Missbrauchs-Ermittler geben auf “Weitermachen ist sinnlos”


Frankfurter Rundschau 28.06.2010

Brüssel. Nach der Beschlagnahme von fast 500 Opferakten durch die Justizbehörde haben die Mitglieder einer Kommission für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Belgiens die Arbeit eingestellt. “Weitermachen ist sinnlos”, sagte der Vorsitzende der Kommission, Kinderpsychiater Peter Adriaenssens, am Montag in Brüssel. Offensichtlich halte sich die belgische Staatsanwaltschaft nicht an Absprachen mit der Kommission.

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6 Kommentare

  1. astrid schreibt am 29. Juni 2010 um 10:06 Uhr

    schon wieder das Gerangel zwischen weltlicher Rechtsprechung und dem Anspruch der Kirche, sich selbst zur Richterin aufzuschwingen über die von ihr verübten Verbrechen. Die Überschrift suggeriert zwar, dass der “gute” Ermittler der Kinderpsychiater ist und nun empört “aufgibt” – aber hinter dem moralischen Gebaren stecken schlichte Machtkämpfe. Hier geht es um die Oberhoheit bei den Ermittlungen, und dass der belgische Staat hier seiner Pflicht nachkommt und sie an sich nimmt, ist nur folgerichtig. Sie gehört nicht in die Hände einer von der Kirche mit betriebenen Kommission, auch wenn ein netter Kinderpsychiater ihr vorsteht.

  2. Anna M. schreibt am 29. Juni 2010 um 11:05 Uhr

    Ein BRAVO an die belgische Justiz!
    Die deutsche Justiz sollte sich ein Beispiel daran nehmen.

  3. Hubert schreibt am 29. Juni 2010 um 14:03 Uhr

    Na prima!
    da darf man gespannt sein, was die unverfälschte Auswertung dieser Akten seitens der Justiz ans Tageslicht bringt.
    Ein vorbildliches Vorgehen für alle Staaten.

  4. prof.dr.gernot lucas schreibt am 1. Juli 2010 um 10:31 Uhr

    FAZ 1.7.10 seite 4 “papst will westen zurückgewinnen” : vor dem gesetz sind alle gleich, oder doch nicht ? zu der selbstverständlichen arbeit der belgischen ermittlungsbehörden zu den kirchlichen missbrauchsfällen fällt herrn ratzinger 16 nur ein : ” selbst die behörden hegten keinen respekt mehr für christliche institutionen “. in seinem erstaunlichen selbstverständnis gibt es also zweierlei recht. wir als kirche sind tabu ! basta ! prof.dr.gernot lucas

  5. Eike schreibt am 1. Juli 2010 um 15:10 Uhr

    Herr Ratzinger 16 sagt. “Selbst die Behörden hegten keinen Respekt mehr für christliche Institutionen.” – Warum sollten die Behörden den noch Respekt vor einer Institution haben, die über Jahrzehnte Verbrechen an Schutzbefohlene zuläßt und wissentlich vertuscht.
    Leidet der Mann an Realitätsverlust?!
    Ich bin eine gläubige Christin, aber die Institution Kirche hat für mich nichts mehr mit dem christlichen Glauben zu tun.
    Ich bin Gott näher, wenn ich in die Natur gehe und seine Schöpfung bewundern darf. In der Kirche sehe ich nur kostümierte Männer und unnötigen Prunk!!

  6. Wolfgang Brosche schreibt am 1. Juli 2010 um 20:01 Uhr

    Es ist kein Wunder, daß das Oberhaupt einer Institution (genauso wie seine anderen Wüdernträger) sich und eben diese Institution für etwas Besseres halten, wenn sie glauben, daß sie von einem Gott eingesetzt worden sind. Ganz folgerichtig fordert der Papst denn auch mehr “Respekt” – was ja bei ihm richtig übersetzt “Unterwerfung” heißt. Etwas “Göttlichem” muß man eben mehr Respekt erweisen als etwas Irdischem – das sind wir, die armseligen Laien.
    Seit Luther hat es sehr lange gedauert, bis sich die Menschen endlich von der Kirche empanziperen durften. Man täusche sich nicht – der Fundamentalismus des Islam ist nicht der einzige. Auch die christlichen Kirchen würden funamentaler agieren, wenn es nicht die säkulare Gesellschaft in Europa gäbe.
    Die Reaktionen des Papstes auf die Vorgänge in Belgien sind Beleg für einen Reflex: ganz tief drinnen halten sich Papst und Klerus wie immer für die Stellvertreter Gottes und deshalb für sakrosant. – Allein die unverschämte Behauptung, wer einmal getauft sei, der könne gar nicht wirklich aus der Gemeinschaft der Gläubigen austreten, ein Kirchenaustritt sei deshalb recht eigentlich nicht möglich, ist doch ein Beleg für den fundamentalen Herrschaftsanspruch über die Körper und den Geist der Menschen.

    Die christlichen Kirchen sind nicht anders strukturiert als Sekten oder esoterische Gruppen. Auch sie sollten überwacht werden wie z.B. “Scientology” – überall wo ein Jenseits versprochen wird, werden Untaten im Diesseits gerechtfertigt oder man fordert wie die katholische Kirche auch noch deren Vergebung!

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