Liebe handelt

26.06.2016

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Liebe handelt: Wege zu einem gewaltlosen gesellschaftlichen Wandel
Nhat Hanh Thich (Autor)

…Wenn wir eine Situation oder einen Menschen verstehen, wird jede Handlung, die wir verrichten, helfen und nicht noch mehr Leiden verursachen. Wenn du ein Auge in deiner Hand hast, weißt du, wie man wahre Gewaltlosigkeit praktiziert.

Stellen wir uns einmal vor, dass jedes unserer Worte ebenfalls ein Auge enthielte. Es ist leicht eine Hand mit einem Auge bildlich darzustellen, aber wie könnte ein Künstler auch unsere Worte mit einem Auge darstellen? Bevor wir etwas sagen, müssen wir verstanden haben, was wir sagen, und auch die Person verstehen, an die unsere Worte gerichtet sind. Mit dem Auge des Verstehens werden wir nichts sagen, was in anderen Menschen Leiden verursacht. Beschuldigungen und Streitereien sind Formen der Gewalt. Wenn wir sehr leiden, sind unsere Worte vielleicht bitter, und das hilft keinem weiter. Wir müssen lernen uns zu beruhigen und eine Blume zu werden, bevor wir sprechen. Das ist die ‘Kunst der liebe-vollen Rede‘….

…Viele Menschen sind in ihrem Inneren nicht gesund, und dennoch suchen sie weiterhin beständig nach Dingen, die ihnen noch mehr schaden. Wir kommen erschöpft von unserer Arbeit nach Hause und wissen nicht, wie wir entspannen können. Wir verspüren eine Art Vakuum in uns sonst, und deshalb schalten wir den Fernseher ein. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir ständig das Gefühl haben, dass uns etwas fehlt und dass wir diesen Mangel ausgleichen müssen. Wenn wir den Fernseher nicht einschalten, dann essen wir oder lesen oder führen Telefongespräche. Ständig sind wir darum bemüht die Leere in uns selbst mit etwas aufzufüllen. Manche Menschen verrichten sogar soziale oder politische Arbeit auf diese Weise. Aber dadurch werden wir nur noch unzufriedener, unser Hunger wird immer größer, und wir wollen immer mehr konsumieren. Wir fühlen uns von uns selbst entfremdet. Wir tragen so viel Wut und Frustration mit uns herum, die wir aber nicht herauslassen wollen, also konsumieren wir immer mehr Dinge, die aber nur das Ausmaß der Vergiftung in uns vergrößern. Wir schauen uns Filme voller Gewalt an, in denen nur herumgebrüllt wird. Wir lesen Zeitschriften und Romane, die vor Hass und Verwirrung strotzen. Wir besitzen noch nicht einmal den Mut unseren Fernseher abzuschalten, weil wir Angst davor haben zu uns selbst zurückzukehren….

…Psychotherapeuten sollten bei der Behandlung ihrer Patienten gleichzeitig auch ihre Verantwortung gegenüber der gesamte menschlichen Familie wahrnehmen. Ihre Arbeit muss gleichzeitig verhindern, dass andere Menschen ebenfalls krank werden. Sie sind aufgerufen ihr eigenes Mensch-Sein zu schützen. Wie andere Menschen müssen auch Psychotherapeuten und Mönche zunächst sich selbst und ihren jeweiligen Lebensstil beobachten. Wenn sie das tun, glaube ich, dass sie Wege suchen werden von den gegenwärtigen wirtschaftlichen Systemen abzurücken und wieder Harmonie und Gleichgewicht im Leben herzustellen. Mönche und Psychotherapeuten sind menschliche Wesen. Wir können einer psychischen Erkrankung nicht entgehen, wenn wir unser Fachwissen nicht auf uns selbst anwenden. Wenn wir uns weiterhin unserer Achtlosigkeit hingeben und den Status Quo billigen, werden wir allmählich zu Opfern unserer Ängste, Befürchtungen und allen möglichen Spielarten des Egoismus. Aber wenn Psychotherapeuten und Mönche einander durch gegenseitige Anteilnahme helfen ihr Fachwissen auf ihr eigenes Leben anzuwenden, werden wir die Harmonie in uns selbst wieder entdecken und dadurch der gesamten menschlichen Familie helfen.

Ein Baum enthüllt sich einem Künstler wenn er eine echte Beziehung zu ihm aufbauen kann. Wenn ein Mensch kein wahres menschliches Wesen ist, betrachtet er seine Mitmenschen zwar, aber er kann sie dennoch nicht sehen; er betrachtet vielleicht den Baum und sieht ihn dennoch nicht. Oft können wir Dinge nicht sehen, weil wir nicht ganz wir selbst sind. Wenn wir ganz wir selbst sind, können wir auch erkennen, wenn ein einzelner ein ganz und gar lebt und damit den anderen zeigt, dass das Leben möglich ist, dass eine Zukunft möglich ist. Aber die Frage ‘Ist eine Zukunft möglich?‘ ist bedeutungslos, wenn wir nicht die Millionen unserer Mitmenschen sehen, die um uns herum leiden, leben und sterben. Nur wenn wir sie wirklich sehen, können wir auch uns selbst und die Natur sehen….

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