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	<title>netzwerkB &#187; Auswirkungen</title>
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		<title>Weihnachten bringt mir all dies nahe</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 17:38:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist der zweite Weihnachtstag, 2011, und ich habe gestern die Texte zu Weihnachten auf der Webseite von netzwerkB gelesen. Und es hat wieder heftig an meinen Erinnerungen gerührt. Also habe ich beschlossen, jetzt zu schreiben. Ich wurde von meinem Großvater missbraucht, als ich noch sehr klein war, so etwa 3 oder 4 Jahre, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist der zweite Weihnachtstag, 2011, und ich habe gestern die Texte zu Weihnachten auf der Webseite von netzwerkB gelesen. Und es hat wieder heftig an meinen Erinnerungen gerührt. Also habe ich beschlossen, jetzt zu schreiben.<span id="more-11786"></span></p>
<p>Ich wurde von meinem Großvater missbraucht, als ich noch sehr klein war, so etwa 3 oder 4 Jahre, und es hat sich wiederholt bis ich 6 oder 7 war. Das Schlimmste für mich, das worunter ich auch heute noch am meisten leide, war, dass er die „beste“ Bezugsperson war, die ich hatte, und ich meine Liebe und Zuneigung zu ihm immer noch nicht ganz einordnen kann.<br />
Meine Mutter war mit mir überfordert, sie ist ungewollt schwanger geworden und wollte damals weder die Hochzeit mit meinem Vater noch ein Kind. Sie war 24 als ich geboren wurde. Also waren ihre Pflege und ihre Zuneigung immer etwas ambivalent, vor allem auch, da ich ein „schwieriges Kind“ war, sehr lebhaft z.B.<br />
Mein Vater wollte zwar sowohl die Hochzeit als auch mich, also ein Kind, konnte aber nichts mit mir anfangen, da er selbst ohne Vater aufgewachsen war, und hat sich sehr wenig mit mir beschäftigt. Außerdem studierte er in meinen ersten Lebensjahren noch und musste gleichzeitig das Geld für die neue Familie irgendwie aufbringen.</p>
<p>Mein Großvater war die liebevolle und lustige männliche Bezugsperson in meinen ersten Jahren. Meine Mutter war in der Woche sehr viel bei ihren Eltern, da sie ihnen auch im Geschäft aushalf bis 2einhalb Jahre später meine Schwester geboren wurde. Mein Großvater hat mich durch die Luft gewirbelt, mit mir gespielt und Spaß gemacht und mich später mitgenommen, zu seinen Arbeitsstellen (er war Maler und Tapezierer), zu Besorgungen und auf den Spielplatz.</p>
<p>Dort erinnere ich auch einen Missbrauch, ich weiß allerdings nicht, ob es der erste war. Ich musste pinkeln, und mein Großvater ist mit mir ins Gebüsch gegangen und hat mir „geholfen“ und mich dabei an der Scheide berührt. Damals oder auch später hat er mir auch Finger in die Scheide und in den After geschoben, ich erinnere das furchtbare Gefühl und den Schmerz! An eine Penetration mit dem Penis kann ich mich nicht erinnern.</p>
<p>Er hat mir erzählt, dass ich darüber nichts sagen dürfe, und zwar, weil sie (die anderen in der Familie, nehme ich an) ihn dann nicht mehr lieb haben würden! Er hat mir also außerdem eine enorme Verantwortung aufgedrückt! Das, woran ich mich weiter erinnere, sind Berührungen, wenn ich in der Badewanne saß´, denn ich habe, nachdem meine Schwester geboren war, viele Wochenenden bei meinen Großeltern verbracht. Es gab ein Ritual am Samstagabend, das sagte, erst Baden und dann durfte ich fernsehen, Daktari meistens. Das fand ich ganz toll, denn zuhause hatten wir zu der Zeit noch gar keinen Fernseher. Am Sonntagmorgen gab es ein weiteres Ritual, ein „Bettfrühstück“ mit einem Nest aus Decken und Kissen für mich am Fußende des Bettes (in dem ich auch die Nacht verbracht hatte, meist auf der Besuchsritze, und wo ich mich nicht an Übergriffe erinnere), Kakao und Kuchen. Später gab es dann noch ein „richtiges“ Frühstück mit Brötchen und Eiern. Das alles waren Höhepunkte in meinem sonst an Ritualen und Besonderem armen Leben, ich kann mich z.B. nicht daran erinnern, eine Nacht im Bett meiner Eltern verbracht zu haben, oder dort zu frühstücken.<br />
Außerdem ist mein Großvater weiterhin mit mir auf den Spielplatz gegangen, meist am Sonntagvormittag, während meine Oma Hühnersuppe kochte.</p>
<p>Wie und wieso alles endete, daran kann ich mich auch nicht erinnern, ich habe auch nachdem ich 7 und älter war noch Nächte bei meinen Großeltern verbracht, aber nicht mehr so häufig und dann auf dem Sofa im Wohnzimmer. Eine Zeitlang, ich glaube, nachdem ich zur Schule kam, wollte ich dort nicht mehr hingehen, und das wurde auch akzeptiert. Vor allem wollte ich – und habe es, soweit ich weiß, auch – verhindern, dass meine kleine Schwester dort allein übernachtet und das Gleiche erlebt wie ich. Doch sie war lange Zeit eifersüchtig auf mich wegen meines speziellen Verhältnisses zu den Großeltern!!</p>
<p>Weihnachten bringt mir all dies nahe, weil es eben ein Familienfest ist und wir immer mindestens einen Feiertag mit den Großeltern verbracht haben, meist mehr. Ich konnte all das, was mir passiert ist, erst „erinnern“, nachdem mein Großvater gestorben war. In mehreren Therapien habe ich die Erlebnisse aus der Kindheit und ihre Auswirkungen bis heute aufgearbeitet.</p>
<p>Heike S.</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/12/heike_s.jpg" target="_blank">Mein Foto&#8230;</a></p>

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		<title>Last auf meine damaligen Kinderschultern</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/12/26/last-auf-meine-damaligen-kinderschultern/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 00:29:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun weiss ja ich gar nicht wo ich so richtig anfangen soll, da es alles sehr mühsam und verwirrt ist. Ich fang mal relativ weit vorne an. Meine Kindheit war schon nicht die schönste meine Eltern trennten sich früh und wie ich heute weiß verlies meine Mutter meinen Vater damals weil sie den Verdacht hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun weiss ja ich gar nicht wo ich so richtig anfangen soll, da es alles sehr mühsam und verwirrt ist. Ich fang mal relativ weit vorne an.</p>
<p>Meine Kindheit war schon nicht die schönste meine Eltern trennten sich früh und wie ich heute weiß verlies meine Mutter meinen Vater damals weil sie den Verdacht hat er könnte mich missbrauchen.<span id="more-11723"></span></p>
<p>Dann lebte ich jahrelang mit meiner Mutter allein bis das sie mir dann als ich sechs war ihren jetztigen Ex-Mann vorstellte. Ich mochte ihn nie und hatte im Gefühl das er nur Pech bringen würde.Naja die ersten knapp zwei Jahre waren ganz okay,ganz schnell hatte ich auch meinen ersten Bruder,ab da wurd es dann immer schlimmer.Zuerst verbot er mir nur den Kontakt zu meiner Verwandschaft.Als wir dann in ein Haus zogen wurde er unberechenbar.Zuerst schlug er nur meine Mutter,dann würgte, schlug und tritt er sie immer wieder vor den Augen von uns Kindern.Als das der Fall war fasste ich den Entschluss meine Brüder aus dem gröbsten raus zu halten,und beschäftigte oder brachte sie weg,dass zog ich Jahre lang so durch.Darunter litten dann irgendwann meine Schulnoten und auch meine Freundschaften.Als ich elf war ging meine Mutter wieder putzen da uns das Geld für die Hausraten fehlte,mir gefiel es nie mit meinem Ex-Stiefvater alleine zu bleiben,aber mit ner Zeit musste ich mich damit abfinden,da ich keine Kraft mehr hatte irgendwen von etwas anderem zu überzeugen.</p>
<p>Dann ging meine Mutter anstatt über Tag nur noch abends arbeiten,dass gefiel mir überhaupt nicht,da er meist abends ausflippte.Es gefiel mir ganz und gar nicht,denn zu diesem Zeitpunkt war er bei mir schon Jahre unten durch und er machte mir Angst.Wenn meine Mutter nicht da war fing er immer an mir Komplimente zu machen,was ich für eine schöne große Oberweite hätte für mein Alter.Irgendwann als ich im Bett lag und schlafen wollte kam er in mein Zimmer,da ich schon im Halbschlaf war hatte ich mir nichts gedacht.Plötzlich fasste er mir dann unters T-shirt und spielte an meiner Oberweite und flüsterte mir dabei ins Ohr was ich doch für eine schöne große Oberweite hätte,die würd ihn richtig geil machen.Eswar mir unangenehm aber da mir eh keiner zuhörte habe ich nichts weiter gemacht.Nach einer Zeit fasste er mir immer öfter ins T-shirt,lies aber dafür meine Mutter mehr in Ruhe.<br />
Als ich zwölf war und er mitbekam das ich schon meine Tage hatte ging er immer weiter.</p>
<p>So wie meine Mutter zur Arbeit weg war,fasste er mich an und ging immer weiter.Einen Tag lag ich auf der Couch und sah fern.Er setzte sich hinten auf die Couch um mit fern zu sehen.Nach ner Zeit kniete er sich neben mich,fasste unter mich und zog mir das T-shirt hoch und den Bh aus,dabei knabbert er an meinem Ohr herum und küsste und leckte meinen Rücken.Ich wollte das nicht und schrie immer wieder er solle das doch lassen,aber er machte immer weiter und es hörte mich ja niemand da wir alleine im Haus waren.Dann setze er sich auf meine Beine und wollte mich drehen, ich hielt mich krampfhaft an der Couch fest da ich das nicht wollte.er gab dabei auch relativ schnell auf und küsste und knabberte an meinen Ohren und meinem Rücken weiter&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..ich wollte das nicht sagte immer wieder er solle aufhören und versuchte ihn mit meinen Füssen zu tretten,aber er hörte nicht auf.Dann machte er mir die Hose auf und zog sie runter,ab da verkrampfte ich völlig und hatte keine Kraft mehr mich zu wehren und hab es über mich ergehen lassen,ich sah keine Möglichkeit mehr aus der Situation weg zu kommen&#8230;&#8230;.Irgendwann öffnete er erst sein Joggingoberteil und ich spürte seine nackte Haut auf meinem Körper,später zog er sich komplett aus und &#8230;&#8230;..Ich fand das so ekelhaft,mir war eiskalt vor Angst,aber ich war machtlos.Nach ner Zeit holte er sich auf meinem Rücken einen runter &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..so ging es meist bis meine Mutter kam.So wie er die Haustür hörte sprang er immer ganz schnell auf und zog sich an.Ich ekelte mich jedesmal aufs neue.<br />
Meine Mutter merkt nie was,ekal ob ich stunden lang unter der Dusche stand oder mich in mein Zimmer einschloss,sie machte nichts,nein sie lies mich sogar immer länger mit ihm alleine.So ging das immer hin fast drei Jahre immer wieder.Ich durfte ja nie über die Schlägereien zu Hause sprechen also schwieg ich komplett.Als ich dann vierzehn war und meine Leistung in der Schule soweit abgefallen waren,dass es meine Klassenlehrerin nicht mehr mit ansehen konnte,sprach meine Klassenlehrein meine Mutter an.Als die erzählte das es zu Hause nicht sehr rosig sei,sprach mich meine Klassenlehrerin an und meinte das sie mir jeder Zeit helfen würde und wenn ich jemanden zum reden bräuchte solle ich zu ihr kommen.Das gab mir neue Kraft,ich habe ihr zwar nie vom Missbrauch erzählt,aber es tat so gut die ganze andre Last los zu werden,dass ich wieder Mut zum kämpfen hatte.<br />
Ab da brachte ich mich so weit in sicherheit von meinem Stiefvater das er mich nicht mehr begrabschen konnte.Als wir dann zwei Jahre später endlich auszogen war ich über glücklich.</p>
<p>Die Erinnerungen an  diese so grauenvollen Jahre überrannten mich dann im Jahr 2005.Ich war schon gut zwei Jahre in Therapie wegen Problemen mit meinem leiblichen Vater,sprach aber nie über die Schläge.Als ich dann auf die Berufsschule wechselte mit 16Jahren um mein Abitur in Sozialwesen machen zu wollen,gab es in meiner Klasse wen, der auf dem Weg zur Schule fast vergewaltigt worden wäre aber grade noch davon kam.Da waren urplötzlich diese Bilder wieder da,Sie wurden immer mehr und machten mir das Leben schwer.Ich schwänzte Schule und ging kaum noch zu meiner Praktikumsstelle.Als dann meine Berufsschullehrerin sich irgendwann bei meiner Mutter meldete,<br />
erfuhr auch meine damalige Therapeutin davon das irgendwas nicht stimmen würde.<br />
Ich erzählte ihr von den Bildern und Gefühlen,es war eine Doppelstunde kurz vor Weihnachten.<br />
Ich hatte die Hoffnung das wir dann im neuen Jahr daran weiter arbeiten würden,aber taten wir nicht<br />
ich hatte auch nicht den Mut sie nochmal zu fragen,es fiel mir alles so endlos schwer.<br />
Gemeinsam mit meiner Mutter steckte mich meine Therapeutin dann im Spätsommer in eine<br />
Kinder- und Jugendpsychiatrie.Drei Monate lang war ich dort und gebracht hat es mir so gar nichts.<br />
Denn andauernd wechselten die Therapeuten und so lange ich wem nicht vertraute schwieg ich.<br />
Ich wusste was man von mir hören wollte,damit Sie mich entlassen also spielte ich ihnen<br />
genau das vor was Sie sehen und hören wollten.So das ich dann im November 2006 entlassen wurde<br />
weil es mir scheinbar besser ging,aber innerlich hatte sich nie etwas verändert.Ich wurde nur wieder<br />
zu einer sehr guten Schauspielerin.Bis zum März 2010 ging ich alle paar Wochen noch zu meiner alten Therapeutin,aber nun was brachte eine Stunde alle drei oder vier Wochen,eigentlich fast gar nichts.<br />
Ende März wurde ich dann 21 Jahre und war damit zu alt,denn Sie war nur Kinder und Jugendpsychotherapeutin. Da wir den letzten Therapieantrag  vor über zwei Jahren stellten,<br />
hatte ich die Chance direkt nach einem neuen Therapieplatz zu suchen.Schnell bekam ich ein<br />
Vorgespräch in einer Gemeinschaftspraxis,mir war dieses Gespräch so wichtig das ich mich mit meiner<br />
Ausbilderin gezofft habe dort frei zu bekommen.Und irgendwie ging das dann auch,musste man mal einen Tag auf seine Azubi verzichten.Dieses Vorgespräch mit einer Therapeutin war gut,ich war offener als<br />
ich in den letzten Jahren bei den stabilisierenden Gesprächen mit meiner alten Therapeutin je war.<br />
Sie fragte mich auch ob es mir wichtig sei,dass mich nur eine Frau behandeln würde.Mir war es egal ob Frau oder Mann,die Hauptsache war mir das in der Therapie das Thema Missbrauch nicht tot geschwiegen wird.Im Juni schloss ich dann meine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau ab und wurde für ein halbes Jahr weiter übernommen.Und am 1.September2010 hatte ich dann mein erstes Gespräch dort in der Gemeinschaftspraxis bei einem Therapeuten der auch mit EMDR arbeitete. Mir war erst sehr unwohl als ich da im Warteraum sahs,aber als der Therapeut mich dann rein bat war ein Gefühl in mir was sagte hier bist du richtig.So das ich sehr schnell beschloss er solle den Antrag auf Therapie bei der<br />
Krankenkasse stellen.Ende Oktober war das letzte Gespräch was ohne den bewilligten Antrag möglich war.Auf seinen Rat hin fing ich dann zu dem eine Ergotherapie an,die dann irgendwann immer im wechsel mit den Psychotherapiestunden sein soll/sollte.In dem einen reden und in dem anderen Dinge erleben hielten beide in meinem Fall für sehr wichtig.Und dieses Jahr im Februar kam dann endlich die Bewilligung der Krankenkasse über 45 Stunden Verhaltenstherapie.Mein Therapeut kündigte dann aber zum 31.03 in der Gemeinschaftspraxis um sich selbstständig zu machen,allerdings nicht mehr in Deutschland sondern in den Niederlanden.Aber gemeinsam mit Ihm erkämpfte ich eine Umwandlung des Antrags,so dass ich meine Therapie in den Niederlanden fortsetzen darf/durfte und die Krankenkasse weiter zahlt.<br />
Mit ihm waren endlich Veränderungen möglich und ich lernte zu verstehen warum ich in den bestimmten Situationen so fühlte und handelte.In den reinen EMDR- Stunden ging es anfangs erst nur um die Gewalt.Und er drängte auch nie danach das ich nun endlich doch auch von dem Missbrauch erzählen sollte.Ich konnte entscheiden und dadurch fiel es mir leichter dann irgendwann davon zu erzählen.<br />
Vor einigen Wochen hatte ich dann eigentlich beschlossen die letzten Stunden zu nutzen und erst einmal keinen Folgeantrag zu stellen.Ich wollte leben und Spaß haben und erstmal die Fähigkeiten ausbauen die ich bis dahin wieder erlangt habe/hatte.<br />
Bis vor gut zwei Wochen sich alles änderte und nun wieder völliges Chaos da ist.<br />
Als ich erfahren habe das der älterer meiner jungen Brüder(15 und 12) wohl auch von meinem Täter,<br />
seinem Vater missbraucht wurde,ist mein System erneut zusammen gebrochen.Denn ich hatte mir meinen Missbrauch Jahre lang damit erträglich geredet,dass somit ja wenigstens meinen Brüdern nichts passieren würde.So das ich nun in einer Ergotherapiestunde beschlossen habe,dass es doch wichtig ist meinen Psychotherapeuten zu bitten einen folge Antrag zu stelle.Das fünf verbleibende Stunde bei meinem Psychotherapeuten in den Niederlanden und dann nur noch hier in Deutschland Ergotherapie einfach nicht reichen um mit dem klar zu kommen,was da nun wieder hoch gekommen ist.</p>
<p>So ich glaube das ist all das was sich vor Jahren als Last auf meine damaligen Kinderschultern setzte.<br />
An den Stellen wo&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230; sitzen habe ich die Teile weg gelassen für die ich mich jetzt im Moment einfach noch zu sehr schäme.</p>
<p>Simone V.</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/12/simone-v..jpg" target="_blank">Mein Foto</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wieder Weihnachten&#8221;</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/12/23/wieder-weihnachten/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 13:41:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[– Religion]]></category>
		<category><![CDATA[– Verjährungsfrist]]></category>
		<category><![CDATA[Weitere Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wieder Weihnachten“ (23.12.2011) Ich öffne mich jetzt, da ich mir nicht sicher bin ob ich im April meinen 60. Geburtstag noch feiern kann. Ende der Fünfziger, dann der sechziger Jahre, durchlebte ich ein Martyrium. Im Elternhaus herrschte körperliche Züchtigung. Viele Stunden verbrachte ich, für Dummheiten die Kinder nun mal begehen, im Wandschrank oder im dunklen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Wieder Weihnachten“ (23.12.2011)</p>
<p>Ich öffne mich jetzt, da ich mir nicht sicher bin ob ich im April meinen 60. Geburtstag noch feiern kann.</p>
<p>Ende der Fünfziger, dann der sechziger Jahre, durchlebte ich ein Martyrium.</p>
<p>Im Elternhaus herrschte körperliche Züchtigung. Viele Stunden verbrachte ich, für Dummheiten die Kinder nun mal begehen, im Wandschrank oder im dunklen Kohlenkeller.</p>
<p>Nachdem ich am Siebenriemen alle Lederstreifen abgeschnitten hatte, wurde mir ein Stück Gartenschlauch über das Bett genagelt &#8211; die Benutzung war garantiert.<span id="more-11686"></span></p>
<p>Ich freute mich immer sehr, wenn mein Onkel Alfons zu Besuch kam.</p>
<p>Onkel Alfons war ein Vikar der katholischen Kirche, erst in Halle/Saale, dann Droysig und anschließend in Delitzsch und Nordhausen. Er war ein Cousin meines Vaters.</p>
<p>Er hatte natürlich mit meiner naiven und kindlichen Art, immer auf der Suche nach Opfern, ein leichtes Spiel, s. <a href="http://netzwerkb.org/aktuell/ich-wurde-sexuell-missbraucht/" target="_blank">Buch Norbert Denef</a>).</p>
<p>Für mich war der Missbrauch, den ich ja als Kind nicht als diesen sah, das kleinere Übel.</p>
<p>Viele Jahre nutzte Alfons Kamphusmann dieses aus und eigentlich bin ich sehr enttäuscht darüber, dass Norbert Denef heute  als Nestbeschmutzer in Delitzsch dasteht. Viele, neben Norbert und meiner Person, mussten sich von diesem pädophilen Priester benutzen lassen und schweigen. Ich selbst kenne noch einige.</p>
<p>Zurück zu meiner Person.</p>
<p>Einige Jahre später, ich war verheiratet und meine Tochter wurde geboren, ab diesen Zeitpunkt verstanden mich meine Nächsten nicht mehr. Schwere Erkrankungen stellten sich ein. Keiner konnte es deuten. Du in deinem Alter Herzkrank? Wo liegt die Ursache? Gefunden wurde nichts und damit war es psychisch.</p>
<p>Ab meinem 24. Lebensjahr begann das nächste Martyrium.</p>
<p>Wer die DDR-Psychiater kennt weiss natürlich von was ich schreibe. Psychopharmaka bis zum Anschlag, bzw. bis zum Identitätsverlust. Endogene Depression bis hin zur Psychose, das war die Diagnose. Keiner machte sich damals die Mühe, psychologisch zu ergründen, wo die Ursache liegt.</p>
<p>1989 wurde ich Erwerbsunfähigkeitsrentner und war eigentlich durch die vielen Medikamente, auf dem Arbeitsmarkt auch nicht mehr zu gebrauchen.</p>
<p>Viel Zeit ist seit dem vergangen und ich habe mir und Anderen weh getan. Ich hatte seelische Schmerzen. Keiner konnte helfen. Und ich habe verletzt, mich selbst und Andere. Manchmal mir sehr Nahestehende.</p>
<p>Dann kam der Tag, an dem Norbert Denef im <a href="http://netzwerkb.org/2006/02/17/mdr-unter-uns/" target="_blank">MDR &#8220;Unter uns&#8221;</a> sich zu Wort meldete.</p>
<p>Ich kannte ihn, aber bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass auch er missbraucht wurde. Ich habe kurze Zeit danach bei ihm angerufen und wir haben viele Stunden gesprochen und geweint.</p>
<p>Norbert ist ein Kämpfer und ich nicht. Schnell habe ich, nachdem ich auch teilweise von der Familie Dämpfer bekam, aufgegeben.</p>
<p>Ich habe bewusst auf viele Einzelheiten verzichtet, bin und bleibe traurig und hoffe bei einigen Menschen auf Verständnis…..</p>
<p>Danke</p>
<p>Einen lieben Gruß</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2007/02/14/holger-horle/" target="_blank">Holger Hörle</a></p>
<p>&#8211;</p>
<p>Mehr auf netzwerkB:</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2007/02/28/missbraucht-opfer-brechen-das-schweigen/" target="_blank"><img title="Missbraucht - Opfer brechen das Schweigen" src="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/12/Missbraucht-Opfer-brechen-das-Schweigen1.png" alt="" width="478" height="337" /></a><a href="http://netzwerkb.org/2007/02/28/missbraucht-opfer-brechen-das-schweigen/" target="_blank"><br />
Missbraucht &#8211; Opfer brechen das Schweigen</a></p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/category/weitere-opfer/" target="_blank">Weitere Opfer</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Inwiefern diese Sachen zusammenhängen</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/12/06/inwiefern-diese-sachen-zusammenhangen/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 19:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich war als Franzose in einem Austausch oder eher einem Sprachseintauchensaufenthalt in Mannheim. Und war 13. Die Familie bei der ich landete, brachte mich als Willkommenstour im Friedhof bei dem Grab eines Grosselterns, soviel ich verstehen konnte. Es ereignete sich nicht viel während meinem Aufenthalt. Nur ein Tag, der Vater der Familie sagte mir ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich war als Franzose in einem Austausch oder eher einem Sprachseintauchensaufenthalt in Mannheim. Und war 13. <span id="more-11440"></span><br />
Die Familie bei der ich landete, brachte mich als Willkommenstour im Friedhof bei dem Grab eines Grosselterns, soviel ich verstehen konnte. Es ereignete sich nicht viel während meinem Aufenthalt. Nur ein Tag, der Vater der Familie sagte mir ich sollte mich in meinem Zimmer  begeben, und er kam auch. Er forderte, dass ich mich ausziehe bis auf den Slip. Er stellte sich hinter mir. Nahm eine creme zum schmieren und cremte mich den Körper ein. Ich konnte seinen erigiertenen Penis gegen meinem hintern spüren. Mehr gab’s glücklicherweise nicht.<br />
Ich habe mittelmäßig reagiert: bei der für den Aufenthalt verantwortlichen Frau meldete ich bloß „Probleme“ mit der Familie.  Ich konnte doch nicht die Familie wechseln. Wir forderten mit meiner Mutter die Organisatoren auf, dass künftig kein Kinder zu dieser Familie ein Aufenthalten machen würden<br />
Und meiner Umgebung habe ich bis vor 2 – 3 Monaten die Geschichte verschwiegen, also 18 Jahren lang.</p>
<p>Inzwischen bin ich als psychisch Gestört erkannt worden. Inwiefern diese Sachen zusammenhängen bleibt mir noch unklar.</p>
<p>Je suis parti pour Mannheim (Allemagne) dans le cadre d’un séjour en immersion d’apprentissage de l’Allemand. J’avais 13 ans.<br />
La famille où j’atterris, m’emmena comme sortie de bienvenue au cimetière sur la tombe d’un grand-parent, autant que je pus comprendre. Il ne se passa pas grand-chose pendant le séjour.<br />
Seulement un jour le père de famille me demanda d’aller dans ma chambre, et il vint aussi. Il exigea que je me déshabille gardant juste le slip. Il se mit derrière moi. Et commença à m’enduire de crème. Je pouvais à ce moment sentir son pénis en érection contre mes fesses. Il ne se passa heureusement pas plus.<br />
J’ai réagi mollement : j’ai signalé des problèmes avec la famille à la responsable du séjour, française. Mais je n’ai pas pu changer de famille. Avec ma mère nous avons demandé auprès des organisateurs que cette famille ne reçoive plus d’enfant.<br />
Et c’est seulement après 18 ans, c&#8217;est-à-dire il y a deux ou trois mois que j’ai commencé à en parler.</p>
<p>Entre-temps j’ai été reconnu comme ayant des troubles psychiques. Dans quelle mesure ces deux choses sont en rapport reste pour moi encore confus.</p>
<p>Jérôme Vigneau</p>

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		<item>
		<title>Ich durfte kein Kind sein (II)</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/08/28/ich-durfte-kein-kind-sein-ii/</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 13:37:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[– Rituelle Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Brief ist auf die blöden Fragen von der OEG stelle&#8230;. Sehr geehrter Herr ….. zunächst möchte ich kurz meine spontanen Empfindung beschreiben die ich hatte, als ich in Ihrem Brief vom 08.04.2011 aufgefordert wurde, die Dinge noch präziser zu benennen, als ich es schon getan hatte. Das soll kein Vorwurf sein, sondern einfach beschreiben, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Brief ist auf die blöden Fragen von der OEG stelle&#8230;.</p>
<p>Sehr geehrter Herr …..</p>
<p>zunächst möchte ich kurz meine spontanen Empfindung beschreiben die ich hatte, als ich in Ihrem Brief vom 08.04.2011 aufgefordert wurde, die Dinge noch präziser zu benennen, als ich es schon getan hatte. Das soll kein Vorwurf sein, sondern einfach beschreiben, was in mir als einem Menschen vorgeht, der die ganze erlittene Gewalt auch Jahrzehnte später noch nicht überwunden hat.<span id="more-9426"></span></p>
<p>Was sie da von mir erwarten, ist echt hart. Ich habe versucht alles wieder zu geben, so gut ich mich erinnern konnte. Warum muss ich mich noch mal quälen, ich habe doch schon so viele Einzelheiten beschrieben. Was wollen sie denn noch? Ich war häufig bei meinen Großeltern mütterlicherseits. Meine Eltern gaben mich dort hin, weil sie in ihrer Baumschule so viel zu tun hatten. Die Baumschule war in Bad Zwischenahn. Opa und Oma mütterlicherseits wohnten in Augustfehn. Das liegt ca. 8km entfernt. Ich war unter der Woche häufig dort und später auch am Stück auch über Wochen in den Ferien. Ich sagte doch, ich war 4 Jahre jung, als mein Opa anfing mich zu vergewaltigen. Soll ich ihnen sagen wie es war?  Ich habe geschrien vor Schmerzen.  Es war einfach ekelhaft. Ich dachte, mir zerreißt mein Po. Und nicht genug, ich musste anschließend sofort sein Ding in meinen Mund nehmen und unter Brechreiz und kurz vor dem Kotzen hat er mir alles in den Mund gespritzt. Er hat gelacht und gesagt: „So, kleiner Satan, nun gehörst du zu uns.“ Er hat mich geschlagen und gesagt: „ Ein Wort zu Oma oder jemanden anders und du bist tot,“ oder: „  Oma bringt dich ins Heim.“ Ich glaube, das war dann im Sommer 1968 im August. Da war ich 4 Jahre alt.  Diese Vergewaltigungen fanden immer öfter statt, fast täglich, oder Schläge mit einen Stock. Nun wollen Sie sicher wissen, wo der Stock herkommt?  Es gab einen kleinen Wald in der Nähe vom Haus des Opas. Und da gibt es so etwas. Es hat so weh getan auf den Kopf und Rücken oder unter den Füßen oder aber, wenn er ganz scheiße drauf war, hat er mir den Stock in den Po geschoben und ich musste ihn dann sauber lecken. Wenn ich mich dann übergeben musste, durfte ich das auch noch wieder aufessen und das ganze mit seinen Urin runterspülen. Ich bin jetzt schon so fertig. Es triggert  mich so sehr, dass ich Flashbacks habe. Werde nun eine Pause machen.</p>
<p>18.04.2011</p>
<p>Der Opa hat mich dann mit genommen zu einem alten Lockschuppen in Augustfehn. Ich war etwa 5 Jahre alt. Da war es kalt und dunkel. Es lagen Matratzen am Boden. Ein großer Stein in der Mitte mit Blut drauf und an den Seiten war auch Blut. Es gab kaum Licht von draußen, aber es brannten Kerzen. Ich hatte so große Angst. Ich habe mir in die Hose gemacht. Dafür gab es sofort Schläge mit einem Lederband und ich wurde mit einem Seil an den Füßen fest gebunden und Kopf nach unten hochgezogen und ganz dich über ein Feuer runtergelassen. Es war so heiß.  „Bitte Opa, lass mich runter, ich will ganz lieb sein, oh ganz lieb sein.“ „ Dann komm zu Opa.“ Als ich unten war, stand da schon ein zweiter Mann mit Hose runter und ich musste sofort das Scheissding in den Mund nehmen und Opa hat mich vergewaltigt gleichzeitig.</p>
<p>Diese Dinge haben sich so in mein Hirn eingebrannt, dass ich kein normales Leben mehr führen kann. Ich habe aufgehört mit 5 Jahren zu leben, zu lachen, zu fühlen. Mein Überleben bis heute ist durch die Multiple-Persönlichkeit möglich geworden, meine inneren Personen helfen mir jeden Tag auf das neue zu überleben, gleichwohl auch sehr viele mich versuchen zu überreden,  „uns“  umzubringen, was ich sehr gerne machen würde, aber ich habe eine Frau, die ich sehr liebe und 2 Kinder die 18 Jahre und 15 Jahre sind. Ich kann ihnen es nicht antun.  Bis jetzt ist die Kraft da, keinen Selbstmord zu machen.</p>
<p>Ihre Fragen finde ich schon sehr schmerzhaft.</p>
<p>Meine Mutter hat nichts gewusst. Sie sagt: „Wir hatten eine Gärtnerei, wo sie viel arbeiten musste oder sie wollte nichts sehen. Sie hatte sicher Angst vor meinem Alten,_Vater oder was soll ich sagen zu diesem Schwein. Er war Alkoholiker und gewalttätig auch der Mutter gegenüber. Ich werde nun keine Einzelheiten mehr über den Missbrauch oder die Misshandlungen schreiben.</p>
<p>Es wollte keiner sehen oder wie es immer noch so ist: Kinder sterben in einer großen Stadt, weil keiner sehen will, was auf der Straße los ist oder in den Familien.</p>
<p>19.04.2011</p>
<p>Meine Oma war auch ein Opfer ihres Mannes, glaube ich. Sie hat nichts gesagt, wenn ich mit ihm weg musste oder wir in der Badewanne gesessen sind. Schlimm, ja, aber sie hat weggesehen.</p>
<p>Es gab viele Tage im Jahr, wo die Gruppe um Opa, also die scheiß Satanisten, ihre Tage hatten an denen sie uns quälten, vergewaltigten, misshandelten oder versucht haben uns zu töten, also uns so in Angst zu bringen, Drogen gaben, dass wir aufhören zu schreien.</p>
<p>Wenn wir mal wieder Blut trinken mussten von Hühnern oder Hasen, die sie uns Kinder weg nahmen, mussten wir zusehen wie sie diese Tiere einfach den Hals durchschnitten, ich werde gleich wieder kotzen&#8230;</p>
<p>Ostern, Weihnachten, mein Geburtstag oder Geburtstag von den Tätern waren die schlimmsten Tage in meinen Leben.</p>
<p>Ich schrieb ja schon wo es war in Augustfehn. Opa und die Gruppe, das Haus gibt es so nicht mehr. Es wohnen andere Leute darin. Das Elternhaus ist verkauft.</p>
<p>Ich habe ihnen doch so viele Arztbriefe geschickt. Was wollen sie noch. Ich möchte doch nur etwas leben und in dieser Klinik, dass ich etwas noch mit meiner Frau leben kann, vielleicht auch mal wieder lachen.</p>
<p>Nein, kein Lehrer hat sich interessiert für mich. Ich war halt schlecht in der Schule, weil ich nicht lernen konnte. Mein Kopf war voll Ekel und schlimmer Erinnerungen.</p>
<p>Und nein, ich war bei keinem Arzt. Die hätten mich doch umgebracht, wenn ich nur ein Wort gesagt hätte, was ich noch heute glaube. Ich denke, dass ihre Geister mich verfolgen und alles was ich liebe krank werden lässt, weil ich über die Sache rede. Schwager gestorben. 2010 Schwägerin wird noch dieses Jahr sterben. Meine Frau MS und ich bin am Ende. Ich kann einfach nicht mehr. Jetzt sagen Sie vielleicht, der hat eine Psychose. Ich habe mit meinem Arzt darüber geredet. Der sagt, ich habe keine Psychose, sondern das ist die Traumakrankheit. Er versucht mit zu sagen, dass die Geister keine Macht mehr haben. Mir ist alles früher so eingeimpft worden, dass ich das kaum glauben kann.</p>
<p>Meine Schwester hat nix erleben müssen, kein Missbrauch und keine Misshandlung.</p>
<p>Mein Bruder ist 9 Jahre Jünger. Ich habe kein Kontakt mehr zu ihm.</p>
<p>Ich denke, ich werde ihnen noch etwas mitschicken von den scheiß Satanisten.</p>
<p>Und wenn ich Kraft habe, werde ich noch Einzelheiten schreiben, dann können wir ja Kollektivkotzen.</p>
<p>Ich muss ihnen sagen, da sind Dinge die mir passiert sind, die mein Leben so unerträglich hat werden lassen.</p>
<p>Ich war von 1990-2002 verheiratet und habe 2 Kinder. Die Ehe ist zerbrochen, weil ich keine Nähe ertragen konnte und auch nicht gesagt habe, was mir passiert ist. Dann bin ich aus dem Norden weg und lebe seitdem in Lörrach.</p>
<p>Das erste Mal habe ich 2003 über den Missbrauch gesprochen und mir eine Abfuhr nach der anderen abgeholt, weil alle Therapeuten sagen, sie können mich ambulant nicht behandeln und sie haben auch keine Ahnung was Multiple-Persönlichkeiten sind, also sie haben mit so etwas noch nicht gearbeitet.</p>
<p>Ich war 2 mal in Mannheim im ZI jeweils 12 Wochen, aber sie haben mehr kaputt gemacht, als mir zu helfen. Seit 2005 bin ich bei Dr. S. als mein Therapeut. Ich gehe bis heute einmal die Woche zu ihm, aber mit ritueller Gewalt kennt er sich einfach nicht aus. Wir besprechen viele andere Dinge.</p>
<p>Aber sie haben ja viele Arztberichte.</p>
<p>Nun noch mal kurz zurück zu dem Missbrauch. Die Seele eines Kindes stirbt, also meine mit 4 Jahren und ich wünsche mir den Aufenthalt in Dresden in der Klinik im Waldschlösschen. Es ist meine letzte Chance noch zu leben, zu überleben. Ich muss es immer wieder sagen, ich kann nicht mehr, keine Kraft mehr und eine Akut-Klinik geht nicht. Da war ich auch schon. Die schießen mich mit Medis ab und sperren mich ein, was die Hölle ist. Ich halte es nicht in abgeschlossen Räumen aus. Auch zu Hause ist unsere Haustüre nie abgeschlossen. Auch Züge oder Bus fahren ist sehr schwer.</p>
<p>Die Vergewaltigungen waren ja schon das schlimmste. Aber die Dinge die sie taten, um ihnen hörig zu werden, festbinden, Stromschläge, Urin trinken, sich mit Erbrochenem einreiben lassen und es wieder essen, Hundefutter aus Näpfen essen, Blut trinken, Sperma schlucken, Salzwasser trinken, zusehen wie andere Kinder, Jungen wie Mädchen, vergewaltigt werden oder die Täter es zusammen machten.</p>
<p>Es gab ein tiefes Loch neben dem Haus, wo Essen- und Gartenabfälle rein kamen oder die toten Tiere. Aber auch ich wurde reingeschmissen weil ich ja so böse war. Dabei hatte ich nur Angst und habe geweint. Dann haben sie mich rein geschuppst und gesagt: „So nun sterbe endlich kleines Satan-Kind.“ Überall waren Würmer, Maden, Fliegen, Gestank. Ich rieche es noch heute. An meinem ganzen Körper, Ohren, Mund, Nase, hat es gekrabbelt und ich stinke immer noch, glaube ich. Dann wurde das Loch verschlossen mit einer Holzplatte und ich musste lange da drin bleiben und dachte ich sterbe nun endlich, ja ich will sterben, bitte.</p>
<p>Ich werde es nun beenden, ich bin am Ende meiner Kraft und ich wünsche mir von Ihnen, dass sie mir solche Fragen für die Zukunft ersparen. Ich weiss, dass das wahrscheinlich kaum möglich sein wird, weil Sie das eine oder andere noch bewiesen haben müssen.</p>
<p>Dennoch hoffe ich, dass ich mit meinen Aussagen glaubwürdig bin. Wenn das eine oder andere etwas durcheinander klingt, liegt das daran, dass ich auch bis heute durcheinander bin durch das, was ich jahrelang als Kind erleiden musste, besonders dann, wenn ich immer wieder die Themen hochholen muss, die mein Leben ruiniert haben.</p>
<p>Jürgen S&#8230;</p>
<p>Mehr auf netzwerkB</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/02/23/ich-durfte-kein-kind-sein-2/" target="_blank">Ich durfte kein Kind sein (I)</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Eingestellt, verjährt</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/08/25/eingestellt-verjahrt/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Aug 2011 19:30:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– auf die Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[– Justiz]]></category>
		<category><![CDATA[– Promi-Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[– Verjährungsfrist]]></category>

