Tod in Venedig

18.05.2015: netzwerkB

Der Film „Tod in Venedig“ hat mich in tiefste Schuldgefühle getrieben

von Norbert Denef

Mit „Tonio Kröger“, eine Art Selbstporträt von Thomas Mann, begann meine Leselaufbahn. Da war ich 16 Jahre alt und hatte bis dahin noch kein Buch gelesen. Hinter mir lagen sechs Jahre Missbrauchserfahrung mit einem katholischen Priester. Danach holte mich der Organist in sein Bett, mein späterer Schwager. Durch ihn öffneten sich für mich nicht nur die Türen der klassischen Musik, sondern auch der Literatur. Die nächtlichen Sauereien in seinem Bett konnte ich sehr gut ausblenden, denn durch die vergangenen sechs Jahre war ich Meister im Verdrängen geworden.

Nach dem ich „Tonio Kröger“gelesen hatte fühlte ich mich in eine andere Welt versetzt – ich empfand tiefes Mitgefühl mit dieser Geschichte und zugleich kam in mir der Drang auf, mehr über Thomas Mann zu erfahren. Später habe ich dann das gesamte Werk von ihm gelesen. Fasziniert war ich ganz besonders von der Roman-Tetralogie „Joseph und seine Brüder“. Dadurch konnte ich dann viel besser die Bibel begreifen. „Doktor Faustus“ habe ich mehrmals gelesen, um dieses Werk nur annähernd zu verstehen. Wenn ich längere Zeit keinen Thomas Mann gelesen hatte, brauchte ich immer 50 Seiten, um mit seinen langen, nicht enden wollenden Sätzen klar zu kommen. Ich liebte Thomas Mann und wäre niemals auf die Idee gekommen etwas von ihm und an seiner Lebensweise anzuzweifeln.

Als die Novelle „Der Tod in Venedig“ von Luchino Visconti 1971 verfilmt wurde war ich 22 Jahre alt. Acht Jahre sexuelle Gewalt und vier Jahre des Schweigens lagen hinter mir.

Der Film zählt zu den bekanntesten Thomas-Mann-Adaptionen. Mit der Musik von Gustav Mahler fand dieses Werk überall große Anerkennung. Golo Mann, der Sohn Thomas Manns bezeichnete diesen Film als gelungenste filmische Umsetzung, der „sehr wichtige Aspekte der Novelle vollkommen wiedergibt“. Thomas Mann „wäre begeistert gewesen“ wenn er den Film erlebt hätte, sagte er.

Als ich 44 Jahre alt war brach ich mein Schweigen und sagte öffentlich: „Ich wurde sexuell missbraucht“. Thomas Mann ruhte in mir und den Film „Tod in Venedig“ hatte ich verdrängt. Es vergingen weitere Jahre und erst mit 57 Jahren, als ich von dem Projekt der Berliner Charité hörte, die angeblich „Pädophilen“ helfen könnten keine Straftaten zu begehen und dafür mit dem Spruch „Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?“ warben, dachte ich über die „Knabenliebe“ in dem Film „Tod in Venedig“ nach. Ich begann mich mit Thomas Mann kritischer auseinanderzusetzen und musste erkennen, dass mein bisheriges Bild von ihm nicht der Realität entsprach: „Dass Thomas Mann sich gelegentlich in Knaben verschaute, blieb Katia Mann nicht verborgen, sie sah über derlei Verliebtheiten hinweg, zumal er seinen ehelichen Pflichten nachkam, wie sein Tagebuch verrät.“ (http://www.thomasmann.de/thomasmann/leben/katia/231190)

Als ich den Film „Tod in Venedig“ gesehen hatte, war es für mich noch unvorstellbar, jemals mein Schweigen zu brechen. Der Film hat mich in tiefste Schuldgefühle getrieben und wahrscheinlich wurde mein Schweigen dadurch noch mehr verlängert.

„Warum hat Sie der Film ‚Tod in Venedig‘ in tiefste Schuldgefühle getrieben und womöglich Ihr Schweigen noch verlängert? Ich versuche, mich einzufühlen, aber ich verstehe es nicht. Hat das etwas mit Tadzio zu tun und wenn ja, was? Oder mit Aschenbach?“ Diese Fragen stellte mir 2009 eine Person, die mit der Familie Mann sehr vertraut war und Katia Mann noch persönlich kannte.

