Die Gesellschaft, Täter reagieren bei weltlichem sex. Missbrauch wie bei kirchlichem

25.03.2010

Als ich sexuell misbraucht wurde, ich weiss es nicht mehr ganz genau, es war so zwischem meinem 6 und 8 Lebensjahr.
Meine Kindheitsjahre waren schon vorbelastet, da ich als Zweite eines Zwillingspärchens überraschend (unerkannt) auf die Welt kam, einen schweren Start hatte und danach noch in die Klinik musste. Meine Familie, Eltern, waren irgendwie mit mir immer überfordert. Meine Einschulung verlief schon nicht normal, das war mein roter Faden.

Den Missbrauch, den ich erlebte, geschah auf einem Kinderspielplatz. In der Nähe eines Hallenbades in meiner Geburtsstadt. Meine Zwillingsschwester und ich waren alleine, warteten auf die Eltern, die uns mit dem Auto abholen sollten. Ich weiss nicht, wie lange wir spielten oder so.
Es geschah auf einem Klettergerüst. Ein Mann im Trenchcoat kam näher, und fummelt an mir rum, auch an meinen Geschlechtsteilen.
Danach erstarrte ich. Was mit meiner Schwester war, weiss ich nicht mehr… ich hatte mit mir zu tun.

Der Vater kam. Anscheinend erzählte meine Schwester davon, so dass er direkt zur Polizei fuhr. Ich musste da noch unter Schock – es war in den 70-er Jahren, den Vorgang zu Protokoll geben, meine Unterwäsche abgeben, was ich all das nochmals als zusätzlich traumatisch in Erinnerung habe! Ich weiss nicht, ob noch am selben Tag oder später musste den Täter identifizieren, wie es bei den Krimis kommt, die Männer standen hinter einer Glaswand etc… ich erkannte ihn, was danach geschah, weiss ich nicht mehr, wurde ich nicht informiert.

Mein Vater war Alkoholiker, er war oft gewalttätig, verbal und tätlich, ebenfalls meine Mutter. Spannungen waren an der Tagesordnung.

Mit dem Thema wurde ich alleine gelassen. Vorher war ich ein sehr kreatives, lebendiges Mädchen, danach verstummte es. Meine Mutter schob es auf die Puberät, Charakter etc…
Meine ersten Depressionen hatte ich, als ich im Gymnasium war. Ich zog mich zurück, vieles ergab keinen Sinn. Nur Bücher konnten mich damals etwas trösten.
Zeitweise wurde ich schon therapeutisch begleitet, ich kann mich nicht mehr gross daran erinnern – aber oft wurde mir klar gemacht, dass ich da nicht „normal wäre “ etc…
Meine Familie hatte Mühe mit mir und ich mit ihr, ich fühlte mich nicht mehr wohl, sicher. Köperkontakt ertrug ich nicht mehr, mein Körper verspannte sich. Meine Seele konnte nicht mehr zwischen Zärtlichkeit und Gewalt unterscheiden, da ich alles als Gewalt erlebte.
Meine Mutter stellte mich ab dem Alter von 15 Jahren mehrmals vor die Türe, einfach so, ebenfalls hörte ich meine Mutter mir mal unter 10 Jahren drohen, dass sie mich ins Heim geben wolle…

Auch meine Geschwister (3) wollten mich loswerden, sie hatten einen bessern Kontakt zu den Eltern, der mir fehlte.
Mein Selbstbewusstsein; Selbstvertrauen, Selbstsicherheit waren NICHT da, ich war Opfer, schutzlos, leer, klein.

