Jesuiten-Missbrauchsopfer wollen Geld als Genugtuung


Hannoversche Allgemeine 26.07.2010

Verletzung und Wut sitzen tief bei den Männern, die vor mehr als 20 Jahren an deutschen Jesuitenschulen sexuell missbraucht wurden. Als Genugtuung fordern sie vom Orden ein halbes Jahr nach der Aufdeckung der ersten Taten in Berlin nun tätige Reue – in barer Münze.

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Landespolitiker wollen Kirchen Millionenzuschüsse kürzen


SPIEGEL ONLINE 25.07.2010

Knapp 460 Millionen Euro an Zuschüssen erhalten die katholische und die evangelische Kirche aus den Ländern – zu viel, sagen führende Landespolitiker und fordern im SPIEGEL eine Kürzung. Unterstützung bekommen sie vom Chef-Haushälter der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider.

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Kirchenrechtler: Zollitsch zuständig


SÜDWEST PRESSE 23.07.2010

Freiburg.  Der Freiburger Erzbischof Zollitsch steht nicht weiter unter dem Verdacht der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch. Trotzdem bleiben Fragen offen.

…Dem widersprechen nach Recherchen der “Badischen Zeitung” zwei Kirchenrechtler: Georg Bier, Professor an der Uni Freiburg, soll Belege haben, dass die Erzdiözese sehr wohl für das Kloster Birnau zuständig war. Dieser Meinung ist auch der US-Kirchenrechtler und Missbrauchsexperte Thomas P. Doyle.

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Missbrauchsinitiative: “Bis heute hat sich niemand um die Opfer gekümmert.”


NDR.de 21.07.2010

Jugendamt trennt Familie von beschuldigtem Pastor

Der Ahrensburger Missbrauchsskandal hat für den mutmaßlichen Haupttäter erste Konsequenzen: Das Jugendamt trennte die Ehefrau und den sechsjährigen Sohn vom ehemaligen Pastor, der in den 70er- und 80er-Jahren mindestens 20 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben soll. Das berichtete die NDR 1 Welle Nord am Mittwoch. Der Junge und seine Mutter seien bei einer befreundeten Familie untergebracht worden. Jetzt gehe es vor allem um das Wohlergehen und die Bedürfnisse des Sohnes, sagte Jugendamtsleiter Wilhelm Hegermann. In den vergangenen Jahren sollen mehrere Pflegekinder bei dem Ahrensburger Pastor gewohnt haben. Hinweise auf sexuellen Missbrauch des eigenen Sohnes oder der Pflegekinder gibt es nach Angaben des Jugendamtes bislang aber nicht.

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Ermittlungen gegen Bischof Zollitsch eingestellt


WELT ONLINE 21.07.2010

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den Chef der deutschen Bischofskonferenz nicht mehr, sexuellen Missbrauch gedeckt zu haben.

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Experten contra Zollitsch


Badische Zeitung 21.07.2010

Hat der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch im Missbrauchsfall Birnau gegen die Anti-Missbrauchsrichtlinien der Deutschen Bischofskonferenz verstoßen? Die Ausführungen namhafter Kirchenrechtler legen diesen Vorwurf nahe. Und es ist nicht der einzige.

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Bischof missbraucht acht Jahre seinen Neffen


SÜDWEST PRESSE 21.07.2010

Brüssel.  Eine Razzia im Bischofspalais in Mechelen lässt die katholische Kirche in Belgien nicht mehr zur Ruhe kommen. Der Bischof von Brügge hat jahrelang seinen Neffen sexuell missbraucht – Rücktritt nach Geständnis.

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Zweifel an Zollitsch


sueddeutsche.de 19.07.2010

Von Matthias Drobinski
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz gerät in Bedrängnis: Er soll einen Missbrauchsfall in seinem Bistum falsch dargestellt haben. Der Fall erinnert an den von Maria Jepsen – kann Robert Zollitsch so weiter als Aufklärer gelten?

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Vertuscht? “Report Mainz” greift Bischof Zollitsch an


seuddeutsche.de 18.07.2010

Bloß keinen Skandal – das scheint die Haltung des heutigen Freiburger Erzbischos Zollitsch in einem alten Missbrauchsfall gewesen zu sein.

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Opfer fordern Aufklärung


sueddeutsche.de 17.07.2010

Baden-Baden – Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann, sieht bei der Aufklärung im Kloster Ettal ‘kräftigen Nachholbedarf’. Die Hauptforderung der Opfer sexuellen Missbrauchs, die sich bei ihr gemeldet hätten, sei Aufklärung, sagte Bergmann am Freitag dem Südwestrundfunk (SWR). Eine weitere einheitliche Forderung sei auch die Abschaffung von Verjährungsfristen.

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Hamburger Bischöfin Jepsen tritt zurück


SPIEGEL ONLINE 16.07.2010

Tagelang wehrte sich Maria Jepsen gegen Vorwürfe, einen Missbrauchsfall in der evangelischen Kirche heruntergespielt zu haben – jetzt steht die Hamburger Bischöfin nach Informationen mehrerer Nachrichtenagenturen kurz vor dem Rücktritt. Sie will den Berichten zufolge Schaden von der Kirche abwenden.

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“Verbrechen gegen die Sitten”


sueddeutsche.de 15.07.2010

Mit den “Normae de gravioribus delictis” hat Papst Benedikt XVI. die Gesetze zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verschärft. Darin wird unter anderem die kirchenrechtliche Verjährungsfrist auf 20 Jahre angehoben.

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Bohrloch im Sarg – Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Belgiens zieht immer weitere Kreise


OTZ.de 11.07.2010

Razzia bei der Prälaten-Konferenz, Suche nach Dokumenten im Sarg eines Kardinals, hochnotpeinliche Befragung des ehemaligen Katholiken-Primas im Polizeiprä- sidium – auch Belgien erlebt dieser Tage seinen Skandal um Kindesmissbrauch in der Kirche, und er fällt mindestens so dramatisch aus wie an anderen Tatorten.

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Zollitsch entschuldigt sich


n-tv.de 9.07.2010

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat persönliche Fehler im Missbrauchskandal der Kirche eingeräumt und die Opfer um Verzeihung gebeten. Zollitsch, der Vorsitzender der katholischen deutschen Bischofskonferenz ist, räumte ein, dass das Erzbistum früher als bisher bekannt von Missbrauchsfällen im badischen Oberharmersbach erfahren habe. Als damaliger Personalreferent hätte er den Hinweisen schon 1992 mit größerem Nachdruck nachgehen sollen. Er hätte auch intensiver nach weiteren Opfern und das Gespräch mit Zeugen suchen sollen.

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Belgien: Fotos von Dutroux-Opfern bei Bischöfen


RP ONLINE 7.07.2010

VON ANJA INGENRIETH

Er war beliebt, galt als Repräsentant einer modernen Kirche: Jetzt holt den belgischen Kardinal Godfried Danneels (77) die Vergangenheit ein. Der ehemalige Erzbischof von Mechelen-Brüssel steht im Verdacht, Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche vertuscht zu haben.

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Missbrauchsprozess gegen Bistum Würzburg Klägerin erhält kein Schmerzensgeld


Bayerischer Rundfunk 6.07.2010

Eine angeblich als Kind in einem Würzburger Kinderheim sexuell missbrauchte Frau bekommt kein Schmerzensgeld. Die Zivilkammer des Landgerichts Würzburg entschied, dass die Ansprüche der Klägerin verjährt sind. Die Frau hatte vom Bistum Würzburg 250.000 Euro Schmerzensgeld gefordert.

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Belgien kämpft mit seinen Bischöfen


DER TAGESSPIEGEL 2.07.2010

Hausdurchsuchungen, Drohbriefe: Der Streit um vertuschte Missbrauchsfälle spaltet das Land – und die Katholiken selbst
Die katholische Kirche Belgiens steht Kopf. Schon seit Monaten schwelt in der belgischen Gesellschaft der Verdacht, dass die Kirche Missbrauchsfällen in der Vergangenheit nicht ordnungsgemäß nachgegangen ist und versucht hat, sie unter den Teppich zu kehren. Bisher waren aber nur verhaltene Stimmen zu hören, und die Kirche hat immer wieder bestritten, Straftaten vertuschen zu wollen.

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Mauern ohne Ende


Süddeutsche Zeitung Magazin Heft 25/2010

Im Kloster Ettal wurden über Jahrzehnte Schüler misshandelt, missbraucht, gequält. Vor vier Monaten kündigten die Mönche an, alle Fälle aufzuklären, doch die Wahrheit sieht anders aus.

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Ex-Ministrant: Missbrauch hinter Altar


SÜDKURIER 2.07.2010

Weiteres mutmaßliches Opfer meldet sich zu Wort – Pater G. soll Tat auch in Nußdorf begangen haben – Bistumssprecher: Kapelle wurde „nicht entweiht“

Hintergrund: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Zollitsch

Der Missbrauch an einem ehemaligen Ministranten im Umfeld der Klosterkirche Birnau war möglicherweise kein Einzelfall. Beim SÜDKURIER meldete sich nun ein 51-jähriger Mann zu Wort, der mitteilt, in der zur Birnau gehörenden Kapelle in Überlingen-Nußdorf Ende der 60er Jahre missbraucht worden zu sein.Täter sei auch hier Pater G. gewesen, der seit mehreren Wochen in den Schlagzeilen steht.

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Missbrauch am Ako: Eine Mahnwache für die Opfer


General-Anzeiger 30.06.2010

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bad Godesberg. Engelbert Decker ist die Anspannung anzumerken. Zum ersten Mal tritt der bekannte Mediziner namentlich als Betroffener des Missbrauchsskandals am Aloisiuskolleg (Ako) auf. Mit zwei Vertreterinnen der US-amerikanischen Snap-Gruppe, der vor 22 Jahren gebildeten Organisation für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester, vertritt Decker am Mittwochmorgen vor der Ako-Haupttreppe die Bonner Betroffenengruppe “Eckiger Tisch” bei einer Mahnwache.

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Vatikan kann in den USA juristisch belangt werden


NZZ Online 28.06.2010

Oberstes Gericht weist Berufung im Missbrauchsskandal ab

Als souveräner Staat kann der Vatikan in den USA normalerweise nicht vor Gericht gezogen werden. Doch im Missbrauchsskandal um katholische Priester gilt dies nicht. Das Oberste Gericht bestätigte jetzt die Entscheidung eines Bundesgerichts.

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“WIEDERHOLUNGSTÄTER”: Immer wieder das selbe?


Anfang der 1860-ger Jahre gab es auch schon eine “Missbrauchsdebatte”, im preußischen Abgeordnetenhaus.

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Hamburger Pröpstin: Keine Verjährung bei Missbrauch


Hamburger Abendblatt 28.06.2010

Margit Baumgarten unterstützt das Bestreben der Evangelischen Kirche nach einer Justizreform, denn die Opfer “leiden ein Leben lang”…

…Pröpstin Baumgarten: „Unsere Rechtsprechung geht mit dieser Geschichte falsch um. Es geht nicht an, dass es überhaupt Verjährungsfristen gibt – und dann auch noch so kurze. Für die Opfer verjähren die Taten auch nicht. Sie leiden ein Leben lang.“

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Missbrauchs-Ermittler geben auf “Weitermachen ist sinnlos”


Frankfurter Rundschau 28.06.2010

Brüssel. Nach der Beschlagnahme von fast 500 Opferakten durch die Justizbehörde haben die Mitglieder einer Kommission für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Belgiens die Arbeit eingestellt. “Weitermachen ist sinnlos”, sagte der Vorsitzende der Kommission, Kinderpsychiater Peter Adriaenssens, am Montag in Brüssel. Offensichtlich halte sich die belgische Staatsanwaltschaft nicht an Absprachen mit der Kommission.

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Opfer gründen den Verein “Missbrauch in Ahrensburg”


Hamburger Abendblatt 28.06.2010

Anwältin unterstützt die Initiative bei rechtlichen Fragen

Ahrensburg/Hamburg. Eine Gruppe von Opfern sexueller Übergriffe durch Ahrensburger Pastoren hat jetzt in Hamburg einen Verein gegründet. Dieser trägt den Namen “Missbrauch in Ahrensburg” und hat seinen Sitz in Barmbek-Nord. Bislang zählt der Verein neun Mitglieder. “Zweck ist die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirchengemeinde Ahrensburg-Hagen”, sagt Sebastian Isert, zweiter Vorsitzender und Opfer eines Geistlichen.

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www.missbrauch-in-ahrensburg.de


Eugen Drewermann wird 70


WDR 3/ WDR 5 Lebenszeichen von Schumacher, Manfred: Sendung vom 20.06.2010 20.06.10 07:00 Uhr

Ein Priester ohne Kirche /Eugen Drewermann wird 70 /Von Manfred Schumacher /”Wer den geraden Weg sucht, bewegt sich quer zu allem Krummen”. Der Paderborner Theologe weiß, wovon er spricht. Seit mehr als zwei Jahrzehnten betätigt sich Drewermann als katholischer Querdenker. Zentrale Glaubensinhalte wie die Jungfrauengeburt und die Wiederauferstehung hat er neu gedeutet und ist damit zu einem der profiliertesten Kirchenkritiker Deutschlands geworden. 1991 entzog ihm deshalb der Paderb…

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“Die Wahrheit wird euch frei machen”


Rahmenordnung für die katholische Kirche in Österreich

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Marginalie: Jetzt geht es um das Geld der Kirche


Die Presse 24.06.2010

DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Heute sollen Regeln für die Auszahlung erarbeitet werden.

Aus dem Archiv:
Nach der Einrichtung von Kommissionen, von Ombudsstellen, der Erarbeitung eines umfangreichen Kodex für den Umgang mit sexueller Gewalt in der katholischen Kirche und deren Verhinderung, nach Vergebungsbitten, einem Buß- und Klagegottesdienst im Stephansdom geht es ab jetzt ums Geld. Heute Vormittag tritt in Wien jene Opferschutzkommission zusammen, die künftig über „Entschädigungen“, über Gesten der Wiedergutmachung für Opfer durch Priester und/oder Ordensleute entscheiden wird. So der ausdrückliche Wille der Bischöfe.

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Es geht ja doch: Wien setzt Rom unter Druck


DIE PRESSE 24.06.2010

DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Österreichs Bischöfe beschließen einen Codex gegen sexuelle Gewalt. Wann folgt Rom, wann der Staat?

In Krisen zeigt sich üblicherweise relativ bald, wo es Leadership oder nur aufgesetztes Macher-Gehabe gibt. Nur Eremiten oder Menschen mit massiven Wahrnehmungsproblemen vermögen nicht zu sehen, dass sich die katholische Kirche Österreichs in einer Krise befindet. In einer tiefen Vertrauenskrise, die durch eine unappetitliche Welle hunderter Fälle sexueller Gewalt, meist vor Jahrzehnten begangen, ausgelöst wurde, die über Österreich schwappte. Kardinal Christoph Schönborn hat – es fällt gar nicht so schwer, das anzuerkennen – vom ersten Bekanntwerden an mehr oder weniger alles richtig gemacht.

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Das Ende des Vertuschens


Die Presse 23.06.2010

Bischofskonferenz: Geldleistungen an Missbrauchsopfer werden von einer “Stiftung Opferschutz” abgewickelt – strikt nach einer Empfehlung der Klasnic-Kommission. Österreichweit soll es einheitliche Regeln geben.

Wien/mariazell (red.). Am Mittwoch war es so weit: Kardinal Christoph Schönborn hat die angekündigten neuen Regeln im Kampf der katholischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch präsentiert. Zentraler Punkt des Beschlusses der Sommertagung der Bischofskonferenz in Mariazell: Entschädigungszahlungen für Opfer sollen künftig aus einer eigens eingerichteten „Stiftung Opferschutz“ kommen.

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Ansprüche von bis zu 130.000 Euro pro Person


derStandart.at 22.06.2010

Aufforderungsschreiben an Diözesen ergangen – Kirche wird Unterlassung zur Last gelegt

Wien – Die Rechtsvertretung Betroffener von sexuellem Missbrauch in der Kirche hat nun Aufforderungsschreiben an die Diözesen verschickt. Darin werden für die 131 Kläger Entschädigungszahlungen in Höhe von bis zu 130.000 Euro pro Person verlangt. Den jeweiligen Diözesen sowie Erzdiözesen wird Unterlassung zur Last gelegt. Weiters wirft Rechtsanwalt Werner Schostal der Kirche vor, als Erfüllungsgehilfe bei den verschiedenen Fällen von Missbrauch mitgewirkt und Geistliche bewusst weiter eingesetzt zu haben.

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Österreichs Kirche zahlt


DIE PRESSE 21.06.2010

DIETMAR NEUWIRTH

Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic hat gestern den Bischöfen Bericht erstattet. Jetzt müssen Regeln für Entschädigungen gefunden werden.

WIEN. Österreichweit haben sich bisher ungefähr 400 Opfer sexueller Gewalt durch einen Mitarbeiter der katholischen Kirche gemeldet. Derzeit werden bei der Sommersitzung der Bischofskonferenz in Mariazell alle Fälle der neun Ombudsstellen und der Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic zusammengetragen und miteinander abgeglichen. Gestern, Montagnachmittag, hat Klasnic den Bischöfen erstmals seit ihrer Berufung durch Kardinal Christoph Schönborn Bericht erstattet.

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Schweigen in allen Sprachen


Missbrauchsopfer haben geredet. Nun stoßen sie auf neues Schweigen. Das ist die Erfahrung von Katharina B., die seit acht Jahren ein Notruf-Telefon für Opfer sexueller Gewalt von Kirchenmitarbeitern betreibt.

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Geheime Parallelwelt


DER SPIEGEL Nr. 24/14.6.10

Prunksucht, Diebstahl, undurchsichtige Kassen: Die katholische Kirche wird von Finanzaffären erschütter. Während an der Basis gespart werden muss, bleibt manchen Bischöfen kaum ein Wunsch unerfüllt.

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Walter Mixa – “Der Druck war wie ein Fegefeuer”


Berliner Morgenpost 16.06.2010

Walter Mixa spricht mit Morgenpost Online über die Missbrauchs-Vorwürfe, das Verhalten der Kollegen und eigene Fehler.

Papst Benedikt XVI. will sich im Juli mit dem früheren Augsburger Bischof Walter Mixa treffen. Dieser kämpft um seine Rehabilitierung. Recherchen der „Welt am Sonntag“ hatten ergeben, dass seine Kollegen ihn beim Papst auf der Basis von Gerüchten über sexuellen Missbrauch in Misskredit gebracht und den Verdacht gestreut haben. Zuvor hatte Mixa aber eingestanden, dass er Heimkinder geohrfeigt haben könnte. Die Betroffenen selbst sprechen von schweren Züchtigungen.

Morgenpost Online: Herr Bischof, wie geht es Ihnen?

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Opfer wollen keine Entschädigung?


Gestern ging in Münster in Westfalen eine große Bistumsveranstaltung zum Thema “Missbrauch” zuende. Eingeladen hatte Bischof Felix Genn rund 500 Priester, Diakone und Pastoralreferenten. Über eine Flut eingegangener Meldungen berichtete Pfarrer Dr. Hans Döink aus Coesfeld, Leiter der Missbrauchskommission des Bistums Münster.

“Es geht den Opfern zumeist nicht um Entschädigungszahlungen”, zitierten heute morgen alle großen Tageszeitungen im gesamten Bistumsgebiet den Kommissionssprecher. Sondern vielmehr um darüber reden zu können, Anerkennung durch die Täter und Prävention für die Zukunft. Deshalb seien strukturelle Veränderungen in der Kirche unumgänglich, so das Resumee.

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Finanzaffären in der katholischen Kirche


SPIEGEL ONLINE 12.06.2010

Immobilien, Aktienbesitz, geheime Konten: Die katholische Kirche jongliert mit ihrem gigantischen Vermögen. Manche Geschäfte sind hoch fragwürdig oder sogar kriminell, wie die Verurteilung eines leitenden Kirchenfunktionärs zeigt.

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Einladung zu Vortrag und Diskussion “Sexueller Missbrauch durch katholische Geistliche – kein Thema für die weltliche Justiz?”


Referentin: Prof. Dr. theol. Uta Ranke-Heinemann *

Dienstag, 15. Juni 2010, 19:30 Uhr 
zakk (Studio), Fichtenstraße 40, 40233 Düsseldorf

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Papst bittet Missbrauchs-Opfer um Vergebung


SPIEGEL ONLINE 11.06.2010

Lange wurde auf ein klares Wort von ihm gewartet – jetzt ist es da: Papst Benedikt XVI. hat die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche um Vergebung gebeten. Er will alles nur Mögliche tun, um Kinder in Zukunft zu schützen.

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“Kastrationsgesetz” tritt in Kraft


taz.de 9.06.2010

Wegen Pädophilie Verurteilte müssen sich in Polen künftig nach Verbüßung einer bis zu 15-jährigen Haftstrafe einer hormonellen Zwangstherapie unterziehen.

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Staat zahlt 442 Millionen Euro für Kirchengehälter


SPIEGEL TV 8.06.2010

Die Bundesregierung spart und streicht, doch kirchliche Gehälter verschont sie. Die Bezüge werden seit 200 Jahren vom Staat getragen, und niemand scheint daran etwas ändern zu wollen – obwohl 2009 fast eine halbe Milliarde Euro gezahlt wurde.

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Potsdamer Seelsorger soll Jungen vergewaltigt haben / Landeskirche schwieg bisher


Märkische Allgemeine 6.06.2010

POTSDAM – Gegen den langjährigen Pfarrer der Potsdamer Heiligkreuzgemeinde, Uwe D., sind schwere Missbrauchsvorwürfe erhoben worden. Superintendent Joachim Zehner hat im Mai Strafanzeige gegen den pensionierten Geistlichen gestellt. Die Staatsanwaltschaft Potsdam bestätigte gestern gegenüber der MAZ den Tatvorwurf der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung.

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Prügel aus sexuellen Motiven


FOCUS ONLINE 27.05.2010

Die Jesuiten haben über Jahrzehnte sexuelle und körperliche Gewalt gegen Kinder an den Schulen des Ordens gedeckt. Inzwischen sind 205 Fälle von Missbrauch an Jesuitenschulen bekannt.

Die Täter wurden in mehreren Fällen von ihren Oberen aus der Schusslinie gebracht und an andere Orte versetzt, wie Ursula Raue, die Missbrauchs-Beauftragte der Jesuiten, am Donnerstag bei ihrem Abschlussbericht zu dem Skandal in München sagte. „Man hat dafür gesorgt, dass die verschoben wurden.“ Insgesamt gingen bei Raue seit dem Bekanntwerden des Skandals Ende Januar 205 „Opfermeldungen“ ehemaliger Schüler des Berliner Canisius-Kollegs und mehrerer anderer Jesuitenschulen ein. Die meisten Fälle ereigneten sich größtenteils in den 70er- und frühen 80er-Jahren.

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„Ermittler in Priesterrobe“ ersetzen nicht die Polizei


Gewerkschaft der Polizei 17.03.2010

Berlin. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die katholische Kirche aufgefordert, die Ermittlungen bei Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen nicht auf eigene Faust durchzuführen, sondern den staatlichen Verfolgungsbehörden zu überlassen. GdP-Vorsitzender Konrad Freiberg: „Die Aufklärung von Straftaten ist Sache derer, die gesetzlich legitimiert sind, dafür ausgebildet wurden und über große Fachkenntnis durch Hunderttausende von Ermittlungs- und Gerichtsverfahren verfügen: Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte. Bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester oder kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen muss unverzüglich Anzeige bei der Polizei erstattet werden.“

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»Wir sind enttäuscht«


DIE ZEIT 20.05.2010

Unter den Missbrauchsopfern der Jesuitenschulen wächst der Unmut über die Art der Aufklärung

Drei, die Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch an Jesuitenschulen wurden: Gernot Lucas (72) besuchte von 1950 bis 1958 das Aloisius-Kolleg in Bad Godesberg. Er ist emeritierter Professor für Architektur. Matthias Katsch (47) ging von 1973 bis 1981 ins Berliner Canisius-Kolleg. Er arbeitet heute als Projektmanager. Robert Schulle (43) war von 1976 bis 1984 ebenfalls auf dem Canisius-Kolleg und ist im öffentlichen Dienst beschäftigt.

DIE ZEIT: Ende Januar wurde öffentlich, dass Schüler an deutschen Jesuitenschulen über Jahrzehnte sexuell missbraucht und geschlagen wurden. Was ist aus Ihrer Sicht seitdem geschehen?

Gernot Lucas: Ich hatte das Geschehene über 50 Jahre tief in mir vergraben. Deshalb war es für mich wie für andere Betroffene eine Erlösung, endlich über den Missbrauch reden zu können. Ich hatte die Hoffnung, dass man die Opfer ernst nimmt, dass der Orden die Archive öffnet und alles aufarbeitet. Mittlerweile jedoch bin ich tief enttäuscht. Denn bislang ist nichts davon passiert. Ich glaube, wir Opfer sollen hingehalten werden. Ich fühle mich in gewisser Weise erneut missbraucht.

Robert Schulle: Ich habe meinen Fall unter großen seelischen Mühen mehrmals geschildert, unter anderem dem Provinzial der Jesuiten. Die einzige Antwort, die ich bislang erhielt, war ein Schreiben mit dem Satz: Danke für Ihren Beitrag zur Aufklärung.

Matthias Katsch: Ich hatte große Hoffnung, dass der Skandal in Deutschland anders verläuft als in den USA oder Irland, wo sich die Aufarbeitung über Jahre hinzog. Hier signalisierten die Jesuiten, vor allem der jetzige Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Mertes, den Opfern: Wir glauben euch. Doch seitdem herrscht Schweigen. Kritisch sehe ich den runden Tisch in Berlin. Da wird über Missbrauch an sich und überhaupt diskutiert. Die direkte Verantwortung der Jesuiten geht unter.

