„Es wird bald keine Gefängnisse mehr geben“

02.05.2016: Sächsische Zeitung

JVA-Chef Thomas Galli fordert in seinem Buch „Die Schwere der Schuld“ die Entlassung der Gefangenen. Im SZ-Interview erklärt er, warum.

Herr Galli, Sie sind seit 2013 Leiter der JVA Zeithain. Mögen Sie Ihren Job?

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Grundsätzlich mache ich diesen Job, um Geld zu verdienen. Manches macht Spaß, manches weniger. Da man im Strafvollzug jedoch massiv Einfluss auf das Schicksal anderer Menschen nimmt, sollte man in der Lage sein, diese Tätigkeit unabhängig davon selbstkritisch zu reflektieren.

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In Ihrem Buch plädieren Sie dafür, diesen Job quasi abzuschaffen. Warum ist das Gefängnis, wie wir es heute kennen, Ihrer Meinung nach überflüssig?

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Das Buch ist ja kein Fachbuch, sondern mit realen Geschichten von Straftätern und ihrem Leben in Haft eher zum Beispiel für Krimifreunde gedacht. Aber Sie haben Recht, mit den Geschichten ist auch ein sozialkritischer Ansatz verbunden. Das Gefängnis als Institution reduziert unter dem Strich nicht die Kriminalität. Seine Existenz beruht auf Tradition, nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis. In einigen Hundert Jahren werden wir Menschen über das Gefängnis das denken, was wir heute über die Todesstrafe denken.

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Wie meinen Sie das?

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Der Mensch der Zukunft wird sich fragen: Wie konnten die damals ernsthaft glauben, jemanden in die Gesellschaft integrieren zu wollen, indem man ihn aus ihr ausschließt? Wie konnten die glauben, jemanden auf ein selbstverantwortliches Leben in Freiheit vorbereiten zu wollen, indem man ihn jahrelang jeglicher Selbstverantwortlichkeit und Mitbestimmungsmöglichkeit beraubt? Wie konnte man so blöd sein, Hunderte von Straftätern über Jahre auf engstem Raum zusammen einzusperren, so dass notwendigerweise ein Straftäter vom anderen Straftäter lernen musste?

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Was sollte man Ihrer Meinung nach also mit den 400 sogenannten Kurzstrafern machen, die zurzeit in Zeithain einsitzen?

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Man sollte sie entlassen und statt dessen gemeinnützige Arbeit leisten lassen. Auch die Teilnahme an Therapie- und Ausbildungsmaßnahmen könnte ambulant umgesetzt werden und hätte so höhere Erfolgsaussichten. Wohlgemerkt ist das eine rein theoretische Erwägung. Ich rufe nicht dazu auf, das Recht zu brechen, sondern versuche argumentativ dazu beizutragen, es zu verändern.

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Und was ist mit den Mördern, die unter anderem in Torgau ihre lebenslange Haft verbüßen?

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Es gibt sehr wenige sehr gefährliche Menschen, vor denen die Allgemeinheit geschützt werden muss. Diese Menschen würde ich in nach außen gesicherten Dorfgemeinschaften unterbringen, in denen sie sich einigermaßen frei bewegen könnten und gemeinnützige Arbeit leisten müssten. Unter dem Strich wäre das für den Steuerzahler um ein Vielfaches günstiger.

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Ist das überhaupt noch eine Strafe?

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Der Wunsch nach Strafe und Vergeltung ist in den meisten von uns noch tief verankert. Ich denke aber, dass es auf staatlicher Ebene unvernünftig ist, diesen Wunsch auszuleben. Wir sollten Strafmaßnahmen allein nach ihrer Sinnhaftigkeit für die Zukunft ausrichten. Vergeltung macht gar nichts wieder gut, sie vergrößert nur den Schaden.

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Sie wurden in den vergangenen Wochen oft kritisiert, mit Ihren Thesen vor allem an die Täter zu denken. Haben Sie Mitleid mit den Häftlingen?

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Es geht mir ja gerade darum, Opfer zu reduzieren. Mein Ansatz ist eher analytisch, er beruht nicht auf einem falsch verstandenen Mitleid für Straftäter.

