Prostitution, kein Beruf wie jeder andere

02.09.2013: netzwerkB Pressemitteilung

netzwerkB setzt sich für eine Aufhebung des derzeit geltenden Prostitutions-Gesetzes und für die Einführung des „Abolitionsprinzips“ ein.



Käuflicher „Erwerb“ eines Körpers ist ein Ausdruck von Gewalt und Macht, und er gehört damit aus unserer Sicht geächtet.

In Deutschland gilt hinsichtlich der Prostitution das „Regulationsprinzip“. Dieses findet seinen Ausdruck im Prostitutionsgesetz, dem „Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten“ – kurz ProstG. In Kraft getreten ist dieses Gesetz am 01.01.2002.

„Regulationsprinzip“ vs. „Abolitionsprinzip“

Wir haben eines der liberalsten Prostitutionsgesetze überhaupt. welches dem sogenannten „Regulationsprinzip“ folgt. Es akzeptiert die Prostitution und stellt diese unter staatliche Kontrolle. „Entkriminalisierung“ bedeutet, dass wir es inzwischen mit „Sexarbeit“ zu tun haben, die als herkömmliche Erwerbsarbeit gilt, seit das Gesetz in Kraft getreten ist. Das „Abolitionsprinzip“ hätte demgegenüber einerseits zum Ziel, Prostituierte nicht zu kriminalisieren, und andererseits alles, was mit Prostitution zusammenhängt wie Zuhälterei, Unterhaltung von Bordellen, unter Strafe zu stellen. Möglich wäre auch – wie beispielsweise in Schweden seit 1999 erfolgreich praktiziert – zusätzlich Freier zu kriminalisieren. Dieses Vorgehen hatte dort u.a. zur Folge, dass Prostitution und Menschenhandel deutlich zurückgegangen sind. In Schweden lernen die Kinder schon in der Grundschule, dass es Unrecht ist, Sex mit Frauen zu kaufen.

Die Mechanismen, in die „Mühlen“ der Prostitution zu geraten, sind vielfältig

Eine Reihe von Faktoren, wie z.B. die Hoffnung, sich aus oft trostlosen Perspektiven befreien zu können, spielen hierbei eine herausragende Rolle.

Armut, die Erfahrung, ausgebeutet zu werden, sexualisierte und andere Gewalterfahrungen in der Herkunftsfamilie, sind beispielsweise Bedingungen, welche die Mädchen und Frauen aber auch die Jungen und Männer, glauben hinter sich lassen zu können.

Oft sind es gerade bei den aus Osteuropa stammenden Prostituierten fälschlich versprochene Aussichten, beispielsweise als Kellnerin oder Tänzerin arbeiten zu dürfen, die sie in das ansonsten fremde Deutschland locken.

Sie finden sich dann in den Kreisläufen von Macht und Ohnmacht wieder, die auch der Prostitution eigen sind, in Kreisläufen, die generell bei Gewalt jedweder Form zu finden sind und die sie eigentlich zu verlassen suchten.

Bekannte Überlebensmuster auch bei Prostituierten

Oft entwickeln Betroffene von sexualisierter Gewalt, aber auch Opfer anderer Gewalterfahrungen in der Kindheit, innere Mechanismen zum Überleben, mit den auf sie einwirkenden Gewalttaten umzugehen.

Sie idealisieren zum Beispiel die Täter ihrer Kindheit, da es für Kinder unerträglich wäre zu merken, dass die Person, der sie vertrauen müssen, und von der sie existenziell abhängig sind, nicht vertrauenswürdig ist und ihnen im Gegenteil Schaden zufügt.

So lange die Idealisierung der Täter nicht aufgelöst wurde, kann  diese über einen langen Zeitraum, ggf. sogar über ein gesamtes Leben hinweg, aufrechterhalten werden.

Wie es oft bei Opfern sexualisierter und anderer Gewalt der Fall ist, sind sich Betroffene als Erwachsene ihrer teils schon früh erlittenen traumatischen inneren Verletzungen oft selbst gar nicht mehr bewusst. Um zu überleben, haben sie die traumatischen Erfahrungen aus ihrem Gedächtnis verdrängt, umgedeutet oder auf eine andere Art verleugnet, nur um überleben zu können.

Später greift die Idealisierung dann auch gegenüber den „Nachfolgern“ der Täter aus der Kindheit. Prostituierte sind dann beispielsweise blind gegenüber der Wirklichkeit, blind auch gegenüber den Versprechen der Menschenfänger, Zuhälter und ggf. auch gegenüber den Freiern.

Drogen- und Alkoholsucht führen nicht nur in die Prostitution hinein, sie werden auch von Prostituierten eingesetzt um auszuhalten, was die Prostitution mit ihren Körpern und in ihren Seelen anrichtet. Auch das Abspalten des eigenen Körpers – möglicherweise schon als Kind erlernt, um sexualisierte, aber auch anderweitig misshandelnde Gewalt zu überstehen – ist eine Möglichkeit, nicht mehr wahrzunehmen, was der Körper Tag für Tag erfährt.

Kreislauf der Abhängigkeiten

Oftmals werden horrende Mieten für die vom Zuhälter „geschützten“ Räume verlangt, in denen die Prostituierten die Freier bedienen.. Diese müssen durch eine hohes Ausmaß an sexuellen Dienstleistungen abbezahlt werden, was den Prostituierten oftmals aber nicht möglich ist. In Schulden und andere Abhängigkeiten hineingepresst und verstrickt, kann es auch für angeblich freiwillige Prostituierte ausgesprochen schwierig werden, sich jemals aus diesem fatalen Kreislauf zu lösen. Viele Prostituierte haben ein anderes, ein normales, wirklich selbstbestimmtes Leben, nie kennengelernt.

Wir setzen uns ein für eine Aufhebung des jetzigen Gesetzes und für die Einführung des „Abolitionsprinzips“ Wir sind der Überzeugung, dass es mit der Menschenwürde nicht vereinbar ist, den Kauf eines Körpers zu legalisieren, neben all den Risiken des Prostituiertenlebens wie z.B. extreme Gewalttätigkeit, Geschlechtskrankheiten, HIV und auch ungewollter Schwangerschaften.

Die in der Diskussion um die Legalisierung der Prostitution vielgepriesenen Begriffe „Freiwilligkeit“ und „Selbstbestimmung“ halten wir für sehr gewagte wenn nicht abwegige Thesen.

Die Prostitution fußt auf der Ausbeutung von Frauen, Männern, Mädchen und Jungen, die, oftmals schon als Kind traumatisiert, aus den Kreisläufen der sexualisierten Gewalt und aus dem Ungleichgewicht der Machtverhältnisse nicht hinausfinden.

Die Entkriminalisierung der Prostituierten selbst war längst überfällig, und sie war ein wichtiges Signal. Allerdings, die Prostitution selbst und ihre „Betriebe“ zu entkriminalisieren, stehen der Menschenwürde der Prostituierten diametral entgegen. Diese Menschen können derzeit auf legalem Wege ausgebeutet und erniedrigt werden. Prostitution hält sich zudem oftmals in der Nähe organisierter Kriminalität auf und damit auch in der Nachbarschaft der „Geschäftszweige“ der unermesslichen Qual von Kinderprostitution und Kinderpornographie.

Nutznießer des gegenwärtig verfolgten „Regulationsprinzips“ sind ausschließlich organisierte und nicht organisierte Verbrecher und die Freier, nicht aber der Großteil der weiblichen und männlichen Prostituierten.

In diesen Zusammenhang verweisen wir auf unsere Pressemitteilung vom 29. August 2013:

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64 Kommentare

  1. Anna M. schreibt am :

    Sehr guter Artikel, der endlich die Hintergründe der Prostituiertenschicksale deutlich macht.
    Gehört in eine große Tageszeitung!

  2. Und-noch-ein-Leserbrief schreibt am :

    Wer bei netzwerkB hat denn das Gesetz schon mal überhaupt gelesen?

    Das Prostitutionsgesetz besteht aus drei Paragrafen, die drei Punkte beinhalten: 1. Das vereinbarte Entgelt ist eine rechtmässige Forderung. 2. Das Entgelt ist nicht durch Dritte (Zuhälter) einforderbar. 3. Prostitutierte haben die Möglichkeit, in die Sozialversicherung zu gehen. Der Texte befindet sich hier: findet sich hier: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/prostg/gesamt.pdf

    Der Bericht der Bundesregierung über die Auswirkungen ist hier zu finden: http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung4/Pdf-Anlagen/bericht-bureg-auswirkungen-prostitutionsgesetz,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

    Nunmehr verlangt netzwerkB die „Aufhebung des jetzigen Gesetzes“ (Zitat von oben). Das bedeutet: Die Prostituierte kann um ihren Lohn betrogen werden. Ein Zuhälter kann sich das Geld direkt vom Gast holen, es gibt dann keine bessere Regelung mehr. Die Frauen haben keinen Anspruch auf Krankenversicherung, keinen Anspruch auf Rentenversicherung und so weiter.

    Das ist nicht Teil des des schwedischen Prinzips, die Frauen selbst rechtlos zu stellen, wie es netzwerkB hier verlangt.

  3. Hubert schreibt am :

    So ein Gewerbe ist und bleibt ein schmieriges Geschäft.
    Da hilft auch der Versuch einer gesetzlichen Reglementierung nichts.
    Am Ende wird das Ergebnis immer Zerstörung der Menschenwürde sein mit den bekannten Folgen sein.
    Wer hat das momentane Gesetz zu veranworten?
    Das ist ganz entsetzlich.