ZEIT: Für die Aufarbeitung der Missbrauchstaten hat der Orden die Rechtsanwältin Ursula Raue beauftragt. In der Öffentlichkeit wurde dies sehr positiv aufgenommen.

Schulle: Die meisten von uns haben das Vertrauen in Frau Raue verloren. Mitte April gab es ein Treffen zwischen ihr und Betroffenen, zu dem ich nicht eingeladen wurde, obwohl man meine Daten hatte. Es endete nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Teilnehmer mit einem Scherbengericht. Ich selbst habe einmal ein Telefongespräch mit Frau Raue geführt. Ihre erste Aussage war, dass die Taten verjährt seien und ich mit keiner Entschädigung rechnen könne.

Katsch: Frau Raue scheint uns völlig überfordert. Die Taten sind doch längst klar, die Täter und die Institutionen bekannt. Dennoch sind wir, was die Aufklärung angeht, heute so schlau wie vor fünf Monaten. Ich habe den Eindruck, dass der Orden sich hinter seiner Missbrauchsbeauftragten versteckt.

ZEIT: Was sollten die Jesuiten tun?

Katsch: Erst einmal hätte der Orden die Opfer und ihre Familien fragen können, ob sie aktuelle Hilfe benötigen, etwa Therapien oder die Vermittlung von Selbsthilfeeinrichtungen. Das wird erst jetzt in Aussicht gestellt. Es wäre zudem sinnvoll gewesen, die Kommunikation der Betroffenen untereinander zu ermöglichen. Bisher dachten viele ja, sie seien das einzige Missbrauchsopfer. Auch das ist nicht geschehen.

Lucas: Wenn man wirklich aufklären wollte, müsste man die Archive in Rom einbeziehen, die Akten öffnen und uns Einblick gewähren.

ZEIT: Und der Datenschutz? Nicht alle Opfer wollen identifiziert werden.

Schulle: Dann muss man deren Namen anonymisieren, das funktioniert bei der Aufarbeitung anderer Verbrechen auch. Gewiss, das ist mit Aufwand verbunden. Aber auch der Missbrauch wurde über Jahre äußerst aufwendig betrieben.

ZEIT: Immerhin hat man Frau Raue doch jetzt weitere Mitarbeiter zur Seite gestellt.

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Diözese zahlt Rekordentschädigung für Missbrauchsopfer


ZEIT ONLINE 17.05.2010

Die Diözese von Vermont hat Missbrauchsopfer mit mehr als 20 Millionen Dollar entschädigt. Die Kirche muss Liegenschaften verkaufen, um die Summe aufzubringen.

Die 26 Betroffenen sollen 17,65 Millionen Dollar erhalten, teilte der Bischof von Burlington im Bundesstaat Vermont, Salvatore Matano, mit. Zudem habe sich die Kirche mit den Klägern in drei Berufungsprozessen auf nicht genannte Entschädigungssummen geeinigt. Der Rechtsvertreter vieler Missbrauchsopfer, Jerry O’Neill, sagte, die Gesamtsumme belaufe sich auf mehr als 20 Millionen Dollar.

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Vom Papstliebling zum Paria


SPIEGEL ONLINE 8.05.2010

Ein Kommentar von Peter Wensierski

Als Augsburger Bischof vertrat Walter Mixa eine Kirche, wie sie sich Papst Benedikt XVI. wünscht: fundamentalistisch, Rom ergeben, rückwärtsgewandt. Der Staat muss sich fragen, wie lange er eine katholische Parallelwelt dieses Zuschnitts noch alimentieren will.

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Vatikan entfernt Mixa aus Augsburger Bischofsamt


SPIEGEL ONLINE 8.05.2010

Die Zeit von Walter Mixa als Bischof von Augsburg ist zu Ende: Der Vatikan hat am Samstag sein Rücktrittsgesuch angenommen. Damit hat Rom auf neue Vorwürfe reagiert, bei denen es auch um sexuellen Missbrauch ging. Zudem wurden am Wochenende neue belastende Details über Mixa bekannt.

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Walter Mixa – Verdacht auf sexuellen Missbrauch


sueddeutsche.de 7.05 2010

Vorermittlungen gegen Augsburger Bischof

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Vorermittlungen gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa eingeleitet. Es geht nicht um die bekannten Prügel-Vorwürfe – es geht um den Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen. Der Bischof selbst soll in einer Schweizer Klinik sein.

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Quer gedacht


Hamburger Abendblatt 7.05.2010

mit Propst Johann Hinrich Claussen. Das Ungeheuerliche richtig beschreiben

Dieses Thema wird uns noch lange begleiten. Deshalb ist es gut, sich darüber zu verständigen, wie wir darüber reden. Die Medien berichten sehr verantwortungsvoll über diesen Dauerskandal, aber es hat sich in der Gesellschaft ein problematischer Sprachgebrauch eingeschliffen. Alle reden von “Kindesmissbrauch”. Das legt die Vermutung nahe, als gäbe es auch einen sinnvollen “Gebrauch” von Kindern. Aber Kinder sind keine Gebrauchsgegenstände. Sie haben eine Würde, und das heißt, dass niemand sie benutzen oder gebrauchen darf. Deshalb sollten wir nicht von “Missbrauch” reden, sondern sagen, was Sache ist. Es geht um “sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche”. Ich weiß, Journalisten, Politiker und Kirchenführer sind eilige Menschen. Aber so viel Zeit sollte sein. Wer es kürzer möchte, kann auf ein altertümlich klingendes, aber sehr angemessenes Wort zurückgreifen: “Schändung”.

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Missbrauchsopfer des Aloisiuskollegs fordert Entschädigung


General-Anzeiger 5.05.2010

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bad Godesberg. 60 Jahre hat Gernot Lucas gebraucht, um öffentlich zu bekennen: “Ja ich bin eines der Ako-Opfer. Ja, ich bin drei Jahre lang von einem dortigen Jesuitenpater missbraucht worden.”

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Die Hölle von St. Philomena


Frankfurter Rundschau 3.05.2010

…Die Berichte über den deutschen Missbrauchsskandal, die Milla und andere Mitglieder des Vereins „Survivors Network of those Abused by Priests“ (SNAP) seit Wochen verfolgen, haben in Amerika nicht nur Erinnerungen aufleben lassen, sondern auch Kritik am Umgang mit den Tätern provoziert. Besonders den in Deutschland vielgelobten „runden Tisch“, an dem sich Regierungsvertreter und Opferverbände mit Kirchenvertretern treffen, halten die Mitglieder des SNAP für überflüssig. „Die deutsche Kanzlerin sollte vielmehr der irischen Regierung folgen und eine unabhängige Untersuchung der Vertuschung von Sexualstraftaten durch Geistliche veranlassen“, rät der Verein. Nur so würden sich weitere Opfer melden und eine echte Aufklärung ermöglichen…

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Holy Watergate


Da geht es lang, auch in Deutschland! In den USA ging das nur, weil sich die Betroffenen herauswagten und solidarisierten:

In Deutschland sind wir erst am Anfang, in den USA hat es zehn Jahre gedauert, bis Gewaltopfer von Klerikern endlich entschädigt wurden. Dieser Film zeigt die Etappen auf dem Weg dorthin:

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Oberster deutscher Bischof legt Mixa Auszeit nahe


SPIEGEL ONLINE 21.04.2010

Er erhob die Hand gegen Kinder, steht wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten in seinem Bistum unter Druck: Der Augsburger Bischof Mixa wird für die Kirche zunehmend zum Problem. Bischofskonferenz-Chef Robert Zollitsch empfiehlt ihm jetzt eine “Zeit der Einkehr” – es wäre ein einmaliger Schritt.

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“Lieber ins Gefängnis gehen als Priester anzeigen”


SPIEGEL ONLINE 16.04.2010

Vertuschung von Missbrauchstaten

“Lieber ins Gefängnis gehen als Priester anzeigen”

Erneuter Skandal in der katholischen Kirche: Weil er darauf verzichtete, einen pädophilen Priester anzuzeigen, wurde ein französischer Bischof mit einem Dankesbrief eines Kardinals aus dem Vatikan belohnt. Der Mann habe vorbildlich gehandelt, lobte der Präfekt der Kongregation für den Klerus.

Paris – Das kritische katholische Laienmagazin “Golias” veröffentlichte das brisante Schreiben vom 8. September 2001 bereits vor zwei Wochen auf seiner Internetseite. Darin beglückwünscht der damalige Präfekt der Kongregation für den Klerus, Darío Castrillón Hoyos, den französischen Bischof Pierre Pican dazu, einen pädophilen Priester nicht angezeigt zu haben.

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Profiteure des Missbrauchs


Frankfurter Rundschau 16.04.2010

Von Christian Schlüter

Es hat schon etwas Rührendes, wenn angesichts der schwerwiegenden Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche allerorten und mit großem Eifer an Selbstverständlichkeiten erinnert wird.
Selbstverständlich sind wir ein säkularer Rechtsstaat,
selbstverständlich ist die Kirche kein Staat im Staate,
selbstverständlich haben sich auch die Kirchen den staatlichen Organen zu unterwerfen,
selbstverständlich sind bei Straftaten welcher Art auch immer umgehend Polizei und Staatsanwaltschaft zu informieren, und selbstverständlich muss die Kirche nicht nur für die in ihrem Namen oder unter ihrem Dach begangenen Straftaten, sondern auch für alle Formen der Strafvereitelung und Behinderung polizeilicher oder staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen voll zur Rechenschaft gezogen werden.

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Die Chronik eines Skandals


Frankfurter Rundschau 15.04.2010

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) trifft am heutigen Donnerstag mit dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zusammen. Kritik der Ministerin am Umgang der Kirche mit Missbrauchsvorwürfen hatte zu Verstimmungen zwischen Ministerium und Bischofskonferenz geführt. An den Gesprächen im Ministerium nimmt auch der Beauftragte der Bischofskonferenz für Missbrauchsfragen, Stephan Ackermann, teil. Wir dokumentieren anlässlich des Treffens in den vergangenen Wochen bekanntgewordene Missbrauchs- und Gewaltfälle in katholischen Einrichtungen und die Reaktion der Kirchenoberen darauf.

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Die Missbrauchs-Prozession


suedeutsche.de 13.04.2010

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Erst sorgt die Kirche für mehr Transparenz, dann macht ein Kurienkardinal Homosexualität für Pädophilie verantwortlich. Der Vatikan springt im Missbrauchsskandal vor, zurück und seitwärts.

Einem Bekenntnis folgen zwei Beschwichtigungen und drei Ausreden: Kurienkardinal Tarcisio Bertone und Papst Benedikt XVI.
Das Verhalten des Vatikan im Missbrauchsskandal erinnert an die Echternacher Springprozession. Dort sprangen einst die Gläubigen drei Schritte vor und zwei zurück und kamen dann irgendwann doch beim Grab des Heiligen Willibrod an, der zur Hilfe bei Krämpfen und Nervenkrankheiten angerufen wird. Im Missbrauchsskandal ist es so, dass die römische Kurie nicht nur vor und zurück, sondern auch noch seitlich springt: Einem Bekenntnis folgen zwei Beschwichtigungen und drei Ausreden.

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Die Verliese des Vatikan


DER TAGESSPIEGEL 13.04.2010

Wie der Papst die Aufklärung von Missbrauch verhindert hat. Ein Gastbeitrag von Paolo Flores d’Arcais.

Ausreden helfen nicht mehr. Jahrzehntelang wurden Tausende pädophiler Priester gedeckt, nicht den Strafverfolgungsbehörden gemeldet, es wurde ihnen damit eine Straffreiheit verschafft, die es ihnen möglich machte, den Missbrauch von zigtausenden (manchmal behinderten) Kindern und Jugendlichen fortzusetzen. Dafür sind Joseph Ratzinger und Karol Wojtyla unmittelbar verantwortlich. Ob ihre Verantwortung moralischer oder juristischer Natur ist, werden in Kürze amerikanische Gerichte klären. Die moralische Verantwortung ergibt sich jedenfalls aus Dokumenten, die der „Osservatore Romano“, das amtliche Organ des Heiligen Stuhls, vor einigen Tagen erneut veröffentlicht hat.

Dabei geht es keineswegs um einzelne Fälle von Vertuschung auch im Umfeld der Kirchen-„Justiz“, die inzwischen erwiesen sind und über die vor allem die amerikanischen und deutschen Medien berichtet haben. Es geht um die Verantwortung beider Päpste für sämtliche Fälle von Missbrauch innerhalb der Kirche, die nicht der staatlichen Justiz angezeigt wurden. Entscheidend ist folgender Punkt: Der Pontifex und der Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation verpflichteten bindend alle Bischöfe, Priester und ihr Hilfspersonal, im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche nichts an die Behörden durchsickern zu lassen.

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Systematisch verdroschen


DER WESTEN 6.4.2010

Hattingen. Ehemaliger Klosterschüler aus Hattingen plädiert für die Abkehr der Kirche von der Unfehlbarkeit.

Ob er sexuell missbraucht worden ist, dazu sagt der Hattinger nichts. Nur so viel: „Kinder – unter anderem ich – wurden misshandelt, gedemütigt und gequält.” Vor fast 50 Jahren hat er im Alter von zehn Jahren eine Klosterschule im Sauerland besucht – für ein Schuljahr nur. Einen kirchlichen Berufsweg sollte er einschlagen. Was vorgefallen ist, darüber hat er nie mit seinen Eltern gesprochen.

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Dokumente des Vertuschens


ZEIT ONLINE 2.04.2010

Tarcisio Bertone, der Mann hinter Joseph Ratzinger, versuchte seinem Chef vor über zehn Jahren einen Skandal vom Halse zu schaffen. Nun bringt er ihn damit in Bedrängnis.
Verliert der Papst wenige Wochen vor seinem fünften Amtsjubiläum seinen engsten Mitarbeiter? Am 19. April ist der Deutsche Joseph Ratzinger fünf Jahre Papst. Tarcisio Bertone ist im Vatikan der mächtigste Mann hinter Benedikt, doch beliebt ist er nicht. Auch seine Kompetenz als Kardinalstaatssekretär, also als Ministerpräsident des Vatikan, ziehen inzwischen viele in der Kurie in Zweifel. Nun gerät er zum zweiten Mal in kurzer Zeit unter Druck.

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Der heutige Papst Ratzinger schützte Sexualtäter, nicht die Opfer


WELT ONLINE 25.03.2010

Von Uwe Schmitt

Die Skandale rücken näher, auch der um Priester Murphy verdichtet sich. Er missbrauchte 200 gehörlose Jungen. Trotz Beschwerden von Opfern wurde er zum Schulleiter befördert. Als der Papst noch Präfekt der Glaubenskongregation war, soll sein Büro einen Missbrauchsfall in den USA unter den Teppich gekehrt haben.

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Benedikt und der Missbrauchskandal – Herr, vergib ihm seine Geduld


SPIEGEL ONLINE 25.03.2010

Ein Kommentar von Peter Wensierski

Der Papst gerät wegen des Umgangs mit Missbrauchfällen weiter ins Zwielicht: Die im Jahr 1996 von ihm geführte Glaubenskongregation hat damals auf Strafen gegen einen pädophilen Priester verzichtet. Benedikts Autorität als Kirchenführer schwindet – warum ist er eigentlich noch im Amt?

Derzeit schwindet sie nahezu täglich, mit jeder neuen Erkenntnis über seine eigene Rolle, die den Umgang seiner Kirche mit sexuellem Missbrauch geprägt hat. So einfach aber tritt ein Papst nicht zurück. Er ist kein Vorstandschef eines Konzerns, kein Parteivorsitzender – er ist der direkte Nachfolger des Apostel Petrus.

Immerhin, das Kirchenrecht macht es prinzipiell möglich: Kanon 332, Absatz 2 regelt den Rücktritt des Papstes. Danach kann ein Papst, wann immer er will, ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten, zurücktreten. Ebenso bei geistiger Umnachtung, falls der Pontifex vorher daran gedacht hat, ein Demissionsschreiben zu hinterlegen. In der langen Geschichte der Kirche kamen Rücktritte allerdings äußerst selten vor, zuletzt vor 700 Jahren, bei Papst Cölestin V.

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Missbrauch: Der Papst als Mitwisser


provil online 14.03.2010

Warum den Papst Mitverantwortung trifft

Der Skandal um sexuellen ­Missbrauch durch katholische Geistliche ­erreicht den Papst: warum Benedikt XVI. persönliche Mitverantwortung an der ­versuchten Vertuschung von Vergewaltigung, Nötigung und Belästigung trifft.

Von Martin Staudinger

Doch, Joseph Alois Ratzinger, der Mann mit der sanften Stimme, dem leicht entrückten Blick und der sparsamen Gestik, kann auch anders. Er kann abweisend sein, herrisch und unhöflich. Er kann sogar zuschlagen. Brian Ross erlebte es am eigenen Leib, als er Ratzinger eine unbotmäßige Frage stellen wollte. Der Reporter des amerikanischen TV-Senders ABC hatte den Kleriker in Rom abgepasst und auf ein sensibles Thema angesprochen: den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch katholische Priester und Ordensleute in den USA.

„I’m not so informed to speak in this moment“, murmelte Ratzinger zunächst sichtlich verblüfft, fasste sich dann aber und wurde zusehends grantig – um dem Journalisten schließlich erbost mit der flachen Hand auf die Finger zu hauen. Das geschah im Jahr 2002, als Ratzinger noch Kardinal und Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation war. Heute würde Ross auf offener Straße keine zehn Meter mehr an Ratzinger herankommen. Letzterer ist inzwischen Papst, nennt sich Benedikt XVI. und gewährt Interviews nur handverlesenen Vatikan-Berichterstattern. Allerdings: Um das Thema Kindesmissbrauch kommt Benedikt XVI. noch weniger herum als Joseph Kardinal Ratzinger vor acht Jahren.

Konnte die Kirche den Mitte der neunziger Jahre von profil enthüllten Fall Groer (siehe Gastkommentar von Josef Votzi auf Seite 26) noch als bedauerlichen Einzelfall abtun, muss sie nun eingestehen, dass sexuelle Übergriffe durch Geistliche ein massenhaft auftretendes Phänomen sind.
Allein seit Jahresbeginn sind in Europa hunderte neue Verdachtsfälle bekannt geworden, in denen sich Kleriker an Minderjährigen vergangen haben sollen. In den Niederlanden meldeten sich binnen ­weniger Tage rund 200 mutmaßliche Opfer, in Deutschland mehr als 150, in Österreich ist die Rede von mindestens 30.

Die Vorwürfe, die hierzulande zuletzt sehr konkret im Ö1-„Morgenjournal“, dem „Falter“ und den „Oberösterreichischen Nachrichten“ erhoben wurden, betreffen alle denkbaren Bereiche des kirchlichen Lebens: Pfarren, Klöster, Heime, Internate und Schulen. Ehemalige Zöglinge berichten ­dabei sowohl von sexueller als auch von körperlicher Gewaltanwendung. Vergangene Woche musste sogar Georg Ratzinger, ­Bruder des Papstes und selbst Kleriker, zugeben, als Leiter der „Regensburger Domspatzen“ Schüler geschlagen zu haben.

Im Nervenzentrum. Nicht nur in Europa scheint nun der Damm gebrochen zu sein. In den USA musste die katholische Kirche inzwischen mehr als 10.000 Missbrauchsopfer entschädigen. Und in Lateinamerika ist der Vatikan mit einem geradezu monströsen Fall konfrontiert, der in das direkte Umfeld von Papst Benedikt XVI. weist – jenem von Marcial Maciel Degollado, Gründer der Kongregation der Legionäre Christi, des wichtigsten Laienordens der Region. Obwohl es ein offenes Geheimnis war, dass „Père“ Maciel dutzende Kinder geschändet hatte, musste er sich niemals einem Verfahren stellen. Das wurde unter anderem mithilfe von Benedikt XVI. verhindert.

Nicht nur in diesem Fall trifft den Papst Mitverantwortung für die unterbliebene Aufklärung und Ahndung von Missbrauchsfällen durch Kleriker. Unzählige weitere Vergewaltigungen und Übergriffe wurden im Geheimen von jener vatikanischen Behörde abgehandelt, der Joseph Kardinal Ratzinger in den Jahren 1981 bis 2005 als Präfekt vorstand – also fast ein Vierteljahrhundert lang: der Kongregation für die Glaubenslehre im Palazzo del Sant’Uffizio, die sich hinter den Kolonnaden des Petersplatzes versteckt.

Hervorgegangen aus der Inquisitionsbehörde, ist sie so etwas wie das Nervenzentrum der Kirche. Sie besteht aus drei Sektionen, die sich mit Doktrin-, Ehe- und Disziplinarfragen beschäftigen. Hier laufen alle sensiblen Informationen aus den 2131 katholischen Diözesen in aller Welt zusammen. Man darf etwa annehmen, dass Joseph Ratzinger im Palazzo del Sant’Uffizio als ­einer der Ersten von den Vorwürfen in Kenntnis gesetzt wurde, die 1995 gegen den Wiener Kardinal Hans-Hermann Groer auftauchten.

Es ist nicht bekannt, ob Ratzinger damals schon ahnte, was mit den Aussagen des früheren Groer-Zöglings Josef Hartmann in Gang kommen sollte. Noch glaubte der Vatikan offenbar, die leidige Debatte über Kindesmissbrauch durch Kleriker mit ein wenig Mauern und Täuschen rasch aus der Welt schaffen zu können. Das schien auch zu gelingen: Die Zahl der Opfer, die sich infolge der Affäre Groer an die Öffentlichkeit wagten, blieb vorerst gering. Das Tabu war zwar gebrochen, das Ausmaß der Übergriffe aber noch längst nicht abzusehen.

Sechs Jahre später unterzeichnete Joseph Kardinal Ratzinger im Palazzo del Sant’Uffizio ein Papier, das sich nunmehr liest wie ein Leitfaden zur Vertuschung von Missbrauchsfällen – auch wenn die Kirche das Gegenteil behauptet. Es trägt den lateinischen Titel „De delictis gravioribus“ („Über schwere Verbrechen“) und wurde vom damaligen Papst Johannes Paul II. approbiert. Darin wird der Umgang der Kirche mit Straftaten gegen die „Heiligkeit des hochheiligen eucharistischen Opfers und Sakramente“, gegen die „Heiligkeit des Bußsakramentes“ und gegen die „Sittlichkeit“ geregelt.

Das Dokument legt eines nahe: Dass Joseph Kardinal Ratzinger als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre „not so informed“ über Missbrauchsvorwürfe war, wie er es 2002 barsch behauptete, ist wenig glaubwürdig. „De delictis gravioribus“ fordert nämlich Folgendes: „Wenn ein Bischof oder Hierarch auch nur vage Kenntnis von einer derartigen Straftat hat, muss er sie nach abgeschlossener Voruntersuchung an die Glaubenskongregation weitermelden.

“

Diese entscheidet anschließend über das weitere Vorgehen. Ordnet sie einen Gerichtsprozess nach dem Kirchenrecht an, dann läuft dieser jedenfalls ähnlich ab wie die Militärtribunale von Guantanamo: ohne einen einzigen unabhängigen Beteiligten. „An den bei den Bischöfen eingerichteten Gerichtshöfen dürfen für diese Strafverfahren nur Priester die Ämter des Richters, des Kirchenanwalts, des Notars und des Strafverteidigers gültig wahrnehmen“, ordnet das Papier unmissverständlich an. Und weiter: „Prozesse dieser Art unterliegen der päpstlichen Geheimhaltung.

“

Wie viele derartige Meldungen bei der Kongregation und damit bei Ratzinger eingegangen sind, zu welchen Verfahren sie geführt haben und welche Konsequenzen sie hatten: Darüber schweigt der Vatikan.
Vertuschung? Da sei Papst-Sprecher Frederico Lombardi vor: „Wer ,De delictis gravioribus‘ kennt und versteht, worum es sich dreht, weiß, dass es ein entschiedenes Signal war, um den Bischöfen die Schwere des Problems ins Bewusstsein zu rufen und konkrete Impulse zu Leitlinien für den Umgang damit zu geben.

“

Alles halb so wild, versichert auch Matthias Knopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz: „Die kirchliche Unterstützung der staatlichen Strafverfolgungsbehörden bleibt davon unberührt.“ Dass kirchliche Behörden von sich aus Anzeige bei den Behörden erstatten, ist bislang noch nie vorgekommen. „Das ist in unserer Rechtsordnung nicht vorgesehen“, sagt Erich Leitenberger, Sprecher der Österreichischen Bischofskonferenz. „Das können nur Mitarbeiter der Kirche als Privatpersonen tun.“ Er wolle auch nicht ausschließen, dass das auch schon geschehen sei.

Selbstanzeige. In der Regel bleibt es aber beim Appell, sich zu stellen. „Wir empfehlen ganz konsequent, dass man sich selbst anzeigen soll“, erklärte Maximilian Fürnsinn, Vorsitzender der Superiorenkonferenz und Propst von Stift Herzogenburg, vergangenen Mittwoch in der „ZiB 2“. Die Institution mit dem höchsten moralischen Anspruch an Gläubige stellt es ihren Mitarbeitern mehr oder minder frei, Verantwortung für Verbrechen zu übernehmen oder nicht.