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Wie könnte man den Opfern in Zukunft gerecht werden?

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Es wäre viel gerechter, gerade den Opfern von Gewalttaten mehr staatliche Unterstützung zu kommen zu lassen, anstatt fast alle Ressourcen in die Bestrafung der Täter zu stecken.

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Sie wurden auch kritisiert, mit Ihren Thesen die Arbeit ihrer 1700 Kollegen im sächsischen Justizvollzug herabzuwürdigen. Im Buch selbst aber loben Sie sogar deren Engagement und Kompetenz. Wie könnte dieser Beruf Ihrer Meinung nach sinnvoller gestaltet werden?

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Die Gefängnisse aufzulösen, wird nicht von heute auf morgen funktionieren. Zunächst wird es darum gehen, weniger Menschen einzusperren – indem zum Beispiel die Ersatzfreiheitsstrafe abgeschafft wird – und zusätzlich ambulante Alternativen – wie zum Beispiel einen Hausarrest – einzuführen. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Kollegen auch mehr Arbeitszufriedenheit entwickeln würden, wenn sie sich um weniger Gefangene, aber dafür intensiver kümmern könnten und auch das Gefühl hätten, dass sich das System Strafvollzug in die Zukunft orientiert.

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Wie war die Reaktion Ihrer Kollegen auf Ihr Buch und Ihre zahlreichen Medienauftritte seit dessen Veröffentlichung?

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Die meisten Kollegen sind souverän genug, die grundsätzlichen Fragen nach Schuld und Vergeltung nicht als Kritik an ihrer Arbeit oder ihnen persönlich misszuverstehen. Es geht mir in dem Buch auch gerade darum zu zeigen, dass die Erwartungen in den Strafvollzug oft nicht erfüllt werden können. Schon gar nicht, wenn zum Teil ein Kollege für hundert oder mehr Gefangene zuständig ist. Das ist eine im höchsten Maße stressbelastete und unbefriedigende Arbeit. Die exorbitant hohen Krankenzahlen sprechen eine klare Sprache.

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Das Sächsische Justizministerium lobte sie 2013 als innovativ, geht jetzt aber auf Distanz. Eine Lesung in der JVA Leipzig wurde untersagt und man will prüfen, ob Sie als Beamter gegen Ihre Dienstpflichten verstoßen haben…

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Ich bin nun von mir aus auf Distanz zum Ministerium gegangen. Da ich niemanden persönlich kritisiere, nehme ich mir das Recht heraus, auch weiterhin zu Sachfragen offen meine Meinung zu vertreten. Wie das Ministerium inhaltlich zu meinen Thesen steht, weiß ich nicht, allerdings hat es betont, dass ich nicht für den sächsischen Strafvollzug, sondern als Privatmann spreche. Ich finde es auch sehr legitim, dass das Ministerium das klarstellt.

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Im Herbst 2017 ist Ihre Elternzeit vorbei. Werden Sie dann wieder als Leiter der JVA Zeithain einsteigen?

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Ich stehe derzeit vor einem Konflikt, den ich für mich selbst noch nicht auflösen konnte. Auf der einen Seite möchte ich nicht davonlaufen, sondern weiter an den aus meiner Sicht notwendigen Reformen des Strafrechts mitwirken. Auf der anderen Seite kommt man da innerhalb des Systems schnell an seine Grenzen. Ich weiß momentan nicht, wie es beruflich für mich weiter geht.

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Glauben Sie, dass es jemals ein Deutschland ohne Gefängnis geben wird?

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Ja, das glaube ich ernsthaft. Die Vernunft, oder das, was wir dafürhalten, setzt sich auf Dauer immer durch. Ich werde noch ein Deutschland ohne Gefängnisse erleben, da bin ich mir ganz sicher. Wir können damit zum zivilisatorischen Vorbild für die ganze Welt werden!

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Das Gespräch führte Antje Steglich.

Das Buch „Die Schwere der Schuld“ist im März 2016 im Verlag Das Neue Berlin erschienen.

