Mythos der Vergebung


netzwerkB – Positionspapier

Stand: 24. Januar 2012 (als PDF herunter laden)

Mythos der Vergebung

Immer wieder taucht im Zusammenhang mit der Aufarbeitung und Heilung von traumatischen Kindheitserlebnissen das Stichwort „dem Täter vergeben“ auf.
Es ist Zeit, mit verschiedenen Mythen aufzuräumen, die sich darum ranken.

Mythos 1

Vergebung/Verzeihung/Versöhnung gegenüber dem/der Täter_in bewirke eine Heilung bei erwachsenen Betroffenen von Gewalt in der Kindheit.

Viele Psychotherapierichtungen und leider auch einige Traumatherapierichtungen sehen es als krönenden Abschluss einer gelungenen Therapie an, wenn der/die Betroffene dem/der Täter_in vergibt. Oft wird auch von „Frieden schließen“ gesprochen. Doch was bedeutet diese Vergebung für die Betroffenen?

Aus Sicht des misshandelten Kindes im Erwachsenen bedeutet es, dass das Kind, das gerade zu reden begonnen hat wieder schweigen soll. Das ist besonders bei innerfamiliärer Gewalt verheerend, da nach Vergebung oft wieder, bzw. weiterhin Täterkontakt stattfindet, der erneut traumatisiert.

Aus Sicht der erwachsenen Betroffenen kann eine Vergebung zunächst eine gewisse Erleichterung verschaffen. Weil er/sie sich gegenüber dem/der Täter_in und leider auch gegenüber der Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr schuldig dafür fühlen muss, dass er/sie nicht verzeihen “kann“. Die „Fähigkeit“ des Verzeihens wird als Tugend dargestellt. Und vielleicht ist es genau das Gegenteil: mangelnder Mut bzw. Fähigkeit, dem Druck des/der Täter_in und des Umfelds zu widerstehen. Einer tiefgreifenden Heilung aber steht die Vergebung im Wege, denn sie bedeutet eine Wiederholung des Traumas, weil durch die Vergebung genau die Machtverhältnisse wiederhergestellt werden, die während der Tat gegeben waren: ein/e Täter_in, der/die nicht belangt wird und kein schlechtes Gewissen haben muss und ein ohnmächtiges, schweigendes Opfer.

Diese Retraumatisierung wird dann noch verstärkt, wenn der/die Täter_in uneinsichtig ist und keine Reue zeigt. Das Opfer, das einem/r solchen Täter_in vergibt, erleidet enormen Schaden. Es muss alle Schuld auf sich nehmen. Und da die meisten Kindesmisshandler_innen uneinsichtig sind und schon gar keine Reue zeigen, ist es unverantwortlich, das „Heilmittel“ der Vergebung Opfern von Gewalt in der Kindheit zu empfehlen.

Mythos 2

Vergebung/Verzeihung/Versöhnung mache unsere Welt besser.

Hintergrund des Vergebungsmythos sind religiöse Traditionen (nicht nur des Christentums), die Masochismus idealisieren. Haltungen wie „die Welt ist ein Jammertal“, „Schlägt dir jemand auf die eine Wange, so halte ihm auch die andere hin“ oder die Verehrung von masochistischen Märtyrern haben sich trotz der Aufklärung in unsere Zeit hinübergerettet.

Der Mythos der Vergebung findet sich auch in allen spirituell/esoterischen Weltanschauungen, ist sogar ein wesentlicher Bestandteil derselben, weil durch Vergeben – vor allem den gewalttätigen Eltern -  die alte Weltordnung und die bestehenden Machtverhältnisse wiederhergestellt, bzw. aufrecht erhalten werden. So bleiben die Gläubigen und Jünger bei der Stange.

Derartige religiöse/spirituelle/esoterische Weltanschauungen sind zu einer Zeit entstanden, als das Individuum noch nicht die Chance hatte, ein eigenständiges, selbstgestaltetes und  unabhängiges Leben zu führen.

Das hat sich zwar grundlegend geändert, doch es gibt natürlich auch in der heutigen Zeit noch Menschen, die ein Interesse daran haben, dass andere Menschen durch Vergebung Opfer bleiben. Es ist nützlich für machtgierige Politiker_innen, wenn Menschen ihr Leben lang Opfer bleiben. Opfer lassen sich ausbeuten und begehren nicht auf. So nützt die Religion der Politik und umgekehrt.

Mit anderen Worten:

  • Vergebung unterstützt unterdrückende, ausbeuterische Machtverhältnisse
  • Vergebung nützt nur den Kindesmisshandler_innen und schadet den Opfern

Das ist keine Verbesserung für die Welt. Im Gegenteil.

Mythos 3

Vergebung vermindere Wut, Hass und Rache.

Das kindliche Gewaltopfer, das zur Vergebung und damit zum Schweigen gezwungen wird, kann die zur Misshandlung gehörigen Gefühle wie Wut, Hass und Rache nicht verarbeiten, es spaltet sie ab. Vergebung ist hier also gleichbedeutend mit Verdrängung.

Das Opfer speichert sie so lange in sich, bis er/sie dann als Erwachsene/r die Möglichkeit hat, Kindern Gewalt zuzufügen und sich somit an ihnen für die Gewalt seiner/ihrer Täter_innen zu rächen.

Folglich werden Wut, Hass und Rache durch Vergebung nicht vermindert, sondern nur auf die nächste Generation verschoben. So wird durch Vergebung die Gewalt und die Traumatisierungen in jeder Generation neu produziert.

Bestes Beispiel hierfür sind die pädokriminellen Priester, die schon aufgrund ihres Berufs allen vergeben mussten, die ihnen jemals Leid zugefügt haben. Sie haben ihren Täter_innen vergeben und rächen sich dafür an ihnen anvertrauten Kindern.

Natürlich findet die Weitergabe der Gewalt von Generation zu Generation vor allen Dingen in der Familie statt. Dort wird sie durch ein dichtes Netz von Vertuschung, hierarchischen Strukturen, Empathielosigkeit gegenüber Kindern und natürlich mit Hilfe religiöser Mythen wie dem der Vergebung ermöglicht.

Vergebung vermehrt also Wut, Hass und Rache.

Auch das ist keine Verbesserung der Welt. Genauso wenig wie die Neuproduktion von Traumaopfern in jeder Generation.

-

Mehr auf netzwerkB:

Weitere Positionspapiere von netzwerkB…

-
Wenn Sie uns unterstützen wollen, so teilen Sie bitte den Artikel auf Facebook und twittern Sie ihn weiter.

netzwerkB jetzt unterstützen …

 


42 Kommentare

  1. hildegard schreibt am 24. Januar 2012 um 12:23 Uhr

    “Vergebung” gibt die eigene Zuständigkeit zur Selbsteinschätzung als heute erwachsene Person wiederum an jemand oder etwas ab!

    Mein Gefühl für die mühsam eingestandene schrecklichste Wahrheit meines Lebens – Verbrechen an mir als wehrlosem Kind! – und die Folgen für mein ganzes Leben würde mit Ver-gebung verleugnet.
    Mein Gefühl soll nach falschen Vorstellungen aus finsterer Vorzeit wieder und wieder besänftigt werden, bis es sich ferngesteuert dem Willen fremder Mächte er-gibt, auf-gibt.
    Mein Gefühl wird durch gesellschaftlichen Erwartungsdruck in Richtung einer fragwürdigen Vernunft gesteuert …

    Ver-stehen dagegen lässt mich bei mir und bei meinem Gefühl bleiben. Die Erklärung für die Taten meines Täters führt bei bewusster Auseinandersetzung mit den Gründen dieser Gewalt weg von Rache.
    Rache ist Gift.
    Gift ist nur in homöopathischen Dosen verträglich, aber keine Lösung.

    Vergebung – nein! – zur Selbstverleugnung bin ich nicht bereit – keine Religion, keine Ethik darf mich dazu verpflichten!

