Deutscher Bundestag verkennt die Situation der Opfer

12.03.2013: netzwerkB Pressemitteilung

netzwerkB Pressemitteilung 12. März 2013

Das Gesetz StORMG, das der Bundestag am 14. März 2012 verabschieden wird, zielt auf die Betroffenen von sexualisierter Gewalt, insbesondere oft jahrelangen systematischen Missbrauchs in Kindheit und Jugend, ab.Norbert Denef, Vorsitzender des Netzwerkes Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V. (kurz netzwerkB), nimmt hier zu wie folgt Stellung:Die Anhebung der Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche auf 30 Jahre stellt eine Gleichstellung mit Betroffenen anderer Formen von Gewalt und Gesundheitsschädigung dar. Das finden wir in diesem Sinne auch positiv.Dennoch treten gesundheitliche Spätfolgen erst nach Ablauf dieser Frist auf. Deshalb wissen alle Beteiligten der Politik, dass diese Frist von 30 Jahren nicht reicht.Der Bundesgerichtshof hat bestätigt, dass die Gesundheitsfolgen insbesondere so schwer sein können, dass die Betroffenen von sexualisierter Gewalt aufgrund einer Retrograden Amnesie das erlittene Trauma binnen dieser 30 Jahre nicht einmal als Grund realisieren können.

Diese Frist von 30 Jahren bleibt also nach wie vor ein Täterschutz. Hier sind wir von der Politik enttäuscht.

Die SPD beschloss auf ihrem Bundesparteitag vom 6. Dezember 2011 sogar einstimmig, dass die vorgeschlagene Frist von 30 Jahren zugunsten einer völligen Aufhebung zu überarbeiten ist. Nunmehr hat nicht einmal ein einziger Bundestagsabgeordneter der SPD den Mut aufgebracht, hier einen entsprechenden Änderungsantrag zum StORMG einzubringen.

Eine wirkliche Reform muss die Aufhebung der Verjährungsfristen umfassen, eine Überarbeitung des Strafrechts und eine neues Schadensersatzrecht, das den gesundheitlichen Schäden und den Folgeschäden von beruflichem Ausfall bis hin zur Berufsunfähigkeit wirklich Rechnung trägt. Letzteres ist aufgrund der Frist von 30 Jahren für Opfer von Gewalt so kaum realisierbar. Dort, wo Menschen von der Gewalt gegen andere erfahren, muss auch eine Anzeigepflicht gelten.

Hier sind die Opfer von Gewalt oder anderer Gesundheitsschädigungen und ihre Angehörigen gefragt, sich gemeinsam für weitere Reformen in Gesetzgebung und Rechtsprechung einzusetzen, damit sie nicht mehr ausgegrenzt und mit ihren Problemen alleine gelassen werden.

Für Journalisten-Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782
oder +49 (0)1631625091
Unterstützen Sie Betroffene!

10 Kommentare

  1. Welche Enttäuschung!!!!
    Ich kann es kaum glauben und überhaupt nicht verstehen!
    Sämtliche Politiker machen sich schuldig, unglaubwürdig und eigener Taten verdächtig!!!!!!
    Das kommt dabei raus, wenn keine konsequente Aufhebung der Verjährungsfristen zustande kommt!

  2. Absatz 5 (Eine wirkliche Reform…) möchte ich voll und ganz mit unterschreiben. das ist auch meine Meinung!!!!

  3. Karl Görtz schreibt am :

    Runder Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ – Ziele und Aufgaben

    „Anerkennung des Leidens der Opfer sexuellen Missbrauchs in jeglicher Hinsicht“

    http://www.rundertisch-kindesmissbrauch.de/ziele_aufgaben.htm

    Anmerkung:
    Mit einer nur 30-jährigen Verjährungsfrist, die ihr Politstrategen am Donnerstag in ein Täterschutzgesetz gießen wollt, verkennt ihr jedenfalls mein Leiden. Eure Worte sind hohle Sprechblasen. Schnell abschließen ist eure Devise bevor weißer Rauch in Rom aufsteigt.
    Mein Zorn wächst und das ist gut so. Und ich bin auch nicht schwul, und auch das ist gut so! Wowereit. Es gibt Menschen, die sagen mir, vergiss die Vergangenheit. Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein. Sexueller Missbrauch. Und auf der anderen Seite redet ihr auf mich ein, nie zu vergessen. Wider des Vergessens. Holocaust. Ich vertraue euch nicht, habe ich noch nie, konnte ich noch nie, und das ist mein Leiden!

