Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?


Expertise im Auftrag des Runden Tisches Heimerziehung
von
Silke Birgitta Gahleitner

„Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?“

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Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie: meist verleugnet und immer gefährlich


psychologie-aktuell.com 7.03.2010

Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie wird nach wie vor vielfach unterschätzt und geleugnet. In einer Studie räumten weniger als ein Prozent der befragten Psychotherapeuten ein, “sexuelle Bedürfnisse mit der Klientel” auszuleben; doch 55% “gaben an, in den letzten fünf Jahren mindestens einen Fall mit einer sexuellen Missbrauchs-Vorgeschichte durch einen Therapeuten behandelt zu haben”, berichtet die Psychologin Angelika Wagner-Link (München) in ihrem neu vorgelegten Taschenbuch “Frauen und Männer – Gender in der Psychotherapie”.

“Die Wiederholungstäter sind mit einer Quote von 80% extrem häufig. Ihr hoher Anteil zeigt, dass das Phänomen weniger auf Emathiefehler als auf gezieltes Handeln der Täter zurückzuführen ist. Es scheint sich dabei nicht um ein spontanes Fehlverhalten, sondern um ein gezieltes Vorbereiten und Durchfühern zu handeln.

“

Häufig geben Betroffene eine therapeutische Motivation vor. Demgegenüber belegt Wagner-Link, dass es sich grundsätzlich um eine Straftat und einen für die Patientin hoch riskanten Kunstfehler handelt. Oft besteht eine “traumatische Bindung an den Täter fort”, das Selbstvertrauen – insbesondere das Vertrauen in die eigene Wahrnehmungsfähigkeit – leidet, Scham entsteht. “Die Opfer leiden jahrelang an Depressivität, sozialer Isolierung, erhöhter Suizidalität, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

“In der Psychotherapie wiegt der Vertrauensbruch deshalb so schwer, weil bei den Patientinnen so gut wie alle Schutzmechanismen zusammenbrechen. Das strukturelle Machtgefälle hebt die Person des Therapeuten häufig in den Rang von Elternfiguren.

Problematisch ist die Aufdeckung der Fälle, da den Opfern im Gegensatz zu den Tätern kein Glauben geschenkt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Patientin über den sexuellen Missbrauch spricht, ist gering. Eine der gravierendsten Folgen sexuell grenzverletzenden Verhaltens in der Psychotherapie ist der Verlust der Sprache der Opfer …”

Quelle:

http://www.psychologie-aktuell.com


Gewalt, die in die Gene dringt


BR-online 5.03.2010

Tief dringt sie in die Kinderseele ein und schlägt Wunden, die oft ein ganzes Leben lang nicht mehr heilen: Gewalt, sei sie physischer, verbaler oder sexueller Art. Kindsmissbrauch führt aber nicht nur zu psychischen Traumata, er schreibt sich bis in die Gene der Opfer ein, zeigen neuere Studien.

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Der Impuls sich selbst zu zerstören


Der Impuls sich selbst zu zerstören ist etwas, was so gut wie alle, die sexuelle Gewalt erfahren haben kennen.
Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bei Depressionen, einer bipolaren Störung oder einer Psychose im Sinne einer „Borderline“-Erkrankung sind selbstverletzendes Verhalten und/oder Suizidalität sogar Kernsymptome.

Aber auch Menschen, die Gewalterfahrungen therapeutisch bearbeitet haben, davon ausgehen, sie in ihre Biografie integriert zu haben und sich im Großen und Ganzen wieder als gesund ansehen, erleben immer wieder Phasen, die von Selbstzerstörungstendenzen geprägt sind.

Manchmal lässt sich sogar kein direkter Auslöser im Alltag dafür finden, diese Impulse brechen scheinbar unvermittelt in das Leben der Betroffenen hinein.

