Aufarbeitung ‘Kindesmissbrauch‘ eine Farce

14.06.2017: netzwerkB Pressemitteilung

NDR Info Mittagsecho 14.06.2017

Zum Zwischenbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs nimmt der Vorsitzende von netzwerkB, Norbert Denef, wie folgt Stellung:

„Hören Sie auf mit diesem Lügentheater!“ war meine Forderung auf dem Kirchentag in München 2010. An diesem Lügentheater hat sich bis heute nichts geändert.

Die Einrichtung eines Missbrauchsbeauftragten durch die Politik hat in den vergangenen 7 Jahren für die Opfer keine wesentlichen Verbesserungen gebracht. Er durfte hin und wieder in der Öffentlichkeit etwas jammern – mehr Kompetenzen hatte er nicht.

Die angeblich zur Aufarbeitung der Verbrechen eingesetzte Kommission ist eine Farce – sie hört lediglich Opfer’geschichten‘ an – die Verbrechen aufarbeiten jedoch darf sie nicht – das ist politisch nicht gewollt. Wissenschaftler lassen sich hier von der Politik missbrauchen, das finden wir von netzwerkB beschämend.

Wir würden es begrüßen, wenn dieses Lügentheater sofort beendet wird: Die Verjährungsfristen müssen aufgehoben werden, so dass Staatanwaltschaft und Polizei ermitteln können und nicht nur die Opfer sich bei einer Kommission ausheulen dürfen, um danach wieder schweigen zu müssen, weil es das Gesetz so verlangt.

Eine Einrichtung die den Betroffenen nicht den Weg frei macht, um den Opferstatus verlassen zu können, brauchen wir nicht. Es wäre Heuchelei hier noch weitere Steuergelder zu verschwenden.

Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)160 2131313
presse [at] netzwerkb.org
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9 Kommentare

  1. eliana schreibt am :

    Lügentheater – dieser Diagnose stimme ich voll zu. Und jetzt noch pauschal die Mütter als „Mitwisserinnen“ in den Fokus rücken (SPIEGEL-Titel und Foto Andersen), während die Täter und die Institutionen unbehelligt bleiben und sich über die Verjährung weiter freuen dürfen – wie billig ist das denn? (eliana)

  2. eliana schreibt am :

    Danke, Herr Denef, für diese Ihre so klaren, richtigen Worte im NDR-Interview!

  3. Jung schreibt am :

    Ja, Lügentheater,
    ich stimme Herrn Denef voll zu,
    damit spricht er mir aus der Seele.
    Als Beispiel kann auf Grund der bestehenden, aber längst überfälligen Verjährungsfristen mein persönlicher Fall – jahrelanges Grauen – nicht entsprechend bearbeitet, auch die noch lebenden Täter weder zur Rechenschaft gezogen noch einer entsprechenden Strafe zugeführt werden.
    Meine Frage richte ich an den Kirchentag und das zuständige Ministerium:

    Die Opfer stehen mit Ihrem lebenslangen Leid und schweren Erkrankungen alleine da,
    jedoch die Täter sind durch Verjährungsfristen geschützt,
    weshalb halten Kirche und Politik Ihre schützenden Hände über die Täter?

    Annemarie

  4. Thomas Roth schreibt am :

    Genau das ist es – eine Farce und ein Feigenblatt. Nach der großflächigen Aufdeckung – des eigentlich längst Bekannten – im ersten Halbjahr 2010 gab es wenige Monate Irritationen und einige offene Flanken auf der Schuldigenseite, seither wird wieder gemauert. Und Ettal hat, beginnend mit dem laufenden Schuljahr, sogar eine Internats-Mädchenabteilung aufgemacht. Allerdings mit einigen Vorsichtsmaßnahmen.
    Wenn wo eine klösterliche Einrichtung geschlossen wurde, dann aus wirtschaftlichen Gründen, nicht etwa wegen Selbsterkenntnis.

    Bischof Stephan Ackermann als Mißbrauchsbeauftragter der deutschen Bischöfe ist ein Totalversager, der Münchner Kardinal Marx, der sich gegen Ettal großgemacht hat, bis die sich dahin retteten, daß sie exemt seien, ihm als Diözesanbischof entzogen, da direkt dem Vatikan unterstellt, hat auch nur heiße Luft produziert.

