Filmtipp: „Sturm“ und Diskussion mit medica mondiale


2. September 2010 18.00 bis 21.30 Uhr
Deutsche Welle Bonn, Kurt-Schumacher-Str. 3, 53113 Bonn

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Filmtipp: “Erlöse uns von dem Bösen”


“Erlöse uns von dem Bösen”

Film mit Podiumsdiskussion am 24.10.2010 im Kino am Kocher, in Zusammenarbeit mit dem Theater der Stadt Aalen

Beginn 17:00 Uhr, Podiumsdiskussion ab 18:45 Uhr

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Fernsehtipp: 26.07.2010 um 21:45 Uhr report München


DasErste.de report MÜNCHEN Das Politmagazin 26. Juli 2010 um 21.45 Uhr

Hinhalten statt helfen

Die vergessenen Missbrauchsopfer

Diesen Januar wurde es bekannt: Hunderte deutsche Internatskinder sind in den 70er und 80er Jahren sexuell missbraucht worden; einzelne oft jahrelang. Viele Opfer haben dann erstmals ihre Geschichte erzählt, in der Hoffnung Hilfe und ein Wort der Entschuldigung zu bekommen. Doch davon erleben sie wenig. report MÜNCHEN mit erschreckenden Recherchen zur erneuten Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen.

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Fernsehtipp: “Beckmann” am 26.04.2010


Wiederholungstermine der Sendung vom Montag, 26. April 2010

Dienstag, 27.04.2010 | 09:35 Uhr (MDR)

Dienstag, 27.04.2010 | 01:15 Uhr (rbb)

Freitag, 30.04.2010 | 10:15 Uhr (3Sat)


Buchrezension: Norbert Denef: „Ich wurde sexuell missbraucht“


Der Autor dieses Buches „Ich wurde sexuell missbraucht“ wurde im Alter von 10 bis 18 Jahren in den Jahren 1958 – 1964 von einem katholischen Pfarrer und danach bis 1967 von einem Kirchenangestellten regelmäßig missbraucht. Schwer traumatisiert schaffte er es erst 35 Jahre später, erstmals darüber zu sprechen. Heute betreibt er Öffentlichkeitsarbeit und gründet ein Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt: http://netzwerkb.org

Wie konnte es zu diesem Missbrauch kommen?

1.    Der erste Täter, Pfarrer Kamphusmann, war zum damaligen Zeitpunkt in Kirchenkreisen bereits wegen sexueller Delikte mit Kindern bekannt. Statt ihn vom Dienst zu suspendieren, hat man ihn aber immer wieder an andere Orte versetzt: von Halle nach Droyßig, Delitzsch, Nordhausen, Langenweddingen, Hecklingen, Wittenberg Peisteritz und Niedertiefenbach. Dies war und ist gängige Praxis innerhalb der Kirchen, sich eines Problems zu entledigen. Es kommt für die Kirchen nicht darauf an, ob jemand eine Straftat oder auch eine von den Kirchen verbotene Tat begangen hat, es kommt darauf an, ob diese Tat auch öffentlich bekannt wurde. Erst dann wird der Täter sein Amt verlieren. So lange seine Tat nur im engen Kirchenkreis bekannt bleibt, wird – außer Versetzungen – nichts unternommen. Dazu passt auch die ablehnende Aussage eines Pfarrers aus Delitzsch, den Herr Denef um Hilfe bat. Dieser Pfarrer antwortete ihm, er sei verpflichtet, Schaden von seiner Gemeinde fernzuhalten. „Ich will und kann Sie dabei nicht unterstützen.“

2.    Die Täter haben, bis auf eine Versetzung, kaum etwas zu befürchten. Die Straftat wird aufgrund des Kirchenrechtes nicht beim Staat angezeigt. Somit können die Täter unbekümmert an einem anderen Ort weitere Kinder missbrauchen. Die Opfer trauen sich nicht, darüber zu reden und eine Anzeige ist kaum zu befürchten.

3.    Die Kirchen setzen alles daran, diese Taten nach außen zu vertuschen. Ein idealer Nährboden für Straftaten! In dem vorliegenden Fall versuchte das Bistum Magdeburg, das Opfer mit einem Betrag von 25.000 € zum Schweigen zu bringen. Der Betrag sollte zurück gezahlt werden müssen, falls das Opfer die Schweigeklausel bricht.