Quelle: http://m.sz-online.de

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13 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    „Es wäre viel gerechter, gerade den Opfern von Gewalttaten mehr staatliche Unterstützung zu kommen zu lassen, anstatt fast alle Ressourcen in die Bestrafung der Täter zu stecken.“ – Diese Feststellung von Herrn Galli wird jede, jeder unterschreiben, die(der) die gestrige Plasberg-Sendung HART-ABER-FAIR verfolgte …

    Abenteuerlich jeder weitere Vollzug nach mittelalterlichen Mustern!

  2. hildegard schreibt am :

    Wie unterwürfig dürfen Staatsdiener sein?

    Ein Richter muss bei der Wahrheit bleiben.
    Ein Richter muss Gerechtigkeit einfordern.
    Ein Richter darf im Rechtsstaat sein eigenes Recht erstreiten.

    Jan-Robert von Renesse – vernunftbegabter „Richter mit Herz“, Sozial-Richter der neueren Generation – erkannte 2006, wie wenig sensibel die Deutsche Rentenversicherung und die Justiz NRW mit ehemaligen Zwangsarbeitern umgingen.
    Um Rechtsfrieden zu schaffen, muss er seinem Justizminister in NRW 2016 sein Schweigen anbieten. http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/jan-robert-von-renesse-100.html (20 Min.)
    Wir ahnen, warum andere Richter anders ihren Frieden suchen.

    Gewaltopfer warteten zu lange vergeblich auf einen eigenverantwortlich entscheidenden Sozialrichter. Diesen Richter endlich interessierten die sehr persönlichen Briefe damaliger Zwangsarbeiter an das Gericht.
    Er reiste acht Mal nach Israel, um persönlich die alten Menschen zu befragen, die nur knapp überlebt hatten.
    Er stoppte die Justiz mit seiner eigenwilligen Bewertung, und bereits abgelehnte ‚Ghetto-Rentenfälle‘ wurden neu bewilligt.
    Er kämpfte gegen inakzeptable Rentenversicherungsverfahren, gegen „Urteile aus dem Aktenstaub“ und schließlich gegen seine Vorgesetzten in NRW vor dem Bundestag.
    Dank erhielt er nur von Überlebenden der NS-Vernichtungsmaschinerie. Viele waren seit seinem ersten Einsatz bereits verstorben.

    Ein Richter muss bei der Wahrheit bleiben. Warum fällt Versöhnung so schwer?

  3. hildegard schreibt am :

    „Vernunft, oder das, was wir dafür halten, setzt sich auf Dauer immer durch“, sagt sehr zuversichtlich JVA-Chef Galli im Interview.
    Er weiß wie wichtig zivilisatorische Vorbilder für die ganze Welt sind.
    Der Essener Sozialrichter stand für Mitmenschlichkeit. Ein Vorbild für juristischen Nachwuchs.
    Er muss nun schweigen, aus Selbstschutz.
    Innovativen Juristen, die die vereisten, als unabänderlich geltenden Strukturen hinterfragen und auf ihre ureigene Weise Recht sprechen und Fakten setzen wollen, macht es diese am Täterschutz orientierte Gesellschaftsordnung arg schwer. Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst geht es nicht besser.
    Daher bleiben unsere Behörden mittelalterlich unterkühlt.
    Daher sehen wir bis heute kein Kapitel „Seelenmord“ im nicht verjährbaren Gewaltregister Deutschlands. Gelähmt sind die Parlamente von der damaligen wie der heutigen „Schwere der Schuld“.

    Mögen sich bitte bald möglichst viele junge Juristen gemeinsam zur Revision im Kinderopferschutz äußern. Sie wissen ja nun, was auf sie zukommen wird. Es braucht jede Menge Profis, die allererst die URSACHEN der eskalierenden Gewalt (hier die perfide Gesetzgebung) zusammen mit netzwerkB an den Pranger stellen.
    Bei Seelenmord ist die komplette Aufhebung der Verjährung Voraussetzung – ansonsten wird kein Opferschutz je möglich sein.

    Maßstab im Rechtsstaat muss die Menschenwürde mit allen im Grundgesetz formulierten Rechten und Pflichten sein.