Mit 16 Jahren, gleich nach der Schule zog ich aus, ich machte einen Sprachaufenthalt von einem Jahr. Es war ein Desaster – mir fehlte vieles, was andere Jugendlichen einfach waren. Ich war ängstlich, schüchtern, machte ständig Fehler, hatte einen Autoritätsglauben, und kaum Lebenserfahrung – ausser negative.
Es waren schwere Lehrjahre für mich, alles durch fremde Menschen oder durch Hilfe zu erlernen. Mein Vater war in der Zeit sehr gewalttätig, bei jedem Besuch war Krach, oft mit Polizei.
Als ich eine Ausbildung begann, war mein Vater beim Entzug. Meine Mutter stürzte sich auf mich, ich hielt die Zeit für die Grundausbildung durch, sonst hätte ich die Lehrstelle verloren. Vieles kam mir hoch, mein Vater kam mir in dieser Zeit mal verbal und körperlich zu nah durch massive Gewalt.
Meine Ausbildung schaffte ich nicht, zuvieles kam mir hoch. Meine Familie bot keine Hilfe und Unterstützung – ich war alleine. Sexualität kannte ich lange nicht, war mir fremd, hatte keinen Bezug zu meinem Körper.
Ende 30 lernte ich meine Ex Partnerin kennen, denn ab 20 Jahren merkte ich, dass ich lesbisch veranlagt bin. Mit einem Mann kann ich nicht, auch weil die Gewalterfahrungen dazwischenstehen, mein Körper machte da IMMER zu.
Meine Ex war wie meine Eltern, sie hatte mit Drogen Erfahrung, neigte zu Alkohol, war cholerisch, manipulativ. Anfangs war es ganz schön, als ich dann ihr hörig wurde, meine letzten Sozialen Kontakte verlor, nahmen Gewalt von ihrer Seite zu, sexuell demütigte sie mich. Ebenfalls verlor ich viel Geld, meine Seele und den letzten Rest meiner Selbstachtung.
Sie schmiss mich auch raus, daraufhin folgten 2 Selbstmordversuche, in der gemeinsamen Wohnung, bei denen ich mich selber rettete (ich handierte mit Gift), mein Körper bäumte sich da auf.
Da entschied ich mich zum ersten Mal für das Leben bewusst. Und ein knappes Jahr vorher wurde noch mein Gehörschaden beidseitig, durch Eigeninitiative entdeckt, ich erhielt Hörgeräte.

Es gab in der Zeit Ungereimtheiten mit der Familie…

Ich zog aus, in eine eigene Wohnung, ich stand da noch în meiner Umschulung – fürs Büro, was ich dann auch erfolgreich abschloss.

In der Zeit, vorher bekam ich ständige Fehldiagnosen, wurde meine damals sehr stark aktive Psychische Krankheit Borderline seriös und klar diagnostiziert. Viel auf einmal.
Ich nahm es als Lehrauftrag an, las mich durch jegliche Fachliteratur durch, befasste mich in der Therapie mit mir, meiner Familie etc. Ich erwähnte oftmals den Missbrauch, aktiv aber nicht, war auch nicht der Rahmen. Ich wurde Frührentnerin, war sehr oft krank, Unfälle, Krisen, war wenig belastbar, nahm Psychopharmaka, niedrig dosiert zur Stütze.
Damals arbeitete ich dann am selben Ort wie beim Praktium meiner Umschulung – einer Behindertenwerkstätte – im Büro.
Anfangs war ich integriert, als das Personal wechselte, das keine pädagogische Ausbildung hatte, war der Wind wie in der freien Wirtschaft.
Nach meinem 5. Arbeitsjubiläum, erfuhr von den Eltern, über ein von mir gewünschtes Gespräch mit den Eltern, dass der Missbrauch real war – vor 30 Jahren! Meine Mutter damals meinte, ich solle mit IHR sprechen, sie wartete also.., auch meinte sie, dass ich keinen Prozess durchgestanden hätte und angeblich, war es ein Pädophiler, der aus der nahen Psychiatrischen Klinik an dem Tag ausgebrochen war und ich sein Opfer war.