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		<description><![CDATA[Magnus Gäfgen erstreitet 3.000 Euro&#8230; von Gail R. Alle reden über den Täter. Ich auch. Er ist &#8220;faszinierend&#8221;. Im negativen Sinn. Dafür gibt es kein Wort. Weil es unüblich ist, dass ein Mensch sich mit seinen negativen Eigenschaften freiwillig so vehement in den Mittelpunkt drängt. Es ist gut, dass er das Geld gefordert hat. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Magnus Gäfgen erstreitet 3.000 Euro&#8230;</strong></p>
<p><em>von Gail R.</em></p>
<p>Alle reden über den Täter.<span id="more-9345"></span><br />
Ich auch.<br />
Er ist &#8220;faszinierend&#8221;.<br />
Im negativen Sinn.<br />
Dafür gibt es kein Wort.<br />
Weil es unüblich ist, dass ein Mensch sich mit seinen negativen Eigenschaften freiwillig so vehement in den Mittelpunkt drängt.<br />
Es ist gut, dass er das Geld gefordert hat.<br />
Es ist gut, dass er das Geld erhalten hat.<br />
Er hat bewiesen, dass er auch nach neun Jahren nicht gelernt, sich nicht verändert, sich nicht entwickelt hat.<br />
Er liefert selber den Grund, warum er nie entlassen werden darf:<br />
Es fehlt ihm an Empathie, eine essentielle Fähigkeit unserer sozialen Kompetenz.<br />
Egal warum.<br />
Falls sich Empathie lernen lässt, er kann sie nicht lernen.<br />
Egal warum.<br />
Er ist nicht gesellschaftskompatibel.<br />
Seine Hemmungslosigkeit war schon früh vorhanden,<br />
als er meine Kinder beklaute, bedrohte und sexuelle Gewalt antat.<br />
Der Kontakt wurde ihm damals immerhin verboten.<br />
Sonst hat es die Gesellschaft aber nicht weiter interessiert &#8211; trotz meiner Hartnäckigkeit an der Verteilung von Informationenen.<br />
10 Jahre später beschuldigte er meine Kinder, den bereits ermordeten Jakob von Metzler bei sich zu beherbergen.<br />
Dann brach das SEK in unsere drei Wohnungen ein.<br />
Ein hässliches Erlebnis.<br />
Meine Kinder durften im Zeugenstand den &#8220;Fall von damals&#8221; nicht zur Sprache bringen. Sie hielten sich an das explizit formulierte Verbot.<br />
Ich wurde nicht gehört, trotz schriftlichem Angebot.<br />
Und die Anschuldigung wegen sexuellem Missbrauch wurde eingestellt, ohne uns jemals gehört zu haben.<br />
Und eines der Kinder hatte in den Jahren zwischen dem Übergriff und dem Mord die Sorge geäußert, &#8220;er studiert nur Jura, damit er später mal ein Kind umbringen kann&#8221;. Mein Kind hatte ihn so kennengelernt, dass er Anlass hatte zu dieser Sorge.<br />
Aber niemand wollte meine Kinder hören, nicht nach ihren Erlebnissen mit Gäfgen, nicht nach dem Mord an Jakob von Metzler.<br />
Eingestellt, verjährt.<br />
Ich bin gegen Verjährung &#8211; und auch gegen Ignoranz und Verantwortungslosigkeit von Institutionen.</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Multiple Persönlichkeit als Fähigkeit des Selbstseins/ Grenzen des Ichs (philosophische Betrachtung)</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/08/11/multiple-personlichkeit-als-fahigkeit-des-selbstseins-grenzen-des-ichs-philosophische-betrachtung/</link>
		<comments>http://netzwerkb.org/2011/08/11/multiple-personlichkeit-als-fahigkeit-des-selbstseins-grenzen-des-ichs-philosophische-betrachtung/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 15:25:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[netzwerkB 11.08.2011 von Norman Schultz Im letzten Artikel zu den Grenzen des Ichs, hatte ich ja bereits die Philosophie auf multiple Persönlichkeiten bezogen. Mir kam nun nur zu Ohren, dass das Thema umstritten sei und mein Artikel im Umfeld von netzwerkB auch diskutiert worden sei. Da ich mich relativ unkritisch und unvoreingenommen mit dem Thema “Multiple [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>netzwerkB 11.08.2011</p>
<p>von <a href="http://www.entgrenzen.de/" target="_blank">Norman Schultz</a></p>
<p>Im letzten Artikel zu den <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">Grenzen des Ichs</a>, hatte ich ja bereits die Philosophie auf multiple Persönlichkeiten bezogen. Mir kam nun nur zu Ohren, dass das Thema umstritten sei und mein Artikel im Umfeld von <a href="http://www.netzwerkb.org/" target="_blank">netzwerkB</a> auch diskutiert worden sei. Da ich mich relativ unkritisch und unvoreingenommen mit dem Thema “Multiple Persönlichkeit” auseinandergesetzt habe, habe ich nun die Nächte durchgearbeitet und versucht auf mögliche Einwände zu reagieren. <span id="more-8996"></span>Eigentlich sollten diese Beiträge, die Interviews mit Sophie Stein, einer multiplen Persönlichkeit, nur begleiten. Nun ist es allerdings zu einem sehr langen Artikel gekommen, wobei ich recht dankbar wäre, wenn diesen auch jemand liest. Die Textfülle zeugt von der Schwierigkeit des Problems. Da der Texte hier nun recht schwer ist, verstehe ich, dass nicht jeder die Zeit hat, sich da durchzuwühlen und das ist auch sicher nicht Sinn der Sache, daher stelle ich die Videos (nochmals Teil 1 und Teil 2) der Interviews gleich an den Anfang. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit Norman Schultz.</p>
<p><iframe width="480" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/dWIPWvzlJdk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><iframe width="480" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/fL6tJc9H21Y" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p><strong>Das Problem der Faszination für multiple Persönlichkeiten</strong></p>
<p>Multiple Persönlichkeiten faszinieren, denn sie versammeln viele Eigenschaften, beherrschen beispielsweise unterschiedliche Handschriften und besitzen oftmals viele verschiedene, überraschende Talente. Hinzu kommt, dass multiple Persönlichkeiten oftmals eine erschütternde Geschichte aufweisen. Aufgrund dieser Umstände ist das Phänomen der multiplen Persönlichkeit prädestiniert als Modeerscheinung gehandelt werden zu können. Das Buch „Vater unser, der du bist in der Hölle“ gibt hiervon ein Zeugnis (<a href="http://www.xn--vaterunserinderhlle-56b.de/die-ebay-geschichte/index.html" target="_blank">http://www.xn--vaterunserinderhlle-56b.de/die-ebay-geschichte/index.html</a>). Ich selbst halte das Buch für problematisch. So wird meiner Erinnerung nach in dem Buch ein Zirkel von Innenpersonen beschrieben, die von einer satanistischen Sekte insoweit manipuliert und teilweise erzeugt worden sind, so dass diese gegen die Hauptperson unerkannt handeln (Ich habe das Buch leider gerade nicht zur Hand, um das genau zu überprüfen). Nach Rücksprache mit Sophie Stein hält sie solcherlei Persönlichkeitsinduzierungen durch die Täter auch für fragwürdig, obwohl solcherlei Fälle nicht auszuschließen sind. Ich möchte keineswegs der Frau, auf der diese Geschichte basiert, zu nah treten und ich kann mir vieles vorstellen. Und dennoch kommen hier Zweifel auf und es stellt sich die Frage: Sollen wir ohne Weiteres glauben? Diese Frage stellt sich auch an das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“, das sich häufig mit unvorstellbaren Geschichten sexualisierter Gewalt überkreuzt.</p>
<p><strong>Zur Schwierigkeit für den Journalismus</strong></p>
<p>Journalistische Darstellungen müssen sich hier zerreißen; zerreißen zwischen Vertrauenswerbung beim Betroffenen und dem unglaublichen Terrain „sexualisierte Gewalt“ mit all den Abgründen und Randbereichen des Vorstellbaren. Sie recherchieren auch am Rand der Gefahr gegenüber möglichen Tätergruppen, die gut organisiert sind. Damit verbinden sich Schwierigkeiten die Vergangenheit überhaupt überprüfen zu können und kritisch zu gewichten. Ich stelle es mir schwierig vor, insofern der Betroffene eine labile Person ist, diesen kritisch zu hinterfragen. Zeugenbefragung ist so gut wie ausgeschlossen, da die Tat oftmals Jahrzehnte zurückliegt und eine Zeugenbefragung eigentlich immer eine Mittäterbefragung darstellt, insofern diese nicht eingegriffen haben. Letztlich sind die Journalisten stark angewiesen auf die Aussage des Betroffenen.</p>
<p>Heißt das nun, dass wir Betroffenen, die sich zu Wort melden nicht glauben können? Was können wir glauben? Wir können durchaus davon ausgehen, dass ganze Tätergruppen Kinder missbrauchen. Wie diese organisiert sind, verschwindet im Dunkel der Kriminalität. Es sind ja keine Vereine, die wir ohne weiteres zahlenmäßig erfassen könnten. Geschätzte Umsätze im Bereich Kinderpornografie lassen uns aber auf eine breite Subkultur schließen. Nehmen wir die Zahlen des Ärzteblattes ernst, so wurden 1,9% der unter 14 jährigen schwerer sexualisierter Gewalt ausgesetzt (<a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=87643" target="_blank">http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=87643</a>). Berücksichtigen wir nun weiter, dass bei standardisierten Fragebögen eine gewisse Fehlerquote anzusetzen ist (Denn wer antwortet bei schwerer sexualisierter Gewalt in einem Fragebogen unter der Angst, den Tätern könnte dieser Fragebogen doch irgendwie in die Hände fallen? Oder wer glaubt sogleich der Fragebogen wäre wirklich anonym?); berücksichtigen wir diesen Umstand also, so können wir von einer überraschenden Anzahl von Tätern ausgehen. Sexualisierte Gewalt ist also Fakt, ein weitreichendes gesellschaftliches Problem, und daher ist auch jeder Betroffene ernst zu nehmen und zwar ernster als dies gegenwärtig in unserer Gesellschaft geschieht, denn im Hinblick darauf, dass diese Delikte so häufig sind, werden diese sehr selten aufgedeckt und thematisiert. Verschärfend muss hinzugefügt werden, dass bei Fällen sexualisierter Gewalt kein Zusammenhang zwischen Schichtzugehörigkeit der Personen festzustellen ist (im Gegensatz zu schwerer Gewalt oder Vernachlässigung). Schwere sexualisierte Gewalt kann also überall geschehen. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass Kinder von schwerer sexualisierter Gewalt berichten. Der Grund, warum wir so selten davon erfahren hängt eher damit zusammen, dass unsere Gesellschaft dieses eher tabuisiert als ernst nimmt und Betroffene als “Opfer” brandmarkt.</p>
<p>Welche Erzählungen in den Randbereichen der schweren sexualisierten Gewalt können wir allerdings ernst nehmen? Obwohl die Anzahl der Taten so groß ist, sehen wir diese Taten im Alltag kaum. Die Sichtbarkeit der Taten ist nicht gegeben und so ist der genaue wissenschaftliche Umgang damit schwierig. Ich unterstelle, dass sich daher schnell Gerüchte um mögliche kriminelle Vereinigungen etablieren lassen, ohne dass wir konkrete Möglichkeiten hätten, diese Gerüchte zu überprüfen. Wie gehen wir daher mit Aussagen zu beispielsweise Satanskulten um, ohne uns zu versteigen? Die Sache erweist sich als schwierig. Hier müssen wir mit Einzelberichten vorsichtig sein und hoffen, dass die Kriminalpolizei, die bessere Möglichkeiten der Recherche hat, einen guten Dienst verrichtet. Das heißt aber nicht, dass es abwegig ist, dass eine Person von Massenvergewaltigungen berichtet. Die Deutungen satanischer Kulte müssen wir allerdings zunächst als Deutungen hinnehmen und so sehe ich es auch für das Buch „Vater unser, der du bist in der Hölle“. Die Handlungen können durchaus kultischen Charakter gehabt haben, die Frage ist, wie weit die Schlussfolgerungen hier zu einer großen kultischen Organisation reichen (wie es die Fußnoten am Ende des Buchs suggerieren). Unabhängig von meiner persönlichen Meinung sehen wir hier zumindest, dass sich das Feld sehr schnell für Spekulationen aller Art öffnet, denn wo sich erst der Abgrund des Unvorstellbaren für Nicht-Betroffene auftut, dort versammeln sich auch schnell Andeutungen und Hinweise, die zu schnell überinterpretiert werden. Vielleicht drängt der Journalist auch den Betroffenen zu bestimmten Aussagen. Wir haben es zumindest schwer solch anonymisierte Bücher ganz genau beim Wort zu nehmen.<br />
<strong><br />
Was bedeutet diese Schwierigkeit der Überprüfbarkeit für multiple Persönlichkeiten</strong></p>
<p>Da multiple Persönlichkeiten nun zumeist von Taten betroffen sind, die sich ein Mensch, der nicht betroffen ist, nur schwer vorstellen kann, kommen auch hier Zweifel auf. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass im psychatrischen Umfeld psychisch Kranke sich belesen und dabei Geschichten erfinden oder sich selbst als multiple Persönlichkeit stilisieren. Es ist nicht auszuschließen, dass eine schwer traumatisierte Person, Geschichten ihrer Vergangenheit reinterpretiert, auch wenn der Kern der Geschichte, die sexualisierte Gewalt, Bestand hat. Es ist auch durchaus vorstellbar, dass psychatrische Gutachter sich täuschen lassen und eine solche „Störung“ unterstellen, obwohl nur ein schauspielernder Verbrecher hiermit auf Unzurechnungsfähigkeit spekuliert. Das macht das seltene Phänomen der multiplen Persönlichkeit einhergehend mit diesen seltenen Fällen der Täuschung für theoretische Betrachtungen äußerst schwer zu handhaben.<br />
<strong><br />
Probleme einer empirischen Wissenschaft</strong></p>
<p>Hinzu kommt das Problem der geringen Fallzahlen. Geringe Fallzahlen sind für quantitativ-empirisch arbeitende Wissenschaftler immer ein Problem. Aus einer einmaligen Beobachtung lässt sich leider nicht so viel schlussfolgern. Ganz simpel und theoretisch gesprochen: Wenn ich einmal in meinem Leben einen Sonnenaufgang beobachte, dann weiß ich noch nicht viel über Sonnenaufgänge, vor allem nicht, wie und wann und was sich da eigentlich vollzieht. Ich gewinne dabei eher Fragen als eindeutige Befunde. Zuverlässige therapeutische Ansätze lassen sich daher erst nach vielen Jahren und nach Auswertung von Studien bestimmen – für Diagnosen gilt gleiches.<br />
Natürlich ist es mittlerweile auch so, dass die Ansätze nicht im Blindlfug erprobt werden, sondern auf Kohärenz mit der bisherigen Theorie überprüft werden. Über den wirklichen Erfolg kann aber letztlich nur die Statistik Auskunft geben. Da also nur sehr wenige Fälle von multipler Persönlichkeit bekannt sind, ist es hier schwierig in quantitative Bereiche vorzustoßen. In der Folge heißt das, dass viele Theorien auf den Markt geworfen werden können, die eher einer Geisteswissenschaft entsprechen und sich daher im Bereich der Kohärenz (vereinfacht: einheitlicher Zusammenhang) bewegen, das heißt es wird geschaut, wie stimmt der Interpretationsansatz mit anderen vertrauenswürdigen Ansätzen überein. Angesichts der Unerforschtheit des menschlichen Daseins – sowohl im Hinblick auf seine Sinndimension als auch seine Funktionsweise – bietet sich hier der optimale Nährboden für Schulenstreits, das heißt Schulen, die nach unterschiedlichen Modellen konkurrierende Daseinsinterpretationen auf Kohärenz prüfen.</p>
<p><strong>Das Problem der Fehldiagnosen</strong></p>
<p>Aber zu den niedrigen Fallzahlen gesellt sich noch ein weiteres Problem: Je weniger Fälle, desto schwerwiegender wirken sich Fehldiagnosen auf die Anerkennung des Phänomens aus. Wenn nämlich wenige anerkannte Fälle von Schizophrenie existieren (nehmen wir an es seien weltweit nur 10), dann werden sich zwei oder drei Fehldiagnosen schon erheblich auf das Vertrauen in die Diagnose des Phänomens auswirken. Hier werden dann Fehldiagnosen weniger den vorschnellen Therapeuten angelastet, sondern übertragen auf die Plausibilität des Phänomens überhaupt. Die Schlussfolgerung lautet dann schnell: Vielleicht gibt es multiple Persönlichkeiten nicht, denn viele zuverlässige Fälle gebe es bisher nicht. Was folgt sind Einzelfalldiskussionen und so lassen sich im Internet vor allem Argumentationen entdecken, die auf der Darstellung von Einzelfällen basieren. Ein nicht geprüfter Fall aus dem Internet stellt sich zum Beispiel so dar:</p>
<p>„Fünf Jahre lang lebte ich eine iatrogen induzierte falsche Identität als Multiple Persönlichkeit. Inzwischen habe ich Klage gegen zwei der Therapeuten eingereicht, die nicht in der Lage waren, die Depersonalisationsstörung, die bei mir in Wahrheit vorlag, von der Multiplen Persönlichkeitsstörung zu trennen. Wie auch, es wird ja nicht und nichts differenziert. Egal was man hat, ob man nun Stimmen hört oder nicht, ob man Persönlichkeiten wahrnimmt oder nicht, … alles ist ein Beweis dafür, dass man multipel sein muss.“ <a href="http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-kritik.html" target="_blank">http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-kritik.html</a></p>
<p>Solcherlei, aber auch andere Fälle stellen die Arbeit der Therapeuten in Frage, aber auch die Form der Diagnose. Das Hauptproblem ist jedoch, dass bei geringen Fallzahlen empirische Arbeit unglaublich erschwert ist.<br />
<strong><br />
Die Diagnose der multiplen Persönlichkeit als Mode</strong></p>
<p>Da nun Wissen im Bereich der multiplen Persönlichkeiten sich offensichtlich noch an Fallstudien orientiert, wird verständlich, warum multiple Persönlichkeiten auch als Modeerscheinung bezeichnet werden (<a href="http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-mode.html" target="_blank">vgl. http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-mode.html</a>). Es ist eine Mode nach dieser Erkrankung zu suchen (so hat selbst Hollywood einen beliebten Auflösungskniff gemacht). In gewisser Hinsicht halte ich die Idee der Mode jedoch nicht unbedingt für falsch, da ich eine Geschichte der Therapieentdeckung  von schwerer und grausamer sexualisierter Gewalt dahinter vermute. Ich glaube die multiple Persönlichkeit ist nicht unbedingt eine klar feststellbare Struktur, sondern ein komplizierter, kognitiver Mechanismus, der die Identitätsleistung eines Selbst sichern soll. Insofern ist eine multiple Persönlichkeit auch abhängig von den Instrumenten, die sie von Therapeuten zur Selbstwahrnehmung geliefert bekommt. Im Hinblick darauf würde ich dieses allerdings nicht als Mode bezeichnen, sondern die Entdeckung und Hervorholung von multiplen Persönlichkeiten als vielleicht geeignetes therapeutisches Werkzeug zur Traumabewältigung. Dieses Werkzeug musste als Artefakt in der Geschichte tatsächlich erst gemacht werden und daher ist es vielleicht auch als gegenwärtige Mode zu betrachten. Dennoch aber ist es kein modisches Accessoire, mit dem sich Hollywoodbösewichte oder eitle Therapeuten schmücken, sondern ein geschichtlich entstandenes Werkzeug.</p>
<p>Auf der anderen Seite bin ich der Überzeugung, dass sich auch ein fester Kern von Eigenschaften umschließen lässt, welche dennoch immer für multiple Persönlichkeiten gelten. Diese Thesen werde ich im Folgenden weiter erläutern. Wir werden diese Thesen als Thesen gegen Einwände des Phänomens „multiple Persönlichkeit“ sukzessive hervorbringen.<br />
<strong><br />
Warum sollte ich dafür qualifiziert sein?</strong></p>
<p>Was mache ich also. Ich bin kein Psychoanalytiker, kein Psychater, kein Psychologe, habe keinerlei Ausbildung in diesem Bereich und so gut wie keine praktische Erfahrung. Meine Interviews hierzu setzen sich mit einer Frau auseinander, die von sich behauptet multiple Persönlichkeit zu sein. Nun kann es sein, dass ich von ihr systematisch getäuscht werde. Es kann sein, dass sie keine multiple Persönlichkeit ist. Kritiker mögen einwenden, dass ich nicht korrekt diagnostiziere und mich von einer Modetheorie beeinflussen lasse. Ich muss aber hinzufügen, dass das für mich nur eine geringe Relevanz besitzt. Da ich keine therapeutischen Ziele verfolge, muss ich auch keine präzise Diagnose stellen und kann mich ganz auf das mir begegnende Phänomen fokussieren. Ich bin daher frei von Schulperspektiven, die sich hier vielleicht schon etabliert haben. In dem Rahmen wie ich Sophie Stein kennengelernt habe, stellt sie für mich eine multiple Persönlichkeit dar, ohne dass ich korrekte Diagnosen oder Differenzmarker kenne. Ich glaube ohne viel psychologisches Grundwissen, dass sich ihre Hauptperson tatsächlich aus einzelnen sehr starken Persönlichkeitsprofilen zusammensetzt. Ich glaube nicht, dass sie mich und ihren gesamten Freundeskreis systematisch täuscht. Philosophische Gründe, warum ich dies glaube, möchte ich im weiteren Verlauf auch zeigen. Hierbei berufe ich mich vor allem auf die Fragen, wie ein Mensch Identität haben kann, wenn eine traumatische Vergangenheit den Großteil seiner Geschichte ausmacht.</p>
<p>Da ich nun aber Philosoph und kein Psychologe bin, ist vielleicht das einzige Qualitätsplus, das ich in dieser Arbeit anbieten kann, meine Unbefangenheit gegenüber der Debatte zwischen möglichen Schulen (die mir nicht bekannt sind). Und so möchte ich einige mir bekannte Einwände aus der Sicht eines Laien thematisieren.</p>
<p><strong>Schwierigkeit der Einordnung</strong></p>
<p>Einer der wohl größten Kritikpunkte ist, dass multiple Persönlichkeiten durch die Arbeit des Therapeuten ausgelöst werden. Was soll das nun bedeuten? Zunächst kann dies verschiedene Bedeutungen haben.</p>
<p>Dies heißt entweder, dass der Therapeut der Klientin das Phänomen vollständig einredet beziehungsweise dass der Therapeut an das Phänomen glaubt und die Klientin will, dass der Therapeut dieses glaubt.</p>
<p>Oder aber es heißt: Der Therapeut fördert eine gewisse Handlungsweise bei der Klientin (ich sollte wohl Therapiepartnerin sagen). Er fördert einen Vorgang, wobei sich einzelne Persönlichkeiten identifizieren und sich als Aktzentren gewisser Vergangenheiten offenbaren. Diese Förderung ist nicht mit dem Einreden zu verwechseln, da der Therapeut hier nur sehr passiv maieutisch wirksam ist.</p>
<p>Erstere Variante kann tatsächlich in einigen Fällen in Betracht gezogen werden, so am Beispiel des Massenvergewaltigers Billy Milligan (<a href="http://www.xn--uwe-fllgrabe-hlb.de/mediapool/42/428554/data/Unglaublich_aber_wahr/Multipl._Persoenl._als_Prod.pdf" target="_blank">http://www.xn--uwe-fllgrabe-hlb.de/mediapool/42/428554/data/Unglaublich_aber_wahr/Multipl._Persoenl._als_Prod.pdf</a>). Billy Milligan steht im Verdacht das Phänomen der multiplen Persönlichkeit missbraucht zu haben, um eine geringere Strafe zu erzielen. Der Verdacht des Schauspieltalents kommt hier auf als auch der Vorwurf, dass der Therapeut Keyes anscheinend relativ unkritisch Milligan glaubte. Ähnlich schwierig zeigt sich dieses Verhältnis im Fall von Sybill. Der Autor Füllgrabe schreibt hierzu:</p>
<p>“Die Kulissen  waren  aufgebaut, die Bühne war vorbereitet für das Auftauchen der  verschiedenen  Persönlichkeiten. Diese  Formulierung ist deshalb wichtig, weil man der Behauptung, Multiple  Persönlichkeiten  seien tatsächlich ,,in”  einem Menschen,  eine Gegenhypothese  entgegensetzen  muß: Daß während einer (psychoanalytischen)  Therapie mehrere  Persönlichkeiten  auftauchen,  kann auch auf die Suggestivwirkung  eines  (vornehmlich psychoanalytisch  orientierten)  Therapeuten  zurückzuführen  sein, vor allem  wenn der Patient  häufig in Hypnose  versetzt wird. Es ist auch erstaunlich,  daß weder Thigpen  und Cleckley  (1951), noch die Psychoanalytikerin  Schreiber  (1973), noch Keyes (1981)  überhaupt  in Erwägung gezogen  haben,  daß  das Phänomen der MP  ein hypnotisches  Artefakt  sein könnte.“ (Quelle: ebenda)</p>
<p>Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass die multiple Persönlichkeit erst durch den Therapeuten gemacht ist (ein Artefakt), allerdings heißt nicht, dass damit das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“ widerlegt wäre, sondern es bezieht sich nur auf den Ursprung des Phänomens der multiplen Persönlichkeit durch den Therapeuten. Es ist durch menschliche Kunst (arte) gemacht (fakt). Der Ursprung liegt damit nicht direkt in der Vergangenheit der Klienten. Was heißt das aber? Das heißt, auch wenn der Ursprung für multiple Persönlichkeit der Therapeut ist, handelt es sich doch immer noch um eine multiple Persönlichkeit.</p>
<p>Füllgrabe beschreibt solcherlei Entstehungsrituale weiter:</p>
<p>„Ruthie wurde  gerufen:  Schweigen. Die Arztin  wartete.  Dann  sagte  Sybils  Stimme  ruhig: ,,Ich  sehe  sie.” Der Augenblick hatte große  Bedeutung, weil es das  allererste Mal war,  daß Sybil  eine visuelle  Vorstellung  von irgendeinem ihrer anderen Selbst  hatte,  das  erste Mal,  daß sie für  sie in ihrem  eigenen Bewußtsein  existierten.” (Schreiber,  1973, S. 300 zitiert nach Füllgrabe Quelle: Ebenda).</p>
<p>Füllgrabe habe hier nun die Frage offen gelassen, woher dann die ,,Schauspieler&#8221; für das Stück gekommen  seien. Mit dem Recht eines Wissenschaftlers fragt er, ob es sich bei Sybil tatsächlich um eine multiple Persönlichkeit handelt oder ob sie Rollen anderer Menschen übernommen hat. Er verweist auch darauf, dass Sybil psychatrische Literatur gelesen habe.</p>
<p>Er spricht sich noch nicht gegen die multiple Persönlichkeit aus, fordert aber die genaue Überprüfung nach Alternativhypothesen. Und dennoch übersieht Füllgrabe die Frage, ob die Schauspieler für das Stück nicht fortan genau das richtige Stück spielen, nämlich multiple Persönlichkeit. Es fragt sich nämlich an dieser Stelle, ob die auftauchenden Persönlichkeiten in diesen Momenten, der Befreiungsschuss für eine Biografie des Grauens sind (mehr zu dieser These weiter unten). Diese Alternativhypothese zu seiner Alternativhypothese stellt Füllgrabe nicht auf. Auch wenn hier also die Fähigkeit des dissoziierenden Schauspiels zum Tragen käme, so fragt sich doch, ob das Schauspiel nicht direkt zur Lebenswirklichkeit der Betroffenen transformiert wird, das Schauspiel lebensnotwendig und erleichternd ist.</p>
<p><strong>Füllgrabe wertet multiple Persönlichkeit als kognitives Phänomen und als Modererscheinung</strong></p>
<p>Schließlich schlussfolgert Füllgrabe:</p>
<p>„Vielmehr  handelt  es sich bei MP um ein  kognitives  Phänomen, wobei Selbsttäuschung  und Täuschung  eine  Rolle spielen können. Meine  These  zum Phänomen  ,,Multiple Persönlichkeit” ist also: Die Äußerungsformen  von MP durch den gleichen Menschen ist ein hypnotischer  Artefakt, das dem Zeitgeist unterworfen  ist und  durch die Suggestionen  eines  an die Existenz von MP  glaubenden Therapeuten bei einer unglücklichen,  selbstunsicheren Person im Sinne  einer  sich selbst  erfüllenden Prophezeiung  ausgelöst wird.“ (Quelle: Ebenda)</p>
<p>Füllgrabe geht also davon aus, dass multiple Persönlichkeiten durch Therapeuten und Klientin erzeugt werden. Heißt das aber nun, dass das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“ seine Berechtigung verliert? Das Argument hört sich von der Struktur genauso an wie: Was von Menschen technisch erzeugt wird, kann kein Leben sein. Es bietet sich nun keinerlei Begründung in Füllgrabes Argument an, warum selbst eine erzeugte multiple Persönlichkeit keine sein sollte.</p>
<p>Ich möchte das Problem anders als Füllgrabe darstellen. Da die Diagnose multiple Persönlichkeit und die Entwicklung der multiplen Persönlichkeit erst im Laufe der Behandlung auftreten, besteht die „multiple Persönlichkeit“ mit Sicherheit aus Zeitgeistmomenten. Was heißt das nun? Erst wenn eine multiple Persönlichkeit beispielsweise nicht auf die Diagnose Schizophrenie mit Tabletten vollgestopft wird, sondern der Therapeut den Klientin auf seine dissoziierende Momente hinweist und schließlich durch eine Hauptperson Kontakt zu anderen Personen herstellt und damit die anderen Personen etabliert, so ist dieses Verfahren abhängig von der Geschichte der Therapie (ein Zeitgeistmoment). Was hier aber nicht konstruiert ist, ist der Ankerpunkt nämlich die Person, die dazu fähig ist solche Persönlichkeiten zu bilden. Ich behaupte nun nicht, dass die Person vorher nicht diese Persönlichkeiten hatte, ich zeige nur, dass dennoch eine Interpretation von Füllgrabes Ansatz möglich ist, der multiple Persönlichkeiten als induzierte Zeitgeistmomente zulässt zugleich aber auch das Phänomen “Multiple Persönlichkeit” akzeptiert.</p>
<p>Dieses Verfahren der “Multiplen Persönlichkeit” ist aber im Mindesten ein Lernprozess, der durchaus kulturspezifisch sein kann. Es könnte sein, dass eine schamanische Kultur mit solchen Problemen anders umgeht als unsere Kultur und dabei Geister oder ähnliches beschwören und damit vielleicht die Akzeptanz oder Ausbildung von weiteren Persönlichkeiten unterdrücken, mithin andere Phänomenbilder von Menschen mit der Veranlagung zur multiplen Persönlichkeit erhalten. An dieser Stelle würde sich fragen, welche Kulturtechnik für Menschen mit schwerer Vergangenheit und dieser Fähigkeit angemessen wäre (zu dieser Frage mehr weiter unten).</p>
<p><strong>Multiple Persönlichkeit als Fähigkeit, die angewendet werden kann</strong></p>
<p>Somit kann aber auch die Frage gestellt werden, wie die Form der multiplen Persönlichkeit eine Fähigkeit ist, die angewendet wird. Da ich es nicht unbedingt als Krankheit betrachte, ist es durchaus legitim diese Fähigkeit in gewissen Rahmen zu forcieren. So hat Sophie Stein lange Zeit nicht gewusst, dass sie eine multiple Persönlichkeit ist und wurde Jahre lang auf Schizophrenie mit geringem Erfolg behandelt. Erst durch Einsatz einer Freundin lernte sie, Kontakt mit den anderen Personen aufzunehmen und kam mit ihrer Vergangenheit ins Gespräch. Einer grausamen Vergangenheit und bei Weitem das Schlimmste, was ich je gehört habe. Nun war bei ihr die Symptomlage vor dem „Ausreifen“ ihrer multiplen Persönlichkeit tatsächlich anders als vorher, was bedeutet, dass sie an einem ihrer Wege womöglich auch andere Wege hätte einschlagen können, die aber keinesfalls besser gewesen sein müssten. Es wäre durchaus denkbar, dass sie ohne die Unterstützung durch Freunde, heute immer noch als schizophrene Person sich selbst als verrückt ablehnen würde und damit die multiple Persönlichkeit in sich nicht zulassen könnte oder hätte. Es ist genauso denkbar, dass die Diagnose „multiple Persönlichkeit“ ihr einen anderen Weg verstellt. Dieses halte ich aber, da ich sie gut kenne, für unwahrscheinlich. Nun kann ich mit hoher Sicherheit sagen, dass Sophie Stein keinesfalls verrückt ist.  Mit schweren Wahnvorstellungen einer Shizophrenie lässt sich ihr Zustand keineswegs beschreiben. Die folgenden und bisherigen Interviews zeigen dieses deutlich. Sie ist eine äußerst stabile Persönlichkeit, die mit einer Geschichte umzugehen weiß, wo andere schier verzweifelt wären. Die starke Dissoziation in verschiedene Persönlichkeiten erscheint mir daher als Technik (welche freilich nicht jeder beherrschen kann), die sinnvoll gedacht werden kann. Selbst wenn also die multiple Persönlichkeit bei ihr durch Freunde oder Therapeuten ausgelöst sein sollte, so würde ich es in ihrem Fall als außerordentlich sinnvoll erachten, denn als EINE Persönlichkeit, die all diese biografischen Hiebe und Stiche in sich aushalten sollte, könnte ich sie mir gar nicht vorstellen. Ich wüsste nicht, wie so etwas irgendein Mensch verarbeiten sollte, wenn er nicht konsequente Muster und Techniken der Verarbeitung hätte. Es ist hier also meines Erachtens sogar fragwürdig, ob das Phänomen „multiple Persönlichkeit“ sogar so therapiert werden müsste (wenn es denn akzeptiert ist), dass die Persönlichkeiten sich vereinen und schließlich das Ziel sein sollte, EINE einheitliche Persönlichkeit zu erreichen. Vielmehr erachte ich ihren fortwährenden Dialog mit verschiedenen Personen in sich als Möglichkeit, um mit sich selbst klarer zu werden, vielleicht – um einen Ansatz der existentialistischen Psychologie mit in die Waagschale zu werfen – um sich selbst als Eigentlichkeit zu fassen.</p>
<p>Therapien müssten sich meines Erachten eher auf die Traumbehandlung fokussieren, statt das Phänomen „multiple Persönlichkeit“ in den Mittelpunkt zu stellen. Natürlich kann hier gesondert behandelt werden, insofern, dass der Therapeut die klare Ausbildung der Persönlichkeiten nach Jahren einer schlechten Schizophreniediagnose erschließt. Am Fallbeispiel Sophie Stein jedenfalls könnte ich mir nicht erklären, was spezifisch an der Diagnose „multipler Persönlichkeit“ als Krankheit zu bezeichnen wäre. Viel mehr belasten sie die Geschichten, die sich dahinter verbergen. Mit schweren Fällen von Schizophrenie jedenfalls kann das Phänomen, das sie auszeichnet, unter keinen Umständen verglichen werden. Vielmehr zeichnet ihre Krankheit das aus, was viele Betroffene auszeichnet. Sie hat eine schwere Biografie hinter sich und mit wenig anderem als diesen Problemen zu kämpfen. Ein Weg, der sich für sie dabei aufgetan hat, war die Dissoziation und dabei ist es egal, ob es die Schauspielleistung ihres Lebens ist, vom Psychotherapeuten induziert oder aber von Anfang an da war.</p>
<p><strong>Sich im Nachhinein mit sich identifizieren?</strong></p>
<p>Mit dem Gesagten könnte es daher durchaus sein, dass Sophie Stein die diffusen Abspaltungen von früher im Nachhinein präzise mit Personen identifiziert, um das Erlebte erarbeiten und aufarbeiten zu können. Das ist natürlich nur eine These, wenngleich eine für mich sehr plausible. Das heißt nun nicht, dass es keine multiplen Persönlichkeiten gibt, sondern, dass es für sie ein Weg ist, die Situation, in der sie sich befindet, zu verarbeiten.</p>
<p>Was heißt das aber: Sich mit sich von damals zu identifizieren? Ich möchte das mal an mir erklären. Ich denke auch manchmal nach, was mich eigentlich noch mit dem Dreijährigen von damals verbindet und tatsächlich erscheint mir dies beim theoretischen Reflektieren nicht viel zu sein als eigentlich nur der Gedanke der Identität, den ich zu jedem gedachten Objekt hinzudenken muss, um es denken zu können. Das heißt, wenn ich mich damals einholen will, dann denke/fühle ich mich, aber das Körnchen Realität verschwindet uneinholbar hinter meiner Reflexion (was Hegel schon versuchte unermüdlich darzustellen). Einzig verbleibt der Gedanke des unverrückbaren blinden Flecks, der sich nur in transzendentaler Perspektive eröffnen kann und der ich bin, den ich irgendwie spüre (nur wie?).</p>
<p>(Ich weiß, dass ich mich mit dem Folgenden indirekt auf psychologisches Terrain zu begeben scheine, aber ich betreibe keine empirische Psychologie, sondern nur Reflexion auf die notwendigen Voraussetzungen, damit überhaupt so etwas wie Selbstbewusstsein und Selbsterkenntnis möglich ist. Sollte das für den ein oder anderen an dieser Stelle zu schwer sein, so bitte ich über den nächsten und übernächsten Absatz hinwegzusehen. Ich will an dieser Stelle einfach etwas genauer sein).</p>
<p>Meine Vergangenheit ist keine Videoaufzeichnung, sondern eine kognitive Reproduktion sowie der Bezug dieser Reproduktion auf Sinnesdaten. Diese beiden müssen, sofern sie Erkenntnis sein sollen (Realität haben sollen), nach Regeln von Begriffen aufeinander bezogen sein. Dass dann dort auch etwas außer mir ist, was meine Begriffe bezeichnen, setze ich dabei als notwendig voraus, denn andernfalls wäre meine gesamte Erkenntnis nicht möglich (kurzer kantischer Deduktionsabriss von den notwendigen Voraussetzungen des Denkens überhaupt ohne psychologische Theorien oder empirische Befunde bemühen zu müssen).  Das heißt: Meine Identität ist kein gespeicherter Zusammenhang, der auf der Festplatte „Gehirn“ hinterlegt ist, sondern eine Erzeugungsleistung, wo letztlich nur ein kleines Körnchen „Mich-immer-schon-voraussetzen-müssen“ bleibt. Identität bilde ich dabei in Bezug auf einen Erfahrungsteil in mir, doch der Erfahrungsteil kann nur sein, insofern ein transzendentales Ich diesen auch bildet (ein Aktzentrum, eine Fähigkeit oder wie immer ein Psychologe dies nun versuchen möchte zu bezeichnen, so bleibt festzuhalten, dass das Transzendentale als Weltliches hier nicht mehr einzuholen ist. Es bleibt transzendent, nur in transzendentaler Perspektive aufzeigbar). An dieser Stelle entsteht übrigens der Riss zwischen empirischen Ich (dem, was je meine Erfahrungen ausmacht) und dem transzendentalen Ich (das, was ich jeweils immer bin). Das Identitätsbilden und der Erfahrungsteil sind zwei verschiedene Momente, die ineinander übergehen und aufeinander bezogen sein müssen. Keine Identität ohne Selbsterfahrung, keine Selbsterfahrung ohne Identität.</p>
<p>Berücksichtigen wir diese Selbstfähigkeit zur Identität, so ist das, was unsere Vergangenheit ausmacht, vor allem eins: Sie gehört zu uns, in der Weise, wie wir sie denken. Vergangenheit und Identität erzeugen sich eins in eins. Darüber hinaus muss sie einheitlich gedacht werden, um uns überhaupt einheitlich erfahren zu können. Vergangenheit kann nicht portioniert werden, wie es uns passt, denn dann wäre sie nicht unsere Einheit. Wie geht dies aber überein mit der Tatsache, dass in der Vergangenheit Dinge geschehen sind, die besser nicht zu uns gehören? Abspalten können wir sie nicht ohne Weiteres, denn dann würden wir uns als Einheit verleugnen. Klar, wir versuchen nicht unbedingt an diese Ereignisse zu denken. Was ist aber, wenn eine ganze Kindheit nicht mehr zu einem Menschen gehören kann, weil diese von Grausamkeit durchsetzt war? Wie sollte dieser sich als Identität fassen, wenn er jeden Sonntag missbraucht worden ist oder noch schlimmer, wenn er jeden Tag die grausamsten Taten hätte erleben müssen? Die Erfahrung als Einheit erfährt hier die tiefste Erschütterung. Das, was uns mit uns verbindet – Einheit – ist empfindlich geschädigt.</p>
<p>Die Unterstellung der Identität, das heißt die Unterstellung von Weltzusammenhang kann nicht ohne Weiteres für diesen Betroffenen gelöst werden. Wie sollte nun Sophie Stein den Blick zurück überhaupt wagen können, ohne daran zu zerbrechen? Es erscheint mir daher äußerst plausibel, dass die Symptome der multiplen Persönlichkeit erst innerhalb der Behandlung vollends zur Reifung kommen können. Angelegt ist ein splitternder Fels der eigenen Biografie, der durch Spiegelbruchstücke des verletzten Selbst betrachtet immer nur Verwirrung und die tiefsten Selbstzweifel auslöst. Mit der Verteilung der Ereignisse aber auf verschiedene empirische Aktzentren und der Reinterpretation als vollständige Persönlichkeiten wäre einiges gelöst und überhaupt Persönlichkeit vorerst gewonnen. Der Schritt der Persönlichkeiten aufeinander in einer Therapie müsste folgen (Ich sage das natürlich ohne therapeutische Erfahrung und ohne Idee wie eine Therapie überhaupt abläuft. Ich bitte darum mir dieses nachzusehen.)</p>
<p><strong>Die Gegenhypothese: Persönlichkeiten, die vollends schon immer da waren</strong></p>
<p>Nun ist meine Darstellung natürlich keinesfalls empirisch angewandt, sondern eine Überlegung zu den vermuteten Fehldiagnosen „multiple Persönlichkeit”. Ich lasse mich hier von groben, philosophischen Intuitionen zum Selbstsein der auf Hegel folgenden Anthropologien leiten. Demnach ist es schlussendlich Ziel eines jeden, sich als Selbst überhaupt erst zu gewinnen, denn Ich bin nicht immer schon da oder wie Sartre es gerne formuliert: Die Existenz (also das Selbstsein), geht der Essenz (dem faktischen Selbstsein als Körper und als einheitlicher Zusammenhang in der Zeit) voraus. Um sinngemäß mit den Worten von Peter Sloterdijk zu sprechen: Das zur Welt kommen, hört nicht schon mit dem biologischen zur Welt kommen auf, sondern das Zur-Welt-Kommen vollzieht sich einzig in der Identitätsbildung.</p>
<p>Michaela Huber vertritt hier offenbar einen anderen Ansatz. In einem Vortrag beschreibt sie ein Kind, dass auf die äußerst sadistische Gewalt ihres Peinigers  mit einer Aufteilung der Persönlichkeit reagiert. Die nächtlichen Vergewaltigung führten irgendwann dazu, dass es „hinausflog in den Sternenhimmel“. Da die Gewalt kein Ende nahm spaltete sich das Kind immer weiter, „bis die einzelnen Anteile wie die Eisschollen auseinandertrieben, über den Horizont der Wahrnehmung hinaus, und sich in manchmal freundliche und vertraute, manchmal feindselige oder völlig unbekannt erscheinende Gestalten verwandelte.“ (zitiert nach <a href="http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Michaela_Huber_berichtet_von_der_6._internationalen_Tagung_der_Deutschsprachigen_Sektion_der_ISSD_-_International_Society_for_the_Study_of_Dissociation_-_3._und_4._November_2006.html" target="_blank">http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Michaela_Huber_berichtet_von_der_6._internationalen_Tagung_der_Deutschsprachigen_Sektion_der_ISSD_-_International_Society_for_the_Study_of_Dissociation_-_3._und_4._November_2006.html </a>– Ich habe noch keine Primärquelle zur Hand. Dies folgt allerdings noch). Offensichtlich geht Huber davon aus, dass die multiple Persönlichkeitsstörung schon vor der Therapie oder Entdeckung durch die Betroffene selbst existiert. Nach meinem Wissensstand – wobei ich nochmals betonen möchte, dass ich ein Laie bin – erscheint mir jedoch die These plausibler, dass im Nachhinein eine unglaubliche Identifikationsleistung seitens der Betroffenen stattfindet, so dass es den Anschein hat, dass der Therapeut die multiple Persönlichkeit induziert hat.</p>
<p>Insofern wir nun aber beide Perspektiven (die von Füllgrabe und Huber) unterscheiden, so ergibt sich für mich auch bei Füllgrabe keine Alternative zur multiplen Persönlichkeit. Es ist die Fähigkeit mit der Grausamkeit in einem Leben ein kontrolliertes Leben führen zu können. Hier lässt sich auch noch mal der gravierende Unterschied zur Schizophrenie erkennen. Die Dissoziation erfolgt, um überhaupt ein Leben nach diesen schwerwiegenden Ereignissen führen zu können; es ist eine kognitive Lebensleistung, während mir eine Schizophrenie als Wahnvorstellung eher als organisch-bedingt erscheint.<br />
<strong><br />
Schauspieler der multiplen Persönlichkeit</strong></p>
<p>Zu der Unterstellung der Schauspielerei muss noch einiges gesagt werden, denn genau verstehe ich den Einwand nicht. Es kann zwar durchaus sein, dass Straftäter versuchen durch Vorgabe dieses Phänomens „Multipler Persönlichkeit“ als unzurechnungsfähig beurteilt zu werden, dennoch ist mir nicht klar, ob dies als eine pauschale Unterstellung an alle Verdachtsfälle von multipler Persönlichkeit gelten soll. Als ich Sophie Stein zu dem Schauspielereieinwand befragte, entgegnete sie, dass sie dann schön doof wäre, dass sie sich zur Darstellerin einer multiplen Persönlichkeit entschieden hätte, anstatt mit diesem Talent gleich zum Fernsehen zu gehen. Ich interpretiere die Sache hier daher in ihrem Sinne etwas anders. Es geht wohl eher um die Frage, wie Schauspieler gut spielen können. Dafür können sie dissoziieren, weil sie so vielleicht besser Momente anderer Personen imitieren können. Das heißt im gewissen Sinne erschaffen Schauspieler sich schwache Formen einer multiplen Persönlichkeit. Das heißt nun aber nicht, dass Sophie Stein eine Schauspielerin ist, sondern, dass sie offensichtlich zur Identitätsbildung in Bezug auf ihre Vergangenheit auf ähnliche Fähigkeiten wie Schauspieler hier allerdings als Schutzfunktionen zurückgreift, wobei sie bei der Ausprägung ihrer Dissoziation einheitliche Personen erzeugen kann, was eine Leistung ist und mehr als nur Schauspiel.</p>
<p>Zu den Personen ist ja auch hinzuzufügen, dass sie nicht permanent die anderen Personen ist. Beispielsweise schläft sie auch oder Personen übernehmen verschiedene Routinetätigkeiten wie putzen oder den Mailordner aufräumen. Das hier als lebensnotwendige Schauspielleistung zu interpretieren, die bei weitem das Können eines Schauspielers auf der Bühne übersteigt, halte ich somit nicht für verkehrt. „Person“ heißt im Übrigen durch etwas hindurch Tönen – per sonare – und stand in der Antike noch für die Maske. Es charakterisierte den Schauspieler tatsächlich, war aber zugleich immer die Funktion, die wir im Alltag übernehmen. Und Sophie Stein übernimmt diese Personen im existentiellsten Sinne zum Überleben.  Wenn nun diese Personen in ihr ihre Abwesenheit als Aufenthalt in gelben oder grünen Zimmern beschreiben, so kann auch dies wieder als Leistung ihrer dissozierenden Fähigkeit interpretiert werden. Die einzelnen Persönlichkeitsmomente interpretiert sie selbst als Einheit, die nun mal ohne Daseinslücken existieren müssen und so erzeugen sie Vorstellungen von imaginären inneren Räumen. Interessant wäre es an dieser Stelle gewesen, hätte ich in den Interviews an diesen Stellen Fragen zur Zeitwahrnehmung in diesen Zimmern gestellt, denn hier wäre sogleich eine empirische Überprüfung dieser These möglich gewesen.</p>
<p><strong>Schluss</strong></p>
<p>Mit dem Dargestellten glaube ich nun, die Kontroverse  um die Echtheit von multiplen Persönlichkeiten eher angeheizt als entlastet zu haben, möchte aber hinzufügen, dass ich Sophie Stein so weit vertraue, dass ich mir ihr Verhalten unter dem groben Konzept „multiple Persönlichkeit“ am ehesten erklären kann, als unter Konzepten von Induzierung, Einbildung oder Schauspielerei. Was mir vollkommen absonderlich erscheint, ist im übrigen diese Schauspielerhypothese, wenn sie denn nicht existentiell interpretiert wird.</p>
<p>In Zukunft werde ich auch Interviews mit den verschiedenen Persönlichkeiten Sophie Steins zur Verfügung stellen. Ich möchte dabei betonen, dass es hier nicht meine Aufgabe ist, Sophie Stein als multiple Persönlichkeit zu interviewen, sondern dass es hier um die Veröffentlichung einer Fallgeschichte geht, die auf unsere Gesellschaft zurückverweist. Das Faszinosum „Multiple Persönlichkeit“ wird bald hinter den Geschichten, die sie geprägt haben, verschwinden und die Frage nach einer gewaltlosen Gesellschaft in den Mittelpunkt rücken. Natürlich verbleibt aber das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“ für das ich kein Experte sein muss, da ich keinerlei therapeutische oder diagnostische Absichten habe.</p>
<p><strong>Interview mit einer Innenperson von Sophie Stein</strong></p>
<p>In den letzten beiden Interviews ging es um das Phänomen der multiplen Persönlichkeit. In diesem Beitrag geht es um eine Geschichte, die hinter diesem Phänomen der multiplen Persönlichkeit steckt. Jede Persönlichkeit von Sophie Stein hat einen eigenen Handlungs- und Erinnerungsradius, den sie, Sophie Stein, selbst als eigenständige Persönlichkeit erlebt. Jede dieser 377 Persönlichkeiten hat eine eigene Geschichte, die grausame Schicksale offenbaren. Es muss darüber gesprochen werden. Es geht darum das Leid der Betroffenen im Fokus der Öffentlichkeit zu halten, damit es nicht wie viele andere Themen im Hintergrund verschwindet und die Täterkreise weiter wirken können. Es muss auch normal sein, dass Betroffene sich äußern können, ohne Repressionen zu befürchten. Dies ist leider in vielen Fällen keine Realität und kann nur durch breite Aufklärung abgeändert werden. Zumindest gehört Mut dazu, sich öffentlich zu Wort zu melden wie es Sophie Stein oder Norbert Denef tun und wir können nur hoffen, dass die breite Front der Betroffenen sich schließt und die Politik zu aktiverem Handeln zwingt. Eines der wirksamsten Mittel gegen die Täter ist Öffentlichkeit.</p>
<p>Im Folgenden sehen wir, wie ich mich kurz mit Michi, einer Innenperson von Sophie Stein unterhalte. Michi berichtet von einem der Vorfälle, die Sophie Stein als Gesamtperson in der Kindheit zugestoßen<br />
sind.</p>
<p><iframe width="480" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/qFUw5Ry_ojY" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Wir können immer noch fragen, warum kann die Politik die Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch nicht aufheben? In Anbetracht der massiven Folgen für die Betroffenen wie kann es sein, dass solche Straftaten irgendwann nicht mehr verfolgt werden?</p>
<p>Ich möchte darum bitten, sich dieser Öffentlichkeit anzuschließen. Bei bis zu 12 Millionen Betroffenen ist jeder betroffen. <a href="https://www.taz.de/zeitung/tazinfo/panterpreis/wahl/">Bitte stimmt beim TAZ-Panter-Preis  ab für Norbert Denef sein zu solcherlei Zwecken gegründetes netzwerkB.</a></p>
<p>Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, insofern Sie mehr erfahren möchten, sei wiederum auf die Seite von Sophie Stein verwiesen (<a href="http://www.flugbegleitung.blogspot.com/" target="_blank">www.flugbegleitung.blogspot.com</a>) sowie auf die Seite von netzwerkB (<a href="http://www.netzwerkb.org/" target="_blank">www.netzwerkb.org</a>), wo ich als Beirat tätig bin und wo das breite Themengebiet der sexualisierten Gewalt von vielen Seiten beleuchtet wird und sich eine erste Anlaufstelle für Betroffene eröffnet. Nach wie vor würde ich mich freuen, wenn sie diesen Blog abonnieren.</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">http://www.entgrenzen.de</a></p>
<p>Mehr auf netzwerkB</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/08/08/die-grenzen-des-ichs-%e2%80%93-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">Die Grenzen des Ichs – Philosophie und multiple Persönlichkeit (Teil 1)<br />
</a></p>

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		<title>Die Grenzen des Ichs – Philosophie und multiple Persönlichkeit (Teil 1)</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/08/08/die-grenzen-des-ichs-%e2%80%93-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 14:05:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[netzwerkB 8.08.2011 von Norman Schultz Multiple Persönlichkeiten bilden Grenzen der Erfahrung. Jede Persönlichkeit formiert einen eigenen Erfahrungsherd von grausamen Geschichten und umschließt diese Geschichten mit einer eigenständigen Ich-Wahrnehmung. Die vollständige Einheit der Person konnten die verschiedenen Persönlichkeiten nicht mehr zulassen und so wird ein Ich zum Land angrenzender Persönlichkeiten. Aufgrund der Erniedrigung als Ding von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>netzwerkB 8.08.2011</p>
<p>von <a href="http://www.entgrenzen.de/" target="_blank">Norman Schultz</a></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziative_Identit%C3%A4tsst%C3%B6rung" target="_blank">Multiple Persönlichkeiten</a> bilden Grenzen der Erfahrung. Jede Persönlichkeit formiert einen eigenen Erfahrungsherd von grausamen Geschichten und umschließt diese Geschichten mit einer eigenständigen Ich-Wahrnehmung. Die vollständige Einheit der Person konnten die verschiedenen Persönlichkeiten nicht mehr zulassen und so wird ein Ich zum Land angrenzender Persönlichkeiten. Aufgrund der Erniedrigung als Ding von skrupellosen Tätern muss ein Kern dieser Person geschützt werden.<span id="more-8901"></span></p>
<p>Unter der Zusammenballung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale formieren sich multiple Persönlichkeiten um eine Frage: Wie kann ein Mensch leben, wenn das Grausame immer zur eigenen Geschichte gehört? Geschichten von Persönlichkeiten einer multiplen Persönlichkeit sind somit immer auch Schutzgeschichten.</p>
<p><strong>Die Fähigkeit: Multiple Persönlichkeit</strong></p>
<p>Multiple Persönlichkeiten sind keine Launen der Natur. Zwar kann die so genannte dissoziative Persönlichkeitsstörung als Fähigkeit verstanden werden, da nur wenige Opfer brutaler, sexualisierter Gewalt die Grenzen der Schicksalsereignisse als Personen in sich ziehen, das heißt multiple Persönlichkeit werden, aber doch bilden sich multiple Persönlichkeiten, weil unsere Gesellschaft Abgründe der Unmenschlichkeit in sich trägt und nicht weil zufällig jemand mit dieser Eigenart ausgestattet ist. Die multiple Persönlichkeit wird aus der menschlichen Grausamkeit anderen ihr Selbst als unregierbar zuzugestehen geboren. Multiple Persönlichkeiten sind Kinder, die irgendwann zu vielen werden, weil sie nicht mehr aushalten können, was andere ihnen zumuten. Wie aber kann das Phänomen “Multiple Persönlichkeit” verstanden werden? Es ist natürlich ein interessantes Phänomen und steht für die Leistung und Kraft der menschlichen Seele. Es ist ein <a href="http://www.wicker-klinik.de/multiple-persoenlichkeit.html" target="_blank">Überlebensmechanismus</a>, um die eine Seelenkraft zu schützen, der als Schutzmechanismus dennoch faszinierend wirkt.</p>
<p><strong>Fasziniation: Multiple Persönlichkeit</strong></p>
<p>Auch wenn wir selbst zwar verschiedene Stimmung repräsentieren und verschiedene Rollen im Alltag übernehmen, so verteilen sich diese Rollen in einer multiplen Persönlichkeit auf verschiedene Ich-Kerne, die alle zugleich repräsentiert sein können. Wenig ist über dieses “Krankheits”-Bild erforscht (ich betrachte es weniger als Krankheit, denn mehr als Fähigkeit, die eher die Krankheit unserer Gesellschaft repräsentiert. Die Erscheinung der multiplen Persönlichkeit ist keine Erkrankung einer Person, sondern ein Schutzmechanismus gegenüber einer kranken Gesellschaft). Wenig ist darüber erforscht, da diese Phänomene lange Zeit verleugnet worden sind. Über die Gründe lässt sich spekulieren, wohl aber spielte auch die Verdrängung der Gesellschaft ein Rolle, da multiple Persönlichkeiten immer viele grausame Geschichten in sich tragen, die von unserer Gesellschaft noch tabuisiert werden.</p>
<p>Ich durfte nun eine multiple Persönlichkeit interviewen und möchte in dieser Folge verschiedene Interviews veröffentlichen, wo verschiedene Themenbereiche aufgegriffen werden. Nicht immer wird es leicht sein zu folgen, da schwer nachzuvollziehende Taten dargestellt werden müssen. Sie müssen dargestellt werden, nicht etwa um Sensationsdrang zu befriedigen, sondern um noch schweigende Betroffene zu ermutigen, sich zu äußern, und um andererseits Täterprofile und Täterkreise zu enthüllen. Zunächst aber nähern wir uns “nur” dem Phänomen “multiple Persönlichkeit” an.<br />
<iframe width="480" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/dWIPWvzlJdk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe><br />
<strong><br />
Der Philosophie und die multiple Persönlichkeit</strong></p>
<p>Ergänzend zu den Interviews möchte ich noch einige Überlegungen im Rahmen der Philosophie anschließen, denn es stellen sich hier durchaus einige philosophische Fragen. Hier spielt insbesondere das Ich als philosophische Idee der Einheit eine Rolle. Diese Einheit versucht jeder seinem Leben zu geben, bei multiplen Persönlichkeiten ist diese Frage aber akuter als bei ungehemmten Personen.</p>
<p><strong>Die Philosophie entdeckt die Grenzen des Ichs</strong></p>
<p>Die Entdeckung des Ichs war eine der größten Errungenschaften der Philosophie. In der Antike galt der Philosophie die Welt als eine offenbarte Wirklichkeit, die in ein Subjekt hemmungslos hineinströmte. Erst mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft" target="_blank">Änderung der Denkungsart</a> (wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant" target="_blank">Kant</a> es einst bezeichnete) rückte das Subjekt als Grenze der Welt in den Mittelpunkt. Die offenbarte Welt konnte nicht mehr ohne Subjekt wahr sein. Das Subjekt erstellt nach seiner Persönlichkeitsstruktur Interpretationen von der Welt. Kant bezeichnete diesen Wandel in Anlehnung an die Revolution in der Astronomie als <a href="http://www.julsho.de/kant.htm" target="_blank">kopernikanische Wende</a>. Gleichsam die Planetenbahnen als um die Sonne kreisend einfacher zu denken waren, versuchte Kant das Erkenntnisproblem, mit dem nicht voran zu kommen war, aus dem Ich heraus zu klären. Die Erkenntnisse richten sich nicht nach der Welt, sondern nach der Struktur des Subjekts. Die Erkenntnis von der Welt kreist demnach nach einheitlichen Kräften, um ein Subjekt. Erfahrungserkenntnisse (genauer Interpretation des in der Welt Gegebenen) waren nur möglich, wenn ein gleichsam nicht empirisches Ich, sondern ein immer schon vorausgesetztes Ich als Identität Weltzusammenhang stiftete. Dieses versuchte Kant mit einigen artistischen (aber notwendigen) Kunstgriffen zu zeigen. Die Idee des Ichs war in der Philosophie nunmehr in ihrer Gänze geboren.</p>
<p><strong>Die Grenzen meines Ichs Jetzt</strong></p>
<p>Unbemerkt eröffnete Kant damit die Frage nach der <a href="http://www.psychologische-praxis.rielaender.de/Literatur/Person_als_Subjekt.pdf" target="_blank">Einheit der Person</a>. Sind wir nur die zusammengesetzten Persönlichkeiten unserer Erfahrung oder sind wir eine übergreifende Identität? Zerfallen wir in die verschiedenen Momente unseres empirischen Daseins? Bin ich jetzt ein anderer als mit drei Jahren oder als noch vor drei Minuten? Bin ich verantwortlich für mein zukünftiges Ich? Habe ich Pflichten gegen mich selbst? Wie kann ich mich aus der Vergangenheit mit meinen Fehlern übernehmen? Und wie kann ich jemals Schmerz vergessen, wenn er doch einst so akut war? Bei multiplen Persönlichkeiten stellen sich diese Frage nach der Einheit drängender als bei uns von ungehemmt Einheitlichen. Die Frage, wo der schwingungslose Ruhepunkt ist, stellt sich in der Biografie einer verletzten und verdrängten Seele früher als bei Menschen, denen nur weniges widerfahren ist. Multiple Persönlichkeiten müssen den Zwiespalt als empirisches Ich mit sich austragen und sind auf der Suche nach der ruhenden Seele, die unverrückbar in ihnen wie ein Fels steht, irgendwo steht. Der innere Stein, ein Findling, der sie selbst sind, dahingestellt ohne weltlich interpretierbare Bedeutung, wird ihnen allerdings verwehrt, da sie sich in tragischen Ereignissen, in denen sie als Ding behandelt worden sind, als andere verloren haben. Der Seelenstein ist zersplittert in viele empirische Ich-momente. Verlieren sich multiple Persönlichkeiten als empirische Teilhaftigkeit an die Welt? Vielleicht. Wo ist der Bezug aller ihrer Person auf das Eine zurück? Die Philosophie der verschiedenen Daseinsmomente gerät hier zu einem plastisch beobachtbaren Spiel der verschiedenen Persönlichkeiten, die alle den Anspruch auf Individualität besitzen, aber zugleich auch auf sich als Viele zurückbezogen sind.  ”Wir sind Viele” sagt Sophie Stein und dennoch zeigen sich verschiedene Hierarchien und Stufungen der Persönlichkeiten. So wissen einige Persönlichkeiten alles, während andere nur ganz begrenzte Räume zur Verfügung haben. Einige können stärker kontrollieren und es gibt Hauptpersonen als auch Personen, die weniger in diese Welt drängen. Da jede multiple Persönlichkeit anders ist, lässt sich hier natürlich nur schwerlich verallgemeinern, eines kann aber festgestellt werden, multiple Persönlichkeiten verstehen sich alle als ein Erfahrungszusammenhang, zumindest in der Art, wie sich selbst suchen. Diese Suche aber besteht in der Suche nach der Einheit, die durch die Spaltung gerettet werden sollte und nun unter allen Selbsterfahrungen heilig vergraben und verborgen ist.</p>
<p>Soviel erstmal dazu. In der nächsten Zeit werde ich hierzu mehr veröffentlichen. Es gibt die Möglichkeit, diesen Blog mit den Abomöglichkeiten rechts zu verfolgen. Ich werde allerdings auch andere Themenbereiche posten. Dann gibt es noch die Möglichkeit, nur den Youtubekanal zu verfolgen, wo ich demnächst nur diese Videos posten werde. Darüberhinaus kann auch der Blog von Sophie Stein aufgesucht werden (<a href="http://www.flugbegleitung.blogspot.com/" target="_blank">www.flugbegleitung.blogspot.com</a>). Um sich über die Hintergründe der sexualisierten Gewalt zu informieren, soll auf <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/www.netzwerkb.org" target="_blank">www.netzwerkB.org</a> verwiesen soll, wo ich als Beirat tätig bin.</p>
<p>Bis hierhin erstmal Norman Schultz</p>
<p>P.S. Insofern jemand noch bestimmte Begriffe mit seinem Blog inhaltlich verlinkt haben möchte, so kann er sich bei mir melden. Für multiple Persönlichkeiten bietet der Blog von Sophie Stein mit Sicherheit eine gute Anlaufadresse.</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">http://www.entgrenzen.de</a></p>
<p>Mehr auf netzwerkB</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/08/11/multiple-personlichkeit-als-fahigkeit-des-selbstseins-grenzen-des-ichs-philosophische-betrachtung/" target="_blank">Multiple Persönlichkeit als Fähigkeit des Selbstseins/ Grenzen des Ichs (philosophische Betrachtung)<br />
</a></p>

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		<title>Stoppt Verjährungsgesetze, Stoppt Tätervorteile!</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/08/05/stoppt-verjahrungsgesetze-stoppt-tatervorteile/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 12:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Guten Tag, mein Name ist Thomas Paschen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr diese Paar Minuten kurz aufbringen könntet und mir einen Moment zuhört&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Guten Tag, mein Name ist Thomas Paschen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr diese Paar Minuten kurz aufbringen könntet und mir einen Moment zuhört&#8230;</p>

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		<title>Die evangelische Kirche ist nicht besser!</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/07/27/die-evangelische-kirche-ist-nicht-besser/</link>
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		<pubDate>Wed, 27 Jul 2011 06:15:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Aufgewühlt durch die Geschichte von Kerstin F. (die evangelische Kirche verschleppte ihre Beschwerde so dass die Verjährung eintrat) möchte ich von meinen eigenen Erfahrungen mit der evangelischen Kirche und deren Umgang mit mir als Betroffener berichten. Ich wandte mich mit meiner Beschwerde über die (juristisch bereits verjährten) Verbrechen eines evangelischen Pfarrers an mir zunächst an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aufgewühlt durch die Geschichte von Kerstin F. (die evangelische Kirche verschleppte ihre Beschwerde so dass die Verjährung eintrat) möchte ich von meinen eigenen Erfahrungen mit der evangelischen Kirche und deren Umgang mit mir als Betroffener berichten. <span id="more-8659"></span></p>
<p>Ich wandte mich mit meiner Beschwerde über die (juristisch bereits verjährten) Verbrechen eines evangelischen Pfarrers an mir zunächst an die zuständige Mitarbeiterin der ev. Landeskirche. Diese zeigte sich verständnisvoll. Dann besuchte mich eine Oberkirchenrätin, die keinerlei Erfahrung im Umgang mit Betroffenen hatte und auch eigentlich nicht befugt war, aber dennoch geschickt wurde, weil sie gerade in meiner Stadt war. Nachdem ich ihr meine Geschichte erzählt hatte, bemerkte sie u.a. dass ich damit rechnen müsse als Lügnerin bezeichnet zu werden, falls der Täter die Verbrechen leugnet. Äh, wie bitte? Die Kirche hatte noch kein Gespräch mit dem Pfarrer geführt! Diese Bemerkung war wirklich unverschämt und retraumatisierte mich enorm.</p>
<p>Dann folgte das Gespräch der Kirche mit dem Täter-Pfarrer, der – wie zu erwarten war- seine Verbrechen leugnete. Ab diesem Zeitpunkt erhielt ich von der Kirche nur noch wenige und sehr einsilbige Antworten. Daß das Verfahren gegen den Täter dann eingestellt (bzw. gar nicht erst aufgenommen) wurde erfuhr ich erst nach Monaten und auch nur auf Nachfrage.</p>
<p>Die Kirche war und ist befugt sämtliche Unterlagen, die ich ihr geschickt hatte, u.a. die (von der Kirche verlangte) genaue Schilderung der Taten an den Täter weiterzuleiten. Dies nutzte der Täter als Steilvorlage für eine – erfolgreiche &#8211; Unterlassungsklage. Kirche und Opferschutz? Geht niemals zusammen. In diesem Fall: Kirche und Staat kontra Opferschutz.</p>
<p>Gelackmeiert ist in jedem Fall der/die Betroffene, der/die den Mut gefunden hat, sich zu beschweren. Ich wäre nicht auf den Gedanken gekommen, solch einen Schritt juristisch abzuklären, aber es wäre wirklich besser gewesen. Ich war geblendet durch diverse Leitfäden für den Umgang der evangelischen Landeskirchen mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt, die ich naiv für bare Münze hielt. Sie gelten evtl. für Betroffene von außerkirchlichen Tätern, die sich an die Kirche als Seelsorgestation wenden. Doch sie gelten nach meiner Erfahrung nicht für Opfer von Geistlichen eben derselben Kirche. Besonders dann nicht, wenn das Opfer noch das leibliche Kind dieses Geistlichen ist. Eine derartige Beschwerde ist ein doppelter Tabubruch!</p>
<p>Daß evangelische Pfarrer Familie haben können ist meiner Ansicht nach auch der Grund, warum in der Öffentlichkeit mehr katholische Priester als Täter bekannt werden als evangelische. Hauptopfer von evangelischen Pfarrern sind die eigenen Kinder und diese fallen in den großen Bereich der familiären Opfer und damit in den großen Dunkelbereich. Das schützt die evangelische Kirche. Doch ihre Geistlichen sind nicht weniger häufig Täter als ihre katholischen Kollegen. Die Verbrechen der evangelischen Pfarrer werden nur aus o.g. Grund seltener aufgedeckt.</p>
<p>Gertrud P.</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Warum Verjährung für Straftaten sexualisierter Gewalt gegen Kinder substantiell ungerecht ist.</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/07/09/warum-verjahrung-fur-straftaten-sexualisierter-gewalt-gegen-kinder-substantiell-ungerecht-ist/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 08:52:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Entschädigung]]></category>
		<category><![CDATA[– Politik]]></category>
		<category><![CDATA[– Thesen]]></category>
		<category><![CDATA[– Verjährungsfrist]]></category>

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		<description><![CDATA[netzwerkB 9.07.2011 Kommentar von Norman Schultz Warum Verjährung für Straftaten sexualisierter Gewalt gegen Kinder substantiell ungerecht ist. Opfer frühkindlicher sexualisierter Gewalt können oftmals vor Gericht nicht klagen. Da sie die traumatischen Ereignisse in vielen Fällen über Jahrzehnte verdrängt haben, gelten die Taten in den meisten Fällen für die Strafverfolgung als verjährt. Natürlich spielen bei den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>netzwerkB 9.07.2011</p>
<p>Kommentar von <a href="http://limits-of-human-nature.blogspot.com/" target="_blank">Norman Schultz</a></p>
<p><strong>Warum Verjährung für Straftaten sexualisierter Gewalt gegen Kinder substantiell ungerecht ist.</strong></p>
<p>Opfer frühkindlicher sexualisierter Gewalt können oftmals vor Gericht nicht klagen. Da sie die traumatischen Ereignisse in vielen Fällen über Jahrzehnte verdrängt haben, gelten die Taten in den meisten Fällen für die Strafverfolgung als verjährt.<span id="more-8406"></span> Natürlich spielen bei den Opfern auch Entschädigungen und Therapiekosten eine Rolle, worum es aber in einem weitaus größeren Rahmen geht, ist, ein erfahrenes Leid thematisieren zu dürfen und dieses vor der Gesellschaft. Genau diese Möglichkeit spricht ihnen aber unser Rechtsstaat ab, in der Art wie die Verjährungsfrist für solcherlei Fälle angesetzt ist. Auch wenn die Argumentation lautet, dass wir mit einer Flut von Klagen rechnen müssten oder dass die Beweisaufnahme nach 40 Jahren schwierig sei, muss jedoch unser Rechtsstaat dieses Recht prinzipiell einräumen, um überhaupt gerecht zu sein. Es geht hier also nicht um dieses oder jenes Opfer, sondern um die Frage, ob wir in einer gerechten Gesellschaft überhaupt leben wollen. Wenn wir dieses wollen, so führt kein Weg daran vorbei, den Opfern auch diese Gerechtigkeit im weitesten Rahmen zu gewähren. Um dieses aber genau zu klären, müssen wir auseinanderlegen, was Gerechtigkeit in den Fällen sexualisierter Gewalt eigentlich bedeutet.</p>
<p><strong>Gerechtigkeit als Moral </strong></p>
<p>Gerechtigkeit ist die Frage nach unserem sozialen Miteinander und so als das Moralische in unserer Gesellschaft zu verstehen. Die Frage nach Gerechtigkeit gibt es, so gefasst, nur zwischen Menschen, die miteinander leben wollen. Sie bezeichnet den moralischen Zustand, da alle unsere Interessen ihren Ausgleich finden und der Frieden in der Gesellschaft hergestellt worden ist. Es ist wichtig sich zu merken, dass ich diese Form der Gerechtigkeit als Ausgleichsgerechtigkeit bezeichnen werde, da es hier immer um den Ausgleich von Interessen geht. Es geht bei dieser Ausgleichsgerechtigkeit also nicht so sehr um die Frage, was überhaupt gerecht ist, sondern das vorrangige Ziel ist mit weitblickender Weisheit den Frieden im Staat zu sichern. Daher ist es auch möglich, dass wir einen Täter in seinen Freiheitsrechten einschränken, obwohl das Recht auf Freiheit als unveräußerliches Menschenrecht besteht.</p>
<p>Diese Argumentation wird meines Erachtens nun übertragen, um Verjährungsfristen zu rechtfertigen, da Verdächtige nicht auf alle Zeit verfolgt werden sollen und der Friede im gemeinschaftlichen Miteinander im Vordergrund stehe. Ich möchte allerdings argumentieren, dass dies keineswegs gerecht ist und den Frieden in unserer Gesellschaft nicht langfristig sichert, sondern hingegen ein Problem unausgesprochen lässt, womit viele Opfer ihr Leben lang zu kämpfen haben und die Freiheit des Opfers stärker angreifen als durch einen Prozess in die Freiheit eines Verdächtigen eingegriffen werden würde. Es geht hier in besonderer Weise um Über- und Eingriffe in das Werden einer Person, die erst ihre Freiheit gewinnen muss. Vergehen, die an Kindern begangen werden lassen aus diesem Grund keine Verjährungsfrist zu. Wir müssen uns daher für eine Abschaffung der Verjährungsfrist einsetzen, um langfristig die Rechte von Kindern zu sichern und nicht nur die Rechte der bereits Betroffenen. Dafür werde ich argumentieren.</p>
<p><strong>Gerechtigkeit als Bedingung für das eigene gute Leben (Ethik) </strong></p>
<p>Der Gerechtigkeitsbegriff ist nicht nur als Ausgleichsgerechtigkeit bestimmt, sondern auch in unserer ethischen Lebensweise angelegt. Das heißt: Wir werden kein lebenswertes Leben empfinden können, wenn wir nicht Gerechtigkeit in unserem Leben erfahren und gerecht handeln. Aber was heißt das? Ich gehe davon aus, dass wir uns nur als freie Person fühlen können, insofern wir uns in unserer Freiheit entfalten dürfen. Diese Entfaltungsfreiheit schließt das gegenseitige Verständnis mit ein, dieses auch einem anderen zu gewähren, so wie er es mir gewährt. Ausgleichsgerechtigkeit hat daher nicht ihre Legitimation im bloßen Ausgleich von angeblich objektiv materialen Interessen des Staates. Es geht nicht allein um den Frieden im Staat, sondern es geht mit dem Frieden im Staat um die Freiheit seiner Staatssubjekte überhaupt, die damit den Staat und die Ausgleichsgerechtigkeit erst legitimieren. Jedwede Form der Ausgleichsgerechtigkeit bezieht also ihre Legitimation erst daraus, dass Individuen sich gegenseitig als freie Personen anerkennen. Ein Staat ist daher nicht gerecht, weil er irgendeine Form der Ausgleichsgerechtigkeit praktiziert, sondern weil in diesem Staat durch die Anerkennung der Individuen untereinander die freie Ausgleichsgerechtigkeit als Ideal erst etabliert wird.</p>
<p>Diese Würde des Menschen, sich selbst als frei am anderen zu begreifen, ist Grundlage für jede Form von Gerechtigkeitsvorstellung überhaupt und ist damit die Grundgerechtigkeit. Gerechtigkeit heißt somit vor allem dies: Als freie Person anerkannt werden.</p>
<p>Wie aber wird man eine freie Person, die erst den Staat in seinem Auftrag zur Ausgleichsgerechtigkeit legitimiert? Durch Erziehung zur Freiheit. Kinder müssen daher in besonderer Weise geschützt sein, um später ihre Rolle als freie Person in der Gesellschaft wahren zu können. Werden sie in dieser Weise nicht geschützt, verspielt der Staat seine Legitimation selbst. Verbrechen, die sich also gegen die Freiheit der Kinder richten, sind zu gleich Verbrechen gegen die Grundfeste des Staates selbst und gegen alle Mitglieder seiner Gemeinschaft und verlangen daher besonderer Beachtung.</p>
<p><strong>Bestreitbarkeit von allgemeingültiger Gerechtigkeit</strong></p>
<p>Ausgleichsgerechtigkeitsbegriffe sind ihrer Natur nach umstritten, da diese Gerechtigkeitsbegriffe erst in Gesellschaften auf den Weg kommen. Zum Beispiel: Wie viele Jahre Freiheitsstrafe soll es für Steuerhinterziehung geben? Welche Strafen für Diebstahl? Wie hoch sollen Entschädigungen sein? Diese Fragen werden in verschiedenen Staaten moralisch verschiedentlich behandelt. Daher lautet die Behauptung Gerechtigkeit sei zurückgebunden an die jeweilige Gesellschaft und relativ. Eine pluralistische Moderne mag hier die Runde für den Debattierclub als eröffnet ansehen. Gerade im westlichen Staatsverständnis setzt sich die Forderung nach Ausgleich gleichberechtigter Interessen durch. Hierbei verliert unsere Gemeinschaft in vielen Fällen die Übersicht und vor allem den Blick auf das Individuum, das Ursprung dieser Ausgleichsgerechtigkeit ist. Dieses Individuum verliert im Theoriegebäude der Ausgleichsforderungen seinen Stellenwert. Erst dieses Individuum als freie Person aber fundiert doch mit allen anderen Individuen als freie Personen den Bezugsrahmen unter dem Ausgleichsgerechtigkeit erst möglich ist. Daher muss dieses Individuum bei jeder Ausgleichsgerechtigkeit besonders berücksichtigt werden und dieses gilt insbesondere bei Fällen sexualisierter Gewalt. Denn bei sexualisierter Gewalt steht weniger die Frage nach Ausgleich im Vordergrund, sondern die Frage nach Grundgerechtigkeit.</p>
<p><strong>Die Herausforderung sexualisierter Gewalt an unser Gerechtigkeitsverständnis</strong></p>
<p>Frühkindliche sexualisierte Gewalt fordert unser Verständnis von Ausgleichsgerechtigkeit aus vielerlei Gründen heraus, vor allem aber, da das Kind hier einer Grundfreiheit tiefgehend beraubt ist. Hier geht es nicht um zivilrechtlichen Ausgleich, denn die Waage der Justizia kann nicht mehr ins Lot gebracht werden.</p>
<p>Ich will das mal an Beispielen verdeutlichen:</p>
<p>Prämisse 1: Person A verprügelt Person B<br />
Prämisse 2: Person B verklagt Person A und erhält Recht. Person B erhält damit eine Entschädigungszahlung und Person A eine Haftstrafe.</p>
<p>Konklusion: Die Ausgleichsgerechtigkeit ist hergestellt.</p>
<p>Dieses Argument verkennt einen wichtigen Aspekt. Zwar ist Person B von Person A entschädigt worden, das heißt aber nicht, dass die etwaige Demütigung und die Folgen für die Psyche von Person B beseitigt worden sind. Im Falle des Kindermissbrauchs wird das deutlicher:</p>
<p>Prämisse 1: Person A missbraucht Person B sexuell.</p>
<p>Prämisse 2: Person B verklagt Person A und erhält Recht. Person B erhält damit eine Entschädigungszahlung und Person A eine Haftstrafe.</p>
<p>Konklusion: ?</p>
<p>Warum zögern wir hier davon zu sprechen, dass Gerechtigkeit wiederhergestellt worden ist? Weil wir davon ausgehen, dass hier nicht nur irgendeine Form des gerechten Zusammenlebens verletzt worden ist, sondern die Gerechtigkeit überhaupt. Wir glauben, dass hier die Gerechtigkeit, die die Grundlage für uns als freie Personen ausmacht, verletzt worden ist. Was in Beispiel I nur diffus sichtbar war, erscheint uns in Fällen sexualisierter Gewalt als offensichtlich.</p>
<p>Im Falle der frühkindlichen, sexualisierten Gewalt nimmt der Täter das Opfer nicht mehr im Rahmen der persönlichen Freiheitsrechte wahr und schädigt dieses Opfer dabei so nachhaltig, dass in den meisten Fällen Wiedergutmachung einfach nicht zu leisten ist. In diesem Sinne ist die Frage nach Gerechtigkeit keine Frage mehr, die sich auf materiale Entschädigung bezieht, die vielleicht nach einem Verständnis von Ausgleichsgerechtigkeit verhandelbar wäre. Ausgleichsgerechtigkeit kann hier nicht mehr walten, da das Opfers selbst so massiv in seiner Integrität beschädigt worden ist, so dass anscheinend nichts dieses mehr zurücknehmen kann.</p>
<p><strong>Die Verunmöglichung der Freiheit bei sexualisierter Gewalt</strong></p>
<p>Um es klarer zu sagen: Der Täter schädigt das Opfer nicht nur in dem Moment der Tat mit vielleicht physischen Verletzungen, sondern greift tief in die Entwicklung zu einer freien Persönlichkeit ein. Freie Persönlichkeitsentfaltung ist aber Voraussetzung dafür, dass Ausgleichsgerechtigkeit überhaupt ihre Grundlage findet.</p>
<p>Was wir als physischen Vorgang beobachten, bedeutet den Schrecken erst auf der psychischen Ebene, deren Dimension wir nur in Gesprächen erfahren, aber niemals vollends erfassen können und nicht nach Fragen der Ausgleichsgerechtigkeit abhandeln können. Der Täter zerstört den Bezugsrahmen für eine gesunde Psyche womöglich unwiderruflich, da er das Opfer zwar &#8220;nur&#8221; in seiner Physis attakiert, darüberhinaus aber viel stärker in seiner freiheitlichen Selbstbestimmung zum Objekt degradiert. Diese Demütigung ist so einschneidend, da das, was uns als Menschen ausmacht, nämlich unsere persönliche Freiheit, in einem Stadium übergangen wird, da diese sich erst entwickelt. Unser Körper, den wir immer selbst besitzen, aber dem wir zugleich auch ausgeliefert sind, wird bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder nur auf das reine Körpersein reduziert und das, was wir vielleicht als Seele in Form unserer freien Selbstbestimmung bezeichnen können, wird somit so stark mit den erzwungenen sexuellen Handlungen verdinglicht, dass ein Entfremdungseffekt beim Opfer zu sich selbst seinen Ursprung nehmen muss. Das heißt das Opfer kann sich nicht mehr so leicht in seiner Freiheit begreifen und wird biographisch immer auf seine Geschichte als Opfer zurückbezogen sein.</p>
<p>Das ist natürlich keine Psychologie, die ich hier beschreibe, sondern nur die Analyse unseres Verständnisses von freien Personen. Was sind die Grundvoraussetzungen dafür, dass ein Mensch sich als vollwertige Persönlichkeit unserer Gesellschaft mit aller Selbstgewissheit erfahren kann? Hierzu gehört unweigerlich, die Anerkennung und Einbeziehung als freie Person in diese Gemeinschaft. Dieses aber wird der sich entwickelten Persönlichkeit verwehrt.</p>
<p>Unser Selbstverständnis müssen wir in Auseinandersetzung mit der Welt gewinnen, wenn wir im Falle der sexualisierten Gewalt aber als Gegenstand in der Welt zur Welt nur noch in dieser Weise dazugenommen werden, so ist der Zugang zur Welt als solcher durch allerlei Hindernisse verstellt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Täter sein Opfer nicht nur als Gegenstand behandelt, sondern noch als Person mit Freiheit, die er zum Gegenstand degradieren kann. Warum muss er denn einen Menschen wählen? Es geht also nicht rein um Befriedigung der Sexualität, sondern dem Täter geht es selbst immer schon um den Angriff auf die Freiheit des Menschen überhaupt. Es muss doch klar sein, dass die Schuld nicht beim Opfer liegt, daher kann nur ein hemmungsloser Sexualdrang, der in Bezug auf die Degradierung der Freiheit eines anderen ausgeübt wird, das Motiv sein. Dieses Motiv aber ist damit nicht nur ein Angriff auf eine andere Person, das Tätermotiv ist bestimmt durch eine tiefgreifende Ablehnung gegenüber eines Prinzips, das unseren Staat erst ausmacht. Die Dimensionen sind hier also begrifflich noch in vielfältiger Weise zu erweitern und zu durchdenken, wichtig aber ist, dass der Täter das Opfer so schädigt, dass keine Ausgleichsgerechtigkeit mehr geschehen kann, da niemand dem Opfer seine freie Persönlichkeitsentfaltung zurückgeben kann und das Opfer sich immer nur unter dem Eindruck seiner psychischen Reduzierung auf Gegenständlichkeit nachhaltig bewegen kann. Da er dieses aber auch will handelt es sich nicht nur um einen Angriff auf eine Person, sondern um eine nachhaltige Störung der gesellschaftlichen Gerechtigkeit und nicht nur ihres momentanen Friedens. Dieses hat damit der Täter zu verantworten.</p>
<p>Die Waage der Justizia kann in diesen Fällen nie wieder zum Ausgleich gebracht werden. Kein weltliches Verfahren kann Wiedergutmachung für die Opfer leisten. Auch wenn der Täter lebenslang hinter Gittern verbringt, er seine Einsicht zeigen mag, um Wiedergutmachung ringt, wo erst ein Mensch sich so tiefgreifend als Nichts erfahren musste und so stark in seiner Entwicklung entwertet wurde, dort kann sich das Opfer nicht mehr ohne Weiteres in der Welt die Freiheit zurückgewinnen. Das Ringen um das Selbst, wird zur existentialen Frage, die erschüttert ist, von dem Erlebnis nur das niedrigste Ding unter den Dingen sein zu müssen und nicht, wie es dem Wesen des Menschen gemäß ist, sein eigener und letzter Wert (Zweck) wahrgenommen zu werden.</p>
<p>Wie könnte eine Entschädigungszahlung diesen Wert des Selbst-Seins zurückgeben? Wie könnte ein Wert aufwerten, was überhaupt erst Werte spontan erzeugen kann. Der Mensch in seiner Freiheit ist durch kein Geld der Welt wieder herstellbar. Hier sind Kinder von einem Täter in ein Schicksal ohne Schuld eingefügt worden und das ohne Recht auf das, was jedem zusteht: Ein ungestörtes Selbst sein zu dürfen. Ein anderer Mensch hat sie mit klarer Absicht in ihrer Freiheit entwertet und dies ist die tiefste Ungerechtigkeit, die empfunden werden kann. Dieses ist die Ungerechtigkeit man selbst sein zu müssen, zugleich die Ungerechtigkeit nicht ein anderer sein zu dürfen und zuletzt nicht man selbst sein zu können. Das Selbstverhältnis gerät hier in die stärkste Störung, die Welt überhaupt auslösen kann.</p>
<p>Natürlich Entschädigungszahlungen helfen, die Opfer bekommen notwendige Therapien, die vage Möglichkeit sich selbst zurückzuerlangen. Doch darin liegt keine Garantie. Für viele Opfer verbleiben Selbstzweifel ein Leben lang in Form einer zerrissenen Psyche, die auch nur frei sein will. Die Vergangenheit holt sie immer wieder in ihre Dunkelheit des ungewissen Selbst zurück. Das Vergessen kann die Geworfenheit in das eigene Schicksal nicht verbergen. Hier ist die Ungerechtigkeit Opfer sein zu müssen, obwohl er oder sie doch Person ist. Doch wäre die Alternative ein Leben ohne Vergangenheit zu führen? Wir können uns nur in Auseinandersetzung mit unserem Werden gewinnen, ein Verdrängen ist kein Glück, aber Erinnern auch nicht mehr. Das Verhältnis des Menschen in sich selbst, zu dem seine gesamte Vergangenheit dazu gehört, ist gestört. Vergessen ist oftmals die einzige Alternative, um nicht die Schmerzen noch mal zu erleben, doch zu einem Menschen gehört doch seine gesamte Existenz.</p>
<p><strong>Was bedeutet dies für unsere Gesellschaft? </strong></p>
<p>Da wir Schaden schnell in Verbindung mit verrechenbaren Zahlen bringen, so erweckt es den Anschein als könnte eine Geldsumme überhaupt so etwas wie Entschädigung leisten und die Waage der Justizia wieder ins Lot bringen. Natürlich sind die Opfer zumeist finanziell ruiniert, da sie nicht mehr arbeiten können und ein aufwändiges Therapieprogramm verfolgen müssen, wenn sie denn überhaupt eines zur Verfügung gestellt bekommen. Viel schlimmer aber ist, dass dem Opfer eine Entfaltung der freien Persönlichkeit genommen worden ist. Was hätte aus ihm werden können, wenn seine Freiheit nicht schon so früh und so nachhaltig eingeschränkt worden wäre? Ein hartgesottener Liberaler mag hier nun auf die prinzipielle Freiheit des Individuums pochen, sein Leben immer wieder neu beginnen zu können, wo aber das Selbstvertrauen in einer so gravierenden Weise und die ganze Persönlichkeitswahrnehmung im Rahmen der eigenen Körperlichkeit so tief zerstört worden ist, da wird die persönliche Geschichte zu einer Frage, die jedes Ereignis im Alltag bestimmt. Die Freiheit eines Menschen muss sich in einem gesunden Verhältnis zur Welt erst ausprägen, geschieht dies in dieser Weise nicht, so nützen alle Floskeln nichts mehr: &#8220;Reiß dich zusammen!&#8221;, &#8220;Vergiss, was nicht zu ändern ist!&#8221; oder &#8220;Denke positiv!&#8221; Jeder Motivationskünstler kommt hier an seine Grenze. Das Opfer hat einen Raub erlitten, das ihm kein anderes Gut der Welt ersetzen kann, die eigene Möglichkeit zur Freiheit in einer unbeschwerten Persönlichkeit ist ihm genommen. Die Person als Opfer, die Person, die erst allen Werten Wert gibt, hat es unermesslich schwer, die Festigkeit zu gewinnen, die es braucht, um überhaupt noch die Welt würdigen zu können. Mit dem verlorenen Selbstbewusstsein steht auch immer das Weltbewusstsein in Frage und mit dem Weltbewusstsein immer auch das Selbstbewusstsein. Wer sollte dieses jemals wieder ins Lot bringen können, wenn nicht das Opfer überhaupt selbst?</p>
<p>Damit ist die Ausgleichsgerechtigkeit im Prinzip nicht mehr zu bearbeiten, da ein Interessensausgleich unmöglich ist. Daher auch die strengen Forderungen der Bevölkerung für Täter solcher Vergehen wieder die Todesstrafe einzuführen, denn bei solchen Verbrechen kommt der Verstand an seine Grenze, den Schaden im Rahmen der Welt überhaupt zu verstehen. Was hier aber zerstört worden ist, ist das Transzendente selbst, nämlich der Mensch, der sich als Freiheit zum Grunde erfahren muss. Daher sind die Zahlungen der Kirchen an Geschädigte immer nur ein lächerlicher Handel. Symbolisch zwar, aber keineswegs reizen sie damit ihre noch zu gehenden Wege aus.<br />
<strong><br />
Warum also überhaupt Ausgleichsgerechtigkeit für die Opfer? </strong></p>
<p>Die Opfer dieser Taten bedürfen Gerechtigkeit, um sich selbst zum Teil als Teil der Gesellschaft fühlen zu können. Dieses haben gerade Opfer der frühkindlichen sexualisierten Gewalt nötig, da sie in ihrer Reifung zur vollwertigen Person so nachhaltig gestört worden sind, dass sie sich nicht mehr selbst als freie Personen erleben können, die sie vom Rechtsanspruch her aber darstellen. Es ist somit eine Überwindung für das Opfer überhaupt einen Prozess anzustrengen und bereits ein Teil der Rückgewinnung der eigenen Freiheit über die grausame Vergangenheit.</p>
<p>Die Verjährungsfristen daher schon ab dem 18. Lebensjahr oder dem 21. Lebensjahr beginnen zu lassen, da in diesem Jahr eventuelle Abhängigkeitsverhältnisse zum Täter (zum Beispiel zum Vater) gelöst sein sollen, geht von einer physischen Persönlichkeitsentfaltung im Rahmen der Gehirnentwicklung aus. Die Persönlichkeitsentfaltung aber gelangt erst zu ihrer Entstehung, wenn der Ursprung, das freie Selbstverhältnis zu sich selbst wieder gesetzt worden ist. Dieses ist nur bedingt von den gesellschaftlichen Mittelwerten abhängig, sondern müssen wir immer auch hinsichtlich psychologisch-biographischer Konstellationen berücksichtigen. So besteht zum Beispiel die Abhängigkeit zum Täter über die Jahre der rechtlichen Volljährigkeit hinaus und entäußert sich in allerlei psychischen Problemen. Dieses reicht von der absoluten Verdrängung der Ereignisse bis hin zur Unfähigkeit sich geordnet mit der eigenen Lebensgeschichte auseinandersetzen zu können. Die Verjährung also pauschal ab dem 18. oder 21. Lebensjahr beginnen zu lassen, ist keinesfalls angemessen im Verhältnis zur Tat.</p>
<p>Genau genommen konnten Opfer sich nie als Teil einer gerechten Ordnung empfinden, denn erst das Erlebnis der Gerechtigkeit kann ihnen die freie Persönlichkeit geben, die sie sind. Da sie aber das Schicksal als tiefste Ungerechtigkeit erleben mussten, sich nur als Objekt in einer degradierenden Beziehung zu einem Menschen verstehen durften, muss in ihnen erst das Grundfest unseres Staates gesetzt sein und das heißt sich als freie Person vollständig zu begreifen, so dass überhaupt die Frage nach der Gerechtigkeit gestellt wird. Damit aber ist nicht die Frage nach der Volljährigkeit entscheidend, sondern die Frage nach der ersten Anerkennung ihrer Person, die durch den Täter auf Jahre hinaus verstellt worden ist.</p>
<p><strong>Zur Verjährung</strong></p>
<p>Der Rechtsanspruch an Opfer nach dem 18. oder 21. Lebensjahr als eine freie Person mit einem biologisch abhängigen Gehirnpotenzial ist verfehlt. Diese Opfer können oft über Jahre hinaus diese moralische Gerechtigkeit des gesellschaftlichen Miteinanders nicht nutzen. Woran liegt das aber, dass sie diese moralische Gerechtigkeit nicht rechtzeitig nutzen können? Nun der Grund, dass diese Personen als Opfer, das nicht können, liegt beim Täter. Damit ist meines Erachtens der Verjährungsgrundsatz auch abzulehnen, denn der Täter ist Grund dafür, dass es zur Verjährung kommt. Zwar hat er dieses nicht durch Arglist erwirkt, doch aber durch eine Missachtung der grundsätzlichen Freiheitsrechte eines Menschen bewirkt.</p>
<p>Hinzu kommt verschärfend, dass gemäß der ethischen Auffassung von Gerechtigkeit, eine Person sich nicht eher als Person in einer Gesellschaft erfahren kann, als dass sie Grundgerechtigkeit erfährt. Das bedeutet, dass sie in allen Belangen als uneingeschränkt freie Person wahrgenommen wird. Diese Freiheit ist ihr aber mit der ersten Ablehnung als Person in ihrer frühen Kindheit genommen wird. Die Person als Opfer konnte sich nicht früher zurückgewinnen und womöglich kann sie sich auch erst nach einem gerechten Verfahren zurückgewinnen, wo sie zum Beispiel erfährt, dass die Ereignisse nicht eigenes Verschulden waren, sondern einem fremden Menschen, der sie selbst nicht sind, zuzuschreiben sind und das auch, wenn das Verfahren in seiner Anlage naturgemäß schwierig ist, da die Beweislage alles andere als einfach ist.</p>
<p>Natürlich sind die Opfer freie Personen, diese Freiheit wird aber immer wieder durch die Erlebnisse so stark eingeschränkt, so dass sie selbst immer wieder gezwungen sind, an ihrer Freiheit zu zweifeln. Daher ist es ein Verbrechen des Staates gegen sich selbst, dass diese massive Beschädigung teilweise nicht mal mehr im Rahmen der Ausgleichsgerechtigkeit zur Anzeige gebracht werden kann, weil eine angebliche Verjährung eingesetzt hat. Dort hat ein Täter einem Menschen seine Freiheit der unbeschwerten Vergangenheit in der Weise genommen, dass er sich erst viele Jahre danach als Person in Bezug auf diese Vergangenheit zurückgewinnen kann. Dieser sich zurückgewinnenden Person diesen Rechtsanspruch zu verweigern, heißt dass der Staat das Verbrechen des Täters fortsetzt. Der Staat erkennt im Weiteren wie der Täter nicht die sich gewinnende Persönlichkeit des Opfers an. Damit wird das Verbrechen des Täters aber auch zu einem Verbrechen des Staates gegen sich selbst.</p>
<p>Diese Grundgerechtigkeit gegenüber dem Opfer, sich selbst gewinnen zu dürfen, ist erst die Grundlage für Ausgleichsgerechtigkeit, daher muss der Staat auch ein Interesse daran haben, diese Chancen einzuräumen. Tut er dieses nicht aufgrund der Tatsache, dass er irgendwelche Ausgleichsgerechtigkeiten in Form von Verjährung gewähren will, so nimmt er dabei Gerechtigkeit in Anspruch, die er dem Opfer in diesem Moment nicht zugesteht. Dieses ist ein performativer Selbstwiderspruch, das heißt er sagt Ausgleichsgerechtigkeit performativ dem Täter zu, obwohl er dem Opfer keine Gerechtigkeit gewährt und sich als Staat damit selbst die Grundlage für mögliche Ausgleichsgerechtigkeit entzieht. Die Grundgerechtigkeit für das Opfer ist aber in jedem Fall höher zu werten als die Ausgleichsgerechtigkeit für den Täter.</p>
<p><strong>Ein Argument, warum Verjährung ungerecht ist </strong></p>
<p>Ich spreche also von objektiven Gründen aus der Anlage unseres Rechtsstaates, die die Aufhebung der Verjährungsfrist fordern. Mein Argument besteht darin, dass das Opfer sich erst unter der Perspektive der Gerechtigkeit aus dem Abhänigkeitsverhältnis des Täters beginnen kann zu lösen. Zu Deutsch: Es gehört Mut in Form von Selbstbewusstsein dazu, sich einer Öffentlichkeit zu stellen und darüber hinaus über ein Verbrechen an der eigenen Intimität des Selbstseins im Rahmen eines Gerichtsprozesses zu berichten. Erst nach einem Prozess könnte daher eine Verjährungsfrist beginnen, was mit dem Prozess dann aber hinfällig ist. Zum Anderen zeigt sich klar, dass die Verjährung selbst Teil des Verbrechens ist, auch wenn der Täter diese Verjährung nicht intentional erzwingen wollte, so war die Verdrängung des Opfers aufgrund der schweren Schädigung doch Teil seiner Tat. Zu Deutsch: Er wusste bei der Straftat, dass er das Opfer in seiner prinzipiellen Freiheit beschädigt.</p>
<p>Wir können es auch in einem Gedankenexperiment verdeutlichen: Wenn ein Opfer von einem Mann für 45 Jahre ins Koma geprügelt wird. Warum hätte das Opfer nach 45 Jahren, wenn es erwacht, nicht mehr das Recht, diese Tatsache zur Anzeige zu bringen?</p>
<p>Prozesskosten können hier zwar zynische Gründe eines überforderten Rechtssystems sein, aber diese sind keineswegs gerecht. Auch die Schwierigkeit, einen Prozess aufgrund der komplizierten Beweislage führen zu können, halte ich für unangemessen, da die Beweise erst mit dem Erstarken des Bewusstseins des Opfers zu Tage kommen. Zudem müssen die Beweise auch erst in einem gerechten Verfahren geprüft werden.</p>
<p>Ungeachtet dieser Gründe möchte ich nochmals mein Argument schärfen: Erst mit der Eröffnung eines gerechten Verfahrens wird dem Opfer in einem Staat die Möglichkeit gegeben sich als Person in diesem Staat zu gewinnen. Daher kann eine Verjährung nicht an Gehirnpotenzialen (vollständige Entwicklung des Gehirns mit 18 soll Garant für Persönlichkeit sein?) gemessen werden, sondern es darf für solcherlei Fälle überhaupt keine Verjährung geben.</p>
<p>Ich will es noch mal sagen, der Prozess ist eine wichtige Möglichkeit für das Opfer sich als Mitglied in einer gerechten Gesellschaft zu verstehen, daher ist es nicht nur Aufgabe des Opfers dieses für sich einzufordern, sondern der Rechtsstaat muss dieses unterstützen, um sich selbst als gerechter Staat konsistent verhalten zu können. Konsistent verhält der Staat sich nämlich nur, wenn er von den Mitgliedern fordert Gerechtigkeit selbst zu verlangen um umgekehrt wieder legitimiert zu sein.</p>
<p>Erschwerend hinzu kommt, dass die Form der Gerechtigkeit, die erst im Individuum ihren Ausgang nimmt, höher zu bewerten ist als die Form der Ausgleichsgerechtigkeit, die nur unser Zusammenleben regelt. Es gibt keine anwendbare Ausgleichsgerechtigkeit, solange das Opfer nicht als Mitgleid einer gerechten Gesellschaft rehabilitiert worden ist. Darüber hinaus kann es aber für das Opfer ohnehin so gut wie keine Ausgleichsgerechtigkeit mehr geben, da das erfahrene Leid nicht mehr zum Ausgleich zu bringen ist. Das Opfer hat zwar dennoch Recht auf Entschädigung (Erstattung der möglichen Verdienstausfälle, Therapiekosten, Schmerzensgeld), das Eigentliche kann aber nicht mehr zum Ausgleich gebracht werden, nämlich die bis an die äußerste Grenze geschwundene Möglichkeit sich selbst zu gewinnen. Das Verfahren selbst aber ist ein erster möglicher Schritt zur Rehabilitierung des Opfers vor sich selbst als Person, die sich selbst gewinnen will. Dieses muss im Rechtsstaat Vorrang vor jeder Ausgleichsgerechtigkeit haben.</p>
<p><strong>Schlussfolgerungen</strong><br />
Die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt ist eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen unserer Gesellschaft. Es geht nicht nur um das gestörte friedliche Zusammenleben, sondern um die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft überhaupt. Es geht um das, was erst Gerechtigkeit stiftet, die Gewähr sich als Kind frei entfalten zu dürfen und sich als freie Person ergreifen zu können. Wenn wir diese Rechte nicht uneingeschränkt zugestehen, so negiert der Staat, freie Person sein zu dürfen und setzt die Tat des Täters fort. Dieses sollte jedem Richter oder Staatsanwalt bewusst sein, der für Verjährung argumentiert. Und noch eine viel drastischere Konsequenz ergibt sich daraus: Strafverfolgung auch über den Tod der Täter hinaus. Denn es geht hier nicht (nur) um Ausgleichsgerechtigkeit zwischen Täter und Opfer, sondern der Rechtsstaat übernimmt hier die Rolle dem Opfer seine Reifung zur Person zu bestätigen und hat damit eine therapeutische Funktion für das Opfer und für sich selbst. Es geht also um eine erste Form der Anerkennung der Opfer. Der Staat kann sich hier nicht nur prozedural verhalten, sondern muss substantiell tätig werden. <strong>Er stellt nicht nur Interessensausgleich her, sondern kämpft für die Gerechtigkeit, die ihn selbst erst legitimiert.</strong></p>
<p>Und  so kämpfen die Opfer auch nicht nur für sich, sondern für das, was unseren Staat von seinem Grunde her bestimmt: Endlich eine freie Person sein zu dürfen. Verjährung im Falle von frühkindlicher sexualisierter Gewalt muss aufgehoben werden.</p>