4.    Kirchenhörige in der Gemeinde, die auf einen Missbrauchsfall aufmerksam werden, geben dem Opfer keine Unterstützung, da sie der Meinung sind, das würde ihrer Gemeinde schaden. Selbst Familienangehörige sind dann, wenn ihnen die kirchlichen Dogmen erfolgreich verinnerlicht wurden, nicht unbedingt bereit, zu helfen. So musste Norbert Denef die Erfahrung machen, dass sich seine Familie nach seinem Outing von ihm abwendete. Er musste sich anhören: “Du hast nun so lange geschwiegen, da hättest du für den Rest deines Lebens auch noch dein Maul halten können.”

5.    Insbesondere Kinder aus nicht so behüteten Elternhäusern scheinen ein leichtes Opfer für kirchliche Vertrauenspersonen zu sein. Zuneigung, die sie zu Hause nicht bekommen, erhalten sie von Personen in ihrer Kirchengemeinde. Insbesondere Priester / Pfarrer wissen schon durch die Beichte viel über die Lebensumstände dieser Kinder, über ihre Sehnsüchte und Wünsche, über die sie sich dann Zugang zu ihnen verschaffen. So schreibt auch der Autor des vorliegenden Buches: „Ich war 10 Jahre alt und stolz darauf, nun endlich Messdiener zu sein, … Am Morgen eines sonnigen Wochentages zelebrierte Pfarrer K. die heilige Messe. Nach dem Gottesdienst nahm er mich mit in seine Wohnung. …“ – Zum Kirchenangestellten: „Als begeisterter Chorsänger wurde ich freundschaftlich in den Kreis der Jugendlichen aufgenommen, die immer beim Kirchenangestellten ein- und ausgingen. Ich fühlte mich sehr wohl und glaubte ihm, zum ersten Mal in meinem Leben, in ihm einen richtigen Freund gefunden zu haben. Da er dafür gesorgt hatte, dass Pfarrer K. versetzt wurde, hatte ich volles Vertrauen zu ihm. …“

6.    Staatliches und öffentliches Desinteresse, Verjährungsfrist: Ein Kriminalbeamter, mit dem der Geschädigte nach der Verjährungsfrist über die sexuellen Übergriffe sprach, antwortete, der könne die Täter zwar anzeigen, aber viel Zweck würde das nicht haben. Norbert Denef wollte, nachdem er den sexuellen Missbrauch in seiner Familie bekannt gegeben hatte, auch öffentlich darüber sprechen können. Resigniert musste er aber feststellen: „Niemand hatte ein Interesse daran, dass ich mein Schweigen brach.“

7.    Trotz der traumatisierenden Erfahrungen können die Opfer auch langfristig von ihren Peiniger psychisch abhängig bleiben. Menschen neigen dazu, „in Zwangs- oder Abhängigkeitssituationen  ethisch bedenkliche Handlungsweisen von Autoritäten zu relativieren und eine Schutzhaltung für sich zu entwickeln. Dies gilt insbesondere für Familien“ – oder eben auch Kirchenkreise – „… in denen auch gewalttätiges Verhalten von den eigenen Angehörigen oft toleriert oder im Nachhinein abgestritten wird, um sich selbst nicht weiter in Gefahr zu bringen oder den eigenen Selbstwert nicht zu verlieren. … Die emotionale Nähe zum jeweils emotional stärksten Mitglied einer sozialen Gemeinschaft hängt eng mit dem Überlebenstrieb des Menschen zusammen und wird häufig auch nach dem  Ende einer solchen Beziehung unbewusst verdrängt.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom  So ist es zu erklären, dass sich Herr Denef noch Jahre später von seinem Peiniger hat trauen lassen.

Das Buch „Ich wurde sexuell missbraucht“ hat jetzt in einer Zeit, in der noch viele andere Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen bekannt geworden sind, eine besondere Bedeutung bekommen. Nach jahrzehntelanger Maulkorbpolitik sind nun auch mal die Medien bereit, über diese Problematik zu berichten und damit das Schein-Image der Kirchen als Moralapostel Nr. 1 in diesem Land bröckeln zu lassen.

