Missbrauchsfälle – „Man hat uns nicht geglaubt“

13.12.2005: Leipziger Volkszeitung

Delitzsch. „Wir haben es ertragen, wir wollten uns öffnen, aber man hat uns nicht geglaubt.“ Nach diesen Worten senkt Manfred Meyer* das Haupt und schaut betreten zu Boden. Gerade hat er erzählt, was ihm, dem früheren Mitglied der Katholischen Jugend Delitzsch, Ende der 50er/Anfang der 60er in der Pfarrei St. Marien widerfuhr. Ein weiteres Opfer des einstigen Vikars Alfons Kamphusmann, dass sich nach Bekanntwerden der Fälle Norbert Denef und Eberhard R. an die Kreiszeitung wandte.

Die Neigung des 1998 verstorbenen Kamphusmann, sich Jungen zu nähern und sie sexuell zu missbrauchen, trieb offenbar viele Blüten. „In meinem Fall war’s einmal so, dass ich bei ihm Zuhause war, weil er für damalige Verhältnisse unheimlich viele Bücher besaß. Irgendwann meinte er, er sei müde und müsse ein bisschen schlafen. Ich solle mich doch neben ihn legen“, erzählt Meyer. Dann habe der Vikar ihn mehrmals zu küssen versucht. Vor allem aber kam es dem Geistlichen darauf an, dass der junge Meyer den Penis des Priesters berührte. Was auch geschah – „insgesamt dreimal hab‘ ich so etwas erlebt“, schildert der Delitzscher. Darüber hinaus habe der Seelsorger ihn später noch wenigstens drei- bis viermal „angetatscht“. Derlei Anmache trug sich im Fall Meyer in den Privatgemächern des Vikars zu. In anderen Fällen, so ist dem heute 60- Jährigen zu Ohren gekommen, soll es sogar Annäherungsversuche in der Sakristei gegeben haben.

Nachdem Angst und Abscheu vor Kamphusmann unerträglich geworden waren, beichtete Meyer die Vorfälle den Großeltern, die der katholischen Gemeinde nahe standen. Diese versuchten den damaligen Pfarrer Paul Schulte für das Problem zu sensibilisieren, „wurden aber schroff abgewiesen“.

Hinsichtlich weiterer Opfer rechnet Meyer mit 30 bis 35 Fällen. „Neben dem Pfarrhaus gab es seinerzeit ein von Nonnen geleitetes Kinderheim. Ich bin mir sicher, auch dort hat Kamphusmann sein Unwesen getrieben.“

*Name auf Wunsch des Opfers geändert Dominic Welters

Leipziger Volkszeitung “Man hat uns nicht geglaubt”

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