Eine interessante Erklärung hierfür, die die biologische, psychiatrische und psychologische Sichtweise miteinander verbindet gibt Prof. Joachim Bauer, Arzt für innere Medizin, Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie in seinem Buch „Warum ich fühle, was du fühlst“, Heyne Verlag, 12. Auflage, Taschenbucherstausgabe

Auszug, Seite 112 – 115 :

Zitat:

Spiegelneurone als soziale Orientierungssysteme

Das System der Spiegelneurone ist ein soziales Orientierungssystem. Es gibt uns, zumindest in Maßen, Sicherheit im sozialen Umfeld. Und nun wird klar, was es bedeutet, wenn das Orientierungssystem ausfällt, dem wir die Vorhersehbarkeit unseres Umfelds verdanken. Eine solche Situation bedeutet Unberechenbarkeit und Gefahr. In jeder Gefahrensituation aktiviert der Körper eine größere Zahl von Abwehrmechanismen, die zusammenfassend als biologische Stressreaktion bezeichnet werden. Systematischer sozialer Ausschluss ist somit chronischer biologischer Stress, und chronischer Stress ist ein Krankheits- und Selbstzerstörungsprogramm. Biologische Selbstzerstörungsprogramme, die unter bestimmten Bedingungen aktiviert werden, sind ein überall in der Natur anzutreffendes Phänomen. Selbst einzelne Zellen verfügen über die Option, Gene anzuschalten, um die eigene Selbstzerstörung, „Apoptose“ genannt, in die Wege zu leiten. Einen ganz ähnlichen Mechanismus gibt es bei Nervenzellen des menschlichen Gehirns. Überhöhte Konzentrationen körpereigener Alarmbotenstoffe wie Glutamat und Cortisol können den Tod von Nervenzellen bewirken.

Geradezu unheimlich muten psychologisch angebahnte Selbstzerstörungseffekte an, die nach Erfahrungen sozialer Zurückweisung auftreten. Die bekannteste Spielart solcher Programme ist der Suizid (1). Als Suizidauslöser sind seit langem – das wusste bereits Goethe – soziale Kränkungen und/oder der Verlust einer bedeutsamen Bezugsperson bekannt. Erst in den letzten Jahren hat man herausgefunden, dass auch Menschen mit schweren körperlichen
Gewalterfahrungen, bei denen die erlittene Tat zu einer Zerstörung der persönlichen Integrität und des Selbstwertgefühls geführt hat, intuitive (!) Impulse erleben, sich umbringen zu müssen. Bei Personen, die eine traumatische Erfahrung gemacht haben, ist das Risiko

(1) Der Suizid ist nicht das einzige Selbstzerstörungsprogramm, das psychologisch angebahnt wird. Andere Programme, beispielsweise die Sucht, realisieren einen „Suizid auf Raten“.

nachgewiesenermaßen objektiv erhöht, impulsiv Suizidhandlungen zu begehen. Weshalb Suizidalität ? Suizidhandlungen für eine „natürliche“ Folge schlimmer Erfahrungen zu halten, gehört zu jenen impliziten Gedankenlosigkeiten des Alltags, von denen bereits die Rede war, und ist alles andere als eine Erklärung, sondern schlicht eine Binsenweisheit, an die wir uns gewöhnt haben.
Warum also erhöhen Erlebnisse sozialer Enttäuschung, Zurückweisung, Verachtung und Gewalt das Risiko der Suizidalität? Die Antwort könnte darin liegen, dass die negative Erfahrung, die einer Person zugestoßen ist, in ihr ein Handlungsprogramm aktiviert hat und dass dieses Programm nun zu Ende führen möchte, was die erlittene Erfahrung nicht zu Ende gebracht hat: die Zerstörung der eigenen Person. Die Aktivierung eines Programms, das  – in der eignen Vorstellung – den vollständigen Ablauf einer Sequenz aufscheinen lässt, die durch eine Erfahrung nur angedeutet bzw. in die Wege geleitet wurde, dies ist die geradezu typische Leistung der Spiegelsysteme.
Nehmen wir eine Extremerfahrung, um deutlich zu machen, worum es geht: Was bedeutet die Tat eines Menschen, der einem anderen schwere Gewalt zugefügt hat?
Welche Handlungsprogramme treten im Opfer nach einem erlittenen Gewaltakt in Resonanz? Eigenartigerweise werden bei Opfern überwältigender Gewalt meist keine Programme für  Revanche oder Rache aktiviert (was Außenstehende oft nicht verstehen können). Das „Programm“ einer Gewalttat hat die Botschaft: Du bist nichts wert, ich kann dich behandeln wie eine wertlose Sache, man darf und sollte dich zerstören. Im Verlauf einer
Überwältigungstat geht das Handlungsprogramm des Täters, über die unvermeidliche spiegelnde Aktivierung neuronaler Handlungsprogramme im Opfer, vom Täter auf das Opfer über. Dieser Vorgang läuft komplett unbewusst ab. Auch seine Folgen sind unwillkürlich und dem Bewusstsein entzogen: Wie Traumatherapeuten immer wieder feststellen, spürt das Opfer nach der erlittenen Gewalt eine intuitive Tendenz, selbst das auszuführen bzw. zu Ende zu bringen, was die Tat suggerierte, nämlich eine Suizidhandlung. Erst im Rahmen einer tiefenpsychologisch orientierten Behandlung können wir bei diesen Opfern die unbewusste Identifizierung mit den Vernichtungsabsichten der Täter entdecken und therapeutisch bearbeiten.

