Sexueller Missbrauch – Auswirkungen auf das Kind

25.03.2010

Kann man Traumatisierungen durch sexualisierte Gewalt in der Kindheit unbeschadet überstehen?

Wir Betroffenen sagen Nein!

Die Lehrmeinung der Klinischen Psychologie sieht das anders:

“Die unmittelbaren Auswirkungen von sexuellem Missbrauch auf ein Kind sind sehr unterschiedlich. Bei fast der Hälfte der Betroffenen scheint sich der Übergriff nicht negativ auszuwirken (Kuehnle, 1998).”

Zitiert nach: Davidson – Neale – Hautzinger (2007): 
Klinische Psychologie Seite 511 f. Weinheim BelzPVU. ISBN 978-3-621-27614-6

Und die Nervenärztin und Psychoanalytikerin Luise Reddemann  hat in einer Talk-Show gesagt:

“Also es gibt Forschung die sagt, ungefähr 50 % der Trauma-Opfer wollen verdrängen und tun’s auch und fahr’n damit gut und die andere Hälfte will eben nicht verdrängen, will sich auseinandersetzen und dann ist es auch gut.”
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Ein Bericht von Petra Forberger

„Eine Myriade an Reaktionen“

In der Fachliteratur kursieren Aussagen wie „Bei fast der Hälfte der Betroffenen scheint sich der Übergriff nicht negativ auszuwirken“. Es ist also an der Zeit, sich mit diesen Zahlen und den dahinter stehenden Blickwinkeln eingehender zu beschäftigen.

Die US-amerikanische Psychologin Dr. Kathryn Kuehnle erforscht seit vielen Jahren das Thema sexueller Kindesmisshandlung und seine Folgen. In den Veröffentlichungen „Child Sexual Abuse Evaluations: The Scientist-Practioner Model“ (1998 in Behavioral Science & the Law) und „Child sexual abuse evaluations“ (2002 in A.M. Goldstein & I.B. Weiner Comprehensive handbook of psychology, 11. Ausgabe) stellt sie ihre Erkenntnisse ausführlich dar.

Deutlich wird, dass es in Kuehnles Untersuchungen zunächst einmal um die Personengruppe der von sexueller Misshandlung betroffenen Kinder geht. Wenn in diesem Zusammenhang also von „Folgen“ (oder eben nicht) gesprochen wird, dann geht es zunächst um Symptome, die ein Kind eventuell als Folge von erlebter sexueller Gewalt relativ zeitnah zeigen könnte. Es geht also NICHT um die Frage eventueller Spätfolgen, die sich oftmals erst im Erwachsenenalter zeigen.

Weiter zeigt sich, dass die Forschungsergebnisse von Dr. Kuehnle teilweise bereits überholt sind: Kuehnle will festgestellt haben (bzw. beruft sich wiederum auf Forschungsergebnisse anderer), dass Säuglinge und Kinder im Vorschulalter aufgrund ihrer kognitiven Begrenzungen und ihrem Unvermögen, die Bedeutung einer sexuellen Handlung zu begreifen, ein geringeres Risiko als ältere Kinder hätten, sexuelle Viktimisierung als traumatisch zu erfahren (Kuehnle 1996). Bei älteren Kindern, die die Bedeutung der sexuellen Handlung begreifen könnten, sei die Ausbildung von Folgen abhängig von den bis dahin entwickelten Haltungen und Einstellungen.

Hier möchte ich auf die gerade in jüngster Zeit veröffentlichten Ergebnisse aus der Hirn- und Traumaforschung hinweisen, die biophysiologische Zusammenhänge von frühen Stresserfahrungen mit späteren Erkrankungen aufzeigen. Unter anderem haben mehrere ForscherInnen vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München in einer Studie junge Mäuse hohem emotionalem Stress ausgesetzt. Der DNA-Test zeigte später, dass den Mäusen chemische Markierungen, so genannte Methylgruppen, in einem regulatorischen Abschnitt des Vasopressin-Gens fehlten, die gewöhnlich die Produktion des Eiweißmoleküls Vasopressin im Gehirn hemmen. In Folge wurde dieses Stresshormon ständig weiter produziert, was sowohl Emotionen, Gedächtnis als auch den Antrieb der Tierchen störte. Die Mäuse kamen ihr ganzes Leben lang kaum mit Stresssituationen zurecht. Florian Holsboer, Direktor am Max-Planck-Institut in München: „Früh erlittene schwere Belastung kann die Entwicklung krankmachender Prozesse einleiten, die sich später in Angsterkrankungen und Depressionen manifestieren“ (Spengler, Holsboer et al. „Dynamic DNA methylation programs persistent adverse effects of early-life stress”, Nature Neuroscience, 11/2009).

Ich denke, da zeigt sich sehr deutlich, welche Fortschritte die Traumaforschung allein innerhalb der letzten zehn Jahre gemacht hat, und dass daher Forschungsergebnisse, die zehn Jahre und älter sind, besonders kritisch hinterfragt werden müssen!

Zu den direkten bzw. zeitnahen Folgen von sexuellen Misshandlungen in der Kindheit (denn nur die waren Gegenstand ihrer Forschungen) stellt Kuehnle fest: „Die Sicht auf sexuelle Misshandlung als eine Art Trigger, der im Kind einen internen Prozess auslöst, der sich in vorhersagbaren Verhaltensweisen und emotionalen Symptomen zeigt, hat keine empirisch erforschte Begründung. Sexuelle Misshandlung führt nicht zur Entwicklung eines Syndroms mit bestimmten Symptomen, sondern ist eher ein Vorkommnis („live event“) oder eine Serie von Vorkommnissen, das ein weites Feld an Verhaltensweisen beim kindlichen Opfer produziert. Das Vorkommen von sexueller Misshandlung interagiert mit einer komplexen Fülle von Faktoren inklusive der Persönlichkeit des Kindes, der Interpretation des Ereignisses durch das Kind selbst und durch seine Familie, sowie der Charakteristik der sexuellen Misshandlung. Das Zusammenwirken von sexueller Ausbeutung und dieser Fülle von Faktoren produziert eher eine Myriade an Reaktionen als bestimmte feste Verhaltensweisen und emotionale Symptome bei allen Kindern.“ (Kuehnle zit. Kendall-Tacket, Williams, & Finckelhor 1993)

DAS HEISST: Es gibt nach Ansicht von Kuehnle KEINE VORAUSSAGBAREN, klar definierbaren Folgen von Traumatisierungen durch sexualisierte Gewalt, sondern eher eine Vielfalt an Reaktionen und Symptomen, je nach Individualität und Persönlichkeit des Kindes, je nach Familienstruktur und Reaktionen der Umwelt auf das Ereignis, und vor allem je nach Schwere und Charakteristik der Übergriffe.

