Missbrauch am Ako: Eine Mahnwache für die Opfer


General-Anzeiger 30.06.2010

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bad Godesberg. Engelbert Decker ist die Anspannung anzumerken. Zum ersten Mal tritt der bekannte Mediziner namentlich als Betroffener des Missbrauchsskandals am Aloisiuskolleg (Ako) auf. Mit zwei Vertreterinnen der US-amerikanischen Snap-Gruppe, der vor 22 Jahren gebildeten Organisation für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester, vertritt Decker am Mittwochmorgen vor der Ako-Haupttreppe die Bonner Betroffenengruppe “Eckiger Tisch” bei einer Mahnwache.

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Peter Isely von SNAP am 17.06.2010 in Berlin


Gerade aus Rom und im Anschluss aus Wien kommend, war Peter Isely von SNAP (www.snapnetwork.org) am 17.06. in Berlin, wo Eva Becker von NetzwerkB Gelegenheit hatte, mit ihm zu sprechen.

Peter Isely ist Betroffener und gleichzeitig Psychotherapeut Betroffener.
In der aktiven Auseinandersetzung mit der Kirche – zuletzt jetzt gerade mit dem Erzbischof von Wien, Kardinal Schönborn – begegnet Isely seinen Ansprechpartnern auf theologischer Augenhöhe.
Gleichzeitig versucht Isely, als Therapeut den Menschen im Kirchenmann zu erreichen – denn es geht um die für die psychische Gesundheit notwendige tägliche, ständige innere Entscheidung für das Gute – eine Entscheidung, die sich genau so auch jedem Kirchenmann stellt, und das muss wieder in sein Bewußtsein  gebracht werden.
Im Missbrauch untergräbt ein Priester die Idee und den Sinn der Kirche.

Ich bat Isely, mir für die Betroffenen von NetzwerkB die Frage zu beantworten, ob seiner Erfahrung nach Heilung der Folgen sexuellen Missbrauchs möglich ist? “Ja”, meint Isely. Ob er selbst frei sei von quälenden Erinnerungsträumen? “Ja.” Ist es notwendig, dem Täter zu vergeben, um zu heilen? Isely verneint das ganz entschieden und wendet sich explizit gegen die therapeutische Strömung, die das Gegenteil behauptet.
Isely sagt auch: “Missbrauch beginnt, wo das “Nein” nicht respektiert wird.” Das gilt für jedes “Nein”, betont er.

Die sieben Stunden intensiven Gesprächs mit Isely, der Witz, Bildung, Herzenswärme und große Intelligenz in sich vereinigt, sind nicht in einem kurzen Bericht zu komprimieren; aber auf jeden Fall lassen sie mich wünschen, dass SNAP bald auch in Berlin einen blühenden Ableger haben möge.
Was die aktuellen interessanten Aktivitäten von SNAP in Rom und in Wien vor dem Stefansdom betrifft, können englischsprachige Leser sie hier detailliert verfolgen: http://www.snapnetwork.org/snap_press_releases/releases_index.htm.

Ansonsten grüßt Peter Isely Norbert Denef und NetzwerkB herzlich. Isley sagte, er bewundere Norberts Arbeit und verfolge sie mit größtem Interesse. Er lerne viel daraus und freue sich, mit NetzwerkB in der gemeinsamen Arbeit für Aufklärung und Prävention sexuellen Missbrauchs über Kontinente hinweg verbunden zu sein.

Peter Isely ist Gründungsmitglied von SNAP, war erster
Vorstandsvorsitzender und lange Zeit SNAP-Direktor für den Mittleren
Westen.
Er ist Absolvent der Harvard Divinity School und
Psychotherapeut mit eigener Praxis.
Isely gründete und leitete mehrere Jahre das weltweit einzige
stationäre psychiatrische Programm für erwachsene Überlebende von
sexuellem Missbrauch durch Kleriker im Rogers Memorial Hospital,
Oconomowoc, Wisconsin, USA.