    Die in Kriegsfolge irregeführte, eingeschüchterte Gesellschaft braucht deutliche Signale. Nicht nur ein Richter muss bei der Wahrheit bleiben.

    Kein Kind hätte dem Täterschutz je geopfert werden dürfen!

  4. hildegard schreibt am :

    „Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden“.
    http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/fritz-bauer-tod-auf-raten Als Staatsanwalt rehabilitierte Fritz Bauer die Attentäter vom 20. Juli 1944 und initiierte die Frankfurter Auschwitzprozesse. In der Bundesrepublik löste Bauer damit erstmals eine breite öffentliche Diskussion über den Holocaust aus. Die Dokumentation führt in eine Zeit, in der vor allem die ältere Generation in Deutschland die NS-Vergangenheit verdrängte. 1968 starb Fritz Bauer. Sein überraschender Tod ist bis heute ungeklärt.
    Wahrheit braucht Priorität!

  5. ich schreibt am :

    ich möchte nicht sagen, wer ich bin, aber ich möchte mein beispiel dazu geben!
    mein ex-mann hat meiner tochter sexuelle gewalt angetan, seine tochter. ich habe ihn angezeigt. meine tochter wollte nicht, dass er ins gefängnis muss, das wäre zu viel verantwortung für sie gewesen.
    der strafrahmen wäre 5 jahre mindeststrafe gewesen, aber wir haben darum gebeten, ihn nicht ins gefängis zu sperren, da wir der meinung waren, dass er dadurch höchstens ein noch schlechterer mensch wird mit mehr krimineller perfektion.
    die staatsanwältin und der richter haben auf uns gehört. er bekam bewährung mit der längsten bewährungszeit und eine klare warnung vom richter: wenn sie noch einmal wegen so etwas hier sitzen, dann fangen wir bei 10 jahren an. das wird ins protokoll aufgenommen.
    er bekam keinen bewährungshelfer, keine kontrollen, nichts.
    jetzt saßen wir da mit dem täter, dem opfer und einer traumatisierten mutter (das bin ich).
    ich machte meine hausaufgaben, und zwar gründlich.
    der täter war jeden tag mit dem opfer konfrontiert und das opfer, damals 14, hatte den täter täglich vor sich. ich hatte überall überwachungsgeräte im haus, von denen nur der täter nichts wusste. er durfte nicht in den oberen stock gehen, da wohnen die kinder. er war NIE mit den kindern auch nur eine sekunde alleine.
    er blieb an seiner arbeitsstelle, in der zeitung stand nichts. er war ein verurteilter kinderschänder in unserem haus, von dem wir finanziell abhängig waren.
    meine hausaufgaben und mein verantwortungsbewusstsein sagten mir, dass ich meinem kind helfen muss und es schützen. auch sagten mir die gleichen stellen, u.a. norbert denef, den ich angerufen hatte, sofort, nachdem ich wusste was dieser mann getan hatte, dass der täter zur verantwortung gezogen werden muss und soll und dass er eine möglichkeit braucht, seine scheisse aufzuarbeiten, damit er nicht noch mehr leid anrichtet. das war eine riesige verantwortung für mich. auch ich wollte ihn nicht gehen lassen, solange er noch kinder anfassen würde.
    er blieb im haus. meine tochter war einverstanden und die anderen kinder auch. was er getan hatte war für alle ein offenes thema. jeder wusste bescheid, er konnte nichts mehr verstecken. die kinder fragten ihn, wieso er so wäre, warum sie nicht wichtig genug waren, dass er sie vor sich selbst geschützt hätte…und 100e fragen mehr. er musste antworten, hatte keinen ausweg mehr.
    er wollte uns nicht verlieren. er hatte kaum empathie. meine tochter ging durch die liebe, durch den hass und am ende kam sie als gesundes mädchen heraus, ohne hass auf den täter, aber auch ohne respekt. das war gelungen!
    der täter war bis vor 4 monaten noch im haus. es hat vier jahre gedauert, ihm so lange auf die füsse zu treten, bis er spüren konnte, was er war, und dann sein selbst bekämpfen konnte. er machte sich frei von allen fantasien. er übte in der realität zu bleiben, immer und zu jeder zeit, an jedem ort. er übte, wie man keine angst mehr hatte, wenn man alleine war. er übte, wie man menschen, vor allem kinder, als neutrale geschöpfe sehen kann und nichts empfindet, was man da kontrollieren müsste. er hat es gelernt. er war zwei jahre in therapie, die allerdings nur sehr sehr wenig geholfen hat. er war dort als opfer, die dinge aufzuarbeiten, die ihm angetan worden sind. aber die hauptarbeit hatten ich und meine tochter, nebst ihm selbst natürlich.