Ein Viertel Jahr später, erlebte ich durch meinen Vorgesetzten, Abteilungsleiter eine Retraumatisierung, er kam mir in Anwesenheit einer Bezugsperson körperlich nahe (weil er über meinen Kopf meinen ArbeitsPC bediente). Ich bekam KEINE Luft, wehrte mich, OHNE Erfolg, die Bezugsperson nahm den Chef in Schutz. Versuchte mich mit Hilfe meiner Therapeutin schriftlich zu wehren. Bekam noch zusätzlich eine schwere postttraumatische Belastungsstörung. Mein Körper und meine Seele liefen Amok, hatte ständige Flashbacks, heftige Alpträume, zig Krankheiten, war emotional ausser mir.
Der Chef antworte NICHT auf den Brief, in einer Therapiestunde, wo die Therapeutin mit ihm sprach,  wurde MEINE Wahrnehmung in meinem Beisein in Frage gestellt. Ich beantragte ein Ombudsgespräch mit einer Zuständigen, die Dame sollte mir helfen, ich outete mich das erste MAL als sexuell missbraucht in der Kindheit – vor meinem Chef! Wieder wurde von ihm meine Wahrnehmung in Frage gestellt! Die Ombudsfrau nahm den Mann süffisant in Schutz – stellte ihn mir gegenüber als Vaterfigur dar.

In der Zeit entschied ich mich das zweite Mal für das LEBEN, und dass nun genug sei und dass der Chef zur Verantwortung gezogen soll. Ohne Rücksicht. Ich kämpfte in der Zeit für eine Entschuldigung, die nach knapp einem Jahr eintraf. Der Chef musste zum Psychiater zwecks Schulung, weil ich dem Betriebsleiter auf der Pelle lag. Ich kämpfte für eine Traumatherapie über die Opferhilfe, erhielt wenig Beratung, da andere Personen wegen Notfällen mir vorgezogen wurde, die Sachbearbeiterin meine Hörbehinderung unterschlug – nicht ernst nahm die Kommunikation Stress war. Schaute für Finanzierung durch externe Seiten, da ich für die Genesung nichts bezahlen wollte. Die Kirche half mir da, der Täter wurde aber von der kirchlichen Sozialdame ständig in Schutz genommen. Ich bekam von Betriebsleiter Erleichterungen, vor allem bei der Traumatherapie, da ich danach oft krank war, so vieles hoch kam, ich machte sie ambulant, Psychische Krankheiten leiten sich bei Genesung über den Körper aus. Ich konnte wieder weinen, hatte wieder hohes Fieber, konnte mich wieder verlieben, entdeckte Freude und Spass wieder nach und nach. Ging aber durch jedes Traumata durch in knapp 2 Jahren, machte LOM, lernte mich anzunehmen, die Dinge zu integrieren, zu reden, lebendig zu werden, MIR was GUTES zu tun. Ich wurde egoistisch, das stetig, lernte das nun und Ellbogen.
Im Betrieb bekam ich einen unsichtbaren Maulkorb, wurde während meiner Krisenzeiten durch die Kollegen gemobbt, erlebte Isolation. Wenn ich wohl geredet hätte, aber mit wem, hätte ich wohl den Job verloren… die damalige Bezugsperson war heillos überfordert, machte ein paar grobe Fehler, wo wieder der Betriebsleiter ins Spiel kam. Man legte mir oft Kündigung nahe. Ich sagte immer, ich habe KEINEN FEHLER gemacht, also gehe ich aucht nicht.
Stetig ging es mir besser, die Traumatherapie schloss ich erfolgreich und würdevoll ab. Der Kontakt zur langjährigen Therapeutin gestaltete sich dramatischer – die Dame wurde schwerkrank, beim Ende meiner Traumatherapie.  Sie wollte mich wohl irgendwie loswerden, gab mir nochmals eine Aufgabe, es geschah abrupt. Danach fiel mein soziales, therapeutisches Netz auseinander, ich machte KEINE Therapie mehr, nach einem Jahr, 3 erfolglosen Therapieversuchen, wo mich die Therapeuten nicht mehr da abholten, wo ich stand, beendete ich das Kapitel, kurz darauf nahm ich keine Psychopharmaka mehr.
Ich wurde offener, lernte immer mehr Frauen, Menschen kennen, verlor meine Ängste, gewann an Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein. NUN nehme ich MEIN LEBEN IN MEINE Hand, ich bin mein eigener Experte.
Im „Heimat“land hielt mich nichts mehr, ich wanderte aus, es fiel mir sehr leicht. Zig Hürden habe ich seither genommen, Ämter etc. Ich wurde stets stärker,  auf Opferspiele falle ich nicht mehr rein, habe viele Strategien nun. Die Menschen überrasche ich ständig. Folge nun einfach meinem Weg, meiner Intuition und dem, was ich für mich für richtig halte.
Seit 15 Jahren sind Katzen an meiner Seite – sie sind treu, die besten Freunde und Therapeuten, sie waren immer da, Menschen nicht.

