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	<title>netzwerkB &#187; – Wissenschaft/Forschung</title>
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	<description>netzwerkB ist eine unabhängige Interessenvertretung in der sich Betroffene von sexualisierter Gewalt für die Rechte Betroffener einsetzen.</description>
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		<title>Multiple Persönlichkeit als Fähigkeit des Selbstseins/ Grenzen des Ichs (philosophische Betrachtung)</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 15:25:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[netzwerkB 11.08.2011 von Norman Schultz Im letzten Artikel zu den Grenzen des Ichs, hatte ich ja bereits die Philosophie auf multiple Persönlichkeiten bezogen. Mir kam nun nur zu Ohren, dass das Thema umstritten sei und mein Artikel im Umfeld von netzwerkB auch diskutiert worden sei. Da ich mich relativ unkritisch und unvoreingenommen mit dem Thema “Multiple [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>netzwerkB 11.08.2011</p>
<p>von <a href="http://www.entgrenzen.de/" target="_blank">Norman Schultz</a></p>
<p>Im letzten Artikel zu den <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">Grenzen des Ichs</a>, hatte ich ja bereits die Philosophie auf multiple Persönlichkeiten bezogen. Mir kam nun nur zu Ohren, dass das Thema umstritten sei und mein Artikel im Umfeld von <a href="http://www.netzwerkb.org/" target="_blank">netzwerkB</a> auch diskutiert worden sei. Da ich mich relativ unkritisch und unvoreingenommen mit dem Thema “Multiple Persönlichkeit” auseinandergesetzt habe, habe ich nun die Nächte durchgearbeitet und versucht auf mögliche Einwände zu reagieren. <span id="more-8996"></span>Eigentlich sollten diese Beiträge, die Interviews mit Sophie Stein, einer multiplen Persönlichkeit, nur begleiten. Nun ist es allerdings zu einem sehr langen Artikel gekommen, wobei ich recht dankbar wäre, wenn diesen auch jemand liest. Die Textfülle zeugt von der Schwierigkeit des Problems. Da der Texte hier nun recht schwer ist, verstehe ich, dass nicht jeder die Zeit hat, sich da durchzuwühlen und das ist auch sicher nicht Sinn der Sache, daher stelle ich die Videos (nochmals Teil 1 und Teil 2) der Interviews gleich an den Anfang. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit Norman Schultz.</p>
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<p><strong>Das Problem der Faszination für multiple Persönlichkeiten</strong></p>
<p>Multiple Persönlichkeiten faszinieren, denn sie versammeln viele Eigenschaften, beherrschen beispielsweise unterschiedliche Handschriften und besitzen oftmals viele verschiedene, überraschende Talente. Hinzu kommt, dass multiple Persönlichkeiten oftmals eine erschütternde Geschichte aufweisen. Aufgrund dieser Umstände ist das Phänomen der multiplen Persönlichkeit prädestiniert als Modeerscheinung gehandelt werden zu können. Das Buch „Vater unser, der du bist in der Hölle“ gibt hiervon ein Zeugnis (<a href="http://www.xn--vaterunserinderhlle-56b.de/die-ebay-geschichte/index.html" target="_blank">http://www.xn--vaterunserinderhlle-56b.de/die-ebay-geschichte/index.html</a>). Ich selbst halte das Buch für problematisch. So wird meiner Erinnerung nach in dem Buch ein Zirkel von Innenpersonen beschrieben, die von einer satanistischen Sekte insoweit manipuliert und teilweise erzeugt worden sind, so dass diese gegen die Hauptperson unerkannt handeln (Ich habe das Buch leider gerade nicht zur Hand, um das genau zu überprüfen). Nach Rücksprache mit Sophie Stein hält sie solcherlei Persönlichkeitsinduzierungen durch die Täter auch für fragwürdig, obwohl solcherlei Fälle nicht auszuschließen sind. Ich möchte keineswegs der Frau, auf der diese Geschichte basiert, zu nah treten und ich kann mir vieles vorstellen. Und dennoch kommen hier Zweifel auf und es stellt sich die Frage: Sollen wir ohne Weiteres glauben? Diese Frage stellt sich auch an das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“, das sich häufig mit unvorstellbaren Geschichten sexualisierter Gewalt überkreuzt.</p>
<p><strong>Zur Schwierigkeit für den Journalismus</strong></p>
<p>Journalistische Darstellungen müssen sich hier zerreißen; zerreißen zwischen Vertrauenswerbung beim Betroffenen und dem unglaublichen Terrain „sexualisierte Gewalt“ mit all den Abgründen und Randbereichen des Vorstellbaren. Sie recherchieren auch am Rand der Gefahr gegenüber möglichen Tätergruppen, die gut organisiert sind. Damit verbinden sich Schwierigkeiten die Vergangenheit überhaupt überprüfen zu können und kritisch zu gewichten. Ich stelle es mir schwierig vor, insofern der Betroffene eine labile Person ist, diesen kritisch zu hinterfragen. Zeugenbefragung ist so gut wie ausgeschlossen, da die Tat oftmals Jahrzehnte zurückliegt und eine Zeugenbefragung eigentlich immer eine Mittäterbefragung darstellt, insofern diese nicht eingegriffen haben. Letztlich sind die Journalisten stark angewiesen auf die Aussage des Betroffenen.</p>
<p>Heißt das nun, dass wir Betroffenen, die sich zu Wort melden nicht glauben können? Was können wir glauben? Wir können durchaus davon ausgehen, dass ganze Tätergruppen Kinder missbrauchen. Wie diese organisiert sind, verschwindet im Dunkel der Kriminalität. Es sind ja keine Vereine, die wir ohne weiteres zahlenmäßig erfassen könnten. Geschätzte Umsätze im Bereich Kinderpornografie lassen uns aber auf eine breite Subkultur schließen. Nehmen wir die Zahlen des Ärzteblattes ernst, so wurden 1,9% der unter 14 jährigen schwerer sexualisierter Gewalt ausgesetzt (<a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=87643" target="_blank">http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=87643</a>). Berücksichtigen wir nun weiter, dass bei standardisierten Fragebögen eine gewisse Fehlerquote anzusetzen ist (Denn wer antwortet bei schwerer sexualisierter Gewalt in einem Fragebogen unter der Angst, den Tätern könnte dieser Fragebogen doch irgendwie in die Hände fallen? Oder wer glaubt sogleich der Fragebogen wäre wirklich anonym?); berücksichtigen wir diesen Umstand also, so können wir von einer überraschenden Anzahl von Tätern ausgehen. Sexualisierte Gewalt ist also Fakt, ein weitreichendes gesellschaftliches Problem, und daher ist auch jeder Betroffene ernst zu nehmen und zwar ernster als dies gegenwärtig in unserer Gesellschaft geschieht, denn im Hinblick darauf, dass diese Delikte so häufig sind, werden diese sehr selten aufgedeckt und thematisiert. Verschärfend muss hinzugefügt werden, dass bei Fällen sexualisierter Gewalt kein Zusammenhang zwischen Schichtzugehörigkeit der Personen festzustellen ist (im Gegensatz zu schwerer Gewalt oder Vernachlässigung). Schwere sexualisierte Gewalt kann also überall geschehen. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass Kinder von schwerer sexualisierter Gewalt berichten. Der Grund, warum wir so selten davon erfahren hängt eher damit zusammen, dass unsere Gesellschaft dieses eher tabuisiert als ernst nimmt und Betroffene als “Opfer” brandmarkt.</p>
<p>Welche Erzählungen in den Randbereichen der schweren sexualisierten Gewalt können wir allerdings ernst nehmen? Obwohl die Anzahl der Taten so groß ist, sehen wir diese Taten im Alltag kaum. Die Sichtbarkeit der Taten ist nicht gegeben und so ist der genaue wissenschaftliche Umgang damit schwierig. Ich unterstelle, dass sich daher schnell Gerüchte um mögliche kriminelle Vereinigungen etablieren lassen, ohne dass wir konkrete Möglichkeiten hätten, diese Gerüchte zu überprüfen. Wie gehen wir daher mit Aussagen zu beispielsweise Satanskulten um, ohne uns zu versteigen? Die Sache erweist sich als schwierig. Hier müssen wir mit Einzelberichten vorsichtig sein und hoffen, dass die Kriminalpolizei, die bessere Möglichkeiten der Recherche hat, einen guten Dienst verrichtet. Das heißt aber nicht, dass es abwegig ist, dass eine Person von Massenvergewaltigungen berichtet. Die Deutungen satanischer Kulte müssen wir allerdings zunächst als Deutungen hinnehmen und so sehe ich es auch für das Buch „Vater unser, der du bist in der Hölle“. Die Handlungen können durchaus kultischen Charakter gehabt haben, die Frage ist, wie weit die Schlussfolgerungen hier zu einer großen kultischen Organisation reichen (wie es die Fußnoten am Ende des Buchs suggerieren). Unabhängig von meiner persönlichen Meinung sehen wir hier zumindest, dass sich das Feld sehr schnell für Spekulationen aller Art öffnet, denn wo sich erst der Abgrund des Unvorstellbaren für Nicht-Betroffene auftut, dort versammeln sich auch schnell Andeutungen und Hinweise, die zu schnell überinterpretiert werden. Vielleicht drängt der Journalist auch den Betroffenen zu bestimmten Aussagen. Wir haben es zumindest schwer solch anonymisierte Bücher ganz genau beim Wort zu nehmen.<br />
<strong><br />
Was bedeutet diese Schwierigkeit der Überprüfbarkeit für multiple Persönlichkeiten</strong></p>
<p>Da multiple Persönlichkeiten nun zumeist von Taten betroffen sind, die sich ein Mensch, der nicht betroffen ist, nur schwer vorstellen kann, kommen auch hier Zweifel auf. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass im psychatrischen Umfeld psychisch Kranke sich belesen und dabei Geschichten erfinden oder sich selbst als multiple Persönlichkeit stilisieren. Es ist nicht auszuschließen, dass eine schwer traumatisierte Person, Geschichten ihrer Vergangenheit reinterpretiert, auch wenn der Kern der Geschichte, die sexualisierte Gewalt, Bestand hat. Es ist auch durchaus vorstellbar, dass psychatrische Gutachter sich täuschen lassen und eine solche „Störung“ unterstellen, obwohl nur ein schauspielernder Verbrecher hiermit auf Unzurechnungsfähigkeit spekuliert. Das macht das seltene Phänomen der multiplen Persönlichkeit einhergehend mit diesen seltenen Fällen der Täuschung für theoretische Betrachtungen äußerst schwer zu handhaben.<br />
<strong><br />
Probleme einer empirischen Wissenschaft</strong></p>
<p>Hinzu kommt das Problem der geringen Fallzahlen. Geringe Fallzahlen sind für quantitativ-empirisch arbeitende Wissenschaftler immer ein Problem. Aus einer einmaligen Beobachtung lässt sich leider nicht so viel schlussfolgern. Ganz simpel und theoretisch gesprochen: Wenn ich einmal in meinem Leben einen Sonnenaufgang beobachte, dann weiß ich noch nicht viel über Sonnenaufgänge, vor allem nicht, wie und wann und was sich da eigentlich vollzieht. Ich gewinne dabei eher Fragen als eindeutige Befunde. Zuverlässige therapeutische Ansätze lassen sich daher erst nach vielen Jahren und nach Auswertung von Studien bestimmen – für Diagnosen gilt gleiches.<br />
Natürlich ist es mittlerweile auch so, dass die Ansätze nicht im Blindlfug erprobt werden, sondern auf Kohärenz mit der bisherigen Theorie überprüft werden. Über den wirklichen Erfolg kann aber letztlich nur die Statistik Auskunft geben. Da also nur sehr wenige Fälle von multipler Persönlichkeit bekannt sind, ist es hier schwierig in quantitative Bereiche vorzustoßen. In der Folge heißt das, dass viele Theorien auf den Markt geworfen werden können, die eher einer Geisteswissenschaft entsprechen und sich daher im Bereich der Kohärenz (vereinfacht: einheitlicher Zusammenhang) bewegen, das heißt es wird geschaut, wie stimmt der Interpretationsansatz mit anderen vertrauenswürdigen Ansätzen überein. Angesichts der Unerforschtheit des menschlichen Daseins – sowohl im Hinblick auf seine Sinndimension als auch seine Funktionsweise – bietet sich hier der optimale Nährboden für Schulenstreits, das heißt Schulen, die nach unterschiedlichen Modellen konkurrierende Daseinsinterpretationen auf Kohärenz prüfen.</p>