    jetzt lebt meine tochter mit mir, alle kinder entschieden sich für die mama. sie ist 19. sie geht ihn nie besuchen, sagt aber, dass sie durch diese sehr schmerzliche erfahrung gereift ist. sie sagt auch, dass sie danach so gut aufgefangen wurde (ihr wurde sofort geglaubt, sie wurde geschützt und konnte reden…), dass sie keine schäden davongetragen hat, ausser die erinnerung an das, was sie durchmachen musste. sie mag ihn nicht, den täter. sie hasst ihn nicht. er ist für sie wie ein neutraler mensch, der das tun musste, was sie von ihm erwartet hat, nämlich selbst menschlich werden.
    er ist menschlich geworden. ich habe mich dann getrennt, erst danach, nach der arbeit.
    ich bin in einer neuen beziehung und habe keine angst, dass der neue mann den kindern etwas antun würde. sie sind alle trainiert durch das leben, dass sie sofort erkennen, wenn ein narzisst, psychopath oder sonstiges vor ihnen steht oder in ihre nähe kommt. sie können das so gut, dass sie sich selbst dadurch extrem gut schützen können. ich erkenne sie auch. habe mit vielen von ihnen geredet, habe sie wirklich kennengelernt.
    meine tochter hält immer noch regelmäßig vorträge in der schule…das tat sie schon seit ein paar monaten nach ihrem satz: mama, der papa hat mir heute morgen….
    sie sagt nicht, dass sie opfer wurde und keiner erkennt es, denn sie ist eine selbstsichere junge dame geworden, die sich durchzusetzen weiss. ihre beste freundin weiss nichts, obwohl sie täglich zusammen verbringen, aber meine tochter weiss genau, wer opfer wurde und wer nicht. andere kinder und jugendliche kommen zu ihr und sagen, was ihnen zu hause oder bei verwandten passiert. sie reden mit ihr darüber und meine tochter kann ihnen helfen, sich auch zu öffnen. drei der klasse haben ihr gesagt, dass ihnen sexuelle gewalt angetan wurde.
    sie schrieb ihre geschichte auf, denn sie will sie veröffentlichen, wenn sie aus schule und uni draussen ist.
    der täter wohnt in einer kleinen wohnung, alleine. er ist nicht gerne gegangen, aber er hat verstanden, dass es zeit ist.
    er kann nicht mehr der gleiche mensch sein, der er vorher war, da er die verantwortung immer noch übernehmen muss, für das was er getan hat. er schreibt im internet was er war und wie er sich geändert hat, welche punkte die wichtigsten sind, ihm am meisten geholfen haben. andere täter können das lesen, andere opfer natürlich auch.
    er bekommt einiges an feedback von anderen tätern, die auch gar nicht so sein wollen. er antwortet auf diese mails, erklärt die details.
    ich habe am anfang dieses weges so sehr nach einer person gesucht, die in der selben situation war und das gleiche getan hatte, aber ich habe niemanden gefunden. alle sagen nichts, glauben ihren kinder nicht, machen eventuell noch mit indem sie es dulden oder machen direkt auch noch mit, oder sie lassen die täter einsperren und zu perfekten kriminellen verwandeln, die keinerlei verantwortung für das übernehmen müssen, was sie getan haben.
    das MACHT KEINEN SINN! mein weg hat funktioniert. ich hatte nur die unterstützung von norbert denef und vielen tätern und vielen opfern und mein gehirn und mein herz.
    so geht es auch.
    wenn er jetzt als verantwortungsbewusster mensch in dieser welt lebt, müsste er bewusst und gewollt wieder zurückgehen ein kinderschänder zu werden. er versteht schon, aber auch nicht, wie er jemals so sein konnte. meiner tochter reicht das so. er ist nicht mehr so wie er war, er ist menschlich, mit empathie, nicht vollständig, aber genug, um nie mehr ein kind anzufassen oder auch eine frau zu kontrollieren.
    SO GEHT DAS LEUTE – KRITISIERT MICH NICHT – ICH WEISS ES BESSER!