Die Gesellschaft verherrlichte diesen Film und niemand wagte, die Abartigkeiten beim Namen zu nennen. Ich schraubte 1971 den Deckel fester zu und schwieg, 35 Jahre lang.

Ich wollte wissen wie ich heute auf diesen Film reagieren würde und schaute mir ihn nach 38 Jahren erneut an. Jetzt mit einer anderen Sicht als damals – in Tadzio sah ich mein Spiegelbild.

Perversionen wurden mit dem Deckmantel der Kunst zugedeckt und mit „Liebe“ und „Zuneigung“ verglichen. Da fiel mir der Spruch der Berliner Charité wieder ein: „Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?“.

„Es müsste ein Verbot geben, Kinder zu lieben, damit nicht auf etwas Ungewisses hin soviel Eifer verschwendet würde. Denn bei Kindern ist es noch ungewiss, wie sie am Ende sich entwickeln, ob zum Schlechten oder zum Guten der Seele und des Leibes. Die Guten nun geben sich selbst freiwillig dieses Gesetz; man sollte aber auch die Liebenden der gemeinen Art dazu zwingen …“ (Platon: „Das Gastmahl oder von der Liebe“)

Platon war es, der seiner Zeit voraus war. Thomas Mann war es nicht, er hat durch seine Novelle „Der Tod in Venedig“ die alte griechische „Knabenliebe“ verherrlicht.

Tadzios Gefühle wurden von Thomas Mann ausgeblendet, noch nicht einmal angedeutet.

Die Abartigkeiten Aschenbachs mit dem Mantel der Kunst zuzudecken, war und ist leider immer noch in unserer Gesellschaft üblich. Das erklärt auch das lange Schweigen der Opfer.

„Auch richtig“, schrieb mir die Person, die Katia Mann persönlich kannte, „‚Tod in Venedig‘ stellt sehr wohl eine Verherrlichung der griechischen ‚Knabenliebe‘ dar. Von Tadzio erfährt man ja wirklich nichts. So hab ich das bisher noch nicht gesehen. Tadzio war eine Projektionsfläche für die Wünsche Aschenbachs. Ja. Aber wäre Aschenbach zu gewaltsamer Durchsetzung seiner Phantasien fähig gewesen? Erfährt man auch nicht. Ist ’nur‘ die Seuche dazwischengekommen? Sozusagen? Von Thomas Mann selber weiss man ja auch aus seinen Tagebüchern nicht, ob er ’nur‘ geschwärmt oder aber sich gewaltsam etwa geholt hat, was er wünschte? Man darf ja wohl annehmen, dass er nicht  gewalttätig wurde, weil er sonst ja auch alles Peinliche genau und total offen notiert hat. Ich denke, er hat sublimiert, indem er schrieb. Thomas Mann war sehr schwul, seine Sehnsüchte waren es. Trotzdem hat er natürlich Kinder gezeugt, aber alle hatten tragische Schicksale. Katia war mit einem Genie verheiratet und ich glaube, deshalb hat sie alles ertragen. Zu diesen Zeiten hat eine Frau sowieso alles ertragen.“

 

21 Kommentare

  1. eliana schreibt am :

    Lieber Herr Denef,

    vielen Dank für Ihren Beitrag zum „Tod in Venedig“ von Thomas Mann, der Visconti-Verfilmung etc. Sie weisen auf den entscheidenden Punkt hin: Wer interessiert sich eigentlich für das, was ein reales Opfer sexualisierter „Liebe“ dh. Gewalt bei der Lektüre bzw. im Kinosaal empfinden mag? In der Kunst zumindest interessiert es nicht. Da sollen sich bitteschön Therapeuten, Ärzte und Ambulanzen für Krisenintervention drum kümmern – lebenslang.
    Dabei müsste sich gerade die Kunst dafür interessieren – weil man von ihr fordern kann, dass sie multiperspektivisch arbeitet und über mehr Sensibilität verfügt als man vom realen Leben erwarten kann.