Wie können die Kirchen heute noch so viel Gewalt ausüben, in der Zeit des Internets, wo wir alle doch so viele Informationen bekommen und hinreichend aufgeklärt sein sollten?

1.     Deshalb, weil sie einfach noch zu viel Unterstützung bekommen. Auch viele Geschädigte unterstützen die Kirchen noch mit ihren Steuern und mit ihrer Mitgliedschaft, die für unsere Politik ein Gradmesser dafür ist, dass es noch genug Menschen gibt, die wohl den Willen der Kirchen teilen und bei den nächsten Wahlen für die Partei stimmen, die am meisten Hand in Hand mit den Kirchen geht.

2.     Nach wie vor darf offenbar nicht über Sachverhalte gesprochen werden, die die Kirche in irgendeiner Weise in Frage stellen. Die drei großen „V“ – Verschweigen – Verleugnen – Vertuschen spielen dabei eine große Rolle.

Das ist das Einzige, wovor sich die Täter fürchten: Dass darüber gesprochen wird.

Alle Betroffenengruppen von kirchlicher Gewalt und Bevormundung sollten jetzt die Chance öffentlicher Aufmerksamkeit gemeinsam nutzen  – die Opfer von jahrelang vertuschter direkter Gewalt von Kirchenfunktionären innerhalb und außerhalb von Heimen, Priesterkindern und auch  andere Opfern der viel zu engen Staat-Kirche Politik, wie z.B. homosexuelle und transsexuelle Menschen, ungewollt kinderlose Paare, die sich wegen des so genannten deutschen Embryonenschutzgesetzes ihren Kinderwunsch im Ausland erfüllen müssen und auch Menschen, die in diesem Land trotz ihres starken Leidens keine Sterbehilfe bekommen.

Eine erste Gelegenheit zur Solidarität gibt es am 15. April 2010 in Berlin auf der Demonstration der Heimkinder aus kirchlichen Kinderheimen: „Jetzt reden wir“   http://jetzt-reden-wir.org/

Beate Turner


Fernsehtipp: “Maybrit ILLNER” – 11.03.2010 – 22.15 Uhr live im ZDF


“Maybrit ILLNER” – 11.03.2010 – 22.15 Uhr live im ZDF

“Moral predigen, Missbrauch dulden – wer stoppt die Scheinheiligen?”

Die GÄSTE:

  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Bundesjustizministerin
  • Bischof Stephan Ackermann, Bistum Trier, Sonderbeauftragter für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche
  • Stephanie zu Guttenberg, Präsidentin der Kinderschutzorganisation Innocence in Danger
  • Alice Schwarzer, Publizistin und Feministin
  • Miguel Abrantes Ostrowski, Missbrauchsopfer, ehemaliger Schüler am Bonner Aloisius-Kolleg
  • Am Pult: Professor Klaus Beier – der Sexualmediziner leitet an der Berliner Charité das bundesweit einzige Präventionsprojekt gegen Kindesmissbrauch

Buchtipp: Warum ich Pater Pierre getötet habe


Wer hat denn nun wirklich Recht? Die Hippies oder die Kirche?

Immer wieder dringen Berichte von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Geistliche der katholischen Kirche an die Öffentlichkeit. Letztes Jahr zahlte sogar die Diözese Kaliforniens Unmengen als „Abfindung“, um einer Sammelklage zu entgehen. Bei all diesen erschütternden Fällen mag man sich immer wieder fragen, wie es im Einzelnen dazu kommen konnte. Warum Eltern und andere Erwachsene nichts bemerkt haben, nichts bemerken konnten. Der Autor Olivier Ka wurde im Alter von zwölf Jahren von seinem „Freund und Kumpel“ Pater Pierre missbraucht. Bei Carlsen liegt sein letztes Jahr in Angoulême ausgezeichnete autobiographische Comic über diesen Vorfall nun auf Deutsch vor.