<p><strong>Das Problem der Fehldiagnosen</strong></p>
<p>Aber zu den niedrigen Fallzahlen gesellt sich noch ein weiteres Problem: Je weniger Fälle, desto schwerwiegender wirken sich Fehldiagnosen auf die Anerkennung des Phänomens aus. Wenn nämlich wenige anerkannte Fälle von Schizophrenie existieren (nehmen wir an es seien weltweit nur 10), dann werden sich zwei oder drei Fehldiagnosen schon erheblich auf das Vertrauen in die Diagnose des Phänomens auswirken. Hier werden dann Fehldiagnosen weniger den vorschnellen Therapeuten angelastet, sondern übertragen auf die Plausibilität des Phänomens überhaupt. Die Schlussfolgerung lautet dann schnell: Vielleicht gibt es multiple Persönlichkeiten nicht, denn viele zuverlässige Fälle gebe es bisher nicht. Was folgt sind Einzelfalldiskussionen und so lassen sich im Internet vor allem Argumentationen entdecken, die auf der Darstellung von Einzelfällen basieren. Ein nicht geprüfter Fall aus dem Internet stellt sich zum Beispiel so dar:</p>
<p>„Fünf Jahre lang lebte ich eine iatrogen induzierte falsche Identität als Multiple Persönlichkeit. Inzwischen habe ich Klage gegen zwei der Therapeuten eingereicht, die nicht in der Lage waren, die Depersonalisationsstörung, die bei mir in Wahrheit vorlag, von der Multiplen Persönlichkeitsstörung zu trennen. Wie auch, es wird ja nicht und nichts differenziert. Egal was man hat, ob man nun Stimmen hört oder nicht, ob man Persönlichkeiten wahrnimmt oder nicht, … alles ist ein Beweis dafür, dass man multipel sein muss.“ <a href="http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-kritik.html" target="_blank">http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-kritik.html</a></p>
<p>Solcherlei, aber auch andere Fälle stellen die Arbeit der Therapeuten in Frage, aber auch die Form der Diagnose. Das Hauptproblem ist jedoch, dass bei geringen Fallzahlen empirische Arbeit unglaublich erschwert ist.<br />
<strong><br />
Die Diagnose der multiplen Persönlichkeit als Mode</strong></p>
<p>Da nun Wissen im Bereich der multiplen Persönlichkeiten sich offensichtlich noch an Fallstudien orientiert, wird verständlich, warum multiple Persönlichkeiten auch als Modeerscheinung bezeichnet werden (<a href="http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-mode.html" target="_blank">vgl. http://psychoinduktion.blogspot.com/2010/09/psycho-mode.html</a>). Es ist eine Mode nach dieser Erkrankung zu suchen (so hat selbst Hollywood einen beliebten Auflösungskniff gemacht). In gewisser Hinsicht halte ich die Idee der Mode jedoch nicht unbedingt für falsch, da ich eine Geschichte der Therapieentdeckung  von schwerer und grausamer sexualisierter Gewalt dahinter vermute. Ich glaube die multiple Persönlichkeit ist nicht unbedingt eine klar feststellbare Struktur, sondern ein komplizierter, kognitiver Mechanismus, der die Identitätsleistung eines Selbst sichern soll. Insofern ist eine multiple Persönlichkeit auch abhängig von den Instrumenten, die sie von Therapeuten zur Selbstwahrnehmung geliefert bekommt. Im Hinblick darauf würde ich dieses allerdings nicht als Mode bezeichnen, sondern die Entdeckung und Hervorholung von multiplen Persönlichkeiten als vielleicht geeignetes therapeutisches Werkzeug zur Traumabewältigung. Dieses Werkzeug musste als Artefakt in der Geschichte tatsächlich erst gemacht werden und daher ist es vielleicht auch als gegenwärtige Mode zu betrachten. Dennoch aber ist es kein modisches Accessoire, mit dem sich Hollywoodbösewichte oder eitle Therapeuten schmücken, sondern ein geschichtlich entstandenes Werkzeug.</p>
<p>Auf der anderen Seite bin ich der Überzeugung, dass sich auch ein fester Kern von Eigenschaften umschließen lässt, welche dennoch immer für multiple Persönlichkeiten gelten. Diese Thesen werde ich im Folgenden weiter erläutern. Wir werden diese Thesen als Thesen gegen Einwände des Phänomens „multiple Persönlichkeit“ sukzessive hervorbringen.<br />
<strong><br />
Warum sollte ich dafür qualifiziert sein?</strong></p>
<p>Was mache ich also. Ich bin kein Psychoanalytiker, kein Psychater, kein Psychologe, habe keinerlei Ausbildung in diesem Bereich und so gut wie keine praktische Erfahrung. Meine Interviews hierzu setzen sich mit einer Frau auseinander, die von sich behauptet multiple Persönlichkeit zu sein. Nun kann es sein, dass ich von ihr systematisch getäuscht werde. Es kann sein, dass sie keine multiple Persönlichkeit ist. Kritiker mögen einwenden, dass ich nicht korrekt diagnostiziere und mich von einer Modetheorie beeinflussen lasse. Ich muss aber hinzufügen, dass das für mich nur eine geringe Relevanz besitzt. Da ich keine therapeutischen Ziele verfolge, muss ich auch keine präzise Diagnose stellen und kann mich ganz auf das mir begegnende Phänomen fokussieren. Ich bin daher frei von Schulperspektiven, die sich hier vielleicht schon etabliert haben. In dem Rahmen wie ich Sophie Stein kennengelernt habe, stellt sie für mich eine multiple Persönlichkeit dar, ohne dass ich korrekte Diagnosen oder Differenzmarker kenne. Ich glaube ohne viel psychologisches Grundwissen, dass sich ihre Hauptperson tatsächlich aus einzelnen sehr starken Persönlichkeitsprofilen zusammensetzt. Ich glaube nicht, dass sie mich und ihren gesamten Freundeskreis systematisch täuscht. Philosophische Gründe, warum ich dies glaube, möchte ich im weiteren Verlauf auch zeigen. Hierbei berufe ich mich vor allem auf die Fragen, wie ein Mensch Identität haben kann, wenn eine traumatische Vergangenheit den Großteil seiner Geschichte ausmacht.</p>
<p>Da ich nun aber Philosoph und kein Psychologe bin, ist vielleicht das einzige Qualitätsplus, das ich in dieser Arbeit anbieten kann, meine Unbefangenheit gegenüber der Debatte zwischen möglichen Schulen (die mir nicht bekannt sind). Und so möchte ich einige mir bekannte Einwände aus der Sicht eines Laien thematisieren.</p>
<p><strong>Schwierigkeit der Einordnung</strong></p>
<p>Einer der wohl größten Kritikpunkte ist, dass multiple Persönlichkeiten durch die Arbeit des Therapeuten ausgelöst werden. Was soll das nun bedeuten? Zunächst kann dies verschiedene Bedeutungen haben.</p>
<p>Dies heißt entweder, dass der Therapeut der Klientin das Phänomen vollständig einredet beziehungsweise dass der Therapeut an das Phänomen glaubt und die Klientin will, dass der Therapeut dieses glaubt.</p>
<p>Oder aber es heißt: Der Therapeut fördert eine gewisse Handlungsweise bei der Klientin (ich sollte wohl Therapiepartnerin sagen). Er fördert einen Vorgang, wobei sich einzelne Persönlichkeiten identifizieren und sich als Aktzentren gewisser Vergangenheiten offenbaren. Diese Förderung ist nicht mit dem Einreden zu verwechseln, da der Therapeut hier nur sehr passiv maieutisch wirksam ist.</p>
<p>Erstere Variante kann tatsächlich in einigen Fällen in Betracht gezogen werden, so am Beispiel des Massenvergewaltigers Billy Milligan (<a href="http://www.xn--uwe-fllgrabe-hlb.de/mediapool/42/428554/data/Unglaublich_aber_wahr/Multipl._Persoenl._als_Prod.pdf" target="_blank">http://www.xn--uwe-fllgrabe-hlb.de/mediapool/42/428554/data/Unglaublich_aber_wahr/Multipl._Persoenl._als_Prod.pdf</a>). Billy Milligan steht im Verdacht das Phänomen der multiplen Persönlichkeit missbraucht zu haben, um eine geringere Strafe zu erzielen. Der Verdacht des Schauspieltalents kommt hier auf als auch der Vorwurf, dass der Therapeut Keyes anscheinend relativ unkritisch Milligan glaubte. Ähnlich schwierig zeigt sich dieses Verhältnis im Fall von Sybill. Der Autor Füllgrabe schreibt hierzu:</p>
<p>“Die Kulissen  waren  aufgebaut, die Bühne war vorbereitet für das Auftauchen der  verschiedenen  Persönlichkeiten. Diese  Formulierung ist deshalb wichtig, weil man der Behauptung, Multiple  Persönlichkeiten  seien tatsächlich ,,in”  einem Menschen,  eine Gegenhypothese  entgegensetzen  muß: Daß während einer (psychoanalytischen)  Therapie mehrere  Persönlichkeiten  auftauchen,  kann auch auf die Suggestivwirkung  eines  (vornehmlich psychoanalytisch  orientierten)  Therapeuten  zurückzuführen  sein, vor allem  wenn der Patient  häufig in Hypnose  versetzt wird. Es ist auch erstaunlich,  daß weder Thigpen  und Cleckley  (1951), noch die Psychoanalytikerin  Schreiber  (1973), noch Keyes (1981)  überhaupt  in Erwägung gezogen  haben,  daß  das Phänomen der MP  ein hypnotisches  Artefakt  sein könnte.“ (Quelle: ebenda)</p>
<p>Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass die multiple Persönlichkeit erst durch den Therapeuten gemacht ist (ein Artefakt), allerdings heißt nicht, dass damit das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“ widerlegt wäre, sondern es bezieht sich nur auf den Ursprung des Phänomens der multiplen Persönlichkeit durch den Therapeuten. Es ist durch menschliche Kunst (arte) gemacht (fakt). Der Ursprung liegt damit nicht direkt in der Vergangenheit der Klienten. Was heißt das aber? Das heißt, auch wenn der Ursprung für multiple Persönlichkeit der Therapeut ist, handelt es sich doch immer noch um eine multiple Persönlichkeit.</p>
<p>Füllgrabe beschreibt solcherlei Entstehungsrituale weiter:</p>
<p>„Ruthie wurde  gerufen:  Schweigen. Die Arztin  wartete.  Dann  sagte  Sybils  Stimme  ruhig: ,,Ich  sehe  sie.” Der Augenblick hatte große  Bedeutung, weil es das  allererste Mal war,  daß Sybil  eine visuelle  Vorstellung  von irgendeinem ihrer anderen Selbst  hatte,  das  erste Mal,  daß sie für  sie in ihrem  eigenen Bewußtsein  existierten.” (Schreiber,  1973, S. 300 zitiert nach Füllgrabe Quelle: Ebenda).</p>
<p>Füllgrabe habe hier nun die Frage offen gelassen, woher dann die ,,Schauspieler&#8221; für das Stück gekommen  seien. Mit dem Recht eines Wissenschaftlers fragt er, ob es sich bei Sybil tatsächlich um eine multiple Persönlichkeit handelt oder ob sie Rollen anderer Menschen übernommen hat. Er verweist auch darauf, dass Sybil psychatrische Literatur gelesen habe.</p>
<p>Er spricht sich noch nicht gegen die multiple Persönlichkeit aus, fordert aber die genaue Überprüfung nach Alternativhypothesen. Und dennoch übersieht Füllgrabe die Frage, ob die Schauspieler für das Stück nicht fortan genau das richtige Stück spielen, nämlich multiple Persönlichkeit. Es fragt sich nämlich an dieser Stelle, ob die auftauchenden Persönlichkeiten in diesen Momenten, der Befreiungsschuss für eine Biografie des Grauens sind (mehr zu dieser These weiter unten). Diese Alternativhypothese zu seiner Alternativhypothese stellt Füllgrabe nicht auf. Auch wenn hier also die Fähigkeit des dissoziierenden Schauspiels zum Tragen käme, so fragt sich doch, ob das Schauspiel nicht direkt zur Lebenswirklichkeit der Betroffenen transformiert wird, das Schauspiel lebensnotwendig und erleichternd ist.</p>
<p><strong>Füllgrabe wertet multiple Persönlichkeit als kognitives Phänomen und als Modererscheinung</strong></p>
<p>Schließlich schlussfolgert Füllgrabe:</p>
<p>„Vielmehr  handelt  es sich bei MP um ein  kognitives  Phänomen, wobei Selbsttäuschung  und Täuschung  eine  Rolle spielen können. Meine  These  zum Phänomen  ,,Multiple Persönlichkeit” ist also: Die Äußerungsformen  von MP durch den gleichen Menschen ist ein hypnotischer  Artefakt, das dem Zeitgeist unterworfen  ist und  durch die Suggestionen  eines  an die Existenz von MP  glaubenden Therapeuten bei einer unglücklichen,  selbstunsicheren Person im Sinne  einer  sich selbst  erfüllenden Prophezeiung  ausgelöst wird.“ (Quelle: Ebenda)</p>
