    1988 kam mein erstes Kind zur Welt und irgendwie fielen mir dann die Dinge wieder ein! Ich habe meinen Bruder und meine Schwester gefragt was sie noch wissen, beide meinten, sie wüssten nicht mal mehr, dass sie dort waren….

    Wir kamen damals als „Kinderverschickung“ vom Jugendamt dort hin. Die Begleiterin hieß Frau Eha. Es waren noch einige Kinder aus der Region dabei. Ich erinnere mich nur noch an den Nachnamen eines Jungen „Heinzelmann“ aus einer Nachbargemeinde und ein Mädel „Anke L.“. Sie war übrigens die Älteste und hat mich immer beschützt. Sie sagte stets, dass ich einfach nicht hinhören und weggucken soll.

    Manchmal mussten wir viele Treppen nach unten in den Keller gehen – aber da hört es bei mir mit der Erinnerung auf – ich dachte schon daran, mich unter
    Hypnose befragen zu lassen, vielleicht würde das auch bei meinen beiden Geschwistern etwas hervorbringen. Mich macht es eben stutzig, dass ich für
    viele Tage dieses 6-wöchigen Aufenthaltes keine Erinnerung habe und meine Geschwister noch weniger.

    Die Oberschwester bzw. Chefin Schwester Burkarde, verlangte täglich viele Gebete, war aber selbst böse zu uns Kindern – wenn jemand dumme Fragen stellte (kleine Kinder stellen keine dummen Fragen, die wollen doch nur Wissen ergattern).

    Ich schrieb schon im Kommentar, dass ich diese Einrichtung nur als Kinderquälanstalt in Erinnerung habe. Ich kann nicht sagen, was alles dort passierte.
    War doch selbst ein kleines Kind! Aber, es war sicherlich nichts Liebevolles oder Gutes, ich war jahrelang traumatisiert, meine Geschwister haben davon einen an der Klatsche und ich als Älteste habe Blackouts, kann mich nicht an die gesamte Zeit erinnern. Bei mir dauerte es 20 Jahre bis ich wieder Vanillepudding essen konnte.

    Ein Hoch auf diese Franziskanerinnen… Irgendwas war dort faul. Leider ist alles verjährt – ich bin jetzt bald 44 und habe immer noch seit 1988 schlechte
    Träume wegen diesem Kinder-KZ. Sehe meinen damals 4-jährigen Bruder mit blauen Flecken vor mir, wie er ausgekotzten Vanillepudding isst…

    Kinderquälerei in solchen Einrichtungen hatte zig Jahre über ein festes Konzept.

    Glaube ich nicht daran, dass sich jener arme Mensch oder seine Verwandten, dieses Heim als  Ursache für den Suizid einfach so ausgedacht haben.

    Wie schon erwähnt, mein Bruder ist irgendwie daneben seit dieser Zeit, meine Schwester weigert sich, sich zu erinnern, ich selbst habe nur wenige
    Erlebnisse in Erinnerung – erstaunlicher Weise kamen diese Erinnerungen mit der Geburt meiner Tochter – ich konnte alles jahrelang erfolgreich verdrängen.

    Das ekelhafte Essen habe ich auch noch in Erinnerung – Kinder aus einfacher ländlicher Schwarzwaldküche werden gezwungen, Labskaus- irgend was ekliges mit Hackfleisch, Heringsstip,warmen Pudding, trocken Brot und Tee zum Frühstück statt Landmilch mit Butterbrot, keine gesunden Zwischenmahlzeiten (wir aßen alle gerne Obst, liebten Salate, nagten gerne zwischendurch an Karotten) statt dessen schleimiges Kartoffelpürre, Quark vermischt mit Götterspeise, schleimige Nudelsuppen, niemals Salat oder frisches Obst, keinerlei süße Leckerchen, außer dem ekligen warmen Vanillepudding zum Abend, welchen mein Bruder
    zurück in den Teller gekotzt hatte und dennoch löffeln musste (man bedenke die Zeit 1975). Keine Fruchtsäfte, nur Wasser oder meistens Kamilletee, gelegentlich Früchtetee – mich ekelt es noch heute vor Kamillentee.

    Wer nicht essen wollte, wurde halt mal kurz weggesperrt. Wer zu lange nicht essen wollte – wie mein kleiner Bruder – der wurde eben gezwungen.

    So viel Ekel wie in dieser Zeit habe ich sonst in meinem ganzen weiteren Leben nicht kennen gelernt und mein Leben ist wirklich nicht einfach.

    Nun, ich kann dieser Familie nicht weiterhelfen, habe aber nun bestätigt bekommen, dass meine Eindrücke bzw. kindliche Erfahrungen nicht meiner Phantasie entsprangen.  Alles Verbrecher, die wollen doch gar nicht wissen, was die in den Menschen kaputt machen. In Geld lässt sich so was gar nicht aufwiegen.

    Die Misshandlungen, Folterungen (Dunkelkammer, Erbrochenes löffeln, Schläge) sind verjährt – was die mit meinem kleinen Bruder machten – weiß keiner – wäre aber eh auch verjährt – da muss man doch einen Riegel vorschieben! Die haben Menschenleben zerstört und tun das noch, denn  nach den aktuellen Berichten hat
    sich bislang nichts verändert.

    Manchmal geht es schon komisch zu, heute war ich mit meiner Schwester spazieren, da erzählte sie mir, dass sie sich wieder daran erinnert, wie sie stundenlang am Tisch sitzen musste, weil sie einen Teller Spinat nicht essen wollte. Weiter fiel ihr ein, dass sie dort inhalieren musste. Es waren große Blechkessel mit Inhalationsmitteln -sie hatte aber keine Atemwegsprobleme – das Mittel war scharf und ihr wurde schlecht davon. Sie wurde festgehalten und musste Zwangsinhalieren.  Sie grübelt gerade sehr, ich glaube, dass wir noch einige Dinge wieder vorkramen können.

    Am Abend kam mein Bruder zu Besuch. Es hat ihm wohl doch keine Ruhe gelassen und heute erzählte er mir zum ersten mal, dass er immer von einer Nonne verprügelt wurde, nur weiß er nicht mehr genau weshalb. Er sagte, dass dies immer geschah wenn er etwas nicht machen wollte und deshalb widersprach. Er konnte mir sogar das Gebäude beschreiben und dabei hat er 35 Jahre lang gesagt, er könne sich nicht erinnern!

    Für mich nun klar, woher er stets die sichtbaren blauen Flecke an Händen und im Gesicht hatte – wer weiss, wo er noch geschlagen wurde!

    Leider gibt das alles noch nicht viel her – aber wir versuchen das aufzuarbeiten und hoffen, dass dann die Erinnerung irgendwie kommt – es fehlen immer noch so viele Abschnitte aus diesen 6 Wochen.

    Ich bin überzeugt, dass damals wirklich sehr viele Kinder dort schrecklich leiden mussten – habe mit Frau Pypker gesprochen und war erstaunt, dass auch ihr verstorbener Lebensgefährte stets von einer Roswitha sprach… Dieser Name ist mir auch in Erinnerung geblieben.

    Nun werde ich versuchen, etwas über die anderen Kinder herauszufinden, wie schon erwähnt, waren noch zwei aus unserer Region mit im Heim. Vielleicht kann ich die Adressen ausmachen – nur falls diese Anke nun verheiratet ist wird es schwer. Die Mutter lebt nicht mehr und der Junge mit dem Nachnamen Heinzelmann – davon gibt es hier sehr viele…

    Morgen will ich zu meiner Mutter, mal sehen ob sie noch eine dieser Postkarten von damals aufgehoben hat, das wäre wirklich großartig!
    Irgendwo muss auch ein Gruppenfoto sein – ich kann mich nur nicht erinnern wo das abgeblieben ist…

    Viele Grüße
    Gabi Schneider

  29. Barbaraberta schreibt am :

    Schade das sie sich nicht erinnern wo das Gruppenfoto abgeblieben ist,wäre doch sehr hilfreich gewesen ein objektives Mittel an der Hand zu haben.
    Aber da ja soviele andere Erinnerungen da sind, gibt es ja noch Hoffnung!

  30. Gaby Pypker schreibt am :

    Es hat sich am letzten WE noch jemand bei mir gemeldet, der an der Ostsee in „Kur“ war, ist sich jedoch nicht sicher, ob es Niendorf gewesen ist. Er erinnert sich an eine Sr. mit „Glubschaugen“, aber an keinen Namen. Erinnert sich jemand? Wir wären dann übrigens schon zu fünft!! Leider sind auch diese Taten verjährt! Aber wer weiß, wie viele Menschen sich in der nächsten Zeit noch erinnern! Wenn es so ist: Bitte meldet euch bei mir!
    Grüße an Alle
    Gaby Pypker

  31. Angelika Oetken schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,
    ich freue mich, daß Sie schon fünf Menschen gefunden haben, die damals ebenfalls in dem Heim waren.

    Haben Sie schon mal daran gedacht, zusammen etwas dazu zu veröffentlichen ?

    Es kann gut sein, daß sich Zeitungen oder Sender dafür interessieren und sich dann im Zuge der Recherche Einwohner oder Vertreter des Ortes finden, die vernünftig genug sind, einzusehen, daß in solchen Fällen Kooperation besser ist als Mauern. Agieren wirkungsvoller als Reagieren.
    Vor allem wenn man in und von einem Kurort lebt. Letztendlich natürlich von der eigenen Reputation.

    Vor Jahren gab es mal einen Fall auf der Insel Langeoog, bei dem eine Mutter ihre vierjährige Tochter zur „Miete“ anbot.
    Der Verlauf dieser Angelegenheit ist lehrreich, wenn man eine Strategie entwickeln möchte, um für Gerechtigkeit und Zusammenarbeit zu sorgen.

    Wenn Sie das Glück haben, auf diese Art und Weise ehemalige MitarbeiterInnen zu finden, dann wird die Suche nach Menschen, bei denen die Taten noch nicht verjährt sind wesentlich leichter.
    Auch den Tätern kommt man so viel einfacher auf die Spur.

    Weiterhin alles Gute und die große Portion Glück, die Ihnen wirklich zusteht.

    Angelika Oetken, Berlin

  32. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Frau Oetken,

    ich habe mit einer Betroffenen bereits darüber gesprochen, gemeinsam etwas zu veröffentlichen. Der Vorschlag kam sogar von ihrer Seite, was mich sehr gefreut hat. Sie kann sich an die Namen der damaligen Leiterin und ihrer damaligen „Betreuerin“ erinnern, und viele ihrer Schilderungen stimmten mit denen meines Lebensgefährten überein, so dass ich überzeugt bin, auf der richtigen Spur zu sein. Sobald es Neues gibt, werde ich es hier öffentlich machen.

    Vielleicht lernen wir uns ja am 10.04. an der Ostsee kennen. Ich versuche gerade, jemanden zu finden, der vom Ruhrgebiet aus zur Gründungsversammlung fährt und mit einer Fahrgemeinschaft einverstanden ist.
    Liebe Grüße
    Gaby Pypker

  33. Angelika Oetken schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,
    hört sich gut und erfolgversprechend an.

    Machen Sie das – veröffentlichen Sie was, aber gehen Sie auf jeden Fall überlegt und strategisch vor.

    Ich würde mich freuen, wenn wir uns am 10.4. kennen lernen könnten.

    Liebe Grüße von
    Angelika Oetken, Berlin

  34. Hypericum schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,
    glücklicherweise kenne ich diese schreckliche Kinderquälanstalt nicht. Leider war meine kleine Tochter 4 Tage in einer evangelischen Kindertagesstätte – zum Glück kann sie für ihr Alter sehr gut sprechen und mir deshalb zeigend, redend und durch Symptome zu verstehen geben, dass ihr etwas Schlimmes angetan wurde, so dass ich schnell aufmerksam wurde und sie rausnehmen konnte – wobei das Jugendamt, das ich benachrichtigt hatte, sich als das genaue Gegenteil einer Hilfe erwies (was damit zu tun haben mag, dass die Leiterin in evangelische Kreise „verstrickt“ ist) – aber das ist eine lange, nicht abgeschlossene Geschichte, der ich hier einen Ort geben werde, sobald ich wieder Kräfte gesammelt habe – das kennen Sie bestimmt auch: dieses gelegentliche Zusammenbruchs-Gefühl unter solchen Umständen — was ich eigentlich sagen wollte: ich fühle und weine mit Ihnen und allen Betroffenen.
    Ich wollte auch sagen: man sollte die Rolle der Jugendämter nicht aus dem Auge verlieren. Ist es wirklich so, dass das im Fall Ihres Liebsten betroffene Jugendamt gar nichts wußte?
    Ich wünsche Ihnen ganz großen Erfolg bei Ihrer recherche und Trost und Heilung für alle :-((( !

  35. Schneider schreibt am :

    Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes hat uns damals im Zug zur „Erholung“ nach Niendorf begleitet und abgeliefert, sie ist dann wieder zurückgefahren.
    Leider ist bei uns noch vieles im Dunkeln – alle haben wir diese Zeitspanne über zig Jahre erfolgreich „ausgeschalten“.
    Ich habe noch zwei Namen von Kindern im Kopf und bin bemüht, etwas über die anderen Kinder von damals herauszufinden, vielleicht habe ich Glück, finde sie und kann sie befragen.
    Mittlerweile weiß ich wieder, dass es einen kleinen blauäugigen blonden Jungen gab, meinem kleinen Bruder sehr ähnlich, auch für sein Alter recht klein, aschblond, blauäugig, der sich bei mir wohl fühlte – ich muß nun meine Erinnerungen sortiert bekommen, bzw. erst noch hervorbringen – ich glaube nicht, dass jemand sich vorstellen kann, wie anstrengend das ist. Warum kann ich mich an viele Dinge lange vor meinem 8. Lebensjahr erinnern, leider aber nicht komplett an jene Zeit in Niendorf?
    Mittlerweile habe ich eine Postkarte von 1975 wiedergefunden – nicht von mir geschrieben sondern von einer Schwester, Empfängeranschrift und Namen von mir und meiner Schwester sind in anderer Schrift verfasst als der wesentliche Text – der Name meines Bruders fehlt, warum?? fragt sich jeder normale Mensch …meine Karte wurde niemals versendet, weil ich selbst schrieb, dass die dort böse sind…(ich wollte imer nur heim) die Karte wurde vernichtet – die liebe nette fremdgeschriebene Karte kam bei meiner Familie an – leider fehlt mir noch das alte SW-Gruppenbild (ansich Teilgruppenbild weil von mir mit so einem altmodischem billigen Fotoapparat in sw fotografiert ) – Fotoserien gibt es nicht. Es war damals vor 35 Jahren nicht üblich die Kinder so wie heutzutage mit Digicam wegzuschicken. Wir hatten damals daheim nichtmal Telefon oder Fernseher.(uns fehlte die Technik nicht weil wir diese nicht kannten, wir waren Landkinder).

    Ich möchte , dass alle Fakten ans Licht kommen – damals dort war etwas falsch , ich weiß nur noch nicht (wieder) wer oder was.

    Wir waren am Strand spazieren, ich fand Bernsteinstückchen, von der Brandung abgeschliffene bunte Glasstückchen, aber unsere Funde durften wir nicht mit nach Hause nehmen, die waren nach der Abgabe weg. Ich wußte damals schon was Bernstein ist, weil meine Oma mir aus Litauen einen Anhänger aus Bernstein in Silber gefasst zeigte – diesen Anhänger habe ich nach Oma´s und Papa´s Tod geerbt. (tut nichts zur Sache – erklärt aber, warum ich Bernstein schon kannte, die meisten Kinder im Heim damals kannten das bestimmt nicht weil: mir fiel ein, wie ich einem langhaarigem Mädel von Bernstein erzählte, sie sammelte lieber bunte abgeschliffene Glasscherben statt braune „Plastikstücke“)

    Nun, wir arbeiten daran, Erinnerungen auszugraben ist sehr kräftezehrend und leider kommen da gelegentlich noch ganz andere Dinge heraus , die man lieber lebenslänglich vergessen hätte. Vielleicht ist es deswegen auch so kompliziert mit Niendorf, ich wollte mich hypnotisieren lassen – bekam aber mittlerweile mehrfach davon abgeraten , weil manche Dinge, welche unter Hypnose hervorkommen, nicht wirklich zur Besserung des psychischen Befindens beitragen – also wie bitte kann man sich da denn selbst helfen? Wie soll ich je erfahren , was da wirklich passierte ohne das Risiko einzugehen, noch mehr geschädigt zu werden?
    Soll/muß ich besser für die nächsten bzw. meine letzten Jahre wieder alle Erinnerungen irgendwo tief unten in irgendeiner Schublade vergraben?

    Meine Hoffnung ist, dass sich noch mehr ehemalige „Erhohlungs“-Heimkinder hierher „verirren“, ihre wahren Erinnerungen hinterlassen. Das könnte meinen Erinnerungen auf die Sprünge helfen.

    ………. selbst die „normalen“ Erziehungsmethoden an die ich mich erinnere wie:
    Dunkelzimmerstrafe, Erbrochenes essen, stundenlanges Sitzenbleiben, nackend kalt duschen, Zwangsinhalation ohne ärztl. veranlaßte Medikation ….., das mit kleinen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter, solche Dinge sind doch schandhaft und haben nichts mit Nächstenliebe zu tun. Es handelte sich ja nichtmal um ein Erziehungsheim…ihr wißt, wir reden von einem „Erholungsheim“.

    Wenn nur die Schwester Burkarde noch da wäre, ich würde sie heute direkt fragen, sie saß immer im Speisesaal – ansich war der Speisesaal auch der Aufenthaltsraum, wenn man vom Flur ins Zimmer kam, hatte sie links einen Pult, dort hat sie immer Postkarten kontrolliert und uns Kinder beobachtet – mit riesig großen Augen, sie selbst war eher von kleinerer Gestalt, dafür aber wuchtig. (meine kindlichen Eindrücke)

    Ich hatte Geburtstag während des Aufenthaltes dort, bekam von der Familie ein Geschenkpaket – ich bekam es aber nicht persönlich ausgehändigt, die für mich geschickten Dinge wurden von Sr. Burkarde vereteilt – einen Teil an die Kinder – an mich kam nur ein Riegel Kinderschokolade, der Rest samt Osternestcheninhalt von uns Geschwistern, welcher bei Abreise nach Niendorf daheim noch übrig war, ist irgendwo an einer anderen Stelle verzehrt worden. Ich war niemals geizig – hätte gerne alles mit den Gruppenkindern geteilt, leider war nur für jedes Kind ein Stückchen von irgendeiner Süßigkeit verfügbar – und das aus einem riesigen Paket – wir waren damals in meiner Gruppe ca. 15 Kinder. (fiel mir gestern ein)
    Ist keine großartige Sache, aber es geht um das Prinzip.

    Damals waren scheinbar Postgeheimnis, Privatsphäre oder Persönlichkeitsrechte, Kinderrechte egal. Hauptsache nach Aussen alles gut….
    Gabi Schneider

  36. Angelika Oetken schreibt am :

    Sehr geehrte Frau Schneider,
    schon allein die Misshandlungen, Demütigungen und Entwertungen die sie als damals ganz üblichen Umgang mit Kindern in diesem Heim beschreiben, sind an sich schlimm genug.

    Das komplette Ausblenden von Erinnerungen an ein eigentlich wichtiges Ereignis ist für ein Kind im Alter von 7 oder 8 Jahren allerdings schon ungewöhnlich. Es kann ein Kennzeichen von selbst erlittener schwerer, also auch sexueller Misshandlung sein, aber auch passieren, wenn Sie damals Zeugin von so etwas waren.

    Das „Retuschieren“ von unliebsamen Inhalten von Karten war durchaus in vielen Einrichtungen üblich.
    Der Atmosphäre und den „Erziehungsmethoden“, die Sie beschreiben haftet allerdings etwas Sadistisches an.

    Solche Behandlung, wie Sie Ihnen und den anderen Kindern widerfahren ist, ist Folter. Das sind Guantanamo-Methoden.

    Es ist entgegen der üblichen Mythen nicht so, daß Frauen keine sexuelle Gewalt ausüben. Sie sind häufig Opfer und werden durchaus auch zu Täterinnen.
    Nonnen mit entsprechender Neigung haben natürlich in so einem Kinderheim ein ideales Betätigungsfeld. Gewalt und Misshandlung kann als „Erziehungs- und Pflegemaßnahme“ getarnt werden.

    Hinzu kommt : für eine Frau in der damaligen Zeit, die aus biografischen Gründen (z.B. weil sie selbst sexuell misshandelt wurde) die nicht heiraten wollte, um der Gefahr sexueller Kontakte zu Männern zu entgehen, gab es eigentlich nur den Weg in eine religiöse Gemeinschaft. Alleinstehende Frauen gab es sehr wenige. Manche konnten Haushälterin oder Lehrerin werden, waren dann aber immer im Visier von Männern.

    Der Status einer Nonne gab Schutz vor unliebsamen Kontakten und eben für den Fall, daß eine Frau ihre aggressiven Impulse ausleben wollte auch Gelegenheit dazu.

    Kurzum : allein schon die Misshandlungen, die sie erlebt haben, sollten thematisiert bzw. veröffentlicht werden. Es werden sich ganz sicher sehr viele Menschen melden. Was meinen Sie, wie Vielen es genauso geht wie Ihnen.

    Wenn Sie diese Erlebnisse verarbeiten wollen, kann ich Ihnen nur raten, sich an jemanden zu wenden, der mit traumatisierten Menschen arbeitet. Wenn Sie sich bei einer spezialisierten Beratungsstelle erkundigen (es gab hier von Lena schon Tipps dazu), dann wird man Ihnen jemanden empfehlen.
    Hynose wird manchmal angewandt, allerdings wird Sie ein seriöser Therapeut niemals zu etwas zwingen oder gegen Ihren Willen irgendwas anwenden.
    Falls Sie doch mit so jemandem in Kontakt kommen sollten – die Therapie sofort abbrechen und der Beratungsstelle, der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkasse den Vorfall melden.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute,
    Angelika Oetken, Berlin

  37. Simpl schreibt am :

    Ich fand folgende Kurheime in Niendorf per Internet:

    Kinderkurheim Westfalenhaus, um 1953, auch wohl heute noch existent, Travemünder Landstraße 1

    Kinderheim St. Johann, um 1914
    Kinderkurheim St. Johann, um 1986
    Kindergenesungsheim St. Johann, Niendorf

    Kinderkurheim Antoniusheim,

    Laut dieser Quelle gehörte und gehören St. Johann und Antoniusheim in durchlaufender Linie den Franziskanerinnen.
    http://www.maria-meeresstern-niendorf.de/uklinik/geschichte.html

    Ich fand auch noch folgende Kinderheime:

    Kinderheim der Diakonie namens Haus St. Hubertus, Travemünder Landstrasse 4, Ortsteil Niendorf, Gemeinde Timmendorfer Strand, unter der Leitung von Schwester Maria Marwedel. Unter andem 1973.

    Kinderheim Nazareth, Timmendorfer Landstraße 2, Niendorf, Ostsee unter der Leitung von Oberschwester Hedwig.

    Kinderheim Haus Lindenhof, Timmendorfer Strand

    Kinderheim “Jugendschutz”

  38. Matthias Suthe schreibt am :

    Sehr geehrter Pastor Winfried Krzyzanowski, St. Joseph Kiel,

    Ich war als Kind im Kinderheim Niendorf (1969) und habe sehr traumatische grausame Erinnerungen.

    Das mit der Flaschenpost ist einfach nur laecherlich!
    Ich wuensche mir eine ehrliche Aufarbeitung der Geschehnisse!!!

    Mit Verlaub – eine Flaschenpost wird seltenst beantwortet. Antworten waeren mir hilfreich!!!

  39. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe(r) Hypericum,
    ob das Jugendamt etwas wußte, kann ich nicht sagen. Als ich vor ca. 2 Jahren begann für meinen Lebensgefährten zu recherchieren, teilte mir das Jugendamt der Stadt Bochum lediglich mit, dass alle Unterlagen vernichtet wären (geschieht angeblich immer nach 10 Jahren) und man nichts mehr ermitteln könnte. Der Sachbearbeiter zeigte praktisch gar kein Interesse.
    Kürzlich habe ich versucht, über einen inzwischen pensionierten bekannten Beamten herauszubekommen, wie der damalige Leiter des Jugendamtes hieß und ob er noch lebt. Er lebt noch! Irritierend war für mich, das plötzlich niemand mehr für mich zu erreichen war, als ich den wahren Grund meiner Recherche auch nur andeutete.
    Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass das Jugendamt von den Vorgängen in Niendorf wußte und diese tolerierte.
    Ich recherchiere weiter! Heute hat sich wieder ein Betroffener bei mir gemeldet. Er war 1969 mit seinem Bruder in Niendorf; erzählte von ähnlichen Vorkommnissen, die mir schon bekannt sind. Und er ist bereit, sich öffentlich zu äußern. Genauso wie sein Bruder auch! Auch er erinnert sich an „böse Nonnen“ und z.B. daran, dass der damalige Kinderarzt einer der Schlimmsten war. Er sagte auch, dass es „liebe Nonnen“ gab, die allerdings zu den Kindern nur dann nett sein durften, wenn die „Oberen“ nicht anwesend waren.
    Bald wird die Kirche auch zu Niendorf Stellung nehmen müssen. Wir werden immer mehr!! Und das ist nur gut so.
    Danke Ihnen für Ihre Anteilnahme.
    Gaby Pypker

  40. Angelika Oetken schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,
    das hört sich alles schon sehr Vielversprechend an – jedenfalls was die Aufklärung betrifft.

    Wunderbar, daß der Jugendamtsleiter noch lebt. Dann kann er persönlich befragt werden. Hoffen wir, daß er bei guter geistiger Gesundheit ist.

    Vielleicht gelingt es Ihnen allen zusammen, eine oder mehrere der „guten“ Nonnen zu finden.
    Die müssen sich damals sehr schlecht und elend gefühlt haben, da sie wußten, was mit den Kindern passiert, aber sicherlich nicht viel tun konnten. Möglicherweise haben diese Frauen auch Verantwortliche informiert – und die haben ganz bestimmt nicht reagiert. Wenn Sie das nachweisen können, dann wird alles ans Licht kommen, schon weil jeder der Verantwortlichen versuchen wird, die Schuld der jeweils anderen Stelle in die Schuhe zu schieben.
    Alles zusammen genommen, werden wohl viele Vorgänge ans Licht kommen.

    Die Ärztekammer oder das für Niendorf zuständige Gesundheitsamt wird Daten zu dem Kinderarzt haben.

    Bis in die 90er Jahre hinein hat in Deutschland eine Ärztegeneration gearbeitet, die vom Nationalsozialismus und seiner menschenverachtenden Ideologie geprägt war. So mancher großer und kleiner „Mengele“ hat mit Wissen und Duldung der Öffentlichkeit seine sadistischen Neigungen ausgelebt.

    Solche Typen gibt und gab es natürlich immer, aber damals waren sie sicherlich überproportional häufig vertreten. Abgesehen davon, daß viele Menschen, die den Krieg überlebt haben, so oder so gezeichnet waren.

    Ich bin mir sicher, daß in Niendorf und Umgebung noch Menschen leben, die über die Machenschaften der „bösen“ Nonnen und des Kinderarztes genau Bescheid wissen.

    Gewußt haben sicherlich Viele was, gehandelt haben Wenige.

    Möglicherweise liegt das dem Einen oder Anderen noch auf der Seele und er möchte das Loswerden.

    Das ist eine große Chance bei diesem Projekt.

    Alles Gute wünscht
    Angelika Oetken, Berlin

  41. Wilma schreibt am :

    Lieber Frau Pypker, ich habe Ihre Geschichte verfolgt. Ich bin im Moment in meiner eigenen Angelegenheit auf der Suche nach einer Jugendamtsakte (1973). Die Leiterin des Landesarchivs sagte mir, Jugendamtsakten befinden sich im Stadtarchiv. Die werden nicht immer vernichtet. Das hängt vom Landesarchivgesetz ab, glaube ich. Das muss nicht stimmen, was der Mitarbeiter des Jugendamts gesagt hat. Es gibt auch kirchliche Archive.
    Geben Sie doch mal bei google Thuiner Schwestern ein. Da finden sich richtige Kriminalgeschichten. Eine Schwester Roswitha (91) gibt es in Meppen.
    Pastor Kryzanowski hat übrigens vor seiner Anstellung in Kiel in der Nähe von Niendorf gearbeitet. Ich stelle mir vor, ich suche nach einem Verbrecher und mir erzählt einer was von einer Flaschenpost. Dem würde ich die Flaschenpost um die Ohren hauen. Liebe Grüße Wilma

  42. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo,
    Wilma hat vollkommen Recht.

    Wenn jemand mit dieser „Verzeihungsmasche“ anfängt, dann ist das ein Zeichen dafür, daß der selbst was zu bearbeiten hat.

    Also – daraus kann man doch genau ableiten, wo man weitersuchen sollte….

    Herzliche Grüße von
    Angelika Oetken, Berlin

  43. Simpl schreibt am :

    Es geht um Pädokriminalität. Eine Flaschenpost allein hilft nicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich um einen oder sogar mehrere Serientäter gehandelt hat und heute eine Vielzahl von Opfern Hilfe benötigt, die sie bisher aus Verdrängung und Scham heraus nicht in Anspruch zu nehmen wagten.

  44. Schneider schreibt am :

    Liebe Mitleser!

    Einfach nur lächerlich – Flaschenpost als Pflaster für die seelischen Wunden, als wenn man solche Erlebnisse einfach im weiten Meer verschwinden lassen könnte! Es geht hier nicht um symbolische Gesten, vergleichbar mit z.B. dem Loslassen Verstorbener, wofür man kleine Laternenschiffchen schwimmen oder Himmelslaternen fliegen läßt !

    Es geht hier nicht um Einzelfälle, oder? Also wäre es doch angebracht, wenn die betroffene Institution objektive Recherchen vorantreiben würde, die richtigen Leute befragt, endlich diese Vertuschungspolitik bleiben ließe und Fehler eingestehen würde.

    Ich hoffe auch, dass sich nach und nach mehr Menschen melden, die dazu etwas berichten können. Scheinbar ging es in diesem Haus über viele Jahre hin so grausam zu! (…wie in vielen anderen Einrichtungen )

    Liebe Grüße
    Gabi

  45. Barbaraberta schreibt am :

    Liebe Wilma,
    Herzlichen Dank für deine Info einmal die Thuiner Schwestern zu googlen- was ich natürlich tat. Kriminalgeschichten hast du avisiert, und ich fand nur Auszeichnungen für eine Schwester Gerharda – Bundesverdienstkreutz für ihre Arbeit in der Ali-Maus-Obdachlosen in Hamburg.Leitung einerPalliativstation in Thuine-,Keine negativ vermerke! Warum schreiben sie soetwas?????????? Diese schlimmen erfahrungen die einige Menschen erlebten sind kein Grund sie auf unwahre Wege zu führen -auch solche Dinge finde ich Skandalös!!!

  46. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo,
    ein Teil der Thuiner Schwestern hat sich vor Jahren vom Orden abgewandt und die radial-christliche Sekte „Christengemeinschaft“ kurz CG gegründet.
    Deren Praktiken sind in der Tat in Verruf geraten und ihre Taktik, junge Menschen zu rekrutieren, sozial zu isolieren und so an die Sekte zu binden ist in der Tat sehr zweifelhaft und läßt aufhorchen. Auch die „Glaubenspraktiken“ kommen mir verdächtig vor.

    Ich habe jetzt nicht lange geforscht und zur CG weiß ich schon was, weil zwei Kolleginnen von mir da mal drin waren und mir ausführlich darüber berichtet haben.

    Ich würde mich deshalb freuen, wenn Wilma die links einstellt, die sie meint.

    Grüße von
    Angelika Oetken

  47. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo Wilma,
    Danke für den Link.

    Das, was da beschrieben wird, ähnelt dem, was meine Kolleginnen erzählt haben.
    Eine bekam entschiedenen Druck, als sie sich von der Sekte entfernen wollte. Erst ein Umzug brachte etwas Ruhe und Abstand.

    Herzliche Grüße von
    Angelika Oetken

  48. Matthias Suthe schreibt am :

    Liebe Gaby,

    Ich bin sehr dankbar dass ich dein forum gefunden habe.
    Mein Bruder mailt gerade dass er auch mit dir gesprochen hat.
    Wir muessen das oeffentlich machen!!!

    Meine Erlebnisse an die ich mich noch erinnere:

    Die erste Nacht schliefen wir in Gemeinschafts Raum. Bad auf der anderen Seite des Korridors. Nachts war ich durstig und bin ins Bad Wasser zu trinken. Ein anderer Junge hat mich morgens verpetzt. Die Nonne fragte mich ob es wahr ist das ich nachts aufgestanden bin. Ich sagte ja, es war ja das natuerlichste beduerfniss. Danach musste ich meine Hosen ausziehen und wurde mit meinem Pantoffel auf nacktem Hintern verpruegelt.
    Der erste Arztbesuch war die grosse Hoffnung auf Erloesung. Der Arzt musste ja helfen. Ich erinnere mich wie froh ich war ihm meine Torturen zu erzaehlen. Danach wurde ich von der Schwester verpruegelt. Der Arzt war Komplize. Ich erinnere mich dass ich wahnsinnig Angst hatte vor jedem Arztbesuch in Niendorf.
    Dann die Mahlzeiten. Als die Schwester das Essen brachten wurde Lauthals verkuended das wir „so schnell wie die Feuerwehr“ essen mussten – sonst keinen Nachtisch und weitere Strafen.
    Das war Trauma – ich hatte immer grosse Angst da ich es nie schaffte so schnell zu essen.
    Ein Junge konnte den Spinat nicht essen. Er wurde gezwungen. Natuerlich hat er erbrochen und wurde dann gezwungen ALLES erbrochene zu essen. Wir wurden alle dafuer bestraft – wie weiss ich nicht mehr.
    Dann erinnereich mich noch daran dass ich nachts Manschetten an Armen und Beine bekam um nicht zu kratzen. Ich war uebergluecklich das ich dieses system uebelisten konnte. Hab mich gekratzt. Was dann kam war der Horror. An all das oben erwaehnte kann ich mich in Farbe erinnern. Das mit den Manschetten nur in schwarz weiss. Ich wurde uebrigends dann in ein Einzelzimmer gelegt wo ich abends ans Bett gefesselt wurde. Auch das hab ich nur in schwarz weiss und nur in einem dunklen Zimmer in Erinnerung. Ich muss wohl auch tagsueber an einem Stuhl gefesselt worden sein. Ich kann mich an den Stuhl erinnern und daran dass ich zum essen losgebunden wurde. Essen war Horror.
    Mein Bruder sagte mir er wollte an den Schienen zurueck nach Hause laufen – wir kamen mit der Bahn.

    Habe gerade mit meiner Mutter telefoniert – sehr diplomatisch – da Sie fundamentalistisch katholisch ist. Sie sagte das ich mit Kochloeffen geschlagen worden bin. Nach dem Aufenthalt konnte ich lange nachts nicht schlafen und hatte an Albtraeumen gelitten. Sie sagte auch „das war halt so zu der Zeit“.
    Ich bin entsetzt!

    Ich wuerde gerne, oder ich muss, meinen Fall oeffentlich machen.
    Wohin soll ich mich wenden?
    Ich weiss nicht wie wo oder wer.

    Ich denke wir muessen da ne Menge an Vergangenheit aufarbeiten.

  49. Angelika Oetken schreibt am :

    Lieber Herr Suthe,
    ich denke auch, daß Sie und diejenigen, die sich bei Frau Pypker gemeldet haben, über die Vorfälle in diesem Kinderheim in Niendorf öffentlich berichten sollten.
    Da es aber eine Menge Leute geben könnte, die vergessen machen wollen, daß sie damals involviert waren bzw. davon wußten und den Kindern nicht geholfen haben, müssen Sie auch mit erheblichen Widerständen rechnen.

    Ich gehe davon aus, daß Sie zusammen mit Frau Pypker über dieses Forum Menschen finden, die Sie beraten, wie Sie mit der Öffentlichkeit, Behörden und Presse am besten umgehen, um nicht nochmals „unter die Räder“ zu geraten.

    Wegen Ihrer Mutter : So etwas zu hören ist bitter. Ihre Mutter war damals sicherlich hilflos in ihrem blinden christlichen Gehorsam. Nicht jeder Mensch besitzt die Charakterstärke einfach im Nachhinein zu sagen “ Ich wußte das, das war schlimm, aber ich war zu schwach um Euch zu helfen.“
    Manche Menschen sind leider so.

    Darum gibt es ja diese Seite.

    Im übrigen : ich war Ende der 60er längere Zeit in einem Kinderkrankenhaus. Dort gab es genauso wie heute sehr rigides Personal, vor dem ich eine Höllenangst hatte, aber auch sehr liebevolle BetreuerInnen. Der Geist in der gesamten Gesellschaft war damals im Umbruch und der Einfluß autoritären Gedankenguts, das Misshandlungen von Kindern guthieß, war sehr groß. Das Ende des faschistischen deutschen Staates war gerade erst gute 20 Jahre her damals und in beiden deutschen Staaten tummelten sich an entscheidenden Stellen Leute, die ehemals gläubige „Adolfianer“ waren.

    Ich wünsche Ihnen ganz viele MitstreiterInnen und Unterstützung und daß die Aufklärung, die sicherlich folgen wird, Ihnen und Ihrem Bruder hilft.

    Angelika Oetken, Berlin

  50. Schneider schreibt am :

    Hallo Herr Suthe,
    können Sie mir über Gaby Ihre Emailadresse oder Tel.Nr. zukommen lassen? Ich habe meine Schwester, die kann die Spinatgeschichte aus eigener Erfahrung bestätigen obwohl wir 1975 erst dort zur „Erholung“ waren, diese Dinge kamen erst in unserer Gesprächsrunde raus. Dann hat ein kleiner blonder 4 jähriger selbes mit warmen PUdding erlebt…. einfach nur widerlich und so gemein, wie die damals mit uns Kindern umgegangen sind. Schlafsaal: an den Wänden Stockbetten, im Raum selbst die Betten hintereinander gereiht, man durfte niemals die Hände unter die Decke nehmen, man durfte nicht nachts aufs Klo……

    An Wilma: ich habe auch Erinnerung an Roswitha, aber die trug nicht die zugeknöpfte Schwesterntracht und war damals wohl eine eher junge Frau , aber es gab noch mehr Schwestern an deren Namen ich mich momentan noch nicht erinnern kann – es waren alles ältere Frauen, eigentlich hätten die liebe Omas sein müssen…… war aber nicht so.

    Liebe Grüße
    Gabi

  51. Schneider schreibt am :

    Liebe Barbaraberta, die nicht mit Realnamen zur eigenen Meinung steht:

    Es geht hier nicht darum alle zu verteufeln, aber es geht darum, dass nunmal nachweisbar unmenschliche Zustände in den Reihen der Thuiner Schwestern / Franziskanerinnen Tagesordnung waren! Vermutlich wurden jene Erziehungsmethoden irgendwann „reformiert“, Fakt ist und bleibt, dass jene damals agierenden Personen anderen Menschen – und besonders widerlich ist die Tatsache, dass es sich um schutzbefohlene Menschen handelte, nichtmehr wieder gutzumachende seelische Schäden zugefügt haben!