    Sie öffnen mit Ihrem Beitrag eine Tür zur Kunst und Literatur, um ein Dunkelfeld zu beleuchten, in dem sich Literaturliebhaber neben Päderasten-Nostalgikern, Pädophilen, Kinderschändern und sonstigen Pädokrimnellen tummeln, ohne die Notwendigkeit zu erkennen, die notwendigen Abgrenzungen vorzunehmen. Die Gesellschaft, in und mit der wir leben (müssen), ist leider erst am Anfang dieser Debatte.
    Auch in der aktuellen Literatur können Beispiele angeführt werden, über die geschwiegen wird, sei es, weil sie nicht als Grenzverletzung wahrgenommen werden, sei es, weil Unbehagen und Befremden verdrängt werden, sei es aus falsch verstandner Kumpelhaftigkeit der Beteiligten oder last not least, weil es auch in der Literaturszene speziell interessierte Netzwerke gibt, die sich gegenseitig promoten und schützen.

    Ich verweise z.B. auf die Laudatio zum Gustav-Regler-Preis 2011, in der der VS-Vorsitzende des Bundeslandes, in dem dieser Preis vergeben wird, sich über die päderastische Knabenliebe ausbreitet, die angeblich den erotisch-künstlerischen Funken der Kreativität im jungen (Literatur)Schüler zündet. Das Publikum durfte sich – unwidersprochen übrigens! – einen Vortrag anhören, in dem der zeitgenössische Päderast als Mentor gewürdigt wird. Die Rede wurde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk übertragen. Niemand nahm Anstoß. Unfassbar! Falsch: Ich nahm Anstoß, ich griff zum Telefonhörer und fragte nach, alarmierte Freundinnen und Freunde.
    Als Schriftstellerin und Leiterin zahlreicher Literatur-Workshops, auch für Nachwuchs-Literaten im Kinder- und Jugendbereich, kann ich nur sagen: Solche Beschönigungen bzw. Verherrlichungen sind gemeingefährlich! Und sie entziehen unserer Zunft den professionellen Boden unter den Füßen. Ich jedenfalls erkläre hiermit, dass ich für meine literaturpädagogische Arbeit solche Auffassungen oder Phantasien oder zweideutig eindeutige Andeutungen, die sich als Sprachspiel verkleiden, strikt ablehne und meine, dass hier die Staatsanwaltschaft hellhörig werden sollte. Und all das mit öffentlichen Fördergeldern!

    Führen wir doch diese Debatte weiter, es gäbe viel, sehr viel zu entdecken. Das wäre vielleicht der Beginn einer humanen Kinderschutzkampagne auch dort, wo unter der Flagge “Freiheit der Kunst” Missbrauch versteckt wird. Aber täuschen wir uns nicht: Diese Leute werden unter Aufbietung aller rhetorischen Kniffe ihre Spielwiesen verteidigen!

    eliana

  2. hildegard schreibt am :

    … ‚Diese Leute werden unter Aufbietung aller rhetorischen Kniffe ihre Spielwiesen verteidigen‘ und sich immer auch gegenseitig beweihräuchern.

  3. Anna M. schreibt am :

    Guter Artikel!

  4. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Nicht umsonst wählte Thomas Mann damals die Odenwaldschule für seinen Sohn Klaus Mann ,der sich übriges später dann das Leben nahm.

  5. Richard schreibt am :

    Guter Artikel. Mir wurde als 14jährigem Thomas Manns „Tonio Kröger“ vorgelesen und der „Tod in Venedig“ zu lesen gegeben, als Teil einer Strategie, einen sexuell gefügig zu machen. Sollen deswegen Jugendliche den „Tod in Venedig“ nicht mehr lesen? Doch, natürlich. Aber ich glaube, die Bekanntheit und Wertschätzung dieses Werks hat schon mit heimlicher Duldung und Ueberhöhung von pädosexueller Gewalt zu tun, und mit der Vorstellung von Päderastie als einer vermeintlich elitären Sexualität.

  6. eliana schreibt am :

    @ Richard
    Vielen Dank für Ihre persönliche Information! Dass „Der Tod in Venedig“ bei der Planung von Tätern de facto eine Rolle spielen kann – das ist einerseits logisch, andererseits bestürzend. Darf ich fragen, ob Sie ein Internatsschüler waren?
    Das wäre dann auch ein neuer Forschungsansatz für die literaturwissenschaftliche Rezeptionsgeschichte solcher Werke.

  7. eliana schreibt am :

    @prospero
    Hier gibt es einen Zusammenhang zum Windsbacher Internat, einer ehem. ev.-luth. Pfarrerschmiede, später weltbekannt durch seinen Knabenchor.

  8. Anna M. schreibt am :

    Man könnte ja genau diese Werke als Ansatzpunkt für eine Diskussion über die gesellschaftlich akzeptierte Gewalt gegen männliche Jugendliche nehmen.

