Suche Opfer von evangelischen Umfeld

08.08.2015

Suche andere Opfer physischer und psychischer Kindesmißhandlung aus dem evangelikalen oder fundamentalistisch-evangelischen Umfeld zwecks Austauschs. Habe einen Antrag nach OEG gestellt und von einer Beratungsstelle gehört, daß dort noch niemand mit religiös motivierten Gewalterfahrungen im Hintergrund so einen Antrag gestellt hatte. Vielleicht gibt es aber doch Betroffene, die das schon getan haben?

Bitte Informationen an: info [at] netzwerkb.org

8 Kommentare

  1. Susanne schreibt am :

    Hallo, ich finde es sehr spannend, Deine Suche zu lesen und Deine Worte haben mich berührt. Ich habe wie Du schwere physische und psychische Gewalt in der Kindheit in einem evangelikalen Umfeld erlebt. In meinem Umfeld bin ich die Einzige, die sich aus diesen Netzwerken befreit hat und nun ausserhalb ihr Leben lebt. Ich habe keine Mitstreiterinnen mit der gleichen Erfahrung. Ich bin mir aber sicher, dass es sehr viele Menschen gibt, die Ähnliches in diesem Umfeld erlebt haben. Ich würde mich sehr über einen Kontakt freuen und netzwerkB kann gerne meine eMailanschrift an Dich weitergeben. Ich schreibe aber bewusst hier in der Kommentarfunktion, weil ich hoffe, dass wir vielleicht noch mehr sind und in Kontakt kommen können. Vielleicht können wir uns über unsere Erfahrungen austauschen, denn ich habe oft das Gefühl, dass auch in meinem privaten Kreis trotz allem liebevollen Verständnis Menschen nicht nachvollziehen können, was so ein Umfeld, die falsche Moral, die Heuchelei, die religiöse Struktur, einem antun kann, gerade wenn man als Kind dort hinein geboren wird und dem allen ausgeliefert ist. Vielleicht können wir unser Wissen auch zusammentragen und auf die eine oder andere Art transparent machen. Ich weiss nicht, ob ich viel zu einem OEG-Antrag sagen kann, ich habe keinen gestellt, habe aber in meinem Antrag an den bundesweiten Fonds beschrieben, dass die Gewalt religiös verschleiert, mit Schuldgefühlen gemischt etc. wurde. Vielleicht kennst Du so etwas. Würde mich sehr über Kontakt und weitere Kommentare freuen.
    LG Susanne

  2. Jojo schreibt am :

    Liebe Susanne, vielen Dank für Deinen Kommentar, ich werde Dir auch noch privat schreiben. Ich finde Deine Idee gut, das Wissen zu sammeln und transparent zu machen. Habe auch schon darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben. Es gab ja schon mal Sendungen zu religiöser Gewalt im evangelikalen Bereich, z.B. vom NDR, und dann kommt immer eine Menge Protest aus diesen Kreisen, das sei alles mal wieder ein antichristlicher Angriff und Gewalt sei kein Thema, höchstens ganz selten. Aber nie hört man davon, daß diese Kreise bereit wären, sich mal diesem Thema zu stellen und sich den Opfern zu widmen. Es ist eigentlich noch extremer als in der katholischen Kirche, wie man alles unter den Teppich kehrt. Ich bin auch komplett ausgestiegen, und in meinem Umfeld gibt es auch nur wenige, die das so richtig verstehen können, aber immerhin habe ich etwas Unterstützung durch die Eingliederungshilfe.

  3. Angela Ebert schreibt am :

    Herzlichen Glückwunsch zur Kontaktaufnahme ihr Beiden!
    Das ist die beste Möglichkeit zur Heilung, den verstehen wollen das nicht sehr viele Verantwortliche und auch Mit-Bürger aus unserer sogenannten Solidar-Gemeinschaft. Das ist schade, traurig, aber nicht zu ändern.
    Viel Glück und alles Gute!
    Angela

  4. Susanne schreibt am :

    Ich glaube, viele können sich nicht vorstellen, was es bedeutet, in so ein Umfeld hineingeboren zu werden. Religiöser Fanatismus, auch der Anspruch der eigenen Eltern, moralisch und gut zu sein, gepaart mit der psychischen und physischen Gewalt, die Persönlichkeit des Kindes zu brechen und zu unterwerfen. Ein Umfeld in dem alle Menschen so ticken, die eigenen Eltern bewundert werden. Es scheint klar zu sein, was gut und schlecht ist. Wut darf man dabei nicht fühlen, sonst ist man selbst böse, und überhaupt ist man ja als Kind die Böse, während alle anderen gut und rein sind, tiefgläubig.

    Das alles wird von der gesamten Gesellschaft im Namen religiöser Toleranz akzeptiert, niemand interessiert sich für das Leid dieser Kinder.

    Was mich ärgert, ist wenn Aussenstehende dann fragen, ob man das wirklich geglaubt hat. Mit Unverständnis und Abwehr reagieren. Wieder ist man selbst derjenige, der zu naiv ist, versagt hat. Als Kind hat man keine Wahl. Sehr viele Menschen finden niemals den Weg aus diesem Umfeld und werden später genauso.

    Es ist schmerzhaft, alleine entdecken zu müssen, dass das alles nur ein Machtsystem ist, und es keine Liebe und auch keine echte Moral gibt. Auch nicht von den eigenen Eltern.