    Wie können Sie dann ein unvoreingenommenes Loblied singen? Sie müssen da differenzieren! Gäbe es eine unvoreingenommene, sprich objektive Ermittlung, kämen sicherlich noch mehr Dinge ans Tageslicht, aber dies liegt offensichtlich nicht im Interesse der zuständigen Personen.

    Gruß
    Gabi

  52. Flexer schreibt am :

    Hallo und guten Tag…
    Schön das es dieses Forum gibt….schönes NIENDORF und das HORROR PRÜGELHEIM !!!!
    Mein lieber Bruder hat hier auch schon ein Kommentar verfasst…
    Wir waren Beide dort ,damals war er 5 Jahre und ich 6 Jahre..das muss wohl 1969 oder 1970 gewesen sein….
    Zur Erholung und Genesung sollten wie da sein…erfahren haben wir aber was ganz Anderes…ANST,ERIEDRIGUNG,PRÜGEL und MISSHANDLUNGEN !…Vieles ist bei mir in Vergessenheit gekommem…aber Einiges ist noch Sonnenklar !
    Wir wurden mit vielen Kindern mit Bahn,zur Ferienerholung dort hin geschickt .
    Mein kleiner Bruder war Hautkrank..ich musste mitfahren damit er nicht alleine war. Ich kann mich an dem schlechtem Geruch in dem Heim erinnern…der ist geblieben bis heute.
    Mein Bruder wurde dort ans Bett gefesselt…weil er Nacht`s oft aufgestanden ist um Wasser zu trinken…er wurde dann vor meinen Augen schwer verprügelt…ich habe laut geschrien und wurde ebenfalls schwer verprügelt.
    Später kam er ins Einzelzimmer….was dort geschah weiß ich nicht .
    Wir durften nicht reden..gerade beim Essen , und alles musste aufgegessen werden…das Essen war immer sehr Ekelig..wir saßen dort im Essaal in Gruppen an den Tischen…am Nachbartisch mochte ein Junge sein Essen nicht…er musste es aufessen….er hat es erbrochen und musste Dieses wieder zu sich nehmen..bis alles aufgegessen war unter den Augen aller Kinder die natürlich schon lange mit dem essen fertig waren . Das war natürlich ein Exempel und Warnung für alle Kinder . …EINFACH GRAUSAM !!!
    Ich kann mich an den Erzieherinen erinnern…habe aber keine Namen .
    Es herrschte eine bedrückende und angstvolle Atmosphäre., durch ständige Androhung von Schlägen….es durfte kaum geredet werden .
    Ich erinner mich noch an den Arztbesuch in dem Haus….wir mussten in Zweierreihen uns vor der Raumtür stellen….es durfte kein Wort gesprochen werden…zu zweit sind wir in den Raum gerufen worden…Mein Bruder und ich sind dann reingekommen…Ich habe dann das erste mal das Meer gesehen…es war ein großes Fenster dort…und das war sehr schön das Meer und die Sonne, Segelboote ich habe denn wohl zu mein Bruder gesagt…“schau mal das Meer „….schon habe ich Schläge bekommen ! von einer Schwester…dem Arzt intressierte das nicht !
    …Vieles habe ich vergessen..oder ich habe es auch vergessen wollen…und es hieß immer „es war nun mal damals so“.
    Ich habe noch zwei Fotos von der Kindergruppe..die haben wir mitbekommen für unsere Eltern;damit sie sehen wie toll es dort war..natürlich sind wir lachend drauf zu sehen…ich weiß bis heute nicht wie sie es geschafft haben uns zum lachen zu bringen !
    Ich litt unter starkem Heimweh…ich wollte meinem Bruder dazu überreden einfach zu gehen…immer den Schienen nach…einfach nach Hause zu gehen.
    Wie schon geschrieben ist Vieles vergessen ,oder ich habe es einfach auch vergessen wollen..Dank durch Dieses Forum kommt auch wieder einiges hoch…ich schaue oft ins Internet um auch Namen zu finden..von den Prügelschwestern und auch Misshandelte Kinder .
    Es gab eine Leiterin..ob aus Diesem Haus ? MARIA MARWEDEL
    Gruß an Gaby (wir hatten schon kurzen Telefonkontakt) und an meinem lieben Bruder .
    Stefan Suthe

  53. Flexer schreibt am :

    Ich möchte natürlich noch mein herzliches Beileid für die Angehörigen von Daniel Bongardt aussprechen .

    Das Verbrechen ,das an uns Kindern begangen worden ist und was dort damals passierte, wühlt mich sehr auf .
    Ich wünsche das diese Taten an die Öffentlichkeit gelangen und auch Licht ins Dunkle kommt !

    Dir,mein lieber Bruder Matthias…Wir halten zusammen..wie immer 🙂
    Stefan Suthe

  54. Matthias Suthe schreibt am :

    AN „SCHNEIDER“

    der telefonkontakt fuer gaby steht oben im forum:

    Gabriele Pypker, Ottilie-Schoenewald-Str. 16, 44789 Bochum, Tel 0234 34841

    meine tel. nummer und email hat Gaby.
    Sie kann sie dir auf anfrage geben.

    DANKE Stefan fuer den post.
    Es hilft mehr zu erfahren.
    Leider kann niemand mehr zur rechenschaft „gebeten“ werden.

  55. Gaby Pypker schreibt am :

    An Alle,
    ich mache mich im Moment etwas rar, bin in den Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier meiner Tochter (18!!!!), die morgen mit ca. 50 jungen Menschen stattfindet!! Ich hoffe, ihr habt Verständnis.
    Herr Pastor Kryzanowski: Ja, dem habe ich nach seinem hier zu lesenden Brief mit der Flaschenpost eine Mail an sein private Adresse gesandt. Da er ja angeblich die beiden Heime (St. Johann u. Antonius) persönlich durch Kuraufenthalte seiner Mutter dort kennt, habe ich ihn um seine Hilfe gebeten, u.a. was den „sehr großen Mitarbeiterstab“ betrifft und evlt. Angabe von Namen. Er hat mir NICHT geantwortet, was ich verbucht habt unter „der weiß was und will´s vertuschen“. Somit stimme ich dir, Angelika, voll und ganz zu.
    Dank dir, Wilma, für den Link zu den Franziskanerinnen. Die Abspaltung Einiger nur Sekte Christengemeinschaft finde ich sehr interessant. Ich werd mich die Tage intensiv damit befassen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die Franziskanerinne Mitgliedern dieser Sekte gestattet hat/hätte, das franziskanereigene „Kur“heim in Niendorf zu leiten oder dort zu arbeiten. Ich habe vor einigen Wochen an das Mutterhaus der Schwestern in Thuine (ihr glaubt es nicht, Thuine ist ein Dorf, keine 20 km entfernt von Lingen, wo ich geboren und aufgewachsen bin) geschrieben und um Hilfe bei der Aufklärung gebeten. Ich bekam ziemlich umgehend von der Leitern des Ordens einen Brief zurück. Der Brief war sehr freundliche gehalten, und mir wurde mitgeteilt, dass man Rücksprache mit dem Heim gehalten und erfahren habe, dass sämtliche Unterlagen dort nach 10 Jahren vernichtet werden. Weiterhin hätte es zur damaligen Zeit angeblich 5! weitere Heime in Niendorf gegeben, in denen Kinderkuren durchgeführt worden wären. Namen wurden nicht genannt. Komisch! Nachdem ich aber jetzt nicht mehr allein bin und einige der Niendorf-Geschädigten sich ganz konkret an den Namen des Heimes und einiger Mitarbeiter erinnern, werde ich mich nach Ostern mit den Erlebnissen der Betroffenen noch einmal an den Orden wenden und Aufklärungshilfe fordern. Mal sehen, was geschieht.
    Matthias und Stefan: Wir telefonieren nach Ostern und seid sicher, dass wir gemeinsam an die Öffentlichkeit gehen, mit allen, die sich hier noch melden werden. Mein großer Dank gilt hier an dieser Stelle Herrn Norbert Denef, der mich sehr unterstützt, immer für mich zu sprechen ist und mir ein großer Halt ist.
    Plant eigentlich einer von euch Niendorf-Betroffenen, am nächsten WE nach Scharbeutz zur Gründungsversammlung des NetzwerkB zu fahren?
    Das wäre sehr schön; ich werde auch hinfahren, und da könnte man sich treffen und sich austauschen. Vielleicht hat ja der eine oder andere aus der Zeit noch Fotos, Ansichtskarten o.ä.
    LG und frohe Ostern an alle Mitstreiter
    Gaby P.

  56. Matthias Suthe schreibt am :

    Habe gerade mit meinem Bruder gesprochen.
    Wir wurden von Mettingen „verschickt“ – mit vielen anderen auch aus Ibbenbueren.
    Es sollten sich viele Zeugen oder Opfer finden die mit uns waren.

    BITTE MELDET EUCH!

  57. Barbaraberta schreibt am :

    @schneider reell?
    Mein Name ist reell und ich stehe voller stolz dazu!
    Auch stimme ich ihnen aus vollem Herzen zu aufzuklären,und daraus konequenzen zu ziehen-verbunden mit Hilfe für die Leidtragenden.
    Aber seien sie versichert ich kenne die Ordensleitung und weiß das sie aufklären und nicht verschleiern. Wenden sie sich an sie und sie werden erfahren das man ihnen sicher weiterhelfen wird.
    Die Ordensleitung hat sich auch mutig gegen die Schwestern der CG gestellt-das war sicher eine schwere Zeit,warum sollten sie nicht in der gleichen Gesinnung ihre Fragen beantworten . Nur Mut und keine spekulationen bitte!
    Auch ich habe tiefes Unrecht erfahren und es gab mutige Nonnen die sich nicht beirren ließen. Dem Herrn sei Dank.

  58. Flexer schreibt am :

    Hallo
    Ich habe gestern mich Internet umgeschaut und auch auf Hinweise meines Bruders…viele Bilder gesehen.
    Danke für die vielen Links .
    Ich bin mir sicher das wir im Haus St.Johann gewesen sind .
    Heute ist es eine Mutter-Kind Genesungsstätte .

    MARIA – MEERESSTERN

    habe mir alles angesehen ,unter Rubrik : GESCHICHTE UND TRÄGER
    fand ich folgendes : …..Die Durchführung von Erholungsmaßnahmen für unterernährte , körperlich geschwächte Kinder wurde zunehmend durch spezialisierte Kurmaßnahmen für seelisch und Milieu geschädigte Kinder geprägt …

    Ich bin entsetzt !!!

  59. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo Flexer,
    die Erklärung, die sie unten zitiert haben, ist natürlich ein Hohn, angesichts dessen, was real dort in dem Heim (oder besser „den Heimen“) statt fand.

    Die haben von den Jugendämtern und Krankenkassen sicherlich nicht wenig Geld bekommen. Jedenfalls für damalige Verhältnisse. Nach dem Krieg wurden viele solcher Einrichtungen neu gegründet – wegen der ständig steigenden staatlichen Förderung.
    Das Caritative ist natürlich immer auch ein Wirtschaftszweig.

    So ist evtl. die eigentlich nicht Nachvollziehbare „Blindheit“ der Verantwortlichen zu erklären. Zumal es sich ja nach eigenem Verständnis um „Milieu geschädigte“ Kinder handelte, also den rechtlosen, „sündigen“ Bodensatz der Gesellschaft.

    Wenn der zuständige Träger solch einen menschenverachtenden Müll immer noch auf seiner homepage hat – dann ist ein „gehöriger Tritt in den A…“ mit Hilfe der Medien angezeigt.

    Viel Erfolg dabei wünscht von Herzen,
    Angelika Oetken, Berlin

  60. Flexer schreibt am :

    Ich möchte mich erst einmal für ein paar Tage hier ausklinken.
    Mich hat das so aufgewühlt das das ich erst etwas Abstand benötige .
    Ich möchte noch sagen das ich als Künstler und Dozent arbeite..und mit kleinen Kindern Kunstkurse mache zb.: wie Specksteinbearbeitung,Töpfern ,größere Gemeinschaftsprojekte mit Draht und Papier….und Arbeiten mit Jugendlichen….
    Die meisten Kinder sind im Alter von 5-8 Jahren… das ist genau das Alter als wir in Niendorf waren .
    Ich gehe mit diesen Kindern ganz , ganz liebevoll um . Eine kleine liebe,unschuldige Kinderseele ist so offen ,rein und sensibel ich sehe sie fast jeden Tag..das man echt das heulen kriegen kann…wenn ich an Niendorf zurückdenke .

    Stefan Suthe

  61. Sarah M. schreibt am :

    Hallo Flexer,
    Ihre Entscheidung, sich für eine Weile auszuklinken, kann ich absolut nachvollziehen. Mir ging es die letzen Woche ebenso, und ich stelle jetzt im Nachhinein fest: Es war die richtige Entscheidung.
    Mir hat es geholfen, dem inneren verletzten und missbrauchtem kleinen Kind nachzuspüren, die Tränen zuzulassen, den Schmerz rauszuschreien, dass dieses Kind damals nicht durfte.
    Sie haben mit Ihrem Erlebnis auch ganz tief in Ihnen einen kleinen verletzten Jungen Namens Stefan, der jetzt Zeit und Zuwendung von Ihnen als Erwachsenen braucht. Klingt sonderbar, aber ist von der psychotherapeutischen Seite durchaus gängig und sehr wirksam. Siehe
    http://alice-miller.com/bucher_de.php
    Nur so können Sie Ihrem inneren Kind, dass so Schreckliches erleben und durchleiden musste, die Chance zum Heilen geben.
    Fest im Gedanken mit Ihnen
    Sarah M.

  62. Schneider schreibt am :

    Zitat von Stefan:
    unter Rubrik : GESCHICHTE UND TRÄGER
    fand ich folgendes : …..Die Durchführung von Erholungsmaßnahmen für unterernährte , körperlich geschwächte Kinder wurde zunehmend durch spezialisierte Kurmaßnahmen für seelisch und Milieu geschädigte Kinder geprägt …Zitat Ende.

    Was für eine menschenverachtende Beschreibung! Wir wissen ja, wie diese spezialisierten Kurmaßnahmen aussahen.

    Wir Geschwister waren damals sehr dünn, sogar auch Scheidungskinder, aber nicht deshalb dünn sondern weil einfach viele in unserer Familie in jungen Jahren unglaublich dünn waren und dies auch heute noch sind, mein Sohn wiegt mit 20 Jahren nur knapp 60 kg , er ist kerngesund! Scheidungskinder waren damals wohl auch Millieu-Opfer…. brauchten eine Spezialbehandlung?Wir hatten daheim immer ausreichend leckeres Essen, einfache Dinge aus Gemüse vom eigenen Anbau, Milch,Käse,Fleisch vom kleinen Landwirtschaftsbetrieb der Großeltern, nur aß ich irgendwann kein Fleisch mehr – bis heute nicht – wurde aber damals in Niendorf dazu gezwungen die Fettklumpen zu essen, was mir sehr schwer fiel – diesen Ekel kann ich kaum in Worte fassen – aber die wollten, dass ich mittels Gewalteinwirkung zunehme, dabei war ich nicht körperlich geschwächt sondern einfach drahtig, es ging mir gesundheitlich gut. Wir mußten vor und nach dem Essen die Hände waschen – ich konnte meinen Brechreiz zum Glück bis hin in den Waschraum unterdrücken, ich wußte ja , was sonst passieren würde: Eiserne Faust im Nacken, Kotze löffeln oder stundenlang sitzenbleiben.
    Ich werde in den nächsten Tagen ein Bild an Herrn Denef schicken welches uns Geschwister zeigt – so wie wir damals aussahen als wir ins Heim kamen.
    Nach all diesen Erfahrungen ist es logisch, dass ich meine drei Kinder niemals dazu zwang, den Teller zu „putzen“.
    Die Kinder, welche damals aus unserer Region mit verschickt wurden, egal ob auch Scheidungskinder oder aus dem sogenannten Millieu – dies waren keine schlechteren Kinder – auch nicht anders als wir. Da gab es echte soziale Kompetenz im Heim – aber eben nur unter uns Kindern.

    Liebe Grüße
    Gabi Schneider

    P.S.: ….das mit dem Ausklinken kann ich gut verstehen… ich fühle mich gerade auch regelrecht erschöpft….muß mich erstmal wieder sammeln, das ist unglaublich – bin durch die Aufarbeitung dieser Vorkommnisse sowohl körperlich als auch seelisch ausgelaugt, muß aber dranbleiben, habe das Thema noch nicht „erledigt“ sprich verarbeitet.

  63. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Sarah,
    Daniel hatte Kontakt zu seinem Inneren Kind aufbauen, es aber nicht trösten können. Er hat es auch nicht sehen, sondern nur fühlen können. Und wann immer ein Kontakt zustande kam, rannte das „Kind“ mit dem Kopf gegen die Wand. So hat er es berichtet, so hat er es nach seiner Kur im realen Leben auch immer wieder getan. Bis zum Schluß! Und es war so schwer, ihm dann zu helfen!!

    JA; DAS HABT IHR AUS DEN KINDERN GEMACHT; IHR VERANTWORTLICHEN IN NIENDORF!!!!! LEBENDE TOTE!!!

    Lieber Stefan,
    ich verstehe dich mehr als gut, dass du eine Auszeit brauchst. Kannst du mich trotzdem einmal zu Hause anrufen?

    LG
    Gaby Pypker

  64. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Gaby,
    es tut mir immer noch sehr weh, wie sicher allen Betroffenen hier im Forum, dass Daniel so leiden musste!
    Ich weiß und kann daher Daniel sehr gut nachempfinden, wie schwierig und wie lange es dauert, das innere – schwer traumatisierte Kind trösten zu lernen. Bei mir selbst hat dies Jahre harte Therapiearbeit gedauert. Jedem anderen gestand ich meinerseits Zuwendung, Verlässlichkeit, Trost und Liebe zu und gab sie ohne darüber nachzudenken, freizügig!
    Nur meinen traumatisierten inneren Kindern nicht! Weil wir als Betroffene in der Kindheit Trost, in den Arm genommen werden, Liebe und Vertrauen erhalten kaum erfahren durften, ist es so schwer, dies alles, was einem Kind selbstverständlich und ohne Gegenleistung zustünde – und dies aber leider nie bekam, als Erwachsener für dieses traumatisierte Kind NEU einüben zu müssen. Meine Therapeutin hatte jahrelang diesen Part für mich übernehmen müssen, den Tröster – die Ersatzmutter – die begleitende Zeugin und diejenige – wo Schmerz, Wut, Ohnmacht, Weinen einen Raum hat, erlaubt ist, eingenommen. Die Täterbotschaften sitzen sehr lange und sehr tief eingebrannt
    in der Seele eines Betroffenen. Diese dem Täter wieder zurückzugeben, imaginär als ANAHME VERWEIGERT in irgendeiner Form aus der eigenen Seele zu verbannen, ist eine Meisterleistung, die jahrelange therapeutische Begleitung bedarf.

    Deshalb kann ich deine Worte nur all zu gut verstehen und sie unterstreichen:

    JA; DAS HABT IHR AUS DEN KINDERN GEMACHT; IHR VERANTWORTLICHEN IN NIENDORF!!!!! LEBENDE TOTE!!!

    Im Gedanken Dir und auch Daniel nahe
    Sarah M.

  65. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo Gaby,
    habe auch lange über Deinen Kommentar nachgedacht und konnte mich genauso wie Sarah in Daniel hineinversetzen.

    Ich weiß, daß die Arbeit mit den „inneren Kindern“ sehr verbreitet ist und vielen Menschen geholfen hat.
    Mir ging es allerdings genauso wie Daniel – ich konnte mich nicht in mein „inneres Kind“ hineinversetzen. Auch „Helfer“ oder „sichere Orte“ fand ich nicht – bei allem Bemühen.

    Erst heute verstehe ich, daß es die lange nicht gab und in meiner Kindheit auch nie gegeben hätte. Ich bin zu sehr Realistin, als das ich mir das für mich als Kind hätte vorstellen können. Starke Erwachsene, die zu einem stehen und eine sichere Umgebung.
    Vielleicht ging es Daniel auch so.
    Erst als ich mich in der Therapie nur mit der Gegenwart beschäftigte, ging mir auf, daß ich mir als Erwachsene genau das geschaffen habe, was ich als kleines Kind nicht hatte. Mittlerweile kann ich mir auch mein „inneres Kind“ vorstellen.
    Ich bin jetzt seine „Tante“.
    Eine auf die man sich verlassen kann und die handelt. Der „sichere Ort“ ist meine Wohnung und meine Praxis. Dort habe ich die Kontrolle.

    Mir hat es sehr geholfen, daß meine Therapeutin sehr flexibel war, was ihre Angebote betraf und sich auf das eingestellt hat, was mir und meiner Persönlichkeit entspricht. Auch wenn es nicht unbedingt das war, was sie gewählt hätte.
    Das meint der Therapeut Gottfried Fischer mit „Abstinenz“ – nicht die Wünsche und die Überzeugung des Therapeuten sind entscheidend, sondern die Bedürfnisse und die Lebenswelt des Therapeuten.
    Das erfordert sehr große innere Souveränität vom Therapeuten und ist nicht „Jedermann/fraus“ Sache.
    Das habe ich auch erst jetzt so richtig verstanden.

    Ich habe von meiner Therapeutin auch sehr viel über die „Therapiewelt“ gelernt, z.B. das Supervision, Reflektion und „Dazulernen-wollen“ für Therapeuten nicht unbedingt selbstverständlich sind.

    Schlimm!

    Insofern hoffe ich, daß unser Austausch hier auch von so manchem „Professionellen“ gelesen wird und denen hilft besser und effektiver -klientenzentrierter auf Neudeutsch – zu arbeiten.

    Herzliche Grüße von
    Angelika Oetken, Berlin

  66. Angelika Oetken schreibt am :

    Sorry,
    muß natürlich heißen – „die Bedürfnisse und die Lebenswelt des Patienten..“.

    Herzliche Grüße von
    Angelika Oetken, Berlin

  67. Schneider schreibt am :

    Zitat:
    Mir ging es allerdings genauso wie Daniel – ich konnte mich nicht in mein “inneres Kind” hineinversetzen. Auch “Helfer” oder “sichere Orte” fand ich nicht – bei allem Bemühen. Zitat Ende.

    Mir ergeht es ebenso. Habe festgestellt – dass es da eine Blockade gibt – selbst nach 35 Jahren kann ich mich nicht in mein inneres „Kind“ hineinversetzen. Ich erinnere mich an die schmerzlichen Erfahrungen. Es gibt und gab weder Helfer noch sichere Orte. Ich fühle mich verlassen und obwohl ich heute endlich weiß, daß mich als damals kleines Kind keine Schuld trifft, fühle ich mich dennoch (unbegründbar) schuldig – weiß nur noch nicht genau wofür, zeitgleich habe ich solch eine Wut in mir weil ich weiß, dass mir damals etwas angetan wurde….

    Das ist bzw. klingt doch alles schon sehr idiotisch – sehet her – was ihr gesät habt, könnt ihr heute ernten, sofern sich die aufgegangene Saat nicht freiwillig vernichtet hat.

  68. Matthias Suthe schreibt am :

    Liebe Gaby Schneider,

    bitte melde dich bei mir. Meine Kontakte hat Gaby P.
    Ich denke wir sollten mal ueber das was uns angetan wurde reden.
    Die letzten Tage waren nicht leicht fuer mich, aber es hat sehr geholfen mit meinem Bruder darueber zu reden. DANKE STEFAN! Wir haben endlos in den letzten Tagen telefoniert.
    Es hilf jemanden zu haben mit dem man darueber reden kann, jemanden der versteht, da selber mitgemacht.
    Ich wuerde mich ueber ein Gespraech sehr freuen.

    Liebe Gruesse
    Matthias

  69. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Frau Schneider,
    Ihre Worte kann ich so gut nachvollziehen. Sie schreiben: „Ich erinnere mich an die schmerzlichen Erfahrungen. Es gibt und gab weder Helfer noch sichere Orte. Ich fühle mich verlassen und obwohl ich heute endlich weiß, daß mich als damals kleines Kind keine Schuld trifft, fühle ich mich dennoch (unbegründbar) schuldig – weiß nur noch nicht genau wofür, zeitgleich habe ich solch eine Wut in mir weil ich weiß, dass mir damals etwas angetan wurde…. “
    Ich habe vor ca. 15 Jahren meine Therapie beendet. Durch mehrere Faktoren kam vor zwei Wochen noch mein schrecklichstes, so tief sitzendes Trauma in mir hoch, dass während der ganzen jahrelangen Therapie trotz vieler Arbeit komplett verbannt war. Mein kleines inneres 10jähriges Kind weint sich momentan die Augen aus, und es ist ok – denn ich – die Erwachsene, erlaube diesem traumatisierten Kind zu weinen. Es hatte damals, wie sie selbst schreiben, keine Helfer, keinen sicheren Ort. Es fühlte sich verlassen, ohnmächtig und schuldig.
    Heute als Erwachsene „hole“ ich mir in meiner Vorstellung einen „Wohlfühlort“, an dem ich mich absolut sicher fühle. Das kann ein Raum, eine Wiese, ein Ort – den keiner kennt sein. Dort „beame“ ich mich als die heutige Erwachsene imaginär hin. Dann hole ich mir gedanklich alle meine jetzigen Freunde, Partner, liebe Verstorbene, auch Schutzengel, wenn beliebt zu mir, die einen liebenden Kreis um mich bilden. Jeder des liebenden Helferkreises gibt mir absichtslos ganz viel Liebe. Ich stelle mir da immer einen Kelch vor, in dem diese Liebe fließt. Und ich kann gar nicht genug davon bekommen, denn der liebende Kreis schenkt immer mehr, als nötig. Einfach so, weil ich Ich bin, mit allem Schmerz, mit allem, was mich ausmacht. Jetzt, nachdem ich diese Liebe in mir eingeatmet habe, durch mein ganzes Sein fließen lies, hole ich mein inneres, geschundenes, verletztes Kind und gebe diesem Kind die übrige Liebe ab. Es darf weinen, es darf schreien, es darf den ganzen Schmerz herausschreien. Der liebende Kreis bildet einen Schutzraum für dieses Kind. Es wird von diesem Kreis begleitet in seinem Schmerz. Diesen Schutzraum legte ich lange dem ohnmächtig und sich ausgeliefert fühlendem Kind als Schutzmantel um. Wenn das KIND dann irgendwann ruhiger wird, man fühlt das sehr gut, dann erhält es einen Würdemantel!!!! Als Zeichen dafür, dass es immer wertvoll und würdevoll war, auch wenn dies von den Täter abgestritten wurde durch deren kranken eigenen Hirne. Es erhält seine Würde unangefochten wieder zurück. Und alles Schmerzhafte, alle Entwürdigungen gebe ich gedanklich an einem lieben Verstorbenen oder Schutzengel ab, der sich darum kümmert, dass es den Tätern wieder zurückgegeben wird. Denn es sind einzig und alleine IHRE Adjektive. Sie sind schuld, sie sind all das, was sie uns glauben machen wollten. Danach schenke ich dem Kind (zugegeben auch mir) eine Belohnung! Die kann auch richtig groß ausfallen, ihr inneres Kind wird es Ihnen sagen, was es sich wünscht.
    Wichtig bei dieser Übung ist, dass sie dabei nicht alleine sind, dass eine eingeweihte Person oder am besten eine Therapeutin mit Ihnen dies durchführt. Wenn man diese Übung 22 Tage konsequent durchführt, ist sie im Unterbewusstsein gespeichert und jederzeit bei Bedarf abrufbar.
    Wir sind heute Erwachsen, und dürfen unserm inneren Kind all das zukommen lassen, was es damals so sehr benötigt hätte.
    Mir hat es sehr viel geholfen, und das wünschte ich allen, die ihr inneres Kind in sich toben spüren.
    A. Samuels und E. Lukas haben beim Verlag Herder spektrum ein Buch herausgegeben, das dafür sehr hilfreich ist: Im Einklang mit dem inneren Kind!

    Lieben Gruß
    Sarah M.

  70. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Sarah M.,
    dass dir all das mit deinem und für dein Inneres Kind so gut gelingt… Hut ab! Du mußt eine verdammt gute Thera haben/gehabt haben, die dich auf dem schweren Weg zum Einklang mit deinem Inneren Kind so gut begleitet hat. Ich freue mich für dich sehr darüber. Bis ich mit meinem Inneren Kind einen Dialog führen konnte und es mir vertraute hat es fast zwei Jahre gedauert. Jetzt sind wir schon lange sehr gute Freunde und in bestimmten Situationen hilft es sogar mir, der Erwachsenen!
    LG
    Gaby

  71. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Gaby,
    ja ich habe/hatte eine sehr gute Therapeutin. Sie ist zwar schon in Rente, wird mich aber bis zu ihrem Lebensende begleiten, worüber ich gerade die letzten Wochen sehr dankbar bin. Der Weg zum inneren Kind braucht seine Zeit, aber wie du auch schon erfahren durftest, er lohnt sich. Und ich freue mich mit Dir, dass auch du diese hilfreiche Erfahrung machen durftest und immer noch darfst. Denn diese Kinder werden die treuesten Freunde in unserem Herzen und, wie du selbst erlebt hast. sie helfen uns sogar. Und das ist das Unfassbare, einst traumatisiert – geschunden, getreten und missbraucht, und dank der intensiven Arbeit und Zuwendung werden sie die inneren Helfer, die Mutschenker, die Kraftverteiler und schenken uns Freude im Leben zurück.
    Sarah M.

  72. Flexer schreibt am :

    Hallo….
    Liebe Gaby , Sarah , Angelika , Schneider….Matthias..ich hoffe ich habe keinen vergessen !
    Vielen DANK fur die vielen Fotos und Hinweise !

    Ich musste etwas Abstand haben , da ich Ostern eigendlich arbeiten wollte…und auch etwas unter Termindruck stehe .
    Ostern war ich sehr voll nit dem Thema „Niendorf“.
    So das ich etwas Stress hatte !

    Nun , ich habe meine Mutter gefragt ob sie sich erinnern kann : Wie es zu diesem Aufenthalt kam und was nachher war :

    Die Fahrt wurde über die Knappschaft finanziert…oder teilweise ?…und ging auch über die PREUSSAG (Ibbenbüren).
    Es gab eine Schwester die die Fahrt organisierte und regelte..ob sie auch die Zugbegleitung machte..das weiß ich nicht .
    Es waren viele Kinder dort am Bahnhof in Osnabrück . Ich weiß auch nicht mehr wieviele Begleitpersonen mit im Zug waren .

    Nach dieser „ERHOLUNGSKUR“ litt mein Bruder unter Alpträumen und schlaflosen Nächten…Die Hautkrankheit hat sich verschlimmert !Worauf sich meine Mutter bei der 0. genannten Schwester beschwerte : Diese wollte das weiterleiten nach Niendorf ! ob diese Beschwerde angekommen ist , ist fraglich !

    Ich musste das Thema „Niendorf“ mal etwas „sacken lassen“…und einige Erinnerungen sind noch gekommen :

    Es gab Schwestern in Tracht und welche in Zivilkleidung…die machten immer das Frühstück…
    Es gab einmal einen heftigen Streit unter zwei Erzieherinnen..der war so heftig , das sie sich mit dem Frühstück bewarfen ! unter den Augen der stillen und vor Entsetzen starren Kinder .

    Dann kann ich mich erinnern an einem Ausflug zum nahen Strand..es ist das erste mal das ich am Meer war .
    Wir durften aber nicht ans Wasser..es wurde ein Strich in den Sand gezogen…den durften wir unter Androhung von Strafe den nicht überschreiten…Dieser war ca. 2 Meter vom Wasser entfernt .
    Da ich ein absoluter Wassermensch bin .. und ich unbedingt ans Wasser wollte fande ich das schon sehr gemein .
    Es gab auch eine liebe Schwester in Tracht …diese gab uns mal Lakritzstangen und streichelte uns über den Kopf….das tat richtig gut !

    Dann kann ich mich wage an den Kinderspielplatz erinnern …es gab einen Schaukelesel aus Holz…da war ich immer sehr gerne drauf…

    Es sind vielleicht nur winzige Erinnerungsbruchstücke…aber jedes Detail zählt…

    Stefan S.

  73. Merzedes schreibt am :

    Ja,liebe Sarah M.-
    unsere Innenkinder sind unsere Freunde-so,so sehr ! Ich versuche meinen Freunden-auch eine andere Welt zu zeigen.Ich wohne an einem Bach,der zu einem See führt.Wir beobachten die Vögel und tanzen um unsere Lieblingsbäume.Manchmal bleiben wir etwas länger und nehmen Tee und Butterbrot mit und atmen und machen leise Musik.Auch so holen wir uns Kraft.Zur Zeit arbeite ich viel-es wird verstanden,weil es doch für uns Alle ist.Mit mutigen Frühlingsgrüßen-Merzedes

  74. Schneider schreibt am :

    Lieber Stefan,

    Schaukelesel: dunkelgrau gestrichen, verziert mit senkrechten roten und blauen Streifen und gelben Tupfen, rauhe verwitterte Metallbügel? Heftiges Knarren beim Vorwärtsschaukeln?

    Die Schwester ohne Tracht, welche ich in positiver Erinnerung habe, hieß Roswitha, schlank, dunkenlhaarig, freundlich. Erst habe ich mich nur an den Namen erinnert,dachte, sie gehöre auch zu den Bösen, bin mir jetzt aber sicher, dass sie nicht bösartig war.
    Liebe Grüße an euch alle
    Gabi

  75. Matthias Suthe schreibt am :

    Liebe Gaby,

    melde dich bitte bei mir oder bei Stefan. Nummer hat Gaby P.

  76. Pastor Winfried Krzyzanowski schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,
    erst jetzt habe ich Ihren Eintrag vom 2.4.10 gesehen. Bei mir ist keine Email von Ihnen eingegangen. In Ihrem Beitrag haben Sie meinen ja nicht einfachen Namen falsch geschrieben. Vielleicht liegt es daran.

    Warum die Unterstellung „der weiss was und will was vertuschen“?
    Mich hat das Schicksal Ihres Lebensgefährten ebenso menschlich angerührt wie die Schilderungen anderer hier. Ich hoffe mit Ihnen, dass es gelingt, die damaligen schlimmen Vorfälle möglichst aufzuklären.

    Ich habe mit meiner Mutter gesprochen, die mir zusammengefasst folgendes sagte: Mein verstorbener Onkel hat bei einer Kinderverschickung ebenfalls in Niendorf schlimme Erfahrungen gemacht. Da aber noch Namen zu ermitteln, dürfte sehr schwierig sein, weil viele wie mein Onkel inzwischen verstorben sind. Hier kann man nur auf diese Homepage und andere Veröffentlichungen hoffen.
    Später hat meine Mutter gottlob sehr gute eigene Erfahrungen bei ihren Aufenthalten machen können mit guten und engagierten Schwestern. Ich selbst habe mir letztes Jahr die Einrichtung angesehen und hatte von dem heutigen Engagement einen sehr positiven Eindruck.

    Mein Vorschlag vom 1. März unter der Voraussetzung, dass es leider nicht gelingt, den/die damaligen Täter zu ermitteln, ist tatsächlich EIN Weg aus der Trauerarbeit. Wenn z.B. ein Elternteil verstorben ist und ich das eigentlich nötige Gespräch nicht mehr direkt führen kann, dann kann ich über die schriftliche Imagination (Vorstellung) in einem Brief an den Verstorbenen für mich wenigstens ein heilsames Zeichen setzen. Dabei darf ALLES gesagt werden, was ich dem Betreffenden eigentlich noch sagen will, aber direkt nicht mehr kann. Das hat also gar nichts mit einer Verzeihens-Masche zu tun, aber wohl etwas mit Befreiung und Heilung, gerade weil ALLES heraus darf: Wut, Zorn, Hass, Trauer um die verpassten Lebensmöglichkeiten, Rachewünsche, wasauchimmer…
    In der Tat gibt es dabei natürlich keine direkte Antwort. Es kann aber nach meiner Erfahrung manchen helfen, sich von einer schlimmen Vergangenheit zu lösen und neu offen für die Zukunft zu werden, wenn in einem symbolischen Akt die schlimme Vergangenheit so wenigstens heraus und „verabschiedet“ werden kann, wenn der direkte Weg nicht gangbar ist.
    Die Imagination des inneren Kindes ist für mich auch so ein hilfreicher Weg, der vielen geholfen hat. Meiner Erfahrung nach gibt es nicht DEN Weg, der allen hilft. Umso wichtiger ist es für mich, sich gegenseitig auf hilfreiche Wege aufmerksam zu machen. Und so auch Mut zu machen, seinen eigenen Weg zu suchen.

    Ich hoffe, dass es Ihnen und anderen Betroffenen gelingt, einen für Sie heilsamen Weg zu finden!
    Mit lieben Grüßen aus Kiel
    Ihr Pastor Winfried Krzyzanowski

  77. Angelika Oetken schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Kryzanowski,
    im Fall des Heimes, respkt. wahrscheinlich der Heime in Niendorf ist mit Vertuschungsversuchen zu rechnen.
    Eine sachliche, kooperierende Aufarbeitung ist in solchen Fällen eher die Ausnahme.
    Vielleicht können Sie unsere Erwägungen hier in diesem Zusammenhang nachvollziehen.

    Ihre Vorschläge zur Bewältigung von Wut und Zorn sind gut. Dabei sollte man sich aber Folgendes klarmachen: Die therapeutischen „Techniken“ der Imagination und der Arbeit mit „inneren Kindern“ dienen dazu, den Betroffenen in die Lage zu versetzen, sich mit schmerzhaften Erinnerungen bewußt und willkürlich auseinanderzusetzen. Und damit etwas einzudämmen, was vielen Betroffenen das Leben zur Hölle macht: unkontrollierbare, schreckliche, beschämende Erinnerungs- und Emotionsfetzen, die nicht bearbeitet und auch nicht beiseite geschoben werden können, sondern sich in allen möglichen und unmöglichen Zusammenhängen in den Vordergrund des Erlebens und Handelns drängen. Und damit das gegenwärtige Leben unangemessen beeinflussen.

    Solche Therapiemaßnahmen haben nicht die Funktion, den Betroffenen von seiner Vergangenheit loszulösen. Auch nicht, „negative“ Emotionen, wie Wut, Zorn, Ärger und Haß zu überwinden. So etwas wäre gar nicht möglich und auch nicht erwünscht. In Wirklichkeit macht das kontrollierte Erinnern und angemessenes emotionales Reagieren ein therapeutisches Arbeiten erst möglich. In diesem Zusammenhang sind Wut, Zorn, Ärger und Haß positiv. Denn sie sind die einzig angemessene Reaktion auf das Unrecht, das Einem widerfahren ist.

    Für alle betroffenen Menschen, die sich hier äußern und outen ist es eine ständige Herausforderung, sich mit Schicksalen wie dem von Daniel Bonghard und anderen zu befassen.
    Manch einer „verdrängt“ angesichts der vollkommen, gegenwärtigen Alltäglichkeit von sexuellen Übergriffen, Demütigungen und Misshandlungen zum eigenen Schutz die Tatsache, daß in jedem Moment unseres Daseins Millionen von Kindern genau das widerfährt, was ihm auch widerfahren ist.

    Wer wüßte das nicht besser als selbst Betroffene. Und wer könnte sich besser in diese Kinder hineinversetzen.