Zu den Faktoren, die Einfluss auf die Entwicklung von Folgen, ihre Art und Stärke, haben, zählen laut Kuehnle und Kollegen unter anderem (alles Zitate aus den Kuehnle-Papieren):

Mannarino et al. (1994) berichteten über zunehmende Symptomatik inklusive größerer Angst und depressiver Symptome bei sexuell misshandelten Kindern, die sich getrennt von Gleichaltrigen fühlen, die zu erhöhter Selbstbeschuldigung bei negativen Erlebnissen neigen, die geringere Glaubwürdigkeit empfinden sowie über geringes Selbstvertrauen verfügen.

Wolfe et al. (1989) fand heraus, das kindliche Opfer, die glaubten, dass sie erneut misshandelt werden könnten, vermehrt negative Auswirkung und mehr verhaltensmäßige Symptome zeigten als Opfer, die diese Angst nicht haben.

Übereinstimmend mit Forschungsergebnissen bezüglich der biologischen Folgen von langanhaltendem Stress, zeigen Kinder, die mehrfache Formen von Misshandlung erfahren haben, psychobiologische Folgen inklusive dysreguliertes Cortisol, erhöhte Katecholamin-Werte, und Anzeichen für immunologische Probleme (Tickett & Putnam, 1998).

Andere Forscher haben herausgefunden, dass Kinder, die von den eigenen Vätern (sexuell) misshandelt wurden, und deren Misshandlungserfahrungen Geschlechtsverkehr und körperliche Gewalt mit einschließen, langfristig die schlechtesten Aussichten haben (Browne & Finkelhor 1986, Wyatt & Newcomb 1990).

Familiäre Unterstützung ist ein starker Schutzfaktor vor den Konsequenzen einer sexuellen Misshandlung. Der Level der Überlastung, der psychologischen Symptomatik und der Geschwindigkeit der Gesundung des kindlichen Opfers sind abhängig von der elterlichen Unterstützung (Runyan et al. 1988).

Untersuchungen von Friedrich et al. (1988) ergaben, dass familiäre Konflikte und mangelnde elterliche Unterstützung größere Wahrscheinlichkeitsfaktoren für emotionale und verhaltensmäßige Probleme bei sexuell misshandelten Kindern sind, als es die einzelnen Misshandlungen selbst sind.

Robustes Beweismaterial zeigt, dass je größer die Selbstbeschuldigungen und negativen Wahrnehmungen des Kindes sind, desto größer ist das Risiko, dass sich langfristige negative Folgen entwickeln (Mannarino, Cohen & Berman 1994).

Eine Auswertung von 45 Studien durch Kendall-Tacket et al. (1993) ergab, dass sexuell misshandelte Kinder mehr emotionale und verhaltensmäßige Symptome zeigen als nicht sexuell misshandelte Kinder. Dennoch, so Kuehnle, zeigen sexuell misshandelte Kinder keine höheren Symptommuster oder Vorkommnisse von PTSD als körperlich misshandelte Kinder und nichtgequälte psychiatrisch hospitalisierte Kinder. (D. h. es gibt Kuehnles Ansicht nach KEINE Unterschiede für die unterschiedlichen Misshandlungsformen; sie sagt damit NICHT, dass sexuell und anders misshandelte Kinder KEINE Symptommuster und/oder PTSD entwickeln!!)

Kinder, die mehrfache Formen von Misshandlung (z. B. körperliche und sexuelle Misshandlung) erfahren, zeigen ein erhöhtes Risiko für langfristige psychologische Probleme verglichen mit Kindern, die nur eine Form von Misshandlung erfahren haben (Shipman, Rossman, & West 1999).

Das heißt, ob und welche Folgen Traumatisierung durch sexuelle Gewalt zeitigt, ist abhängig davon, wie verbunden sich ein Kind mit anderen fühlt, wie sehr es in seinem bisherigen Leben positive und stabilisierende (Selbst)Erfahrungen machen konnte und wie stark es darauf vertrauen kann, dass ihm geglaubt wird. Es ist abhängig davon, in welches Familienklima das Kind hineingeboren wurde, bzw. in welchem es aufwächst. Es ist außerdem abhängig davon, ob die Erfahrung von sexueller Gewalt einmalig ist und bleibt, oder ob das Kind erneute Übergriffe erwarten muss (und erlebt). Einer der ausschlaggebendsten Faktoren für die Entwicklung von Folgestörungen ebenso wie für die Bewältigung einer solchen Erfahrung ist demnach das Verhalten der direkten Umgebung, insbesondere der Eltern.

Wenn man nun weiß, dass sexuelle Misshandlung von Kindern überwiegend im direkten Nahbereich, häufig innerhalb der Familie, stattfindet, bzw. von Menschen, die dem Kind und/oder der Familie nahe stehen, erfolgt, muss man nicht weit denken können, um die hohe Gefährdung für langfristige Folgen zu erkennen. Meiner Erfahrung nach ist das Vorkommen von sexueller Gewalt im Nahbereich ja bereits ein Indiz dafür, dass hier keine gesunden, unterstützenden, stärkenden, hilfreichen familiäre Strukturen vorhanden sind, sondern dass im Gegenteil dieses (auch erweiterte) familiäre System bereits krank ist. Ebenso bedeutet die Tatsache, dass sexuelle Misshandlung von Kindern häufig im sozialen Nahraum von dem Kind nahestehenden Personen erfolgt, dass die überwiegende Zahl dieser Kinder in der „Erwartung“ leben muss, dass es nicht bei einem einmaligen Erlebniss bleibt. Sexuelle Misshandler sind Wiederholungstäter, das ist bekannt, und sie sichern sich ja gerade deshalb den „Zugriff“ auf ein nahestehendes, abhängiges, isoliertes Kind, um ihn dauerhaft gestalten zu können.

Also was sagen uns diese Erkenntnisse im erweiterten Umkehrschluss? Antwort: Die Wahrscheinlichkeit, Folgestörungen zu entwickeln, sind – wenn man genau hinsehen will und das Gesamtbild erfasst – „systemimmanent“, gründen also auf Faktoren, die bereits Teil der Misshandlungs-Konstellation sind. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Folgestörungen kommt, geradezu erschreckend hoch.