  4. Anna M. schreibt am :

    Sehr geehrte/r Und-noch-ein-Leserbrief,
    aus dem Bericht der Bundesregierung über die Auswirkungen des Gesetzes:
    „Aus Sicht der Bundesregierung hat das Prostitutionsgesetz die vom Gesetzgeber intendierten Zielsetzungen

    die Sittenwidrigkeit der Prostitution abzuschaffen,

    Prostituierten die Einklagbarkeit ihres Lohns zu sichern,

    den Zugang zur Sozialversicherung zu erleichtern,

    kriminellen Begleiterscheinungen der Prostitution den Boden zu entziehen,

    den Ausstieg aus der Prostitution zu erleichtern und

    bessere (möglichst wenig gesundheitsgefährdende) Arbeitsbedingungen zu sichern
    nur zu einem begrenztem Teil erreichen können.
    So ist es zwar gelungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Abschluss von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen zu schaffen, diese Möglichkeit wurde bislang jedoch kaum genutzt. Entsprechend hat das Prostitutionsgesetz bisher auch keine messbare tatsächliche Verbesserung der sozialen Absicherung von Prostituierten bewirken können.
    Hinsichtlich der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Prostitution konnten kaum messbare positive Wirkungen in der Praxis festgestellt werden, allenfalls gibt es erste zaghafte Ansätze, die in diese Richtung weisen. Positive Veränderungen zu Gunsten der Prostituierten sind gerade in diesem Bereich allerdings auch nicht kurzfristig zu erwarten.
    Die Ausstiegsmöglichkeiten aus der Prostitution sind durch das Prostitutionsgesetz nicht erkennbar verbessert worden.
    Für einen kriminalitätsmindernden Effekt des ProstG gibt es bislang keine belastbaren Hinweise. Auch konnte das ProstG bislang nur in sehr begrenztem Umfang zu einer besseren Transparenz des „Rotlichtmilieus“ beitragen.
    Andererseits haben sich auch die Befürchtungen, die teilweise mit dem ProstG verknüpft wurden, nicht bewahrheitet, insbesondere nicht im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung. Eine Erschwernis der Verfolgung von Menschenhandel, Zwangsprostitution und anderen gewaltförmigen Auswüchsen der Prostitution ist durch das Prostitutionsgesetz nicht eingetreten. “

    Der letzte Satz wurde mehrfach widerlegt, bitte lesen: „Bordell Deutschland“, Spiegel Mai 2013
    Die Arbeitsbedingungen des Prostituierten haben sich MASSIV verschlechtert.

    Daß die Frauen in Schweden rechtlos gestellt werden ist mir neu. Vielmehr ist es so, daß dort Freier bestraft werden. Und das ist gut so.

  5. Andreas schreibt am :

    Hallo,

    in vielen Argumentationen gebe ich Ihnen Recht! Es darf keine – wie auch immer geartete – Gewalt gegen andere Menschen geben!

    Allerdings befürchte ich, daß Ihre Forderung nach einem prinzipiellen Verbot von Prostitution genau das Gegenteil zur Folge hat. Wenn ein Freier weiß, daß er sich sowieso strafbar macht, ob nun gegen Bares im Bordell oder „kostenlos“ als Vergewaltiger, wird er sich vermutlich das Geld sparen. Aus diesem Grund sollte muß man bedenken, daß die Zahl der Vergewaltigungen bei einem Verbot der Prostitution stark ansteigen wird. Das wäre genau das Gegenteil der gesteckten Ziele.

    Ich finde, man muß vielmehr ganz massiv gegen Zuhälterei, Zwangsprostitution und unseriöse Bordellbetreiber vorgehen! Den Frauen, die diesem Gewerbe ohne Zwang nachgehen, sollte geholfen werden, sich gegen Gewalt und Ausbeutung zu wehren. Außerdem brauchen diese Frauen ein gesetzlich geregeltes Recht, sich wie andere Gewerbetreibende auch, zu versichern (z.B. Krankenversicherung, Rentenversicherung).

    Ein Teil der Zwangsprostitution wäre schon mit einer Sensibilisierung unserer Bundespolizei zu bekämpfen. Ausweis- und Visumkontrolle alleine sind kontraproduktiv! Vielmehr sollte ein Grenz-Beamter mißtrauisch werden, wenn ein Kleinbus aus Südosteuropa ankommt, in dem neben dem männlichen
    Fahrer und Beifahrer nur junge, hübsche Frauen sitzen!

    Ausbeuterischen Bordellbetreibern könnte man einfach das Handwerk legen, wenn sie nachweisen müßten, daß die dort tätigen Frauen ihrer Beschäftigung freiwillig und zu ihrem Vorteil nachgehen. Dazu benötigen die Frauen allerdings das Recht, diesem Gewerbe nachzugehen, mit allen Konsequenzen.

  6. Realmenschin schreibt am :

    Wie soll sich ein Opfer je als Opfer erkennen-und damit die Möglichkeit haben, endlich aus dem Opfersein herauszutreten-, wenn es doch angeblich so freiwillig und selbstbestimmt der „Sexarbeit“ nachgeht.
    Frau Constabel, Streetworkerin in Stuttgart berichtet in der „Emma“ vom 21.8.:
    —„Noémi sagt, dass sie ein ganzes Jahr gebraucht hat, um sich an diese Arbeit zu gewöhnen. Das erste Jahr hat sie sich vor Ekel nach jedem Freier erbrochen. Jetzt weint sie nicht mehr jeden Tag…“–
    Oder
    —-„Aber was ist mit Ancuta, der 24-Jährigen, die gerade weinend angerufen hat, weil ihr Unterleib so schmerzt und sie nicht mehr arbeiten kann? Dabei ist die Miete der letzten drei Tage offen. Das sind 240 Euro oder sieben Freier. Sich sieben Mal penetrieren lassen und sieben Mal Oralverkehr.“—
    Was ist Menschenwürde? Und was ist Aufarbeitung einer Gesellschaft wirklich? Sollte man nicht, wenn man einen Garten umgräbt, um die Keime des Kinderschutzes zu säen, ebenso darauf achten, dass die Pflanzen, die bereits in einem Teil des Gartens aufgewachsen sind, ebenso mit Liebe und Würde behandelt werden?
    Wie geht das, einerseits aufzuarbeiten, und sich für Menschenwürde, gesunde Liebe und ihren Schutz einzusetzen und dann aus der Tür hinausgehen, in einen anderen Raum hinein, um dort das zu verletzen, was man doch gerade noch behüten und nähren wollte?
    Ist das nicht ein Bild einer perfekt gelungenen Abspaltung, wie sie bei uns seit Jahrzehnten „Normalität“ ist? Ist das nicht genau das, von dem man doch wissen und SPÜREN müsste, dass es nicht würdig sein KANN und Gewalt und Benutzen IST.
    Einen Körper zu bezahlen, das sich Öffnen eines Menschen bezahlen zu wollen- natürlich eine Illusion, denn wenn man inwendig tot ist oder abgespalten, bekommt der andere nicht die Person, und kein sich öffnen. Man bekommt etwas Abgespaltenes, etwas, das einem, wenn man es am anderen wahrnimmt, nur schmerzen kann! Welche Pein !
    Vieles ist aufzuarbeiten. Die versteckte „Normalität“, das „älteste Gewerbe der Welt“(nur für wen?), die Sexsucht, auch als Leid, das totale Abspalten, als wäre das eine faszinierende Welt, die Welt der Prostitution. Einen Weichzeichner über etwas gelegt, das zutiefst menschenverachtend ist.
    Und die Kinderprostitution? Wo „landen“ denn die Kinderprostituierten wenn sie älter geworden sind? Und wo die Frauen, die gehandelt werden, und die minderjährigen Stricher?? Wo fragt ein Freier nach, wenn er ein Kind vergewaltigen will?
    Wenn jemand aus diesem Milieu umgebracht wird, heißt es mitunter in der Presse „ Prostituierte umgebracht“, oder „Stricher brachte XY“ um.
    Was wirklich dahinter steckt erfährt keiner, oder wird als kurze Sensation hochgejubelt, aber die Identität und der Lebensweg interessiert keinen Menschen.
    Freier könnten vielleicht einen anderen Weg finden, mit anderen Menschen und sich selbst umzugehen, wenn sie merken, dass es auch andere Wege gibt und sie nicht mehr in ihrem destruktiven Tun unterstützt werden, welches auch sie jeden Tag verdrängen müssen.
    Menschen für das Benutzen zu bezahlen kann keine Alternative sein Vergewaltigung zu verhindern! Nein, sicher nicht! Eine Prostituierte bezahlt vergewaltigen?

  7. Anna M. schreibt am :

    Andreas,
    Sie irren, wenn Sie schreiben: „Wenn ein Freier weiß, daß er sich sowieso strafbar macht, ob nun gegen Bares im Bordell oder “kostenlos” als Vergewaltiger, wird er sich vermutlich das Geld sparen.“
    Gerade die Legalität der Prostitution macht es vielen „Kunden“ leicht, sich Frauen oder Männer zu kaufen, die Hemmschwelle sinkt. Daher ist nicht davon auszugehen, daß die Zahl der Vergewaltigungen ansteigen würde, wenn Prostitution verboten würde. Ein wirklich absurdes Argument.
    Durch das Gesetz von 2001 ist genau DAS erschwert worden: gegen Zuhälterei, Zwangsprostitution und Menschenhandel vorzugehen.

    Ein kompletter Widerspruch liegt in dem Satz: „Den Frauen, die diesem Gewerbe ohne Zwang nachgehen, sollte geholfen werden, sich gegen Gewalt und Ausbeutung zu wehren.“ Wenn sie Gewalt oder Ausbeutung erfahren, dann gehen sie diesem Gewerbe doch nicht ohne Zwang nach!!!

    Wie der o.g. Bericht der Bundesregierung zeigt, versichern sich sehr wenige Prostituierte freiwillig. Da hat das Gesetz keine Verbesserungen geschaffen.

    Und was die Grenzkontrollen angeht: Sie wissen, daß die Schleuser sehr raffiniert vorgehen.

    Und was ist denn das für ein Unsinn?
    „Ausbeuterischen Bordellbetreibern könnte man einfach das Handwerk legen, wenn sie nachweisen müßten, daß die dort tätigen Frauen ihrer Beschäftigung freiwillig und zu ihrem Vorteil nachgehen.“
    Gerade bei ausbeuterischen Bordellbetreibern würden sie in diesem Fall nur auswendig gelernte „Freiwilligkeitserklärungen“ bekommen.