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		<title>Noch so eine Tagung ohne uns</title>
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		<pubDate>Sun, 29 May 2011 13:14:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Gefühl für die Opferschutzkonferenz in Schwerin am 25.05.2011 Meine Entscheidung an der Opferschutzkonferenz teil zu nehmen begann bei uns in Neubrandenburg am See. Genau dort traf ich mich mit einer Frau vom Opferschutzverband zwecks Entlastung auf dem Weg zu meiner Gerichtsverhandlung. Entlastung im Sinne von Stärkung und Kommunikation. Das Gespräch berührte die Opferschutzkonferenz und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Gefühl für die <a href="http://netzwerkb.org/2011/05/25/politische-nebelkerzen/" target="_blank">Opferschutzkonferenz in Schwerin</a> am 25.05.2011</p>
<p>Meine Entscheidung an der Opferschutzkonferenz teil zu nehmen begann bei uns in Neubrandenburg am See. Genau dort traf ich mich mit einer Frau vom Opferschutzverband zwecks Entlastung auf dem Weg zu meiner Gerichtsverhandlung. Entlastung im Sinne von Stärkung und Kommunikation. Das Gespräch berührte die Opferschutzkonferenz und meine Gedanken&#8230; noch so eine Tagung ohne uns.<br />
Noch behielt ich diese Gedanken für mich, aber es liess mir keine Ruhe. <span id="more-8132"></span></p>
<p>Nachdem mir von behördlicher Seite und Ämtern, ja sogar Anwälten nur Lügen aufgetischt wurden, wollte ich das nicht mehr zulassen. Noch hatte mein Wunsch nichts mit Norbert Denef zu tun, aber sehr wohl mit netzwerkB. Viele Beiträge sind dort so überaus wichtig und ich lerne und lernte von netzwerkB. Dann erst  hielt ich Rücksprache mit Norbert, denn ich wollte das nicht für mich allein tun.</p>
<p>Im Vorfeld hatte ich mich bereits angemeldet, bekam aber erst keine Antwort. Ganze zwei Tage vorher teilte man mir mit, aus Krankheitsgründen nicht früher geantwortet zu haben:</p>
<p>&#8220;Es ist auf dieser Fachtagung nicht möglich, Ihnen eine Sprechzeit von 10 Minuten einzuräumen. Ich verstehe Ihr Anliegen, allerdings handelt es sich wirklich um eine reine Fachtagung.&#8221;</p>
<p>Aus Krankheitsgründen und für so &#8220;wichtige Menschen&#8221; gibt es keine Vertretung – meine Gedankengänge setzten sich fest – wie, jetzt erst recht.</p>
<p>Ich gebe mich nicht mehr zu frieden&#8230; zu viele Lügen musste ich im Vorfeld hören und ich schäme mich fast viel davon geglaubt zu haben, weil man Rechtsleuten ja sowas nicht zutraut. Auch daran bin ich gewachsen und das ist gut so. Mein Vertrauen den Menschen gegenüber hat dadurch noch mehr Schaden erlitten. Ich bin jetzt anderen Menschen gegenüber noch vorsichtiger.</p>
<p>Übrigens bin ich  sehr froh, dass Norbert mit war&#8230; nur er war in der Lage mich dort zu stärken, mir Kraft zu geben und das tat Norbert, allein schon mit seiner Anwesenheit, weil er mein Gefühl für diese Veranstaltung verstand.</p>
<p>In Schwerin im Justizgebäude angekommen&#8230; bekam ich sichtlich des großen Gebäudes weiche Knie. Für weiche Knie war keine Zeit und wie ich nun mal bin sagte ich laut &#8220;ich will nach Hause&#8221;. Laut gesagt, aber im Winde verhallt und ich wollte ja nicht wirklich nach Hause&#8230; ich wollte nur dass meine Beine aufhörten unaufhörlich zu wackeln.</p>
<p>Dann sah ich  auf dem Flur Frau Dr. Bergmann, die fast schwebend an mir vorbei huschte. Da war die Frau ganz in meiner Nähe, der ich so oft meine Situation schilderte und die rücksichtslos darüber hinweg ging. In keinen meiner Briefe wollte ich, dass Frau Dr. Bergmann in mein persönliches Geschehen eingreift. Ich wollte dass man hinter die Kulissen schaut und wie mit Anträgen nach dem Opferentschädigungsgesetz umgegangen wird und was ein Betroffener ertragen muss, wenn er es wagt so einen Antrag zu stellen. Meine Wut auf dieses ganze System hatte sich aufgebaut, weiss ich doch von anderen Menschen, dass es ihnen ähnlich erging und geht.</p>
<p>Als dann gleich zu Anfang die Rede von geleisteter Arbeit war und was man schon alles geschafft hat und ich so in die Runde blickte&#8230; taten mir einige Leute schon fast leid – leid weil sie nicht bemerkten, dass viel Schaumschlägerei dabei war. Wir wollen aber nicht die Position wechseln, denn die&#8221;Verrückte&#8221; bin doch ich.</p>
<p>Wenn ich verrückt bin, weil ich als Kind einen Überlebensmechanismus nutzen musste, ja dann bin ich verrückt. Die Schuld liegt eben auch in so einer Gleichgültigkeit, wie ich sie in Schwerin erlebte. Diese Gleichgültigkeit ist es, die den Täter seit 1954 gewähren liess.</p>
<p>Eine Journalistin vom NDR war extra dort anwesend, weil sie mit ehemaligen Opfern aus Kinderheimen ins Gespräch kommen wollte. Später versuchte man mir zu erklären, dass man mir das Wort auf keinen Fall abschneiden möchte, aber man wollte mich mit der Ausladung doch gar nicht erst zu Wort kommen lassen. Woraus resultierte also meine Wut?</p>
<p>Es war eine Fachtagung, das ist wahr, aber wer sind denn die Fachleute? Wir gehören nicht nur an den runden Tisch, sondern genau auf so einer Fachtagung müssen wir reden. Dann könnte man dort von uns lernen und ich hätte nicht so laut werden müssen, aber vorerst war das genauso nötig.</p>
<p>In Neubrandenburg schlägt mir nicht nur Sympatie entgegen&#8230; so z.B. steigt eine Nachbarin nicht mehr gemeinsam mit mir in den Fahrstuhl, als hätte ich was Ansteckendes oder gestern auf dem Weg zum See schlug ein Ehepaar eine andere Richtung ein als sie mich sahen. Damit muss ich umgehen und versuche es einfach nicht persönlich zu werten.</p>
<p>Wenn ich zum See gehe hole ich mir Kraft von den Blumen, den Vögeln, den Bäumen, aber auch das ist schon für viele Menschen verrückt, denn manchmal passiert es dass ich einem Baum laut sage wie schön er ist, so wie gestern <a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/05/liza_stein_mohn.jpg" target="_blank">dem wilden Mohn</a>. Ich höre damit nicht auf, denn ich bin wie ich bin.</p>
<p>Liza</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Alle Mütter spielen an ihren kleinen Jungens rum</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/05/28/alle-mutter-spielen-an-ihren-kleinen-jungens-rum/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 20:32:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine Geschichte als kleiner Junge, vom Sex mit meiner gewalttätigen Mutter, von den Folgen dieses Traumas im Erwachsenenleben und viel von meiner Heilung. Und eine Geschichte von meinen Stärken und Vorlieben. Eigentlich eine optimistische Geschichte. Sex und Gewalt mit Mutter Geboren 1955 im Schwäbischen, wurde ich ab meiner Geburt bis zum Alter von 13 Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Geschichte als kleiner Junge, vom Sex mit meiner gewalttätigen Mutter, von den Folgen dieses Traumas im Erwachsenenleben und viel von meiner Heilung. Und eine Geschichte von meinen Stärken und Vorlieben. Eigentlich eine optimistische Geschichte. <span id="more-8120"></span></p>
<p>Sex und Gewalt mit Mutter</p>
<p>Geboren 1955 im Schwäbischen, wurde ich ab meiner Geburt bis zum Alter von 13 Jahren von meiner Mutter sexuell missbraucht, auch geschlagen. Wie es mir ging, war irgendwie nicht wichtig, niemandem, außer mir.</p>
<p>Mein Vater half mir nicht, er wusste vom Missbrauch meiner Mutter und hat sie geschützt. Nach außen und vor allem mir gegenüber. Als ich mich im Alter von drei Jahren bei ihm über Mutter beschwerte, sagte er „alle Mütter spielen an ihren kleinen Jungens rum.“ Tja, falls mir das nicht passte, hatte ich eben Pech gehabt. Er war ein Lügner und Mittäter.</p>
<p>Danach hatte mich Mutter eiskalt erwischt. Sie würgte mich, im Stehen. So zeigte sie mir, wie sie weiteres Reden bestrafen würde. Ich bekam einen riesigen Schreck und zitterte am ganzen Körper. Es wurde mir heiß und kalt. Die direkte Morddrohung hatte was. Es entstand keine Verwirrung, es war eine klare Sache: wenn du redest, töte ich dich.</p>
<p>Die erste schwere Begebenheit geschah, als ich 6-8 Wochen alt war. Meine Mutter ließ mich an der Brust trinken. Solange, bis ich genüsslich am nuckeln war. Dann nahm sie mich von der Brust weg und schob meinen Kopf zwischen ihre Beine, um dort weiter zu nuckeln. Als sie ihren Orgasmus hatte, hat sie mich beinahe erstickt. Keine Luft, Nase verstopft, Mund voll, und satt wurde ich dabei auch nicht. Diverse Folgen gehen bzw. gingen auf dieses Ereignis zurück. Mein linkes Nasenloch fühlt sich häufig verstopft an. Beim Einschlafen hatte ich lange das Gefühl, meine Halskette würde mich würgen. Meist esse ich schnell, denn die Mahlzeit könnte mir von jemandem weggenommen werden.</p>
<p>Sex mit Mutter hörte so bald nicht mehr auf. Mit zwei bis drei Jahren befriedigte ich sie auf dem Elternbett mit der Hand und mit dem Mund, sie nahm meinen Penis in den Mund und lutschte daran. Oder sie spielte mit den Händen und dem Mund daran herum. Oft endete solcher Sex in Gewalt oder in Vorwürfen. Ich war zu klein, um ihr jedes Mal einen Orgasmus machen zu können. „Ich müsste es besser können, ich bin nicht gut genug“ ist ein Grundgedanke, den ich daraus entwickelt und auf mein ganzes Leben übertragen habe, insbesondere auf mein Verhalten gegenüber Frauen.</p>
<p>Nun, sie brachte mir bei, immer besser zu werden. Sie lockte, sie versprach mir tolle Erlebnisse, ich würde das doch alles auch wollen, ich müsse sie nur so befriedigen, wie sie das mag. Ungefähr acht Jahre alt war ich, als sie anfing, mit mir zu ficken. Sie setzte sich auf mich, steckte meinen kleinen erigierten Penis in sich und ritt auf mir. Ich dissoziierte, ich war geistig nicht mehr da, ich schwebte mit den Beinen voraus durchs Haus nach draußen ins Dorf.</p>
<p>Sie hat mich geschlagen, sie hat mir mit dem Tod gedroht, sie hat mich fast getötet. Als kleiner Junge wusste ich keineswegs, dass ich diese Kindheit überleben würde. Ich war höchstens drei Jahre alt und kam zu Mutter in die Waschküche. Sie war gerade beim Schleudern von Wäsche und für mich völlig unerwartet, unberechenbar, ohne Begründung, einfach nur aus ihrer Willkür packte sie mich und steckte mich in die Wäscheschleuder. Sie schleuderte mich, bis ich bewusstlos wurde. Dann zerrte sie mich aus der Maschine, stellte mich auf die Beine, die knickten weg, sie stellte mich nochmals auf die Beine. Dann torkelte ich davon. Ein gewaltiger Schreck und ungläubige Überraschung warfen mich auf mein Bett. Mutter handelte im Affekt und gefährdete mein Leben mal eben so zufällig.</p>
<p>Mein Vater half mir nicht, meine Schwester war zwar älter als ich, aber doch zu klein, andere Menschen wussten nichts oder sie halfen nicht. Überlebenskraft fand ich außerhalb des Hauses meiner Eltern. Ich spielte mit anderen Kindern im Dorf und um das Dorf herum. Mit fünf bis sechs Jahren begann ich meine Liebe zum Lesen von Büchern zu entwickeln.</p>
<p>Meine Mutter hat irgendwann aufgehört. Zuvor benutzte sie allerdings noch Kondome. Ob ich mich gewehrt habe, ob sie Angst bekam, oder was auch immer…</p>
<p>Ich hatte überlebt. Es gab Zeiten, da glaubte ich nicht daran, da habe ich versucht, mich selbst zu töten. Aber, ich war 16 Jahre alt geworden, lebte, und war mir sicher: sie kriegt mich nicht! Meinen Körper hatte sie, meine Seele halb, aber mein Innerstes nicht! Das feierte ich im Sommer nach meinem 16. Geburtstag, indem ich mit rauchen begann. Ich durfte rauchen, ich war 16 und fast erwachsen. Ich habe es geschafft, ich habe den Missbrauch durch meine Mutter überlebt. Seht her, Leute: ich habe das Alter, darf rauchen, und ich lebe!</p>
<p>Nach dem Abitur habe ich mein Elternhaus verlassen.</p>
<p><strong>Probleme als Erwachsener und irrationale Grundgedanken </strong></p>
<p>Ich wurde zu einem Menschen, der kein Vertrauen hatte, außer zu mir selbst. Kam ich mit Nähe nicht zurecht, ging ich auf Abstand. Was mir wichtig war, musste ich selbst machen, nur nicht abhängig oder gar hilflos werden. Meine Kindheit zu überleben, führte zu einer langen Kette von Schwierigkeiten als Erwachsener. Aber auch zu einer fast unendlichen Kraft, Ausdauer und Energie. Wer aus solcher Kindheit hervorgeht, der ist ein Energiepaket.</p>
<p>Ich habe also studiert, eine Frau gefunden, nochmal studiert, zwei Töchter bekommen, war in einem Konzern als Ingenieur tätig und vor allem als Betriebsrat. Das alles passte gut zu mir. Als Betriebsrat musste ich mich der Unternehmensleitung nicht unterordnen, was ich nicht gut konnte. Ich mochte und mag keine Autoritäten, es sei denn, sie sind es wegen ihrer Fähigkeiten und nicht wegen ihrer Macht.</p>
<p>Bei der Geburt meiner Töchter war ich glücklich, dass es Mädels waren, beide Male. Ohne dass ich in jener Zeit den Satz bewusst kannte, wirkte „alle Mütter spielen an ihren kleinen Jungens rum“ ganz tief in mir und ließ mich Töchter wünschen. Und ich bekam sie ja auch, also kein Stress.</p>
<p>„Männer sind Pfeifen und Frauen sind gefährlich“ war mein Grundgedanke über die Menschen. Männer können mir nicht helfen, wenn ich mir selbst schon nicht helfen kann. Das machte mich unabhängig, aber es war auch sehr anstrengend. Zum Glück ist das heute vorbei, wenn auch noch nicht lange. Bei Frauen muss man auf Distanz bleiben, sonst wird es gefährlich. Ich hatte nicht etwa ständig wechselnde Beziehungen &#8211; aber meinen Kampf um die Distanz, nicht untergehen wollen in der Beziehung. Und: ich müsste besser sein in der Beziehung, ich bin nicht gut genug. Wenn es in meinem Kopf hart auf hart zuging: Wünsche der Partnerin gegen meine grundlegenden eigenen Wünsche, dann war ich immer bei mir. Das macht stark und … einsam.</p>
<p>Hier eine Auflistung aller Grundgedanken aus meiner Kindheit, mit denen ich jahrzehntelang als Erwachsener Probleme hatte:</p>
<ul>
<li>Männer sind Pfeifen, Frauen sind gefährlich.</li>
<li>ch bin nicht gut genug, ich müsste das besser können.</li>
<li>Bloß nicht hilflos werden: dieser Gedanke war der schlimmste, er bedeutete extreme Angst, Panik.</li>
<li>Ich bin nicht wichtig, außer für mich.</li>
<li>Ich bin wertlos.</li>
<li>Ich darf nicht missachtet werden.</li>
<li>Alles Wichtige muss ich selber tun.</li>
</ul>
<p>Es gibt auch Grundgedanken, die ich als Lebensleitlinien behalten will:</p>
<ul>
<li>Ich will ein guter Mensch sein.</li>
<li>Wissen und Erkenntnisse sind wichtig.</li>
</ul>
<p>Sexualität: Natürlich kann es kaum sein, dass in diesem Bereich mein Leben zufriedenstellend verlief. Oder doch? Ich war jedenfalls bereits rund 40 Jahre alt, bis mir auffiel, dass da einiges so ganz und gar nicht stimmte. Es stimmte auch vorher schon nicht, nur hatte ich nicht darüber nachgedacht und die Probleme sozusagen vor mir selbst versteckt.</p>
<p>1994 trennte ich mich von der Mutter meiner Töchter. Und ich fand eine neue Partnerin, meine große Liebe. Da sie sehr viel mehr Nähe wollte, als ich gewohnt war, gab es häufiger Schwierigkeiten in der Beziehung. Hohe Hochs und tiefe Tiefs. Das führte dazu, dass ich ab 1996 begann, mich intensiv mit mir selbst zu beschäftigen. Erstes Buch: „Das Drama des begabten Kindes“ von Alice Miller, zweites Buch, „Das Kind in uns“ von John Bradshaw.</p>
<p>Ich begab mich auf eine ungeheuer spannende Reise, und ich wusste das. Bücher folgten noch viele. Ich entdeckte nach und nach die zuvor genannten Grundgedanken. Von meinen Missbrauchserlebnissen wusste ich nichts. Meine Sexualität nahm ich bewusster wahr und entdeckte einen großen Packen Zwanghaftes.</p>
<p>Siehe da, ich hatte zwei Sexualitäten entwickelt: eine in etwa „normale“ Sexualität mit meiner Partnerin und eine „kaputte“ Sexualität mit bizarren Fantasien, Pornobildern, Pornokino, eine Sexualität mit mir selbst. Im Sommer 1999 waren meine Partnerin und ich gerade dabei, erotische Fantasien in unser bisheriges Beziehungsleben integrieren zu wollen. Daraus hätte sich vielleicht ergeben, dass ich aus meinen beiden Sexualitäten eine hätte entwickeln können. Kam aber ganz anders.</p>
<p><strong>Wiedererinnern des Missbrauchs </strong></p>
<p>Beim Abklingen eines ganz besonders intensiven Orgasmus, meine Partnerin und ich lagen noch eng umschlungen, hatte ich ein ungewöhnliches Erlebnis. In meinem Kopf hatte es geklingelt und geleuchtet. Es war ein unglaublich intensiver Wachtraum.</p>
<p>Als erstes sah ich den kleinen Udo, der um Hilfe schreit, aber keinen Ton herausbringt, und deshalb die Hand hochhält, es hilft jedoch niemand.</p>
<p>Als zweites erlebte ich einen Schnelldurchlauf durch meine Erinnerung aller Beziehungen zu gleichaltrigen Mädchen und Frauen seit meiner Kindheit.</p>
<p>Als drittes eine Gewaltfantasie. „Das, ficken, kannst du nicht, das kann nur ich“… schreie ich meine Mutter an, während ich sie ficke ohne darauf zu achten, ob sie das will oder nicht. Dann werde ich zum Wolf und versuche sie zu töten, kann sie aber nur leicht zerkratzen. Dann wächst aus ihrem Unterleib ein Haifischkopf, den ich zerquetschen will, es aber nicht schaffe. Dann gehe ich als Wolf traurig und einsam fort.</p>
<p>Ich brauchte nur wenige Tage und einige Bücher, um zu begreifen, dass ich keine beliebige Vergewaltigungsfantasie hatte, sondern dass ich von meiner Mutter sexuell missbraucht worden war.</p>
<p>Das war im September 1999.</p>
<p>Zu dieser Zeit hatte ich mich seit drei Jahren viel mit mir selbst beschäftigt, mit der Entdeckung des Missbrauchs wurde meine Innenschau jedoch noch intensiver. Unglaublich spannend, welche Energien in mir, in den Entdeckungen über mich steckten.</p>
<p>Ich habe unzählige Bücher verschlungen, meine Freundin geliebt, mich mit ihr gestritten, und wieder geliebt, sozusagen nebenher habe ich als Vermögensverwalter an der Börse für mich und die Kunden viel Geld verdient, bin in eine supertolle Wohnung umgezogen …</p>
<p>Fünf Jahre intensives Leben bis 2001, intensive Emotionen, mit vielen Erkenntnissen und Entdeckungen, Wut, Angst und Trauer.</p>
<p><strong>Erste Heilungsschritte </strong></p>
<p><em>Lesen </em></p>
<p>Ich lese viel und gerne. Inzwischen besitze ich eine ganze Menge Bücher über psychologische Themen. Das sind Geschichten von Betroffenen, Bücher über Therapieformen insbesondere Trauma-Therapie, Romane, Entwicklungspsychologie, Gefühle, Empfindungen.</p>
<p>In meinem Kopf fanden sich häufig festgefahrene Ansichten zu Themen und Problemen, die ich selbst während meiner traumatischen Kindheit erlebte. Daran änderte sich einiges.</p>
<p>Wissen ist wichtig.</p>
<p><em>Kontaktabbruch zu meiner Mutter </em></p>
<p>Ich hatte den Missbrauch wiedererinnert 1999, da war ich 44 Jahre alt.</p>
<p>Daraufhin hatte ich meine Mutter in einem Brief mit meinem neuen Wissen konfrontiert und als Wiedergutmachung von ihr gefordert: Gib es zu! Berichte mir über die Dinge, die du in meiner Kindheit sexuell mit mir gemacht hast.</p>
<p>Wie erwartet hatte sie bestritten. Ich brach den Kontakt ab. Ebenso zu Vater und Schwester. Meine Schwester konnte mir nicht glauben. Mein Vater glaubte mir ebenfalls nicht: dass er ein Lügner war, wusste ich noch nicht.</p>
<p><em>Selbsthilfegruppe </em></p>
<p>Ich suchte und fand andere Männer, um eine Selbsthilfegruppe ‚Als Junge missbraucht‘ zu gründen. Seit 2001 besteht diese Gruppe und es ist eine tolle Einrichtung. Gäbe es sie nicht, würde ich sie gründen! Wir treffen uns wöchentlich, erzählen, fragen nach, helfen und lösen Probleme.</p>
<p><em>Innere Bilder </em></p>
<p>Über viele Jahre hinweg habe ich intensiv mit inneren Bildern gearbeitet.</p>
<p>Ich habe einen inneren Wohlfühlort entwickelt. Das ist ein etwas verwilderter Garten in meiner Fantasie, den außer mir niemand finden kann, in dessen Zentrum eine Badewanne steht.</p>
<p>Ich liebe baden! Ein Tischchen neben der Wanne mit Buch, Kaffee, Zigaretten, Telefon. So kann ich mich für Stunden wohlfühlen.</p>
<p>Mit der Methode Innere Bilder habe ich eine innere „Familie“ entwickelt. Die einzelnen Figuren stellen Anteile von mir selbst in meiner inneren Wahrnehmung dar. Da gibt es einen kleinen Jungen, ein kleines Mädchen, einen Wolf, einen jüngeren erwachsenen Mann und eine Frau, einen Denker, und die Täteranteile von Vater und Mutter.</p>
<p>Mit dieser Methode war ich in der Lage, den Täteranteilen in mir einen korrekten, akzeptablen Platz zuzuweisen. Enttäuschung über Vater und Wut über Mutter sind damit abgeschlossen.</p>
<p>Meine Mutter habe ich auf meiner „inneren Bühne“ wahrscheinlich 50 Mal umgebracht: mal schnell und hart, mal ganz genüsslich gefoltert und gequält. Der richtige Weg, weil nur der sich gut anfühlte, war dann, ihr Geschlecht zu zerstören. Indem ich den aus ihrem Unterleib wachsenden Haifischkopf mit einer Drahtschlinge herausriss.</p>
<p>Meinem Vater schnitt ich die Zunge ab. Wie ich finde, eine angemessene Lösung für einen Lügner.</p>
<p>Er sitzt jetzt auf einem Stuhl und liest Simmel. Meine Mutter sitzt daneben in einem Sessel und strickt.<br />
<strong><br />
Neue Entdeckungen seit Anfang 2010 </strong></p>
<p><em>EMDR </em></p>
<p>Die bislang am weitesten gehenden Entdeckungen begannen mit einer EMDR-Sitzung (EMDR ist eine der Trauma-Therapie-Methoden: dabei bewegt der Klient die Augen schnell von rechts nach links und zurück. Dies bewirkt eine verbesserte Verknüpfung der beiden Gehirnhälften miteinander. Dadurch kommen traumatische Erinnerungen leichter an die Oberfläche und können verarbeitet werden) mit meinem Therapeuten. Es war eine Fantasiereise in meine Erinnerungen.<br />
Tagebucheintrag 15.1.2010:</p>
<p>ich bin zwei Jahre alt, liege auf dem Küchentisch, habe die Hose heruntergelassen. Meine Mutter spielt an meinem Penis mit den Händen. Dann ist sie zwischen meinen Beinen, hat mich zum Rand des Tisches gezogen. Meine Knie sind angewinkelt. Sie saugt und knetet meinen Penis.</p>
<p>Der wird steif und riesengroß. Sie trägt einen hellen Unterrock und reibt sich im Stehen mit meinem Riesenpenis die Scheide. Dann beugt sie sich zu meinem Gesicht und ich lecke ihre Brustwarzen. Dann richtet sie sich wieder auf und steckt meinen Penis in ihre Scheide, er ist immer noch überdimensional groß.</p>
<p>Plötzlich hat sie den Penis und ich die Scheide, dann wieder zurück. Sie dreht sich um und steckt sich meinen Penis von hinten in ihre Scheide. Plötzlich wird er kleiner, normale Kindergröße und es bilden sich Tropfen. Sie knuddelt den Penis, nimmt ihn in den Mund, aber er wird noch kleiner und weich. Ich will weg, sie hält mich mit der zweiten Hand auf meiner Brust fest.</p>
<p>Dann wird sie sauer, stößt mich über den Tisch, ich falle auf der anderen Seite auf die Sitzbank herunter. Sie verlässt die Küche und knallt die Tür zu. Ich setze mich auf und bin ganz traurig. Wieder habe ich es nicht hinbekommen, dass sie zufrieden ist. Ich will hier weg.</p>
<p>Sie kommt zurück und jagt mich aus der Küche, ich gehe ins Wohnzimmer und setze mich in die hintere Ecke neben dem Wohnzimmerbuffet. Dort weine ich still, ich will hier weg, ich kann mich nicht bewegen.</p>
<p>Dann kommt meine Mutter ins Wohnzimmer, zerrt mich aus der Ecke und schlägt mich gegen Kopf oder Hals, da stürze ich auf die Couch und bleibe da liegen. Ich rolle mich in einer Ecke der Couch ein. Dort liege ich sehr, sehr lange. Jahrelang. Ich will weg hier, keiner hilft mir, hoffentlich ist es bald vorbei, ich kann mich nicht bewegen, ich schütze mein Innerstes, das kriegst du nicht. Ich zittere, es ist mir schlecht, es kotzt mich an. Ich muss pinkeln, mir tut der Kopf weh. Hoffentlich ist es bald vorbei, wann ist es endlich vorbei?</p>
<p>Dann wird plötzlich für einen Moment aus dem Kleinkind ein Erwachsener und wieder zurück. Dann kommt Bewegung in den kleinen Jungen, er setzt sich auf, er wird größer und älter, 10 – 12 – 15 Jahre. Er steht auf und geht zur Wohnzimmertüre hinaus, fühlt sich stark, geht auch zur Haustüre hinaus. Auf der Außentreppe riecht er die Luft und spürt den Wind. Es fühlt sich gut an, dann geht er die Treppe runter und setzt sich auf die unterste Stufe. Da wird er zum 5jährigen, der ein Buch hat, und zum Erwachsenen, wieder zurück, wieder vor, mehrfach.</p>
<p>Dann steht der Erwachsene auf, der Kleine springt ihm auf den Arm, lehnt seinen Kopf an Schulter und Brust des Großen. Der Große, ich heute, gehe zu meinem Auto, steige ein und fahre los. Ich fahre eine Schleife im Dorf und komme nochmals am Haus vorbei. Da steht meine Mutter auf der Außentreppe und fuchtelt mit den Armen: gib mir meinen kleinen Jungen zurück, ich will ihn wiederhaben. Ich lache, ich freue mich und der kleine Junge neben mir und in mir lacht auch. Ich fahre weiter und öffne das Verdeck. Dann fahre ich nach Hause, nach Frankfurt, esse und trinke in einer Raststätte. Dann komme ich in Offenbach an, im Zimmer des Therapeuten, ich beginne meine steifen Beine und Hände zu bewegen, habe Kopfschmerzen von EMDR und muss dringend zur Toilette.</p>
<p>Kommentar: die am Beginn der Sitzung genannte Aussage, dass ich beim Missbrauch hilflos sei, fühlte sich danach ganz anders an. Ich bin nicht hilflos, ich habe den Terror von ihr aus eigener Kraft überstanden. Es hat Jahre gedauert, aber ich war nicht hilflos. Sie hat mich nicht zerstört, ich habe es geschafft.</p>
<p>Danach hat es wochenlang in meinem Kopf gearbeitet, ohne dass etwas davon in mein Bewusstsein kam. Auch nach der zweiten EMDR-Sitzung im Februar war das so.</p>
<p>In dieser Zeit hatte ich wieder Kontakt zu meiner Schwester, sogar recht intensiven. Sie war an Krebs erkrankt und verstarb im Juni 2010. Da sie im selben Haus lebte wie meine Mutter, entstand auch zu dieser wieder Kontakt. Der bekam mir nicht gut. Auch das Elternhaus betrat ich dadurch wieder. Damit hatte ich Kontakt zum Tatort. Dieses Haus wird jetzt gerade verkauft. Ob die Kontakte zu Täterin, Tatort und Umfeld eine Rolle spielten bei meiner weiteren Entwicklung weiß ich nicht, mein Therapeut meint ja. Ich glaube, dass die EMDR-Sitzungen die wichtigere Grundlage wurden.</p>
<p><em>Urvertrauen </em></p>
<p>Anfang Oktober 2010 hatte ich in mehreren Träumen die Integration des inneren kleinen Mädchens erlebt. Bislang war mir dieses kleine Mädchen noch ziemlich fremd. Ich wusste nur, dass sie es war, die den Sex mit Mutter aushalten musste. Der kleine Junge war der mit der Angst vor Hilflosigkeit, der Panik, dem Stress im Vorfeld. Wenn es losging mit dem Sex durch meine Mutter, wurde der kleine Junge zum kleinen Mädchen.</p>
<p>Plötzlich verschmolz dieses kleine Mädchen im Traum in der Person von Scotty aus Raumschiff Enterprise mit mir. Der Vorgang war nicht ängstigend, aber was sie mitbrachte, sehr: Mutters Brutalität, mein Leid und meine Verzweiflung.</p>
<p>Ich entdeckte, dass mein zwanghafter Drang zu Pornografie kein wirklicher Automatismus ist. Ich sitze nicht einfach da und plötzlich überfällt mich der Drang, Pornofilme im Internet anzuschauen. Nein, ich sitze da und es überfällt mich Leere. Um die nicht zu spüren, schaue ich Pornobilder, ich betäube mich damit!</p>
<p>Und dann kam er, der spannendste Tag seit der Geburt meiner beiden Töchter, der 20. Oktober 2010.<br />
Morgens um drei oder vier Uhr konnte ich nicht mehr schlafen. Ich hatte ein unlösbares Problem, das Problem mit dem Tod, gelöst.</p>
<p>Tagebucheintrag 20.10.2010:<br />
Tod:<br />
„Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn ich mir nichts mehr vorstellen kann. Wie löse ich das auf?“ Dieser Satz ist viele Jahre alt. Damit endete bisher jede Beschäftigung mit dem Tod.</p>
<p>Heute Nacht entdeckte ich den ersten Lösungsansatz meines Lebens: „Vertraue auf dich. Wenn es so weit ist, wirst du es wissen.“</p>
<p>Diese Antwort kam aus meinem tiefsten Inneren. Von Gott, oder meinem göttlichen Kind, oder vom kleinen Mädchen…</p>
<p>Klingt mystisch? Schlagartig ging es nicht mehr um das Rätsel des Todes, sondern um viel mehr: mein Leben! Ich hatte soeben einen großen Brocken Urvertrauen zu mir und zum Leben bekommen. Urvertrauen, nichts wirklich Mystisches, sondern etwas zutiefst Menschliches. Und damit ging es richtig los!</p>
<p><em>Auflösung oder Veränderung aller problematischen Grundgedanken </em></p>
<p>Meine größte Angst war die Angst vor Hilflosigkeit. „Ich muss mir immer selbst helfen können, bloß nicht hilflos werden“. Wenn ich mir jetzt hilflose Situationen vorstelle, empfinde ich „vertrau auf dich. Es wird irgendwie eine Lösung geben.“<br />
<em>Die Angst vor Hilflosigkeit gibt es nicht mehr! </em></p>
<p><em>Leere gibt es nicht mehr! </em><br />
Was ist das, Leere? Hatte ich damit mal Probleme? Es ist: Schwere, Morast, Ekel, Hilflosigkeit, die Leere ist nicht leer.</p>
<p>„Männer sind Pfeifen, Frauen sind gefährlich“. Mein Vater hat beim Missbrauch meiner Mutter geholfen, er ist Mittäter. Dass mein Vater mir nicht geholfen hat, war eine verkehrte Betrachtung. Er war kein „Nichthelfer“, er war ein „Mittäter“. Er hat mich mit dem Satz „alle Mütter spielen an ihren kleinen Jungens rum“ mit voller Absicht angelogen. Es war ihm sogar recht, dass ihn sein kleiner Sohn für eine Pfeife hielt. Hauptsache, der Sex durch die Mutter wird nicht entdeckt. Vati, die Pfeife, wurde zu Fritz, dem Lügner und Mittäter.<br />
<em>‚Männer sind Pfeifen‘ gibt es nicht mehr! </em></p>
<p><em>Mein Vertrauensproblem gibt es nicht mehr! </em>Ab sofort ist es korrekt zu sagen: ich habe ein Problem mit Lügen. Die, die ich als Kind als Wahrheiten gelernt hatte und in meinem Gehirn zu automatisierten Gedanken oder Gefühlen oder Handlungsanweisungen entwickelt hatte. Wo mein Vater mich belogen hatte, wo meine Mutter mich belogen hatte. Seither achte ich auf solche möglichen Lügen.</p>
<p><em>‚Ich bin nicht wichtig‘ und ‚ich bin wertlos‘ gibt es nicht mehr! </em></p>
<p>Die anderen Grundgedanken haben ihre Schärfe verloren, sind vom „müssen“ zum „sollen“ herabgestuft, Wut zu Ärger.</p>
<p>Meine Sexualität heute: Vor 10 Jahren war es eine gute Lösung, zwei Sexualitäten zu haben. Konnte ich doch die „normale“ Sexualität genießen und die „kaputte“ dem Missbrauch zuordnen und verteufeln. Seither hat sich viel verändert. Erst ganz langsam, in den letzten Monaten immer schneller. Meine „kaputte“ Sexualität ist nicht mehr zwanghaft. Ich kann sie sogar gezielt benutzen, um mich zu betäuben, wenn ich das für nötig halte. Was häufiger der Fall ist. Die zwei Sexualitäten werden langsam zu einer…</p>
<p>Die Geschwindigkeit, mit der sich die gesamten Grundgedanken veränderten, war unglaublich. Am Abend des 20.10. war keiner mehr wie zuvor.</p>
<p>Vor dem Jahr 2010 dachte ich, dass ich vielleicht 10% einer möglichen Heilung erarbeitet hatte, und war mir nicht sicher, ob es Heilung überhaupt gäbe, wenn man als Kind sexuell missbraucht wurde. Heute glaube ich, dass es erstens Heilung gibt, und dass ich zweitens 80% davon erarbeitet habe. So gewaltig sind die Entwicklungen des Jahres 2010 und auch 2011. Ich habe noch nicht alles erzählt, es geht weiter.</p>
<p><strong>Auflösung von Traumata </strong></p>
<p>Mit der Beseitigung der meisten irrationalen Grundgedanken ist meine Heilung noch nicht am Ende. Ich habe entdeckt, wie ein Trauma aufgelöst werden kann. Dazu will ich die Geschichte erzählen, wie ich die Verzweiflung meiner Kindheit aus meinem Körper und meinem Kopf vertreiben konnte. Es war ein aktiver Vorgang. Ich war aktiv. Und ich hatte Hilfe von zwei Selbsthilfegruppen und einem Therapeuten. Und: ich konnte Hilfe einfordern und annehmen. Schließlich war der alte Grundgedanke ‚Männer sind Pfeifen und können mir nicht helfen‘ nicht mehr wirksam.</p>
<p>Ende November 2010: Seit längerem hatte ich klar erkennbar ein Gefühl von Leere: immer wieder, und es trieb mich in Sekundenschnelle dazu, dieses Gefühl zu betäuben, ich konnte es gar nicht aushalten. Dann hatte ich hin und wieder mal die Kraft, dem Gefühl wenigstens ein paar Sekunden nachzuspüren. Dabei hatte sich herausgestellt, die Leere war gar nicht leer, sondern sie bestand aus einem dicken, schweren Gefühl im Bauch.</p>
<p>Nach dem Ende meiner größten Angst, der vor Hilflosigkeit, konnte ich dieses schwere Gefühl im Bauch öfter zulassen. Das steigerte sich dann soweit, bis ich es täglich fast durchgängig spürte und halbwegs ertragen konnte.</p>
<p>Es fühlte sich an wie eine elastische Blase, in der sich schlammige, morastige, zähe Pampe befindet, die dunkelbraun-dunkellila gefärbt ist.</p>
<p>In meiner Selbsthilfegruppe und mit meinem Therapeuten kam ich dann auf die Idee, es könnte so etwas sein wie psychischer Schmerz, oder Demütigung, oder Verzweiflung, oder alles zusammen, oder noch mehr.</p>
<p>Ich hatte dann beim nächsten Selbsthilfegruppe-Treffen die anderen Mitglieder gefragt, wie sich denn Demütigung, psychischer Schmerz oder Verzweiflung körperlich anfühlen würden. Da kamen einige interessante Beschreibungen zusammen und eine hat mich innerhalb kurzer Zeit, nämlich bereits beim Nachhauseweg, total getroffen: Das schwere Gefühl war plötzlich weg und ist nicht mehr aufgetreten.</p>
<p>Es war Verzweiflung. Die Verzweiflung der ersten 15 Jahre meines Lebens. Als ich den Sex mit meiner Mutter nicht wollte, als ich wollte, dass sie aufhört, als ich vergeblich meinen Vater informierte, als es mal zwischendurch weniger wurde, als es dann sogar schlimmer wurde, weil sie begann, mit mir zu ficken, als es Jahre um Jahre dauerte und nicht aufhörte, als ich mehrfach versuchte, mich selbst zu töten. Als ich dann endlich mit 12-13 Jahren glauben konnte, dass ich den Missbrauch überleben könnte, weil ich dachte, ich schaffe es, bis ich 16-18 Jahre alt bin. Und ich schaffte es!</p>
<p>Das schwere Gefühl und die Geschichte dazu, also die Verzweiflungsgeschichte, gleichzeitig in meinem Bewusstsein zu haben, bewirkte, dass ich beides als sehr harte, aber als zusammengehörende Erinnerung im Gedächtnis abspeichern konnte. Das Gefühl spukt nicht mehr in mir herum und kann sich nicht mehr als Handlungsanweisung auswirken. Dieser Teil meines Kindheitstraumas ist erledigt.</p>
<p>Meine Schlussfolgerung: Habe ich ein schweres Gefühl in mir oder eine üble Geschichte, dann gehe ich auf die Suche nach dem Gegenstück. Wenn ich das wirklich wahre Gegenstück gefunden habe, habe ich eine gute Chance, dass sich das Trauma bzw. ein Teil des Traumas auflöst.</p>
<p>Habe ich kein Gefühl, sondern eine zwanghafte Handlung, so suche ich nach dem Gefühl, welches durch die Zwangshandlung verdeckt wird: Ich versuche, ganz genau in meinem Körper zu beobachten und zu spüren, was da passiert in den Sekunden vor der Zwangshandlung. Mein Ziel ist nicht, die Zwangshandlung zu unterlassen, sondern das verdeckte Gefühl zu entdecken.</p>
<p>Nicht alles, was heute noch Probleme verursacht, ist auf den Täter zurückführbar. Vater, Mutter, Täter: Sie alle haben große eigenständige Bedeutung. Bei mir betrifft diese außer Mutter noch meinen Vater. Einige meiner Grundgedanken hatten mit ihm zu tun. Und vor allem: ich war 3(!) Jahre alt, als ich mich bei ihm über Mutter beschwerte. Er hätte mir 10(!) weitere Jahre Missbrauch ersparen können. Darum hatte meine Auseinandersetzung mit ihm eine große Bedeutung bei meiner Heilung.</p>
<p>Es gibt noch einen zentralen Punkt: Die Schweigemauer musste weg. Ganz weg. Der Beginn dieses Vorgangs war die Wiedererinnerung des Missbrauchs vor 12 Jahren, das Ende ein</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/05/27/manner-trauen-sich-oft-nicht/" target="_blank">Fernsehbericht des HR über mich im Februar 2011.</a></p>
<p>Heilung, oder: die Auflösung von Traumata, ist meiner Meinung nach ein permanenter Vorgang, der nicht endet. Das bedeutet aber auch, dass ich nicht ständig mit heilen beschäftigt bin. Ich bin mit essen beschäftigt, mit lesen, mit lieben, mit heilen, mit arbeiten …</p>
<p><strong>Meine Ressourcen </strong></p>
<p>„Vor kurzem war ich bereits die dritte oder vierte Woche hintereinander kaum arbeitsfähig. Ich war depressiv. Nicht ein einziges Mal habe ich es zum Krafttraining geschafft. Abends konnte ich mich nicht auf die Nachrichten konzentrieren und morgens kam ich vor 10 Uhr nicht aus dem Bett.“</p>
<p>Soll ich die vier Wochen wirklich so beschreiben? Oder vielleicht eher so:</p>
<p>„In den letzten drei bis vier Wochen saß ich jeden zweiten Tag auf dem Balkon, habe gelesen und teilweise in der Sonne gebräunt. In meinem Lieblingscafé war ich ebenfalls mehrfach, habe Kaffee getrunken, Menschen beobachtet, gelesen, Notizen gemacht. Ich liebe lesen. Und wenn es nicht regnete, fuhr ich fast täglich mit dem Fahrrad am Main entlang. Abends saß ich dann gelegentlich in der Badewanne mit Buch, Kaffee, Papier, Stift, Telefon, genoss die feuchte Wärme und entspannte mich.“</p>
<p>Beide Versionen sind „wahr“.</p>
<p>Weil ich die zweite Version sehr gerne mag, liste ich anschließend meine Stärken auf. Auf neudeutsch: meine Ressourcen. Was kann ich? Was mag ich gerne? Das Wichtignehmen dieser Ressourcen führt dazu, dass mein Tagesablauf immer angenehmer und optimistischer wird.</p>
<p>Meine Ressourcen in meinem Innern:</p>
<ul>
<li>ich kann selbständig relativ autark leben</li>
<li>ich denke analytisch</li>
<li>ich kann komplexe Probleme lösen</li>
<li>ich arbeite mit inneren Bildern</li>
<li>ich kann mir Wissen jederzeit aneignen</li>
<li>ich habe umfangreiches Wissen</li>
<li>ich habe einen inneren Wohlfühlort</li>
<li>ich bin intelligent</li>
<li>ich bin neugierig</li>
<li>ich bin geduldig</li>
<li>ich kann mich einfühlen</li>
<li>ich kann kreative Ideen entwickeln</li>
<li>ich kann mich nach innen konzentrieren</li>
<li>ich kann mich gut beobachten</li>
<li>ich kann Gefühle betäuben</li>
<li>ich bin hilfsbereit und ehrlich</li>
</ul>
<p>Meine Ressourcen außerhalb von mir:</p>
<ul>
<li>Ich habe Freunde</li>
<li>ich bin in Selbsthilfegruppen verankert</li>
<li>Badewanne</li>
<li>interessante berufliche Tätigkeiten</li>
<li>ausreichend Vermögen</li>
<li>meine Töchter</li>
<li>ich bin attraktiv</li>
<li>ich lese gerne</li>
<li>ich habe viel Wissen</li>
<li>ich liebe es, im Café zu sitzen</li>
<li>ich fahre gerne Rad</li>
</ul>
<p>„Aus leben wird lieben, wenn du ein ‚i‘ einfügst.“</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Vergessen möchte man aber gern</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/05/28/vergessen-mochte-man-aber-gern/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 14:10:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu den Zahlen von Frau Dr. Bergmann möchte ich etwas später Stellung nehmen. Das dann aber mit meinem Gefühl für den Tag in Schwerin und wie ich wann was und wo empfand. Zunächst zu ein paar anderen Zahlen, die mich fast in ihrer Spendenfreudigkeit erschlagen. Morgen findet in Neddemin (Dorf in der Nähe von Neubrandenburg) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu den Zahlen von Frau Dr. Bergmann möchte ich etwas später Stellung nehmen. Das dann aber mit meinem Gefühl für den <a href="http://netzwerkb.org/2011/05/25/politische-nebelkerzen/" target="_blank">Tag in Schwerin</a> und wie ich wann was und wo empfand.</p>
<p>Zunächst zu ein paar anderen Zahlen, die mich fast in ihrer Spendenfreudigkeit erschlagen.<br />
Morgen findet in Neddemin (Dorf in der Nähe von Neubrandenburg) ein freudiger Gottesdienst statt, denn das Gotteshaus erstrahlt in neuem Glanz.<span id="more-8105"></span></p>
<p>Über 350 000 Euro wurden dafür gespendet. Mit barocker Fassung an den Wänden und Sprüchen wie &#8220;Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit&#8221;.<br />
Durch zahlreiche Spender konnte auch eine Bankheizung installiert werden.</p>
<p>Ein anderes Dorf auch in der Nähe von Neubrandenburg (Mecklenburg Vorpommern)<br />
Das Bild zeigt eine alte Kirchenruine in Küssow (Dorf in der Nähe von Neubrandenburg). Diese Ruine ist DENKMALGESCHÜTZT, wogegen ja nichts spricht, denn alte Mauern soll man nicht dem VERGESSEN überlassen.</p>
<p>Vergessen möchte man aber gern was noch in diesen Gemäuern statt fand. Mein Erzeuger lebte kurze Zeit in der Nähe dieser alten Kirchenruine. In so einem Dorf bot man ihm Unterschlupf nach einem Gefängnisaufenthalt.</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/05/mauer-ruine-denkmal.jpg" target="_blank">Ich habe diese alte Kirchenruine auf grausame Weise kennengelernt.</a></p>
<p>Trotzdem klopfte ich an deren Kirchentür, aber mir wurde nicht aufgetan. Einen Rat für die Diakonie bekam ich dennoch von meinem damaligen Pastor.</p>
<p>Wie werden Spendengelder verbraten? &#8212;- oder ist eine Bankheizung von Bedeutung, wenn im Winter Menschen auf der Straße erfrieren?</p>
<p>WIE IST ES TATSÄCHLICH MIT DER MENSCHLICHKEIT EINIGER PASTOREN BESTELLT?</p>
<p>Vielleicht habe ich aber nur kein Verständnis für diese Pastoren&#8230;&#8230;. Liza</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/05/mauer-ruine-denkmal.jpg"><br />
</a></p>