<p>Füllgrabe geht also davon aus, dass multiple Persönlichkeiten durch Therapeuten und Klientin erzeugt werden. Heißt das aber nun, dass das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“ seine Berechtigung verliert? Das Argument hört sich von der Struktur genauso an wie: Was von Menschen technisch erzeugt wird, kann kein Leben sein. Es bietet sich nun keinerlei Begründung in Füllgrabes Argument an, warum selbst eine erzeugte multiple Persönlichkeit keine sein sollte.</p>
<p>Ich möchte das Problem anders als Füllgrabe darstellen. Da die Diagnose multiple Persönlichkeit und die Entwicklung der multiplen Persönlichkeit erst im Laufe der Behandlung auftreten, besteht die „multiple Persönlichkeit“ mit Sicherheit aus Zeitgeistmomenten. Was heißt das nun? Erst wenn eine multiple Persönlichkeit beispielsweise nicht auf die Diagnose Schizophrenie mit Tabletten vollgestopft wird, sondern der Therapeut den Klientin auf seine dissoziierende Momente hinweist und schließlich durch eine Hauptperson Kontakt zu anderen Personen herstellt und damit die anderen Personen etabliert, so ist dieses Verfahren abhängig von der Geschichte der Therapie (ein Zeitgeistmoment). Was hier aber nicht konstruiert ist, ist der Ankerpunkt nämlich die Person, die dazu fähig ist solche Persönlichkeiten zu bilden. Ich behaupte nun nicht, dass die Person vorher nicht diese Persönlichkeiten hatte, ich zeige nur, dass dennoch eine Interpretation von Füllgrabes Ansatz möglich ist, der multiple Persönlichkeiten als induzierte Zeitgeistmomente zulässt zugleich aber auch das Phänomen “Multiple Persönlichkeit” akzeptiert.</p>
<p>Dieses Verfahren der “Multiplen Persönlichkeit” ist aber im Mindesten ein Lernprozess, der durchaus kulturspezifisch sein kann. Es könnte sein, dass eine schamanische Kultur mit solchen Problemen anders umgeht als unsere Kultur und dabei Geister oder ähnliches beschwören und damit vielleicht die Akzeptanz oder Ausbildung von weiteren Persönlichkeiten unterdrücken, mithin andere Phänomenbilder von Menschen mit der Veranlagung zur multiplen Persönlichkeit erhalten. An dieser Stelle würde sich fragen, welche Kulturtechnik für Menschen mit schwerer Vergangenheit und dieser Fähigkeit angemessen wäre (zu dieser Frage mehr weiter unten).</p>
<p><strong>Multiple Persönlichkeit als Fähigkeit, die angewendet werden kann</strong></p>
<p>Somit kann aber auch die Frage gestellt werden, wie die Form der multiplen Persönlichkeit eine Fähigkeit ist, die angewendet wird. Da ich es nicht unbedingt als Krankheit betrachte, ist es durchaus legitim diese Fähigkeit in gewissen Rahmen zu forcieren. So hat Sophie Stein lange Zeit nicht gewusst, dass sie eine multiple Persönlichkeit ist und wurde Jahre lang auf Schizophrenie mit geringem Erfolg behandelt. Erst durch Einsatz einer Freundin lernte sie, Kontakt mit den anderen Personen aufzunehmen und kam mit ihrer Vergangenheit ins Gespräch. Einer grausamen Vergangenheit und bei Weitem das Schlimmste, was ich je gehört habe. Nun war bei ihr die Symptomlage vor dem „Ausreifen“ ihrer multiplen Persönlichkeit tatsächlich anders als vorher, was bedeutet, dass sie an einem ihrer Wege womöglich auch andere Wege hätte einschlagen können, die aber keinesfalls besser gewesen sein müssten. Es wäre durchaus denkbar, dass sie ohne die Unterstützung durch Freunde, heute immer noch als schizophrene Person sich selbst als verrückt ablehnen würde und damit die multiple Persönlichkeit in sich nicht zulassen könnte oder hätte. Es ist genauso denkbar, dass die Diagnose „multiple Persönlichkeit“ ihr einen anderen Weg verstellt. Dieses halte ich aber, da ich sie gut kenne, für unwahrscheinlich. Nun kann ich mit hoher Sicherheit sagen, dass Sophie Stein keinesfalls verrückt ist.  Mit schweren Wahnvorstellungen einer Shizophrenie lässt sich ihr Zustand keineswegs beschreiben. Die folgenden und bisherigen Interviews zeigen dieses deutlich. Sie ist eine äußerst stabile Persönlichkeit, die mit einer Geschichte umzugehen weiß, wo andere schier verzweifelt wären. Die starke Dissoziation in verschiedene Persönlichkeiten erscheint mir daher als Technik (welche freilich nicht jeder beherrschen kann), die sinnvoll gedacht werden kann. Selbst wenn also die multiple Persönlichkeit bei ihr durch Freunde oder Therapeuten ausgelöst sein sollte, so würde ich es in ihrem Fall als außerordentlich sinnvoll erachten, denn als EINE Persönlichkeit, die all diese biografischen Hiebe und Stiche in sich aushalten sollte, könnte ich sie mir gar nicht vorstellen. Ich wüsste nicht, wie so etwas irgendein Mensch verarbeiten sollte, wenn er nicht konsequente Muster und Techniken der Verarbeitung hätte. Es ist hier also meines Erachtens sogar fragwürdig, ob das Phänomen „multiple Persönlichkeit“ sogar so therapiert werden müsste (wenn es denn akzeptiert ist), dass die Persönlichkeiten sich vereinen und schließlich das Ziel sein sollte, EINE einheitliche Persönlichkeit zu erreichen. Vielmehr erachte ich ihren fortwährenden Dialog mit verschiedenen Personen in sich als Möglichkeit, um mit sich selbst klarer zu werden, vielleicht – um einen Ansatz der existentialistischen Psychologie mit in die Waagschale zu werfen – um sich selbst als Eigentlichkeit zu fassen.</p>
<p>Therapien müssten sich meines Erachten eher auf die Traumbehandlung fokussieren, statt das Phänomen „multiple Persönlichkeit“ in den Mittelpunkt zu stellen. Natürlich kann hier gesondert behandelt werden, insofern, dass der Therapeut die klare Ausbildung der Persönlichkeiten nach Jahren einer schlechten Schizophreniediagnose erschließt. Am Fallbeispiel Sophie Stein jedenfalls könnte ich mir nicht erklären, was spezifisch an der Diagnose „multipler Persönlichkeit“ als Krankheit zu bezeichnen wäre. Viel mehr belasten sie die Geschichten, die sich dahinter verbergen. Mit schweren Fällen von Schizophrenie jedenfalls kann das Phänomen, das sie auszeichnet, unter keinen Umständen verglichen werden. Vielmehr zeichnet ihre Krankheit das aus, was viele Betroffene auszeichnet. Sie hat eine schwere Biografie hinter sich und mit wenig anderem als diesen Problemen zu kämpfen. Ein Weg, der sich für sie dabei aufgetan hat, war die Dissoziation und dabei ist es egal, ob es die Schauspielleistung ihres Lebens ist, vom Psychotherapeuten induziert oder aber von Anfang an da war.</p>
<p><strong>Sich im Nachhinein mit sich identifizieren?</strong></p>
<p>Mit dem Gesagten könnte es daher durchaus sein, dass Sophie Stein die diffusen Abspaltungen von früher im Nachhinein präzise mit Personen identifiziert, um das Erlebte erarbeiten und aufarbeiten zu können. Das ist natürlich nur eine These, wenngleich eine für mich sehr plausible. Das heißt nun nicht, dass es keine multiplen Persönlichkeiten gibt, sondern, dass es für sie ein Weg ist, die Situation, in der sie sich befindet, zu verarbeiten.</p>
<p>Was heißt das aber: Sich mit sich von damals zu identifizieren? Ich möchte das mal an mir erklären. Ich denke auch manchmal nach, was mich eigentlich noch mit dem Dreijährigen von damals verbindet und tatsächlich erscheint mir dies beim theoretischen Reflektieren nicht viel zu sein als eigentlich nur der Gedanke der Identität, den ich zu jedem gedachten Objekt hinzudenken muss, um es denken zu können. Das heißt, wenn ich mich damals einholen will, dann denke/fühle ich mich, aber das Körnchen Realität verschwindet uneinholbar hinter meiner Reflexion (was Hegel schon versuchte unermüdlich darzustellen). Einzig verbleibt der Gedanke des unverrückbaren blinden Flecks, der sich nur in transzendentaler Perspektive eröffnen kann und der ich bin, den ich irgendwie spüre (nur wie?).</p>
<p>(Ich weiß, dass ich mich mit dem Folgenden indirekt auf psychologisches Terrain zu begeben scheine, aber ich betreibe keine empirische Psychologie, sondern nur Reflexion auf die notwendigen Voraussetzungen, damit überhaupt so etwas wie Selbstbewusstsein und Selbsterkenntnis möglich ist. Sollte das für den ein oder anderen an dieser Stelle zu schwer sein, so bitte ich über den nächsten und übernächsten Absatz hinwegzusehen. Ich will an dieser Stelle einfach etwas genauer sein).</p>
<p>Meine Vergangenheit ist keine Videoaufzeichnung, sondern eine kognitive Reproduktion sowie der Bezug dieser Reproduktion auf Sinnesdaten. Diese beiden müssen, sofern sie Erkenntnis sein sollen (Realität haben sollen), nach Regeln von Begriffen aufeinander bezogen sein. Dass dann dort auch etwas außer mir ist, was meine Begriffe bezeichnen, setze ich dabei als notwendig voraus, denn andernfalls wäre meine gesamte Erkenntnis nicht möglich (kurzer kantischer Deduktionsabriss von den notwendigen Voraussetzungen des Denkens überhaupt ohne psychologische Theorien oder empirische Befunde bemühen zu müssen).  Das heißt: Meine Identität ist kein gespeicherter Zusammenhang, der auf der Festplatte „Gehirn“ hinterlegt ist, sondern eine Erzeugungsleistung, wo letztlich nur ein kleines Körnchen „Mich-immer-schon-voraussetzen-müssen“ bleibt. Identität bilde ich dabei in Bezug auf einen Erfahrungsteil in mir, doch der Erfahrungsteil kann nur sein, insofern ein transzendentales Ich diesen auch bildet (ein Aktzentrum, eine Fähigkeit oder wie immer ein Psychologe dies nun versuchen möchte zu bezeichnen, so bleibt festzuhalten, dass das Transzendentale als Weltliches hier nicht mehr einzuholen ist. Es bleibt transzendent, nur in transzendentaler Perspektive aufzeigbar). An dieser Stelle entsteht übrigens der Riss zwischen empirischen Ich (dem, was je meine Erfahrungen ausmacht) und dem transzendentalen Ich (das, was ich jeweils immer bin). Das Identitätsbilden und der Erfahrungsteil sind zwei verschiedene Momente, die ineinander übergehen und aufeinander bezogen sein müssen. Keine Identität ohne Selbsterfahrung, keine Selbsterfahrung ohne Identität.</p>
<p>Berücksichtigen wir diese Selbstfähigkeit zur Identität, so ist das, was unsere Vergangenheit ausmacht, vor allem eins: Sie gehört zu uns, in der Weise, wie wir sie denken. Vergangenheit und Identität erzeugen sich eins in eins. Darüber hinaus muss sie einheitlich gedacht werden, um uns überhaupt einheitlich erfahren zu können. Vergangenheit kann nicht portioniert werden, wie es uns passt, denn dann wäre sie nicht unsere Einheit. Wie geht dies aber überein mit der Tatsache, dass in der Vergangenheit Dinge geschehen sind, die besser nicht zu uns gehören? Abspalten können wir sie nicht ohne Weiteres, denn dann würden wir uns als Einheit verleugnen. Klar, wir versuchen nicht unbedingt an diese Ereignisse zu denken. Was ist aber, wenn eine ganze Kindheit nicht mehr zu einem Menschen gehören kann, weil diese von Grausamkeit durchsetzt war? Wie sollte dieser sich als Identität fassen, wenn er jeden Sonntag missbraucht worden ist oder noch schlimmer, wenn er jeden Tag die grausamsten Taten hätte erleben müssen? Die Erfahrung als Einheit erfährt hier die tiefste Erschütterung. Das, was uns mit uns verbindet – Einheit – ist empfindlich geschädigt.</p>
<p>Die Unterstellung der Identität, das heißt die Unterstellung von Weltzusammenhang kann nicht ohne Weiteres für diesen Betroffenen gelöst werden. Wie sollte nun Sophie Stein den Blick zurück überhaupt wagen können, ohne daran zu zerbrechen? Es erscheint mir daher äußerst plausibel, dass die Symptome der multiplen Persönlichkeit erst innerhalb der Behandlung vollends zur Reifung kommen können. Angelegt ist ein splitternder Fels der eigenen Biografie, der durch Spiegelbruchstücke des verletzten Selbst betrachtet immer nur Verwirrung und die tiefsten Selbstzweifel auslöst. Mit der Verteilung der Ereignisse aber auf verschiedene empirische Aktzentren und der Reinterpretation als vollständige Persönlichkeiten wäre einiges gelöst und überhaupt Persönlichkeit vorerst gewonnen. Der Schritt der Persönlichkeiten aufeinander in einer Therapie müsste folgen (Ich sage das natürlich ohne therapeutische Erfahrung und ohne Idee wie eine Therapie überhaupt abläuft. Ich bitte darum mir dieses nachzusehen.)</p>