  2. Petra Müller-Witte schreibt am 24. Januar 2012 um 13:12 Uhr

    Ich habe dem Täter damals nach vielen, schmerzvollen Therapiestunden vergeben. Ich ging davon aus, das dies die einzige Möglichkeit ist, meinen Frieden zu finden.
    Promt hat mich der Täter wieder missbraucht und ich fiel in ein tiefes schwarzes Loch.
    Nein, vergeben werde ich dem Täter nie wieder…….und es geht mir heute sehr gut damit. Ich fühle mich kraftvoll und frei.

  3. Anke Schwan schreibt am 24. Januar 2012 um 13:53 Uhr

    Aus meiner Sicht (ich glaube an Jesus Christus) denke ich schon, dass Vergebung wichtig ist, weil ansonsten die Bitterkeit in einem immer größer wir. Das heißt ja nicht, dass der/ die Betroffene das Geschehene nicht aufarbeiten soll. Nicht unterdrücken, sondern darüber reden mit kompetenten Fachleuten. Auch die Wut über das Geschehene rauszulassen ist wichtig. Wichtig ist aber auch, dass das Strafrecht verändert wird und die Täter nicht nach einigen Jahren wieder in Freiheit gelassen werden und somit wieder unter leben!Ich hoffe, ich habe hiermit niemanden verletzt.

  4. Monika Ederer-Mosing schreibt am 24. Januar 2012 um 14:06 Uhr

    Dieser Artikel ist psychologisch vollkommen richtig. Es ist wie bei den überlebenden Opfern der Nazis: Erst wurde ihr Leben zerstört, dann hieß es vielfach, sie sollten vergeben. Aber an erster Stelle muss die Wiederherstellung der Würde der Überlebenden kommen und in die Entscheidung, ob sie vergeben wollen, dürfen ihnen keine Außenstehenden dreinreden.

  5. Berthild Lorenz schreibt am 24. Januar 2012 um 14:08 Uhr

    Tja, vielleicht verstehen ja unterschiedliche Menschen unter VERGEBUNG was völlig anderes?

    http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13600589/Vergewaltigt-wie-eine-Psychologin-zum-Opfer-wurde.html

    Mitgrbacht: “Schmerz und Genugtuung – der Prozess nach der Tat

    Erst elf Monate später, im Februar 2010, setzt das ein, was Susanne Preusker „ihre Verwandlung“ nennt. Der Prozess gegen Roland K. beginnt. Sie ist Nebenklägerin und glaubt, vorbereitet zu sein auf das, was sie erwartet. Doch dann betritt der Täter den Gerichtssaal. Es ist die erste Begegnung seit jenem Tag im April. Vor ihr liegen starke Beruhigungsmittel. Doch sie braucht sie nicht. Er schaut in ihre Richtung. Sie starrt ihn an, so lange, bis er wegsieht. Es ist ein erster Sieg des Opfers über den Täter.
    Roland K. bittet um Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Richter will ablehnen, kann es aber nur, wenn Susanne Preusker bereit ist, auch öffentlich auszusagen. Das hatte sie nicht gewollt, nicht erwartet. Nun muss sie sich entscheiden. Und sagt zu. Es ist ihr zweiter Sieg. „Da war mir klar, ich schäme mich nicht mehr für die Tat. Die gehört jetzt zu mir.“

    Darum geht es! Mit mir Frieden schließen, meine Kraft spüren und nutzen!
    Das MACHT was mit mir! Klar, auch mit dem, den ich mal als Übermächtigen erlebt habe und mit meiner Sicht auf diesen Menschen …
    Marshall Rosenberg hat mal einen Satz formuliert, da ist mir zuerst der Atem gestockt: “Jeder Mensch tut in jedem Augenblick das, was er gerade am besten kann!”

    Wer sich Zeit nimmt, darüber nachzudenken, stellt Erstaunliches fest, denke ich, auch bei sich selber …

  6. Gail Raven schreibt am 24. Januar 2012 um 14:16 Uhr

    Ein wunderbarer Beitrag,
    der längst fällig war.
    Vergebung ist nur möglich in einer gleichberechtigten Beziehung.
    Diese besteht – per definitionem – nicht zwischen Erwachsenem und Kind.
    Fatalerweise wird dieser Unterschied gerne ignoriert
    - von Religion und Politik – im Eigeninteresse,
    zu Lasten des Abhängigen, im schlimmsten Fall: des Kindes.

  7. Ilona schreibt am 24. Januar 2012 um 14:55 Uhr

    Lieber Norbert Denef,

    vielen Dank für Ihren kraftvollen Beitrag “Mythos der Vergebung”, der mir einmal wieder aus der Seele gesprochen hat und einem religiös-verklärten Umfeld zu entstammen scheint.

    Da dieser Irrglaube der “Tätervergebung” jedoch auch zunehmend Eingang in die öffentlichen Diskussionen und politischen Debatten findet, ist es wichtig, hierzu eine klare Gegenposition zu entwickeln. Erst kürzlich verteidigten führende Politiker den Umstand, dass ca. 20 ehemalige Stasi-Mitarbeiter seit Jahrzehnten in der Stasi-Unterlagenbehörde beschäftigt sind, und nunmehr lediglich “umgesetzt” wurden. Allen voran Joachim Gauck, der ehemalige Leiter der Behörde und Pastor, entblödete sich nicht, öffentlich zu verkünden, dass diese Mitarbeiter sich doch nunmehr “bewährt” hätten und nach zwanzig Jahren Einheit endlich Schluss sein solle mit Rache und Vergeltung.

    Auch bei Medizinern, Anwälten, Richtern und Psychologen findet sich bisweilen diese äußerst verwunderliche und gleichermaßen systemimmanente Haltung, “dass es doch nun gut sei”, man doch endlich “loslassen” solle und dem “Täter vergeben” möge.

    A. Fragen wir uns doch zunächst, was einem pädophilen Vergewaltiger und Mehrfachtäter denn zu “vergeben” sein soll?

    1. Dass er minderjährige Schutzbefohlene gezielt für das Ausleben seiner sexuellen Phantasien missbraucht?
    2. Dass er dies unter Ausnutzung seiner Intelligenz, körperlichen Überlegenheit und häufig beruflichen Status tut?
    3. Dass er diese armen Kinder mehrfach, über lange Zeiträume hinweg und im Verborgenen missbraucht (auf Klassenfahrten, in abgelegenen Ecken und Verstecken, nachts, im Wald, bei Einbrüchen, etc. pp.?
    4. Dass er diesen ausgelieferten Schutzbefohlenen einredet, seine Handlungen hätte gar etwas mit “Liebe” oder einer “ganz besonderen Beziehung” zum Kind zu tun?
    5. Dass er sie wegsperrt, ihren Familien entzieht und ihrer Freiheit beraubt?
    6. Dass er diese Taten fotografiert und filmt und die Produkte dann auch noch verkauft?
    7. Dass das unendliche Leid, die Todesängste, Schmerzen und Verletzungen der Kinder völlig empathielos in Kauf genommen werden?
    8. Dass die Schwere der Verbrechen nicht selten dergestalt ist, dass die Kinder anschliessend auch noch bestialisch ermordert werden – aus Angst, sie könnten als Zeugen auftreten?
    9. Dass Eltern traumatisiert, Familien und Freunde auseinandergerissen, berufliche Planungen und Lebensentwürfe zerstört werden?
    10. Dass Polizei und Justiz durch lange Verfahren finanziell enorm belastet werden?
    11. Dass die öffentliche Hand dann auch noch für Unterbringung, Therapien, etc. der Täter aufkommt?
    10. Dass diese erwachsenen Täter weder die Verantwortung, noch das Rückgrat oder die Kraft haben, sich rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen?
    11. Dass Täter – trotz des ausgeprägten Wissens und Spürsinns für ihre kriminellen Handlungen – vielfach immer und immer wieder zum Täter werden?

