Ein Brief von mir an einen Vertreter der Kirche zur Aufklärung von sexuellen Missbrauch

22.03.2010

Sehr geehrter Herr Pfarrer Dr. Döink,

um meine Dinge ausgerechnet bei Ihnen offen zu legen, brauche ich sehr sehr viel Überwindung. Sie sind katholischer Pfarrer und damit den „Tätern“ sehr Nahe.

Ich habe schon häufig Trost und Nähe u.a. zur katholischen Kirche gesucht, jedoch nie erhalten. Zuletzt die Versuche um Anerkennung meines Erlebten, was den sexuellen Missbrauch angeht, aber auch der Versuch, durch einen katholischen allerdings jetzt verstorbenen Pfarrer, Kontakt zu meinen noch minderjährigen Kindern zu erreichen, da ich durch meine ängstlich-psychischen Störungen den Kontakt abbrechen musste.  Dieser Versuch war nur halbherzig, da meine angeblich so religiöse Ex-Frau ebenfalls vertuscht, wie ich es in meinem ganzen Leben erfahren habe.

Auch der zwar „teilweise noch annonyme“ Erstkontakt zum Bistum Münster mit Angabe einer E-Mail-Adresse, wo nicht einmal eine kurze Rückantwort kam, macht mich weiter taurig und wie so oft in meinem Leben, skeptisch.

Solange das stratigische Denken und Handeln in der Kirche nicht aufhört, werden die Opfer keine Ruhe finden. Auch für zukünftige Missbrauchsfälle welcher Natur auch immer, wird es für Opfer keine Möglichkeit eine wirklichen Aufarbeitung geben.
Solange sich die Verantwortlichen, sowohl als Täter, als auch als Mitwisser sich nicht offenbaren und persönlich bei mir entschuldigt haben, werde ich wohl nie verzeihen können. Auch werde ich mein Leben weiterhin auch durch meine Entfremdung meiner gesamten Familie vor allem meiner Kinder, dahinfristen.

Heute nach der Trennung von meiner engsten Familie kann ich keine Nähe mehr zulassen. Ich traue niemanden mehr.

Ist das nicht krank?

Mit diesem Schreiben, beschreibe ich nur, weil ich auf den vor ca. 6 Wochen geschiebenen Brief, der einen Auszug aus meinem Tagebuch (Erlebnisse mit Bruder Willehad als Leiter Caritasverband Steinfurt, Vomund aller Geschwister, Canisianerpater, aber auch davor im gewalttätigem Waisenhaus in Rheine) enthielt, keinerlei Reaktion erhielt.

Ich erhoffe mir, dass sich die Kirche, nicht immer in allen Belangen des Lebens scheinheilig verhällt und Opfer wirklich zu Seite steht. Ich verdamme die Relegion und auch die katholische Kirche nicht. Ich verdamme nur Ihr teilweise mittelalterliches Verhalten.

Auch die Reaktion des Papstes und auch des Bischofs in Münster verstehe ich nicht.

Mit freundlichem Gruß

Hugo Vohrmann

2 Kommentare

  1. astrid schreibt am :

    lieber Herr Vohrmann,
    in welcher Diözese war / ist Bruder Willehad tätig? Haben Sie ihn dort angezeigt? Haben Sie diesen Brief an die lokale Presse geschickt? Was anderes hilft nicht! Hoffen Sie nicht auf Mitleid – Sie werden (vielleicht) von Einzelnen in der Kirche Mitgefühl bekommen. Von der Institution steht Ihnen anderes zu: Aufklärung – Entschuldigung – Entschädigung. Kämpfen Sie darum! Viel Kraft und Glück dabei.

  2. Lena schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Vohrmann,

    morgen Abend findet im Franz Hitze-Haus in Münster eine Veranstaltung statt, bei der sich die Mitglieder der Bistumskommission zur Aufklärung von Fällen des sexuellen Missbrauchs sich öffentlich Fragen stellen werden.

    Vielleicht eine Gelegenheit, um Ihr Anliegen noch einmal vorzutragen.

    Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr; eine Anmeldung ist erforderlich.

    Infos finden Sie unter folgendem Link:

    http://www.echo-muenster.de/node/61409

    Letzte Woche gab es einen Bericht in der „Aktuellen Stunde“ für das Münsterland im WDR über die Arbeit der Bistumskommission in Münster. Mein Eindruck war, dass die Kommission total überlastet ist (was keine Entschuldigung ist dafür, dass Sie gar nichts gehört haben; zu einer Eingangsbestätigung sollte es immer reichen). Und die Mitglieder der Kommission sind offenbar mittlerweile frustriert über die mangelnde Kooperation von Seiten der Kirche.

    Das hat noch einmal gezeigt, wie wichtig eine unabhängige Untersuchungskommission wäre, die ausreichend personell besetzt ist und die Archive systematisch nach Altfällen durchsucht.

    Falls Sie die WDR-Sendung nicht gesehen haben sollten, finden Sie sie noch bis morgen auf der Homepage der WDR-Mediathek unter „Aktuelle Stunde“ Region Münsterland zum Abrufen. Der Beitrag hieß „Ist die Bistumskommission überlastet“ und wurde, soweit ich mich erinnere, am 18.03. gesendet, vielleicht auch am 19.03. (die Sendungen sind immer 7 Tage in der WDR-Mediathek abrufbar).

    Haben Sie auch schon versucht, telefonisch Kontakt zur Kommission aufzunehmen? Mit Schreiben *und* anrufen habe ich ganz gute Erfahrungen gemacht. Und das Informieren der Presse, wie Astrid es vorgechlagen hat, finde ich auch gut (auch wenn die Presse in Münster vielleicht nicht so aufgeschlossen ist wie anderswo).

    Ich glaube, schon ein Vermerk auf einem Schreiben, dass eine Kopie an die Presse geht, ist hilfreich, um ernster genommen zu werden. Was wiederum beschämend ist, eigentlich sollte eine normale Kontaktaufnahme schon ernst genommen werden.

    Alles Gute für Sie, seien Sie stur und geben Sie nicht auf!

    Lena

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