Zitatende

Angelika Oetken, Berlin


Missbrauch ist nie ausgestanden


stern.de 2.03.2010

Bei der Diskussion über Kindesmissbrauch – wie den jetzt bekannt gewordenen Fällen in der katholischen Kirche – entsteht manchmal der Eindruck, die Folgen der Gewalt könnten über die Jahre völlig verschwinden. Doch dem widersprechen nicht nur Psychiater, sondern auch neue medizinische Befunde.

Von Frank Ochmann

Gewalt an Kindern hinterlässt nicht nur seelische, sondern auch körperliche Schäden, die bleiben© Colourbox
Es ist noch nicht lange her, da war Kindesmissbrauch für die meisten in unserem Kulturkreis keine große Sache. So gingen die Autoren der millionenfach gelesenen “Kinsey-Reports” von 1948 und 1953 davon aus, merklicher Schaden für das Kind durch sexuellen Verkehr mit Erwachsenen sei allenfalls zu befürchten, falls dessen Eltern sich anschließend irritiert zeigten. Nur kurzfristig seien bei einem Kind Symptome von Angst und Schrecken möglich, hieß es auch in anderen Studien. Davor vermuteten Wissenschaftler sogar, oft wären es die Kleinen selbst, die Erwachsene zum Sex verführten, nicht umgekehrt. Das Kind folge “unbewusstem Begehren” und werde zum “mehr oder weniger willigen Partner”, hieß es zum Beispiel. Erst parallel zur Emanzipationsbewegung der Frauen und sexueller Minderheiten in der westlichen Welt wurde das Kind überhaupt als Opfer sexueller Gewalt entdeckt. Erst nach Pille, Mondlandung und Ostpolitik wuchs bei uns ganz allmählich das Bewusstsein für die hohe Zahl solcher Taten und ebenso für die traumatischen Folgen. Von “Seelenmord” reden mit solchen Fällen vertraute Fachleute.

Und nein, Bischof Mixa, das bisher Gesagte stützt keineswegs Ihre an langen Haaren und Rastalocken herbeigezogenen Entschuldigungsversuche, mit denen Sie das Versagen der Hirten offenbar auf Ihnen sexuell zu freizügige “68er” abwälzen möchten. Denn auch das sagen Experten: Nicht der Sex ist das Element des Missbrauchs, das die Seelen mordet, sondern die Gewalt, die den Opfern angetan wird, der oft über Jahre in die Wege geleitete Bruch des Vertrauens und das brutale Ausnutzen eigener Macht. Explizit sexueller Charakter liegt geschätzt nur in etwa einem von zehn Missbrauchsfällen vor. Doch immer ist die Misshandlung eine Vergewaltigung. Und die lässt sich nicht mit dem öffentlichen Zurschaustellen von ein paar nackten Brüsten oder Schenkeln mehr oder weniger erklären, wie es jetzt versucht wird. Missbrauch jeglicher Art gab es in kirchlichen Einrichtungen – richtig, nicht nur da! – auch schon zu Zeiten, als Oswald Kolle noch ein Kind war. Das zeigen zum Beispiel die Protokolle der irischen Fälle, die bis in die 1930er Jahre zurückreichen.