  6. Savina schreibt am :

    Zu der Zeit als sich bei mir das Fatalste ereignete, wonach dann aber auch wirklich für mich nichts mehr so war wie es davor einmal war…., gab es zwar eine Mutter, aber diese machte sich zur Komplizin des Täters. Ich musste mit dem Verrat leben und mit allem was sich daraus ergab….Eine Grenzsetzung dem Täter gegenüber, so wie Sie das als eine ihre Tochter beschützende Mutter, zusammen mit der Rechtssprechung (Bewährungsstrafe und Bewusstmachung von Konsequenzen bei einer Wiederholung der Tat) innerhalb der Verjährungsfristen, taten und tun konnten, gab es, damals in den siebziger Jahren, in meinem Fall nicht. Weder durch meine Mutter noch durch die Gesellschaft wurden dem Täter Grenzen gesetzt und Konsequenzen aufgezeigt. Was Sie als Mutter, die ihre Tochter beschützt hat und weiterhin beschützt, hier schildern, zeigt für mich ganz klar auf, was an Leid, seelischer Schädigung und Zerstörung verhindert werden kann, wenn Verantwortung übernommen wird und dem Täter konsequent ganz klare! Grenzen gesetzt werden. Und selbst für den Täter war diese Grenzsetzung eine wichtige Voraussetzung, um für sich den Weg der positiven Veränderung in seinem Leben zu gehen. Freiwillig, ohne Einwirkungen von außen, hätte er das bestimmt nicht getan…. – Was die momentane Rechtssprechung bei sexuellem Missbrauch von Kindern anbetrifft, da kommen doch sehr viele, im Falle einer Anzeige, sowieso nicht ins Gefängnis. https://www.change.org/p/bundesjustizminister-heiko-maas-justizminister-heiko-maas-sexueller-missbrauch-von-kindern-ist-kein-kavaliersdelikt-f%C3%BCr-eine-reformierung-des-176-1-2-4-5-stgb-und-des-176a-4-stgb-im-hinblick-auf-das-mindeststrafma%C3%9F

  7. hildegard schreibt am :

    DANK für dies starke Beispiel, gewaltlos auf die gröbste Gewalttat an Ihrem Kind zu antworteten. Die Kinder schützten Sie optimal, den Gewalttäter ließen Sie sich selbst verantworten. Das war die einzig menschenwürdige Reaktion. Chapeau!

    Dieses „Lehrstück MENSCHWERDUNG“ wird für die Zukunft ganz allgemein vorbildlich für Gewaltverzicht sein.
    Die eigenen Kinder konnten mit Ihrer Lektion stark werden und tragen positive Erfahrungen in ihre eigene Welt.

    Mit Geschichten dieser Art wird unsere Netzwerk-B-Arbeit mir zunehmend lieber: Das Leben lässt sich gewaltfrei gestalten – trotz allem.

    Mensch-werden sei unsere erste Aufgabe – Licht in das Dunkel der Aussichtslosigkeit!