SNAP ist die größte und aktivste internationale Organisation von Menschen, die
von religiösen Autoritätsfiguren (Priestern, Bischöfen, Diakonen, Nonnen
und anderen) missbraucht wurden. SNAP ist unabhängig und nicht mit der
Kirche oder Kirchenautoritäten verbunden. SNAP ist eine Selbsthilfegruppe Betroffener, mit dem Ziel, einander zu helfen und zu heilen.


Pressemitteilung: Täter werden kostenfrei in Regensburg therapiert – Missbrauchs-Opfer stehen im Regen: Betroffene von sexualisierter Gewalt klagen an


Statement von SNAP, dem internationalen Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester (www.snapnetwork.org) und netzwerkB, dem Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt zu den Berichten über eine neues kostenfreies Angebot zur Therapie von pädophilen Tätern:

„Wie viel Geld hat die bayerische Staatsregierung in den letzten Jahren für die für ihr Leben gezeichneten und geschädigten Überlebenden sexualisierter Gewalt ausgegeben?“, fragt SNAP.

„In was für einem Staat und Gesellschaft leben wir, die mehr Geld für Täter ausgibt und zwielichtige Programme betreibt, während die Opfer auf sich alleine gestellt sind?“

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Offener Brief: Betroffene ausgegrenzt? Fragen an Verantwortliche


Katholische Kirche – wohin?

Aktuelles Forum über Macht, Moral und Missbrauch in der Kirche

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Was sagen die Opfer zum Runden Tisch? Täter dabei, Betroffene ausgegrenzt


DAtum: 23. April 2010

PRESSEINFORMATION

Berlin, den 23. April 2010

Zur konstituierende Sitzung des Runden Tisches gegen Kindesmissbrauch erklärt Miguel Abrantes Ostrowski, ein Sprecher von SNAP-Deutschland:
≥Der Runde Tisch ist eine total verwässerte Veranstaltung. Er greift niemanden an, noch hilft er irgendjemand.„

≥Geschickte und mächtige Vertreter der katholischen Kirche haben dafür gesorgt, dass andere Gruppen einbezogen werden, obwohl diese nicht sexuelle Gewalt und Verbrechen gegen Kinder verschwiegen, vertuscht und verheimlicht haben.„

≥Welche Kompetenz sitzt am Runden Tisch? Der Heimkinderbund, der Weiße Ring, Anwälte, der Kinderschutzbund, Psychologen, das Olympische Komitee … alles Verbände die sich sehr wichtig nehmen! Dazu kommen 17 Bundes-, Landesminister und MdBs, so dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass es sich um einen unendliche tagenden Debattenklub handelt, der dafür sorgt, dass alles im Sande verläuft. Diese Leute werden keine Universallösung für jegliche Form von sexuell motivierten gewaltsamen Übergriffen und Verbrechen finden, sondern einfach nur reden, reden, reden …„

≥Tatsache ist jedoch, dass kein/e Vertreter/in der Opfer am Tisch sitzt, obwohl gerade das Bewusstsein für die Perspektive und das Leid der Opfer gestärkt werden muss!„

≥Doch es sitzen gleich drei Vertreter der katholischen Bischöfe und Orden am Runden Tisch, darunter der Chef-Lobbyist der deutschen Bischöfe und der Chef der deutschen Jesuitenordens.„

≥Die Regierung sollte die Vertuschungen der katholischen Kirche untersuchen, und vorher nicht mit der katholischen Kirche über Prävention und Aufklärung sprechen„

Die Opfer von sexualisierter Gewalt fordern:
a) Ein Recht auf Hilfe bei der Bewältigung von Gewalt wie darauf folgendem Trauma (bisher nur freiwillige Leistungen der Jugendhilfe per Gesetz).

b) Keine billigen ˆ da kostenneutralen ˆ Entschuldigungen, sondern angemessene Entschädigungen der Opfer.

c) Die Täter sowie der Mitwisser und Vertuscher müssen bestraft werden! Der Gerichtsbarkeit darf sich keiner entziehen. Das juristische Recht des Staates muss ˆ auch von der katholischen Kirche akzeptiert werden, denn das Staatsrecht steht in unserem Rechtsstaat über dem Kirchenrecht.