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Quelle:

http://www.satt.org



Buchtipp: Verlorene Kindheit-Jungen als Opfer sexueller Gewalt


Verlorene Kindheit. Jungen als Opfer sexueller Gewalt. (Broschiert)

von Nele Glöer (Autor), Irmgard Schmiedekamp-Böhler (Autor), Irmgard Schmiedekamp- Böhler (Autor)

Verlag: Kunstmann
ISBN-10: 3888970377
ISBN-13: 978-3888970375


Filmtip – Wenn einer von uns stirbt…


Der Kinostart am 19. November 2009
ist ein großer Schritt für den kleinen Film, der ganz vorsichtig und leise sexuellen Missbrauch thematisiert und zugleich ein Plädoyer dafür ist, die gesetzliche Verjährungsfrist bei Straftaten sexueller Gewalt abzuschaffen.

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*Teilnahme wurde abgesagt* Fernsehtipp: WDR west.art am 28. Februar 2010, 11.00 – 12.25 Uhr


WDR Fernsehen

west.art am sonntag, 28. Februar 2010, 11.00 – 12.25 Uhr

Am 18.02.2010 hatte ich für diese Sendung einen Vertrag unterschrieben – am 23.02.2010 wurde mir mitgeteilt:

“Wir müssen Ihnen leider Absagen, da Sie bereits am 24.02.2010 um 21:45 Uhr in der Sendung hart aber fair sind.”

Mehr zu dieser Sendung unter:

http://www.wdr.de/tv/westart/sonntag


Therapeut („der Diener”) – positive Erfahrungen


Hier können alle, die positive Erfahrungen in ihrer Therapie erlebt haben, Ihre/n Therapeuten/in die Liste eintragen.

Allgemeinbefinden, dass eine Therapie gelungen und erfolgreich war:

  • Wenn das Trauma in seinen fraktionierten Einzelteile (Gerüche, Bilder, Farben….) nicht mehr das  Allgemeinbefinden bestimmt und beeinflusst…
  • Akzeptanz und Integration des Missbrauchgeschehens, und deren resultierende Narben in die eigene Biographie
  • Annahme der inneren Kinder und die Fähigkeit, sie eigenständig zu hegen und zu pflegen
  • Sich wieder GANZ fühlen, die MITTE spüren
  • Im JETZT und GERNE leben

Um zu verhindern, dass ein(e) Betroffene(r) erneut Opfer wird, hier eine weitere Vorraussetzung zur Freigabe von Therapeutendaten.

Bedingungen:

Die Therapie sollte mindestens 5 Jahre zurückliegen.

Begründung:

Nicht alles ist gut, was angepriesen wird, denn die Idealisierung spielt auch hier eine große Rolle – manch eine/r merkt erst nach Jahren, dass sie/er vom TherapeutIn wieder missbraucht wurde und lobt ihn zuvor in höchsten Tönen.


Fernsehtip – “Sexobjekt Kind” NDR 45 Min 12.01.2010 um 22:30 Uhr


Jedes Jahr werden in Deutschland schätzungsweise 200.000 Kinder Opfer von sexueller Gewalt. Wie ist eine so hohe Opferzahl in einer Gesellschaft möglich, die doch den Schutz der Kinder für sehr wichtig hält?

Dieser Kern-Frage geht die erste Folge der neuen Dokumentations – Reihe „45Min“ im NDR fernsehen, am 12. Januar 2010 um 22:30 Uhr, nach. Auf seiner Spurensuche erhält NDR Autor Sebastian Bellwinkel Antworten, die belegen, dass Politik und Gesellschaft beim Schutz der Kinder an vielen Stellen versagen.

 Die Dokumentation „45Min – Sexobjekt Kind“ hinterfragt unser Strafrecht, zeigt auf, dass Sexualstraftäter im Gerichtsverfahren nicht von Gutachtern auf ihre Gefährlichkeit und Rückfallgefahr hin untersucht werden müssen. Die Folge: Täter erhalten im Strafvollzug meist keine Therapie. Das Gefängnis verlassen sie dann nach verbüßter Haftzeit als „tickende Zeitbombe“ – so schätzt es ein mehrfacher Kinderschänder in einem Interview mit „45Min“selbst ein.