Ich lernte, es gibt keine Sicherheit, nur die IN mir und die in Gott, die für mich immer da war, nicht die der Kirche.
Ich bin gläubig, liebe Engel, und glaube an die geistige Welt.
Liebe ist für mich bedingungs und grenzenlos. Wie von Gott und den Tieren.  Viele Menschen verstehen das nicht, können und kennen es nicht.
Stetig finde ich meinen Frieden, weiss nun, wie ungefähr „normale Menschen fühlen“. Da ich nun endlich Wurzeln habe und Flügel.
Als Kranke war ich psychisch-körperlich tot, mein Unterleib spürte ich nicht oder nur grosse Schmerzen…

Neben der Psychotherapie liess ich mich noch jahrelang von Geistheilern begleiten durch Handauflegen. Durch Gespräche. Da fand ich Menschlichkeit, Annahme, Stärkung meiner Fähigkeiten und Sensibilität und Erdung.
Da die Medizin immer Grenzen hat – die Spiritualität nicht.

Für mich ist mein LEBEN  jetzt ein WUNDER. Ich dachte nie, dass ich es soweit schaffen würde. Auch meine langjährige Psychiaterin freut sich sehr darüber, bestätigt mir, ja, das kann vorkommen.

Ich habe stets, selbst bei Krisen mich für meine Selbstbestimmung eingesetzt, auch wenn es hart war. DENN nur ICH weiss, was mir gut tut, hilft und mich weiterbringt.
Der therapeutische Rahmen stützte das, dafür bin ich immer dankbar.

Nun lerne ich zu leben, als Mensch und Frau und mich nach und nach, hier in meiner neuen Heimat DE einzugewöhnen und das Leben meiner Wünsche zu erfüllen, mir zu gönnen.
Ich lernte, mich selbst zu lieben. Ich lernte in der Familie mich zu hassen, weil die Familie überfordert war, ich vielleicht in ihren Augen schuld war, was weiss ich….
Frieden kommt nun nach und nach…
Ich habe vieles losgelassen, innere Versöhnung mit der Familie und dem Heimatland braucht noch Zeit für mich.
Im Heimatland wurde mir bewusst, habe ich keine wahre Heimat.
Diese suche ich mir nun.

Viele Kontakte sind abgebrochen, es ist ok so, neue Menschen treten stetig in mein Leben..

Ich bin nun meine Familie und gib mir nun alles selber, was ich selber brauche und mir gewünscht habe, dann werde ich dann auch bald reif wieder für eine Beziehung sein, diesmal OHNE Altlasten.

Ich lernte nie aufzugeben, jede Chance zu nützen, jede Hilfe zu suchen und anzunehmen, zu unterscheiden, welche Hilfe dient mir und bringt mich weiter oder welche schadet mir..

Viele hohe Menschen, viele Autoritäten haben für mich ihren Schrecken verloren, denn eine wahre Autorität dient und sucht stets das Beste für alle, die schlechte schadet, bewertet, wertet ab…

Ich bin sehr dankbar und möchte gerne davon abgeben.

Ich danke fürs Lesen.

Herzliche Grüße

Jacqueline Stamm

2 Kommentare

  1. Evaulla schreibt am :

    Hallo Jacqueline,
    DANKE! fürs Schreiben!
    Danke für die vielen Erklärungen.
    Und danke fürs Mut-machen.
    Und dir weiter alles GUTE, nur Gutes.
    Viele Grüsse, Evaulla

  2. Jacqueline schreibt am :

    Hallo Evaulla,

    ich danke Dir für Deine Worte, obwohl ich schon 80% überwunden und auf dem Weg in ein neues Leben bin, erlebe ich auch noch Momente, wo ich nochmals geprüft werde, ob ich nun stabil genug bin, weiterzugehen…..

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

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