    Insofern gehören diese Erinnerungen nicht der Vergangenheit an, sondern sind Teil kollektiver Erfahrung.

    In den angesichts dieser Tatsache nahezu kindlich-naiven Glaubenszustand, diese Übergriffe seinen eine Besonderheit und Ausnahme und Menschen im Großen und Ganzen „gut“ wird so schnell kein ehemals sexuell misshandelter Mensch wieder verfallen.

    Für uns Betroffene geht es darum, tagtäglich „trotzdem“ zu leben.

    Ich persönlich kann meiner Biografie mittlerweile sogar etwas Gutes abgewinnen : ich empfinde das kollektive Verdrängen von Realitäten was diese Tatsachen betrifft als beschämend und unwürdig für eine Gesellschaft, die sich für aufgeklärt und zivilisiert hält. Ich möchte eigentlich mit solchen Menschen nicht mehr tauschen, an manchen Tagen auch nichts mehr mit ihnen zu tun haben.

    „Träumer“ erkennen Realitäten erst an, wenn man sie weckt. Manchmal unsanft.

    Genau das tun wir hier.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Angelika Oetken

  78. Simpl schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Krzyzanowski, im Fall von Daniel haben Eltern ihren Sohn verloren, eine Frau ihren Partner, die Kinder ihren Vater. Für den Betroffenen wurden nach der Wiederkehr seiner Erinnerungen mehrere Jahre lang die Nächte zur Marter. Er fand keinen Ausweg mehr. Die Familie konnte nicht mehr helfen. Die Therapien halfen nicht. Er nahm sich das Leben. In der Familie bleibt für immer ein Lücke. Nun die Frage: Ihren Ausführungen entnehme ich, dass andere Kinder andere, ebenfalls denkwürdig schlechte Erfahrungen machten. Wer hilft Frau Pypker aufzuklären, was mit Daniel als Kind geschehen ist? Möglicherweise brauchen andere Menschen, die in Niendorf schlechte Erfahrungen, oder sogar traumatische Erfahrungen gemacht haben, heute Hilfe, sehr viel Hilfe. Wer hilft bei der Aufklärung? Welche Unterstützung können Sie Frau Pyper bei der Aufklärung geben?

  79. Sarah M. schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Krzyzanowski,
    Sie fühlen sich hier in unserem Forum Betroffener von sex. Gewalt missverstanden!
    Ich als Betroffene verstehe hingegen Ihre Wortwahl für ein begangenes Verbrechen nicht!
    Sie schreiben: „Mein verstorbener Onkel hat bei einer Kinderverschickung ebenfalls in Niendorf schlimme Erfahrungen gemacht.“
    Mag sein, dass für Nicht-Betroffene das Wort sex. Misshandlung schwer in Bildern nachzuvollziehen ist. Aber eins ist es gewiss nicht, eine „schlimme Erfahrung“.
    Daniel erlitt einen Mord auf Raten! Sex. Misshandlung beinhaltet immer rohe Gewalt an einem wehrlosem Kind. Jeder normal fühlende Mensch müsste sich allein bei der Vorstellung übergeben, dass ein Täter sich daran ergötzen kann, wenn ein schreiendes Kind winselnd um Hilfe fleht, zappelnd unter den Händen eines Sadisten brutalst missbraucht wird!
    Ich verwende absichtlich das Wort Sadist, denn jemand – , ich sag es jetzt mal ganz direkt, der dabei auch noch einen hochbekommt, wenn ein kleines Kind starr vor Todesangst wird, dabei sogar in Kauf nimmt, dieses Kind körperlich schwer zu verletzen (denn ein Körper eines Kindes ist dafür noch gar nicht ausgereift, ganz zu schweigen von der Seele), dessen Willen zerbricht, die Seele ermordet, es besudelt, beschmutzt, und tiefst traumatisiert, kann nur ein Sadist sein!!!
    Und dies musste Daniel während eines „Erhohlungsurlaubes“ tagtäglich über sich ergehen lassen! Es war Mord auf Raten!

    Weiter schreiben Sie, und auch hier fehlt mir jeglicher Zusammenhang zu Daniels Schicksal:
    „Wenn z.B. ein Elternteil verstorben ist und ich das eigentlich nötige Gespräch nicht mehr direkt führen kann, dann kann ich über die schriftliche Imagination (Vorstellung) in einem Brief an den Verstorbenen für mich wenigstens ein heilsames Zeichen setzen. Dabei darf ALLES gesagt werden, was ich dem Betreffenden eigentlich noch sagen will, aber direkt nicht mehr kann. Das hat also gar nichts mit einer Verzeihens-Masche zu tun, aber wohl etwas mit Befreiung und Heilung, gerade weil ALLES heraus darf: Wut, Zorn, Hass, Trauer um die verpassten Lebensmöglichkeiten, Rachewünsche, wasauchimmer…“

    Daniel starb nicht einfach so: Er zerbrach an diesem an ihm vor Jahren begannen Seelenmord.
    Allen Kriegsopfern und Holocaustopfern Hinterbliebenen gesteht der Staat (die dafür die Verantwortung dieses kollektiven Grauens übernehmen) eine Entschädigung zu. Wir Deutschen rühmen uns als die Meister der Vergangenheitsaufarbeitung dieser traurigen Epoche und zahlen horende Summen an Wiedergutmachungen. Noch heute und das mit Recht! Gedenktage und wiederholte Entschuldigungsbekundungen unterstreichen diese Haltung gegenüber der begangenen Taten!

    Warum fordert man von uns, die wir ebenso Opfer kollektiver Gewalt waren und Betroffene sind, dieses ebenso kollektiv vorhandene Grauen, das an uns begangen wurde, zu vergessen und zu vergeben??? Wieso müssen wir Trauerarbeit leisten?
    Uns wurde der Schaden zugefügt, der lebenslange Spuren nach sich zieht bei jedem Einzelnen von uns!
    Ist es nicht Sache der Täter, der Verantwortlichen, der Mitwisser und Vertuscher (allen Voran der Institution Kirche, die diesbezüglich im großen Stil Schuld auf sich geladen hat), endlich ihren Worten Taten folgen zu lassen, den Weg einer angemessenen Entschädigung einzuschlagen?
    „dann darf Alles heraus, Wut – Zorn…“ Wohin damit, wenn die Verantwortlichen, die nicht alle im Jenseits sind, sondern gedeckt werden im großem Stil? Sollen die doch mal mit allem heraus, damit endlich Aufklärung für die unzähligen Fälle möglich wird!
    Sollen die sich doch mal von Ihrem Gewissen befreien!!! Das dient der wahren Heilung beiderseits!!!
    Zum Schluss möchte ich noch auf einen Teil Ihres Schreibens eingehen:
    „Später hat meine Mutter gottlob sehr gute eigene Erfahrungen bei ihren Aufenthalten machen können mit guten und engagierten Schwestern. Ich selbst habe mir letztes Jahr die Einrichtung angesehen und hatte von dem heutigen Engagement einen sehr positiven Eindruck.“
    Zum Glück hat sich in vielen Einrichtungen diesbezüglich die Pädagogik zum positiven gewendet.
    Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass in diesem Haus, wie auch in vielen anderen – Kinder bestialisch gequält und sexistisch misshandelt wurden. Solange diese Vergangenheit nicht aufgearbeitet wird, wirken diese Einrichtungen auch weiterhin unglaubwürdig und nicht vertrauenserweckend.
    Und Daniel macht diese Tatsache auch nicht wieder lebendig!
    Fr. Phypker gebührt jeglicher Respekt in ihrem Wunsch, Daniels Tod einem Namen zu geben, indem sie alles erdenkliche unternimmt, um herauszufinden, wer für den Seelenmord ihres Lebensgefährten verantwortlich war, was man ihm alles angetan hat, wer dabei half, diese Grauentaten zu vertuschen!
    Das ist schonungslose Vergangenheitsbewältigung, die sehr viel Kraft kostet, die Fr. Phypker um Daniels Willen auf sich nimmt!
    Sie hat ein ganzes Team, das gesamte Forum auf ihrer Seite, und sie wird nicht aufgeben, bevor sich nicht alles über diese „Erholungszeit“ erfahren hat. Das ist ihr Recht als Hinterbliebene von geistlichen Würdenträgern seelisch ermordeten Lebensgefährten Daniels.

    Generell möchte ich jedem Nicht – Betroffenen empfehlen, die coming- outs in diesem Forum durchzulesen, damit deutlich wird, was sex. Missbrauch an Kindern in der Realität bedeutet und welche tiefgreifende Schäden lebenslang damit ausgelöst werden. Dadurch können weitere gegenseitige Situationen des Missverstanden – werdens auf beiden Seiten vermieden oder zumindest reduziert werden.
    Sarah M.

  80. Laura K. schreibt am :

    Hallo,

    ich weiß es erst seit kurzem, aber ich gehöre auch zu den Betroffen. Mir fällt es sehr schwer darüber zu schreiben. Leider kann ich Frau P. unter der o.g. Nummer nicht erreichen. (habe eine Nachricht hinterlassern, aber bisher keinen Rückruf erhalten). Bin sehr verzweifelt und habe so sehr Angst. Meine Erinnerung ist sehr schwach was Personen angeht und auch was den Kuraufenthalt an sich betrifft ist sie sehr lückenhaft. Allerdings kann ich mich inzwischen deutlich an „menschl.“ Handlungen erinnern, die , ich will mal sagen, weit über das fürsorgliche Maß an Zuwendung hinausgingen. Würde gern mit meinen wenigen Brocken an Wissen zur Klärung beitragen. Aber ungern über das Forum. Ich bin leider noch nicht soweit. Ich hoffe Sie können dies verstehen.
    Wäre auch dankbar über Hilfen, wie ich mit dieser Situation fertig werden kann.

    Liebe Grüße
    Laura K.

  81. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Laura,
    bitte nehmen Sie Kontakt mit Hr. Norbert Denef auf, der wird Ihnen helfen , mit Gaby P. in Verbindung zu treten.

    norbert.denef [at] netzwerkb.org

    Sarah M.

  82. Gaby Pypker schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Pastor Krzyzanowski,
    ich habe Ihren Kommentar gerade erst gelesen. Meine Mail habe ich übrigens seinerzeit an die als Ihre Kontakt-Mailadresse Ihrer Kirchengemeinde in Kiel angegebene Adresse gesandt. Eigenartig, dass sie nicht eingegangen ist.
    Im übrigen schließe ich mich den Kommentaren und Stellungnahmen meiner Mitstreiter Angelika O., Sarah M. und Simpl hier jetzt einfach nur an, denn ich hätte es nicht besser sagen können.
    Warum und wie Ihre Mutter und Sie selber ja offensichtlich auch, es ausgehalten hat/haben, trotz der schlimmen Erfahrungen Ihres Onkels offensichtlich noch mehrere Male in eben genau dieses Heim zu fahren, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Sie beide haben gewußt, dass dort Kinder misshandelt, gefoltert und vergewaltigt wurden und sind trotzdem wieder hingefahren, ohne auch nur ein einziges Mal den Mund aufzumachen und „Stopp“ zu rufen?“ Ohne die Täter anzuzeigen? Ohne die Öffentlichkeit, ohne die Eltern zu informieren? Und mit diesem Wissen haben Sie leben können? Bis heute?

    WIE???

    Ich wünschte Ihnen nur eine eine einzige durchwachte Nacht, und da noch eine der „harmloseren“ mit meinem Lebensgefährten und ich gebe Ihnen mein Wort: Sie hätten Ihren o.g. Brief niemals geschrieben!!!

    Ich will meine Wut, meinen Hass und/oder meine Ohnmacht und Trauer nicht dem Meer überantworten. Dann würde ich daran ersticken! Ich will, so es möglich ist, denen in die Augen sehen, die meinem Mann damals das Leben genommen haben; seine Seele getötet haben. Jeden Tag, immer wieder und wieder. Und wenn sie tot sind, will ich wissen, will ich sehen, wo sie begraben liegen. Als gute Christen? Treusorgende Familienväter?
    Ich war letztes Wochenende in Niendorf und es war schlimm! Ich werde niemals wieder dorthin fahren!

    Wer hilft mir bei meinen Recherchen. Helfen SIE mir? Geben SIE mir Antworten auf meine Fragen?

    Gruß Gaby Pypker

  83. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Angelika, liebe Sarah, lieber Simpl,
    ich danke euch für eure Kommentare und eure Unterstützung. Ihr habt mir einfach aus der Seele gesprochen! Ich hätte es nicht treffender sagen können. Danke!!

    Liebe Laura,
    ich habe Norbert Denef gebeten, dir meine Kontaktdaten noch einmal mitzuteilen. Du kannt mich jederzeit anrufen oder mir mailen. Ich finde es mutig und richtig, dass du dich gemeldet hast. Und: Hab keine Angst! Du bist nicht allein!
    Liebe Grüße
    Gaby

  84. Pastor Winfried Krzyzanowski schreibt am :

    Liebe Angelika Oetken,
    ich danke für Ihren verständnisvollen Erklärungsversuch für einen Aussenstehenden! Ich finde es wirklich stark, wie Sie bei allem leider ja nicht wieder gutzumachenden Schaden (trotz ggf. endlich kommender Entschädigung) in Ihrem Widerstand gegen das Vergessen einen positiven Beitrag leisten.

    Liebe Sarah M, lieber Simpl, liebe Gaby Pypker,
    Ich habe bewusst bei meinem Onkel nicht von „sexuellem Missbrauch geschrieben, weil es keiner war! Es gibt auch noch andere „schlimme Erfahrungen“ für einen Jungen, der sich auf eine schöne Erholungzeit freut. Gottlob ist mein Onkel nicht sexuell missbraucht worden, sondern hat als „armer Sozialfall“ z.B. Kartoffeln schälen müssen, während andere tolle Ausflüge machten. Das mir vorzustellen, erfüllt mich auf die/den Verantwortlichen für solche Seelenquälerei durchaus mit Wut, Trauer, Zorn… Ich kann vielleicht ein wenig im Ansatz verstehen, was alles hoch kommen kann, wenn jemand von noch viel schlimmeren Untaten, ja Verbrechen betroffen ist. Ich kann es auch nachvollziehen, dass man leicht in einem Rundumschlag alle Möglichen verdächtigt, selbst Wohlmeinende.

    Von sexuellem Missbrauch in Niendorf habe ich erst durch diese Homepage etwas gelesen. Wer meinen Onkel damals schikaniert hat, kann ich heute nicht mehr heraus bekommen, weil er verstorben ist. Natürlich wäre meine Mutter nie später in das Heim zum Urlaub gefahren, wenn ihr nicht Bekannte erzählt hätten, dass man dort inzwischen bei gutem Personal guten Urlaub machen könnte und sie das dann dort wiederholt so erfahren hat.

    Anders als Sie, liebe Frau Pypker, hat mein Onkel später bei Besuchen in Niendorf gute Erfahrungen machen können. Die Person, die ihn früher schikaniert hatte, war offenbar längst nicht mehr dort. Er hat nie den Wunsch geäußert, da weiter nachzuforschen. Für ihn war die bessere Gegenwart und sein persönliches Engagement für eine bessere Zukunft das, was ihn ausfüllte.

    Ich kann nur Ihnen und allen Betroffenen wünschen, dass Sie mit Therapie, mit dem Austausch der Betroffenen von dieser Seite und anderen neuen Erfahrungen bei den gewaltigen Negativerfahrungen innerlich ein „trotzdem“ , „trotz allem ein Pluszeichen“ in ihrem Leben sehen – nicht zuletzt auch in ihrem Engagement!

  85. Matthias Suthe schreibt am :

    Sehr geehrter Pastor Winfried Krzyzanowski,

    ich bedanke mich fuer Ihre Beteiligung in diesem Forum. Das ist mutig und freue mich deswegen.
    Ich habe Verstaendniss fuer Ihren Onkel. Jeder Mensch hat individuelle Wege um Vergangenes aufzuarbeiten.
    Meine Erfahrungen waren leider nicht Kartoffeln schaelen. Ich wurde misshandelt, d.h. regelmaessig geschlagen, ans Bett gefesselt – Tag und Nacht, und musste in einem verdunkeltem Zimmer ausharren.
    Gerne haette ich Kartoffeln geschaelt!
    Ausserdem war und bin ich kein „armer Sozialfall“. Meine Herkunft ist katholisch buergerlich!
    Gerne wuerde ich wie Ihr Onkel Vergangenes auf sich ruhen lassen. Da aber leider sehr viele Kinder misshandelt worden sind und es einen Todesfall gibt, kann und darf man die Vergangenheit nicht ignorieren.
    Es kann jederzeit wieder ein Mensch darunter leiden, vieleicht auch sterben.
    Aus diesem Grunde ist es eine moralische – auch christliche – PFLICHT die vergangene Ereignisse aufzuarbeiten und ALLE potenzielle Opfer zu informieren und zu unterstuezen.
    Oeffentlichkeit ist hier zwingend! Alles andere wuerde uns Mitwissende eine enorme Schuld aufgetragen falls es noch weitere Faelle wie die des Daniels geben sollte.
    Da ich als Opfer schon sehr leide, wuerde ich als „Mit-Taeter“ and dieser Last zerbrechen!
    WIR HABEN VERANTWORTUNG!

    Ich bitte ueber Information und Aufklaerung.
    Ich bitte darum das alle potentielle Opfer benachrichtigt werden.
    Ich bitte um Oeffentlichkeit damit sich weitere Opfer helfen lassen koennen.
    Ich bitte darum ERNST genommen zu werden – auch noch 40 Jahre nach meiner Tortur.

    mfg
    Matthias C. Suthe

  86. astrid schreibt am :

    „FRAGE: Sind die Gesellschaft und Teile der Psychologie auf seiten der Täter?“
    ANTWORT: Das ist der normale Mechanismus. Was der Mensch am meisten fürchtet ist Ohnmacht. Und es braucht eine gewisse Verarbeitung der eigenen Ohnmachtserfahrungen, um das Leid und die Hilflosigkeit anderer überhaupt ertragen zu können.“ (Martin Miller, Sohn von Alice Miller, im Interview mit dem ‚Spiegel‘)

  87. Matthias Suthe schreibt am :

    „Ich wusste es, aber ich habe es nicht geglaubt. Und weil ich es nicht geglaubt habe, wusste ich es auch nicht.“
    Raymond Aron.

  88. Matthias Suthe schreibt am :

    ZITAT:

    Erklärung des Bischöflichen Offizials, Weihbischof Heinrich Timmerevers:

    Seit Wochen werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass es innerhalb der katholischen Kirche und deren Einrichtungen sexuell motivierte Übergriffe auf Schutzbefohlene gegeben hat und womöglich noch gibt. Mitunter wird auch hingewiesen auf ein Übermaß an Gewalt, die Kindern und Jugendlichen vor allem in den 50iger und 60iger Jahren durch Amtsträger und Mitarbeiter der Kirche angetan wurde. Der Offizialatsbezirk Oldenburg ist von diesen Geschehnissen nicht ausgenommen.

    Auch wenn zunehmend erkennbar wird, dass es sich dabei um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, ist es dennoch ein nicht hinnehmbarer Skandal, dass es auch in unserer Kirche immer wieder solche Übergriffe gegeben hat! Gerade die „Kleinen“ stehen im Evangelium unter dem besonderen Segen Jesu. Wer sie missbraucht, verkehrt die Frohbotschaft in übler Weise.

    Jeder einzelne Fall, der ans Licht kommt, erfüllt mich mit Schmerz und Trauer. Ich sehe klar, dass kirchliche Verantwortungsträger in der Vergangenheit nicht in jeder Situation angemessen gehandelt haben. Die damaligen unzureichenden Maßnahmen und das Schweigen sind ein schwerer Fehler gewesen. Auf diese Weise sind viele Opfer in ihrer Not alleingelassen und Täter nicht wirklich zur Rechenschaft gezogen worden. Als Christ und Amtsträger in unserer Kirche schäme ich mich dafür und bitte alle Betroffenen um Verzeihung.

    Aufklärung, Transparenz und konsequentes Handeln sind heute und künftig das Gebot der Stunde. Die Opfer und Betroffenen haben dabei im Mittelpunkt zu stehen. Wir werden alles tun, ihren Schmerz und ihre Not anzunehmen und ihnen Hilfe zu ermöglichen. Wir werden jedem Hinweis konsequent nachgehen.
    Damit die Kirche der Aufklärung nachkommen kann, bedarf sie der Mithilfe aller, die um konkrete Sachverhalte wissen und sachdienliche Hinweise geben können. Anonyme Mitteilungen, Verdächtigungen und Spekulationen sind angesichts der schwerwiegenden Materie nicht hilfreich und schaffen ein Klima des Misstrauens.

    Die katholische Kirche hat aufgrund der Ereignisse in sie gesetztes Vertrauen verloren. Das ist schmerzlich angesichts der Tatsache, dass der weitaus größte Teil der Priester, Diakone, pastoralen und anderen Mitarbeiter tagtäglich aufrichtig und mit großem Engagement ihren Dienst tun zum Wohl und Segen der Menschen.

    In dieser schweren Zeit, die für uns alle eine Bußzeit ist, bitte ich alle Gläubigen um ihr Gebet.
    Vechta, 19. März 2010
    + Heinrich Timmerevers
    Bischöflicher Offizial
    Weihbischof

    OHNE KOMMENTAR

  89. Matthias Suthe schreibt am :

    AUSZUG:

    Kirchliches Amtsblatt Münster 2009 Nr. 5 Art. 48

    Leitlinien zum Vorgehen bei Kenntnisnahme von sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker im Bistum Münster

    […]
    6. Jede Anzeige oder Verdachtsäußerung wird dem Beauftragten des Bistums umgehend gemeldet. Auch die Bistumsleitung informiert umgehend den Beauftragten, der daraufhin tätig wird. Erhält der Beauftragte eine Mitteilung, so informiert er umgehend den Diözesanbischof und, falls erforderlich, den Ordinarius des Angeklagten, ggf. seinen Oberen.
    […]
    Die Leitlinien treten zum 01.03.2009 in Rechtskraft.
    Münster, den 09.02.2009
    L. S. † Dr. Franz-Josef Overbeck
    Diözesanadministrator

    OHNE KOMMENTAR

  90. Frank schreibt am :

    Und wieder eine Worthülse –
    wieder ein Schwamm voller -wir werden …..
    ohne konkrete Aussagen zu der wohlgemeinten Hilfe der Kirche
    noch mal – WIE ?????????
    will die Kirche uns helfen.

    Zitat
    „Wir werden alles tun, ihren Schmerz und ihre Not anzunehmen und ihnen Hilfe zu ermöglichen. “

    Ich bin in Behandlung einer Trauma-Therapeutin,
    bin in einem seelischen Ausnahmezustand
    bin arbeitslos, ohne Aussicht auf Arbeit –
    weil es seelisch und körperlich nicht mehr geht –
    obwohl ich drei Berufe und zwei Weiterbildungen gemacht habe

    habe keine Wohnung und schlafe auf der Coutch meiner Mutter.
    Beziehe Hartz IV und kann mir ein normales Leben gar nicht mehr leisten-
    geschweige den für all das aufkommen was ich in meiner Situation alles bräuchte.

    Nun bitte –
    wie kann mir geholfen werden –

    konkret:
    macht was in Bezug auf die Übernahme der Kosten für weitere Therapien –
    Teure alternative körperbezogene Therapien – die die Kasse nicht übernimmt –die meinen Muskelpanzer beseitigt
    in dem all die Angst und Panik gespeichert ist und der mir das Gefühl gibt
    das ich in einer Ritterrüstung stecke statt in einem lebendigen Körper

    das ich wieder atmen kann
    ohne jeden Atemzug zu kontrollieren aus einer Angst heraus ,
    das mich jemand …….. schlägt, erniedrigt und als Dreck behandelt
    und eine Schlaftherapie
    ( die mich wieder vernünftig durchschlafen lässt
    ohne alle 2-3 Stunden wach zuwerden aus einem Halbschlaf –
    da ich innerlich immer so angespannt bin und hellwach bin –
    einfach nicht in Tiefschlaf fallen kann.
    der grosse Schlafsaal des Waisenhauses lässt grüßen mit all dem Geschehen der Herabwürdigung und Blossstellung
    ja nicht einschlafen – denn es könnte wieder jemand an deinem Bett stehen)

    Helft mir bei der Suche nach einer kleinen Wohnung die das Amt bezahlt –
    eine kleine Bleibe – einem Schutzraum für mich –
    Denn die ist mit Hartz IV stigma noch schwieriger zufinden –
    und die Ämter sind schwerfällig –
    auf dem freien Wohnungsmarkt ist es aussichtslos und unbezahlbar

    das macht mich zusätzlich noch fertig – zu dem ganzen inneren Geschehen

    und es gäbe so viele kleine Möglichkeiten , uns im Alltag mit Rat und Tat zur Seite zustehen,
    wenn die Kirche doch nur wollte !!!!!!!!!

    aber das Billigste sind nun mal Worte , ohne Verbindlichkeit –
    ja nichts konkretes – nur keine Festlegungen –
    schon gar nicht im Finanziellen.

  91. Matthias Suthe schreibt am :

    Da dder Kontakt auf der Missbrauchsseite des Bistums Muenster nicht mehr Aktuell ist empfehle ich das Bistum ueber deren Kontakt link zu informieren.

    Deren Kontakt website ist:

    http://www.bistum-muenster.de/index.php?cat_id=14495

    Die sind sehr nett und hilfsbereit.

    Mehr Informationen erhaeltlich ueber Gabriele Pypker, Ottilie-Schoenewald-Str. 16, 44789 Bochum, Tel 0234 34841

  92. Sarah M. schreibt am :

    Und wenn ich mir die neuen überarbeiteten Leitlinien des Bistums Münster durchlese, wird mir mindestens so übel, wie Frank es oben beschreibt!!!
    Sie investieren erhebliche Finanzen für die Verwaltung ihrer Fälle, aber wahrhaftiger Wille zur konsequenten Aufklärung??? Irrtum, weit davon entfernt!!! Weiterhin behalten Sie sich vor, selbst zu entscheiden, ob und wann sie „Fälle“ an die Staatsanwaltschaft weitergeben!

    http://www.bistum-muenster.de/downloads/Seelsorge%20Personal/2009/Leitlinien_sex_Missbrauch090309.pdf

  93. Matthias Suthe schreibt am :

    Sehr geehrter Pastor Winfried Krzyzanowski,

    oben genannte Richtlinien gelten auch im Erzbistum Hamburg die Sie sicher kennen.

    Ich denke dass Sie aufgrund dieser Richtlinien zumindest einen der Personen die auf folgender website veroeffentlicht sind benachrichtigt haben.

    http://www.erzbistum-hamburg.de/ebhh/rat/sexueller_missbrauch.php

    Falls dies nicht geschehen sein sollte, was ich nicht unterstellen moechte, da Sie sich doch engagiert in diesem Forum beteiligen – das ich sehr gut finde – , wird dies an Stelle Ihrer bald geschehen.

    mfg
    Matthias C. Suthe

  94. Hubert schreibt am :

    @Sarah M.

    So neu sind diese überarbeiteten Leitlinien ja noch nicht – bis jetzt vom 09.02.2009.
    Das ganze Thema ist ja erst nach diesem Datum so richtig aufgekocht.
    Man darf auf weitere Änderungen gespannt sein seitens der Bischofkonferenz. In der bisherigen Version wird jedenfalls noch die Staatsanwaltschaft weitestgehend ausgeklammert.

    Schwierigkeiten sehe ich allerdings darin, inwieweit Personen zu unrecht beschuldigt werden können und durch derartige Anzeigen durch viele Instanzen hinweg angeprangert werden können.

    Leider gibt es ja auch diese Fälle, wo einer Person aus Boshaftigkeit etwas Falsches unterstellt wird.
    Der Nachruf einer Richtigstellung ist dann meistens sehr klein, der Ruf einer beschuldigten oder verdächtigten Person in jedem Fall zerstört.
    Solche Fälle stelle ich mir für derartig Betroffene sehr schlimm vor.
    Die Frage ist, ob eine Staatsanwaltschaft in der Lage ist, diese Fälle im Vorfeld angemessen und richtig zu beurteilen.
    Zumindesat müsste die Staatsanwaltschaft dafür speziell ausgebildete Fachkräfte mit dem gewissem Feingefühl bereitstellen. Und das dann aber ohne endlos lange Wartezeiten! Gerade für Opfer sind diese teils sehr langen Wartezeiten unerträglich.
    Was jedenfalls nicht passieren darf, sind Pauschalverurteilungen.

    Schwierig ist es sicher mit Grenzfällen, wo der Sachverhalt nicht eindeutig klarzustellen bzw. bweisbar ist.
    Sind dann eventuelle unrechte Verurteilungen in Kauf zu nehmen um
    auszuschließen, daß tatsächliche Täter straffreif davon kommen?
    Es ist schon ein sehr heikles und schwieriges Thema.

  95. Sarah M. schreibt am :

    Hallo Hubert,
    die Gefahr einer zu Unrecht ausgesprochenen Verurteilung wird man wahrscheinlich nie ganz verhindern können. Es gibt in allen Bereichen Trittbrettfahrer, und natürlich ist die ohne Frage für den fälschlicher Weise Angeklagte ein nicht wieder gut zu machender Schaden, der ihm dadurch zugefügt wird!
    Um so wichtiger wäre es – wie Sie selbst schon erwähnt haben, dass das Personal bei Kripo und Staatsanwaltschaft ausreichend geschult werden, damit solche Beschuldigungen erst gar nicht zur Veruteilung kommen.
    Aber ich denke dennoch, wie man auch hier im Forum sehr oft lesen kann, dass der umgekehrte Fall überwiegt: Dass Opfer anzeigen, und ihnen nicht geglaubt wird, und dem Ganzen gar nicht ernsthaft nachgegangen wird.
    In beide Fälle ein nicht tragbarer Zustand, der zu schweren Traumen führen kann!
    Ich vermute, dass gerade aus solchen Praxiserfahrungen in der Justiz der Grundsatz entstand: Im Zweifel für den Angeklagten!
    Und wie wir ja alle wissen: Gesetzte sind nicht da um Gerechtigkeit zu bewirken, sondern um Recht zu sprechen! Der Gesetzgeber hat das Recht, zu…..befinden! Oder bringe ich da jetzt etwas durcheinander :-).
    Sarah M.

  96. Ich war 1972/73 im“Kinderheim“Haus Hubertus in Niendorf/Ostsee und kann nur bestätigen das dort Schwester Maria Marwedel mit Eiserner Hand regierte.Es gab aus geringsten Gründen heftige Prügel,auch für Kleinkinder.Jeden Morgen Haferschleim,zu jeder Mahlzeit Tischgebete(wie scheinheilig)und abends Gesang mit „Schwester Maria“am Schifferklavier.Ich bin heute 48 Jahre alt,war auch von 1974-78 im LJH Paulihof Schleswig das im Gegensatz zu Haus Hubertus einem Kuraufenthalt glich.Ich würde mich freuen evtl.von Leuten zu hören die auch zu meiner Zeit dort waren.

  97. Kerstin Krause schreibt am :

    Hallo zusammen,

    mein Gott, was haben sie hier alle als Kinder schreckliches erleiden müssen.

    Mir fehlen einfach die Worte. Vielleicht sollte man das alles auch mal an die Politik weitergeben, insofern es noch nicht passiert ist. Mittlerweile melden sich ja wirklich viele.

    Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)
    Nach einem klärenden Gespräch wollen Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und Erzbischof Zollitsch nun Missbrauchsfälle gemeinsam aufklären. ( Vielleicht auch nicht die richtige Anlaufstelle, nur mal als Idee)

    Vielleicht, da ja leider Gottes sehr viel in dieser Hinsicht in Deutschland gemeldet wird, werden diese beiden Herschaften sich auch in diesem brisanten Fall damit beschäftigen.

    Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft zur Verarbeitung, dieser schrecklichen Erlebnisse!!!!!!

    Zu dem Thema Flaschenpost: Das ist einfach nur Lächerlich!!!!!!!!!!!

    Beste Grüße

    Kerstin Krause

  98. Sarah M. schreibt am :

    Hallo Kerstin,
    ich freue mich ganz besonders, dass Sie als „Nichtbetroffene“ (wie mir scheint) hierher gefunden haben, und den Mut haben, unsere schrecklichen Erfahrungen, die wir als Kinder erleiden mussten, zu lesen.

    Das ist selten, und ich bewundere Sie dafür, denn allen Betroffenen von sex. Gewalt ist es bewusst, dass es für einen „Nichtbetroffenen“ eine schwer zu verdauende „Lektüre“ ist.

    Ja, Ihre Idee gefällt mir, das „GANZE“ der Politik weiter zu leiten. Mittlerweile müsste aber der „Politik“ unser Forum bekannt sein, da sich Norbert Denef sehr deutlich immer wieder in der Öffentlichkeit und bei den Politikern bemerkbar gemacht hat.

    Aber es scheint, dass die Politik nicht wirklich Interesse daran hat. Denn es gab bereits 2001, 2005 und 2007 Skandale diesbezüglich.
    Und jetzt 2010 zeigt sie sich vor der Öffentlichkeit ganz überrascht, als habe sie davor noch nie etwas gewußt.

    Aber wir sind Viele und lassen uns nicht mehr zum Schweigen zwingen! Weder durch Gesetze, noch durch Einschüchterungen!
    Wir sind die Opfer, nicht die Institution Kirche, Schulen oder sogar der arme Staat selbst! Wir wollen gehört werden, wir wollen respektvoll und achtsam behandelt werden, und wir wollen für unsere Rechte kämpfen!

    Das ist unser Ziel!

    Es würde mich freuen, wenn Sie uns darin unterstützen möchten, indem Sie z. B. die Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof gegen die Ablehnung der Petition ‘Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben’ durch den Deutschen Bundestag mit Ihrer Unterschrift versehen, da diese Verährungsfrist uns Betroffenen von sex. Gewalt verbietet, nach Ablauf dieser Frist die Täter beim Namen zu nennen, sonst darf dieser Täter nämlich sein Opfer wegen Verleumdung anklagen, was ein Hohn unserer Gesetzgebung ist! Ein Hohn für alle Betroffenen zugunsten der Täter!
    Ganz liebe Grüße
    Sarah M.

  99. Matthias Suthe schreibt am :

    Hatte gerade in einem anderen Forum folgendes erfahren:

    Seit dem 9. April 2010 können Betroffene sexuellen Missbrauchs über die Geschäftsstelle der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin a.D., in Kontakt treten.

    Erreichbar ist die Unabhängige Beauftragte unter folgenden Kontaktdaten:

    Postalisch:
    Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung
    sexuellen Kindesmissbrauchs
    11018 Berlin

    E-Mail:
    kontakt [at] ubskm.bund.de

    Fax:
    03018/555 4 1555

    Sollte man unbedingt informieren!

  100. Kerstin Krause schreibt am :

    Liebe Sarah,

    das mache ich sehr gerne. Wenn man auch ihr schreckliches Schicksal nicht mehr rückgängig machen kann, so kann man doch viel dafür tun, das es anderen nicht so ergeht.

    Wie bzw. wo, kann ich meine Unterschrift hinsetzten, bzw. könnte ich im allgemeinen auch durch meine Freunde und Bekannte, die allesamt Kinder haben und besorgte Eltern sind, eventuelle Unterschriften besorgen?

    Wo finde ich die Petition?

    Wenn ich helfen kann tue ich das sehr gerne!

    Liebe Grüße
    _____________________________________________
    Jetzt die Petition unterschreiben:
    http://netzwerkb.org/petition
    Jetzt online Mitglied werden:
    http://netzwerkb.org/mitglied
    Jetzt online spenden:
    http://netzwerkb.org/spenden

  101. Kerstin Krause schreibt am :

    Hallo,

    manchmal bin ich etwas blind. Habe eben die Petition unterschrieben und werde auf meiner Facebook Seite folgende Info aufstellen:

    Vielleicht erreicht das noch mehr Menschen!

    Hallo Freunde,

    bitte unterstützt diese Petition. Gebt eure Unterschrift „gegen die Verjährung von Kindesmißbrauch“. Es betrifft uns alle, jeder von uns kann etwas gegen solche unfassbaren Zustände „der Verjährung“ machen.

    Es kann nicht sein, das solche Taten verjähren. Kindesmißbrauch muß immer bestraft werden, auch nach 30 Jahren!!!!!!!

    Mittlerweile haben schon 14.395 Menschen ihre Stimme abgegeben.

    Macht mit!!!

    http://netzwerkb.org/petition/

    Eure Hilfe dauert nur ein paar Sekunden, verhilft aber vielleicht zu mehr Gerechtigkeit

    Täter dürfen sich niemals sicher fühlen!!!!!!!!!!!

    Liebe Grüße
    Kerstin

  102. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Kerstin,
    vielen vielen Dank für Ihre großangelegte Unterstützung zur Unterschriftenaktion gegen die Verjährungsfrist! Es müsste allen normal fühlenden Eltern ein Bedürfniss sein, ihre Kinder vor durch die immer noch bestehenden Verjährungsfristklauseln nicht benannten, bekannten Tätern zu schützen.

    Den wenigsten Menschen in der Öffentlichkeit sind diese „Klauseln“ bekannt, die neben den oben aufgeführten schweren Folgen auch das Nichtverfolgen einer Anzeige zur Konsequenz hat.
    Das heißt im Klartext, ist die Verjährungsfrist im Zivilrecht eingetroffen, kann das Opfer zwar den Täter noch anzeigen, aber die Tat wird weder verfolgt, noch wird der Täter strafrechtlich zur Konsequenz gezogen! Er darf also unbehelligt weiter seine „Vorlieben“ ausleben!

    Betroffene sind oft durch die sex. Misshandlungen so schwer traumatisiert, dass sie erst 20, 30 Jahre später auf ihr Trauma stossen, weil sie plötzlich aus bis dahin ihnen unerklärlichen Gründen körperlich und psychisch komplett zusammenbrechen. Zumeist hat dies eine Psychotherpie zur Folge, in der dann diese Traumen in voller Wucht wieder ausbrechen, neu erlebt werden müssen in allen Details. Schafft es das Opfer nicht, bis dahin ausreichend stabil zu sein, um den oder die Täter anzuzeigen, hat das Opfer Pech gehabt und der Täter reibt sich beruhigt die Hände. Dies ist einer der Gründe, warum die INSTITUTIONEN wie Kirche, Schulen, Kollegs die ihnen schon lange bekannten Missbrauchsfälle so lange verheimlicht haben. Jetzt ist in fast allen Fällen diese Verjährungsfrist eingetroffen, und rein gesetzlich nicht mehr relevant.
    Deshalb ist es so wichtig, diese Fakten an die Öffentlichkeit zu bringen, damit der Bevölkerung bewusst wird, dass es hier nicht um Rachegelüste der Betroffenen geht, sondern um den Schutz unserer Kinder, die immer noch dank des Gesetzes in großer Gefahr sind, in die Hände solcher unbescholtenen Täter zu geraten. Ebenso wie in den nun bekannt gewordenen Fällen der Kirche, die die Täter von einem Ort an den anderen versetzten, ohne dass eine Gemeinde auch nur ansatzweise geahnt hat und in Kenntnis gesetzt wurde, dass ihr Gemeindepfarrer bereits andernorts Kinder sex. misshandelt hat!
    Sie sehen, es ist ein sehr ernstzunehmendes Thema, über das man nicht mehr schweigen darf!
    Und wie Sie so treffend in Ihrem Apell an Ihre Freunde formulierten:

    „Eure Hilfe dauert nur ein paar Sekunden, verhilft aber vielleicht zu mehr Gerechtigkeit

    Täter dürfen sich niemals sicher fühlen!!!!!!!!!!!“

    In diesem Sinne – für mehr Sicherheit unserer Kinder!!!
    Vielen Dank für Ihren Einsatz!
    Sarah M.