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		<title>Eine breite Schneise von Missbrauch</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/05/20/eine-breite-schneise-von-missbrauch/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 May 2011 15:10:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin Jahrgang 1950 und stamme aus einem kleinen Dorf im östlichen Hochschwarzwald, zirka 20 Kilometer vom Titisee (Erzdiözese Freiburg im Breisgau) entfernt. Die ersten vier Jahre bin ich dort zur Schule gegangen. Neben mir kann ich eine zweistellige Anzahl von Schulkameradinnen und Schulkameraden in meiner Zwergschule namentlich aufzählen, welche von dem damaligen Vikar meist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin Jahrgang 1950 und stamme aus einem kleinen Dorf im östlichen Hochschwarzwald, zirka 20 Kilometer vom Titisee (Erzdiözese Freiburg im Breisgau) entfernt. Die ersten vier Jahre bin ich dort zur Schule gegangen. Neben mir kann ich eine zweistellige Anzahl von Schulkameradinnen und Schulkameraden in meiner Zwergschule namentlich aufzählen, welche von dem damaligen Vikar meist jeweils während des Religionsunterrichts auf übelste Weise und exzessiv misshandelt und missbraucht wurden. <span id="more-7957"></span>Wenn ich beispielsweise zu schreien anfing, stopfte er mir ein Taschentuch in den Mund, um mich am Schreien zu hindern und um seine Prügelorgie bzw. seinen Missbrauch weiterführen zu können. Ich erinnere mich noch beklemmend gut an sein Hecheln, Wimmern und Schnauben und ich weiss noch sehr genau, wie es unter seiner Soutane roch, wenn er meinen Kopf zwischen seine feisten Knie klemmte. Häufig hatte er beim Prügeln sogar einen Orgasmus.</p>
<p>Als er mich wieder einmal vertrimmte und es besonders schlimm trieb, schoss mir der Gedanke durch den Kopf, ich müsse mich mit meinem Peiniger verbünden und seine Partei ergreifen, um ihn von seinem Tun abzubringen. Diesen Gedanken habe ich viele Jahre später von Traumatherapeuten, die mit amnesty international zusammenarbeiten, im Zusammenhang mit der Behandlung von Überlebenden von Folter beschrieben gehört, woraufhin mir die Situation mit dem seinerzeitigen Missbrauchsexzess wieder beklemmend gegenwärtig vorkam. Bei einer der Therapien, zu denen ich mich veranlasst fühlte, brachte ich eben diese Episode aus meiner &#8220;Missbrauchsgeschichte&#8221; zur Sprache. Mein Therapeut bezog dazu Stellung und erläuterte mir, dass die Preisgabe der eigenen Position und die Parteinahme zugunsten des Peinigers in einer solchen Situation mit die schlimmste Erniedrigung sei, die einem Menschen angetan werden könne, und ich war dieser Demütigung als sechsjähriger Junge ausgesetzt.</p>
<p>Die zweifelhafte Art dieses Geistlichen, den Religionsunterricht zu gestalten, war in der ganzen Gegend bekannt. Eltern, der örtliche Lehrer, der Pfarrer im nächstgrösseren Ort und viele andere Erwachsene wussten mit Sicherheit davon, trauten sich aber offensichtlich nicht, den Taten dieses Kinderschänders Einhalt zu gebieten, ihn beispielsweise bei der Polizei anzuzeigen oder sonstige Maßnahmen zur Beendigung dieses desaströsen &#8220;Wirkens&#8221; zu ergreifen.</p>
<p>Hier wie überall, wo die Katholische Kirche seinerzeit eine ausgeprägte Dominanz ausübte, gab es in der betreffenden Gesellschaft eine beschämende Kultur des Verschweigens und Wegschauens. Aus verschiedenen Erzählungen von Bekannten aus jener Gegend weiss ich, dass dieser Vikar auch an anderen Wirkungsstätten eine breite Schneise von Missbrauch und exzessiver Gewalt gegen Kinder hinterliess.</p>
<p>Nach meinem Kenntnisstand wurde er niemals zur Rechenschaft gezogen. Ich wage sogar die Behauptung, dass er eine insgesamt dreistellige Anzahl von Kindern misshandelt und missbraucht hat. Der Vikar, von dem in meiner Schilderung die Rede ist, hieß Heinz Körner. Einem Nachruf im Bistumsblatt der Erzdiözese Freiburg zufolge verstarb er im Frühjahr 2001.</p>
<p>Aus der einschlägigen Literatur sowie aus zahlreichen Gesprächen mit anderen Betroffenen weiss ich, dass denjenigen, die als Kind bzw. als Jugendlicher körperlich und sexuell missbraucht wurden, ein ausgesprochen desolates Selbstbild gemein ist. Ein das Leben dauerhaft begleitendes Grundgefühl ist eine permanent präsente und dominante &#8220;Grundscham&#8221;. Ein Betroffener fühlt sich &#8220;aus sich heraus&#8221; minderwertig und meint sich seiner selber schämen zu müssen. Diese Symptomatik hat mich einen Großteil meines Lebens sehr nachhaltig begleitet und in ausgeprägter Weise belastet. Es ist sicher unschwer nachzuvollziehen,<br />
dass eine solche Grundeinstellung zu sich selber &#8211; bis hin zu einer ggf. auch unbewusst empfundenen &#8220;Opfer- identität&#8221; &#8211; für eine selbstbewusste, offene und selbstsichere Begegnung mit anderen Menschen ein massives Handicap darstellt.</p>
<p>Mit meiner Schilderung geht es mir auch darum, die verstörend hohe Dunkelziffer körperlichen und sexuellen Missbrauchs von Kindern in den fünfziger und sechziger Jahren durch Geistliche gerade in ländlichen Gebieten aufhellen zu helfen und dafür zu sorgen, dass das Leid und das Trauma der oben aufgeführten Kinder aktiv und offensiv zur Sprache gebracht werden. Die damals Gepeinigten sollen auf diese Weise in einem Mindestmass Genugtuung erfahren und ermuntert werden, Unterstützung bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erlebnisse einzufordern.</p>
<p>Ich will überdies einen Beitrag dazu leisten, dass die Verjährungsfrist für diese abscheulichen Verbrechen zumindest für<br />
Zivilprozesse signifikant verlängert wird.</p>
<p>Meinen Fall habe ich letztes Jahr Herrn Bischof Dr. Ackermann geschildert und eine erste Reaktion erhalten (Kenntnisnahme und Bedauern nebst Information über Weiterleitung an das den Domkapitular des Erzbistums Freiburg im Breisgau, Herrn Dr. Eugen Maier).</p>
<p>Von ihm erhielt ich daraufhin eine E-Mail mit dem Ausdruck persönlichen Bedauerns und der Zusage, die Berufsbiographie des Vikars Heinz Körner, der seinerzeit für seine Exzesse an körperlicher und sexueller Gewalt in der ganzen Gegend bekannt und berüchtigt war, zu untersuchen.</p>
<p>Ende 2010 erhielt ich von Herrn Domkapitular Dr. Maier eine weitere E-Mail mit der Mitteilung, meine Schilderung des Missbrauchs durch Vikar Körner sei glaubhaft.</p>
<p>Kurz vor Ostern 2011 erhielt ich vom Ordinariat Freiburg zwei Dokumente:</p>
<ul>
<li><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/05/neu_Antragsformular-04-14-JA.pdf" target="_blank">Antrag auf Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde</a></li>
<li><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/05/Vorlage-Anzeige-Missbrauch.pdf" target="_blank">Begleitschreiben</a></li>
</ul>
<p>mit der Bitte, diese Dokumente ausgefüllt bem Ordinariat einzureichen.</p>
<p>Ich habe nicht vor, diesem Ansinnen nachzukommen sondern denke über eine eigene Forderung an die Katholische Kirche nach, welche über dieses &#8220;Angebot&#8221; von 5.000,&#8211; Euro (was kann damit &#8220;wieder gut&#8221; gemacht werden??!!) signifikant hinausreicht&#8230;</p>
<p>gez. Eugen Schlatter</p>
<p>Mein Name ist Eugen Schlatter, von Beruf Dipl. Ing. (FH) der Informationstechnik, inzwischen in Rente, wohnhaft in Würzburger Ring 33/4, 91056 Erlangen</p>

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		<item>
		<title>Die besondere Geschichte</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/04/15/die-besondere-geschichte/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 17:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[– Rituelle Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Meldungen]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.sat1nrw.de/Archiv/Die-besondere-Geschichte--Teil-1/441d2971/" target="_blank"><img class="alignnone size-medium wp-image-7530" title="schattenfell_1" src="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/04/schattenfell_1-480x314.png" alt="" width="480" height="314" /></a><span id="more-7533"></span></p>
<p><a href="http://www.sat1nrw.de/Archiv/Die-besondere-Geschichte--Teil-2/441d2975/" target="_blank"><img class="alignnone size-medium wp-image-7531" title="schattenfell_2" src="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/04/schattenfell_2-480x319.png" alt="" width="480" height="319" /></a></p>
<p><a href="http://www.sat1nrw.de/Archiv/Die-besondere-Geschichte--Teil-3/441d3009/" target="_blank"><img class="alignnone size-medium wp-image-7532" title="schattenfell_3" src="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/04/schattenfell_3-480x318.png" alt="" width="480" height="318" /></a></p>

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		<item>
		<title>Wieder ein Schäfchen ins Trockene gebracht</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 05:43:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Es hat lange gedauert, bis ich meinem Therapeuten zustimmen konnte: Ja, ich hatte eine Missbrauchskindheit. Es waren nie die wirklich heftigen Sachen… Mein Vater war Maler und er hat mich gezwungen, nackt für ihn Akt zu stehen. Meiner Mutter hatte ich gesagt, dass ich das nicht wolle, aber sie schaute nur zu. Ich wuchs in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es hat lange gedauert, bis ich meinem Therapeuten zustimmen konnte: Ja, ich hatte eine Missbrauchskindheit. Es waren nie die wirklich heftigen Sachen…</p>
<p>Mein Vater war Maler und er hat mich gezwungen, nackt für ihn Akt zu stehen. Meiner Mutter hatte ich gesagt, dass ich das nicht wolle, aber sie schaute nur zu.<span id="more-7512"></span></p>
<p>Ich wuchs in einer sexualisierten Atmosphäre auf, wurde beim Wandern, wenn ich hinterm Baum austreten musste, fotografiert, im Restaurant nannte mich mein Vater einmal „mein Fickerle“. An einen Übergriff, wie man ihn sich eben vorstellt, kann ich mich nicht erinnern, obwohl mein Therapeut davon überzeugt ist, da ich von einer bestimmten Szene immer wieder Flashs u.a. habe. In späteren Jahren, etwa ab meinem 8. Lebensjahr, begann mich mein Vater verbal massiv zu demütigen. Ich sei dumm, unnütz, solle am Besten den Mund halten, wenn ich mit Menschen zu tun habe. Meine Mutter hat sich in Alkohol und ihre Arbeit gestürzt, während er pensioniert zuhause war. Alleine mit mir.</p>
<p>Mit 17 Jahren war ich vollkommen ausgehungert nach Zuwendung und Geborgenheit. Auf Besinnungstagen meiner Klasse (katholisches Mädchengymnasium) lernte ich Pater Gerd S. kennen. Er führte ein Meditationsspiel über die Skulptur „Russische Bettlerin“ von Ernst Barlach durch, in dessen Verlauf er einige von uns in die Arme nehmen konnte. Die Idee des Spiels: jeweils die Hälfte der Klasse sollte wie die Bettlerin mit verbundenen Augen und ausgestreckter Hand darauf warten, dass jemand kommt, die Hand nimmt, aufhilft und dann durch den Raum führt. Ich kann mich noch sehr gut an meine Gefühle erinnern, als sich die große, warme Hand des Paters in meine legte. Ich fühlte mich plötzlich wahrgenommen, liebens-wert, lebens-wert. Ich hatte Tränen in den Augen. Nach den Besinnungstagen schrieb ich euphorisch diesem Pater einen Brief, in welchem ich mich für diesen Impuls bedankte. Er nahm Kontakt mit mir auf, wir trafen uns, er schlug mir ein Brieftagebuch vor, um mich mit meinem schwierigen Elternhaus seelsorgerlich begleiten zu können. Natürlich nahm ich begeistert an und schrieb wie eine Wilde! Wir trafen uns, wenn er in der Gegend war, er nahm mich immer wieder in die Arme, nahm beim Spazieren meine Hand.<br />
Bald darauf, ich war immer noch 17, besuchte ich ihn über ein Wochenende in seinem Pfarrhaus in Mühlenrahmede. Dort kam es dann zum Übergriff… und wie immer in meinem Leben würde ich jetzt am Liebsten schreiben: Ich mache nur halbe Sachen. Er war „nur“ mit den Fingern zugange, in mir, danach in meinem Mund, immer und immer wieder, stöhnte, usw. Ich weiss noch, dass ich irgendwann auf den Funktionsmodus geschaltet hatte: „Das muss doch jetzt einfach so sein, Du darfst Dich nicht wehren“. Aber ich fühlte, dass irgendetwas nicht richtig war. Immerhin konnte ich irgendwann sagen, dass ich müde sei und er liess von mir ab.<br />
Das eigentlich Schlimme für mich damals war: Ich hatte tagsüber einen meiner Briefe bei ihm auf dem Schreibtisch gesehen – ungeöffnet. Er lachte darüber, in einer Mischung aus Spott und Verlegenheit. So wie er auch am Abend zuvor lachte, als er mich zum Abendessen mitbrachte und seine Mutter schimpfte: „Jetzt hab’ ich aber genug“.<br />
Meine Prägung, die ich in späteren Jahren immer wieder bestätigt bekam: Ich selber mit meinem Wesen, mit meinen Gedanken und Gefühlen, meinen Nöten bin nicht interessant. Nur mein Körper. Und ich erhalte Zuwendung nur, wenn ich diesen Körper hergebe. Meine Reaktion darauf: Aus Angst, wieder so verletzt zu werden, hatte ich damit begonnen, meinen Körper anzubieten, sobald ein Mann auch nur ein bisschen nett mit mir gesprochen hatte, auch, wenn es nur rein menschliches Interesse war. Welcher Mann sagt dann schon nein? Zahllose heillose Beziehungen waren die logische Folge.<br />
Nach meinem Besuch damals in Mühlenrahmede habe ich den Kontakt mit Herrn S. abgebrochen und auch alle meine Briefe zurück verlangt, die ich dann später weggeworfen habe. Als wir uns kurz nach meinem Besuch noch mal trafen  und ich ihm sagte, dass ich den Kontakt abbrechen wollte, sagte er, ich sei dagelegen wie ein Engel.</p>
<p>Lange Jahre habe ich diese Geschichte als Affäre abgelegt. Bis ich sie eines Tages eher zufällig meinem Therapeuten erzählte. Das war vor gut 1 Jahr. Er schüttelte den Kopf und sagte: „Das war ein sexueller Missbrauch. Sie waren eine Schutzbefohlene.“ Nach und nach wagte ich dann den Schritt und nahm Kontakt mit einer Beratungsstelle auf. Ein Psychologe der Lebensberatung Trier hat dann zwischen mir und dem Orden vermittelt und da beginnt nun das zweite Kapitel des Missbrauchs.</p>
<p>Gleich zu Beginn schrieb Herr S. (ich entziehe ihm die Bezeichnung „Pater“) eine Stellungnahme, in welcher er Bereitschaft signalisiert, „an der Aufarbeitung des angerichteten Unheils mitzuwirken und Konsequenzen zu tragen“. (Diese Stellungnahme liegt mir schriftlich vor). Im gleichen Bericht schreibt er, dass Prof. F. P. ihm im Jahre 2004 bescheinigt hatte, keine pädophilen Neigungen zu haben. Erstens frage ich mich, warum es dieses Gutachten überhaupt brauchte, was war der Auslöser? Und zweitens: Pädophilie ist nur die Spitze des Eisberges, wie man dem <a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/01/netzwerkB_Positionspapier_P%C3%A4dophilie_15.01.2011.pdf" target="_blank">Positionspapier von NetzwerkB</a> entnehmen kann. Auch ein Mann ohne pädophile Neigungen kann Kinder, Jugendliche und Erwachsene missbrauchen. Stichwort: Macht- und Abhängigkeitsverhältnis. Darüber hinaus machte S. 1992 / 93 eine Therapie, die er in diesem Zusammenhang erwähnte. Ein weiteres Fragezeichen.<br />
In einer nachgereichten Stellungnahme zwei Monate später dann klingt alles etwas anders und S. stellt sich als schwach gewordenes Opfer meiner Suche nach Geborgenheit dar. (Auch dieser Bericht liegt mir vor).<br />
Vom Orden wurde signalisiert, dass man an Aufklärung interessiert sei und es wurde die Erfüllung unserer Forderungen zugesagt:<br />
1.    Abzug aus der Jugendpastorale (welche aus Altergründen sowieso vorgesehen war, folglich nicht als Konsequenz anzusehen ist)<br />
2.    eine finanzielle Beteiligung an meinen Therapiekosten (ist in Höhe von € 3500.- erfolgt)<br />
3.    eine Selbstanzeige, wozu von der Deutschen Bischofskonferenz in Abschnitt IV ihrer Leitlinien geraten wird</p>
<p>Letzterem widersetzte sich S., sodass der Ordensobere Herr W. uns zusagte, dies stellvertretend zu übernehmen. So weit so gut.</p>
<p>Zwischen dem Ordensoberen und uns bzw. meinem Vermittler, war Transparenz abgesprochen worden, d.h. sich immer gegenseitig über die jeweiligen Schritte zu informieren. Was von Herrn W. nicht eingehalten wurde: Er hat ohne uns zu fragen, geschweige denn zu informieren, meinen detaillierten und intimen Bericht beispielsweise an ebendiesen psychiatrischen Forensiker Prof. F. P. weiter gegeben, der in der Ettal-Affäre involviert war. Ebenso im Jahre 2000 im Fall M.: Dieses Mädchen war bestialisch ermordet und ihre Leiche geschändet worden, der Täter nahm sich das Leben. P. sprach von Doppelselbstmord. Sein Prinzip: Täterschutz.<br />
So bekam ich von ihm, nicht etwa nach einem persönlichen Gespräch, sondern lediglich aufgrund meines Berichtes, über ein paar Ecken sein Urteil zu hören: „Es kann gar nicht sein, dass durch dieses einmalige, erotische Erlebnis einer 17- oder 18-jährigen Frau ein lebenslanges Trauma entsteht, zumal sie selbst schreibt, dass sie in Kindstagen missbraucht wurde.“<br />
Aufgrund dieser Aussage kam es in meiner Ehe zu einer massiven Krise, die zu einem Zusammenbruch und einer beruflichen Auszeit mit Klinikaufenthalt im Herbst 2010 führte.<br />
Des Weiteren wurde mein Bericht an eine Anwaltskanzlei weiter geleitet, welche die Strafbarkeit und Verfolgbarkeit überprüfen sollte. Mein Bericht war durch so viele Hände gegangen, von so vielen fremden Augen gelesen worden – ich fühlte mich nur noch beschmutzt.<br />
Trotz dem Resümee des Anwaltes, dass die Tat, sofern überhaupt verfolgbar, verjährt sei, sicherte uns Herr W. die Anzeige zu, was sich aber über Wochen und Monate verschleppte. Auf Telefonate meines Vermittlers hin sicherte der Augsburger Anwalt J. schliesslich mehrmals zu, genau an diesem Tag die Anzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft abzuschicken – was er dann aber kein einziges Mal einhielt.<br />
Dann ist mir der Kragen geplatzt. Ich habe meine Deckung verlassen und mit Kopie an diverse Adressen, darunter der Missbrauchsbeauftragte des Claretinerordens und die für die Deutsche Bischofskonferenz tätige Juristin, Herrn W.und Herrn J. geschrieben, dass ich mit meiner Geschichte, insbesondere mit dem Verhalten des Ordensoberen, an die Öffentlichkeit gehen würde, wenn das Verfahren nicht eingeleitet würde. Was mir als freie Journalistin ein Leichtes wäre. Und siehe da: Nach einem ungläubigen Zögern erfolgte die Tat: Rechtsanwalt J. konnte meinem Vermittler berichten, dass er die Anzeige abgeschickt hat (allerdings an die falsche Staatsanwaltschaft … ) und von Herrn W. erhielt ich einen netten Brief im Sinne eines Schlussstriches.</p>
<p>Happy End?<br />
Bis heute habe ich, trotz mehrmaliger Mails und zuletzt aufgesetztem Druck, keine schriftliche Bestätigung des Rechtsanwaltes erhalten, dass die Anzeige wirklich gemacht wurde. Und S.? Anfangs Jahr hatte Herr W. meinem Vermittler erzählt, S. wolle aus dem Orden austreten, weil er seitens seiner Mitbrüder Rückhalt in dieser Sache vermisst habe (Man stelle sich vor!). Trotz der schriftlichen Versicherung Herrn W. in seinem Schlussbrief bezüglich der Versetzung S. und der Zuteilung eines neuen Arbeitsbereiches reist S. immer noch im süddeutschen Raum umher, wohnt immer noch in seinem alten Kolleg in Weissenhorn, leitet Besinnungstage für Frauen und Eheseminare. Nach wie vor liest man in der Zeitung von seinem Charme, von seinem Humor. Die Aufarbeitung hat für S. keinerlei sichtbare Konsequenzen, er zeigt keinerlei Schuldbewusstsein keine Bussfertigkeit, genießt großen Freiraum. Und solch ein Pater soll pastorale Aufgaben ausfüllen dürfen? Welch ein Hohn, ein Schlag ins Gesicht!</p>
<p>Es braucht viel, bis ich aufhöre zu kämpfen. Mittlerweile bin ich in die nächste Runde gegangen.</p>
<p>Zum Bild:<br />
Letztes Jahr besuchte ich das Ernst Barlach-Haus in Hamburg und setzte mich ausgiebig mit der Skulptur auseinander, die damals alles ins Rollen gebracht hatte.</p>

<a href='http://netzwerkb.org/2011/04/15/wieder-ein-schafchen-ins-trockene-gebracht/barlach_01/' title='barlach_01'><img width="150" height="150" src="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/04/barlach_01-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="barlach_01" title="barlach_01" /></a>
<a href='http://netzwerkb.org/2011/04/15/wieder-ein-schafchen-ins-trockene-gebracht/barlach_03/' title='barlach_03'><img width="150" height="150" src="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/04/barlach_03-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="barlach_03" title="barlach_03" /></a>


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		</item>
		<item>
		<title>Meine Familie ist total krank</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/03/30/meine-familie-ist-total-krank/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 06:06:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Biographie von Ashley Mein Vater starb drei Monate vor meiner Geburt an einem Motorradunfall. Er war auf der Stelle tot. Heute weiß ich, dass meine Mutter fremdgegangen ist und mein Vater bekam es raus und trank sehr viel Alkohol dem Tag. Als meiner Mutter nach Hause kam, setzte sie ihn vor die Tür. Er nahm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Biographie von Ashley</p>
<p>Mein Vater starb drei Monate vor meiner Geburt an einem Motorradunfall. Er war auf der Stelle tot.<br />
Heute weiß ich, dass meine Mutter fremdgegangen ist und mein Vater bekam es raus und trank sehr viel Alkohol dem Tag.<span id="more-7149"></span> Als meiner Mutter nach Hause kam, setzte sie ihn vor die Tür. Er nahm sein Motorrad und fuhr im nächsten Dorf an eine sehr große,dicke Eiche. Ich hätte ihn gerne kennengelernt, da mir immer vorgehalten wurde, dass ich wie mein Vater bin. Also ich kenne mich einigermaßen und deshalb denke ich mir, dass er ein guter Vater gewesen wäre.</p>
<p>Mein Stiefvater war schon immer streng. Als meine Oma starb (Acht Jahre), hatten wir gerade das Haus auf dem Spiegelberg in Neustadt/Dosse gekauft. Unsere ganze Trauer hatten wir in den Hausbau investiert. Doch im ersten Winter, hatte mein Stiefvater ein Unfall. Er hatte mit seinen LKW einen alten Mann überfahren. Leider musste er mit ansehen, wie diese Leiche danach aussah. Er fing an zu trinken, da meine Mutter ihm als Weichei bezeichnet hatte. Meine Mutter sagte zu ihm, dass sie mich nicht sehen kann, weil ich die braunen Augen, das unschuldige Gesicht und den Bock von meinem Vater habe. Immer wenn er betrunken war, hatte er vor mir mit einem Messer gestanden und sagte:<br />
„Ich werde dir die Augen ausstechen, deine Unschuld aus dem Gesicht schneiden und deinen Bock dir ausbrügeln!“ Ich habe große Angst vor Spinnen. Da kam solch schrecklicher Film über Riesen Spinnen. Er holte mich ins Wohnzimmer, ich sollte mich auf den Fußboden setzen und er saß dahinter. Er hielt mir die Augen weit auf und ich musste diesen Film zu ende schauen.<br />
Vor meinen Augen hatte er immer die Katzenbabys ertränkt. Ich weinte und bettelte um das Leben der Katzen, doch er tat es mit einem lächeln im Gesicht.<br />
Ich bekam mit neun Jahren schon Hochprozentigen Alkohol, da ich bei jedem Wetter sein Alkohol holen musste.<br />
Er sagte immer, wenn die Straßenlaternen an gehen, dann soll ich nach Hause kommen, doch einmal war ich weiter von zuhause weg und kam dadurch zu spät. Ich weiß noch, dass ich eine Latzhose trug. Er nahm mich hinten ins Kreuz und warf mich gegen die Heizung. Mein Kopf blutete wie verrückt. Er sagte ich solle mich nicht so haben.<br />
„ Hör auf zu weinen sonst schlag ich zu!“<br />
Ich konnte nicht aufhören&#8230;<br />
Er hatte noch seine Arbeitsschuhe an, die mit der Stahlkappe&#8230;.<br />
Er trat drei mal in meine Rippen und vier davon hatte er gebrochen!<br />
Bücher lesen oder lernen dürfte ich auch nicht, denn auch das ist nur was für Weicheier. Als ich elf Jahre alt war, hatten sich meine Eltern getrennt. Eines Tages (Zwölf Jahre) wollte ich ihm besuchen, weil er noch einen Kindertisch von uns hatte, doch es kam ganz anders&#8230;<br />
Ich klopfte an seine Tür doch er hatte nicht geantwortet, also nahm ich sein Schlüssel aus seinem Versteck und öffnete die Tür. Der Geruch war so grauenvoll und es waren viele Fliegen, Mindestens Fünfzig Öttinger Bierbüchsen lagen herum, dazu Essensreste und mein Stiefvater mittendrin, er sah so weiß aus. Ich tippte ihn an, keine Reaktion. Ich holte eine Tasse Wasser und schüttete ihm das Wasser ins Gesicht, doch keine Reaktion. Ich schlug ihn und schrie ihm an, doch keine Reaktion. Ich lief runter zur Straße und schrie mein Vater wacht nicht mehr auf&#8230;.</p>
<p>Meine Mutter ist eine Not geile, Geldgierige, Intrigantes Miststück!<br />
Ich musste meine Schulsachen selbst finanzieren, den kompletten Haushalt führen, nie spielen gehen, wenn Besuch da war, wurde ich schick gemacht, in die Ecke gesetzt und immer schön lächeln und gar nichts anfassen oder reden.<br />
Alles was ich gemacht hatte, hatte ich falsch gemacht. Alles was ich mochte, bekam ich nicht. Was ich nicht mochte bekam ich. Ich wäre zu sensibel. Ich war das einzige Kind, das in den Sommerferien (neun Wochen) bei seiner Oma war und kein Heimweh bekam. Im Gegenteil, ich weinte immer wenn sie mich abholten.<br />
Am besten wäre es wenn ich einfach verschwinden würde, sagte sie immer wieder zu mir. Meine Schwester wäre ein Wunschkind und ich bin ein Bastard.<br />
Sie schlug mich immer wieder. Einmal ist sie mit den Rest der Familie in den Urlaub gefahren. Ich sollte mir bei Netto was zu Essen aussuchen. Ich war Achtzehn Jahre alt. Ich kam an die Kasse, sie schlug mich und meinte das wäre zu Teuer und musste das Essen für knapp zwei DM zurück bringen und hatte nichts bekommen.<br />
Jugendweihe hatte ich gebettelt, gibt es nicht, aber meine Schwester und mein Bruder bekamen die Jugendweihe. Klassenfahrten dürfte ich auch nicht mit fahren.<br />
Ich war drei Jahre Vegetarier, weil ich Fleisch nicht so mag. Irgendwann kam ich von der Schule und meine Mutter hatte schon auf mich gewartet mit ein Stück rohes, blutiges Steak.<br />
„ Mach dein Maul auf, jetzt wird wieder Fleisch gefressen. Deine scheiß extra Touren!“<br />
Ich hasse diese Frau abgrundtief!!</p>
<p>Mein Bruder, er kam fast jede Nacht gegen 3:00 Uhr morgens und das von meinem Achten-Fünfzehnten Lebensjahr. Erst wusste ich nicht was los war. Morgens war ich nur halb angezogen und war feucht zwischen den Beinen. Ich wusste nicht an wem ich mich wenden sollte. Eines Nachts wurde dabei wach und stellte mich steif, aber er hörte nicht auf. Ich drehte mich so weg das er nirgends wo mehr ran kam. Ich verstand die Welt nicht mehr. Warum ist das so?! Ich hatte Angst was zu sagen, denn ich wollte die Familie nicht zerstören und ich schämte mich dafür. Eines Abend steckte er die ganze Hand rein und das tat so weh. Ich machte mich steif und drehte mich weg. Er dachte wohl immer das ich noch schlief, doch ich wusste alles. Ich musste die Nächte wach bleiben und wenn er kam schickte ich ihm aus mein Zimmer. Er sollte mir ein Marmeladenbrot machen. Nächsten morgen war überall Marmelade an meinem Körper, aber ich wusste das er mich nicht anfassen konnte. Oder ich verbrachte die ganze Nacht auf dem Spielplatz in der Nähe.<br />
Irgendwann bekam er raus, dass ich bei der Nachbarin eine Katze besaß.<br />
„ Wenn du nicht willst das Papa raus bekommt das du einen Kater hast, dann musst du dich eine halbe Stunde an Brust anfassen lassen!“<br />
Das lief so ca. ein Jahr. Ich kann bis heute noch keine großen tickende Uhren hören und manchmal auch nicht sehen, wenn es darum geht die Zeit rum zu bekommen.<br />
Eines Nachts bin zu meiner Mutter an ihr Bett getreten und sagte ihr, dass mein Bruder immer in mein Zimmer kommt und mich anfasst.<br />
Meine Mutter schlug mich und sagte:<br />
„ Gehe in dein Zimmer, dein Bruder hat dich nur lieb und hab dich da nicht so!“<br />
Meine Familie ist total krank im Kopf. Ich muss wohl bei der Geburt vertauscht worden sein!!!!!!!!!!!!!</p>
<p>Meine Stiefschwester, sie hatte echt alles bekommen. Ich war ihr Vorbild aber ich habe sie nicht an mich ran gelassen. Dafür hatte sie mich vor ca. sechs Jahren mit meinem Freund auseinander gebracht und gleichzeitig alles weg geworfen, was ich mir in der Lehre notiert hatte, somit wird es schwierig, meine Lehre noch zu vollenden.</p>
<p>Das ist die ganze Geschichte von mir&#8230;</p>
<p>Liebe Grüße<br />
Ashley</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/03/26/mein-bizarres-leben/" target="_blank">Mein bizarres Leben</a></p>

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		<title>Mein bizarres Leben</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/03/26/mein-bizarres-leben/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 06:11:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines morgens wurde ich wach und bemerkte das ich nur teilweise angezogen war. Ich erkannte nicht was los war, dem ungeachtet fühlte ich mich nicht besonders. Eines Nachts bin ich anwesend wach geworden und erkannte die Welt nicht mehr. Ich hatte ungeheuerliche Grausen. Angst die Familie zu zerstören, nichtsdestoweniger hörte es nicht auf. Ich versuchte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines morgens wurde ich wach und bemerkte das ich nur teilweise angezogen war. Ich erkannte nicht was los war, dem ungeachtet fühlte ich mich nicht besonders. Eines Nachts bin ich anwesend wach geworden und erkannte die Welt nicht mehr.<span id="more-7082"></span> Ich hatte ungeheuerliche Grausen. Angst die Familie zu zerstören, nichtsdestoweniger hörte es nicht auf. Ich versuchte wach zu bleiben um ihm aus mein Zimmer zu schicken, oder ich verbrachte die Nacht auf dem Spielplatz.<br />
Ich ging in einer Nacht zu meiner Mutter und sagte ihr das mein Bruder mich nachts anfasst. Sie schlug mich und sagte mir, dass ich mich nicht so haben sollte, er hätte mich nur lieb und schickte mich wieder ins Zimmer. Mein Stiefvater war Alkoholiker und hatte was gegen Haustiere. Bei meiner Nachbarin konnte ich eine kleine süße Katze haben, aber bedauern bekam das mein Bruder mit. Er sagte wenn es keiner erfahren sollte, dann sollte ich mir eine halbe Stunde lang berühren lassen. Ich kann bis heute noch keine großen Uhren sehen.<br />
Das alles ging über Jahre. Meine Mutter wollte das ich mich auflöse. Ich fing mit 13 Jahren mit Cannabis an. Es half mir sehr. Ich war nicht mehr so zurückhaltend, mein Verstand hatte sich aufgebauscht, keine Schmerzen, Appetit, keine Leere und die Alpträume wurden dezimiert. Mit 16 Jahren bekam ich unerwartete Ängste, die ich nicht explizieren konnte. Ich wurde in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen und bekam meine Ängstlichkeiten wieder in den Griff. Ich hatte mich bis zum 21. Lebensjahr mit Homöopathie kurieren lassen, jedoch früher oder später half es nicht mehr.<br />
Mit 19 Jahren hatte ich mein schweigen gebrochen, dennoch verlor ich daraufhin meine ganze Familie.</p>
<p>Ich zog erst mal weit weg von meiner Familie.<br />
Ich hatte sehr willensstarke Suizidgedanken die bis derzeit noch präsent sind. Mehrere Suizidversuche habe ich hinter mir. Ich frag mich immer wieder wofür ich noch lebe.<br />
Ich war geringstenfalls in Zwanzig Kliniken und bedauern hatten die Ärzte keine Vorkenntnis mit Opfern von sexuellen Missbrauch. Ich wurde minderwertig dargestellt von den Ärzten. Ich hatte Angst vor meinen Klinikaufenthalten.<br />
Ich wäre nur eine Patientin die gerne auf den Schoß genommen werden will. Sie hatten mich zu Dingen gezwungen, die ich nicht wollte. Es ist bis heute sehr schwerfällig Therapeuten zu finden. Sie würden grundschlecht träumen von meiner Vergangenheit. Es ist nicht schön, wenn ich immer wieder abgelehnt werde.<br />
Flüchtig vor meinen 28. Lebensjahr hatte ich mich durchgerungen, meinen Bruder anzuzeigen. Leider hatte ich bis heute keinen positiven Erfolg, obgleich ich drei Rechtsanwälte hatte. Dazu hatte ich meinen vollständigen Namen geändert, weil mein Bruder seine Frau meinen kompletten Namen übernommen hatte. Mein OEG Antrag ist noch am laufen, freilich auch dort glaube ich nicht an einen Erfolg. Ich frage mich, wie ich mich in diesen Staat sicher fühlen könnte, doch ein Gefühl von Sicherheit gibt es nicht.<br />
Ich wurde nicht einmal angehört&#8230;&#8230;.<br />
Wie soll das weiter gehen??!!</p>
<p>Ashley</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/03/Ashley.jpg" target="_blank">Mein Foto&#8230;</a></p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/03/30/meine-familie-ist-total-krank/" target="_blank">Meine Familie ist total krank</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Die Gutachterlüge</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/03/14/die-gutachterluge/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 12:57:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gutachterlüge — oder— Dieses Salz aus den Augen brennt sich in meine Lippen aber dort schmecke ich braune Erinnerung. “Sie müssen nicht ins Detail gehen”sagte der Gutachter.Ich wollte aber—ich wollte sagen,warum ich noch leide und unter was. An diesem Tag machte der Gutachter sechs Gutachten—für mich hatte er zwanzig Minuten—nein,da konnte ich nicht ins [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gutachterlüge<br />
— oder—<br />
Dieses Salz aus den Augen brennt sich in meine Lippen<span id="more-6977"></span><br />
aber<br />
dort<br />
schmecke ich braune Erinnerung.<br />
“Sie müssen nicht ins Detail gehen”sagte der Gutachter.Ich wollte aber—ich wollte sagen,warum ich noch leide und unter was.<br />
An diesem Tag machte der Gutachter sechs Gutachten—für mich hatte er  zwanzig Minuten—nein,da konnte ich nicht ins Detail gehen.Das Gutachten  fertigte er aus einer Abschrift,die viele Jahre alt ist.Ein eigenes  Bild,nein, ein eigenes Bild hat er sich nicht gemacht.Ich denke ständig  daran was ich ihm sagen wollte,warum ich mich so schrecklich fühle.Ich  berichtete von meiner erneuten Anzeige,aber das Amt hatte sie nicht  mitgeschickt.<br />
In dieser Anzeige berichte ich,wie mein Erzeuger oft mit mir in den Wald  ging.Der Weg schien nicht zu enden und ich höre noch—wie er  sagt—”erzähl der Oma nichts,ich mach sie tot”.Ich wollte nicht dass Oma  tot ist.<br />
Wenn wir weit genug gegangen waren,setzte er sich in die Hocke und  erledigte sein großes Geschäft.Danach setzte er sich genau daneben und  ich musste sein großes Geschäft zu mir nehmen.Ich sollte schmecken was  er gegessen hatte und es ging so schwer in mich hinein.</p>
<p>Ich weiß nicht mehr wie Zucker,Salz,Schokolade oder Nüsse  schmecken.Ich schmecke noch immer sein großes Geschäft.Das wollte ich  dem Gutachter sagen,aber zwanzig Minuten reichen nicht.Später las ich  das Gutachten—er hatte in der kurzen Zeit meine Reflexe kontrolliert und  in dem Gutachten beschrieben,aber er hat mich nie berührt.</p>
<p>Auch vom kalten Loch wollte ich berichten.In diesem Loch sass ich ohne Wasser und trank mich.<br />
Ich habe meine Empfindungen in einem Film zum Ausdruck gebracht,weil  reden nicht immer geht.Ich glaube jetzt kann ich es hier lassen.<br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=fTzpZNZYWXI" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=fTzpZNZYWXI</a><br />
Die Bestie Mensch kennt keine Grenzen</p>
<p>Ich darf es hier lassen und kämpfe weiter—was denn sonst ? Sascha</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Ich durfte kein Kind sein (I)</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/02/23/ich-durfte-kein-kind-sein-2/</link>
		<comments>http://netzwerkb.org/2011/02/23/ich-durfte-kein-kind-sein-2/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 19:30:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[– Rituelle Gewalt]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine Kindheit endete mit 4  Jahren  vielleicht auch noch früher, als Opa meinte ich gehöre ihm… Ich litt jahrelang unter wiederholten  langen ( teilweise über 6 Stunden ) Vergewaltigungen,  schwerste Misshandlungen bis hin zu Mordversuchen, Plastiktüte über den Kopf ziehen, Kopf unter Wasser drücken bis hin zur Ohnmacht, festbinden mit Ketten wie ein Hund…. Dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Kindheit endete mit 4  Jahren  vielleicht auch noch früher, als Opa meinte ich gehöre ihm…<br />
Ich litt jahrelang unter wiederholten  langen ( teilweise über 6 Stunden ) Vergewaltigungen,  schwerste Misshandlungen bis hin zu Mordversuchen, Plastiktüte über den Kopf ziehen, Kopf unter Wasser drücken bis hin zur Ohnmacht, festbinden mit Ketten wie ein Hund….<span id="more-6754"></span><br />
Dann kamen die anderen dazu: Ein kleines Mädchen und ein Junge; wir durften aber nie unsere Name sagen. Wenn wir mal mit einander reden wollten,  gab es sofort Stromschläge mit abisolierten Kabeln, die aus einer 220 V- Steckdose kamen.<br />
Dann kamen  5 andere Männer  und eine  Frau dazu,  die ich bedienen musste mit allem was dazu gehört.<br />
Ich glaube, es kann sich keiner vorstellen, was ich durchmachen musste, nicht nur das ich an ihnen rumspielen musste nein ich musste ihr Ding in den Mund nehmen. Sie haben mir alles in meinen doch so kleinen Mund und ins Gesicht gespritzt und haben laut gelacht.  Sie hatten einen  Schuppen,  wo  ich festgebunden war mit einer Schlinge um den Hals. Wenn ich wagte nur ein Wort zu sagen, gab  es Schläge.<br />
Von den  5 Männern und der Frau habe ich das Gesicht nie gesehen.  Sie trugen Masken schwarze Masken mit sehr kleinen  Schlitzen. Ihre Augen machen mir noch heute Albträume. Mein Opa war auch dabei. Er zog meistens erst später die Amske auf. Die anderen haben dann zu ihm Herrscher gesagt. einer von ihnen hat alles gefilmt; das rattern der Kamera hat sich eingebrannt in meinen Ohren … Sie hatten riesen Spaß mich zu vergewaltigen, einer nach dem anderen, Stunden lang, mir kam es vor wie tage. Oft wusste ich nicht, wo ich bin. Meine Augen waren zugebunden. Über die Misshandlungen mag ich gar nicht so weit eingehen; mir geht’s grade ganz schlecht, fühle mich wie gelähmt, aber kann nicht weinen, habe keine Tränen mehr. Sie haben mich geschlagen, Tüte über Kopf gezogen, mein Gesicht unter Wasser gedrückt, bis ich mich an nix mehr erinnern kann. Sie haben mich an uriniert, alles über meinen Körper, Hände und Füße zusammen gebunden und mich nackt liegen lassen…..<br />
Eines Tages kam ein kleiner Junge mit. Er wurde in den Raum geworfen und hat geweint; er hatte große Angst, glaube ich.   Ich schrie: „ Last ihn in Ruhe, ihr habt doch mich.“<br />
Ausziehen mussten wir uns beide und jeder wurde vergewaltigt.  Sie hatten wieder mal ihren Spaß und wir versuchten uns festzuhalten. Die Hand geben aber durften wir nicht. Sie haben uns  mit ihren schwarzen Stiefeln auf unsere kleinen Hände getreten,  das tat sehr weh. Es war nicht mehr ganz so schlimm, wenn ich schon halb weggetreten war ( heute weiß ich, das Wegtreten war Dissoziation) .<br />
Wenn ich mit Opa alleine sein musste, hat er sich  immer was neues ausgedacht, diese verdammte Sau. Dann hat es angefangen, dass wir auch an der Frau streicheln mussten, ihre Brüste und ihre Muschi, wie sie immer sagte. Das mussten wir mit dem Mund machen, alle 3 Kinder mussten das machen.<br />
Irgendwann bin ich angefangen mich aufzuspalten, MPS, ich denke sie wissen was dieses bedeutet.<br />
Ich habe ca 18 Persönlichkeiten in meinem Körper, die mir ermöglicht haben bis heute zu überleben, wenn man von Leben sprechen kann…<br />
Die Täter haben mir Worte ins Hirn eingeprägt. Wann immer sie dieses Wort ausgesprochen haben, bin ich oder einer meiner Innenpersonen bereit gewesen alles zu machen was sie wollten, ich meine wirklich alles:  Mit 3 Männern gleichzeitig spielen an ihnen und sie zu weit an mir.  Einer sein Ding in meinen Mund, der andere das Ding in meinen Po.   Baden mit zwei Männern in der Wanne.  Erst haben sie mich angepinkelt, dann Kopf unter Wasser gedrückt, bis ich nix mehr weiß. Wach geworden, weil sie mich wieder vergewaltigt haben.<br />
Oft wurde ich in den Schuppen gesperrt, angebunden mit Schlinge um den Hals lag ich am Boden, natürlich mal wider nackt.  Das hat ihn besonders Spaß gemacht.  Dann stehen  sie zu 2 oder dritt um mich rum, pinkeln mich an oder machen es sich selber und alles läuft über mein Gesicht, ganzer Körper.<br />
Wie oft ich aus einen Napf essen musste und was alles kann ich nicht schreiben, ich fange an zu kotzen, mir ist ganz schlecht…Ich kann nicht mehr und will auch nicht. Warum kann nicht alles aus sein, vorbei, ich einfach umfallen und tot sein ??? Die Täter waren untereinander so gut vernetzt, über Jahre<br />
Sie haben mich für ihre Zwecke programmiert und wann immer sie mich brauchten, hat ein Anruf oder ein Wort  hat gereicht und ich war ihnen willig.</p>
<p>Die Rituelle Gewallt lief so. Sie hatten Zeihen und Tiere  dabei, die sie dann auf dem Opferstein oder direkt über mir einfach den Hals durchschnitten und das Blut auf meinen und den Körpern von den 2 kleinen anderen Kindern malten oder ich das Blut trinken musste.  Mehr kann ich nicht sagen, sonst muss ich kotzen.  Es gibt so viele bestimmte Tage im Jahr, an denen sie uns holten um ihre Dinge zu machen.<br />
Ich kann das aber nun nicht alles schreiben ich breche sonst ganz zusammen mir geht es schlecht.</p>
<p>Mein Erzeuger war kein Stück besser, nur das er die Dinge alleine mit mir gemacht hat:  Vergewaltigen, auf das brutalste schlagen, einsperren, kein essen, kein trinken, festbinden.<br />
Mit Rosen schlagen, im Heizkeller den Kopf fast in den Ofen geschoben, es war so heiß und so weiter.<br />
Mein Leben ist zu Ende, da war ich noch nicht mal ganz acht.<br />
Ich wollte nur sterben, keiner hat mir geholfen, alle sehen weg bis heute; meine Mutter glaubt mir nicht.<br />
Die Täter leben nicht mehr, jedenfalls mein Opa und mein Vater nicht mehr. Von den anderen weiß ich es nicht, da ich sie nicht kenne. Doch sie sind in meinem Kopf jeden Tag; ich bin nicht in der Lage normal zu leben…</p>
<p>Das habt ihr aus mir gemacht:<br />
Sehr schreckhaft muss mich immer umschauen, ob die Geister der Täter nicht in meiner Nähe sind. Multiple Persönlichkeitsstörung.  Angst im Dunkeln, tagelang nicht reden.<br />
Dissoziative   Identitätsstörung. Schwere chronische posttraumatische Belastungsstörung.<br />
Starke ausgeprägte Essstörung, Selbstverletzung, Tinnitus, Albträume, schwere depressive Episode.  Angst vor Männern; kaum in der Lage Nähe zuzulassen.<br />
Immer wieder kehrende Selbstmordgedanken.<br />
Erwerbsunfähig, jetzt erst mal für 2 Jahre und zu 80% schwerbehindert.</p>
<p>Ich bekomme eine kleine Rente von 600 Euro, was sehr wenig ist. Nun werde ich wieder bestraft, weil ich nicht arbeiten konnte, weil die Täter mir alles genommen haben. Mein Leben, mein Lachen, meine Freunde, nix ist mehr da.</p>
<p>Ich hoffe so sehr, dass ich in eine Trauma-Klinik  nach Dresden kann. Es ist das Waldschlösschen,  aber dafür brauche ich erst mal die Kostenzusage von der AOK in Niedersachsen und ob die so was tragen, keine Ahnung, aber ich kann nicht mehr, ich brauche Hilfe. Jetzt ich war grade 5 Wochen in der Klinik. Weil ich nix essen und trinken konnte, musste dann ernährt werden über Infusionen, auch zuhause.  Ich hatte noch ein Gewicht von 65kg bei 183cm Größe…<br />
Nun habe ich wieder etwas zugenommen und finde mich viel zu fett, ich könnte kotzen, wenn ich mich sehe und der Druck sich umzubringen, ist jeden Tag da.<br />
Ich halte diese Bilder, die Gerüche nicht mehr aus.  Also muss ich mich wieder selbst verletzten, Kopf an die  Wand schlagen, mich verbrennen an Armen oder mich schneiden an Armen und ober Körper.</p>
<p>Jürgen S.</p>
<p>Ich suche noch zwei kleine Kinder ein Jngen und ein Mädchen glaube sie hat den Namen Ute,du warst ca 5-6 Jahre sehr klein und warst dun kel blond du bist immer mit einer Frau gekommen&#8230;.und den kleinen jungen wir haben immer Handgehalten und sind dann geschlagen worden das ganze war ca1968 in Augustfehn in Niedersachen&#8230;ich denke jeden Tag an euch vieleich ist hier die möglichkeit uns zu finden &#8230;&#8230;..Ich bin der Jürgen Opa der herrscher hat mich immer mitgebracht&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2011/02/Jürgen-Scherr.jpg" target="_blank">mein Foto&#8230;</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Es ist wie wenn ein Tornado monatelang wütet</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2011/01/14/es-ist-wie-wenn-ein-tornado-monatelang-wutet/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Jan 2011 09:40:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– auf die Angehörigen]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo, sicher kann ich gar nicht aufschreiben was passiert ist. Aber etwas über die Auswirkungen. Durch Zufall entdeckte ich, dass meine kleine Tochter sexuellen Übergriffen ausgesetzt war, von ihrem Vater, von dem ich schon länger getrennt war. Sie selbst wäre noch zu klein gewesen um sich klar auszudrücken &#8211; im nachhinein weiss ich natürlich, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo,<br />
sicher kann ich gar nicht aufschreiben was passiert ist. Aber etwas über die Auswirkungen.<span id="more-6221"></span><br />
Durch Zufall entdeckte ich, dass meine kleine Tochter sexuellen  Übergriffen ausgesetzt war, von ihrem Vater, von dem ich schon länger  getrennt war. Sie selbst wäre noch zu klein gewesen um sich klar auszudrücken &#8211; im nachhinein weiss ich natürlich, dass sie es versucht hat. Sprachlich schon sehr weit, kam dann im Laufe der nächsten Monate und  nach einer Kontaktsperre zum Vater immer mehr ans Tageslicht. Es waren Dinge dabei die für mich völlig unanehmbar waren.<br />
Sehr viel Hilfe habe ich versucht zu bekommen, am meisten halfen mir Telefonate bei Nina.<br />
Es ist das passiert was sich ein normal denkender Mensch nicht vorstellen kann.<br />
Da wir eine grichtliche Besuchregelung hatten ging auch hier das Laufen los. Unterstützung gleich Null. Rennen zur Therapie, zum Anwalt, aufs Jugendamt, zur Polizei, zum  Amtsgericht, zum Kindergarten, dazwischen ein Kind das klammert und dringend auf meine Unterstützung angewiesen ist. Keine Zeit für meine eigenen geschockten Gefühle. Aufbau immensens Druck von Seiten des JA usw. Und dann, dann habe ich den Fehler gemacht, dass auch noch mit meinen fast erwachsenen Kindern zu besprechen. Sie sind zusammengebrochen, Stück für Stück, denn es war keine Hilfe in Sicht.<br />
Jeden Tag Angst, sie dem Vater wieder ausliefern zu müssen, bis heute.<br />
Freundschaften sind zusammengebrochen.<br />
Es hielt keiner aus was die Kleine, was ich da erzählte &#8211; ich hielt es  selbst nicht aus und dazwischen ein kleines Kind, dass das aushalten  musste und muss &#8211; Aplträume, Einnässen, Angstzustände (heute weiss ich es trigger).<br />
Die familiäre Situation spitzte sich zu.<br />
Ich erkrankte heftig, schwer psychosomatisch, zum Glück &#8211; ich konnte in Kur, kurz luftholen. Aber noch immer keine klare Aussicht wie es weitergehen kann.<br />
Wir verloren die Wohnung, ich musste wegziehen, finanzielle Schwierigkeiten &#8211; auch dadurch. Gerichtsverhandlungen usw.<br />
Inzwischen ist die stationäre Therapie beantragt. Postraumatische Belastungsstörung bei mir UND den Kindern.<br />
Keine Zusicherung des Schutzes vor erneuten Gewaltanwendungen &#8211; bis heute.<br />
Es liegt nun fast zwei Jahre zurück. Die Kleine ist gewachsen in der Zeit. Sie hat Mut &#8211; spricht die Dinge aus.<br />
Doch noch immer &#8211; kaum bis gar keine Reaktion der Umwelt. Auch die Aussage bei der Polizei wurde ihr verweigert &#8211; sie sei zu klein. Dennoch. Hut ab vor ihr. Und wenigstens ein Trost.<br />
Die Auswirkungen &#8211; die traumatischen &#8211; die Reaktionen &#8211; die sind normal! Wenn einem so etwas passiert.<br />
Kein Spielplatzbesuch geht mehr, wenn sich dort ein Vater tummelt, ohne die Frage ob er wohl auch….<br />
Der Film läuft ab &#8211; bei mir, oder bei der Tochter oder bei den anderen. Und es gibt noch wenig Mütter die darüber sprechen können &#8211; sich  gegenseitig helfen können (habe bis heute keine gefunden, könnte am  mangelnden Vertrauen liegen das zwangsläufig kommt). Und eben auch das finanzielle &#8211; Kollateralschäden könnte man das  nennen &#8211; angefangen bei den Fahrten zum Arzt und endend bei dem  Zoobesuch, den wir brauchten uns aber nicht leisten konnten.Achso &#8211; der Täter, der läuft natürlich noch immer unbehelligt durch die Gegend. Da ich davon ausgehen muss, dass Filmmaterial besteht &#8211; muss ich auch davon ausgehen, dass die Kleine noch immer benutzt wird.<br />
Noch kann ich auch nicht arbeiten.<br />
Mein Dank gilt trotzdem allen die unermüdlich gute Öffentlichkeitsarbeit machen.<br />
Danke den verschiedenen Gebetsgruppierungen im Internnet.<br />
Danke für alle die mit uns gehofft, gebangt und gebetet haben.<br />
Wünschen würde ich mir Gesetztesveränderungen und eine Veränderung des Jugendamtes. Was da geht, geht gar nicht!<br />
Danke an meine Anwältin die mich Gott sei Dank lange genug kannte, um mir  zu glauben und die es geschafft hat, auch ohne spezielle Vorbildung, das  Thema &#8211; das entsetzliche &#8211; das jeden zum weinen bringt der es an sich  heranlässt &#8211; an sich heranzulassen.<br />
NIE im Leben hätte ich es für möglich gehalten das die Auswirkungen sooo  schlimm sein könnten, für mich als Mutter, für die Geschwister und den  Rest der Familie. Nie. Und ich habe sicher schon früher mich mit diesem Thema grundsätzlich als Mutter auseinandergesetzt. Es ist wie wenn ein Tornado monatelang wütet.<br />
Wer weiss ob wir es irgendwann schaffen werden ganz zu werden.<br />
Ich wünsche mir nichts sehnlicher für meine Kleine, Tapfere, von ganzem Herzen geliebte Tochter…</p>
<p>Ludmilla</p>

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		<title>Missbrauch und die Folgen – unser Rechtssystem schützt die Täter</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Dec 2010 19:36:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Auswirkungen von sexueller Gewalterfahrung auf das Leben des Opfers – ein Fallbeispiel Aktuell wurde das Thema „Missbrauch“ durch die endlich aufgedeckten Missetaten, die durch Respekts- und Autoritätspersonen der Kirche aber auch respektable Lehrer – und wie im Nachfolgenden gezeigt, können die Täter allen gesellschaftlichen Schichten entstammen &#8211; die alle einen gesellschaftlich guten Ruf genießen, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auswirkungen von sexueller Gewalterfahrung auf das Leben des Opfers – ein Fallbeispiel<span id="more-5839"></span></p>
<p>Aktuell wurde das Thema „Missbrauch“ durch die endlich aufgedeckten Missetaten, die durch Respekts- und Autoritätspersonen der Kirche aber auch respektable Lehrer – und wie im Nachfolgenden gezeigt, können die Täter allen gesellschaftlichen Schichten entstammen &#8211; die alle einen gesellschaftlich guten Ruf genießen, aber versteckt und verdeckt üble Taten an minderjährigen, Ihnen anvertrauten Schutzbefohlenen begangen haben.</p>
<p>Unter uns leben noch viele, nicht identifizierte Täter, die unbehelligt und ohne Skrupel, ohne Schuld- und Unrechtsbewußtsein ein „lustiges“ Leben führen.</p>
<p>Im hier erwähnten Fall, hatte der Täter die Stellung eines Ortsvorstehers und gleichzeitig Kirchengemeinderat inne, und er machte sich in seiner Triebhaftigkeit, gezielt an kleine Mädchen heran, bedrohte diese auch mit Gewalt, um sie für seinen unbeherrschten Sexualtrieb gefügig zu machen. Gleichzeitig drohte er dem Opfer, und das ist ganz typisch für solche Täter, dass es, wenn es darüber spreche, etwas ganz Schlimmes geschehen würde. Das Opfer war &#8211; unter anderen Opfern dieses Mannes – ein 12 – 13-jähriges, ungeschütztes und naives  Mädchen, das mit der Tochter  dieses Mannes eine innige Kinderfreundschaft unterhielt, und selbst ab dem 4. Lebensjahr vaterlos aufgewachsen ist, bei einer Mutter, Landwirtin,  die sich nach dem Tod ihres Mannes von der gelegentlichen Hilfe dieses Nachbarn abhängig machte.</p>
<p>Diese verwitwete Mutter war unfähig, sich nach außen zu wehren, weil eine abhängig gebliebene, schwache Persönlichkeit. Das wusste der Täter und machte sich das zunutze. Ganz gezielt ging er Kinder aus sozial schwachen Familien an, Familien von denen er wenig Widerstand zu erwarten hatte.</p>
<p>Diese  schwache Mutter war unfähig ihre Tochter auf angemessene Weise zu schützen – und diese Mutter verschwieg diese Taten, weil sie sich von der Hilfe dieses Mannes auf dem von ihr betriebenen Bauernhof abhängig gemacht hatte. Sie riet der Tochter, als diese von dem Missbrauch und der Gewalt durch diesen Mann erzählte, „Du musst Dich verstecken, ich kann da nichts machen, wir brauchen ihn“.</p>
<p>Die Mutter war alleinerziehend nach dem Tod ihres Mannes &#8211; jedoch mit einem großen Verwandtschaftsclan -  schwieg aus Angst, aus falsch verstandener Loyalität, um eine vermeintlich gute Nachbarschaft nicht zu zerstören – und aus Abhängigkeit und Hilflosigkeit. Das Mädchen brach den Freundschaftskontakt zur Kinderfreundin ohne Worte ab, versteckte sich hinter Männerkleidern, ließ sich die Haare jungenhaft kurz schneiden, nahm Abführmittel, um ihre weiblichen Geschlechtsmerkmale zum Verschwinden zu bringen, trug weite Sackpullover, um ja nicht als Mädchen noch erkannt zu werden – so versteckte und verkleidete sie sich. Die Kinderfreundschaft hatte ein jähes Ende – darüber gesprochen wurde nie.</p>
<p>Dieses Mädchen wurde ab diesem Zeitpunkt schwer depressiv, konnte ihr Leben nur mit ganz großer Mühe und nur auf der Leistungsebene bewältigen – auf der Beziehungsebene ist es ihr nie gelungen, eine gesunde, tragfähige und vertrauensvolle Beziehung zu einem Mann einzugehen – wegen dieser Schädigungen.</p>
<p>Das Dorf wusste über diesen Mann, dass er triebhaft unterwegs war – hinter jedem Frauenrock hinterherhechtete &#8211; hinter vorgehaltener Hand wurde darüber geredet, aber keiner hatte so viel Zivilcourage, diesen Mann zu  konfrontieren. Alle haben ihn dann doch wieder gewählt zum Ortsvorsteher, zum Kirchengemeinderat – ganz typisch doppelmoralig in einer von der CDU-regierten Nachkriegsgemeinde.</p>
<p>Für dieses Mädchen war Liebe unmöglich geworden, auf Liebesbeziehungen konnte sie sich nicht wirklich, sondern nur sehr oberflächlich einlassen, da für sie Liebe mit Missbrauch ihrer Person verknüpft war. Sie war hochintelligent, studierte Medizin, wurde Psychiaterin und Psychotherapeutin, um sich und anderen zu helfen.</p>
<p>Sie war mehrfach suicidal, mehrfach in stationärer psychiatrischer Behandlung auch nach einem Suicidversuch. Sie hat trotz jahrelanger Psychotherapie immer noch Albträume, Schlafstörungen, Depressionen – und bislang keinen Lebenspartner gefunden. Sie hat gelernt alleine zu leben. Aufgrund der Missbrauchsdynamik verstrickte sie sich immer wieder in Beziehungen zu sog. „Freunden“, die nur ihr eigenes Wohl im Auge hatten, und die sie missbrauchten auf verschiedene Weise.</p>
<p>Sie musste frühberentet werden, weil die trotz mehrfacher, jahrelanger Psychotherapie, immer noch zum Teil emotional unverarbeiteten Kindheitserlebnisse, sie immer wieder einholen &#8211; sie leidet unter Albträumen, Nachhall-Erinnerungen über die Geschehnisse, hat auch Phasen von Psychosen, wo sie voller Angst ist vor erneutem Terror, unter Beziehungs- und Beeinträchtigungs- und Verfolgungsängsten leidet und ist voller Misstrauen jedem männlichen Wesen gegenüber. Sie flüchtet sich in ein einsames Leben aus Angst vor weiterem Missbrauch ihrer Person.</p>
<p>Sie wurde mehrfach von sogenannten „guten aber skrupellosen Freunden“, finanziell über den Tisch gezogen.  In ihrer Gutmütigkeit kannte sie nichts anderes, als für alle und jeden die Verantwortung zu übernehmen &#8211; auch für die Täter, die nie zur Rechenschaft gezogen wurden, denn in dieser Gesellschaft herrscht noch eine Rechtsordnung, die aus dem Dritten Reich stammt und in dieser Rechtsordnung werden Täter geschützt, nicht die Opfer. Und die Täter wissen sich in der Regel besser zu schützen als die Opfer und verstehen es sehr gut, sich zu schützen und sich ohne jegliches Unrechtsbewusstsein, skrupellos aus jeglicher Verantwortung zu schleichen – und der Staat hilft diesen Tätern – nicht den Opfern.</p>
<p>Eine Gerichtsverhandlung wird für die Opfer erneut zur Tortur – denn der Gang vor Gericht ist für eine Frau, die sexuelle Gewalt erfahren hat und dadurch seelisch schwer traumatisiert auch heute noch eine Höllenqual – die Befragungen durch Rechtsanwälte, Staatsanwälte setzen neue Traumen und sind mit vielen Demütigungen für die Opfer verbunden, da diese oft gar nicht in der Lage sind, sich adäquat zu vertreten.</p>
<p>Außerdem haben die Opfer in der Regel oft nicht die finanziellen Mittel, um sich gute Anwälte zu leisten. Die Opfer erleiden oftmals während der gerichtlichen Verhandlungen psychische Zusammenbrüche, ihre Persönlichkeit zersplittert, sind sprachlos, können sich nicht mehr angemessen artikulieren, und werden nicht selten, dadurch noch zur Täterin  gestempelt.</p>
<p>Die Perversion nimmt ihren Lauf – zugunsten der Täter, zu ungunsten des Opfers. Die oftmals brutalen Befragungen durch nicht entsprechend ausgebildete Juristen und die dadurch erneut  ausgelösten Demütigungen der Opfer, jetzt verursacht durch psychologisch unkundige Richter und Rechtsanwälte, führen zu neuen Retraumatisierungen, die dem Opfer nicht zuzumuten sind.</p>
<p>Die Straftaten dieser Täter verjähren zu schnell, nach 10 Jahren ist der Täter nicht mehr belangbar, so die aktuelle Gesetzgebung. Auf diese Weise  sind die Täter auch von der Gesellschaft geschützt – die Opfer können oftmals erst nach 20, 30 oder gar 50 Jahren, ihre Traumata zur Sprachen bringen, manche können diese nie zur Sprache bingen und leiden ein Leben lang unter Symptomen wie Posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen, Psychosen, psychosomatischen Störungen oder gar Pseudo-Demenz &#8211; ein sehr qualvolles Dasein, ausgelöst durch die  Gewalt, die diese Täter in ihren Seelen hinterlassen haben.</p>
<p>Der Gestzgeber und die Gesellschaft ist hier nicht in der Verantwortung – vor kurzem wurde ein Antrag auf Verlängerung  der Verjährungsfrist für die Opfer von sexueller Gewalt vom Bundestag abgelehnt. Die Gesellschaft als Ganzes ist aufgefordert hier Abhilfe zu schaffen und für eine gerechtere Gesellschafts- und Rechtsordnung zu kämpfen und ihre Mitglieder, v.a. Kinder und Frauen zu schützen.</p>
<p>Die Doppelmoral der katholischen Kirche und der Gesellschaft, die auch eher die Täter als die Opfer schützt ist der eine Skandal. Der zweite unhaltbare Zustand ist der, dass viele noch heute gültigen Gesetze aus dem Dritten Reich stammen, obwohl dieses offiziell vor 65 Jahren geendet hat – und hier herrschte Täterschutz, statt Opferschutz.</p>
<p>Und der 3. Skandal ist der, dass die gesellschaftlichen Verantwortungsträger im Großen und Ganzen sich einerseits in der Wohlstandstrance befindet und eine sehr egozentrisch-gleichgültige Haltung entwickelt hat und sich um solche Themen nicht kümmert – hätte sonst der Bundestag die Verlängerung der Belangbarkeit von Tätern abgelehnt?</p>
<p>Und die große Masse der Bevölkerung scheint sich zu ferngesteuerten, leblosen, konsumfreudigen Konsum-Zombies und Ja-sagern zu entwickeln, ohne jegliches politisch-wachsames Bewußtsein.</p>
<p>(Name der Redaktion bekannt)</p>

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		<title>bitte helfen sie mir und meiner schwester</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 13:44:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[mein name ist carmen esch aus 56626 andernach ich bin vom meinem vater vor 32 jahren missbraucht worden und habe 32 geschwiegen durch ein zuvall habe ich meine schwester kirsten simon kennengelernt und habe das erste mal darüber mit ihr gesprochen und mein gott ihr ist das gleiche mit unserem vater passirt ich habe all [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>mein name ist carmen esch aus 56626 andernach ich bin vom meinem vater  vor 32 jahren missbraucht worden und habe 32 geschwiegen<span id="more-5761"></span> durch ein  zuvall habe ich meine schwester kirsten simon kennengelernt und habe das  erste mal darüber mit ihr gesprochen und mein gott ihr ist das gleiche  mit unserem vater passirt ich habe all die jahre geschwiegen und jetzt  habe ich kraft wo ich meine schwester kennengelernt habe wir wollten  unseren vater anzeigen aber jetzt ist die verjährung uns im weg nach 20  jahren geht das nicht mehr und mein vater kommt wie immer im leben mit  allem durch ich hoffe das es irgend einer hier liest und mir helfen kann  meine adresse <a href="mailto:carmen.esch@yahoo.de">carmen.esch@yahoo.de</a> bitte helfen sie mir und meiner schwester</p>