    Ich vergebe dies nicht, und lebe damit ausgezeichnet!

    B. Wie schon zutreffend ausgeführt wurde, soll damit schlicht ein systemimmanenter Opferstatus aufrecht erhalten werden. Warum?

    1. Der “Opfertyp” ist leichter zu “handeln”.
    2. Mehr “Opfer” heißt weniger Geltendmachung von zivilrechtlichen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegenüber dem Täter, dessen Arbeitgeber und/oder duldendem Umfeld (unterlassene Hilfeleistung).
    3. Mehr “Opfer” heißt auch weniger Anträge nach dem OEG Ofperentschädigungsgesetz.
    4. Mehr “Opfer” heißt weiter Schweigen, Verdrängen, Nicht-Aufdecken – und damit Sicherheit, Macht und Gestaltungsspielraum für Täter.
    5. Mehr “Opfer” heißt – keine klare Benennung und detaillierte Beschreibung jedes einzelnen dieser furchtbaren Vorfälle.
    6. Mehr “Opfer” heißt “mehr Dummheit” – und damit die Kanonisierung von Dummheit. Denn Anzeigen und Einleitung von zivilrechtlichen und Strafverfahren werden verhindert – und so verzichtet das “Opfer” schlicht auf die Geltendmachung der ihm gesetzlich zustehenden Ansprüche.

    Weiter so, lieber Norbert Denef und liebes Team von netzwerkb!

    Herzlichst, Ilona

  8. Anna M. schreibt am 24. Januar 2012 um 15:12 Uhr

    Ich stimme dem Artikel völlig zu!

    @Berthild Lorenz:
    Was Sie schreiben, hat nichts mit dem Thema Vergebung zu tun. Sie wollen doch nicht etwa vom Thema ablenken?

  9. Heike Walbrecht schreibt am 24. Januar 2012 um 15:21 Uhr

    Über 30 Jahre habe ich vergeblich versucht meine negative Selbsteinschätzung los zu werden. Sämtliche Esoterikbereiche bin ich durchgegangen, Zwei Psychaterbesuche erstickten in meinen Tränen. Dann hab ich verdrängt, genau wie zu Zeiten des Mißbrauchs-wie meine Mutter-die nicht wahrhaben wollte was nicht wahr sein darf.
    Dann bin ich zu Reiki gekommen. Ich habe mich bis zum Meister vorgearbeitet. Dann habe ich wieder Kontakt zur Familie bekommen und geglaubt, dass VERGEBUNG einen Neuanfang möglich machen würde.
    Um es Kurz zu machen-heute will ich keinen Kontakt mehr. Die VERGEBUNG hat den anderen Familienmitgliedern nicht geholfen ihre Blindheit einzusehen. Ich bin immer noch die Schuldige.
    Ich bin jetzt in guten psychologischen Händen und versuche nun EMDR Therapie. Seit ich nicht mehr Vergeben WILL habe ich auch nicht mehr das Gefühl weniger Wert zu sein als Andere.

  10. Cornelia B. schreibt am 24. Januar 2012 um 16:25 Uhr

    Dieser Artikel bestärkt mich in meinen Gefühlen und meiner Einstellung. Die ursprüngliche Forderung meines Therapeuten, meinem Erzeuger für die jahrelang erlittene Pein zu verzeihen, machte mich anfangs ohnmächtig vor Wut. Danach zweifelte ich an mir selbst. Benötige ich evtl. Hilfe weil ich nicht verzeihen kann?
    Inzwischen ist es mir egal, wer, was von mir verlangt. Eine Verzeihung oder Vergebung gibt es für mich nicht und wird es auch nie geben. Ich werde mich nicht wieder unterwerfen.
    Eine derartige Tat kann und darf nicht vergeben werden.
    Die Behandlung bei meinem Therapeuten habe ich inzwischen abgebrochen, da es keinerlei Möglichkeiten gab ihn davon zu überzeugen, dass ich nicht verzeihen bzw. vergeben will und es auch nicht kann und weil es mich zu tiefst verletzt, wieder in die Ecke gedrängt zu werden.

  11. Christine Hahn schreibt am 24. Januar 2012 um 16:38 Uhr

    Ich kann meinem Stiefvater nicht vergeben der mich als Kind angefasst hat.
    Täter wissen was sie tun ,wenn Mann diese Neigung hat sollte er zur Therapie oder Medikamente nehmen damit seine sexuellen Triebe nicht vorhanden sind.
    Vor allem die katholische verklemmte Kirche und sein Zölibat.
    Heiraten und Familie haben ist normal !!!

  12. Uschi Zietsch schreibt am 24. Januar 2012 um 16:50 Uhr

    Endlich sagt es mal jemand laut und deutlich. Vielen Dank für die offenen und (hoffentlich für alle) nachvollziehbaren Worte.

  13. Anna M. schreibt am 24. Januar 2012 um 16:54 Uhr

    Ich habe mal ein wenig gegoogelt nach dem Stichwort “Vergebung”, sehr interessant:
    Wikipedia schreibt u.a.( http://de.wikipedia.org/wiki/Vergebung ):
    “Christentum:
    …das Vergeben unter Menschen geschieht „aus Gnade“, ohne dass der Andere die Vergebung verdient hätte”. Das bedeutet, dass laut der christlichen Lehre auch uneinsichtigen Tätern vergeben werden muß. Psychologisch unhaltbar.
    “„Ertragt einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kolosserbrief 3,13)”
    Das ist in meinen Augen eine klare Aufforderung, Verbrechen zu vertuschen. Denn wenn Verbrechen vergeben worden sind, kommen sie logischerweise nicht zur Anklage. Dies gilt ganz besonders für Verbrechen innerhalb der Familie.
    Auch steckt dahinter die fragwürdige christliche Grundüberzeugung, dass jeder Mensch voller Sünden auf die Welt kommt, die ihm dann unter gewissen Umständen von Gott oder seinen Stellvertretern in Faschingskostümen vergeben werden. Dieses Menschenbild ist grundlegend überholt.

    Interessant fand ich auch ein Zitat von Mahatma Gandhi zur Vergebung:
    „Mahatma Gandhi gab zu bedenken, dass eine abhängige Person nicht verzeihen könne, da sie unfrei handle. Er schrieb auch: „Gewaltfreiheit ist bedeutungslos, wenn sie von einer hilflosen Kreatur ausgeht. Eine Maus wird einer Katze kaum vergeben, wenn sie es zulassen muss, von ihr in Stücke zerrissen zu werden.“ „ (aus Wikipedia s.o.)
    Also ist ein Gewaltopfer unfrei, wenn es auf diese Art und Weise “Frieden schließt”.

    Auch lohnt es sich, die Etymologie des Wortes „Vergebung” mal näher anzusehen:
    Zitat aus:
    http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/deutsch/v/vergeb.htm
    „1. verschiedene Sichtweisen
    a. eine Pflicht erlassen
    Eine Schuld ist eine Leistung die jemand zu erbringen hat und eventuell nicht erbringen kann. Wenn ich die Schuld erlasse oder vergebe oder verzeihe [1], schenke ich dem Schuldner das Geld, das er eigentlich zahlen müsste, oder verzichte darauf, dass er die geforderte Leistung erbringt. Den Schaden trage ich dann selbst oder bürde ihn jemand anderem auf.
    b. Fehler ignorieren
    Ein Fehler ist eine Handlung, die nicht das erwünschte Ergebnis bringt, also falsch war, oder die Unheil anrichtet und übel ist. Wenn ich den Fehler ignoriere, verzichte ich darauf, den Schuldigen zu bestrafen oder für den Schaden haftbar zu machen und muss ebenfalls den Schaden selbst tragen oder einem anderen aufbürden.
    c. auf eine Forderung verzichten
    Durch die nicht bezahlte oder erlassene Schuld entsteht mir als dem Gläubiger ein materieller Nachteil: Mir fehlt das Geld, das ich dem Schuldner geliehen hatte. Auch durch einen Fehler können mir als dem Geschädigten materielle Nachteile entstehen. Deshalb kann ich nicht nur die nicht erbrachte Leistung “vergeben”, sondern auch den Fehler und damit den Schaden, der mir dadurch entstanden ist.
    Wenn ich auf eine Forderung verzichte, die ich an meinen Schuldner habe, so ignoriere ich damit seine Schuld und den Fehler, den er macht, wenn er die Schuld nicht begleicht.
    Von daher überschneiden sich nicht nur die beiden Aspekte, sondern auch die unterschiedlichen Redewendungen.
    d. einen Vorwurf fallen lassen
    Schuld im obigen Sinne ist eine mangelnde, nicht erbrachte Leistung. Sie kann aber auch eine Leistung mit üblen Folgen sein, die dem Täter zum Vorwurf gemacht wird. Man kann den Vorwurf aufrechterhalten und den Täter bestrafen; man kann ihn auch fallen lassen und auf weitere Konsequenzen verzichten.”