    Bitte beschäftigen Sie sich mit der PROBLEMATIK der Prostitution. Der erwähnte Spiegel-Artikel ist da ein guter Enstieg sowie der erwähnte EMMA-Artikel der mit Prostituierten arbeitenden Sozialarbeiterin.

    Ich bin doch relativ erstaunt, wieviele Mythen sich immer noch um den Beruf der Prostituierten ranken.
    Offensichtlich wurde die Gesellschaft jahrelang (jahrhundertelang?) darauf konditioniert, diesen Beruf normal zu finden.
    Angefangen von der „Dreigroschenoper“ bis zu aktuellen Werken wie der Film „Das Bessere Leben“
    Geschrieben wurden solche Werke vermutlich von Personen, die sich Menschen kauften (bei Brecht weiß man es, bei anderen kann man es vermuten).
    Es ist Zeit, diese Mythen aufzulösen, um die Menschenwürde wiederherzustellen.

  8. A. schreibt am :

    Jaaa!!!! Ich BIN eine ehemalige Prostituierte und ich DANKE euch, dass ihr euch NICHT einreiht in die Reihen jener, die da von „Sexarbeit“ schwafeln! Danke für die klaren Worte und dafür, dass ihr den Mut habt sie auszusprechen, denn GENAU SO IST ES!

    Viele Grüße!

    A.

  9. Landesfrauenrat Baden-Württemberg schreibt am :

    Liebes NetzwerkB-Team,

    wir danken Ihnen für Ihre klare Positionierung gegen Prostitution. Auch der Landesfrauenrat Baden-Württemberg verfolgt aktiv das Ziel einer Gesellschaft ohne Prostitution.
    Denn in Prostitution und Zuhälterei (illegal oder legalisiert) findet das Machtverhältnis von Männern über Frauen und ihre Sexualität einen deutlichen Ausdruck. In legalisierter und gesellschaftlich anerkannter Prostitution manifestiert sich die Anerkennung dieses Machtverhältnisses.
    Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg, Dachverband von 52 Frauenorganisationen in Baden-Württemberg, hat im April eine Resolution gegen Prostitution und Menschenhandel verabschiedet und sich auch im Netzwerk der Landesfrauenräte der Bundesländer für eine entsprechende Beschlussfassung engagiert.
    Wir fordern, dass der Staat und die Gesellschaft in Deutschland mit einem Prostitutionsverbot ein grundsätzliches Signal für einen gesellschaftlich anzustrebenden Wert einvernehmlicher nicht-warenförmiger Sexualbeziehungen setzen. Als Vorbild sehen wir die Gesetzgebung in Schweden und die Diskussion in einigen weiteren europäischen Ländern (z.B. in Frankreich).
    Antworten der politischen EntscheidungsträgerInnen, denen wir unsere Forderungen übermittelt haben, liegen uns allerdings noch nicht vor.
    Die genannten Beschlüsse und auch die Dokumentation unserer Veranstaltung vom April 2013 , bei der u.a. Sabine Constabel berichtet hat, senden wir Ihnen anhängend zur Kenntnisnahme.

    Freundliche Grüße aus Stuttgart
    Angelika Klingel
    Erste Vorsitzende

    Landesfrauenrat Baden-Württemberg
    LFR-Geschäftsstelle
    Gymnasiumstrasse 43, 3. OG, 70174 Stuttgart
    Tel. 0711 – 62 11 35, Fax. 0711 61 29 98
    http://www.landesfrauenrat-bw.de

  10. hildegard schreibt am :

    … rundbrief 2013 – 2 der Landfrauen:
    „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, lautet wörtlich der Grundgesetzauftrag aus Art 1 GG. Unserem Selbstverständnis als Teil der Zivilgesellschaft entspricht es, den Staat an diesen Auftrag zu erinnern, wenn wir ihn nicht hinreichend erfüllt sehen.
    Das ist es – und für interkulturellen Austausch sich einsetzen, auch das ist notwendig.
    Hier ein packendes Beispiel in http://www.sueddeutsche.de/panorama/koreanische-trostfrau-im-zweiten-weltkrieg-dem-menschenschlachthof-entronnen-1.1762326-2

    Ebenso dies: http://www.welt.de/politik/deutschland/article119710362/Ich-beuge-mein-Haupt-vor-euren-Opfern.html Für Gauck ist der Besuch in Oradour die Fortsetzung einer Serie, die er gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft begonnen hatte. Im Mai 2012 hielt er im niederländischen Breda eine Rede beim dortigen „Tag der Befreiung“. Vor knapp einem Jahr besuchte Gauck die Gedenkstätte im tschechischen Lidice. Im März gedachte Gauck in Sant’Anna di Stazzema in der Toskana der 400 Opfer eines Massakers der Waffen-SS. – Gute Gesten und passende Worte präsidial gesprochen, so lässt sich aus Oradour vernehmen …

    Und was sagt der Herr Bundespräsident zu den zwanghaften Nachwirkungen von Folterern und Kriegsverbrechern, die mitten im eigenen Volk im staatlich und kirchlich behüteten Raum mit ihren sexuellen Entgleisungen an eigenen und fremden Kindern ihr Unwesen weiter treiben konnten – von Generation zu Generation?

    Alle wussten es. Alle schwiegen. Alle schlugen sich auf die Seite der Kriegs- und Nachkriegsverbrecher. Alle mühten sich peinlichst, nur ja nicht das Schweigen zu brechen. Das überließ die Gesellschaft, das überlassen noch heute die feigen Vertreter politischer Eliten den Opfern (oder den Alten), die nichts mehr zu verlieren haben, die nicht länger Leugnen und Vertuschungen ertragen können oder hinnehmen wollen.

    Opfer sexueller Gewalt müssen allerorts für sich selber gerade stehen. Mit ihrer Makulatur machen Machtmenschen es sich überall sehr einfach. Sie sitzen die peinlichsten Probleme aus, bis sie sich biologisch gelöst haben …

    Was hindert die hohe Politik daran endlich ihrer VERPFLICHTUNG nachzukommen, falsche Perspektiven zuzugeben, Versäumnisse zu bekennen, Schäden zu begrenzen, Frieden zu stiften?

  11. kristina schreibt am :

    ja, mal ganz ehrlich: welcher mensch meint, dass es ihn/ sie glücklich macht, als freier oder prostituierte? – im tiefen innern: niemand. täter brauchen grenzen. ich habe als kind pornohefte gefunden und angeschaut und bin damit aufgeklärt worden, dass so sexualität ginge und babys entstehen… kein wunder, dass ich keine kinder wollte. ich wäre sehr dankbar, wenn kinder lernen, dass man frauen/männer/kinder für sex nicht kaufen KANN und darf. auch wenn es eine revolutionäre forderung zu sein scheint, da das ja schließlich das „älteste gewerbe der welt sei“ – ich glaube nicht, dass die mehrheit der menschen das wirklich will. es geht nicht um liebevolle sexualität zwischen menschen (was ich und viele kinder erst lernen mussten, was das ist) – sondern nur um macht.

  12. Sina schreibt am :

    Ich (Sexarbeiterin) bekomme echt Bauchweh, wenn ich Artikel wie diese lese. Ich appeliere an euch, die Stellungnahme des Koordinationskreises gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen zu ethischer Berichterstattung zu lesen:
    http://www.kok-buero.de/kok-informiert/website-news/detailansicht-website-news/artikel/kok-positionierung-zum-medialen-umgang-mit-dem-thema-menschenhandel-im-jahr-2013.html

    Wie hier über Opfer von Ausbeutung und Sexarbeiterinnen berichtet wird, ist unglaublich ignorant und folgt dem gängigen Trend, auf tragische Einzelschicksale mit kopflosem Entsetzen statt intelligenter Empathie zu reagieren. Wieso setzt sich niemand ausser Vereine wie Dona Carmen für bessere Arbeitsbedingungen ein? Weshalb setzt sich niemand für die RECHTE der Opfer so wie selbstbestimmten Sexarbeiterinnen ein? Weshalb lechzt man nach Freierbestrafung, und lässt Opferschutz und RESPEKT vor Menschen, die versuchen aus schwierigen Situationen das Beste zu machen, aussen vor? Wieso interessiert es niemanden, dass Sexarbeiterinnen in Schweden von Polizisten massiv belästigt und wie Dreck behandelt werden, und es verboten ist ihnen Unterkunft zu gewähren? Dass Opfern von Gewalt nur geholfen wird, wenn sie sich brav der Anti-Sexarbeits-Propaganda fügen?

    Hier mein Beitrag zum „Schwedischen Modell“: http://sinamore6.blogspot.ch/2013/07/weshalb-kundenbestrafung-fur.html

    Und hier dazu, wie Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung in Deutschland behandelt werden: http://sinamore6.blogspot.ch/2013/06/wie-behorden-menschenhandelsopfer.html

  13. Eva schreibt am :

    Wer kennt das ?

    Wenn eine Frau sexuelle Gewalt und körperliche Gewalt und psychische Gewalt erlebt hat, dass sie immer wieder an Personen gerät , die ihr sexuelle Gewalt und Gewalt antun ?

    Bei Männern soll es ja erfolgreiche Männer geben , die zu Prostierten gehen und sich dort schlagen und erniedrigen für Geld lassen.

    Es soll laut Frauenberatungsstellen und anderen Fachleuten nicht wenige Prostituierte geben, die durch sexuelle Gewalt / sexuellem Mißbrauch Prostituierte geworden sind.

    Suchen Menschen, die sexuelle und oder Gewalt erlebt haben, Menschen , die ihnen wieder Gewalt antun , also nach Gewalt süchtig geworden sind ?

