Im Namen meiner Tochter

25.09.2010

Sexueller Missbrauch Schutzbefohlener in staatlichen Einrichtungen und der Umgang damit am Beispiel meiner Tochter . Ein typisch, alltäglicher Fall?

Im Namen meiner Tochter / für meine Tochter

Im November 2007, meine Tochter war gerade 15 Jahre alt, entdeckten wir, dass sie sich immer mehr veränderte. Da wir aber auch ansonsten aufgrund meiner Erkrankungen, deren Auswirkungen und der allgemeinen pubertären Entwicklung, zunehmend Probleme auf der Verhaltensebene hatten, schenkte ich dem zunächst nicht allzu große Beachtung. Sprach ich sie an, was denn mit ihr los wäre, wies sie mich zurück. Sie selber verschloss sich zunehmend, so dass ich immer penetranter auf sie zuging und sie bat, mir zu sagen, was los sei. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich für sie da sei. Seien es Probleme in der Schule, so würden wir das Gespräch mit den Lehrern suchen. Sie meinte, dass das doch keinen Sinn hätte, weil ihr keiner glauben würde, und der, der das macht, würde selbst die Lehrerinnen bedrohen. Ich bohrte nach und schließlich erzählte sie mir, dass ein Mitschüler ( sehr groß, schon volljährig ) ihr an jeder Ecke auflauert, sie begrabscht, in die Ecke drängt, ihr unter die Wäsche geht, ihr droht, dass er sie „totmachen“ würde, wenn sie es erzählt. Ich fragte sie, ob sie es nicht der Lehrerin erzählt hätte. Sie meinte, dass sie zur Vertrauenslehrerin gegangen wäre, die aber selber Angst vor dem Jungen hat, da er auch zu den  Lehrerinnen verbal und körperlich übergriffig werden würde.
Die Vertrauenslehrerin sagte unserer Tochter, dass sie es aufschreiben solle. Ich fragte sie, ob das alles wäre, was die Schule macht, ob es keine Gespräche mit der Direktorin, dem Jungen und dessen Eltern geben würde. Meine Tochter verneinte. Sie schrieb aber alles auf. Ich sagte ihr, dass sie zu der Lehrerin gehen solle und es unterschreiben lassen solle. Ich wollte etwas in der Hand haben und dies gab ich meiner Tochter auch zu verstehen. Ich machte ihr Mut indem ich ihr sagte, dass ich dafür sorgen würde, dass dagegen etwas unternommen wird.
Am nächsten Tag brachte meine Tochter ihre Aufzeichnungen von der Vertrauenslehrerin, die übrigens auch in Teilen Zeugin dieser Übergriffe war, unterschrieben mit nach Hause.
Sofort rief ich in der Schule an und verlangte ein Gespräch mit der Direktorin. Mehrmaliges Bitten nach einem Gespräch wurde abgelehnt mit fadenscheinigen Gründen, wie „keine Zeit, später, Konferenz, Frau X wird Sie zurückrufen…..
Ich teilte dem Schulbüro mit, dass ich jetzt die Polizei einschalten würde, da es seitens der Schule ja wohl nicht zur Klärung und Gesprächsbereitschaft kommen würde.
Ich ging umgehend zur Polizei und erstattete Anzeige.
Anschließend setzte ich die Schule von diesen Schritt in Kenntnis.
Umgehend wurde ich von der Direktorin zurückgerufen. Auf einmal hatte sie Zeit. Sie meinte, dass es wichtig wäre, dass die Sache geklärt werden würde und sie sich höchstpersönlich darum kümmern würde und ein Gespräch mit Eltern und dem Jungen führen würde.

Ja; Auf einmal, nachdem es drohte öffentlich zu werden und sie um ihren Ruf und dem der Schule fürchten musste. Mich interessierte dieses Verhalten jetzt nicht mehr. Ich gab ihr zu verstehen, dass die Angelegenheit jetzt ihren juristischen Weg gehen würde.
Trotz alledem wurde ich ihren Wunsch gerecht, zum Gespräch in die Schule zu kommen. Ein Rückzug der Anzeige kam für mich nicht mehr in Frage!
Im Gespräch kamen dann folgende Äußerungen ihrerseits: „Wir werden natürlich sofort Kontakt mit der Familie aufnehmen, denn so etwas darf es an diese Schule nicht geben.“
„Gut, dass Sie Anzeige erstattet haben. Uns sind in diesen Fällen die Hände gebunden. Wir können nichts machen, dass ist Sache der Eltern.“
Ich wurde daraufhin ziemlich erbost und fragte nach, warum die Schule nichts machen könne, denn schließlich hätten sie die Verantwortung zum Schutz der Kinder in deren Einrichtung. Wir als Eltern hätten während des Schulbesuchs die Verantwortung delegiert. Wir müssen die Verantwortung delegieren, da allgemeine Schulpflicht herrscht und wir haben ein Recht darauf, dass  verantwortungsvoll  zum Schutz der Kinder, damit umgegangen wird. Wir Eltern müssen der Schule vertrauen dürfen!

Ihr Gegenargument lautete in etwa so, dass unsere Tochter ja nicht unschuldig wäre, denn schließlich würde sie die Jungen durch ihre enge, körperbetonte Bekleidung provozieren. Unsere Tochter und die dazugehörende Klassenlehrerin saßen dabei. Ich gab der Direktorin zu verstehen, dass die Kleidung eines Mädchens noch lange kein Freibrief dafür ist, sie als Freiwild zu betrachten. So machte man meine Tochter „mitschuldig“ an dem an ihr vollzogenen Missbrauch.