  8. hildegard schreibt am :

    Zu Geschichten dieser Art wird die Welt von Hass und Gewalt in allen Bereichen überall starke Leute brauchen, die bei sich selbst, ihrem Gefühl, ihrer Überzeugung, ihrer Verantwortung bleiben.
    Wie sie realen Gefahren trotzen, um Menschlichkeit unter Menschen zu leben, das brachte ARTE gestern sehr beeindruckend am Beispiel der Mönche vom Atlasgebirge:
    http://www.vonmenschenundgoettern-derfilm.de/

  9. https://www.youtube.com/watch?v=E8jBN8eYHlg

    Ihr LIEBEN von NETZ-WERK B…vor Jahren sandte
    ich Norbert dieses LIED und ich habe gelernt zu lesen, was zwischen den ZEILEN steht…

    WIE SCHÖN, dass es EUCH gibt und wir gemeinsam schon so WEIT… gereist sind…das Leben ist ein Prozess und es gibt so viele Wege zu „GOTT“ wie es „MENSCHEN“ gibt. Jeder Mensch ist ein Kind Gottes, ein Gedanke…der wieder zur QUELLE zurück-kommt, die in jedem EINZELNEN von uns RUHT und IMMER DA IST…
    Ich konnte den Weg zurück zur QUELLE nicht für Euch gehen und Ihr nicht für mich…doch die gegenseitige Unterstützung auf dem
    WEG, der viele „Sackgassen“ und „IRRWEGE“ enthält, hat mir sehr gut getan…SO DANKE ICH MIR UND DIR UND EUCH UNS UNS…CHAPEU…

  10. Ich schreibt am :

    Vielen Dank fuer eure positiven Kommentare. Damit habe ich nicht gerechnet! Ich dachte, dass es wohl kaum jemanden geben wird, der das versteht.
    Ich möchte deshalb noch dazufuegen, dass ich, als meine Tochter mir in zwei saetzen sagte, dass ihr Vater ihr sexuelle Gewalt angetan hatte, reagiert habe. Mein gesamtes koerpergefuehl war weg, ich war nichts mehr, meine hülle stand da und fühlte nichts. Es war der Schock meines Lebens. Aber gesagt habe ich zu ihr: ok, gut dass du es gesagt hast und ich verspreche dir, dass das nie wieder passiert. Ich habe sie umarmt. Wie ich das machte, weiss ich selbst nicht.
    So ihr muetter da draußen: wenn euer Kind kommt und ihr den Schock eures Lebens als Mutter und als Frau bekommt, dann MUESST ihr es schaffen, das gleich irgendwie zu glauben. Es ist fast unmöglich, aber nicht ganz unmöglich. Ganz unmöglich ist, dass ihr es nicht glaubt, denn euer Kind hat ja schon gesprochen!
    Meine Tochter sagt heute noch, dass sie gewusst hat, dass es dann auch vorbei war und dass die Verantwortung bei mir jetzt lag.
    Ich weiss nicht wie ich das ausgehalten habe, konnte 2 Wochen kein kalt, kein heisst, kein Hunger…Nichts merkte ich mehr. Aber ich wusste, dass ich es schon gehört hatte, was sie gesagt hatte.
    Den teater habe ich angerufen, nach ca 3 Minuten. Er kam sofort von Büro, weil ich ihm sagte, seine Mutter waere gerade gestorben. Ich hoffte, dass mein exMann auf der Autobahn einen tödlichen Unfall haette, denn dann waere mein Kind ok. Naiv, schlechter Gedanke, aber ich wollte es wegmachen, alles weg! Dann war er da, ich sagte ihm, dass ich ihn filmen wuerde mit dem ipad. Er: wieso? Was ist mit Mutter. Ich: mit der is nix, aber meine Tochter hat gesagt was du getan hast. Er gestand einen kleinen Teil. Ich hatte es auf Video. Mein Kind müsste nicht in einem Gerichtssaal aussagen…Das war wichtig und er konnte nichts mehr umdrehen. Später habe ich gelernt, dass die meisten Taeter im ersten Moment gestehen und dann doch wieder luegen. Also muetter und Vaeter, man überlebt, wenn man dem Kind glaubt. Man überlebt kaum, aber man überlebt und das Kind, das wird, wenn man dann noch seine Aufgaben ordentlich erledigt, genau so, wie es ohne die Gewalt geworden waere. So ist es bei uns. Bitte glaubt euren Kindern! Man KANN es aushalten!