Miguel Abrantes Ostrowski, ein Sprecher von SNAP Deutschland, ist betroffener Absolvent des Aloisiuskollegs in Bonn und Autor des Buches “Sacro Pop – Ein Schuljungen-Report”.
__________________________

Mitglieder des Runden Tisches:

http://de.wikipedia.org/wiki/Runder_Tisch_gegen_Kindesmissbrauch

Interview mit Miguel Abrantes Ostrowski, Sprecher von SNAP Deutschland:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1169112/


Betroffene fehlen am „Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch“ – netzwerkB kritisiert


Pressemitteilung

„Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, lädt bereits im April unter Beteiligung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan zur ersten Sitzung des Runden Tisches gegen Kindesmissbrauch ein. Das Gremium soll Antworten auf drei Kernfragen finden:

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WARNUNG vor Kirchen-Hotline


Datum: 31.März 2010
WARNUNG vor Kirchen-Hotline ˆ Opfer von sexuellem Missbrauch sollten der deutschen Kirche nicht trauen

Statement von Barbara Blaine, Präsidentin von SNAP – Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester (www.snapnetwork.org):

≥Wir fordern die Opfer auf diese Telefon-Hotline NICHT zu nutzen, zum eigenen Wohlbefinden und dem anderer.

Unserer Erfahrung nach versucht die Kirche mit diesem Mechanismus die Verbrechen intern zu handhaben und geheim zu halten, anstatt wirklich Kinder zu schützen und die Missbrauchten zu heilen.

Die Opfer sollten ihren Angehörigen, Therapeuten, Polizisten, Staatsanwälten und Selbsthilfegruppen von ihren Leiden zuerst erzählen, und sich nur an die kirchliche Hierarchie oder ihre Stellvertreter als letzten Ausweg wenden.

Oft, auch in diesen Tagen, wenn Amtsträger der Kirche von Sexualverbrechen durch Geistliche und der Vertuschung erfahren, fangen sie an, Beweise zu vernichten, drohen oder schüchtern Zeugen ein, erfinden Ausreden erfinden und versetzen Missbrauchs-Täter. Missbrauch sollte bei unabhängigen Fachleute in der Strafverfolgung angezeigt werden, nicht bei voreingenommen, ihren eigenen Interessen dienenden Kirchen-Mitarbeitern.

Ehrlich gesagt, es ist albern zu glauben, dass die gleichen geheimnisvollen, gefühllosen und rücksichtslosen Menschen (Bischöfe, Erzbischöfe, Kardinäle und der Papst), die schreckliche Verbrechen jahrzehntelang verheimlicht und ignoriert haben, wie magisch eine komplette Kehrtwende machen und sich nun aufrichtig interessieren für die Veröffentlichung dieser Verbrechen und den Opfern helfen wollen.

Warum wir uns da so sicher sind?
<www.bishop-accountability.org/news3/2002_07_09_Korber_HotlineSuit_Edward_Boyle_1.htm>

Wir appellieren an die Opfer zu reden, die Täter zu entlarven, Kinder zu schützen, die Übeltäter anzuzeigen und mit der eigenen Heilung zu beginnen …  aber wir appellieren an sie, vorsichtig zu sein und sich unabhängige Hilfe zu suchen, KEINE Amtsträger der Kirche.„

SNAP  ist seit 1988 die Stimme der Opfer von sexualisierter Gewalt und Missbrauch
SNAP (Survivors Network of those Abused by Priests) ist das Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester (www.snapnetwork.org) und hat 9000 + Mitgliedern in den USA und der ganzen Welt.
SNAP ist die größte und aktivste Unterstützungsgruppe von Menschen, die von religiösen Autoritätsfiguren (Priestern, Bischöfen, Diakonen, Nonnen und anderen) verletzt wurden. SNAP ist unabhängig und ist nicht mit der Kirche oder Kirchenautoritäten verbunden. SNAP ist für die Opfer eine Selbsthilfegruppe um einander zu heilen und zu helfen.

SNAP sitzt in Chicago. Bei SNAP vertreten die Opfer von sexuellem Missbrauch die Interessen der Opfer. Barbara Blaine, eine Sozialarbeiterin, ist SNAP-Gründerin und Präsidentin der Organisation.


Die Opfer organisieren sich


SPIEGEL TV 24.03.2010

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