Und das legen meiner Ansicht nach selbst die (veralteten) Zahlen von Kendall-Tacket et al. (1993), auf die sich Kuehnle (und vielleicht auch Reddemann) beziehen, nahe:

Kuehnle schreibt: „Obwohl durch sexuelle Misshandlung traumatisierte Kinder Probleme aufweisen können, die ihre Überforderung wiederspiegeln, wie beispielsweise Angst vor Dunkelheit, Trennungsängste, Anhänglichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen, sind nicht alle sexuell misshandelten Kinder traumatisiert oder überfordert („distressed“) durch sexuelle Erlebnisse („sexual events“). In ihrer Auswertung von 45 Studien fanden Kendall-Tacket et al. (1993) heraus, dass der Prozentsatz von sexuell misshandelten Kindern ohne Symptomatik zwischen 21 % bis 49 % liegt.“

Und weiter: „Obwohl Kendall-Tacket und ihre Kollegen (1993) herausfanden, dass sexuell misshandelte Kinder mehr psychologische Symptome entwickeln als Kinder, die nicht-sexuell misshandelt wurden, gab es kein Symptom, das von der Mehrheit der Opfer entwickelt wurde.“

„Zudem“, so Kuehnle, „unterschieden sich sexuell misshandelten Kindern nicht von anderen Kindern, die fachliche psychologische Hilfe („mental health services“) wegen verhaltensmäßiger, emotionaler oder sozialer Probleme in Anspruch nahmen, mit Ausnahme von sexuellen Verhaltensweisen, die häufiger von sexuell misshandelten Kindern gezeigt wurden.“

Anmerkung 1:
 Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass diese Prozentangabe ERHEBLICH VARIABLER ist, als sie u.a. von Kuehnle und Reddemann verwandt wird (sofern sich beide auf diese Ergebnisse berufen). Daraus den Schluss zu ziehen, dass „etwa die Hälfte keine Symptomatik entwickelt“, ist meiner Ansicht nach grob fahrlässig und wahrheitsverzerrend. Richtiger wäre, zu sagen, dass ein Viertel bis die Hälfte aller sexuell misshandelten Kinder MÖGLICHERWEISE keine Symptome zeigen. Der umgekehrte Blick hierauf würde aber ebenso bedeuten, dass 51 % bis 79 % (also fast 80 Prozent!!!) eine Symptomatik entwickeln. Übersetzt: AUF JEDEN FALL die Hälfte (!!!) bis DREI VIERTEL aller sexuell misshandelten Kinder zeigen Symptome.

Anmerkung 2: 
Aufgrund der Ausführungen von Kuehnle (in ihren beiden Texten) und ihrer zitierten KollegInnen muss selbst diese Prozentangabe vorsichtig gelesen werden!! Wenn Kendall-Tacket et al. bei der Auswertung von 45 Studien feststellen, dass ein bestimmter variierender Prozentsatz keine Symptome zeigt, heißt das noch lange nicht, dass es keine FOLGEN hat, Traumatisierung durch sexuelle Gewalt zu erleben, bzw. erlebt zu haben.

Zudem wird in den Ausführungen (und vermutlich nicht nur da) der Begriff „Symptome“, bzw. „Symptomatik“ sehr widersprüchlich und teilweise irreführend verwendet. So geht es beispielsweise häufig nur um die Abgrenzung, ob sexuelle Misshandlung andere oder zusätzliche Symptome hervorruft als „normale“ Misshandlung. Das heißt, es ist klar, dass Misshandlung Folgen hat, es ist nur unklar, ob sich Folgen sexueller Misshandlung davon unterscheiden.

Oder es werden Störungen aufgezählt wie Angst vor Dunkelheit oder Schlafstörungen, die, weil sie auch OHNE sexuelle Misshandlung vorkommen können, nicht als Symptom für sexuelle Misshandlung gezählt werden (aber dennoch Folge von sexualisierter Gewalt sein können!).

Oder Symptome gelten deshalb nicht als Folgen von sexueller Misshandlung, weil sie nicht bei der Mehrheit der Opfer feststellbar sind. Dabei schreibt Kuehnle doch selbst, dass es gerade NICHT möglich ist, voraussagbare, klar definierbaren Folgen von Traumatisierungen durch sexualisierte Gewalt festzulegen, WEIL sexuelle Gewalt – je nach Individualität und Persönlichkeit des Kindes, Familienstruktur und Reaktionen der Umwelt, Schwere und Charakteristik der Übergriffe – eine Vielfalt an Reaktionen und Symptomen zur Folge hat!

Und zur Erhebung von Symptomen das Auftauchen von sexuell misshandelten Kindern in irgendwelchen öffentlichen Institutionen („mental health services“) heranzuziehen, zeugt entweder von größtmöglicher Naivität oder grober Fahrlässigkeit. GERADE DORT tauchen sexuell misshandelte Kinder als allerletztes, bzw. am seltensten auf!!! Oben gemachte Ausführungen zur Tätersituation im Nahbereich erklären dies (und Betroffene-ExpertInnen wissen das auch genau!!).

Ein letztes zum Thema „Symptome“: Solange beispielsweise Verschweigen (ein typisches „Symptom“ bei sexuell misshandelten Kindern aufgrund von Schweigegeboten, Todesdrohungen, Scham und Schuldgefühlen des Opfers, samt Zweifeln an der elterlichen Unterstützung und eigener Glaubwürdigkeit) oder andere Formen der Angstsprache NICHT als Symptome erkannt werden, sind sämtliche Aussagen über „Folgen“, „Symptome“ oder „Symptomabstinenz“ nur mäßig relevant!

Resümee:

Ich denke, worum es Kuehnle geht (oder ging), war, eine Art wissenschaftlich basierten „Leitfaden“ für professionelle Untersuchende zu entwickeln, nach dem bei Verdacht auf sexueller Misshandlung vorzugehen ist. Dieser „Leitfaden“ – das von ihr so genannte „Scientist-Practioner Model“ – soll anhand von vorgegebenen Leitlinien sicherstellen, dass die untersuchende Person keine voreiligen und unangemessenen Rückschlüsse und Zusammenhänge herstellt zwischen einer einzelnen Reaktion und dem tatsächlichen Vorkommen einer sexuellen Misshandlung.

Dazu hat sie auf einer wissenschaftlichen Ebene versucht, Anzeichen („Symptome“) zu identifizieren, die, wenn sie von Kindern gezeigt werden, eindeutig einen Rückschluss auf sexuelle Misshandlungen zulassen.

Ihre Untersuchungen haben ergeben, dass das nicht möglich ist. Kuehnle hat festgestellt, dass sexuelle Misshandlung nicht (automatisch) zur Entwicklung eines Syndroms mit bestimmten Symptomen führt, sondern eher ein Lebensereignis ist, das ein weites Feld an Verhaltensweisen beim kindlichen Opfer produziert. Diese Verhaltensweisen – in der Folge von sexuellen Misshandlungen! – stehen in direktem Zusammenhang mit einer komplexen Fülle von individuellen, persönlichen, sozialen und tatcharakteristischen Faktoren. Wenn also sexuelle Gewalt UND diese Fülle von Faktoren zusammenkommen, entstehen laut Kuehnle „eher eine Myriade an Reaktionen als bestimmte feste Verhaltensweisen und emotionale Symptome“.