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		<title>Der Klosterpfarrer lies mir keine Ruhe</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 15:16:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich muss immer Weinen wenn ich die Berichte hier lese Die Scheinheiligkeit der Kirche Ich war 21 im Kloster in Ershausen im Eichsfeld Angesichts der aktuellen Medienberichte über Misshandlungen in Kirchen und Heimen habe ich allen Mut zusammen genommen, um meine Geschichte mal darzulegen. Sie schildert meinen Lebensweg als kleiner Junge, und Jugendlicher. Hier geht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss immer Weinen wenn ich die Berichte hier lese</p>
<p>Die Scheinheiligkeit  der  Kirche</p>
<p>Ich war 21 im Kloster in Ershausen im Eichsfeld</p>
<p>Angesichts der aktuellen Medienberichte über Misshandlungen in  Kirchen und Heimen  habe ich allen Mut zusammen genommen, um meine  Geschichte mal darzulegen. Sie schildert  meinen Lebensweg als kleiner  Junge, und  Jugendlicher. Hier geht es nicht nur um sexuellen Missbrauch  sonder auch um Gewalt und Machtausübung durch  Ordensbrüder und  Schwestern im Kloster<span id="more-5710"></span></p>
<p>Mit 6 Jahre bin ich in die Schule gekommen. Ich ging gerne in die  Schule das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wir Kinder wurden in die  Schule in zweier rein  gebracht, und wurden von den  Klosterschwestern  unterrichtet, sie waren sehr Streng mit uns. Sie haben uns geschlagen  mit einen Stock auf die Finger-Kuppe bei wegziehen wurden die Schläge  wiederholt. Wir hatten auch einen Kloster Pfarrer der  Religionsunterricht erteilte. Er  war nicht gut zu uns, er schlug 	uns  wenn wir den Stoff (Latein) nicht richtig ausgesprochen haben. Da ich  gut war hat er zu mir gesagt ob ich ein Messdiener werden möchte. Ich  war begeistert über diesen Vorschlag, da ich gerade mal 7 Jahre alt war.  Der Pfarrer  bevorzugte mich und ich durfte öfter zu ihm nach Hause in  der Villa kommen was sich  auf dem Grundstück des Klosters Befand. Ich  mochte Ihn, eines Nachmittags musste ich wieder zu ihm in die Villa  kommen. Er bat mich herein und machte mir einen Tee. Wir hatten uns  angeregt über alltägliche Dinge unterhalten. Auf einmal, von einer  Sekunde auf die andere, veränderte er sich in eine eiskalte Person. Er  bedrängte mich und kam immer näher an mich heran und streichelte mich.  Es war unangenehm aber ich hatte keine Wahl und musste es über mich  ergehen lassen. Ich hatte auf einmal große Angst vor ihm und lies es mir  trotzdem gefallen. Es wurde immer schlimmer er machte seine Hose auf  und ich musste sein Geschlechtsteil<br />
anfassen und daran spielen. Dann Zog er mich aus. Ich fing an zu Weinen.  Er sagte, dass ist doch nicht so schlimm und machte immer weiter. Ich  wollte weglaufen aber die Tür ging nicht auf bis seine Haushälterin kam.  Er sagte,  das sei unser Geheimnis und ich niemandem etwas davon  erzählen solle. Wenn  ja würde er mich  Bestrafen und würde mich in  einen dunklen Keller sperren.  Ich versprach ihm, dass ich es nicht  sagen werde, da ich so eine Angst vor ihm hatte. Und  die Drohungen, ja  das habe ich immer Jahre lang aushalten müssen .</p>
<p>Der Klosterpfarrer lies mir keine Ruhe er holte mich immer und immer  wieder. Ich konnte nicht 	mehr ich durfte es auch nicht verweigern sonst  	hätte es Vollen für mich gehabt, mit Schlägen oder andere  Bestrafungen.</p>
<p>Wieder mal hat eine Schwester einen jungen beim Wickel und schlug ihn  mit einen Riemen ins Gesicht ich habe es gesehen und den Mut gehabt   auf den Jungen zugegangen, ich stellte mich vor ihm, um ihn zu schützen  	da schlug sie auf mich ein ich kam nicht gegen sie an da ich erst 9  Jahre wahr, da zog ich Ihr den Schleier vom Kopf runter. sie holten  darauf den Bäcker und der wurde immer gefährlicher er schlug uns mit  einer Kette so das wir schwere Hämatome bekamen  ich hatte als  jugendlicher vor ihm richtig  angst, da er so brutal war Der Bäcker  hatte keine Kinder.</p>
<p>Es wahr so schlimm das ich mir das Leben nehmen wollte. Ich bin auf  einen hohen Baum geklettert und von oben herunter gesprungen. Ich wollte  nicht mehr Leben, leider hatte ich nur ein paar Rippenbrüche.</p>
<p>Mit 10 Jahre  musste ich bei einen Jungen Wache Schieben der  am  sterben lag. Ich weiß  nicht was für eine Krankheit er gehabt hat, er  war abgemagert seine Augen waren tief im 	Kopf , der Tot war nah ich  konnte in riechen. 	Ich wehre gerne an seiner stelle gewesen und bat ihn  wen er da oben ist mich auch zu holen, da mein Leben nichts wert wahr.  Er starb in meinen Armen in der Nacht ich hielt seine Hand. Am anderen  Morgen musste ich den Jungen Waschen und das Totenhemd anziehen. Er  wurde dann auf den Klosterfriedhof  beigesetzt. Ich sah jede Nacht das  Bild<br />
von den jungen. Der Junge ging mir  nicht aus den Augen er verfolgte mich auch im Schlaf das ich Nachts<br />
das ich  nass gebadet  aufgewacht bin und im Halbschlaf Geschrieen habe.  Das Leben war wie eine Sonnenfinsternis keine Freude und keine Liebe.  Es war alles eiskalt.</p>
<p>Ich muss immer mal eine Pause machen wenn ich 	meine Geschichte weiter darlege da ich meine Tränen nicht unter<br />
Kontrolle habe bitte verzeiht mir.</p>
<p>Ich wünsche allen Betroffene Mut uns Stärke ich habe  alles aufgegeben mir hilft keiner</p>
<p>Bernd Schulz aus Mühlhausen</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Kinderangst im Katholischen Kinderheim</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/12/07/kinderangst-im-katholischen-kinderheim/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Dec 2010 17:22:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[So werden Menschen vernichtet, bevor sie auch nur einen Schritt ins Leben machen können, und die mich an den Rand der Selbsttötung gebracht haben. Ich wollte nicht mehr Leben und versuchte mich wieder mein Leben zu nehmen mit einer Glasscheibe mein Puls aufschneiden es war vergeblich man hat mich gefunden und auf die Kranken-Station gebracht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So werden Menschen vernichtet, bevor sie auch nur einen Schritt ins  Leben machen können, und die mich an den Rand der Selbsttötung gebracht  haben.<span id="more-5613"></span></p>
<p>Ich wollte nicht mehr Leben und versuchte 	mich wieder mein Leben zu  nehmen mit einer Glasscheibe mein Puls aufschneiden es war vergeblich  man hat mich gefunden und auf 	die Kranken-Station gebracht der Doktor  fragte mich warum ich das gemacht habe ich schwieg vor Angst und sagte  er solle mir eine Spritze geben das ich nicht wieder aufwache und  Weinte. Die Schwestern im Kloster wollen es nicht wahr haben, und gaben  mir die Schuld. Der Doktor erkannte die Situation und befragte mich  nochmals ich wollte nichts sagen da mir sowieso keiner glaubte. Der  Doktor nahm mich ernst, darauf erzählte ich Ihn alles und sagte warum  ich das getan habe und bat Ihn noch mal mein Leben zu beenden. Er sagte  das darf  ich nicht werde aber dafür sorgen das das ein ende hat.<br />
Ich hatte Übermäßige Schreckhaftigkeit, Panikattacken, “existenzielle  Angst”, chronische Angstzustände, übermäßige Beschäftigung mit dem Tod.<br />
Das war unser Tagesablauf der sich immer wiederholte. Freizeit oder  Spielen wie andere 	Kinder  in unserem Alter das gab es nicht wir wurden  wie Sklaven behandelt und wie Gefangen</p>
<p>Der Klosterpfarrer lies mir keine Ruhe er holte mich immer und immer  wieder. Ich konnte nicht 	mehr ich durfte es auch nicht verweigern sonst  	hätte es Vollen für mich gehabt, mit Schlägen oder andere  Bestrafungen.<br />
Ich möchte alles raus lassen, damit es mir etwas besser geht.<br />
Ich bin 21 Jahre und volljährig ich lies mir nichts mehr gefallen und  werte mich auch gegen den Bäcker ich nahm ein Stein und habe nach ihn  geworfen daraufhin haben Sie mich ins Landesfach – Krankenhaus für   Psychiatrie und Neurologie in Mühlhausen Pfafferode eingeliefert um mich  zu bändigen.<br />
Ich  kam in die  Jugendpsychiatrie sie hatten festgestellt das ich<br />
eine Störung und angst zustände und 	Unterernährung war und mein ganze  Körper von alten Naben und neue stieben am ganzen Körper waren die von  den Schlägen von den Bäcker und Schwestern  herrührten die auch zum  selbst Mord  führten.<br />
Ich konnte keinen mehr Trauen und ging in mich und lies keinen an mich  rann. Der Stationsarzt brauchte  lange um mein vertrauen zu wecken, da  ich immer im Hinterkopf hatte die es gut meinten das sind die  schlimmsten und mich benutzen. Es dauerte sehr  lange um das Vertrauen  des Arztes zu gewinnen. Er stellte fest das ich nicht Dumm sei und mich  für seine Arbeit interessierte darauf hin hat er mir eine Arbeit im  Gesund-heitswesen verschafft er kante die Medizinalträtin Frau Dr.  Bierschenck in Robert Goch Institut Erfurt. Ich wurde als Laborgehilfe  eingestellt es waren alles Frauen die dort arbeiteten und alle mochten  mich durch meine Höflichkeit und Ruhe, die Arbeit machte mir sehr viel  Spaß und bemühte mich was zulernen. Eine Mitarbeiterin hatte mich ins  Herz geschlossen, Sie war wie eine Mutter zu mir was ich nie gehabt  sie  versuchte mit Hilfe des Roten Kreuz meine Eltern oder Geschwister  aussfindlich zu machen, sie hatte aber kein Erfolg bei der Suche. Da ich  aber lieber mit Menschen Arbeite ging ich  in die Ambulante Pflege um  Kranken und Behinderte Menschen zu Arbeiten und zu helfen und für sie da  zu sein und meine Liebe  die ich nie gehabt habe zurück zu geben.<br />
Ich wurde genommen und kam in die Jugend Psychiatrie da konnte ich das  geben was ich nie hatte ( Liebe ). Die Kinder und Jugendliche hatten  Krosses vertrauen zu mir und hab viel mit den Kindern unternommen. Da  die Betriebsleitung gemerkt hat das ich mit Geistig Behinderte gut zu  recht kam, wurde ich als Therapeut eingesetzt und musste Jugendliche  wieder in den Arbeitsprozess  bringen.<br />
Ich betreute weiter in meiner Heimatstadt privat Patienten und wahr  weiter in Ärztlicher Behandlung mein Blutdruck wurde immer höher und  stieg auf  225  zu 190 das ich auf Medikamente nicht mehr verzichten  kann Mit 65 Jahre bin ich in Rente gegangen</p>
<p>Ich hatte wieder viel Zeit und grübelte und konnte Nachts nicht mehr  Schlafe es kam alles wieder zurück ich bin an zu meinen Hausarzt er gab  mir Beruhigungs- Tabletten, aber es wurde immer Schlimmer konnte keine  Nacht schlafen da die Bilder wiedergekommen sind was ich nicht  verarbeitet habe. Ich<br />
Ging wieder zu Meinen Hausarzt er hat mir eine Überweisung<br />
zu einen Therapeuten gegeben und hatte auch schnell einen Termin bekommen es war eine Frau.</p>
<p>Die erste Sitzung musste vorzeitig abgebrochen werden da<br />
ich  Schluckend und Tränen in den Augen hatte die fragen weiter zu  beantworten konnte. Die Therapeutin sagte zu mir was man als Kind nicht  verarbeitet hat kommt im alter wieder.</p>
<p>Ich bin immer noch in Therapeutischer Behandlung<br />
Ich habe eine Anzeige gegen das damalige  Kloster in Ershausen gemacht Leider wurde es eingestellt auf Grund der Verjährung .</p>
<p>Danach habe ich den Bischof Dr. Wanke eine E-Mail gesendet er  bedankte sich, und versicherte 	mein Schicksal in keinster Weise  unberührt zu lässt. Aus diesem Grunde möchte er mit mir ein Gespräch,  auch wenn das Thema “Endschädigung” vorerst nicht im Vordergrund stehen  sollte und von ihm derzeit 	auch 	nicht beeinflusst werden kann.</p>
<p>Der Bischof Dr. Wanke schickte mir ein Dr. 	Rudolf Arnrich ein Arzt  zum Gespräch bei mir zu Hause es verlief so als ob ich bei meinen  Hausarzt bin und mein Gefühl wahr als ob er mir einen Therapeuten zur  Seite stellen wollte und von der Kirche bezahlt würde.<br />
Jetzt haben sie mich vergessen und glauben das sie Ihre Flicht getan  hätten von den Bischof Dr. Wanke  ist bis heute keine Entschuldigung  gekommen, so 	wird alles  bleiben.</p>
<p>Ich habe mich an den Weißen Ring  gewannt um mir zu helfen<br />
um erneut das zu verarbeiten. Ich bin heute noch in<br />
Therapeutischen Behandlung.</p>
<p>Ich habe 15 Jahre eine Einbussung  meiner Rente die beträgt 550.€ was die Kirche Verursagt hat.<br />
bernd Schulz</p>
<p>Ich habe ein buch von 25 Seiten geschrieben das  heißt<br />
Kinderangst im Katholischen Kinderheim</p>

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		<title>Das Kind bin ich</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/10/29/prof-dr-gernot-lucas-mein-fall-von-kindesmissbrauch-am-aloisiuskolleg-der-jesuiten-bonn/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 05:25:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[––Aloisiuskolleg]]></category>

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		<description><![CDATA[Prof. Dr. Genot Lucas, Menton, Mein Fall von Kindesmissbrauch am &#8220;Aloisiuskolleg&#8221; der Jesuiten, Bonn, in der Zeit von 1950 &#8211; 1953 (Abitur 1958) Zum Video: MEDIATHEK &#8211; WDR.de Der Missbrauch beginnt in einer kleinen Stadt am Rhein. Der Tatort: eine katholische Kirche, ein Beichtstuhl. Ein Kind wird sehr inquisitorisch über seine Keuschheit befragt. Der finstere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Prof. Dr. Genot Lucas, Menton,</p>
<p>Mein Fall von Kindesmissbrauch am &#8220;Aloisiuskolleg&#8221; der Jesuiten, Bonn, in der Zeit von 1950 &#8211; 1953 (Abitur 1958)</p>
<p><a href="http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/03/08/aktuelle-stunde-missbrauchter-schueler.xml" target="_blank"></a><a href="http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/03/08/aktuelle-stunde-missbrauchter-schueler.xml" target="_blank"><img class="alignnone size-medium wp-image-3504" title="WDR_Frau Lucas" src="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2010/06/WDR_Frau-Lucas-300x193.png" alt="" width="300" height="193" /></a></p>
<p>Zum Video: <a href="http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2010/03/08/aktuelle-stunde-missbrauchter-schueler.xml" target="_blank">MEDIATHEK &#8211; WDR.de</a><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2010/07/prof.dr_.gernot_lucas.pdf" target="_blank"><span id="more-3319"></span></a></p>
<p>Der Missbrauch beginnt in einer kleinen Stadt am Rhein. Der Tatort:  eine katholische Kirche, ein Beichtstuhl. Ein Kind wird sehr  inquisitorisch über seine Keuschheit befragt. Der finstere Mann in dem  unheimlichen Kasten kann nicht genug Details aus ihm herausfragen. Wie  oft? Wo? Allein oder mit anderen? Als Buße für seine Sünden, die es  nicht versteht, bekommt das Kind drei „Vater unser“ und drei „Gegrüßet  seist du Maria&#8221; aufgebrummt. <img title="Weiterlesen..." src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /></p>
<p>Das Kind bin ich.</p>
<p>Eine wahrlich geniale Erfindung: der Mann im Kasten, der mir eben die  Sünden eingeredet hat, ist auch der, der sie mir daruf gleich wieder  vergibt. Und nebenbei ist für ihn und seine Erbauung sogar auch noch  etwas abgefallen.<br />
Ob der Papst in seinem Erlass zur Beichte, in dem er „Unkeuschheit vor,  in oder nach der Beichte“ besonders verwirft, wohl meinen „Einzelfall“  im Auge hatte?</p>
<p>Von nun an kommt mir alles ziemlich sündig vor. Mädchen, Frauen, mein  Körper, Sünde, alles Sünde. Zumal der große Zauberer, der mich samstags  im Beichtstuhl so streng einvernommen hat, sonntags im Hochamt einen  höchst beeindruckenden Auftritt hinlegt: irrwitzige Festkleidung, blauer  Weihrauchsqualm, wichtiges Gebrabbel, mächtiges Orgelbrausen, eine sehr  eigene Choreographie mit drei Schritten rechts, drei Schritten links,  wieder Gebrabbel, diesmal mit Gefuchtel in der Luft. Selbst meine Eltern  gehen auf seinen Befehl hin zu Boden. Vor uns singt eine Frau sehr  laut: &#8220;Ave Jesu, wahres manhu, genitori genitoque, laus et jubilatio&#8221;.    Ich bin beeindruckt. Endlich jemand, dem man glauben kann. Und muß.</p>
<p>Wie ich zu meinem &#8220;Peiniger SJ&#8221; kam &#8230;</p>
<p>Mit meinem eigenen kleinen Sündenrucksäckchen bin ich also schon  bestens präpariert, als es zur Aufnahmeprüfung am Aloisiuskolleg geht.  Am Fuße des heiligen Berges muss sich mein Vater von mir verabschieden:  &#8220;Geh nur den ganzen Leuten mit ihren Kindern nach, dann kommst du oben  richtig an.&#8221;</p>
<p>Ich stehe mit meinen neun Jahren etwas verloren in der Menschenmenge  vor dem Kolleggebäude. Da kommt ein riesiger Mann in einem schwarzen  Rock auf mich zu. Den breiten Gürtel, der sein Gewand hält, hat er fast  bis unter die Achseln gezogen. So kommt er mir noch größer und  gewaltiger vor. Er lächelt mir auf eine seltsame Art und Weise zu.  Trotzdem fühle ich mich unbehaglich. Was ich noch nicht weiß: Ich bin  dem Mann begegnet, der mich drei Jahre lang mit seltsamen Wünschen und  seltsamen Ritualen in Angst und Schrecken versetzen wird.</p>
<p>Der schwarze Riese leitet auch die Aufnahmeprüfung. Es sitzen so  viele Jungen in diesem Klassenraum mit den hölzernen Bänken. Aber warum  ist er ständig an einem Platz? Warum legt er beim Diktat seinen  Riesenfinger auf die &#8220;langstiehlige Schippe&#8221;? Warum hilft er mir  flüsternd bei der Rechenaufgabe, die ich nicht ganz verstanden habe.</p>
<p>Von wegen – Früherinnerungen gibt es nicht! Ich kann ihn heute noch riechen.</p>
<p>Zwischen 1950 und 1953 bestellt mich der große schwarze Mann in  unregelmäßigen Abständen  in sein Zimmer. Es liegt irgendwo am Ende  eines langen Flures im Kollegsgebäude. Ich muß immer am späten  Nachmittag kommen.<br />
Es ist, wie es immer ist: Der große schwarze Mann legt sich auf sein  Bett und ich soll im Raum umhergehen. Dabei läßt er mich nicht aus den  Augen. In der Ecke steht ein Betstuhl. Auf dem Schreibtisch liegen  Klassenarbeitshefte. An der Wand hängt ein Bild des Gekreuzigten. Die  Wunden müssen furchtbar weh tun. Nach endlosen Minuten, ich weiß ja, was  jetzt kommt, weil es immer kommt, muß ich mich zu ihm auf die Bettkante  setzen. Dann fängt er an, mich zu befingern. Ich erstarre zur  Salzsäule. Er greift in meine Hose. Hinter mir liegend, tut seine Hand,  was sie will. Mein Ekel ist unbeschreiblich.</p>
<p>Die unregelmäßigen Abstände meines Erscheinens in der Klausur  erklären sich im Nachhinein sehr einfach : da er für die  Aufnahmeprüfungen zuständig ist, gibt es wohl stets Nachschub nach  eigener Wahl. Auch bei den Badeausflügen in die abgelegene Natur  („Blauer See“) wird er wohl reichlich Vergleichsmöglichkeiten gehabt  haben.<br />
Für den Kaben von damals kaum ein Trost. Als wir in Geschichte den  Damokles behandeln und sein Schwert, weiß ich, was über mir hängt.</p>
<p>Meinen Eltern werden diese nachmittäglichen Bestellungen ins Kolleg –  ich war externer Schüler – schließlich unheimlich. Eines Abends höre  ich, wie meine Mutter meinen Vater fragt, ob er sich denn nun endlich  erkundigt habe. Meine Beine werden schwach. Jetzt kommt alles heraus!  Alle Sünden, alles. Dann höre ich den Vater beruhigend zur Mutter sagen,  sie solle sich keine Sorgen machen, es gehe bloß um seelsorgerische  Fürsorge&#8230;</p>
<p>Ein anderer Mann in schwarz. Nicht so wie der Riese. Aber jähzornig  bis zum äußersten. Wir haben ihn in Religion. Einmal wird die ganze  Klasse in das Haus vor den Toren des Kollegs bestellt. Er hat es für  seine Jugendarbeit zugewiesen bekommen. Er führt uns in einen  Gruppenraum. Wir sollen uns schon einmal setzen, sagt er. Wir lassen uns  an den Wänden nieder. Dann ist er verschwunden. Wir sitzen da, eine  Schulstunde lang, ratlos. Auf einmal fällt mir auf, daß in der Zimmertür  im oberen Feld eine Ecke der Verglasung fehlt. In diesem Loch blinkt  das Brillenglas unseres Religionslehrers rhythmisch zu dem, was man  nicht sehen kann.</p>
<p>Das Aloisiuskolleg, eine Eliteschule?</p>
<p>Wie wurde man überhaupt Elite? Durch eine brutale und (a)soziale  Auslese über mehrere Instanzen: Zunächst verbreitet man (mit wenig  Berechtigung) überall das Gerücht, man sei eine Eliteschule. Das  schreckt schon einmal die ersten ab! Gut so. Als nächste Stufe kommt die  Aufnahmeprüfung,  dann folgt ein hemmungsloses Aussieben in den unteren  Klassen. Kurz vor dem Prima noch bricht man noch schnell den  schwächeren Schülern das Genick, denn am Aloisiuskolleg fällt  bekanntlich keiner im Abitur durch.</p>
<p>Was in den oberen Klassen an Schülern am Ende übrig blieb, waren  sozusagen Selbstläufer, die eigentlich auch ohne die vielen  mittelmäßigen Lehrer hätten auskommen können. Am besten hätte man ihnen  einfach ein paar Bücher auf das Pult gelegt.<br />
Mit 16 Jahren hatte ich das Landesbestenzeugnis mit Urkunde und  Geldprämie und beschloss, in den Gleitflug zu gehen. An der Universität  Bonn hörte ich Vorlesungen bei den Professoren Speiser, Lützeler, von  Einem und Bandmann. Im Vergleich mit Freunden von anderen Schulen  begriff ich bald, daß wir Akoschüler (außer in Latein) in allem meistens  nur Durchschnitt gewesen waren. Und manchmal sogar bloß nur Nieten.</p>
<p>Ich möchte, nachdem ich mich so schmerzhaft an das erinnert habe, was  mir bei den Patres widerfahren ist, noch einige andere Gedanken  anschließen:</p>
<p>Die goldene Abiturfeier (50 Jahre) schlug die erste Bresche in die  Schweigemauer, mit der ich mich umgeben hatte. Während der gedanklichen  Auseinandersetzung mit dem Ereignis brach völlig unerwartet über mir  alles zusammen, ein richtiger Dammbruch. Aber outen? Nicht vor der  Klasse!  Ich habe anschließend nur wie beiläufig zu meinen beiden besten  Freunde gesagt, ich sei damals missbraucht worden. Ansonsten habe ich  lediglich gehörig Dampf abgelassen zu unserem scheinheiligen  Aufsatzthema &#8220;Die Kultur der Seele ist die Seele der Kultur &#8211;  interpretieren Sie dieses Wort von Michael Kardinal Faulhaber &#8220;. Zur  Seele habe ich nichts gesagt, aber einiges zu dem Münchener Kardinal und  Hitlerverehrer.</p>
<p>Mit 18 Jahren hatte ich meine erste Freundin. Sie war von einer  anderen Schule gekommen. Wir waren insgesamt vier Jahre zusammen und  haben auch gemeinsam unser Architekturstudium begonnen. Sexuell war ich  der perfekt abgedrehte Jesuit. Sünde! Sünde! Sünde! Wir haben nie  zusammen geschlafen. Ich habe immer die Flucht ergriffen und alles von  mir weggeschoben. Diese Abwehrmechanismen sitzen leider bis heute.</p>
<p>Ein halbes Jahrhundert nach meinem Missbrauch und nach 46 Jahren Ehe  habe ich dann die ganze Geschichte öffentlich gemacht in einem Film, den  der WDR hier in Menton gedreht hat. Hier hat meine Frau zum erstenmal  von allem erfahren und unter Tränen erkennen müssen, warum die ganze  Familie in der zurückliegenden Zeit so unter mir manchmal hatte leiden  müssen, aber jetzt verstünde sie wenigstens einiges besser.</p>
<p>Josef Ratzinger war selbst von 1959 bis 1969 des öfteren am  Aloisiuskolleg. Er kennt meinen Peiniger persönlich. Als Papst und  oberster Aufklärer sollte er endlich die abertausend Missbrauchstaten  aus den  Akten des Vatikans offenlegen und mutig zu seiner eigenen  Schuld an diesen Vorfällen stehen. Noch 2001 verlangt er in seinem &#8220;De  delictis gravioribus&#8221; das Schweigen, anderweitig drohe Ausschluß und  Exkommunikation. Dass der Missbrauch dem &#8220;pontifikalen Geheimnis&#8221;  unterliege, ist nur eine Umschreibung für weiteres Lügen und weiteres  Vertuschen, eine haltung, die viele neue Opfer kosten wird.</p>
<p>Hans Küng spricht öffentlich von &#8220;Ratzingers Verantwortung&#8221; und Eugen  Drewermann meint, er denke mit Schaudern an die ungezählten weiteren  Missbrauchsfälle in Ländern wie Polen, Spanien, Portugal, Lateinamerika.  Ländern also, in denen die katholische Kirche noch die Macht hat, alle  Vorfälle mit dem Gesetz des Schweigens zu belegen. Dass man aus diesen  Ländern so wenig in dieser Angelegenheit hört, läßt für mich also eher  den Schluss zu, dass dort die katholische Omerta noch funktioniert.</p>
<p>Was wir als Missbrauchsopfer zur Zeit in Deutschland erleben, ist  immer noch allzu oft die Fortsetzung dieses arroganten Verhaltens der  Kirche. Wenn wir nicht vereinzelte Bekenntnisse zu den Schandtaten des  Ordens erzwungen hätten, wäre es weiter still in der selbsternannten  Hochburg von Ethik und Moral.</p>
<p>In den 1860er Jahren gab es im Preußischen Abgeordnetenhaus schon  einmal eine Debatte zu Missbrauchsfällen an katholischen Schulen: Rudolf  Virchow, der berühmte Arzt und Naturwissenschaftler, sagte damals, er  habe zunächst an Einzelfälle geglaubt, jetzt wisse er, es liege in der  Struktur dieser Einrichtungen.</p>
<p>Man kann ihm nur zustimmen. Hat sich bis heute wirklich etwas daran  geändert? Die welt- und menschenfremde Leibfeindlichkeit der engen  katholischen Lehre erweist sich auch heute noch am gipsweißen Aloisius  in der Eingangshalle des Kollegs. Nicht nur ich frage mich, wie man  heute noch eine Schule nach einem jungen spanischen Adeligen benennen  kann, der mit zehn Jahren das &#8220;Gelübde der ewigen Jungfräulichkeit&#8221;  abgelegt hat.</p>
<p>Wie wenig er übrigens als Schutzpatron der Jugend taugt, habe ich an  mir selbst erfahren, als ich als Sextaner an jenen dunklen Nachmittagen  ihm vorbeigehen mußte auf dem Weg zu meinem jesuitischen Peiniger.</p>

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		<title>Am Ende stand für mich das Ende</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/10/26/am-ende-stand-fu%cc%88r-mich-das-ende/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 18:16:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[––Aloisiuskolleg]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin in den siebziger Jahren Schüler am Aloisiuskolleg gewesen. Ich bin dort von einem Pater seelisch und körperlich misshandelt worden, weil er offenbar von mir besessen schien und mich unbedingt brechen wollte, um mich zu besitzen. Ein Satz, der sich nicht so leicht hinschreibt. Aber er stimmt. Drei furchtbare Jahre bin ich von diesem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin in den siebziger Jahren Schüler am Aloisiuskolleg gewesen. Ich bin dort von einem Pater seelisch und körperlich misshandelt worden, weil er offenbar von mir besessen schien und mich unbedingt brechen wollte, um mich zu besitzen.<span id="more-4968"></span></p>
<p>Ein Satz, der sich nicht so leicht hinschreibt. Aber er stimmt. Drei furchtbare Jahre bin ich von diesem Mann wie von einem enttäuschten Liebhaber gequält und gedemütigt worden. Und was war sein Ziel? Mich unter seine Dusche zu bekommen. Ein Satz, der sich nicht so leicht glauben lässt. Doch auch er stimmt.</p>
<p>Am Ende stand für mich das Ende: der Verweis von der Schule – und zwar ohne Schulabschluss. Nach diesem Hinauswurf war ich nicht mehr in der Lage, eine andere Schule zu besuchen. Dass ich trotzdem noch meinen Weg ins Leben gefunden habe, ist nicht das Verdienst des Kollegs.</p>
<p>Der Reihe nach. Ich stamme aus katholischem Milieu. Die Eltern waren noch vor dem Mauerbau aus der DDR ins Rheinland geflohen, nicht zuletzt wegen der Verfolgung allen christlichen Lebens durch die Kommunisten. Und so fühlte ich mich am Aloisiuskolleg zunächst einmal recht wohl. All die Gebete, die Heiligen Messen, der Religionsunterricht, das schien so ganz meine Welt zu sein. Auch bei der Jugendorganisation, dem ND, dem Bund Neu Deutschland, hatte ich mich gleich als Sextaner angemeldet. Ich war bis zum Ende dabei, hatte wohl kein einziges Ferienlager verpasst, wurde sogar &#8220;Jungritter&#8221;. Und genauso ritterlich fühlte ich mich auch. Meinen Mitschülern gegenüber immer hilfsbereit, mit großen Respekt vor dem anderen Geschlecht.</p>
<p>Mit den Lehrern kam ich gut zurecht. Meine Leistungen waren ordentlich. Nur in Mathematik war ich ein wenig zurück. Ich betete darum, dass es bloß keine Nachhilfe geben würde.</p>
<p>Für diese war nämlich der Internatsleiter zuständig. Ein vielbeschäftigter Mann. Der hatte nun wirklich alle Hände voll zu tun. Nicht nur mit der Pflege des naturwissenschaftlichen Bereichs der Schule, sondern auch mit anderen Dingen. Er war als der große &#8220;Nackte-Jungens-Photograf&#8221; bekannt. Als großer &#8220;rektaler Fiebermesser&#8221;. Als großer &#8220;Kleine-Jungens-Abduscher&#8221;.</p>
<p>Als Internatsleiter war er schon damals innerhalb des Kollegs mächtig, brachte er doch die Spendengelder der wohlbetuchten Internatseltern ein. Ein weiteres Hobby war der Park. Sein Park. Hier durften dann die Eltern besonders der Schüler, die in schulische Schwierigkeiten geraten waren, Bäume spenden. Dies half wundersamer Weise auch bei den schlechtesten Schulnoten. Interessanterweise auch in solchen Fächern, mit denen er als Mathematiklehrer gar nichts zu tun hatte.</p>
<p>Beim Anlegen des Parkes durften dann auch strafwürdige Schüler zur Hand gehen. Strafwürdig war man, wenn man zum Beispiel über den Gang hastete. Aber auch wenn man bummelte. Also: Hemd aus, Spaten in die Hand, und nachher half dann der Pater persönlich, den ehrlich erworbenen Schweiss wieder abzuduschen.</p>
<p>Ausserdem war er damit befasst, sich ständing neue Bestrafungen einfallen zu lassen. Von denen sollte ich bald auch ein paar zu schmecken bekommen.</p>
<p>Aber noch waren wir uns ja noch nicht begegnet, da ich externer Schüler war und er meistens im Internat beschäftigt war. Dort hingen auch die erotischen Jungens-Bildchen, die er tagsüber so schoß, an den Wänden. Er war eigentlich den ganzen Tag von nackten Jungens umgeben, auf Bildern, beim Duschen, beim Fiebermessen und beim Bestrafen. Im Schulpark stand und steht noch heute die Statue mit den zwei vornübergebeugten nackten Jungen mit kleinen Penissen. Wie bitte, alles ganz harmlos? Wieso stehen dann vor der Godesberger Nonnenschule nicht auch zwei nackte Bronzemädchen mit gespreizten Beinen &#8230;</p>
<p>Während der Schulferien nahm er sich vier oder fünf Jungs mit zum Segeln nach Korsika oder zum Saunen nach Finnland. Eigentlich hätte man erwartet, dass ein Pater (Vater!) seine Filii (Söhne!) mit nach Rom oder Lourdes nimmt. Und zwar bekleidet. Musste er im Unterricht nicht gelitten haben wie ein Hund, da dies die einzige Zeit des Tages war, wo er keine nackten Jungs zu sehen bekam! Allerdings wusste er sich auch hier Abhilfe zu verschaffen und so musste der eine oder andere sich in den Pausen bei ihm zu einer Kleideranprobe oder zum Beschnuppern, dem &#8220;Gestankstest&#8221;, einfinden.</p>
<p>Dieser sollte auch mir noch blühen, aber dazu später. Er war auch bekannt dafür, unbotmässige Jungs nackt in dunkle Räume einzusperren oder in den eiskalten Brunnen steigen zu lassen. Von all dem hatten wir natürlich bereits gehört. Dann mussten das aber doch auch die anderen Lehrer gewußt haben!</p>
<p>Ich hatte also schon Angst, als ich erfuhr, dass er unser neuer Mathematiklehrer werden sollte.</p>
<p>Vielleicht hatte ich mich deshalb nach den Sommerferien, obwohl ich mich bereits im Übergang in die Pubertät befand, noch einmal so richtig knabenmäßig &#8220;schulfein&#8221; gemacht. Wie zur Empfängnis des Kommunionssakramentes. Mit Seitenscheitel, Kragenhemd und Bügelfalte in der Hose. Ich sah das neue Schuljahr als Chance für einen neuen Start und als Sprungbrett in die Oberstufe und wollte nichts falsch machen. Ich wusste nicht, dass dies der Anfang zu einem zwei Jahre dauernden Martyrium werden sollte.</p>
<p>Den Tag, an dem ich jenem Dämon buchstäblich in die Arme gelaufen bin, vergesse ich nicht. Ausgerechnet vor jener Stunde, als wir das erste Mal bei ihm Unterricht hatten, mußte ich noch einmal rasch zur Toillette. Ich war spät dran und drängte zur Tür. Unser neuer Mathematiklehrer war viel zu früh da und kam gerade in die Klasse. Ein erstaunter Blick &#8211; mein braver Aufzug muss ihm aber gefallen haben. Jedenfalls fragte er mich unendlich milde und ein wenig kumpelhaft, wohin ich denn hinwolle. Ich sagte ihm, dass ich noch rasch zur Toilette müsste. Und mit lächelnden Augen und einer sehr freundlichen Handbewegung forderte er mich auf, dem doch in aller Ruhe nachzukommen. Ich war glücklich. Der von allen gefürchtete Mann war auf Anhieb mein Freund geworden. Also alles nur Gerüchte. Oder wussten alle, die die sich da beschwerten hatten, offenbar nur nicht, wie man mit diesem grundgütigen Mann umzugehen hatte?</p>
<p>Naja, jedenfalls – mein Einstand in das neue Schuljahr schien gelungen. Auch sonst lief es nicht schlecht. Durch meine zurückhaltende Art hatte ich mir bald den Respekt der Klasse verschafft. Privat stellte sich bald schon die eine oder andere liebe Freundin ein. Das neugewonnene Selbstbewusstsein drückte sich auch bald schon in etwas modischerer Kleidung und in sicherem Auftreten aus.</p>
<p>Aber ach! Genau dies waren die Dinge, die mich bei jenem Pater, der nun unser neuer Mathematiklehrer geworden war, in Ungnade fallen liessen. Während ich in der Phase, in welcher jener bestrebt gewesen war, ein Vertrauensverhältniss zu mir aufzubauen, nur Milde und Freundlichkeit von ihm spürte, sollte ich nun zu bemerken bekommen, welche zerstörerischen Kräfte in diesem leidenschaftlichen Manne wüteten.</p>
<p>In der folgenden Zeit benahm er sich wie ein zurückgewiesener Liebhaber. Mal beleidigt und jähzornig, mal kalt berechnend bei seinen vielen Versuchen, mich doch noch unter seine Kontrolle zu bekommen.</p>
<p>Es begann zunächst langsam. Er starrte mich dauernd an. Versuchte mich einzuschüchtern. Vielleicht war dies aber auch noch die Test-Phase. Ich konnte dieses seltsame Verhalten mit meinem Kabenverstand natürlich nicht begreifen und reagierte daher auch nicht. Das provozierte ihn nur noch mehr. Er forderte mich fast jeden Tag vor versammelter Klasse heraus. Bald forderte er mich zu Armdrücken und kleinen Kämpfchen auf. Ich hielt stand, besiegte ihn sogar im Armdrücken. Dabei galt der großgewachsene Mann als sehr stark, verteilte üble Kopfnüsse, nahm Schüler in den Polizeigriff und machte uns während des Mathematik-Unterrichts Turnübungen vor. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es dumm von mir war, ihn im Armdrücken zu besiegen. Inzwischen aber bin ich überzeugt, dass dieser Sieg mich vor nochschlimmeren Übergriffen bewahrt haben könnte.</p>
<p>So gab es einmal die Situation, wo er mich in einen Spind eingeschlossen hatte. Ich spürte die Gefahr, die davon ausging, dass ich mit ihm auf so engen Raum alleine eingesperrt war. Es war zuerst dunkel und er fummelte rum, ich dachte, er suche nach dem Lichtschalter, hörte Geräusche, die ich nicht einordnen konnte, genausowenig wie die nassen Flecken auf dem Boden. Ein paarmal hat er mich im Dunkeln berührt. Ich weiss nicht mehr, wie lange das gedauert hat, aber ich weiss heute noch, wie erleichtert ich darüber gewesen war, dass ich mich doch hatte nicht ausziehen müssen – wie in jenen Geschichten, die man sich heimlich in den Pausen erzählte. Ich weiss nicht, warum mir das damals erspart blieb. Er muss seine Zweifel gehabt haben. Sich vielleicht vor meiner Reaktion gefürchtet haben.</p>
<p>Er hat dann erstmal weiter versucht, mich weichzukochen. Mich als dumm und ungehobelt abzustempeln. Machte abfällige Bemerkungen über mich. Diese Schikanen und öffentlichen Demütigungen steigerten sich. Bald schon wurde es mir morgens zur Qual, den Berg zur Schule hinauf zu gehen. Jeden Morgen ein Gang zum Schaffot. Jedenfalls an den drei Tagen, an denen wir Mathematikuntericht hatten. Aber auch an den Tagen dazwischen konnte ich mir nie ganz sicher sein. Meine Erfolge in Mathematik waren ihm nicht recht. Dabei war ich sein bester Schüler. Ich hatte fast immer schon in der ersten Stunde, in der ein neues Thema angesprochen wurde begriffen, um was es gehen würde.</p>
<p>Meine Klassenarbeiten waren fehlerlos. Aber wegen angeblich schlechter Schrift oder Form oder ähnlichem hat er mir nie eine Eins gegeben sondern nur Zweien. Meine Klassenarbeiten musste ich bald allein in einen Putzspind eingeschlossen schreiben. Dann hat er verboten, dass ich während der Pausen den Klassenraum verlasse, damit die teuren und zahlenden Internatseltern meine schreckliche Gestalt nicht sehen sollten und nicht abgeschreckt würden. Er sagte, ich wirke abstossend auf die Umwelt. Ich war jetzt also zu hässlich geworden für seine schöne Schule. Wie er das mit dem Arrest für mich während der Pausen durchgesetzt hatte, begreife ich nicht. Die Fluraufsicht wurde instruiert darauf zu achten, dass ich den Klassenraum nicht verlasse.</p>
<p>Schliesslich wurde von ihm vor der ganzen Klasse behauptet, dass ich stinke, alle Mitschüler sollten gefälligst mal an mir riechen. Auch er selbst hat an mir rumgeschnuppert. Überall! Besonders da, wo er den Gestank so vermutete. Da, am Hosenstall, unter den Armen! Freilich, nicht jeder meiner Klassenkameraden hatte bei dieser Aktion mitmachen müsssen. Er wusste schon, wen er da auswählen konnte. Sie hatten sich in einer Reihe aufzustellen, ein gutes Dutzend, und so kamen sie einern nach dem anderen an die Reihe, mich zu beschnuppern und ihr Urteil abzugeben. Abschliessend presste er selbst noch einmal seine Nase und seinen Mund auf mein Geschlecht, holte tief und lange Luft und sagte dann: &#8220;Ekelhaft!&#8221;</p>
<p>Besonders entäuscht bin ich, einige der Schnupperer auf der Liste der 500 gefunden zu haben, die das Aloisiuskolleg mit ihrem die Opfer verletzenden Schreiben als vorbildliche Schule verteidigen. Ich hatte eigentlich Mitleid mit denjenigen gehabt. Ich war davon ausgegangen, dass es ihnen peinlich gewesen war, so wie ein Hund an mir herumschnüffeln zu müssen. Keiner sagte direkt, dass ich stinken würde, nur so ´naja´und ´vielleicht´.</p>
<p>Im Anschluss führte mich der Pater in einer Art Polizeigriff, der sehr schmerzhaft war, aus der Klasse geradewegs zum Direktor. Die ganze Klasse habe sich darüber beschwert, wie ich stinke! Man wolle dort meinen Gestank nicht mehr aushalten. Der Direktor solle doch bloß auch einmal an mir riechen.</p>
<p>Das hat er dann auch getan. Allerdings mit gerunzelter Stirn und aus respektvollem Abstand.</p>
<p>Darauf schloss sich eine Besprechung im Nebenzimmer an. Ich musste warten. Offenbar sollte mit dieser Aktion versucht werden , vom Direktor die Erlaubniss zu erlangen, dass ich als externer Schüler abgeduscht werden dürfte. Das tat er, mein Mathematiklehrer, ja bei den Internatsschülern regelmässig , aber bei mir, als nicht im Internat Lebenden, hatte er normalerweise kein Recht dazu.</p>
<p>Anscheinend hatte ihm aber auch der Direktor die erhoffte Erlaubnis nicht gegeben. Jedenfalls kam mein Mathematiklehrer mit hochroten Kopf aus dem Zimmer heraus, ging an mir vorbei, ohne mich anzuschauen und knallte die Tür hinter sich zu. Kurz darauf kam der Direktor heraus. Auch mit rotem Kopf. Er selbst hätte zwar nichts gerochen, aber er wolle mir empfehlen, doch morgens zu duschen und Deo zu benutzen.</p>
<p>Diese obesessive Verfolgen schien nun zur Manie geworden zu sein. Wenn ich einmal krank war, wurde mir von ihm jedesmal nach Hause hinterhertelefoniert. Er stieß dann am Telefon alle möglichen Drohungen gegen mich aus. Sagte, dass er mich immer unter Beobachtung hätte und dass ich ihm nicht entgehen könne. Jedesmal schien er entäuscht, mich zuhause angetroffen zu haben. Hätte er doch sonst den Beweis gehabt, dass ich in sein Internat gehöre. Es war absolut nicht üblich, dass ein Lehrer einem externen Schüler hinterhertelefonierte. Man brachte am nächsten Tag eine von den Eltern unterschriebene Entschuldigung mit, fertig. Mich aber verfolgte er bis nach Hause.</p>
<p>Nachdem sich also meine Eltern erfolgreich seinem Ansinnen widersetzt hatten, mich seinem Internat einzuverleiben, mich ihm also ganz auszuliefern, war jetzt seine Strategie, hatte ich endgültig aus seinen Augen zu verschwinden. Deshalb erzählte er jetzt alle möglichen Geschichten über mich.</p>
<p>Schliesslich hatte ich einen Unfall, meine Abwesenheit hat der Pater dann genutzt, um zwei Wochen vor Abschluss der mittleren Reife eine Konferenz einzuberufen und mich feuern zu lassen. Der blaue Brief kam zu mir ins Wald-Krankenhaus, der Schule verwiesen wegen Subversivität! (Unter heutigen Gesichtspunkten verstehe ich das durchaus als eine Auszeichnung!). In dem Schreiben stand nur, dass ich der Schule verwiesen war, mit dem Hinweis auf subversives Verhalten. Zu irgendwelchen Vergehen hat mich nie jemand befragt. Was ich getan haben sollte, kann ich auch nur erahnen oder erraten, aus Gesprächen mit Eltern und Lehrern im nachhinein. Es ging wohl um sehr schwere Vorwürfe, die der Pater gegen mich gemacht hatte. Drogenhandel, Körperverletzung, Erpressung und natürlich: Vergewaltigungen! Das wurde alles ungeprüft geglaubt, aber nicht etwa bei der Polizei angezeigt, sondern ich wurde der Schule verwiesen.</p>
<p>So hat dieser Mann drei Jahre lang dermaßen viel Energie auf mich gerichtet, dass man wohl sagen kann, er war von mir nahezu besessen. Manchmal frage ich mich, wie er zu anderem überhaupt noch Zeit haben konnte. Vor allem aber frage ich mich, wieso die Schulleitung damals nichts getan hat.</p>
<p>Heute unterscheide ich zwischen Täter und Verantwortlichem. Mein Täter war ein raffinierter und intelligenter, aber brutaler Mann. Er ist in meinen Augen sadistisch und pädophil veranlagt gewesen, hat sich später der Rechtfertigung durch Demenz entzogen. Andere Täter haben sich in den Tod gerettet.</p>
<p>Mein Täter war aber auch ein Getriebener. Durch den Austausch mit anderen Betroffenen habe ich nachvollziehen können, wie aus dem lüsternen Jüngling aus den Frankfurter Exerzitien der frühen 60er ein mächtiger Mann wurde, der sich auf dem heiligen Berg sein Päderasten-Fürstentum aufgebaut hat. Andere Täter wiederum haben Hilferufe in Form von Briefen an den Provinzial verfasst. Es war ihnen vor sich selbst nicht geheuer. Es waren Getriebene, für die ich heute eine Mischung aus Ekel, Abscheu und Mitleid empfinde.</p>
<p>Ich begreife aber nicht, wie man sie nicht hat aufhalten können. Nicht hat stoppen wollen. Waren sie wirklich so wichtig für den Schulbetrieb, für den Orden? Gut, sie haben viel Geld eingebracht. Das Internat vollgemacht. Aber war es nur Habgier, die die Verantwortlichen zum Wegschauen veranlasst hat?</p>
<p>Ich weiß, die Täter können nichts wieder gut machen. Sie sind mir auch egal. Ich möchte von ihnen und ihren Gespenstern nicht mehr belästigt werden. Ich habe ihnen nichts zu entschuldigen. Ich bin mir sicher, dass sie an ihrer eigenen Hölle leiden.</p>

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		<title>Mein Lateinlehrer Pater X.</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 17:43:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[––Aloisiuskolleg]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem Bekanntwerden erster Missbrauchsfälle im Frühjahr diesen Jahres habe ich mir lange Zeit überlegt, ob ich mit meiner eigenen Geschichte an die Öffentlichkeit gehe. Es hat lange gedauert, bis ich mich dazu überwunden habe. Es musste einfach heraus. Insbesondere Eltern von schulpflichtigen Kindern sollen wissen, dass man auch Menschen, die kraft ihres Status besonders [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Bekanntwerden erster Missbrauchsfälle im Frühjahr diesen Jahres habe ich mir lange Zeit überlegt, ob ich mit meiner eigenen Geschichte an die Öffentlichkeit gehe. Es hat lange gedauert, bis ich mich dazu überwunden habe. Es musste einfach heraus. Insbesondere Eltern von schulpflichtigen Kindern sollen wissen, dass man auch Menschen,<br />
die kraft ihres Status besonders hohe moralisch-ethische Ansprüche haben, durchaus auch mit Skepsis begegnen sollte.<span id="more-4966"></span></p>
<p>Bis zu meinem Abitur 1968 besuchte ich das Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg. Im Volksmund hieß sie die „Schule auf dem heiligen Berg“, da sie auf einer Anhöhe liegt mit Blick über die ganze Stadt. Aus dieser Zeit sind nicht nur furchtbare Fälle sexuellen Missbrauchs ans Tageslicht gekommen, in jener Zeit war es auch gang und gäbe, dass Schüler in oft brutaler Weise körperlich gezüchtigt wurden. Und ich spreche hier nicht von der „Watsch’n“, die in einem ersten Zornesaffekt einem aufgebrachten Lehrer schon eimal entgleiten konnte, was freilich damals aber auch schon verboten war, sondern ich spreche von Schlägen und Fußtritten, die verletzen sollten, verletzen mussten und auch verletzt haben.</p>
<p>Es waren weniger die weltlichen Lehrer, die auf uns einprügelten. Obwohl im Lehrkörper in der Unterzahl – ca. 20% unserer Lehrer waren Jesuitenpatres, in den übrigen Fächern unterrichteten uns weltliche Lehrer –, waren es ausgerechnet die Ordensbrüder, die gewalttätig wurden.</p>
<p>Mein Lateinlehrer Pater X. zählte dazu. Er war ein sehr seltsamer Mensch, mit sehr seltsamen Verhaltensweisen. Als Lehrer war er streng, sehr streng, auf der einen Seite war er auch herzensgut und konnte eine fast kindliche Freude entwickeln. Ich erinnere mich noch gut, dass er besondere Freude daran hatte, wenn ein Mitschüler das Lied „Auf der schwäb&#8217;schen Eisenbahne“ in schwäbischer Mundart vorsang, Pater X. muss wohl aus der Region gekommen sein. Dann kullerten dem Pater mitunter die Tränen über die Wangen und er klatschte dazu wie ein kleines Kind in die Hände. Im gleichen Moment konnte aber auch seine Stimmung umschlagen und er drosch auf uns ein. Dabei konnte man feststellen, dass er sich mit jedem Schlag regelrecht in Ekstase prügelte und erst aufhörte, wenn ihn die Kräfte verließen. Das verprügelte Kind konnte noch so schreien und jammern, in der Regel steigerte das nur noch seine Wut.</p>
<p>Auch war bekannt, dass sich jener Pater regelmässig in seiner eigenen Klausur geißelte. Er muss sich dabei selber furchtbare Verletzungen zugefügt haben, seine Schmerzensschreie sollen weithin auf dem Akogelände zu hören gewesen sein. Wegen dieser Praktiken oder vielleicht auch noch aus anderen Gründen war der Pater im Kreise der Lehrerkollegen<br />
ein Aussenseiter.</p>
<p>Als 11-jähriger Schüler – ich muss damals in der Quinta oder Quarta gewesen sein – wurde ich von Pater X. so verprügelt, dass ich mehrere Tage krank zu Hause blieb. Dieser Pater schlug, war er einmal in „Rage“ und das geschah des öfteren, wie von Sinnen die Schüler mit den Fäusten auf den Kopf.</p>
<p>Was ihn damals so in Rage gebracht hat, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, natürlich haben wir damals so manchen Schabernack „verzapft“ und gelegentlich auch den Unterricht gestört. Aber unsere Streiche waren sicher harmlos. Und wir waren – Kinder &#8230;</p>
<p>Pater X. kam jedenfalls wie eine Furie an meinen Platz. Wir saßen damals noch in Schulbänken, aus denen es, stand der Lehrer erst einmal neben einem, kein Entrinnen mehr gab, und schlug mir mit beiden Fäusten auf die Schädeldecke. Wie viele Schläge ich abbekommen habe, ich weiß es nicht mehr. Meinen Arm, den ich schützend über den Kopf gehoben hatte, zerrte er zur Seite. Man konnte spüren, dass ihn diese meine instinktiv vorgenommene „Schutzmaßnahme“ in seiner Wut nur noch steigerte. Und so nahm die Prügelei ihren Lauf.</p>
<p>Es war am Ende der Schulstunde und in der darauf folgenden Pause lief ich völlig aufgelöst vorzeitig vom Schulgelände nach Hause. Meine Mutter war zutiefst bestürzt und besprach sich sofort mit meinem Vater, der daraufhin den Direktor der Schule, Pater Y., überden Vorfall informierte und um eine Stellungnahme der Schule bat. Am gleichen Tag noch erschien der Konrektor des Ako, Herr OStD. P., zu einer Unterredung mit meinen Eltern, bei der ich nicht zugegen war. P. war Kegelbruder meines Vaters und ich kann mir gut vorstellen, dass P. sich darum bemühte, meinen Vater davon zu überzeugen, die ganze Sache „unter der Decke zu halten“. War es doch an sich schon ungewöhnlich, dass sich meine Eltern beschwert hatten und damit das Risiko eingegangen waren, dass ich vom Ako hätte entfernt werden können. Das war damals eine gängige Praxis, sich unliebsamer, weil aus der Sicht der Patres aufsässiger Schüler zu entledigen.</p>
<p>In meinem Fall hatten die Schläge besonders fatale Folgen. Ich war erst wenige Tage von einer Gehirnerschütterung wieder genesen. Als kleiner Junge (im Alter von 5 oder 6 Jahren) wurde eine Augenfehlstellung durch eine Langzeitbehandlung (Abdeckung des schielenden Auges) weitest gehend korrigiert. Durch die nicht zur Ausheilung gekommenen Gehirnerschütterung und die neuerlichen Schläge auf den Kopf wurde diese Behandlung, also die Augenkorrektur, zunichte gemacht.</p>
<p>Seit dieser Zeit leide ich an einer gravierenden nicht mehr reparablen Fehlstellung eines Auges, die auch bewirkt hat, dass die Sehstärke dieses „Schielauges“ im Laufe der Zeit auf 20% gesunken ist und räumliches Sehen gar nicht möglich ist. Diese Augenfehlstellung begleitet mich mein ganzes Leben und beeinträchtigt mich sowohl körperlich als auch psychisch. Insbesondere als junger Mann habe ich wahnsinnig unter Minderwertigkeitskomplexen gelitten. Heute noch plagen mich regelmäßig auftretenden, schweren Kopfschmerzen, die nachdem nun in den letzten Monaten dies alles wieder hoch kommt, besonders heftig sind.</p>
<p>Für den besagten Pater gab es offensichtlich keine Konsequenzen, dieser und seine Mitbrüder prügelten weiterhin. Doch eine Folge hatte dies alles, von dem Zeitpunkt an wurden die Kinder, die reif für eine Tracht Prügel waren, gefragt, ob sie in jüngster zeit eine Kopfverletzung hatten. Wurde dies bejaht, was natürlich sehr selten der Fall war, gab es als Prügelersatz eine saftige schriftliche Strafarbeit.</p>
<p>Jahre später, ich hatte inzwischen als Abiturient die Schule verlassen, nahm ich mir ein Herz und machte mich auf den Weg zum „heiligen Berg“. Ich wollte Pater X. zur Rede stellen und von ihm wissen, warum er mir das damals angetan hatte. Zu meinem Erstaunen empfing mich Pater X. in seinem Zimmer. Ich traf aber einen hilflosen, gebrochenen Mann an. Pater X. lag im Endstadium einer schweren Krankheit, an der er kurze Zeit später versterben sollte. Ich brachte es nicht übers Herz, ihm meine Fragen zu stellen. Stattdessen folgte ich seiner Bitte, mit ihm zusammen zu beten. So blieb es mir für immer versagt, das zu erfahren, warum ich mich auf dem Weg zu ihm gemacht hatte.</p>

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		<title>Ja, natürlich, das hätte die Schulleitung tun müssen</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Oct 2010 19:26:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[––Aloisiuskolleg]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine eigene AKO-Geschichte liegt nun schon viele Jahre zurück. Zu Protokoll gegeben werden muss sie aber trotzdem. Sie hat sich zu Beginn der 60er Jahre zugetragen. Als ich die Tertia erreicht hatte, fühlte ich mich erwachsen genug, um meiner Mutter einen Schulwechsel vorschlagen zu können, um endlich wegzukommen vom Aloisiuskolleg, jener Jesuitenschule, die und deren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine eigene AKO-Geschichte liegt nun schon viele Jahre zurück. Zu Protokoll gegeben werden muss sie aber trotzdem. Sie hat sich zu Beginn der 60er Jahre zugetragen.<span id="more-4940"></span></p>
<p>Als ich die Tertia erreicht hatte, fühlte ich mich erwachsen genug, um meiner Mutter einen Schulwechsel vorschlagen zu können, um endlich wegzukommen vom Aloisiuskolleg, jener Jesuitenschule, die und deren Geist ich nicht mehr ertragen konnte, nachdem ich als Quartaner von einem Pater längere Zeit sexuell missbraucht worden war.</p>
<p>Meine Mutter ahnte damals nichts von jenen schrecklichen Erlebnissen, hatte sich freilich gewundert, warum meine Leistungen in der Quarta so schlecht geworden waren, dass ich die Klasse hatte wiederholen müssen. Aber das lag ja nun, gottseidank, zurück und so verstand sie nicht, warum ihr Sohn nun unbedingt sein Abitur irgendwo auf einem städtischen Gymnasium machen wollte. Das Kolleg sei doch so eine hervorragende Schule. Und dann der ND, der Bund Neudeutschland! Die vielen schönen Fahrten, die man da gemacht habe! Und erst die guten Lehrer, die guten Patres &#8230;</p>
<p>Die Mutter blieb bei ihrer Ablehnung, bis ich mich eines Tages so in Andeutungen verstrickte, dass sie nun doch genauer wissen wollte, was hinter dem unbedingten Wunsch ihres Sohnes nach einem Schulwechsel steckte.</p>
<p>Und so kam ich, zögernd zwar, weil ich mich schämte, sehr schämte, am Ende doch heraus mit meiner Geschichte, einer Geschichte, die in der Quarta angefangen hatte und zwar im Bund Neudeutschland. Dem war ich bereits Sextaner beigetreten.</p>
<p>Die ND-Gruppe St. Michael wurde in Godesberg seit vielen Jahren von einem Pater geleitet, der auch mein Religionslehrer gewesen war und der im religiösen und schulischen Leben des Aloisiuskollegs keineswegs eine unbedeutende Rolle spielte.</p>
<p>Mittelpunkt des Gruppenlebens waren ein Haus vor den Toren des Aloisiuskollegs, in dem sich der ND traf und in welchem dieser Pater wohl auch wohnte und das, glaube ich, als „Jägerhaus“ bezeichnet wurde, sowie das ND-Heim in Cassel bei Heckenbach.</p>
<p>Dort, in Cassel, hatte ich also regelmäßig an Wochenenden zu erscheinen. Und zwar alleine.</p>
<p>Diese Fahrten nach Cassel liefen immer nach dem gleichen Muster ab: Am Samstag, nach der letzten Unterrichtsstunde, musste ich mich im besagten Jägerhaus einfinden, wo der Pater bereits auf mich wartete. Dann wurde der ND-eigene Wagen, ein Ford Taunus Combi, beladen und die Fahrt in die Eifel angetreten.</p>
<p>Zunächst musste ich in dem Haus irgendwelche kleinere Arbeiten verrichten (Türen streichen, Aufräumen, Putzen etc.). Dann wurde sowohl der Badeofen der Gemeinschaftsdusche als auch der Ofen im privatem Zimmer des Paters angeheizt, das sich im Erdgeschoß befand.</p>
<p>Am frühen Abend musste ich mich ausziehen und dann mit dem Pater gemeinsam duschen. Dabei zog er sich an mich, steckte seine Zunge in meinen Mund, küsste mich lange und ausführlich und rieb seinen Penis an meinem, bis er zu dem gelangte, auf das er es abgesehen hatte.</p>
<p>Dabei wurde ich überall befingert und gekniffen, um bei mir eine Erektion hervorzurufen.</p>
<p>Neben meinem Penis erregte vor allem mein Gesäß seine besondere Aufmerksamkeit.</p>
<p>Mir selbst war das, was da an mir vollzogen wurden und bei dem ich mich stets völlig passiv verhielt, überhaupt nicht verständlich. (Dazu später mehr)</p>
<p>Nach diesen Vorgängen, die so lange dauerten, bis das Wasser kalt wurde, ging es dann in das vorgeheizte Zimmer. Dort waren die Vorhänge bereits zugezogen. Ich musste mich nackt auf einen Sessel setzen und zwei, drei Gläser Wein trinken. Dabei hatte ich Bildbände zu betrachten, auf denen griechische Knabenstatuen oder nackte Knaben aus Afrika abgebildet<br />
waren. Der Pater, der mir gegenüber saß, achtete dann stets darauf, ob sich mein Penis beim Betrachten dieser Bilder versteifte und schien ziemlich enttäuscht, dass dies nicht geschah.</p>
<p>Ich wurde danach immer etwas ungnädig behandelt und konnte mich irgendwann auch wieder anziehen. Anschließend wurde etwas gegessen, in roten Goldmann-Krimis gelesen und dann früh zu Bett gegangen. Dies hieß: Ich mußte mit dem Pater zusammen in einem Bett in seinem Schlafzimmer liegen, wobei sich wieder die bereits geschilderten Abläufe ergaben, bevor ich mich dann endlich in das zweite Bett zurückziehen durfte.</p>
<p>Am nächsten Tag, dem Sonntag, wiederholte sich im großen und ganzen der Tagesablauf des Samstags mit Heizen, Duschen, Küssen, Reiben, Weintrinken, Bildbetrachtung, Schlafzimmer.</p>
<p>Am Sonntagmorgen mußte ich freilich noch mit zur Messe nach Kesseling. Im Anschluß daran wurden der Kesselinger Pfarrer und seine Haushälterin besucht, die mich beim Frühstück misstrauisch beäugten. Ich hatte damals das Gefühl, als wüssten oder ahnten sie irgendetwas von den Vorgängen in Cassel und verachteten mich deshalb nicht wenig.</p>
<p>Am Montagmorgen wurde sehr früh aufgestanden, ich musste dann noch in der kleinen Kapelle in Cassel ministrieren, wobei der Pater auf bizarre Art und Weise den Ritus abkürzte und ganze Teile des Gottesdienstes ausließ. Ich empfing aus seiner Hand die Kommunion und war pünktlich zum Beginn der ersten Stunde wieder am Aloisiuskolleg, wo der Schulalltag auf mich wartete.</p>
<p>Diese Wochenenden haben sich ungefähr ein Jahr lang wiederholt.</p>
<p>Es waren wohl insgesamt zehn bis zwölf Termine, zu denen ich mich einzufinden hatte.</p>
<p>Ab und zu hatte ich mich und meinen Körper jedoch auch im Jägerhaus zur Verfügung zu stellen. Das lief dann meistens so ab, dass ich nach dem Treffen meiner ND-Gruppe noch bleiben musste, von dem Pater auf eine Liege geworfen und geküsst und grob befingert wurde. Ich erinnere mich noch bis heute an die große Trix-Eisenbahn, die dort über die Weihnachtszeit aufgebaut worden war und die während der ganzen Rangeleien im Hintergrund weiterlief.</p>
<p>Des weiteren erinnere ich mich an einige missbräuchliche Übergriffe, die in einem Zelt stattfanden, das ich oberhalb von Cassel auf dem Zeltplatz von St. Michael wohl eigens dafür hatte aufstellen müssen, während der glücklichere Rest der ND-Gruppen sich irgendwo auf Wanderschaft befand.</p>
<p>Insgesamt bin ich in diesen Jahren wohl zwanzig Mal missbraucht worden, wobei ich die Wochenenden dabei als einen Vorfall zähle. Ich war im fraglichen Zeitraum 12 bzw. 13 Jahre alt.</p>
<p>Mir selbst war das, wozu ich mich zur Verfügung zu stellen hatte, nicht nur äußerst unangenehm, sondern vor allem auch ziemlich schmerzhaft. Ich bin durch die Manipulationen an meinem Penis nie in einen Erregungszustand versetzt worden, sondern habe durch die groben Griffe an meinen Hodensack vielmehr erhebliche Schmerzen empfunden. Trotzdem verhielt ich mich völlig passiv, weil ich wohl in eine Art Schockstarre gefallen war.</p>
<p>Denn wie hätte man sich als Zwölfjähriger gegenüber einer erwachsenen Person wohl verhalten können, die eben noch der Religionslehrer gewesen war und den weißen Priesterkragen trug, der nun aber nackt vor mir unter der Dusche stand und an meinem Penis herumfingerte und den ich zu allem Überfluss auch noch Duzen sollte, was mir überhaupt nicht gelang. Zudem war dieser Mann auch wegen seines unglaublichen Jähzorns und seiner Unberechenbarkeit bekannt, was mir besondere Angst machte.</p>
<p>Begriff und Wesen der Homosexualität waren mir als Knaben aus behütetem Hause völlig fremd, ich kannte sie nicht. Wohl aber kannte ich die großen Gefahren, die von Mädchen und Frauen ausgingen. Diese Gefahren waren uns am Aloisiuskolleg in Besinnungstagen und im Religionsunterricht vielfach eindrücklich geschildert worden. Die Dämonisierung des<br />
Weiblichen – nicht wenige meiner Schulkameraden hatten schwerste Schulstrafen bis hin zum Verweis zu erdulden, weil sie sich mit Mädchen auf dem Theaterplatz unterhalten haben sollten – brachte mich zur Anschauung, dass ich das Erlebte und Erlittene, also das Geschlechtliche unter Männern, nicht als sündhaft zu begreifen hätte. Insofern beruhigte mich<br />
als junger Christ dieser Schluss trotz aller Ekelhaftigkeit des Duschens und vor allem des Küssens – der Pater selbst war starker Zigarrenraucher und immer schlecht rasiert – und ich erlegte mir Schweigen darüber auf, ein Schweigen, das ich erst brach, als ich vor meiner Mutter wegen des Schulwechsels nicht mehr weiter wusste.</p>
<p>Ich weiss noch, welche große Erleichterung, ja großes Glück es für mich gewesen war, als ich hörte, der Pater sei 1961 „aus gesundheitlichen Gründen“ (Tuberkulose) auf einmal als Pfarrer nach Ranggen in Tirol versetzt worden. Damit hörten auch die furchtbaren Fahrten nach Cassel für mich auf.</p>
<p>Für andere jedoch gingen sie weiter: Es brachen immer noch Jungen in den Ferien nach Tirol auf, um ihn dort zu besuchen. Aber als ich das erfuhr, hatte ich mich schon vom ND innerlich und äußerlich getrennt.</p>
<p>Was hatte nun meine Mutter getan?</p>
<p>Meine Mutter, eine Godesberger Geschäftsfrau, die sich als Witwe eines Spätheimkehrers in der Welt durchaus zu behaupten wußte, sprach, nachdem ich mich offenbart hatte, sofort mit der Schulleitung, die damals aus Pater D. und Pater L. bestanden hatte. Dabei stellte sich zur großen Verwunderung, ja zum Entsetzen meiner Mutter heraus, dass sie den beiden Patres augenscheinlich nichts Neues überbringen konnte, denn sie schienen von den Taten etwas gewusst, zumindest aber etwas geahnt zu haben, hatten aber bis auf die spätere Versetzung nicht nur nichts unternommen, sondern ließen es zudem zu, dass Schüler des Kollegs weiterhin in Tirol mit dem Pater in Kontakt treten konnten.</p>
<p>Meine Mutter schien darüber besonders empört zu sein, liess aber aus ihrer christlichen Grundhaltung heraus die Dinge nun auf sich beruhen, zumal meine beiden älteren Vettern auch Schüler des Aloisiuskollegs waren und ihre Schullaufbahn durch rechtliche Schritte gegen die Kollegleitung unmöglich gemacht worden wäre. Vielleicht ist meine Mutter aber auch von den beiden Patres beschworen worden, von weiteren Verfolgung abzusehen, um sie ganz dem<br />
Orden und seiner Gerichtsbarkeit zu überlassen.</p>
<p>Ich selbst wurde freilich mehrfach ins Rektorenzimmer bestellt und, nach einer allgemeinen Gesprächseröffnung, deren blumige Allegorik und theologische Weitschweifigkeit ich nicht im mindesten begriff, bei Kakao und Keksen über die an mir begangenen Taten einvernommen.</p>
<p>Anschließend wurde mir eindrücklich empfohlen, über diese „schlimmen Dinge“ zu schweigen.</p>
<p>Da sie mir selbst peinlich genug waren, musste ich dazu nicht erst überredet werden. Und schon gar nicht von Pater D., dessen Entree im September 1960 als Rektor am Kolleg für mich und meine Kameraden unvergessen blieb, als er uns Schülern in seiner ersten Predigt mit überschnappender Stimme eröffnete, der liebe Gott habe uns „saulieb“, was mit allgemeinem Gelächter quittiert wurde.</p>
<p>Ich konnte aber als Ergebnis dieser Gespräche zu Beginn der Sekunda das Aloisiuskolleg verlassen und das Abitur an einem Kölner Gymnasium ablegen.</p>
<p>Was mich damals schon als junger Mensch so empört hatte, war aber dies:</p>
<p>Der Pater hatte mit dem Ausleben seiner homosexuellen Neigungen gegen jenes Dogma verstoßen, das wir, die Zöglinge des Kollegs, bei strengsten Strafen zu glauben hatten und auch glaubten: Das Geschlechtliche an sich war sündig.</p>
<p>Dafür stand Aloysius von Gonzaga, dessen Heiligkeit nicht zuletzt darauf beruhte, dem spanischen Hofleben so gründlich entsagt zu haben, dass er bereits mit zehn Jahren das Gelübde der Keuschheit abgelegt hatte. Er war nicht nur der Namenspatron des Kollegs, sondern wachte auch als Marmorfigur in der Eingangshalle über die Einhaltung jener Regeln, die uns bei den gefürchteten Einkehrtagen, den sogenannten Exerzitien, von einem Pater P. gründlich<br />
eingeflößt worden waren.</p>
<p>Wer von uns Schülern gegen diese ehernen Regeln verstieß, also unkeusch war und Sünden, ja Todsünden beging, musste Kolleg und Internat über Nacht und ohne jede Gnade verlassen, auch wenn er nur als Sekundaner beim Tanztee in der Stadthalle mit &#8211; horribile dictu &#8211; Mädchen getanzt oder sich an der Bushaltestelle mit ihnen unterhalten hatte. Das Kolleg hatte überall Spione und glaubte grundsätzlich allen Zuträgern. Ständig forderten die Patres uns Schüler direkt oder indirekt auf, ihnen unser Wissen oder Halbwissen über Verborgenes und Verbotenes zu offenbaren.</p>
<p>Die schweren sexuellen Übergriffe des besagten Paters auf Schutzbefohlene und Minderjährige hingegen sind nicht nur unterschliffen, sondern von der Schulleitung offenbar auch deshalb über Jahre hingenommen worden, damit der Orden keinen Schaden nähme.</p>
<p>Der Schaden hätte darin bestanden, dass die religiösen Ziele der Gesellschaft Jesu durch eine Strafverfolgung und den damit verbundenen öffentlichen Skandal gefährdet hätten werden können.</p>
<p>Wenn es aber um Albernheiten wie die „Micky Maus“-Heftchen ging, scheuten sich die Jesuiten hingegen nicht, klar Stellung zu beziehen. So schreibt ein Pater H. im Ako-Heft 1960 über die amerikanischen Comics:</p>
<p>„Der verantwortungsbewußte Erzieher bewahrt ganz selbstverständlich seinen Schutzbefohlenen vor schlechten Kameraden. Er untersagt ihm auch den Umgang mit denen, die nicht bis ins tiefste Seelenleben hinein schlecht sind, die vielleicht nur wenige unedle Eigenschaften neben manchen guten haben, aber ihrer ganzen Veranlagung nach einen verderblichen Einfluss auf junge, unfertige Menschen ausüben können.“</p>
<p>Bei den eigenen Patres, den wirklich schlechten Kameraden, legte man freilich die moralische Messlatte wesentlich tiefer.</p>
<p>Insofern hatten wir, die missbrauchten Knaben, nicht nur das Unglück mit einem homosexuellen Jesuiten, der unsere Körper und Seelen jederzeit seinen Neigungen aussetzen durfte und dem als Individuum trotzdem vielleicht auch irgendwie zu verzeihen gewesen wäre, sondern auch – und vor allem – mit einer infamen jesuitischen Casuistik, die offenbar das Wohl des Ordens und seiner Ziele über das setzte, was als zivilisatorischer Standard in unserer Gesellschaft<br />
auch bei der Societas Jesu hätte gelten müssen.</p>
<p>Die Frage, ob mein Missbrauch und der anderer Knaben zu verhindern gewesen wäre, wenn die Kollegleitung gleich nach einem ersten Hinweis auf die Übergriffe die entsprechenden Konsequenzen gezogen hätte, ist wohl eher eine rhetorische:</p>
<p>Ja, natürlich, das hätte die Schulleitung tun müssen.</p>
<p>Sie allerdings hat es vorgezogen, uns, die ihnen anvertrauten Knaben, an höhere Ziele (oder vielmehr an das Zerrbild von höheren Zielen) zu verraten.</p>
<p>Dass die Schulleitung des Aloisiuskollegs seinerzeit keineswegs ernsthaft vorhatte, dass Problem für die betroffenen Schüler zu einer endgültigen Lösung zu bringen und jeden möglichen neuen Missbrauch zu unterbinden, beweist ein Eintrag in der Ako-Chronik. Ein Jahr, nachdem das Ako den ND-Pater endlich und viel zu spät wegen seiner Übergriffe in die Tiroler Berge verbannt hatte, gab es an prominenter Stelle im Akoheft 1962/2 seine neue Adresse sozusagen als Einladung zur Kontaktaufnahme an.</p>
<p>Der offenbare Verrat der Jesuiten an Kindern um der hohen Ordensziele wegen wiegt für mich besonders schwer, weil er sich als Erfahrung wie Mehltau über mein eigenes Leben gelegt und Spuren genug in meinem Umgang mit Menschen hinterlassen hat. Von meinem Christentum ist seit jenen Tagen auch nicht mehr viel übrig geblieben. Wenn ich heute sakrale Räume betrete, empfinde ich diesen Verlust als besonders stark und schmerzend.</p>

