Übergriffe lassen sich ohnehin nicht ganz ausschließen

13.06.2016: TP Presseagentur Berlin

Zum morgigen Prozessbeginn gegen einen mutmaßlichen Kindermörder in Potsdam

Von Dietmar Jochum, TP Berlin

…Im Gefängnis kämen jedoch, so Galli weiter gegenüber der TP-Presseagentur, ein paar weitere Mechanismen hinzu:

„Fast alle Menschen scheinen andere Menschen zu brauchen, auf die sie herabsehen können, um sich selbst besser zu fühlen. Das ist ja auch einer der Gründe, warum sich das Gefängnis wider jede Vernunft so gut halten kann. Und die im Gefängnis brauchen auch jemanden, auf den sie herabsehen können, und das sind dann oft die, die Kinder missbraucht und getötet haben.

Hinzu kommt, dass es vollkommen menschenunwürdig ist, Menschen in Gefängnissen auf engstem Raum auf Jahre und Jahrzehnte einzusperren. Dass es da zu Spannungen, Aggression und auch Gewalt kommt, ist ganz normal. Und die Gewalt sucht sich dann oft ein Ziel, bei dem man sich der größten Zustimmung der Masse sicher ist. Das macht es für die Gefängnisverwalter zu einer großen Herausforderung, Übergriffe zu verhindern. Ganz ausschließen lassen sich solche Übergriffe ohnehin nicht, weder im Gefängnis noch außerhalb, aber man kann die Gefahr doch reduzieren, indem man solche gefährdeten Gefangenen besonders im Auge behält und grundsätzlich viel mit den Gefangenen redet. Auch die, die vielleicht zur Gewalt greifen würden, lassen sich in Gesprächen oft davon überzeugen, dass das Unsinn wäre.“

Anstaltsleiter Thomas Galli ist vor einigen Monaten mit seinem Buch „Die Schwere der Schuld“ und vor allem mit seiner strikten Forderung nach Abschaffung der Gefängnisse bundesweit bekannt geworden. In dem Buch, in dem er sich eingehend mit den Biographien der Häftlinge befasst, kommt er zu dem bemerkenswerten Schluss: Es sei „oft genug sogar erstaunlich, dass derart sozialisierte Menschen, nach allem, was sie selbst erlebt haben, nicht noch viel Schlimmeres getan haben“.

Ob er dazu auch Silvio S. zählen würde, mag dahin gestellt sein.

Die Opfervereinigung „netzwerkB“, die von der TP Presseagentur ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten wurde, hatte der Stellungnahme von Thomas Galli nichts Wesentliches mehr hinzuzufügen, sie „reflektiert voll und ganz die Perspektive von netzwerkB“.
Ihr Vorsitzender Norbert Denef: „Um den Opfer-Täter-Opfer-Täter-Kreislauf zu durchbrechen, muss es ein Ende jeglicher Gewalt geben.
Wir von netzwerkB setzen uns dafür ein, die Gesellschaft vor Gewalttätern zu schützen – jedoch nicht gewaltvoll mit ihnen umzugehen.“…

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Ein Kommentar

  1. Angela Ebert schreibt am :

    „Die Schwere der Schuld“ ist die Überzeugung gesetzlicher Richter, Übergriffe sind nicht vermeidbar, das ist die Bankrott-Erklärung der Rechtsstaatlichkeit, besonders durch Schieds-Gerichte ohne persönliche Verpflichtung zum Recht und Gesetz!
    So wird die Aufarbeitungs-Kommission zur Pseudo-Kommission OHNE Auftrag, vermutlich.
    Beziehungen schaden dem der diese NICHT hat,
    Recht-Schutz nur noch für Aus-Erwählte oder Ge-Wählte, vermutlich.
    Kinder bringt Euch in Sicherheit!
    Missbrauchs-Opfer bringt Euch in Sicherheit!
    So kann Notwehr auch zum Angriff interpretiert/deklariert werden, durch Überzeugung eines gesetzlichen Richters.
    Mit Ver-Gewalt-igung muss ich also jederzeit rechnen?
    Kann passieren, vor dem Kölner Dom, auch vor deutschen Gerichten, jederzeit?!
    Frei verfügbare Rechtsgüter der Unwürdigen für den Staatsdiener ohne Amtspflichten.
    Deutschland geht`s gut…?
    Dann ist WILLKÜR das neue Grundgesetz, vermutlich!
    Wie viele Gefangene sind wohl unschuldig hinter Gittern? Nicht wenige, bei der Qualität der gesetzlichen Richter…kein Wunder.

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