Und sie stellte in ihrem 2002 veröffentlichten Text „Child sexual abuse evaluations“ fest: „Das Überleben von Erinnerungen durch langanhaltende Verdrängung („Ablagerung“), der Einfluss der traumatischen Erinnerungen auf späteres Verhalten sowie die erneute Rückkehr der Erinnerungen und ihre Auswirkungen müssen weiter untersucht werden.“

Petra Forberger, 04.02. 2010

57 Kommentare

  1. Mariella Vantin schreibt am :

    Auch ich wurde missbraucht, von einer Verwandten. Das Fatale dabei ist die sexuelle Erregung, die man verfrüht als Kind aufgedrängt bekommt, und die man, da sie mit Glücksgefühlen verbunden sind, als tiefen Verrat an sich selbst erlebt, den man sich zu verzeihen kaum imstande sieht. Vom Verstand natürlich schon, denn das Kind konnte nichts dafür. Ich bin deswegen bisher Single geblieben und bekam keine Kinder. Alle Nichtbetroffenen haben keine Ahnung.

  2. Petra schreibt am :

    Die Rechtsmedizinerin Prof. Dr. med. Elisabeth Trube-Becker benennt in ihrem Buch „Missbrauchte Kinder“ (Kriminalistik-Verlag 1992) diese Folgen:

    „Die sexuelle Ausbeutung eines Kindes stellt, wenn auch häufig nicht als solche angesehen, eine Gewalttat gegen das Kind mit besonders gravierenden Folgen dar.“

    „Dabei ist der sexuelle Missbrauch eines Kindes in der Familie, in der wir es als wohlbehütet und geborgen wähnen, das Schlimmste, was einem Kind geschehen kann.“

    „Ein Kind, Knabe oder Mädchen, das von Kindheit an, ja schon als Säugling, sexuell ausgebeutet wird, leidet sein ganzes Leben unter diesen Erlebnissen. Eine unbefangene Kindheit und Jugend sind ihm vorenthalten.“

    „Als Kind und junges Mädchen sexuell ausgebeutet worden zu sein, ist ein schicksalhafter Tatbestand, der aus der Lebensgeschichte nicht mehr auszulöschen ist.“

    „Die Folgen von sexuellem Missbrauch von Kindern sind trotz gegenteiliger Behauptung unermesslich und besonders gravierend, wenn sich die sexuelle Ausbeutung in der Familie abspielt. Es sind solche physischer und psychischer Art.“

    „Zu den körperlichen Befunden gehören Blutungen und Zerreißungen der Genitalorgane, Blutungen und Einrisse der Afterschleimhaut, Bissspuren im Bereich der erogenen Zonen, Striemen, vor allem über der Innenseite der Oberschenkel (…), Geschlechtskrankheiten, vor allem Gonorrhoe der Vagina, des Afters und der Mundhöhle, die häufig zu Erstickungsanfällen führen, Pilzerkrankungen und andere Infektionen. Außerdem kann das Kind geschwängert werden.“

    „Auch psychische Folgen nach sexueller Kindesmisshandlung werden vielfach bestritten. In den üblichen Handbüchern ist wenig oder gar nichts über Spätfolgen nach Sittlichkeitsverbrechen an Kindern und Jugendlichen zu finden, so dass durchaus der Eindruck entstehen kann, es gäbe überhaupt keine solchen Folgen.“

    „Zu den Folgen in frühkindlicher Zeit gehören ähnlich der seelischen Folgen nach körperlicher Misshandlung in erster Linie: Anklammern an die Mutter, Aufschreien in der Nacht, Angstzustände, Appetitlosigkeit, Bettnässen, Schuleschwänzen, Weglaufen von zu Hause, Weigerung zu spielen. Später kann es zu Depressionen, Scham- und Schuldgefühlen, Verlust des Selbstwertgefühls, Selbstbeschädigung bis zum Suizid (Lister 1982), „Hysterie“ und Neurosen, Drogensucht und Alkoholismus kommen. Frigidität, aber auch Promiskuität, Prostitution und Kriminalität können als Folgen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit beobachtet werden. Manche dieser Folgen, vor allem Essstörungen bis zur Magersucht, Nägelkauen, Stottern, von zu Hause wegbleiben, bis der Vater zu Bett gegangen ist, können typische Signale darstellen, auf die Erwachsene gar nicht oder falsch reagieren.“

    „Sexuell missbrauchte Kinder senden Signale aus, die auch von den Menschen im nahen Umfeld der Kinder oft nicht verstanden werden. Sie sind ganz verschieden und nicht immer eindeutig.“

    „Frauen, die als Kind vom Familienangehörigen sexuell missbraucht worden sind, haben später häufig Partnerschaftsprobleme oder ordnen sich dem Mann extrem unter, was nicht selten einer „Karriere“ als misshandelte Ehefrau Vorschub leistet.“

    „Knaben reagieren anders, aber nicht minderschwer.“

    „Mädchen unternehmen dreimal häufiger Suizidversuche als Jungen. Die Selbstmordversuche sind ein verzweifelter Hilferuf sexuell misshandelter Mädchen, die sich beschmutzt und nutzlos fühlen und oft die Achtung vor sich selbst verloren haben.“

    „Dazu gehören meines Erachtens auch die Auswirkungen der frühzeitigen Sexualisierung des Kindes, von denen Zenke (1977) ausführlich berichtet. Sie schildert Kinder, die in ihrer kindlichen Sexualentwicklung gestört sind (…). Die Sexualisierung des Kindes durch progressive Maßnahmen kann die gleiche Symptomatik entwickeln (…) wie Einkoten, Einnässen, sadomasochistische Haltungen, Depressionen, Aggressionen, Perversionen, Süchte u.a.“

  3. Petra schreibt am :

    PROF. DR. WERNER F. J. STANGL vom Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität Linz hat zu den Folgen sexualisierter Gewalt Folgendes veröffentlicht:

    (Zitatanfang) „Grundsätzlich sind die Folgen des sexuellen Missbrauchs in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: aus den unmittelbaren Folgen können Hinweise für einen sexuellen Missbrauch erkannt werden, während aus den längerfristigen Folgen sich Hinweise auf notwendige Interventionen ergeben (vgl. Engfer 1998, S. 1012).

    Bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde noch die Meinung vertreten, dass sexuelle Übergriffe für die Betroffenen keine gravierenden Folgen hätten, während heute unumstritten ist, dass sexuelle Gewalterfahrungen sich schädigend auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken.