    Man macht immer weiter, auf der Pfaffen– und leider auch auf der Elternseite (ohne die es ja gar nicht ginge). Unter Dutzenden Veröffentlichungen zum Thema „Heim“ (welcher Euphemismus!!) und Klosterschule, angefangen nicht erst bei Robert Musil über Hermann Hesse, Thomas Bernhard, Paul Ingendaay, Michael Köhlmeier, André Heller bis Barbara Frischmuth und vielen mehr gibt es nicht eine glückliche Internatsbiographie. Das irritiert aber kaum jemanden. Und das ist das wirklich Erschütternde.

    Die Aufdeckung des Jahres 2010 hat mir zu einem nachdrücklichen Schreibimpuls verholfen, etwa 200 Seiten, da nun so viel Fakten vorlagen, daß man ins Detail gehen konnte und die beliebte „Einzelfall“-Behauptung der Schuldigenseite nicht mehr verfangen konnte. Ein Nebenerzeugnis sind Fünfzeiler nach den bekannten Wirtinnenversen. Davon einige. Freilich, wenn Lächerlichkeit wirklich töten könnte, hätten sie jetzt einige Leichen im Gefolge …

    Frau Wirtin hat es klar erkannt,
    Daß die Gefahr [im Internat Ettal] noch nicht gebannt.
    Nein nein, und ganz im Gegenteil,
    Durch die Abteilung voller Mädchen
    Wird der Präfekt jetzt obergeil.

    Frau Wirtin hört von Paniktüren,
    Die schließen, will der Pfaff verführen
    Man hat nun mittlerweil Erfahrung,
    In Ödtals Mädcheninternat.
    Mit unerlaubter Zöglingspaarung

    Frau Wirtin hat es jüngst beteuert:
    Die Popen – allesamt bescheuert.
    Sie macht auch drum nur üble Reime –
    Voll Zorn denkt sie dabei an Ettal –
    Auf sämtliche Erziehungsheime!

    Frau Wirtin sagt: „Entschädigung
    Bedeutet nicht Erledigung!
    Weil ja dem Vorgang Hand und Fuß fehlt,
    Entfallen alle Konsequenzen
    Und bleibt es lediglich beim Bußgeld.

    Frau Wirtin hat ´nen halben Meter
    An Büchern: Sittenattentäter.
    Doch was sie noch viel mehr verwirrt –
    Trotz aller dieser Klageschriften:
    Sie machen weiter, unbeirrt.

    Frau Wirtin las, daß nun ein Trierer
    Schweinspfaffe aufflog als Verführer.
    Schon zehn Mal war er angezeigt,
    Verjährung oder Niederschlagung –
    Behörden haben’s stets vergeigt!

    Frau Wirtin zweifelt: Ackermann?
    Ging der die Sache wacker an?
    Genau so gilt für Reinhard Marx –
    Zuständig wär er ebenfalls –
    Ein Verdachtsmoment, ein stark’s!

    (wieso die 5. Zeilen in anderer Punktgröße wiedergegeben werden – rätselhaft1)

  5. hildegard schreibt am :

    … ja, billig ist das!

    Verlangen WIR etwa zu viel von einer staatlichen Aufklärungskommission?

    Frau Andresen zeigte sich in einem Hörfunk-Interview “überrascht” von den langzeitigen Auswirkungen der s.G. an Kindern – wie das?? Und mit keinem Wort erwähnte sie die NOTWENDIGKEIT der kompletten Aufhebung von Verjährungsfristen für Seelenmord – glaubt sie etwa, es reiche ihr Aufruf, Gesellschaft und Politik dürften nicht nachlassen aufzuklären – wie will sie denn Aufklärung definieren? Und wie soll das funktionieren, wenn schon alles 100 Mal 25.000 Mal und mehr erzählt worden sein wird: was geschieht denn dann, was ändert sich?
    Allen Berichterstattenden und allen Anhörenden werden Hören und Sehen dann vergangen sein. Und das Gesetz sagt wieder “VERJÄHRT”. Und alle, alle müssen wieder schweigen?
    Die damaligen (teils waren sie Serien-) Verbrecher sind frei nach dem Gesetz, frei von Verantwortung, frei ihr Leben zu genießen – gesetzlich geschützt.

    Weder Kirche noch Staat also bemühen sich um mehr als diese Anhörungen – allenfalls tun sie beten-für-die-armen-Opfer …

    Kein Gremium weit und breit das Ursachen bekämpft, Zeichen setzt und ehrliche Wiedergutmachung fordert von den lebenden Täterinnen und Tätern. Für all die Folgen ihrer Taten werden sie nie mehr angemessen aufkommen können – sie MÜSSEN aber doch zur Rechenschaft gezogen werden! Ist das wirklich zu viel verlangt?