Das Video zur Sendung:

http://www3.ndr.de/sendungen/45_min/missbrauch128.html


Fernsehtip – ZDF aspekte Freitag, 06.11.2009 23:30 Uhr


ZDF aspekte

Reise in Abgründe einer Familie

Berührender Dokumentarfilm über Kindesmissbrauch

Februar 96. Mechthild Schmitt kämmt sich die Haare und macht sich zurecht. Sie schluckt Tabletten und stirbt qualvoll. Die Familie ist erschüttert. Fragen stellt niemand. Nur Jan, dem jüngsten Sohn, lässt der Tod der Mutter keine Ruhe. Warum hat sie sich mit 53 Jahren vergiftet?

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Sing für mich Mutter – “Es geht um den indianischen Volksglauben, dass sexuelle Gewalt die Muttermilch vergiftet und folglich das gestillte Kind lebenslang am Schrecken der mütterlichen Erfahrung leidet.”


Sing für mich, Mutter

Peruanischer Siegerfilm der Berlinale: Claudia Llosas „Eine Perle Ewigkeit“ kommt ins Kino

Von Jan Schulz-Ojala

Auf Quechua war die Berlinale nicht vorbereitet. Die indianische Sprache wird zwar von Millionen Peruanern gesprochen, und die Hälfte der Dialoge des peruanischen Siegerfilms „La teta asustada“ ist in Quechua; für die Schlusszeremonie aber hatte das für sein Organisationstalent stets gerühmte Festival keinen des Quechua mächtigen Dolmetscher vorgesehen. Der Dank der jungen Regisseurin Claudia Llosa auf Englisch: kein Problem. Die ersten überschwenglichen Worte der eindrucksvollen Hauptdarstellerin Magaly Solier auf Spanisch: ebenso wenig. Dann aber wechselte sie in ihre Muttersprache, und der weltfamiliäre Kommunikationsfaden riss ab. Erst als Magaly Solier – nach kurzer, leidenschaftlicher Rede und einem zarten Lied – „Gracias!“ sagte, schaltete sich der Übersetzer erleichtert wieder zu. Danke!

Was aber hatte denen, die den Quechua-Text verstanden, die Augen feucht werden lassen an jenem denkwürdigen Februartag? Was hatte Magaly Solier ausgerufen? Die Berlinale hat das Rätsel dieses anrührenden Augenblicks bis heute auf sich beruhen lassen. Dafür helfen in Berlin lebende Peruaner mit der Übersetzung aus. „Zu allen Frauen in Peru und in der ganzen Welt, zu ihnen allen sage ich, sie sollen keine Angst haben, offen zu sagen, was sie fühlen und wenn etwas Schlimmes mit ihnen passiert ist.“

Ein feministisches Manifest, aber eines der leisen Art, herausgebrochen aus einer Erfahrung des Schmerzes. So wie „La teta asustada“ selbst, Claudia Llosas zweiter Film, der wörtlich und explizit am besten mit „Die verängstigte Brust“ übersetzt ist und nun unter dem reichlich lauen Titel „Eine Perle Ewigkeit“ ins Kino kommt. Es geht um den indianischen Volksglauben, dass sexuelle Gewalt die Muttermilch vergiftet und folglich das gestillte Kind lebenslang am Schrecken der mütterlichen Erfahrung leidet. Es geht, ohne dass dies im Film je verbalisiert würde, um die Zehntausende von Morden und Vergewaltigungen, die im Peru der Achtziger und Neunziger Jahre geschahen, während des Kriegs zwischen Regierungstruppen und der maoistischen Guerilla „Leuchtender Pfad“. Also: um ein nationales Trauma, das vor allem ein Frauen- und Müttertrauma ist. Und um ein kollektives Erinnerungstabu, das ein ganzes Volk einschnürt.