Auch sonst hatten die klerikalen Täter bislang keine besonders schwer wiegenden Konsequenzen zu befürchten. Sie wurden stillschweigend versetzt, nur besonders schwere Fälle mussten aus dem Priester- und Ordensdienst ausscheiden. Opfer bekamen in manchen Fällen finanzielle Angebote dafür, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen – man kann darin „Schmerzensgeld“ sehen, wie es die Kirche tut. „Schweigegeld“ trifft es aber wohl doch besser.

Und wenn ein Täter seine Verbrechen gegenüber einem anderen Geistlichen bei der Beichte gesteht, passiert überhaupt nichts: Das Beichtgeheimnis steht für den Klerus über jeglichem Strafverfolgungsinteresse, selbst jenem des Kirchenrechts. Im toten Winkel zwischen von ganz oben angeordneter Diskretion, staatlicher und religiöser Jurisdiktion und dem Sakrament der Beichte konnten es sich Sextäter in der Vergangenheit kommod einrichten – nicht zuletzt auch dank „De delictis gravioribus“.

Mehr noch: Sie konnten mit geradezu teuflischer Perfidie Macht über ihre Opfer ausüben. Wie zum Beispiel über jenen Zwölfjährigen, der in den sechziger Jahren in Salzburg von zwei Patres missbraucht wurde. Als er sich einem anderen Geistlichen anvertrauen wollte, vergewaltigte ihn auch noch dieser. Und anschließend musste er seine eigene Schändung einem der Peiniger als Sünde beichten.

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Missbrauchsskandal in den Niederlanden – auch Nonnen beschuldigt


swisscom 9.03.2010

Auch in den Niederlanden weitet sich ein Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche weiter aus. Neben etlichen Priestern werden jetzt erstmals auch Nonnen beschuldigt, sich an kleinen Jungen vergangen zu haben.

Erstmals werden nun auch Nonnen mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs konfrontiert (Symbolbild).
Unter anderem schildert ein heute 63-Jähriger in dem Bericht der Zeitung “De Telegraaf”, wie er als knapp Elfähriger von Ordensschwestern in der katholischen Internatsschule “De Munt” in Tegelen unweit der Grenze zu Deutschland sexuell missbraucht wurde.

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Quelle:

http://www.bluewin.ch


Nun auch ein Fall in Salzburger Kloster


oe1.ORF.at 9.03.2010

Ö1 Morgenjournal

Ein 53-Jähriger gebürtiger Salzburger beschuldigt im Ö1- Interview zwei frühere Benediktiner, ihn in seiner Jugend über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben. Und er erhebt außerdem Missbrauchsvorwürfe gegen den amtierenden Erz-Abt von Salzburg St. Peter. Alle drei Beschuldigten haben Missbrauchshandlungen eingestanden. Der Abt hat am Abend seinen Rücktritt angeboten.

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Gefährlich nahe


4. März 2010 von Redaktion DER SONNTAG

Es sind Einzelfälle – doch sexuelle Gewalt gibt es auch in der sächsischen Landeskirche. Sie könnte mehr für vorbeugenden Schutz tun.

In den letzten sechs Jahren hat es unter den mehr als 700 Pfarrern der sächsischen Landeskirche zwei Fälle sexueller Straftaten gegeben – zumindest nach offiziellen Angaben. Für das Dresdner Landeskirchenamt ist das Verfahren klar: Wird ein rechtswidriges Fehlverhalten bekannt, folgt ein kirchliches Disziplinarverfahren und eine Anzeige bei der Justiz. Doch die Realität ist keineswegs so eindeutig.

Als ein Pfarrer in Penig vor vier Jahren wegen Verbreitung von Kinderpornografie angeklagt wurde, suspendierte ihn die Kirche sofort und entließ den beliebten Theologen später. Denn die Staatsanwaltschaft ermittelte bereits. Anders lag der Fall in einer Kirchgemeinde einer anderen sächsischen Region (alle Namen und Orte sind der Redaktion bekannt). Dort wurde vor drei Jahren bekannt, dass der Ortspfarrer eine Minderjährige aus der Jungen Gemeinde sexuell belästigt habe.

Das Strafgesetzbuch verbietet eindeutig den sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Die Landeskirche eröffnete ein Disziplinarverfahren, der Pfarrer räumte sein Vergehen ein, er wurde nicht entlassen sondern in den Wartestand versetzt. Eine Anzeige bei der Justiz durch die Kirche blieb aus. Das Opfer und seine Eltern wollten die Strapazen eines öffentlichen Prozesses vermeiden, hieß es. Die Folgen der Übergriffe habe das Mädchen bis heute nicht verwunden, sagen Menschen, die mit ihr in Kontakt stehen.

Einen typischen Loyalitätskonflikt zeigt ein Fall aus dem Jahr 2003. In zwei Instanzen befanden damals Gerichte, dass ein Diakon aus Westsachsen ein 12-jähriges Mädchen auf den Mund geküsst und unsittlich berührt haben soll und verurteilten ihn wegen viermaligem sexuellen Missbrauch in einem weniger schweren Fall zu einer hohen Geldstrafe. Doch Kollegen und Vorgesetzte halten ihren geschätzten Kollegen für unschuldig und bezweifeln – anders als die Gerichte – die Aussage des Kindes. Der Diakon blieb im Dienst und arbeitet bis heute mit Kindern und Jugendlichen. Als er die Gemeinde und den Kirchenbezirk wechselte, erfuhren seine neuen Vorgesetzten nichts von der Vorstrafe. Erst als er Religionsunterricht in einer staatlichen Schule geben wollte, wurde sie zum Problem.

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Quelle:

http://www.sonntag-sachsen.de/2010/03/04/gefahrlich-nahe/


Sacramentum sanctitatis tutela


Sacramentum sanctitatis tutela ist der Titel eines Dokuments, das der Heilige Stuhl am 30. April 2001 veröffentlichte. Es gilt als Anweisung an die Bischöfe, die weitergehende Klärung von Fällen Sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche dem Vatikan zu überlassen.

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Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sacramentum_sanctitatis_tutela


Colm O’Gorman


O’Gorman wurde 1966 im County Wexford geboren, wo er seine Kindheit verbrachte. Sein Vater war der Landwirt Seán O’Gorman. Er zog mit seiner Familie vom Lande in die Stadt Wexford. O’Gormans Vater war Mitglied der irischen Partei Fianna Fáil und trat bei den Wahlen 1969 und 1973 an.

Als Jugendlicher wurde O’Gorman im Alter zwischen 15 und 18 Jahren von dem römisch-katholischen Geistlichen Seán Fortune sexuell missbraucht. Die Missbrauchsfälle lagen zwischen den Jahren 1981 bis 1983.[1] Nach seiner Schulzeit begann er sich politisch zu betätigen. Er wurde Mitglied in der Partei Progressive Democrats und engagierte sich in der Organisation Amnesty International in Irland, in deren Vorstand er später als Direktor aufstieg.[2][3]

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Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Colm_O%E2%80%99Gorman


Kardinal Lehmann weist Vertuschungsvorwurf zurück


SPIEGEL ONLINE 2.03. 2010

…Seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals an Jesuitenschulen Ende Januar meldeten sich jeden Tag zahlreiche Opfer bei Tschapek-Güntner. “Leute rufen an und sagen: ‘Mir ist das auch passiert’”, sagte sie. “Die Menschen halten es nicht mehr aus und müssen reden.” Tschapek-Güntner warf der katholischen Kirche “Falschheit” vor. Zwar wolle die Kirche den Eindruck erwecken, die Missbrauchsfälle aufklären zu wollen, jahrelang habe sie Opfer aber unter Druck gesetzt oder mit Geld zum Schweigen gebracht. “Da wird die Decke der Verschwiegenheit ausgebreitet. Das ist grausam, und das halten wir kaum aus.”

Der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, wies den Vorwurf der systematischen Vertuschung scharf zurück. “Dies ist eine ganz und gar unberechtigte Unterstellung”, schrieb der Bischof von Mainz in seiner Veröffentlichung “Auf ein Wort” für März 2010 und sprach von Verleumdung. Früher habe es vielleicht “eine Verharmlosung oder gar Verniedlichung in einzelnen Fällen gegeben”. Seit Jahren bemühe sich die Kirche aber nun schon um Aufklärung, betonte Lehmann. “Es ist also barer Unsinn zu behaupten, die katholische Kirche habe keinen überzeugenden Willen zur Aufklärung.”…

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Quelle:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,681369,00.html


Ist die Gesellschaft wahrheitsunfähig?


www.kath.net 2.03.2010

Die sexuelle Revolution frisst ihre Kinder. Ein Kath.net-Kommentar zur WDR-Sendung „Hart aber Fair, Die Priester und der Sex – Ist die Kirche noch wahrheitsfähig?“ – Von Gabriele Kuby

München (kath.net)
Wer Herrn Norbert Denef in der Sendung hart aber fair über „Die Priester und den Sex“ gesehen hat, der zweifelt nicht mehr, dass der vom Papst für die Opfer gebrauchte Begriff „Überlebender“ zutreffend ist. Norbert Denef ist ein Gezeichneter. Dass er nicht nur angeklagt, sondern sogar die Fortzeugung erlittener Schuld durch eigene Schuld bekennt, nötigt größten Respekt ab. Es ist durch sein Zeugnis und die Stellungnahme des Psychotherapeuten Wolfgang Bergmann verständlich geworden, warum die Opfer so lange schweigen. Deswegen sollte die Forderung der Opfer, die Verjährungsfrist aufzuheben, von der Kirche übernommen und von der Regierung dringend umgesetzt werden.

Wenn es zutrifft, dass die Katholische Kirche Herrn Denef mit Wissen des zuständigen Bischofs, Schweigegeld angeboten hat, dann genügt es nicht, dass dies als Fehler eingestanden wird, dann sollte dieser Bischof dem Beispiel des Abtes von Ettal und der EKD-Ratsvorsitzenden folgen. Er hat dann seine Autorität und die der Kirche beschädigt.

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Quelle:

http://www.kath.net/detail.php?id=25829


“Die Opfer wollen Taten sehen”


SPIEGEL ONLINE 23.02.2010

Sinéad O’Connor zu Missbrauchsskandal

Von Peter Wensierski

Verletzen, beten, schweigen: Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat auch in Irland für Empörung und Entsetzen gesorgt. Jetzt erhebt die Sängerin Sinéad O’Connor schwere Vorwürfe gegen die kriminellen Geistlichen und ihre vielen Helfer.

Nachdem die irische Sängerin Sinéad O’Connor den SPIEGEL-Titel über “Die Scheinheiligen – Die katholische Kirche und der Sex” (7/2000) in der englischen Übersetzung auf SPIEGEL ONLINE gelesen hatte, nahm sie Kontakt zu SPIEGEL-Redakteur Peter Wensierski auf.

Die Pop-Sängerin (“Nothing compares 2 you”) wurde als Kind von ihrer Mutter misshandelt. Ihr Song “Fire on Babylon” handelt von den Folgen. O’Connor engagiert sich seit Jahren für die Opfer sexuellen Missbrauchs in Irland und hat dabei mit ihrer Kritik an der katholischen Kirche wiederholt für Kontroversen gesorgt.

So zeriss die Sängerin 1992 in einer TV-Sendung im amerikanischen Fernsehen ein Bild von Papst Johannes Paul II. Bei diesem Auftritt sang sie das Bob-Marley-Lied “War”. Dabei ersetzte sie das Wort ‘racism’ durch ‘child abuse’. Jetzt hofft sie, dass in Deutschland die Opfer sexuellen Missbrauchs sich nicht so lange von der Kirche hinhalten lassen müssen wie in Irland.

Sinéad O’Connor redet nicht lange drum herum: “Wenn die Bischöfe in Deutschland – so wie die irischen Bischöfe – den Missbrauch in ihren Reihen vertuscht und verschwiegen haben, wenn sie die betroffenen Priester einfach in andere Gemeinden versetzt haben, dann sollte dies jetzt konsequent verfolgt und aufgedeckt werden.”
Man dürfe sich nicht darauf verlassen, nur der Kirche die Aufklärungsarbeit zu überlassen. Die Opfer in Irland hätten zu viele Versprechungen von den Geistlichen gehört, die am Ende doch nicht eingehalten worden seien, sagt die Sängerin. Auch schnelle Rücktritte seien letzten Endes immer wieder nur “eine Flucht aus der Verantwortung gewesen”.

“Wenn Menschen von einem Verbrechen erfahren und es nicht anzeigen, dann wird man dies strafrechtlich verfolgen. Warum sollen der Vatikan und die Bischöfe da anders behandelt werden?”, fragt O’Connor.

Große Verbitterung bestehe in Irland darüber, so die Sängerin, dass weder der Papst noch andere Vertreter des Vatikans die Opfer bislang aufgesucht hätten. “Die könnten doch mal ihren Hintern bewegen, die Missbrauchten besuchen, sie wegen des Vertuschens um Verzeihung bitten und ihnen dafür danken, dass sie ihr Schweigen gebrochen haben.”

“Nicht zugehört oder nicht geglaubt”

Das Wichtigste bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Irland war nach Ansicht O’Connors der sogenannte Murphy-Report, der nach drei Jahren Recherche im vergangenen November veröffentlicht wurde. Unter Vorsitz der Richterin Yvonne Murphy richtete das Justizministerium 2006 eine Untersuchungskommission ein. Sie hatte den Auftrag, eine repräsentative Auswahl von Missbrauchsfällen zwischen 1975 und 2004 zu untersuchen. Es ging dabei vor allem um die Frage, wie kirchliche und staatliche Stellen mit der Aufklärung der Fälle umgingen.

“Den Opfern wurde jahrelang nicht zugehört oder ihnen wurde nicht geglaubt”, sagt O’Connor. “Doch mehr und mehr von ihnen haben sich hervorgewagt. Manche von ihnen waren sehr kompetente Leute, die sich gut artikulieren konnten. Ihre Geschichten begannen in Zeitungen, im Radio oder Fernsehen zu kursieren und haben andere dazu ermutigt, ebenfalls an die Öffentlichkeit zu treten. Bald kam es zu einer wahren Sintflut.”

Die staatliche Kommission hörte Zeugen und sichtete Dokumente. Kirchen und Orden, aber auch die Gesundheitsbehörden mussten Akten zur Verfügung stellen. Zusammenfassend hielt der Report fest: “Die Kommission hat keinen Zweifel daran, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern (…) verheimlicht wurde. Die Strukturen und Regeln der katholischen Kirche haben die Verheimlichung erleichtert. Die staatlichen Autoritäten sind nicht ihrer Verantwortung nachgekommen, dafür zu sorgen, dass das Gesetz auf alle Menschen gleichermaßen angewandt wird und haben den kirchlichen Einrichtungen gestattet, außerhalb der Rechtsprozesse zu stehen. Dadurch leisteten sie der Verheimlichung Vorschub. Das Wohlergehen der Kinder, das absolute Priorität hätte haben müssen, wurde in der ersten Zeit nicht einmal als Faktor in Erwägung gezogen.”

Reger Austausch

Sinéad O’Connor steht persönlich im regen Austausch mit zahlreichen Opfern des Missbrauchs in Irland, Sprechern wie Paddy Doyle oder mit engagierten Personen wie dem Journalisten Patsy McGarry von der “Irish Times”, der kürzlich die irischen Bischöfe zu ihrem Besuch in Rom begleitet hat.

Auf die Frage, wer jetzt in Deutschland mit der Aufklärung der Vertuschung der Missbrauchsfälle beauftragt werden solle, gibt McGarry eine klare Antwort: “Der Staat! Die Kirche hat doch eine fürchterliche Geschichte. Wo immer Probleme mit dem Missbrauch aufgetreten sind, hat sie bewiesen, dass ihr alleine nicht zu trauen ist. Ihr Instinkt ist zuerst die Institution zu schützen.”

Die katholische Kirche in Irland sei nie freiwillig bereit gewesen, ihren Affären auf den Grund zu gehen. “Sie haben sich gesträubt und gesträubt, durch Leugnen, Halbwahrheiten, Blockieren. Erst nach drei staatlichen Untersuchungen, die vernichtende Urteile über die Kirche und ihre Behandlung von Missbrauch gefällt hatten, kam alles heraus”, so McGarry.

Als die Opfer aus dem Schatten der Kirche heraus an die Öffentlichkeit traten, fühlten sich auch die irischen Behörden verpflichtet, sich endlich einzuschalten. Bald gaben auch Diözesen und Ordensgemeinschaften ihre Unterlagen frei. “Wir wissen jedoch inzwischen, dass sie nur Teile ihres Archivmaterials preisgegeben haben”, sagt McGarry.

Die Opfer wollen Taten sehen

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Quelle:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,679751,00.html


“Die Kirche will vor allem gut dastehen”


WDR.de 22.02.2010

Die Deutsche Bischofskonferenz trifft ab Montag (22.02.10) in Freiburg zusammen. Ganz oben auf der Tagesordnung: Sexueller Missbrauch durch Geistliche. Psychologin Helga Peteler aus Neuss betreut seit Jahren geistliche Täter und deren Opfer.

WDR.de: Frau Peteler, Sie beschäftigen sich als freie Therapeutin seit Jahren mit diesem Thema. Oft wird ja angeführt, der Grund für sexuellen Missbrauch durch Geistliche sei der Zölibat. Sehen Sie das auch so?
Helga Peteler: Das wäre ja wunderbar, wenn das so wäre. Ich glaube, es liegt an der Ungeheuerlichkeit des Themas der sexuellen Misshandlung. Keiner möchte damit etwas zu tun haben, und wir sind immer sehr erschrocken, wenn so etwas in unserer Umgebung auftaucht – und in dem Moment, wo ich die Kirche als einen klar definierten Raum habe, in dem sexuelle Misshandlung geschieht, ist das natürlich erleichternd. Es gibt dann einen eingegrenzten Raum des Bösen, des Ungeheuerlichen.
Hinzu kommt die Vorstellung, es reiche aus, den Zölibat abzuschaffen und Geistlichen zu ermöglichen, zu heiraten, und das Problem sei gelöst. Das aber ist eine Illusion. Dann hätte ich unter den Menschen, die ich behandele, nie verheiratete Menschen sitzen. Der größte Anteil ist aber verheiratet und hat durchaus ein Sexualleben mit dem jeweiligen Partner.

WDR.de: Der Augsburger Bischof Mixa dagegen meint, das Problem sei die sexuelle Revolution.
Peteler: Dann müsste ich ja davon ausgehen, dass es das früher gar nicht gab. Aber sexuellen Missbrauch gab es früher genauso wie heute. Es war wohl eher so, dass die Frauen in Folge der sexuellen Revolution den Mut hatten, sexuellen Missbrauch an die Öffentlichkeit zu bringen. Deshalb werfen wir jetzt vermehrt einen Blick darauf. Und in Folge dessen fangen wir an, etwas davon zu verstehen.

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Quelle:

http://www.wdr.de/themen/panorama/kriminalitaet11/bonn_jesuitenkolleg/100220.jhtml?rubrikenstyle=panorama


Schutzmaßnahme – Jesuitenorden beantragt Insolvenz in den USA


focus.de 21.02.2010

Der Jesuitenorden hat nach FOCUS-Informationen in den USA Insolvenz beantragt. Damit beugt er einer möglichen Sammelklage von Missbrauchsopfern auf finanzielle Entschädigung vor.

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Ein offener Schlag ins Gesicht aller Opfer


rhein:raum – Bonner Magazin 19.02,2010

Sexueller Missbrauch am Aloisiuskolleg

von Petra Forberger

Anlässlich der aktuellen öffentlichen Diskussion um Vorwürfe sexuellen Missbrauchs am Aloisiuskolleg in Bonn wendeten sich mehr als 500 ehemalige Schüler und Schülereltern in einem offenen Brief an die Leitung, das Kollegium und die Schülerschaft des Aloisiuskollegs sowie an den Provinzial des Jesuitenordens.

Die Adressaten dieses Schreibens sind also die Leitung, das Kollegium und die Schülerschaft des Bonner Aloisiuskollegs sowie der Provinzial des Jesuitenordens. Nicht die ehemals von sexualisierten Übergriffen betroffenen Schüler.

Wie schön. Die „Anständigen“ bestätigen den „Anständigen“ „anständig“ zu sein.

Ich als Überlebende von sexualisierter Kindesmisshandlung möchte einmal erleben, dass sich 500 Leute hinter mich stellen und mir ihre Verbundenheit ausdrücken!

Dieser Brief ist ein offener Schlag ins Gesicht aller Opfer. 500 Menschen distanzieren sich von den Opfern, die teilweise schlimmstes Leid mit lebenslangen Folgen erfahren haben, und solidarisieren sich mit denjenigen, in deren Umfeld die Taten offensichtlich geschehen konnten. Und noch schlimmer: sie machen die Opfer zu „Tätern“, indem sie sie auf subtile aber dennoch eindeutige Weise als „Nestbeschmutzer“ brandmarken.

Sie tun das auf die gleiche versteckte und unterschwellige Art, die wir Betroffenen schon so viele Jahre kennen: Man blicke, so erfährt man von den Unterzeichnern, „auf eine unbeschwerte, prägende und motivierende Schulzeit zurück, für die sie dem Aloisiuskolleg, dem Jesuitenorden und den dort tätigen Lehrern und Erziehern besonders dankbar sind.“

Mit scheinbar schönen Worten wird hier eine unsichtbare Grenze gezogen zu denjenigen, deren Schulzeit am Aloisiuskolleg weniger „unbeschwert“ war und die daher keine „Dankbarkeit“ (sondern wohl eher Wut) empfinden können. Es schließen sich die „Dankbaren“ zusammen und grenzen die „Undankbaren“ aus.

Sie signalisieren den Opfern damit, nicht „richtig“ zu liegen, die Erlebnisse „falsch“ zu interpretieren – denn wie sonst könnten sie angesichts dieser „tollen“ Schule keine „Dankbarkeit“ empfinden und sich nicht an eine „unbeschwerte“ Schulzeit erinnern?! Ja, wird sich unterschwellig empört, wie können sie es überhaupt wagen, eine so „tolle“ Schule mit ihren Anschuldigungen so in den Dreck zu ziehen?

Und noch viel schlimmer: Mit ihrem Schreiben, gerichtet an Leitung, Kollegium und Schülerschaft des Bonner Aloisiuskollegs sowie den Provinzial des Jesuitenordens, signalisieren sie den Opfern, nicht wert zu sein, sich mit ihnen zu solidarisieren.

Sie signalisieren den Opfern, dass sie schuld seien, dass der „nachhaltig an das Gute glaubende“ „Jesuit, Seelsorger, Mentor und Erzieher Pater Theo Schneider SJ“ sein Amt niedergelegt hat.

Der Zweck dahinter ist klar: Bei den „Nestbeschmutzern“ sollen erneut Schamgefühle und negative Selbstbezichtigungen geschürt werden, die den Opfern schon so viele Jahre die Münder verschlossen haben. Nach Willen der „Anständigen“ sollen sie die auch weiterhin geschlossen halten.

Dieser Brief bezichtigt darüber hinaus (wenn auch versteckt) die Opfer der Lüge, bzw. stellt ihre Glaubwürdigkeit in Frage: schließlich hat am Aloisius-Kolleg, so erfährt man, „stets eine Atmosphäre der Offenheit“ geherrscht. Es kann also gar nicht sein, dass irgendetwas unbemerkt geblieben ist, genauso wenig wie es sein kann – bei so viel „Offenheit“ und hochgehaltenen „Werten“ -, dass irgendwelche Taten hätten vertuscht werden sollten.

Wie immer werden nicht diejenigen gebrandmarkt, die durch ihr schändliches Verhalten die (scheinbare) Ordnung unterlaufen und diskreditiert haben, sondern diejenigen, die diese Verletzungen der (scheinbaren) Ordnung öffentlich machen. So machen die Unterzeichner mit ihrem Schreiben auch klar, wen sie für die eigentlichen Schuldigen halten:

Am Aloisius-Kolleg, so erfährt man, wurde zu „selbstverantwortlichem und verantwortungsbewusstem Handeln“ angeleitet. Davon ausgehend, dass hier die Schüler gemeint sind (die Lehrer werden wohl keine „Anleitung“ erfahren haben), heißt das, dass die Unterzeichner des Schreibens ein Umfeld konstruieren, in dem die Schüler „selbstverantwortlich“ handeln konnten.

Von den mehr als 500 ehemaligen Schülern und Schülereltern wird also unterstellt, dass der Schüler, der in „sexuelle Handlungen“ (wie ja sexualisierte Gewalt von vielen gesehen wird) verstrickt war, in irgendeiner Weise auch damit einverstanden war. Schließlich konnte er ja „selbstverantwortlich“ zustimmen oder ablehnen.

Ähnliches geschieht durch die Behauptung, die Schüler seien zu „verantwortungsbewusstem Handeln“ angeleitet worden: Auch hier wird wieder eine Welt konstruiert, in der Schülern (Kindern) scheinbar dieselbe Verantwortung in einer Lehrer-Schüler-Beziehung zugeschrieben wird wie einem Lehrer (Erwachsenen). Damit wird der Erwachsene, der aufgrund der klaren Machtverhältnisse die alleinige Verantwortung für sein Handeln gegenüber einem Kind trägt, entlastet und dem Kind eine Mitverantwortung zugeschoben.

Das ist die in unserer Gesellschaft übliche Art, wie diejenigen, die – bewusst oder unbewusst – wegsehen, nichts wissen wollen oder wenn sie etwas wissen, nichts tun wollen, damit umgehen. Sie müssen die Wahrheit abwehren indem sie die Verhältnisse auf den Kopf stellen. Sie tun das, um SICH SELBST zu schützen, ihre eigene selbstgebastelte „Heile Welt“. Und das ist auch der Grund, warum sich so, so viele – trotz ihrer sicherlich empfundenen Abscheu gegenüber den Taten – lieber mit den Tätern solidarisieren, lieber die Taten verharmlosen und den Opfern Mitschuld und Mitverantwortung zuzuschreiben versuchen. Weil sie sich ihre eigene Vorstellung von der „Heilen Welt“ nicht kaputt machen lassen wollen.