    Besonders hervorheben möchte ich diesen Satz:
    “Den Schaden trage ich dann selbst oder bürde ihn jemand anderem auf.”
    Wieso sollte ein Opfer von Gewalt NOCHMALS Schaden tragen durch Vergebung? Dadurch wird es doch erneut zum Opfer gemacht!
    Und überdies wird die Schuld so in die nächste Generation verschleppt.

  14. Flavus schreibt am 24. Januar 2012 um 17:05 Uhr

    Vergebung kann,wenn überhaupt aus meinem ehrlichen Gefühl heraus, dem Täter gegenüber ohne wenn und aber passieren. Alles andere ist Selbstbetrug und führt zu nichts.
    Bedingungslos vergeben ohne dass das Opfer eine Gegenleistung von irgendeinem Gott verlangt ist Vergeben. Für ein Geschenk erwarte ich kein eigenes Geschenk. Ich erwarte nichts. Flavus

  15. Marte-Micaela Riepe schreibt am 24. Januar 2012 um 17:10 Uhr

    Ich bin als erwachsene Frau Opfer rituellen Missbrauchs geworden, welcher mentalen und sexuellen Missbrauch einschloss, und zwar im tantrisch-tibetischen Buddhismus und dort im Rahmen des Kalachakra-Tantra als sogenannte geheime “Gefährtin”.

    Ich war, als mir der Missbauch klar vor Augen geführt wurde, mit all seinen Demütigungen, Schmerzen und unhaltbaren Lebensumständen, so voller Wut, Hass und vor allem tiefster Verzweiflung, dass ich bereit gewesen wäre, mich zu töten.

    Lange Jahre war ich angewiesen auf eine Trauma-Therapie, um die auftretenden Phänomene handhaben zu können. Viele von Euch haben ja dieselben Erfahrungen.

    Und da ich wieder Christin bin, habe ich natürlich immer an den Satz von Jesus gedacht: Liebet Eure Feinde. Dabei kam mir nur in den Sinn, ich, die Täter Nydahl und Thaye Trinle Dorje lieben, ihnen verzeihen? Niemals!
    Ich begegnete jedoch immer wieder Anregungen von vielen Seiten, sich der Vergebung zu nähern. Es wurde kein moralischer Druck ausgeübt, der Prozess des Vergebens wurde vielmehr zu einem inneren Weg, der eine lange Zeit brauchte.

    “Die Blume der Vergebung hat ein langes Wachstum hinter sich”

    Als ich dann aus tiefster Seele verzeihen konnte, habe ich eine existenzielle Befreiung erfahren. Bei näherer Beschäftigung mit der Versöhnungsforschung bin ich auch darauf gestoßen, das sich viele physiologische Parameter wie Blutdruck, Fettstoffwechsel und hormonelle Bedingungen radikal zum Besseren wenden, worüber ich wirklich verblüfft war. Das habe ich dann auch am eigenen Leib erfahren, dies ist also kein Mythos.

    Wichtig ist, das all dies völlig freiwillig geschieht, erzwingen kann das niemand und wer es nicht kann oder will, auch gut.

    Selbstverständlich habe ich die Täter wegen schwerer Körperverletzung angezeigt, ich wünsche mir, das sie bestraft werden. Das hat mit meiner Vergebung nichts zu tun, es ist und bleibt ein Verbrechen.

    Wer mehr über meine Geschichte lesen will:

    http://marte-micaela-riepe.blogspot.com/2011/10/die-entstehung-einer-multiplen.html

  16. fabian schreibt am 24. Januar 2012 um 17:37 Uhr

    Ja – uns Betroffenen bekunden die Vertreter der kath. Institution, in denen der Missbrauch geschah und die damaligen Verantwortlichen die selben sind wie heute und die Täter noch leben, ständig ihre Betroffenheit und bitten um Entschuldigung für das, “was ihnen angetan wurde”. Nicht dafür, was “wir ihnen angetan haben”. Nicht ohne immer wieder auf eigene Verdienste hinzuweisen. Verantwortung will aber niemand übernehmen. Den einfachen Satz: “Ja, wir haben es gewusst und falsch gehandelt.” bringen sie nicht über die Lippen. Es war immer ein einzelner Täter oder wie bei uns auch zwei, drei und mehr, aber die Institution hat damit eigentlich gar nichts zu tun. Wir waren Kinder, denen Gewalt angetan wurde, nein, denen sie Gewalt angetan haben. Opfer sind wir längst nicht mehr. Verzeihen, vergeben, vergessen, ent-schulden – nein. Damit leben lernen – Ja. Und damit müssen sie nun leben, entschuldigen sie bitte.

  17. Anna M. schreibt am 24. Januar 2012 um 17:46 Uhr

    Es ist unerträglich für mich als Betroffene solch einen Erweckungsbericht wie den von Marte-Micaela zu lesen.
    Und es zeigt mir wieder einmal, wie Menschen, die glauben fast vollständig unzugänglich für logische Argumentationen sind.
    Glauben ist nicht wissen!
    Und in den meisten Fällen auch:
    Glauben ist nicht-fühlen!

  18. Jürgen Schwarz schreibt am 24. Januar 2012 um 18:27 Uhr

    Der sprachliche Befund weist eine Nähe des “Vergebens” mit “vergeblich” oder “vergebens” aus; das sollte nachdenklich stimmen. Auch das “Vergeben”, das als “Verzeihen” verstanden werden will, findet sprachlich seinen Grund darin, dass man verzeiht, nämlich etwas schenkt, was man eigentlich zu fordern hat. Und dann lasse man die alte Bedeutung des “Vergebens” als “ihn vergiften” nicht ausser Acht.-Der Rückgriff auf das “Vergeben” als Entlastung entstammt der alten Bußliturgie, die in die frühe Form der Seelsorge eingeflossen ist; von da fand sie Eingang in mancherlei therapeutische Fantasien. Die Anwendung dieser Wortbedeutung in der Gegenwart als Entlastung ist pure Mystik, sie hat etwa soviel Aussagekraft wie die derzeit häufig zitierte “Würde”,
    von der bereits Schopenhauer meinte, man könne auf sie verzichten.

  19. E. Becker schreibt am 24. Januar 2012 um 18:28 Uhr

    Für mein Empfinden ist Vergebung dann – und NUR dann – selbstverständlich und sogar geboten, wenn der Täter aus tiefstem Herzen bereut.
    Ich persönlich setze mich also nicht damit unter Druck, “merinen” Tätern zu vergeben. Sollen sie – wahrhaftig und innig – bereuen, dann werde ich vergeben. Bis dahin betrachte ich sie als Kreaturen, die ihre notwendige – vielleicht seelenlebensbotwenige – Lektion nicht gelernt haben.
    Nicht bereuende Täter sind in meinen Augen Lebensbrunnenvergifter. Amoralische Halbmenschen, faule Früchte. Sich von ihnen fernzuhalten halte ich für das Beste.