  103. Matthias Suthe schreibt am :

    Liebe Kerstin,

    Ich bedanke mich dass Sie sich engagieren!
    Es wuerde in der Tat helfen dieses Forum mehr in die Oeffentlichkeit zu ruecken. Erzaelen Sie Ihrer Familie, Bekannten oder auch Arbeitskollegen von diesem Forum.
    Danke auch fuer den Eintrag in Ihrem Facebook.

    Es hilft sehr zu sehen das auch andere anderen helfen und unterstuetzen!

    DANKE!

    mfg
    Matthias Suthe

  104. Frank schreibt am :

    Ich hab soeben auf meine Website verlinkt und noch auf drei Kunstforen,
    werde dafür sorgen das NetzwerkB mehr puplic wird.

  105. Kerstin Krause schreibt am :

    Hallo,

    da ich selber eine kleine Tochter habe, ist es mir ein natürliches Bedürfnis den mir gröstmöglichstens Schutz aufzubauen.

    Diese Petition, sollte nur der Anfang sein. Die Stafen für Täter und auch für die die „nur“wegsehen, sollten drastisch angehoben werden.

    In einem Staat in dem über Nacht „Millardenpakete“ geschnürt und ausgeteilt werden, sollte es eigentlich eine Kleinigkeit sein wichtige Gesetzänderungen zum Schutz des „Lebens“ auf die Beine zu stellen.

    Gerne helfe ich weil ich diese „Selbsthilfegruppe“ unterstützen möchte.

    Ich wünsche ihnen alles Gute und viel Kraft und Erfolg für alles!

    Beste Grüße
    Kerstin

  106. Bärbel schreibt am :

    Hallo Frau Krause,

    ich habe schon vor etlichen Wochen die Petition unterschrieben,
    und ich bin jetzt auch Mitglied dieser Selbsthilfegruppe,
    es war und ist mir ein Anliegen ,
    für die Schutzbefohlenen und ihre Rechte etwas zu bewegen,
    alles Gute
    Bärbel

  107. Matthias Suthe schreibt am :

    Liebe Kerstin, Baerbel,
    meine Tochter ist jetzt im gleichen Alter wie ich damals war.
    … es schmerzt …
    Danke Frank!

    vieleich noch ein link. Ich habe es mir in den letzten Tagen unendlich mal angehoert:

  108. Gaby Pypker schreibt am :

    Hallo an alle!
    Nach einer Woche Kurzurlaub über Pfingsten melde ich mich zurück. Ich brauchte dringend etwas Zeit für mich, und die habe ich mir auch gegönnt. Es hat mir sehr gut getan.
    Liebe Kerstin, vielen Dank für deine Hilfe. Ich bin auch bei facebook und schau mal, ob ich dich finden kann. Außerdem werde ich dort ähnliches veröffentlichen. Vielen vielen Dank!
    Lieber Matthias, in den kommenden Tagen werde ich Kontakt mit der Missbrauchskommission aufnehmen um über Daniels Schicksal zu sprechen. Mal sehen, was man mir anbietet.
    Gaby

  109. Sarah M. schreibt am :

    Hi Gaby, schön – dich wieder hier zu wissen :-). Ich denke ganz fest an dich, wenn der Tag gekommen ist, an dem du die Missbrauchskommission kontaktierst.
    Sei lieb umarmt von
    Sarah M.

  110. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Hallo,

    da ich selbst, etwa im Juni 1963, zur Kindererholung vom Jugend-Sozialamt der Stadt Dortmund im Kinderheim St. Johann in Niendorf/Ostsee war, habe ich heute via Google Daten über die Institution St. Johann gesucht und habe diese Seite gefunden.

    Während jenes Erholungsaufenthaltes habe ich zwar keinen Mißbrauch durchleben müssen – ABER die Behandlungen und Lebensbedingungen dort waren in jeder Beziehung Menschenunwürdig!!!

    Die wesentlichen organisatorischen Gegebenheiten sind ja auf dieser Website bereits benannt, aber sicherheitshalber und auch im Sinne eines Zeugen bestätige ich folgendes:

    Das Kinderheim wurde von Nonnen geführt, aber es gab auch „Kindergärtnerinnen“ auf den Gruppen, in blauer Tracht und weißen Schürzen. Die Erzieherin auf meiner Gruppe war Frl. BEUMANN. Die als Betreuerinnen arbeitenden Nonnen wurden mit Schwester und Vornamen angeredet.

    Die katholischen Kinder waren freundlicher und beinahe etwas liebevoll behandelt. Alle Kinder, die nicht katholisch waren, wurden sonntags in die evang. Kirche im Ortskern von Niendorf zum Kindergottesdienst gebracht.

    Die unterschiedlichen Kindergruppen des Heimes hatten absolut keinen Kontakt zueinander, ebenfalls waren Jungen und Mädchen streng voneinander getrennt. Ich weiß nicht einmal, wie alt die ältesten Kinder, bzw. Jugendlichen bei diesen Erholungsaufenthalten waren.

    Heute handelt es bei der St.Johann-Institution um ein ’sehr gepflegtes‘ Mutter-Kind Erholungsheim.

    Wenn von Traumatisierung als Folge solcher Maßnahmen die Rede ist, so beschäftigt mich dies aus eigener schmerzlicher Erfahrung.

    Dabei hätte ich bis vor kurzem nie gedacht, daß es so viele Menschen gibt, die in so jungen Jahren – wie auch ich selbst – aus der Bahn geworfen worden sind.

  111. Gaby Pypker schreibt am :

    Hallo Herr Dr. Seifert,

    vielen Dank für Ihre Schilderung. Es ist wieder ein Puzzle-Teilchen mehr.
    Mir ist ganz wichtig, dass ich Namen genannt bekomme, denn die meisten Betroffenen können sich nicht erinnern. Noch einmal vielen Dank und liebe Grüße
    Gaby Pypker

  112. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,

    hier noch ein Nachtrag zur Sache:

    Auch mir fällt es schwer, mich an gewisse Details zu erinnern. Auch weiß ich, daß meine obige Beschreibungen wie auch diese recht nüchtern, vielleicht sogar harmlos klingen. Das liegt an der Art meiner Beschreibung, aber inhaltlich berührt es mich über alle Maßen.

    In meiner Kindheit in Dortmund besuchte ich einen Kindergarten (Plauener Str.), zwei Kindertagesstätten (erst am Ostfriedhof, dann am Nordmarkt). Danach kamen zwei Kinderhorte (erst in der Alsenstr., dann im Westpark).

    Über die Kinderhorte war ich in den Sommerferien jeweils einmal in einem Ferienheim (zuerst im Kreisjugendhof Rotenburg/ Fulda, dann Eichsfelder Hütte in St. Andreasberg/ Harz).

    Diese zeitliche Reihenfolge ist korrekt, aber ich kann keine Jahreszahlen zuordnen.

    Im 4.Schuljahr war ich auf Erholung durch die BEK im Kinderheim Dr. Selter in Brilon-Möhneburg.

    Im 5. Schuljahr war ich im St. Johann Kinderheim in Niendorf/ Ostsee, wie oben beschrieben.

    Im St. Johann habe ich Kinder weinen hören, wie es in den anderen Beiträgen beschrieben ist. Meine Oma kurte zu der Zeit in Niendorf, aber sie durfte mich nicht besuchen.

    Mir werden zwei erschreckende Umstände bewußt:

    1) die Behandlungen waren in allen Institutionen analog.
    2) ich rede von Erlebnissen in den frühen 1960er Jahren, da hätte ich mir nie vorstellen können, daß sowas auch noch in den 70er Jahren lief, wo bereits Kinderläden und Summerhill diskutiert worden waren.

    Doch noch einmal zurück zu Punkt 1.
    Bemerkenswert war, Getränke gab es nur zu den Mahlzeiten – und das dann auch nicht ohne Ende. Wer zwischendurch im Waschraum oder auf dem Klo Wasser trank, wurde hart bestraft. Strafmaß war Haue, oder 100 mal schreiben „Ich darf kein Wasser trinken“, oder Arrest.

    WC – Besuche waren gemeinschaftlich organisiert, zwischendurch durfte niemand aufs Klo! Wem es in die Hose ging, der bekam mit Sicherheit Haue und Waschen unter kalter Dusche.

    Etwa ab 1968 war ich aktiv in der Jugendarbeit bei Pfadfindern (BdP). Ostern 1973 war ich auf einem Segelkurs in Haltern am Halterner Stausee. Eine Kameradin, die auch an diesem Kurs teilgenommen hatte, absolvierte später ein Praktikum oder ihr Anerkennungsjahr als Erzieherin im St.Johann Kinderheim in Niendorf/ Ostsee. Dies war entweder im Jahr 1974 oder 1975. 1976 halte ich für nicht wahrscheinlich. In jenem Sommer erhielt ich eine Bildpostkarte von ihr eben das Heim darauf abgebildet. Ihr Gruß lautete „Aus weiter Ferne grüßt Dich Deine alte Blechlaterne“. Diese Sprüche prägen sich halt ein, so blieb das Ereignis in meiner Erinnerung bestehen.

    Ich schrieb ihr zurück und wollte sie in den Schulferien in Niendorf besuchen – und reiste mit dem Zug an. Es wird Sie alle nicht wundern: Von einer Telefonzelle in Niendorf aus rief im Kinderheim an, durfte einmal ganz kurz mit ihr sprechen. Sie sagte mir nur, daß ihr unser Kontakt verboten worden war, wir uns nicht sehen durften, und das Haupttor St. Johann blieb verschlossen.

    Leider kann ich mich an den Namen dieser Freundin nicht mehr erinnern. Alles mögliche kommt in mir hoch, aber dieser doch recht wichtige Name fehlt.

    Herzlichen Gruß,

    Bernd Seifert

  113. Frank schreibt am :

    Genau das gleiche Procedere inStraubing – am Platzl –
    Hab auch grosse Erinnerungslücken –
    von 4 Jahren bring ich grad mal ein paar Tage zusammen –
    die Athmosphere war ständig gewaltgeladen und Angsterfüllt ,
    ständig auf der Hut sein müssen,
    Unterdrückung , Angst vor den Schwestern ,
    Schläge mit dem Gürtel, Kopfnüsse mit dem Schlüsselbund,
    Holzscheitelknien , Tatzen mit dem Rohrstock.

    Und natürlich beten – gegen Sünde des Fleisches, wegen kleiner Vergehen , wegen Bettnässen , …..die Liste ist lang.
    Morgens beten und abends, Rosenkräntze beten bis zum Abwinken,

    Flurschrubbern und Blockern, stundenlang, und wehe man machte Pause und die Schwester erwischte einen , Ohrfeigen und Kopfnüsse wegen Faulheit.
    eine Sonderstellung hatte ich sowie so als Evangele unter lauter römisch-katholischen.

    Sexuelle Übergriffe der Schwestern beim Waschen von uns Jungens,
    Direkte Griffe an den Penis und an den After mit Ausdrücken wie
    “ ist er nicht niedlich der kleine Pillermann “ und erregtes lachen von Seiten der Schwestern , wenn die Erregung nicht unterdrückt werden konnte.
    Demütigungen – die einen nur noch in den Boden versinken liessen.
    Bei Onanieflecken wurden wir vor den anderen ( ca 35 Jungen alle älter)
    als Dreckschwein hingestellt und wurden auf Grund der Sünde ,
    zu Gebeten gezwungen in der Hauskapelle -dort durfte man nicht auf den Bänken sitzen , sondern musste über eine Stunde uaf dem Holz knien bis die Knie blau waren und vor Schmerzen nicht mehr auszuhalten waren.

    Beim Essen aus den Blechtellern musste alles aufgegessen werden, runterwürgen sozusagen – den es winkte wieder der Schlüsselbund,
    Ich hatte meistens Hamsterbacken – um diese dann auf der Toillete zu entleeren, den Rest auszuspucken ,

    Auch Toilettengänge waren Gruppenzwang , teilweise unter der Aufsicht der Schwester. die genau hinguckte wer daneben pinkelte, Blossstellung und Putzen der gesamten Toilettenanlage war noch die geringste Strafe.

    Ich kann nun langsam mit den auftauchenden Erinnerungen umgehen , aber es friert mich innerlich immer wieder und das Herz schlägt bis zu den Ohren wie wenn es grade gegenwärtig ist –

    die Vorgänge im Schlafsaal sind nur schemenhaft Bilder – mit unheimliche dumpfen Gefühlen, ich hab immer wieder das Gefühl das jemand hinter mir liegt und schwer atmet.

    Ich kann es nicht einordnen -werde ganz steif am ganzen Körper und fange das Zittern an.

    mehr geht momentan nicht zu schreiben ……

  114. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Es tut mir sehr leid, sowas lesen zu müssen, so etwas zu hören. Es löst sehr viel Mitgefühl und Traurigkeit in mir aus.

    Mein Ziel ist es heute, ein wenig dazu beizutragen, daß junge Menschen ihre Chancen bekommen und möglichst nicht leiden müssen.

    Sexuelle Gewalt habe ich in der Verwandtschaft erlebt, (zum Glück nicht persönlich in diesen Institutionen). Meine Eltern waren beide berufstätig, daher meine Aufenthalte in diesen Anstalten.

    In Bezug auf den Kinderhort in Dortmund Am Westpark kann ich berichten, daß dort unter den Kindern das Faustrecht galt. Das bedeutete, Kinder, die mit bürgerlichen Werten erzogen wurden (ich teile gerne, der Klügere gibt nach, ich haue keine Mädchen, usw.), hatten dort absolut verloren.

    Ich lernte, mit geschlossenem Mund zu lächeln. je ernster die Situationen dort wurden, sei es durch Konflikte mit anderen Kindern oder durch Maßregelungen durch die ‚Tanten“, wurde mein Lächeln immer intensiver.

    Es gibt kein Spielzeug das ich liebte, das nicht irgendwie beschädigt oder gar zerstört wurde. So entwickelte ich – aber erst im Erwachsenen-Alter – die Strategie nichts zu besitzen, was anderen erstrebenswert erscheinen könnte…. will sagen, daß ich mich bis heute zu einem Menschen entwickelt habe, der unter sehr bescheidenen Umständen leben kann. Ich brauche heute wirklich nicht viel, um ein halbwegs zufriedenes Leben führen zu können. – Aber kann das denn wirklich der Sinn eines Lebensentwurfs sein????

  115. PeggyJansen7673 schreibt am :

    Liebe Mitleidenten Gleichgesinnten…wer mein Outing hier noch nicht las,macht es(25.5.,ich bettelte um Mutterliebe..),die anderen verstehen,das ich alles nachvollziehen kann,grad was die Wissenslücken betrifft…ich war ja u.a. auch Jahrelang Opfer im Kinderheim,indem ich aufwuchs…ich verdrängte Jahrelang vieles..aber durch die Übergriffe an meine Kinder,der endlos quälende Prozeß mit krassem Abschluß veränderte mein Leben total..nachdem ich mich hängen ließ,wie ein tier nur vegetierte..ohne Hilfe von der außenwelt(damals..)fand ich einen Weg…nicht nur übers IT,sondern ich half mir selber um alles schließen zu können,all die Türen,die ich Nachts im Traum erlebte,Fragen für die es nie Antworten gab..ich kam u.a. auf ein Buch von John Bradshaw“das Kind in mir“gestoßen,wo er(ein Therapeut aus Amerika)zur Selbthilfe anleitet..dort beschreibt er ausführlich,wie man auf Gedankenslücken zurückstößt..Ich selber begann zum 1.mal einen Lebenslauf aufzuschreiben,mir Kinderfotos auszugraben und ansehen..Ebenfalls beantragte ich bei Jugendamt Akteneinsicht aus aller Zeit…und es half…
    Ich konfrontierte mich auch mit den Tatorten…

  116. christa kampmeirr schreibt am :

    Auch ich war im Antonius-Haus an an der Ostsee in Niendorf,aber schon1958 ich war 9 jahre alt.Es war zu zu dieser Zeit schon gnauso schlimm wie immer wieder beshrireben wird Ich kannm mich noch an sehr fieles erninnern,Erbrochenes essen,nicht aufstehen wenn mann im Bett und zur Toilette mußte und, und , und.Die schlimste Schwester war eine Ordensschwester, an eine weltliche Schwester kann ich mich noch gut erinnern die war sehr lieb zu uns,aber nur wen die Ordensschwster nicht in der Nähe war.An Schwster Christa habe ich mich immer geklammert,denn nach Hause wollte ich auch nicht wieder Als ich wieder zu Hause war habe ich Tagelang nicht mit meinen Eltern gesprochen,danch ist das verhältnis zu meinen Eltern nie wieder normal geworden ich denke heute ich habe sie dafür bestraft das sie mich dot hin gshhgeschickt hatten.

  117. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Mit Blick auf meine Erlebnisse und die damit verbundenen Auswirkungen und Auswertungen kann ich natürlich nur für mich selber sprechen. Obwohl ich vermute, daß einiges für einige Menschen ähnlich sein könnte.

    Diese Ereignisse haben mir meine Kindheit und Jugend genommen. In dem Sinne, daß ich keinen Freundeskreis mit Mädchen hatte. Da war kein Mädchen, das mich an die Hand nahm oder das ich „beschützen“ konnte. Es gab keine Tanzschule für mich – nicht, weil ich dort nicht hin durfte, sondern weil ich mich dort fehl am Platze fühlte, mich unwohl fühlte. Bis heute kann ich meinen Körper nicht auf Tanzrythmen einstellen.

    Später, etwa ab 25 begann ich gezielt auf junge Frauen zuzugehen, insbesondere, um mit ihnen zu arbeiten (in der Oberstufe und im Studium).
    Dafür habe ich heute sehr große Probleme mit Männerfreundschaften. Natürlich pflege ich Kontakte in die Männerwelt, aber als Freunschaften möchte ich diese Formen der Beziehung nicht nennen.

    Mein Abitur bestand ich 1979. Etliche Jahre danach, konkret ab wann weiß ich nicht, aber bis heute verfolgt mich regelmäßig ein Traum, der von der Handlung her immer gleich ist:

    Ich befinde mich in irgendeinem Schulgebäude und spreche mit Schülern darüber, wie schwer es wohl ist, das Abi zu bestehen. – Und ich erkläre ihnen, fast wie eine Entschuldigung, daß ich nun doch mein Abi schaffen möchte…. dabei bin ich in der realen Welt nicht einmal durchs Abi durchgefallen. Es war zwar kein gutes Abi, hatte eine Höllenangst in der Schule, aber immerhin im ersten Durchgang bestanden (wie es sich gehört?).

  118. hildegard schreibt am :

    Hallo Herr Seifert,
    es ist Wunder-bar, wie Sie Ihr Mitgefühl angesichts des Elends eines Mitmenschen ausdrücken können – das ist noch längst nicht jedem Mann gegeben, selbst wenn er durch eigene Alpträume bereits als Kind hindurch musste.
    Weniger wundert mich die von Ihnen beschriebene Gewalt unter Kindern und Jugendlichen, die Ähnliches wie Sie von böswilligen oder auch nur hirnlosen oder gefühlskalten Erwachsenen erleiden mussten.
    Denn sehr leicht verlässt einen kleinen Menschen der Glaube an die Menschlichkeit, wenn sich nur ANGST vor Monstern, aber kein VERTRAUEN – nirgendwo – bilden konnte.
    Überlebende aber, d.h. wir alle hier, fanden – irgendwo – den „Strohhalm“ für sich. Wir konnten damals diese Angst in Vertrauen, und wir können heute die GEWALT von Monstern in GÜTE umwandeln – – WE CAN!!

    Sie beschreiben Ihren Lebensentwurf mit einigen Fragezeichen – warum?
    Wir alle leben lebenslänglich auf irgendeine Weise beschränkt durch das Erlittene, wie Fachleute das heute belegen. Aus unserer Not eine Tugend zu machen (mich ganz bewusst mit meinem Defizit versöhnen) – das wäre die Kunst.
    Und das kann ein sehr Sinn-stiftender Lebensentwurf sein, wie jener britische Philosoph Toby Ord in Oxford es sieht.
    Er gründete im vergangenen Jahr die Gesellschaft „Giving what we can“, lebt selbst mit seinen umgesetzten ethischen Prinzipien von 20 000 Pfund im Jahr und rechnet hoch, dass er mit diesem Verzicht jährlich mehr als 100 Menschenleben retten könne (Publik-Forum, Nr. 11/2010 „Eine Million zu verschenken“) …
    Ja, unser Leben IST ein Schulgebäude, in dem wir noch eine Menge zu lernen haben – aber immer nur das, was gerade „dran“ ist …

  119. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Hallo Hildegard,

    vorweg gesagt, tut es mir sehr leid, wenn ich dieses Forum durch meine – inzwischen fast reichhaltigen – Beiträge „blockiert“ habe und dadurch evtl. Betroffene mit ihren persönlichen Belangen nicht angemessen zu Wort kommen konnten.

    Ausgelöst durch Ihren Beitrag konnte ich den nachfolgenden Gedanken in Worte fassen und möchte ihn sozusagen abschließend an Sie richten. Im Grunde möchte ich hiermit das gesamte Forum ansprechen, aber manchmal fällt es mir persönlich leichter etwas zu sagen, wenn ich meine Gedanken an eine bestimmte Person richten kann:

    Ich persönlich betrachte es als eine der allerschlimmsten Folgen aus Mißhandlung und Mißbrauch, wenn den Betroffenen (besonders dann, wenn es bereits in früher Kindheit geschieht) vermittelt wird,

    – daß sie für wertlos gehalten werden („Mach mal die Augen zu, was Du dann siehst, gehört Dir!“),

    – aus sozialen Gemeinschaften ausgeschlossen werden („Nein, Du bist nicht eingeladen, dort gehörst Du nicht hin!“ Oder: „Dieser Kurs ist nicht für Dich, dafür bist Du nicht gut genug.“),

    – für bildungsunfähig gehalten werden („Das mit der Schule schaffst Du ja doch nicht, Du willst ja in Wirklichkeit nur nicht arbeiten gehen müssen.“).

    Ich befürchte, daß diese Problematik weit mehr Betroffene durchleben mußten und müssen, als wir es überhaupt erahnen können.

    Sind einmal diese obigen „Werte“ erfolgreich vermittelt worden, so werden sich – vermutlich – angsterfüllte Lebensentwürfe verändern, neu installieren – und leider auch nicht ohne eine gewisse Anzahl von Fragezeichen auskommen können.

  120. Ralf schreibt am :

    Hallo zusammen,

    durch Zufall bin ich gestern auf diese Seite aufmerksam geworden, als ich im Internet weiteres Bildmaterial u. ä. zum Kinderkurheim St. Johann (Niendorf / Ostsee) für mein „Buch“ recherchiert habe, und bin schockiert, von dem was ich dort dann lesen musste.

    Auch mit dem Wissen, dass ich mich vermutlich mit meinen Kommentar / meiner Stellungsnahme nun „unbeliebt“ mache, so möchte ich an dieser Stelle nun einmal sprichwörtlich ein „Lanze“ für das Kinderkurheim St. Johann „brechen“, und dem so recht einseitigen Bild des Kinderkurheim St. Johann „entgegen“ wirken!

    Ich selbst war im Frühjahr 1979 (über Ostern) als 8 ½ jähriger Bub zusammen mit meiner 4 Jahre älteren Schwester „Gast“ im Kinderkurheim St. Johann und habe meine Erinnerungen letztes Jahr schriftlich in Form eines „Buches“ festgehalten, weil es mir schon seit Jahren ein Herzensbedürfnis war, dass die wenigen Erinnerungen, die mir nach über 30 Jahren noch geblieben sind, nicht irgendwann einmal ganz verloren und vergessen sind.

    Erstaunlicherweise sind meine Erinnerungen – im Gegensatz zu dem, woran sich meine Schwester noch erinnern kann – an die 6-wöchige Kur gar nicht so „gering“, wie ich zunächst „befürchtet“ hatte, sodass mein Manuskript (das öffentliche Interesse an meinem „literarischen Erguss“ dürfte wohl (leider) nicht „groß genug“ sein, um meine „spezielle Autobiografie“ tatsächlich in Form eines Buches zu veröffentlichen) nun mehr knapp 80 Seiten umfasst.

    Auch für mich waren die Wochen in Niendorf etwas Besonderes … aber im positiven Sinne! Aus diesem Grunde habe ich mein „Werk“ nicht nur meinen damaligen (temporären) „Brüdern“ sondern vor allem auch meiner damaligen „Ersatz-Mutti“ (Schwester Michael) gewidmet.

    In den vorangegangenen Kommentaren (u. a. von „Flexer“) wurde ein Auszug von der Website der Nachfolge-Institution des Kinderkurheim St. Johann – der Mutter-Kind-Klinik „Maria-Meeresstern – „zitiert“ und interpretiert, wozu ich folgendes anmerken möchte / muss: Die Interpretation von „Flexer“ u. a. kann ich zwar durchaus nachvollziehen, ich bezweifele aber entschieden, dass die Verantwortlichen der Mutter-Kind-Klinik „Maria-Meeresstern“ damit die Vorfälle in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhundert „beschönigen“ oder gar die Betroffenen und ihre Freunden / Angehörigen „verhöhnen“ wollten.

    Ich selbst zähle mich zu der auf der besagten Website angesprochenen „Klientel“ der „seelisch und Milieu geschädigter Kinder“ und postum betrachtet kann / muss ich sagen, dass die seinerzeit bei meiner Erholungsmaßnahme involvierten Personen ihre Aufgabe / Verantwortung mehr als gerecht wurden.

    Aufgrund meines sozialen Umfeldes (mein Vater war Alkoholiker / Ich selbst ein „Bettnässer“) war ich mit Sicherheit kein „einfaches“ Kind gewesen … aber doch ein lieber Junge; Aber nichts von dem, was ich in den vorangegangenen Kommentare hab lesen müssen, habe ich seinerzeit erleben / erfahren müssen.

    Es gab (in „meiner“ Gruppe „K2“) weder körperliche noch seelische Misshandlungen; Das Essen war – wenn auch im ersten Moment ungewohnt (ich kannte z. B. bis vor der Kur kein Fisch und dem gab es immer freitags) – stets tadellos und weder ich noch einer meiner „Brüder“ wurde – soweit ich mich entsinnen kann – „zwangsernährt“.

    Meinen nächtlichen „Missgeschicken“ begegnete man stets mit Verständnis und nicht mit Sanktionen; Als ich einmal krank war schenkte man mir „Liebe“ und „Trost“ und „wiegelte“ mein „Bauchweh“ nicht mit „Strenge“ und „Desinteresse“ ab, und ein Kur-Gast „zweiter Klasse“ war ich als Nicht-Katholik auch nie gewesen bzw. als ein solcher angesehen worden!

    Nicht ohne Grund habe ich im Vorwort meines „Buches“ folgendes geschrieben: „’Kost und Logis’ war nicht das Entscheidende, was mir und meinen damaligen „Brüdern“ im Frühjahr 1979 an der Ostsee zuteil wurde; Mit ähnlichen „Schicksalen“, wie das meinige, dürfte vermutlich wohl jedes Kind seinerzeit beschieden gewesen sein, doch die Gründe unseres Aufenthalts im Kinderkurheim St. Johann zählten – zumindest vordergründig – in jenen Tagen nicht … Unser „Glück“ war damals das Maß aller Dinge und das Lächeln auf unseren Gesichtern beim Einschlafen das „Ziel“ eines jeden Tages!

    Mag sein, dass ich eventuell einfach nur das „Glück“ hatte, in einer Gruppe „zu landen“, in der man sich seiner „Verantwortung“ … der Fürsorgepflicht uns kleinen Jungs gegenüber … bewusst war, aber es fällt mir schon schwer, mich in dieser Hinsicht nur als eine Art „Glückspilz“ zu sehen.

    Leider konnte ich den vorangegangenen Kommentaren nicht entnehmen, ob die darin geschilderten Misshandlungen – die ich mit meinem „Beitrag“ hier nun keineswegs in Frage stellen will – auch nach 1977 noch vorgekommen sind; Ich gehe aber davon aus, dass es in der Zeit, wo ich mit meiner Schwester im Kinderkurheim St. Johann „logierten“, weder zu körperlichen noch zu seelischen Misshandlungen gekommen ist.

    Auch mein Leben wäre sicherlich ebenfalls anders verlaufen, wenn ich die Ostertage 1979 nicht in Niendorf an der Ostsee verbracht hätte; Aber postum betrachtet waren die wenigen Tage, die ich im Kinderkurheim St. Johann verbringen durfte – und dass kommt m. E. in meiner „speziellen Autobiografie“ ganz klar zum Ausdruck – die schönsten Wochen meiner Kindheit … wenn nicht sogar meines Lebens … gewesen!

    Vor gut einem Jahr habe ich (m)eine sog. „Reise in die Vergangenheit“ unternommen; Ich bin nach Niendorf zurück gekehrt und habe dem einstige Kinderkurheim St. Johann einen Besuch abgestattet …Es war, als wäre ich nach Jahren in mein Elternhaus zurück gekehrt und das einzige, was mich in jenen Stunden traurig stimmte, waren nicht die wieder lebendig werdenden Bilder von einst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass ich das Glück, dass mir zweifellos seinerzeit beschieden gewesen war, nicht vollends zu schätzen gewusst und nicht in dem Maße ausgekostet hatte, wie ich es mir im nachhinein wünsche, getan zu haben!

    In meinem Herzen hat das Kinderkurheim St. Johann einen besonderen Platz und wird es wohl auch immer haben! Aus diesem Grunde fällt es mir schwer diesen – für mich: Ort der Glückseligkeit – als HORROR PRÜGELHEIM zu sehen, denn so habe ich es nicht kennen- und liebengelernt!

    Wenn ich in meiner Jugend Misshandlungen erfahren habe, dann nicht im Kinderkurheim St. Johann sondern durch meinen Vater in seelischer Form … Aber dass ist ein anderes Thema und längst abgeschlossen; Ich habe meinen Frieden mit meinen – inzwischen verstorbenen – Vater gefunden!

    Nicht desto trotz werde ich – schon alleine um zu erfahren, ob es auch nach 1977 noch zu Misshandlungen im Kinderkurheim St. Johann gekommen ist – die „Geschichte um das Kinderkurheim St. Johann“ und die damaligen „Vorfälle“ weiterhin zwar interessiert verfolgen, mein „Buch“ werde ich aber nicht diesbezüglich abändern, denn ebenso, wie alles, was auf dieser Seite an Erinnerungen an das Kinderkurheim St. Johann veröffentlich wurde, der festen Überzeugung der jeweiligen „Autoren“ entstammt, ist jedes Wort von mir in meinem „Buch“ auch die Wahrheit, die – bei allem Respekt für das Leid, den Schmerz und die Seelenpein der Betroffenen und ihrer Angehörigen – ebenso das Recht hat, gehört zu werden … Insbesondere vielleicht sogar an dieser Stelle!

    Herzliche Grüße
    Ralf Tessmann, Engelskirchen

  121. hildegard schreibt am :

    „Was wir für Realiät halten, ist nicht die ganze Wirklichkeit“ – das gilt nicht nur für Niendorf …

  122. Heinz Laumen schreibt am :

    Das glaubt man nicht,6 Wochen in Kur wir waren Jahre lang in der Hölle
    Schlagen , Treten,Missbrauch, Sexuell, die waren wie der Teufel.Hört
    mir auf von Gott und die Welt zu reden.Es gibt Leute die können da überhaupt nicht mit reden,und diese Schweinereien sich nicht vorstellen.
    Grausamkeit,Sadismus,Erniedrigung,Misshandlungen,usw. Man wurde
    von Ihnen immer bearbeitet,sie wollten uns vor der Sünde schützen. Alle
    waren Groß und Stark.,und wir waren klein und hatten Angst vor diesen
    Pädophilen. Macht die Opfer nicht zu Tätern.

  123. hildegard schreibt am :

    @ Ralf Tessmann
    „Was wir für Realiät halten, ist nicht die ganze Wirklichkeit“ – gilt nicht nur für Niendorf …
    @ Dr. Seifert
    … und für die Fragezeichen sorgt unser „Schick-sal“.

    Was hindert uns heute, die vermittelten „Werte“ nach unserem eigenen Empfinden neu zu denken und uns selbst neu auszurichten?
    Wir alle gerieten in solche angsterfüllten Zustände hinein, die ich aber nicht als „meinen Lebensentwurf“ bezeichnen würde, weil ich DAS nie selbst gewollt, gewünscht, entworfen hätte.

    Mein Part war passiv – so lange ich in dieser Angst erstarrt war.
    Und an all den Fragezeichen vergangener Jahrzehnte entlang konnte ich allmählich durch die Schrecken von Angst und Starre hindurch ein Stück freier und selbst aktiv werden und auf-atmen.

    Wir dürfen hier gemeinsam nach Wegen suchen heraus aus unseren restlichen Selbst-Zweifeln, Verzweiflungen, Verzagtheiten. Wir „reden“ miteinander und helfen damit einander – das ist für mich eine sehr gute Erfahrung, seit ich im Februar auf dieses Forum stieß …

  124. Ralf schreibt am :

    @Hildegard: Sollte Ihr Zitat sich auf meinen Kommentar beziehen, so muss ich Ihnen sagen, dass das, was ich geschrieben habe – in meinen Augen – die „Realität“ – also die Wahrheit – ist und nicht das, was ich in den Kommentaren zuvor lesen musste!

    Ich will nicht behaupten, dass es die geschilderten Mißhandlungen usw. in Niendorf nicht gegeben hat, das steht mir nicht zu, zumal ich es nicht ausschließen kann!

    Gleiches gilt – so leid es mir tut, dies „sagen“ zu müssen – aber auch für das, was ich in Niendorf erlebt habe und was mir das Kinderkurheim St. Johann gegeben hat!

    Woher nehmen Sie die Gewißheit, dass ich im Frühjahr 1979 keine schöne Zeit an Ostsee verlebt habe … das ich nicht mißhandelt worden bin?

    Wie gesagt, mag sein, dass ich ein „Glückspilz“ war, dass ich in der einzigen Gruppe „gestrandet“ war, in der den Kindern Liebe und Geborgenheit zuteil wurde … aber das – bei allem Respekt – glaube ich nicht!

    Nichts für ungut, aber ich habe mir meine Zeit im Kinderkurheim St. Johann nicht schön „zu recht gebogen“; All das, was ich in meinem „Buch“ festgehalten habe, habe ich so erlebt … und ich bin dankbar dafür, das ich es erleben durfte!

    Sollte sich – was ich wie gesagt aufgrund mangelndes öffentliches Interesse – irgendwann doch einmal ein Verlag finden, der mein „Werk“ veröffentlichen will, so werden Sie – so zumindest meine Hoffnung – verstehen, was ich meine bzw. was MIR das Kinderkurheim St. Johann gegeben hat und bedeutet … oder eben auch nicht!

    Wenn das Kinderkurheim St. Johann wirklich jemals ein HORROR PRÜGELHEIM gewesen ist – was ich jedoch entschieden bezweifele -, so nicht zu meiner Zeit … nicht im Frühjahr 1979 … nicht für die Gruppe „K2“ … und nicht unter der Obhut von Schwester Michael!

    Vielleicht „stolpert“ – früher oder später – ja einer meiner damaligen „Brüder“ auch über diese Seite und wird uns an seinen Erinnerungen an das Kinderkurheim St. Johann ebenfalls Teil haben lassen; Meine „Ohren“ werden ihm in jedem Falle „offen“ stehen … Egal, ob er dann dabei meine Eindrücke, Empfindungenn und Gefühle bestätigt oder von Misshandlungen und anderen schrecklichen „Vorfällen“ berichtet!

    In diesem Sinne …
    Ralf Tessmann, Engelskirchen

  125. Heinz Laumen schreibt am :

    Ich muß aber noch sagen ich war nicht in Niendorf,sondern in Urft in der
    Eifel im Hermann-Josef-Haus. Da hat sich der Sexuelle Missbrauch usw
    vollzogen. Ich wollte das nuch noch klar stellen.

  126. Anna M. schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Tessman,
    ich finde es wirklich unverschämt, wie Sie den Opfern dieses Kinderheimes ihre Erfahrungen absprechen wollen und sie dadurch erneut traumatisieren.
    Wenn Sie dort keine Misshandlungen erlebt haben, dann heißt das noch lange nicht, daß diese Misshandlungen nicht stattgefunden haben. Woher nehmen Sie ihre so anmaßende Überzeugung, daß es KEIN Horror-Prügelheim war? Waren Sie in den ganzen anderen Jahren dabei?
    Warum sind Sie so empathielos den Opfern gegenüber? Was für ein Interesse haben Sie daran, die Aufdeckungen zu relativieren? Könnte dadurch ihr sorgfältig zurechtgezimmertes Weltbild Risse bekommen? Lassen Sie Ihre Verunsicherung nicht an den Opfern aus!
    Die guten Erfahrungen dort kann Ihnen keiner mehr nehmen, wenn sie wirklich gut waren.

  127. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Vielleicht ist eine Anrede an Sie Alle in folgender Weise schwierig, dennoch versuche ich es auf diese Art:

    Liebe Hildegard,
    ich bewundere Ihre Stärke, Ihr Format! So oder ähnlich sieht der von Ihnen beschriebene Unterschied aus, zwischen sog. absoluter Realität und individuell wahrgenommener Wirklichkeit (Schütz/Berger, Luckmann, Watzlawick). Ganz herzlich bedanke ich mich für Ihre Ermutigungen! (Nicht nur und unbedingt für mich, sondern insbesobdere an alle, die einstmals – und irgendwo – gelitten haben)

    Geehrtes Plenum!

    Ich versichere Ihnen, ein Aufenthalt im Johann der frühen 1960er Jahre – und vermutlich gar nicht anders in der Nachkriegszeit (und evtl. davor, doch davon müssen andere zeugen) – war für ein Kind der absolute Horror!!! Dies zu belegen, bedarf einfach keiner weiteren und vertiefenden Beweise!

    Es ist wunderbar zu hören, wenn ich glauben darf, daß im Jahre 1979 dieser Spuk vorbei war. Dennoch relativiert eine solche Erkenntnis nicht die gewesenen Begebenheiten im Kinderheim St. Johann in Niendorf/ Ostsee.

    Zur Zeit schreibe ich meine Habilitationsschrift zum Themenrahmen „Begabung“ (noch ist das Buch nicht abgeschlossen, ergo seine Ideen nicht veröffentlicht!), aber ich verweise schon einmal auf den Film „Die unbarmherzigen Schwestern von St. Magdalen“, bzw. auf den in NYC spielenden Film „Sleepers“.

    Insofern stimme ich Hildegard unbedingt zu, diese schlimmen Einflüsse auf junge Kindheiten dürfen einfach nicht langfristige Lebensentwürfe bestimmen!