Da werden die „hohen Werte“ an der Schule und die Person des Rektors im Besonderen über den Klee gelobt, um nur ja den schönen hellen Schein aufrecht zu erhalten. Doch besonders da, wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch viel Schatten: Am Bonner Aloisiuskolleg hingen laut den Schilderungen eines Betroffenen „in den Gängen der Mensa und des Schlosses massenweise und jahrelang „künstlerische“ Schwarz-weiß-Fotos mit nackten Jünglingen im Sonnenuntergang, selbst fotografiert.“

Heute will keiner etwas bemerkt haben, und selbstverständlich hat das bei keinem etwas „mit weggucken oder bagatellisieren zu tun“. Nacktfotos von Jünglingen – ist doch völlig „normal“ an einer „offenen“, von katholischen Patres geleiteten Einrichtung.

Wie war das nochmal? Ah ja: „Werte und Erziehungsideale des Aloisiuskollegs als katholische Schule“. Welche „Werte“, welches „Erziehungsideal“ stand wohl hinter den „massenweise künstlerischen Schwarz-weiß-Fotos mit nackten Jünglingen“ in den Gängen der Mensa und des Schlosses?

Der Zeuge schildert auch Szenen, in denen Schüler des Öfteren nackt mit einem Wasserschlauch von einem bestimmten Pater „abgespritzt“ wurden, im Sommer auch nackt im Park hinter dem Schloss. Auch der jetzt zurückgetretene Rektor des Aloisiuskollegs, Pater Theo Schneider, sei dabei gewesen – „als junger Frater schon die rechte Hand von Pater S.“, so der Zeuge.

Ich will hier nichts unterstellen und nicht vorverurteilen: ich war nicht dabei. Aber ich habe selbst nicht nur einmal erlebt, wie Dinge, die mir als Kind als „komisch“ aufgefallen sind, von Erwachsenen als „normal“ und „offen“ (im Sinne von liberal) beschwichtigt wurden. Durch Aussagen, viel mehr aber noch durch ihr Verhalten (wie z.B. als Erwachsene UND als Patres Nacktfotos an den Wänden einer KATHOLISCHEN SCHULE als etwas nicht Bemerkenswertes zu übergehen).

Wieso ist es eigentlich für Außenstehende (und als das bezeichnen sich die Nichtbemerker ja schließlich) so schwierig, nachzuvollziehen, dass GERADE diese das Kind umgebende Widersprüchlichkeit der gepredigten Normen der Erwachsenen zu den tatsächlichen Handlungen der Erwachsenen (Beispiel: die Kirche predigt strenge sexuelle Normen und in den Gängen hängen Nacktfotos) die innere Welt des Kindes aufs Tiefste beschädigen und verwirren?

Wieso fällt auch heute den 500 Unterzeichnern nicht auf, welche Grundhaltung bei ALLEN Patres und Lehrern des Aloisiuskollegs geherrscht haben muss, um diese Nacktfotos an den Wänden und das Abspritzen nackter Schüler im Park „normal“ zu finden?? Allein diese beiden Beispiele zeigen doch, dass die Regeln und Normen am Aloisiuskolleg bereits weitab von dem waren, was sich Außenstehende unter einem katholischen Internatsbetrieb vorstellen.

Dass innerhalb eines so dysfunktionalen, entgleisten Systems keiner mehr bemerkt, wenn Menschenrechte verletzt, Grenzen massiv überschritten werden, kann doch niemanden wirklich wundern. Diesen BETEILIGTEN und MITKONSTRUKTEUREN dieses entgleisten Systems jetzt deshalb die Absolution zu erteilen, und stattdessen die Kinder in die Mitverantwortung zu zerren, ist einfach nur schäbig und menschlich niedrig.

Natürlich haben sie „nichts bemerkt“. Man kann nicht etwas bemerken, das innerhalb des eigenen Weltkonstrukts „normal“ und „in Ordnung“ ist!

Deshalb muss es auch niemanden verwundern, dass die Unterzeichner es am Ende des Schreibens nicht versäumen, „ausdrücklich“ (!) darauf hinzuweisen, dass sie „während und nach ihrer Zeit als Schüler weder sexuelle Gewalt noch Missbrauch am Aloisiuskolleg erlebt haben“. Zumal viele „sexuelle Gewalt“ und „Missbrauch“ einzig und allein mit ausgeführtem Geschlechtsverkehr assoziieren. Bilder von nackten Jünglingen an den Wänden als eine in einer Knabenschule von den Patres „abgesegnete“ Handlung werden als „normal“ abgespeichert. Dass es die Botschaft eines dysfunktionalen, gestörten Systems ist, können die Kinder nicht erkennen, da ihnen dazu noch die nötigen Relationen fehlen.

So wird sich am Ende mit der Aussage, selbst keine sexuelle Gewalt am Aloisiuskolleg erlebt zu haben, nochmals von den Opfern distanziert, und ihr Zeugnis nochmals herabgewürdigt: 500 die „ausdrücklich keine sexuelle Gewalt erlebt haben“ gegen 2 (oder 5 oder 10 am Aloisius-Kolleg), die – weil nicht „selbstverantwortlich“ und „verantwortungsbewusst“ genug – in „sowas“ verwickelt waren.

Und offenbar sind die Unterzeichner entschlossen, ihre Blindheit gegenüber den dysfunktionalen Strukturen weiter beizubehalten: „Viele von den Unterzeichnern geben dem dadurch nachhaltig Ausdruck, dass sie ihre eigenen Kinder in die Obhut des Kollegs gegeben haben und geben.“

Um die Reputation der Schule, des (Ex)Rektors, der Lehrer/innen und Schulangehörigen, sich selbst als „sauberes Nicht-Missbrauchsopfer“ zu retten und zu bewahren, werden die eigenen Kinder weiterhin einem gestörten System ausgeliefert.

Es wird nicht überlegt, wie man Kinder zukünftig schützen kann, wie man Täter und Taten früher entdecken und verhindern kann, wie es überhaupt zu solchen jahrelangen Übergriffen kommen kann, ohne dass etwas bemerkt wird – nein, es wird weiterhin weggesehen, sich selbst belogen, sich weiter beim „Heile-Welt-Demonstrieren“ geholfen.

Und es werden weiterhin diejenigen ins Aus gedrängt und mit Schmutz beworfen, die sowieso schon genug Leid zu tragen haben.

Quelle:

http://rheinraum-online.de/2010/02/19/sexueller-missbrauch-am-aloisiuskolleg/


Wissenschaftler werfen Papst Schwäche vor


Focus 19.02.2010

Ein schwacher Papst, mangelnde Koordination und Strukturen, die Intrigen Vorschub leisten: Wissenschaftler stellen dem Vatikan ein verheerendes Zeugnis aus.

Die Kurie sei bis heute wie eine Monarchie strukturiert, die Intrigen Vorschub leiste, berichtete die Forschungsgruppe „Religion und Politik“ der Universität Münster am Freitag. Die Mitteilung bezieht sich auf die Vortragsveranstaltung „Fünf Jahre Benedikt XVI. -­ nichts als Pannen?“ am Donnerstagabend unter anderen mit dem Berliner Politologen Otto Kallscheuer und dem Münsteraner Sozialethiker Karl Gabriel. „In fünf Jahren hat Benedikt XVI. nie ein Machtwort gesprochen oder eine klare Entscheidung getroffen“, wurde Kallscheuer zitiert. Den Vatikan-Behörden warfen die Wissenschaftler einen „katastrophalen Mangel an Koordination“ vor.

Als Beispiele für Pannen nannte der Wissenschaftler den Umgang mit dem Holocaust-Leugner Richard Williamson von der Piusbruderschaft und Äußerungen des Papstes, Kondome seien keine Lösung für das Aids-Problem. Kallscheuer verwies zudem auf eine missverständliche Rede des Papstes in Auschwitz und die Islam-Vorlesung in Regensburg. All das führte zu vorhersehbaren Konflikten, an deren Ende der Papst stets die Medien beschuldigte, ihn missverstehen zu wollen.

Weltpolitische Chance vertan

Gabriel kritisierte die zentralistische Autoritätsstruktur des Vatikans. Eine solche Institution lasse sich nicht mehr von einer Person allein regieren. Er warf dem Papst außerdem vor, er ignoriere das Säkulare der modernen Welt. Er komme nicht damit zurecht, dass die katholische Kirche nur noch eine von vielen Religionen im globalen Weltanschauungsmarkt darstellt.

Beide Experten bedauerten, dass Benedikt XVI. durch die Pannen eine weltpolitische Chance vergebe. Die Kirche könne wie kaum eine andere Institution die Rolle eines moralischen Global Player übernehmen. Seit Beginn des Pontifikats scheine jedoch das Gegenteil der Fall zu sein.

„Wir sind Kirche“ fordert Sexualdebatte

Auch die Laienbewegung „Wir sind Kirche“ hat die Kirchenoberen zum Handeln aufgefordert. „Die Bischöfe und der Vatikan stehen in vorderster Verantwortung. Es liegt an ihnen, endlich die richtigen Lehren und Konsequenzen zu ziehen“, sagte der Sprecher der Reformbewegung, Christian Weisner mit Blick auf zuvor bekanntgewordene neue Missbrauchsfälle. Die katholische Kirche müsse ihre Sexuallehre und ihr Priesterbild überdenken. Zudem müssten die Sanktionen für die Täter verschärft, etwa die Verjährung abgeschafft werden.

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Quelle:

http://www.focus.de/politik/ausland/papst/katholische-kirche-wissenschaftler-werfen-papst-schwaeche-vor_aid_482171.html


„Der Papst weint Krokodilstränen“


focus.de 18.02.2010

Uta Ranke-Heinemann

„Der Papst weint Krokodilstränen“

Die Theologin Uta Ranke-Heinemann erklärt im Interview mit FOCUS-Redakteur Matthias Kietzmann, wie die katholische Kirche die Justiz bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals behindert.

Von FOCUS-Korrespondent Matthias Kietzmann

Der jahrelange Missbrauch von Kindern durch katholische Priester hat eine hitzige Moraldebatte ausgelöst. Papst Benedikt verurteilte den tausendfachen Missbrauch in irischen Kindereinrichtungen in dieser Woche als abscheuliches Verbrechen und schwere Sünde gegen Gott. Zu den Missbrauchsfällen an katholischen Jesuiten-Kollegs in Deutschland äußerte er sich nicht. Der Augsburger Bischof Walter Mixa löste Empörung mit seiner These aus, die sexuellen Revolution mit Schuld an dem Missbrauch.

FOCUS Online: Frau Professor Ranke-Heinemann, was ärgert Sie so an der Debatte über die Pädophilie-Fälle an kirchlichen Schulen und in Irland?

Uta Ranke-Heinemann: Die Komödie, die die Kirchenoberen uns vorspielen. Nehmen Sie die irischen Bischöfe, die sich in Rom beim Papst „entschuldigen“ für ihre jahrzehntelange Vertuschung der Pädophiliefälle und die jetzt „reuig“ Rat suchen beim Heiligen Vater. Das Ganze halte ich für eine einzige Irreführung der Menschheit. Die Szene sieht nicht so aus, als würden bußfertige Sünder um Vergebung vorsprechen. Richtig, der Papst betonte die besondere Verabscheuungswürdigkeit der Pädophilie und bedauerte die vielen Fälle in Irland. Er will in Kürze einen Brief an die Iren schreiben und Hilfe für die Betroffenen anregen. Die „reuigen“ Bischöfe stimmen in allem zu. Der Fernsehzuschauer hat den Eindruck eines gemütlichen Kaffeetrinkens unter Freunden, auf dem Tisch fehlt nur der Kuchen.

FOCUS Online: Ihrer Ansicht nach trägt Papst Benedikt eine Mitschuld an diesen Skandalen. Warum das denn?

Ranke-Heinemann: Nun, er hat eines von zwei Geheimschreiben verfasst, die jeder Bischof in seinem Tresor liegen hat. Das erste stammt von Kardinal Ottaviani von 1962 und heißt: „Crimen Sollicitationis“ (Verführung zu sexuellen Handlungen). Das zweite stammt von Kardinal Ratzinger aus dem Jahr 2001 und heißt: „De delictis gravioribus“ (Von den schwersten Verbrechen). Beide Geheimschreiben betonen die „ausschließliche Kompetenz des Vatikans“ in Pädophiliefällen. Gleichzeitig werden alle Bischöfe unter Strafe der Exkommunikation aufgefordert, alle Missbrauchsfälle ausschließlich und nur an den Vatikan zu melden, was zu einer totalen Justizbehinderung für die staatlichen Gerichte führt.

FOCUS Online: Was bedeutet dies in der Praxis?

Ranke-Heinemann: Dies führt zu einer ständigen Versetzung der pädophilen Priester. Über Jahrzehnte lang werden sie von ihrem Bischof hin- und herdelegiert und können ihr Unwesen weitertreiben. Und genau diese Geheimschreiben hatten die irischen Bischöfe ja auch befolgt.

FOCUS Online: Woher wissen Sie so genau, was in dem Geheimschreiben steht, das Kardinal Ratzinger verfasst hat?

Ranke-Heinemann: Glauben Sie mir, ich beschäftige mich damit seit 2002. Die Augen geöffnet hat mir ein BBC-Film von Colm O´Gorman, der als 14-Jähriger in Irland von einem Priester vergewaltigt wurde. Er heißt „Sex Crimes and Vatican“, stammt aus dem Oktober 2006 und zeigt, welches Täuschungsmanöver hier im Gang ist, um das Ansehen der katholischen Kirche und des Papstes nicht zu beschädigen. Die erschütterndste Szene des Films spielte sich 2002 in Mittelbrasilien ab. Dona Elza da Silva, Großmutter des damals fünfjährigen Warly aus einem der ärmsten Winkel der Welt, erzählt dem Reporter, dass ihr Enkel sich das Leben nehmen will, weil alle Kinder ihm nachrufen: „des Priesters kleine Frau“. Dass er von Priester Tarcisio, der kürzlich in der Nachbarschaft einzog, vergewaltigt wurde. Dass sie das dem Bischof gemeldet habe. „Aber der Bischof und alle sind böse mit mir, keiner glaubt mir, die Leute gehen auf die andere Straßenseite, wenn sie mich sehen. Ich fühle mich exkommuniziert.“ Aber dann wird alles aufgedeckt, nicht durch die Kirche, sondern durch die Polizei, die zufällig das Tagebuch des Priesters findet und ihn für 15 Jahre ins Gefängnis steckt.

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Quelle:

http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-17295/uta-ranke-heinemann-bitter-enttaeuscht-von-benedikt-xvi-_aid_481514.html


Erinnerungen an sexuellen Missbrauch


FR-online.de 18.02.2010

Opernregisseur Calixto Bieitos

Erinnerungen an sexuellen Missbrauch

Von Calixto Bieito

Das Jesuiten-Kolleg von Miranda de Ebro (Burgos) in den siebziger Jahren. Ich war 10 oder 11 Jahre alt. Unser Seelsorger war wegen seiner Güte und der Zuneigung, die er uns entgegenbrachte, sehr beliebt unter uns Jungs. Er benahm sich sehr gut uns gegenüber, verglichen mit der Härte und eisernen Disziplin, die die anderen Geistlichen des Kollegs einforderten. Er trug auch keine Soutane und keinerlei kirchliche Abzeichen. Weder schlug er uns noch erniedrigte er uns in irgendeiner Weise: ein moderner Priester, der uns nahe war und dem wir Vertrauen entgegenbrachten.

In regelmäßigen Abständen rief er seine Zöglinge in sein Amtszimmer, um mit uns über eventuelle Probleme oder andere Vorfälle zu sprechen. Er interessierte sich auch für unsere Bekenntnisse, wenn wir sie ihm anvertrauen wollten. Es gefiel uns, wenn er uns in sein Büro zitierte, und wir vertrauten ihm manches an. Immer hatte er freundliche Worte, setzte sich für uns ein, und manchmal machte er uns kleine Geschenke. Er war der Seelsorger des Kollegs, der von allen bevorzugt wurde.

Eines Tages ließ er mich rufen. Gerade war die Pause zuende, und ich rannte zu seinem Zimmer. Auf dem Pausenhof war ich ebenfalls schon gerannt, und jetzt schwitzte ich. Überhaupt machte es mir damals große Freude zu rennen. So trat ich in seine Stube, und er schloss die Tür. Im Unterschied zu den anderen Besuchen, die ich bei ihm gemacht hatte, verriegelte er aber jetzt die Tür. Es war ein kleiner Riegel, am oberen Teil angebracht. Er betrachtete mich und fragte, was ich im Hof getan hätte. Ich erinnere mich nicht, ob ich ihm etwas antwortete. Er sagte, dass ich ja das Hemd außerhalb der Hose trüge und dass er jetzt zu mir kommen würde, um mir es mir wieder richtig anzuziehen. Er näherte sich mir. Er begann seine Hände in meine Hose zu schieben und wollte dabei mein Geschlecht berühren. Ich verstand nicht, was vor sich ging. Und es war wirklich so, als ob ich mich innerlich absonderte oder neben mich trat. Er sagte dann, dass ich mir die Kleidung selbst ordentlich richten solle, wie ich es immer gemacht hätte.

Mit Mund und Zunge

Das tat ich. Dann verlangte er, dass ich mich auf seine Knie setze. Ich tat auch das. Ich konnte nicht sprechen. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte. Er begann mir das Gesicht zu küssen. Erst mit seinem Mund und dann auch mit seiner Zunge. Er bedeckte mit seinen feuchten Lippen das Gesicht, den Hals und die Ohren. Er berührte meine Beine. Und er drückte mich sehr, sehr fest mit seinen Armen. Er war rot und verschwitzt und sagte, dass er für mich das Beste wolle. Ich weiß nicht wann und wie, aber mit einem Satz stand ich auf, öffnete den Riegel der Türe und begann zu laufen. Ich lief bis zu einem Waschbecken. Ich trank viel Wasser aus dem Wasserhahn. Es war sehr frisch. Einen kleinen Augenblick zögerte ich. Dann ging ich zurück in meine Klasse.

Nach einiger Zeit, ich erinnere mich nicht genau wann, erzählte uns Javier, ein Klassenkamerad, sein größtes Geheimnis: Unser Seelsorger hatte ihm 25 Peseten geschenkt. Er musste ihm dafür mit den Händen den Schwanz reiben, bis die weiße Flüssigkeit hervorkam. Javier hatte die Hände voller “Lefa”, aber unser Seelsorgerer reinigte sie sich immer mit einem Taschentuch. Danach gab er ihm das Geld. Wir mussten sehr lachen.Es gab sehr viel mehr Geschichten dieser Art an meinem Kolleg, aber sie vermischen sich in meiner Erinnerung.

Ich glaube nicht, dass diese Dinge vor allem in Jesuiten-Kollegs geschehen. Und ich glaube, dass der Missbrauch in meinem Kolleg im Zusammenhang gesehen werden muss mit einem Verhalten, das entsteht, wenn Männer einsam sind und dieser eisernen Disziplin unterworfen werden. Solche Umstände erzeugen krank machende und zerstörerische Sexualität. Es ist das Keuschheitsgebot (die Verneinung von etwas elementar Menschlichem wie der Sexualität) für die Geistlichen, das an meinem Kolleg Frustration, Traumen, Gewalt und Missbrauch erzeugt hat. Darüber hinaus muss man hinzufügen, dass die Jesuiten ein ausgeprägten Sinn haben für Gemeinschaft, Drill, Familie und Auserwähltheit haben. Das führt manchmal zu sehr unklaren Abhängigkeiten. Für mich ist sexueller Missbrauch und Erniedrigung in katholischen Kollegs ein gemeinsamer Nenner der Erziehung, wie sie in Spanien gewesen ist. Bedauerlicherweise habe ich den Verdacht, dass es sehr, sehr viele Fälle gegeben hat.

Selbstverständlich habe auch ich damals nichts gesagt

Der fragliche Seelsorger wurde niemals angeklagt oder auch nur gerügt. Ich denke, dass das gesamte Lehrerkollegium und die Geistlichen davon wussten, aber niemand reagierte. Alle Knaben an unserem Kolleg sprachen darüber, dass er sie berührte. Aber weder hat eine der Autoritäten des Kollegs uns geschützt noch den Seelsorger angezeigt. Aufgrund des starken Verbundenheitsgefühls schützen sich die Jesuiten untereinander. Heute, da ich daran denke, erscheint es mir als eine extreme Form von Grausamkeit, das mit Kindern geschehen zu lassen. Selbstverständlich habe auch ich damals nichts gesagt. Das erste Mal darüber gesprochen habe ich vielleicht zehn oder 15 Jahre später – es fällt mir schwer, mich daran zu erinnern.

Glücklicherweise haben diese Erfahrungen bei mir keinen Hass oder Ähnliches hinterlassen. Meine Söhne besuchen keine religiöse Schule. Und zur Frage, ob ich diese Erfahrungen in meinen Aufführungen verarbeite: Ich war immer der Ansicht, dass die Kindheit voller Erinnerungen ist, die uns ein Leben lang begleiten und ein grundlegender Bestandteil der Persönlichkeit bleiben. So ist es auch mit der Erinnerung an diesen Seelsorger: Aber das gibt mir keine besonderen Anregungen für meine Aufführungen.

(Aus dem Spanischen von Peter Michalzik)

Quelle:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/themen/2322901_Erinnerungen-an-sexuellen-Missbrauch.html


Israel erschüttert Missbrauchsvorwürfe gegen Rabbi


n-tv.de 16.02.2010

Ein Skandal um sexuellen Missbrauch junger Schutzbefohlener durch einen geistlichen Erzieher erschüttert Israels Öffentlichkeit. Der nationalreligiöse Rabbi Mordechai Elon soll sich nach israelischen Medienberichten mehrfach Jugendlichen und jungen Männern, die ihn um Rat in intimen Fragen baten, unsittlich genähert haben. Der Rabbiner selbst und seine Anhänger wiesen die Anschuldigungen allerdings vehement als Lügen zurück.

Der Fall löste in Israel eine heftige Debatte über die Kette des Schweigens aus, die oft eine Verfolgung von Missbrauchsfällen innerhalb der religiösen Gesellschaft verhindere. Im Fall von Rabbi Elon drangen die Vorwürfe durch eine Stellungnahme des “Forums Takana” an die Öffentlichkeit, einer 2003 gegründeten Vereinigung mehrerer reliöser Einrichtungen, die sich gegen sexuellen Missbrauch innerhalb des religiösen Sektors einsetzt. Dem Rabbiner würden “Taten vorgeworfen, die gegen die Werte von Heiligkeit und Moral verstoßen”, hieß es in darin unter anderem.

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Quelle:

http://www.n-tv.de/panorama/Missbrauchsvorwuerfe-gegen-Rabbi-article731492.html


Berliner Jesuiten laden zu Trauer-Gebet ein


ZEIT ONLINE 16.02.2010

Berlin (dpa) – Die Berliner Jesuiten laden für morgen aus Anlass der an Schulen des Ordens bekanntgewordenen Missbrauchsfälle zu einem Gebet ein. «Tief betroffen von den Zeugnissen der Überlebenden sexueller Gewalt» möchten sich die Jesuiten vor Gott im Gebet versammeln, teilte der Orden in Berlin mit. Gestern war bekanntgeworden, dass sich deutschlandweit über 100 Missbrauchsopfer gemeldet haben. Die Jesuiten freuten sich über jeden, der sich dem Gebet anschließe und seien für Gespräche bereit, hieß es.

Quelle:

http://www.zeit.de/newsticker/2010/2/16/iptc-hfk-20100216-51-23896382xml


Skandal um sexuellen Missbrauch am Canisius-Kolleg weitet sich aus


AD HOC NEWS 15.02.10

Der Skandal um sexuellen Missbrauch und Misshandlungen am Berliner Jesuitengymnasium Canisius-Kolleg nimmt immer größere Ausmaße an. Im Gespräch mit der «Berliner Zeitung» (Montagausgabe) sagte der Rektor der katholischen Schule, Pater Klaus Mertes, er halte es inzwischen für möglich, dass die Zahl der Opfer dreistellig sei. Mertes zeigte sich offen für Entschädigungszahlungen an die Opfer wie beim Missbrauchsskandal an kirchlichen Einrichtungen in den USA. «Es wird über alles zu reden sein», sagte Mertes.

Mertes hatte Berichte über sexuelle Übergriffe zweier Patres am Canisius-Kolleg in den 70er- und 80er-Jahren öffentlich gemacht, als er im Januar in einem Brief ehemalige Schüler der betroffenen Jahrgänge um Entschuldigung bat und dazu aufrief, «das Schweigen zu brechen».

Wie Mertes sieht auch die Berliner Anwältin Manuela Groll, die mehrere Opfer vertritt, die Dimension des Falles wachsen. «Jeden Tag melden sich bei mir weitere Betroffene», sagte sie der Zeitung. «Ich gehe längst von einer dreistelligen Opferzahl aus.»

ddp/arh

Quelle:

http://www.ad-hoc-news.de/skandal-skandal-um-sexuellen-missbrauch-am-canisius-kolleg–/de/Politik/21053921


Macht, Zwang und Moral


FR-online.de 11.02.2010

Pädophilie gibt es auch außerhalb der katholischen Kirche. Die aber ist eine moralische Instanz. Wenn die Fälle sexuellen Missbrauchs nicht aufgeklärt werden, gerät sie ins Wanken.