  20. Sabine91161 schreibt am 24. Januar 2012 um 18:43 Uhr

    Dem einzigen Menschen dem ich vergeben muß, bin ich selbst für all die Dinge die ich mir selbst angetan habe, weil ich es nicht besser wußte als Mißbrauchsopfer. Ich habe viele Menschen kennen gelernt die das erlebt haben und sowohl als Christen als auch Esoteriker immer meinten vergeben zu müssen. Wo sind die heute? Immer noch krank und oft depressiv und immer noch auf der Suche nach einer Erlösung. Ich vergebe den Tätern und ihren Mitwissern nicht, ich räche mich auch nicht. “Steht auf und ärgert die Täter damit, dass Ihr das Beste aus Eurem Schicksal macht und den maximalen persönlichen Erfolg erzielt”.

  21. Panos P schreibt am 24. Januar 2012 um 19:43 Uhr

    Jedes Wort, das die Situation und den Schmerz der Opfer beschreibt, ist ein gutes Wort. Deshalb danke für diese Worte zum Thema Vergebung.

    Es geht doch darum, aus der Perspektive desjenigen, der tief in seiner Existenz, in seinem Wesen verletzt wurde:
    WIE LEBE ICH WEITER?
    WIE HABE ICH BISHER WEITERGELEBT?

    Es geht auch darum:
    WAS SOLL DIE GESELLSCHAFT MIT DEN TÄTERN TUN?
    WAS SOLL ICH MIT DEN TÄTERN TUN?

    Mir fallen noch einige Fragen mehr ein, die in Herr Denefs Artikel keine Antwort finden konnten. Es geht auch gar nicht. Ich glaube, wenn wir wirklich Veränderung wollen, dürfen wir das Thema nicht loslassen und beharrlich und unablässig breit in die Gesellschaft hineintragen und behandeln.

    Es ist sicher schön, ein Blitzlicht zu werfen, wie es Herr Denef hier tut und wir alle, die wir hier lesen und kommentieren, fühlen uns verstanden und getröstet. Wir brauchen aber ein weiteres Forum und wir müssen da länger dranbleiben, wenn wir den Betroffenen gerecht werden wollen.

    Ich war sechs Jahre alt, als ich meinen Tätern im Pfarrhaus zuhören konnte, wie sie diskutierten: “und was machen wir, wenn das hier eines Tages alles rauskommt?” “…kein Problem, dann bitten wir um Vergebung.”

    Sie haben nur nicht damit gerechnet, dass ich mich nach 40 Jahren an ihre genauen Worte erinnern würde.

  22. oram schreibt am 24. Januar 2012 um 19:54 Uhr

    ich bin sehr froh, dass dieser artikel geschrieben wurde und ich finde ihn auch sehr gut und prägnant.
    Es ist schon sehr schwierig die verdrängung zu durchbrechen und sich einzugestehen, dass mensch sexuelle gewalt als kind erlitten hat. Dann muss mensch dies auch noch auf- und verarbeiten und dazu gehört unbedingt die unterdrückten und sehr berechtigten gefühle der wut (nicht rache) auf den täter zu spühren, und da ist vergebung absolut fehlt am platz. Es behindert den heilungs prozess, verspannungen, rückenschmerzen, kopfschmerzen, etc. etc. lösen sich sonst nicht auf. Die bücher von alice miller waren mir eine grosse hilfe dies zu verstehen und sie erklären warum vergebung ein verrat an sich selbst ist und nur retraumatisiert und einem gefangen hält.

  23. Jacqueline schreibt am 24. Januar 2012 um 20:03 Uhr

    Ich finde den Bericht und die Aufdeckung sehr wichtig und hilfreich.
    In meiner Verarbeitung meines Traumas – des erlittenen sex. Missbrauchs, wurde ich von therapeutischer Seite nie zur Vergebung aufgefordert oder es wurde eingefordert.
    Hingegen von kirchlicher Seite, da suchte ich mal Hilfe bei einer Sozialarbeiterin – der war es lästig, dass ich so stark darauf reagierte, sowohl auf das vergangene wie die neue erlittene Retraumatisierung. Mich hat das abgestossen, sowohl der Forderung wie der Umgang mit mir – Schutz für Täter nahm ich stärker wahr wie Hilfe für mich…
    Auch Familienmitglieder, nicht alle reagieren genervt auf meine Verarbeitungsarbeit.
    Mein Resumee ist, dass NIEMAND von mir diesen Vorgang erwarten kann und darf! Zuerst komme ich mit mir selber ins Reine und kriege mein Leben lebenswert und mit Perspektiven und dann weit danach und viel später verliere ich meine Gedanken an den Täter aus der Kindheit (bei mir ein Fremder) und diejenigen, die mich danach stark retraumatisiert haben.
    Und NIEMAD hindert mich noch daran, darüber zu sprechen und meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu sprechen und daran, weiter an Erkenntnissen zu sammeln.

    Von Personen, denen Macht wichtiger ist und deswegen andere klein machen, stumm machen, weiter an Körper, Geist und Seele schädigen, diese Personen, Institutionen haben bei mir einen schlechten Stand – denn sie Mitläufer – Mittäter und denen ist es EGAL wieviele Kinder, Frauen, Männer noch weiter durch sex. Missbrauch und deren weitläufigen Folgen geschädigt werden.
    Da denen Macht und Geld wichtiger ist, wie Menschen und einen menschenwürdigen Umgang – sprich Kinderstube.
    Und solche künstlichen Strukturen zeugen von Unreife – da sie auf natürliche Prozesse mit Gewalt reagieren und ungesundes Verhalten konservieren.
    Gesund ist sich zu wehren, gesund ist für sich einzustehen, gesund ist Grenzen zu setzen. Gesund ist NEIN zu sagen und dem anderen zu untersagen über mich und mein Leben zu bestimmen. Gesund ist achtsam für mich zu sorgen….. etc…

    Mir wurde die Tage auch klar, dass viele ALTE Strukturen wie die katholische Kirche vor allem und andere Institutionen und Menschen, die diesen bedingungslos und ohne Reflektion nachfolgen, eigentlich LEBLOS sind.
    Eine solche Struktur aufrechtzuerhalten und Entwicklungen der Weiterentwicklung zu stoppen – sind ein lebloser, zerstörischer und so unberechenbarer Koloss, wie eine Entwicklung, die in Schritten, Verbesserungen bringen…

    Das ist das, was viele Betroffenen immer mehr klar wird und sie deshalb weiter an der Entwicklung arbeiten und es NICHT MEHR ZULASSEN in solche Strukturen zu gelangen!
    HUT AB – das ist ein Weg Richtung HEILUNG UND GANZ WERDEN!

    Mir ist Frieden in mir zu finden und dem Umfeld, was mir wichtig ist, ESSENTIELLER UND WICHTIGER als Vergebung für den Täter!

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

  24. katja schreibt am 24. Januar 2012 um 20:52 Uhr

    Vergebung ist verjährt!
    Der Rat, den Tätern zu vergeben, um zu einem Gefühl der Befreiung und Entlastung zu gelangen, resultiert meines Erachens daraus, den Überlebenden hilflos helfen zu wollen, sich nicht lebenslang grämen zu müssen, nichts gegen Täter unternehmen zu können. Die Wut, der Hass und der nie in Erfüllung gehende Wunsch nach Gerechtigkeit, weil durch Verjährungsfristen keine gerechte Anklage und Strafe möglich ist, macht viele Überlebende auf Dauer krank. Verjährung macht krank!
    Vergebung bedeutet, “Gnade vor Recht” walten zu lassen. Wenn wir Überlebende Gnade walten lassen, brauchen wir um unser Recht nicht mehr zu kämpfen.
    Diese Zeiten sind vorüber, wenn die Verjährung aufgehoben wird.
    Vergebung ist verjährt, nicht die Taten!