  9. Prospero schreibt am :

    @ elina
    Spielen Sie auf die zwei bekannt gewordenen pädophilen Vorfälle aus dem Windsbacher Internat – einen durch einen Hilfspräfekten 1954 und
    einen durch einen pädagogischen Mitarbeiter 2001 –
    an?

  10. Richard schreibt am :

    @eliana
    Danke fuer Rueckmeldung, nein war kein Internatsschueler. Aehnlich wie Norbert Denef habe ich auch in meiner Jugend einen Grossteil des Werks Thomas Manns gelesen. Uebrigens hatte ich just an dem Tag, bevor ich diesen Artikel las, aufgeraeumt und eine Menge Buecher aus dieser Zeit entsorgt, aber die Thomas Mann-Sammlung nach einiger Ueberlegung behalten.

  11. eliana schreibt am :

    @prospero:
    Windsbach ist Thema in der offiziellen Lobrede bei der besagten Literaturpreisverleihung 2011. Der Laudator berichtet, wie er selber als junger Teilnehmer eines literarischen Schreibworkshops den Preisträger A. Astel gefragt habe, wie dieser eigentlich zum literarischen Schreiben gekommen sei, und er fasst dessen Antwort wie folgt zusammen:

    „Verantwortlich war also für den Anfang eine Lebenslüge, und ein Päderast.
    Ich will das erklären. Im Internat von Windsbach, das ist dieses Internat in Franken mit diesem Knabenchor von Weltgeltung – Arnfrid Astel hat übrigens auch mal gesungen in diesem Knabenchor, als er nämlich Schüler in diesem Internat war –, und es gab dort einen Lehrer, der, ja, ein bißchen pädophil war, ein Päderast. Kaum älter eigentlich, also auch noch ein recht junger Lehrer. Er hat aber Gefallen gefunden an dem jungen Arnfrid Astel. Arnfrid wußte, daß dieser Lehrer gerne liest und auch selber ein bißchen Lyrik schreibt. Und um gewissermaßen diese Zuneigung irgendwie zu erhalten und nicht abreißen zu lassen, hat Arnfrid ihm vorgeschwindelt, daß er Gedichte schreibt. Ja, dann mußte er es natürlich irgendwann mal machen, denn man muß ja, sagt Arnfrid immer, beim Lügen, beim Schwindeln, konsequent und ehrlich bleiben. Sonst fliegt der Schwindel irgendwann auf. Arnfrid Astel hat angefangen, tatsächlich Gedichte zu schreiben und ist dabei geblieben. Und diese Lebenslüge, zu der sich das dann ausgewachsen hat, ist, finde ich, ein großer Glücksfall für die Literatur geworden, ja? Beruhend auf einem erotischen Prinzip.
    Und das war das Wichtigste, was ich gelernt habe in diesem Universitätsseminar, was ich begriffen habe … das erotische Prinzip.“

    Ich habe mich gefragt, ob es Opferstimmen und -berichte zu diesem Päderasten im Windsbacher Internat gibt. In der Lobrede geht es nicht um Opfer, in solche „Niederungen“ steigt man nicht hinab …

  12. eliana schreibt am :

    @ Anna M.:
    Ich vermute, dass literarische Werke, speziell solche, häufiger missbraucht werden als wir denken. Welche Rolle spielte z.B. der Deutschunterricht bei der Planung der Verbrechen an den Odenwaldschülern? Wer hat dazu Informationen? Würde mich sehr interessieren, da ich selber mal Deutsch unterrichtet habe.
    Und brauchen wir einen Straftatbestand der Verherrlichung des „päderastischen Eros“, wo wir doch alle inzwischen wissen, dass hier Gewalt verherrlicht wird (ein Straftatbestand). Verherrlichung von Gewalt an Schutzbefohlenen ist aber offenbar keine Straftat (siehe Laudatio zum besagten Literaturpreis …) – wie sollte man eigentlich reagieren auf so etwas, hat jemand eine Idee bei netzwerkB? Die Literaten schreien dann sofort „Zensur!“ und haben Schaum vorm Mund. Und da ich selber dazu gehöre, bin ich ambivalent …

  13. Saskia schreibt am :

    zu Elina…..die Verherrlichung von Gewalt

    an Schutzbefohlenen…

    ich betreue eine Schutzbefohlene,bin auch schon mächtig alt,täglich lerne ich noch hinzu,
    meine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft war zwecklos,ernüchternd und so verletzend,…..