Von Christian Schlüter

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel” Die Kirche weiß um die Verführbarkeit von Menschen. Sie weiß um die Schwächen und Verfehlungen der Menschen; auf diesem Wissen ruht ein nicht geringer Teil ihrer Heilslehre. Doch all dieses Wissen bewahrt sie nicht davor, selber der Versuchung zu erliegen. Kirchengeschichte ist immer auch Kriminalgeschichte. Die jüngsten Missbrauchsfälle in jesuitischen Schulen scheinen das zu bestätigen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Fall öffentlich wird, in dem katholische Männer sich an Kindern oder Jugendlichen sexuell vergangen haben; es melden sich immer mehr Opfer, zum Teil nach jahrzehntelangem Schweigen, nach einer für uns behütet Aufgewachsenen nur schwer vorstellbaren Zeit des Leidens.

Vor diesem Hintergrund liegt es mehr als nahe, nicht von bedauerlichen Einzelfällen, sondern von systematischem Missbrauch zu sprechen. Nahe liegt insofern auch die Frage, ob der Missbrauch nicht vor allem als eine Folge der in der römisch-katholischen Kirche vorherrschenden, zumal repressiven Sexualmoral anzusehen ist: Sie mag auf die Leibfeindlichkeit in den antiken Anfängen zurückgehen und sich über den Zölibat bis zu den gegenwärtigen, mitunter erratisch anmutenden Lehrmeinungen fortsetzen, was zum Beispiel die Themen Homosexualität oder Schwangerschaftsverhütung angeht. Die Frage lautet also, ob sich, was seit jeher unterdrückt wird, nicht in der Pädophilie jesuitischer Priester von heute nur wieder ein Ventil geschaffen hat.

Zur Beantwortung dieser entscheidenden Frage sollten wir festhalten, dass Pädophilie und Päderastie auch dort in beträchtlichem Maße verbreitet sind, wo die Kirche weit weg ist: in Familie, Schule, Sportverein Vollkommen legal verdienen Reisebüros und Fluggesellschaften an Sextouristen, die ihrer pädophilen Neigung in Thailand nachgehen. Wir haben es insofern nicht mit einem “katholischen” Thema zu tun. Das zu behaupten, würde von einem Problem ablenken, das nicht allein ein konfessionelles, sondern ein allgemein gesellschaftliches ist. Und genau das könnte uns ein Anlass sein, nach dem repressiven Charakter unserer ach so sexuell befreiten Gesellschaft zu fragen.

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Quelle:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2296597_Macht-Zwang-und-Moral.html


Wie die Kirche ihr Missbrauchsproblem verdrängt


WELT ONLINE 6.2.2010

Katholizismus

Wie die Kirche ihr Missbrauchsproblem verdrängt

Von Gernot Facius 6. Februar 2010

Kindesmissbrauch gibt es nicht nur in der Katholischen Kirche. Doch hier sind die Widerstände besonders groß, wenn es um Aufklärung und Opferhilfe geht. Nachdem nun immer neue Fälle bekannt werden, ist das Bestreben groß, das Problem endlich konsequent anzugehen. Doch die Kritiker bleiben skeptisch.

Der Richter war empört. Vor Karl Iglhaut saß im Regensburger Landgericht als Rückfalltäter der Priester Peter K., 40, der wegen sexuellen Missbrauchs eines Messdieners eine dreijährige Haftstrafe erhielt. Scharf kritisierte der Richter die Leitung der Diözese Regensburg: Sie habe den Pädophilen schon während seiner Bewährungszeit nach dem ersten Missbrauchsfall wieder in einer Gemeinde eingesetzt und ihn so in eine „Versuchungssituation“ gebracht. Der Jurist verglich das mit einer Bank, die jemanden anstelle, der „wegen Untreue oder Unterschlagung vorbestraft ist“.

Der Fall, 2008 verhandelt, steht exemplarisch für lasches kirchliches Handeln, wie es sich nun auch beim Skandal am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten gezeigt hat. Dabei hätte es die Regensburger Affäre gar nicht geben können, wenn damals die bereits 2002 von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten Leitlinien zum „Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche“ konsequent angewandt worden wären. Klipp und klar heißt es darin: „Heute steht fest, dass Pädophilie eine sexuelle Störung ist, die von der Neigung her strukturell nicht abänderbar ist.“

Doch im Fall Peter K. hatte sich der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller mit einem 2003 abgegebenen Gutachten verteidigt, wonach bei Peter K. ein Rückfall sehr unwahrscheinlich sei. Hinzu kam, dass das Bistum lediglich einen Dekan beauftragt hatte, er solle „ein Auge haben“ auf den Priester.

“Täterorientierte” Leitlinien?

Wegschauen oder wegversetzen war die Methode, mit auffällig gewordenen Geistlichen umzugehen. Bis 2002 die katholische Kirche in Deutschland erstmals seit langer Zeit mit einer Welle von Priester-Skandalen konfrontiert wurde.

So kam es nach zäher Debatte zu den Aufklärungsleitlinien. Doch rächte sich, dass sie den Diözesen viel Spielraum lassen. Erst jetzt, nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg und in mehreren Bistümern, will die Bischofskonferenz wieder über die Leitlinien reden und sie gegebenenfalls „nachbessern“.

Reicht es aus, fragen Kritiker seit Jahren, dass in jeder der 27 Diözesen nur ein Ansprechpartner, oft ein Personalreferent oder ein Domkapitular, den Opfern zur Verfügung steht? Muss es nicht endlich überall ein „niedrigschwelliges Angebot“ geben, mit unabhängigen Fachleuten?

„Wenn ich Schüler bin, werde ich doch nicht den Personalreferenten anrufen, der möglicherweise mit dem Täter im selben Jahr zum Priester geweiht worden ist“, begründet Christian Weisner von der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ seine Zweifel.

„Das geht so nicht“, sagt auch der Leipziger Jesuit und Pastoraltheologe Hermann Kügler der „Welt am Sonntag“. „Da müssen Leute von außerhalb ran.“ Nach Erkenntnissen des Augsburger Pastoraltheologen Hanspeter Heinz sind in fast der Hälfte aller deutschen Diözesen kirchliche Amtspersonen als Ansprechpartner benannt worden: „Die aber sind nicht unabhängig genug, um den Opfern die Angst zu nehmen.“

„Täterorientiert“ seien die Leitlinien, meint man bei „Kirche von unten“, sie ermöglichten noch immer Strafvereitelung nach dem Motto: Verfehlungen in unseren Reihen regeln wir selber, ohne sie an die große Glocke zu hängen. Dabei sollte Opferschutz vor Täterschutz gehen.

“Mit dem Willen Gottes geht das irgendwie”

Die Vorgänge am Canisius-Kolleg, sie liegen 30 Jahre zurück, sind eine vergrabene Zeitbombe. Der Jesuiten-Orden wusste von den Fällen, hat aber geschwiegen. Ihm war offenbar der eigene Ruf wichtiger als das Schicksal der Opfer.

Indes war damals die heute geforderte „Kultur des Hinschauens“ in der gesamten Gesellschaft unterentwickelt, erst allmählich ist die Sensibilität gegenüber Gewalt und Missbrauch in Schule, Familie und eben Kirche gewachsen. Und die kirchliche Abschottung hatte ihren Grund auch darin, dass die Nazis einzelne Missstände in Klöstern und Pfarreien herausgegriffen hatten, um die Kirche zu diskreditieren.

Dennoch spricht der Jesuit Bernd Hagenkord, neuer Chef des deutschen Programms von Radio Vatikan, von einem „Kartell des Wegduckens, des Sich-nicht-darum-Kümmerns“. In der Hoffnung, „Mit dem Willen Gottes geht das irgendwie“, habe man sich nicht gefragt, ob es bei einem Mitbruder ein Problem gibt.

Ein solches Kartell könnte gebrochen werden, meint Pater Kügler, wenn man den „Systemfehler“ korrigiere, die Beauftragten für die Aufklärung aus den eigenen Reihen zu nehmen. Die Kirche, eine „hermetische Institution ohne Transparenz“, geübt im Aufbau von Schweigemauern, sei immer bemüht gewesen, die Fälle intern zu regeln und den Staatsanwalt draußen zu halten. „Da stecken die Probleme.“

“Nicht gelernt, intime Beziehungen aufzubauen”

Diese Probleme sind nicht so sehr allein beim Zölibat zu finden, denn Missbrauch gibt es auch bei Amtsträgern der reformatorischen Kirchen und zumal in Familien, in denen sich 90 Prozent aller solcher Fälle ereignen. Eine Partnerschaft allein kann Missbrauch nicht verhindern. Bei Priestern, da sind sich Fachleute einig, seien Missbrauchsneigungen primär Folge sexueller Unreife.

Wunibald Müller im unterfränkischen Münsterschwarzach, der sich seit Jahren in kirchlichem Auftrag mit dem Problem auffällig gewordener Geistlicher befasst, sagt: „Viele Priester, die zu Sexualstraftätern werden, haben nie gelernt, innige und intime Beziehungen aufzubauen.“ Sonst wüssten sie Grenzen zu respektieren.

Nach Pater Küglers Ansicht war das katholische Priesteramt stets attraktiv für Menschen, die in ihrer sexuellen Entwicklung auf einer kindlichen oder pubertären Stufe stehen geblieben sind. Viele seien dem Irrtum erlegen, dass sie sich mit ihrer psychosexuellen Entwicklung nicht auseinandersetzen müssten, da sie ja ein zölibatäres Amt anstrebten.

Dass in der Priesterausbildung mehr Wert auf die Förderung der emotionalen Reife der Kandidaten gelegt werden muss, auf ihre Emanzipation, hat die Bischofskonferenz erkannt und erstmals 1978, dann wieder 1988 in ihren Richtlinien festgelegt. In der Persönlichkeitsbildung sei inzwischen manches besser geworden, bestätigen Pater Kügler und der Pastoraltheologe Heinz.

Indes bescheinigt Kügler seiner Kirche eine jahrtausendealte Erfahrung in der Trennung eines äußeren Bereichs der Disziplin, der Prüfung und Überprüfung, und eines inneren Bereichs des Gewissens. Das spiegele sich in den Priesterseminaren wider, in den getrennten Ämtern des Rektors und des Spirituals, „vergleichbar Indianerstämmen, bei denen es einen Häuptling und einen Schamanen gibt“.

“Beten und Vorlesungen, das allein bringt es nicht”

Der geistliche Begleiter im Priesterseminar darf keinen Bericht an den Bischof geben. Doch spirituelle Begleitung, gibt Hanspeter Heinz zu bedenken, reiche nicht aus. Es müssten mehr Psychologen und Therapeuten in die Seminare. Mit den Kandidaten müsse auch über ihre Bedürfnisse gesprochen werden, fordert Kügler: „Beten und Vorlesungen, das allein bringt es nicht.“

Drücken Bischöfe angesichts des Priestermangels ein Auge zu bei der Auswahl der Kandidaten? Wer den Münchner Regens und Vorsitzenden der Regentenkonferenz der deutschen Priesterseminare, Franz Joseph Baur, befragt, hört ein deutliches Nein: „Die Bischöfe halten sogar eher dazu an, keine faulen Kompromisse zu schließen.“

Risikozonen gibt es dennoch. Ein Problem liegt in der streng hierarchischen römischen Kirchenstruktur und dem überhöhten Priesterbild. Dies verleiht dem geweihten Mann Macht über andere. „Hochwürden“ ist, da er nach katholischem Verständnis Christus repräsentiert, herausgehoben aus der Masse der Gläubigen, gilt als etwas Besonderes. Der Mann in der Soutane erfährt das täglich, ein labiler Mensch kann leicht in Versuchung geraten, Sexualität kann ein Mittel zur Durchsetzung von Macht sein. Aus dem Seelsorger wird dann ein Seelenzerstörer.

Der ehemalige Ministrant Norbert Denef sammelt im Internet Unterschriften mit dem Ziel, beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Aufhebung der deutschen Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch zu erreichen. Dann könnten Opfer auf eine Entschädigung hoffen. Denef war selbst ein Opfer. Jahrelang hat er mit dem Bistum Magdeburg um angemessenes Scherzensgeld gekämpft. Über sein Leben nach dem Missbrauch durch einen Geistlichen sagt er: „Man idealisiert die Täter. Nur so kann man überleben. Als ich plante, mein Schweigen zu brechen, habe ich mich wie ein Selbstmordattentäter gefühlt, der sich unter die Menschen wirft und die Bombe zündet.“

Quelle:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article6281037/Wie-die-Kirche-ihr-Missbrauchsproblem-verdraengt.html


Ursula Raue: “Da hat sich meine Meinung etwas geändert.”


Berliner Morgenpost 5.02.2010

Canisius-Kolleg

Ermittlerin Raue spricht von einer “Lawine”

Die Rechtsanwältin und Mediatorin Ursula Raue war lange Vorsitzende der Hilfsorganisation “Innocence in Danger” und ist seit 2007 Ansprechpartnerin des Jesuitenordens für Opfer sexuellen Missbrauchs. Sie soll zwischen Opfern und Tätern im Fall Canisius vermitteln. Was sie bislang herausgefunden hat.

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Die Herde der schwarzen Schafe


stern.de 5.02.2010

Experten schätzen, dass es unter deutschen Priestern Hunderte Triebtäter gibt. Warum kommt es in der katholischen Kirche so oft zum Kindesmissbrauch? Der Zölibat ist eines von vielen Problemen. Von Sönke Wiese

Tausende Missbrauchsopfer in Irland, über 100 rechtskräftig verurteilte Priester in Australien und mehr als 10.000 Klagen in den USA: Weltweit stürzen Kinderschänder die katholische Kirche in eine immer schwerere Krise. Erst im Dezember 2009 sind in Irland über 300 weitere Fälle von Kindesmissbrauch bekannt geworden. In Deutschland konnten die Gemeinden sexuelle Übergriffe, wenn sie überhaupt bekannt geworden waren, meist als Einzeltaten herunterspielen.

Seit dem Skandal am Berliner Canisius-Kolleg funktioniert das nicht mehr. Jahrelang missbrauchten die bisher drei bekannten Täter ihre Schüler; nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg, St. Blasien, Hannover, Göttingen und im Ausland. 30 Opfer haben sich schon gemeldet. “Das ist erst die Spitze des Eisbergs”, fürchtet Klaus Mertes, Rektor des Jesuiten-Kollegs.
“Wie ein Selbstmordattentäter”
Denn die meisten Taten werden aus Scham und Angst niemals angezeigt. “Man idealisiert die Täter”, sagte Norbert Denef im Interview mit stern.de. In seiner Kindheit war er jahrelang von einem Priester vergewaltigt worden. Viele Opfer sexuellen Missbrauchs fühlen sich lebenslang mitschuldig. Als Denef 30 Jahre später plante, das Schweigen zu brechen, kam er sich vor “wie ein Selbstmordattentäter”. Die meisten Opfer versuchen, das traumatische Geschehen zu verdrängen. Experten gehen von einer enorm hohen Dunkelziffer aus, auch in Deutschland dürften schon tausende Kinder in der Obhut von Geistlichen vergewaltigt worden sein.

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Quelle:

http://www.stern.de/panorama/missbrauch-in-der-kirche-die-herde-der-schwarzen-schafe-1541307.html


Jesuit zieht NS-Vergleich im Missbrauchsskandal


derStandard.at 05. Februar 2010,

Pater von Gemmingen

Er verglich die Situation des Ordens mit der von Juden zur NS-Zeit – Jesuiten-Chef reagiert mit scharfe Kritik: “Vollkommen inakzeptabel”

Im Skandal um sexuellen Missbrauch an katholischen Jesuiten-Schulen in Deutschland hat Pater Eberhard von Gemmingen nun mit einem Verweis auf die Judenverfolgung vor einem Generalverdacht gegen seinen Orden gewarnt. Der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan sagte in einem Interview: “Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlecht zu machen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen. Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen. Und die Gefahr, dass das passiert, ist groß.”

Der 73 Jahre alte von Gemmingen nahm zugleich einen der Patres in Schutz, die sexuellen Missbrauch begangen haben sollen. “Ich stehe zu ihm. Der hat gesündigt, wenn ich das so sagen darf. Leider laufen in Deutschland noch viele andere Sünder rum, auf die niemand mit dem Finger zeigt”, sagte von Gemmingen. Es sei aber gut, dass die Fälle aufgedeckt werden. Von Gemmingen war selbst Schüler und Präfekt am Jesuiten-Kolleg in Sankt Blasien im Schwarzwald, in dem es auch Opfer gab.

Weitert lesen…

Quelle:

http://derstandard.at/1263706842789/Pater-von-Gemmingen-Jesuit-zieht-NS-Vergleich-im-Missbrauchsskandal


Missbrauchsopfer wollen entschädigt werden


DER TAGESSPIEGEL 5.2.2010

Nachdem das Schweigen über den sexuellen Missbrauch am Canisius-Kolleg gebrochen ist, wollen die Opfer eine Entschädigung erreichen – notfalls per Klage auch gegen den Vatikan. Immer mehr Betroffene äußern sich.

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Anwalt prüft Sammelklage gegen Jesuiten in USA


sueddeutsche.de

erschienen am 04.02.2010

Berlin (dpa) – Ein Anwalt von Opfern des sexuellen Missbrauchs am Berliner Canisius-Gymnasium will eine Sammelklage gegen den Jesuiten- Orden in den USA prüfen. «Sollte sich bestätigen, dass ehemalige Schüler die amerikanische Staatsbürgerschaft haben, wäre eine Sammelklage in den USA, anders als in Deutschland, möglich». Das sagte Rechtsanwalt Lukas Kawka der dpa. Die finanziellen Konsequenzen würden dann für den Jesuitenorden desaströs sein. Kawka vertritt nach eigenen Angaben Opfer des Missbrauchs.

Quelle:

http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/926124


Klage gegen Canisius-Gymnasium


bild.de/BILD/Newsticker

Donnerstag, 04. Februar 2010

Im Skandal um sexuellen Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg bereitet die Opferanwältin Manuela Groll eine Zivilklage gegen die Schule vor. „Ich halte die Aussichten für sehr erfolgreich“, sagte die Familienrechtsanwältin im RBB-Sender Radio Eins. „Die strafrechtliche Verjährung dürfte eingetreten sein, aber die zivilrechtliche Verjährung, die dürfte noch nicht eingetreten sein“, sagte Groll. Am Berliner Canisius-Kolleg sollen zwei Jesuitenpater zwischen 1975 und 1983 mindestens 20 Schüler missbraucht haben. Die damalige Schulleitung habe trotz Anzeichen und Hinweisen die Schädigung weiterer Opfer nicht verhindert. „Und da befinden wir uns in einem Rahmen, wo Ansprüche durchsetzbar sind und wo wir auch klar erkennen können, dass da Erfolgsaussichten sind“, sagte Groll.

Quelle:

http://www.bild.de/BILD/Newsticker/news-ticker/2010/02/04/12-zivilklage-canisius.html


„Wir müssen jetzt nach vorne schauen!“


Pressemitteilung Katholische Elternschaft Deutschlands (KED)

KED: „Wir müssen jetzt nach vorne schauen!“

Missbrauchsfälle an katholischen Schulen dürfen weder Klischees noch Verdrängung fördern

Bonn, 04. Februar 2010 – Die Katholische Elternschaft Deutschlands (KED) ist
erschüttert über die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg
in Berlin und an anderen katholischen Schulen.

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Das Schweigen der Hirten


Frankfurter Rundschau, 2. Februar 2010

Missbrauch in der katholischen Kirche
Das Schweigen der Hirten
Von Jörg Schindler

Berlin. Im Herbst 2002 mochten auch die deutschen Bischöfe nicht länger wegsehen. Nach einer Serie von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche sahen sich die Hirten gezwungen, hierzulande zu reagieren. Gerade erst war im Vatikan, ausgelöst durch beschämende Skandale in den USA, ein Krisengipfel zuende gegangen. Weil auch deutsche Priester immer wieder in die Schlagzeilen geraten waren, beschloss die Bischofskonferenz, zu handeln. Sieben Jahre nach ihren Amtskollegen aus den Niederlanden, sechs Jahre nach Österreichs Bischöfen und eineinhalb Jahre nach ihren südafrikanischen Glaubensbrüdern veröffentlichten sie Leitlinien zum “Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche”.

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Kritik an der katholischen Sexualmoral


02. Februar, 2010

Kirchenkritikerin Ranke-Heinemann: Zölibat begünstigt Missbrauch

Berlin (ddp-bln). Die Kirchenkritikerin Uta Ranke-Heinemann hält sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche für “symptomatisch”. Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg und an anderen Jesuitenschulen kritisierte sie die Sexualmoral der Kirche: “Die Zwangsentsexualisierung von Priestern durch das völlig unnatürliche Zölibat wird weiterhin solche Vorfälle begünstigen”, sagte sie der Nachrichtenagentur ddp.

Dass bei derartigen Missbrauchfällen häufig männliche Kinder und Jugendliche betroffen sind, führt sie auf die Unterdrückung der Frau in der katholischen Kirche zurück: “Die Vertreibung der Frau ist geglückt, die Entsexualisierung hingegen nicht. Das hat zur Folge, dass im Klerus überproportional Männer mit einer homosexuellen Neigung anzutreffen sind. Solange zwangsentsexualisierte, homosexuelle Priester mit Männern, Jugendlichen und Kindern in dunklem Beichtstuhlgewisper vereint sind, wird sich der Beichtstuhl immer mehr zur Kontaktbörse für Homosexuelle entwickeln und sollte darum für Kinder und Jugendliche verboten werden”, sagte Ranke-Heinemann.

Den gesamtem Artkel lesen unter:

http://www.die-newsblogger.de/kritik-an-der-katholischen-sexualmoral-66064


Canisius-Schüler verübte Mordanschlag auf Pater


Montag, 1. Februar 2010

Auf Pater Peter R. ist Anfang der 80er-Jahre ein Mordanschlag verübt worden. Dies hat jetzt das Bistum Hildesheim bestätigt, wo R. zu jener Zeit in einer Pfarrgemeinde für die Jugendarbeit zuständig war. Der Täter soll ein ehemaliger Schüler des Berliner Elite-Gymnasiums Canisius-Kolleg gewesen sein. Kurz darauf nahm er sich das Leben.

Auf den des systematischen sexuellen Missbrauchs an Schülern des Canisius-Kollegs verdächtigten Pater Peter R. ist Anfang der 80er-Jahre ein Mordanschlag verübt worden. Diesen bisher nur von ehemaligen Schülern verbreiteten Vorfall hat das Bistum Hildesheim jetzt bestätigt. „Es gab einen Messerangriff auf Peter R.“, sagte Bistumssprecher Michael Lukas.

Täter war nach Informationen von Morgenpost Online ein ehemaliger Schüler des Canisius-Kollegs, der 1980 sein Abitur am Berliner Jesuitengymnasium abgelegt hatte. Kurz nach seinem Abschluss soll er den ehemaligen Religionslehrer und Leiter der außerschulischen Jugendarbeit „Gemeinschaft christlichen Lebens“ mit einem Messer angegriffen und verletzt haben. Motiv ist nach Aussagen damaliger Freunde Rache für die erlittenen Demütigungen. Kurz darauf begang der ehemalige Schüler Selbstmord. R. war nach seinem Weggang vom Canisius-Kolleg an der von Jesuiten geführten Göttinger Gemeinde St. Michael in der Jugendarbeit tätig…

Den gesamten Artikel lesen:

Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1249181/Canisius-Schueler-veruebte-Mordanschlag-auf-Pater.html


Ehemaliger Jesuitenpriester gesteht Kindesmissbrauch


Im Skandal um Dutzende Missbrauchsfälle in den siebziger und achtziger Jahren am Berliner Elitegymnasium Canisius-Kolleg hat einer der Beschuldigten die Vorwürfe gegenüber dem SPIEGEL bestätigt. Der frühere Sportlehrer und Jesuitenpater Wolfgang S., 65, räumte zudem in einer an seine Opfer gerichteten Erklärung ein, es sei “eine traurige Tatsache, dass ich jahrelang Kinder und Jugendliche unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht und misshandelt habe”. Daran sei “nichts zu entschuldigen”. Darüber hinaus gab der heute in Südamerika lebende Kirchenmann an, bereits 1991 seinen “damaligen deutschen Provinzialoberen eingehend über meine verbrecherische Vergangenheit informiert” zu haben.

Somit wusste der Jesuitenorden seit etwa 19 Jahren von dem vielfachen Missbrauch.

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Erzbistum räumt weiteren Missbrauchsverdacht gegen Pfarrer ein


Das Erzbistum Berlin geht Vorwürfen gegen einen Pfarrer wegen des sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen nach. Wie Dompropst Stefan Dybowski am Freitag mitteilte, sind dem Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky Anfang Juli 2009 Beschuldigungen und Verdächtigungen gegen einen Priester des Erzbistums vorgetragen worden. Diese bezogen sich auf das Jahr 2001. Dem Gemeindepfarrer seien daraufhin umgehend alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Jugendlichen untersagt worden. Das in Rom anhängige Verfahren gegen den Priester sei jedoch noch nicht abgeschlossen.

Ende Juli 2009 habe der Erzbischof eine Verzichtserklärung des Pfarrers angenommen, hieß es weiter. Er wohne nicht mehr in der Pfarrei. Auch sei der Priester derzeit nicht seelsorgerisch tätig. Das Opfer wurde den Angaben zufolge aufgefordert, die Vorfälle anzuzeigen. Weitere Opfer werden gebeten, sich zu melden.