Auch die Gene tragen Schäden davon

Das Erlebnis der eigenen Ohnmacht und der übermächtigen Gewalt, die über die Opfer kommt, verletzt nicht nur deren Seele tief und bleibend. Bereits vor etwa einem Jahr veröffentlichten kanadische Wissenschaftler eine Untersuchung, bei der die Spuren der Gewalt bis in die Gene des Gehirns verfolgt werden konnten. Damals lag der Schluss nahe, dass der Missbrauch die Stressabwehr herabsetze und die Betroffenen so zum Beispiel für psychische Erkrankungen besonders anfällig mache. Bei dieser Studie waren bestimmte Gene von Suizidopfern mit und ohne Missbrauchsgeschichte verglichen worden.

Jetzt stützt eine weitere Arbeit die These, dass die Gewalt gegen Kinder bis ins Erbgut dringt. Forscher der amerikanischen Brown University in Providence, Rhode Island, nahmen sich so genannte Telomere vor. Dabei handelt es sich um biochemische Schutzkappen, die an den Enden der Chromosomen dafür sorgen, dass die DNA dieser Erbgutpakete in unseren Zellkernen nicht geschädigt wird. Dabei scheint die Länge dieser Endstücke etwas damit zu tun zu haben, wie wirkungsvoll sie sind. Jedenfalls schrumpfen Telomere im Laufe des Lebens mit jeder Zellteilung. Der genaue Zusammenhang zwischen Länge und Schutzwirkung ist noch nicht ganz klar. Trotzdem gibt es eine klare Verbindung, die von einer Schädigung der Telomerfunktion zu einer Schädigung der Zelle und schließlich des ganzen Organismus führt.

Die Lebenserwartung verkürzt sich

Nicht nur das Alter macht Telomeren zu schaffen, sondern auch Stress. In der Kindheit erfahrene Gewalt zum Beispiel, wie die jetzt publizierte Studie mit ersten Resultaten nahelegt. Weder konnten Alter oder demografische Faktoren das Resultat erklären noch Gewichtsunterschiede oder etwa Rauchen. Allein als Kind schlecht behandelt worden, vernachlässigt oder missbraucht worden zu sein, erklärte die durchschnittlich kürzeren Schutzenden des Erbguts. Natürlich bedeutet das nicht, alle Opfer werden gleich schwer getroffen und können sich nie wieder erholen. Große Unterschiede, zum Beispiel bei der inneren Widerstandskraft, gibt es zwischen ihnen ebenso wie bei allen anderen Menschen. Doch betrachtet man die Messergebnisse als Block, zeichnet sich eine klare Richtung ab: Kinder leiden nicht nur, während sie misshandelt und missbraucht werden und vielleicht noch eine gewisse Zeit danach. Schlimmstenfalls kostet sie die Gewalt, die ihnen angetan wird, auch physisch ihre Gesundheit und am Ende Jahre ihres Lebens. Auch das sollte berücksichtigt werden, wenn es um eine mögliche strafgesetzliche Neuregelung geht, wie sie jetzt von Politikern in Aussicht gestellt wurde: Aus der Perspektive der Opfer kann Missbrauch nicht verjähren.

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Quelle:

http://www.stern.de/wissen/mensch/kopfwelten-missbrauch-ist-nie-ausgestanden-1547637.html


Alte Angst


FR-online.de 7.02.2010

Internationale Tagung auf dem Campus Westend behandelt Vererbung von Traumata
Von Alicia Lindhoff

Wir Kinder der Kriegskinder”, “Die Gesellschaft der Überlebenden” oder einfach “Kriegsenkel”: So oder ähnlich lauten die Titel auf dem großen Tisch im Untergeschoss des Bücherhauses Hugendubel. Die Auswirkungen der Kriegserfahrungen auf die heutige Gesellschaft – 65 Jahre nach Kriegsende bewegt die Deutschen das Thema.