  128. hildegard schreibt am :

    @ Ralf Tessmann
    IHRE Wahrheit ja – die ist ok für Sie – keiner bestreitet das – wie auch? Es ist Ihre „individuell wahrgenommene Wirklichkeit“ von der SIE hier schreiben – bitte, lassen Sie es dabei – Relativierung ausgeschlossen!
    „Absolute Realität“ bleibt offen – kann gleichzeitig scharz und weiß sein …

    @ Dr. Seifert
    Danke! Begriffsklärungen sind hier immer wieder nötig.
    Durch viel zu früh erlittene Gewalt wurde uns allen auf allen Ebenen die Wahrnehmungs-Fähigkeit begrenzt – bei wem konnten sich „Begabungen“ schon angemessen durchsetzen? Ein spannendes Thema!
    Das „Plenum“ – denk‘ ich – freut sich über Ihren fundierten Beitrag.

  129. Gaby Pypker schreibt am :

    Ich kann nicht glauben, mit welcher Aggressivität Sie „Ihr“ St. Johann verteidigen.
    Der „Spuk“ war nicht 1979 vorbei. Die letzten mir bekannten Misshandlungen und Vergewaltigungen geschahen Anfang der 80iger Jahre! Und ich verbitte mir Ihre Äußerungen, die alle Betroffenen einschließlich meines verstorbenen Lebensgefährten Lügen strafen.

    Wenn Sie ein Glückspilz waren, was Ihre Zeit in Niendorf betrifft, nicht erleben mußten, was Andere auszuhalten hatten, nicht des Nachts aus dem Bett gezerrt und für Pornofilme missbraucht wurden, dann freut es mich für Sie aufrichtig. Dann hat Ihnen das Leben gerettet, dass sie denen wohl nicht ins Profil paßten.
    Aber ich verbitte mir, dass Sie den Seelenmord an so vielen Kindern in Frage stellen, nur, weil Sie – vielleicht – ein anderes St. Johann kennengelernt haben..
    Gaby Pypker

  130. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,

    auch ich habe nicht gewußt, daß dieser Terror sogar noch bis in die 1980er Jahre anhielt. Das tut mir sehr, sehr leid zu hören, bzw. zu lesen.

    Auch hatte ich noch nichts von Pornofilm-Nächten gehört. – Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist daß Opfer grundsätzlich nach sehr klaren Profilen ausgesucht werden. Sehr oft trifft sogar zu, daß solche Opfer über ein verhältnismäßig hohes Maß an eigener Willenstärke verfügen und eben deshalb auch ausgewählt werden.
    Das „verhältnismäßig hohe Maß“ bezieht sich auf den Umstand der Kindheit gegenüber erwachsenen Tätern, gegen die Kinder nun einmal keine Chancen haben.

  131. Gaby Pypker schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Dr. Seifert,
    können sie mir erklären, wie genau ich das „verhältnismäßig hohe Maß an Willenskraft“ zu verstehen habe?

    G. Pypker

  132. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Sehr geehrte Frau Pypker,
    dieser Themenbereich um die Willenskraft von Kindern ist sehr problematisch zu diskutieren.
    In den 1970er Jahren kollidierten Erziehungskonzepte, die ich mit folgenden Redewendungen umreißen möchte:
    1) „Kinder, die was wollen, kriegen was auf die…“
    2) „Kinder, die was wollen, setzen sich durch…“
    Keine dieser beiden Thesen steht für eine ideale Erziehung, wie wir wissen.

    Ein willensstarkes Kind erfaßt seine Umwelt und lehnt sich in einer bestimmten Situation auf.
    Ein zweites, ebenso willensstarkes Kind erfaßt ebenfalls seine Situation und entscheidet sich für die innere Emigration, also für Verschlossenheit und Stille.
    Ein drittes, ebenso willensstarkes Kind erfaßt seine Situation und gerät völlig angsterfüllt in Panik.

    Wie würden nun Täter auf die so unterschiedlichen Verhaltensweisen dieser Kinder reagieren?
    – Würden Täter sich von welchem Kind provoziert fühlen?
    – Oder würden Täter wann auf wen mit Desinteresse reagieren?

    Es ist viel einfacher, Fragen zu formulieren, als zu wahrscheinlichen, oder plausiblen Lösungen zu kommen.

    Alles weitere läuft auf Spekulation hinaus, die mit wenig Gewißheit und Wahrscheinlichkeit verbunden ist.

    Abschließend möchte ich Ihnen ein Buch empfehlen:

    Alice Miller, „Am Anfang war Erziehung“ Suhrkamp Verlag, 10,-Euro
    http://www.alice-miller.com

    Lassen Sie mich hoffen, daß die Problematik für Sie etwas transparenter wird,

    B. Seifert

  133. Matthias Suthe schreibt am :

    @ B. Seifert,

    da Sie offensichtlich auch vom Fach sind kennen Sie sicherlich die Studie von Kohlberg. Ist zwar von 1969, aber immer noch wegweisend.

    Kohlberg, L. 1969. Stage and sequence: The cognitive-developmental approach to socialization. In Handbook of socialization theory and research, edited by D. A. Goslin. New York: Rand McNally, 347–380.

    Interessante Studie zur sozialen Entwicklung.

    Gruss
    Matthias Suthe

  134. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Ja, vielen Dank! Bewege mich an der Uni zwischen Sozial- und Medienwissenschaft (Soziologie). Kohlberg kenne ich, aber diesen Aufsatz nicht.-
    Von Bedeutung ist noch, daß es sich im Fall St. Johann Kinderheim in Niendorf/ Ostsee um Frauen, also um Täterinnen handelt… jedenfalls hatte ich als Kind dort in keiner Weise Männer wahrgenommen.

    Gruß,

    Bernd Seifert

  135. Gaby Pypker schreibt am :

    Doch, es gab Männer dort als Betreuungspersonal. Zumindest zeitweise und wohl nicht sehr viele. Und es gab einen zuständigen Kinderarzt!!!! Mein Lebensgefährte sprach immer von ZWEI Frauen und EINEM Mann!!! Wobei die Frauen ihn immer zu diesem Mann brachten.
    Das es Personal gab, welches nicht dem Orden angehörte, wurde mir seitens der Franziskanerinnen bestätigt.
    Daniel sprach nie von Nonnen, sondern immer von Frauen.

    Danke, Herr Dr. Seifert, für die o.a. Informationen und den Buchtip!!
    Gruß
    Gaby P.

  136. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Hallo Frau Pypker,

    das kann ich Ihnen teils bestätigen:

    im Juni 1964 (bin Ostern 1959 eingeschult worden und war in der 5. Klasse) gab es die Ordensschwestern in Tracht und außerdem Erzieherinnen in Zivil. Diese Frauen gehörten definitiv dem Orden nicht an. Zivil ist gut … sie trugen weiße Schürzen und blau-graue Blusen – im Grunde gekleidet wie damals Krankenschwestern, Frl. Beumann, z.B..

    Es gab eine Kinderärztin, die zu Beginn der Kur und zum Ende der Kur Reihenuntersuchungen durchführte. Das geschah im Dachgeschoß, wir mußten in einer Reihe in Unterwäsche antreten. Bei diesen Untersuchungen waren 3 Ordensschwestern dabei, eine führte Protokoll, eine verwaltete die Karteikarten und ließ die Kinder vortreten, stellte sie der Ärztin vor. Die dritte Ordensschwester stand in der Eingangstür und sorgte für Ordnung in der wartenden Gruppe im Treppenhaus.
    Während des dortigen Aufenthaltes bekam ich, wie etliche andere Kinder auch, die Röteln und mußte für 1 Woche auf Krankenstation. Dort untersuchte mich diese Ärztin auch.

    Männer habe ich dort nie gesehen, bis auf einen älteren Gärtner. Aber, bitte zu berücksichtigen, das waren die 1960er Jahre.

    Gruß,
    Bernd Seifert

  137. rusty dambowsky schreibt am :

    ich denk immer und immer warum es immer mich getroffen hat …ich kam aus einer umgebung wo kinder geld wert waren … heisst sie gegen s** verkauft wurden und das von klein an … irgendwann so mit sechs sieben fing ich an wegzulaufen und wurde aber immer zurückgebracht und irgendwann fingen sie an mich in solche heime zu stecken … ich kannte nichts wie gehorchen und mein körper gehört nicht mit … und diese frauen …sagten dinge wie … kinder die sich wie nutten benehmen bekommen auch was nutten verdienen und das sies mir austreiben werden und all sowas .. von kalt abduschen ewig bis putzen mit ner zahnbürste putzen um zu sehen was sauber ist und immer wieder sagen was ich schlechtes getan hab … daran kann ich mich sehr gut erinnern und sauremilch mit haferkram drin … und der reihe nach weitkotzende kinder am tisch und ne frau dies aufkratzt zurück auf den teller und wieder und wieder essen bis es auf war … weil es ist sünde essen zu vergeuden und das kann ich ewig weiter aufzählen … aber was ich bei all dem auch weiss ist das die oft meine letzte rettung waren … denn das andere war schlimmer … leider haben sie mich immer rückgeführt … dorthin …wo alles von vorn begann … bis heute fühle ich mich einfach nur dreckig und eklig und ich steh immer an einem rand wo ichs einfach nicht mehr aushalt ,keine der erinnerungen … aber was es mich gelehrt hat ist das es sowas wie rettung gibt … leider nur für andere … und das ich wer bin der nur zusehen durfte das es das gibt … wie ein mensch der mitten im ozean schwimmt und kurz vor dem ertrinken kommt jemand und hält dir ne insel hin so das du grade mal stehen kannst und zusehen kannst und dann nehmen sie sie wieder weg ….das waren für mich menschen …im heute waren sie es .. für mich gibt es keine menschen … keine die ich kennen möchte ich begegne ihnen nicht mehr .
    leider weiss ich nicht welche heime das waren , nur das es an der ostsee war weiss ich noch sehr genau weil ich mich da immer wieder versteckthab ..ich weiss nicht wieso opfer immer opfer werden ..vielleicht weil es opfer heisst ….vielleicht weil gelernt gelernt ist …wie soll ein kind wissen sich anders gut zu verhalten wenns das nicht lernt …ein kind das nie lernt sich zu waschen und stinkt hört auch erst damit auf wenn im wem sagt wie waschen geht . .lg rusty

  138. Wilma schreibt am :

    Liebe Rusty, Sie sind nicht schmutzig. Die Menschen, die Ihnen das angetan haben, sind schmutzig. Schreiben Sie einfach Ihren Kummer hier rein. Die Menschen, die dieses Forum lesen, verstehen das alle.
    Der Mensch ist geheiligt durch die in seiner Kindheit unschuldig erlittenen Wunden (Roger Schutz).

  139. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Liebe Rusty,
    das mit dem Schmutz kenne ich ganz genau. Selbst wenn ich heute etwas Gutes erlebe, das mir persönlich gilt, habe ich tief in mir das Gefühl, dies nicht zu verdienen – und fühle mich schuldig dafür, dieses Gute annehmen zu müssen.

    Ich schließe mich Wilmas Gedanken an: ganz bestimmt sind Sie niemals schmutzig gewesen und haben – wie alle anderen Opfer auch (mich selbst mit eingeschlossen) – solche Demütigungen niemals verdient!

    Mag dies auch nur ein ganz kleiner Trost für Sie sein, möge er doch Ihren Schmerz ein wenig lindern,

    Bernd Seifert

  140. rusty dambowsky schreibt am :

    vielen dank für die Antworten .

    ja sie bringen mir trost … aber ich finde das eigentlich um so trauriger … weil mich menschen trösten die es genauso erlebt haben …das ist schon sehr traurig …zuerst hab ich gedacht es ist viel besser hier nichts zu schreiben weil es ja euer schmerz ist ..ich hoffe den lindert jemand !

    das mit dem schutzig sein stimmt genau so wie sie es sagen herr seifert , danke für die formulierung .

    @wilma ich glaube nicht das ich das recht haben dieses meine dinge /kummer oder so hier reinzu schreiben weil diese hier doch wem anderes gehört .

    die schwestern haben mir etwas genommen was ich nie zurückbekommen kann …das glauben an gutes an saubere zuwendung an guten gedanken … nie hätte ich erwartet so etwas von falscher liebe dort zu finden …. sorry

    vielen dank für ihr verständnis …lg rusty

  141. Bärbel schreibt am :

    Hallo Dr. Seifert.,Hallo Rusty Dambowsky,
    in den Kommentaren,kommt mir vieles bekannt vor,
    ich habe manchmal das Empfinden,wenn es mir gut geht,dass ich es nicht verdient habe,dann habe ich wieder das Helfersyndrom,
    sicher ist es gut helfen zu können,wir haben es auch verdient,dass wirAnerkennung und Achtung erhalten,das mußte ich erst erlernen,auch zu mir selber gut zu sein,liebe Deinen Nächsten ,wie Dich selbst,steht geschrieben,
    v.l.G.

    Bärbel

  142. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Liebe Rusty, liebe Bärbel, sehr geehrtes Plenum,
    eigentlich hatte ich nicht mehr die Absicht, mich hier zu Wort zu melden, es blockiert einfach Platz, den andere Menschen dringender benötigen.

    Nicht nur dies, ich habe über den nachfolgend beschriebenen Sachverhalt lange nachdenken müssen, wie es auf den Punkt zu bringen ist. Dann kam die für mich sehr schwere Entscheidung hinzu, mich zu dieser Problematik überhaupt zu äußern (oder eben auch nicht):

    Ich möchte zu bedenken geben, Trost spenden können einfach nur Persönlichkeiten, die selber Leid erlebt haben. Mitgefühl zeigen, ist jedoch eine Qualität, die einem jeden Menschen zusteht, der eine gewisse Reife entwickelt hat. Deshalb empfangen Leidende und Opfer zumeist Trost von Mitmenschen, die selber großes Leid erlitten haben. – So jedenfalls sehe ich persönlich diese Sachlage, wobei hierzu anzumerken ist, daß es hierfür keine absoluten Maßstäbe gibt.

    Darüber hinaus ist es in meinen Augen ungemein wichtig, daß wir Menschen, die wir einmal Opfer gewesen sind, uns mit aller möglichen Kraft dahingehend entwickeln, uns als EHEMALIGE Opfer zu betrachten. Andernfalls besteht die große Gefahr, daß wir in der Rolle einer Opfersituation verharren und uns auf diesem Gebiet einfach nicht weiter entwickeln können.

    Damit wäre die Gefahr verbunden, für potentielle Täter weiterhin als womöglich gefügige Opfer erkannt und mißbraucht zu werden, nach dem Motto:
    „Einmal Opfer, immer Opfer!“

    Nicht nur, daß dieser Teufelskreis um unserer eigenen Gesundheit willen durchbrochen werden muß, sondern darüber hinaus müssen wir dies auch noch selber leisten. Dies kann uns niemand abnehmen!

    Mit allen guten Wünschen,

    Bernd Seifert

  143. hildegard schreibt am :

    Danke, Herr Dr. Seifert, am 7. August 2010 um 01:40 Uhr, haben Sie uns allen etwas sehr Wichtiges gesagt – wo aber sehen Sie für den Einzel-„fall“ die individuelle Umsetzung, so lange Menschen in ihrer akuten Not von den zuständigen Medizinern immer NUR ZU GEDRÖHNT WERDEN.
    Wir werden wohl einmal mehr für die Gesprächs-Runden kämpfen müssen, die uns über Traumatisches hinaus führen und Selbstheilungskräfte auf den Plan rufen …

  144. Bärbel schreibt am :

    Hallo Hildegard,Hallo Herr Dr.Seifert,
    es sind gute und schöne Gedanken zu Papier gebracht worden,so gut kann ich nicht formulieren,es hat mich zuerst eine gr0sse Überwindung gekostet , hier zu schreiben,denn meine älteste Tochter (45 J) war auch ein Opfer ,mehr möchte ich dazu nichts sagen,durch Norbert Denef s Mitteilung,wenn ich den Mut verliere würde ich immer Opfer mit meiner behinderten Tochter (31 J) bleiben.
    In kleinen Schritten,nicht täglich fange ich wieder an,nach vorne zu schauen,wie schon geschrieben,wir müssen mit und an uns selber arbeiten,das kann uns keiner abnehmen.
    Ich hatte Heute einen guten Tag,und die jüngste Tochter hoffentlich auch,v.l.G. Bärbel

  145. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Liebe Hildegard, wertes Plenum,

    bekanntlich wird Wirklichkeit nicht nur individuell verschieden wahrgenommen, sondern Wirklichkeit ist ebenfalls keine objektive Größe, sie wird in jedem individuellen Bewußtsein, abhängig von seiner Wahrnehmung, sehr unterschiedlich generiert (Watzlawick, Berger, Luckmann).

    Alles ertragene Leid ist durch unsere Wahrnehmung erfaßt worden und prägt unseren persönlichen Eindruck von Wirklichkeit (wie kann jemand die Tragweite erfassen mißbraucht zu werden, wenn er/ sie dies selbst niemals erlebt hat?).

    Als Verstehenshilfe möchte ich nun ein Bild beschreiben:

    Stellen wir uns einmal vor, dieses Paket persönlicher Wirklichkeit gerät zwischen die Schneiden einer sich schließenden Schere. Innerhalb dieses Bildes möchte ich nun die beiden Schenkel der Schere auf der einen Seite mit unserem Glauben an Autoritäten und auf der anderen Seite mit der verinnerlichten Verpflichtung, anderen helfen zu müssen, bzw. für andere Verantwortung übernehmen zu müssen, vergleichen.

    Der uns eingeprägte Glaube an Autoritäten führt dazu, daß wir oft allzuleicht Rat und Anweisungen von Ärzten, Oberlehrern, usw. beherzigen und annehmen, obwohl der Bauch uns etwas ganz anderes vermitteln will.

    Gern wird vom Helfersyndrom gesprochen, dem wir zu unterliegen glauben. Aber dies ist nicht die Richtung, in die ich blicken mag.
    Viel mehr überforderten – z.B. – Eltern in der Lebenswelt ihre älteren Kinder mit der Aufgabe, für die jüngeren Geschwister nicht nur Hilfestellungen zu leisten, sondern diese regelrecht anzuleiten und zu beaufsichtigen. Im Grunde bedeutet dies eine selbstreinigende Ablösung der eigentlich elterlichen Verantwortung.

    Wenn Eltern sich schon durch ihre Erziehungsansprüche überfordert fühlten, wie sollten dann große Kinder in der Lage sein, derartige Aufgaben zu erfüllen?

    Kurz gesagt ist es zunächst einmal unsere erste Aufgabe, daß wir uns unsere individuellen Vorstellungen von Wirklichkeit erhalten und diese von keiner sich schließenden Schere vernichten zu lassen!
    Insofern ist für uns nicht die Interpretation eines für uns einschneidenden Ereignisses durch irgendeine Autorität von Bedeutung, sondern wir müssen lernen, unsere eigene Wahrnehmung zu schulen und uns an ihr IN ERSTER LINIE ZU ORIENTIEREN, zumindest so lange wir mündige Bürger sind!

    Die zweite Aufgabe besteht darin, diesen Prozeß individueller Wahrnehmung immer wieder neu zu beginnen und nach entmutigten Abbrüchen (die immer wieder neu geschehen werden) einfach wieder neu anzufanen. Also nicht auf Bestätigungen und Genehmigungen warten, sondern einfach ANFANGEN!

    Besonders skeptisch sollten wir Menschen gegenüber sein, die es „gut mit uns meinen“, wenn der Tenor ist, „laß doch endlich mal die Vergangenheit ruhen….das schaffst Du ja doch nicht“. – Sehr oft stehen uns Menschen mit derartigen Eistellungen so sehr nahe, daß wir uns ihnen nicht wirklich entziehen können.

    Aber wir können Distanz schaffen. Es ist wenig hilfreich lernen zu wollen, WARUM sich diese Menschen in dieser Weise uns gegenüber verhalten. Aber sie tun etwas, was uns persönlich nicht gut tut. Also müssen wir immer wieder neu anfangen, Distanz zu schaffen.

    All dies wird uns sehr viel Energie kosten – und dennoch müssen wir es selber tun, einfach immer wieder neu anzufangen, ganz so, wie auch unser Leben mit einem jeden Tag neu beginnt.

  146. Sarah M. schreibt am :

    Sehr geehrter Hr. Dr. Seifert,
    ich kann Ihre Zeilen ausnahmslos unterstreichen! Nur wer von der Opferrolle sich heraus begibt, wird Heilung erfahren. Es ist ein langer mühsamer aber lohnender Weg! Betroffen ja, aber nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert!
    Gerne würde ich mich privat mit Ihnen darüber austauschen.
    Meine Email – Adresse erfahren Sie über den Admin.
    Respektvolle Grüße von
    Sarah Mohn

  147. hildegard schreibt am :

    Lieber Herr Seifert,
    gerade auch Ihr Bild mit der Schere kann uns je einzeln zu mehr Einfühlung in unsere eigene Wirklichkeit bringen – genau das ist es, was uns oft fehlt, zu allererst einmal für uns selber zu sorgen – WIE UNS SELBST unsere Nächsten lieben …
    Schön, dass Sie sich wieder am Austausch beteiligen – Austausch ist noch nicht gleich Helfersyndrom. Mein Eindruck:
    wir alle kommen mit Austausch uns selbst sehr viel schneller „auf die Sprünge“ als ohne – dank N.D., dank jedem und jeder Beteiligten.
    Bleiben Sie uns erhalten – Raum ist für alle hier und Zeit … – willkommen im Plenum!

  148. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Sehr geehrtes Plenum,

    etliche Kinder hatten und haben zu ihrer Zeit nicht die Möglichkeit, den Umgang mit Nähe zu lernen. Oftmals wurde und wird ihnen z.B. von Familienangehörigen Nähe aufgezwungen, und nicht selten hungerten und hungern sie nach Nähe zu einer bestimmten Person, die dann niemals erfüllt wurde, bzw. wird.

    Klar, den Hunger nach Nähe kennt ein jeder von uns, nur innerhalb der Erwachsenenwelt sieht der Umgang mit diesem Hunger und der Befriedigung danach schon wieder ganz anders aus. Wo Liebe gefühlt wird, mit denen, durch die wir uns verstanden fühlen, sollte auch Nähe sein.

    Nur, wenn Nähe nicht zugelassen wird, wie kann sich dann Liebe überhaupt entwickeln – und auch umgekehrt?

    Kaum etwas ist schlimmer für mich persönlich, als in der Schlange vor der Kasse einen Einkaufswagen in den Rücken geschoben zu bekommen.

    Setzt sich eine fremde Person ungefragt an meinen Tisch (aber meistens auch dann wenn die Person mich fragt, ob noch Platz frei ist), so räume ich in sehr höflicher Weise unmittelbar das Feld.

    Ich vermeide selbst Damen (zu Neudeutsch: Mädels) gegenüber, denen ich größte Sympathie entgegenbringe, jeglichen Körperkontakt – allein schon um eine – mögliche – Verletzung der anderen Privatsphäre zu vermeiden.

    Die Nähe gar meiner besten männlichen Bekannten ertrage ich gar nicht, männlicher Körpergeruch löst in mir mehr als Übelkeit aus…

    Als ich 23 Jahre alt war, gab es die 13-jährige kleine Schwester einer guten Freundin.
    Für diese 13-Jährige war es damals ein sehr liebevoll gemeinter „Sport“, wenn sie sich außerhalb meines Blickfeldes befand, die SEKUNDEN zu zählen, bis ich ihren Blick spürte und mich nach ihr umsah. In aller Regel handelte es sich um einen Zeitraum, der sich zwischen 8 und 15 Sekunden bewegte.

    Es bedarf wohl keiner Frage, daß es für diese freundschaftliche Beziehung keine Perspektiven gab! – Warum denn eigentlich nicht…?

    Bekanntlich ist die persönliche Tendenz zum Klammern sehr groß, aber wir alle müssen irgendwann lernen, bzw. gelernt haben, los-zu-lassen!

    Ps.:
    Liebe Sarah Mohn, Ihre e-mail Adresse habe ich nicht ermitteln können, aber ich habe soeben ein Fax an die „Zentrale“ von admin gesendet,

    Grüße, Bernd Seifert

  149. Bärbel schreibt am :

    Hallo,Herr Dr.Seifert,
    ich weiß nicht genau ,ob mein Kommentar hierher gehört,
    dass mit der Nähe,und dem Klammern ,ist nicht leicht zu verstehen,es gibt so viele Formen dieser Sichtweise,
    Menschen ,die mit ihren Gefühlen sich kaum äußern können,sich mit zu teilen,die Nähe nicht ertragen können—-
    die Ursachen sind so unterschiedlich,Gründe,Behinderungen,Verletzungen durch Unfall,Traumatisierung,eine gestörte Familie,Verlust eines Menschen usw.,
    für die Förderung meiner Tochter bin ich sehr viel im Ausland,
    dort habe ich vieles erlebt,was mich geprägt hat.
    Oftmals hilft ,alles neu zu überdenken,v.l.G.Bärbel

  150. Dr. Bernd Seifert schreibt am :

    Hallo Bärbel,

    ich stimme Ihnen zu, die Problematik ist so vielschichtig, wie das Leben in allen seinen Facetten, selbst. Ich habe nur das Phänomen, aber keine der möglichen Ursachen dafür benannt….

  151. Nicole Stenka schreibt am :

    Es macht mich sprachlos was ich hier bisher gelesen habe.
    Ich war 1980 oder 1981 in Niendorf im Antoniushaus für 6 furchtbare
    Wochen. Die Briefe nach Hause wurden kontrolliert . Als ich mich übergeben musste hat mich die Schwester gehauen. Ich musste ins Bett als Strafe oder auf der Treppe vorm Speisesaal essen.
    Ein Junge musste immer seine Unterhose vorzeigen und wenn da ein
    brauner Streifen zu sehen war kriegte er Strafen.
    Zweimal in den ganzen 6 Wochen bekamen wir nur die Haare gewaschen
    in einem seltsamen „Schwimmbad“. Kaufen durften wir uns fast nichts, das Geld wurde uns eingeteilt. Die Schwester die zu mir so ätzend war hieß glaube ich Schwester Gebadis. Ich hatte so ein Heimweh,aber man durfte davon nichts sagen. Schöne Sachen haben wir nie gemacht.
    Mein Bett war viel zu kurz, aber die meinten das geht wohl so,
    ich musste sechs Wochen in einem zu kleinen Bett schlafen.
    Ich war jetzt mal dort und hab das ehemalige Heim gesehen, bin dann auf diese Seite gestoßen und bin entsetzt. Aber bei mir hat es mit der Verarbeitung dieser Horrorkur bald 38 Jahre gedauert. Ich würde gerne auch mit „Kindern“ aus meiner Aufhaltungszeit in Kontakt treten

  152. Matthias Suthe schreibt am :

    Hallo Nicole,
    es werden immer mehr Faelle bekannt! Da sich jetzt viele Betroffene, die in dem Kinderheim zwischen 1970 bis 1980 aehnliches widerfahren ist, hier austauschen, bin ich entsetzt das zur Aufklaerung, insb. OEFFENTLICHER Aufklaerung, noch nichts geschehen ist!
    Einfach nur traurig ….

  153. Gaby Pypker schreibt am :

    Hallo an Alle!
    Also, erst einmal melde ich mich aus dem Urlaub zurück.
    Was die öffentliche Aufklärung betrifft, habe ich wiederholt mit diversen Reportern verschiedener Zeitungen und auch vom Fernsehen Vorbesprechungen gehabt und leider den Eindruck gewinnen müssen, das Niendorf und somit das, was dort geschehen ist, offensichtlich für die ÖFFENTLICHKEIT nicht „interessant“ genug ist. Wenn sich überhaupt ein Reporter nach diesem ersten Gespräch noch einmal gemeldet hat, dann deshalb, um mir mitzuteilen, dass man sich entschlossen habe, über aktuellere bzw. prominentere Fälle zu berichten.
    Ich bin schockiert und frustriert und fühle mich einmal mehr von Allen allein gelassen. Ich werde wohl niemals erfahren, wer meinen Lebensgefährten getötet hat. Das Kloster schweigt mittlerweile und ist sicherlich froh und glücklich noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.
    Daniel wäre am 26.08. d.J. 40 Jahre alt geworden. Es war ein schlimmer Tag für mich!

  154. Matthias Suthe schreibt am :

    Hallo Gabi, und Hallo an alle die hier sind.

    Ich denke es ist jetzt an der Zeit AKTIV zu werden. Wir haben von dem Heim keine Antworten bekommen. Sehr bedauerlich. Auch vom Traeger wird nur beschwichtigt. Sehr traurig und moralisch eine Bankrotterklaerung!
    Ich schlage vor das wir zusammen an die Oeffentlichkeit gehen sollen. Wir koennten uns via e-media besprechen. Dies ist nicht das Media das wir nutzen sollte. Wie ich schon sagte, ich habe ein SEHR gutes soziales Netzwerk bis nach Berlin und Bruessel.
    Meldet euch via e-mail!
    Gruss

  155. Die Problematik des sich nicht verantworten müssen ist staatsgewollt. Lediglich Taten in privaten (privat /staatl. gemischten Trägerschaften) Heimen, also jene, die konfessionelle Träger hatten (kath, ev), wurden in den Staatsmedien während des Hypes über das Thema Kindesschändung und -misshandlung bemüht und veröffentlicht. Zumindest übergebührlich viele. Die Hundertausendfachen Taten in staatlichen Institutionen aber in denen schlimmste Gewalt und Kapitalverbrechen gegen die damaligen Kinder verübt wurden, wurden in der Menge nicht geoutet oder behandelt. Sie wurden tiefgefroren und wehe jemand taut ab.

    Diese Taten in diesen Heimen in welche Erziehungszöglinge kamen oder Kinderentsorgung betrieben wurden werden nicht thematisiert. Die Täter von damals müssen sich keine Sorgen machen – sie werden sich NICHT rechtfertigen zu müssen. Da hält der Staat – zumindest was die staatliche Unterbringungen in diese Heime betrifft (FE /FEH) – die Hände schützend drüber. Die Verantwortlichen haben in diesen Heimen alle im Staatsauftrag und auf Staatsanweisung gearbeitet. Und genau i.d. Punkt will Staat keinesfalls die öffentliche Diskussion und keinesfalls das Risiko einer erneuten Bambule. Wer sich noch erinnert weiß, dass Ulrike Meinhof 1969 das Heimdrama mit dem Film „Bambule“ enttabuisierte und das Thema Misshandlung in Heimen in die Öffentlichkeit lancierte hatte. Woraufhin in fast allen Heimen seiner Zeit und dieser Republik kleine Revolten tobten. Alle Revolten wurden erstickt. Bis heute. Kleines Züngeln der Flammen wird sofort mit Löschschaum umhüllt damit ja kein Schwelbrand entsteht. Die Kosten wären dem Staat zu hoch. Alle Ex Heimkinder die ich persönlich kenne – und das sind einige – leben absolut in Armut, unter Wert oder mit kleiner Rente oder Hartz IV. Es sind die wenigsten die es geschafft haben. So sieht die Realität aus.

  156. Barbara schreibt am :

    hallo,ich mache erst seit vier Tagen einen computerkurs, und bin seit heute erst im internet unterwegs .als erstes habe ich gesucht ob ich was über das schreckliche Antoniusheim in Niendorf finde.ich war dort zweimal als kind einmal mit ca.4 Jahren und dann mit 9 Jahren glaub ich. ich war insgesammt 4 mal auf Kinderkur deswegen weiß ich nicht genau ob ich damals 9 war. es war schlimm !!! sexuell war mir da nichts passiert aber sadistische strafen schläge ,Zensur von dieser Schwester Bukarde. Ich bin mit 18 Jahren dahin gefahren und wollte diese Frau zur Rechenschaft ziehen.Sie war leider verstorben! mich wühlt das alles wieder dermaßen auf. ich habe zwischendurch immer wieder mit der Vergangenheit zu kämpfen. ich muss erstmal alles sacken lassen das es noch mehr betroffene gibt,ich dachte wirklich das die das nur bei mir

  157. Simone schreibt am :

    Mein Vorschlag wäre, sich doch einfach mal an RTL zu wenden….
    Die finden verschwundene Leute, können Leute in Ihr erstes Leben zurückversetzen und Nachforschungen dazu machen…
    Wieso also nicht auch einiges im Fall Kinderkurheim Niendorf herrausfinden….???
    Die haben doch viel bessere Mittel als wir kleinen Leute, größeren Einfluss und Beziehungen…
    Versuchen Sie es dort!

    MfG Simone

  158. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Barbara,
    diese Schwester Burkade lebt noch!! Es soll ihr sehr schlecht gehen nach einem Herzinfarkt und sie soll bettlägrig sein. Aber sie lebt. Schwester Clarissa von den Franziskanerinnen im Mutterhaus in Thuine hat mir versprochen, mit ihr zu reden.

    Liebe Simone,
    bei RTL habe ich es kurz nach Daniels Tod als erstes versucht. Sie waren der Meinung, dass diese Thematik nicht „ins Programm“ passt.

    Trotzdem vielen Dank für den Tip

    LG Gaby

  159. Georg Bohn schreibt am :

    Warum soll Missbrauch durch Kirchenleute eigentlich so harmlos sein solange nur die Komponente ´sexuell´ fehlt? Nächtelang in Ketten liegen und Kotze fressen müssen und Schläge und Isolation, als sechsjähriger von den Eltern Verschickter
    reicht doch wohl vollkommen um diesen ganzen Laden ein für alle mal zu schliessen und diese ganzen Ärzte, Pfarrer und Nonnen die sich da zusammengetan haben aufzuspüren und für den Rest ihres Lebens aus dem Verkehr zu ziehen! Stattdessen kreuchen und fleuchen sie fromm betend durch das ganze Land..

  160. Barbara schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,
    es ist 26 Jahre her als ich dort war um mit dieser „Schwester “ Burkade mich auseinander zu setzen.Es wurde mir von einer weltlichen Erzieherin die in diesem Heim beschäftigt war erzählt das sie tot ist und das, das Heim nicht mehr von Nonnen geführt wird.ich war damals 18 Jahre alt heute bin ich 44 Jahre.Diese Dinge die in früher Kindheit mir unter anderem mit dieser Frau passiert sind lassen einen nie los .Es ist bei mir zwar nicht so das ich jeden Tag daran denke aber es gibt Zeiträume wo mir das alles wieder hochkommt. Es ist eine Traurigkeit, eine Wut und eine Entäuschung die da tief in einem liegt das es solche Menschen und dann auch noch welche die unter dem Deckmantel der Frömmigkeit aggieren es schaffen auf Dauer ein Leben zu beeinflussen! Ich hatte auch
    ein sehr strenges Elternhaus wo es regelmäßig prügel gab und ich habe mir nichtmal getraut zu hause zu erzählen was da los war, aus Angst das
    diese Nonnen sagen könnten das ich lüge und ich dann dafür auch noch bestraft werde. Ich habe erst als ich Erwachsen war meiner Mutter davon
    erzählt. meine Schwestern genauso, die waren nämlich auch dort aber nicht mit mir gemeinsam. Liebe Frau Pypker wenn ich nur wüsste was wir machen könnten um diese Leute von damals zur Veranwortung zu ziehen.
    Ich bin traurig das ihr Daniel so sehr gelitten hat und diesen Ausweg genommen hat und bewundere ihre Stärke und Kraft für Gerechtigkeit zu kämpfen. Wenn ich ihnen irgendwie helfen kann lassen sie es mich wissen. Gerne!
    L.G. Barbara

  161. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Barbara,
    danke für die angebotene Hilfe. Ich werde sie gerne in Anspruch nehmen, wenn die Zeit gekommen ist. Vielleicht möchten Sie mir einmal an meine private Mailadresse schreiben? Herr Denef kennt sie und wird sie Ihnen sicherlich gerne zukommen lassen. Woher kommen Sie, und in welchem der beiden Heime waren Sie? Oder Ihre Schwester? Wie gut erinnern Sie sich? An Namen? An den Kinderarzt?
    Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.
    LG Gaby

  162. Matthias Suthe schreibt am :

    Liebe Barbara,
    ich kann dich sehr gut verstehen! Die 6 Wochen im „Erholungsheim“ war … mir fehlen Worte …
    Ich denke wir, die diese Tortur erlebt und ueberlebt haben, sollten uns in Verbidung setzten. Darueber reden ist auch sehr hilfreich.
    Bitte Barbara, ruf die Gabi an. Die Telefon Nummer ist am Ende des ersten Posts. Dann koennen wir uns via e-mail austauschen. Ich denke es ist Ueberfaellig das wir die Opfer zusammen etwas unternehmen.
    Da es nun ja viele Menschen gibt den aehnliches wiederfahren ist, und zwar ueber mehr als 10 Jahre, duerfte es hunderte Betroffene geben oder auch mehr.
    Es ist an der Zeit aktiver zu werden, und nicht nur ueber dieses Forum.

    Bitte Barbara melde dich bei Gabi an der o.g. Telefon Nummer.

    Liebe Gruesse

  163. rusty dambowsky schreibt am :

    ich wünsch euch das ihr einen weg zueinander findet ….

  164. Barbara schreibt am :

    Lieber Matthias,
    Gaby und ich haben schon E-mail kontakt und nächste Woche werden wir mal telefonieren, du kannst dir über Gaby ja mal meine mail Adresse geben lassen. Sicherlich hast du Recht das es gut ist mit selbstbetroffenen sich auszutauschen aber ich muss auch ehrlich sagen das ich etwas Angst habe ,das alles zu doll in mir aufzuwühlen. Ich kann mir keinen Reim darauf machen was in solchen Menschen vorsich geht die kindern Sowas antun. wie sie beten und glauben können mit dem Wissen über ihrem Handeln. wenn sie wirklich glauben ihrem Schöpfer gegenüberstehn zu müssen. Kapierst du das?
    Liebe Grüße Barbara

  165. Lucy schreibt am :

    Ich habe einige Kommentare gelesen. Ich bin sehr berührt, erschüttert.

    Ich war 1973 zur Verschickung in Timmendorf für 2 Monate. Den Namen des Heimes weiß ich nicht. Aber vielleicht finde ich ihn noch heraus.
    Ich kann mich an fast gar nichts mehr erinnern. Das macht mir irgendwie Angst. Ich weiß, dass ich fürchterlich gelitten habe… Weiß jemand, wie man Erinnerungen zurück holen kann? Ich möchte wissen, was mir dort passiert ist…
    Kann man so traumatisiert sein, dass man alles vergessen hat?

  166. Barbara schreibt am :

    Liebe Lucy,
    es gibt Sachen die man sehr verdrängt aus Eigenschutz das muß aber nicht prinzipiell so sein das man was schlimmes erlebt hat nur weil man sich an etwas nicht erinnern kann. Wenn du aber weist das du gelitten hast wäre es schon interessant der Sache auf der Spur zu gehen . Aber soetwas würde ich nur unter fachlicher Aufsicht machen bei einer Phychologin .In dem Kurheim wo ich war gab es ein Lied das wir jeden Tag xmal singen mussten . Das ging so : wir Niendorfer Kinder wir sind vergnügt und froh und wünschen nur das eine es bliebe immer so. Das war der Refrain. eine Strophe war : um Zwölfe gibt es Mittag da gehen wir dann rein , da laden uns die Schwestern zum Mittagessen ein. das war dann für mich das Startwort zu heulen anzufangen. Dieses Lied war der blanke Hohn wenn man erlebt hat wie sie einen dieses widerliche Zeug reingeprügelt haben. es gibt auch Bilder von dem Heim vieleicht erinnerst du dich dann ob es da war wo du warst.