  11. saskia schreibt am :

    an ich……
    nun habe ich mehrmals die zeilen gelesen…

    zu meinem/n Kind/kindern habe ich stets gehalten,
    ja man kann vieles aushalten,
    wenn sie meine e-mail haben möchten ,
    wenden sie sich bitte an norbert,
    es gibt so unglaubliche situationen,
    die das leben schreibt—
    v.l.g.saskia

  12. hildegard schreibt am :

    „Weder durch meine Mutter noch durch die Gesellschaft wurden dem Täter Grenzen gesetzt und Konsequenzen aufgezeigt.“ – Wie Savina, so gings uns allen. Wir wurden als Kind je einzeln in die Wüste geschickt. Kaum ein Kind wusste vom Leid der anderen. Jedes schwieg allein vor sich hin. Sollen wir das heute noch alles als naturgegeben hinnehmen, gottergeben ertragen? Nein, niemals!

    Gefängnisse UND Psychiatrien werden wir künftig in Frage stellen müssen. Zu viel wurde dort verschlimmbessert.
    Wenn die Politik auch noch so sehr in ihren alten Verdrehungsmustern festhängen mag und im Rechtsverwirrschema kleben bleibt – da MUSS vieles sich ändern. Wir sehen, wie es starken Frauen heute gelingen KANN und werden daran bleiben und darauf hin arbeiten, dass die Gesellschaft ihr kollektives Versagen begreift. JEDER damals ahnte zumindest etwas vom ungeheuerlichen Geschehen, wusste etwas, kannte jemanden – als uns „das“ passiert war. Wir wurden totgeschwiegen. Uns Kindern wurde Schuld zugewiesen. Wir wurden verrückt – daran verrückt, dass der Täterschutz staatlich anerkannt und Waffe gegen Kinder wurde – verrückt wurden wir gemacht. Reihenweise.
    Und Psychiatrien und Gefängnisse vollendeten das totale Zerstörungswerk an Unschuldigen, an uns damaligen Kindern.

    Immer noch gilt heute: Kriege verrohen Menschen,stumpfen sie ab. Kinder leiden furchtbar. Kaum ein Mensch rettet das Kind.

    Einen Einblick in die finstersten Keller Nazideutschlands durfte es damals nicht geben, und wie an öffentlichen Reaktionen sichtbar: Das darf immer noch nicht sein. Das gefährliche Spiel mit dem Feuer übernahmen unzählige Leute von Vätern, Großvätern u.a. verführten Veteranen und vererbten es. ABER: Neue Nazis mit ihrem alten Glauben an die HERRlichkeiten des Deutschseins dürfen nicht länger ihren mentalen Müll über unsere bitteren Wahrheiten kippen! LICHT muss ins Dunkel. Das ist es, was sich ändern muss.
    Was ist zu tun?
    Frauen heute haben einen ganz anderen Stand als unsere Mütter damals.
    Frauen heute sollten noch vor ihren Schulabschlüssen bereits auf ihre gesellschaftliche Verantwortung vorbereitet und befähigt sein zu lautem Protest gegen alles, was nicht rechtens ist. Von „den Männern“ – so scheint’s! – sind Verhaltensänderungen in der Regel eher noch nicht zu erwarten. Warum das so ist? Warum wohl Männer leichter dem Größenwahn verfallen? Was lernen sie bereits als kleine Kinder?
    Hier hätte n.m.M. die Politik den Fachleuten ihr Forschungsfeld zuzuweisen gehabt – jetzt aber bitte bald!

    Seid wachsam – wer immer sich hier zu verantworten gedenkt!

  13. saskia schreibt am :

    …ich habe vor Jahren im Rechtswesen einen Rechtspfleger kennengelernt, 2010/11 der den Mut hatte,gegen alle Widerstände sich für mich und mein Kind eingesetzt hatte—-
    und ein anderer Richter entschuldigte sich telefonisch am bei mir ,20.05.2016…
    so dies zeugt von menschlicher Größe,
    leider geschieht es sehr selten…
    und es wird weiterhin gespart und Stellen eingespart
    d.h. Fachpersonal fehlt überall–

    ein schönes Wochenende Saskia

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