Und nicht nur die. Vom 5. bis zum 7. Februar tagt in Frankfurt eine Konferenz der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA). Drei Tage lang befassen sich dort renommierte Wissenschaftler aus aller Welt mit den “langen Schatten früher und später Traumatisierungen”. Vor einem solchen Hintergrund liegt es nahe, die Folgen des vielleicht größten kollektiven Traumas der westlichen Welt in den Fokus zu nehmen: Die Shoa. Schon seit geraumer Zeit ist bekannt, dass in Familien mit Extrem-Traumatisierungen, wie sie bei Holocaustüberlebenden, aber auch auf der Täterseite vorhanden sind, die Traumata an die zweite und dritte Generation weitergegeben werden. Aus psychologischer Sicht ist das nicht verwunderlich: “Für die normale Entwicklung von Kindern ist es essentiell, dass sie von ihren Eltern eine Art ,Urvertrauen´ in die Welt vermittelt bekommen”, erläutert Marianne Leuzinger-Bohleben, Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Institutes. Sei dieses Vertrauen bei der Mutter nicht vorhanden, könne sie es auch nicht auf ihr Kind übertragen. “Bei traumatisierten Müttern kommt bei jedem Schrei des Kindes wieder die alte Angst und Hilflosigkeit hoch.”

Neu ist aber, was Wissenschaftler jetzt in einem beispiellosen Zusammenspiel von Genforschung und Psychoanalyse herausgefunden haben: Eine solche Übertragung von Traumata auf die nächste Generation ist auch genetisch belegbar. Der US-Forscher Stephen Suomi hat bei Langzeitstudien mit Rhesusaffenbabys einen Zusammenhang zwischen Kindheitsumfeld und Genstruktur entdeckt.

Die Erbanlagen von Affen, deren Mutter in ihren ersten Lebensmonaten abwesend oder nicht in der Lage war, sie zu schützen, verändern sich demnach so, dass sie später eher zu Angst und Aggression neigen als ihre Artgenossen, die mit einer sorgenden Mutter aufwachsen. In seinem Vortrag am Sonntag wird Suomi die neuen Impulse in der Psychotherapie vorstellen, die seine Forschungsergebnisse liefern könnten.

Charles Hanly, Präsident der IPA, bescheinigt Frankfurt eine bedeutende Rolle in der internationalen Psychoanalyse. Besonders die Präventionsstudien des Sigmund-Freud-Institutes zur Förderung von Kindern aus problematischen Verhältnissen hebt er als wegweisend hervor.

Dass die Psychoanalyse auch in anderen Bereichen nicht nur graue Theorie ist, sondern ganz nah an gesellschaftlichen Problemen ansetzt, macht Hanly selbst deutlich: Der kanadische Psychoanalytiker beschäftigt sich seit Jahren mit Ursachen von Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Suizidgefährdung. Ein Großteil der Patienten habe in jungen Jahren mit sexuellem Missbrauchs zu tun gehabt, erzählt er.

Seine Erfahrungen zeigten, dass “menschengemachte” Traumata bei ihren Opfern oft größere psychologische Zerstörungen auslösen als etwa Naturkatastrophen. Vor allem dann, wenn der Missbrauch durch eine Person geschehe, die dem Opfer nahestehe oder – wie in den aktuell aufgedeckten Fällen des Missbrauches während kirchlicher Jugendarbeit – eine erzieherisch wirke. Abermals spricht der Wissenschaftler vom “Urvertrauen”, das dann verloren gehe.

Zudem glaubten die Opfer von Missbrauch meist, schuldig am Geschehenen zu sein. “Es klingt vielleicht zynisch, aber für ein Erdbeben wie in Haiti wird sich keiner der Betroffenen verantwortlich fühlen”, erklärt Hanly den Unterschied zwischen “äußeren” und “inneren” Traumata.

Quelle:

http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/campus/2277538_Alte-Angst.html


Wenn Sex zum Schmerzmittel wird


Von Simone Matthieu.