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		<title>Der Junge ist nicht würdig ein Augustiner zu werden</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Oct 2010 10:45:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin Landwirt, Physiotherapeut und Opfer sexueller Gewalt. War es ein ganz normales Leben, das ich geführt habe? Wohl nicht, wenn der erste Satz stimmt. Trotzdem erschienen mir die nächtlichen Panikattacken, das Misstrauen gegenüber anderen Menschen, die Angst vor neuen Situationen und meine Unfähigkeit zwischen Nähe und Distanz zu unterscheiden, die letzten vierzig Jahre als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin Landwirt, Physiotherapeut und Opfer sexueller Gewalt.</p>
<p>War es ein ganz normales Leben, das ich geführt habe? <span id="more-4927"></span>Wohl nicht, wenn der erste Satz stimmt. Trotzdem erschienen mir die nächtlichen Panikattacken, das Misstrauen gegenüber anderen Menschen, die Angst vor neuen Situationen und meine Unfähigkeit zwischen Nähe und Distanz zu unterscheiden, die letzten vierzig Jahre als durchaus normal. Normal, bis meine Sprachlosigkeit und die Düsternis meiner Stimmung mich endlich gezwungen haben eine Therapie zu beginnen. Waren es ursprünglich die Gewalterfahrungen als Kind und Jugendlicher die mich belasteten? Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass da noch mehr geschehen sein musste.</p>
<p>Mit elf Jahren, 300 Kilometer von zu Hause entfernt in einer Klosterschule in der die Kinder und Jugendlichen einem brutalem Regiment unterstanden, wurde ich in der Kirche, nachts und nur mit einem Messdienergewand bekleidet vergewaltigt. Wer der Täter war weiß ich bis heute nicht. Warum vergisst man ein solch gravierendes Ereignis so vollständig, dass die wiederkehrende Erinnerung unglaubhaft und fremd wirkt? Das Perfide an dem, was mir in der Klosterschule der Augustiner in Würzburg in den Jahren 1962 bis 1964 geschehen ist: wie soll ein frommes Kind damit umgehen, wenn ihm im Beichtstuhl dann nach dem Ereignis gesagt wird, dass das „Ritual“ , ein Beichtgeheimnis bleiben muss, bei Strafe der ewigen Verdammnis. Vielleicht deshalb bleibt der Täter für mich unerkannt, eine vage Erinnerung an einen großen Mann in einer schwarzen Kutte mit eine großen Kapuze über dem Kopf.</p>
<p>Diese Tat, für den Täter wohl ein aufregendes Erlebnis, hat mich im Innersten getroffen und mein Vertrauen in Andere komplett zerstört. Niemand glaubt dir, niemand will sich auch nur ansatzweise damit beschäftigen. Niemand versteht deine Unsicherheit und Sprachlosigkeit. Die Folgen: Scham und das Wissen, dass man nicht viel Wert ist. Bestätigt auch durch die Leitung der Klosterschule indem sie mich nach Hause ließen mit der Begründung, der Junge ist nicht würdig ein Augustiner zu werden. Er fühlt sich nicht berufen. Er hat so nah am Wasser gebaut. Ein richtiger Kerl verträgt doch eine Ohrfeige&#8230;.</p>
<p>Stigmatisiert als „komischer Typ“ kam ich zu Hause an und blieb es auch.</p>
<p>Der Beauftragte des Ordens, ein Psychologe, der sich um die gemeldeten Fälle kümmern soll, bot sich 2009 als Mediator an. Leider beschränkt sich die Mediation darauf, Forderungen abzuwehren und meine leidvollen Erfahrungen zu relativieren oder auch meine Glaubwürdigkeit infrage zu stellen. Das heißt, das Unverständnis und die Abwehr setzen sich fort.</p>
<p>Glücklicherweise bin ich durch die Therapie recht stabil und soweit symptomfrei, dass ich keine Angst mehr vor der Konfrontation mit Männern in seltsamen Gewändern habe, oder in katholischen Kirchen Schweissausbrüche bekomme, und eine aufsteigende hilflose Wut mich lähmt.</p>
<p>Meine Hoffnung ist, dass durch die öffentliche Diskussion über Missbrauch und Gewalt gegen Kinder, die Bevölkerung weiter sensibilisiert wird, damit weniger Menschen diese schlimmen Erfahrungen machen müssen. Auch möchte ich allen, die ähnliches erleben mussten, Mut machen sich damit auseinanderzusetzen und, wenn möglich mit professioneller Hilfe, sich aus dem Kreislauf von Depression und Unverständnis zu befreien. So wie ich es auch geschafft habe.</p>
<p>Gerd</p>

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		<title>Es ist kaum in Worte zu fassen</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/10/21/es-ist-kaum-in-worte-zu-fassen/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Oct 2010 09:45:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– auf die Angehörigen]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 9 Jahren erfuhren wir, dass unsere Tochter als ca. fünfjährige von ihrem Onkel, zu dem wir keinen regelmäßigen Kontakt pflegten, sexuell missbraucht wurde. Es ist kaum in Worte zu fassen, welche emotionalen Höllen man in dieser Zeit als Elternteil durchlebt. Wir haben alles getan, um unser Kind vor Übergriffen zu schützen – glaubten wir. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor 9 Jahren erfuhren wir, dass unsere Tochter als ca. fünfjährige von  ihrem Onkel, zu dem wir keinen regelmäßigen Kontakt pflegten, sexuell  missbraucht wurde. Es ist kaum in Worte zu fassen, welche emotionalen  Höllen man in dieser Zeit als Elternteil durchlebt. Wir haben alles  getan, um unser Kind vor Übergriffen zu schützen – glaubten wir.</p>
<p><span id="more-4884"></span>An  einen derartigen Vorfall innerhalb der Familie haben wir nie gedacht.  Demzufolge haben wir uns auch die eindeutigen Anzeichen wie drastischen  Leistungsabfall in der Schule, selbst zugefügte Verletzungen durch  Ritzen, Schneiden, Verbrennen etc. nicht erklären können. Dafür machen  wir uns nach wie vor größte Selbstvorwürfe.</p>
<p>Im Nachhinein und nachdem  wir uns mit dem Thema auseinander setzten ist es unbegreiflich, dass wir  hier nicht früher klar sahen. Natürlich haben wir immer wieder  versucht, den Grund hierfür zu erfahren. Inzwischen war unsere Tochter  15, weigerte sich über ihre Beweggründe zu sprechen oder gar einen Arzt  zu konsultieren. Heute wissen wir, dass sie Ihren Vater, den Bruder des  Täters, schützen wollte.</p>
<p>Inzwischen lebten wir seit 5 Jahren in  unmittelbarer Nähe ihres Peinigers, der keine Gelegenheit ausliess, ihr  zu drohen, sie zu bedrängen und unter Druck zu setzen. Die Gewissheit,  wie sehr unser Kind in dieser Zeit leiden musste, ist heute noch  unerträglich. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass die Sache doch ans  Licht kam. Was folgte waren Therapien, Klinikaufenthalte etc. bei denen  eins immer klar zum Ausdruck kam: Nach all den Jahren ist nichts mehr  nachweisbar, dem Kind sollte keine Gerichtsverhandlung zugemutet werden.  Im Klartext: Mit sowas muss man fertig werden und das Leben geht  weiter.</p>
<p>Natürlich geht das Leben weiter.</p>
<p>Die Aufarbeitung der Vorfälle hat eine  schulische Ausbildung und die Berufsausbildung stark verzögert. Das  Leben unserer Tochter ist von Ängsten und Alpträumen geprägt. Inzwischen  ist sie 24 Jahre alt, fürchtet sich immer noch in dunklen Räumen, ist  aufgrund ihrer Ängste nicht in der Lage eine Wohnung allein zu bewohnen.  Zwischenmenschliche Beziehungen und Partnerschaften gestalten sich  schwierig. Wir leben anonym in einer anderen Stadt, mussten hierzu einen  Antrag an die Gemeinde richten.</p>
<p>Wir als Eltern geben uns eine große Mitschuld mit der ebenfalls nur  schwer zu leben ist. Wir fragen uns immer wieder, ob unsere Erziehung  dazu geführt hat, dass unsere Tochter es nicht wagte, sich zu öffnen  oder ob der Druck durch diesen Mann einfach zu groß war. Wir können nur  an alle Menschen appellieren, genau hinzusehen und lieber zu früh als zu  spät zu reagieren. Denn eins ist sicher, die Folgen eines sexuellen  Missbrauchs sind sehr vielfältig und nicht aus der Welt zu therapieren  und verfolgen die Betroffenen lebenslänglich. Eine Tatsache, die von der  Öffentlichkeit und der Politik oft sehr gern klein geredet wird.</p>
<p>Wir  sind der Überzeugung, dass härtere Strafen für die Täter mehr Wirkung  zeigen würden als endlose Therapien und Ursachenforschung. Es ist für  die Opfer ein Schlag ins Gesicht, solche Taten mit “Krankheit”,  “schlimmer Kindheit” etc.  zu rechtfertigen.</p>
<p>Im Umkehrfall würden wir für eine drastische Sanktionsmassnahme auch nicht freigesprochen oder therapiert.</p>

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		<title>Ich kannte keinen Schnee</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/10/12/ich-kannte-keinen-schnee/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Oct 2010 17:56:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin heute 57 Jahre alt und war im Alter von 5 Jahren Missbrauchsopfer. Meine Geschichte hat nur indirekt mit der Kirche zu tun. Aber sie zeigt sehr deutlich, dass &#8220;1 und 1&#8243; zusammenkommt bei Missbrauch&#8230; Ich schreibe sie auf: Ich kam 1953 fast gelähmt zur Welt. Der Abtreibungsversuch meiner Mutter war schiefgegangen und hatte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin heute 57 Jahre alt und war im Alter von 5 Jahren Missbrauchsopfer. Meine Geschichte hat nur indirekt mit der Kirche zu tun. Aber sie zeigt sehr deutlich, dass &#8220;1 und 1&#8243; zusammenkommt bei Missbrauch&#8230;<span id="more-4846"></span></p>
<p>Ich schreibe sie auf:</p>
<p>Ich kam 1953 fast gelähmt zur Welt. Der Abtreibungsversuch meiner Mutter war schiefgegangen und hatte bei mir &#8220;lediglich&#8221; die Rückenmuskulatur verletzt.</p>
<p>Wie es damals üblich war, lag ich knapp 3 Jahre festgebunden im Gipsbett, im Einzelzimmer, allein.</p>
<p>Meine Mutter hasste mich. Das wurde mir schnell klar an dem eisigen Wintertag, als ich im Stahlkorsett aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Keine halbe Stunde später setzte sie mich auf die Strasse, in den Schnee.</p>
<p>Ich kannte keinen Schnee, keine anderen Kinder. Ich war auf nichts vorbereitet &#8211; nicht auf den abgrundtiefen Hass meiner Mutter,<br />
nicht auf die Hänseleien der Kinder in Bezug auf den Krüppel, nicht auf die Ablehnung der Umgebung, die mit mir nichts anfangen konnte&#8230; ich lernte, mich unsichtbar zu machen&#8230;meine Verzweiflung mit mir selbst abzumachen, stark zu sein&#8230;</p>
<p>Das änderte sich plötzlich, als ich 4 Jahre alt war. Der Nachbarstocher, ein Jahr jünger als ich, tat ich leid. Sie bot mir ihre Freundschaft an. Ich war seelig. Eine richtige Familie, die zusammenhielt! Vater, Mutter, Oma, Opa&#8230;.</p>
<p>Ich begann, zu ihr rüberzulaufen, wenn meine Mutter mich mal wieder auf`s Grausigste gequält hatte und mir, wie üblich, den Tod wünschte. Dort war ich willkommen. Der Garten war ein Paradies für Kinder, die Mutter nett, der liebe Opa schubste uns Kinder auf der Schaukel an, zog uns auf seinen Schoss, streichelte uns liebevoll, erzählte Geschichten&#8230;alles normal, alles im Rahmen.</p>
<p>An einem heissen Augusttag, ich war inzwischen 5 Jahre alt, klingelte ich mal wieder bei der Nachbarstochter. Der Opa öffnete. Es war niemand da, nur er. Er bot mir an, im Garten auf meine Freundin zu warten. Das tat ich. Er stubste mich auf der Schaukel an, wie sonst auch. Ich war glücklich.</p>
<p>Doch plötzlich versetzte er mir einen üblen Stoss. Ich fiel von der Schaukel und schlug mit dem Kopf auf. Es tat höllisch weh &#8211; doch mein Entsetzen war noch schmerzhafter. Bevor ich überhaupt wusste, wie mir geschah, hob er mich hoch und setzte sich mir mir auf eine verborgene Gartenbank. Einen Moment lang streichelte er mich tröstend, dann öffnete er plötzlich seine Hose. Ich wollte weg, begann zu schreien &#8211; doch er umklammerte mich mit Gewalt, drückte mir die Hand auf den Mund,<br />
kniff mich, bis mir wieder die Tränen liefen. Wutschnaubende Geräusche in Bezug auf mein Wehren kamen, böse Drohungen&#8230;<br />
und dann zog er mir mein Höschen aus, missbrauchte mich. Ich hatte Todesangst, Schmerz, Panik, Entsetzen, Ekel, Abwehr..</p>
<p>Danach verhöhnte er mich: &#8220;Na los, geh doch zu Deiner Mami und sag ihr das! Niemand wird Dir glauben.Deine Mutter will Dich nur loswerden.  Du bist krank, jeder weiss das. Ich sorge dafür, dass Du in die Klappsmühle kommst! Jeder, weiss, was mit Dir los ist! Na los, geh doch!&#8221; Und so weiter, bösartige, üble Verhöhnungen.</p>
<p>Ich ergriff mein blutiges Höschen und rannte weg, nur weg&#8230;. verkroch mich&#8230;</p>
<p>Dennoch vertraute ich mich ein paar Wochen später der Nachbarstocher an. Sie war meine Freundin, zu ihr hatte ich Vertrauen&#8230;</p>
<p>Der Rest ist schnell erzählt. Ich verlor sie, wurde geschnitten, beschimpft, beleidigt, galt als psychisch krank, Kind mit dreckiger Phantasie, usw. Meine Mutter erfuhr davon und sagte, von ihr aus könne er mich töten. Und wenn ich nicht freiwillig wieder rüberginge, würde sie mich hinprügeln&#8230;</p>
<p>Seltsamerweise verstarb dieser Mann zwei Monate nach dem Missbrauch, aus heiterem Himmel. So kam ich um das &#8220;Hingeprügeltwerden&#8221; rum&#8230; doch ich galt als psychisch krank, und das blieb. Denn ein Mann der Kirche &#8211; er war kirchlich sehr engagiert &#8211; tut sowas nicht&#8230;niemals&#8230;das habe ich mir eingebildet&#8230;</p>
<p>Nein, habe ich nicht! Doch ich lernte, zu schweigen. Erst viele Jahre später sprach ich in Therapie mit meinem Psychologen über mein Leben. Erstmals auch über den Missbrauch. Ich wurde mit allem fertig &#8211; doch die Angst vor Nähe, vor Sex, blieb mein Leben lang. Ich konnte ihn nur mit irrsinniger Liebe zu einem Mann unter Schmerzen ertragen. Und immer tauchte dieser Mann vor meinem inneren Auge auf, ich hörte seine wütende Stimme, roch ihn&#8230;es ist ein Trauma, das bleibt!</p>
<p>Liebe Grüsse, Anja</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Analysen – Grund, Mittel und Zweck</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/10/09/analysen-%e2%80%93-grund-mittel-und-zweck/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Oct 2010 06:30:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Thesen]]></category>

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		<description><![CDATA[netzwerkB 9.10.2010 von Amos Ruth Es sind eine Reihe von Kommentaren zu meinem Text „Der Runde Tisch und die Wut“ veröffentlicht worden, genau so wie zum Artikel „Netzwerk Opfer von Gewalt in Kirchen“. Inwieweit das NetzwerkB mit der Einschränkung auf die Opfer von Gewalt in Kirchen´ seinem Anspruch nachkommt, sei ganz bewusst hier nicht zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>netzwerkB 9.10.2010</p>
<p>von Amos Ruth</p>
<p>Es sind eine Reihe von Kommentaren zu meinem Text „Der Runde Tisch und die Wut“ veröffentlicht worden, genau so wie zum Artikel „Netzwerk Opfer von Gewalt in Kirchen“. <span id="more-4809"></span></p>
<p>Inwieweit das NetzwerkB mit der Einschränkung auf die Opfer von Gewalt in Kirchen´ seinem Anspruch nachkommt, sei ganz bewusst hier nicht zum Thema gemacht. Sehr wohl aber ist Thema die darin zum Ausdruck kommende Einschränkung auf die Kirche – genauer – auf Kleriker als Täter von Missbrauch. Ich habe in meinem Text „Der Runde Tisch und die Wut“ die Wirkzusammenhänge zu analysieren versucht, nach denen sich säkulare Träger einschließlich des Staates Handlungsvorgaben und deren Legitimation von der Kirche entleihen, sich somit der eigenverantwortlichen Handlung einerseits entziehen, andererseits auch des eigenständigen Legitimationserfordernisses ihrer Handlungen entledigen. Somit liegt es nahe, den Leihgeber in den Blick zu nehmen, nicht aber das Geliehene selbst noch den Leihenden. Dabei ist mir durchaus bewusst, das die Beschränkung einer Gruppe auf Mitglieder mit dem Merkmal `Opfer von Gewalt in Kirche´ ein anderes ist als die bewusste Fokussierung des Handelns dieser Gruppe auf Kirche.</p>
<p>Die von mir vorgelegte Analyse stellt wie alle anderen vorher mögliche Wirkungszusammenhänge dar. Die Darstellung mag falsch sein. Sie wird aber nicht dadurch falsch, dass sie als falsch behauptet wird (noch übrigens dadurch, dass sie nicht verstanden wird). Sie wird noch weniger falsch durch das Totschlagargument des `Nicht in der Materie steckens´, das so wenig inhaltsvoll und wertig ist wie eine leere Menge. Von keinem chemischen Analytiker wird verlangt, dass er Teil der Lösung ist, die er analysiert. Im Gegenteil, wäre er Teil der Lösung, so wäre er nicht in der Lage, sie zu analysieren, ein Phänomen übrigens, das der Physik vor bisher ungelöste Herausforderungen stellt; Stichwort Quantenmechanik. Das Beispiel des Chemikers führt aber weiter, bedeutet doch das Finden eines Stoffes X in der Lösung nicht, dass dieser Chemiker oder ein anderer in dieser Lösung nicht einen oder mehrere weitere Stoffe finden kann. Noch weniger bedeutet es, dass die Lösung nicht Stoffe enthalten kann, die kein Chemiker findet. Auf unser Problem übertragen: Eine Analyse mag falsch sein, sie wird aber weder falsch durch die Behauptung ihrer Falschheit noch durch eine anders geartete Analyse derselben Situation. Eine Analyse kann nur durch Beweis ihrer Unwahrheit als falsch gezeigt werden.</p>
<p>Analyse ersetzt weder die Definition des Ziels eines Handelns noch den Zweck des Zieles noch die Mittel zum Zweck. Allerdings ist Analyse unabdingbar, die geeigneten Mittel zum Zweck zu finden, setzt doch jedes Mittel zum Zweck an der gegebenen Ausgangslage an. Ziel der Analyse ist es daher, diese Ausgangslage zu bestimmen, von der entscheidende Teile die soziologischen und argumentativen Strukturen des Gegenübers sind. Ich bin überhaupt nicht in der Lage, diese Strukturen vollständig und mit Anspruch auf Richtigkeit zu bestimmen, ich will es nicht und erhebe auch nicht den Anspruch. Sehr wohl aber möchte ich klarmachen, dass Handlungen des Gegenübers bedacht und verstanden werden können mit der Konsequenz, dieses Verständnis zur Basis eigenen Handelns machen zu können, aber nicht zu müssen. Das Verständnis als solches ist aus meiner Sicht ein Ziel an sich, nämlich des Zieles des Erhaltes des Selbstwertes. (Wer hat nicht das Wort vom lieben Gott gehört, der wolle, was geschieht. Wer hat sich nicht schuldig gefühlt, wenn er das Wollen Gottes mit seinem Empfinden nicht in Einklang zu bringen vermochte). Es ermöglicht aber auch die Formulierung eigenständigen Wollens und Handelns, dass sich eventuelle Schwächen des Gegenübers gezielt zu Nutze macht – sowohl des eigenen Handelns auch dessen, der für eine Gruppe handelt.</p>
<p>Eine stellvertretend handelnde Person bedarf ihrerseits der Legitimation gleich in zweifacher Hinsicht. Sie bedarf der rationalen, auch logischen Fundamentierung ihres Handelns. Es bedarf jedoch auch einer emotionalen Fundamentierung ihres Handelns, die ich durch die vielen Berichte des Geschehen gelegt sehe, einerlei, ob mit wütendem, frustriertem, aggressivem, resigniertem, traurigem oder trauerndem Einschlag. Ich habe diese Berichte als irrational bezeichnet. Das allein deshalb, weil sie eben nicht eine kalt-rationalem Kalkül folgen und auch nicht folgen können. Wären sie es, hätten sie ihre Glaubwürdigkeit verloren. Aber: so notwendig die Berichte für die Fundamentierung von Handeln sind, sie ersetzen nicht die Handlung selbst – sei es die eigene oder die stellvertretende. Das Handeln aber bedarf der Erkenntnis möglichst vieler Facetten dessen, woran Handlung ansetzt. Solche Facetten aufzuzeigen, ist mein Anliegen. Ich kann nicht alle Facetten erkennen. Ich kann weder garantieren, die entscheidenden Facetten zu erkennen noch weiß ich um die Richtigkeit des Beschriebenen. Liege ich falsch, weisen Sie es (mir) auf. Erkennen Sie anderes, so berichten Sie: Wir profitieren alle, und sei es nur durch ein (besseres) Verstehen dessen, was geschieht.</p>

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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Anna&#8221; wurde vom Vater missbraucht</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/10/09/anna-wurde-vom-vater-missbraucht/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Oct 2010 06:20:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[nw-news.de 9.10.2010 INTERVIEW: &#8220;Ich habe mich geschämt&#8221; Herford. Die Mädchenberatungsstelle femina vita hilft Mädchen und jungen Frauen beim Umgang mit den Folgen sexueller Gewalt. In diesem Interview berichtet eine junge Frau von ihrem Fall. Die Fragen stellte NW-Mitarbeiter Ralf Bittner per E-Mail, das Gespräch führte Nicole Gallemann, Diplom-Psychologin bei femina vita. Die junge Frau möchte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>nw-news.de 9.10.2010</p>
<p>INTERVIEW: &#8220;Ich habe mich geschämt&#8221;</p>
<p>Herford. Die Mädchenberatungsstelle femina vita hilft Mädchen und jungen Frauen beim Umgang mit den Folgen sexueller Gewalt. In diesem Interview berichtet eine junge Frau von ihrem Fall. <span id="more-4806"></span>Die Fragen stellte NW-Mitarbeiter Ralf Bittner per E-Mail, das Gespräch führte Nicole Gallemann, Diplom-Psychologin bei femina vita. Die junge Frau möchte nicht erkannt werden. Der Name &#8220;Anna&#8221; ist ein Pseudonym.</p>
<p>Wie bist Du an femina vita geraten?<br />
ANNA: Vor einigen Jahren fiel meiner Ausbilderin auf, dass ich oft durcheinander und bedrückt war und manchmal weinte. Sie riet mir, mit femina vita zu reden.</p>
<p>Was war Dein Problem?<br />
ANNA: Meiner Mutter ging es schlecht, hinzu kamen finanzielle Probleme. Ich musste sehen, dass das Finanzielle läuft. Ich hab den Haushalt mit gemacht, nebenbei die Schule und nachts in Kneipen geholfen. Ich war oft kaputt. So viel Verantwortung war zu viel für mich.</p>
<p>Hattest Du vorher schon überlegt, dir Hilfe zu holen?<br />
ANNA: Ja, aber ich habe es nie gemacht. Ich habe mich geschämt und wollte keinem erzählen, was wirklich los war. Außerdem habe ich immer gedacht, ich schaff’s allein.</p>
<p>Wie waren die ersten Gespräche?<br />
ANNA: Am Anfang ist mir das Erzählen sehr schwer gefallen. Ich wollte nur vergessen. Da war die Angst, dass jemand was Falsches denken könnte, wenn er hört, was uns passiert ist. Ich wollte meine Mutter schützen und hatte Angst, dass wir für asozial gehalten würden oder dass ich etwas falsch gemacht haben könnte.</p>
<p>Wann hat der Missbrauch angefangen?<br />
ANNA: Als mich mein Vater das erste Mal angefasst hat, war ich neun oder zehn Jahre alt. Es wurde mit der Zeit immer schlimmer. Es passierte ständig: nachts, tagsüber, sogar in Anwesenheit von Freunden. Er hat meine Schwestern und mich überall angefasst und kam nachts ans Bett.</p>
<p>Hattest Du vorher mit jemandem über den Missbrauch gesprochen?<br />
ANNA: Ich hatte es meiner Mutter erzählt. Sie hat es geglaubt. Meine Mutter hat meiner Schwester und mir versprochen, dass wir abhauen. Aber es wurde immer schlimmer. Meine Mutter war von meinem Vater abhängig. Oft schickte sie uns aufs Zimmer, wenn er vorfuhr. Ich habe dann auf der Treppe gesessen und aufgepasst, dass ihr nichts passiert. Wenn sie geschrieen hat, habe ich ihr geholfen. Später habe ich erreicht, dass er uns Kinder nur in unsere Zimmer gesperrt hat. Wahrscheinlich kann ich deshalb nachts so schlecht schlafen.</p>
<p>Wie habt Ihr es da raus geschafft?<br />
ANNA: Das passierte eher zufällig. Meine Mutter kam einmal auf den Spielplatz und rief &#8220;der Alte dreht durch&#8221;. Sie wollte trotzdem nach Hause, ich nicht. Er wollte uns ins Auto ziehen, aber ich habe &#8220;nein&#8221; gesagt. Und er konnte nichts machen, weil da andere Leute waren, er hat dann zu Hause gewartet. Wir sind aber zu einer Freundin gegangen.Damals warst Du elf Jahre alt?<br />
ANNA: Ja. Zum Glück war meine Freundin da, ihre Eltern haben die Polizei gerufen. Wir sind ohne Sachen für vier Monate ins Frauenhaus gegangen. Ich wusste vorher nicht, dass es das gibt.</p>
<p>Wart Ihr danach sicher?<br />
ANNA: Ja, aber mein Vater hat versucht, uns zu finden. Deshalb waren wir ein Jahr lang vom Unterricht befreit. Der Neuanfang war schwer. Wir galten als nicht normal, ich wurde gemobbt. Meine Schwestern habe ich auch beschützt. Wir sind sitzen geblieben und haben irgendwann aufgehört mit der Schule. Später habe ich den Abschluss nachgeholt. Das hat geklappt, weil es an der Schule Sozialpädagogen gab, die wussten, was war, und mir geholfen haben.</p>
<p>Wie ist die Therapie verlaufen?<br />
ANNA: Wichtig war, dass mir jemand zuhörte und ich ernst genommen wurde. Femina vita hat mir Tipps gegeben, was ich machen konnte und mich vielfältig unterstützt, etwa bei blöden Anrufen. Wichtig war auch, dass immer eine Ansprechpartnerin da war. Es ist gut zu wissen, dass ich weiter kommen kann. Mir geht es so gut, dass auch andere merken, dass ich selbstbewusst bin. Niemand weiß, dass ich mir Hilfe hole. Äußerlich wirke ich stark.</p>
<p>Wie hast Du davon erfahren, dass auch Deine Halbschwester misshandelt wird?<br />
ANNA: Meine elfjährige Halbschwester hat das ihrer Mutter, der neuen Lebensgefährtin meines Vaters erzählt, die sofort Anzeige erstattet hat. Die Kripo fand dann heraus, dass er drei weitere Töchter hat. Wir wurden vorgeladen, aber meine Schwestern wollten nicht aussagen, meine Mutter und ich schon. Bis zum Prozess hat es ein Dreivierteljahr gedauert.</p>
<p>Hat Dich femina vita bei dem Prozess begleitet?<br />
ANNA: Femina vita hat mir erklärt, wer wo sitzt. Wir haben uns Zeuginnenzimmer, Richter und einen Prozess angesehen, so dass ich wusste, was mich erwartet und dass jemand zwischen mir und ihm sitzen würde, und ich ihn nicht sehen muss. Auch die Rechtsanwältin wurde mir empfohlen. Ohne Hilfe hätte ich das nie geschafft, weil ich solche Angst vor meinem Vater hatte und davor, dass er noch einmal Macht kriegt.</p>
<p>Wie lief die Verhandlung ab?<br />
ANNA: Überraschend waren Freunde zum Gericht gekommen. Die haben mir gesagt, dass sie hinten sitzen und ich sie anschauen soll. Dann bin ich ins Zeuginnenzimmer. Ich wurde nervös, weil ich ihn zehn Jahre nicht gesehen hatte. Dann musste ich rein und eine Mitarbeiterin von femina vita war bei mir. Dann habe ich ihn gesehen. Er sah schrecklich aus. Zum Glück habe ich seinen Atem nicht gehört. Zwei Tage später kam das Urteil. Ich wusste vorher, dass er wegen seines Geständnisses nur fünf Jahre kriegt. Bei der Urteilsverkündung habe ich auf der Seite der Guten neben Staatsanwältin und Rechtsanwältin gestanden. Mir fiel auf, dass er gar nicht viel größer ist als ich. Vorher war der immer so riesig. Erst als es vorbei war, habe ich geweint, ich wollte mir vor ihm keine Blöße geben. Es war komisch -, er hat das alles verdient, anderseits ist er mein Vater.</p>
<p>War es richtig auszusagen?<br />
ANNA: Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Heute weiß ich, dass ich keine Angst mehr vor ihm haben muss, auch nicht wenn er raus kommt. Jetzt ist er das arme Würstchen, und ich bin größer, reifer, älter, selbstbewusster. Er hat keine Macht mehr über mich.</p>
<p>Wie geht es Dir jetzt?<br />
ANNA: Gut, aber es gibt immer noch Dinge aufzuarbeiten. Deshalb komme ich weiter zu femina vita. Ich habe eine Ausbildung und Abi gemacht, will studieren und habe Freunde.</p>
<p>Warum hast Du Dich zu diesem Gespräch bereit erklärt?<br />
ANNA: Ich möchte, dass andere erfahren, dass sie da raus kommen und sich Hilfe holen können.</p>
<p><a href="http://www.nw-news.de/lokale_news/herford/herford/3828616_Ich_habe_mich_geschaemt.html" target="_blank">Weiter lesen&#8230;</a></p>

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		<title>Der `Runde Tisch´ und die Wut</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 16:42:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Thesen]]></category>

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		<description><![CDATA[netzwerkB 5.10.2010 von Amos Ruth Immer wieder wird von Betroffenen mehr oder weniger emotional, mit mehr oder weniger versteckter Wut die Struktur des `Runden Tisches´ beklagt. Immer wieder wird auch eine Veränderung dieser Struktur verlangt dadurch, das Betroffene unmittelbar am `Runden Tisch´ Platz finden wollen. Immer wieder wird auch beklagt, dass über Missbrauchte, aber nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>netzwerkB 5.10.2010</p>
<p>von Amos Ruth</p>
<p>Immer wieder wird von Betroffenen mehr oder weniger emotional, mit mehr oder weniger versteckter Wut die Struktur des <a href="http://www.rundertisch-kindesmissbrauch.de/index.htm" target="_blank">`Runden Tisches´</a> beklagt. Immer wieder wird auch eine Veränderung dieser Struktur verlangt dadurch, das Betroffene unmittelbar am `Runden Tisch´ Platz finden wollen. Immer wieder wird auch beklagt, dass über Missbrauchte, aber nicht mit Ihnen gesprochen wird. <span id="more-4774"></span>Ich möchte im Folgenden versuchen – mehr kann und will ich nicht, und das auch nur als Anstoß zum Bedenken, nicht mir Anspruch auf Wahrheit – die Grundlagen des Denkens und des Handelns der Teilnehmer am Runden Tisch zu finden und darzulegen. Der Übersichtlichkeit und der notwendigen Kürze wegen teile ich die Teilnehmer im Folgenden ein in eine kirchliche, ecclesiale und in eine säkular-profane Gruppe, wohl wissend um die damit verbundene, im Detail sicher ungerechtfertigte Vereinfachung der Dinge.</p>
<p>Betroffene fordern so intensiv die Beteiligung am Runden Tisch wie sie die verschiedenen Vorschläge, Gedanken und Impulse für das notwendige Handeln, hier insbesondere die Beiträge zur Entschädigungsfrage durchweg ablehnen. Durchweg allen Beiträgen und Äußerungen von Betroffenen ist ein Kennzeichen gemeinsam: Sie sind emotional, damit auch irrational. Die in den Beiträgen gestellten Forderungen und Vorstellungen entsprechen der Gefühlslage des einzelnen Betroffenen und sind nur in ihr fundiert. Da eine Gefühlslage jedoch eine einer Person originäre, für keine andere Person identisch geltende und mögliche ist, entsteht ein Chor, der so groß wie dissonant ist. Daran ist weder etwas schlechtes, noch weniger ist daran etwas falsch; im Gegenteil entspricht es genau der Situation der Betroffenen selbst und bildet es damit authentisch ab. Dennoch ist die Situation in fataler Weise folgenreich.</p>
<p>Am Runden Tisch sitzen Menschen, die als Vertreter einer Institution, die jede einer der beiden oben definierten Gruppen zugeordnet ist, den in der jeweiligen Institution geltenden bürokratisch-technokratischen Denkstruktur unterworfen ist und ihr zu entsprechen hat. Die Denkstruktur einer Institution ist notwendig eine rationale. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Emotionen der handelnden Personen so weit wie möglich, im Idealfall vollständig unterdrückt werden müssen, um so überhaupt eine Handlung der Institution, d.h. aller Personen innerhalb dieser Institution zu ermöglichen. Das Einbringen von Emotionen durch welche Person auch immer und damit einer nur dieser Person eigentümlichen Denkweise stellt diese Person notwendig als Individualität dar – und disqualifiziert sie so als handelnden Teil einer Institution.</p>
<p>Die Betroffenen / Missbrauchten selbst sind aber eben nicht rational, sondern als Individuen irrational-emotional sprechend und handelnd. Das hat einerseits zur Folge, dass sie als Teilnehmer am Runden Tisch – eben durch ihre Emotionalität – disqualifiziert sind. Dennoch können die Missbrauchten nicht aus einem Runden Tisch ausgeblendet werden, der sich mit dem Geschehen von Missbrauch und dessen Folgen befasst. Das bedeutet, dass die irrationalen Aussagen der Betroffenen in eine Form gebracht werden müssen, die den Anforderungen der Verhandlungen der Teilnehmer des Runden Tisches entspricht: Die irrational-emotionalen Aussagen müssen rationalisiert werden. An dieser Stelle tritt die <a href="http://beauftragte-missbrauch.de/" target="_blank">`Unabhängige Beauftragte´</a> auf. Sie bildet das Relais zwischen dem irrational-emotionalen missbrauchten Individuum und der (zumindest sich selbst als so betrachtenden) rationalen Ebene der über Missbrauch Handelnden. Die Transformation irrational-emotionaler Aussagen zu rational-empirischen Daten erfolgt durch begleitende Forschung, die ihrerseits auf die Datenerhebung des Relais basiert. Der <a href="http://www.rundertisch-kindesmissbrauch.de/documents/ProtokollderSitzung14Spetember2010.pdf" target="_blank">Zwischenbericht vom 14.09.2010</a> zeigt den Vorgang der Transformation sehr schön auf. Hier ist auch der Grund zu finden für die Bereitstellung von Mitteln zur Forschung an den Missbrauchten, wenn auch nicht für ihre Höhe, die in keinem Verhältnis steht zur für die Missbrauchten selbst zur Verfügung gestellten oder auch nur in den Raum gestellten Beträge. Von hier aus ist es auch möglich, das für den <a href="http://www.bmbf.de/press/2957.php" target="_blank">10.11.2010 angesetzte Gespräche</a> zwischen `Unabhängiger Beauftragten´ und Missbrauchten einzuordnen. Die Unabhängige Beauftragte hat irrationale, aber rationalisierbare Aussagen einzuholen, die dann als Daten in die Verhandlungen am Runden Tisch eingebracht werden können und müssen. Das Einbringen kann allerdings nur durch die Unabhängige Beauftragte erfolgen, kann sie doch rational-empirisch sprechen, eine Eigenschaft, die jedem Missbrauchten, eben weil er missbraucht ist, notwendig abgeht.</p>
<p>Die Transformation Aussagen in Daten durch die `Unabhängige Beauftragte´ hat die Konsequenz, dass diese als einzige Institution in der Lage ist, rational über die irrationalen Aussagen der Missbrauchten zu sprechen und zu handeln. Sie ist damit in logischer Konsequenz aus Sicht beteiligter Institutionen die einzig legitimierte, weil einzig vorhandene Institution, die Missbrauchte überhaupt auf geforderter, d.h. rationaler Ebene zu vertreten in der Lage ist. Daraus ergeben sich rational drei Konklusionen:</p>
<ol>
<li>Die Missbrauchten sind am Runden Tisch vertreten.</li>
<li>Die Missbrauchten sind am Runden Tisch vertreten auf die einzig mögliche Art und Weise deshalb, weil nur diese eine überhaupt vorhanden ist.</li>
<li>Die Missbrauchten sind vertreten ausschließlich aufgrund des Handelns der Rationalen selbst, denn sie sind es, die die Transformation von emotionaler Aussagen in rational-empirische Daten ermöglicht haben.</li>
</ol>
<p>Die Missbrauchten sind folglich zu Dank verpflichtet, ihr ständiges Murren ist Undankbarkeit in Reinform. Damit aber auch: Die Forderungen nach Beteiligung der Missbrauchten am Runden Tisch gehen aus Sicht der Rationalen ins Leere. Einerseits, weil diese doch vertreten sind. Andererseits, weil sie den an Teilnehmer des Runden Tisches gestellten Anforderungen, eben der Rationalität, nicht entsprechen. Eine Tatsache, die sie gerade durch ihre immer wiederholten Forderungen und das damit offenkundig gemacht Unverständnis für den Charakter des Runden Tisches in schönster Weise dokumentieren.</p>
<p>Werfen wir einen Blick auf die Merkmale der Gruppen am Runden Tisch und ihre Beziehungen zueinander. Es nehmen, so die Sprachregelung, alle interessierten gesellschaftlichen Gruppen teil. Diese Aussage ist in sich natürlich falsch, nehmen doch nicht Gruppen teil, sondern Personen, die als Vertreter von Gruppen von allen Anderen Teilnehmern akzeptiert werden. (Sie ist auch falsch, weil nicht alle gesellschaftlichen Gruppen teilnehmen). Alle Personen sind somit durch die von Ihnen vertretenen Gruppen legitimiert und nur durch sie. Andererseits sind sie dem Statut der Gruppe verpflichtet und an dieses gebunden, wollen sie Aussagen / Zusagen machen, die die Mitglieder der vertretenen Gruppe binden. Alle Statuten der profanen Gruppe sind notwendig basiert auf der profanen Verfassung des säkularen Staates. Dagegen ist die ecclesiale Gruppe basiert auf dem Kirchenrecht, dass die Nutzung der Strukturen profanen Rechts zulässt, soweit es nicht dem kirchlichen Recht widerspricht oder den Interessen von Kirche entgegentritt, die Nutzung aber auch dann keineswegs erzwingt, soweit profanes Recht mit dem Kirchenrecht kompatibel ist. Die ecclesiale Gruppe hat damit einen wesentlich größeren Spielraum als die profan basierte Gruppe, insofern sie in einen Argumentationsbereich ausweichen kann, der der profanen Gruppe nicht zugänglich ist, während der Argumentationsbereich der profanen Gruppe der ecclesialen Gruppe ebenfalls in voller Ausdehnung ebenfalls zur Verfügung steht. Beiden gemeinsam ist hingegen ihre Stellung zu den Missbrauchten: Sie sehen sich emotional als über diese stehend einerseits, sie sprechen folgerichtig – im Sinne des Wortes – über die Missbrauchten.</p>
<p>Ziel des Runden Tisches ist es, eine Regelung zum Umgang mit dem Geschehen des Missbrauchs, eingeschlossen die Missbrauchten, zu finden: das Ziel ist die Setzung von Recht. Eine solche Rechtssetzung ist am Runden Tisch ohne Probleme möglich, solange das gesetzte Recht nur für die gültig sein soll, die es setzen, einschließlich derjenigen, die von Ihnen gemäß den jeweils geltenden Statuten vertreten werden. Die `Unabhängige Beauftragte´ ist hierin durchaus mit einzubeziehen, erhebt sie doch den – von den Teilnehmern am Runden Tisch anerkannten &#8211; Anspruch, für die Gruppe der Missbrauchten zu sprechen. Ihre Zustimmung zur Rechtssetzung sollte daher die Missbrauchten binden in gleicher Form, wie es die Mitglieder vertretener Gruppen am Runden Tisch bindet. Die Bindung wird jedoch erst durch das Vorhandensein von beidem erreicht: der Zustimmung des Vertreters zum gesetzten Recht und der Satzung der Gruppe. Letzteres fehlt jedoch der Unabhängigen Beauftragten, deren Votum somit keinerlei Bindungswirkung erzielen kann.</p>
<p>Die Rechtssetzung ist somit auf andere Weise zu legitimieren, soll die Bindung an die erfolgte Setzung als gegeben behauptet werden können. Zwei Wege sind möglich. Der erste ist der demokratische Weg, in dem die Zustimmung der von der beabsichtigten Rechtssetzung Betroffenen eingeholt wird. Damit kommen die Missbrauchten wiederum ins Spiel mit der konkreten Folge, dass die rationale Rechtssetzung dem irrationalen Urteil des Missbrauchten ausgesetzt wird: Der ganze Aufwand zum Ausschluss der Irrationalität wäre für die Katz. Bleibt der zweite Weg: die Legitimierung von `oben´, die Legitimierung durch die Berufung auf ein Höchstes, Unfehlbares: die Berufung auf Gott. Diese Legitimierung ist allerdings nur möglich durch die dieser Anrufung Mächtigen, die nach Lehre und Selbstverständnis von Kirche notwendig Priester sind und damit Teil eben dieser klerikalen Kirche. Die ecclesiale Gruppe handelt somit auf zweifacher Ebene, wenn sie einerseits Vertragspartner für profane Rechtssetzung ist, andererseits diese Rechtssetzung selbst durch Anrufung Gottes und die nur ihnen verständliche Art und Weise der Erkenntnis der Zustimmung dieses Gottes zum Vertrag legitimieren. Da die Legitimation der Rechtssetzung des Runden Tisches und damit der Runde Tisch selbst damit vollständig abhängig ist von der Kirche, kommt dieser eine absolute Vorrangstellung zu. Diese ist keineswegs nur theoretischer Natur, findet sich doch in der <a href="http://www.dbk.de/presse/aktuelle-meldungen/details/?tx_ttnews[tt_news]=1679&amp;tx_ttnews[backPid]=233&amp;cHash=83cb6812b616c7dcb90dc9a2d00f8c26" target="_blank">Pressemitteilung der DBK vom 30.09.2010</a> dazu eine Formulierung, die praktischer Ausfluss dieser Machtposition ist. Dort wird ausgeführt, dass die Festlegung eines Betrages zur Anerkennung des Leides der Missbrauchten am Runden Tisch erfolgen solle &#8211; `wenn möglich in Übereinstimmung mit den anderen Runden Tisch vertretenen Organisationen´. Im Klartext: Kirche hätte schon gern die Übereinstimmung mit anderen Organisationen, benötigt sie aber nicht. Sie allein vermag Recht zu setzen, weil sie allein über die Legitimierungsmittel verfügt, wenn nicht der Weg der Befragung der Irrationalen beschritten werden soll oder kann. Dabei wird geflissentlich die Irrationalität der eigenen Legitimationsform übersehen, die sogar noch weiter geht wie die Irrationalität der Missbrauchten. Diese ist immerhin noch als in der Person begründete weltimmanent, währen die Irrationalität der Kirche ihre Basis in der Transzendenz findet.</p>
<p>Die Legitimation durch `von oben´, durch ein transzendentes Wesen – Gott – setzt die Unterwerfung der Verpflichteten unter diese Art von Legitimation voraus. Die christlichen Laien sind per Kirchenrecht zur Unterwerfung verpflichtet, nichtchristliche Laien haben als Person der Macht von Kirche nichts entgegenzusetzen und werden so zur Unterwerfung mangels Optionen gezwungen. Bleibt die Frage, warum die profanen Organisationen die Unterwerfung unter Machtstellung der Kirche offenbar klaglos vollziehen. Die mögliche Antwort: sie profitieren, schließen sie sich doch dem von Kirche gesetztem Recht an, setzen es für ihren eigenen Bereich in Kraft. Das von Kirche bestimmte Recht ist notwendig durch Kirchenrecht bestimmt. Weil Kirche gemäß Kirchenrecht keine Verantwortung für eigene Handlungen gegenüber dem Laien übernehmen kann, ist folglich keinerlei Verantwortungsübernahme darin enthalten. Übernimmt eine säkulare Organisation dieses Recht, übernimmt sie Verantwortung in gleichem Maße wie Kirche: nämlich keine. Zudem hat diese Konstruktion für jede säkulare Organisation den unschätzbaren Vorteil, von ihr selbst nicht verantwortet werden zu müssen, stammt es doch von einem anderen, noch dazu in göttlicher Vollmacht Handelnden. Die so in das profane übernommene Rechtsbestimmung erhält somit faktisch die Qualität des Unantastbaren, das ihm als originär profanes Recht unmöglich zukommen und vermittelt werden könnte.</p>
<p>In der Summe erweist die Strukturanalyse des Runden Tisches die bewusste und gezielte Disqualifikation der Missbrauchten. Das Nichtverstehen der Disqualifikationsmechanismus wird zum Beweis der Berechtigung der Disqualifikation selbst. Weiter erweist sich der Runde Tisch als für die Kirche letztlich unnötig; sie handelt ohnehin in eigener, irrational begründeter und damit nach eigener Logik disqualifizierter Vollmacht so, wie sie handeln will. Vor diesem Hintergrund erweist sich der Runde Tisch als Übertragung von Machtmitteln der Kirche auf säkulare Organisationen, die diesen originär nicht zugänglich sind und die ihnen auch nicht zukommen. Letztlich leiht Kirche ihre Machtmittel aus zum Schaden der Missbrauchten. Gleichzeitig schafft sie damit Schuldverpflichtungen säkularer Organisationen einschließlich des Staates ihr gegenüber, die sie nicht zögern wird, bei Gelegenheit zu ihrem eigenen Vorteil auszuspielen, zum Beispiel bei der Sicherung der ihr zufließenden Finanzmittel des Staates. Letztlich wird nicht nur über die Missbrauchten verhandelt, sondern diese werden Mittel zum Zweck eigener Machterhaltung und Ausweitung degradiert.</p>
<p>Mein Anliegen ist es, mögliche Denk- und Handlungsstrukturen der Beteiligten am Runden Tisch sichtbar zu machen. Die mehr oder weniger wütend geforderten Antworten auf die Forderungen der Missbrauchten bleiben aus. Diese Antworten müssen aber ausbleiben dann, wenn gerade die Nichtantwort Teil des strategischen Denkens des Gegenübers ist. Dieses als möglich aufzuzeigen habe ich oben versucht. Dieses zu erkennen, so hoffe ich, ermöglicht den Erhalt der Selbstachtung dadurch, die Schuld an der Situation nicht bei sich selbst zu suchen, sondern stattdessen die eigene Emotion als gerechtfertigt auch und gerade dann zu erkennen, wenn sie vom Gegenüber als disqualifizierendes Moment genutzt wird.</p>

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		<title>Missbrauch in der Familie</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 13:01:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– auf die Angehörigen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin nicht mehr in der Lage zu schreiben, obwohl mein Kopf zu platzen droht. Ich bin am abschmieren wegen der ganzen Dinge und muss sehen, dass ich stabil bleibe. Ich habe ständig Stress wegen der Begutachtung, meine Vergangenheit und vor allen Dingen mit meinen Mann, der mir das alles auf den Hals geschickt hat. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin nicht mehr in der Lage zu schreiben, obwohl mein Kopf zu platzen droht. <span id="more-4744"></span>Ich bin am abschmieren wegen der ganzen Dinge und muss sehen, dass ich stabil bleibe. Ich habe ständig Stress wegen der Begutachtung, meine Vergangenheit und vor allen Dingen mit meinen Mann, der mir das alles auf den Hals geschickt hat.<br />
Bindungsstörung, sichere Bindung, unsichere Bindung&#8230;bla bla bla. Ich habe Angst vor dem Gutachten, denn ich ahne, was darin stehen wird. Der Gutachter hat mich Dinge gefragt, die nicht in den Akten stehen. Ich konnte mich nicht verstellen. Er weiß alles&#8230;</p>
<p>Identifikation mit dem Aggressor ! Das sagt Ihnen was, nicht wahr.<br />
Ich komme nicht raus aus dem Sumpf.<br />
Es ist mein Mann, der mir das Leben täglich zur Hölle macht &#8211; mein Stiefvater hat einen &#8220;Nachfolger&#8221;.<br />
Mein Therapeut weiß das und er sagt, dass ich mich trennen muss&#8230;. aber das geht nicht. Da sind die Kinder, vor allen die Kleine&#8230; BINDUNG!</p>
<p>Ich lebe in der Hölle und komme nicht raus. Ich lasse alles mit mir machen, weil ich mein Kind nicht verlieren will. Mein Kind soll nicht leiden. Sie nehmen es mir weg, wenn ich mich trennen würde, weil&#8230; PTBS, Projektionen, Rückfallgefahr u.a.<br />
Ich habe keine Chance mehr. Wenn ich nicht das mache, was mein Mann will droht er mir mit dem Jugendamt. So sieht die Realität aus, durch Missbrauch in der Familie.</p>
<p>MIR GLAUBT DOCH NIEMAND VON DEM AMT AUFGRUND MEINER BEKANNTEN BIOGRAPHIE! ICH BIN DOCH FÜR DIE VERRÜCKT!</p>
<p>Gaby Müller</p>

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		<title>Im Namen meiner Tochter</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Sep 2010 05:32:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– auf die Angehörigen]]></category>
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		<description><![CDATA[Sexueller Missbrauch Schutzbefohlener in staatlichen Einrichtungen und der Umgang damit am Beispiel meiner Tochter . Ein typisch, alltäglicher Fall? Im Namen meiner Tochter / für meine Tochter Im November 2007, meine Tochter war gerade 15 Jahre alt, entdeckten wir, dass sie sich immer mehr veränderte. Da wir aber auch ansonsten aufgrund meiner Erkrankungen, deren Auswirkungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sexueller Missbrauch Schutzbefohlener in staatlichen Einrichtungen und der Umgang damit am Beispiel meiner Tochter . Ein typisch, alltäglicher Fall?</p>
<p>Im Namen meiner Tochter / für meine Tochter<span id="more-4560"></span></p>
<p>Im November 2007, meine Tochter war gerade 15 Jahre alt, entdeckten wir, dass sie sich immer mehr veränderte. Da wir aber auch ansonsten aufgrund meiner Erkrankungen, deren Auswirkungen und der allgemeinen pubertären Entwicklung, zunehmend Probleme auf der Verhaltensebene hatten, schenkte ich dem zunächst nicht allzu große Beachtung. Sprach ich sie an, was denn mit ihr los wäre, wies sie mich zurück. Sie selber verschloss sich zunehmend, so dass ich immer penetranter auf sie zuging und sie bat, mir zu sagen, was los sei. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich für sie da sei. Seien es Probleme in der Schule, so würden wir das Gespräch mit den Lehrern suchen. Sie meinte, dass das doch keinen Sinn hätte, weil ihr keiner glauben würde, und der, der das macht, würde selbst die Lehrerinnen bedrohen. Ich bohrte nach und schließlich erzählte sie mir, dass ein Mitschüler ( sehr groß, schon volljährig ) ihr an jeder Ecke auflauert, sie begrabscht, in die Ecke drängt, ihr unter die Wäsche geht, ihr droht, dass er sie „totmachen“ würde, wenn sie es erzählt. Ich fragte sie, ob sie es nicht der Lehrerin erzählt hätte. Sie meinte, dass sie zur Vertrauenslehrerin gegangen wäre, die aber selber Angst vor dem Jungen hat, da er auch zu den  Lehrerinnen verbal und körperlich übergriffig werden würde.<br />
Die Vertrauenslehrerin sagte unserer Tochter, dass sie es aufschreiben solle. Ich fragte sie, ob das alles wäre, was die Schule macht, ob es keine Gespräche mit der Direktorin, dem Jungen und dessen Eltern geben würde. Meine Tochter verneinte. Sie schrieb aber alles auf. Ich sagte ihr, dass sie zu der Lehrerin gehen solle und es unterschreiben lassen solle. Ich wollte etwas in der Hand haben und dies gab ich meiner Tochter auch zu verstehen. Ich machte ihr Mut indem ich ihr sagte, dass ich dafür sorgen würde, dass dagegen etwas unternommen wird.<br />
Am nächsten Tag brachte meine Tochter ihre Aufzeichnungen von der Vertrauenslehrerin, die übrigens auch in Teilen Zeugin dieser Übergriffe war, unterschrieben mit nach Hause.<br />
Sofort rief ich in der Schule an und verlangte ein Gespräch mit der Direktorin. Mehrmaliges Bitten nach einem Gespräch wurde abgelehnt mit fadenscheinigen Gründen, wie „keine Zeit, später, Konferenz, Frau X wird Sie zurückrufen&#8230;..<br />
Ich teilte dem Schulbüro mit, dass ich jetzt die Polizei einschalten würde, da es seitens der Schule ja wohl nicht zur Klärung und Gesprächsbereitschaft kommen würde.<br />
Ich ging umgehend zur Polizei und erstattete Anzeige.<br />
Anschließend setzte ich die Schule von diesen Schritt in Kenntnis.<br />
Umgehend wurde ich von der Direktorin zurückgerufen. Auf einmal hatte sie Zeit. Sie meinte, dass es wichtig wäre, dass die Sache geklärt werden würde und sie sich höchstpersönlich darum kümmern würde und ein Gespräch mit Eltern und dem Jungen führen würde.</p>
<p>Ja; Auf einmal, nachdem es drohte öffentlich zu werden und sie um ihren Ruf und dem der Schule fürchten musste. Mich interessierte dieses Verhalten jetzt nicht mehr. Ich gab ihr zu verstehen, dass die Angelegenheit jetzt ihren juristischen Weg gehen würde.<br />
Trotz alledem wurde ich ihren Wunsch gerecht, zum Gespräch in die Schule zu kommen. Ein Rückzug der Anzeige kam für mich nicht mehr in Frage!<br />
Im Gespräch kamen dann folgende Äußerungen ihrerseits: „Wir werden natürlich sofort Kontakt mit der Familie aufnehmen, denn so etwas darf es an diese Schule nicht geben.“<br />
„Gut, dass Sie Anzeige erstattet haben. Uns sind in diesen Fällen die Hände gebunden. Wir können nichts machen, dass ist Sache der Eltern.“<br />
Ich wurde daraufhin ziemlich erbost und fragte nach, warum die Schule nichts machen könne, denn schließlich hätten sie die Verantwortung zum Schutz der Kinder in deren Einrichtung. Wir als Eltern hätten während des Schulbesuchs die Verantwortung delegiert. Wir müssen die Verantwortung delegieren, da allgemeine Schulpflicht herrscht und wir haben ein Recht darauf, dass  verantwortungsvoll  zum Schutz der Kinder, damit umgegangen wird. Wir Eltern müssen der Schule vertrauen dürfen!</p>
<p>Ihr Gegenargument lautete in etwa so, dass unsere Tochter ja nicht unschuldig wäre, denn schließlich würde sie die Jungen durch ihre enge, körperbetonte Bekleidung provozieren. Unsere Tochter und die dazugehörende Klassenlehrerin saßen dabei. Ich gab der Direktorin zu verstehen, dass die Kleidung eines Mädchens noch lange kein Freibrief dafür ist, sie als Freiwild zu betrachten. So machte man meine Tochter „mitschuldig“ an dem an ihr vollzogenen Missbrauch.</p>
<p>Im Dezember teilte uns die Schulleitung mit, dass der Junge von der Schule verwiesen worden wäre.<br />
Die Staatsanwaltschaft (eine Frau) rief ebenfalls im Dezember an und befragte unsere Tochter telefonisch.<br />
Im Februar 2007 bekamen wir Post von der Staatsanwaltschaft, aus der hervorgeht, dass das Strafverfahren ruht, da der Aufenthalt des Beschuldigten nicht ermittelt werden konnte.<br />
Man geht davon aus, da es sich um einen türkischen Mitbürger handelte, dass seine Eltern ihn zurück in die Türkei geschickt haben.<br />
Das Verfahren ruht!<br />
Meine Tochter ruht keineswegs, nur ihr Mund !<br />
Sie hat gesundheitliche, sowie psychische Probleme !<br />
Sie kann sich noch Niemanden außer mir, und das auch nur begrenzt, anvertrauen. Die Scham und die Verletzungen sind zu groß.<br />
Wenn sie mal soweit sein wird, und Niemand kann erahnen, wann der Zeitpunkt da sein wird, dann muss der Täter zur Verantwortung gezogen werden können.</p>
<p>Und deshalb: Abschaffung der Verjährungsfristen!!</p>
<p>Im Namen aller Betroffenen und in Namen „für“ alle Betroffenen und meine Tochter.<br />
Im Namen aller Kinder.</p>
<p>Ich wünsche meiner Tochter und allen Betroffenen, dass es für sie Gerechtigkeit geben wird, und sie mit sich und dem an ihnen begangenen Schaden an Leib und Seele zu Frieden kommen.</p>
<p>Eine Mutter</p>