  5. Jojo schreibt am :

    Ich kann das 1:1 so unterschreiben, was Susanne schreibt. Dazu kommt dann noch, wenn man später Hilfen braucht, wenn man da raus ist, wie durch das OEG, daß man aus dem direkten Umfeld keine Hilfe erwarten kann, auch nicht in Form von Zeugenaussagen. Ich selber habe noch das Glück, daß das bereits in der Schule aufgefallen ist und es von daher noch Zeugen gibt und auch noch alte Unterlagen mit entsprechenden Aussagen, aber wenn man das nicht hat, dürfte man ziemlich aufgeschmissen sein. Weil Gemeinden und Familien mauern, die verweigern sich der Aussage, und es gibt durchaus auch fromme Christen, die glauben, sie dürften bei so etwas lügen, weil es ja der „Sache des Herrn“ dient, wenn man nicht die Wahrheit sagt. Von daher ist der Ausstieg auch schwierig, weil man schlecht Hilfe von außen bekommt und man ja von irgendwas leben muß. Ich weiß auch von Fällen, wo junge Leute aus frommen Gemeinden eher „verunfallt“ sind (getarnter Suizid) als auszusteigen, weil es eben auch außerhalb der Gemeinden so schwierig ist, eine Zukunft zu haben.

  6. hildegard schreibt am :

    „… und dann kommt immer eine Menge Protest aus diesen Kreisen, das sei alles mal wieder ein antichristlicher Angriff und Gewalt sei kein Thema, höchstens ganz selten.“ !!
    Von ihrem eigenen, buchstäblich ausschließlichen Gutsein sind sie alle zu 150 % überzeugt – ob RKK, Evangelikale, „Königreich-“ Zeugen J’s oder religiöse Fanatiker / Ideologien anderer Couleur. Diese Leute wissen es – wie ebenfalls all unsere Täter! – ALLE sehr genau, dass nur mit gewalttätigem Absolutheitsanspruch diese fatale Abhängigkeit erzeugt werden kann.
    G. Hüther erklärte das in dem erwähnten Vortrag etwa so: Ein UNGEIST bezweckt mit falschen Ressourcen-Nutzungsstrategien Effekte, die der Potentialentfaltung entgegen wirken: Am Ende kann keiner mehr sein Hirn benutzen.
    Kinder haben noch als Erwachsene kaum je eine eigene Chance …
    Drum muss das System ‚Kirche-Staat‘ besser heute als morgen unter die Lupe von ungebundenen Ethikern.
    M. Montessori schon und A. Schweitzer waren Rufer in der Wüste. Hüther zitierte A.S.: ‚Das Heil der Welt besteht nicht neue Maßnahmen, sondern in einer anderen Gesinnung‘, sprich in einer anderen Haltung, in einem anderen Geist!!

    Um den uralten Ungeist UND die geänderte GESINNUNG in der Politik muss es uns heute gehen – bleiben wir dran, heute mit Hüther …

  7. Angela Ebert schreibt am :

    WIR/ICH werde/n dran bleiben!
    http://www.pressreader.com/germany/hna-kassel-mitte/20150813/281479275144925/TextView
    Hier wieder ein Beispiel für das, vermutlich vorsätzliche, politische gelenkte Versagen auf ALLEN Ebenen! Altfälle aus 2012 und 2013 noch nicht terminiert!!! Das ist doch Täterschutz vom Feinsten. Stellenabbau und die fehlenden Finanzmittel, aber Flugplätze/Autobahnen bauen die dann nicht oder nur sehr unzureichend unterhalten werden können?! Es scheint da entkommt wohl keiner irgendwelchen Lobbyisten die zahlen?!
    Die Gesinnung, ja Hildegard, die Gesinnung!
    Und darum sage ich immer, äußerste Vorsicht im Umgang mit Staatlichen Institutionen! Persönlich und individuell sind nur noch die Schädigungs-Absichten, die politische WILLKÜR, unterstützt durch und von allen Beteiligte, Individual-Ansprüche und -Rechtschutz ist nicht zielführend. Die Sozialisten wie auch die Christlichen können und wollen es nicht anders!
    Es ist schmerzhaft, ja sehr!, aber auch hilfreich!! Illusionen muss sich da niemand mehr hingeben, den Betroffene MÜSSEN lernen, erkennen, wieder MERKEN, fühlen und spüren, all das was durch das Trauma der Gewalterfahrung beschädigt wurde!!
    Was mich sehr umtreibt ist die gesamte Entwicklung der Gesellschaft die offenkundig gar nicht mehr merkt wie das Kapitalistische-System gegen die gesunde! Entwicklung und freie Entfaltung arbeitet!
    Die Minderheiten sollten/Müssen zu Mehrheiten werden, nur wie soll das gehen? Jeder kämpft für sich allein, da freuen sich unsere Gewählten doch und machen einfach weiter so.

  8. Helga Schwarz schreibt am :

    Ich habe auch Gewalt in verschiedenen Formen bei Baptisten erlebt und bin dadurch traumatisiert und arbeitsunfähig seit 9 Jahren. Leider ist es immer das gleiche Verhaltensmuster das bei dem Tabu Missbrauch in christlichem Setting auftritt – Betroffene laufen gegen Mauern des Schweigens / Verschweigens. Ich würde eine Arbeit zur Aufklärung und Prävention in diesem Bereich gerne unterstützen.

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