Immer wieder hören wir von sexsüchtigen Prominenten. Zurzeit lässt sich etwa Tiger Woods gegen diese Abhängigkeit therapieren. Was steckt hinter diesem Phänomen?

In der berühmten Pine Groove Klinik im Süden von Mississippi lässt Tiger Woods zurzeit seine Sexsucht therapieren. Er hat sich damit in die wohl fähigsten Hände auf diesem Gebiet begeben: Der dort tätige Psychologe Patrick J. Carnes ist Pionier und Koryphäe auf dem Gebiet der Hypersexualiät. Carnes definiert Sexsucht so: «Nur ein ausser Kontrolle geratenes Verhalten, das einhergeht mit den klassischen Anzeichen für Sucht – Besessenheit, Machtlosigkeit und die Benutzung von Sex als Schmerzmittel – weisen auf sexuelle Sucht hin.»

Auf wen diese Beschreibung zutrifft, der sollte sich Hilfe holen. Viele Prominente haben das getan: Michael Douglas, David Duchovny, Ron Wood oder Liza Minelli. Obwohl Frauen nur 10 Prozent der Sexsüchtigen ausmachen, können sie genauso darunter leiden. Schätzungen zufolge sind 4 bis 5 Prozent der Bevölkerung sexsüchtig.
In den USA gibt es Fachkliniken, die sich auf die Behandlung dieser Störung spezialisiert haben. In der Schweiz stehen Betroffenen Einzeltherapien bei Psychologen oder Psychiatern zur Verfügung sowie Selbsthilfegruppen, die meist als sehr hilfreich empfunden werden. Eine davon betreibt das Mannebüro Zürich. Ähnliche Angebote gibt es in allen Schweizer Städten.

Mit dem Problem nicht allein sein

Werner Huwiler, Gruppenleiter beim Mannebüro zürich, betont gegenüber bazonline.ch/Newsnetz den Vorteil der Gruppentherapie: «Viele Männer, die bei uns Hilfe suchen, haben bereits verschiedenste Sachen ausprobiert und fast schon resigniert. Umso grösser ist die Erleichterung, wenn sie bei uns feststellen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.» Der Leidensweg sei bei den meisten Betroffenen lang. Beziehungen gingen an ihrer Sucht kaputt und einige landeten dadurch in der sozialen Isolation. Sexsucht kostet auch viel, je nachdem, wie häufig die Süchtigen zu Prostituierten oder ins Bordell gehen müssen.

Auf Gruppentherapien setzt auch Dr. Carnes. Mindestens sechs Wochen dauert ein Aufenthalt in der Pine Groove Klinik, soll er erfolgreich sein. Neben Gruppensitzungen erhält der Patient Einzeltherapien, bei denen speziell auf vergangene Traumata und familiäre Probleme fokussiert wird. Laut Dr. Carnes ist es emminent wichtig, den Partner des Patienten ebenfalls in die Therapie miteinzubeziehen. Auch bei Tiger Woods gehört das zum Weg der Besserung: Seine Frau Elin Nordegren ist immer wieder bei ihm in der Klinik und offenbar bereit, ihrem Mann eine zweite Chance zu geben.

Sex als Genuss, nicht als selbstauferlegter Zwang

Das Ziel von Huwiler und seinem Mannebüro ist, die Betroffnen zu lehren, Sex zu geniessen und nicht einfach nur zu konsumieren. Mit Körperarbeit – Übungen im Bereich der Atemtechnik, Bewegungs- und Entspannungstechniken – soll das erreicht werden. Die Techniken lernen die Männer in der Gruppentherapie, zu Hause können sie sie im Selbststudium üben.
Huwiler nennt das «eine Art Weiterbildung, bei der die Methoden der Selbstbefriedigung erweitert werden». Der Mann solle nicht nur vor dem Computer sitzen und onanieren, sondern seine Sexualität ganzheitlich geniessen. «Sexsüchtige sind oft nur auf pornografische Bilder fokussiert. Es geht darum, die körperlichen Empfindungen auch zuzulassen und alles wahrzunehmen. Sobald man mehr geniessen kann, werden die Bilder weniger wichtig», so Huwiler.