<p><strong>Die Gegenhypothese: Persönlichkeiten, die vollends schon immer da waren</strong></p>
<p>Nun ist meine Darstellung natürlich keinesfalls empirisch angewandt, sondern eine Überlegung zu den vermuteten Fehldiagnosen „multiple Persönlichkeit”. Ich lasse mich hier von groben, philosophischen Intuitionen zum Selbstsein der auf Hegel folgenden Anthropologien leiten. Demnach ist es schlussendlich Ziel eines jeden, sich als Selbst überhaupt erst zu gewinnen, denn Ich bin nicht immer schon da oder wie Sartre es gerne formuliert: Die Existenz (also das Selbstsein), geht der Essenz (dem faktischen Selbstsein als Körper und als einheitlicher Zusammenhang in der Zeit) voraus. Um sinngemäß mit den Worten von Peter Sloterdijk zu sprechen: Das zur Welt kommen, hört nicht schon mit dem biologischen zur Welt kommen auf, sondern das Zur-Welt-Kommen vollzieht sich einzig in der Identitätsbildung.</p>
<p>Michaela Huber vertritt hier offenbar einen anderen Ansatz. In einem Vortrag beschreibt sie ein Kind, dass auf die äußerst sadistische Gewalt ihres Peinigers  mit einer Aufteilung der Persönlichkeit reagiert. Die nächtlichen Vergewaltigung führten irgendwann dazu, dass es „hinausflog in den Sternenhimmel“. Da die Gewalt kein Ende nahm spaltete sich das Kind immer weiter, „bis die einzelnen Anteile wie die Eisschollen auseinandertrieben, über den Horizont der Wahrnehmung hinaus, und sich in manchmal freundliche und vertraute, manchmal feindselige oder völlig unbekannt erscheinende Gestalten verwandelte.“ (zitiert nach <a href="http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Michaela_Huber_berichtet_von_der_6._internationalen_Tagung_der_Deutschsprachigen_Sektion_der_ISSD_-_International_Society_for_the_Study_of_Dissociation_-_3._und_4._November_2006.html" target="_blank">http://www.heimkinder-ueberlebende.info/Michaela_Huber_berichtet_von_der_6._internationalen_Tagung_der_Deutschsprachigen_Sektion_der_ISSD_-_International_Society_for_the_Study_of_Dissociation_-_3._und_4._November_2006.html </a>– Ich habe noch keine Primärquelle zur Hand. Dies folgt allerdings noch). Offensichtlich geht Huber davon aus, dass die multiple Persönlichkeitsstörung schon vor der Therapie oder Entdeckung durch die Betroffene selbst existiert. Nach meinem Wissensstand – wobei ich nochmals betonen möchte, dass ich ein Laie bin – erscheint mir jedoch die These plausibler, dass im Nachhinein eine unglaubliche Identifikationsleistung seitens der Betroffenen stattfindet, so dass es den Anschein hat, dass der Therapeut die multiple Persönlichkeit induziert hat.</p>
<p>Insofern wir nun aber beide Perspektiven (die von Füllgrabe und Huber) unterscheiden, so ergibt sich für mich auch bei Füllgrabe keine Alternative zur multiplen Persönlichkeit. Es ist die Fähigkeit mit der Grausamkeit in einem Leben ein kontrolliertes Leben führen zu können. Hier lässt sich auch noch mal der gravierende Unterschied zur Schizophrenie erkennen. Die Dissoziation erfolgt, um überhaupt ein Leben nach diesen schwerwiegenden Ereignissen führen zu können; es ist eine kognitive Lebensleistung, während mir eine Schizophrenie als Wahnvorstellung eher als organisch-bedingt erscheint.<br />
<strong><br />
Schauspieler der multiplen Persönlichkeit</strong></p>
<p>Zu der Unterstellung der Schauspielerei muss noch einiges gesagt werden, denn genau verstehe ich den Einwand nicht. Es kann zwar durchaus sein, dass Straftäter versuchen durch Vorgabe dieses Phänomens „Multipler Persönlichkeit“ als unzurechnungsfähig beurteilt zu werden, dennoch ist mir nicht klar, ob dies als eine pauschale Unterstellung an alle Verdachtsfälle von multipler Persönlichkeit gelten soll. Als ich Sophie Stein zu dem Schauspielereieinwand befragte, entgegnete sie, dass sie dann schön doof wäre, dass sie sich zur Darstellerin einer multiplen Persönlichkeit entschieden hätte, anstatt mit diesem Talent gleich zum Fernsehen zu gehen. Ich interpretiere die Sache hier daher in ihrem Sinne etwas anders. Es geht wohl eher um die Frage, wie Schauspieler gut spielen können. Dafür können sie dissoziieren, weil sie so vielleicht besser Momente anderer Personen imitieren können. Das heißt im gewissen Sinne erschaffen Schauspieler sich schwache Formen einer multiplen Persönlichkeit. Das heißt nun aber nicht, dass Sophie Stein eine Schauspielerin ist, sondern, dass sie offensichtlich zur Identitätsbildung in Bezug auf ihre Vergangenheit auf ähnliche Fähigkeiten wie Schauspieler hier allerdings als Schutzfunktionen zurückgreift, wobei sie bei der Ausprägung ihrer Dissoziation einheitliche Personen erzeugen kann, was eine Leistung ist und mehr als nur Schauspiel.</p>
<p>Zu den Personen ist ja auch hinzuzufügen, dass sie nicht permanent die anderen Personen ist. Beispielsweise schläft sie auch oder Personen übernehmen verschiedene Routinetätigkeiten wie putzen oder den Mailordner aufräumen. Das hier als lebensnotwendige Schauspielleistung zu interpretieren, die bei weitem das Können eines Schauspielers auf der Bühne übersteigt, halte ich somit nicht für verkehrt. „Person“ heißt im Übrigen durch etwas hindurch Tönen – per sonare – und stand in der Antike noch für die Maske. Es charakterisierte den Schauspieler tatsächlich, war aber zugleich immer die Funktion, die wir im Alltag übernehmen. Und Sophie Stein übernimmt diese Personen im existentiellsten Sinne zum Überleben.  Wenn nun diese Personen in ihr ihre Abwesenheit als Aufenthalt in gelben oder grünen Zimmern beschreiben, so kann auch dies wieder als Leistung ihrer dissozierenden Fähigkeit interpretiert werden. Die einzelnen Persönlichkeitsmomente interpretiert sie selbst als Einheit, die nun mal ohne Daseinslücken existieren müssen und so erzeugen sie Vorstellungen von imaginären inneren Räumen. Interessant wäre es an dieser Stelle gewesen, hätte ich in den Interviews an diesen Stellen Fragen zur Zeitwahrnehmung in diesen Zimmern gestellt, denn hier wäre sogleich eine empirische Überprüfung dieser These möglich gewesen.</p>
<p><strong>Schluss</strong></p>
<p>Mit dem Dargestellten glaube ich nun, die Kontroverse  um die Echtheit von multiplen Persönlichkeiten eher angeheizt als entlastet zu haben, möchte aber hinzufügen, dass ich Sophie Stein so weit vertraue, dass ich mir ihr Verhalten unter dem groben Konzept „multiple Persönlichkeit“ am ehesten erklären kann, als unter Konzepten von Induzierung, Einbildung oder Schauspielerei. Was mir vollkommen absonderlich erscheint, ist im übrigen diese Schauspielerhypothese, wenn sie denn nicht existentiell interpretiert wird.</p>
<p>In Zukunft werde ich auch Interviews mit den verschiedenen Persönlichkeiten Sophie Steins zur Verfügung stellen. Ich möchte dabei betonen, dass es hier nicht meine Aufgabe ist, Sophie Stein als multiple Persönlichkeit zu interviewen, sondern dass es hier um die Veröffentlichung einer Fallgeschichte geht, die auf unsere Gesellschaft zurückverweist. Das Faszinosum „Multiple Persönlichkeit“ wird bald hinter den Geschichten, die sie geprägt haben, verschwinden und die Frage nach einer gewaltlosen Gesellschaft in den Mittelpunkt rücken. Natürlich verbleibt aber das Phänomen „Multiple Persönlichkeit“ für das ich kein Experte sein muss, da ich keinerlei therapeutische oder diagnostische Absichten habe.</p>
<p><strong>Interview mit einer Innenperson von Sophie Stein</strong></p>
<p>In den letzten beiden Interviews ging es um das Phänomen der multiplen Persönlichkeit. In diesem Beitrag geht es um eine Geschichte, die hinter diesem Phänomen der multiplen Persönlichkeit steckt. Jede Persönlichkeit von Sophie Stein hat einen eigenen Handlungs- und Erinnerungsradius, den sie, Sophie Stein, selbst als eigenständige Persönlichkeit erlebt. Jede dieser 377 Persönlichkeiten hat eine eigene Geschichte, die grausame Schicksale offenbaren. Es muss darüber gesprochen werden. Es geht darum das Leid der Betroffenen im Fokus der Öffentlichkeit zu halten, damit es nicht wie viele andere Themen im Hintergrund verschwindet und die Täterkreise weiter wirken können. Es muss auch normal sein, dass Betroffene sich äußern können, ohne Repressionen zu befürchten. Dies ist leider in vielen Fällen keine Realität und kann nur durch breite Aufklärung abgeändert werden. Zumindest gehört Mut dazu, sich öffentlich zu Wort zu melden wie es Sophie Stein oder Norbert Denef tun und wir können nur hoffen, dass die breite Front der Betroffenen sich schließt und die Politik zu aktiverem Handeln zwingt. Eines der wirksamsten Mittel gegen die Täter ist Öffentlichkeit.</p>
<p>Im Folgenden sehen wir, wie ich mich kurz mit Michi, einer Innenperson von Sophie Stein unterhalte. Michi berichtet von einem der Vorfälle, die Sophie Stein als Gesamtperson in der Kindheit zugestoßen<br />
sind.</p>
<p><iframe width="480" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/qFUw5Ry_ojY" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Wir können immer noch fragen, warum kann die Politik die Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch nicht aufheben? In Anbetracht der massiven Folgen für die Betroffenen wie kann es sein, dass solche Straftaten irgendwann nicht mehr verfolgt werden?</p>
<p>Ich möchte darum bitten, sich dieser Öffentlichkeit anzuschließen. Bei bis zu 12 Millionen Betroffenen ist jeder betroffen. <a href="https://www.taz.de/zeitung/tazinfo/panterpreis/wahl/">Bitte stimmt beim TAZ-Panter-Preis  ab für Norbert Denef sein zu solcherlei Zwecken gegründetes netzwerkB.</a></p>
<p>Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, insofern Sie mehr erfahren möchten, sei wiederum auf die Seite von Sophie Stein verwiesen (<a href="http://www.flugbegleitung.blogspot.com/" target="_blank">www.flugbegleitung.blogspot.com</a>) sowie auf die Seite von netzwerkB (<a href="http://www.netzwerkb.org/" target="_blank">www.netzwerkb.org</a>), wo ich als Beirat tätig bin und wo das breite Themengebiet der sexualisierten Gewalt von vielen Seiten beleuchtet wird und sich eine erste Anlaufstelle für Betroffene eröffnet. Nach wie vor würde ich mich freuen, wenn sie diesen Blog abonnieren.</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">http://www.entgrenzen.de</a></p>
<p>Mehr auf netzwerkB</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/08/08/die-grenzen-des-ichs-%e2%80%93-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">Die Grenzen des Ichs – Philosophie und multiple Persönlichkeit (Teil 1)<br />
</a></p>

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		<title>Die Grenzen des Ichs – Philosophie und multiple Persönlichkeit (Teil 1)</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 14:05:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[netzwerkB 8.08.2011 von Norman Schultz Multiple Persönlichkeiten bilden Grenzen der Erfahrung. Jede Persönlichkeit formiert einen eigenen Erfahrungsherd von grausamen Geschichten und umschließt diese Geschichten mit einer eigenständigen Ich-Wahrnehmung. Die vollständige Einheit der Person konnten die verschiedenen Persönlichkeiten nicht mehr zulassen und so wird ein Ich zum Land angrenzender Persönlichkeiten. Aufgrund der Erniedrigung als Ding von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>netzwerkB 8.08.2011</p>
