Missbrauchsopfer wollen gehört werden

20.03.2010: euronews

Berlin (ddp). Angesichts immer neuer Enthüllungen über sexuellen Missbrauch von Kindern an Schulen und in Internaten melden sich verstärkt Vertreter der Opfer zu Wort. Sie beklagten am Samstag eine mangelnde Einbindung in die laufende Debatte und forderten, am Runden Tisch der Bundesregierung beteiligt zu werden. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) drang indessen darauf, Opfer sexuellen Missbrauchs finanziell zu entschädigen.

In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch an Schulen und Internaten bekanntgeworden – darunter auch an mehreren kirchlichen Einrichtungen. Bundesweit wird derzeit gegen mindestens 14 Geistliche wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch ermittelt. Das ergab eine Umfrage des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» unter den 24 deutschen Generalstaatsanwaltschaften. 15 der Behörden hätten Angaben gemacht. Hinzu kämen Verfahren gegen elf weltliche Lehrer und Erzieher. Am Samstag wurden neue Fälle öffentlich – unter anderem an einem früheren Knabenheim der katholischen Ordensgemeinschaft Salesianer Don Bosco in Rheinland-Pfalz.

Mehrere Vertreter von Missbrauchsopfern beklagten, die Betroffenen würden von der Politik zu wenig in die laufende Diskussion eingebunden. Die Berliner Rechtsanwältin Manuela Groll, die 14 Opfer vertritt – überwiegend frühere Schüler des katholischen Berliner Canisius-Kollegs – sagte, die Betroffenen oder deren Anwälte gehörten an den Runden Tisch der Bundesregierung. «Es wäre unvorstellbar, sie außen vor zu lassen», mahnte Groll. Diese Opfer hätten den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht.

Der Verein ehemaliger Heimkinder mit rund 450 Mitgliedern bezeichnete es als «merkwürdig, dass der größte Verband von Geschädigten» in der Debatte nicht gefragt werde. Auch Norbert Denef aus einem Netzwerk Betroffener kritisierte die «Funkstille seitens der Politik».

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5 Kommentare

  1. Astrid schreibt am :

    Ist „Netzwerk Betroffener sexueller Gewalt“ nicht ein guter Name?!

  2. missi schreibt am :

    nur die harten kommen in den garten???

  3. Jacqueline schreibt am :

    Hallo,

    ich habe mich etwas zurückgezogen, mir meinen Missbrauchserlebens in der Kindheit klar zu werden und nun die tägliche Medienflut zu beobachten.

    Mir ist aufgefallen, dass mir als Katholikin, die Kirche immer mehr wie eine Sekte vorkommt, durch das Verhalten und Auftreten.

    Immer und wieder nehme ich wahr, dass sich die Bischöfe in ihrem Ego verirren und so den Dialog zu den Opfern verlieren.

    Es ist klar und logisch, dass durch diesen unsagbar grossen Missbrauch in der Kirche in allen Kirchen, Ländern und Kontinenten – der Eindruck durch die schleppende und steife Aufarbeitung – für viele ein Bild der fehlenden Glaubwürdigkeit entsteht, weil man sich einfach in der Kirche nicht mehr wohlfühlt.

    Zudem machte ich die Erfahrung, dass ich, als vergangenes Jahr umgezogen bin, hier mich bei der ansässigen Kirche neutral gemeldet habe und um Hilfe beim Eingewöhnen wurde – ich wurde abgewiesen! Wie ich später erfuhr – ist das anderen auch passiert!
    Mich hat das zuerst sehr getroffen, da ich damals durch Gelenkunfälle nicht so mobil war. Die Evangelische Kirche kam mir da sehr menschlich, freundlich und nett rüber, da mich damals eine sympathische Pastorin daheim besucht hat. Im März erhielt ich dann meinen Deutschen Schwerbehindertenausweis (Hörbehinderung und psychische Krankheit). Das die Römische Katholische Kirche menschenfreundlich ist, kann ich so dem widersprechen, war schon in meinem Heimatland nicht anders.
    Da die Täter geschützt und in Schutz genommen werden und einem vermittelt wird, dass es mal genug ist mit anklagen, das zeugt von NICHT verstehen der Materie.

    Die Kirche manipuliert sich selber in die Krise – vielleicht müssen erst sehr viele austreten, das Klima noch kritischer werden, bis sie sehen und einsehen, dass es nun KEINE Zeit ist für einzelne und kollektive Egokämpfe.

    Mich hat der Hirtenbrief des Papstes wenig berührt, da ich nicht mehr seinen Segen oder seinen Trost brauche. Erscheint mir so, als wenn ein Chef sich in mein Privatleben mischen würde.

    Ich sehe nur ein ständiges Gebrabbel wie in Babel zu Babylon – das nur Gerede ist, und KEINE Taten.

    Taten würden Vertrauen schaffen – irgendwann – Gebrabbel ermüdet irgendwann – da es den Menschen nicht mehr erreicht.
    Das Leid, die Wut der Opfer eher noch schürt.