Im Dezember teilte uns die Schulleitung mit, dass der Junge von der Schule verwiesen worden wäre.
Die Staatsanwaltschaft (eine Frau) rief ebenfalls im Dezember an und befragte unsere Tochter telefonisch.
Im Februar 2007 bekamen wir Post von der Staatsanwaltschaft, aus der hervorgeht, dass das Strafverfahren ruht, da der Aufenthalt des Beschuldigten nicht ermittelt werden konnte.
Man geht davon aus, da es sich um einen türkischen Mitbürger handelte, dass seine Eltern ihn zurück in die Türkei geschickt haben.
Das Verfahren ruht!
Meine Tochter ruht keineswegs, nur ihr Mund !
Sie hat gesundheitliche, sowie psychische Probleme !
Sie kann sich noch Niemanden außer mir, und das auch nur begrenzt, anvertrauen. Die Scham und die Verletzungen sind zu groß.
Wenn sie mal soweit sein wird, und Niemand kann erahnen, wann der Zeitpunkt da sein wird, dann muss der Täter zur Verantwortung gezogen werden können.

Und deshalb: Abschaffung der Verjährungsfristen!!

Im Namen aller Betroffenen und in Namen „für“ alle Betroffenen und meine Tochter.
Im Namen aller Kinder.

Ich wünsche meiner Tochter und allen Betroffenen, dass es für sie Gerechtigkeit geben wird, und sie mit sich und dem an ihnen begangenen Schaden an Leib und Seele zu Frieden kommen.

Eine Mutter

4 Kommentare

  1. Eva schreibt am :

    Liebe Mutter,

    so sieht es bei uns z.T. in der Justiz und Schulen aus. Die sind häufig total überlastet.

    Hätte die Schulleitung nicht sofort Polizei und die Mutter informieren müssen als der Junge auf einmal der Schule fortblieb oder gar sich abgemeldet hat.

    Ich kenne einen Fall wo eine Mutter mit einer mißbrauchten Tochter zur Kripo ging wo alle sexuell Geschschädigten zu Aussagen eingeladen wurden und sah, wie ein Vater mit seiner hochschwangeren Tochter durch Vergewaltigung kam und die Kripobeamten beschimpfte, weil seit vielen Monaten nichts passierte.

    Für die psychischen Schäden, die manchmal sehr groß sind , aber fast immer alle das ganze Leben beeinträchtigen, habe ich den Eindruck, interessieren sich die Behörden kaum.

    Damit die Rektorin einmal begreift wie schwer die psychischen Schäden aussehen können, empfehle ich, sich die CD “Folgen “von Betroffenen für ein paar Euro zu beschaffen und der Rektorin zu schenken.

    http://www.gegen-missbrauch.de/folgenderfilm

  2. Larissa schreibt am :

    Hallo eine Mutter

    Die Polizei , hat aber alles aufgenommen ?
    Auch die Lehrerin mit angehört die das aufschreiben ihres Kindes unterzeichnet hat ?
    So das es eine Zeugin da gibt , und diese Aussage auch festgehalten wurde ?
    So was wie Sie erlebt haben , sollten sich fiele Eltern mal durchlesen .
    Denn viele die ich ansprach , die ein kind bei sich führten , wollten gar nicht unterschreiben .
    Aber wie schnell kann das eigene Kind ein Opfer werden !

    Mfg
    Larissa

  3. Margarete Köhler schreibt am :

    Kann den Spiessrutenlauf von Müttern mit JA, Justiz u.anderen Behörden
    sehr gut nachvollziehen, bin schon seit 1996 betroffene Mutter und damals schon war das nicht anders, dass man gegen Windmühlen kämpft.

    Es mischt sich niemand ein, denn gegen jeden, der den Opfern hilft, richtet der Täter genauso seine Gewalt, was aber keine Ausrede sein darf, tatenlos zuzuschauen.

    Unbeteiligte können es nicht glauben, dass in unserem Land so vorgegangen wird, doch auch ein sagt dieses Vorgehen aus:

    Es würde viel weniger Böses auf Erden geben, wenn das Böse niemals
    im Namen des Guten getan werden könnte.
    Marie von Ebner -Eschenbach

    Ich habe mich bestimmt 15Jahre mit diesem Thema befasst und habe aufgedeckt, dass den Tätern in ihrer Kindheit die pysikalische Kraft ,
    also die KOGNITIVE LEISTUNSFÄHIGKEIT genommen wurde , dass
    von den Eltern sehr oft nicht bemerkt wird. Wird dieser Zustand in der
    Kindheit nicht erkannt, ist der Täter gezwungen, eine unbefriedigende Berufsausbildung, durch die er sein Leben lang”traumatisiert” ist, was zu diesem Machtgefälle wird, das dann später zwischen Täter und Opfer
    herrschen.
    Ein Pastor ist also noch lange nicht ein richtiger Pastor, wenn er diesen
    Beruf aus Überzeugung ausübt und so ist es bei allen anderen Berufen auch, wenn diese Menschen überhaupt einer Arbeit nachgehen…..

    Wenn alle staatlichen Instutitionen das nicht abändern und auch diesbezüglich selbst UNEINSICHTIG sind, dann müssen wir es
    selbst in die Hand nehmen……
    Auch für diesen Zustand hat Marie von Ebner-Eschenbach einen treffenden Spruch parat :
    Zwischen können und Tun liegt ein großes Meer und auf seinem Grunde
    gar oft die gescheiterte Willenskraft…..

    Mf G
    (momentmal [at] u7.eu)

    ür

  4. Margarete Köhler schreibt am :

    Buchempfehlung : Wer sind die Täter ? (Autorin: Karin Jäckel)
    “Leseprobe” Seite 164-167

    Leseprobe : Seelenmord (Autorin Ursula Wirtz )
    Seite 170-171

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