  25. Sarah schreibt am 24. Januar 2012 um 22:11 Uhr

    @Anke Schwan

    Vergebung ist nicht der WEG, um der Verbitterung zu entkommen. Das ist meines Erachtens ein Trugschluss! Zumindest, wenn es um solche schwerwiegende Verbrechen an wehrlose Kinder geht, die im vollen Bewusstsein über Jahre hinweg begangen wurden.
    Hier wurde ganz bewusst Macht demonstriert. Und jemanden, der Freude hat, seine angebliche Überlegenheit (vom Kopf her ist er dies ganz sicher nicht, aber körperlich ist er selbstverständlich Kinder überlegen und auch vom Abhängigkeitsverhältnis, Machtgefälle) in derart perfiden und perversen Gewalt zu demonstrieren, weiß sehr wohl was er tut.
    Um dieses Machtverhältnis aufzubrechen, ist es wichtig – die Wut über dieses Verbrechen, den Zorn, und den Hass heraus zu lassen. Wenn dies nicht geschieht, vergiftet sie im Nachhinein das Restleben hindurch die Seele und macht auf Dauer verbittert. Vergeben ist ein weiteres Verleugnen dieser Verbrechen, der Täter hat somit wéiterhin Macht über das Opfer, denn es verharrt in der Opferrolle. Es darf nicht zu seinen Gefühlen stehen.

    Noch etwas, wer vergibt, will nicht, dass der Täter gerichtlich sanktioniert wird. Denn Vergebung ist radikal und hat keine zweierlei Maßstäbe. Wenn ich jemandem vergebe, gebe ich ihm eine neue Chance, ganz vom Null – punkt anzufangen. Hier widerspricht sich meines Erachtens etwas ganz entscheidendes. Denn wieder sollen andere sich mit dem Täter und der von ihm begangenen Taten auseinander setzen und die werden das dann schon richten (urteilen). Wieder verkriecht sich das Opfer in seine Opferrolle, abhängig vom Handeln anderer. Aber selbst sagt man dann ganz heroisch: Ich habe dem Täter verziehen. Das stinkt zum Himmel – das ist scheinheilig! Mehr nicht!!
    Dann lieber ehrlich und von ganzem Herzen NIE UND NIMMER vergeben, und darüber auch von ganzem Herzen froh sein, wenn so ein Verbrecher hinter Gitter gesperrt wird. Das ist ehrlich und geradelinig. Alles andere ist m.E. nur ein Versuch, die EIGENE SEELE REIN und in den Augen der Religionen HEILIG zu machen. Mehr nicht. Vergebung aber hat den zu Vergebenden im Mittelpunkt. Und nicht sich selbst!!!
    Nur mal so zum Nachdenken!!!
    Sarah Mohn

    Beispiele: wenn man die Wut, den Zorn und alle Gefühle nicht raus lässt, sieht man an den Amokläufern. In ihnen gährt jahrelang der nicht gezeigte Hass, die Wut – bis sie eines Tages den Plan schmieden, Rache auszuüben, und zwar auf unschuldige Menschen. Oder ein anderes Beispiel: die Selbstzerstörungstendenzen, die Suizidgefährdung. Alles versteckte Wut, die man dann auf sich selbst richtet, weil man ja artig sein muss, dem Täter gegenüber, wie damals als kleines Kind, als akutes Opfer, weil sonst noch schlimmeres passiert wäre. Und genau mit der Masche arbeiten ALLE Religionen. Ich bin der Hirte, du bist das Schaf!
    Es geht nicht darum, den Hass irgendwo hinzurichten, sondern imaginär da hin, wo er hingehört, nämlich zu den Tätern.
    Mein Ziel ist es, irgendwann für mich ganz alleine meine Biographie zu befrieden – nur für mich!!! Aber das ist unabhängig davon, ob ich den Tätern verzeihe oder nicht. Die sind mir relativ schnuppe. Ich lasse sie nicht mehr in mein Leben, an meinem Leben teilhaben. Nicht einmal mehr an meinen Gedanken. Damit habe ich ihnen ihre Macht entzogen, und nehme mein eigenes Leben in die Hand. Was sie mit ihrem machen, ist mir sowas von egal. Sie sind mir schnuppe, und kein Gedanke mehr wert.

    Sarah

  26. Erik Peterich schreibt am 24. Januar 2012 um 22:13 Uhr

    Leider wird innerhalb unserer Gesellschaft viel zu oft von Vergebung gefaselt anstatt von Gerechtigkeit, Opferschutz und gerechte Bestrafung von Triebtätern.
    Wir wachsen doch schon mit dem Grundsatz des Vergebens und Vegessens auf und somit wird alles entschuldbar.
    Vergebung hat mich nicht weitergebracht als ich anfing meine Kindheit aufzuarbeiten. Jeder Mensch ist anders, aber Wut kann genau so heilbar sein wie Liebe.
    Ich glaube nicht daran, dass man seinem Vergewaltiger verzeihen kann. Ich kann es nicht und will es auch gar nicht. Jemandem einzureden es sei heilsam seinem Vergewaltiger zu verzeihen kommt für mich einer weiteren Vergewaltigung gleich.

  27. Beate Basner schreibt am 24. Januar 2012 um 22:28 Uhr

    Nein, Vergeben kann ich nicht vollkommen, kann es aber heute als Betroffene von emotionalen Missbrauch und sexuallisierter Gewalt vom Säuglingsalter an besser differenzieren.

    Zunächst einmal fange ich an mir selber persönlich zu vergeben: ICH BIN NICHT SCHULD daran, was mir meine Familie 13 Jahre lang angetan hat! Damit dies geschehen und einen Heilungsprozess erzielen kann, muss ich den TÄTERN (Vater, Mutter, soziales Umfeld) einen Namen geben und sie als solche erkennen und benennen. Dazu gehört sehr viel Mut, Kraft und natürlich Wut. Wenn ich den Tätern vergeben soll, wird mir dieses wieder genommen und ich stehe genau da, wo ich in der Kindheit und im jüngeren Erwachsenenalter stand – als das typische, angepasste und “liebe” Opfer.
    Gerade das Spüren dieser Wut, die sich langsam auf völlig gesunde Weise nach draußen drängt, ist mir unheimlich wichtig. Und sie lässt sich lenken, weg von den eigentlichen Tätern (weil tot oder unerreichbar) hin zu meinem persönliches Umfeld von damals und auf die Gesellschaft insgesamt. Wut (nicht selbstzerfressender Hass oder Gewalt) ist ein gutes, natürliches, energieschaffendes Gefühl, wenn konstruktiv eingesetzt. Durch sie kann man sich wehren und auf Missstände aufmerksam machen. Und sie tritt immer wieder freiwillig zurück, wenn Frohsinn und Heiterkeit da sind.
    Gerade im Vergeben der Täter sehe ich eine Gefahr für die Betroffenen. Das Trauma kann nicht in das Leben eingebunden werden und im schlimmsten Fall in einem Suizid enden.

    Vielen Dank für den Artikel und allen Betroffenen wünsche ich viel Kraft und Mut (und Wut und auch Heiterkeit).

  28. Heidi Maas schreibt am 25. Januar 2012 um 09:30 Uhr

    hm… “Vergebung” ist meiner Meinung nach das, was den Menschen zum Menschen macht… Wenn ich vergebe, weil andere das von mir erwarten oder um mich “tugendhaft” zu verhalten, dann handelt es sich nicht um Vergebung. In diesem Text heißt es, dass “Menschen durch Vergebung Opfer bleiben” – Das Gegenteil ist der Fall! Und der/die Autor/in des Artikels ist offenkundig selbst ein Opfer, das mit sich und der Welt noch nichts ins Reine gebracht hat… Der Text ist pure Emotion, da sitzt etwas ganz tief, was noch nicht aufgearbeitet wurde. Und ja, es ist möglich: aus der Opferrolle heraustreten und selbstbestimmt Frieden zu machen mit dem, was mir widerfahren ist. Dazu brauche ich zwei Dinge: einen erfahrenen Mentor und Coach (keinen Therapeuten!), der mir den Weg aus der Opferrolle zeigt und mich begleitet – aber vor allem den brennenden Wunsch, kein Opfer mehr zu sein!