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		<title>Es wird Zeit</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Sep 2010 04:22:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles, was ich schreibe, schreibe ich aus einer gewissen Reflektion heraus. Dinge und Sichtweisen verändern sich. Heute sehe ich Dinge anders als noch vor 4 Jahren. Das ist das Ergebnis jahrelanger Therapie, wobei ich mich zu den Glücklichen zählen darf, diesbezüglich immer an der richtigen Adresse gewesen zu sein. Jede/r Therapeut/ in (bis auf eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles, was ich schreibe, schreibe ich aus einer gewissen Reflektion heraus. Dinge und Sichtweisen verändern sich. <span id="more-4406"></span>Heute sehe ich Dinge anders als noch vor 4 Jahren. Das ist das Ergebnis jahrelanger Therapie, wobei ich mich zu den Glücklichen zählen darf, diesbezüglich immer an der richtigen Adresse gewesen zu sein. Jede/r Therapeut/ in (bis auf eine Ausnahme) in den letzten vier Jahren haben mir geholfen, da zu sein, wo ich jetzt bin. Eine tiefe Dankbarkeit empfinde ich diesen Menschen gegenüber. Aber die Ausnahme, das ist die Person, die ich mit dafür verantwortlich mache, dass ich nicht zur Ruhe kommen kann. Diese „Ausnahme“ und ihre Arbeit gefährden meine Familie, mich, unsere gemeinsame Zukunft. Diese „Ausnahme“ hat mir großen Schaden zugefügt. Ich bin aufgrund ihrer Arbeit mein restliches Leben über gebrandmarkt.<br />
In ihren Augen bin ich „Täterin“.</p>
<p>Manchmal weiß ich nicht mehr wohin mit meinen Schmerzen. Ich frage mich, warum ich nicht endlich „leben“ darf, warum ich bestraft werde. Manchmal sage ich mir: „Ich habe doch gar nichts gemacht! Ich bin missbraucht und misshandelt worden. Dies passierte nicht nur in einer Einrichtung, sondern auch in meiner Familie. Die ersten 10 Jahre meiner Kindheit. Ich habe die letzten 4 Jahren an mir gearbeitet, aber sie, und das ist in meinem Fall das Jugendamt / Familienpflegerin, wollen mir keine Ruhe geben.</p>
<p>Manchmal frage ich mich auch, wie wohl meine heutige Situation aussehen würde, hätte ich ein behütetes Elternhaus gehabt, ein Elternhaus ohne Missbrauch und Misshandlungen.<br />
Manchmal, nach guten Gesprächen oder in Zeiten wo es einfach gut läuft, dann kann ich auch sagen, dass wohl alles im Leben seinen Sinn hat, wir ständig geprüft werden, und dies jetzt schon wieder eine Prüfung ist. Dann sage ich zu mir, dass ich bisher alles überlebt habe und werde mich auch jetzt nicht unterkriegen lassen. Ich will auch diese Prüfung bestehen.</p>
<p>Zur Biographie:<br />
Ich bin 47 Jahre alt, seit 24 Jahren mit ein und demselben Mann<br />
verheiratet. Wir haben drei Kinder. Unser Sohn ist 21 Jahre alt, geht zur Zeit zur Bundeswehr und wird im Anschluss Jura studieren. Unsere Mittlere ist gerade 18 geworden und macht ein Ausbildung zur Hotelfachfrau.<br />
Unser Nesthäckchen, ein Mädchen  ist 10 Jahre alt. Eine Familie zu haben, war mein Lebenswunsch. Meine Vorstellungen und Ziele: Meine Kinder werden es besser haben als ich. Sie werden mit Liebe erzogen, sind erwünscht und liebenswert. Ich werde mich stets für sie einsetzen, immer für sie da sein.<br />
Das sind gute und wünschenswerte Ziele, wenn da nicht die Schatten der Vergangenheit wären, die mich und meine Gesundheit nachhaltig beeinflussen würden. Schatten, die ich nicht als Schatten sah. Ich konnte bis vor 4 Jahren keinen Zusammenhang zwischen meiner Vergangenheit und den Auswirkungen auf die Gegenwart herstellen.<br />
Heute weiß ich zwar Bescheid und kann mehr oder weniger damit umgehen. Ich haeb Techniken des „Überlebens“ erlernt. Ich habe teils die Krankheiten in meinem Leben integriert, aber etwas bleibt immer hängen. Es ist der Schmerz. Es ist die Tatsache, dass die Seele nichts vergisst und der Körper auch nicht. Sie verzeihen nicht das „Geschehene“.<br />
Es ist unauslöschbar! Der Verstand klärt und erklärt vieles, aber die Seele meldet sich immer wieder. Verstand und Seele sind im ewigen Kampf.<br />
Wie gerne würde ich mich annehmen, so wie ich bin. Wie bin ich denn? Wie wäre es, ohne diese inneren Verletzungen zu leben? Wie wäre es, wenn ich nicht immer in mich schauen müsste, um zu spüren und zu reflektieren, wo mal wieder was herkommt und wo es eigentlich hingehört, damit ich nicht im Leben „abschmiere“? Rückfällig werde in meine alte Sucht?<br />
Warum bekomme ich meine psychosomatischen Beschwerden nicht in den Griff ? Ich weiß doch, wo sie herkommen. Warum verschwinden meine Herzrhythmusstörungen nicht, die Gefahr ist doch vorbei, und ich bin nicht mehr das kleine Mädchen, dass sich nicht wehren kann?<br />
Jahrelange Therapie: Ergebnis; Weg geht nichts. Es wird nur anders! Bewusster!<br />
Manchmal bzw gerade im letzten Jahr aufgrund der aktuellen Problematik, stelle ich immer wieder fest: „ Der Täter ist auf freien Fuß, aber ich habe lebenslänglich“. Der Täter hat seine Strafe verbüsst und ein Recht auf Reintegration in die Gesellschaft.<br />
Und ich ?<br />
Habe ich nicht ein Recht auf Gesundheit?</p>
<p>Meine Biographie bis 1988<br />
&#8230;In den ersten 10 Jahren meines Lebens wuchs ich in über 20 verschiedenen Einrichtungen bzw bei verschiedenen Familienangehörigen auf. Meine Mutter war alkoholkrank und starb an den Folgen 1981&#8230; Seit 1974 hatte ich schon keinen Kontakt mehr zu ihr. An vier Heimen kann ich mich noch recht gut erinnern. Besonders gut aber an diverse Bestrafungsritualien.<br />
Zwischen 1970 und 1974 wurde ich durch meinen Stiefvater immer wieder sexuell missbraucht&#8230; Ich hatte kein eigenes Zimmer. Unser Haus war sehr klein. Ich schlief bei meinen Eltern im Bett. Nachts rückte er zu mir, spielte an mir rum, steckte mir seinen Penis in den Mund&#8230; ich werde den Geschmack und den Geruch nicht los! Das kann keine Therapie weg machen!<br />
Er schlug mir mit der Faust ins Gesicht wenn ich nicht parierte. &#8230;.</p>
<p>&#8230;Folgen des Missbrauchs und Gewalterfahrungen???<br />
Oder, warum nimmt es kein Ende???&#8230;<br />
Oder, Lebensprüfung?</p>
<p>Bewusst fing alles im Jahre 2006 an. Bis dahin habe ich nichts gespürt, nichts gemerkt, über nichts nachgedacht. Körperlich wie seelisch war ich „tot“. Nur eine Hülle. Ich habe immer Erinnerungen an meine Kindheit gehabt und an einzelne Gewalt und Missbrauchstaten, welche mein Stiefvater, meine Mutter und diverse Erzieher/ innen in Kinderheimen an mir begangen haben. Ich hatte schon immer ein gutes Gedächtnis, aber ich habe nichts gefühlt und empfunden. Stattdessen hat sich meine Seele den Weg in die Sucht gewählt. Zwischen den Jahren 1988 und 2006 entwickelte ich eine Alkoholabhängigkeit, sowie eine Essstörung (Magersucht). Ich habe nie exessiv getrunken, war Spiegeltrinkerin. Abends, wenn die Kinder im Bett waren. Ich  habe meinen Alltag immer noch irgendwie bis zum Schluss bewältigt. Während der Schwangerschaften und Stillzeiten war ich stets trocken und auch meine Essstörung rückte in den Hintergrund. Ich war immer für meine Kinder da. Ich habe sie unterstützt, gefördert, mich für ihre Hobbys und andere Belange eingesetzt. Ich war präsent, obwohl ich „nicht da“ war. Ich hatte zeitweise Tagespflegekinder, leitete mehrere Kinderturngruppen, war aktiv in Elternräten von Schule und Kindergarten. Selber betrieb ich massiven Leistungssport  im Ausdauerbereich. Ich war immer auf den Beinen, immer aktiv, gönnte mir nie Ruhe oder Auszeit.<br />
Mein Mann war schon immer beruflich sehr eingespannt, so dass ich eigentlich alleinerziehend war /auch heute noch bin.</p>
<p>2006 kam die Wende. Ich spürte, dass ich so  nicht mehr weiter machen konnte. Mein Körper entwickelte Entzugssymptome. Mir wurde die Abhängigkeit bewusst. Ich spürte, dass ich vom Alkohol nicht mehr alleine los kam. Ständig brauchte ich einen gewissen Pegel, um überhaupt noch zu funktionieren. Meine Leistungskraft ließ nach und ich war immer weniger präsent. Meine Stimmungen veränderten sich rapide. Gerade war ich noch ruhig und im nächsten Augenblick wurde ich aggressiv und brüllte nur noch rum. Irgendwie kam aus meinem inneren ein Signal. Erste Erinnerungen kamen hoch. Meine Mutter! Ich wollte doch nie so sein wie sie. Ich fing an, mich in ihre Richtung zu entwickeln. Das wollte ich nicht. Ich spürte, dass die Kinder Probleme mit meinen Wesensveränderungen bekamen. Ich musste einen Schlussstrich ziehen. Wir waren gerade in unser neues Haus gezogen und mein Mann würde krank. Burn- out, schwere Depression. Ich hatte Angst um ihn. Für sieben Wochen ging er in eine Reha. Danach ging es ihm besser.<br />
Mit Unterstützung meines Mannes brachte ich es fertig eine Entgiftung mit anschließender Entwöhnung über 18 Wochen zu machen. Irgendwie fing es da an. Im Laufe der Therapie fing ich an mich zu spüren und zu fühlen. Aber noch immer war ich „zu“. Es brauchte sehr lange, bis ich meiner Therapeutin vertraute, bis ich an mir arbeiten konnte, mich mit meiner Biographie auseinandersetzen konnte. Immer wieder lief ich in irgendeiner Form weg. Bei Konfrontationen dissoziierte ich, weil ich mit den unbekannten Gefühlen wohl nicht umgehen konnte. Ich wollte und konnte Niemanden vertrauen. Ich ertrug keine Nähe. Dies änderte sich im Verlauf der ersten Reha aber.  Am Ende der Therapie sagte meine Therapeutin zu mir, dass ich einen Anfang gemacht hätte. Ich war entsetzt. Ich empfand die Therapie als sehr hart, und das sollte erst der Anfang sein?<br />
Sie sollte Recht behalten. Als ich nach Hause kam, spürte ich, dass ich nicht mehr der Mensch war, der ich vorher war. Zudem fiel die „Käseglocke“, der Schutz der Klinik weg. Ich war in vielen Dingen so hochgradig verletzlich und sensibel, und ich war geschwächt. Der normale Alltag, jetzt ohne die betäubende Wirkung des Suchtmittels, war extrem schwierig.<br />
Alles, was ich bis dahin an Gefühlen verdrängt hatte war nun da. Eine einzige große, klaffende Wunde und keine Aussicht auf Betäubung, wollte ich doch gesund werden und nicht wie meine Mutter an den Folgen des Alkohols sterben. Ab hier sollte sich meine Magersucht manifestieren. Sie gab mir den nötigen Halt, den ich jetzt brauchte. So hatte ich noch eine gewisse Kontrolle über mich. Ich suchte und fand sofort einen ambulanten  Therapieplatz. Ich bin dankbar für diesen guten Therapeuten in den letzten Jahren. Ich weiß heute, dass ich die Abstinenz ohne ambulante Therapie und ambulanter Nachsorge nicht hätte halten können. Wenn ich in einem Tief war (Und auch heute noch) so war er stets erreichbar. Ich hatte in ihn etwas zuverlässiges. Ich wusste stets, wenn es mal Dicke kommt. Eine E-Mail und er war da.</p>
<p>Meine Familie hatte und hat auch heute  noch Probleme damit, dass ich mich verändert habe, dass ich nicht mehr so bin wie ich war. Unser Familiensystem geriet in Schieflage, denn was bis dahin funktioniert hatte, lief nicht mehr. Ich war nicht mehr nur Mutter und Hausfrau. Ich wollte auch für mich da sein. Immer wieder, teils bis heute, kämpfte ich gegen alte Muster an, kämpfte ich um Akzeptanz. Ich wollte selbstbewusster sein, aber gerade hierin lag und liegt auch heute noch ein Defizit. In den letzten Jahren kam es dann  auch zu massiven Problemen in der Paarbeziehung. Ich wollte nicht mehr immer allein sein. Ich wollte, dass mein Mann auch anfing Verantwortung zu übernehmen. Gerade dann, wenn er zuhause war. Ich wollte Entlastung. Und ich wollte „Abgrenzung“.<br />
Während meiner „nassen“ Zeit ertrug ich Sex einfach so. Ich hatte nie Gefallen daran, aber er gehört ja dazu, so dachte ich. Nach der Entwöhnung ertrug ich ihn nicht mehr. Ich wollte keinen Sex mehr und auch dies führte mit zu Spannungen in der Beziehung. Mein Mann fühlte sich abgewiesen. Er kann bis heute nicht verstehen, warum ich so bin, obwohl er Kenntnis hat und obwohl er auch bei dem ein oder anderen Paargespräch dabei war, wo es gerade um dieses Thema ging. Immer noch fühlt er sich ständig persönlich gekränkt. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn schon gebeten habe, sich mal mit dem Thema auseinander zusetzen. Leider reagiert er manchmal sehr verletzend. Dann heißt es, dass ich mal aufhören solle in der Vergangenheit rumzuwühlen, ich mal mit dem Missbrauch abschließen müsse. Er hat recht, dass ich abschließen muss. Irgendwo habe ich es auch, aber er versteht einfach nicht, und das ist auch etwas, was mir sehr schwer fällt, das mein Körper nicht vergessen will. Ich kann nichts dafür, dass es so ist. Ich muss damit leben. Ich habe mich dazu entschlossen, es so wie es halt ist, in meinem Leben zu integrieren. Anders hat es keinen Sinn für mich.<br />
Ich gebe mich nicht mehr gegen meinen Willen hin. Heute grenze mich ab. Endlich ! Nach vier Jahren kann ich es.<br />
Das ist für mich vielleicht gut, aber gut für meine Beziehung. Mein Mann liebt mich und ich liebe ihn, nur mit dem Unterschied, dass für ihn Sex dazugehört, für mich aber nicht. Ich empfinde noch heute einfach nur Ekel und ich weiß, warum.</p>
<p>Als ich in Reha war, bekam unsere mittlere Tochter (damals 14 Jahre) Probleme. Sie lernte einen wesentlich älteren jungen Mann kennen und verfiel ihm abgöttisch. Sie wurde abhängig von ihm. Heute glaube ich, dass ich ihr durch meine Therapie weggebrochen bin. Sie ging eine ungesunde Bindung zu ihm ein. Sie wurde (weiß ich erst seit kurzem) von ihm misshandelt und missbraucht. Sie hat es nie gesagt, vor lauter Angst, dass er ihr etwas antun würde. Ihr Verhalten eskalierte 2007 so massiv, dass ich Hilfe zur Erziehung beim Jugendamt beantragte. Sie blieb nächtelang weg, war extrem aggressiv, trank Alkohol und konsumierte Cannabis. Ich bekam keinen Zugang mehr zu ihr.  Mehrfach hatten wir die Polizei eingeschaltet um sie zu suchen. Im April 2008 wurde die Bedrohung durch ihren Freund für die ganze Familie so massiv, dass wir uns entschlossen, unsere Tochter für eine gewisse Zeit in eine Jugendeinrichtung zu geben. Der Wunsch kam auch von ihr. Die Maßnahme wurde vom Jugendamt und der Familienhilfe unterstützt und war nur daraufhin ausgelegt, dass sie wieder zurück kommen würde, wenn sich die Situation beruhigte. In dieser Zeit bekam sie Abstand zu ihrem Freund und die gesamte Situation beruhigte sich. In der Einrichtung kam sie, nachdem sie ein paar Wochen da war, auch nicht mehr zurecht. Sie lief eines Tages mit einem Mädchen weg. Drei Tage war sie verschwunden und die Heimleitung hatte nichts anderes dazu anzumerken, dass sie die Einrichtung verlassen müsse, wenn sie sich nicht an die Regeln hielt. Ich machte die Vermisstenmeldung, lief mit einem Bild durch die Stadt. Mich ärgerte es massiv, dass das Jugendamt uns nicht erlaubte sie in eine qualitativ gute Einrichtung zu geben, die wir ausfindig gemacht hatten. So ging ich während ihres „Abgangs“ zum Amt und drohte ihnen damit, dass ich sie persönlich dafür verantwortlich machen würde, wenn unserer Tochter etwas passiert. Die Alkohol, Drogen und gerade ihr Verhältnis zu diesem jungen Mann waren bekannt. Selbst unsere Familienhelferin sprach sich für die Einrichtung aus und knüpfte Kontakte. Das Jugendamt begründete die Ablehnung damit, dass keine Indikation vorlag, dass es ihr nicht schlecht genug ging. Ein weiterer Grund waren die höheren Kosten, die sie nicht tragen wollten/ konnten. Hierzu sei gesagt, dass wir sowieso schon mehrere hundert euro im Monat dazuzahlen mussten. Da wäre es auf einen Mehrbetrag zum Wohle unserer Tochter auch nicht angekommen.<br />
Sommer 2008 ging ich noch einmal für 8 Wochen in eine stationäre Reha, um an meiner Essstörung zu arbeiten. Ich arbeitete auch dort sehr hart an mir, und hatte auch durchaus Erfolge. In erster Linie stärkte diese Reha mein Selbstbewusstsein. Ich schließe es daraufhin zurück, dass in dieser Klinik die Menschen in ihrer Person von Grund auf einfach nur „angenommen“ und wertgeschätzt wurden. Jeder durfte sein Tempo gehen. Es war eine sehr annehmende und wärmende Umgebung. Ohne Druck und ohne Zwang.</p>
<p>Im Januar 2009 kam unsere Tochter wieder zurück. Wir hatten in der Zeit, in der sie im Heim war regelmäßig Kontakt zu ihr und fast jedes Wochenende war sie zuhause. Ihre Rückkehr wurde von der Familientherapeutin uns gegenüber unterstützt. Das Jugendamt wollte es nicht. Sie hielten sie für emotional instabil. Heute weiß und sehe ich, dass wir richtig gehandelt haben. Wir wussten, dass wir durch die Familienhilfe einen Ansprechpartner hatten und das reichte aus. Bis zum Sommer 2009 ruhte die Hilfe und setzte dann in Form eines „Elterncoachings“ wieder ein.<br />
Ein bis zweimal monatlich trafen wir uns in der Praxis, um Probleme der Elternebene zu besprechen.<br />
Und hier nahm meines Erachtens dann das Drama seinen Lauf.<br />
Das Vertrauen, welches ich in diese Frau investierte wurde immer wieder aufs bitterste enttäuscht.<br />
Ich hätte es abbrechen müssen, denn ich wurde mit der Zeit immer kranker und schwächer. Ich nahm immer mehr ab, Depressionen, Ängste bis Panikattacken. Heute weiß ich, dass diese Frau mich durch diese Art von Settings immer wieder retraumatisiert hat. Immer wieder demütigte und kränkte sie mich, kritisierte meine Traumatherapie u.a. . Einmal fragte sie mich, wie lange ich eigentlich noch in Therapie gehen wolle und ob ich meinen Therapeuten noch heiraten wolle. Ein anderes Mal sagte sie, dass ich mal endlich mit der Therapie aufhören müsse. Ich solle doch einfach mal anfangen zu leben.<br />
Ich dachte mir immer, obwohl es so furchtbar weh tat, dass sie schon ihren Grund hätte so zu reden. Ich dachte, es würde sich um Konfrontationen handeln, die ich aushalten müsse. Ich vertraute ihr einfach sehr und stellte ihre Arbeit keineswegs in Frage. Sie griff mich ständig an und ich traute mich nicht mehr den Mund auf zu machen.</p>
<p>Ich habe in meinen stationären Rehas gelernt, auszusitzen und auszuhalten. Ich habe gelernt, nicht weg zu laufen sondern mich den Themen zu stellen. Also dachte ich, dass es schon richtig wäre. In der Tat fühlte ich mich aber von mal zu mal kleiner, unmündiger. Ich war auf einmal wieder das kleine Mädchen, was nicht den Mund aufmachen darf, da es Schläge befürchten muss. Ich fühlte mich minderwertig und falsch am Platz. Das Grausamste aber war, dass sie mich immer im Beisein meines Mannes so hart anging. Dies führte dazu, dass sich mein Mann immer mehr über mich erhob, mich immer mehr als krank ansah, mich nicht mehr ernst nahm. Mein Mann ist absoluter Psycho- und Therapiegegner. Mit ihrer Arbeit hat sie ihn unterstützt und mich immer weiter geschwächt. Heute weiß ich, dass sie von dem wusste, was sie bei mir auslöste, denn sie kennt meine Geschichte, mein Leben. Sie weiß über die Gewalt Bescheid, über den Missbrauch. Sie weiß alles. Sie sagte selbst einmal, dass ich so etwas wie ein Mienenfeld wäre und man nie wüsste, wann man auf eine Miene tritt und es „lostriggert“.<br />
Heute sage ich, dass sie aufgrund diesen Wissens fahrlässig und verantwortungslos gehandelt hat. Als sie in unserer Familie einstieg gab es natürlich viele Informationen meinerseits. Ich dachte, Offenheit und Ehrlichkeit sind die Voraussetzung dafür, dass Hilfe greifen kann. Sie fragte mich so Dinge wie : „ Warum dürfen Sie nicht gesund werden?, Wovor laufen Sie weg?, Wovor haben Sie Angst?, Warum schlucken Sie oder warum machen Sie sich dünne?“ Sie fragte mich, ob ich damit einverstanden wäre, wenn sie mal „drauf gucken“ würde ( Verlustängste, Essstörung). Ich hatte nichts dagegen. Ich wollte Hilfe und war zu fast allem bereit. Einmal sagte sie, dass ich viel mehr konfrontiert werden müsse, da ich viel zu therapieerfahren wäre. Ich dürfe überhaupt nicht merken, welche Schritte ein Therapeut bei mir vorhätte, denn dann würde ich ausweichen.  Sie sagte, dass ich nicht gefragt werden dürfe, ob bei mir Grenzen übertreten werden dürften, dass es einfach passieren müsse.<br />
Je schlechter es mir ging, umso mehr zog sie sich entweder zurück oder aber griff mich verbal an. Das führte mit dazu, dass es mir immer schlechter ging. Sie verbat mir den Mund, hielt mich ständig für unangemessen und grenzverletzend. Dabei habe ich nichts mehr gemacht, als meine Meinung darzulegen. Ich verstehe bis heute nicht, was sie mit diesen Angriffen bezwecken wollte. Geheilt hat es auf jeden Fall nicht.<br />
Paradoxerweise gab es auch eine andere Seite bei ihr und das verwirrte und verunsicherte mich zunehmend.</p>
<p>Gab es Probleme mit meinem Mann, sei es durch mich und meine immer stärker werdenden Selbstzweifel und Schuldgefühle oder sei es durch die Kinder, so suchte ich stets das Gespräch mit ihr. War ich unter vier Augen mit ihr, so stärkte sie mich stets, redete davon, dass ich mich abgrenzen müsse und das ich eine gute Mutter sei. Einmal sagte sie, dass sie meinen Mann nicht packen könne, dass sie das aber hinbekommen würde. Sie ermutigte mich dazu, meine geschriebenen Dinge ihr  per Mail zu schicken, wenn ich doch nicht darüber reden könnte.  Es dient dem „Loslassen“. Ich schäme und ich ärgere mich heute über mein naives Vertrauen. Sie ermunterte mich dazu, dass ich mich stets melden solle, wenn es mir nicht gut ginge. Sie wäre da, ich wäre nicht lästig und sie könne sich abgrenzen.</p>
<p>Ich hätte nie gedacht und nie damit gerechnet, dass  aus meiner Offenheit, die ich mühsam gelernt habe und meiner Bereitschaft, Hilfe anzunehmen einmal ein Strick gedreht werden würde.  Ich fühlte mich mit den Erziehungsaufgaben, meiner Mutterrolle, meinen Schuldgefühlen, meinen Ansprüchen an diese Rolle und mit meiner eigenen Arbeit an mir selber, meiner seelischen Gesundung, überfordert. Mein Verstand klärte sich immer mehr und somit bekam ich immer mehr Schuldgefühle gegenüber meinen Kindern. Ich wollte doch nie so sein wie meine Mutter. Familie und Kinder, das war und ist eines meiner Lebensziele. Ich bin gelernte Erzieherin und für mich war es nie ein Opfer, diesen Beruf nicht mehr auszuüben. Ich wollte für meine Kinder da sein und eigentlich habe ich dies auch trotz meinen Krankheiten geschafft.<br />
Ich hatte auch die Kurve bekommen, aber ich machte mich nun für die Probleme verantwortlich die hier und da präsent waren und wie sie wahrscheinlich in allen Familien mehr oder wenig vorkommen. Immer wieder fragte ich mich, was die Kinder wohl mitbekommen hatten und wo ich sie geschädigt hatte. Am schlimmsten war es, dass ich für meine mittlere Tochter nicht mehr präsent war durch meine Therapien und auch durch meine zunehmende körperliche Schwäche aufgrund der Magersucht.  Ich sah es seiner Zeit als meine Verantwortung an, mir Hilfe zu holen. Verantwortung gegenüber dem Wohl meiner Kinder.</p>
<p>Im November 2009 kam es zum ersten Knall. Das Elterncoaching eskalierte. Mein Mann war nicht bereit, sich den Problematiken zu stellen. Das macht er heute erst recht nicht mehr. Er sucht immer die Schuld bei mir, läuft weg, entzieht sich der Verantwortung, fühlt sich beleidigt. Sein Verhalten hat sich durch diese Frau noch verstärkt. Ein Zugang ist nicht mehr da.<br />
An diesem Wochenende nach dem Elterncoaching entschloss ich mich, mal für zwei Tage Auszeit zu nehmen. Ich sprach mit meinen Kindern und fuhr weg. In Wahrheit hatte ich auf einmal riesige Angst vor meinem Mann (Trigger). Als ich weg war, wurde abends vor einer Disco meine Tochter überfallen und zusammen geschlagen. Meinen Mann ließ das „kalt“. Er informierte mich nicht. Ich kam nach Hause und sie lag alleine und verletzt in ihrem Bett. Ich wurde wütend auf meinem Mann. Er interessiert sich einen Dreck für sie! Mir tat es weh und so rief ich mal wieder die Familientherapeutin an. Sie baute mich auf. Sie kann das Verhalten meines Mannes nicht verstehen, aber&#8230;“das wird schon wieder“.<br />
Dann kam das, was kommen musste. Ich bekam einen Rückfall. Ich wollte mich betäuben, hielt ich die Schmerzen doch nicht mehr aus. Am andern Morgen kam der große Zusammenbruch. Ich war rückfällig geworden. Das wollte ich nie. Nun kam die Angst über mich. Alles ist vorbei, jetzt ist es aus, dachte ich.<br />
Sofort rief ich meinen Hausarzt an und informierte meinen Mann. Ich wurde in die Psychiatrie eingewiesen. Nicht auf die Entgiftung, sondern auf eine stabilisierende Station. Mein Hausarzt diagnostizierte eine Psychische Belastungsreaktion.<br />
Ich bin in eine Regression gerutscht. Ich konnte nicht mehr und ich wollte nicht mehr. Im Krankenhaus setzte man mich unter Tabletten. Je mehr ich bekam, desto schlechter ging es mir und je schlechter es mir ging, desto mehr bekam ich. Ich habe massive Erinnerungslücken an diese drei Wochen. Ich weiß aber, dass diese Tabletten die Belastungsstörung noch verstärkt haben und eigentlich nicht hätten gegeben werden dürfen. Nachts wurde ich wach, stand auf und wurde ohnmächtig. Einmal war es so schlimm, dass sie meinen Schädel röntgen mussten. Im Entlassungsbericht steht davon nichts. Da steht, dass ich die Medikamention gut vertragen hätte. Eine wahre Lüge. Ich stand kurz vor einer Psychose und weiß bis heute nicht, wie ich da raus gekommen bin. Nach drei Wochen wurde ich in einem Zustand entlassen, den man schon fast „Pflegebedürftig“ nennen kann. Ich kam nicht mehr zur Ruhe, konnte mich nicht setzen, musste ständig laufen. Dazu kamen diese unerklärlichen Panikattacken. Ständig stand ich vor einem Ohnmachtsanfall. Ich setzte die Tabletten eigenständig ab. In der Klinik sagte man, dass es keine Entzugssymptome geben würde. Das entsprach nicht der Wahrheit. Ich ging mehrere Wochen durch die Hölle.<br />
In der Klinik hatte ich wohl den bisher tiefsten Punkt in meinem Leben erreicht. Ich hatte Angst zu sterben!<br />
Danach wollte ich nur noch Ruhe. Ich fing an zu essen. Ich hatte mich für das „Leben“ entschieden, für meine Familie und meine Kinder.<br />
Ich fasste den Entschluss, kein Elterncoaching mehr zu machen. Lieber wollte ich, dass diese Frau mit unserer Tochter arbeitete. Sie hatte immer wieder Einbrüche mit dem Alkohol, trank heimlich und ich beobachtete diese Situation mit großer Angst. Kritisch trat ich im Januar an die Familienhelferin auch in Form eines Schreibens heran. Ich bemängelte, dass das Jugendamt nicht wirklich die Problematik erkannte. Ich bat sie, sich um unsere Tochter zu kümmern, da ich aufgrund meiner eigenen Biographie dafür nicht in Frage kam. Ich wurde politisch kritisch, indem ich schrieb, dass zu wenig für unsere Jugendlichen in Deutschland getan würde. Diese Kritikäußerung nahm sie mir sehr übel. Im Gespräch im Januar beleidigte und demütigte sie mich aufs Schärfste. Ihrer Meinung nach sollte ich endlich aufhören, die Verantwortung auf andere zu delegieren, denn ich wäre schuld, dass sich meine Tochter so entwickelt hat. Ich solle gefälligst gesund werden und meine Kindheitserlebnisse begraben . Ich würde meine Krankheiten auf meine Kinder übertragen.<br />
(Genau auch aus diesem Grund hatte ich mir doch Hilfe geholt. Ich weiß doch um die Gefahr von Projektionen!)<br />
Sie könnte die Verantwortung nicht mehr übernehmen und würde einen Bericht an das Jugendamt schreiben.<br />
Dann schrieb sie ihren Bericht. Im Februar gab es ein Hilfeplangespräch. Die Frau vom Jugendamt war neu. Sie hatte uns bisher nicht kennen gelernt. Sie kannte uns nur nach Aktenlage und nach den Berichten dieser Frau. Wenn irgendetwas grenzüberschreitend war, dann waren es wohl die Berichte dieser Frau.<br />
Sie veröffentlichte gegenüber dem Jugendamt meine Diagnosen. Ich hatte ihr nie eine Schweigepflichtentbindung gegeben, noch hat sie jemals einen Arzt,- Rehabilitationsbericht gesehen. Bis dahin wusste ich noch nicht einmal davon, dass ich eine PTBS hatte.<br />
Alles nahm nun seinen Lauf. Das Jugendamt machte sich und macht sich bis heute kein Bild von unserer Familie. Sie kennen uns bis heute nicht. Allein aufgrund der Berichtslage entschieden sie sich dafür,  das Familiengericht einzuschalten, aufgrund $8 SGB „Kindeswohlgefährdung“.<br />
Nun ging es auf einmal um unsere jüngste Tochter, und die war nie im Visier der Hilfe. Mit ihr hat es auch nie Probleme gegeben. Aus den Bericht ging hervor, dass ich meine Tochter in sogenannte „Loyalitätskonflikte“ bringen würde. Der Grund war eine Karte, die das Kind der Fachleisterin gemalt hatte, auf die sie schrieb: „ Bitte machen Sie, dass Mama und Papa sich nicht wieder streiten“. Die Frau ging förmlich an die Decke. Ich durfte nichts erklären. Sie verbot mir den Mund, schrie mich an. Tatsache war aber, dass es gerade durch ihre Sitzungen zu Eskalationen auf der Paarebene kam, und dass unsere Tochter Angst davor hatte, wenn wir bei ihr einen Termin hatten. Nun behauptete sie, ich würde die Kleine dahinein ziehen. Mein Mann unterstütze sie auch noch, dabei war und ist er derjenige, der eigene Befindlichkeiten nicht vor den Kindern abgrenzt und sie so in die Dinge mit einbezieht.<br />
Mir wird nicht geglaubt, denn ich bin ja psychisch krank!<br />
(Mein Mann auch, aber er geht nicht in Therapie und steht auch nicht zu seiner Biographie).</p>
<p>Ursprünglich wollten sie nun die Hilfe ändern und einen anderen systemisch arbeitenden Therapeuten einsetzen. Ohne es mit uns abzusprechen, entschied man sich aber für das Gericht. Seitdem bin ich nur noch am kämpfen, aber alles nur im Hintergrund. Ich gehe davon aus, dass diese Maßnahme einzig und allein dazu dienen soll, mich zum Schweigen zu bringen.<br />
Es gab ein Protokoll dieses Gespräches, welches mit Lügen übersät ist. Die Fachleisterin hat, wie ich heute weiß, keine Kenntnis über dessen Inhalte.. Angeblich soll ich körperlich übergriffig gegen die Fachleisterin geworden sein. Vor kurzem sprach ich sie darauf an. Sie bestätigte mir, dass es diese Übergriffe nicht gegeben hat. Sie sagte mir, dass ich beim JA auf Richtigstellung drängen könne. Ich weiß das, aber würde ich es machen, &#8230;.eine Krähe hackt doch der anderen kein Auge aus&#8230;</p>
<p>Ich nahm mir eine Anwältin. Zunächst war auch sie entsetzt, sah Verstöße gegen die Schweigepflicht, unverhältnismäßige Reaktionen usw. Ich habe eine Gegendarstellung geschrieben, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Die Anwältin hält sie zurück. Immer wieder in den letzten Monaten sagte sie, dass es gegendargestellt werden müsse, dass die Gegendarstellungen raus müssen. Trete ich ihr auf die Füße, reagiert sie nicht, ist in Terminen, bei Gericht&#8230;&#8230;.Das Konfliktpotential soll nicht erhöht werden.<br />
Ich frage mich immer wieder, warum ich nicht für meine Rechte kämpfen darf. Da stehen Falschaussagen und Verleumdungen im Raum und ich darf mich nicht wehren.<br />
Darf ich mich nicht wehren, weil man mir sowieso nicht glauben würde? „Die ist ja psychisch krank.“ Menschen, die kritisch sind werden in unserer Gesellschaft nicht gerne gesehen. Sind sie dann auch noch staatlich anerkannt psychisch krank, so werden sie auch nicht mehr ernst genommen. Das ist meine Erfahrung.</p>
<p>Im Mai der Anhörungstermin vor Gericht. Ich war guter Dinge und unsere Anwältin auch.<br />
Die Frau vom Jugendamt log, dass sich die Balken bogen. Sie erzählte, ich wäre seit 2008 rückfällig, hätte 2008 mehrere Krankenhausaufenthalte gehabt, hätte meine älteren Kinder durch meine Süchte traumatisiert, und nun wolle man die Kleine schützen. Sie hat im April das erste und letzte Mal dieses Kind gesehen. Sie machte diesen Termin um sie kennen zu lernen. Ich nahm zu diesen Termin eine Zeugin mit, weil ich wusste, dass sie lügen würde.<br />
Vor Gericht erzählte sie einfach, ich hätte meine Tochter manipuliert und würde sie dem Jugendamt entziehen. Tatsache war aber, und das sagte ich auch vor Gericht aus, dass sie  jederzeit zu uns kommen kann, um sich vom „Kindeswohl“ zu überzeugen. Ich sagte, das wir nichts zu verbergen haben. Sie macht keinen Gebrauch von dem Angebot unserer Offenheit.</p>
<p>Ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte und auch die Anwältin war sprachlos. Ich sagte nur, dass das alles nicht stimmt und ich auch meine Abstinenz nachweisen kann. Den Richter interessierte dies in der Situation nicht. Es stand Aussage gegen Aussage. Er gab dem Antrag des Jugendamtes nach, ein Sachverständigengutachten in Bezug unserer „Erziehungsfähigkeit“ anfertigen zu lassen. Der Gutachter wurde auch noch vom Jugendamt empfohlen. Ich wollte ihn aufgrund dessen, wegen Befangenheit ablehnen, aber es wurde nicht akzeptiert. Ich schlug einen Gegengutachter vor. Der Richter meinte aber, dass es wohl egal sei, wer das Gutachten schreiben würde, denn schließlich seien die Gutachter unabhängig und neutral. In den folgenden Wochen informierte ich mich überall über meine Rechte. Ich trug mich in diversen Foren ein, suchte Kontakt zu Betroffenen, tauschte mich aus. Ich studierte Gesetzestexte und Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichtes. Weiterhin stellte ich Recherchen über den Gutachter an, bekam aber nicht viel an brauchbaren Informationen. Ich war zweigeteilt. Sollte ich mich nun verweigern, oder sollte ich alles mitmachen.<br />
Allein die Beweisfrage „Erziehungsfähigkeit“, ist schon zweifelhaft, denn  es gibt sie nicht.<br />
Psychologen sehen das aber anders und sollte ich es wagen, als psychisch krank, mich über den Gutachter zu erheben?</p>
<p>Ich machte folgende bittere Erkenntnis: Ich darf mich nicht verweigern. Ich darf nicht für meine Rechte eintreten. Würde ich dies tun, so könnte man mir aufgrund der PTBS und meiner Suchterkrankungen ein „Weglaufen“ diagnostizieren. Das wiederum ist ja bei Missbrauchsbetroffenen ein Muster. Ich würde quasi zeigen, dass ich meine Missbrauchserfahrungen trotz jahrelanger Therapie nicht verarbeitet habe und somit wäre ich nicht „erziehungsfähig“. Eine Mutter, die sich in belastenden Situationen nicht „stellen“ kann, ist keine erziehungsfähige Mutter.<br />
Die Folge wäre, dass sie mir unsere Tochter entziehen.<br />
Ich fühle mich wieder einmal missbraucht, nur die Ebene hat sich geändert. Jeder gesunde Mensch könnte von seinem Grundrecht Gebrauch machen, welches die Persönlichkeit schützt. Ich nicht! Ich will mein Kind nicht verlieren! Ich denke an das „Kindeswohl“, also lasse ich alles über mich ergehen.<br />
Ich weiß, dass ich spätestens beim Bundesverfassungsgericht Recht bekommen würde, aber auf Kosten meines Kindes werde ich dies nicht tun. Ich stelle meine eigenen Bedürfnisse und Rechte jetzt erst einmal hinten an.<br />
Aber akzeptieren werde ich es nie!<br />
Meinen Mund halten werde ich nicht!<br />
Ich backe zunächst kleine Brötchen, aber&#8230;.</p>
<p>Ich schrieb wieder eine Gegendarstellung. Dieses Mal zum Gerichtstermin. Ich schickte ihn nach Durchsicht unserer Anwältin und nach Absprache mit ihr, per Mail zum Jugendamt und bat um Eingangsbestätigung, die ich auch bekam. Vor einer Woche, in irgendeinem Forum erfuhr ich dann, dass E-Mails als Beweismittel vor Gericht nicht zugelassen sind. Ich bin erschüttert. Warum hat mir das nicht meine Anwältin gesagt? Ich fragte sie doch danach!<br />
Ich mache jeglichen Schriftverkehr durch Mail, denn ich meine, dass sich damit einiges beweisen kann, wenn ich es dann muss. Schließlich sind die Sendedaten nachvollziehbar.<br />
Mittlerweile mache ich alles schriftlich und möglich beweisbar, und das aufgrund der gemachten Erfahrungen.<br />
Ich glaube, dass unsere Anwältin nicht wirklich an ein Unterstützung in unserem Fall interessiert ist. Ich dachte, ein Anwalt würde sich für die Interessen seines Mandanten einsetzen, wenn er den Fall übernommen hat. Stattdessen habe ich heraus gefunden, dass sie beim zuständigen Jugendamt im Jugendhilfeausschuss sitzt und Mandatsträgerin im Kreistag ist. Welche Interessen vertritt sie wirklich? Ich mache mir meine Gedanken. Ich will nichts unterstellen. Unsere Anwältin meint, dass wir den Ball flach halten sollen, dass uns nichts passieren kann.<br />
Zeugnisse und Berichte der Schule weisen eindeutig daraufhin, dass keine Kindeswohlgefährdung bei unserer Tochter vorliegt.</p>
<p>Recht und Psychologie, so meine Erfahrung klaffen weit auseinander.<br />
Recht haben ist die eine Sache, aber Recht zu bekommen, eine andere.<br />
Wer gefährdet hier das Kindeswohl? Eindeutig das Jugendamt. An anderen Stellen in Deutschland sterben Kinder an den Folgen von Misshandlungen und bei uns, in unserer Familie wird „Kindeswohlgefährdung“ konstruiert.</p>
<p>Im August hat die Diagnostik dann angefangen. Gegen meinem Bedürfnis und meinem Recht, mich zu verweigern, mache ich nun doch diese zweifelhafte Sache mit. Ich habe mich offen und kooperativ verhalten. Sachlich und einsichtig. Ich bin dem Gutachter auf Augenhöhe begegnet, habe niemals über das Jugendamt oder über die Familientherapeutin geschimpft. Im Gegenteil: Ich zeige noch Verständnis. Ich hoffe, es hat geholfen.<br />
Nun liegt alles an den Interpretationsmöglichkeiten des Gutachters. Es kann gut sein, es kann aber auch schlecht sein.<br />
Und wenn schlecht, was dann?<br />
Ich weiß es noch nicht, aber ich werde um meine Rechte und mein Kind kämpfen!</p>
<p>Mein Gefühl ist nicht schlecht, aber in wie fern kann ich noch meiner Wahrnehmung vertrauen. Und dann kommen immer wieder diese Schmerzen. Was machen die mit mir und warum bestrafen sie mich dafür, dass ich mir aus Verantwortung heraus Hilfe holte?<br />
Mein Arzt und mein Therapeut sind entsetzt. Sie können nicht verstehen, wie diese Frau so Berichte schreiben kann. Wie sie anvertraute Dinge, die der Therapie und Beratung gelten „veröffentlichen“ kann.<br />
Ich stelle fest, dass ich in zwei Welten lebe. In der einen Welt zeige ich mich stark und selbstbewusst. Ich spalte mich ab,  heute anders als früher, aber mit dem gleichen Ziel: Überleben!<br />
Wenn ich alleine bin und nachts im Bett, dann werde ich weich und verletzlich. Dann weine ich stundenlang. Flashbacks ohne Ende. Hätte ich die in der Form, wenn ich dieses Verfahren nicht am Hals hätte?<br />
Nicht ohne Ironie stelle ich fest:<br />
Was macht das schon? Jetzt kann ich doch wenigstens anwenden, was ich in der Therapie gelernt habe. Tresor, sicherer Ort, Imaginationen, innere Kind Arbeit. Jetzt weiß ich wofür es gut war.<br />
Mühsam und hart war der Weg nach innen und die Erweckung verschütteter Gefühle. Ich musste lernen, meine Gefühle zuzulassen. Jetzt muss ich sachlich sein.<br />
Das ist verdammt viel verlangt bei soviel Schmerz, aber ich nehme auch dies in Kauf.</p>
<p>Ja, sehr geehrte Damen und Herren in Berlin. Ein Fall wie meiner kostet den Staat richtig Geld. Geld, welches an anderer Stelle bestimmt sinnvoller wäre. Sollte nicht den Betroffenen geholfen werden, anstatt sie durch staatliche Willkürmassnahmen aufgrund ihrer seelischen Erkrankungen, zu entrechten und zu entwerten?<br />
Wo werden bei uns die Menschenrechte geachtet?<br />
Warum müssen wir als Betroffene den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen, um Gehör zu bekommen?<br />
Was sind in diesem Staate die Grundrechte wert, außer dem Papier, worauf sie gedruckt sind?<br />
Alles Makulatur?<br />
Ich habe von Politik keine Ahnung, aber ich fühle!<br />
Ich bin keiner Partei zugehörig und werde es nie sein, denn ich bewahre mir mein Recht auf freie Meinung!<br />
Ja! Ich habe alles im Griff !  Oder&#8230;. alles hat mich im Griff ?</p>
<p>Noch erwähnenswert, bisheriges mündliches Ergebnis des Gutachters bezüglich unserer Erziehungsfähigkeit:<br />
Nach unserer Exploration, die zweieinhalb Stunden andauerte, äußerte er sich dahingehend, dass eine Fremdunterbringung unserer Tochter nicht in Frage kommen würde. Er würde zwar die Probleme in unserer Beziehung sehen, aber auch, dass wir sehr verantwortlich damit umgehen.<br />
Nach der Exploration unserer Tochter, die auch zwei Stunden dauerte, meinte er, dass sie von meinen Krankheiten ( Alkohol und Magersucht) wohl nichts mitbekommen hat. Sie wäre ein gesundes Kind und er kann keine Kindeswohlgefährdung feststellen. Würden Eltern mit so einem Kind bei ihm in der Praxis auftauchen, weil das Jugendamt es will, so würde er eine Behandlung ablehnen. Er versteht die Berichtslage des Jugendamtes und der Familienpflegerin nicht, da er uns anders erlebt.<br />
Mein Problem jetzt: In wie fern kann ich dem glauben. In der Tat habe ich Angst vor dem schriftlichen Gutachten. Er kennt meine Biographie und was kann er mir daraus machen?<br />
Beispiel: Jede verantwortungsbewusste Mutter klärt ihr Kind bezüglich Gefahren, die von außen kommen können, auf. Ich habe meine Kinder immer dazu angehalten, nie mit einem fremden mitzugehen, nie irgendwo in ein Auto zu steigen, bestimmte Wege nicht zu benutzen, mir immer zu sagen, wo sie hin gehen. Unsere Tochter erzählte dem Gutachter, dass ich es nicht so gerne habe, wenn sie mit dem Fahrrad zu einer bestimmten Stelle fährt. Sie muss durch unbebautes und bewaldetes Gelände. Jetzt habe ich Bedenken, dass er mir möglich übertriebene Ängste diagnostiziert, die dazu führen, dass ich mein Kind in der Entwicklung zur Selbstständigkeit behindere.</p>
<p>Ja, so ist das! Die Veröffentlichung meiner Diagnosen und meiner Biographie kann mir zum Verhängnis werden. Muss nicht, aber kann, und davor habe ich Angst. Einem psychisch erkrankten wird nicht geglaubt. Abgestempelt und in eine Schublade gesteckt.</p>
<p>Ich kann nicht mehr vertrauen, am wenigsten meiner Wahrnehmung.<br />
Was die Familientherapeutin geleistet hat, hat alles, was ich in den letzten Jahren mühsam gelernt habe, zunichte gemacht.</p>
<p>Marianne</p>

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		<title>Sexueller Missbrauch im Sport &#8211; Was ist ein demoliertes Leben wert?</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 11:24:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[– Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein ehemaliger Sportler, der als Jugendlicher beim Hamburger Sportverein sexuell missbraucht worden war, machte seine Geschichte vor einem halben Jahr auch öffentlich und erhoffte sich davon „eine Art Befreiung“ – nicht zuletzt auch durch eine entlastende Entschuldigung von der heutigen HSV-Vereinsführung. Was aber folgt, ist ein monatelanger Horrortrip – ernüchternd wie erschreckend… Eigentlich kann ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein ehemaliger Sportler, der als Jugendlicher beim Hamburger Sportverein sexuell missbraucht worden war, machte seine Geschichte vor einem halben Jahr auch öffentlich und erhoffte sich davon „eine Art Befreiung“ – nicht zuletzt auch durch eine entlastende Entschuldigung von der heutigen HSV-Vereinsführung. Was aber folgt, ist ein monatelanger Horrortrip – ernüchternd wie erschreckend…<span id="more-4019"></span></p>
<p>Eigentlich kann ich gar nicht schreiben. Jedenfalls jetzt nicht. Dazu fühle ich mich viel zu beschissen. Seit Monaten quälen mich nachts Alpträume, aus denen ich schweißgebadet aufwache, tagsüber kommen bisweilen zermürbende Migräne-Attacken dazu. Ständige Begleiter sind meine endlose Grübelschleifen, Schlaflosigkeit und Gereiztheit. Dieser Mann ist arbeitsunfähig, darf man annehmen. So ist es und so fühle ich mich auch. Krank, arbeitsunfähig und außer Stande zu schreiben. Aber genau das scheint die einzige Methode zu sein, um mit dieser dauerhaften Krise umzugehen, die vor einem halben Jahr ihren Anfang nahm – und über deren Vorgeschichte ich auch schon im März nicht schreiben wollte, weil ich mir das nicht zutraute. Deshalb überließ ich es einem befreundeten Journalisten, mein demoliertes Leben auf Zeitungsseitenlänge zu verdichten. Es ist ihm großartig gelungen, auch wenn die Lektüre manchem Leser gewiss die Stimmung vergällen dürfte. Denn darin geht es ziemlich unappetitlich zu. Kaum zutreffender dürfte deshalb der Titel sein – <a href="http://www.abendblatt.de/sport/article1515386/Ausgeliefert.html" target="_blank"></a></p>
<p><strong>„Ausgeliefert“…</strong><a href="http://www.abendblatt.de/sport/article1515386/Ausgeliefert.html" target="_blank"><br />
</a><br />
„Als Siebenjähriger wird David Mandler (Name v.d.R. geändert) von einem Bauarbeiter sexuell missbraucht und mit diesem Trauma von seinen Eltern allein gelassen. Seine Mutter ist zu schwach und sein cholerischer und gewalttätiger Vater, nach sieben Jahren Konzentrationslager ein gebrochener und schwer traumatisierter Mann, hält seinen Sohn für einen Versager, demütigt und schlägt hin. Den Respekt und die Anerkennung, die ihm sein Vater versagt, erhofft sich David durch den Sport beim HSV. „Uns Uwe“ knallte dem jungen Keeper damals beim Training in Ochsenzoll sogar ein paar Bälle aufs Tor. Dann wird David von einem Schulfreund zu den Schwimmern und Wasserballern vom HSV gelockt. Doch dort vergeht sich der damalige Trainer mehrfach sexuell an David, schlägt ihn dabei brutal. Er unternimmt auch nichts dagegen, wenn David von seinen Sportkameraden gemobbt, gedemütigt und begrapscht wird. Diese körperlichen und seelischen Grausamkeiten – und Suizid-Gedanken – begleiten ihn bis heute. Ohne eine therapeutische Langzeitbehandlung wäre David Mandler vermutlich längst tot.</p>
<p>Stimmt. Auch wenn solche Gedanken den Allermeisten absurd erscheinen mögen, werden Menschen, die im Kindesalter sexuell missbraucht wurden, von derlei Abgründen lebenslang begleitet. Fragen Sie mal den Autoren der „Ausgeliefert“-Geschichte, er kennt mich seit über zwanzig Jahren, ob er sich derartig selbstzerstörerische Seelennöte von mir vorstellen konnte. Er konnte nicht. Jedenfalls bis vor sechs Monaten. Bis dahin hielt er mich, wie wohl viele andere auch, für einen witzig-gescheiten und selbstbewussten Kerl, der hin und wieder zwar über die Strenge schlug, ansonsten aber ein sympathischer Kollege war. Jetzt weiß er, was mir widerfahren ist: dass hinter meiner zumeist fröhlichen Fassade eine demolierte Seele haust. Wie demoliert, ist mir seit Anfang März fast jeden Tag und jede Nacht bewusst geworden. Getrieben und ermutigt von den zahllosen Missbrauch-Skandalen habe auch ich meine Geschichte öffentlich machen wollen und mir davon eine Art Befreiung und Erlösung erhofft. Was jedoch folgt, ist ein monatelanger Horrortrip, der gleichwohl dazu taugen würde, mit „Ausgeliefert“ überschrieben zu werden.</p>
<p>Denn statt den Artikel, wie versprochen, im April zu veröffentlichen, werden angekündigte Druckzusagen immer wieder verschoben und meinen telefonischen Nachfragen ausgewichen. „Leider müssen wir Prioritäten setzten“, bittet mich eine leitende Redakteurin um Verständnis. Soso. Stattdessen gibt es dieses Mal eine ganze Seite über Thomas Gottschalk. Zum Totlachen. Weitere Wochen vergehen und Drucktermine weiter verschoben. Ende Mai endlich erscheint die Geschichte – aber nur für ein paar Stunden in der Online-Ausgabe der Zeitung. Erst nach einem internen Redaktionskrach wird „Ausgeliefert“ Anfang Juni auch in gedruckter Form veröffentlicht. Der Krach muss heftig gewesen sein, denn selbst der überraschende Rücktritt des Bundespräsidenten, Horst Köhler, konnte meine Geschichte an diesem Tag nicht von dieser für derlei Prioritäten reservierten Seite verdrängen.</p>
<p>Ohne therapeutische Hilfe hätte ich dieses ohnmächtige Warten mit allzu vielen unerquicklichen Tagen und Nächten kaum ausgehalten – mit den immer gleichen Alptraum-Szenarien, aus denen ich schweißgebadet aufwache, in denen sich die Demütigungen durch den Trainer wiederholen, ich dabei sein Narbengesicht sehe mit dem sadistischen Ausdruck darin und sein starrstierendes Glasauge. Sogar sein pomadiger Körpergeruch ist wieder da. Ich höre seine Stimme und die der anderen Peiniger, die mich verhöhnen und begrapschen. Tagsüber umkreisen meine Gedanken diese Alpträume, manchmal kommen enervierende Cluster-Kopfschmerz-Attacken dazu. Trotzdem fühlt sich die Veröffentlichung gut an. Immerhin lässt sich HSV-Vorstand Oliver Scheel darin verheißungsvoll zitieren: „Das ist eine tragische Geschichte, von der wir nichts wussten. Wir möchten ihm unsere Betroffenheit und unser Mitgefühl ausdrücken. Das würden wir ihm auch gern persönlich sagen“. Es wird aber noch sehr lange dauern, bis ich Oliver Scheel persönlich gegenübersitze. Denn wochenlang geschieht wieder nichts. Auch nicht, als am 23. Juni in einem ARD-Nachrichtenmagazin über meinen Fall berichtet und HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel vor laufender Kamera vollmundige Absichtserklärungen abgibt.</p>
<p>Ebenso bleibt der erhoffte Beistand von Freunden und anderen mir nahestehenden Menschen aus oder hält sich in Grenzen. Ein renommierter Theaterregisseur, durchgeistigter Qi-Gong-Lehrer und praktizierender Zen-Buddhist empfahl mir nachhaltiges Meditieren im Lotussitz auf einem bequemen Kissen. Dagegen fiel einem einst weltberühmten deutschen Leichtathleten und Sportpädagogen eine eher handfestere dazu Anekdote ein: „Als mir früher mal so einer an die Wäsche wollte, habe ich ihm ordentlich eine reingehauen.“ Und „auf eine Tasse Kaffee“ wollte sich Sportjournalist und Ex-Fussballprofi mit mir treffen, nachdem er „Ausgeliefert“ auch gelesen hatte. Seither habe ich von den dreien nichts mehr gehört. Ein anderer Begleiter aus meinem Leben kann mit meinem Problem auch nicht viel anfangen. „Was soll das Lamentieren, du hast doch in deinem Leben enorm viel erreicht“, ließ er mir über einen gemeinsamen Freund, den Zen-Buddhisten, ausrichten. Mir nichts ausrichten ließ HSV-Vorstandsfrau Katja Kraus, als sie im März von meinem Fall erfuhr und telefonisch bei der Zeitungsredaktion sondierte, ob und welch Ungemach dem HSV drohen könnte.</p>
<p>Ein geschätzter Hamburger Facharzt, mit dem ich damals beim Hamburger Sportverein zusammen Wasserball gespielt habe, hielt sich ebenfalls bedeckt, wollte nicht viel sagen. Vor allem aber wollte er anonym bleiben. „Unser Trainer war kein Kumpeltyp. Ich habe ihn nie als distanzlos empfunden“, erzählte der Internist dann doch dem „Ausgeliefert“-Autoren am Telefon. Ich habe den Trainer Kurt S. völlig anders in Erinnerung: Er gab den Kumpeltyp und ließ sich von uns duzen, wozu er uns ausdrücklich aufforderte. Wir nannten ihn nur Kurt, der auf unseren beiden Frankreichreisen zuweilen schon mal die Sau raus ließ – wie in einer Apotheke: Dort nahm er plötzlich sein Glasauge heraus, legte es auf den Tresen und blaffte die Französin dahinter an: „Soll ich hier auf den Tisch scheißen oder krieg ich dafür Tropfen?“ Mir war‘s entsetzlich peinlich, die anderen Jungs kicherten. Diese Lachnummer zog er nicht nur einmal durch. Zuweilen prahlte er mit Kriegserlebnissen. Wie er als Panzerfahrer in Russland aus Jux mit dem Maschinengewehr eine Schafherde niedergemäht, dabei einen Widder aber nur verwundet hätte. Als das „wie eine abgestochene Sau“ blutende Tier in seiner Agonie noch versuchte, ein bereits totes Schaf zu begatten, hätte er ihm mit dem MG den Rest gegeben. Dieser Mann war ganz und gar nicht distanzlos, wie mein ehemaliger Sportkamerad sich zu erinnern vorgibt. Kurt S. hatte damals einen harten Kern aus drei Brüderpaaren um sich versammelt, der ihm ebenso widerspruchslos Gefolgschaft leistete, wie die meisten der anderen auch, die in der Trainergunst standen und sich bisweilen gern mal an demütigenden Schabernacks mit mir beteiligten. Ein Schwimmtrainer, der an weiblichem Nachwuchs nicht interessiert ist, dürfte verwundern. Damals jedoch fiel keinem auf oder wurde hinterfragt, warum dieser HSV-Trainer schwimminteressierte und selbst talentierte junge Mädchen beim Training kaum beachtete oder links liegen ließ. Dass die allermeisten damals, bis auf zwei Teenies, nicht wiederkamen, erstaunte mich nicht. Denn Kurt S. war nur an Jungs interessiert, die er bei Rundtouren mit seinem roten VW-Bus in Hamburger Schwimmbädern gelegentlich ansprach&#8230;</p>
<p>Wie einen Dreizehnjährigen in einem Walddörfer Freibad und ihn in sein Schwimmteam zu locken versuchte. Der Junge lehnte das Angebot von Kurt S. ab. „Ich mochte den Kerl mit dem Glasauge nicht“, erinnert er sich an die Begegnung mit dem HSV-Trainer. „Außerdem spielte ich schon recht erfolgreich Badminton.“ Diesen Jungen habe ich Jahre später in einer Studenten-Wohngemeinschaft kennen gelernt. Seither sind wir Freunde und wissen viel voneinander – wie auch von unseren unterschiedlichen Begegnungen mit Kurt S.. Andeutungen von der finsteren Seite dieses Mannes habe ich ihm erst vor einigen Jahren gemacht. Seit der Lektüre von „Ausgeliefert“ kennt er die ganze Geschichte. Vor der Veröffentlichung fragte ich ihn nach seiner Einschätzung. „Lass es sein“, empfahl er mir. „Du kriegst nur Ärger.“ Wie recht er hatte. Dieser Freund, ein lebenstüchtiger und welterfahrener Mann, kann nicht verstehen, warum ich mich dennoch darauf eingelassen habe. Er findet das alles „einfach nur zum kotzen und widerlich“ und will am liebsten damit auch nichts zu tun haben. Kürzlich erzählte ich ihm von vom jähen Schwund von Freunden und Bekannten und wie sich dieser kollektive Rückzug für mich anfühlt. Da verwies er mich auf die kreativen Kräfte, die derlei Seelentiefs innewohnen: „Das kennst du doch. Außerdem hast du doch deine Frau.“ Stimmt. Ohne diese Frau hätte ich das alles nicht durchgestanden. Sie ist die Einzige, die mein seit Monaten aus den Fugen geratenes Leben und die Pein nachempfinden kann und sich nicht abwendet. Gleichwohl, auf ihrem Leben liegt auch ein Dauerschatten. Sie wurde einst von ihrem Ex-Mann vergewaltigt. Damit wollen ihre Mutter und Schwestern partout nichts zu haben und bevorzugen ein kollektives Schweigen.</p>
<p>Zwar gibt es noch ein paar Menschen, die hartnäckig zu mir halten, die meisten aber sind inzwischen geflüchtet. Es scheint wohl immer noch so zu sein wie vor fünfzig Jahren, als viele Eltern ihrem Nachwuchs streng verbot, mit Kindern zu spielen, die einem „Mitschnacker“ in die Hände gefallen waren. Auch mir scheint etwas anzuhängen, was viele so sehr zu beunruhigen scheint, dass sie sich abwenden. Wie meine Mutter und Schwestern. Die halten ihre ganz private Omertá, das Gesetz des Schweigens, schon seit Jahrzehnten wacker durch. Wer die Omertá bei der Maifa oder Cosa Nostra bricht, ist bekanntlich des Todes. Auf mich dürfte nun wohl kaum ein Auftragskiller angesetzt werden. Das wäre auch gar nicht nötig. Denn bisweilen sind Missbrauchsopfer derartig traumatisiert, dass sie ihr Leben freiwillig beenden, oder frühzeitig über Umwege via Alkohol oder andere Drogen. Gedanken an einen selbstbestimmten Tod erscheint für manche Betroffene der einzige Ausweg aus den nächtlichen Alpträumen und den quälenden Tagträumen zu sein, den Schüben von Selbstzweifeln an einem von Scham- und Schuldgefühlen beladenen Leben, das sie irgendwie nicht gebacken kriegen. „Sexueller Missbrauch im Kindesalter raubt den Betroffenen die Würde und hinterlässt ein lebenslang zerstörtes Selbstwertgefühl, also die wichtigsten Grundlagen fürs Leben“, erklärt Psychoanalytiker Ansgar Dickow. „Gleichzeitig sind Würde und Selbstwertgefühl das, was das Leben lebenswert macht.“</p>
<p>Wie sich ein Leben ohne diese Zutaten anfühlt, weiß ich. Nicht aber, wie sich ein Leben mit derlei Segnungen anfühlt. Was ich mühsam gelernt und verinnerlicht habe, ist etwas, was den allermeisten Betroffenen, durch ihr Trauma verdrängt oder bis zur Unkenntlichkeit verharmlost, lebenslang verschlossen bleibt: Dass die Ursache, warum sie ihr sich so beschissen anfühlendes Leben nicht gebacken kriegen, nicht das wie ein Mantra selbstbeschworene eigene Versagen und Unvermögen ist, sondern die noch immer schwärenden Seelenwunden von einst durch einen psychisch gestörten Täter. Dieses lebenslange Handicap ist Betroffenen kaum anzusehen, denn Verdrängung, Verharmlosung und Vertuschung funktionieren perfekt. Wie bei mir Jahrzehntelang auch. Ich habe sogar meinen Vornamen geändert und eine einleuchtende Erklärung für die Unterarm-Narben der mir vor Jahrzehnten selbst zugefügten Schnittwunden. Nichts sollte an damals erinnern.</p>
<p>Dieser „Schutzmechanismus“ funktioniert bei mir nicht mehr. Umso mehr bei vielen anderen Menschen, bei denen sich der Verdrängungsapparat sogar als verblüffend anpassungsfähig erweist. Das nimmt zuweilen paradox anmutende Formen an: Dieselbe Zeitung, die sich bei der Veröffentlichung und Weiterverfolgung meiner Missbrauchsgeschichte so schwer tut, prangert am 13. Juli in einem Leitartikel („Es fehlt das Wort an die Opfer“) das erschreckende Versagen der Verantwortlichen an und dass „damit endlich Schluss sein muss“. In seiner Schelte zitiert der Leitartikler Auszüge aus dem Sondergutachten der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin und Grünen-Politikerin Andrea Fischer über die Missbrauch-Vorfälle im Berliner Canisius-Kolleg: „Zu keiner Zeit wurde an die Kinder und Jugendlichen gedacht und Sorge getragen, ihnen zu helfen“. Das mahnt der Journalist besonders für den aktuellen Umgang mit Betroffenen an, dass endlich etwas für die Opfer getan werden muss. In derselben Zeitung plaudert HSV-Präsident Bernd Hoffmann über seinen Seilakt zwischen knallhartem Manager, verantwortungsvollem Menschen und Familienvater von vier Kindern, denen er eine „hohe Sozialkompetenz“ nachsagt. Über sich selbst sagt der bekennende Katholik: „Ich bin ein harmoniesüchtiger Mensch und kann schlecht in Streit leben. Ich will Dinge schnell ins Reine bringen.“  Hört, hört. Als Bernd Hoffmann der Zeitung das Interview gibt, müsste er eigentlich von den Missbrauchsvorwürfen gegen seinen Verein gewusst haben.  Schließlich hatte sich seine Kollegin Kraus bereits im März telefonisch danach erkundigt. Doch die beiden bleiben in Deckung, schicken Vorstandskollegen Oliver Scheel vor. Er soll sich mit mir treffen und die Lage ausloten. Nach seinem und meinen Fernseh-Auftritt in dem ARD-Nachrichtenmagazin bleibt ihm auch gar nichts anders übrig. Doch bevor es zum ersten Treffen mit mir kommt und ich Oliver Scheel gegenübersitze, vergehen wieder Wochen, werden wieder Termine mit mir storniert. Einige Tage vor dem Treffen mit mir erzählt er dem Autoren meiner Geschichte von seinem Unbehagen: „Als das damals passierte, war ich noch nicht einmal geboren.“ Ich schon. Was mit mir damals beim Hamburger Sportverein geschah, hat mich und mein Leben für immer geprägt. Schwer zu glauben, dass ich ein Einzelfall bin. Denn dieser inzwischen gestorbene Mann war über zwanzig Jahre lang als Schwimm- und Wasserball-Trainer tätig.</p>
<p>Auch auf diese beunruhigende Facette weise ich Oliver Scheel auch hin, als wir uns endlich am 6. August nachmittags im Café-Garten eines Olympia-Stützpunktes an einem ruhigen Tisch gegenübersitzen. Bei herrlichem Sonnenschein breite ich vor diesem fremden Mann mehr als zwei Stunden lang mein Leben aus, erzähle ihm detailliert von den Grausamkeiten in seinem Verein, und wie sehr  mich auch die zurückliegenden Monate des Wartens auf das Treffen mit einem HSV-Vertreter enerviert und haben. Meine Geschichte geht ihm nahe. Es ist ihm anzusehen. Als wir uns am Gesprächsende verabschieden und die Hand reichen, verspricht Oliver Scheel, umgehend mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus zu sprechen. Danach wollen wir uns nochmals treffen. Ich gebe ihm meine Telefonnummer, damit er mich nun persönlich erreichen kann, gebe ich ihm meine Telefonnummer. Aber er ruft nicht an. Dafür lässt er mir ein paar Tage später telefonisch ausrichten, dass er dafür leider erst am 18. August Zeit hätte. Dass dieses Treffen nicht zustande kommt, erfahre ich erst tags zuvor am Nachmittg und wieder nicht von Oliver Scheel persönlich. Er lässt es mir wieder nur ausrichten. Dabei erfahre ich, dass er noch gar nicht mit seinen beiden Kollegen über den Fall gesprochen hat. Das sei leider erst am 20. August im Rahmen einer turnusmäßigen Vorstandssitzung möglich, wie mir Oliver Scheel am Tag vor dieser Sitzung dann doch noch persönlich am Telefon erklärt, und er sich dann mit mir am 1. September noch einmal treffen möchte.</p>
<p>Wie’s beim Vorstandspalaver der drei HSV-Topmanager zugeht, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass an diesem Freitagnachmittag auch mein Fall abgearbeitet und irgendwann wohl auch über eine eventuelle Entschädigung beraten werden dürfte. Klingt doch gut, möchte man meinen. Wirklich? „Aber meine Damen und Herren, das ist doch alles schon so lange her und längst auch schon verjährt&#8230;“, klingen mir die Worte von Erzbischof Robert Zollitsch in den Ohren. Dabei sprach der Kirchenfürst im vergangenen Frühjahr doch nur das vor laufenden Kameras verständnisheischend aus, was viele, und nicht nur seine Glaubensbrüder, denken und hoffen. Das Gesetz gibt ihnen weitesgehend Recht, denn spätestens nach 20 Jahren sind derlei Untaten und Schadenansprüche verjährt. Aber mit dieser gesetzestreuen Haltung kommt man heute nicht mehr so gut an und auch nicht mehr so leicht durch. Kriminalpolizei und Staatsanwalt ermitteln inzwischen auch in vorgeblich verjährten Fällen. – Und seit ihnen allerorten die Kundschaft in Scharen davonrennt, hat das auch Erzbischof Zollitsch kapiert und rudert ebenso heftig zurück wie seine katholischen und evangelischen Kollegen, wiewohl die Vorstandriegen vieler Elite-Internate und Rektorenschaften anderer ins Zwielicht geratener Lehranstalten. Das wissen bestimmt auch Bernd Hoffmann, Katja Kraus und Oliver Scheel. Gewiss wird keiner von den Dreien wollen, dass der renommierte Hamburger Sportverein oder gar sie selbst Schaden nehmen könnten. Aber allzu ernst und wichtig scheinen sie den degoutanten Zwischenfall aus der so ruhmreichen Vereinsgeschichte nicht zu nehmen – ebenso wie die Nöte, in die sie mich mit ihrem Verhalten bringen. Da sitzen sie nun und palavern, was ihnen mein demoliertes Leben wert ist, das beim HSV zu Schaden kam, als sie selbst noch ein Kleinkind oder noch gar nicht geboren waren. „Ich bin von dieser Welt!“ – sagt einer von sich, den nichts mehr so schnell erschüttern kann, und weil er die Welt bereist hat, auch mit so ziemlich allen Wassern gewaschen ist. Dann bin erst recht von dieser Welt, denn überdies liegen noch überdurchschnittlich viele seelische Geister- und Achterbahn-Fahrten, Prügel sowie sonstige Demütigungen und Kränkungen hinter mir. Aber diese wahnwitzige Wert-Schätzung, wie viel drei Fremden meine geraubte Würde und Selbstwertgefühl wert sind, geht mir dann doch mächtig unter die Haut und nimmt seit diesem Freitag einen Spitzenplatz in meiner ganz persönlichen Schmerz-Tabelle ein.</p>
<p>Denn an diesem 20. August sitzt ein sechzigjähriger Mann daheim und muss ohmächtig den Aberwitz ertragen, wie andernorts diese drei Fremden um ihn, ums Geld feilschen. Zum Lachen ist das eigentlich nicht. Der alte Mann lächelt dennoch, weil ihn dieser Moment an zwei ähnlich groteske Situationen in seinem Leben erinnert: Als sein Vater ihn einmal ganz besonders nachhaltig verdrischt, erzählt er dem weinenden und aus der Nase blutenden Bub, dass er keinen Mucks von sich gegeben hätte, selbst dann nicht, wenn ihn sein Vater „halbtot schlug“. Und was denkt der ebenfalls Prügel gewohnte Zehnjährige? „Dann hab‘ ich ja diesmal ein richtig gutes Geschäft gemacht.“ – Ein paar Jahre später im sommerlichen Villeneuve sur Lot, einer südfranzösischen Kleinstadt in der Nähe von Limoges: Der inzwischen 15-jährige sitzt im Café-Garten des Schwimmstadions „Piscine de Schreiber“ an einem Bistro-Tisch. Ein paar Meter weiter, im supermodernen 50-Meter-Becken, trainieren sie unter den Augen von Kurt mehrmals täglich. Jetzt aber haben alle frei und er sitzt derweil nervös der bezaubernden Geneviève gegenüber. Das hübscheste Mädchen weit und breit, wie die anderen Jungs sagen. Ausgerechnet ihn hatte das dunkelhaarige Mädchen vorhin beim Training angesprochen und sich mit ihm hier verabredet. Ausgerechnet mit dem, wie mein anonym bleiben wollender Ex-Sportsfreund damals vermutlich auch gedacht haben dürfte, der ihm „die heiße Ische“, so wie er Geneviève bezeichnete, wohl nicht zugetraut hatte. Die beiden flirten und blättern dabei emsig in einem Dictionnaire, als plötzllich drei Jungs aus seiner Schwimmtruppe am Tisch erscheinen und ihm nacheinander anerkennend die Hand schütteln und dabei so was wie „wegen Geneviève“ murmeln. Ausgerechnet ihm, für den sie bisher nur Schmähungen und Demütigungen parat hatten, woran sich der alte Mann noch sehr gut erinnern kann. Wenn es für ihn heute in der HSV-Vorstandsstizung doch noch etwas wie ein kleines Happyend geben sollte, bleibt ihm Hartz IV vielleicht erspart. Wenn nicht, muss er sich wahrscheinlich so lange als Lohnschreiber durchschlagen, bis ihm der Griffel aus der Hand fällt. So lange muss er sich wohl auch mit diesem Spitzenplatz aus seiner ganz privaten Schmerztabelle  rumplagen.</p>
<p>„Die wollen immer nur reden. Die wollen gar kein Geld“, erzählte mir kürzlich ein Insider über die Auswertungen der Hotlines für Missbrauchsopfer. Kaum verwunderlich. „Allein schon die Überwindung ihrer Scham- und Schuldgefühle und nach jahre- oder jahrzehntelangem Verdrängen und Schweigen plötzlich zu reden, erfordert ihre ganz Kraft“, sagt Psychoanalytiker Ansgar Dickow. Aber wer weiß das schon oder will wissen, welchen Schaden dieser menschliche Makel wirklich anrichtet und was dieser kostet. Bei mir dürfte bislang eine sechsstellige Summe  zusammengekommen sein. Darin sind nicht die entgangenen und kaum schätzbaren Wertschöpfungen enthalten, die mir, den so genannten Co-Betroffenen und infolgedessen dem Gemeinwesen zugute gekommen wären. Ganz zu schweigen vom moralischen Kollateral-Schaden. Die Liste der inzwischen bekannt gewordenen Täter und Tatorte ist lang wie entsetzlich – sie offenbart, dass dieses Unheil überall und jederzeit über Kinder und ihre Familien hereinbrechen kann. Wie und wie viele derartig zerstörte Familien in Deutschland leben, ist kaum bekannt und erforscht. Dabei lohnt sich ein Blick ins Detail: Jedes Jahr werden in Deutschland durchschnittlich 650.000 Kinder geboren, denen hoffentlich auch ein verheißungsvolles Leben bevorsteht. Denn das ist keineswegs gewiss. Zwar werden alljährlich „nur“ etwa 15.000 sexuelle Missbrauchsfälle angezeigt, doch Experten gehen von einer Dunkelziffer von etwa 300.000 Fällen im Jahr aus. Wer käme bei diesem Wahnsinn in Zahlen nicht ins Grübeln.</p>
<p>Dazu hatte ich sehr viel Gelegenheit im vergangenen halben Jahr. Mich lässt dieses Thema nicht los, wofür der HSV-Vorstand durch seinen wenig einfühlsamen Umgang mit mir schon sorgt. Selbst eine Woche nach der Vorstandssitzung, weiß ich noch immer nicht, wie die Wert-Schätzung meines demolierten Lebens ausgefallen ist.</p>
<p>„Würden Sie nicht doch mal wieder gerne live bei einem Heimspiel vom HSV dabei sein?“, fragt mich Oliver Scheel am Ende unseres ersten Treffens. „Eine Freikarte wäre gewiss kein Problem.“ Seltsam, denke ich in diesem Moment: Mit Fussball beim HSV hatt’s doch damals alles angefangen. Mit Uwe Seeler, meinem Idol, dem ich nacheifern wollte. Nur wegen „uns Uwe“ bin ich zwei- oder dreimal in der Woche mit der Bahn Riesenstrecken nach Ochsenzoll zum Training oder zu Punktspielen gefahren. Für Hin- und Rückweg brauchte ich jedes Mal fast drei Stunden. Das hat mich aber nie gejuckt. Denn für mich gab es nichts schöneres, als eine „Rothose“ zu sein. Auch heute noch schlägt mein Herz für den HSV. Das sage ich Oliver Scheel auch. Ob ich mal wieder ins Stadion gehe, will ich jetzt nicht entscheiden: „Das liegt in Ihrer Hand.“ Seit dem 1. September weiß ich, dass ich mir nie wieder ein HSV-Spiel im Stadion anschauen werde. Denn an diesem Nachmittag eröffnet mir Vorstandsmitglied Oliver Scheel, dass mein demoliertes Leben für den Hamburger Sportverein  nichts wert ist. Außer einer Freikarte.</p>