  4. Bärbel schreibt am :

    zu Karl Götz—-

    wider das Vergessen—-trotz der gelebten Kindheit der Nachkriegsjahre,es war belastend,sehr belastend———-
    habe ich Vertrauen ,das Urvertrauen aufbauen können,

    kein Alter ist jedoch vor Gewalt,Verleumdung,Diskriminierung,
    Brutalität geschützt,
    Vergessen kann ich auch nicht,ich soll vergeben,
    mein Verlust des Glaubens an den Rechtsstaat sind durch die Verleumdungen als Folge die Traumatisierung—–
    Jeder kann nur für sich selbst empfinden und handeln,
    unsere Justiz ist so aufgebaut,dass sie sich nie irrt—.Ich will oder möchte es,mich anderen Menschen anschliessen,und gegen das Unrecht durch öffentliche Institute,Einrichtungen,—kämpfen,—
    wer schweigt ,dem Unrecht an Kindern vorbeischaut ,
    macht sich auch schuldig.

  5. Wenn man – wie wir vom VEH e.V. – tagtäglich 60-, 70- und sogar 80-jährigen zu tun hat, die immer noch unsäglich unter der Gewalt leiden, die sie als Kinder, als Kleinkinder und Jugendliche erlebt haben, wenn man ihre Verzweiflung hört, ihre Wut oder auch Mutlosigkeit, kann man zu diesem Gesetz nur eines sagen:

    „Schämt euch!“

    Schämt euch, alle, die ihr dieses Gesetz mit verabschiedet! Denn ihr alle, jeder einzelne von euch, macht sich mitschuldig. Mitschuldig an dem Leid der heute alten Menschen und besonders mitschuldig an dem Leid kommender Kindergenerationen!

    Aber vielleicht gilt ja noch der alte Spruch „Was lange gärt wird endlich Wut!“

    Dann aber wird die Wut unendlich sein und wir werden uns holen, was unser ist: Gerechtigkeit!

  6. Karin 56 schreibt am :

    Ich bin selbst Opfer sexueller Gewalt an Kindern geworden I.Ich bin mehr als entsetzt wie >Politiker mit unserem Leid umgehen.ich weiss das ich bis ans Ende meines Lebens darunter leiden werde. Wer wird hier bestraft??? Täterschutz vor Opferschutz!!!!! Was sind das für „Volksvertreter??? Vielleicht sollten wir uns noch lauter bemerkbar machen ,damit man uns endlich wahrnimmt. Nicht wir müssen uns schämen sondern die Politiker, sie treten unsere Würde mit Füssen.Habt Mut und wehrt Euch laut