Quelle:

(bazonline.ch/Newsnetz) Erstellt: 29.01.2010, 12:41 Uhr  http://bazonline.ch/panorama/leute/Wenn-Sex-zum-Schmerzmittel-wird/story/27583639


Stress-Hormon und Alkoholismus hängen zusammen


Einen Zusammenhang zwischen dem Stress-Hormon “Corticotropin Releasing Factor” (CRF) und der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit haben Wissenschafter um Marisa Roberto vom The Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien aufgedeckt. Bei Ratten gelang es experimentell sogar, die Symptome einer Alkohol-Abhängigkeit durch die Blockierung von CRF zu unterbinden.

Die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift “Biological Psychiatry” veröffentlicht. Die Studie sei ein wichtiger Schritt zu verstehen, wie sich das Gehirn beim Übergang zur Alkoholsucht verändert, so die Wissenschafterin. Dabei habe man sich auf “die dunkle Seite” der Krankheit konzentriert: also den Drang zu trinken, nicht weil es Vergnügen bereitet, sondern Ängste vor dem Entzug unterdrückt.

CRF ist Teil der Antwort des Körpers auf Stress. Ursprünglich wurde es in der Gehirnregion des Hypothalamus entdeckt. Nun konnte es aber auch in anderen Bereichen nachgewiesen werden, etwa in der Amygdala. Dieser auch Mandelkern genannte Abschnitt des Gehirns wird mit verstärkten Ängsten und auch exzessivem Trinken im Falle einer Alkoholsucht in Zusammenhang gebracht.

In Tierversuchen haben die amerikanischen Forscher den Stressfaktor CRF durch sogenannte Antagonisten chemisch blockiert. Bei Ratten zeigten sich durchschlagende Erfolge. So wurden alkoholabhängige Tiere durch längere Gabe des Antagonisten wieder zu moderaten Trinkern, ganz ähnlich wie gesunde Artgenossen. Mit anderen Worten, die Blockierung von CRF könnte exzessiven Alkoholkonsum verhindern, ist Roberto überzeugt.
apa.at

Quelle:

http://www.springermedizin.at/apa-artikel/?full=15048


Umgang mit dem Trauma


Diagnose, Neurobiologie und Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, engl.: posttraumatic stress disorder, PTSD) wird klinisch charakterisiert durch die Symptomtrias „Wiedererinnern“ (so genannte intrusive Symptomatik, engl.: re-experiencing), „Vermeidung und Betäubung“ (engl.: avoidance and numbing) und „vegetative Übererregbarkeit“ (engl.: increased arousal). Diese Störung stellt insofern eine Ausnahme des phänomenologisch-beschreibenden, diagnostischen Ansatzes der modernen psychiatrischen Diagnosesysteme dar, als sie einen eindeutigen ätiologischen Bezug nimmt – nämlich auf ein erlebtes Trauma. Im Folgenden sollen spezielle Aspekte der PTBS zur geschichtlichen Entwicklung der Erfassung des Störungsbildes sowie betreffend Diagnose, Risiko- und Resilienzfaktoren, Neurobiologie und Therapie dargestellt werden.

Dass ein erlebtes Trauma zu bleibenden Veränderungen in den psychophysiologischen Funktionen eines Menschen führen kann, wurde schon früh erkannt. Schon Herodot beschrieb 490 v. Chr. den Fall eines Soldaten, der erblindete, nachdem er den Tod eines Mitsoldaten am Schlachtfeld gesehen hatte. Bemerkenswerterweise sollten die hinzugezogenen Ärzte keine körperliche Ursache für diese Erblindung gefunden haben.

Weiter lesen:
http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/p-z/psychiatrie-und-psychotherapie/?full=14613


Auswirkungen – Wissenschaft/Forschung


Zum Thema “Sexueller Missbrauch – Auswirkungen auf das Kind” werden demnächst hier Artikel eingefügt.

Gern können Sie daran mitarbeiten. Nachfragen per e-mail an: norbert@denef.com