  167. Diana schreibt am :

    Hallo liebe Forummitglieder, ich bin Mutter zweier Jungen. Mir gruselt es bei dem Gedanken, dass ihnen einmal derart schreckliche Dinge geschehen könnten! Ich möchte gerne von Maria Meerestern berichten. Wir waren vor kurzer Zeit dort und wurden in dem Teil der damals der Müttergenesung diente, untergebracht. Bevor wir dorthin fuhren habe ich diese Seite gefunden und die traurigen Berichte gelesen, es tut mir so leid. Vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass sich dort alles zum friedlichen gewendet hat. Die Schwestern geben den Müttern und Kindern so viel Kraft mit auf ihrem Weg. Meine Jungen sind beide krank und oft in der Klinik, wir haben sehr viel Liebe, Vertrauen und Kraft mit auf dem Weg bekommen. Es macht bestimmt nichts ungeschehen aber vielleicht hilft es zu wissen, dass dort kein Schrecken mehr herscht.
    Viele liebe Grüße

  168. hallo Frau Gaby Pypker,

    gestern lass ich die Gedächtnisanzeige vom Daniel.

    Wir lernten uns im jahre 2008 in Wattencheid kennen und er war mein Freund.
    Nach dieser Zeit trafen wir uns einige male , er war bei mir un dich beim Ihm.
    In Bielefeld _Oerlinghausen traffen wir uns einige Zeit wieder und nach dieser Zeit brach der Kontakt langsam aber über die Zeit vor seinem Tode ab.
    Telefonate und Hilferufe konnten von mir und dem Micha aus Hamburg nur Wahrgenommen werden und es tut mir in der Seele weh was geschah.
    Daniel sprach nie über sein Schicksal und jetzt weiß ich auch warum
    Er betonte immer wieder die Liebe zu seiner Mathilda und Ihnen.

    Was mich heute so schockiert ist seine Geschichte.
    Ich googlte nur seinen Namen und lass..

    Und ich war 85 imSt.Johann.
    Was dort geschau weiß ich nicht mehr. heute mit 34 Jahren.
    Bin aber verunsichert, da ich viel schreibe und dabei Themen unter anderm behandel die mit Kindesmissbracuh zu tun haben.
    Ich hab mir nie , bis jetzt gedanken darüber gemacht.
    Warum ich auch darüber schreibe.
    warum ich solch Menschen verachte.
    Nun . Ich
    möchte Ihnen nur Mittelein das ich mein Beileid aussprechen möchte und bete zu Gott das die Wahrheit eines tages ans Licht kommt.

  169. Gaby Pypker schreibt am :

    Lieber Pasy,

    ganz ganz lieben dank, dass du dich gemeldet hast. Ich würde gerne mit dir persönlich Kontakt aufnehmen, wenn du damit einverstanden bist. Meine Tel.-Nr. findet du eigentlich im Netz, wenn du meinen namen googlest, aber hier ist sie noch einmal: 0234-34841. Ich würde mich sehr freuen, wenn du dich meldest. Daniel hatte nicht viele Freunde, und es ist schön, dass du ihm einer warst. In seinem Interesse möchte ich mich mit dir über Niendorf unterhalten, auch, wenn du dich nicht wirklich erinnern kannst. Wenn du nicht anrufen willst, bekäme Norbert Denef von dir die Genehmigung, mir deine Email-Adresse bekannt zu geben?
    Ich freue mich darauf, von dir zu hören.

    Liebe Grüße
    Gaby P.

  170. Gaby B. schreibt am :

    Hallo,
    eigentlich wollte ich im Internet nur eine Ansicht von Niendorf mit dem Antoniushaus für meine Erinnerungen suchen. Ich fand diese Seite und bin erschüttert. Es tut mir weh, von den vielen schlimmen Erlebnissen zu lesen. Ich habe mehr Glück gehabt, aber manche Erinnerung an meine Zeit in Niendorf im Antoniushaus kam wieder hoch.

    Nach der Scheidung meiner Eltern war ich von April 1958 bis April 1959 in dem katholischen Internat Antoniushaus, wo wir auch zur Schule gingen; die 1.-4.Klasse wurde gemeinsam unterrichtet.Meine Prüfung für das Gymnasium musste ich dann außerhalb des Hauses ablegen. An unsere Lehrerin habe habe ich nur gute Erinnerungen. Sexuelle Übergriffe habe ich nicht erlebt. Wir durften damals als Mädchen keine Hosen tragen oder höchstens mit einem Rock darüber. Einmal in der Woche mussten wir in der katholischen Kapelle beichten. Ich war so verzweifelt darüber, keine Sünden begangen zu haben, dass ich das immer gleiche morgendliche Erdbeer-Marmeladenbrot, das es in der Großen Pause auf dem Schulhof gab, weggeworfen habe,um etwas beichten zu können. Wir Internatskinder haben täglich Kartoffeln schälen müssen. Als ein anderes Kind sich plötzlich umdrehte, fügte es mir mit dem rostigen Messer eine stark blutende Schnittwunde im Mundwinkel zu. Ich konnte mehrere Wochen lang nicht reden, damit die Wunde nicht wieder aufreißt. Diese Erinnerungen habe ich nicht als besonders schlimm empfunden. Ich war schüchtern und froh, nicht viel sagen zu müssen.

    Jetzt bin ich über 60, aber ich habe 50 Jahre lang kein fettes Fleisch essen können und immer einen gewissen Ekel vor Fleisch überhaupt gehabt. Nie werde ich vergessen, wie mich die Ordensschwester zwang, das Stück Fleisch wieder aus dem Mülleimer zu holen, das ich heimlich dort versenkt hatte. Ich musste so lange in der kleinen schmalen Küche (?) stehen, bis ich es heruntergeschluckt hatte. Ich habe mich fast übergeben vor Ekel und stundenlang gestanden. Irgendwann gab ich auf und würgte es herunter.

    Ein paar schöne Erinnerungen habe ich auch, nämlich an Spaziergänge am Strand, wo wir Donnerkeile suchten.

    Aber die Esspraktiken müssen im Antoniushaus eine lange Tradition gehabt haben, bis in die 1950er-Jahre zurück.

    Gaby B.

  171. Martin schreibt am :

    Während eines Gespräches mit einem älteren Mann, sagte dieser:
    „Wenn wir Heimkinder prügel bekommen haben, dann hatten wir sie auch verdient.“

  172. Matthias Suthe schreibt am :

    @ Martin
    Das kann ja nicht ernst gemeint sein!
    Ich wurde als dreijaehriger am nackten Hintern verpruegelt da ich nachtst durstig war und im Bad Wasser getrunken hab. Danach wurde ich abends in einem fensterlosen Zimmer ans Bett gefesselt … und das Wochenlang!
    Sie haben sich allen Anschein nach nicht mit dem Thema befasst!
    Wuerden Sie mir bitte erklaeren wie das verdient sein kann?
    Fuer vergleichbare „Taten“ die Erwachsene Erwachsenen zufuegen kann man mehrjaehrige Gefaengnissstrafen erwarten … aber Kinder … sind ja nur Kinder … „Erziehungsmassnahmen“ …
    Wuerden Sie mir bitte Ihren Kommentar erklaeren?

  173. Matthias Suthe schreibt am :

    @ Thuiner Franziskanerinnen
    In Ihrem Orden gibt es wohl eine sehr gossen Teppich und viele Besen!
    Die Verantworlichen fuer die Taten „geniessen“ den Schutz Ihrer Glaubensgemeinschaft und des Ordens, die Opfer leiden seit Jahren und womoeglich fuer ihr Leben.
    Anstatt den Opfern beizustehen, was ja eine christliche Pflicht ist, wird hier nur „Schadensbegrenzung“ vollzogen … und zwar um Schaden vom Orden und der katholischen Kirche fernzuhalten. Es sollte eine christliche Pflicht sein den Opfern beizustehen um chrisliche Werte zu bezeugen!
    Bislang gab es nur wenige „lauhwarme“ Worte als Reaktion auf dieses Forum und KEINE Initiative um den Opfern beizustehen. „Opfer“ sind hier die vielen Kinder, die unter Ihrer Verantwortung bis heute leiden!
    Ich habe viele Jahre ehrenamtlich in der katholischen Jugendarbeit verbracht und bin bis heute sehr aktiv. Jahre als Mitglied im Pfarrgemeinderat hab ich die Jugendarbeit gefoerdert. Als bekennender Christ ist mein Glauben an die katholische Kirche zu tiefst erschuettert.
    Anstatt Opfern beizustehen wird nur verschwiegen.
    Ich hoffe sehr das die Verantwortlichen, direkt und indirekt, mit dieser Suendenlast umzugehen wissen!
    Ich bin in meinen Grundsaetzen der katholischen Kirche zu tiefst erschuettert!!!

  174. Matthias Suthe schreibt am :

    Es ist traurig dass sich die Verantwortlichen um Ihre Verantwortung nicht bewusst sind oder sich darum bewusst nicht verantworten wollen …

  175. Matthias Suthe schreibt am :

    Liebe Gaby,
    und alle die hier beisammen sind,

    wuensche ich schoene, friedliche Weinacht, sowie einen Guten Rutsch, Gesundheit und Kraft fuer das Neue Jahr.

    Danke Gabi!

    Matthias

  176. Gaby Pypker schreibt am :

    Dir, Matthias ,und allen Menschen, die ich auf dieser Seite kennengelernt habe, ebenfalls eine besinnliche Weihnacht und ein friedvolles Jahr 2011.
    Ich habe mich eine ganze Zeit lang zurückziehen müssen, weil mich erst jetzt die ganzen Auswirkungen des letzten Jahres eingeholt haben, und ich völlig zusammengebrochen bin. Ganz langsam geht es wieder auffwärts und ich möchte auf diesem Wege allen Menschen danken, die mich in meinem Bedstreben, Licht in das Dunkel von Niendorf zu bringen, unterstützt haben und dieses weiterhin tun werden.
    Alles Liebe euch, und ich würde es begrüßen, wenn wir uns im kommenden Jahr einmal alle persönlich kennenlernen würden. Wer Interesse an einem solchen Treffen hat, der melde sich doch bitte via Email bei mir.

  177. rusty dambowsky schreibt am :

    hallo ,
    ich möchte euch ein schönes weihnachtsfest wünschen und alles gute für das kommende jahr
    ich wünsche euch das ihr viel licht ins dunkel bringen könnt .

    und ein schönes treffen .

    lg
    ich werde immer ein neutrum bleiben in dieser welt .. leider hab ich in den letzten monaten immer wieder erfahren das es für mich keinen weg gibt mein erlebtes irgendwo zu verarbeiten ….ich höre nur ich solls vergessen …was mir abernicht gelungen ist … ohen meine vergangen heit und mit einer verleugneten vergangen heit bleibt nichts von mir übrig ..jede zukunft ist einfach nur krank leer .

    ich wünsche euch das es euch anders ergehen möge … und das alle die hilfe möchte die chance auf hilfe finden …

  178. Petra schreibt am :

    Liebe(r) Rusty,

    glaub mir: Viele von uns kennen diese Gefühle. Ich jedenfalls kenne sie – genau so, wie du sie beschreibst.

    Wenn Vergessen wirklich der richtige Tipp wäre, dann wäre ja alles ganz einfach und man müsste sich fragen, warum wir Betroffenen da nicht schon früher drauf gekommen sind… Nein, Vergessen ist ganz sicher nicht der richtige Weg, mit den Erlebnissen umzugehen. Weil sie sich in unsere Seele, in unseren Körper, in unser Ich eingebrannt haben. Nur Menschen, die keine Ahnung haben, was sexuelle Gewalt anrichtet, können solche „Tipps“ geben.

    Solche Menschen haben nicht verstanden, dass „die Vergangenheit vergessen“ für uns bedeutet, uns selbst im Stich zu lassen. Dass es bedeutet, das unschuldige Kind, das wir waren, bevor sie uns geschändet haben, zu verraten. Und dass dann – wie du schreibst – nichts mehr von uns übrig bliebe, das wir achten könnten.

    Ich weiß schon, sie meinen, uns würde es besser gehen, wenn wir nicht mehr ständig die grauenvollen Erlebnisse vor Augen hätten. Aber eigentlich geht es ihnen darum, dass SIE nicht mehr mit unseren Erzählungen von unseren grauenvollen Erlebnissen belästigt werden wollen. Die Aufforderung, das „alte Zeugs“ zu vergessen, soll SIE vor unseren (ausgesprochenen oder unausgesprochenen) Anklagen, warum sie uns im Stich gelassen haben oder lassen, schützen.

    Ja, es wäre für uns tatsächlich eine Erleichterung, endlich nicht mehr tagtäglich die grauenvollen Erlebnisse vor Augen haben zu müssen. Aber dazu müssten diejenigen, die schuldig und mitschuldig geworden sind, endlich die Verantwortung für das geschehene UNRECHT übernehmen. Sie müssten für Gerechtigkeit sorgen, für die Wiederherstellung der gerechten Ordnung.

    „Gewalttaten lassen sich nicht einfach begraben. Dem Wunsch, etwas Schreckliches zu verleugnen, steht die Gewissheit entgegen, dass Verleugnung unmöglich ist. (…) Mord muss ans Tageslicht. Die Erinnerung an furchtbare Ereignisse und das Aussprechen der grässlichen Wahrheit sind Vorbedingungen für die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung, für die Genesung der Opfer.“ Judith L. Herman

    Solange sich der Großteil der Gesellschaft – inklusive PsychotherapeutInnen – weigert, dieses Morden zu sehen und anzuerkennen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen (statt die Opfer zum Vergessen aufzufordern!) und damit die gerechte Ordnung wiederherzustellen, werden wir Betroffene uns als „Neutrum“ oder „Aussätzige“, als „Verlorene“ und „falsch“ in der Welt fühlen.

    Dass sie uns damit erneut beschämen, ist ein anderes Thema. Doch wir Betroffene müssen uns immer wieder aus dieser Denkweise der Täter (und Mittäter) befreien! Nicht WIR stehen auf der falschen Seite, sondern SIE!! WIR wissen um die Wahrheit (nämlich dass hier Unrecht aufrecht erhalten wird), die sie verleugnen. Weil sie in der Mehrzahl sind, fällt es ihnen oft so leicht, uns zu „Aussätzigen“ zu erklären. Doch das müssen wir immer wieder als Taktik zur Abwehr der Wahrheit entlarven – und uns wenigstens vor uns selbst immer wieder rehabilitieren.

    Darin liegt derzeit offenbar unsere einzige Chance auf Hilfe: Uns selbst immer wieder rehabilitieren, den Zuschreibungen der Täter/Mittäter immer wieder entsagen, ihre Abwehrreaktionen als eben solche entlarven, die Wahrheit laut aussprechen und uns mit anderen Betroffenen zusammen tun. Auf Hilfe von außen sollten wir angesichts der Erfahrungen des Jahres 2010 nicht allzu große Hoffnungen setzen.

  179. Sascha schreibt am :

    Vielen Dank,liebe Petra und allen frohe Tage . Sascha

  180. hildegard schreibt am :

    @Petra:
    Einverstanden! vor allem mit dem Zit.: Die Erinnerung an furchtbare Ereignisse und das Aussprechen der grässlichen Wahrheit sind Vorbedingungen für die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung, für die Genesung der Opfer.” Judith L. Herman
    Mir schleicht sich allmählich ein schwerer Verdacht in den Vordergrund:
    SIE – diejenigen, die uns das große Vergessen lehren wollen scheinen mir immer wieder in ihrem Verhalten selbst BETROFFEN gewesen zu sein und schwätzen munter denen nach, die GAR NICHTS verstehen können, weil ihnen die Vorstellung des UNGEHEUERLICHEN fehlt …

    Hüten wir miteinander unsere „Seelenfünklein“, die uns ja letztendlich niemand stehlen kann – denn wäre uns dieser Glaube an die Ursymbolik eines solchen Lichts verloren gegangen, dann hätten wir das Jahr 2010 nicht ERLEBT; wir würden es vielleicht auch nicht überleben …

  181. rusty dambowsky schreibt am :

    vielen dank petra für die worte

  182. Matthias Suthe schreibt am :

    Frohes Neues Jahr Gaby!
    … und allen hier im Forum!
    Ich hoffe immer noch von den Traegern und Verantwortlichen eine moralisch, menschliche, christliche und oeffentliche Erklaerung!

  183. Sarah M. schreibt am :

    Vergessen – Wollen verlängert das Exil!
    Die Kraft der Erlösung heißt: ERINNERUNG

    leider nicht von mir, aber der Autor ist mir auch nicht bekannt. Ich habe dies mal vor ca. 17 Jahren gelesen und fand diesen Satz sehr treffend gerade für Traumatisierte!

  184. hildegard schreibt am :

    „Vergessen – Wollen verlängert das Exil! Die Kraft der Erlösung heißt: ERINNERUNG“ –
    So lange sich diese Erkenntnis nicht verhärtet, verfestigt und nicht wild um sich schlägt, mag das stimmen – sonst aber gerät sie zur ERSTARRUNG!

  185. Matthias Suthe schreibt am :

    Hi Gabi und alle hier,

    ich denke es ist an der Zeit eine eigene Facebook Seite zu erstellen. Diskussionen und Austausch/Verarbeitung ist dort einfacher und mehr oeffentlich!!!
    Was denkt Ihr?
    Freue mich auf Antworten!

  186. Sarah M. schreibt am :

    @Hildegard,
    dieser Satz ist aus einem Kontext gerissen. Es handelt sich hierbei um die Verantwortung eines Traumatherapeuten, der Traumatisierte begleitet und sie wohlwollend und würdevoll in die abgespaltenen Traumen führt mittels verschiedener Techniken.
    Ziel sollte immer sein, diese traumatisierten Lebensabschnitte eines Tages in die eigene Biographie einbetten zu können und sie – so zumindest mein Ziel sie für mich ganz persönlich um meinet willen zu befrieden. Bitte nicht mit der Verzeiungsmasche gegenüber der Täter verwechseln. Dies sind völlig zwei verschiedene paar Schuhe. Hier geht es nur und ausschließlich um den eingenen inneren Frieden des jeweils Betroffenen.

  187. Keinname schreibt am :

    1976. St. Johann. Roswitha und Schwester Michael. Warum heißt eine Frau wie ein Mann?

  188. kai schreibt am :

    Mein aufrichtiges Beileid,Frau Pypker.
    Auch ich war (von Köln aus) in Niendorf zur „Kur“,für 6 Wochen im Januar 1968.(Warum Januar?Warum 6Wochen?)
    Leider gibt es keine Unterlagen mehr,und ich weiss nicht einmal,welches Heim es war.
    Meine Eltern sind sehr gewissenhaft und gründlich
    mit ihren Unterlagen,warum es von dieser Zeit keine Papiere mehr gibt
    ist mir unverständlich.
    Die Zeit in Niendorf hat mein Leben negativ beeinflusst.Mein Selbstwertgefühl,mein Selbsbewusstsein,ist dort
    verloren gegangen.Aus einem lebensfrohen Kind wurde ein
    verunsicherter Mensch,der noch heute unter Selbstmordgedanken leidet,
    und nie seine Talente und Begabungen voll ausschöpfen konnte.
    Alkoholismus und Drogen im Teenager und Erwachsenenalter kommen
    da noch hinzu.
    Meine Eltern habe ich regelrecht dafür gehasst,im Unterbewustsein,
    das sie mich aus dieser hilflosen Lage dort
    nicht befreit haben.So bin ich mit 17 Jahren von zu Hause weg gelaufen,hab
    meine Lehrstelle abgebrochen und war lieber allein und arm als mich noch einmal
    in eine Situation zu begeben,in der ich ausgenutzt werde,die ich nicht
    kontrollieren kann.Das ich nicht im Gefängnis gelandet bin ist
    ein Wunder,und kann das nur der liebevollen Erziehung meiner Eltern verdanken,die ja von all diesem keine Ahnung hatten.
    Heute sind sie zu „alt“,und wollen sich damit nicht auseinander setzten.
    Sie hören mir zu,doch weiss ich,das sie denken,das ich ihnen nach 40 Jahren Ärger,also Auseinandersetzungen,
    jetzt auch noch den Lebensabend ruinieren will.
    Mein ganzes Leben habe ich mich gefragt warum ich denn so anders bin
    als die anderen Kinder,so eine tiefe innere Traurigkeit in mir trage,nicht
    aus mir herausgehen kann,bis ich dann in der Lebensmitte dann so langsam
    dahinterkam,das ich wohl als Kind missbraucht wurde.Meine Eltern wollen dafür natürlich
    „Beweise“,die ich ihnen aber nicht geben kann.Um die Schmerzen dort auszuhalten,hat
    das Gehirn abgeschaltet.
    Heute bin ich 3 1/2 Jahre alkohol und drogenfrei,aber immer noch kein „fröhlicher“ Mensch,sondern misstrauisch
    und immer auf der „Hut“.
    Ich arbeite hart an mir,aber eine normale Beziehung zu einer Frau kann ich nicht aufrecht erhalten,so
    bin ich einsam,in mir und in dieser Gesellschaft.
    Damit muss ich leben.
    Es gibt zwei Fotos aus dieser Zeit,eins habe ich auf einer Foto-Webseite aufgeladen,
    ich bin mir aber nicht sicher ob ich das hier verlinken darf.
    Auf diesem Foto ist eine „Schwester“,so das ich dadurch herausfinden kann,
    welches Heim es war.
    Danke

  189. Gaby Pypker schreibt am :

    Lieber Kai,
    mit großem Mitgefühl habe ich deine Geschichte gelesen. So, wie du dein Leben beschreibst, ist es Daniel auch gegangen. Genau so!!!
    Ich würde sehr gerne mit dir sprechen. Meine Tel.-Nr. kannst du über das netzwerkb bekommen; ebenso meine Mail-Adresse.
    Ich würde mich sehr freuen. Ich bin für jeden Hinweis dankbar.
    LG Gaby

  190. Gaby Pypker schreibt am :

    Hallo Keinname,
    sorry, dass ich so spät schreibe. Ich war länger hier nicht aktiv. Warst du 1976 im St. Johann? Im gleichen Jahr, wie mein Lebensgefährte? Etwa auch um Ostern herum?
    Bitte melde dich noch einmal. Vielleicht kannst du mir helfen.Wer war „Schwester Michael“?
    LG Gaby

  191. lubehoer schreibt am :

    Bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen, als ich, wie andere im Forum auch, das Kinderheim suchte, in dem ich mich im zweiten Halbjahr 1970 für sechs Wochen aufhalten musste, ich besuchte zu der Zeit die dritte Klasse. Habe keine Ahnung, in welchem der beiden Häuser ich war; ich habe jedenfalls weder besonders negative noch positive Erfahrungen gemacht. Ich möchte aber doch meine Erinnerungen an die Zeit kundtun in der Absicht, dass sich vielleicht der ein oder andere an die ein oder andere Episode oder Gegebenheit erinnern kann.

    Ursprünglich sollte ich vier Wochen in Kur bleiben, es mussten aber noch zwei Wochen drangehängt werden, da ich zwischenzeitlich krank wurde. Ich kann mich daran erinnern, dass wir Jungs in einem Schlafsaal schliefen; als die vier Wochen rum waren und alle anderen nach Hause durften, musste ich noch dort bleiben. Keine Ahnung, ob ich dann in einem kleineren Zimmer untergebracht wurde, im Schlafsaal bleiben musste oder eine neue Ladung Kinder dort eingezogen ist.

    Einer der Jungen hat immer mit mir Karten gespielt, ich glaube, er war älter als ich. Ich hatte ein Modellauto von zu Hause geschenkt bekommen, um das wir spielten: Ich habe natürlich verloren und war das Auto los. Vielleicht erinnert sich der Junge von damals noch. Ich glaube, er hatte das Bett neben meinem; wenn man den Schlafsaal betrat, standen unsere Betten an der Wand links, ziemlich mitten im Raum.

    Im Heim gab es einen Raum, in dem man spielen konnte, Brettspiele, Karten, sowas in der Art. Irgendwo dort oder im Speiseraum stand damals ein Modellschiff, die HMS Hood, ungefähr einen halben Meter lang und weiß angemalt. Da mich schon als Kind Schiffe sehr interessierten und ich immer vor dem Modell stand, wenn es die Zeit zuließ, hat man mir das Schiff als Trostpflaster geschenkt, als ich dort im Heim erkrankte und zwei Wochen länger bleiben musste. Es befand sich später noch viele Jahre in meinem Besitz.

    Hinter dem Hauptgebäude, auf dem Weg zum Strand runter, haben wir oft Völkerball gespielt. Der Ballspielplatz lag halbwegs unter Bäumen, meine ich mich erinnern zu können. Meistens blieb ich als Letzter übrig.

    An die Spaziergänge am Strand kann ich mich auch noch erinnern, stimmt, wir suchten dort immer nach Donnerkeilen. Ein Spaziergang ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben: Wir sind auf dem Steilküstenpfad nach Travemünde gelaufen; Aufsicht hatte eine junge Schwester (oder „Tante“) im Minirock oder -kleid, bewaffnet mit einem der zu der Zeit üblichen Transistorradios. Wie gesagt, das war Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger. An zwei Lieder, die während des Spaziergangs aus dem Transistorradio kamen, kann ich mich noch gut erinnern: „Obladi Oblada“ von den Beatles und „I.O.I.O.“ von den Bee Gees.

    Es ist gut möglich, dass eine der Schwestern Roswitha hieß; ich habe irgendwie dunkel eine Erinnerung an eine Person dieses Namens in meiner Kindheit. Kann aber auch jemand aus der Nachbarschaft oder aus dem weiteren Bekanntenkreis gewesen sein.

    Nach einigen der vorstehenden Berichte wird mir immerhin klar, warum ich auf den Tod kein Fleisch mit Schwabbelfett mag, sondern immer gleich ein Brechreiz bei mir ausgelöst wird …

    Wie gesagt, es ist nichts Weltbewegendes passiert damals, aber vielleicht kann sich jemand noch an das ein oder andere erinnern. Das Schlimmste damals war das Heimweh, glaube ich.

  192. Jochen Canz schreibt am :

    Kleine Kinder in ihrer Hilflosigkeit sind immer Ziel von Übergriffen – früher wie heute…im Kleinen und im ganz massiven Umfang.

    Zur körperlichen Gewalt – zerbrechend – kommt selische Grausamkeit – die vernichtet.

    Vieles hält man in bestehenden Gesellschaften sogar für normal…man denke an die Prügelstrafe, dessen Ende ich in der Schule erleben durfte. Oder an Jugendorganisationen, wie die „FDJ“ oder der „HJ“. Dort wurde „diszipliniert“ was das Zeug hielt.

    Während des Krieges hatten sich die Menschen – und nicht nur in Deutschland – an die „Kinderlandverschickung“ gewöhnt…es war ein allseits akzeptiertes Unternehmen seine Kinder in „Erholungsheime“ zu verschicken und sie damit – treu glaubend – fremden Mächten auszuliefern.

    Allein der Vertrauensbruch in den Augen des Kindes, von den Eltern „weggegeben“ worden zu sein…also das Erleben des Kindes, von ihnen allein gelassen zu werden, war schon für sich traumatisch. Dann folgten meist lange Eisenbahnfahrten, deren Strecken man in dem Alter nicht rekonstruieren konnte…man also von sich aus nicht wieder zum schützenden Zuhause zurück finden konnte…man war den Vorgängen nicht nur scheinbar ausgeliefert!

    Fremde Personen, deren individuellen Eigenheiten den kleinen Seelchen unbekannt waren, forderten nun Dinge und Verhalten, die man bisher gar nicht kannte…und meist mit Unverständnis und Widerstand beantwortete.
    Dies zog den damaligen „pädagogischen Gepflogenheiten“ entsprechend Strafe nach sich. Die konnte durchaus in körperlicher Tortur und seelischer Vernichtung ausarten.

    Ich weiss noch, dass in meiner Klasse (1962) ein Junge dermassen geschlagen wurde, dass er durchs Klassenzimmer fliegend mit dem Kopf so an die Heizung knallte, dass er aus einer tiefen und breiten Platzwunde so stark blutete, dass er das ganze Gesicht mit Blut übersudelt hatte. Er wurde mit dem zynischen Hinweis nach Hause geschickt, dass er sich endlich mal waschen sollte, denn so dürfe er nicht in der Schule sitzen.

    Anderntags sah er noch viel schlimmer aus…denn er hatte abends von seinen Eltern nochmals Prügel bezogen, weil er sich in der Schule nicht benommen hatte.

    Das nur mal zur Veranschaulichung, welche „pädagogischen Mittel“ bis in die 60er als normal angesehen wurden.

    Als meine Frau 1964 nach Niendorf „verschickt“ wurde, erlebte sie viel was sie prägte…aber ich bin dankbar dafür, dass ihr die ganz furchtbaren Möglichkeiten erspart blieben. Sie war von der Bundespost zur Erholung nach Niendorf gesandt worden.

    Allein die Tatsache, dass sie vorhin vor dem PC spontan meinte, ich solle mal nach „Niendorf“ googlen und nach Bildern schauen, beweist mir, dass sie sogar nach über 47 Jahren immer noch traumatisiert ist.

    Der Pudding schmeckte ihr damals…aber Labskaus und Fisch…das hasst sie auch heute noch. Der Zwang in Allem – besonders beim Essen und Schlafen – ist ihr noch immer gegenwärtig und sie „kaut“ auch immer mal wieder auf diesem Thema herum…und das, obwohl sie – wie gesagt – sehr gut bei den geschilderten Umständen in anderen Kinderheimen weggekommen ist!

    Nun muss man die Kinderheime jener Zeit unter dem Aspekt der gesellschaftlichen Akzeptanz – auch der „pädagogischen Härte“ – sehen…dies entschuldigt gar nichts…aber es macht die Situationen sehr viel transparenter.

    Es waren keine „Nazis“ oder „Sadisten wie Mengele“ – eben nicht…es waren für die damaligen Umstände und Begriffe ganz normale und allgemein akzeptierte Vorgänge durch angesehene Menschen.

    Allerdings hätte es damals nicht herauskommen dürfen, dass Kinder sexuell gequält wurden. Das hätte das Zuchthaus für die Täter bedeutet (eine verschäfte Form des Gefängnisses zu jener Zeit). Die Täter wären so stigmatisiert worden, dass ihr Leben faktisch vorbei gewesen wäre. Wenn sie nicht „igendwie“, zum Beispiel bei einer Operation, (Kindermörder Bartsch) auf dem Tisch geblieben wären.

    Wie wir jedoch wissen, gestaltet die Gesellschaft, der die Macht dazu hat. Das ist heute nicht anders als damals.
    Ich erinnere hier an den Krieg, den wir angeblich nie wieder führen wollten – und den wir widerspruchslos seit Jahren in weit entfernte Gebiete der Welt tragen – auch mit Gewalt an Kindern!

    Ich möchte vielleicht noch einige Aspekte anführen…auch wenn meine Gedanken nicht ganz im Trend der Kommentare hier zu liegen scheinen:

    Erstens sollte man sich stets vor Augen halten, dass Einzelne – egal ob Polizisten, Kinderheim-Personal oder Ordensträger irgeneiner Religion – niemals die Gesamtheit dieser Gruppe ausmacht. Heisst: bitte mal die Kampagne gegen die Kirchen – nicht gegen einzelne Verfehlungen einiger kaputter Menschen in diesen Kirchen – differenzierter betrachten.

    Zweitens sollte man gerecht sein…gerade wegen der Ungerechtigkeiten in der Welt…auch damals gab es Menschen mit wirklicher Liebe zu den anvertrauten Kindern – gerade und trotz der furchtbaren Vorkommnisse. Deshalb bitte nicht verallgemeinern…!

    Und dann sollte man sich bei all dem erlittenen Leid auch die Frage stellen, ob man sich selbst all die Grausamkeiten nochmals antun sollte, in dem man alles unternimmt, um sich zu erinnern. Ist es dienlich wirklich alles bis auf den letzten furchtbaren Moment
    hervorzuholen?

    Ich habe mal den Satz gelesen: “ Das Grausamste ist das Vergessen!“

    Das halte ich für falsch…ich halte das Vergessen-können für die grösste aller Gnaden! Denn nur so kann man es schaffen, nach erlittenen Qualen eine Zukunft anzugehen.

    Manche schaffen dies nicht…und diesen Menschen gilt mein ganzes und umfassendes Mitgefühl. Wenn Verletzungen zum Tode führen, war es immer Mord!

    Aber es gibt auch Menschen, die sich durch ihr zwanghaftes Erinnern wollen ihre Zukunft zerstören…und die kann ich nur bedauern.

    Schau nach vorne – wenn es geht – und lauf los!

    Denn man rennt ja auch nicht nach hinten blickend in der Stadt herum…nur um den Weg zu sehen, den man bis dahin gegangen ist.

    Vieles sollte man – natürlich nur wenn es geht – ruhen lassen! Ja ich weiss…viele wollen auch nicht vergessen…und haben auch Gründe dafür…und viele sterben an der Erinnerung. Vielleicht hat der Pfarrer dies gemeint mit der Flaschenpost…und ich verstehe ihn. Auf ihn – wie hier geschehen – eine Hexenjagd mit Unterstellungen zu führen, halte ich genau so für ein Verbrechen, wie das, was viele hier erlebt haben.

    Denn Mord bleibt Mord…und es heisst nicht umsonst „Rufmord“! Also immer schön aufpassen…denn Hass ist immer dumm!

    Das Loslassen schenkt Zukunft. Das Festhalten bringt um!

    Ihnen allen Ihren Erfolg – so wie Sie ihn sich wünschen…und ganz herzliche Anteilnahme an Jenen, die ihre Vergangenheit niemals wieder loslassen können oder möchten!

  193. Eva schreibt am :

    @ Jochen Canz ,

    viele gut gemeinte Vorschläge enthalten ihre Zeilen.

    Aber ich denke , man sollte differenzieren.

    Wenn mißhandelte oder mißbrauchte Menschen es schaffen es zu verdrängen und ein einigermaßen lebenwertes Leben aufzubauen, ist das
    ein riesiger Fortschritt.

    Aber was ist mit den Menschen, die nur noch von Arzt zu Arzt zu Krankenhaus laufen und nicht mehr „lebenswert leben können ? “

    Wenn Psychiater nur noch Unmengen an Tabletten verschreiben und aus Menschen dann eine Art ruhige Zombies = Robotermenschen ( = keine Mimik, Übergewicht, Robotergang, Selbstverletzungen etc. ) werden .

    Ich empfehle einmal Menschen in Krankenhäusern anzuschauen, die vollgepumpt werden mit Psychopharmaka wie zB. verschiedene Neuroleptika etc., da Ärzte nichts anderes wissen zu helfen, wenn die Seele kaputtgemacht wurde.

  194. hildegard schreibt am :

    @ Jochen Canz Ihre Mahnungen halte ich für sehr berechtigt – danke!
    „Das Loslassen schenkt Zukunft. Das Festhalten bringt um!“

    Es war damals fürchterlich, für viele Kinder. Viel wurde für viele Kinder inzwischen verbessert. Viel bleibt zu tun …
    Große weiße Flecken auf meiner Erinnerungslandkarte – die lass ich so wie sie sind …
    Wichtig für uns ist sachliche Aufarbeitung unter fachlicher Begleitung.
    Um’s Sachliche kümmern wir uns selbst, für’s Fachliche braucht es das UMDENKEN in der Gesellschaft:
    UMKEHR von Macht-Missbrauch in Menschlichkeit …

  195. Doro schreibt am :

    „Mord muss ans Tageslicht. Die Erinnerung an furchtbare Ereignisse und das Aussprechen der grässlichen wahrheit sind Vorbedingungen für die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Ordnung, für die Genesung der Opfer.“
    Judith L. Herman („Die Narben der Gewalt“, 2003)

    „Ein wichtiger Bestandteil deiner Heilung von sexuellem Kindesmissbrauch ist, dass du die Wahrheit über dein Leben erzählst. Die sexuelle Belästigung von Kindern und die Scham, die sie verursacht, gedeihen in einer Athmosphäre des Verschweigens. Dieses Schweigen zu brechen ist sehr heilsam.“
    Ellen Bass/Laura Davis („Trotz allem“, 1990)

    „Die Erfahrung lehrt uns, dass wir im Kampf mit den seelischen Erkrankungen auf Dauer ein sehr wichtiges Mittel zur Verfügung haben: die Wahrheit unserer einmaligen und einzigartigen Kindheitsgeschichte emotional zu finden. Die Wahrheit ist so unentbehrlich, dass wir ihren Verlust mit schweren Erkrankungen bezahlen.“
    Alice Miller („Das Drama des begabten Kindes“, 1997)

    „Ein Mensch, dem ein Ereignis, das ihn überfordert und das er zunächst nicht verarbeiten kann, widerfährt, vermag sich, indem er sich mitteilt und immer wieder darüber spricht, allmählich zu entlasten, das Problem langsam anzunehmen und zu integrieren. Die Fähigkeit, sich mit seinem Leid mitzuteilen, entscheidet nicht unerheblich über seelische Krankheit beziehungsweise Gesundheit.“
    Heinz-Peter Röhr („Ich traue meiner Wahrnehmung“, 2006)

    „Wer sich der Thematik zu öffnen vermag, macht sich zugänglich für die verlorene, verschwiegene, verdrängte oder verleugnete Realität der Opfer sexueller Ausbeutung; der wird zum Ort, wo Wirklichkeit zurückerobert werden kann. Wer weiß, dass nur darin die Chance besteht, dass Opfer nicht zwanghaft zu Tätern werden müssen, erkennt die gesellschaftliche Dimension seines Wissens.“
    Cornelia Kazis („Dem Schweigen ein Ende“, 1988)

    „Doch statt die Erinnerungen zu verdammen, sollten wir sie dankbar und liebevoll annehmen. Denn sie geben uns die Möglichkeit, alten Schmerz aufzuspüren, in Worte zu fassen und mit Licht und Klarheit zu erfüllen.“
    Christine Striebel („Nicht allein“, 2010)

    „Fast immer wird durch den Täter ein Redeverbot verhängt, das bis ins Erwachsenenalter hinein wirksam sein kann. Durch dieses Redeverbot werden die Täter geschützt und wird der Verarbeitungsprozess betroffener Frauen erschwert.“
    Ellen Spangenberg („Dem Leben wieder trauen“, 2008)

  196. justina schreibt am :

    Liebe Doro,
    ich danke Ihnen von Herzen für diese vielen Zitate, da steckt meinem Gefühl nach so viel Wahrheit drin, es tut mir gut das zu lesen, und zu spüren dadurch verstanden zu werden. Es nimmt mir den Ärger an großen Teilen der obigen Zuschrift.
    Vielen Dank.