Der Film macht daraus die sanfteste Anklage der Welt. Statt in Wörtern löst sich der Schmerz im Singen. Eine Frau singt ihrer Tochter vor, dass sie, während sie mit ihr schwanger war, vergewaltigt wurde. Dass sie den „mit Schießpulver gewürzten toten Penis“ ihres Mannes essen musste. Und während sie dies mit schöner, brüchig zitternder Altfrauenstimme singt, stimmt die Tochter ein, bindet die Schreckenserfahrung im Gesang. Solch eine unerhörte Anfangsszene hat das Kino lange nicht gesehen; kein Wunder, dass die Jury unter Tilda Swinton nicht zögerte, den ersten peruanischen Beitrag überhaupt in einem Berlinale-Wettbewerb mit dem Goldenen Bären zu ehren.

Die Mutter stirbt bald im Haus irgendwo in den Favelas, die in Lima „pueblos jóvenes“ heißen, junge Dörfer, und damit sie in ihrem Heimatdorf in den Anden begraben werden kann, muss ihre schöne, scheue Tochter Fausta (Magaly Solier) eigenes Geld verdienen. Die Familie des Onkels, die auch Faustas Hilfe bei der Ausrichtung farbenprächtiger und skurriler Armenhochzeiten unter freiem Himmel braucht, vermittelt sie als Hausmädchen an eine reiche Komponistin in der Stadt. Frau Aida (Susi Sánchez) steckt in einer Schaffenskrise – da kommt ihr die indianische Fee mit ihrem versonnen dahingetupften Liedgut gerade recht. Als ihr im Bad eine Perlenkette reißt, verspricht sie Fausta eine Perle für jedes Lied. Schließlich lässt sich aus dem Ethno-Gesang der Dienerin, so der Plan, beim bevorstehenden Klavierabend so mancher Akkord zurechtknödeln.

Das ist schon – fast – die Geschichte, doch auf sie kommt es kaum an. Denn „La teta asustada“ ist ganz Binnenstimmung, Innenansicht einer Welt, aus der Fausta, um mit Magaly Soliers eigener Metapher zu sprechen, mit den Augen eines „ins Wasser eingetauchten Nilpferds“ hinausblickt. Dort draußen droht unablässig die männliche sexuelle Zumutung, gegen die frau sich nur mit verschlossener Körpersprache und einer wie somnambulen Fortbewegung wehren kann. Dazu gehört auch das Prinzip, sich immer nah an Hauswänden zu halten. Nur so, erklärt Fausta dem zurückhaltenden Gärtner Noe (Efraín Solís), sei sie vor der Mordlust der „verlorenen Seelen“ sicher.

Keine Frage, diese Fausta lebt in einem nahezu wahnhaft anmutenden Paralleluniversum aus fragilen Zauberkräften – und die konkret wirkungsvollste Weise, sich gegen den Angriff der Männer zu wehren, glitte restlos ins Bizarre hinüber, wäre sie nicht so selbstverständlich wie diskret inszeniert. Die junge Frau hütet eine Kartoffel in ihrer Vagina, die dort bald lebensgefährdend keimt. Irgendetwas rettet sie dann doch: kein plakatives Ereignis – dafür ist dieser Film nicht gemacht, der so unendlich ausgeglichen zwischen heiteren Familienszenen und einsamen Räumen changiert. Sondern es ist eher die schmale Summe von Einzelheiten, hier eine wachsende Hoffnung, dort ein vorsichtiges Drängen, und irgendwann bricht sich Faustas Vitalität Bahn – die Lust, etwas festzuhalten in diesem Leben, und seien es ein paar lose Perlen.

Nur ganz selten streift sich diesem so körperlich-sinnlichen, zudem sparsam mit Gitarrenklängen unterlegten Film etwas gar zu sorgfältig Kunstgewerbliches über und weht doch in der nächsten erdigen Szene wieder davon. Was sich für lange einprägt, ist die übermächtige und immerstille Schönheit der Hauptdarstellerin, ist das Geisterhaus der Pianistin mit seinen blassen Grün- und Rottönen und sind vor allem die Stimmen: ein polyphoner Klagegesang hoher Frauenstimmen, der sich behutsam in Trost verwandelt. Und wie ging Magaly Soliers Lied in Quechua, das sie ihrer Rede bei der Berlinale-Preisverleihung anfügte? „Als ich klein war, bin ich gefallen und habe mir die Hand gebrochen, und da hast du für mich gesungen. Singen wir, singen wir von dem, was schön ist, verbergen wir unseren Schmerz, um ihn zu vergessen, sing für mich, Mutter, sing für mich.“