    Ändern kann sich ein in Schweigen erstarrtes System nur dann, wenn alle fehlerhaften Strukturen aufgedeckt werden und wenn alle in der Gesellschaft daran mitwirken DÜRFEN.
    Viele dieser – viel zu groß angelegten – Systeme warten buchstäblich auf Erlösung …

    Dieses Problem gehört eigentlich direkt an den Anfang der nächsten Legislaturperiode und sollte unbedingt unter Leitung von lauter Ethikern angepackt werden!

    Bleiben wir Rufer in dieser Wüste!

  6. Ex-Odenwaldschülerin schreibt am :

    Leider ist das so -auch in Sache Odenwaldschule

  7. Kirsten schreibt am :

    Eine Farce, ein öffentliches zur Schaustellen, was angeblich getan wird. Und wie richtig benannt, „Opfer dürfen mal jammern“, nicht mehr und nicht weniger. jammern vor Leuten, die sie zuvor nie kannten, zu festgesetzten Terminen, die wieder bestimmt werden. Und was danach passiert—? „wenden Sie sich an Ihren Therapeuten“- der vielleicht gar nicht da ist , oder nicht mehr bezahlt wird.Opfer destabilisieren nach solch einer Anhörung oft(im Bericht erwähnt), weil auch diese Anhörung nicht ernst nimmt, was wirklich geschehen ist. Weil die Gesellschaft nicht wissen will, weil Opfer die erlittene Gewalt wie eine ansteckende Krankheit mit sich tragen, die nicht behandelt wird und isoliert werden muss. Das sind die realen Geschichten.

  8. hildegard schreibt am :

    Das ganze Lügentheater gründet sich – n.m.M. – hier:
    “Unser Grundgesetz gibt der katholischen Kirche verblüffende Freiheiten. Sie darf ihre Einrichtungen einem eigenen Arbeitsrecht unterwerfen …”
    http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/morgenecho/serien/macht-der-religion-100.html – Teil 6: Deutschland – Die Richter Gottes – Ein Gespräch mit Buchautorin Eva Müller, 17.6.17
    Führte nicht diese speziell katholische „Strafgerichtsbarkeit für innere Angelegenheiten“ uns direkt in ein “Paralleluniversum” das Kinder zu Freiwild erklären und Mitarbeiter – unter Ausschluss von Öffentlichkeit – dem Zugriff der Justiz entziehen, sie schonen und versetzen, sich jeglicher Aufklärung, jedem Neubeginn widersetzen durfte?
    Für sehr viele von uns und für empathisch-mitdenkende Demokraten ist das ein Fall von unverzeihlicher Verstrickung des Staates in den Seelenmord von Millionen Kindern.
    Ganz zynisch gesagt: was einem Pater gefiel konnte die Justiz keinem Vater verwehren.
    Mit dem IRRTUM ‘verjährbares’ Vergehen konnte sich also die Fehlentscheidung zum grundgesetzlich abgesicherten Katholiken-Privileg seuchenartig in der Gesellschaft verbreiten – und das muss revidiert werden!
    Ja, leider kam das auf diesem Weg auch in den Odenwald …

    NetzwerkB fordert Gerechtigkeit seit Jahr und Tag und stieß auf den monolithischen Block der nun langsam bröckeln wird …

  9. Hubert schreibt am :

    das es so kommenn wird, war abzusehen.
    Das Schema wird eben zu oft angewandt.
    Zuhören, Tatsachen sammeln, forschen, Mitleid bekunden,
    das Leiden detailiert beschreiben, Betroffene mit diversen Diagnosen versehen, viele neue Arbeitsplätze zum Thema schaffen, Bücherwerke erstellen, Sendungen mit hohen Einschaltquoten produzieren, Versprechungen geben.
    Nur, Betroffene haben oft eigentlich davon am Ende so gut wie garnichts, müssen oft von Grundsicherung oder spärlicher Rente leben. Die anfänglichen Versprechungen bleiben meist aus.
    Das Ergebnis ist nun, dass Betroffene sich meist schlechter fühlen, als zu Beginn der Untersuchungsreihe. Die innere Würde ist meist zusätzlich zerstört.

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