  14. eliana schreibt am :

    @prospero: In Windsbach wird vertuscht, wie überall! Im Fragebogen zu der Untersuchung, die Prof. Liedtke geleitet hat (2012), fehlt das Thema sexueller Missbrauch/sexualisierte Gewalt. Keinerlei Frage zum Thema Missbrauchserfahrung/sexuelle Grenzverletzungen. Die Untersuchung stützt sich nur auf ein Viertel der ehem. Schüler. Davon abgesehen, ist Liedtke im Stiftungsbeirat des Windsbacher Knabenchores – hat man da den Bock zum Gärtner gemacht? Auch was die beiden offiziell dokumentierten und vor Gericht gebrachten Täter betrifft: keine Spur von Transparenz oder Aufklärungswille. Da heißt es lapidar: „Prof. Liedke verweigert Details“. Wieviele Opfer waren es? Wie hoch schätzt man die Dunkelziffer? Wie wurden die Taten geplant, Häufigkeit? Wie lauteten die Urteile? Auch hier: es wird geschwiegen, dass die Balken brechen…

  15. eliana schreibt am :

    E. O. (UNICEF Saarland) schreibt an Eliana:
    „Ich habe das damals mit der Verleihung des Regler-Preises an A. Astel nicht so verfolgt und mir erst jetzt mal die Laudatio, deinen Kommentar und die zahlreichen Leserreaktionen darauf angesehen.
    Auch für mich war „Tod in Venedig“ als Geschichte und in der Verfilmung einerseits faszinierend, andererseits hatte ich immer ein merkwürdiges Gefühl ob der „ anregenden“ Wirkung für bestimmte Männer bzw. der Wirkung auf betroffene Jugendliche. Es ist jedenfalls für mich ein Unding, in einer Laudatio die päderastische Knabenliebe so positiv hervorzuheben.
    Man braucht sich allerdings in unserer Gesellschaft kaum über den noch immer zu laschen Umgang mit der Pädophilie zu wundern, wenn ein Papst heiliggesprochen wird, unter dessen Ägide die missbrauchenden Täter der Kurie geschützt und die Opfer mehr oder weniger allein gelassen wurden.
    Kinderschutz ist eigentlich das, worum UNICEF sich auch gerade in Deutschland besonders kümmert und alle Anstrengungen unternimmt, damit die Kinderrechte endlich in unserem Grundgesetz verankert werden. Du kannst dir vorstellen, dass ich da ganz auf dieser Linie bin. Wir haben auch immer wieder Aktionen in Schulen (auch mit Landtags- und Bundestagsabgeordneten), wo es um den Kinderschutz und die Ratifizierung der Kinderrechte geht.“

  16. hildegard schreibt am :

    Exakt: Die Gesellschaft verherrlichte diesen Film … Perversionen wurden mit dem Deckmantel der Kunst zugedeckt und mit “Liebe” und “Zuneigung” verglichen.
    Erst gestern Abend konnte ich mir die Verfilmung auf ARTE erstmals ‚antun‘, mochte mir das Abbild meiner damaligen Umgebung bis dahin nicht betrachten – niederträchtig, wie diese ‚vornehme‘ (jugendbewegte!) Gesellschaft sich auf „den großen Literaten“ berief und erhobenen Hauptes das leidende Kind ignoriert hatte – ohne Sinn, ohne Verstand, ohne Mitgefühl!

    Wie Platon doch RECHT hatte!

    Was muss geschehen, damit die Sex-mit-Kindern-Seuche endlich als hochansteckend und mit der korrektesten Bezeichnung „brutale Gewalt“ wahrgenommen und juristisch eingeschätzt wird?
    Ernsthaft bekämpfen kann Frau Merkel/kann Papst Franz diese Art Seuche nur per Gesetzänderung, Kontroll- und Anzeigepflicht.

  17. Roxane S. schreibt am :

    Hier eine fast halbstündige Doku über das Casting des Tadzio mit vielen frisch gekämmten Jungs.

  18. klaraklara schreibt am :

    Hier ist eine Diskussion über das Tagebuch und das Leben von Klaus Mann. Wenn ich das richtig mitbekam, nannte er seinen Vater „Zauberer“.

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