  197. Matthias Suthe schreibt am :

    … Vielen Dank fuer die netten Worte die hier in den letzten Monaten geschrieben worden sind. DANKE!!! … aber … als Betroffener fehlt mir vor allem AUFKLAERUNG von denen die Verantwortlich fuer die Misshandlungen sind. Verantwortlich sind auch diejenigen die zur Zeit von den Misshadlungen und Missbrauch informiert sind, Auflkaerung versprochen haben und bis heute untaetig sind. Es wuerde mich sehr freuen von den Betreiber des Heimes zu hoeren. Es wurde mir versprochen! Leider ist dem nicht so! Es wird wieder nur darauf verwiesen das es damals ja so war … ja … NEIN! Das war auch damals nicht rechtlich! Von den Betreibern wird leider keine Aufklaerung betrieben und es wird auch nicht zu erwarten sein. Es waere nett wenigstens die Fotos zurueck zu bekommen – die wir dem Orden geschickt haben, zwecks Identifizierung – trotz Versprechung ist dies leider nicht geschehen. … und … Ich kann meine Torturen nicht vergessen!!! … leider oder (Gott) sei dank!!!
    AUFKLAERUNG!!! oder zumindest ein Versuch der Aufklaerung wuerde mir helfen.
    Gruss MCS

  198. Gaby Pypker schreibt am :

    Liebe Doro,
    auch von mir, wenn auch spät, ganz herzlichen Dank für die Zitate. Auch ich bin mit vielem aus der Zuschrift des Herrn Canz nicht einverstanden, aber ich habe mich nicht geärgert, aus folgendem Grund: Niemand, der nicht betroffen ist , und das ist Herr C. ganz offensichtlich nicht, kann das Leid ermessen und die Qual, mit dem/der die Betroffene leben müssen
    (auch VOR Rückkehr der Erinnerung), und da ist Verdrängung, soweit dann überhaupt noch möglich und Nicht-darüber-reden das Schlimmste, was ihnen passieren kann. Mein Gedanke war: Herr C. mag wissen, was er sagt aber nicht, worüber er spricht.
    Dir, lieber Matthias, auf diesem Wege ganz liebe Grüße und melde dich doch mal wieder bei mir.
    Gaby P.

  199. Flexer schreibt am :

    Hallo und Guten Abend ,

    an alle in diesem Forum (auch an die kath. Kirche die dieses Forum beobachtet/0bserviert) .

    @ Sr. Clarissa , VIELEN DANK für die Zusendung unseres Fotos .

    Seit Wochen beschäftige ich mich wieder mit Niendorf .
    Vergessen kann ich bis heute leider nicht die Torturen, die wir dort erleben mussten .

    Liebe kath. Priester, Diakone, Pfaffen … etc. (wie auch immer Sie sich benennen ) .

    Es macht hier keinen Sinn beschwichtigen zu wollen, mit Aussagen wie : “ Ich war damals auch da und es hat mir gut gefallen “
    “ so schlimm war das aber gar nicht “
    “ früher war das eben so “
    “ das ist aber schon lange her “

    TATSACHE und FAKT ist :
    Es wurde sexuell missbraucht , geschlagen und geprügelt , gedemütigt und das über einen langen Zeitraum an kleinen Kindern !

    Hilfreich sind KEINE Gebete, auch keine Rosenkranzgebete , es hilft auch nicht wenn sich Herr Bischof Bode sich im Osnabrücker Dom vor dem Altar auf den Boden legt die Arme ausbreitet und für Missbrauchsopfer sühnt , eben so wenig helfen Flaschenpost und Kerzen anzünden !!!!!!

    Hilfreich ist hier eine ÖFFENTLICHE AUFKLÄRUNG und STELLUNGNAHME seitens der kath. Kirche .

    In diesem Sinne ,
    wünsche ich allen Beteiligten des Forums frohe Weihnachten .
    Für Befürworter der kath. Kirche eine besonders Besinnliche .

    S.Suthe

  200. Matthias Suthe schreibt am :

    … war sehr aktiv … viele Jahre Messdiener, aktiv in der DPSG, habe Christliche Jugendarbeit organisiert, auch international, und war Mitglied im Pfarrgemeinderad. … Ich empfinde es sehr erbaermlich das ich als aktiver Christ, der ich bis vor kurzem noch war, nicht von meiner Glaubensgemeischaft unterstuezt und geholfen werde, sondern verstossen und diffarmiert werde … weil ich als Kind in Niendorf war, … heute heisst es ja „Bondage“ … Liebe Leute, Sw Chlarissa, I am not amused!!! … unter A U F K L A E R U N G verstehe ich nicht ein volles Jahr plus 7 Monate S C W E I G E N !!! Mehr oeffentliche Aufklaerung wuerde mir und anderen Betroffenen S E H R helfen!!! … Antworten fehlen … Warum schweigen diejenigen die auch heute noch dafuer verantwortlich sind? Es wird ja nun sehr oft ueber Missbrauch diskutiert … ich empfinde Misshandelung genauso schlimm … insbesondere wenn man nachts ins Bett gefesselt wird …
    … Ich bitte um Antworten, U N D Oeffentlichkeit!!! Das Schweigen und verschweigen muss ein Ende haben.
    Liebe Sw Clarissa … wir brauchen HILFE!!!

  201. Matthias Suthe schreibt am :

    … ach ja … fast vergessen … WIR die „Betroffenen“ muessen uns oeffentlich entbloessen und diejenigen die VERANTWORTLICH sind S C W E I G E N und V E R S T E C K E N sich … das geht so nicht!

  202. Christian Nickels schreibt am :

    Ich bin 1979 ebenfalls in diesem Kinderheim gewesen und habe vor wenigen Tagen in „Wer kennt wen“ eine Gruppe zu diesem Thema eröffnet und würde mich freuen, Kontakt zu weiteren Opfer oder Mitarbeitern des Heimes herstellen zu können. Ich selber wurde verschont und kann das Ganze gar nicht fassen. Ich war den Nonnen vielleicht damals mit gerade 11 Jahren schon zu alt. Wir mussten auch nie mit ihnen zusammen Essen und haben unseren eigenen Aufenthaltsraum gehabt. Direkten Kontakt mit den Nonnen haben wir selten gehabt.
    Trotzdem kam mir da auch einiges merkwürdig vor.
    Ich habe auf meiner Gruppenseite auch ein altes Foto veröffentlicht und auf der Rückseite befinden sich die Namen der Kinder, die zu meiner Gruppe gehörten. Da hatten wir alle unterschrieben und auch die Gruppenleiterinnen.
    Einen Auszug aus meiner Biografie über die Erlebnisse aus dieser Zeit habe ich auch zum Lesen reingestellt.
    Überschrift der Gruppe in „Wer kennt wen“ ist:
    Kinderheim Niendorf Ostsee.

  203. Gaby P. schreibt am :

    Danke, Pascal!
    Es vergeht nicht ein einziger Tag, an dem ich nicht an ihn und sein Schicksal denke! Es konnte nichts wirklich aufgeklärt werden. Vieles liegt nach wie vor im dunkeln, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf!

  204. Allein schreibt am :

    So wirklich helfen ,mit Namen z.B. ,kann ich leider nicht.Jedoch schreckliche Erfahrungen habe ich im Kinderheim „Westfalenhaus“ in Niendorf an der Ostsee auch gemacht.Ich war 1972 dort und 7 Jahre alt.Da ich im Winter davor eine beidseitige Lungenentzündung hatte , sollte ich in meinen 6 wöchigen Sommerferien nach Niendorf zur „Erholung“.Überwiesen wurde ich vom Kinderarzt in Bremen,also finanziert von der Krankenkasse.
    Geleitet wurde das Haus von Nonnen mit Schwalbenhauben und es war in jeglicher Hinsicht in einem desolatem Zustand.Menschlichkeit gab es nicht,vieles ,was Gaby S. schon geschildert hat ,traf auch dort zu.Mißhandlungen an Leib und Seele,ständige Bestrafungen mit Prügel und Ohrfeigen haben mein Vertrauen in die Erwachsenen vernichtet.Damals hatten die meisten Kinder nach 2 Wochen Läuse,die nicht behandelt wurden und so kam auch ich total verlaust und zerkratzt nach Bremen zurück.
    Vieles von damals steckt noch ganz hinten in einer Schublade meiner Erinnerungen,ich habe sie erst nur aufgeschlossen und weiß nicht,ob ich sie überhaupt ganz öffnen will.
    Maria

  205. windolf schreibt am :

    mein bruder und ich waren dort 1966 können uns an strand ,bad im keller .höhensonne erinnern………… und das wars… ankunft am bahnhof wo ist der rest der 6 wochen die müssen mit uns irgendwas gemacht haben

  206. Holger S. schreibt am :

    Durch einen guten Freund bin ich heute auf diese Seite gebracht worden und habe mich gerade durch die vielen Beiträge gearbeitet.

    Ich selbst war zweimal auf Erholung, das erste Mal um 1968/69 im Winter in den Bergen und dann 1973 auf Fehmarn.

    Aus dem ersten Aufenthalt, ich war Scheidungskind, habe ich ein „Gemüsetrauma“ mitgenommen. Es war dort (wo immer das auch war, daran habe weder ich noch meine Eltern Erinnerungen) üblich, dass alles aufgegessen werden musste und ich erinnere mich, dass außer mir auch weitere 4 oder 5 Kinder noch Stunden vor der kalten Gemüsesuppe saßen, ehe wir sie dann aufgegessen hatten.
    Es sind nur bruchstückhafte Erinnerungen an Dinge wie das abendliche zum Schlafen fertigmachen, an Spaziergänge in hohem Schnee, aber an Gewalt oder Missbrauch habe ich keinerlei Erinnerung.

    Auch nicht aus dem Aufenthalt auf Fehmarn, an den ich mich sehr gerne zurückerinnere.
    Nun, der war dann auch zu einer Zeit als ich „zuhause“ Gewalt erlebte, aber auch das ist heute ziemlich aufgearbeitet und vergeben, jedoch nicht vergessen.

    Gewalt ist auch eine Art von Missbrauch und das hinterlässt Spuren und so war ich auch viele Jahre weder beziehungsfähig noch konnte ich Nähe ertragen, obwohl ich sie doch auch so sehr gebraucht hätte.

    Wenn ich diese Lebensgeschichten hier so lese, dann erfahre ich mich selbst in einer „glücklicheren“ Lage als die meisten von Missbrauch betroffenen.
    Allerdings, und das macht mich manchmal stutzig, bin ich in den vergangenen Jahren oft auf Menschen getroffen, die Missbrauch erlebt haben und die mir davon berichten.
    Das darüber schreiben kann sehr hilfreich sein, ob nur für sich oder auch für die Öffentlichkeit und das habe ich zumindest einem dieser jungen Menschen auch schon geraten.

    Ich wünsche allen Betroffenen (auch die Angehörigen sind betroffen!) ganz viel Kraft zur Aufarbeitung und Heilung.

  207. Esther schreibt am :

    Ich bin jetzt auch eher zufällig auf die Seite gestoßen.
    Stellte fest,daß sie schon seid 2010 besteht.
    Ja, welches Opfer von sexueller Gewalt in der Kindheit hat nicht einmal daran gedacht sein Leben zu beenden, weil es nicht mehr „erträglich“ war, oder es versucht?
    Manche haben es geschafft, manche nicht…
    Wie Holger S. am 5.10. schrieb:“…so war ich viele Jahre nicht beziehungsfähig, noch konnte ich Nähe ertragen, obwohl ich sie so sehr gebraucht hätte…“
    — Es tut so weh! Es tut so weh!
    Ich konnte nie Nähe zulassen, obwohl ich sie so gebraucht hätte!!!
    Ich möchte mit diesem Kommentar nur ausdrücken, daß ich dankbar bin, daß es Menschen gibt, die mich verstehen. Menschen, die sich hier in diesem Forum äußern. Danke.

  208. Christian schreibt am :

    Guten Abend,
    ich bin gerade beim googeln auf dieses Forum gestoßen.
    Ich wurde 1967 für 6 Wochen „verschickt“. Damals lernte ich das schöne Niendorf kennen und „lieben“.
    Allerdings war ich im sog. Hamburger Kinderheim in der Strandstraße.
    Es muss also mindestens 3 dieser „Anstalten“ in Niendorf gegeben haben.
    Ob dies auch unter kirchlicher Leitung stand, ist mir nicht bekannt. Soweit ich mich erinnern kann, gab es dort nur weibliches Personal.
    Der Tagesablauf war dort genauso, wie hier schon beschrieben.
    Schikane, Zensur, Zwang zum Essen, drastische Strafen und der ständige Durst, da man nur zu den Mahlzeiten etwas Tee oder Kaffeeersatz bekam, gehörten auch dort zum täglichen Leben. Gleich nach der Ankunft filzten die Erzieherinnen das Gepäck. Esswaren und Geld wurden einfach weggenommen. Besuche oder Telefonate nach Haus waren verboten. Pakete von Zuhaus natürlich auch. Einmal in der Woche durfte ein Brief geschrieben werden. Natürlich durfte der nicht einfach so abgeschickt werden. Stand dort irgendetwas negatives drinn, wurde er einkassiert.
    Auch dort gab es verschiedene Gruppen, Mädchen und Jungen getrennt, die untereinander keinen Kontakt hatten.
    An direkte sexuelle Übergriffe kann ich mich nicht erinnern, aber es gab dort schon seltsame Situationen, wenn der wöchentliche Besuch des Kinderarztes anstand oder das wöchentliche Duschen unter Aufsicht der Erzieherin stattfand.
    Ich könnte hier noch mehr Details aus dieser Zeit nennen, möchte aber den Rahmen dieses Forums nicht sprengen.
    Mit Grausen und Wut auf die damals Verantwortlichen denke ich an meinen „Kuraufenthalt“ zurück.
    Ich bin schon ganz aufgewühlt, alles kommt jetzt wieder hoch.
    Christian

  209. Antonie schreibt am :

    Ich möchte mich bei Daniel für all die Gespräche bedanken… Du fehlst mir!

  210. Maria Anna schreibt am :

    Gaby Pypker, ich möchte Ihnen mein Beileid zum Tod Ihres Lebensgefährten und Vater Ihres Kindes aussprechen, aus eigener Erfahrung wissend, wie es ist, wenn sich der Mann und Vater des gemeinsamen Kindes das Leben nimmt. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Menschen, die Ihnen weiterhin beistehen, auch bei der Bewältigung und Offenlegung der „Niendorf-Geschichte“.

    Ich war im Januar 1966 bis Ende Februar für 6 Wochen im Kinderkurheim Antoniushaus in Niendorf und habe es mir jetzt nach 46 Jahren noch einmal angesehen. Ich hatte damals 6 Wochen lang heftiges Heimweh. Als ich jetzt dort erneut vor dem Haus stand, holte mich eine unglaubliche Schwere ein und die Tränen liefen wieder. Ein Briefkasten, in den ich häufig meine Briefe steckte, manchmal heimlich, steht immer noch an der selben Stelle; der Text der Briefe an meine Eltern immer der selbe:“ Bitte holt mich ab, ich will hier nicht bleiben!“ Glücklicherweise schrieb mir meine ältere Schwester fast täglich.
    Es gab eine Gute unter den Kindergärtnerinnen, Frau Bussmann. Gern wüsste ich, ob sie noch lebt. Eine Nonne verbot mir, traurige Brief nach Hause zu schreiben, meine Mutter würde sich dann nur Sorgen um mich machen. Nach Hause kommend, habe ich meine Eltern tagelang nicht angesehen und auch nicht mit ihnen gesprochen. Ich fühlte mich von ihnen verraten. Sie schickten mich in dem guten Glauben, etwas Gutes für mich zu tun nach Niendorf. Meiner Mutter tat es spätestens ab dem Tag meiner Rückkehr leid, weil sie sah, wie sehr ich gelitten haben musste. Ich habe in der Folge Jahrzehnte lang unter Abschieden gelitten.
    Die Jungen, die mit mir im Zug anreisten, wurden in St. Johann untergebracht, ich sah sie höchstens draußen gelegentlich oder auf dem Weg in die Baracke, in der es Höhensonne gab und dann erst auf der Rückreise wieder. Oft hatte ich damals den Eindruck, die Jungen hätten es noch schwerer als die Mädchen.
    Der Winter war sehr kalt; wir mussten stundenlange Spaziergänge absolvieren, die mir als Jüngste der Gruppe sehr schwerfielen.
    Im selben Trakt, also direkt nebenan, hörte ich nachts kleine Kinder, 3, 4 oder 5 Jahre alt, laut weinen und nach der Mutter rufen. In meinem Schlafsaal hörte man nur leises Schluchzen.

  211. Christian Nickels schreibt am :

    Meine Erinnerungen an die Zeit im Kinderheim.
    Von Ende Oktober bis Anfang Dezember 1979 wurde ich von meinem Vater für sechs Wochen in einem Kindererholungsheim in Niendorf an der Ostsee angemeldet. Eigentlich brauchte ich da nicht hin, aber meine Mutter musste wegen einer schlimmen Rheuma Erkrankung selber zur Kur und mein Vater wusste wohl damals nicht genau, wohin mit mir.
    Das Kinderheim St. Johann, direkt am Strand der Ostsee liegend, wurde damals streng von Nonnen geführt. Vielleicht waren sie auch gar nicht so streng. Aber es kam mir so vor, weil ich in meinem Elternhaus ein anderes, ungezwungeneres Leben gewohnt war.
    Der Tagesablauf im Heim war eigentlich immer gleich. Frühstücken, Wanderung am Strand, Spielen und Basteln im Gemeinschaftsraum der jeweiligen Gruppe. Auch für die Schule, die wir versäumten, wurden täglich ein paar Aufgaben erledigt. Ab und zu ein Ausflug, oder Besichtigung im Museum.
    Zweimal pro Woche bekamen wir Bestrahlung mit der Höhensonne, damit wir auch im Winter etwas Farbe bekommen würden.
    Abends gegen 19.00 Uhr, nach dem Abendbrot mussten wir dann selber schon den Frühstückstisch für den nächsten Tag decken.
    Vor jeder Mahlzeit mussten wir uns bekreuzigen, auch wenn wir gar nicht katholisch waren. Aber das war nicht so schlimm und ich fand das eher lustig.
    Die Milch wurde aus Milchpulver mit Wasser serviert. Eigentlich schmeckte mir da gar nichts. Das kann auch am Heimweh gelegen haben. Ich kann mich aber im Nachhinein auch an keine genaue Mahlzeit mehr erinnern.
    Die Gruppe, in die ich kam, bestand schon seit vier Wochen und natürlich kannten sich alle der Jungen dort. Ich wurde so einigermaßen in die Gruppe integriert und war auch der jüngste.
    Mein 11. Geburtstag lag gerade erst eine Woche zurück. Der älteste Junge in der Gruppe war 13.
    Prügelknabe wurde ich zum Glück nicht. Dafür musste ein anderer 11 jähriger herhalten, der jeden zweiten Morgen ins Bett gepinkelt hatte und von den anderen aufs Schlimmste gehänselt wurde.
    Mit der Zeit tat er mir leid und ich freundete mich dann, mit dem wohl auch etwas geistig schwachen Jungen an und wir wurden eine Zweiergruppe. Von den anderen hat uns dann, meinen Erinnerungen nach, keiner mehr etwas getan. Dampf wurde an einem ganz anderen Jungen abgelassen.
    Der Sohn der Köchin, acht Jahre alt, ich glaube er hieß Heiko, musste wohl nach der Schule immer die letzten Stunden im Kinderheim verbringen, bis seine Mutter Feierabend hatte. Er kam dann immer für diese Zeit in unsere Gruppe. Leider war er auch etwas dick und konnte sich nicht richtig wehren.
    Einer von unseren Jungen, er war etwas aggressiv und hyperaktiv, veranstaltete an dem armen Kerl dann immer seine täglichen Karateübungen, bis Heiko vor Schmerzen anfing zu weinen. Ich verstehe heute nicht, warum ich da nicht sofort eingegriffen habe, oder wo unsere Betreuerin zu dieser Zeit war. Wahrscheinlich hatte ich Angst, mich dann selber ständig mit dem Jungen herumschlagen zu müssen. Ich habe Heiko dann anschließend lediglich getröstet.
    Im Bett wurden uns abends immer Hörspiele von den „Fünf Freunden“ oder Abenteuer Klassikern, wie „Die Schatzinsel“ angestellt, damit wir schneller einschlafen konnten. Wahrscheinlich sind das die schönsten Erinnerungen, die ich an diese Zeit habe und der Grund dafür, das ich auch heute noch Hörspiele sammel und anhöre.
    Auf dem benachbarten Gang wachte dann, meistens auf einem Stuhl hockend, eine Nachtschwester, die alle paar Stunden mit einer Taschenlampe in unser Schlafgemach kam und jeden einzelnen von uns ins Gesicht leuchtete, um zu sehen, ob wir denn auch schliefen. Dadurch wachte ich sehr oft auf.
    Etwa zweimal pro Woche gingen wir in ein kleines Schwimmbecken mit Salzwasser gefüllt, das sich in einem Nachbargebäude befand. Dort planschten wir dann eine Stunde herum, bis unsere Zeit um war und die nächste Gruppe, bestehend aus lauter Mädchen, schon an der Tür bereitstand und wartete, das wir endlich fertig waren. Wir mussten uns dann vor den Mädchen nackt ausziehen und kalt abduschen. Dabei wurden wir interessiert beobachtet. Wenn wir dann mal warten mussten, das wir endlich drankamen, wurden wir natürlich immer von den Nonnen weggescheucht und durften den Mädchen nicht beim Duschen zugucken. Ungerechte Welt.
    Zwei Wochen später lief die Zeit für die Jungen der ersten Gruppe, in der ich mich befand, ab.
    Nach insgesamt sechs Wochen, länger dauerte ein Kuraufenthalt in dem Heim normalerweise nicht, ging es wieder nach Hause. Sie fuhren alle in einem Reisebus davon. Ich winkte den Jungen zum Abschied. Vor allem meinen liebgewonnen Bettnässer und Kumpel, dessen Namen ich heute nicht mehr kenne.
    Ich blieb dann für ein Wochenende ganz alleine mit den unheimlichen Nonnen, die dort überall im Gebäude herumschlichen und mehrmals täglich, wenn eine Glocke oder ein Signal ertönte, in eine Kapelle wanderten, dessen Eingang sich irgendwo im Keller befand.
    Nachts lag ich dann lange im leeren Schlafgemach wach und sogar die Nachtschwester hatte frei und saß nicht mehr auf ihrem gewohnten Platz. Wie sehr ich sie und den Strahl ihrer Taschenlampe nun doch vermisste. Ich glaube mich auch noch an den Geruch der Zimmer zu erinnern.
    Dann fing ich wohl auch an, Schlaf zu wandeln. Kann das aber heute nicht mehr richtig erklären, da ich es ja nicht wirklich selber erlebt habe. Ich erinnere mich nur, das ich einmal im großen Schlafraum der Nonnen und einmal im Treppenhaus, vor der großen Uhr der Eingangshalle gestanden habe. Sie zeigte etwa vier Uhr morgens, glaube ich noch zu wissen.
    Tagsüber kümmerte sich eine, extra für mich engagierte Auszubildende. Oder es war vielleicht auch eine Praktikantin. Wenn mich nicht alles täuscht, hieß das Mädchen Andrea.
    Mit ihr unternahm ich schöne Ausflüge und Wanderungen an den drei Tagen, bis schließlich der nächste Haufen Kinder mit dem Bus eintraf.
    Diesmal waren auch Geschwister dabei, die dann mit viel Tränen voneinander getrennt wurden.
    Die Aufenthaltsräume der Jungen befanden sich im Erdgeschoss. Die Schlaf und Aufenthaltsräume der Mädchen waren im ersten Stock und unsere Schlafräume dann erst wieder im dritten Stock.
    Umkleideräume für die Wanderungen mit Regenjacken und Gummistiefeln befanden sich im Keller.
    Wohlgemerkt war ich zu einer Jahreszeit im Kinderheim, die nicht besonders schön war. Es war schon sehr kalt, windig und regnete meist jeden zweiten Tag. Der Winter kam.
    Alle hatten bei ihren Wanderungen tolle Bundeswehrmützen auf und ich musste so eine hässliche, braune Astronautenmütze tragen, wie sie eigentlich nur ganz kleinen Kindern aufgesetzt wird. Da sieht sie dann wohl auch süß aus. In meinem Alter jedoch nicht mehr.
    Mir war sie mehr als peinlich und ich ließ die Mütze häufiger mal weg und bekam nach wenigen Tagen eine schlimme Mittelohrentzündung mit hohem Fieber, wurde bettlägerig und bekam von den Nonnen dauernd irgendwelche Spritzen verabreicht.
    Im Ärztezimmer musste ich die Unterhose fallenlassen und wurde von einer Nonne beglotzt. Hätte die nicht eher mein Ohr untersuchen sollen? Als ich anschließend auf dem Gang, meiner Betreuerin, die mich begleitete, sagte: „Das ist ja eine Frechheit“, hörte die Nonne noch meine Worte, kam aus dem Ärztezimmer gerannt und pöbelte mir irgendwas hinterher.
    Jedem von uns wurde ein Gedicht in die Hand gedrückt, das wir auswendig lernen sollten und in wenigen Tagen dem Nikolaus vortragen, der dann ins Heim kommen würde. Als ich damit dran war,
    drückte der Nikolaus mir mitleidig ein paar Kekse extra in die Hand, weil ich so dünn war und wohl während meiner Kur noch stärker abgemagert bin.
    Ich wurde dann noch einmal krank und kam auf ein Krankenzimmer auf der Mädchenetage, die sich sehr liebevoll um mich kümmerten. Sie brachten mir mehrmals am Tag, Tee und Zwieback und stellten mir einen Kassettenrecorder mit Mädchenhörspielen, wie „Hanni und Nanni“ und „Die Hexe Schrumpeldei“ ans Bett. Die hörte ich mir dann auch begeistert an. Ich hatte ja sonst nichts.
    Fernsehen durften wir normalerweise nicht schauen. Aber zu dieser Zeit lief alle paar Wochen ein „Don Camillo“ Film. Da wurde uns dann abends ein Fernseher auf einem Stuhl in unser Schlafraum gestellt und wir durften den Film vom Bett aus anschauen.
    Endlich, nach sechs Wochen, wurde auch ich von meinem Vater abgeholt und durfte Heiligabend wieder zu Hause in Burbach verbringen.
    Dann wurde mir auch noch in meine „Entlassungspapiere“ geschrieben, dass ich mich während meiner Kur als ein ziemlich schwieriges Kind gezeigt hätte. Merkwürdig. Ich habe immer meinen Teller leergegessen, war den Nonnen gegenüber immer artig und folgsam und habe mich nie mit den anderen Kindern gestritten oder gar geprügelt.
    (Diese Geschichte kann man sich auch noch einmal auf meiner Facebook Seite durchlesen und ein Gruppenfoto dazu anschauen.)

  212. fiete schreibt am :

    1951 Mai–Oktober im St.Antoniushaus/Niendorf- Ostsee

    Ich war nicht nur klein, sondern auch extrem dünn und wurde dann im Jahr 1951 nach Niendorf /Ostsee in das St.Antoniushaus (Katholisches Kinderheim) verschickt, es sollte zur Erholung sein, für uns Kinder war es teilweise aber der Horror. Hier nur ein paar Beispiele:
    Zum Essen gab es sehr viel Kohlsuppen und Kohl als Gemüse auf jeden Fall immer ziemlich Fett- und Geschmacklos dafür aber oft mit Raupen, Würmern und anderem Getier. Wenn wir die raussortierten wurden sie von den Schwestern aber überwiegend von den Nonnen wieder in das Essen gerührt und wir wurden gezwungen es aufzuessen wenn sich jemand erbrach und es landete auf dem Teller so musste Er oder Sie es trotzdem aufessen, anschließend sauber machen und zur Strafe in der Badewanne im Bad alleine schlafen.
    .Ein andermal war ein starkes Gewitter und wir lagen in der Liegehalle beim Mittagsschlaf (waren bei dem Gewitter aber alle wach) als ein kalter Kugel-Blitz in das Dach des Haupthauses einschlug und auf der anderen Dachseite wieder herauskam und dann am Haus runterrollte. Die Nonnen lagen nur auf den Knien und waren beim Beten. Für uns Kinder war es aufregend, wir haben zugesehen wie alles passierte und hörten dann Schreie aus dem Haus, von den Nonnen rührte sich weiterhin keine. Da sind wir mit ein paar Kindern einfach in das Haus gelaufen, trotz der Rufe das wir in der Liegehalle bleiben und mit beten sollten. Als wir ins Dachgeschoss kamen roch es dort stark verbrannt und aus einem Zimmer kam stöhnen und weinen, als wir die Tür nach langem zögern öffneten, saß dort auf dem Metallbett Fräulein Edith, eine Helferin die wir am liebsten hatten und konnte sich nicht mehr rühren, wir sahen das ihre Haare verbrannt waren, sie war nicht ansprechbar, ein paar von uns blieben im Zimmer und ich lief mit ein paar anderen Kindern nach unten um endlich Hilfe zu holen aber die Nonnen waren immer noch beim beten. Da wir wussten das im Nachbar Kinderheim(St.Johann) ein Arzt war liefen wir dort rüber und sagten dort was wir gesehen hatten der Arzt kam sofort mit und ließ noch einen Krankenwagen rufen weil er wohl merkte das es ernst war. Er lief ins Haus und wir mussten unten auf den Krankenwagen warten. Da endlich kamen auch die Nonnen und wollten uns wegscheuchen aber wir hatten ja einen Auftrag vom Arzt und blieben, uns wurde Strafe angedroht aber das störte uns nicht. Als dann der Krankenwagen endlich kam, das dauerte lange, ich glaube der kam immer aus Lübeck, wurde Frl. Edith ins Krankenhaus gebracht und dann kam für uns Kinder das Größte, der Arzt schrie in unserem Beisein die Nonnen an „was sie sich dabei gedacht hätten“ keine Hilfe zu holen und wollte sie wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Wir hatten danach noch weniger zu lachen und ob der Arzt sie wirklich angezeigt hat, haben wir nie zu wissen gekriegt Fräulein Edith aber kam nach ein paar Wochen wieder und hat
    sich bei uns mit einem großen Eis bedankt, blieb aber nicht mehr lange in dem Heim.

    (Hier waren Bilder eingefügt darum der Abstand)

    Aber wir mussten bleiben, mussten als evangelische Kinder an den Katholischen Gottesdiensten und an Andachten teilnehmen, hinter Weihrauch schwenkenden Messdienern? herlaufen, mir wurde immer schlecht von dem Geruch (Gestank).
    Dann wurden auch noch Kinder mit Diphtherie krank und wir wurden alle untersucht ob wir uns angesteckt hätten bei mir und ein paar anderen Kindern war es der Fall aber wir waren nur Bazillenüberträger, mussten trotzdem in Quarantäne ins Kinderkrankenhaus nach Lübeck. Dort blieb ich fast 3 Monate, alle drei Tage wurde ein Nasenabstich gemacht oft waren die 1-2x negativ und beim 3ten wieder positiv. Dreimal negativ ist aber Vorraussetzung für die Entlassung, Meine Mutter konnte mich nur einmal im Krankenhaus besuchen, da fehlte das Geld, brachte mir dann auch noch die Nachricht mit das mein Vater gestürzt war und sich einen Oberschenkel Halsbruch zugezogen hatte und dieser wurde bei ihm als einer der ersten Patienten mit einem so genannten „Kürschnernagel“ im Lauenburger- Krankenhaus genagelt. Ich wusste damals zum Glück nicht wie gefährlich so ein Bruch in dem Alter ist, er war damals schon 72 Jahre alt
    und konnte sehr schwer laufen da er starkes Gelenkrheuma hatte, meine Mutter behandelte ihn als Ersatz fehlender Medikamente mit frisch gepflückten Brennnesseln, indem sie ihn damit regelmäßig abklopfte, es muss höllisch gebrannt haben war aber wohl besser zu ertragen als die Schmerzen.
    Jetzt weiter mit dem Krankenhausaufenthalt: Nach fast 3 Monaten gab uns eine junge Schwester ein Glas Bienenhonig, den sie von einer Mutter eines Mitpatienten erhalten hatte, mit einem Zettel als „Gebrauchsanweisung“: Jeden Tag kurz vor dem Abstrich in Wasser aufgelösten Bienenhonig durch die Nase! trinken und runterschlucken und zwar alle im Zimmer, nach etwas Übung klappte es auch und siehe da nach dem 3.ten Abstrich waren wir immer noch negativ und wurden bald darauf entlassen. Aber leider nicht wie erhofft nach Hause sondern „zur Erholung“ wieder in das Kinderheim, trotz Protestes bei den Ärzten, unsere Eltern meinten es ja nur gut mit uns! und über die Zustände im Heim wussten sie nichts trotz der Karten die wir geschrieben hatten denn die, n denen wir davon berichteten wurden von den Nonnen nicht weitergeleitet denn wie wir später erfuhren wurde unsere ganze Post gelesen und nur die ohne Hinweis auf die Zustände zur Post gegeben. Ich erfuhr das aber erst zu Hause das viele Karten nicht angekommen waren (Briefe durften wir übrigens nicht schreiben, im Nachhinein weiß ich auch warum, es wurde damals aber nichts unternommen, das wäre heute zum Glück anders.Evtl erinnert sich auch noc jemand an diese Zeit?

  213. disuth schreibt am :

    Hallo Gabi Schneider,
    ich war mit meinen 2 Geschwistern auch ( 1975/76 ) in dem Kinderkurhaus und habe genauso schreckliches erlebt , wie z.B die erbrochene Puddingsuppe zu essen. Verprügelt wurde ich auch einmal von einer Schwester, da ich mit einem Jungen am Zaun nebenan gesprochen habe. Meine Erlebnisse brauche ich ja nicht mehr zu schildern, denn sie gleichen deinen zu 100%

    Es wäre schön mit dir Kontakt aufzubauen um uns über unsere damaligen Erlebnisse auszutauschen.

    Gruss disuth

  214. Kai schreibt am :

    Kann Ich leider nur in Fetzen erinnern !
    Doch die reichen!
    Ich musste Stunden lang Barfuß auf dem kalten Flur stehen, weil ich nicht schlafen konnte. Die Nonne saß auf einem Stuhl im Gang!
    Mein älterer Halbbruder war in einer anderen Gruppe.
    Das Geburtstagspaket was unsere Eltern ihm geschickt hatten, wo auch Süßigkeiten drin waren,wurde einfach aufgeteilt.Ich weiß nur noch das es eine Zeit war wo Ich mich sehr unwohl gefühlt habe.

  215. Christoph schreibt am :

    Treffen in Niendorf im Sommer 2 0 1 4

    Auf der Suche nach dem Heim, in dem ich vermutlich im Sommer 1973 im Alter von fünf Jahren eine Kinderkur verbrachte, stieß ich auf diese Seite.

    Ich sprach bereits telefonisch mit der Hinterbliebenen des Daniel Bongartz, Frau Gaby Pypker.

    Sehr sorgfältig habe ich mir die Kommentare zu diesem Artikel (Brief) durchgelesen.

    Hier ist immer wieder von sexuelllem Missbrauch die Rede.

    Wer hat s e l b s t sexuellen Missbrauch in St. Johann/im Antoniushaus erlebt!

    Ich suche Personen, die bereit sind, darüber zu sprechen.

    Ich selbst habe nur negative Erfahrungen über den Aufenthalt in St. Johann in Erinnerung behalten. Diese Erinnerungen beziehen sich n i c h t auf einen sexuellen Missbrauch, allerdings auf Erlebnisse mit Einnässen, Postkontrolle, Aufnahme des Erbrochen etc., wie oben mehrfach durch andere Personen beschrieben.

    Ich möchte für mich mehr Licht ins Dunkel in die Zeit des Aufenthaltes dort bringen.

    Deshalb werde ich im Frühjahr oder Sommer 2014 nach Niendorf fahren, um mich dort, auch innerhalb des Hauses St. Johann umzuschauen.

    Wer Interesse daran hat, sich mit mir und hoffentlich auch anderen ehemaligen Kurkindern dort zu treffen und auszutauschen, möge sich bei mir melden.

    H i n w e i s : Ein Besuch von St. Johann/dem Antoniushaus ist an diesem Tag nicht möglich! Dies wäre nur mit einer persönlichen Terminvereinbarung möglich!

    Ich hoffe auf viele Antworten.

    Viele Grüße aus Bielefeld

    Christoph

    Kontakt: Email 016098212652(at)gmx.de

  216. Tati schreibt am :

    Ich kann mich auch nicht mehr wirklich erinnern.Ich war dort 1975 oder 1976 jedenfalls vor Schulbeginn.Habe mich sehr unwohl da gefühlt ständig geweint und Nacht in das Bett gepinkelt.Die Nonnen waren sehr streng ,das Essen möchte ich nicht und der Geruch im Haus war ekelhaft .Leider kann ich mich nur an Bruchstücke erinnern…finde auch keine alten Bilder vom Haus die meiner Erinnerung auf die Sprünge helfen würden.

  217. Michael Stucke schreibt am :

    Liebe Angehörige von Daniel Bongardt.

    Vorab möchte ich Ihnen mit diesen Zeilen mein aufrichtiges Beleid aussprechen. Es macht mich unendlich traurig zu hören , welchen Leidensweg Ihr Daniel durchgemacht hat und letztendlich daran zerbrach.

    Ich bin Anfang der Woche nach einem Telefonat mit einem Freund rein zufällig auf diese Seite gestossen. Dieser erzählte mir , dass er den Jahreswechsel in Niendorf an der Ostsee verbracht hat.

    Niendorf an der Ostsee ?!? Es traf mich wie ein Blitz … 45 Jahre lang war es meinem Geist gelungen , die Ereignisse vom Februar / März 1968 aus meinem Bewusstsein zu verbannen. Doch jetzt kommt das alles wieder hoch. Nein nicht alles. Zum Glück. Denn ich will auch gar nicht wissen , was diese perversen Heiligen von St. Johann mit mir und den anderen alles angestellt haben.

    Angefangen hat das Drama damit , dass die Kinderärztin der Ansicht war , dass es unumgänglich sei , mich zu einer Kinderkur zu schicken , damit ich etwas an Gewicht zunehme und die Einschulungsvoraussetzungen von 20 Kilo Startgewicht erreiche und auch den Schulranzen tragen kann. Ich war halt immer ziemlich schmächtig. Meine Mutter war damals bei der Post angestellt und hat über die Postgewerkschaft diese Kinderkur organisiert.

    Obwohl ich normalerweise ein recht gutes Erinnerungsvermögen an Personen und Ereignisse der Vergangenheit habe , kann ich mich nicht mehr so genau an Details erinnern. In meinem Gedächnis sind folgende Dinge hängen geblieben :

    Die Ankunft verbinde ich damit , dass die Schwester Oberin uns dazu aufforderte unser Taschengeld in eine Statue der Heiligen Maria zu werfen , damit ein Mechanismus in Gang gesetzt wurde , der den Kopf der Figur bewegte und diese sich somit bedankte. Danach wurde unser Gepäck konfesziert. Wir sahen die Taschen und Koffer erst bei der Abreise wieder. Doch bis dahin sind es noch scheinbar unzählige qualvolle Tage und Nächte.

    Es gab einige wenige Spaziergänge am Strand. Da war Muschel – und Steinesammeln angesagt. Die kleinen braunen ( Bernstein ) wurden hinterher von irgenteiner Nonne eingesammelt. Das Wetter war wohl sehr schlecht , so dass wir selten am Strand waren.