<p>von <a href="http://www.entgrenzen.de/" target="_blank">Norman Schultz</a></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziative_Identit%C3%A4tsst%C3%B6rung" target="_blank">Multiple Persönlichkeiten</a> bilden Grenzen der Erfahrung. Jede Persönlichkeit formiert einen eigenen Erfahrungsherd von grausamen Geschichten und umschließt diese Geschichten mit einer eigenständigen Ich-Wahrnehmung. Die vollständige Einheit der Person konnten die verschiedenen Persönlichkeiten nicht mehr zulassen und so wird ein Ich zum Land angrenzender Persönlichkeiten. Aufgrund der Erniedrigung als Ding von skrupellosen Tätern muss ein Kern dieser Person geschützt werden.<span id="more-8901"></span></p>
<p>Unter der Zusammenballung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale formieren sich multiple Persönlichkeiten um eine Frage: Wie kann ein Mensch leben, wenn das Grausame immer zur eigenen Geschichte gehört? Geschichten von Persönlichkeiten einer multiplen Persönlichkeit sind somit immer auch Schutzgeschichten.</p>
<p><strong>Die Fähigkeit: Multiple Persönlichkeit</strong></p>
<p>Multiple Persönlichkeiten sind keine Launen der Natur. Zwar kann die so genannte dissoziative Persönlichkeitsstörung als Fähigkeit verstanden werden, da nur wenige Opfer brutaler, sexualisierter Gewalt die Grenzen der Schicksalsereignisse als Personen in sich ziehen, das heißt multiple Persönlichkeit werden, aber doch bilden sich multiple Persönlichkeiten, weil unsere Gesellschaft Abgründe der Unmenschlichkeit in sich trägt und nicht weil zufällig jemand mit dieser Eigenart ausgestattet ist. Die multiple Persönlichkeit wird aus der menschlichen Grausamkeit anderen ihr Selbst als unregierbar zuzugestehen geboren. Multiple Persönlichkeiten sind Kinder, die irgendwann zu vielen werden, weil sie nicht mehr aushalten können, was andere ihnen zumuten. Wie aber kann das Phänomen “Multiple Persönlichkeit” verstanden werden? Es ist natürlich ein interessantes Phänomen und steht für die Leistung und Kraft der menschlichen Seele. Es ist ein <a href="http://www.wicker-klinik.de/multiple-persoenlichkeit.html" target="_blank">Überlebensmechanismus</a>, um die eine Seelenkraft zu schützen, der als Schutzmechanismus dennoch faszinierend wirkt.</p>
<p><strong>Fasziniation: Multiple Persönlichkeit</strong></p>
<p>Auch wenn wir selbst zwar verschiedene Stimmung repräsentieren und verschiedene Rollen im Alltag übernehmen, so verteilen sich diese Rollen in einer multiplen Persönlichkeit auf verschiedene Ich-Kerne, die alle zugleich repräsentiert sein können. Wenig ist über dieses “Krankheits”-Bild erforscht (ich betrachte es weniger als Krankheit, denn mehr als Fähigkeit, die eher die Krankheit unserer Gesellschaft repräsentiert. Die Erscheinung der multiplen Persönlichkeit ist keine Erkrankung einer Person, sondern ein Schutzmechanismus gegenüber einer kranken Gesellschaft). Wenig ist darüber erforscht, da diese Phänomene lange Zeit verleugnet worden sind. Über die Gründe lässt sich spekulieren, wohl aber spielte auch die Verdrängung der Gesellschaft ein Rolle, da multiple Persönlichkeiten immer viele grausame Geschichten in sich tragen, die von unserer Gesellschaft noch tabuisiert werden.</p>
<p>Ich durfte nun eine multiple Persönlichkeit interviewen und möchte in dieser Folge verschiedene Interviews veröffentlichen, wo verschiedene Themenbereiche aufgegriffen werden. Nicht immer wird es leicht sein zu folgen, da schwer nachzuvollziehende Taten dargestellt werden müssen. Sie müssen dargestellt werden, nicht etwa um Sensationsdrang zu befriedigen, sondern um noch schweigende Betroffene zu ermutigen, sich zu äußern, und um andererseits Täterprofile und Täterkreise zu enthüllen. Zunächst aber nähern wir uns “nur” dem Phänomen “multiple Persönlichkeit” an.<br />
<iframe width="480" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/dWIPWvzlJdk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe><br />
<strong><br />
Der Philosophie und die multiple Persönlichkeit</strong></p>
<p>Ergänzend zu den Interviews möchte ich noch einige Überlegungen im Rahmen der Philosophie anschließen, denn es stellen sich hier durchaus einige philosophische Fragen. Hier spielt insbesondere das Ich als philosophische Idee der Einheit eine Rolle. Diese Einheit versucht jeder seinem Leben zu geben, bei multiplen Persönlichkeiten ist diese Frage aber akuter als bei ungehemmten Personen.</p>
<p><strong>Die Philosophie entdeckt die Grenzen des Ichs</strong></p>
<p>Die Entdeckung des Ichs war eine der größten Errungenschaften der Philosophie. In der Antike galt der Philosophie die Welt als eine offenbarte Wirklichkeit, die in ein Subjekt hemmungslos hineinströmte. Erst mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft" target="_blank">Änderung der Denkungsart</a> (wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant" target="_blank">Kant</a> es einst bezeichnete) rückte das Subjekt als Grenze der Welt in den Mittelpunkt. Die offenbarte Welt konnte nicht mehr ohne Subjekt wahr sein. Das Subjekt erstellt nach seiner Persönlichkeitsstruktur Interpretationen von der Welt. Kant bezeichnete diesen Wandel in Anlehnung an die Revolution in der Astronomie als <a href="http://www.julsho.de/kant.htm" target="_blank">kopernikanische Wende</a>. Gleichsam die Planetenbahnen als um die Sonne kreisend einfacher zu denken waren, versuchte Kant das Erkenntnisproblem, mit dem nicht voran zu kommen war, aus dem Ich heraus zu klären. Die Erkenntnisse richten sich nicht nach der Welt, sondern nach der Struktur des Subjekts. Die Erkenntnis von der Welt kreist demnach nach einheitlichen Kräften, um ein Subjekt. Erfahrungserkenntnisse (genauer Interpretation des in der Welt Gegebenen) waren nur möglich, wenn ein gleichsam nicht empirisches Ich, sondern ein immer schon vorausgesetztes Ich als Identität Weltzusammenhang stiftete. Dieses versuchte Kant mit einigen artistischen (aber notwendigen) Kunstgriffen zu zeigen. Die Idee des Ichs war in der Philosophie nunmehr in ihrer Gänze geboren.</p>
<p><strong>Die Grenzen meines Ichs Jetzt</strong></p>
<p>Unbemerkt eröffnete Kant damit die Frage nach der <a href="http://www.psychologische-praxis.rielaender.de/Literatur/Person_als_Subjekt.pdf" target="_blank">Einheit der Person</a>. Sind wir nur die zusammengesetzten Persönlichkeiten unserer Erfahrung oder sind wir eine übergreifende Identität? Zerfallen wir in die verschiedenen Momente unseres empirischen Daseins? Bin ich jetzt ein anderer als mit drei Jahren oder als noch vor drei Minuten? Bin ich verantwortlich für mein zukünftiges Ich? Habe ich Pflichten gegen mich selbst? Wie kann ich mich aus der Vergangenheit mit meinen Fehlern übernehmen? Und wie kann ich jemals Schmerz vergessen, wenn er doch einst so akut war? Bei multiplen Persönlichkeiten stellen sich diese Frage nach der Einheit drängender als bei uns von ungehemmt Einheitlichen. Die Frage, wo der schwingungslose Ruhepunkt ist, stellt sich in der Biografie einer verletzten und verdrängten Seele früher als bei Menschen, denen nur weniges widerfahren ist. Multiple Persönlichkeiten müssen den Zwiespalt als empirisches Ich mit sich austragen und sind auf der Suche nach der ruhenden Seele, die unverrückbar in ihnen wie ein Fels steht, irgendwo steht. Der innere Stein, ein Findling, der sie selbst sind, dahingestellt ohne weltlich interpretierbare Bedeutung, wird ihnen allerdings verwehrt, da sie sich in tragischen Ereignissen, in denen sie als Ding behandelt worden sind, als andere verloren haben. Der Seelenstein ist zersplittert in viele empirische Ich-momente. Verlieren sich multiple Persönlichkeiten als empirische Teilhaftigkeit an die Welt? Vielleicht. Wo ist der Bezug aller ihrer Person auf das Eine zurück? Die Philosophie der verschiedenen Daseinsmomente gerät hier zu einem plastisch beobachtbaren Spiel der verschiedenen Persönlichkeiten, die alle den Anspruch auf Individualität besitzen, aber zugleich auch auf sich als Viele zurückbezogen sind.  ”Wir sind Viele” sagt Sophie Stein und dennoch zeigen sich verschiedene Hierarchien und Stufungen der Persönlichkeiten. So wissen einige Persönlichkeiten alles, während andere nur ganz begrenzte Räume zur Verfügung haben. Einige können stärker kontrollieren und es gibt Hauptpersonen als auch Personen, die weniger in diese Welt drängen. Da jede multiple Persönlichkeit anders ist, lässt sich hier natürlich nur schwerlich verallgemeinern, eines kann aber festgestellt werden, multiple Persönlichkeiten verstehen sich alle als ein Erfahrungszusammenhang, zumindest in der Art, wie sich selbst suchen. Diese Suche aber besteht in der Suche nach der Einheit, die durch die Spaltung gerettet werden sollte und nun unter allen Selbsterfahrungen heilig vergraben und verborgen ist.</p>
<p>Soviel erstmal dazu. In der nächsten Zeit werde ich hierzu mehr veröffentlichen. Es gibt die Möglichkeit, diesen Blog mit den Abomöglichkeiten rechts zu verfolgen. Ich werde allerdings auch andere Themenbereiche posten. Dann gibt es noch die Möglichkeit, nur den Youtubekanal zu verfolgen, wo ich demnächst nur diese Videos posten werde. Darüberhinaus kann auch der Blog von Sophie Stein aufgesucht werden (<a href="http://www.flugbegleitung.blogspot.com/" target="_blank">www.flugbegleitung.blogspot.com</a>). Um sich über die Hintergründe der sexualisierten Gewalt zu informieren, soll auf <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/www.netzwerkb.org" target="_blank">www.netzwerkB.org</a> verwiesen soll, wo ich als Beirat tätig bin.</p>
<p>Bis hierhin erstmal Norman Schultz</p>
<p>P.S. Insofern jemand noch bestimmte Begriffe mit seinem Blog inhaltlich verlinkt haben möchte, so kann er sich bei mir melden. Für multiple Persönlichkeiten bietet der Blog von Sophie Stein mit Sicherheit eine gute Anlaufadresse.</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.entgrenzen.de/2011/08/die-grenzen-des-ichs-philosophie-und-multiple-personlichkeit-teil-1/" target="_blank">http://www.entgrenzen.de</a></p>
<p>Mehr auf netzwerkB</p>
<p><a href="http://netzwerkb.org/2011/08/11/multiple-personlichkeit-als-fahigkeit-des-selbstseins-grenzen-des-ichs-philosophische-betrachtung/" target="_blank">Multiple Persönlichkeit als Fähigkeit des Selbstseins/ Grenzen des Ichs (philosophische Betrachtung)<br />
</a></p>

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		<title>Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/07/05/was-hilft-ehemaligen-heimkindern-bei-der-bewaltigung-ihrer-komplexen-traumatisierung/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 18:54:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Expertise im Auftrag des Runden Tisches Heimerziehung von Silke Birgitta Gahleitner „Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?“ PDF-Dokument herunterladen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Expertise im Auftrag des Runden Tisches Heimerziehung<br />
von<br />
Silke Birgitta Gahleitner</p>
<p>„Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung?“</p>
<p><a href="http://www.rundertisch-heimerziehung.de/documents/RTH_Expertise_Trauma.pdf" target="_blank">PDF-Dokument  herunterladen</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie: meist verleugnet und immer gefährlich</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/03/07/sexueller-missbrauch-in-der-psychotherapie-meist-verleugnet-und-immer-gefahrlich/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 07:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://norbert.denef.com/?p=1734</guid>
		<description><![CDATA[psychologie-aktuell.com 7.03.2010 Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie wird nach wie vor vielfach unterschätzt und geleugnet. In einer Studie räumten weniger als ein Prozent der befragten Psychotherapeuten ein, &#8220;sexuelle Bedürfnisse mit der Klientel&#8221; auszuleben; doch 55% &#8220;gaben an, in den letzten fünf Jahren mindestens einen Fall mit einer sexuellen Missbrauchs-Vorgeschichte durch einen Therapeuten behandelt zu haben&#8221;, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>psychologie-aktuell.com 7.03.2010</p>