  7. Uwe Werner schreibt am :

    Das gleiche machen die jetzt doch auch mit den Contergan-Opfern, wenn ihr die Debatte gestern im Deutschen Bundestag verfolgt habt.
    Wie sagte ein MdB der CDU: schnell, unbürokratisch, keine Hürden, ohne Fragestellung und effizient…
    Das haben wir doch auch schonmal vom Runden-Tisch gehört. Das Gegenteil ist/war der Fall.
    Die bürokratischen Hürden für uns Opfer sind enorm und mit einem erheblichen finanziellen Mehraufwand verbunden. In dem Erstgespräch wird der Missbrauch erneut komplett durchgekaut. Jedes Opfer muss dafür nach Köln oder Münster anreisen. Keine Unpfändbarkeitserklärung für die Hilfsmittel vom Lenkungsauschuss. Enormer Zeitaufwand für die Beschaffung verbindlicher Kostenvoranschläge bzw. Auftragsbestätigungen. Zeitlich verzögerte Korrespondenzen…
    Dies alles unabhängig vom psychischen und physischen Gesundheitszustand der Betroffenen.
    Einen Vorteil soll den Contergan-Opfern,gegenüber uns Missbrauchsopfern eingeräumt werden, das sie über die Verwendung der „ärmlichen Summe“ frei verfügen dürfen (sei ihnen von Herzen gegönnt) und nicht wie Opfer sexueller Gewalt gezwungen sind einen entsprechenden Kaufvertrag vorzulegen.
    Was sind wir bereit noch alles hinzunehmen von überheblichen, arroganten, unsensiblen Politiker und Kleriker? Wann @Heidi bricht endlich die Wut aus und besorgen uns selber unsere Gerechtigkeit?!
    Wieso hat ein Tabakkonzern und andere Firmen eine Lobby in Berlin und alle Missbrauchsverbände-u.Vereine, es sind nicht wenige, dümpeln eigentlich nur so vor sich hin? Jeder Opferverband-u.Verein sollte sein Süppchen in einen grossen Suppentopf schütten, stark umrühren (dient der Konsistenz) und dann den Topf zum Überlaufen bringen.
    Es ist ja nicht so, das wir Opfer nur um einer Verjährungsfrist und einer guten Entschädigung kämpfen müssen, dazu kommen ja auch die ganz alltäglichen Probleme, wie SGB II; Hartz-IV; Rente;Krankenkasse…usw. Desweiteren denke ich auch, das die Opferverbände mehr Gesicht zeigen sollten in den Medien und der Öffentlichkeit. Denn wenn in den Medien über uns berichtet wird, dann verbindet die Öffentlichkeit dies meistens nur mit einpaar wenigen Köpfen, z.B. Norbert Denef. Diers erweckt aber oft auch den Eindruck, da kämpft ein Einzelner einsam und verlassen. Dem ist doch aber gar nicht so! Oder? Bieten wir uns den Medien an und zeigen ihnen, das wir eine Hydra mit unendlich vielen Köpfen sind. Diese zu bekämpfen und zu ignorieren dürfte dann den Medien und den Politiker sowie den Kleriker enorm schwer fallen. Hören wir auf zu dümpeln und fangen an zu strampeln.
    Wer von uns soll denn nach Berlin zur Demo fahren, wenn ihm dafür das Geld nicht zur Verfügung steht ?!
    Das ist ein Widerspruch in sich, zu dem was wir von Kirche und Staat fordern.
    Es muss eine andere Denkensweise und eine agressivere Öffentlichkeitsarbeit stattfinden. Wir müssen agieren und nicht stets auf unfähige Personen und Gesetzesvorschläge aus Politik und Kirche reagieren. Selber eine Deutschlandweite Pressekonferenz vorbereiten und durchführen und mit Belegen und Dokumenten den Verantwortlichen den Spiegel vorhalten. Nur so können wir die süffisanten und halbherzigen Zusagen der am Runden-Tisch-Berlin Beteiligten entlarven. Dazu gehört aber auch eine gewisse Selbstreinigung in den eigenen Kreisen, z.B. sich auch mal zurücknehmen können, weniger Profilierungssucht an den Tag legen, auch mal andere zu Wort kommen lassen. Wir können das Schweigen nicht brechen, wenn nur wenige zu Wort kommen.
    Wenn das Ettaler-Kloster an die Opfer bisher 700.000 Euro an Entschädigung gezahlt hat, trotz Runder-Tisch, dann kann man auch andere Träger und Stiftungen von unmenschlichen Einrichtungen zwingen, zu ihrer Verantwortung zu stehen und eine wirklich angemessene Entschädigung zu zahlen, ohne den Verweis auf den „Hilfsfond für ehemalige Heimkinder“.
    Aufgrund des von uns erlittenen Leids durch heuchlerische und teuflische „Täter“ , haben wir uns das RECHT erworben, aufgrund unseres Alters die einst genommene Lebensqualität jetzt zurückzufordern.

  8. Nicole schreibt am :

    Ich kann die Forderung nur aus vollsten Herzen unterstützen und spreche meinen Respekt für Norbert Denef aus, dass diese Worte über seine Lippen kamen.

  9. Ursula Happ schreibt am :

    Ulla den 1.7.2017
    Auch ich wurde Opfer sexueller Gewalt. Mein Antrag nach dem WEG wurde anerkannt,da die Tat vor dem Stichtag statt fand gehöre ich mal wieder zu den Verlierern.
    Sexueller Missbrauch, Schädigung, Erwerbsminderung und jetzt ist mein Leid nicht soviel Wert, weil länger her und ich länger leide. Wo ist da die Gerechtigkeit?

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