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		<title>&#8220;In Gottes Namen&#8221; oder &#8220;Der Aufschrei von uns&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jul 2010 11:46:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 3.07.2010 wurde zum wiederholten Male der Film &#8221; In Gottes Namen &#8220; im hr Fernsehn der Sendereihe &#8220;Die 10 Gebote&#8221; von Catherina Gilles ausgestrahlt. Der Film erzählt in kurzen Abschnitten den Leidensweg meiner Schwester. Im Film heißt sie Anna. Ich heiße im Film Karin und es gibt einzelne Szenen mit mir und meiner Schwester. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 3.07.2010 wurde zum wiederholten Male der <a href="http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=49444&amp;mediakey=fs/horizonte/20091017_horizonte&amp;ke=&amp;type=v&amp;key=standard_document_37815490" target="_blank">Film &#8221; In Gottes Namen &#8220;</a> im hr Fernsehn der Sendereihe &#8220;Die 10 Gebote&#8221; von Catherina Gilles ausgestrahlt.<br />
Der Film erzählt in kurzen Abschnitten den Leidensweg meiner Schwester. Im Film heißt sie Anna. Ich heiße im Film Karin und es gibt einzelne Szenen mit mir und meiner Schwester.<span id="more-3613"></span><br />
Nach Sendung des Filmes im Oktober 2009 erschien eine anonyme Anzeige bei der Kripo in Giessen. Meine Schwester und ich wurden als ZeugInnen vernommen. Ich sagte  fünf Stunden bei der Kripo aus. Die Ermittlungen wurden leider auf Grund der Verjährungsfristen eingestellt. Meine Eltern, zu denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr habe, haben ihr Haus verkauft und sind an einen unbekannten Ort verzogen. Wer den Film sehen möchte, kann das über den <a href="http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=49444&amp;mediakey=fs/horizonte/20091017_horizonte&amp;ke=&amp;type=v&amp;key=standard_document_37815490" target="_blank">Sender im Netz tun</a>. Vorsicht! der Film kann triggern.<br />
Danke fürs Lesen<br />
Heike</p>

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		<title>Ich habe das Lachen in den Augen verloren</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/07/07/ich-habe-das-lachen-in-den-augen-verloren/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Jul 2010 13:31:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[ich wurde in meiner Kindheit von einem Freund meiner Eltern sex. Missbraucht über viele Jahre und von meinen Eltern wurde ich schwer misshandelt. Ich bin immer abgehauen von zu Hause und als die Polizei mich immer wieder nach Hause gebracht haben-ich war ja erst 13 Jahre. Es gab richtig prügel.. dabei sehnte ich mich nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ich wurde in meiner Kindheit von einem Freund meiner Eltern sex.  Missbraucht über viele Jahre und von meinen Eltern wurde ich schwer  misshandelt. Ich bin immer abgehauen von zu Hause und als die Polizei  mich immer wieder nach Hause gebracht haben-ich war ja erst 13 Jahre. Es  gab richtig prügel.. dabei sehnte ich mich nach Liebe und Zuwendung die  ich nie bekommen habe.<span id="more-3550"></span> Ich bin gerade 14 Jahre geworden und bin zum  Jugendamt gegangen und kam erst 3 oder 4 Monate später ins Heim. Mit 15  Jahren war ich in psychologischer Behandlung, weil ein Betreuer  mitbekommen hat was mir passiert ist.<br />
Ich war ca 17 Jahre alt, habe meine Eltern und den Freund meiner Eltern  angezeigt.<br />
Mein Eltern glaubten mir nicht und machten keine Aussage. Ich war am  Boden zerstört.</p>
<p>”Wenn so etwas passiert wäre, dann hätte sie doch was gesagt”<br />
wirklich wort wörtlich und nicht anders!</p>
<p>Seit dem habe ich keinen Kotakt mehr zu meinen Eltern.<br />
Ich war noch bis zum 22. lebensjahr in psychologischer Behandlung, mir  ist es deutlich besser ergangen. Ich dachte echt ich binfast geheilt…<br />
Ich bin weit weggezogen, weil mich die Erinnerungen quälten… und ich  alles vergessen wollte… Später habe ich erfahren und auch gesehen das  das Haus wo ich aufgewachsen bin abgerissen wurde. Mein Kinnderzimmer  sehe ich da oben trotzdem noch obwohl das Haus nicht mehr steht. man  kann es trotzdem nicht vergessen obwohl der Ort nicht mehr existiert wo  alles passiert ist.</p>
<p>Jetzt bin ich fast 28 Jahre alt, habe einen Mann an meiner Seite und  ein eine Kleine Tochter. Und ich bin wieder an dem Punkt angelangt, das  innerlich, sehlisch,körperlich, Gefühlsmäßig wieder am Ende bin. In den  letzten Jahren…dadurch das ich älter und reifer geworden bin und  sicherlich sehr sehr viel verdrängt habe. Kommen soviele Sachen hoch die  mir vor einigen Jahren noch nicht bewußt waren. Gerade auch durch die  eigene Familie. Und durch den langersehnten Partner, durch den ich immer  mehr über mich erfahre. Denn nur er kennt mich. Bei allen anderen  konnte ich mich sehr gut verstellen. Nach Außen hin war ich immer  glücklich.  Ich könnte heulen… weil dachte es ist vorbei… doch ich muss  wieder von vorne anfangen.</p>
<p>Es sind soviele Verhaltenstörungen, Gefühlstörungen, Essstörungen und  noch vieles mehr was ich mit meinen Worten gar nicht aussprechen kann  bzw. nicht weiss wie ich es beschreiben soll oder mir auch noch nicht  beußt ist. Und ich dadurch auch sehr große Probleme in meiner Ehe habe.  Mir ist bewußt gworden- es wird nie ein Ende haben…</p>
<p>Die Strafen waren extrem mild…<br />
Ich bereue es sehr das ich mit der Anzeige nicht doch noch ein paar  Jahre gewarte habe… weil erst jetzt stellt sich alles erst raus was es  noch für Folgen hat und scheinbar kann ich nichts mehr unternehmen…  amliebsten wurde ich alles nocheinmal anzeigen. Ich möchte  gerechtigkeit.  Ich würde alles auf mich nehmen und würde dafür ssogar  sterben um das durchzuziehen damit meine Seele befreit weiterleben kann.</p>
<p>Ich habe große Angst das es irgenwann jemand bei meiner Tochter  versuchen will und ich habe Angst das ich Kontrollsüchtig oder ähnliches  werde nur um meine Tochter schützen zu können.</p>
<p>Die Täter sitzen ihre kurze Strafe ab wenn man das überhaupt Strafe  nennen darf…<br />
Und ich oder wir als Opfer haben einfach nicht das Leben was wir  eigentlich hätten Leben dürfen. Und auch meine Tochter und meinem Mann  wird es irgenwie für ihr Leben prägen.</p>
<p>Ich hasse diese Menschen, die weg sehen und etwas wissen aber nicht  helfen.. Denn Kinder sind zu klein um zuverstehen, sie sind zu klein um  zu handeln und sie sind auch zu klein ihr NEIN durchzusetzen.</p>
<p>Nicht mal der Tod wäre eine gerechte Strafe für die Täter!!!</p>
<p>Mein Leben ist geprägt, verstört und gestört.</p>
<p>Ich habe das Lachen in den Augen verloren und werd es wohl nie wieder  bekommen.</p>
<p>Ich hoffe ich gebe mich nicht auf!</p>
<p>Ich freue mich über jede Hilfe oder Vorschläge was ich tun kann..</p>
<p>Sehnsucht (möchte unerkannt bleiben)</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/07/05/was-hilft-ehemaligen-heimkindern-bei-der-bewaltigung-ihrer-komplexen-traumatisierung/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 18:54:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Expertise im Auftrag des Runden Tisches Heimerziehung von Silke Birgitta Gahleitner „Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?“ PDF-Dokument herunterladen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Expertise im Auftrag des Runden Tisches Heimerziehung<br />
von<br />
Silke Birgitta Gahleitner</p>
<p>„Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?“</p>
<p><a href="http://www.rundertisch-heimerziehung.de/documents/RTH_Expertise_Trauma.pdf" target="_blank">PDF-Dokument  herunterladen</a></p>

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		<item>
		<title>Ich lernte zu reden!</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/06/19/3333/</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Jun 2010 14:25:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Mittlerweile sind ja nun die Medien voll gespickt mit Nachrichten über sexuellen Missbrauch, bzw. sexualisierte Gewalt. Und wir wissen alle, dass nicht nur das Umfeld der Kirche Ort des Verbrechens ist!!! Ich sage immer: ein Amstetten gab und gibt es überall und leider auch immer wieder! Ich selber bin eine Betroffene, wurde jahrelang von meinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mittlerweile sind ja nun die Medien voll gespickt mit Nachrichten über sexuellen Missbrauch, bzw. sexualisierte Gewalt. Und wir wissen alle, dass nicht nur das Umfeld der Kirche Ort des Verbrechens ist!!! Ich sage immer: ein Amstetten gab und gibt es überall und leider auch immer wieder! <span id="more-3333"></span></p>
<p>Ich selber bin eine Betroffene, wurde jahrelang von meinem Vater missbraucht (vom 6. &#8211; 17.Lj.), mit 34 Jahren vergewaltigt von einem Fremden&#8230;</p>
<p>Irgendwann verlor ich den Glauben an Gott, der für mich als Kind immer im Mond wohnte, dem ich alles anvertrauen konnte, da ich sonst mit niemandem reden durfte. Aber er “rührte” sich irgendwann nicht mehr und war mir nicht wirklich eine Hilfe. Ich dachte: Gott hat mich verlassen, weil auch er mir die Schuld an all dem gibt. Und ich verstand, warum er nicht mehr für mich da sein wollte.</p>
<p>Erst Jahrzehnte später war ich in der Lage, das Schweigen zu brechen. Ich weiß, wie es ist, wenn man einfach nur fuktionieren muss, wenn die Angst das Leben bestimmt und ein Reden unmöglich macht.</p>
<p>Wie die meisten anderen Betroffenen verlor ich nie ein Wort über meine Vergangenheit, versuchte meinen Kummer und die Angst immer weiter zu unterdrücken und machte alles mit mir selber aus; zu groß waren Scham und Schuldgefühle, und das Leben war unlebbar. Ich lernte meinen Mann kennen, der mir etwas gab, dass ich als Liebe und Vertrauen deklarierte, wurde schwanger, und mehr schlecht als recht ging das Leben mit Mann und Kindern weiter. Jahre später wurde ich plötzlich sehr krank, denn das Verdrängen und Verleugnen der Wahrheit in Verbindung mit der &#8220;Tablettenchemie&#8221; hatten ganze Arbeit geleistet. Psychopharmaka und Cortison gehörten zu meinem Alltag, schon in meiner Kindheit und Jugend.<br />
Zum Teil waren die Erlebnisse sogar in “Vergessenheit geraten” &#8211; abgespalten, um überhaupt überleben zu können.</p>
<p>Doch das Schicksal kreuzte meinen Weg und ich lernte mit 42 Jahren als diensthabenden Notarzt einen Homöopathen kennen. Und ich wusste intuitiv, er würde mir helfen können.<br />
Anfangs noch skeptisch, begab ich mich in die Hände der klassischen Homöopathie. Gestärkt durch die kleinen weißen Kügelchen, verbunden mit gezielt geführten psychologischen Gesprächen durchschritt ich die Höhen und Tiefen der Vergangenheit. Ohne jegliche schulmedizinischen Medikamente überstand ich depressive Phasen und psychosomatische Beschwerden in der Traumabewältigung. Und im Laufe der Zeit wurden Hilflosigkeit, Verzweiflung und verlorener Lebensmut abgelöst von Mut, Zuversicht und zurück eroberter Lebensfreude.</p>
<p>Aber das Wichtigste war: Ich lernte zu reden!</p>
<p>Denn bis dahin hatte ich all meine Gefühle und Gedanken nur schriftlich festhalten können. Das Tagebuch war schon immer mein bester und auch einziger Freund gewesen. Während der Therapie nun wurde das Schreiben auch ein Stück Verarbeitung, bis schließlich der Wunsch aufkam, meine Erfahrungsreise in einem Buch festzuhalten, um anderen Betroffenen Mut zu machen und einen neuen/anderen Weg aufzuzeigen – heraus aus Trauma, Angst und Depression. Denn leider ist es ja, wie Sie selber wissen, immer noch so: interessant ist für die Medien doch meist nur das Umfeld des Täters. Wie die Betroffenen mit all dem umzugehen versuchen, wird bestenfalls umrissen. Ich sage absichtlich &#8220;versuchen&#8221;, denn es ist fast unmöglich, z.B. ziemlich zeitnah einen kompetenten Therapeuten oder überhaupt einen kompetenten Ansprechpartner zu finden. Also versucht man, alleine klarzukommen.</p>
<p>Mittlerweile bin ich 54 Jahre, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Und ich kann offen über das Thema Inzest oder Vergewaltigung reden. Sicher, die Vergangenheit drückt sich immer mal wieder durch, aber ich habe gelernt, ganz gut damit zu leben. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass man durch die Gespräche mit Ebenso-Betroffenen erst wieder das Gefühl bekommt, nicht alleine auf dieser Welt zu sein. Ich sage immer: wer meinen Weg nicht gegangen ist, der kann auch nicht verstehen, wie sexueller Missbrauch das Leben bestimmt, mit einem großen “Rundumschlag” auf Familie und Freunde.</p>
<p>Vor einem 3/4 Jahr konnte ich mein Buch “Kleines Mondkind, hab Vertrauen” veröffentlichen (auch als RadioKöln-Buchtipp im April gelaufen). Mein Wunsch ist es, auch mit diesem Buch vor allem denjenigen, denen ähnlich schrecklicher Schmerz widerfährt oder widerfahren ist, zu helfen, von Herzen mit auf den Weg zu geben, sich zu öffnen, gedanklich, mit Worten und auch in ihrem Handeln. Ich möchte dazu beitragen, die Sichtweise und Sichtweite zu überdenken, den Menschen die Scheuklappen zu nehmen, den Mut zu wecken, das Vertrauen langsam aufzubauen, und vor allem daran zu appellieren, niemals aufzugeben!!!</p>
<p>Das, was mich einerseits immer noch und immer wieder so wütend macht &#8211; nämlich die Tatsache an sich – macht mich auf der anderen Seite zuversichtlich, wenn ich die Nachrichten der letzten Wochen verfolge. Denn nur dann, wenn all das immer mehr öffentlich wird, werden auch immer mehr Menschen ihr Schweigen brechen. Es besteht also noch Hoffnung für unsere Kinder, deren Kinder und eben noch jüngere Betroffene! Prävention und Offenheit sind das A und O, ist meine Meinung.<br />
Und irgendwann werden auch die Petitionen und Briefe an den Gesetzgeber Wirkung zeigen müssen!!! Die Verjährungsfristen müssen aufgehoben werden, das Strafmaß muss erhöht werden, Betroffene müssen gehört werden usw.! Aber wem sag ich das&#8230;?&#8230;</p>
<p>Mein Bestreben ist es, eben auch von meiner Seite offen und authentisch noch ein wenig mehr Licht ins Dunkle des Tabus zu bringen und anderen Betroffenen die Angst zu nehmen.</p>
<p>Herzliche Grüße<br />
MARY SCHRÖDER</p>
<p><a href="http://www.undtrotzdem.de" target="_blank">www.undtrotzdem.de</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Ich hätte mir gewünscht, dass sie mich in den Arm genommen hätte</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/06/14/ich-hatte-mir-gewunscht-dass-sie-mich-in-den-arm-genommen-hatte/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 12:38:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[hallo, ich heiße Christine und mir ist ähnliches widerfahren, das heißt, ich wurde als ich FÜNF Jahre alt war, das erste mal von meinem Großvater väterlicherseits angefasst. Der schock war für moch riesengross zumal mir sugeriert wurde von einem alten schwergewichtig keuchenden mann das wenn ich das meiner mutter erzähle ich ins heim komme .Unfassbar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>hallo, ich heiße Christine und mir ist ähnliches widerfahren, das heißt, ich wurde als ich FÜNF Jahre alt war, das erste mal von meinem Großvater väterlicherseits angefasst.<span id="more-3285"></span></p>
<p>Der schock war für moch riesengross zumal  mir sugeriert wurde von einem alten schwergewichtig keuchenden mann das  wenn ich das meiner mutter erzähle ich ins heim komme .Unfassbar sowas  .Jeden sonntag waren wir bei fden grosseltern jeden sonntag dasselbe bis  ich 14 war .Ab da&lt;wehrte ich mich dasd heisst ich ließ ihn nicht  mehr an mich ran .Meine mutter bekam von dem allen nichts mit soie  merkte noch nicht mal meine veränderungen ob in der schule oder privat  hinzu kam das mein vater ein alk war ic&lt;h auch im elternhaus  situationen hatte die ich nie vregesse für die ivch mich heute noch  schäme .Ich habe mich meiner mutter erst gegenüber geoutet als ich 23  jahre alt war.Als meine mutter die nachtricht davon erfasste war ihr  knapper kurzer kommentar warum hast du dich nicht gewehrt ,Kann sich  einer nur annähernd vorstellen wie fassungslos ich war über ihren  kommentar sich als kleines kind einem erwachsenen gegenüber stellen zu  sollen den tätlich anzugreifen welcher hohn das war .Ich war so  enttäuscht von ihr ich hätte mir gewünscht, dass sie mich in den Arm  genommen hätte nichts dergleichen passierte gar nichts .Ich habe ein  paar jahre später geheiratet einen sohn bekommen habe mich scheiden  lassen weil es nivcht das war was ich mirt wünschte hatte danach  mehrtere partner bis auf einen den ich lieben konnte der mich aber  verließ .Er sagte mirt nie den grund .Heute sage ich alle anderen waren  mitläufer das heisstb ic&lt;h habe sie nie so geliebt wie sie es  verdient.,. hätten .Ich denke ich bin nicht fähig eine partnerschaft zu  führen die mich glücklich macht die erinnerungen kommen immer wieder  hoch man hazt keinen knopf zum an undd ausmachen ,Um dem ganzen die  krone aufzusetzen hat in meiner ehe mein mann versucht mich zu töten und  auch dasd hängt mir nach ,Zudem war ich in einer therapie nachdem ich  nen seelischen zusammenbruch hatte allen nur die powerfrau vorgespielt  habe nur der therapeut war nicht sehr hilfreich .Da er selbst auf meine  probleme keine lösung wusste ,Eines hab ich getan einmal einen  pädophilen angezeigt bei der polizei von dem ich mitbekam das er einer  ist denn ich lasse&lt;sowas nicht durchgehen und zudem ist mein  grossvater ganz schlimm gestorben er hat wasser bis zum herzen bekommen  ,und ich sage gottes mühlen mahlen langsam aber gerecht denn wenn ich  sagen würde das täte mir leid und er soillte bemitleidet werden niemals  dann wäre ich ein heuchler .Pädophile können von mir eines nicht  erwarten mitleid denn sie wisen genau was sioe tun und das das was sie  tun nicht der punkt unserer hetero gesellschaft ist jeder wirklivch  jreder hat die möglichkeit seine schwächen sicht zu bekämpfen ,Und es  kann nicght sein das diese männer alles irgendwo hingeschoben bekommen  und die opfer sollen sich um sich selbst kümmern das idst nicht der  konsens ,Vor allemnicht das novch mehr kinder leiden müssen meine  meinung</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Mein Vater ist Jesus</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/06/07/mein-vater-ist-jesus/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 14:18:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich, Pfarrerstochter Ende 30 stockt mein Leben. Als Künstlerin bin ich kreativ blockiert, in meiner Beziehung unglücklich und nun auch noch ein anonymer Telefon-Stalker. Eine unbändige Wut taucht auf. Ich leide ohne Ende. Und es hört auch nicht auf, nachdem der Stalker Ruhe gibt. Ich habe Vergewaltigungsträume, in denen Männer aus meiner Familie die Täter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ich, Pfarrerstochter</strong></p>
<p>Ende 30 stockt mein Leben. Als Künstlerin bin ich kreativ blockiert, in meiner Beziehung unglücklich und nun auch noch ein anonymer Telefon-Stalker.<span id="more-3189"></span><br />
Eine unbändige Wut taucht auf. Ich leide ohne Ende. Und es hört auch nicht auf, nachdem der Stalker Ruhe gibt. Ich habe Vergewaltigungsträume, in denen Männer aus meiner Familie die Täter sind. Mein Weltbild gerät aus den Fugen.<br />
Sollte meine glückliche, behütete, bürgerliche Kindheit nur eine Illusion gewesen sein?<br />
Nach und nach enthüllt sich die grausame Wahrheit: Ich wurde in dem evangelischen Pfarrhaus in Norddeutschland, in dem ich aufwuchs, nicht nur körperlich, sondern auch sexuell misshandelt.<br />
Wie das passiert ist und passieren konnte, setzt sich nach und nach wie ein Puzzle zusammen.</p>
<p><strong>Mein Vater ist Jesus</strong><br />
Als Kind dachte ich, mein Vater sei Jesus. Es gab so viele Parallelen: er trug auch einen Bart, er predigte, er erzählte den Menschen Geschichten von Gott, er segnete die Gemeinde, teilte Abendmahl aus. Am meisten überzeugt hat mich sein Satz „Mein Gott, mein Gott, warum  hast du mich verlassen?“ in der Ostergeschichte, den er aus tiefster Seele schmetterte. Das glaubte ich ihm aufs Wort. Er konnte nur Jesus sein. Und Jesus war gut. Das lernte ich früh und gründlich. Daraus entstand die logische Schlussfolgerung, dass mein Vater gut sein musste. Erst Jahrzehnte später konnte ich diese Gehirnwäsche durchschauen und der Wahrheit ins Auge blicken: Mein Vater war nicht gut, mein Vater war ein Verbrecher.</p>
<p><strong>Scheinheiligkeit und Doppelmoral</strong><br />
Mein Vater war oberflächlich ein „progressiver“ evangelischer Pfarrer. Er traute sich, den schwarzen Talar ab und zu gegen einen beigefarbenen auszutauschen, führte Abendgottesdienste in Taizé-Tradition ein, wetterte auf der Kanzel politisch links und demonstrierte in den 80er-Jahren gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen.<br />
Andererseits gehörte er einer extrem konservativen Bruderschaft an, die fanatisch klösterliche Traditionen pflegte wie z.B. gregorianische Gesänge und das Stundengebet. Doch von dieser Bruderschaft, die für seine wahre Gesinnung stand wusste kaum jemand in der Gemeinde. Äußerlich war er der moderne Pfarrer, innerfamiliär ein Gewalttäter und Verbrecher. Was schizophren klingt, ist in Wahrheit das ambivalente Wesen des Gutmenschen.</p>
<p><strong>Die Mutter/Pfarrfrau</strong><br />
Meine Mutter misshandelte mich in Form von ruppigem körperlichem Umgang, Ohrfeigen und Schlägen mit dem Kochlöffel auf den nackten Hintern. Außerdem demontierte sie mich psychisch wie sie nur konnte. Daß sie gegen die sexuelle Gewalt meines Vaters nichts unternahm, mag einer gewissen Genugtuung geschuldet sein, da sie selbst als Kind von ihrem Vater vergewaltigt worden war, wie ich später von Verwandten erfuhr. Sie kam aus pietistischen Verhältnissen, war fromm und verhärmt, der Prototyp einer Pfarrfrau.</p>
<p><strong>Die Geschwister</strong><br />
Meine Geschwister misshandelten mich körperlich und sexuell. Das hatten sie einerseits von ihren Eltern abgeschaut, andererseits gaben sie die ebenfalls durch die Eltern erlittene Gewalt an mich weiter.</p>
<p><strong>Folter</strong><br />
Wird im politischen Sinne so definiert, dass in einem totalitären System mittels körperlicher und psychischer Gewalt der Wille eines Häftlings gebeugt und ein Geständnis bzw. die Herausgabe von Informationen erzwungen wird.<br />
Das gewalttätige, dysfunktionale Familiensystem, in dem ich aufwuchs, war ein totalitäres System. Die körperlichen, psychischen und sexuellen Misshandlungen dienten dazu, meinen Willen zu brechen und – ob ausgesprochen oder nicht – das Geständnis zu erzwingen, dass ich böse und schuldig sein und daher diese Behandlung verdient habe. Man könnte es auch einfach Gehirnwäsche nennen oder Stockholm-Syndrom, aber Folter halte ich dennoch ebenso für angemessen.<br />
Eine Vergewaltigung ist für einen Säugling oder ein Kleinkind nichts anderes als eine Folter.</p>
<p><strong>Mitschuld der Gesellschaft</strong><br />
Kindesmisshandlung wurde Anfang der 70er-Jahre nicht als Vergehen angesehen, selbst in den Schulen war die sog. Prügelstrafe noch erlaubt. Das Thema sexuelle Kindesmisshandlung wurde entweder komplett verschwiegen oder aber bagatellisiert &#8211; wie von der linken Bewegung Ende der 70er-Jahre, die eine Entkriminalisierung dieser Straftaten forderte.<br />
So hatte ich niemanden, der für mich eingestanden wäre und mich in Schutz genommen hätte, ja der wenigstens ausgesprochen hätte, dass es Unrecht war, was mir geschah.<br />
Die Familie hat weggeschaut, die Gesellschaft hätte ebenso weggeschaut, wenn ich mein Schweigen hätte brechen können.</p>
<p><strong>Folgen der Misshandlungen</strong><br />
Ich kann es am besten mit einem Riß beschreiben, der quer durch mein Leben geht. Meine Kindheit war voller Qual, ich weinte jeden Tag bis ich 10 Jahre alt war, danach lernte ich „tapfer“ zu sein, auch weil meine Geschwister mein Weinen nachäfften , was mich zusätzlich demütigte.<br />
Als Jugendliche hatte ich ein äußerst geringes Selbstwertgefühl. Mein weiblicher Körper war mir fremd. Als Erwachsene geriet ich stets an Männer, die mich dominierten, kein Gespür für meine Bedürfnisse hatten und emotional schlecht behandelten. Beruflich schaffte ich es gerade so durchzukommen, arbeitete in unterbezahlten Jobs. Ich war depressiv und mir dessen nicht bewusst. Im Nebel sieht man den Himmel nicht.</p>
<p>Die Pfarrersleute reagierten auf meine Enthüllungen mit Enterbung. Ich lebe nun weit weg, relativ glücklich auf einem anderen Stern.</p>
<p>Geraldine</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Dann habe ich erst mal ne Lücke im Gedächtnis</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/06/02/dann-habe-ich-erst-mal-ne-lucke-im-gedachtnis/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 11:53:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Es hat etwas länger gedauert, bis ich es so aufgeschrieben hatte, aber ich möchte auch meinen Beitrag leisten und hoffen das es bald andere Gesetze zum Schutz unserer Kinder gibt. Hier also meine Geschichte: Ich wuchs recht behütet in einer kleinen Stadt mit zwei älteren Schwestern auf. Die mittlere von uns sitzt im Rollstuhl, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es hat etwas länger gedauert, bis ich es so aufgeschrieben hatte, aber ich möchte auch meinen Beitrag leisten und hoffen das es bald andere Gesetze zum Schutz unserer Kinder gibt.</p>
<p>Hier also meine Geschichte:<span id="more-3120"></span><br />
Ich wuchs recht behütet in einer kleinen Stadt mit zwei älteren Schwestern auf. Die mittlere von uns sitzt im Rollstuhl, und benötigte deswegen sehr viel Aufmerksamkeit. Das war auch der Grund, weswegen ich als kleines Kind oft zu meiner Oma musste. Ich wollte das nie, weil es mir immer sehr unangenehm war. Wir, also meistens ich, mussten immer mit ihr kuscheln und ihr Küsschen auf den Mund geben wenn sie es wollte. Aber wenn wir es nicht taten gab es Ärger zu hause.<br />
Später hatten Oma und meine Eltern sich zerstritten, und ich musste nicht mehr hin gehen. Ich war nun immer bei meiner Tante Erika, die ein sehr wertvoller Mensch für mich wurde. Sie war mehr Mutter als meine eigene. Als ich acht wurde starb sie.<br />
Eines Tages ging ich dann mal nicht von der Schule gleich nach Hause. Es war nach dem Tot meiner Tante, und meine Freundin und ich fanden es lustig meine Eltern zu veralbern. Natürlich bekamen die Eltern meiner Freundin einen Anruf von meinen Eltern und ich musste nach Hause gehen. Auf dem Weg nach hause packte mich plötzlich ein Mann von hinten und nahm mich mit. Dann habe ich erst mal ne Lücke im Gedächtnis. Ich erinnere mich als nächstes das er mich in einem Wald auf den Boden fallen lies und mich streichelte. Ich konnte mich nicht rühren vor Angst und auch nicht schreien. Dann Vergewaltigte er mich und damit ich ja nichts sagte schlug er mich und drohte mir. Dann kommt wieder eine Lücke und ich weis, das ich nur zitterte und weinte. Ein paar Tage später kam er in die Kirche. Mit einem Messer in der Hand und einem komischen Buch. Er setzte sich neben mich und grinste. In mir zog sich alles zusammen und ich wusste das ich schweigen muss. Ich verdrängte es so gut, dass ich die Tat an sich vergas und weiter lebte. Heute würde ich wohl als Entführung einstufen. Damals war es nur die Hölle.<br />
Als ich 12 Jahre alt war liessen sich meine Eltern scheiden und ich verlor meinen ganzen Halt den ich hatte. Ich fing an zu ritzen oder meinen Kopf gegen Wände zu schlagen. Später fing ich das Fressen an und wog mit 16 Jahren etwa 94 kg.<br />
Als ich meinen Mann kennen lernte wurde es erst mal besser und wir heirateten und bekamen zwei Kinder. Dann kam alles wieder hoch mit 24 Jahren und ich begann wieder zu ritzen. Nun kämpfe ich und möchte alles verarbeiten.</p>
<p>Daniela Scholz</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Ein Netzwerk aufzubauen was betroffenen hilft, das ist wichtig</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/06/01/ein-netzwerk-aufzubauen-was-betroffenen-hilft-das-ist-wichtig/</link>
		<comments>http://netzwerkb.org/2010/06/01/ein-netzwerk-aufzubauen-was-betroffenen-hilft-das-ist-wichtig/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 13:07:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Es fällt nicht leicht Worte zu finden und zu erzählen was mir passiert ist. Aber auch ich bin eine Überlebende. Ich wurde von meinem Stiefvater sexuell missbraucht. Das erste mal woran ich mich erinnern kann ist,  als ich 6 Jahre alt war. Es hat aufgehört als ich 16 Jahre alt war. Er hat mir so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es fällt nicht leicht Worte zu finden und zu erzählen was mir passiert ist. Aber auch ich bin eine Überlebende.<span id="more-3105"></span></p>
<p>Ich wurde von meinem Stiefvater sexuell missbraucht. Das erste mal woran ich mich erinnern kann ist,  als ich 6 Jahre alt war. Es hat aufgehört als ich 16 Jahre alt war.</p>
<p>Er hat mir so weh getan, hat mich eingeschüchtert, hat mir gedroht, hat mich behandelt wie den letzten Dreck, nur wenn er ES tun wollte, war er „lieb“ zu mir.</p>
<p>Ich musste mir Pornos ansehen, musste so viele unerträgliche Dinge tun, die mir die Übelkeit hochsteigen lassen, wenn ich daran denke…und ich hab so oft vor mir hergesagt wie ich meiner Mama sagen soll das er das tut. Aber ich hatte Angst. Angst,  dass  sie mir nicht glaubt, das mir niemand glaubt.</p>
<p>In der Schule habe ich oft gefehlt weil ich krank war…Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen sind Teil meines Lebens.</p>
<p>Ich hab ihn angezeigt als ich knapp 19 war.</p>
<p>Ich bin zu meinem leiblichen Vater gegangen und von da aus in einer sozial therapeutischen Wohngruppe. Ich musste lernen selbstbestimmt durchs  Leben zu gehen…für mich selbst einzustehen und Glücklich zu sein.</p>
<p>Ich bin Erzieherin geworden, um Kindern ihr 2tes zu Hause (Kita,Hort,Heim) so warm und toll wie möglich zu gestalten. Damit sie selbstbewusst und selbstbestimmt lernen und leben können.</p>
<p>Ich hab damals nicht mal durch Lehrer Hilfe erfahren, dabei war ich wirklich auffällig….heut zu Tage würde man sich kümmern, damals nicht. Heute sind die Menschen mehr aufgeklärt über das Thema.</p>
<p>Mir hat die Musik geholfen, das Lesen, das Zeichnen…und Menschen die mir geholfen haben, die zu mir standen auch als die Richter mir nicht glauben wollten.</p>
<p>Erst als ein psychologisches Gutachten hat den Richtern gezeigt das ich nicht lüge….und das ich wirklich das Martyrium überlebt hab.</p>
<p>Die Punkte, die noch in die DDR fielen, wurden nicht berücksichtigt, da es andere Gesetzgegebenheiten unterlag. Aber ich musste alles erzählen. Es wurde nicht gezählt und ich dachte nur- warum? Auch da hat er mir das angetan….ich war doch erst 6 Jahre alt L.<br />
Es war wie ein Schlag ins Gesicht für mich.</p>
<p>Und ich war völlig verzweifelt, denn ich dachte damals ich würde doch verlieren. Ich wurde gefragt, warum ich erst so spät Anzeige erstattet habe-ob ich mir Rache erhoffe.</p>
<p>Ich wollte nur endlich einen Schlussstrich ziehen und IHN von mir fern wissen.</p>
<p>Auch wenn es nur 5,5 Jahre waren, er wurde bestraft, es wurde gezeigt das SOWAS nicht geduldet wird.</p>
<p>Ich habe Jahrelang unter ihn gelitten und auch heute noch leide ich unter ihm.</p>
<p>Manchmal fühlt es sich so an, als ob er seine Hand über mich hält. Nicht wachend, sondern bedrohend und verängstigend.</p>
<p>Heute schreibe ich anonym mit vielen Betroffenen und tausche mich aus- Unterstütze die die selbst erst den Weg der Anzeige gehen wollen.</p>
<p>Ich habe damals Therapie gemacht, diese aus Angst aber abgebrochen und nun wieder aufgenommen, denn ich bin selbst Mama geworden (was ich mir nie erträumt habe) und das alles, auch dass ER wieder aus dem Gefängnis raus ist, hat mich umgehauen.</p>
<p>Ich bin ausgebrannt….</p>
<p>Ich habe mich in meine Arbeit gestürzt und erst dann eine Grenze gesetzt als ich beinahe mein Kind verloren hätte weil meine Chefin mich so unter Druck gesetzt hat.</p>
<p>Ich muss nun dafür kämpfen das ich nicht gesperrt werde beim Arbeitsamt, sollte ich nicht gleich einen neuen Job bekommen, denn ich muss kündigen, da ich es nicht mehr aushalte dort.</p>
<p>Ich liebe meine Arbeit. Die Kinder haben meine Art geliebt und die Eltern waren immer zu frieden.</p>
<p>Ich habe es nicht immer einfach mit mir selbst, mache mich selbst immer runter und habe nicht so viel Selbstvertrauen, aber ich kämpfe.</p>
<p>Jetzt habe ich Gedichte in ein Band gepackt und hoffe darauf sie irgendwann zu veröffentlichen. Es ist nicht viel. Aber vielleicht hilft es denen , die das gleiche erlebt haben wie ich, nach vorn zu schauen und zu sehen, das die Gefühle und Gedanken die in ihnen schreien nicht nur sie erschlagen sondern andere auch.</p>
<p>Ich weiß nicht ob das alles hier ihnen hilft…aber ein Anfang wollte ich wagen.</p>
<p>Mir wurde damals geholfen, auch wenn es nicht einfach war. Ich habe gewagt zum Jugendamt zu gehen obwohl ich schon volljährig war… Ich bin zu Wildwasser gegangen und habe mich beraten lassen, habe durch sie einen Anwalt bekommen der sich in dem Fach auskennt, weil er leider schon oft solche Prozesse führen musste.</p>
<p>Ein Netzwerk aufzubauen was betroffenen hilft, das ist wichtig.</p>
<p>Das Thema nicht totzuschweigen, nicht nur raus zu kramen wenn die Kirche oder Prominente der Hintergrund sind &#8211; das ist wichtig.</p>
<p>Ich denke es ist schon wichtig bei den Kleinsten anzufangen. Sie aufzuklären dass ihr Körper ihnen gehört… und das man sie auch lieb hat wenn sie mal kein Küsschen zur guten Nacht oder eine Umarmung schenken wollen.</p>
<p>Mein Sohn soll später NEIN sagen können und sich schützen können und immer wissen wo er Hilfe bekommt… angefangen bei seinen Eltern, über dem Jugendamt , Ärzte usw.</p>
<p>Wichtig ist, dass die Kinder ernst genommen werden und nicht abgewimmelt werden nur weil man es nicht glauben kann bzw. will.</p>
<p>Psychologen sind nichts Böses, aber viele Eltern denken sie sind schlechte Eltern wenn ihr Kind zur Psychologin geht&#8230; aber ich denke das ist ein Weg um Licht ins Dunkel zu bringen.</p>
<p>Katja Heße (geb.1982)</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2010/06/katja_heße.jpg" target="_blank">Mein Foto</a></p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2010/06/Gedichtband.pdf" target="_blank">Meine Gedichte</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Dieser Hunger nach Liebe hat mir das Kreuz völlig zerbrochen</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/05/31/dieser-hunger-nach-liebe-hat-mir-das-kreuz-vollig-zerbrochen/</link>
		<comments>http://netzwerkb.org/2010/05/31/dieser-hunger-nach-liebe-hat-mir-das-kreuz-vollig-zerbrochen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 May 2010 11:38:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://netzwerkb.org/?p=3099</guid>
		<description><![CDATA[Ich leide seit 1998 (da erst wurde die Diagnose einer dissoziativen Identitätsstörung festgestellt) an dieser Erkrankung. Nach 9 Jahren einer guten Psychotherapie musste ich zur weiteren Betreuung einen Dipl. Psychologen haben. 14 Monate hat diese Betreuung bei einem Dipl. Psychologen gedauert, ich war so 3 x die Woche mit ihm in der Sauna, ich sollte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich leide seit 1998 (da erst wurde die Diagnose einer dissoziativen Identitätsstörung festgestellt) an dieser Erkrankung.<br />
Nach 9 Jahren einer guten Psychotherapie musste ich zur weiteren Betreuung einen Dipl. Psychologen haben.<br />
<span id="more-3099"></span><br />
14 Monate hat diese Betreuung bei einem Dipl. Psychologen gedauert, ich war so 3 x die Woche mit ihm in der Sauna, ich sollte in meinen Körper finden, bezahlte für seine Familie Unterhalt und Mietsgeld 3 Monate lang, er missbrauchte mich 5 Monate sexuell, natürlich alles im Zeichen der Liebe. Ich habe diesen Dipl. Psychologen durch ein von mir aufgesetzte Zeitungsannanoce  gefunden, ich schöpfte keinerlei Verdacht, zudem war er noch Küster in der EMK Kirchengeimeinde.</p>
<p>Dieser Hunger nach Liebe hat mir das Kreuz völlig zerbrochen</p>
<p>Zeugen wurden nach der Strafanzeige vernommen, die bezeugten, wie mir Herr Dipl.Psychologe Herr A. die Brüste massierte,etc. Andere wichtige Zeugen wurden nicht mehr vernommen, da ich per se auf Grund meiner Erkrankung als unglaubwürdig dastehe. Mitlerweile bin ich beim Klageerzwinngsverfahren, nichts hatte bisher in diesem Verfahren mit Objektivität zu tun. Dieser Behördenwillkür ausgesetzt zu sein, weil man ja alles im Zivilrecht klären kann, ist an jedem Tag ein Alptraum.</p>
<p>Mittlerweile bin ich mit 47 Jahren 100 %erwerbsunfähig, in Pflegestufe 1, immerhin eine kleine Anerkennung.<br />
Und dieser Psychologe kann weitermachen, es hat keinerlei Folgen.</p>
<p>Die Begründung der Staatsanwaltschaft</p>
<p>Herrn A. konnte kein Anstellungsbetrug nachgewiesen werden (er gab sich als Therapeut aus, auch in Anwesenheit meiner Psychologen), war aber nur in Ausbildung ohne Supervision, hatte leitende Stellung in der Kinder ud Jugendhilfe, Küster in der EMK Gemeinde Köln,&#8230;..</p>
<p>Herr A. bestreitet die Vorwürfe, und man bedenke ein Therapeut darf mit seinen Patienten in die Sauna gehen und auf dem nackten Schoß sitzen, weil alles im Zeichen der Liebe gechehen ist.</p>
<p>An den ersten Rechtsanwalt an den ich geraten war, der sagte mir doch in Anwesenheit meiner Traumatherapeutin, ja, da haben sie Pech gehabt, sie waren einem Heiratsschwindler auferlegen.<br />
Daraufhin sind wir sofort gegangen.</p>
<p>Ich habe einen sehr, sehr guten Opferanwalt gefunden in Köln Herrn Rechtsanwalt Pflüger, der ein reiner Opferanwalt ist und bis heute für unsere Rechte kämpft! Gott segne ihn.<br />
Ich habe das Gefühl, weder ein Staatsanwalt hat sich jemals mit einer dissoziativen Identitätsstörung beschäftigt, noch besteht überhaupt ein Interesse daran.</p>
<p>Ob ich jemals einem Opfer noch einmal raten kann, zeige Deinen missbrauchenden Psychologen an, das weiss ich nicht, denn man muss aufpassen, das man sich nicht suizidiert auf all diesen Wegen.</p>
<p>Ich habe diesen Psychologen idealisiert, ihn auch noch anderen Frauen empfohlen, mich umgibt allertiefste Scham, als ich nämlich das Spiel durchschaut hatte, war es zu spät!</p>
<p>Wen stört es?</p>
<p>In meinen Gästebucheintragungen finde ich oft, vergebe, dann wird Dein Leben frei für neues.<br />
Dies ist ein langer und mühsamer Weg, und wenn ich mir nur ansatzweise vorstelle, das erneut ein Opfer oder Überlebender an diesen Psychologen gerät, wird es mir nur schlecht.</p>
<p>Danke für Euren Einsatz hier, ohne all die Stimmen hier, würden Opfer weiterhin still leiden, denn wen kümmert das?????<br />
Euch allen an jedem Tag Kraft und Mut, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.<br />
Wie gerne wird uns Rache unterstellt, die Palette ist wohl unendlich lang.</p>
<p>Licht und LIebe aus tiefstem Herzen<br />
Christina mit Ihren Seelchen</p>
<p><a href="http://www.psychologen-missbrauch.de.tl" target="_blank">www.psychologen-missbrauch.de.</a></p>

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		<title>Ich bettelte um Mutterliebe</title>
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		<pubDate>Tue, 25 May 2010 20:44:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Coming-Out der Opfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir schreiben Oktober 2009. Mit 38 Jahren ist es nun soweit mein Schweigen zu brechen. Raus zu lassen, was ich Zeit meines Lebens mit mir trage, bewahrte wie ein „Geheimnis“ , mich nun erdrückt, zerfrisst…Ich bin eine „Überlebende „ . Und ich bin Mutter „überlebender“ Kinder. Meine Erinnerungen frühester Kindheit beginnt in Bruchstücken…rote Rosenbettwäsche meiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir schreiben Oktober 2009.</p>
<p>Mit 38 Jahren ist es nun soweit mein Schweigen zu brechen. Raus zu lassen, was ich Zeit meines Lebens mit mir trage, bewahrte wie ein „Geheimnis“ , mich nun erdrückt, zerfrisst…Ich bin eine „Überlebende „ . Und ich bin Mutter „überlebender“ Kinder.<span id="more-3010"></span></p>
<p>Meine Erinnerungen frühester Kindheit beginnt in Bruchstücken…rote Rosenbettwäsche meiner geliebten Oma, ich im Sonntagskleidchen beim Spaziergang am Auen See… mit Lockenkopf, bestaunend von allen und behütet von Oma. Mit ihrem Tod begann ein Teil des Lebens, der mir bis heut noch teils unbewusst und Puzzel detailliert vorkommt…</p>
<p>Eines Tages stand eine Frau vor mir, die ich Tante nannte und lernen sollte „Mutter“ zu sagen… Sie stand vor mir, streckte ihre Hände aus und lächelte mich an. Sie war mir fremd!</p>
<p>Ich wuchs in einem Vorschulheim in Le. auf . Oma holte mich regelmäßig am Wochenende ab. Ich vergötterte sie sehr. Eines Tages saß ich auf ihrem Schoß, der Stuhl brach zusammen und sie verletzte sich am Kopf so, dass sie ins KH musste…Ich durfte sie selten dort besuchen. Irgendwann wurde mir beigebracht, das Oma nun in den Himmel ging…sie war meine Bezugsperson, meine Oma-mit ihr ging der Beste Mensch in meinem Leben…</p>
<p>Ich war etwa 7 Jahre, als mich meine Mutter zu sich nahm aus dem Vorschulheim. Sie war Schwanger mit meinem Bruder D. und alles drehte sich um dieses Kind. Ich erinnere mich oft allein gewesen zu sein, nachts und Tagsüber. Ich hatte kaum Freunde. Aber einen mir vertrauten Freund, Jens B., mein Alter. Er wohnte in meiner Straße und wenn ich mal raus durfte, spielten wir zusammen.</p>
<p>Meinen Schulanfang empfand ich als Marionette meiner Mutter. Sie steckte mich in einem grünen Schlaganzug, rotem Schulranzen und ich hasste die von ihr zu straff gebundenen Zöpfe mit Russen –schleifchen . Ich ging unregelmäßig zur Schule, war oft auf mich selbst gestellt. Ich fing an, Dinge die ich hasste zu verheimlichen, verstecken -wie mein Schulbrot hinterm Kühlschrank, oder meine Brille unter ihren Matratzen. Ich erinnere mich, dass sie mich los schickte um einzukaufen, ich damit überfordert war und anstatt dessen Eis kaufte. Um ihren Schlägen zu entkommen lief ich los, sie war Hochschwanger und folgte mir, bis sie stürzte. Ich blieb stehen, wartete bis sie aufstand und mir weiter folgte…</p>
<p>Sie bestrafte mich oft mit Liebesentzug.</p>
<p>Es war draußen heiß, Hochsommer…ich war eingesperrt in meinem Zimmer, stand oft am Fenster und beobachtete die Menschen. Sah meine Mutter im Sommerkleid mit Eis. Irgendwann ging sie wieder, ließ mich zurück. Sie kam nicht, ich wartete. Der Wohnungsschlüssel war in der Wohnung. An einem mir unbekannten Tag stand ein Mann vor der Tür, ich unterhielt mich durch den Briefkastenschlitz mit ihm. Er meinte, er sei ein Freund meiner Mutter und hatte den Auftrag nach mir zu schauen. Er bat mich den Schlüssel durch den Schlitz zu geben, damit er mir das Essen und Süßigkeiten übergeben kann- ich vertraute seinen Worten…Er war groß, dick und trug eine „Aschenbecher“ Brille…Klaus J. sein Name. Er ähnelt dem dicken Mann von der Olsenbande… Ich trug eine rote Kinderstrumpfhose, T Shirt… Er brachte mir Bonbons in Silberpapier und Bildern von Früchten drauf mit, Kaubonbons, die ich so liebte. Wir alberten rum, er war nett. Irgendwann begann er mich zu streicheln, berührte mich überall. Er küsste mich überall, auch im Schritt-ich empfand es als ekelhaft, seine Hände waren gelb von Zigaretten, seine Haare fettig, er stank. Er sagte mir noch das dies nun unser Geheimnis sei, er mir sonst nichts mehr zu essen und Süßes bringt, und wenn ich das meiner Mutter erzähle , sie ins Gefängnis müsse und ich wieder ins Heim.</p>
<p>Ich schwieg!</p>
<p>Er kam nicht wieder, ich war einsam. Tage vergingen, bis jemand von der Schule und dem Jugendamt vorbeikamen, mich aus der Wohnung zur Schule holten, mit den Worten „wenn deine Mutter dich nach dem Hort nicht holt, kommst du ins Kinderheim“.</p>
<p>Etwa 14 Tage vergingen, als sie mich im Heim besuchte. Ich lernte schnell mich zu isolieren, suchte trotzdem Kontakte zu anderen. Schule fiel mir schwer, da ich viel verpasste. Ich weiß noch, das sich in mir ein sexueller Trieb aufbaute&#8230;Frau Jahn, Erzieherin im Heim, erwischte mich mal, meinte nur, ich solle mich kalt abduschen gehen…</p>
<p>Ende der 3.Klasse wurde ich zurück zu meiner Mutter entlassen, wir zogen um und ich kam wieder in eine andere Schule. Dort Kontakt zu finden, fiel mir noch schwerer .Zu Hause bekam ich viel Hausarbeit und die Fürsorge für meine Brüder. Eigene Hausaufgaben und Interessen kamen stets zu kurz! Meine Mutter war verheiratet mit Peter S. , geb. S.. Er war 11 Jahre jünger, lebte damals mit in unserem Mietshaus zuvor. Ich weiß noch, das ich Angst vor seiner Mutter hatte, die oft auf mich wie eine Hexe wirkte, sehr launisch uns gegenüber war, aber ihr „Peterle“ war ein Muttersöhnchen. Er kümmerte sich liebevoll um uns Kinder, wir erfuhren das 1.mal ein Familienleben, machten Radausflüge-sein Schokoquark war einmalig. Mutter ging oft weg, Abends .Wir erlebten wie sie sich rausputzte, schminkte, toll angezogen hat…Damals wussten wir nur, dass sie arbeiten ging .Ich fand sie sehr hübsch. Peter passte auf uns auf, war der Hausmann. Irgendwann, als sie wiedermal unterwegs war, ich vom baden aus der Wanne kam, wollte er das ich gleich im Schlafzimmer schlafen gehe. Wie es begann-er berührte mich, lag nackt bei mir, berührte auch sich …ornanierend verlangte er dann von mir, ihm zu helfen. Es kam zum Petting(mit Abgang!). Auch er erwartete Schweigen, hinterließ mir einen Knutschfleck , den meine Mutter doch entdeckte.. Ich saß auf ihren Schoß, hielt ihre Hand und vertraute ihr diesen Übergriff an. Sie war anfangs schockiert, aber nach Gespräche unter sich und einer Freundin von Mutter legte sie mir ans Herz, dies niemanden zu erzählen.</p>
<p>Ich schwieg, ertrug weiter ihre Distanz mir gegenüber.</p>
<p>Ich kam erneut ins Kinderheim M., nachdem sie mich nach einem Streit mit runtergelassener Hose mit einem Feuerharken auf offener Straße mitten am Tag verschlug-für mich die Belohnung , weg aus der Hölle zu sein. Ich erinnere mich an ihre tiefste Abneigung, wenn sie Bruder D. in unserem Heim besuchte. Ich litt sehr darunter. Überhaupt war ich doch stets das ungewollte Kind, die „Gips Kuh“, bei der ihr stets das „Messer“ in der Tasche aufging, wenn sie mich sah…</p>
<p>Ich bettelte um Mutterliebe, hielt heimlich zu meinem Bruder A. Kontakt, der für mich seit seiner Geburt an wie ein eignes Kind war, ich die 1.Jahre seine Bezugsperson wurde, er mich sogar MAMA nannte- er war wie ich ein „Unfall“, Bruder D.ihr gewünschter Sohn, ihr Prinz…sie zeigte dies uns und ließ uns dies stets spüren… Zu Weihnachten hieß es dann plötzlich, Mutter liegt im KH, hatte bereits Scheidung eingereicht und Anzeige gegen P. wegen Sex. Missbrauch an mich erstattet…Polizeiaussage, Staatsanwaltschaft…Er wurde zu 18 Monate Haft in B. verurteilt.</p>
<p>Mutter pflegte weiterhin engen Kontakt zu ihm, wurde Schwanger mit meiner Schwester Consuela. Ich weiß noch, wie sehr ich meinen Bruder D. hasste .Er war das Ebenbild