Neue Kant Kinos, OmU in Hackesche Höfe, Lichtblick, Moviemento

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 05.11.2009)

Quelle:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/art137,2941319


Buchtip – “Dunkle Triebe”


“Dunkle Triebe” – Wie Sexualtäter denken und ihre Taten planen

von Anna Salter

Die Kriminalpsychologin Anna Salter ist eine gefragte Expertin und Beraterin für Sexualstraftaten bei amerikanischen Gerichten. Über zwei Jahrzehnte studierte sie das Verhalten von Sexualstraftätern. Was sie denken, wie sie ihre Opfer täuschen und wie sie sich strafrechtlicher Verfolgung entziehen. Ihr Buch ist eine erschütternde Dokumentation über die Abgründe der Seele und die Bestie im Menschen.

Taschenbuch, Broschur, 384 Seiten, 12,5 x 18,3 cm

ISBN: 978-3-442-15384-8

Verlag: Goldmann

Leseprobe


Buchtipp – „Rette mich – manche Kinder werden ohne Schutzengel geboren“


“Rette mich – manche Kinder werden ohne Schutzengel geboren”
Autobiografie
ISBN-10: 3940868183
ISBN-13: 978-3940868183

von Angela Moonlight

Angela Moonlight wurde am 19.12.1972 in Neustadt an der Weinstraße geboren und lebt heute im idyllischen Lambrecht in der Pfalz. Als pädagogisch und psychologisch ausgebildete Kinderpflegerin hat sie über 12 Jahre im Kindergarten gearbeitet. Aufgrund ihrer Missbrauchserlebnisse in der Kindheit entschloss sie sich, als Autorin zu arbeiten und ihre Autobiografie „Rette mich – manche Kinder werden ohne Schutzengel geboren“ zu schreiben, die im Frühjahr 2007 erschienen ist. Bedingt durch ihre vielfältigen Erfahrungen, die sie im Leben machte, entstanden auch verschiedene Kinderbücher zum Thema “Aufklärung, Schutz, Glauben, Freundschaft”, die sie auch selbst illustriert.
Ihre Kinderbücher, sowie der zweite Teil ihrer Biographie „Sie nannten es Heilung im Namen des Herrn“, worin es um eine Sektenerfahrung geht, erschienen ebenfalls noch im Jahr 2007.

Für all jene, die sich zu diesem wichtigen Thema austauschen wollen- egal ob Betroffene, Angehörige oder Interessierte- hat sie ein Forum eröffnet! Es wird von ihr persönlich unter dem Nicknamen Mondschein geführt. Man kann also auch auf diesem Weg mit ihr in Kontakt treten, oder über Ihre Homapage unter: www.angela-moonlight.de


“Ich mach’ dich tot!”


“Ich mach’ dich tot!”

ist die Geschichte eines kleinen Mädchens, das zum ersten Mal im Alter von sechs Jahren mehrfach missbraucht wird. Der Täter stirbt einige Monate später, was dem Kind aber nur drei Jahre Ruhe beschert. Mit neun Jahren wird es erneut missbraucht, diesmal von einem nahen Verwandten.

Die Missbräuche bleiben nicht ohne Auswirkungen auf das weitere Leben des Kindes, der Jugendlichen und der erwachsenen Frau. Vierzig Jahre lang schweigt sie, dann kommt es zum physischen und psychischen Zusammenbruch, aus dem sie sich nur mühevoll und in kleinen Schritten wieder befreien kann. Jahrelange Therapien sind notwendig, um das Leben wieder lebenswert werden zu lassen.

Das kleine Buch soll Mut machen und aufzeigen, dass es Wege aus jeder noch so verfahrenen und unglücklichen Situation gibt. Es schildert behutsam den Lebensweg des kleinen Mädchens, der verunsicherten Jugendlichen und der schwer depressiven Frau bis hin zur Therapie und deren Erfolge.