    In Sachen Mahlzeiten kann ich nur sagen , dass es wohl das übelste war , was ich je erlebt habe. Der Fras war nur noch widerlich. Hat irgentwie gestunken , nicht geschmeckt und war ein Ereignis , welches stets von Angst und Gewalt geprägt war. Egal was auch immer passiert ist , ob jemand einen Becher um gestossen hatte , nicht aufessen wollte oder konnte – immer gab es eine Ohrfeige oder mehr. Hat jemand beim essen gespochen oder gelacht , hat es sofort geklatscht. Wenn das Verhalten eines Kindes nach der ersten Ohrfeige nicht den Vorstellungen der Nonnen entsprach , wurde dem Missetäter kurzentschlossen vor versammelter Mannschaft die Hose herunter gezogen und dann gab es erst mal richtig was mit dem Rohrstock.

    An das Eintrichtern von Erbrochenem kann ich mich besonders gut erinnern. Der Junge , den diese Strafe traf , sass direkt neben mir und war seit ein paar Tagen krank und hatte Fieber. Dieser Gesundheitszustand war bekannt und er wurde eigentlich nur zum Abfüttern aus dem Krankenbett geholt. Das hinderte dieses brutale Vieh von einer Nonne nicht daran , den Kopf des etwa 4 bis 5-jährigen von hinten zu greifen , mit der linken das Kinn herunter zu ziehen und dann mit der rechten den ausgespuckten Mist wieder in das Kind hineinzuschaufeln.

    In Sachen Körperpflege tat sich nicht sehr viel. Wenn ich mich recht erinnere , war in den
    6 Wochen ca. 3 mal Waschtag. Wir mussten uns alle nackt ausziehen und in einer Reihe aufstellen. Dann wurden wir alle nacheiander eingeseift , mit einer Bürste abgeschrubbt und danach mit einem Wasserschlauch abgespült. Bei der Gelegenheit bekam ich auch ein paar Ohrfeigen , weil mir irgent etwas nicht behagt hat.

    Im Schlafsaal standen ca. 20 Betten. Wir hatten die strikte Anweisung , zur Holzwand des Bettes zu schauen. Also kein Blickkontakt zu anderen Kindern. Die Hände gehörten auf die Bettdecke. Toilettengänge waren verboten. Manchmal wurde ich wach , weil jemand einen Jungen des nachts aus dem Bett holte und stundenweise fortbrachte. Zu diesem Zeitpunkt können wir ahnen , was mit denen geschah.

    Ich hatte sehr grosses Heimweh. Eigentlich unerträglich. Ich war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt und somit schon lange „trocken“. Die Summe dieser ganzen Eindrücke , diese Gewalt , die ständige Angst und Hoffnungslosigkeit machte mich schon nach wenigen Tagen zum Bettnässer. Die Konsequenz daraus war , dass ich nur morgens eine halbe Tasse Tee bekam. Das musste für den Tag reichen. Sicher war ich nach Ende dieser „Erholungskur“ total dehydriert. In jedem Fall NICHT erholt.

    Ich hoffe , dass der Teufel für diese „Scheinheiligen“ gut geheizt hat !!!

    Liebe Frau Pypker , es würde mich freuen , wenn ich Ihnen mit meinen Ausführungen in irgent einer Weise helfen konnte. Falls Sie noch Fragen haben , können Sie gern mit mir in Kontakt treten.

    Viele Grüße aus Hannover von Micha S.

  218. Gertrud Tammena schreibt am :

    Die vorher erwähnte Christengemeinschaft ist eine den Rudolf-Steiner-Ideengut nahestehende sektenähnliche Gruppe; sie führen auch eine Art kultische Christenweihe zum Zeitpunkt der Konfirmation durch auch als Angebot für christlich orientierte Waldorfschüler mit vorausgehender „Christenlehre“

  219. Gertrud Tammena schreibt am :

    Ich habe gestern in einer langen Sitzung alle 222 Kommentare und Berichte zu diesen Heimaufenthalten gelesen und bin erschüttert. Diese Heime liegen am westlichen Ende einer beliebten touristischen und landschaftlichen Attraktion: dem Wanderweg am inzwischen bröckelnden Brodtener Steilufer von Travemünde her kommend über das frühere nostalgische Restaurant mit dem bezeichnenden Namen „Hermannshöhe“ und am westlichen Ende diese besonderen architektonisch schönen baulichen Anlagen, wohl das frühere Kinderkurheim – sehen und man ahnt nicht,daß sich solche Martyrien dahinter abgespielt haben.Insofern sind all diese Beiträge sehr aufklärend für alle Besucher aus dem weiteren Umfeld,weil sie hinter die Fassaden zeigen.Mir wird klar, was einem mir nahen Menschen erspart blieb, der aus einem Rheinland-Kinderheim von einer Pflegemutter geholt und aufgezogen wurde. Mir wird durch eine ganz andere Erfahrung so klar, wie schaurig die Harer-Geschichten und Quälereien aus den NS-Kinderlandverschickungen sich fortgesetzt haben, wo es wohl Gang und Gebe war, Kindern nachts die Decken wegzuziehen, ihnen im Schlaf die Nase zuzudrücken, daß sie keine Luft bekamen, sie mit grellem Licht zu blenden, ihnen unter der Decke zutiefst nahe zu gehen – um solche Dinge weiß ich, daß sie fortgesetzt wurden von selber so Gepeinigten, dazu der Liebesentzug als Drohmittel, wenn man nicht kuschte …Ob das dort auch so geschehen ist, weiß ich nicht, aber Vieles anderes Schlimme, was hier berichtet wird
    und was ausreicht, die Begabungen und Möglichkeiten eines Menschen für ein Leben lang zu lähmen und zu verstören und damit auch der Gesellschaft Schaden und Verlust zu zufügen.
    Darum sind diese Berichte so wichtig, für einen selber zur Aufarbeitung, für die Trägerorganisationen zur weiteren Vermeidung und Wiedergutmachung, für die Historiker, für Staat und Politik, um die Auswirkungen zu begreifen, für uns aus dem Umland.Ich hoffe, daß Ihnen Allen Anerkennung und Wiedergutmachung wiederfahren möge. Ich für mich werde es beherzigen. Herzlich G.T.

  220. Gaby P. schreibt am :

    Lieber Michael Stucke,
    vielen Dank für Ihren Brief, den ich mit sehr viel Interesse gelesen habe. Sie sind praktisch der Erste, der sich erinnert, dass Kinder des nachts aufgeweckt und einige Stunden fortgebracht wurden. Daniel hat mir immer wieder von solchen Situationen erzählt. Ich würde sehr gerne einmal mit Ihnen telefonieren. Meine Tel.-Nr. und auch meine Email-Adresse ist Norbert bekannt. Er kann Ihnen beides zukommen lassen.
    Liebe Grüße
    G. Pypker

  221. Carmen schreibt am :

    Hallo Frau Pyker, ich war auch in Kur als kleines Mädchen mit meinen 2 geschwistern ich war glaube ich fünf , und kann mich an einen Namen entsinnen von einer Nonne Die hiess Gottfriedenich , hat einer diesen Namen noch im Gedächnis ???Lg Carmen

  222. R. Kulke schreibt am :

    Liebe Frau Pypker,
    im Sommer 1975 war ich für 6 Wochen im Antoniushaus zur Kinderkur. Ich kann über viele unsinnige und grausige Erziehungsmaßnahmen berichten, jedoch nicht über sexuellen Missbrauch. Aus dieser Zeit habe ich noch ein Erinnerungsbüchlein mit einem Gruppenfoto und Namen der Kinder sowie einem Foto der Betreuerinnen und der leitenden Schwester A. Irmlind. Gerne stelle ich ihnen diese Informationen zur Verfügung, falls ich damit ein wenig helfen kann, Licht in diese dunkle Vergangenheit zu bringen.
    Liebe Grüße
    R. Kulke

  223. Janet schreibt am :

    Ich bin 43, habe zwei Kinder die ich allein erziehe und habe immer sehr schwierige Beziehungen mit dem anderen Geschlecht gehabt. Bis vor einem Jahr, ich habe meinen Mann kennengelernt. In der Geborgenheit dieser Beziehung kommen nun Erinnerungen hoch von denen ich wenig ahnte. Ich war zwar nicht in Niendorf, es war das Kinderkurheim Wiek auf Ruegen. Ich leide jetzt unter Flashbacks uebelster Art von sexuellem Missbrauch und es ist sehr schwer sich als normaler Erwachsener zu fuehlen. Ich fange an zu verstehen wie weit dieser Uebergriff sich auf mein Leben einwirkte. Unglaublich! Ich war als Kleinkind schon in einer DDR Kinderkrippe wo Kinder auch misshandelt wurden. Ich fange endlich an Mitgefuehl fuer mich selbst zu entwickeln und diese Dinge so gut wie ich kann durchzuarbeiten. Es ist so schwer fuer Partner zu verstehen.
    Ich wuensche Ihne Kraft auf Ihrer Suche und danke Ihnen fuer Ihre offenen Worte. Sie gaben mir Mut das alles auszusprechen.

  224. Sabrina schreibt am :

    Liebe Angehörige von Daniel Bongardt,
    mein Beileid zu ihrem Verlust und ich hoffe sehr dass es Ihnen zwischenzeitlich ein wenig besser geht.
    Zu Niendorf:
    Ich war ungefähr 1979 und 1980 dort 10 + 11 Jahre jeweils 6 Wochen. Obwohl ich normalerweise über ein gutes Gedächtnis verfüge erinnere ich mich kaum an die Zeit. Ich erinnere mich an Bruchstücke, das Sammeln von Bernstein am Sand, das Läuten von Glocken, Geruch von Bohnerwachs?, und immer wieder Glasmalerei. Eine Erinnerung habe ich allerdings, nachts im dunkeln zwischen Schuhregalen( Gummistiefeln) aufzuwachen… wie ich dorthin kam und warum…Schlafwandeln fing um diese Zeit wohl bei mir an. Alles andere ist leider weg.

  225. Rudolf schreibt am :

    Ich war im warscheinlich 1963 in einem Kinderheim für 6 Wochen in Niendorf.Ich war wohl 8 oder 9 Jahre. Ich habe keine schlechten Erinnerungen gehabt. Mir hat es gut gefallen. Aber eins weis ich noch genau. Es hatte mal jemand beim Essen auf seinen Teller gebrochen. Das musste er wieder aufessen!

  226. Anja Sprater schreibt am :

    Ich bin gerade auf diese Seite gestoßen und bin schockiert! Denn zu der Zeit (irgendwann im Zeitraum 1976 bis 1978) war auch ich sechs Wochen zur Kur in Niendorf an der Ostsee! Ich wurde dort hingeschickt, weil man mich untergewichtig fand.
    An die Zeit dort habe ich nur wenig (aber überwiegend positive) Erinnerung. An Nonnen kann ich mich nicht erinnern! Gab es denn vielleicht noch ein anderes Kinderkurheim dort? Oder habe ich so viel vergessen?
    Ganz genau kann ich mich an den Namen der Heimleiterin erinnern: Frau Hanusa! Das weiß ich noch, weil wir sie immer „Frau Hanuta“ genannt haben. Fand sie nicht witzig, sie hatte nicht viel Humor. Wir mochten sie nicht. Meiner Erinnerung nach, waren alle anderen Frauen dort nett.
    Aber die Sportstunde bei Frau Hanusa war ein Graus! Sie schlug auf ein Tambourin und wir mussten Runden durch die kleine Turnhalle laufen, barfuß. Sie hat immer geschimpft, weil meine Füße beim Laufen platschende Geräusche machten. Aber ich konnte es doch nicht ändern, dass ich nun mal Plattfüße habe!
    Freitags kochte immer Frau Hanusa selbst, ihr Essen haben wir gehasst. An den anderen Tagen hat das Essen besser geschmeckt.
    Einmal habe ich nach dem Essen Durchfall und fürchterliche Bauchkrämpfe bekommen. Ich kann mich erinnern, wie ich auf der Toilette saß und geheult und geschrieen habe, aber niemand hat sich darum gekümmert (bzw. nur andere Kinder).
    Aber von diesen paar Dingen abgesehen, hatte ich Niendorf eigentlich immer als eine schöne Zeit in Erinnerung, deshalb habe ich heute auch nach dem Heim gegoogelt.
    Wir machten jeden Tag Spaziergänge an den Strand, ich fand den Weg weit.
    Wenn wir zurückkamen, gab es einen Extraraum, wo wir alle unsere sandigen Gummistiefel ausgezogen haben.
    Was ich doof fand, war, dass über- und untergewichtige Kinder im selben Speisesaal ihre Mahlzeiten einnahmen! Wir Dünnen wurden regelrecht gemästet und die Dicken mit ihrer Magerkost sahen uns neidvoll zu. Wir haben die Betreuerinnen aber ausgetrickst: Wenn wir unser Essen nicht schafften, durften wir es mit auf den Spaziergang nehmen. Dort haben wir dann heimlich getauscht: Meine dicke Freundin bekam meine Bananen und ich ihre Tomaten.
    Weiß jemand, in welchem Heim ich war???

    Es gab dort mehrere flache Gebäude aus rotem Backstein (Speisesaal, Turnhalle, das Haus mit den Toiletten etc.) auf einem großen Grundstück.

  227. Elfi Haase schreibt am :

    Weiss jemand was aus dem Fall Daniel Bongardt geworden ist?

  228. Ralf Tessmann schreibt am :

    @ Anja Sprater: Ich war Ostern 1978 im Kinderkurheim St. Johann und habe hier zwei Kommentare zu meinen Erlebnissen / meiner Zeit in Niendorf / an der Ostsee gepostet (=> 30.06.2010); Eventuell hilft Dir das, die Erinnerungen (bekanntlich vergißt das Gehirn ja nichts, kann nur auf bestimmte Erinnerungen nicht mehr zugreifen) an Deine Kur wieder „herauf zu bewören“.

    Liebe Grüßen
    Ralf

  229. Stefanie Wöhler schreibt am :

    Ich war insgesamt 3 Mal zwangsweise über Ostern 6 Wochen zur Kur in St. Johann, u.a. in dem Jahr, an dem es dort gebrannt hat und wir alle früher nach Hause fahren durften.

    Es war schrecklich für mich, mit all den wildfremden Kindern in einem Zug von Leverkusen nach Niendorf zu fahren und sechs Wochen lang von meinem Elternhaus und allem mir bekannten getrennt zu sein.

    In dem Jahr, in dem es im Heim brannte, war ich in einer Gruppe, die von einer Schwester Anna geleitet wurde; die war ganz nett.

    In den anderen beiden Kuren landete ich in der Gruppe von einer Schwester Gottfriede; sie war eine absolut humorlose und unfreundliche Person.

    Am Anfang und am Ende der Kur wurde man gewogen.
    Da ich Unterwewicht hatte, musste ich immer alles aufessen, egal wie lange ich am Tisch sitzen musste, bis alles weg war. Vor und nach jedem Essen wurde gebetet und meist auch Lieder gesungen; die meisten von ihnen hatten religiösen Charakter, z.B. „Danke, für diesen guten Morgen….“ Der Pudding war sehr lecker, alles andere nicht.

    Wir schliefen zu vielen in einem Schlafsaal, der von einer Nonne vor der Tür bewacht wurde. Mehrmals in der Nacht ging sie mit Taschenlampe von Bett zu Bett um zu schauen, ob wir schliefen. Uns wurde auch eine Schlafposition eingetrichtert (auf dem Bauch und einen Arm angewinkelt nach oben und das Bein der anderen Seite angewinkelt), die wir strikt einzuhalten hatten. Wer nachts anders lag, wurde aufgeweckt, ausgeschimpft und gezwungen, diese Haltung wieder einzunehmen.

    Immer wieder mal ging es in ein kleines Schwimmbad mit eiskaltem Wasser im Becken. Diese Tage habe ich gehasst wie sonstwas. Ich war blaugefroren, so kalt war mir dort immer.

    Viele Spaziergänge machten wir am Strand; ich sammelte Unmengen an Donnerkeilen und Fossilien.

    „Care-Pakete“ der Eltern mit Keksen und Süßigkeiten wurden meist aufgeteilt; Post von den Schwestern gelesen.

    Im Hof wurde öfter Völkerball gespielt, Schwester Gottfriede spielte auch mit; einmal verlor sie ihren Schleier und wir haben uns totgelacht. Das fand sie gar nicht lustig 🙂

    Der Brand in dem Heim war gar nicht lustig. Wir saßen beim Nachmittagskaffee und plötzlich war Feuer vor den Fenstern. Die Nonnen haben aber sehr gut die Ruhe bewahrt, alle Kinder mussten sich in 2er-Reihe aufstellen und die ganzen Gruppen im Haus wurden ruhig durchs Treppenhaus nach draußen geleitet. Meine Gruppe kam in einem gegenüberliegenden Kindergarten oder sowas unter und wir haben der Feuerwehr bei der Brandbekämpfung zugeschaut. Es herrschte totale Angst unter uns. Es hieß, ein Feuerwehrmann sei ums Leben gekommen.
    Ich habe seit diesem Tag bis heute eine starke Angst vor Feuer, konnte über viele Jahre nichtmal ein Streichholz anzünden oder so.

    Es gibt zwei schöne Erinnerungen an die Aufenthalte dort. Meist nach dem Schwimmen gingen wir in einen Raum unter einem Dach, wo wir auf Turnmatten lagen und uns den Wellengang vorstellen sollten und das Kreischen der Möwen. Heute weiß ich, dass das autogenes Training war.
    Außerdem sind wir 1x je Kur nach Travemünde ins Wellenbad gefahren. In meiner letzten Kur, als ich ca. 12 Jahre alt war, haben wir uns zu 10 Mädels in den VW-Käfer unserer Begleiterin gequetscht und sind zu diesem Wellenbad gefahren.

  230. Stefanie Wöhler schreibt am :

    Nachträge:
    Die meisten Kinder haben während der Kur viel geweint wegen Heimweh; niemand hat uns getröstet oder mal ein liebes Wort für uns gehabt.

    Mein Bruder war während einer meiner Kuren auch dort zur Kur; er wurde jedoch streng getrennt von mir in einer anderen Gruppe gehalten und Kontakt war nicht erwünscht.

    Was die Bestrafung für „falsches“ Liegen im Schlaf angeht, habe ich auch eine diffuse Erinnerung an Schläge; die Erinnerung daran ist aber nicht so klar.

    Auch der Gang zum Wiegen usw. ist ganz dunkel mit einem sehr unangenehmen Gefühl behaftet, das ich nicht näher benennen kann. Ich denke, dass mein Gehirn da irgend etwas nach wie vor ausklammert.

    Übrigens war ich nach den Kuren (wahrscheinlich vor lauter Stress) immer leichter als vorher, insofern waren die ganzen Strapazen auch noch umsonst.

  231. Ralf Tessmann schreibt am :

    @ Stefanie Wöhler: Hallo Stefanie! Kannst Du Dich eventuell noch erinnern, in welchen Jahren Du im Kinderkurheim St. Johann gewesen warst? Wenn Du z. Bsp. mit ca. 12 Jahren über Ostern 1979 auch dort gewesen warst, dann könnte es sein, dass Du mit meiner Schwester in einer Gruppe gewesen warst!

    Ps.: In meinem Eintrag vom 04.04.2015 habe ich mich vertippt; meine Schwester und ich waren 1979 in Niendorf gewesen!

  232. Markus Blaha schreibt am :

    Hallo Frau Pypker,

    ich war 1973 für 6 Wochen als 5-jähriger in Niendorf zu einer Kinderkur und habe dort viele der hier beschriebenen Dinge ebenfalls erlebt.
    Bitte nehmen Sie einmal Kontakt zu mir auf über m.blaha [at] gmx.de.
    Vielen Dank und viele Grüße
    Markus Blaha

  233. Ralf Tessmann schreibt am :

    @ Markus Blaha

    Hallo Herr Markus Blaha!

    Können Sie noch sagen, wo (im Antoniushaus oder im Kinderkurheim St. Johann) Sie seinerzeit als kleiner Junge zur Kinderkur gewesen waren?

    Vielen Dank & Gruß
    Ralf Tessmann

  234. Markus Blaha schreibt am :

    Hallo Herr Tessmann,
    ich glaube ich war im Antoniushaus.
    Gruß
    Markus Blaha

  235. Stefanie Wöhler schreibt am :

    @ Ralf Tessmann
    Hallo Ralf, sorry für die späte Antwort. Bin länger nicht hier gewesen.
    Habe gerade mein Fotoalbum aus dem Schrank gerissen und mal durchgesehen. Das letzte Gruppenfoto von den Kuren ist auf vom Fotografen auf 1978 datiert. Anscheinend war ich also ein Jahr früher da als deine Schwester. LG, Stefanie

  236. Christian schreibt am :

    @ Anja Sprater

    Frau Hanusa war die Heimleiterin im Hamburger Kinderheim. Ich besitze noch ein Postkarte mit ihrer Unterschrift. Mit dieser vorgedruckten Karte wurde meinen Eltern meine Ankunft in Niendorf mitgeteilt. Das Wesen und die Ausstrahlung von Frau Hanusa hast du gut beschrieben. Ich kann mich gut an sie erinnern, obwohl ich schon 1967 in Niendorf war. Das Hamburger Kinderheim mit den von dir beschriebenen Gebäuden befand sich in der Strandstraße 4.

    Viele Grüße
    Christian

  237. zoltan seiger schreibt am :

    Auch ich war 76 im antonishaus und habe diese zeit als schrecklich erlebt …ich durfte zb die ganze nacht nicht schlafen und musste gehen üben ohne zu schlurfen!!zwangsernährung briefzensur schläge etc. Habe auch noch 1 oder 2 fotos von der kindergruppe damals.

  238. Marco schreibt am :

    Hallo

    Ich war ca.1984 in niendorf im Kinder kurheim st.johan in kur und wurde auch sexuell mißbraucht, ich kann mich nicht mehr an jede Einzelheit erinnern, aber ich werde nie vergessen das der jenige der mir das alles angetan hat Peter hieß !!!! , vieleicht kann sich ja noch jemand an den Namen erinnern ?

  239. Gaby P. schreibt am :

    Hallo alle zuammen,
    ich muss mich zuerst einmal entschuligen; ich war sehr lange nicht auf dieser Seite und habe deshalb natürlich all denen, die um eine Meldung gebeten haben, nicht antworten können.
    Mit Grauen habe ich feststellen müssen, dass es so viele Menschen gibt, die in diesem grauenvollen Heim als Kinder ähnliche Erfahrungen machen mussten, wie Daniel B.
    Ich habe sehr viel in Erfahrung bringen, aber keine Einzelheiten aufdecken können. Z.B. waren die Angehörigen des damaligen Kinderarztes (er ist schon lange verstorben) nicht bereit, Gespräche mit mir zu führen. Auch durfte ich die damalige Heimleitung, Schwester Burkade, nicht sprechen, als ich damals im Mutterhaus der Franzikanerinnen in Thuine war. Schwester Clarissa sagte mir damals allerdings, sie habe mir ihr gesprochen, und sie sei sich keiner Schuld bewußt. Mittlerweile dürfte sie vor ihren göttlichen Richter hat treten müssen und Rede und Antwort gestanden haben. Jetzt wird sie wissen, was sie angerichtet hat.
    Ich habe sämtliche Namen, die ich herausgefunden habe auf einen Zettel geschrieben und diesen Daniel aufs Grab gelegt. Er hat mich kurz vor seinem Tod gebeten, ihm seinen Namen zurückzugeben. Ich hoffe, das, was ich herausgefunden habe, hat dazu gereicht. Es vergeht im übrigen bis heute kein einziger Tag, an dem ich nicht an ihn denke.
    G. Pypker

  240. Oliver. L schreibt am :

    Ich bin im Moment im Urlaub, in Timmendorf, und heute bin ich an diesem Kurheim vorbei gegangen. Ich war heute mit einem Freund dort, zu dem ich gleich sagte, dass ich dort im Sommer 1980 war und ich es dort sehr schrecklich fand.
    Ich war damals mit meiner Schwester dort, 1980 für sechs Wochen. Wir waren dort im Antonius Haus und wir wurden dort in 2 Gruppen getrennt. Ich hatte im Juli Geburtstag und mir wurde auch von zu Hause ein großes Paket geschickt, mit vielen Süßigkeiten. Ich erinnere mich, das ich die Süßigkeiten in meiner, wie auch in der Gruppe von meiner Schwester verteilt habe. Warscheinlich wollten es die Nonnen so, ich weiß es aber nicht mehr. Ich erinnere mich noch an den ersten Tag. Wir wurden mit einer PferdeKutsche vom Bähnhof abgeholt und zu diesem Kurheim gebracht. Am ersten Abend kam es dort zu einem Zwischenfall mit einem anderen Kind, dessen nahmen ich nicht vergesse. Er hieß Götz Wehnert oder Wehner und war am ersten Abend sehr aufgeregt und hat auch viel geweint. Die Schwestern dort haben ihn mit mehreren gepackt und aus dem Speisesaal gebracht. Ich hörte noch wie er ganz laut geschrien hat. Freitags mussten wir immer zu dieser Kirche gehen, sie war da, wo das St. Johann ist. Ich hatte einmal eine große Eiterbeule am linken Oberarm, mit der ich zu der Sanitätsnonne geschickt wurde. Sie hat diese mit einer Schere aufgestochen, worüber ich mich übergeben musste. Die Nonne hat mich daraufhin sowas von ausgeschimpft, weil ich in ihr Behandlungszimmer gekotzt habe. Gelegentlich wurde mir von einer Nonne, ich glaube das war die Gruppenleiterin, ein Text vorgelegt, den ich auf eine Ansichtskarte schreiben sollte. Diese wurde dann von den Nonnen zu meiner Oma nach Hause geschickt. Auch ich erinnere mich an die Abende, an denen uns Hörspiele von einem Plattenspieler vorgespielt wurden, damit wir schneller einschlafen. Der Plattenspieler sand auf dem Flur. Ja, die Nachtschwerster ging nachts zur Kontrolle durch die Zimmer. Ich erinnere moch, das sie sich ein Stuhl genommen hat und sich vor mein Bett setzte und lange mir ins Gesicht schaute, um zu sehen ob ich wirklich schlafe. Ich habe mich schlafend gestellt. An einem Tag hatten wir da irgend etwas in dieser kleinen flachen Baracke gemacht, ich weiß nicht mehr was es war, aber was mit der Gruppe. Nachdem das Beschäftigungsprogramm beendet war, wurde ich dort eingeschlossen, weil ich wohl immer gestört habe. Diese 2 Holzbarracken stehen da heute noch. Ganz am Ende des Kuraufenthaltes sind die mit uns zum Hansa-Land gefahren, was mir gefallen hat. Ich meine auch, das nicht alle dort Nonnen waren, es gab da auch Mitarbeiter, die normale Kleidung an hatten. Hinterm Haus war eine große Mauer, über die ich immer rüber schaute. Ich war damals klein, warscheinlich habe ich sie nur als groß empfunden. Ich erinnere mich, wie ich immer die Wochen gezählt habe, weil ich nach Hause wollte. Ich hatte viel Heimweh und hab auch viel geweint. Zu meiner Nachbargruppe, in der meine Schwester war, durfte ich nie rüber gegehen. Ich hab es aber gelegentlich heimlich getan. Am letzten oder vorletzten Tag mußßten wir alle in einen Saal gehen, wo wir dann verabschiedet wurden. Dort wurde dann auch gleich gesagt, wer gerne wiederkommen darf und wer dort nicht mehr hinkommen soll. Mit meiner Schwester waren sie sehr zufrieden, sie dürfte dann auch gerne wieder dorthin kommen. Zu mir sagten sie, das sie mich dort nicht wiedersehen wollen und durfte dort nicht mehr hinkommen. Auch zu diesem Götz sagten sie, das er dort nocht mehr wieder hin darf. Aber ehrlich, ich war auch nicht scharf darauf, dort wieder hinzugehen.
    Meine Schwester hat mir das in den 90er Jahren noch gesagt, das die Nonnen sagten, dass ich dort nicht mehr hin darf, weil ich eben so war, wie ich bin.

  241. Oliver. L schreibt am :

    Ein Nachtrag:
    Das alte Antoniushaus ist dort heute durch ein Neubau ersetzt worden. Damals hatte das haus einen großen Bogen im Mauerwerk eingearbeitet.

  242. Konny schreibt am :

    Hallo zusammen,
    Ich bin schockiert von den Berichten. Auch ich war 6 Wochen zur Kinderkur in Timmendorf. Es war im Sommer 1979 und ich musste meinen jüngeren Bruder begleiten, der damals Untergewicht hatte. Noch heute werfe ich meinen Eltern vor, wie sie uns dort nur hinschicken könnte. Von sexuellen Missbrauch habe ich nichts mitbekommen, aber ganz viele andere Dinge, die einer Kinderseele schaden. Ich erinnere mich an einen Jungen, der In die Dachkammmer eingesperrt wurde, weil er Bettnässer war. Ausgangspost wurde kontrolliert, Briefe und Paktete geöffnet. Der Teller musste leer gegessen werden, auch wenn man stundenlang alleine dort saß. Samstags wurde geduscht und auch nur dann durfte die Kleidung gewechselt werden, auch die Unterwäsche! Ich erinnere mich, dass ich miit ein paar anderen Mädchen stundenlange Strafmärsche machen mussten, weil wir heimlich die Unterwäsche gewechselt hatten. Gefühlskälte, Lieblosigkeit prägten den Aufenthalt. Leider weiß ich nicht mehr wie das Haus hieß. Ich habe alte Briefe gefunden, die uns meine Eltern geschrieben haben. Sie waren adressiert an „Kindererholungsheim, Kastanienallee 3-5 Kann mir jemand sagen, ob das eines dieser oben genannten Häuser war oder ob es das heute noch gibt? Ich weiß auch nicht, warum ich in letzter Zeit so oft daran denken muss, vielleicht weil meine Tochter gerade in dem Alter ist, in dem ich war!

  243. Ralf schreibt am :

    @ Konny

    Hallo Konny,

    das ehemalige Kinderkurheim St. Johann und das Antonniushaus (beide gehören heute zu dem Mutter-Kindheim Maria Meeresstern) liegen in der Steinuferallee 1-3; eine Kastanienallee gibt es – soweit ich es in Erfahrung bringen konnte – nicht in Niendorf bzw. am Timmendorfer Strand. Demnach dürftest Du und Dein Bruder seinerzeit wohl in einer anderen Einrichtung gewesen sein.

    Ich war selber 1979 – jedoch im Frühjahr um die Osterzeit – mit meiner (älteren) Schwester im Kinderkurheim St. Johann in Niendorf gewesen; da ich durchweg nur schöne / positive Erinnerungen an jene 6 Wochen habe, habe ich (sehr) große Zweifel, dass sich die hier geschilderten Vorfälle (auch) in dem Kinderkurheim St. Johann in Niendorf ereignet haben (zumal viele, die sich hier zu Wort gemeldet haben / hatten, selbst nicht (mehr) sagen können, in welchem Kinderkurheim sie seinerzeit gewesen und die geschilderten Mißhandlungen ertragen / erdulden mussten).

  244. Konny schreibt am :

    Hallo Ralf,
    Die Kastanienallee gibt es in Timmendorf und ich habe im Internet eine Postkarte mit dem Bild des Hauses gefunden!! Darunter stand: Deutsches Kindererholungsheim, Kastanienallee 3-5, Timmendorfer Strand, seit 1912 in Familienbesitz!! Es gab also definitiv zu dieser Zeit (1979) noch andere Kindererholungsheime als St. Johann und Antoniushaus. Wahrscheinlich ist es längst abgerissen, ich bin diesen Sommer dort in der Nähe und werde mal schauen, das lässt mir keine Ruhe!

  245. Ralf schreibt am :

    Hallo Konny,

    Du hast recht, es gibt eine Kastanienstraße 3 am Timmerndorfer Strand (zu Fuss ca. 39 Minuten / 3,2 km vom ehemaligen Kinderkurheim St. Johann / Antonniushaus entfernt)! Die Information, dass es neben den beiden – hier – bisher bekannten Einrichtungen auch noch eine weitere am Timmendorfer Strand gab, dürfte vermutlich für den ein oder anderen hier sehr interessant sein.

  246. Friedhelm Klöppel schreibt am :

    Hallo, bin durch Zufall auf diese Seite gestossen. War vom 05.07. bis 16.08.1977 auch zur Kur in St. Johann. Habe aber nur wenig schlechte Erinnerungen, obwohl ich mich nicht mehr an alles Erinnern kann.

  247. Claudia E. schreibt am :

    Liebe Gabi,dass was deinem Daniel passiert ist, tut mir sehr leid.Ich war mit 7Jahren,1970 in St.Johann und habe mich da gestern umgesehen.Ich kann mich allen negativen Berichten anschließen,Missbrauch erinnere ich nicht.Den ekligen Heimgeruch habe ich bis heute in der Nase.Ebenfalls den Zwang beim Essen,von widerlichem Spinat und Suppen.Ich kann mich an starkem Heimweh erinnern und das ich sehr viel geweint habe.Zur Bestrafung wurde ich in den Schlafsaal verbannt. Es hat sich niemand um mich gekümmert.Ich erinnere mich an eine Schlauchbootfahrt.Ein Mann hatte uns 10 Kinder angewiesen, auf dem Rand zu sitzen und uns an einem Seil festzuhalten. Was natürlich nicht funktionierten konnte.Ich stürzte rücklings ins Wasser und konnte nicht schwimmen.Bis heute habe ich starke Ängste.Ich kann mich daran erinnern,als ich in Duisburg ankam, dass meine Mutter sich aufgeregt hatte, weil ich sehr ungepflegte Haare hatte und Kleidungsstücke im Koffer fehlten. Ich hatte ganz andere Probleme durch den Zwangsaufenthalt, bis heute.
    Ich wünsche allen ehemaligen eine schöne Zeit.
    Viele Grűße Claudia E.

  248. Claudia E. schreibt am :

    Neben St.Johan auch direkt am Strand gibt es noch das Westfalenhaus, welches auch ein Kinderheim war.

  249. Alexandra schreibt am :

    Hallo, ich war Anfang der 80er (evtl. 1980) als 8jähriges Kind mit meinen drei Geschwistern im damaligen Kinderheim „Westfalenhaus“. Meine Erinnerungen sind von heftiger Aggression von Seiten der Nonnen dort geprägt. Auch dort wurden Kinder gezwungen, ihr erbrochenes Essen aufzuessen. Ich erinnere mich auch daran,von Jugendlichen, die auch dort waren, mehrfach sexuell genötigt worden zu sein. Es gab eine Sr. Irmtraud, meine ich, und eine, die von allen ‚Sr. Gummiflummi‘ genannt wurde. Ich suche andere, die auch dort waren und Erinnerungen haben. Alles Gute euch allen.

  250. Lena schreibt am :

    Hallo Frau Pypker, ich bin Journalistin und plane über die Opfer der Kinderkuren in den 50er/60er/70er Jahren einen Bericht. Der Fall des Daniel B. könnte dabei auch Einzug halten. Auch von anderen ehemailigen Kurkindern habe ich ähnliche Berichte von ihren Aufenthalten erhalten, die sie oft bis heute traumatisiert haben. Ich würde dieses Thema gern an die Öffentlichkeit bringen. Wie kann ich mich mit ihnen in Verbindung setzen? Unter der Telefonnummer war niemand erreichbar. Beste Grüße Lena G.

  251. Lena schreibt am :

    Auch andere Opfer, die von ihren Erfahrungen berichten wollen (auch anonym) können sich gern bei mir melden: lenagil [at] web.de

  252. Plopps schreibt am :

    Hallo Lena,
    ich war 1977 in einer Einrichtung in Haffkrug und kann dazu auch etwas berichten. Wollen Sie sich bei mir melden? enduristin at googlemail.com

  253. Gabi willenberg schreibt am :

    Hallo ich habe mir das hier alles durch gelesen und fühle mich endlich bestätigt das ich recht hatte und mir das alles nicht eingebildet habe. Ich war 1970 dort habe brutalste schlage bekommen dort musste mein erbrochenes auch aufessen. Ausserdem hat man mich in die Ostsee geworfen und mich fast ertrinken lassen statt mir zu helfen wurde gelacht ich sollte ja schließlich schwimmen lernen. Ich war fünf Jahre alt und hatte. Todesangst. Habe noch ein Gruppenbild von damals. Wenn jemand aus der Zeit ähnliches erlebt hat und sich mit mir austauschen möchte gabi willenberg ueber Facebook eingegeben und freundschaftsanfrage schicken dann können wir schreiben. Lg gabi

  254. sandra schreibt am :

    Ich bin über die Suche nach meiner „Kureinrichtung“ in Brilon „Möhneburg“ von der Barmer auf diese Seite gestossen,…auch ich habe „unbestimmte“ sowie konkrete Erinnerungen an dort, die sich zum Teil scheinbar in allen möglichen Einrichtungen wiederholten. Ich verbrachte im Jahr 1978 als 5 jährige 6 Wochen dort und verbinde damit auch nur unschöne Momente, wenn es die Erinnerung zulässt…..Unfassbar zu sehen, wie diese Vorgehen scheinbar überall Methode hatten!! Ich bin überrascht, dass sich dieser Austausch hier tatsächlich sechs Jahre aufrecht erhalten hat…was aber deutlich macht, wie viele Menschen betroffen sind und wie lange es einen nicht mehr los lässt….was es zerstört hat, wie es nachhallt..ich habe es selbst erlebt, als ich für einen ebay Kauf nach Brilon fuhr- plötzlich war alles wieder da…der Blick auf den Wald, düster, der Nebel, ich musste unkontrolliert anfangen zu weinen, ich denke, ich habe mehr gesehen, als mein Gehirn mich wissen lässt.Ich bin froh darüber. Mich interessiert, ob denn der Bericht über die Kurheim Aufenthalte zustande kam? Und wenn ja, wie und auf welchem Wege wurde er veröffentlicht?
    Liebe Grüße und viel Kraft an alle Betroffenen, Sandra

  255. Michael schreibt am :

    Hallo Sandra,
    hoffentlich lesen Sie hier noch mit! Ebenso wie Sie bin ich auf der Suche nach dem „Kindergenesungsheim“ in Brilon-Möhneburg, das von einer Frau Dr. S. geleitet wurde, auf diese Seite gestoßen. Im Alter von ca. 6 Jahren war ich dort ungefähr 1969/1970 für sechs Wochen als Kind zu einem Kuraufenthalt. Ich habe einige sehr negative Erinnerungen an diese Zeit. Viele Dinge sind aber wohl auch verblasst und es könnte durchaus so sein, wie Sie es sehr gut beschreiben, dass „ich mehr gesehen habe, als mein Gehirn mich wissen lässt“. An sexuellen Missbrauch kann ich mich nicht erinnern und habe ich bis heute auch nie vermutet. Alle anderen „Erziehungsmaßnahmen“ waren schlimm genug und auch die „Behandlungsmethoden“ halte ich aus heutiger Sicht für sehr grenzwertig. Haben Sie persönlich bei Ihrer Recherche noch mehr ausfindig machen können? Und – ganz allgemein in die Runde gefragt – gibt es hier noch mehr Personen, die in ihrer Kindheit in dem „Kindergenesungsheim“ in Brilon-Möhneburg untergebracht waren?
    Liebe Grüße und auch von mir viel Kraft an alle Betroffenen, Michael

  256. Odin schreibt am :

    Hallo,
    habe sowas ähnliches erlebt,in einem Krankenhaus, mitte der 70er.Ich finde zur Zeit keine Worte dafür,
    Wie geht Ihr damit um, ??
    ich beschäftige mich mit Buddhismus dies gibt mir Stabilität,

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