<p>Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie wird nach wie vor vielfach unterschätzt und geleugnet. In einer Studie räumten weniger als ein Prozent der befragten Psychotherapeuten ein, &#8220;sexuelle Bedürfnisse mit der Klientel&#8221; auszuleben; doch 55% &#8220;gaben an, in den letzten fünf Jahren mindestens einen Fall mit einer sexuellen Missbrauchs-Vorgeschichte durch einen Therapeuten behandelt zu haben&#8221;, berichtet die Psychologin Angelika Wagner-Link (München) in ihrem neu vorgelegten Taschenbuch &#8220;Frauen und Männer &#8211; Gender in der Psychotherapie&#8221;.</p>
<p>&#8220;Die Wiederholungstäter sind mit einer Quote von 80% extrem häufig. Ihr hoher Anteil zeigt, dass das Phänomen weniger auf Emathiefehler als auf gezieltes Handeln der Täter zurückzuführen ist. Es scheint sich dabei nicht um ein spontanes Fehlverhalten, sondern um ein gezieltes Vorbereiten und Durchfühern zu handeln.</p>
<p>&#8220;  Häufig geben Betroffene eine therapeutische Motivation vor. Demgegenüber belegt Wagner-Link, dass es sich grundsätzlich um eine Straftat und einen für die Patientin hoch riskanten Kunstfehler handelt. Oft besteht eine &#8220;traumatische Bindung an den Täter fort&#8221;, das Selbstvertrauen &#8211; insbesondere das Vertrauen in die eigene Wahrnehmungsfähigkeit &#8211; leidet, Scham entsteht. &#8220;Die Opfer leiden jahrelang an Depressivität, sozialer Isolierung, erhöhter Suizidalität, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.</p>
<p>&#8220;In der Psychotherapie wiegt der Vertrauensbruch deshalb so schwer, weil bei den Patientinnen so gut wie alle Schutzmechanismen zusammenbrechen. Das strukturelle Machtgefälle hebt die Person des Therapeuten häufig in den Rang von Elternfiguren.</p>
<p>Problematisch ist die Aufdeckung der Fälle, da den Opfern im Gegensatz zu den Tätern kein Glauben geschenkt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Patientin über den sexuellen Missbrauch spricht, ist gering. Eine der gravierendsten Folgen sexuell grenzverletzenden Verhaltens in der Psychotherapie ist der Verlust der Sprache der Opfer &#8230;&#8221;</p>
<p>Quelle:</p>
<p><a href="http://www.psychologie-aktuell.com/news/aktuelle-news-psychologie/news-lesen/article/2010/03/07/1267939488-sexueller-missbrauch-in-der-psychotherapie-meist-verleugnet-und-immer-gefaehrlich.html" target="_blank">http://www.psychologie-aktuell.com</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Gewalt, die in die Gene dringt</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/03/07/gewalt-die-in-die-gene-dringt/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 05:57:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[BR-online 5.03.2010 Tief dringt sie in die Kinderseele ein und schlägt Wunden, die oft ein ganzes Leben lang nicht mehr heilen: Gewalt, sei sie physischer, verbaler oder sexueller Art. Kindsmissbrauch führt aber nicht nur zu psychischen Traumata, er schreibt sich bis in die Gene der Opfer ein, zeigen neuere Studien. Über 12.000 Fälle von sexuellem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>BR-online 5.03.2010</p>
<p><strong>Tief dringt sie in die Kinderseele ein und schlägt Wunden, die oft ein ganzes Leben lang nicht mehr heilen: Gewalt, sei sie physischer, verbaler oder sexueller Art. Kindsmissbrauch führt aber nicht nur zu psychischen Traumata, er schreibt sich bis in die Gene der Opfer ein, zeigen neuere Studien.</strong><span id="more-1732"></span></p>
<p>Über 12.000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern werden in Deutschland in der polizeilichen Kriminalstatistik in jedem Jahr erfasst. Die Dunkelziffer der nicht angezeigten Fälle ist um ein Vielfaches höher. Die Opfer erleiden neben der rein körperlichen Gewalt oft schwere seelische Schäden. Dabei müssen die Misshandlungen nicht sexueller Natur sein: Die erlebte Gewalt und der Machtmissbrauch, oft einhergehend mit einem Vertrauensbruch, lösen psychische Traumata aus, die die Opfer manchmal ein Leben lang quälen.</p>
<p><strong>Tief versteckte Wunden</strong></p>
<p>Psychologen und Therapeuten können bei der geistigen und emotionalen Verarbeitung des Erlebten helfen. Doch was, wenn die Schädigungen tiefer gehen? Sich in den Körper des Opfers einschreiben? Zwei neuere Studien liefern erstmals Hinweise, dass sich Kindsmissbrauch bis in die Gene der Opfer auswirkt und dort Wunden beibringt, die zu neurologischen Schäden und sogar einer geringeren Lebenserwartung führen können.</p>
<p><strong>Studie 1: Gendefekte im Gehirn</strong></p>
<p>Im Februar 2009 veröffentlichte ein kanadischer Neurologe eine Studie, die einen genetischen Schaden im Gehirn von Opfern von Kindsmissbrauch belegte: Michael Meaney von der Universität McGill in Montreal untersuchte Hirnproben von 24 Selbstmördern, deren Lebensgeschichte bekannt war. Die Hälfte von ihnen waren als Kinder missbraucht worden, die andere Hälfte nicht. Zur Kontrolle wurden noch Hirnproben von zwölf Unfallopfern untersucht.</p>
<p><strong>Ständig unter Strom</strong></p>
<p>Meaney entdeckte bei den Selbstmördern, die als Kind missbraucht worden waren, einen Gendefekt im Gehirn, der &#8211; vereinfacht ausgedrückt &#8211; zur Folge hatte, dass diese Personen aus dem seelischen Gleichgewicht gerieten: Ihr Gehirn stand unter Stress, geflutet vom Stresshormon Cortisol. Nach Ansicht des Neurologen könnte dies Auslöser von psychischen Erkrankungen sein und zu einer erhöhten Selbstmordgefährdung führen. Die Suizidopfer, von denen kein Missbrauch in der Kindheit bekannt war, zeigten diesen Genschaden nicht, ebensowenig die Unfallopfer.</p>
<p>Weiter lesen&#8230;</p>
<p>Quelle:</p>
<p><a href="http://www.br-online.de/wissen/forschung/missbrauch-sexueller-gene-ID1267782981821.xml" target="_blank">http://www.br-online.de</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Der Impuls sich selbst zu zerstören</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/03/04/der-impuls-sich-selbst-zu-zerstoren/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 20:36:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Impuls sich selbst zu zerstören ist etwas, was so gut wie alle, die sexuelle Gewalt erfahren haben kennen. Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bei Depressionen, einer bipolaren Störung oder einer Psychose im Sinne einer „Borderline“-Erkrankung sind selbstverletzendes Verhalten und/oder Suizidalität sogar Kernsymptome. Aber auch Menschen, die Gewalterfahrungen therapeutisch bearbeitet haben, davon ausgehen, sie in ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Impuls sich selbst zu zerstören ist etwas, was so gut wie alle, die sexuelle Gewalt erfahren haben kennen.<br />
Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bei Depressionen, einer bipolaren Störung oder einer Psychose im Sinne einer „Borderline“-Erkrankung sind selbstverletzendes Verhalten und/oder Suizidalität sogar Kernsymptome.</p>
<p>Aber auch Menschen, die Gewalterfahrungen therapeutisch bearbeitet haben, davon ausgehen, sie in ihre Biografie integriert zu haben und sich im Großen und Ganzen wieder als gesund ansehen, erleben immer wieder Phasen, die von Selbstzerstörungstendenzen geprägt sind.</p>
<p>Manchmal lässt sich sogar kein direkter Auslöser im Alltag dafür finden, diese Impulse brechen scheinbar unvermittelt in das Leben der Betroffenen hinein.</p>
<p>Eine interessante Erklärung hierfür, die die biologische, psychiatrische und psychologische Sichtweise miteinander verbindet gibt Prof. Joachim Bauer, Arzt für innere Medizin, Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie in seinem Buch <a href="http://norbert.denef.com/wp-content/uploads/2010/03/Buch-AO.gif" target="_blank">„Warum ich fühle, was du fühlst“</a>, Heyne Verlag, 12. Auflage, Taschenbucherstausgabe</p>
<p>Auszug, Seite 112 &#8211; 115 :</p>
<p>Zitat:</p>
<p><strong>Spiegelneurone als soziale Orientierungssysteme</strong></p>
<p>Das System der Spiegelneurone ist ein soziales Orientierungssystem. Es gibt uns, zumindest in Maßen, Sicherheit im sozialen Umfeld. Und nun wird klar, was es bedeutet, wenn das Orientierungssystem ausfällt, dem wir die Vorhersehbarkeit unseres Umfelds verdanken. Eine solche Situation bedeutet Unberechenbarkeit und Gefahr. In jeder Gefahrensituation aktiviert der Körper eine größere Zahl von Abwehrmechanismen, die zusammenfassend als biologische Stressreaktion bezeichnet werden. Systematischer sozialer Ausschluss ist somit chronischer biologischer Stress, und chronischer Stress ist ein Krankheits- und Selbstzerstörungsprogramm. Biologische Selbstzerstörungsprogramme, die unter bestimmten Bedingungen aktiviert werden, sind ein überall in der Natur anzutreffendes Phänomen. Selbst einzelne Zellen verfügen über die Option, Gene anzuschalten, um die eigene Selbstzerstörung, „Apoptose“ genannt, in die Wege zu leiten. Einen ganz ähnlichen Mechanismus gibt es bei Nervenzellen des menschlichen Gehirns. Überhöhte Konzentrationen körpereigener Alarmbotenstoffe wie Glutamat und Cortisol können den Tod von Nervenzellen bewirken.</p>
<p>Geradezu unheimlich muten psychologisch angebahnte Selbstzerstörungseffekte an, die nach Erfahrungen sozialer Zurückweisung auftreten. Die bekannteste Spielart solcher Programme ist der Suizid (1). Als Suizidauslöser sind seit langem – das wusste bereits Goethe – soziale Kränkungen und/oder der Verlust einer bedeutsamen Bezugsperson bekannt. Erst in den letzten Jahren hat man herausgefunden, dass auch Menschen mit schweren körperlichen<br />
Gewalterfahrungen, bei denen die erlittene Tat zu einer Zerstörung der persönlichen Integrität und des Selbstwertgefühls geführt hat, intuitive (!) Impulse erleben, sich umbringen zu müssen. Bei Personen, die eine traumatische Erfahrung gemacht haben, ist das Risiko</p>
<p>(1) Der Suizid ist nicht das einzige Selbstzerstörungsprogramm, das psychologisch angebahnt wird. Andere Programme, beispielsweise die Sucht, realisieren einen „Suizid auf Raten“.</p>
<p>nachgewiesenermaßen objektiv erhöht, impulsiv Suizidhandlungen zu begehen. Weshalb Suizidalität ? Suizidhandlungen für eine „natürliche“ Folge schlimmer Erfahrungen zu halten, gehört zu jenen impliziten Gedankenlosigkeiten des Alltags, von denen bereits die Rede war, und ist alles andere als eine Erklärung, sondern schlicht eine Binsenweisheit, an die wir uns gewöhnt haben.<br />
Warum also erhöhen Erlebnisse sozialer Enttäuschung, Zurückweisung, Verachtung und Gewalt das Risiko der Suizidalität? Die Antwort könnte darin liegen, dass die negative Erfahrung, die einer Person zugestoßen ist, in ihr ein Handlungsprogramm aktiviert hat und dass dieses Programm nun zu Ende führen möchte, was die erlittene Erfahrung nicht zu Ende gebracht hat: die Zerstörung der eigenen Person. Die Aktivierung eines Programms, das  &#8211; in der eignen Vorstellung – den vollständigen Ablauf einer Sequenz aufscheinen lässt, die durch eine Erfahrung nur angedeutet bzw. in die Wege geleitet wurde, dies ist die geradezu typische Leistung der Spiegelsysteme.<br />
Nehmen wir eine Extremerfahrung, um deutlich zu machen, worum es geht: Was bedeutet die Tat eines Menschen, der einem anderen schwere Gewalt zugefügt hat?<br />