  14. Bärbel schreibt am :

    zu Eva

    aus dem Bauch heraus geschrieben—–
    nein Eva,diese Menschen sind nicht süchtig nach Gewalt,
    jeder Mensch möchte doch gerne friedlich leben,durch Erlebtes ;GEHÖRTES usw.
    Anerkennung ,hAben,Würde und Achtung erleben,
    ich musste auch lernen,NEU LERNEN,VERTRAUEN auf zu bauen,
    dass es auch Menschen im Umgang mit mir gibt,die es gut mit mir meinen,in jeglichen Dingen….das war ein langer Weg,
    viele Menschen schaffen es nicht mehr,den Teufelskreis zu durchbrechen bzw. ihn zu verlassen,es heisst doch so wunderbar Liebe DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST,
    Selbstvertrauen auf zu bauen,sich an zu nehmen,einige Menschen sind so schwer geschädigt und erniedrigt worden,dass sie sich stets in gewaltsamen Situationen wieder finden,die Hoffnungslosigkeit ist gross,sie fühlen sich als ein NICHTS::::wie kann da Hilfe ankommen ????

  15. Simone schreibt am :

    @eva: das ist durchaus eine mögliche Verhaltensweise. Wenn ich auf mich zurücksehe, war es genau so. Und nicht, weil ich Gefällen daran hatte, sondern weil ich gar nicht für bemerkt habe, was passiert. Ich habe damals häufig in Zeitschriften von Frauen gelesen, die in ihrer Ehe geschlagen und vergewaltigt wurden und habe gedacht, warum lassen die sich das gefallen, warum gehen die nicht?
    Mir ging es dann immer schlechter, meine Tochter(damals 4) erzählte vom Mißbrauch durch ihren Großvater und plötzlich kamen die Flashs. Irgendwann bin ich dann in eine Klinik und erst dort konnte ich auf das aktuelle Geschehen blicken, auf die Schläge und Vergewaltigungen in der Ehe. Mein Exmann sagte immer, eine Ehefrau ist die kostengünstigere Variante einer Hure und sie bräuchte jeden Tag Prügel, wenn er nicht wüsste warum, sie wüsste es bestimmt. Und so habe ich 6 Jahre lang gelebt, ohne es zu bemerken. Weil ich mich in mir bekannten Mustern befunden habe: Gewalt und Verdrängung! Und das funktioniert perfekt, wenn man die Gelegenheit bekommt, das von klein auf täglich zu trainieren. So war es bei mir. Und ich wage mal zugezahlten, rassisch nicht die einzige bin.

  16. Simone schreibt am :

    UPS da hat mein Korrekturprogram Mist gebaut!
    Sollte heißen:
    Und ich wage mal zu behaupte, dass ich nicht die einzige bin.

  17. Eva schreibt am :

    @Bärbel

    Folgender Fall. Eine sehr junge Frau, die noch nie einen Freund hat, wird von einem 69 Jährigen der 48 Jahre verheiratet ist, vergewaltigt und der Mann verschleppt die Frau ins Ausland , da sie zum ersten Mal in ihrem Leben Dissoziationserscheinungen bekommen hat und dabei nicht mehr Herr ihrer Sinne ist. Dann schreibt der 69 Jährige den Eltern der Frau , dass er sie Ehelichen will, und es kommen 50 nötigende Briefe
    an die Eltern. Dann kommt der Mann aus dem Ausland zurück mit der Frau und bringt die Frau 500 Km von den Eltern entfernt unter. Als die Frau einen Notruf an die Eltern abgegeben hat,retten die Eltern die Frau in einer Nacht und Nebelaktion.

    3 Jahre später lernt die Frau einen anderen Mann kennen und heiratet den innerhalb von 3 Wochen.

    Dann läßt sie sich nach 1,5 Jahren scheiden , weil der Mann mit ihr Psychoterror macht und sexuell abartige Dinge getan hat und sie schwer verletzt hat.
    Dann läuft sie wieder zu dem Mann und der Mann tut ihr erheut Körperverletzung an. Sie zeigt ihn an und der Mann wird verurteilt mit einer Geldstrafe.

    Kaum ist der Mann verurteilt, rennt die Frau, obwohl sie ihren Mädchennamen wieder hat , wieder zu dem Mann hin.

    Die Polizei und das LKA, wo sie mehrfach Zeugenaussagen gemacht hat,sind machtlos.

  18. Eva schreibt am :

    @Bärbel

    Folgender Fall. Eine sehr junge Frau, die noch nie einen Freund hat, wird von einem 69 Jährigen der 48 Jahre verheiratet ist, vergewaltigt und der Mann verschleppt die Frau ins Ausland , da sie zum ersten Mal in ihrem Leben Dissoziationserscheinungen bekommen hat und dabei nicht mehr Herr ihrer Sinne ist. Dann schreibt der 69 Jährige den Eltern der Frau , dass er sie Ehelichen will, und es kommen 50 nötigende Briefe
    an die Eltern. Dann kommt der Mann aus dem Ausland zurück mit der Frau und bringt die Frau 500 Km von den Eltern entfernt unter. Als die Frau einen Notruf an die Eltern abgegeben hat,retten die Eltern die Frau in einer Nacht und Nebelaktion.

    3 Jahre später lernt die Frau einen anderen Mann kennen und heiratet den innerhalb von 3 Wochen.

    Dann läßt sie sich nach 1,5 Jahren scheiden , weil der Mann mit ihr Psychoterror macht und sexuell abartige Dinge getan hat und sie schwer verletzt hat.
    Dann läuft sie wieder zu dem Mann und der Mann tut ihr erheut Körperverletzung an. Sie zeigt ihn an und der Mann wird verurteilt mit einer Geldstrafe.

    Kaum ist der Mann verurteilt, rennt die Frau, obwohl sie ihren Mädchennamen wieder hat , wieder zu dem Mann hin.

    Die Polizei und das LKA, wo sie mehrfach Zeugenaussagen gemacht hat, sind machtlos.

    Weißer Ring, Opferschutz, Psychologen, Psychiater, Anwälte, Frauennotruf, Sektenberater hohe Kirchenvertreter, eine Zeitung kennen Teile davon.

  19. Anna M. schreibt am :

    @Eva:
    ich denke auch, daß es keine Sucht ist, aber eine Programmierung, die nur auflösbar ist, wenn man/frau sich den schmerzhaften Erlebnissen gewahr werden kann.

    Es gibt übrigens Studien, wonach 70 % der Prostituierten in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erfahren haben.
    Das sind Ergebnisse aus Befragungen. Die Dunkelziffer könnte noch höher liegen, weil – besonders bei sehr frühen Gewalterfahrungen – oft ein Leben lang eine Amnesie vorliegt.
    Dazu kommt die Tatsache, daß oftmals sexualisierte Gewalt, die nicht mit direkter körperlicher Bedrohung verknüpft ist nicht als solche definiert wird, also auch nicht in die Statistik eingeht.

  20. Simone schreibt am :

    @Eva: Dissoziation ist normalerweise etwas, was erlernt wird. Daher gehe ich bei dem von dir geschilderten Fall davon aus, dass die junge Frau irgendwann in ihrem kurzen Leben schon zu dissoziieren gelernt hat. Ob sie durch das Dissoziieren nicht mehr Herr ihrer Sinne war, wage ich zu bezweifeln, denn Dissoziation ermöglicht „normales Leben“, wo die äußeren Umstände eben dieses normale Leben nicht zulassen. Dissoziation bedeutet, dass ich bestimmte Dinge nicht wahrnehme, damit ich nicht auffalle, damit ich funktioniere oder nicht sterbe etc.
    Wenn also die junge Frau dissoziiert, ist es durchaus möglich, dass sie phasenweise etwas nicht weiß, dass sie in anderen Situationen erinnert. Sie funktioniert, ohne aufzufallen (denkt sie zumindest). Das wäre eine Möglichkeit, warum sie immer zurück in solche Beziehungen geht.
    Möglich wäre auch, dass sie gelernt hat, Gewalt als Normalität zu erleben. Dass das eine eingeschliffene Spur ist, aus der sie einfach nicht ohne Hilfe raus kommt. Dann ist Gewalt das Muster, das man kennt, mit dem man umgehen kann(auch wenn’s weh tut) Solche Menschen haben Gewaltfreie Beziehungen nie kennengelernt und wissen einfach nicht, wie das geht. Zudem macht es vielleicht sogar Angst, sich auf etwas einzulassen, was man nicht kennt. Es können Gedankenschleifen hinzukommen, dass man gar nichts anderes verdient, sowieso alles falsch macht etc. Und dann ist es das einfachste, einfach zurück zu gehen, in eine Form von Beziehung, die man kann… Auch wenn man leidet.
    Und so schlimm es klingt, es ist gut, das Polizei und LKA etc. machtlos sind. Welche Form von Macht sollten sie denn haben um zu verhindern, dass sie zurück geht? Sie einsperren? Da kommen mir gleich Bilder von Gustel Mollath hoch. Auch wenn sie irgend eine Form von Störung hat, trägt sie für ihr Leben die Verantwortung. Man kann versuchen sie moralisch zu unterstützen, ihr Hilfe anbieten, egal ob sie zurück geht oder nicht, da sein… Aber wie sie weiterlebt ist allein ihre Entscheidung, so schwer das für Außenstehende ist.

  21. Franke schreibt am :

    Liebes netzwerkb, euer Ansatz, Prostitution (vielleicht sogar generell) als Folge kindlicher Gewalterfahrung und Ausbeutung zu begreifen, verdient Unterstützung. Er liefert eine Erklärung für das nicht zu begreifende Phänomen, dass Frauen und Männer sich „freiwillig“ prostituieren.
    Übrigens ermöglichte Frau Bergmann, die 1. Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, in ihrer Zeit als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das liberalisierte Prostitutionsgesetz. Laut Zeitschrift Emma feierte sie die „Reform“ öffentlichkeitswirksam mit der Bordellbesitzerin Felicitas Weigmann und der Grünen Kerstin Müller.