    Amerikanische Untersuchungen haben ergeben, dass bis zu 40 Prozent der Opfer unmittelbare Folgewirkungen in Form von auffälligen Verhaltensweisen und teils massiven psychische Beeinträchtigungen aufweisen. Unangemessene Reaktionen bei der Aufdeckung oder übereilte Interventionen können eine sekundäre Traumatisierung der Opfer bedeuten.

    Untrennbar mit der Erfahrung des sexuellen Missbrauches ist das Nicht-darüber-reden-können (und dürfen) verknüpft. Vor allem beim sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie ist Schweigen das oberste Gebot.

    So sehr sich die Kinder das auch wünschen, sie können nicht darüber sprechen. Die Drohung des Täters, sie zu prügeln oder gar zu töten, kommt nicht selten vor, ist aber oft genug nicht nötig. Das Kind ist gewöhnt, aufgrund der Autorität des Erwachsenen zu gehorchen.

    Zu Beginn des Missbrauch ist es vielleicht verwirrt, meint, sich geirrt zu haben und dass das nicht wieder vorkommt. Das Kind fühlt sich mitschuldig, eine Empfindung, die vom Täter oft nach besten Kräften geschürt wird. Er sagt vielleicht, das Mädchen sei so sexy, dass er sich nicht zurückhalten könne; sie sei schlecht und habe es verdient; sie wolle es in Wirklichkeit doch auch; alle Väter machten dies mit ihren Töchtern, weil sie sie liebten.

    Das Mädchen hat keine Information über das Vorkommen des Missbrauchs, es glaubt dann oft, es sei das einzige, dem das passiert. Es beginnt, an seinen eigenen Gefühlen und seiner Wahrnehmung zu zweifeln, denn der Vater muss doch Recht haben.

    Dazu kommt, dass auch kleine Mädchen sehr wohl wissen, dass die Existenz der Familie von ihnen abhängt. Der Täter malt es ihnen vielleicht aus: Papa im Gefängnis, es selbst und die Geschwister im Heim. Mama mittellos und allein. Vor allem die Mutter muss geschont werden. Sie soll nicht enttäuscht und traurig sein, ihre Liebe darf nicht verloren werden. Es mag auch sein, dass das Mädchen die Mutter als schwach und untergeordnet erlebt und sich keine Hilfe von ihr verspricht.

    Nach Kavemann und Lohstöter (1989) entwickeln diese Mädchen oft eine unglaubliche Stärke, um die Verantwortung für die gesamte Familie zu tragen. Zu dieser Verantwortung gehört oft auch die Erduldung der sexuellen Gewalt, um jüngere Schwestern zu schützen.

    Das Netz, das die Kinder umspinnt und deren Schweigen sichert, ist engmaschig. Angst, Scham Schuldgefühle, Bedrohung, Erpressung, Bestechung, Lügen, Unglauben, Rücksicht auf die Familie und das Schweigen machen alle noch viel schlimmer. Keine Aussicht auf ein Ende des Missbrauchs, Steigerung der sexuellen Gewalt und die Gewissheit, dem allen hilflos und ohnmächtig ausgeliefert zu sein.

    Wagen es die Opfer doch einmal, das Schweigen zu brechen, stoßen sie oft auf Unglauben, Ablehnung, Vorwürfe oder gar Beschimpfungen von allen Seiten („Lolita“), doch Kinder sagen die Wahrheit, wenn sie von sexuellem Missbrauch berichten (nach Braun 1991).

    Klare körperliche Symptome und Verletzungen wie beispielsweise Striemen, Bisswunden, Blutergüsse, Verletzungen im Anal- und Genitalbereich etc. fehlen oft, aber auch im psychischen Bereich findet sich häufig kein eindeutiges Syndrom des sexuellen Missbrauchs.

    Eine britische Studie zeigte, dass sich bei zwei Drittel der Kinder mit Verdacht auf sexuellen Missbrauch keine körperlichen Verletzungen erheben lassen (vgl. Bange & Deegener 1996, S. 78). Man unterscheidet grob zwei Gruppen von Anzeichen:

    • Verbale Signale: Ein Kind erzählt oder macht Andeutungen gegenüber einer Person, zu der es großes Vertrauen hat (z.B. Mutter, Verwandtschaft, Lehrerin etc.). Oft sind diese Andeutungen recht zaghaft, da das Kind sich selbst nicht sicher ist, was da mit ihm passiert ist. Die Kinder haben natürlich auch oft Formulierungsschwierigkeiten wenn sie über das Erlebte sprechen wollen. In der Folge hängt es dann von der Vertrauensperson ab, ob der Missbrauch aufgedeckt wird bzw. beendet werden kann (vgl. BM f. Umwelt, Jugend und Familie 1993, S. 49ff).

    • Averbale Signale: Sollte das Kind bei den Versuchen, sich Gehör für das Problem zu schaffen, scheitern, wird es Signale setzen, die auf den Missbrauch aufmerksam machen sollen. Solche Signale sind Verhaltensänderungen und Verhaltensweisen, die den Menschen in der Umgebung meistens auch auffallen. Dies ist nun jener Punkt, wo die Verantwortlichkeit aller einsetzt, die mit dem Kind zu tun haben (z.B. Verwandte, Bekannte, Kindergärtnerinnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen etc.). Einige Signale sind z.B. Schulschwierigkeiten, Verbesserung der Schulleistungen um zu kompensieren, Erzählungen von unwahrscheinlichen Geschichten über zu Hause, Selbstzerstörung wie Nägelkauen, sich hässlich machen, Selbstmordversuche, Bettnässen, Waschzwang, den Körper nicht herzeigen wollen, Ausreißen von zu Hause, Essprobleme etc. (vgl. BM f. Umwelt, Jugend und Familie 1993, S. 52 f).

    Symbolischer Ausdruck des Missbrauchsgeschehens und verbale Andeutungen sind nach Streicher-Pehböck & Winkler-Kirchberger (2000):

    • Auffälliges Angezogensein durch Schmutz, Matsch und Kleister;
    • Wiederholte Fragen zu sexuellen Themen, obwohl es längst aufgeklärt wurde und Antworten erhalten hat;
    • es spielt Missbrauchshandlungen mit Puppen in Rollenspielen nach oder zerstört und zerfetzt eine Puppe im Geschlechtsbereich;
    • es fängt an, jedesmal zu stottern oder zu stammeln, wenn es etwas von sich selbst und seinen Gefühlen erzählen will;
    • es hat Zeichnungen von nackten Frauen, zeigt sie her oder erzählt, dass es einen Pornofilm gesehen hat;
    • es erzählt, dass sein Papa im Kinderzimmer schläft;
    • es erzählt, dass beim Opa Milch aus dem Penis fließt;
    • es erzählt, dass sein Papa nachts ins Bett macht;
    • es erzählt, dass in der Nacht oft ein dunkler Geist kommt, der ihm die Bettdecke wegnimmt und es anfasst;
    • Flucht in eine Phantasiewelt („ich hab mich einfach weggeträumt, sonst hätte ich das gar nicht ausgehalten“);
    • besondere Stellung in der Familie: Lieblingstochter, die viele Geschenke vom Vater erhält, oder die Mädchen übernehmen früh Verantwortung für Haushalt und Versorgungspflichten.