Welche Handlungsprogramme treten im Opfer nach einem erlittenen Gewaltakt in Resonanz? Eigenartigerweise werden bei Opfern überwältigender Gewalt meist keine Programme für  Revanche oder Rache aktiviert (was Außenstehende oft nicht verstehen können). Das „Programm“ einer Gewalttat hat die Botschaft: Du bist nichts wert, ich kann dich behandeln wie eine wertlose Sache, man darf und sollte dich zerstören. Im Verlauf einer<br />
Überwältigungstat geht das Handlungsprogramm des Täters, über die unvermeidliche spiegelnde Aktivierung neuronaler Handlungsprogramme im Opfer, vom Täter auf das Opfer über. Dieser Vorgang läuft komplett unbewusst ab. Auch seine Folgen sind unwillkürlich und dem Bewusstsein entzogen: Wie Traumatherapeuten immer wieder feststellen, spürt das Opfer nach der erlittenen Gewalt eine intuitive Tendenz, selbst das auszuführen bzw. zu Ende zu bringen, was die Tat suggerierte, nämlich eine Suizidhandlung. Erst im Rahmen einer tiefenpsychologisch orientierten Behandlung können wir bei diesen Opfern die unbewusste Identifizierung mit den Vernichtungsabsichten der Täter entdecken und therapeutisch bearbeiten.</p>
<p>Zitatende</p>
<p>Angelika Oetken, Berlin</p>

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		</item>
		<item>
		<title>Missbrauch ist nie ausgestanden</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/03/03/missbrauch-ist-nie-ausgestanden/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 07:01:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[stern.de 2.03.2010 Bei der Diskussion über Kindesmissbrauch &#8211; wie den jetzt bekannt gewordenen Fällen in der katholischen Kirche &#8211; entsteht manchmal der Eindruck, die Folgen der Gewalt könnten über die Jahre völlig verschwinden. Doch dem widersprechen nicht nur Psychiater, sondern auch neue medizinische Befunde. Von Frank Ochmann Gewalt an Kindern hinterlässt nicht nur seelische, sondern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>stern.de 2.03.2010</p>
<p>Bei der Diskussion über Kindesmissbrauch &#8211; wie den jetzt bekannt gewordenen Fällen in der katholischen Kirche &#8211; entsteht manchmal der Eindruck, die Folgen der Gewalt könnten über die Jahre völlig verschwinden. Doch dem widersprechen nicht nur Psychiater, sondern auch neue medizinische Befunde.</p>
<p>Von Frank Ochmann</p>
<p>Gewalt an Kindern hinterlässt nicht nur seelische, sondern auch körperliche Schäden, die bleiben© Colourbox<br />
Es ist noch nicht lange her, da war Kindesmissbrauch für die meisten in unserem Kulturkreis keine große Sache. So gingen die Autoren der millionenfach gelesenen &#8220;Kinsey-Reports&#8221; von 1948 und 1953 davon aus, merklicher Schaden für das Kind durch sexuellen Verkehr mit Erwachsenen sei allenfalls zu befürchten, falls dessen Eltern sich anschließend irritiert zeigten. Nur kurzfristig seien bei einem Kind Symptome von Angst und Schrecken möglich, hieß es auch in anderen Studien. Davor vermuteten Wissenschaftler sogar, oft wären es die Kleinen selbst, die Erwachsene zum Sex verführten, nicht umgekehrt. Das Kind folge &#8220;unbewusstem Begehren&#8221; und werde zum &#8220;mehr oder weniger willigen Partner&#8221;, hieß es zum Beispiel. Erst parallel zur Emanzipationsbewegung der Frauen und sexueller Minderheiten in der westlichen Welt wurde das Kind überhaupt als Opfer sexueller Gewalt entdeckt. Erst nach Pille, Mondlandung und Ostpolitik wuchs bei uns ganz allmählich das Bewusstsein für die hohe Zahl solcher Taten und ebenso für die traumatischen Folgen. Von &#8220;Seelenmord&#8221; reden mit solchen Fällen vertraute Fachleute.</p>
<p>Und nein, Bischof Mixa, das bisher Gesagte stützt keineswegs Ihre an langen Haaren und Rastalocken herbeigezogenen Entschuldigungsversuche, mit denen Sie das Versagen der Hirten offenbar auf Ihnen sexuell zu freizügige &#8220;68er&#8221; abwälzen möchten. Denn auch das sagen Experten: Nicht der Sex ist das Element des Missbrauchs, das die Seelen mordet, sondern die Gewalt, die den Opfern angetan wird, der oft über Jahre in die Wege geleitete Bruch des Vertrauens und das brutale Ausnutzen eigener Macht. Explizit sexueller Charakter liegt geschätzt nur in etwa einem von zehn Missbrauchsfällen vor. Doch immer ist die Misshandlung eine Vergewaltigung. Und die lässt sich nicht mit dem öffentlichen Zurschaustellen von ein paar nackten Brüsten oder Schenkeln mehr oder weniger erklären, wie es jetzt versucht wird. Missbrauch jeglicher Art gab es in kirchlichen Einrichtungen &#8211; richtig, nicht nur da! &#8211; auch schon zu Zeiten, als Oswald Kolle noch ein Kind war. Das zeigen zum Beispiel die Protokolle der irischen Fälle, die bis in die 1930er Jahre zurückreichen.</p>
<p><strong>Auch die Gene tragen Schäden davon</strong></p>
<p>Das Erlebnis der eigenen Ohnmacht und der übermächtigen Gewalt, die über die Opfer kommt, verletzt nicht nur deren Seele tief und bleibend. Bereits vor etwa einem Jahr veröffentlichten kanadische Wissenschaftler eine Untersuchung, bei der die Spuren der Gewalt bis in die Gene des Gehirns verfolgt werden konnten. Damals lag der Schluss nahe, dass der Missbrauch die Stressabwehr herabsetze und die Betroffenen so zum Beispiel für psychische Erkrankungen besonders anfällig mache. Bei dieser Studie waren bestimmte Gene von Suizidopfern mit und ohne Missbrauchsgeschichte verglichen worden.</p>
<p>Jetzt stützt eine weitere Arbeit die These, dass die Gewalt gegen Kinder bis ins Erbgut dringt. Forscher der amerikanischen Brown University in Providence, Rhode Island, nahmen sich so genannte Telomere vor. Dabei handelt es sich um biochemische Schutzkappen, die an den Enden der Chromosomen dafür sorgen, dass die DNA dieser Erbgutpakete in unseren Zellkernen nicht geschädigt wird. Dabei scheint die Länge dieser Endstücke etwas damit zu tun zu haben, wie wirkungsvoll sie sind. Jedenfalls schrumpfen Telomere im Laufe des Lebens mit jeder Zellteilung. Der genaue Zusammenhang zwischen Länge und Schutzwirkung ist noch nicht ganz klar. Trotzdem gibt es eine klare Verbindung, die von einer Schädigung der Telomerfunktion zu einer Schädigung der Zelle und schließlich des ganzen Organismus führt.</p>
<p><strong>Die Lebenserwartung verkürzt sich</strong></p>
<p>Nicht nur das Alter macht Telomeren zu schaffen, sondern auch Stress. In der Kindheit erfahrene Gewalt zum Beispiel, wie die jetzt publizierte Studie mit ersten Resultaten nahelegt. Weder konnten Alter oder demografische Faktoren das Resultat erklären noch Gewichtsunterschiede oder etwa Rauchen. Allein als Kind schlecht behandelt worden, vernachlässigt oder missbraucht worden zu sein, erklärte die durchschnittlich kürzeren Schutzenden des Erbguts. Natürlich bedeutet das nicht, alle Opfer werden gleich schwer getroffen und können sich nie wieder erholen. Große Unterschiede, zum Beispiel bei der inneren Widerstandskraft, gibt es zwischen ihnen ebenso wie bei allen anderen Menschen. Doch betrachtet man die Messergebnisse als Block, zeichnet sich eine klare Richtung ab: Kinder leiden nicht nur, während sie misshandelt und missbraucht werden und vielleicht noch eine gewisse Zeit danach. Schlimmstenfalls kostet sie die Gewalt, die ihnen angetan wird, auch physisch ihre Gesundheit und am Ende Jahre ihres Lebens. Auch das sollte berücksichtigt werden, wenn es um eine mögliche strafgesetzliche Neuregelung geht, wie sie jetzt von Politikern in Aussicht gestellt wurde: Aus der Perspektive der Opfer kann Missbrauch nicht verjähren.</p>
<p>Weiter lesen&#8230;</p>
<p>Quelle:</p>
<p><a href="http://www.stern.de/wissen/mensch/kopfwelten-missbrauch-ist-nie-ausgestanden-1547637.html" target="_blank">http://www.stern.de/wissen/mensch/kopfwelten-missbrauch-ist-nie-ausgestanden-1547637.html</a></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Alte Angst</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/02/07/alte-angst/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 06:10:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[FR-online.de 7.02.2010 Internationale Tagung auf dem Campus Westend behandelt Vererbung von Traumata Von Alicia Lindhoff Wir Kinder der Kriegskinder&#8221;, &#8220;Die Gesellschaft der Überlebenden&#8221; oder einfach &#8220;Kriegsenkel&#8221;: So oder ähnlich lauten die Titel auf dem großen Tisch im Untergeschoss des Bücherhauses Hugendubel. Die Auswirkungen der Kriegserfahrungen auf die heutige Gesellschaft &#8211; 65 Jahre nach Kriegsende bewegt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>FR-online.de 7.02.2010</p>
<p>Internationale Tagung auf dem Campus Westend behandelt Vererbung von Traumata<br />
Von Alicia Lindhoff</p>
<p>Wir Kinder der Kriegskinder&#8221;, &#8220;Die Gesellschaft der Überlebenden&#8221; oder einfach &#8220;Kriegsenkel&#8221;: So oder ähnlich lauten die Titel auf dem großen Tisch im Untergeschoss des Bücherhauses Hugendubel. Die Auswirkungen der Kriegserfahrungen auf die heutige Gesellschaft &#8211; 65 Jahre nach Kriegsende bewegt die Deutschen das Thema.</p>
<p>Und nicht nur die. Vom 5. bis zum 7. Februar tagt in Frankfurt eine Konferenz der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA). Drei Tage lang befassen sich dort renommierte Wissenschaftler aus aller Welt mit den &#8220;langen Schatten früher und später Traumatisierungen&#8221;. Vor einem solchen Hintergrund liegt es nahe, die Folgen des vielleicht größten kollektiven Traumas der westlichen Welt in den Fokus zu nehmen: Die Shoa. Schon seit geraumer Zeit ist bekannt, dass in Familien mit Extrem-Traumatisierungen, wie sie bei Holocaustüberlebenden, aber auch auf der Täterseite vorhanden sind, die Traumata an die zweite und dritte Generation weitergegeben werden. Aus psychologischer Sicht ist das nicht verwunderlich: &#8220;Für die normale Entwicklung von Kindern ist es essentiell, dass sie von ihren Eltern eine Art ,Urvertrauen´ in die Welt vermittelt bekommen&#8221;, erläutert Marianne Leuzinger-Bohleben, Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Institutes. Sei dieses Vertrauen bei der Mutter nicht vorhanden, könne sie es auch nicht auf ihr Kind übertragen. &#8220;Bei traumatisierten Müttern kommt bei jedem Schrei des Kindes wieder die alte Angst und Hilflosigkeit hoch.&#8221;</p>
<p>Neu ist aber, was Wissenschaftler jetzt in einem beispiellosen Zusammenspiel von Genforschung und Psychoanalyse herausgefunden haben: Eine solche Übertragung von Traumata auf die nächste Generation ist auch genetisch belegbar. Der US-Forscher Stephen Suomi hat bei Langzeitstudien mit Rhesusaffenbabys einen Zusammenhang zwischen Kindheitsumfeld und Genstruktur entdeckt.</p>
<p>Die Erbanlagen von Affen, deren Mutter in ihren ersten Lebensmonaten abwesend oder nicht in der Lage war, sie zu schützen, verändern sich demnach so, dass sie später eher zu Angst und Aggression neigen als ihre Artgenossen, die mit einer sorgenden Mutter aufwachsen. In seinem Vortrag am Sonntag wird Suomi die neuen Impulse in der Psychotherapie vorstellen, die seine Forschungsergebnisse liefern könnten.</p>
<p>Charles Hanly, Präsident der IPA, bescheinigt Frankfurt eine bedeutende Rolle in der internationalen Psychoanalyse. Besonders die Präventionsstudien des Sigmund-Freud-Institutes zur Förderung von Kindern aus problematischen Verhältnissen hebt er als wegweisend hervor.</p>
<p>Dass die Psychoanalyse auch in anderen Bereichen nicht nur graue Theorie ist, sondern ganz nah an gesellschaftlichen Problemen ansetzt, macht Hanly selbst deutlich: Der kanadische Psychoanalytiker beschäftigt sich seit Jahren mit Ursachen von Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Suizidgefährdung. Ein Großteil der Patienten habe in jungen Jahren mit sexuellem Missbrauchs zu tun gehabt, erzählt er.</p>