  22. hildegard schreibt am :

    Franke, ja! Prostitution wird generell als Folge kindlicher Gewalterfahrung und Ausbeutung zu begreifen sein!

    Die liberalisierte Legalisierung eines gefährlichen Seuchenherdes feiern statt auf beiden Seiten nach den Ursachen zu forschen, das konnte nur Kurzsichtigen passieren …

  23. hildegard schreibt am :

    EMMA-„Appell gegen Prostitution“
    Rückmeldung + Aufruf http://www.emma.deEMMA 14.11.2013

    Liebe UnterzeichnerInnen,

    Sie haben den EMMA-„Appell gegen Prostitution“ unterschrieben und damit dazu beigetragen, dass das Thema in den Koalitions-verhandlungen debattiert wird. Und das, obwohl es vorher gar kein Thema war. Das ist großartig!

    Erste Schritte wurden beschlossen, um die dunkelsten Seiten der Prostitution gesetzlich stoppen. Das kündigten die Verhandlungsführerinnen Manuela Schwesig (SPD, li) und Annette Widmann-Mauz (CDU) an: Schutz für Opfer sowie Strafen für Freier von Frauen in Zwangslagen! mehr

    Jetzt muss der Druck auf die Politik – sprich die Große Koalition – weiter verstärkt werden, damit endlich ein für die Frauen hilfreiches und für die Profiteure unbequemes bzw. abschreckendes Gesetz gemacht wird.

    Bis heute, am 18. Tag nach Veröffentlichung des Appells im Netz, haben über 5 500 Frauen und Männer den Appell unterschrieben. Und die Lawine rollt weiter. Wenn 10 000 Unterschriften beisammen sind, wird EMMA die Unterschriften Bundestags-präsident Lammert übergeben, denn der Bundestag ist zuständig für die Änderung des Gesetzes. Bei 100.000 bitten wir um eine Audienz bei der Kanzlerin!

    Also: Bitte den Appell weiterreichen. Er muss nach dem Lawinenprinzip von so vielen Menschen wie möglich unterschrieben werden, damit Deutschland nicht länger die europäische Drehscheibe des Frauenhandels und ein Einreiseland für Sextouristen ist – und den Frauen endlich beim Ausstieg geholfen wird. Neun von zehn wollen aussteigen, laut internationaler Studien – aber können nicht.

    Wenn Sie einen Blick auf http://www.emma.de werfen, finden Sie jederzeit den aktuellen Stand der Kampagne gegen Prostitution. Und wenn Sie einen Blick in das gerade erschienene, von Alice Schwarzer herausgegebene KiWi-Taschenbuch „Prostitution –
    ein deutscher Skandal“ werfen, finden Sie Informationen und Argumente, die Stimmen der Prostituierten wie die Vorschläge von ExpertInnen: Was zu tun ist, um das Elend zu stoppen. (Buchvorstellung heute um 20 Uhr im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Urania Berlin)
    http://www.emma.de/unterzeichnen-der-appell-gegen-prostitution-311923

    Danke fürs Mitmachen!

    Im Namen aller EMMA-Kolleginnen
    Margitta Hösel

  24. Noch-ein-Leserkommentar schreibt am :

    Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Prostitution“ ist wichtig. Es geht um die Kernfrage, inwieweit Menschen für andere Menschen sexuell verfügbar sein sollen und um das Kernargument der „Freiwilligkeit“, „Selbstbestimmung“, „Profitieren“ und so weiter hierbei.

    Sonderlich gelungen finde ich die Aktion von Chantal Louis und Alice Schwarzer allerdings nicht. Die beiden stellen Zahlen in den Raum, von denen sie keine einzige belegen können. Das ist wohl auch nicht möglich, wenn man diese Zahlen selbst kreiiert. Hierbei geht es offenbar um die Promotion von Alice Schwarzers neuestes Buch. Das wird in vielen Medien auch angesprochen und kritisiert, Beispiel FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/prostitution-tun-sexarbeiterinnen-ihre-arbeit-gern-12667719.html

    Obwohl Frau Louis in Talkshows oft genug neben Frauen steht, die in ihren Häusern Frauen in zwei- oder sogar dreistelliger Anzahl arbeiten lassen, wird von Frau Louis und Frau Schwarzer getan, als seien allein Männer die Täter und Frauen allein die Opfer. Fakt ist, es geht auch um wirtschaftliche Interessen und das ist nicht unbedingt geschlechtsspezifisch.

    Frau Louis setzt Behauptungen in die Welt wie „Mit der Liberalisierung des Prostitutionsgesetzes haben wir einen Markt geöffnet, den wir nicht mehr im Griff haben, wahrscheinlich nie hatten.“ Auch der obige Text läuft dieser Argumentation nach.

    Aus rechtlicher Sicht gibt nicht zwei, sondern vier Modelle:
    – das das Verbots- bzw. Prohibitionsprinzip
    – das Abschaffungs- bzw. Abolitionsprinzip
    – das Regulierungs- bzw. Regulationsprinzip („Duldung“)
    – das Entkriminalisierungsprinzip

    Fakt ist: Es wurde kein Markt geschaffen, den es nicht vor 2002 auch schon gab. Den Markt gab es bereits, ebenso die staatliche Duldung und staatliche Auflagen, etwa Genehmigung von Bordellen und Registrierung, Gesundheitskontrolle und Steuerpflicht für Prostituierte.

    Wir haben nunmehr seit 2002 nur die Aufhebung der Sittenwidrigkeit und die Anerkennung als Gewerbstätigkeit. Insbesondere ging es um eine verbesserte Sozialversicherung.

    Wie gesagt, die Auseinandersetzung ist wichtig, aber nicht mit falschen Zahlen und falschen Argumentationen. Mit den Modellen sollte man sich ernsthafter auseinander setzen.

    Wir erleben eine Pornoflut, Auswirkungen auf das Selbstverständnis von Jugendlichen („Pornofizierung“), im Bereich der Sexualisierung erleben wir eine Konsumorientierung und Kommerzialisierung. Bei den sozial und rechtlich schwächter gestellten Gruppen – und das sind weltweit eben oft auch Frauen und Kinder – besteht Ausbeutung in den verschiedensten Bereichen.

    Man kann Prostitution auch ganz verbieten, sie würde im Schwarzmarkt natürlich weiter bestehen. Ich halte das für keine schlechte Option. Es wäre aber noch einiges andere mehr zu verbieten: Krieg, Kinderarbeit, Kindersoldaten, Drogenproduktion usw.

    Die Aktion von Frau Louis und Frau Schwarzer wirken auf mich dagegen aber eher wie das letzte oder vorletzte Gefecht des Feminismus.

  25. Eva schreibt am :

    Die sogenannte “Freiwilligkeit” müßte näher untersucht werden.

    Denn die wird auch Frauen unterstellt, die vergewaltigt wurden, wenn keine handfesten Beweise vorliegen.

    Auch die Prostitution von Drogensüchtigen müßte untersucht werden.

  26. klaraklara schreibt am :

    @ noch-ein-Leserkommentar: was die konkrete Situation unmittelbar nach der gesetzlichen Liberalisierung/Regulierung der Prostitution anging, hatte Ellen Templin von erheblichen Verschlechterungen gesprochen, zum Beispiel von weniger Kondomgebrauch.
    An Alice Schwarzer habe ich auch einiges auszusetzen, und ich bin auch überzeugt, dass die wirtschaftliche Not heutzutage immer mehr zu garantiert nicht freiwilligen Formen von Prostitution beiträgt (neben dem eher psychologischen Elend von denjenigen, die schon als Kind sexuelle Ausbeutung erfuhren). Aber eben in dieser Situation sollte man Möglichkeiten, die Ausbeutung immer noch schlimmer zu gestalten, unterdrücken.
    Die Petition ist eine Ein-Punkt-Forderung, das finde ich okay für den geringen Aufwand, dort meinen Namen zu lassen. Mit komplexen Forderungskatalogen lassen sich auch nur sehr schwierig breite Bündnisse herstellen.
    Sehr günstig finde ich an dieser Petition den Zeitpunkt. Alle etablierten Parteien sind in einem Tief, manche sind in einem sehr tiefen Tief, auf Bundesebene finden Koalitionsverhandlungen statt – da ist es sinnvoll, den Politikern in Form von Petitionen zu erzählen, was die Menschen wollen.

  27. klaraklara schreibt am :

    Nachtrag: ich muss mich korrigieren betr. „eher psychologischem Elend“, ich denke mal ,dass das Elend von den Erwachsenen, die schon als Kind sexuelle Ausbeutung erfuhren, oft auch wirtschaftliche Anteile hat, aber das ist ein Thema für sich.

  28. klaraklara schreibt am :

    noch ein Nachtrag an noch-ein-Leserkommentar: das Interview mit Ellen Templin findet sich unter http://frauen.wueste-welle.de/?p=46
    Ist wirklich wert, gehört zu werden. Vorher hätte ich den Appell nicht unterschrieben, aber ihre Stellungnahme aus Insider-Perspektive hat mich überzeugt.

  29. Anna M. schreibt am :

    an noch-ein-lesekommentar:
    Sie stellen die Dinge etwas verdreht dar.
    Wenn Sie sagen, daß durch die Legalisierung der Prostitution kein neuer Markt geschaffen wurde, so ist das nur die halbe Wahrheit. Tatsache ist, daß aus einem halb illegalen Gewerbe ein legales wurde und dieses unheimlich geboomt hat in den letzten 10 Jahren. Dazu kam die EU-Osterweiterung, die es Menschenhändlern leicht gemacht hat, hier ihre kriminellen Geschäfte zu führen.
    Das ist es was Frau Louis meinte: der Markt wurde geöffnet, hin zur Legalität, d.h. polizeiliche Kontrollen fielen weg und eben außerdem nach Osten.
    Diese Markterweiterung ist hochproblematisch und wie schon länger bekannt wurde, haben sich die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Prostituierten nicht verbessert, sondern verschlechtert.