    Unmittelbare Folgen des sexuellen Missbrauchs betreffen die geistige Entwicklung des kindlichen Wissens über Sexualität. Untersuchungen haben gezeigt, dass weniger als 5 Prozent der befragten Kinder zwischen 2 bis 6 Jahren die Geschlechtsorgane angemessen bezeichnen können. 90 Prozent hatten überhaupt kein Wissen über den Geschlechtsakt von Erwachsenen. Es kann daher für die Diagnose des sexuellen Missbrauchs relevant sein, wenn Kinder unter 6 Jahren über ein solches Wissen verfügen. Es muss aber nicht immer bedeuten, dass Kinder ihr Wissen durch einen eigenen Missbrauch erworben haben.

    Das Spielverhalten von missbrauchten und nicht-missbrauchten Kindern beim Spielen mit anatomisch korrekten Puppen unterscheidet sich nicht so eindeutig, wie man oft meinen könnte. Gewisse Verhaltensweisen können sowohl bei missbrauchten als auch bei nicht missbrauchten Kindern vorkommen. Es kann daher nicht eindeutig bei einem entsprechendem Spielverhalten auf einen sexuellen Missbrauch geschlossen werden.

    Nicht alle missbrauchten Kinder lassen den Missbrauch in Kinderzeichnungen erkennen. Außerdem kommt es vor, dass auch nicht missbrauchte Kinder Genitalien zeichnen. Das diagnostische Mittel der Kinderzeichnungen ist daher meist nicht eindeutig.

    Ein spontaner Bericht eines Kindes ist einer der zuverlässigsten Hinweise für einen sexuellen Missbrauch. Bei jüngeren Kindern ist der Bericht oft nicht sehr detailliert aber dennoch hoch valide, aber ältere Kinder verschweigen oft aus Scham oder Furcht die Erfahrung des sexuellen Missbrauchs.

    Missbrauchte Kinder zeigen eine höhere Symptombelastung in den Bereichen Angst, Depression, Aggression, Einsamkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Unfähigkeit anderen Menschen zu vertrauen, homosexuelle Tendenzen, Suizidgefährdung, internalisierendem, externalisierendem und sexualisiertem Verhalten aufzeigen.

    Die Symptombelastung nimmt manchmal mit der zeitlichen Distanz zum sexuellen Missbrauch ab, hingegen werden Aggressionen und sexualisiertes Verhalten gravierender (vgl. Engfer 1998, S. 1012ff).

    Die jeweiligen Verhaltenssymptome sind häufig altersabhängig (vgl. Engfer 1998, S. 1013):

    • Bei missbrauchten Kindern zwischen 0 und 6 Jahren zeigen sich vor allem Ängste, Albträume, Regressionen, internalisierendes und sexualisiertes Verhalten.
    • Missbrauchte Kinder zwischen 7 und 12 Jahren leiden oft unter Ängsten, Albträumen, Schulproblemen bzw. zeigen unreifes, hyperaktives oder auch aggressives Verhalten.
    • Im Alter zwischen 13 und 18 Jahren leiden die Kinder oft unter Depressionen, sozialem Rückzug, Suizidneigung, Weglaufen oder aber auch Alkohol- /Drogenmissbrauch.

    Nach Kramer (1990) ist bei manchen in der Kindheit Missbrauchten keine Erinnerung als solche vorhanden, oder es ist diese nur teilweise abrufbar, etwa als „somatische Erinnerungen“ an das Trauma und zu aktuellen Empfindungen wie Angst, Furcht, Ärger und Lust führen.

    Brenneis (1994) berichtet, dass bei einer Patientin ein bestimmter Geruch im Büro immer Angst auslöste. Im Laufe der Therapie assoziiert sie damit Alkohol und später auch männlichen Samen. Und sehr viel später erinnert sie sich, von ihrem betrunkenen Vater Missbraucht worden zu sein, der eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Chef hatte.

    Bei einem Trauma darf die Betonung daher nicht ausschließlich auf der äußeren Realität liegen, sondern es müssen immer das psychische Erleben und die Phantasien berücksichtigt werden. Gerade bei diesen Gesichtspunkten stoßen wir allerdings in empirischen Untersuchungen an Grenzen.

    Ein wichtiger Faktor für die Bewältigung des Missbrauchs ist eine liebevolle und unterstützende Familie oder professionelle HelferInnen. Eine Bewältigung gelingt besser, wenn sich das Opfer keine Mitschuld an dem Missbrauch gibt bzw. die Verantwortung ausschließlich dem Täter zuschreibt. Sollten ambivalente Gefühle im Spiel sein, ist die Verarbeitung erschwert (vgl. Engfer 1998, S. 1014).

    Eine der wichtigsten Hilfen für das Kind ist, die Schuldgefühle zu bearbeiten und ihm glaubhaft zu machen, dass es keine Schuld an dem Missbrauch hat, es den Missbrauch nicht verhindern hätte können, es verständlich ist, warum es beispielsweise so lange geschwiegen hat, es beispielsweise für die Auflösung der Familie nicht verantwortlich ist (vgl. Dutter et al. 1993, S. 17).

    Die Ergebnisse der Adverse Childhood Experiences (ACE) Studie (Felitti 2002) belegen eindeutig, dass psychosoziale Belastungsfaktoren in der Kindheit lebenslange Folgewirkungen besitzen können. Diese Studie ist die ausführliche Verlaufsuntersuchung von über 17.000 erwachsenen Amerikanern, bei denen der aktuelle Gesundheitszustand zu belastenden Kindheitsfaktoren in Beziehung gesetzt wurde, die im Mittel ein halbes Jahrhundert früher aufgetreten waren.

    Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung war, dass belastende Kindheitserfahrungen (Missbrauchskategorien waren u.a. wiederholter körperlicher Missbrauch, wiederholter emotionaler Missbrauch und sexueller Missbrauch) auch fünfzig Jahre später tiefgreifende Folgen haben, wobei sich diese psychosozialen Erfahrungen mittlerweile in eine körperliche Erkrankung umgewandelt haben.