Für den Fall wurde im Juli 2008 eine unabhängige Kommission zur Untersuchung eingesetzt. Ihr gehören den Angaben zufolge neben dem Dompropst eine Kirchenrechtsprofessorin aus Erfurt und eine frühere Kriminalistin an. Bis zum Abschluss der internen Untersuchungen gelte die Unschuldsvermutung, sagte Dybowski. Gleichwohl seien alle nötigen Schritte unternommen worden.

Erst in dieser Woche war bekanntgeworden, dass am von Jesuiten geführten Canisius-Kolleg in Berlin Schüler jahrelang von Ordensbrüdern sexuell missbraucht wurden. Bislang sind sieben männliche Opfer namentlich bekannt, wie Rektor Klaus Mertes am Donnerstag sagte. Die Opfer waren laut Mertes zwischen 13 und 17 Jahre. Die Taten sollen sich von 1975 bis 1989 ereignet haben. Die mutmaßlichen Täter, zwei Patres, hätten die Schule Ende der 80er Jahre verlassen.

Quelle:

http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2647694390.php


Elitegymnasium: Weitere Missbrauchsopfer melden sich


Nach dem Bekanntwerden mehrerer Fälle sexuellen Missbrauchs am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin in den 70er und 80er Jahren haben sich weitere Opfer gemeldet. Etwa zehn Personen hätten sich per E-Mail geäußert, seien aber nicht alle Opfer, sagte die Rechtsanwältin und Beauftragte des Jesuitenordens für Fälle von sexuellem Missbrauch, Ursula Raue, am Freitag in Berlin.

Einige hätten lediglich von entsprechenden Gerüchten berichtet, seien jedoch nicht selber von Missbrauch betroffen gewesen. Doch auch direkt Betroffene hätten sich gemeldet. Eine genaue Zahl nannte sie nicht.
Zudem wurde bekannt, dass einige der Missbrauchsopfer trotz ihrer Leiden ihre eigenen Kinder auf das katholische Gymnasium geschickt haben. Einige der bislang bekannten Opfer seien heute Eltern an der Schule, sagte Raue.

An der Schule sollen zwei Lehrer in den 70er und 80er Jahren mindestens sieben Schüler sexuell missbraucht haben. Die Polizei leitete Ermittlungen gegen Unbekannt ein. Wegen des laufenden Verfahrens könnten keine weiteren Angaben zu Opfern oder Tätern gemacht werden, sagte ein Sprecher.

Zu den Vorfällen wollte sich das Canisius-Kolleg am Mittag erneut in einer Pressekonferenz äußern.

Quelle:

http://www.mainpost.de/nachrichten/politik/brennpunkte/Elitegymnasium-Weitere-Missbrauchsopfer-melden-sich;art112,5447872


Pädophilen-Skandale erschüttern katholische Kirche


Der Verdacht des Missbrauchs am Canisius-Kolleg ist kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Übergriffe an katholischen Einrichtungen bekannt. Häufig lagen diese bereits viele Jahre zurück.

Eine strafrechtliche Verfolgung war wegen Verjährung oft nicht mehr möglich.
- Im Juli 2008 wurde ein ehemaliger Domkapitular der Erzdiözese Bamberg von seinen kirchlichen Ämtern enthoben. Ermittlungen hatten ergeben, dass der damals 64-Jährige zwischen 1978 und 1984 in zehn Fällen in einem Schülerwohnheim sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren vorgenommen hatte. Da die Vorwürfe jedoch verjährt waren, musste sich der Mann nicht vor Gericht verantworten.

- Im Oktober 2008 wurde bekannt, dass sich ein Pfarrer eines Internats in Bayern zwischen 1972 und 1976 an mindestens 16 Jungen vergangen hatte. Der Mann gestand die Taten, konnte wegen Verjährung aber nicht mehr belangt werden. 2009 verlor der damals 71-Jährige jedoch sein Priesteramt. Nach einem Bittgesuch an Papst Benedikt XVI. entzog das Oberhaupt der katholischen Kirche dem Mann alle Rechte und Pflichten, die mit dem Klerikerstand verbunden sind.

- Auch in Irland wurden in katholischen Einrichtungen unzählige Kinder missbraucht. Wie Ermittlungen einer Sonderkommission im Mai 2009 ergaben, erniedrigten und missbrauchten Priester, Nonnen und Mönche über Jahrzehnte tausendfach Kinder. Die Jungen und Mädchen wurden in Schulen, Heimen oder Erziehungsanstalten zwischen den 30er- und 90er-Jahren vergewaltigt, geschlagen und gequält. Neue strafrechtliche Ermittlungen ergaben sich durch den Bericht allerdings nicht, weil nach einer früheren Entscheidung die Namen der Peiniger für die Untersuchung anonymisiert werden mussten.

- In den USA wurde die katholische Kirche vor einigen Jahren von einer Serie von Pädophilen-Skandalen erschüttert. Bis 2002 waren mehr als 25 Priester nach Vorwürfen sexuellen Missbrauchs zurückgetreten oder des Amtes enthoben worden.

Quelle:

http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1247189/Paedophilen-Skandale-erschuettern-katholische-Kirche.html


Skandal im Bistum: Essener Priester unter Missbrauchsverdacht


Essen. Die Staatsanwaltschaft Essen wirft dem Essener Domkapitular Rainer A. sexuellen Missbrauch zum Nachteil eines 16-Jährigen vor. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat den 66-jährigen Priester von allen seinen Diensten beurlaubt.

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Berlin: Verdacht auf Missbrauch an katholischem Gymnasium


An dem von Jesuiten geführten katholischen Elitegymnasium Canisius-Kolleg in Berlin soll es zahlreiche Missbrauchsfälle gegeben haben. Diese hätten sich in den 70er und 80er Jahren ereignet, berichtete heute der Rektor der renommierten Privatschule, Pater Klaus Mertes.

Damit bestätigte er einen Bericht der “Berliner Morgenpost” (Donnerstag). Der Verdacht war bekanntgeworden, weil sich Mertes in einem Brief an etwa 600 ehemalige Schülerinnen und Schüler gewandt hatte. “Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen”, heißt es in dem Brief. Bisher seien ihm sieben Fälle bekannt, sagte Mertes. Er gehe aber “von einer größeren Dunkelziffer” aus.

Ziel: Das Schweigen brechen

Die Lehrer, die des Missbrauchs verdächtigt werden, sind laut Mertes schon seit langem nicht mehr an der Schule. “Sofern sie noch leben, recherchieren wir”, kündigte der Rektor an. Er habe sich zu dem Brief entschieden, “um einen Beitrag dazu zu leisten, das Schweigen in den betroffenen Jahrgängen zu brechen und den Betroffenen in den Jahrgängen das Sprechen zu ermöglichen”. Das Berliner Landeskriminalamt leitete unterdessen ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt ein, wie ein Sprecher sagte. Eine Anzeige sei bei der Polizei bisher nicht eingegangen.

Link:
Internetseite eines Betroffenen

Quelle:

http://religion.orf.at/projekt03/news/1001/ne100128_missbrauch_fr.htm


Missbrauch am Canisius-Kolleg


“Das Schweigen muss gebrochen werden”

Donnerstag, 28. Januar 2010 10:50  - Von Jens Anker und Michael Behrendt

Über Jahrzehnte hinweg sind Schüler eines Berliner Elitegymnasiums von Lehrern sexuell missbraucht worden: Am dem von Jesuiten betriebenen katholischen Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten haben sich demnach mindestens zwei als Lehrer eingesetzte Padres an Jungen vergangen. Der amtierende Rektor der Schule will nun mit einer ungewöhnlichen Aktion weitere Opfer aufspüren.

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Schauspieler Gabriel Byrne als Kind sexuell missbraucht


Schauspieler
Gabriel Byrne als Kind sexuell missbraucht

Als Kind wollte er Priester werden. In einer irischen Fernsehshow hat Schauspieler Gabriel Byrne nun erzählt, warum er einen anderen Berufsweg einschlug. Im Alter von elf Jahren sei er während eines Priesterseminars sexuell missbraucht worden. Eine Erfahrung, die ihm bis heute zusetzt.

Hamburg – Vor laufender Kamera hat Gabriel Byrne darüber gesprochen, wie er als Kind sexuell missbraucht worden ist. Das Ganze sei während eines vierjährigen Priesterseminars bei den “Christian Brothers” in England passiert, sagte der 59-jährige Schauspieler in der irischen Fernsehshow “The Meaning Of Life”. Damals sei er elf Jahre alt und Messdiener in Dublin gewesen. Er habe mit dem Gedanken gespielt, selbst Priester zu werden, berichtet der “Telegraph”.

Er und die anderen Schüler hätten gewusst, dass sie sich vor einem bestimmten Mann in Acht nehmen mussten. “Man wollte nicht allein mit ihm im Umkleideraum bleiben”, sagte Byrne, selbst Vater zweier Kinder. “Es gab gewisse Grenzen, sexuelle Grenzen, die überschritten wurden.” Der Missbrauch habe sich zwar nicht über einen längeren Zeitraum erstreckt, jedoch seine Spuren hinterlassen.

Er habe viele Jahre gebraucht, seine Erfahrungen zu verarbeiten und dem Mann, der ihm das angetan habe, zu vergeben. Denn diese Vorfälle hätten ihn tief verletzt, sagte Byrne. “Damals glaubte ich nicht, dass es ernsthafte Auswirkungen auf mich haben würde.” Doch in seinem späteren Leben habe er mit bestimmten Themen Schwierigkeiten gehabt. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass dies auf seine Erlebnisse in der Kindheit zurückzuführen sei.

Gabriel Byrne war in den Neunzigern mit der Schauspielerin Ellen Barkin verheiratet, die er bei Dreharbeiten kennengelernt hatte. Sie ist auch die Mutter seiner beiden Kinder. Byrne produzierte den Film “Im Namen des Vaters”, der 1993 für einen Oscar nominiert war. In der Serie “In Treatment – Der Therapeut” spielt er einen Psychiater. Für die Rolle bekam er einen Golden Globe Award und wurde zweimal für den Emmy nominiert.
jjc

Quelle:

http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,673110,00.html


Die Lieblinge des Priesters


Bamberg: Missbrauchsvorwürfe

Die Lieblinge des Priesters

29.07.2009

Von Matthias Drobinski

“Nichts als schöne Worte”: Ein Jahr nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen einen Bamberger Domkapitular leiden die Opfer weiter – und ärgern sich über das Verhalten der Kirche.

Der Abend, an dem für Tom Wagner die Vergangenheit wieder zur Gegenwart wurde, ist jetzt ein gutes Jahr her. Anfang Juni 2008 klingelte das Telefon, ein Mann stellte sich vor. “Wir kennen uns nicht”, sagte der Mann, “aber sie stehen auf der Liste der Opfer, Ihre Aussage könnte wichtig für uns sein.”

Georg Beirer heiße er, sagte der Mann. Er sei Psychotherapeut und Beauftragter des Erzbistums Bamberg für Fälle von sexuellem Missbrauch.

Geistlicher soll Zöglinge vor 20 Jahren missbraucht haben

Vier Wochen später war der Fall öffentlich: Otto Münkemer, Domkapitular und Personalchef in Bamberg, soll als Leiter des Internats Ottonianum vor 20 Jahren Zöglinge missbraucht haben. Noch nie hat sich in Deutschland ein so hochrangiger Kirchenmann diesem Verdacht ausgesetzt gesehen. Erzbischof Ludwig Schick suspendierte Münkemer umgehend und schrieb einen Brief an die Mitarbeiter des Bistums: “Wir werden alles tun, um zu heilen und zu helfen.” Die Bamberger Staatsanwaltschaft ermittelte.

Seitdem hat sich die Geschichte wieder im Leben von Tom Wagner festgekrallt, der in Wahrheit anders heißt. Über Jahre hinweg war er einer der “Lieblinge” des Schulleiters, der sich um seine Zöglinge sehr kümmern konnte, manchen aber näherkam, als es sich gehörte. Wagner ist ein gestandener Mann, Sozialpädagoge, verheiratet, Kinder.

Doch das Telefonat, sagt er, “traf mich wie ein Schlag”. Die Schreckensstarre war wieder da, die stets kam, wenn Münkemer mit ihm über die Berufung zum Priester reden wollte und immer näher rückte, ihn berührte, an Schulter, Knie – und Geschlecht. Er wollte weglaufen und blieb, wollte schreien und schwieg, ausgeliefert der bedrängenden, einseitigen Zuneigung, die in Eifersucht umschlug, als er sich in ein Mädchen verliebte.

Zwei Schüler aus dieser Zeit haben sich umgebracht. Warum, wird nie zu klären sein, doch die Verwandten glauben, dass es da einen Zusammenhang gibt.

Seit einem Jahr ist auch die Wut wieder da. Auf den Mann und die Vergangenheit – aber auch auf das Erzbistum Bamberg und die Gegenwart, bei Wagner und bei den anderen sieben auf der Liste von Beauftragten Georg Beirer. “Nach außen gibt es schöne Worte, doch tatsächlich passiert nichts, das empfinden wir als demütigend”, sagt Wagner. Den Missbrauchsbeauftragten will er ausdrücklich ausnehmen, “Beirer hat sich sehr gekümmert”.

Die Grenzen seien aber immer erreicht gewesen, wenn es um Geld ging: Gerne hätte Wagner eine Therapie begonnen, doch Beirer konnte keine Hilfe zusagen. Also rief Wagner im Oktober 2008 Generalvikar Georg Kestel an, der ihn, so die Erinnerung, anschnauzte: Wieso er erst jetzt damit komme, ob ihm bewusst sei, was er da angerichtet habe, ob er eine Existenz vernichten wolle, und überhaupt gebe es nichts, bevor die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht abgeschlossen seien.

Nur halbherzige Entschuldigungen

“Auf einmal war ich nicht Opfer, sondern Täter”, sagt Wagner. Mitte Mai, nach einigen Aufforderungen, hat sich der Generalvikar dann per E-Mail halbherzig entschuldigt: “Sollte ich Ihre Empfindungen verletzt haben, so tut es mir leid.”

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Bamberg ihre Ermittlungen abgeschlossen – die Taten sind verjährt. Aber, so sagte Oberstaatsanwalt Joseph Düsel im Januar, “es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass den Zeugen nicht zu glauben wäre”.

»Nach außen gibt es schöne Worte, doch tatsächlich passiert nichts, das empfinden wir als demütigend.«

Eines der Opfer

Der Domkapitular war kurz in einem Kloster, nun wohnt er wieder in seiner Dienstwohnung. Einigen Zöglingen hat er Briefe geschrieben: Er habe sie, wenn überhaupt, nur berührt, weil ihm auch “die gesundheitliche Sorge für die Ottonianer” übertragen gewesen sei. Ordinariats-Insider berichten, dass man den Fall in zunehmend mildem Licht sehe: Die Fälle seien doch minderschwer. Münkemer hat Verbündete, sein Stellvertreter in der Personalabteilung war auch sein Stellvertreter im Ottonianum – er sagt, dass er von einem Missbrauchs nichts mitbekommen habe.

Erzbischof trifft sich mit den Opfern

Das Erzbistum Bamberg betont, dass es keine Pläne gebe, Münkemer irgendwo einzusetzen. Bei der endgültigen Aufklärung des Falls werde auch “die mögliche Unterstützung der Betroffenen thematisiert werden”, wie eine Sprecherin des Bistums sagt. Auf den Wunsch der Bamberger hin habe die Glaubenskongregation nun das Erzbistum München mit dem innerkirchlichen Verfahren beauftragt, um den Verdacht der Voreingenommenheit zu vermeiden.
Und immerhin: Erzbischof Schick hat sich mit den Opfern getroffen. Ein schwieriges Gespräch, erinnert sich Wagner. Die verletzten Kinder in den Männern machten ihrem Zorn Luft. Am Ende hat Schick Bedauern geäußert. Dann gingen sie in die Kapelle, das Vaterunser beten. “Ich konnte nicht mitbeten”, sagt Tom Wagner.
Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/756/482220/text/


Pädophile Priester «Es gibt keine Anzeigepflicht»


Muss die katholische Kirche nicht zwingend die Polizei einschalten, wenn sich einer ihrer Priester an Minderjährigen vergeht? Nein, sagt Franz Riklin, Strafrechtsprofessor an der Universität Freiburg.

Beobachter:
Ein Priester vergreift sich an einem Kind und ist geständig. Die Diözese, bei der er angestellt ist, sieht von einer Anzeige ab und schickt ihn ins Ausland. Solche und ähnliche Fälle machten in letzter Zeit Schlagzeilen – und die Öffentlichkeit war irritiert, dass die Kirche nicht sofort die Polizei einschaltete. Macht sie sich damit nicht strafbar?

Franz Riklin:
Nein. Es besteht keine Pflicht, Strafanzeige zu erstatten. Auch nicht für die katholische Kirche.

Beobachter:
Ist das nicht strafbare Begünstigung?

Riklin:
Nein, die könnte erst vorliegen, wenn ein Priester von den Strafbehörden verfolgt wird und Kirchenvertreter ihn verstecken.

Beobachter:
Anderes Beispiel: Ein Priester missbraucht ein Kind und ist geständig. Das Opfer und dessen Eltern wollen Anzeige erstatten. Die Diözese bietet ihnen eine Entschädigungssumme an. Dafür sollen die Eltern auf eine Anzeige verzichten. Ist das strafbar?

Riklin:
Nein. Wie gesagt, es gibt keine Anzeigepflicht.

Beobachter:
Sich mit Geld das Schweigen der Opfer zu erkaufen ist strafrechtlich kein Problem?

Riklin:
Bei Vermögensdelikten etwa kommt es immer wieder vor, dass ein Beschuldigter dem Geschädigten eine Genugtuungssumme anbietet. Das ist nicht verboten.

Beobachter:
Aber?

Riklin:
Die Kirche hat eine moralische Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass sich die sexuellen Übergriffe nicht wiederholen. Wichtig ist, dass auf eine solche Tat reagiert und sie nicht einfach vertuscht wird. Dass man den Täter damit konfrontiert, ihn zur Auseinandersetzung zwingt und prüft, ob Rückfallrisiken bestehen. Eine Strafanzeige ist nicht die einzig mögliche Lösung.

Beobachter:
Nennen Sie mir einen guten Grund, bei sexuellen Übergriffen auf Kinder durch Priester auf eine Anzeige zu verzichten.

Riklin:
Ein Grund ist, wenn das Opfer keine Anzeige will. Oder wenn das Delikt sehr lange zurückliegt, ohne dass weitere Verfehlungen bekannt sind. Aus meiner Sicht ist auch wichtig, ob der Täter pädophil veranlagt ist. Nicht jede sexuelle Handlung mit Kindern und Jugendlichen lässt auf eine Krankheit schliessen, die dringend behandelt werden muss.

Beobachter:
Und wenn der Täter pädophil veranlagt ist?

Riklin:
Dann kann sich eine Anzeige aufdrängen. Pädophilie ist eine Krankheit mit grosser Rückfallgefahr, die man nur mit einer intensiven Therapie bekämpfen kann. Leider garantiert unser Straf- und Massnahmenvollzug in weiten Teilen nicht, dass solche Täter adäquat behandelt werden.

Beobachter:
Begeht die Kirche nicht Täterschutz, wenn sie den Opfern von sexuellen Übergriffen hohe Entschädigungssummen zahlt und sich so ihr Schweigen erkauft?

Riklin:
Natürlich schützt sie den Täter vor einem Strafverfahren. Im Zentrum steht für mich die Prävention und insofern auch der Opferschutz. Deshalb soll man in schweren Fällen auch auf das Strafrecht zurückgreifen. Ich bin aber kein Anhänger jener Glaubensrichtung, die meint, das beste Mittel zur Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme sei stets und primär das Strafrecht.

Quelle:

http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde/artikel/paedophile-priester_es-gibt-keine-anzeigepflicht/


Bistum in Kanada wegen sexuellen Missbrauchs verklagt


(sda/afp) Eine Frau hat ein Bistum im Osten Kanadas wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs verklagt. Nach Medienberichten wurde Linda Deschamps nach eigenen Angaben zehn Jahre lang von einem römisch-katholischen Priester sexuell missbraucht.

Sie sei als Zwölfjährige in den siebziger Jahren in Shellburne in der Provinz Neuschottland zur Hausarbeit bei ihm eingestellt worden. Im Gegenzug habe sie Essen und Geld erhalten.

Den Berichten zufolge wirft sie dem Bistum von Yarmouth sowie dem Erzbischof der Provinzhauptstadt Halifax vor, nichts gegen diese «missbräuchliche Beziehung» unternommen zu haben. Der beschuldigte Priester starb bereits in den achtziger Jahren.

Gemäss den Berichten soll der Priester Deschamps angedroht haben, ihr das Essen zu entziehen, sollte sie seinen sexuellen Wünschen nicht Folge leisten. Demnach wohnte sie auch bei dem Priester und nannte ihn «Onkel».

Quelle:

http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/kanada_kirche_sexueller_missbrauch_1.4462186.html


Bistum schützt Kerkhoff


von Peter Korall
Hat der aus Willich stammende Geistliche Kinder missbraucht? In Aachen liegen dazu keine Erkenntnisse vor.

Gegen Pfarrer Georg Kerkhoff werden Vorwürfe erhoben.
Willich/Kreis Viersen. Der Fall des Pfarrers Georg Kerkhoff zieht Kreise. Und wirft Fragen auf, drängende Fragen. Was wusste die Kirche? Warum reagierte das zuständige Bistum Aachen so spät? Wie sahen betroffene Eltern das Verhältnis des Geistlichen zu ihren Kindern?

„Ich fand, dass er ein ganz moderner Geistlicher war“, sagt der Vater des heute 20-jährigen Moritz. Der junge Mann aus einer Kleinstadt im Kreis Viersen hatte über eine ganze Weile näheren Kontakt zu Kerkhoff, hatte sich allerdings nach eigenem Bekunden Annäherungsversuchen konsequent widersetzt.

Von Anfang an mit der Angelegenheit befasst ist der Sozialpädagoge Johannes Heibel, Vorsitzender der „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“. Er beschäftigt sich seit 1991 mit dem Thema.

Seinen Eltern fiel (zunächst) nichts auf. „Gegen Saunagänge in eine öffentliche Sauna fand ich nichts einzuwenden“, sagt der Vater. Er und seine Frau seien selbst Saunagänger. Allerdings, in die privaten Räume in Nettetal-Lobberich einzuladen, das sei eindeutig zu weit gegangen, das habe er so auch nicht mitbekommen. „Ich würde Herrn Kerkhoff heute gerne fragen, was er sich dabei gedacht hat“, sagt der Mann.

„Dem Bistum liegen keine Erkenntnisse vor, dass Pfarrer Kerkhoff während seiner Pfarrtätigkeit Minderjährige missbraucht hat.“

Presseerklärung des Bistums:
„Dem Bistum Aachen liegen keine Erkenntnisse vor, dass Pfarrer Georg Kerkhoff während seiner Pfarrtätigkeit im Bistum Minderjährige missbraucht hat.“ So heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des bischöflichen Pressedienstes.

Das Generalvikariat hatte sich in einem Brief an die Gläubigen in Lobberich und Hinsbeck gewandt und vor Recherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und der „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ gewarnt. Es werde eine „großangelegte Medienberichterstattung“ inszeniert, die belegen soll, dass der Priester vor seinem Gang in die Auslandsseelsorge bereits in Deutschland auffällig geworden sei.

Für den Pfarrer gilt die Unschuldsvermutung

„Die Diözese betont, dass für Pfarrer Kerkhoff – wie für jeden Staatsbürger auch – die Unschuldsvermutung gilt“, heißt es. Gleichzeitig hat Bischof Heinrich Mussinghoff aber reagiert und einen unabhängigen Ermittler eingesetzt, bei dem die Gläubigen aus Lobberich und Hinsbeck, wo Kerkhoff zuletzt tätig war, sich melden und Hinweise geben können. Geleitet wird diese Kommission von Hans-Willi Winden, im Hauptberuf Leiter der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule in Krefeld.

Gestern ist im „Spiegel“ eine Story erschienen, in der die Vorwürfe gegen den gebürtigen Willicher beleuchtet werden, die zu der Anzeige in Südafrika geführt haben. Eltern hatten sich an die dortige Polizei gewandt und angezeigt, dass sich der Pfarrer bei einem Kommunions-Camp mehreren Neunjährigen genähert habe und unter deren Bettdecke geschlüpft sei. „Ich wollte die Kinder nur zur Ruhe bringen“ – so habe Kerkhoff sich verteidigt.

Der 51-Jährige musste seinen Reisepass abgeben, darf seither das Land nicht verlassen. Nach WZ-Informationen wollen die Eltern der betroffenen Kinder nun auch in Deutschland Anzeige erstatten. Dann müsste sich auch eine hiesige Staatsanwaltschaft mit dem Vorgang beschäftigen.

Zurück nach Deutschland: Laut „Spiegel“ tauchte Georg Kerkhoff mehrfach mit einem „Patensohn“ auf – unter anderem beim Cäcilienfest in Lobberich. Hier sei aufgefallen, wie vertraulich beide miteinander umgegangen seien. Allerdings nehme dieser Junge Kerkhoff in Schutz, streite jeglichen Missbrauch ab.

Von alledem will das Bistum Aachen nichts gewusst haben. „Es hat vor Jahren mal einen anonymen Hinweis gegeben“, erklärt Bistums-Sprecher Franz Kretschmann. Aber man könne solchen Spekulationen nicht so nachgehen, wie konkreten Hinweisen.