    Man SOLLTE Prostitution verbieten. Und zwar bei der Bestrafung der Freier ansetzend, wie in Schweden.
    Prostitution sollte geächtet werden, genau wie jede andere Form von Gewalt.
    Was hier in Deutschland läuft ist genau das Gegenteil: Kinder wachsen seit 2002 auf mit der Vorstellung, daß Prostitution ein „ganz normaler Beruf“ ist. Das ist eine ganz falsche Prägung und ein Rückschritt in der Menschheitsgeschichte.

    Was ich bei dem ganzen Problem bemerkenswert finde:
    Die Gesetzesinitiative zur Legalisierung der Prostitution wurde ganz wesentlich von den GRÜNEN unterstützt. Von den GRÜNEN, die auch einen blinden Fleck beim Thema Sexualisierte Gewalt gegen Kinder haben. Ich sehe da einen Zusammenhang!

  30. Noch-ein-Leserkommentar schreibt am :

    Prostitution war in Deutschland auch vor 2002 legal. Es gab gesetzlich völlig akzeptiert Laufhäuser und Bordelle.

    Einer Sozialversicherung der Beschäftigten durch die Bordellbetreiber/innen stand der Vorwurf der „Förderung der Prostition“ gemäß §§ 180a, 181a StGB entgegen. Die Formulierungen in diesen beiden Paragrafen wurden 2002 geändert.

    Der Zulauf an Prostituierten aus dem Osten basiert maßgeblich auf der Osterweiterung der EU. An der Erweiterung wirken alle Parteien mit. Hier wird es ab dem 1. Januar 2014 in Deutschland noch mal zu einem Schub kommen, wenn die Zuwanderung rechtlich nochmals erleichtert wird.

    Ich sehe in dieser Diskussion hier vor allem nur eines: weitreichende Unkenntnis der Gesetzeslage, unbelegbare Vermutungen vom Hörensagen und erfundene Zahlen.

  31. Martin Mair schreibt am :

    Seltsam, dass in Schweden das Problem mit dem Verbot der Prostitution keinesfalls gelöst wurde:

    Das Verbot in Schweden zeigt aber, dass Verbote das Problem Prostitution nicht lösen.

    „Eine Evaluierung in Schweden 2010 habe die negativen Auswirkungen des Gesetzes auf die Sexarbeiterinnen belegt. „Prostitution ist zwar angeblich zurückgegangen, aber das Bild der Sexdienstleisterin als ausgebeutetes Opfer wirkt sich entmachtend aus. Frauen, die der Tätigkeit freiwillig nachgehen, fühlen sich nicht als Opfer“, meinte van Rahden, die zugleich auf deren Gewinneinbußen zu sprechen kam. Dadurch, dass die Freier nun Angst hätten, auf der Straße von der Polizei erwischt zu werden, sei die Zeit zum Aushandeln eines „angepassten Preises“ viel kürzer. Und da auch die Raumanmietung riskanter wurde, habe das Gesetz keinen positiven Einfluss auf die Arbeitsbedingungen.“

    http://diestandard.at/1381371300917/Das-Verbot-dient-den-Frauen-nicht

  32. Charlotte schreibt am :

    Der Ansatz, Prostitution mit in der Kindheit erlebten sexuellen und/oder Uebergriffen anderer Gewalt in Verbindung zu bringen, ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber greift viel zu kurz. Trotz 50+Jahren Frauenbewegung und Gleichstellung der Frau kaempfen unsere Gesellschaften mit 5000+ Jahren einer Realitaet, in der Frauen mal mehr, mal weniger unterdrueckt worden sind (in jeder Hinsicht) und oftmals „Besitz“ ihrer maennnlichen Verwandten (Vaeter, Brueder, Ehemaenner, Soehne) waren, i.e. fremdbestimmt. Kann es da verweundern, dass Uebergriffe auf die Selbstbestimmung von Frauen heute noch erfolgen, weniger als hundert Jahre, nachdem Frauen gesetzlich gleichgestellt wurden? In den Koepfen von Maennern und Frauen muss sich noch viel aendern, bevor wir begreifen, dass man einen anderen Menschen nicht besitzen, nicht kaufen kann. An dem erweiterten Ansatz sollte gearbeitet werden. Unsere Kinder muessen lernen und vorgelebt bekommen, dass niemand fremdbestimmt ist, unabhaengig von Geschlecht, Alter, Hautfarbe, etc.

  33. hildegard schreibt am :

    „…Ich liege nicht der Allgemeinheit auf der Tasche, sondern habe das getan, was uns von den Verfechtern des Neoliberalismus ständig gepredigt wird … und habe mir meinen Arbeitsplatz selbst geschaffen.“ – aus:
    http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-11/prostitution-debatte-erfahrung/seite-2

    „Wie soll die Gesellschaft mit Prostitution umgehen? Wie differenziert man zwischen Selbstbestimmung und Zwang?“

  34. Simone schreibt am :

    Hallo Sina, warum gehen Sie keiner normalen Arbeit nach ? Was gefällt Ihnen an der Prostitution so gut? In dem Land, in welchen ich lebte, war Prostitution verboten, Kinder von Prostituierten wurden fremduntergebracht, da das Kindeswohl gefährdet war. Das sollte man in Deutschland auch einführen.

  35. Tine schreibt am :

    @ Noch-ein-Leserkommentar /
    @ Martin Mair:

    Ich sehe in Ihrem letzten Kommentar (Noch-ein-Leserkommentar) vor allen Dingen folgendes:

    1) Unkenntnis der niedrigen Zahlen, wie viele Prostituierte seit 2002 wenigstens in den Genuss einer Sozialversicherung gekommen sind,
    2) damit verbunden Ignoranz dessen, dass Gesetzesänderungen nicht immer zum erklärten Ziel führen und
    3) Unkenntnis dessen, dass das EU-Land Schweden im selben Zeitraum seltsamerweise nicht von einer Zunahme der Prostitution infolge der EU-Osterweiterung betroffen war. Schauen Sie sich selber die Entwicklung der Prostitution in Schweden an, Kapitel 3.1. des „Prostitution i Sverige -Huvudrapport“ fasst das vorhandene Datenmaterial sehr übersichtlich zusammen:

    http://liu.diva-portal.org/smash/get/diva2:506410/FULLTEXT01.pdf
    @Martin Mair:
    Natürlich ist das Problem damit in Schweden nicht gelöst, aber es ist doch ein signifikanter Unterschied zum sichtbaren Aus-dem-Boden-Schießen von Bordellen und der für jede/n sichtbaren Zunahme der Straßenprostitution in Deutschland festzustellen! Z.B. gaben demnach in Schweden nur noch halb so viele an, seit der Einführung des sog. „Sexkauf-Gesetzes“ zum 01.01.1999 „Sex gekauft“ zu haben. Und wer die schwedische Kultur kennt weiß, dass man dort keinen Schiss hat, in einer wissenschaftlichen Untersuchung einen Gesetzesverstoß einzuräumen.

  36. Tine schreibt am :

    Forschungsergebnisse zum Zusammenhang zwischen sexueller Gewalt und Prostitution:

    Aus der oben zitierten schwedischen Studie (Seite 22f) geht hervor, dass alle fünf von der Regierung in Auftrag gegebenen Teilstudien zum Stand der Prostitution in Schweden belegen, dass die Mehrheit der Prostituierten (weiblich und männlich) in der Kindheit sexuellen Übergriffen oder anderen schweren Traumata ausgesetzt waren:

    „… Sexuella övergrepp eller andra allvarliga trauman under uppväxten är en genomgående
    bakgrundserfarenhet som majoriteten av säljarna av sexuella tjänster i de olika delrapporterna
    beskriver (1, 5-8). I behandlingsstudien rapporterar 67 procent erfarenheter av sexuella
    övergrepp och fysisk misshandel, i 78 procent av någon utanför familjen och 61 procent inom
    familjen (delrapport 5). I ”onlinestudien ” rapporterade 9 av elva unga kvinnor sexuella
    övergrepp under barndomen (delrapport 8)…“

    Wenn man sich nun noch klarmacht, dass sich viele ja überhaupt nicht an ihre Erfahrungen erinnern können, ist das noch viel erschreckender. Was für hohe Zahlen das also in Wirklichkeit sind, lässt sich gar nicht herausfinden. Wie grauenhaft!

  37. Anna M. schreibt am :

    @Tine
    ja, das ist interessant, daß es in Schweden keine Zunahme der Prostitution durch die EU-Osterweiterung gab.
    Daran wird deutlich, daß das ProstG die Voraussetzungen für den Boom in Deutschland geschaffen hat. Und das Argument, daß die Osterweiterung „schuld“ war, wird entkräftet.

  38. Noch-ein-Leserkommentar schreibt am :

    Liebe Anna M., du schreibst „Daran wird deutlich, daß das ProstG die Voraussetzungen für den Boom in Deutschland geschaffen hat. Und das Argument, daß die Osterweiterung “schuld” war, wird entkräftet.“

    Es ist sinnfrei zu behaupten, Prostitution sei vorher nicht legal gewesen. Legal waren sind seit vielen Jahrzehnten Herbertstraße und Reeperbahn in Hamburg, Helenenstraße in Bremen, Bruchstraße in Braunschweig, Im Winkel in Bochum, Antoniusstraße in Aachen, Bahnhofsviertel in Frankfurt, um nur mal einige zu nennen. Ist dir das nicht klar, dass wir in der Bundesrepublik immer eine legale Prostitution hatten? Lediglich, sie galt als sittenwidrig.

    Die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter(inne)n hat sich durch die letzte Gesetzesänderung nicht wesentlich verbessert, das wird von diesen ja auch selbst moniert. Die gesetzliche Krankenversicherung wird nur in wenigen dutzend Fällen in Anspruch genommen, weil es so selten feste Arbeitsverhältnisse mit Bordellbetreibern gibt. Daraus läßt sich aber dann insbesondere kein Grund für die Zunahme der Prostitution in Deutschland suchen.