  29. Victoria schreibt am 25. Januar 2012 um 10:34 Uhr

    Ein sehr wichtiger Beitrag zu einem Thema, das ich für mich noch nicht ganz zu Ende durchgedacht habe. Ich bin in einem stark katholischen Umfeld aufgewachsen und als Erwachsene dann im evangelischen “Lager” gelandet. Vergebung war und ist natürlich ein Riesenthema, hat mir aber tatsächlich auch nicht dabei geholfen mich abzugrenzen, nein sagen zu können und ein Gefühl für meine persönliche Integrität und Würde zu entwickeln. Ich habe noch keine endgültige Antwort darauf gefunden, wie ich dieses Ziel schlussendlich erreichen kann ….

  30. Sascha Kolb schreibt am 25. Januar 2012 um 10:56 Uhr

    Wow, ich bin beeindruckt! Das ist ein wirklich guter Text; trifft den Kern haarganau im Schwarzen.

    Viele Grüße
    Sascha

  31. Brigitte L - Rieder schreibt am 25. Januar 2012 um 11:16 Uhr

    Dieses Thema war und ist auch für mich sehr wichtig (bin Betroffene, Österreicherin). `Mein` Täter war Jahrzehnte lang führender Kinderarzt & Psychologe…ich half dann -gegen massivste Widerstände- mit, diese Causa rechtsgültig zu beenden. Eine Folge davon; zusätzlicher Verrat der Mutter und des jüngeren Bruders (Jurist!). Dieser Verrat drohte mich endgültig zu zerstören! Also leistete ich mir über Jahre eine herkömmliche Psychotherapie, bis ich draufkam, dass die Psychologin sich weigern würde, mir öffentlich als Zeugin FÜR mich zu dienen…Begründung u. A.; deren `Schweigepflicht`…gilt sowas denn auch dann, wenn ICH als Opfer diese gar nicht wünschte?! Soviel ich verstand, würde aber vor Gericht bei Anordnung des Richters diese Schweigepflicht sehr wohl aufhebbar sein, wenn es GEGEN mich gerichtet wäre ( z. B. bei einem Entmündigungsverfahren, viele Opfer von F. Wurst wurden besachwaltert)…
    So. Trotz vieler Aktivitäten meinerseits wurden mir all die Jahre NACH dem Prozess die normalen Rechte teilweise vorenthalten, so verweigerten mir die österr. Justiz einen Rechtstitel gegen x-fache Bedrohungen (schriftlich & beweisbar!). Die Journaille verhielt sich ähnlich; ich `darf`nirgends vorkommen…könnte mein Beispiel sonst zu `gefährlich`werden? Immerhin hatte ich ja auch Erfolg gehabt mit meiner Gegenwehr. Der sooo mächtige Täter wurde 2002 verurteilt, verlor sämtliche Titel etc…
    Trotzdem; mein malträtierter Körper rebellierte durch die DANACH erfolgten zusätzlichen Bedrohungen, Verrate, Demütigungen zunehmend mit starken Symptomen. Kurz; Krankheiten. Ich war vor 2 Jahren fast am Eingehen…in diesem Zustand lernte ich einen Heiler kennen, der selbst als Kind Betroffener ärgsten MB`s (Ausland) war, mit typischen massivsten Folgeschäden, und sich daraus heraus entwickelt hat(te)…und dann begann zwischen uns diese Auseinandersetzung; Vergebung ja oder nein. Ich war und bin einerseits klar der Meinung; es MÜSSEN die Täter (möglichst auch öffentlich!) zur Verantwortung gezogen (notfalls quasi geprügelt) werden!!! Auch die `MittäterInnen`, die diesen verbrecherischen Irrsinn an Kindern & Abhängigen zuließen. Andererseits zerstört die andauernde innere Beschäftigung und der Kampf mit der oft so übermächtigen Täterseite (ergo gutteils die Gesellschaft selbst!) uns als betroffene Individuen zusätzlich, solange eben diese Genugtuung und Wiedergutmachungen NICHT & nicht & immer noch nicht erfolgen…und hier setzt das Geheimnis dieses `Verzeihens`an; es löst in uns selbst diese übergroße Bindung an das Verbrechen, die Verbrecher auf, und hilft so real mit, unsere Psyche und Körper zu BEFREIEN…zumindest habe ich es so er/sielebt!
    Es funktioniert tatsächlich ;-) Mir gehts inzwischen besser, auch körperlich.
    Aber; es ist NICHT richtig, sich dann `befreit` selbst aufs gemütliche Zuschauersesserl zu setzen, und dann NICHTS mehr zu tun…denn; diese `Vergebung` entschuldigt die Täterseite NIE.
    Nur; es ist die Verantwortung Aller innert dieses Systems, Täter wirklich zur Verantwortung zu ziehen. Ergo; befreiendes Verzeihen von Opferseite ENTSCHULDET NICHT !!!
    So verstehe ich das…
    Grüße Brigitte L-R

  32. Monika Ederer-Mosing schreibt am 25. Januar 2012 um 11:18 Uhr

    Ich bin Frau Marte-Micaela Riepe sehr dankbar, dass sie den buddhistischen Lama Nydahl erwähnt. Dieser Lama hielt vor vielen Jahren in Graz einen Vortrag, in dem er sinngemäß sagte: Man soll sich nicht beklagen, in meiner Kindheit hat mein Onkel mit mir gespielt. Denn in einer früheren Inkarnation habe ich mit meinem Onkel gespielt! Ein interessantes Beispiel dafür, wie gewisse BuddhistInnen über Vergebung denken!

  33. alex schreibt am 25. Januar 2012 um 11:58 Uhr

    ich werde dem arsch nie nie niemals verzeihen und ich wünsche ihm einen qualvollen tot!!!!!!!!!!!!!

  34. Barbara Rogers schreibt am 25. Januar 2012 um 16:48 Uhr

    Vielen Dank Dank für diesen wahren, ausgezeichneten Artikel. Ich würde ihn gern ins englische übersetzen und auf meiner Website
    http://www.screamsfromchildhood.com
    verlinken. Wäre das OK?
    Ich sende Ihnen viel Unterstützung für Ihre wichtige Arbeit,
    Barbara Rogers
    _________________________________
    Anmerkung von Norbert Denef:

    Sehr geehrte Frau Rogers,

    wir freuen uns darüber sehr, wenn Sie den Artikel ins englische übersetzen und ihn auf Ihrer Website verlinken.

    Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

    Herzliche Grüße

    Norbert Denef

  35. flaemmchen schreibt am 26. Januar 2012 um 06:54 Uhr

    Als ich diesen Bericht gelesen habe, war mir ganz schnell klar
    Nein niemals könnte ich jemanden vergeben.
    All die Leute die mir das angetan habe?
    Nein niemals
    ich habe versucht meinen Erzeugern zu vergeben.
    Was war das End vom Lied.
    Es wurde sich rausgeredet, es war doch nicht so schlimm und wenn hätte ich ja ihnen was sagen können.
    Ganz schnell wurde mir die Schuld wieder zugewiesen
    Durch die Begegnung mit einem der Täter und auch meinen Kinderzimmer wo es damals passiert war , gab es eine verheerende Retraumatisierung so das es mich in extremes Loch gezogen hat, so das ich mich immer wieder umbringen wollte.

    Ich hasse die Menschen die mir mein Leben kaputt gemacht haben!