Quelle:

http://www.wz-newsline.de/?redid=720348


Haft für ehemaligen Erzbischof in Argentinien wegen Missbrauchs


Haft für ehemaligen Erzbischof in Argentinien wegen Missbrauchs an Seminaristen. Der Papst drängte ihn einst zum Rücktritt, aber bis heute hält der 73-Jährige an seiner Unschuld fest.
VON JÜRGEN VOGT

In Argentinien ist der ehemalige katholische Erzbischof Edgardo Gabriel Storni zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht in der nordöstlichen Provinz Santa Fe befand den katholischen Geistlichen des schweren sexuellen Missbrauchs des Seminaristen Rubén Descalzo im Jahr 1992 für schuldig.

Storni war von 1984 bis 2002 Bischof der Provinz Santa Fe und hatte “seine Stellung und Autorität” für die Tat ausgenutzt, zudem “handelte er in totaler Straflosigkeit,” so die Richterin María Amalia Mascheroni in der Urteilsbegründung. Der erzkonservative Bischof galt damals als drittmächtigster Würdenträger der argentinischen Katholiken.

Bereits 1994 hatte eine vom Vatikan angeordnete Untersuchung gegen Edgardo Storni wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs stattgefunden. Papst Johannes Paul II. hatte ihn jedoch in seinem Amt bestätigt. Im Jahr 2002 war Storni von dem Seminaristen Rubén Descalzo bei einer richterlichen Anhörung erneut beschuldigt worden. Als die daraus folgende Anzeige gegen Storni öffentlich bekannt wurde, trat er im Oktober 2002 auf Anweisung des Vatikans von seinem Amt zurück. In einem Brief an Papst Johannes Paul II. beteuerte Storni damals seine Unschuld, an der er bis heute festhält.

Die juristische Aufarbeitung des Falls brachte erst die Veröffentlichung eines Buchs “Nuestra Santa Madre. Historia Pública y Privada de la Iglesia Católica Argentina” der Journalistin Olga Wornat im Jahr 2003, in dem Storni des mehrfachen sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurde. “Die Strafe ist für einen der Jungen, aber damit hat sich ein Fenster geöffnet für weitere Anklagen und Zeugenaussagen, denn es war nicht nur ein Seminarist, sondern es waren einige, die missbraucht wurden”, kommentierte Wornat den Richterspruch.

Rubén Descalzo zeigte sich erleichtert über das Urteil. “Es hilft mir, eine schwere Etappe in meinem Leben endlich zu beenden”, so der ehemalige Seminarist. Acht Jahre Haft sind in diesem Fall die Mindeststrafe. Wegen seines Alters kann der 73-jährige Storni die Strafe jedoch im Hausarrest verbüßen. Verurteilte müssen in Argentinien ab 70 Jahren ihre Haftstrafe nicht in einem Gefängnis absitzen. Die katholische Kirche Argentiniens hat sich bisher nicht geäußert.

Stornis Verurteilung ist die zweite Strafe für einen katholischen Geistlichen in Argentinien im vergangenen Jahr. Im Juni war der katholische Priester Julio César Grassi in der Provinz Buenos Aires wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der 52-jährige Grassi, Gründer und ehemaliger Leiter der Stiftung für Kinder “Felices Los Niños” (Selig sind die Kinder), wurde für schuldig befunden, in wenigstens zwei Fällen einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben.

Quelle:

http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/erzsuende-eines-erzbischofs/


Vertuschter Skandal stürzt Irlands Kirche in Krise


Prügel und Missbrauch soll es nach Berichten seit den 30er Jahren gegeben haben

DUBLIN/LONDON – Die katholische Kirche in Irland steckt in einer ihrer tiefsten Krisen. Nach dem Skandal um den sexuellen Missbrauch tausender Kinder durch irische Geistliche traten Weihnachten zwei weitere Bischöfe zurück.

Eamonn Walsh und Raymond Field, Weihbischöfe der Erzdiözese Dublin, teilten ihre Entscheidung in Christmetten am Heiligabend mit. Damit reagierten sie auf wochenlange Kritik und steigenden Druck auf personelle Konsequenzen wegen der Vertuschung des Skandals.

170 Priester unter Verdacht

Etwa 170 Priester der Erzdiözese sollen Kinder missbraucht oder vergewaltigt haben. Der verbleibende Bischof, der zum Rücktritt aufgefordert wurde, wies dagegen am zweiten Weihnachtsfeiertag Rücktrittsforderungen zurück. Der Bischof von Galway, Martin Drennan, sei erst 1997 in die leitende Position gekommen, nachdem Richtlinien zum Schutz von Kindern eingeführt wurden, sagte sein Sprecher. Danach sei Drennan in seiner Führungsposition nicht dafür verantwortlich gewesen.

Ein Bericht der Richterin Yvonne Murphy hatte dokumentiert, dass mehr als 300 Kinder in den Jahren 1975 bis 2004 von Priestern in der Erzdiözese sexuell missbraucht wurden. Die Verantwortlichen haben dies laut einem Untersuchungsbericht, der im November veröffentlicht wurde, vertuscht oder verschwiegen.

Die beiden Weihbischöfe Walsh und Field entschuldigten sich in einer gemeinsamen Erklärung bei den Missbrauchsopfern.

Missbrauch seit 1930er Jahren an Tagesordnung

Ein weiterer Report hatte in diesem Jahr belegt, dass Prügel und sexueller Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der irischen Kirche seit den 1930er Jahren an der Tagesordnung waren. Der Bischof von Limerick, Donal Murray, und der Bischof von Kildare und Leighlin, James Moriarty, hatten ihren Rücktritt bereits bei Papst Benedikt XVI. eingereicht. Auch mehrere Priester und Diakone baten um Entbindung von ihren Aufgaben.

Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, rief führende Geistliche dazu auf, ihr Handeln zu überdenken und Verantwortung zu tragen. «Kriminelles Verhalten» müsse bestraft werden. «Die Diözese enttäuschte ihre verletzlichsten Mitglieder. Die Erzdiözese enttäuschte bei dem Eingeständnis, was zu tun gewesen wäre.»

«Schmerzliches Jahr»

2009 sei für die irischen Katholiken ein «schmerzliches Jahr» gewesen. Die Kirche in Dublin stehe vor einem Umbruch und Erneuerung. Der Papst hatte vor zwei Wochen den Präsidenten der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, und Dublins Erzbischof in Rom empfangen.

Der Pontifex sprach mit ihnen und hohen Mitgliedern der vatikanischen Kurie über die Missbrauchsfälle. Missbrauchsopfer forderten den Papst zur Buße in der irischen Kirche auf. Er habe sich bislang «teilnahmslos» seit der Aufdeckung des Skandals gezeigt, sagte die Vorsitzende des Opfervereins AESCO, Christine Buckley.

«Moralische Autorität» wiedergewinnen

Auch der irische Premierminister Brian Cowen forderte eine härtere Strafverfolgung, damit die Kirche ihre «moralische Autorität» wiedergewinnt. Ein Sprecher des Vatikan wies Kritik zurück, dass Papst Benedikt XVI. in den Weihnachtsansprachen kein Wort über die irische Kirche verloren habe. Der Pontifex werde «eine Menge über die irische Kirche in seinem bevorstehenden Hirtenbrief zu sagen haben», sagte Federico Lombardi. Das Dokument werde Iren «genug zum Nachdenken» geben. «Offenkundig sind die Probleme der irischen Kirche sehr ernst, es gibt eine sehr dramatische Lage dort. Dies ist allerdings wirklich nur das besondere Problem eines einzelnen Landes.»

Sebastian Döring, dpa

Quelle:

http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1146630&kat=3&man=3


Kindesmissbrauch in Irland – Weitere Bischöfe zurückgetreten


Weihbischöfe entschuldigten sich bei Opfern

London/Dublin – Die römisch-katholische Kirche in Irland steckt zu Weihnachten in einer ihrer tiefsten Krisen. Nach dem Skandal um den sexuellen Missbrauch tausender Kinder durch Angehörige der Geistlichkeit traten zwei weitere Bischöfe zurück. Eamonn Walsh und Raymond Field, Weihbischöfe der Erzdiözese Dublin, kündigten am Heiligen Abend an, nach wochenlanger Kritik und steigendem Druck ihre Ämter niederzulegen. Ein Bericht hatte dokumentiert, dass mehr als 300 Kinder in den Jahren 1975 bis 2004 von Priestern der Erzdiözese sexuell missbraucht wurden… den ganzen Artikel lesen

Quelle:

http://derstandard.at/1259282662587/Kindesmissbrauch-in-Irland-Weitere-Bischoefe-zurueckgetreten


Bischof-Rücktritt wegen Kindesmissbrauchs


Dublin (dpa) – Rücktritt wegen sexuellen Missbrauchs tausender Kinder durch Mitglieder der katholischen Kirche: In Irland hat der Bischof von Kildare und Leighlinhat seinen Hut genommen. Vergangene Woche war bereits der Bischof von Limerick zurückgetreten. Den Skandal hatte der Bericht einer Richterin Ende November ans Licht gebracht. Sie dokumentierte, dass sexueller Missbrauch von mehr als 300 Kindern zwischen 1975 bis 2004 durch Priester der Erzdiözese Dublin von den Verantwortlichen vertuscht worden war.

Quelle:

http://www.zeit.de/newsticker/2009/12/23/iptc-hfk-20091223-103-23387472xml


Irlands Katholiken misten aus


Bischofsrücktritt nach Missbrauchskandal

Von Carsten Volkery, London
Für Irland war es ein Jahr der Offenbarungen, zwei Untersuchungsberichte erschütterten die Insel in ihren Grundfesten. Jahrzehntelang haben katholische Priester dort Kinder gepeinigt und missbraucht. Nun gibt es Konsequenzen: Der erste Bischof gibt sein Amt auf, weitere könnten folgen.

Quelle:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,667742,00.html


Kindesmissbrauch – Pastor aus Rahlstedt unter Verdacht


Hat ein Pastor aus dem Stadtteil Rahlstedt Kinder sexuell missbraucht? Er wurde bereits im September von seinem Posten enthoben.

Hamburg. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen einen evangelischen Pastor aus Hamburg-Rahlstedt. Der 47-Jährige stehe unter Verdacht, Kinderpornografie besessen und sich möglicherweise auch an Kindern vergangen zu haben, sagte der stellvertretende Sprecher der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Hamburg, Thomas Kärst, am Dienstag auf ddp-Anfrage. Er bestätigte damit einen Bericht der Zeitung „Die Welt“.

Dem Blatt zufolge war die Polizei bei der Zerschlagung eines Kinderpornorings auf den Geistlichen gestoßen. Die Wohnung des Seelsorgers wurde bereits durchsucht. Dabei nahmen die Beamten Festplatten und Computer mit. Nach der ersten Durchsicht hätten die Fahnder eine erhebliche Zahl entsprechender Bilder sichergestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers, der Zeitung.

Außerdem gibt es ein Ermittlungsverfahren wegen möglichen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Laut Kärst wurden in den vergangenen zwei Wochen rund 200 Eltern von der Kirche über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt. Bei einer Gemeindeversammlung am Sonntag sei zudem über den Fall informiert worden. Der Pastor sei bereits seit Juli vom Dienst freigestellt worden, weil gegen ihn der Verdacht einer Straftat bestehe. Die Kirche habe gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Kärst sagte, es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die Eltern zu informieren. Dies sei erst jetzt geschehen, weil die Polizei im November begonnen habe, Kinder aus der Gemeinde zu befragen, die möglicherweise betroffen sind. Insgesamt seien sieben Kinder befragt worden.

Bereits im vergangenen Jahr war in Hamburg ein Geistlicher wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs ins Visier der Ermittler geraten. Dem katholischen Pfarrer wurde vorgeworfen, sich an minderjährigen Ministranten vergangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen jedoch einige Monate später ein, da keine ausreichenden Hinweise gefunden worden waren.Gegen einen evangelischen Pastor aus Rahlstedt ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft derzeit wegen des Besitzes von Filmen und Bildern mit kinderpornografischem Inhalt sowie wegen möglichen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Der Geistliche wurde bereits im September von seinem Posten enthoben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht der “Welt”.

Quelle:

http://www.abendblatt.de/hamburg/article1298928/Kindesmissbrauch-Pastor-aus-Rahlstedt-unter-Verdacht.html


Tsunami der Schande


Jahrzehntelang haben die Kirche, Behörden und die Polizei in Irland den Missbrauch von Kindern durch Geistliche vertuscht.

Seit Monaten schon jagen sich die Schreckensnachrichten auf der grünen Insel, und es ist kein Ende abzusehen. Zuerst verdarben es sich die Iren mit ihren Partnern in Europa, weil sie den Lissabon-Vertrag ablehnten. Dann stürzte die Volkswirtschaft ins Bodenlose, und seit Tagen schon überschwemmen Fluten biblischen Ausmaßes weite Teile des Landes.

Und nun hat noch der Bericht einer Untersuchungskommission drei Grundpfeiler von Staat und Gesellschaft erschüttert: Jahrzehntelang haben die katholische Kirche, staatliche Behörden und die Polizei den beinahe schon gewohnheitsmäßigen Missbrauch von Kindern durch Geistliche vertuscht und verschwiegen.

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Vorwürfe gegen die katholische Kirche in Irland


Sebastian Borger über die Vorwürfe gegen die katholische Kirche in Irland

Staat und katholische Kirche in Irland haben jahrzehntelang den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester geduldet und vertuscht. Zu diesem vernichtenden Fazit kommt der nun veröffentlichte Regierungsbericht, der 320 Fällen in der Erzdiözese Dublin zwischen 1975 und 2004 auf den Grund ging. Den verantwortlichen Erzbischöfen sei es „vorrangig um die Vermeidung von Skandalen und die Reputation der Kirche“ gegangen; das Wohl der betroffenen Kinder habe lange Zeit „keine Rolle“ gespielt, heißt es in dem mehr als 700 Seiten starken Dokument. Justizminister Dermot Ahern zeigte sich „angewidert und zornig“ über den Bericht: „Dies ist eine Republik. Keine Institution, auch nicht die Kirche, steht außerhalb des Gesetzes.“

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Irische Missbrauchsopfer fordern systematische Untersuchung


Dublin — Nach dem Bericht über die Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen durch die katholische Kirche in Irland haben Opfer eine Ausweitung der Ermittlungen gefordert. Neben der Erzdiözese Dublin müssten nun die anderen Bistümer des Landes unter die Lupe genommen werden, sagte Marie Collins, Aktivistin gegen Kindesmissbrauch durch Geistliche und selbst Missbrauchsopfer, im irischen Staatsfernsehen. Der für Kinder zuständige Minister Barry Andrews sagte, Untersuchungskommissionen auch in anderen Bistümern seien grundsätzlich möglich. Allerdings sei das bei rund 25 Diözesen und 140 Ordensgemeinschaften eine schier endlose Aufgabe.

Dem am Donnerstag im Auftrag der Regierung veröffentlichten Bericht zufolge schützten vier frühere Erzbischöfe von Dublin systematisch katholische Geistliche, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. In der in dreijähriger Arbeit zusammengestellten Untersuchung geht es konkret um den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch hunderter Kinder in Dublin, der größten Erzdiözese des Landes. Die irische Regierung und der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, entschuldigten sich bei den Opfern.

Bereits im Mai hatte der sogenannte Ryan-Bericht über die Qualen von Mädchen und Jungen in Schulen, Kinderheimen und andere Einrichtungen der katholischen Kirche in Irland das Land erschüttert. Prügel und sexueller Missbrauch waren in den Häusern demnach seit den 30er Jahren an der Tagesordnung.

Quelle:

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jYSlqp1kaM4qzmF1GbqqafwD-_hQ


Katholische Kirche Irlands vertuschte Kindesmissbrauch


Dublin — Die katholische Kirche in Irland soll einem neuen Bericht zufolge jahrzehntelang Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen Priester vertuscht haben. Laut dem im Auftrag der Regierung erstellten Bericht schützten vier frühere Erzbischöfe von Dublin routinemäßig katholische Geistliche, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. Die irische Regierung entschuldigte sich bei den Opfern.

In dem in dreijähriger Arbeit zusammengestellten Bericht geht es konkret um den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch hunderter Kinder in Dublin, der größten Erzdiözese des Landes. Die Kommission um die Juristin Yvonne Murphy förderte unter anderem zutage, dass die vier früheren Erzbischöfe mindestens bis in die 1990er Jahre Priester schützten und diese nicht der Polizei meldeten.

In dem Bericht heißt es, der Erzdiözese sei es beim Umgang mit den Fällen um Geheimhaltung gegangen und darum, einen Skandal zu verhindern und den Ruf der Kirche zu schützen. “Alle anderen Erwägungen, darunter das Wohl von Kindern und Gerechtigkeit für Opfer, wurden diesen Prioritäten untergeordnet.” Wenn sich Kinder beklagten, hätten Kirchenvertreter die Taten oft geleugnet und vertuscht. “Verdächtigungen wurde nur selten nachgegangen”, heißt es.

Die Berichterstatter untersuchten die Beschwerden von mehr als 320 Kindern zwischen 1975 und 2004. Aus einer Stichprobe von 46 Priestern gab einer zu, mehr als 100 Kinder sexuell missbraucht zu haben. Ein anderer räumte ein, sich über einen Zeitraum von 25 Jahren alle zwei Wochen an einem Kind vergangen zu haben.

Justizminister Dermot Ahern sagte bei der Vorstellung, dass er die Enthüllungen mit einem “wachsenden Gefühl des Ekels und der Wut” gelesen habe. Die irische Regierung reagierte mit einer sofortigen Entschuldigung. Sie gelobte, dass “das nie wieder passieren kann”.

Auch der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, entschuldigte sich bei den Opfern. Es handelte sich um die erste derartige staatliche Untersuchung in Kirchenangelegenheiten.

Bereits im Mai hatte der sogenannte Ryan-Bericht über die Qualen von Mädchen und Jungen in Schulen, Kinderheimen und andere Einrichtungen der katholischen Kirche in Irland das Land erschüttert. Prügel und sexueller Missbrauch waren in den Häusern demnach seit den 30er Jahren an der Tagesordnung.

Quelle:

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jzrv2s7Rl1JIxtaiIwj02u3RzSyQ

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27. November 2009, Neue Zürcher Zeitung

Irische Kirche vertuschte Missbrauch

Pädophile Priester in Dublin von der Hierarchie geschützt

Die Führung der katholischen Erzdiözese Dublin hat während Jahrzehnten den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester vertuscht. Die irische Polizei schwieg oftmals auch.

Martin Alioth, Dublin

Am Donnerstag hat der irische Justizminister Dermot Ahern einen 700-seitigen Bericht über den Umgang der katholischen Erzbischöfe von Dublin mit pädophilen Priestern in der Diözese veröffentlicht. Daraus geht klar hervor, dass die Kirchenführung im Zeitraum zwischen 1975 und 2004 systematisch ihre Priester vor strafrechtlichen Konsequenzen schützte und sie bei erwiesener Pädophilie sogar noch beförderte. Der Kontakt dieser Priester mit Kindern wurde nicht unterbunden.

Mangelnde Einsicht

Der Bericht weist die Behauptungen der noch lebenden Bischöfe zurück, sie hätten eben die Tragweite und das Ausmass der kriminellen Verfehlungen unterschätzt. Spitz verweisen die Autorinnen des Berichts darauf, dass die Erzdiözese 1987 eine Versicherungspolice gegen Schadenersatzforderungen von Opfern abgeschlossen hatte; aber erst seit der Mitte der neunziger Jahre wurden Missbrauchsfälle – willkürlich und selektiv – an die staatlichen Behörden gemeldet. Bis heute lassen die verantwortlichen Bischöfe jedes Schuldbewusstsein vermissen. Nur der gegenwärtige Erzbischof, Diarmuid Martin, wird im Bericht für seine Aufgeschlossenheit gelobt.

Devote Polizei

Wie schon in dem im Mai veröffentlichten Bericht einer Kommission unter dem Vorsitz des Oberrichters Sean Ryan kommt der Staat auch diesmal nicht ungeschoren davon. Ryans Kommission hatte den systematischen Missbrauch in katholischen Arbeits- und Erziehungsanstalten untersucht und eine Fülle von erschütternden Einzelfällen enthüllt. Doch während damals die brutalen Vergehen und ihre unfassbare Zahl im Zentrum standen, ging es diesmal um die Vertuschung durch Kirche und Staat.
Die Untersuchungskommission beschränkte sich auf den Umgang der Bischöfe und des Staates mit den Vergehen von 46 Priestern, obwohl Beschwerden gegen über 180 Priester vorlagen. Selbst in jenen Fällen, von denen die Polizei Kenntnis hatte, wurden keine Sanktionen ergriffen. Der Bericht unterstellt eine übertriebene Rücksichtnahme auf die katholische Kirche. Justizminister Ahern beteuerte am Donnerstag, das sei vorbei: «Der Priester-Kragen wird Kriminelle nicht schützen.»

Quelle:

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/paedophile_priester_in_dublin_von_der_hierarchie_geschuetzt_1.4070247.html


Diakone klagen über «perfiden Machtmissbrauch»


Affäre in Rummelsberg: Wusste Landeskirche von den Vorgängen? – Kritik an angeblich hoher Abfindung

RUMMELSBERG – Missbrauchs-Opfer des einstigen Chefs der Rummelsberger Anstalten, Karl Heinz Bierlein, sind empört über angebliche Pläne der evangelischen Landeskirche, an ihren früheren Chef eine hohe Summe zu zahlen. Zwei Jahre nach den Taten schildern junge Diakone ein «perfides System sexueller Belästigung».

Das jetzt bekannt gewordene Vorhaben des Münchner Landeskirchenamtes, sich mit der Zahlung von bis zu 300.000 Euro an Bierlein still aus der Affäre zu ziehen, kritisieren junge Diakone heftig.

Gehalt wird bis heute gezahlt

Bierlein, bis dahin ein mächtiger Spitzen-Repräsentant der deutschen Diakonie, hatte im Dezember 2007 seinen sofortigen Rücktritt erklärt, nachdem Diakonen-Schüler die Vorgänge in Rummelsberg bei der Polizei angezeigt hatten. Die Landeskirche verbot ihm, sein Amt als Pfarrer weiter auszuüben, zahlt ihm aber bis heute ein – reduziertes – Gehalt.

Ein halbes Jahr später akzeptierte der heute 58-jährige Bierlein einen Strafbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung über eine elfmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldbuße in Höhe von 10.000 Euro. Er ist damit vorbestraft. Der Fall hatte tiefe Bestürzung ausgelöst.

Körperliche Misshandlungen

In der Gerichtsentscheidung heißt es, der prominente Diakonie-Manager habe sich «unter dem Vorwand, einen Test zum Thema ,Autorität‘, ,Körper‘ oder ,Schmerzgrenzen‘ durchzuführen, von den jungen Männern die Einwilligung zu körperlichen Misshandlungen erschlichen». Die angeblichen wissenschaftlichen Experimente dienten, so die Justiz, Bierlein aber «ausschließlich dazu, sich sexuell zu erregen oder homosexuelle Phantasien zu befriedigen».

Der frühere Chef in Rummelsberg, einst Herr in einem Sozial-Konzern über 6000 Beschäftigte, hatte stets nur ein «seelsorgerliches Versagen» gegenüber seinen Untergebenen eingeräumt. Von einem Schuldeingeständnis ist er weit entfernt. Heute ist Karl Heinz Bierlein wieder in ähnlicher Position in einem großen diakonischen Werk mit Sitz im Rheinland tätig, das Heime in mehreren Bundesländern betreibt.

Seine Opfer und hochrangige Verantwortliche der Rummelsberger Diakonen-Brüderschaft haben jetzt erfahren, dass das Landeskirchenamt in München Bierlein eine hohe Abfindung bezahlen will. Im Gegenzug soll sein Dienstverhältnis mit der Landeskirche für beendet erklärt werden. Ein kirchliches Disziplinarverfahren, das derzeit läuft, wäre damit vom Tisch.

«Alles vertraulich»

«Es gab schon Gespräche in München, an denen Bierlein, Landesbischof Johannes Friedrich und hohe Vertreter der Rummelsberger Brüderschaft teilgenommen haben», sagte ein Insider, «die Pläne sind bis in juristische Details ausgearbeitet. Der Fall soll jetzt offensichtlich still und leise aus der Welt geschafft werden.» Man habe schon überlegt, aus welchem Titel im Kirchen-Haushalt die Mittel abgezweigt werden können.

Johannes Minkus, Sprecher der Landeskirche, wollte sich wegen des noch «laufenden Verfahrens» dazu nicht äußern. Auch zu Angaben von Opfern, die Kirche habe Hilferufe ignoriert, längst bevor der Skandal durch die polizeilichen Ermittlungen bundesweite Empörung ausgelöst hatte, wollte Minkus nichts sagen. «Das ist alles vertraulich.»

«Wir können da nichts machen»

Gegenüber den NN sagte ein junger Diakon, der unter Bierlein zu leiden hatte: «Als mir klar wurde, dass in Rummelsberg ein massiver sexueller Missbrauch abläuft, wandte ich mich an die zuständige Stelle der Kirche in München.» Als die zuständige Mitarbeiterin erfuhr, wer da beschuldigt wird, habe es geheißen: «Wir können da nichts machen.» Er sei erschüttert, dass die Kirche nun mit Zahlung der hohen Summe nun offenbar einen Schlussstrich ziehen will.

Dem jungen Mann fällt es bis heute sichtlich schwer, über den Missbrauch durch seinen früheren Chef zu reden. Insgesamt sind 28 Opfer namentlich bekannt. «Es gibt aber noch mehr», versichert ein Vertrauter, «die wollen nur nicht, dass ihre Namen bei der Landeskirche bekannt werden.»

Sie befürchten Nachteile oder schämen sich. Seit Anfang 2006, so die Schilderungen Betroffener, habe Bierlein sie mit geschickten Täuschungen, gönnerhaften Vertraulichkeiten, körperlichen Annäherungsversuchen, fein gesponnenen Intrigen oder auch verstörenden Liebeserklärungen in die Falle gelockt.