    Man kann die Stabilität und Integrität bei einer Familie – wie bei einer Gesellschaft und Kirche ersehen, wie sie mit Kindern, Opfern und Alten Menschen umgeht… als wie mit den Schwächsten umgegangen wird.

    Das habe ich bei meiner Familie für mich analysiert – und nun kann ich da grössere Kreise ziehen.

    Darum bitte ich EUCH, bleiben wir beharrlich dran, bis an Runden Tischen oder Gesprächen die Opfer ganz selbstverständlich da sind.
    Damit die, welche sich einfach um die Aufarbeitung kümmern müssten – NICHT mehr wegschauen, weghören könnten – und so deren Gejammer weil – sie wohl die Diskussion und schwarze Seite ihrer Kirche nicht mehr aushalten können – ertragen müssen.
    DEmehrN OPFERN wurde das ein Leben lang zugetraut mit dem Missbrauch zu leben müssen, ungefragt – dann darf man das der Kirche auch zumuten, damit sie endlich LERNE!

    Nur Beharrlichkeit und sich selber treu bleiben und den Weg klar vor Augen zu haben – die Missbräuche völlig aufzuklären und den Opfern würdig entgegentreten und die Opfer mal anhören, was diese wollen und nicht mehr von der Kirche manipulieren zu wollen – kann auf die Dauer was bringen – alles andere ist gerade Flickwerk, Beschönigungen – zu steif – zu schwer.

    Auch sollte endlich den Kirchenleuten klar gemacht werden – dass bis ein OPFER vergeben kann – kann der Täter noch lange warten (war bei mir so), denn erst muss das Opfer sich selbst verzeihen lernen, dem Umfeld, das nicht da (war bei mir so).
    Den Tätern zu entmachten, die Verbindung zu ihm kappen ist die Befreiung – und erst viel viel später kommt das.
    Das ist ein Punkt, den die Priester und Bischöfe noch lernen haben, den die Bitte um Vergebung kann was zynisches haben oder verletzen – also bringt nix.

    Das sind mal meine Gedanken.

    Ich danke Euch fürs Lesen.

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline Stamm

  4. marga schreibt am :

    Warum melden sich Opferorganisationen wie Weißer Ring nicht endlich lautstark zu Wort und fordern die ganz selbstverständliche Teilnahme an den Runden Tischen an?

    Sollen die Opfer wieder nicht gehört werden? Wie schon die ganze Zeit seit dem Mißbrauch?

    Ist das wieder ein Kotau der Politik vor der Kirche und deren frechen Forderungen?

    Wer ist denn mehr Experte als die Opfer selbst?

    Die Opfervertreter müssen in größerer Zahl als die Tätervertreter anwesend sein. Damit sie nicht überstimmt werden können.
    Die Täter und deren Vertreter müssen endlich die kleineren Brötchen backen.
    Das immer noch arrogante Verhalten der bräsigen Kirchenvertreter geht mir immer mehr auf die Nerven. Wer fällt eigentlich darauf noch herein?

  5. Ralf Pflug schreibt am :

    Bin selbst Opfer und das schon als fünfjähriger, in einem Heim in Kulmbach,was 1963 ca.von Nonnen betreut wurde . . .

    da habe ich im Internet gelesen bei panorama, ein Bischohf hat rausgehauen,er sehe kein Handlungsbedarf ,weil die Fällen die solange zurück liegen . . .
    wo kommen denn die vielen Ofer her,wenn die bei Zeiten kein Bedarf gehabt haben an uns zu handeln. Mit dem Spruch hat er mich als Opfer für die Füsse der Gesellschaft gespuckt,mit dem Hinweis,hier habt ihre eure Kinder zurück,wir hatten unseren Spass,aber für die Folgen müsst ihr selbst aufkommen.
    Soweit sind wir gekommen,das die Täter über ihr Strafmaß selbst entscheiden.Hier sieht man das wieder,nach Macht kommt Wahn.Die Geschichte wiederholt sich,nur mit dem Unterschied,die meisten Opfer leben noch . . .
    Was nützt mir das,wenn die Täter im Gefängnis sitzen,ich sitze seit 48 Jahren im „Gefändnis“ nur mit dem Unterschied,bei meinem sieht man die Gitter nicht.
    Warum die Täter nur versetzt werden innerhalb der Kirche,weil der Fischam Kopf anfängt zu stinken.Die haben Angst wenn die Täter entlassen werden,das die anfangen auszupacken…deshalb päpstliche Geheimhaltung . . . in Fachkreisen nennt man das Schweigegeld.
    Der Staat müsste die Kirchensteuer einbehalten,und unter uns Opfern aufteilen.Dann können die zusehen,wo sie ihre Spender herbekommen.Ok, es gibt ja bestimmt wirklich gute Einrichtungen,und wenn die weiter laufen sollen,müssen die Kirche eben ihre Reichtümer verkaufen,damit sie endlich in der Armut leben,wie sie immer predigen.Ich muss es ja auch seit Jahren,denn mein Missbrauch hinterlässt bis heute Spuren.

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