Jetzt kaufen:

http://www.mutmachen.com/infos.html


Alles muss raus / im Hebbel-Theater Berlin


Das Theaterprojekt “ALLES MUSS RAUS” von Wolfgang Spielvogel und Katharina Micada, nach dem Buch “Ich wurde sexuell missbraucht” von Norbert Denef, hatte am 22.2.09 im Rahmen des freien Theaterfestivals “100°Berlin” im Hebbel-Theater Premiere. Schauspieler: Raphael Kübler, Regie: Katharina Micada

Mehr dazu unter: www.tiefenschatz.de


Filmtipp – Wenn einer von uns stirbt,…


Wenn einer von uns stirbt, geh` ich nach Paris

Ein Film von Jan Schmitt

Mit dem autobiographischen Doku-mentarfilm “Wenn einer von uns stirbt, geh` ich nach Paris” legt Regisseur Jan Schmitt sein Debüt vor. Es entstand in den vergangenen drei Jahren. Der 40-Jährige lebt in Wiesbaden und Berlin, arbeitet als Fernsehjournalist, seit April 2001 beim ZDF.

“Jede Familie hat ein Geheimnis, in meiner ist es der rätselhafte Tod unserer Mutter”, erzählt der Filme-macher. Ihr Freitod hat die Familie bis heute im Griff, auch elf Jahre danach. Es wird Zeit aufzuräumen. “Die Vergangenheit ist nicht vergangen solange wir schweigen.”

Nächste Aufführungen:

http://www.schmitt-film.de/aktuell.htm


Peter Wensierski – “Schläge im Namen des Herrn”


Buchcover SchlägeDas verdrängte Schicksal der Heimkinder in der Bundesrepublik


Monika Gerstendörfer “Der verlorene Kampf um die Wörter”


Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt – Ein Plädoyer für eine angemessenere Sprachführung

“Der verlorene Kampf um die Wörter”

Kinderschänder gibt es nicht.” Was für eine provokant klingende und irritierende Aussage! Doch die wahren Provokateure sind wir. Denn wir alle benutzen solche Unwörter wie “Kinderschänder“, “Sextouristen“, “Triebtäter“, “Sexgangster” und damit eine im wahrsten Sinne des Wortes gewalttätige Sprache…


Leuchtkäfer


leuchtkaefer.jpgNein!!! Ich werde es nicht mehr verstecken,
nicht mehr meine Scham,
die eigentlich die Scham der Täter sein müßte …

Leuchtkaefer


Cora – “Es war ein Mann Gottes”


Coraspanner

Es war ein Mann Gottes”
Karin Jäckel erzählt die dramatische Lebens-Geschichte einer jungen Frau, die als 13jährige Messdienerin zum ersten Mal von einem katholischen Priester missbraucht wurde.

SWR1 Leute am 07.02.2008
www.mp3.swr.de


Buchtipp – “Der verlorene Kampf um die Wörter”


Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt Ein Plädoyer für eine angemessenere Sprachführung

MONIKA GERSTENDÖRFER
“Der verlorene Kampf um die Wörter”
ISBN-10: 3-87387-660-4
ISBN-13: 978-3-87387-641-5

Kinderschänder gibt es nicht.” Was für eine provokant klingende und irritierende Aussage! Doch die wahren Provokateure sind wir. Denn wir alle benutzen solche Unwörter wie “Kinderschänder“, “Sextouristen“, “Triebtäter“, “Sexgangster” und damit eine im wahrsten Sinne des Wortes gewalttätige Sprache…


Buchtipp – “TRAUMA Opfer von Gewaltverbrechen”


Wenn Opfer dem Leid Worte geben dürfen und über den Schmerz frei sprechen können, müssen sie nicht mehr zerbrechen. Der Autorin ist es gelungen, einen “Krimi” besonderer Art zu schreiben. Sie gab Opfern eine Stimme – das ist neu! Ich war beim lesen an einigen Stellen sehr traurig und über die Schilderungen, was man mit “Psychoexperten” alles so erleben kann, musste ich viel lachen. Sollte den Opfern das nicht erlaubt sein? Ich finde es ist an der Zeit, dass ihre Stimmen lauter werden, viel zu lange haben sie geschwiegen. (Norbert Denef)

TRAUMA
Opfer von Gewaltverbrechen
ISBN-13: 9783837040623
von Venus Vivat