    Patienten mit einem ACE-Wert von vier oder mehr besitzen ein um 460 Prozent höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken, als diejenigen mit einem ACE-Wert von null.

    Auch fand sich eine um 1.220 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Suizidversuchs unter diesen beiden Gruppen! Bei höheren ACE-Werten steigt auch die Häufigkeit eines Selbstmordversuchs auf das 30- bis 51fache (Dube et al. 2001).

    Bei Anwendung der statistischen Methode der Populations-Risiko-Verteilung ergab sich, daß zwischen einem Drittel und 80 Prozent aller Selbstmordversuche auf die psychosozialen Belastungsfaktoren der Kindheit zurückzuführen waren (Felitti 2002). (Zitatende)

    (Quelle: arbeitsblaetter.stangl-taller.at)

  4. Petra schreibt am :

    Aus einem Vortrag von Prof. Dr. med. Reinhard Plassmann auf der Tagung der Landesärztekammer Stuttgart im Februar 2004 geht Folgendes zur ACE-Studie (2002) hervor:

    (Zitatanfang) „Die Adverse Childhood Experiences (ACE)-Studie ist eine ausführliche Verlaufsuntersuchung an über 17.000 erwachsenen Amerikanern. Es wird der aktuelle Gesundheitszustand zu belastenden Kindheitsfaktoren in Beziehung gesetzt, die im Mittel ein halbes Jahrhundert früher geschehen waren.

    Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist, dass belastende Kindheitserfahrungen häufig sind, obwohl sie im allgemeinen verborgen und unerkannt bleiben; dennoch haben sie auch Jahrzehnte später tiefgreifende Folgen.

    Die psychosozialen Erfahrungen haben sich mittlerweile in eine Erkrankung umgewandelt: in Essstörungen, Süchte, Depressionen, Suizidversuche, Diabetes, Herzerkrankungen. Die Arbeitsfähigkeit und Leistungsfähigkeit im Beruf verschlechterten sich signifikant mit jeder Erhöhung der Kindheitsbelastung.

    Die Autoren resümieren: „Unsere Ergebnisse belegen eindeutig, dass psychosoziale Belastungsfaktoren in der Kindheit häufig zerstörerisch sind und lebenslange Folgewirkungen besitzen. Sie sind er wichtigste Faktor, der Gesundheit und Wohlbefinden unserer Nation bestimmt.“ (Felitti 2002, S. 367). (…)

    Im Kern der krankmachenden Erlebniskomplexe stehen, so zeigt es sich, stets überstarke negative Emotionen, die nur notdürftig gleichsam eingekapselt sind, ohne sich je auflösen zu können. Das Einkapseln erfordert permanenten Energieaufwand. Die Patienten gehen deshalb allen Triggern aus dem Weg, die an die negativen Emotionen rühren könnten, sie stehen unter permanenter Erregungsspannung, dem sogenannten Hyperarousel, gleichwohl dringt dieses negative emotionale Material ständig in die Gegenwart ein, es kommt zu Nachhallerinnerungen (Flashbacks), Alpträumen, Affektdurchbrüchen, Panikattacken.

    Das unbewältigte emotionale Material bemächtigt sich auch des Körpers. Wir sehen schwere chronische Schmerzzustände, chronische Kopfschmerzen, sehr häufig Tinnitus. Das Körpergedächtnis reproduziert die überstarke negative emotionale Energie. Wir können deshalb damit rechnen, dass künftig eine zunehmende Anzahl psychosomatischer Erkrankungen traumatologisch besser verstanden und behandelt werden kann als bisher.“ (Zitatende)

    (Quelle: praxisvertretung-allgemeinmedizin.de/Genaueres/Psychotraumatologie3.pdf)

  5. Ozzi schreibt am :

    Hallo, ist ja wirklich ganz eindrücklich, was so alles schreckliches bei sexuellen Übergriffen in den Familien passiert….macht euch doch mal kurz die Mühe und stellt euch vor, wie so etwas hinter Klostermauern oder in einem Schul-Kolleg ablaufen kann, und ihr werdet vielleicht darauf kommen, hier doch den Ball ein wenig flacher zu halten… die Lustmolche in Soutanen sind ein Klischee und dass Sexualität überall dort stattfindet, wo Menschen eng zusammenarbeiten oder zusammenwohnen, ist irgendwie simpel… ich kann jedenfalls nicht erkennen, wo der Mut des Pater Mertes liegen soll, der 600 ehem. Schüler, die mittlerweile meist Großväter sind, angeschrieben hat, um etwas von den Übergriffen in den 70ern zu erfahren… Mut fängt bei mir da an, wo man etwas tut in dem Bewusstsein, dass man auch scheitern kann… Diesen echten Mut kann ich bei dem genannten Herrn wahrlich nicht erkennen… Nur noch als Randbemerkung: Ich war von meinem 10.-13. Lebensjahr Kollegschüler in einem kath. Priesterseminar und glaube ganz gut zu wissen, wovon ich rede…

  6. Roswitha schreibt am :

    Auf der homepage Kirchenopfer.de, ist in der Nummer 3/2007 der Zeitschrift Mahnmal nachzulesen, wie ich als 9jährige vor der ganzen Schulklasse verbal-sexualisierte Gewalt durch eine katholische Nonne erlebt habe. An diesem Tag wäre ich zum erstenmal in meinem Leben lieber gestorben, als dass ich weitergelebt hätte.
    Die genannte hp wird zwar vom Universellen Leben betrieben; doch gehöre ich nicht dieser Gemeinschaft an; hier fand ich aber eine Gelegenheit, meine Geschichte zu veröffentlichen.

  7. Norbert schreibt am :

    Ich habe mehrere Anläufe unternommen um mit den Folgen und mit der mentalen Belastung fertig zu werden.

    Was sind die Folgen für mich? Da kann ich die permanente mentale Beschäftigung mit dem Geschehenen nennen, zur Zeit natürlich besonders. Seit dem Zeitpunkt des Missbrauchs bin ich nicht mehr in der Lage mich zu entspannen. Nicht weil ich keine Auszeiten habe sondern weil ich nicht will. Vor zwei Jahren war ich zu einem Seminar um zu lernen wie man sich entspannt. Am ersten Abend gab es zum Abschluss eine Entspannungsübung. Die war so super, dass mir schlagartig die Bilder des Missbrauchsaktes, der glücklicherweise nur einmalig war, vor meinem geistigen Auge standen. Da stand wie von der Tarantel gestochen schweißgebadet im Raum und alle Teilnehmer waren total erschrocken. Um solche Ereignisse zu verhindern, müssen die ‚grauen Zellen‘ bei mir immer rotieren und wenn ich im Urlaub zwei Wochen überlege ob ich die Haustür richtig verschlossen habe.