    Aufschluss geben die Schätzungen, dass inzwischen 80 % der Prostituierten aus Süd- und Osteuropa kommen. Als Gründe werden genannt „Die jungen Frauen sind einfach und kostengünstig nach Deutschland zu locken, seit Rumänien, Ungarn und Bulgarien zur EU gehören.“ (WELT 3.11.2013)

  39. klaraklara schreibt am :

    Hallo Tine,
    diese schwedischen Forschungsergebnisse interessieren mich, ich würde sie gerne ins Deutsche übersetzt lesen, wenn Sie die Zeit dafür finden.

  40. Tine schreibt am :

    @Noch-ein-Leserkommentar:
    Es ist doch hochinteressant, dass offenkundig weit weniger junge Osteuropäerinnen nach Schweden gelockt oder verschleppt werden. Es ist unschwer zu erkennen, dass die bestehende Gesetzeslage die Attraktivität des Ziellandes maßgeblich beeinflusst.

    @ Klaraklara:
    Tut mir leid, ich habe beim besten Willen wirklich keine Zeit, das zu übersetzen.

    Ich kann höchstens das da oben übersetzen, wobei man die Zahlen ja auch so versteht:

    „Sexuelle Übergriffe oder andere schwere Traumata während der Kindheit sind eine durchgängige Hintergrundserfahrung, welche die Mehrheit der Anbieter/innen sexueller Leistungen in den verschiedenen Teilstudien zum Ausdruck bringen (Studien 1, 5-8). In der „Behandlungsstudie“ berichten 67 % von sexuellen Übergriffen und physischer Misshandlung, davon 78 % außerhalb der Familie und 61 % innerhalb der Familie (Teilstudie 5). In der „Onlinestudie“ berichten neun von elf jungen Frauen von sexuellen Übergriffen während der Kindheit (Teilstudie 8)…“

  41. Noch-ein-Leserkommentar schreibt am :

    Die Unterschiede haängen sicherlich mit den unterschiedlichen gesetzlichen Situationen zusammen, aber kaum mit dem Gesetz von 2002, denn auch vorher schon war es legal, der Prostitution nachzugehen oder Bordelle zu errichten und die Räumlichkeiten zu vermieten.

    Die historische Legalität in der Bundesrepublik streckt sich über Laufhäuser, Bordelle bis hin zum roten Bus mit Prostituierten auf dem Kasernenhof der Bundeswehrkaserenen, zum Beispiel in Bremerhaven.

    Geändert hat sich nur die Abschaffung der Sittenwidrigkeit: eine Prostituierte hat Anspruch auf ihr Entgelt. Das Gesetz von 2002 hat den Prostituierten einen Hauch von mehr Rechten eingerämt. Im StGB wurde die Förderung der Prostitution mehr auf den Aspekt der Gewalt fokussiert.

    Die These „Mehr Menschenhandel durch liberales Prostitutionsgesetz“ lenkt vom Versagen der EU in Sachen Freizügigkeit von Wohnort und Arbeitsplatz ab. Prostition war in Deutschland schon immer legal.

    Ab dem 1. Januar 2014 ist aufgrund der in Kraft tretenden EU-Bestimmungen noch einmal mit einem massiven Zustrom von Armutseinwanderern und von Frauen zu rechnen, die sich in der Prostitution verdingen. Hier stehen an: Zuwanderung nach Deutschland aus Bulgarien und Rumänien.

    Solche Verhältnisse verdanken wir auch der EU:
    http://www.focus.de/panorama/welt/tid-33789/report-ein-haus-verbreitet-angst_aid_1094224.html

  42. Noch-ein-Leserkommentar schreibt am :

    Dieser Beitrag erklärt die Systeme:

    Francois Loncle: Ein Sklavenmarkt als Brücke zwischen Ost und West. Prostitution ohne Grenzen In: Le Monde diplomatique, Nr. 6602, 16.11.2001, Seite 18-19, übersetzt von Miriam Lang:
    http://www.profrau.at/de/frauenhandel/ohne_grenzen.htm

    Diese Informationen dürften unverändert aktuell sein.

  43. hildegard schreibt am :

    „In jedem Fall aber geht es darum, einen Denkprozess in Gang zu bringen. Da sollte man schon in der Schule ansetzen, wo man Jugendliche im Rahmen des Sexualkundeunterrichts über die grausame Wirklichkeit der Prostitution informieren und ihnen bewusst machen könnte, dass es sich dabei um eine schwere Verletzung der Persönlichkeitsrechte handelt; dass der menschliche Körper ein unveräußerliches Gut ist und dass es die glückliche Prostituierte nicht gibt.“ …
    Der oben verlinkte profrau-Bericht zeigt wie not-wendig in Europa Austausch und Zusammenarbeit zwischen allen EU-Staaten wäre, dass alles an der Bildung hängt, die auch in Deutschland noch längst nicht jedem Kind zugesichert wird.

    „…Als die 50.000 KFOR-Soldaten, die Mitarbeiter der UN-Mission im Kosovo (Unmik) und diverser Hilfsorganisationen dort ankamen, schossen die Bordelle „wie die Pilze aus dem Boden“, so der örtliche Chef der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Pasquale Lupoli. Hier werden überwiegend Frauen aus Moldawien, der Ukraine, Rumänien und Bulgarien zu Preisen zwischen 1.000 und 2 500 Dollar an kosovarische Zuhälter versteigert“ …
    Ein quasi staatlich verordneter SklavInnenhandel!

    Im 21. Jh. KANN die Eigenbrötelei nichts mehr gegen grenzüberschreitende Gewalt ausrichten.

    Gute Lösungen sind möglich!!

  44. Tine schreibt am :

    Doch, ein Gesetz hat nämlich Signalwirkung. Selbstverständlich hat es die Entwicklung nachhaltig beeinflusst. Mit dem ProstG von 2002 wurde Prostitution zur Dienstleistung erklärt und den Bordellbetreibern ein „Weisungsrecht“ eingeräumt. Das Weisungsrecht hat die Voraussetzungen für die Flatratebordelle geschaffen, die es vor 2002 nicht gab. Die Änderungen haben also zu ganz fatalen Entwicklungen geführt. In einem solchen Milieu lässt sich wesentlich mehr Geld rausziehen, also ist es viel lohnenswerter, die Frauen hierhinzuschleusen, als z.B. nach Schweden.

    Den Fokus finde ich nicht gerade seriös. Schlechte Quelle.

  45. Eva schreibt am :

    aus der Koalitionsvereinsbarung:

    Wir schließen zudem inakzeptable Schutzlücken und beseitigen Wertungswidersprüche im Sexualstrafrecht. Zur Aufklärung von Sexual- und Gewaltverbrechen sollen bei Massen-Gentests auch sogenannte Beinahetreffer verwertet werden können, wenn die Teilnehmer vorab über die Verwertbarkeit zulasten von Verwandten belehrt worden sind.

    Zur besseren Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet werden wir im Strafrecht den veralteten Schriftenbegriff zu einem modernen Medienbegriff erweitern.

  46. klaraklara schreibt am :

    @ Anna M., danke für den Link!

    Die Prostituierte und Raumvermieterin sagt, eine Frau aus einem EU-Nachbarland, die der Prostitution nachgehe, um für sich und ihre Familie einen akzeptablen Lebenstandard zu erwirtschaften, könne „nicht als Opfer stigmatisiert“ werden.
    Grübel … Haarerauf…
    Stimmt da etwas nicht mit mir, wenn ich die Kennzeichnung einer Lebenssituation als Opfer-Sein überhaupt NICHT als Stigmatisiertung empfinde???
    In Europa leben zur Zeit sehr viele Menschen, die Opfer einer verfehlten Wirtschaftspolitik sind. WEnn nur noch Prostitution vor bitterer Armut oder gar Hunger schützt, dann sind die davon Betroffenen aber sicherlich Opfer!

  47. hildegard schreibt am :

    Wen wundert die weltweit verfehlte neo-liberale Wirtschaftspolitik, Waffen aller Kategorien wie selbstverständlich herstellen und liefern zu lassen und sie schamlos einzusetzen? Politikerinnen und Politiker passen ihre Verantwortung nicht an veränderte Verhältnisse an – seit den Zeiten des Höhlenmenschen.
    Armut und Arbeitslosigkeit haben bei uns zwar andere Gründe – http://www.wdr5.de/sendungen/neugiergenuegt/feature/kongo108.html – Auswirkungen auf Frauen und Kinder interessieren machtbesessene Machos auch bei uns nicht.
    Kriege führen Männer um Macht. Kriege sind Machtmissbrauch mit männlichen Waffen. Weltweit wird die männliche ‚Waffe Vergewaltigung‘ auch noch NACH Kriegen gesellschaftlich quasi hingenommen – als Kollateralschaden; Grundgesetz und Grundrechte richteten gegen diesen Kollateralschaden in Deutschlands Justiz immer noch nichts aus.
    Und weil die ‚Waffe Vergewaltigung‘ im Krieg rechtens ist, kann unsere saubere Justiz sie nach dem Krieg nicht Unrecht nennen …

    Gewalt gebiert Gewalt.
    Männer, Frauen und Kinder tragen die Folge jeder Gewalttat in die Zukunft.
    Wie lange erträgt das eine „Demokratie“ – wie lange eine „Zivilisation“??

  48. klaraklara schreibt am :

    Irmingard Schewe-Gerick ist doch bei Terre des Femmes. Dazu finde ich den Nachruf von Terre des Femmes auf die prostitutionskritische Silke Templin interessant:
    Schluss: …“in die Rentenversicherung eingezahlt und lebte auf diese ruhige Zeit zu, von der sie noch über 3 Jahre entfernt war, als sie starb. Ellen Templins Todesursache waren Bluthochdruck und insulinpflichtige Diabetes als Folge von Traumatisierungen und Stress“.
    (https://www.frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/frauenhandel/aktuelles/archiv/679-nachruf-fuer-streitbare-frauenrechtlerin-ellen-templin)

  49. Anna M. schreibt am :

    Ich glaube, die sollten mal das Führungspersonal auswechseln bei Terre des Femmes, wenn es so sehr den Grundwerten der Organisation widerspricht.
    Bei Schewe-Gerick ist das GRÜNE Prostitution-ist-ein-Beruf-wie-jeder-andere-Dogma klar sichtbar.