«Eiskalte Planung»

Dabei informierte er von seinem «Projekt» durchaus auch Außenstehende an verantwortlicher Stelle, blieb aber vage und verpflichtete alle zur Verschwiegenheit. Die Beteiligten sprechen von «perfidem Machtmissbrauch» und «eiskalter Planung», die Bierlein an den Tag gelegt habe. Während ihr Peiniger auf Veranstaltungen wieder Reden hält und offen Applaus bekommt, werden die Opfer von der Kirche hingehalten – so empfinden das die Diakone.

von Michael Kasperowitsch

Quelle:

http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1116391&kat=120


Offenbarungseid amerikanischer Katholiken


Von Hannes Stein 31. Oktober 2009

Mehrere Diözesen melden nach Zahlungen an Missbrauchsopfer Insolvenz an – Kritiker: Nur ein Trick

New York – Der Erzbischof von Baltimore ist traurig. “Aufgewühlt und betrübt” habe ihn die Nachricht, dass kürzlich die benachbarte Diözese von Wilmington ihre Insolvenz angemeldet hat, teilte Hochwürden Edwin Frederick O’Brien in einer Erklärung im Internet mit. Seine “Solidarität und Unterstützung” gelte “unseren katholischen Brüdern und Schwestern in der Diözese Wilmington und allen, die von dieser schmerzlichen und unglückseligen Entscheidung betroffen sind”. Im Übrigen weist der Erzbischof auf seine “lang anhaltenden und weitergehenden Bemühungen” hin, “den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und andere, die unsere Kirche repräsentieren, Heilung zu bringen”.

Die Diözese Wilmington liegt in den Bundesstaaten Delaware und Maryland an der Ostküste der Vereinigten Staaten und betreut insgesamt 230 000 Katholiken. Sie ist beileibe nicht die erste katholische Gemeinschaft in den USA, die nach “Kapitel 11″ des amerikanischen Insolvenzrechts ihren Bankrott erklärt hat. Ihr gingen voraus: Davonport in Iowa, Fairbanks in Alaska, Portland in Oregon, San Diego in Kalifornien, Spokane in Washington und Tucson in Arizona. All diese Diözesen mussten den Offenbarungseid leisten, weil die Schadensersatzforderungen jener Männer und Frauen, die als Kinder von katholischen Würdenträgern sexuell missbraucht wurden, das Budget gesprengt haben.

Vielleicht war die Pleite in jedem Fall redlich erworben, vielleicht war sie aber auch betrügerisch. Betrübt ist deshalb nicht nur der Erzbischof von Baltimore. “Die Arroganz der Diözese bei den Verhandlungen habe ich in keiner anderen Art von Verhandlung erlebt, die ich je hatte”, sagte Robert Jacobs, einer der Opferanwälte. Die Berufung auf “Kapitel 11″ kam – Zufall oder nicht? – zu einem extrem günstigen Zeitpunkt: just am Vorabend eines Prozesses, der die Diözese gezwungen hätte, auch über Fälle Rede und Antwort zu stehen, die schon sehr lange zurückliegen. Dazu muss man wissen, dass das amerikanische Insolvenzrecht sehr viel milder ist als das in den meisten europäischen Ländern. Wer nach “Kapitel 11″ pleitegeht, behält meist die Kontrolle über seine Firma; der Betrieb wird nicht liquidiert, sondern nur unter Gerichtsaufsicht neu organisiert. Dahinter steht die Idee, dass eine bankrotte Firma, die weiterarbeitet, eher imstande ist, die Forderungen ihrer Gläubiger zu erfüllen.

Kritiker wenden hingegen ein, dass “Kapitel 11″ unfähigen Managern erlaubt, mit einem blauen Auge gerade noch davonzukommen. Bartholomew J. Dalton, der einer Anwaltskanzlei angehört, die mehr als 50 Missbrauchsopfer repräsentiert, geißelte die katholische Amtskirche von Delaware mit scharfen Worten: “Die Diözese von Wilmington hat ihren Bankrott nur aus einem einzigen Grund erklärt: Um Hunderte von Verhandlungen wegen Kindesmissbrauchs im gesamten Bundesstaat zum Stillstand zu bringen. Es handelt sich um einen kalkulierten und verwerflichen legalen Trick, der Opfer von sexuellem Missbrauch um die Chance bringt, vor Gericht auszusagen. … Einfach ausgedrückt, hat dieser Antrag nichts mit Geld zu tun, aber alles mit Geheimniskrämerei.”

Freilich: Opferanwälte sind keineswegs objektiv, auch sie vertreten und haben handfeste Interessen. Bischof W. Francis Malooly, der Hirte der Diözese von Wilmington, sagte im Gegensatz zu den Anwälten, die Bankrotterklärung sei die beste Möglichkeit gewesen, Versöhnung mit den (und Entschädigung für die) Opfer sexuellen Missbrauchs zu bewirken: “Uns wurde in unseren Verhandlungen klar, dass die Sache mit der Summe, die von früheren Opfern verlangt wurde, und der Endsumme, die uns zur Verfügung stand, nicht funktionieren würde.” Seine Diözese hatte mit ungefähr einem Dutzend Opfern verhandelt, acht von ihnen hatten schon Termine vor Gericht vereinbart. Insgesamt mehr als 100 Missbrauchsopfer verlangen zudem außergerichtlich eine finanzielle Entschädigung.

Es geht um schwindelerregend hohe Summen: Seit dem Jahr 2002 hat die Diözese mehr als 6,2 Millionen Dollar an acht Opfer bezahlt, ihre Versicherung deckte nur einen Bruchteil davon ab. Nachdem die Diözese ihre finanziellen Verhältnisse offenlegen musste, wurde klar, dass sie über Aktivposten im Wert von 50 bis 100 Millionen Dollar verfügt. Die Kläger aber wollen zwischen 100 und 500 Millionen Dollar sehen. Und es geht immer weiter. Ständig werden in Amerika katholische Gemeinden von ehemaligen Missbrauchsopfern zur Kasse gebeten. Die Diözese von Belleville im Bundesstaat Illinois etwa hat gerade einem ehemaligen Messdiener, der vom Gemeindepfarrer sexuell belästigt wurde, 1,2 Millionen Dollar gezahlt.

Am Ende wird sich womöglich nur eine Frage stellen: ob Teile der katholische Kirche in den USA ihren finanziellen oder nach “Kapitel 11″ ihren moralischen Bankrott anmelden.

Quelle:

http://www.welt.de/die-welt/politik/article5034667/Offenbarungseid-amerikanischer-Katholiken.html


Kirchenbankrott verzögert Missbrauchsprozess


Basler Zeitung…

Nach dem Konkurs eines katholischen Bistums in den USA müssen mehrere Prozesse wegen sexuellen Missbrauchs verschoben werden.

Die «schmerzliche Entscheidung», Konkurs anzumelden, sei nach eingehender Überlegung getroffen worden, um bei begrenzten Mitteln alle Opfern des sexuellen Missbrauchs durch Priester gerecht zu behandeln, erklärte der Bischof der Diözese Wilmington, Francis Malooly, am Sonntag in Annapolis. Das Bistum mit 230′000 Katholiken in den US-Staaten Maryland und Delaware ist bereits die siebte Diözese, die sich für zahlungsunfähig erklärt, seit die Serie von Missbrauchsskandalen vor sieben Jahren in Boston begann.

Die Entscheidung bedeutet, dass der für Montag angesetzte erste von zunächst acht Prozessen verschoben werden muss. In den Zivilprozessen geht es um Schadensersatzforderungen von Opfern sexueller Gewalt. Insgesamt wurden mehr als 100 solcher Klagen eingereicht, nachdem ein neues Gesetz in Delaware für die Dauer von zwei Jahren die Verjährungsfrist bei solchen Straftaten ausgesetzt hatte.

Klägeranwalt Thomas Neuberger kritisierte die Konkursanmeldung des Bistums. Damit versuche das Bistum, sich um seine Verantwortung zu drücken und «die Wahrheit vor der Öffentlichkeit zu verbergen». Es sei nun zu befürchten, dass kranke und ältere Kläger, die teilweise schon im Alter von acht Jahren von Priestern missbraucht worden seien, keine Gerechtigkeit mehr erfahren würden.

Quelle:

http://bazonline.ch/ausland/amerika/Bistum-ist-pleite–kurz-vor-Prozessen-wegen-sexuellen-Missbrauchs/story/11240776

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Frankfurter Rundschau…

Flucht in den Konkurs

Von Dietmar Ostermann
Dies sei “eine schmerzliche Entscheidung. Ich habe gehofft und gebetet, sie nie treffen zu müssen. Nach eingehender Überlegung bin ich aber überzeugt, keine Wahl zu haben, als Gläubigerschutz nach Kapitel 11 zu beantragen.”

Mit diesen Worten hat Bischof Francis Malooly die rund 230.000 Seelen des katholischen Bistums Wilmington im US-Staat Delaware über jenen dramatischen Schritt informiert, mit dem er seinen Sprengel zu retten versucht. Malooly ist in den USA schon der siebte Bischof, dessen Diözese sich im Zuge des Missbrauchs-Skandals in den Gläubigerschutz rettet. Das traditionsreiche Bistum Wilmington, dem auch Vizepräsident Joe Biden angehört, ist das erste an der Ostküste, dem unter der Last der Entschädigungsforderungen von Opfern priesterlichen Missbrauchs der finanzielle Ruin droht.
Laut Gerichtsakten hat der Sprengel von Bischof Malooly bei einem geschätzten Vermögen von 100 Millionen Dollar schon jetzt Verbindlichkeiten von etwa 500 Millionen Dollar angehäuft – und seit Montag rollt eine neue Prozesswelle. Ein Gesetz hatte die Verjährungsfrist ausgesetzt, und in der Folge gingen gegen das Bistum 131 neue Missbrauchsklagen ein. Die erste, gegen den entlassenen Priester Francis DeLuca, wird seit Montag verhandelt. Ein heute 57 Jahre alter ehemaliger Altarjunge wirft dem Ex-Priester vor, ihn vor Jahrzehnten sexuell misshandelt zu haben. Allein gegen DeLuca, der 35 Jahre lang im Dienste der Diözese stand, liegen 20 weitere Klagen vor.
Gläubigerschutz nach Kapitel 11 soll in den USA überschuldeten Unternehmen eine Chance für den Neubeginn geben. Prominente jüngste Beispiele sind General Motors und Chrysler. In Wilmington aber hat die dunkle Vergangenheit nun das Bistum von Francis Malooly eingeholt. Dabei amtiert der 65-jährige Bischof erst seit einem Jahr in der Cathedral of Saint Peter. Zwar stammt Malooly, der im nahen Baltimore geboren wurde, aus einer katholischen Priesterfamilie. Sein Onkel, selbst Bischof, hatte ihm einst die Priesterwürde verliehen. Mancher in Wilmington aber hoffte mit seiner Ankunft auf einen Neuanfang, nachdem der Missbrauchs-Skandal für die 1869 gegründete Diözese zur schwersten Krise ihrer Geschichte geworden war.
Doch der Konkursantrag legte die alten Wunden wieder bloß. Er hoffe, der Schritt möge eine faire Entschädigung der Opfer erlauben, begründete der Bischof seine Entscheidung. Sonst wären diejenigen, deren Klage zuletzt behandelt würde, voraussichtlich leer ausgegangen. Opferanwälte wie Irwin Zalkin indes kritisierten umgehend, die Kirche wolle sich mit dem Gang zum Konkursrichter vor der Verantwortung und einer vollen Entschädigung drücken.

Quelle:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2025263_Portraet-Flucht-in-den-Konkurs.html

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Juridicum Journal…

Kirchenbankrott verzögert Missbrauchsprozess

Die katholische Kirche in den USA sieht sich weiter mit Klagen wegen sexuellem Missbrauchs durch ihre Priester konfrontiert. In Delaware wird der Beginn eines solchen Prozesses durch den Bankrott der Diözese verzögert.


Über 100 Klagen wegen sexueller Belästigung durch katholische Priester erschüttern das Bistum Wilmington im US-Bundesstaat Delaware nicht nur moralisch, sondern auch finanziell. Kurz vor Beginn eines Prozesses, in dem die ersten acht Kläger ihre Ansprüche geltend machen wollten, meldete die Diözese nun Insolvenz an (09-13560-CSSUS Bankruptcy Court, District of Delaware). Anwälte der Opfer befürchten eine Verzögerungstaktik.

Verjährung vorübergehend ausgesetzt

Grundlage für die meisten der Klagen ist ein Gesetz des Bundesstaates, in dem die Verjährungsfrist für Zivilklagen wegen sexueller Belästigung vorübergehend ausgesetzt wurde. Gemäß Article 10 § 8145 des Delaware Code bestand ab Juli 2007 ein zweijähriges “Fenster” zur Einbringung von eigentlich bereits verjährten Ansprüchen. Gleichzeitig wurde die Verjährung für sexuelle Belästigung von Minderjährigen durch Erwachsene für künftige Fälle generell abgeschafft.

Bis dahin waren die Verjährungsfristen zivilrechtlicher Ansprüche eng gesetzt. Ab dem Zeitpunkt der Verletzung (bzw bei minderjährigen Opfern ab Erreichen der Volljährigkeit) hatte das Opfer zwei Jahre Zeit, um diese geltend zu machen. Ausnahmen bestanden nur für Verletzungen, die man an sich nicht vorher kennen konnte (inherently unknowable). Diese Ausnahme wurde von den Gerichten eng ausgelegt. Jedoch wurde unlängst erstmals von einem staatlichen Gericht in Delaware Unterdrückung der Erinnerung (memory supression) als mögliches Hemmnis der Verjährung in Betracht gezogen – in einem Prozess, in dem auch die Diözese Wilmington Beklagte war (Eden v Oblates, Sup Court of Delaware).

Einhundert Klagen und ein vorübergehendes Ende

Mittlerweile ist das Bistum nach eigenen Angaben mit 131 Klagen konfrontiert, von denen 30 im Wege außergerichtlicher Einigungen beigelegt werden konnten. Am Montag, dem 19. Oktober sollte in einem ersten Prozess acht der übrigen Klagen verhandelt werden. Nur einen Tag davor gab Bischof Malooly in einer Aussendung bekannt, dass die Diözese Insolvenz (Chapter 11 Bankruptcy Code) angemeldet hat. Dies hat den vorübergehenden Stopp der Zivilprozesse zur Folge.

Es gehe dabei, betont Malooly, nicht um Verzögerung, sondern um den Schutz der Ansprüche aller Opfer. Die Vergleichsverhandlungen seien gescheitert, weil die Diözese befürchtet hatte, bei zu hohen Zahlungen könnten andere Ansprüche unbefriedigt bleiben. Darüber hinaus sei die Kirche aber nicht nur zu den Schadenersatzzahlungen moralisch verpflichtet, sondern ebenso zur Aufrechterhaltung der gemeinnützigen Arbeit des Bistums. Um das Fortbestehen der Diözese nicht zu gefährden, sei der Schutz durch ein Chapter-11 Verfahren notwendig.

Bereits siebente Diözese im Insolvenzverfahren

Thomas Neuberger, Anwalt auf Seiten der Kläger, kritisierte in einer Stellungnahme den Schritt der Diözese. Dies sei nur der jüngste Schritt in einer langen Reihe von Versuchen, die Aufklärung der Verantwortung der Kirche in diesen Fällen von sexuellem Missbrauch zu behindern und außergerichtliche Einigungen zu erzwingen. Eines der Opfer in dem nun zu behandelnden Fall, ein ehemaliger Ministrant (altar boy) suchte bereits beim Konkursgericht aufgrund seines sich verschlechternden gesundheitlichen Zustandes um den planmäßigen Beginn der Verhandlung an.

Alleine in den letzten Jahren zahlte die Kirche in den USA mehrere hundert Millionen Dollar in außergerichtlichen Einigungen sowie nach erfolgreichen Klagen wegen sexueller Belästigung durch katholische Priester. Vor Wilmington haben bereits sechs andere Bistümer Insolvenz bzw Bankrott gemeldet: Das erste war Portland (Oregon), das größte San Diego (Kalifornien).

Quelle:
http://journal.juridicum.at/?c=144&a=2279


Schweigemarsch für Missbrauchsopfer in Irland


Dublin (AFP) — Tausende Menschen haben in Irland mit einem Schweigemarsch an die Missbrauchsopfer in Schulen und Kinderheimen der katholischen Kirche erinnert. Die Demonstranten trugen weiße Bänder und stellten symbolisch Kinderschuhe vor dem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Dublin ab. Angeführt wurde der Zug von vier Überlebenden, die “in Erinnerung an die Lebenden und die Toten” zwei weiße und zwei schwarze Kränze vor dem Leinster House niederlegten. Die Polizei sprach von 7000 Demonstranten, die Zeitung “The Irish Times” von bis zu 15.000 Teilnehmern.

In einer Petition forderten die Veranstalter “Gerechtigkeit, Rechenschaft und Wiedergutmachung für die unvorstellbaren Verbrechen, die an den Kindern unseres Landes verübt wurden”. Der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin nahm nicht an dem Schweigemarsch teil, weil er nach eigenen Angaben zur gleichen Zeit bei einem Treffen katholischer Bischöfe zum sogenannten Ryan-Bericht war.

Der Bericht über die Qualen von Mädchen und Jungen in Schulen, Kinderheimen und anderen Erziehungseinrichtungen der katholischen Kirche hatte Irland im Mai erschüttert. Prügel und der sexuelle Missbrauch vor allem von Jungen waren demnach in diesen Häusern seit den 30er Jahren an der Tagesordnung. Die Studie wirft Kirche und Staat in Irland vor, die Augen vor den Zuständen in den Heimen verschlossen zu haben.

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Das ZDF hat im heute-journal am 10.06.2009 um 21:45 Uhr ausführlich berichtet:

www.zdf.de/ZDFmediathek

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Möge es uns in Deutschland auch gelingen, gemeinsam auf die Straße zu gehenOpfer bekämen ein Stück ihrer Würde zurück und die Politiker müssten sich schämen, über das gesetzlich verordnete Schweigen.

Hoffnungsvolle Grüße

Norbert Denef


Klagerecht gegen den Vatikan wegen Pflichtverletzung


USA: Klagerecht gegen den Vatikan wegen Pflichtverletzung

Das Wall Street Journal (die Los Angeles Times und viele andere) berichten über die Entscheidung eines oberen US Berufungsgerichtes in Cincinnati, zugunsten von sexuellen Missbrauchsopfern katholischer Priester.

Es wird nun auch ein Klagerecht gegen den Vatikan wegen Pflichtverletzung eingeräumt. Staatsanwaltschaften und mehrere US Gerichte hatten festgestellt, dass die amerikanische und die vatikanische Kirchenorganisation ihnen bekannte Straftaten von Priestern nicht anzeigten, sondern sorgar versuchten zu vertuschen, um Täter aus der eigenen Organisation zu schützen.

Obwohl die betroffenen US-Bistümer inzwischen wahrscheinlich 3 Milliarden US $ Schadensersatz an die vielen Opfer der Priester gezahlt haben, wird durch diese Entscheidung nun auch die Möglichkeit eröffnet, den Vatikan vor US-Gerichte zu bringen. Möglicherweise wird der Vatikan beim Obersten US Gericht noch Berufung wegen “Staatsimmunität” einlegen.

Quelle: http://hpd.de/node/5860

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US federal appeals court has ruled that a lawsuit against the Vatican over claims it covered up decades of child sex abuse by priests can go ahead.

The case was filed by three men from Kentucky who say they were abused by clergy in their childhood.

It centres on a 1962 directive from the Vatican – made public in 2003 – which told church officials not to disclose sex abuse complaints against priests.

The US Roman Catholic Church has been plagued by a string of abuse scandals.

On a visit to the US earlier this year, Pope Benedict XVI criticised US bishops for their handling of the child sex abuse crisis, saying their response had sometimes been very poor.

In ruling the Kentucky lawsuit could go ahead, the Sixth US Circuit Court of Appeals upheld an earlier decision by a district judge.

Although the Vatican is largely protected from lawsuits, the court ruled that clergymen could be taken to court as part of their role as Roman Catholic Church employees.

Quelle: http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/7749153.stm


Glaubenskongregation – schwere Straftaten


Kongregation für die Glaubenslehre
Brief an die Bischöfe der ganzen katholischen Kirche und an andere Bischöfe und Hierarchen, die es angeht, über die der Glaubenskongregation vorbehaltenen schweren Straftaten…

  • Straftat gegen die Sittlichkeit, nämlich:

die von einem Kleriker begangene Straftat gegen das sechste Gebot des Dekalogs mit einem noch nicht 18jährigen minderjährigen Menschen.

Nur diese oben namentlich aufgezählten Straftaten sind der Glaubenskongregation als Apostolischem Gerichtshof vorbehalten. Wenn ein Bischof oder Hierarch auch nur vage Kenntnis von einer derartigen Straftat hat, muss er sie nach abgeschlossener Voruntersuchung an die Glaubenskongregation weitermelden, die, wenn sie nicht wegen besonderer Umstände den Fall an sich zieht, durch Weitergabe der entsprechenden Vorschriften dem Bischof beziehungsweise Hierarchen gebietet, durch sein je eigenes Gericht das weitere Verfahren führen zu lassen; das Recht zur Berufung gegen das Urteil ersten Grades, sowohl auf Seiten des Angeklagten und seines Verteidigers als auch auf Seiten des Kirchenanwalts, besteht allein beim Obersten Gericht dieser Kongregation.

Zu beachten ist, dass die Verjährungsfrist für eine Strafklage gegen Strafhandlungen, die der Glaubenskongregation vorbehalten sind, zehn Jahre beträgt. Die Verjährung läuft nach dem allgemeinen Recht ab; aber bei einer von einem Priester begangenen Straftat an einer minderjährigen Person beginnt die Verjährung erst mit dem Tag, an dem die Person das 18. Lebensjahr vollendet hat.

An den bei den Bischöfen eingerichteten Gerichtshöfen dürfen für diese Strafverfahren nur Priester die Ämter des Richters, des Kirchenanwaltes, des Notars und des Strafverteidigers gültig wahrnehmen. Sobald der Fall vor Gericht wie auch immer beendet ist, sind die gesamten Akten des Verfahrens möglichst rasch von Amts wegen an die Glaubenskongregation zu übermitteln. Alle Gerichte der Lateinischen Kirche und der Katholischen Ostkirchen sind verpflichtet, die Rechtsvorschriften zu den Straftaten und Strafen sowie zum Strafverfahren jedes der beiden Kirchengesetzbücher einzuhalten zusammen mit den besonderen Vorschriften, die von der Glaubenskongregation für den Einzelfall herausgegeben und vollständig zur Durchführung gebracht werden müssen. Prozesse dieser Art unterliegen der päpstlichen Geheimhaltung.

Durch diesen Brief, der im Auftrag des Papstes an alle Bischöfe der katholischen Kirche, an die Höheren Oberen der Priesterorden päpstlichen Rechts und der Priestergesellschaften apostolischen Lebens päpstlichen Rechtes und an andere Bischöfe und Hierarchen, die er angeht, gesandt wurde, sollen nicht nur schwere Straftaten generell vermieden werden. Er bezweckt darüber hinaus, dass Bischöfe und Hierarchen wachsame Seelsorge betreiben, um vor allem für die Heiligkeit der Priester und der Gläubigen Sorge zu tragen, auch mit Hilfe notwendiger Strafen.

Rom, am Sitz der Glaubenskongregation, am 18. Mai 2001.

+ Joseph Kardinal Ratzinger
Präfekt

+ Tarcisio Bertone S.D.B.
Sekretär

Quelle:

www.uni-tuebingen.de/kirchenrecht/nomokanon/quellen/023.htm


Papst sucht Schutz bei Bush


ROM – In Texas läuft ein Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Knaben. Und auf der Anklageliste sticht ein Name heraus: Joseph Ratzinger. Papst Benedikt XVI, der heutige Papst, wird in einem Zivilverfahren in Texas angeklagt…mehr

http://www.blick.ch/news/ausland/artikel24362

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Das Schweigen brechen – Sexuelle Gewalt in der Kirche


Podiumsdiskussion
Osnabrück, Fr., 23. Mai, 2008 um 11.00 Uhr Lutherkirche,
Miquelstr. 5, 49082 Osnabrück

mit
Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke, Hamburg
Prof. Dr. Mechthild Wolff, FH Landshut, Fachbereich Soziale Arbeit
Norbert Denef, Opfer sexueller Gewalt in der Kirche, Dreieich
Ute Theisen, Bundesvorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG)
Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer Initiative Kirche von unten (IKvu), Frankfurt/Main
Moderation, Britta Baas, Publik-Forum, Oberursel

- Veranstaltung im Rahmen des 97. Deutschen Katholikentages;
vorbereitet vom Ökumenischen Netzwerk »Initiative Kirche von unten«

Manuskript zur Podiumsdiskussion

Pressemeldungen:

23. Mai 2008

DERWESTEN – “Reden über sexuelle Gewalt in der Kirche”

Domradio – “Klare Worte zum Tabuthema”

Radio Vatikan – “Missbrauch nicht verschweigen”

Focus – Panorama – “Die Katholische Kirche gibt Fehler bei Missbrauchsfällen zu”

WELT – ONLINE – “Bischof sieht Versäumnisse der Kirche”

www.katholisch.de

24. Mai 2008

Stuttgarter Zeitung – “35000 Christen und ein Fluss Namens Hase”

Kieler Nachrichten – “Die Kirche muss sich schämen”

www.katholikentag.de