  36. Klara Jones schreibt am 26. Januar 2012 um 10:04 Uhr

    Danke, das war eine treffende Info zu den Folgen des sexuellen Missbrauchs.
    Denn manchmal hat man das Gefühl, es wird einfach erwartet, dass man vergibt. Mein Vater hat meine Schwester und mich über Jahre sexuell missbraucht und gedemütigt.
    Ich hatte und habe immer Kontakt zu meinen Eltern (beide 84). Ich bin 64 Jahre alt. Oft dachte ich, dass ich den Kontakt abbrechen müsste. Aber immer war mir klar, dass eines Tages ein Amt vor meiner Türe stehen würde und sagen würde ……Sie müssen sich jetzt aber mal um Ihre Eltern kümmern, die brauchen Hilfe. (Mein Vater ist seit 40 Jahren krebskrank.)
    Dann war es mir doch lieber, die Situation dort (wir wohnen 280 km voneinander entfernt) in etwa im Überblick zu behalten. Aber vergeben ist mir nicht möglich. Zumal die Einsicht in die Tat nicht durchgängig erkennbar ist.
    Nein, vergeben kann ich nicht. Aber wer schützt uns vor den Ansprüchen der Öffentlichkeit, wenn die Täter alt und gebrechlich werden, der private Besitz für die Pflege aufge braucht ist und nun die ehemals missbrauchten Kinder zahlen sollen???

  37. Anna M. schreibt am 26. Januar 2012 um 14:03 Uhr

    @Klara Jones:
    Du bist nicht verpflichtet die Eltern zu pflegen, sondern nur sie im Notfall zu finanzieren. Aber auch das nur bedingt, wie dieser Artikel zeigt:
    http://senioren.verdi.de/tipps/nicht_immer_muessen_kinder_fuer_ihre_eltern_zahlen
    und hier nochmal etwas ausführlicher:
    http://www.dewion.de/pflegezusatz/angehoerige.shtml

    In meinen Augen hat dein Vater den Anspruch auf den sog. Elternunterhalt verwirkt. Und ein Anwalt wird das sicherlich genauso sehen.

  38. Sabine Keil schreibt am 26. Januar 2012 um 14:05 Uhr

    Wir vergeben denen niemals, denen wir Unrecht zugefügt haben, denn sie haben es uns ja leicht gemacht.

    (Ist ganz bewußt so geschrieben).

    Das ist die Praxis in heute !!

  39. elvira schreibt am 30. Januar 2012 um 11:05 Uhr

    Danke für diesen Beitrag. Vergebung ist ein Konzept, das ein Täterhirn geschaffen hat und funktioniert nicht! Ich habe es als ehemalige “gute” Katholikin auch praktiziert, ich war sogar beichten. Das alles ist eine Illusion, die die Kassen der Kirchen u. a. bis heute wunderbar füllt.
    Mir hat dieses Konzept vor allem geholfen, den unerträglichen Schmerz nicht fühlen zu müssen. Heute weis ich, dass das Fühlen des Schmerzes mir Heilung, Frieden und Freiheit gebracht hat. Alles andere hat nicht geholfen, der Schmerz, der Ekel etc. bleiben bei einer Vergebung, die aus dem Kopf kommt, im System stecken und lassen uns ewig leiden. Man kann sich nicht freikaufen mit so einem Konzept. Freiheit vom Täter habe ich erst durch das Fühlen dieser heilenden Emotionen bekommen und auch Freiheit von HASS und ANGST. Den Täter lasse ich nicht mehr in mein “Haus” und das fühlt sich gut an!

  40. Eva Phoenix schreibt am 31. Januar 2012 um 03:28 Uhr

    Liebe Ilona,

    als ich Deinen Text las hat es mir gedaemmert und ich moechte Deiner Liste Punkt 7 hinzufuegen:

    7. Stumme Opfer erlauben es den bystandern bystander zu bleiben.

    Sie muessen sich dann nicht unsere schrecklichen Geschichten, unsere zerstorten Leben, anhoren. Sie brauchen nicht in Abgruende zu schauen, Abgruende des menschlichen Herzens (Leseempfehlung : Martha Stout: “Der Soziopath von Nebenan”) und Abgruende des Leidens und des Ausgeliefertseins, und des menschlichen Geworfenseins. Und daruber gar ihren Seelenfrieden verlieren.

    SIe werden dann auch nicht gezwungen, Farbe zu bekennen und vom Zuschauer zum Helfer zu werden. Sie brauchen keinen Mut,. brauchen sich nicht die Hande schmutzig machen, womoglich noch im Sonntagsanzug ins Wasser springen, um den Etrinkenden zu retten. Oder gar den Geldbeutel oeffnen.

    Schliesslich brauchen sie dann auch ihr Selbstverstandnis nicht zu reviedieren.

    Statt dessen koenne sie ungestort ihr Leben, Interessen, Karriere und innere und aussere Bequemlichkeit weiterfuehren.

    Fur den Zuschauer gibt es nur eine Wahl: entweder Bystander oder Mittaeter. Ein Bystander , einer der nichts hort und nichts sieht und nichts tut, wird zum Mittaeter. Fur einen Beistander gibt es keine Neutralitaet.

    We need REDRESS.

    und

    We shall Overcome

    (Entschuldigung, Ihr Mitstreiter und Leidensgenossen, nach vielen Jahren im Ausland fehlt mir manchmal das richtige deutsche Wort.)

    (If you read this, Barabara Rogers, how do you translate “Redress “? Das steht auf meiner Fahne)

    Eva Phoenix

    Das Vergebungsthema dient hauptsachlich zu Ablenkung vom Hauptthema: Wie werden die Opfer wieder ganz gemacht, wie wird ihnen ihr Leben und ihr Zuhausesein in der Welt zuruckgegeben? Was sind Ihre legitimen Anspruche und Rechte? Und was muss geschehen, dass sie diese erhalten?

  41. Martina schreibt am 31. Januar 2012 um 09:12 Uhr

    Es ist schwer zu diesem Thema die richtigen Worte zu finden, weil da sehr subtil mit dem Leid der Betroffenen gespielt wird.

    Es sind die Betroffenen die sich organisieren müssen und sie müssen um ihr Recht kämpfen.

    Hätte ein Täter oder ein Mittäter ein klein wenig Einsicht und würde seine Tat bereuen,so wäre es deren Aufgabe sich einzusetzen, dass solche Taten sich nicht wiederholen.
    Wenn sich jemand für die Betroffenen stark macht, dann sind sie selbst es und Leute wie Herr Denef.
    Vergeben kann man nur, wenn von der Täterseite Bemühungen in dieser Richtung erkennbar sind. Weder von der Kirche noch vom Staat kann ich von einer Bemühung in dieser Richtung erkennen.
    Es gibt weder Verjährungsfristen noch finanzielle Entschädigungen und oft werden die Betroffenen sogar als Lügner hingestellt.
    Dann noch Vergebung erwarten ist noch perverser, als es die Täter selbst sind.
    Ich empfehle das Buch ” Die Masken der Niedertracht” v.Marie-France Hirigoyen. Die Autorin beschreibt nicht Sex.Mb, sondern allgemein Machtmissbrauch, seelische Gewalt und die Strategie der Täter.

  42. Caro schreibt am 11. Februar 2012 um 08:41 Uhr

    Zitat: “Aus Sicht des misshandelten Kindes im Erwachsenen bedeutet es, dass das Kind, das gerade zu reden begonnen hat wieder schweigen soll. Das ist besonders bei innerfamiliärer Gewalt verheerend, da nach Vergebung oft wieder, bzw. weiterhin Täterkontakt stattfindet, der erneut traumatisiert.”

    Ich kann nur sagen, wenn es auf diese Weise geschieht / geschehen ist, dann wurde massivst gepfuscht!

Einen Kommentar schreiben

Bitte bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe. Verwenden Sie einen eindeutigen Namen in den Kommentaren, so dass ersichtlich bleibt, wer hier mit wem diskutiert. Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt. Neben den Kommentaren besteht auch die Möglichkeit einen Artikel einzureichen, bitte wenden Sie sich dazu an: info [at] netzwerkb.org