  50. Tine schreibt am :

    Ich schließe mich Anna M. an, Schewe-Gerigk ist untragbar für die Organisation und ein schlechtes Renommée, da sie Seite an Seite mit dem Großbordellbesitzer und der „Raumvermieterin“ argumentiert hat.

    Schlimm an der ARD-Sendung fand ich auch, wie Schewe-Gerigk und die „Raumvermieterin“ auf die ehemalige Zwangsprostitutierte los sind und ihr eine Opferrolle zugeschrieben haben. Natürlich war sie ein Opfer, aber man braucht sie ja nicht von rechts und links in eine solche Rolle hineindrängen, um so ihre Glaubwürdigkeit einzugrenzen die angeblich so tolle und freiwillige Prostitution deutscher Frauen von ihr abzugrenzen.

    Außerdem sollte Terre des Femmes den EMMA-Appell unterschreiben, denn die Grundwerte der Organisation stimmen damit überein. Es sind wohl nur wieder einmal personelle Querelen im Gange.

  51. mayschje schreibt am :

    Ich danke netzwerbb für die abolitionistische Positionierung hinsichtlich Prostitution. Prostitution ist ein menschenunwürdiges und frauenfeindliches System.

    Ellen Templin war eine sehr kluge und sensible Frau, die ganz genau durchschaut hat, zu was das Prostitutionsgesetz von 2002 geführt hat.

    Und diese ganze Legalisierung, das ist eine einzige Verarschung. Alleine diese verblödete Begründung, dass Frauen jetzt ihren Hurenlohn einklagen können. Das würde ja bedeuten, sie ist zu dumm für diese Arbeit. Sie ist nicht in der Lage vorher zu kassieren, bzw. sie ist so naiv und glaubt, wenn der Gast ihr schon kein Geld gibt, dass er dann aber so nett ist, und sagt ihr Name und Adresse, damit sie den Hurenlohn einklagen kann. Das ist doch eine Verarschung.

    Das Transkript eines Interviews, das Hedwig von Knorre auf Radio Wüste Welle mit Ellen Templin geführt hat, findet sich hier:

    http://abolition2014.blogspot.de/2014/05/interview-mit-einer-domina.html

    @netzwerbb Weiter so! Großartige Arbeit.

  52. Andrea schreibt am :

    Bei all der Diskutiererei um Prostitution habt ihr alle scheinbar eins vergessen: Wovon sollen die Frauen leben, wenn die Prostitution abgeschafft würde?
    Ich selbst lebe von einer Minirente, kann nicht mal die „Schutzgebühr“ (GEZ) davon bezahlen. Bald kommt der Gerichtsvollzieher, eine GEZ-Befreiung „steht mir nicht zu“.
    Also sehe ich keinen anderen Ausweg, als wieder anschaffen zu gehen, auch mit 50plus.
    Ohne die Prostitution hätte ich nie überleben können und kann es auch jetzt nicht.
    Hilfen von irgendwelchen Institutionen? Fehlanzeige!
    Kann nur sagen, vom Diskutieren wirds auch nicht besser- höchstens vom Handeln!
    Spenden wollen sie alle haben, aber was leisten die „Hilfsorganisationen“ dafür? Nach meinen Erfahrungen rein garnichts.

  53. eliana schreibt am :

    @ Andrea: Zitat „Wovon sollen die Frauen leben, wenn die Prostitution abgeschafft würde?“
    Wieso denn das? Als ob es keinerlei andere Möglichkeiten gäbe, arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen … Das ist mir denn doch zu einfach.

  54. rasch schreibt am :

    @ Andrea
    dein satz:
    Ohne die Prostitution hätte ich nie überleben können und kann es auch jetzt nicht.

    Das kannst du so nicht sagen.
    Teufelskreise zu durchbrechen bedeutet mitunter auch, alles als unüberwindbar zu empfinden.
    Du kannst doch nicht Deine eigene getroffene Entscheidung auf alle Opfer von sexualisierter Gewalt „übertragen“.
    Die Toleranz fehlt mir dabei.
    Ich für meinen Teil habe immer Frauen akzeptiert die diesen Weg bereits in jungen Jahren einschlugen, aber vermisse im Gegenzug die Akzeptanz für Frauen die stattdessen konsequent den Putzeimer schwingen oder sich auf andere herunterdegradierte Jobs einlassen „müssen“.

    Man hat uns keinen Rosengarten versprochen….
    also bitte keine „Verherrlichung“

  55. klaraklara schreibt am :

    gott sei dank bin ich von der GEZ befreit, habe monatlich den Alg-2-Regelsatz (ca 390 €) + ca 140 € Freibeträge aus meiner Arbeit zur Verfügung.
    Der reine Sozialhilfesatz ohne Chance auf einen Zuverdienst ist bitter, wenn jemand damit längere Zeit klarkommen muss, finde ich es schlimm und würde deshalb als politisches Ziel nicht die Erlaubnis der Prostitution vorschlagen, sondern dass bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit eine EU-Rente oder ein Sozialhilfesatz von mindestens 490 € monatlich (nach Bezahlung der Wohnungsmiete und Krankenkasse) gewährt wird.
    Was dann wieder wirtschaftspolitische Fragen aufwirft, aber ich setze mich lieber mit dem Neoliberalismus auseinander, als mich damit abzufinden, dass sich europaweit/weltweit Menschen prostituieren müssen, um nicht zu verhungern.
    ich sehe das nicht moralisch, wenn sich eine Frau prostituiert, weil ich mir sowohl die finanzielle Klmammheit als auch die häufige Tragik der Biographie dahinter klar mache, und natürlich darf heutzutage im Rahmen der geltenden Gesetze ein Mensch für sich die Entscheidung treffen, lieber von Prostitution zu leben als sich ständig einschränken zu müssen. Im Einzelfall mag es auch das kleinere Übel sein oder zu etwas Gutem verhelfen. Oder ein Mensch wollte einfach mal diese Erfahrung machen, aus freiem Willen. Aber weil es gesellschaftlich oft nicht so frei und selbstbestimmt zugeht und dann doch negative psychische oder körperliche Folgen hinterlässt, geht meine politische Forderung in die Richtung, dass es kein gesetzlicher Weg sein soll, sich seine Existenz abzusichern.
    Nochmal Moral: ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass mein zeitweilig die Grenzen der Partnerbeziehung sprengender Umgang mit Sexualität in Psychotherapie voll moralisch behandelt wurde, ein großes Drama wurde daraus gemacht – das brachte mir nichts außer einem Zerwürfnis mit mir selbst und Verringerung meines Vertrauens zu den Psychotherapeuten gar nichts. Also in persönlichen, zwischenmenschlichen Begegnungen würde ich hier von Moral voll abraten (mal abgesehen von der tatsächlich moralischen Frage, dass es keine gute Idee wäre, im Rahmen der Prostition Kinder zu zeugen). Auf politischer Ebene, wenn die Lobby der Prostituierten (oder ihrer Ausbeuter) verlangt, dass gesetzliche Einschränkungen fallen, sehe ich das anders.

  56. Andrea schreibt am :

    @rasch:

    Wo habe ich Prostitution „verherrlicht“? Und wo habe ich bitte meine Entscheidung auf alle Opfer von sexualisierter Gewalt „übertragen? Was soll das?

    Bin in einer ganz beschi…nen Situation, wollte mich nur mal ausquatschen.
    Bitte vielmals um Entschuldigung.

  57. Sturm schreibt am :

    Was ich persönlich nicht verstehe, wie man sich aus Existenzsorgen prostituiert. Lieber würde ich klauen gehen als gegen Bezahlung meinen Geschlechtsteile zur Benutzung herzugeben. Aber gut – meine persönliche Meinung.

  58. Und-noch-ein-Leserbrief schreibt am :

    Ein Beruf(sbild) ist es sowieso nicht, ledigtlich eine Erwerbsform. Wenn sich erwachsene Menschen für diese Art von Erwerb entscheiden, ohne dazu gezwungen zu werden, ist es eben auch nicht Zwangsprostitution.

    Es ist der falsche Weg, Prostitution in ihrem Umfang durch Repressalien vermeintlich reduzieren zu wollen, in dem man die beteiligten Personen im dann immer noch stattfindenden Bereich der Prostition kriminalisiert, insbesondere ins Halbdunkle abdrängt und somit die Zwangsprostitution einer Kontrolle der Behörden und der Polizei völlig entzieht.

    Das Gesetz, das 2016 verabschiedet wurde (wiederum unter Kritik von Bündnis90/Die Grünen) und zum 01.07.2017 in Kraft tritt, sieht nunmehr eine Regulierung vor:

    – Registrierung, Arbeitsausweise, Anbindung an behördliche Kontrolle
    – Genehmigungspflicht von Betriebsstätten, Auflagen für solche Stätten
    – Verbot einiger besonders gesundheitsgefährender Praktiken

    Es bleibt natürlich dabei, dass sich man sich von der moralischen Seite her fragen muss, inwieweit sich die Situationen von Kindesmissbrauch und Sexkauf ähnlich sind oder unterscheiden.

    Die ehemalige Prostituierte Juliana José sagte dazu in einem Interview 2007 mal (http://www.taz.de/!5191687/), dass die Machtunterschiede nicht unbedingt so sind, wie man sich das vorstellen mag – sie sagte wörtlich: „die Freier sind auch nackt“.

    Die Regulierung ist jedenfalls der bessere Schritt zur Bekämpfung der Zwangsprostitution, mit der sich die damalige rotgrüne Koalition unter Schröder nicht wirklich befasst hat. Das ist jetzt die Entwicklung, die wir 2017 in Deutschland haben.

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