<p>Seine Erfahrungen zeigten, dass &#8220;menschengemachte&#8221; Traumata bei ihren Opfern oft größere psychologische Zerstörungen auslösen als etwa Naturkatastrophen. Vor allem dann, wenn der Missbrauch durch eine Person geschehe, die dem Opfer nahestehe oder &#8211; wie in den aktuell aufgedeckten Fällen des Missbrauches während kirchlicher Jugendarbeit &#8211; eine erzieherisch wirke. Abermals spricht der Wissenschaftler vom &#8220;Urvertrauen&#8221;, das dann verloren gehe.</p>
<p>Zudem glaubten die Opfer von Missbrauch meist, schuldig am Geschehenen zu sein. &#8220;Es klingt vielleicht zynisch, aber für ein Erdbeben wie in Haiti wird sich keiner der Betroffenen verantwortlich fühlen&#8221;, erklärt Hanly den Unterschied zwischen &#8220;äußeren&#8221; und &#8220;inneren&#8221; Traumata.</p>
<p>Quelle:</p>
<p><a href="http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/campus/2277538_Alte-Angst.html" target="_blank">http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/campus/2277538_Alte-Angst.html</a></p>

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		<title>Wenn Sex zum Schmerzmittel wird</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jan 2010 03:11:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Simone Matthieu. Immer wieder hören wir von sexsüchtigen Prominenten. Zurzeit lässt sich etwa Tiger Woods gegen diese Abhängigkeit therapieren. Was steckt hinter diesem Phänomen? In der berühmten Pine Groove Klinik im Süden von Mississippi lässt Tiger Woods zurzeit seine Sexsucht therapieren. Er hat sich damit in die wohl fähigsten Hände auf diesem Gebiet begeben: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Simone Matthieu.</p>
<p><strong>Immer wieder hören wir von sexsüchtigen Prominenten. Zurzeit lässt sich etwa Tiger Woods gegen diese Abhängigkeit therapieren. Was steckt hinter diesem Phänomen?</strong></p>
<p>In der berühmten Pine Groove Klinik im Süden von Mississippi lässt Tiger Woods zurzeit seine Sexsucht therapieren. Er hat sich damit in die wohl fähigsten Hände auf diesem Gebiet begeben: Der dort tätige Psychologe Patrick J. Carnes ist Pionier und Koryphäe auf dem Gebiet der Hypersexualiät. Carnes definiert Sexsucht so: «Nur ein ausser Kontrolle geratenes Verhalten, das einhergeht mit den klassischen Anzeichen für Sucht – Besessenheit, Machtlosigkeit und die Benutzung von Sex als Schmerzmittel – weisen auf sexuelle Sucht hin.»</p>
<p>Auf wen diese Beschreibung zutrifft, der sollte sich Hilfe holen. Viele Prominente haben das getan: Michael Douglas, David Duchovny, Ron Wood oder Liza Minelli. Obwohl Frauen nur 10 Prozent der Sexsüchtigen ausmachen, können sie genauso darunter leiden. Schätzungen zufolge sind 4 bis 5 Prozent der Bevölkerung sexsüchtig.<br />
In den USA gibt es Fachkliniken, die sich auf die Behandlung dieser Störung spezialisiert haben. In der Schweiz stehen Betroffenen Einzeltherapien bei Psychologen oder Psychiatern zur Verfügung sowie Selbsthilfegruppen, die meist als sehr hilfreich empfunden werden. Eine davon betreibt das Mannebüro Zürich. Ähnliche Angebote gibt es in allen Schweizer Städten.</p>
<p><strong>Mit dem Problem nicht allein sein</strong></p>
<p>Werner Huwiler, Gruppenleiter beim Mannebüro zürich, betont gegenüber bazonline.ch/Newsnetz den Vorteil der Gruppentherapie: «Viele Männer, die bei uns Hilfe suchen, haben bereits verschiedenste Sachen ausprobiert und fast schon resigniert. Umso grösser ist die Erleichterung, wenn sie bei uns feststellen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.» Der Leidensweg sei bei den meisten Betroffenen lang. Beziehungen gingen an ihrer Sucht kaputt und einige landeten dadurch in der sozialen Isolation. Sexsucht kostet auch viel, je nachdem, wie häufig die Süchtigen zu Prostituierten oder ins Bordell gehen müssen.</p>
<p>Auf Gruppentherapien setzt auch Dr. Carnes. Mindestens sechs Wochen dauert ein Aufenthalt in der Pine Groove Klinik, soll er erfolgreich sein. Neben Gruppensitzungen erhält der Patient Einzeltherapien, bei denen speziell auf vergangene Traumata und familiäre Probleme fokussiert wird. Laut Dr. Carnes ist es emminent wichtig, den Partner des Patienten ebenfalls in die Therapie miteinzubeziehen. Auch bei Tiger Woods gehört das zum Weg der Besserung: Seine Frau Elin Nordegren ist immer wieder bei ihm in der Klinik und offenbar bereit, ihrem Mann eine zweite Chance zu geben.</p>
<p><strong>Sex als Genuss, nicht als selbstauferlegter Zwang</strong></p>
<p>Das Ziel von Huwiler und seinem Mannebüro ist, die Betroffnen zu lehren, Sex zu geniessen und nicht einfach nur zu konsumieren. Mit Körperarbeit – Übungen im Bereich der Atemtechnik, Bewegungs- und Entspannungstechniken – soll das erreicht werden. Die Techniken lernen die Männer in der Gruppentherapie, zu Hause können sie sie im Selbststudium üben.<br />
Huwiler nennt das «eine Art Weiterbildung, bei der die Methoden der Selbstbefriedigung erweitert werden». Der Mann solle nicht nur vor dem Computer sitzen und onanieren, sondern seine Sexualität ganzheitlich geniessen. «Sexsüchtige sind oft nur auf pornografische Bilder fokussiert. Es geht darum, die körperlichen Empfindungen auch zuzulassen und alles wahrzunehmen. Sobald man mehr geniessen kann, werden die Bilder weniger wichtig», so Huwiler.</p>
<p>Quelle:</p>
<p>(bazonline.ch/Newsnetz) Erstellt: 29.01.2010, 12:41 Uhr  <a href="http://bazonline.ch/panorama/leute/Wenn-Sex-zum-Schmerzmittel-wird/story/27583639" target="_blank">http://bazonline.ch/panorama/leute/Wenn-Sex-zum-Schmerzmittel-wird/story/27583639</a></p>

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		<title>Stress-Hormon und Alkoholismus hängen zusammen</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/01/28/stress-hormon-und-alkoholismus-hangen-zusammen/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 13:15:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Einen Zusammenhang zwischen dem Stress-Hormon &#8220;Corticotropin Releasing Factor&#8221; (CRF) und der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit haben Wissenschafter um Marisa Roberto vom The Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien aufgedeckt. Bei Ratten gelang es experimentell sogar, die Symptome einer Alkohol-Abhängigkeit durch die Blockierung von CRF zu unterbinden. Die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift &#8220;Biological Psychiatry&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einen Zusammenhang zwischen dem Stress-Hormon &#8220;Corticotropin Releasing Factor&#8221; (CRF) und der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit haben Wissenschafter um Marisa Roberto vom The Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien aufgedeckt. Bei Ratten gelang es experimentell sogar, die Symptome einer Alkohol-Abhängigkeit durch die Blockierung von CRF zu unterbinden.</p>
<p>Die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift &#8220;Biological Psychiatry&#8221; veröffentlicht. Die Studie sei ein wichtiger Schritt zu verstehen, wie sich das Gehirn beim Übergang zur Alkoholsucht verändert, so die Wissenschafterin. Dabei habe man sich auf &#8220;die dunkle Seite&#8221; der Krankheit konzentriert: also den Drang zu trinken, nicht weil es Vergnügen bereitet, sondern Ängste vor dem Entzug unterdrückt.</p>
<p>CRF ist Teil der Antwort des Körpers auf Stress. Ursprünglich wurde es in der Gehirnregion des Hypothalamus entdeckt. Nun konnte es aber auch in anderen Bereichen nachgewiesen werden, etwa in der Amygdala. Dieser auch Mandelkern genannte Abschnitt des Gehirns wird mit verstärkten Ängsten und auch exzessivem Trinken im Falle einer Alkoholsucht in Zusammenhang gebracht.</p>
<p>In Tierversuchen haben die amerikanischen Forscher den Stressfaktor CRF durch sogenannte Antagonisten chemisch blockiert. Bei Ratten zeigten sich durchschlagende Erfolge. So wurden alkoholabhängige Tiere durch längere Gabe des Antagonisten wieder zu moderaten Trinkern, ganz ähnlich wie gesunde Artgenossen. Mit anderen Worten, die Blockierung von CRF könnte exzessiven Alkoholkonsum verhindern, ist Roberto überzeugt.<br />
apa.at</p>
<p>Quelle:</p>
<p><a href="http://www.springermedizin.at/apa-artikel/?full=15048" target="_blank">http://www.springermedizin.at/apa-artikel/?full=15048</a></p>

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		<title>Umgang mit dem Trauma</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/01/28/umgang-mit-dem-trauma/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 13:10:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Diagnose, Neurobiologie und Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, engl.: posttraumatic stress disorder, PTSD) wird klinisch charakterisiert durch die Symptomtrias „Wiedererinnern“ (so genannte intrusive Symptomatik, engl.: re-experiencing), „Vermeidung und Betäubung“ (engl.: avoidance and numbing) und „vegetative Übererregbarkeit“ (engl.: increased arousal). Diese Störung stellt insofern eine Ausnahme des phänomenologisch-beschreibenden, diagnostischen Ansatzes der modernen psychiatrischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diagnose, Neurobiologie und Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung</strong></p>
<p>Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, engl.: posttraumatic stress disorder, PTSD) wird klinisch charakterisiert durch die Symptomtrias „Wiedererinnern“ (so genannte intrusive Symptomatik, engl.: re-experiencing), „Vermeidung und Betäubung“ (engl.: avoidance and numbing) und „vegetative Übererregbarkeit“ (engl.: increased arousal). Diese Störung stellt insofern eine Ausnahme des phänomenologisch-beschreibenden, diagnostischen Ansatzes der modernen psychiatrischen Diagnosesysteme dar, als sie einen eindeutigen ätiologischen Bezug nimmt – nämlich auf ein erlebtes Trauma. Im Folgenden sollen spezielle Aspekte der PTBS zur geschichtlichen Entwicklung der Erfassung des Störungsbildes sowie betreffend Diagnose, Risiko- und Resilienzfaktoren, Neurobiologie und Therapie dargestellt werden.</p>
<p>Dass ein erlebtes Trauma zu bleibenden Veränderungen in den psychophysiologischen Funktionen eines Menschen führen kann, wurde schon früh erkannt. Schon Herodot beschrieb 490 v. Chr. den Fall eines Soldaten, der erblindete, nachdem er den Tod eines Mitsoldaten am Schlachtfeld gesehen hatte. Bemerkenswerterweise sollten die hinzugezogenen Ärzte keine körperliche Ursache für diese Erblindung gefunden haben.</p>
<p>Weiter lesen:<br />
<a href="http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/p-z/psychiatrie-und-psychotherapie/?full=14613" target="_blank">http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/p-z/psychiatrie-und-psychotherapie/?full=14613</a></p>

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		<title>Auswirkungen – Wissenschaft/Forschung</title>
		<link>http://netzwerkb.org/2010/01/11/auswirkungen-%e2%80%93-wissenschaftforschung/</link>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 14:56:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auswirkungen]]></category>
		<category><![CDATA[– Wissenschaft/Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum Thema &#8220;Sexueller Missbrauch – Auswirkungen auf das Kind&#8221; werden demnächst hier Artikel eingefügt. Gern können Sie daran mitarbeiten. Nachfragen per e-mail an: norbert@denef.com]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Thema &#8220;Sexueller Missbrauch – Auswirkungen auf das Kind&#8221; werden demnächst hier Artikel eingefügt.</p>
<p>Gern können Sie daran mitarbeiten. Nachfragen per e-mail an: norbert@denef.com</p>

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