    Niemand kann wissen wie mein bisheriges Leben ohne dieses Verbrechen gewesen wäre. Es gibt keinen Klon der in einer identischen Parallelwelt ohne diese Belastung lebt und bei dem man sehen kann welche Folgen für mich der Missbrauch wirklich hat. Ich weiß nicht wie ich mich ohne diese Belastung entwickelt hätte. Ich bin heute der Mensch der ich bin, sicherlich auch durch den Missbrauch geprägt, auf der Suche nach Liebe, Wärme und Geborgenheit und auf der Suche nach meiner persönlichen, vielleicht auch neuen, heilen Welt, die mein Peiniger innerhalb kurzer Zeit zerstört hat. Von daher bekomme ich einen Schreikampf wenn mir jemand sagt ‚Dir geht es doch gut. Du hast Arbeit, ein Haus, ein Auto. Was willst du noch mehr?‘ Das hört sich für mich an wie ‚Missbrauch als Motivation für den beruflichen Erfolg‘. Es ist in meinen Augen hochgradig pervers die Folgen des Missbrauch anhand des materiellen Wohlstand des Opfers messen zu wollen. Das ist die Logik von Wortverdrehern, die ihre persönliche Schuld und die Schuld des Systems nicht eingestehen wollen.

    Eine weitere Folge sind sicherlich auch Probleme in Beziehungen, keine große Freude an Sex, Angst vor medizinischen Untersuchungen bei denen ich aufgrund von Narkosen nicht kontrollieren kann wer was mit mir macht. Da ist die Beschwerde meiner Tochter ich würde ihr nicht ausreichend Liebe und Wärme entgegenbringen. Aber mir geht es doch gut, ich habe eine Arbeit, ein Haus und ein Auto.

    Das Vertrauen in das System und seine Hilfsangebote ist bei mir dauerhaft zerstört. Beim letzten Anlauf diese mentale Belastung anzugehen sagte mir die Therapeutin, dass ich doch sicherlich auch meinen Spaß an der Sache hatte. Da dachte ich der Erdboden würde sich öffnen und mich verschlucken. Genau dieses ist eine der Aussagen mit denen der Täter das Opfer davon abhält diese Dinge nach aßen zu tragen, was mir in der Sitzung nicht sofort klar wurde, weil er dem Opfer eine Mitschuld in das Gehirn pflanzt. Es ist genau die Frage mit der der Anwalt des Täters von vergewaltigten Frauen diesen vor Gericht eine Mitschuld unterschiebt, weil sie sich nicht gewehrt haben. Diese Frage ist genau der Grund warum Opfer sexueller Gewalt oft nicht zur Polizei gehen. Bei einem Gespräch mit der Polizei wurde mir auch gesagt: ‚Ich hätte mich doch wehren können‘. Konnte ich aber nicht, ich war 8 und wusste nicht wie mir geschah. Für mich ist das Thema Therapie kein Thema mehr. Meine mentale Verfassung ist kein Auto, dass nach nicht erfolgreicher Reparatur eben in eine andere Werkstatt kommt. Ich bin mir als Versuchsobjekt für selbsternannte Experten zu schade und möchte solche Dinge nicht wieder durchmachen. Da finde ich es zusätzlich hochgradig schändlich den Opfern des Missbrauchs von Angehörigen der Kirche Hilfe in seelsorgerischer oder psychologischer Hinsicht aus deren Reihen anzubieten. Doch nur damit das Gesagte der Opfer schön hinter den Kirchenmauern bleibt und die Möglichkeit hat maximalen Einfluss auf den weiteren Verlauf der ‚Abwicklung‘ zu nehmen. Wie sagt man so schön: ‚Den Bock zum Gärtner machen‘. Ah ja, billiger ist es auch, die Leute sind ja eh da.

  8. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo Norbert,
    Sie beschreiben so anschaulich viele dieser Momente, in denen man als Betroffener erstmal überlegen muß – spinne ich oder spinnen die anderen ?

    Ich komme immer häufiger zum Schluß, daß die anderen spinnen. Nicht weil ich denke, daß sie Unrecht hätten – sondern, weil für sie und mich wohl unterschiedliche Maßstäbe gelten.

    Das gilt nicht zuletzt für die Suche nach passenden Therapien und Therapeuten.
    Meiner Erfahrung nach ist im Falle von sexuellem Mißbrauch nicht die Methode des Therapeuten wesentlich, sondern sein Menschenbild und seine Einstellung.
    Je normativer ein Therapeut ist (d.h. je vehementer er das Menschenbild seiner bevorzugten Therapiepraxis vertritt) desto ungeeigneter ist er.
    Es ist eine Kunst, mit den ambivalenten Gefühlen und Eindrücken des Patienten zu arbeiten, ihn überhaupt erstmal dazu zu bewegen, sie zu offenbaren und trotzdem in gutem Kontakt zu bleiben.
    Gerade das, was die Betroffenen nicht wahrhaben wollen oder das, was sie „zurechtrücken“, weil ihnen von außen Werte aufgepropft wurden, die mit der Tatsache des Mißbrauchs kollidieren, schafft ungeheuren Druck und viel Leid.
    Sich damit auseinanderzusetzen und sich davon zu befreien, bringt Kraft zurück.

    Deshalb darf man sich als Betroffener einiges zugestehen : z.B. Entspannungsübungen im Gegensatz zu vielen anderen Menschen nicht zu mögen.
    Sex mit anderen Menschen nicht gut zu finden und deshalb zu vermeiden. Gerne allein zu sein und zu schweigen. Daß die einzige Berührung durch fremde Menschen, die man akzeptieren kann, die vom Friseur ist…

    Von Menschen, gerade auch Therapeuten, die einem irgendein „Normverhalten“ aufdrängen wollen, sollte man sich ebenfalls fern halten. Oder eine konfrontative Diskussion über „Normalität“ mit ihnen führen. Z.B. warum es unsere Gesellschaft zuläßt, daß sexueller Mißbrauch von Kindern normal ist (im Sinne von Quantität). Und warum es eben dann unnormal sein soll, wenn einige Betroffene diese vielen „positiven“ Bedürfnisse nicht haben („Liebe“, „Gemeinschaft“, „Entspannung“, „Sex“…)Oder sich entschließen, sie nicht haben zu wollen.
    Wieso sich denn dann ausgerechnet die Betroffenen ändern sollen- ihre „Unnormalität“ schadet doch niemandem ? Ganz im Gegensatz zur „Unnormalität“ der sexuell Übergriffigen ?

    Ich weiß nicht, wie alt Ihre Tochter ist und ob sie von Ihrem Schicksal weiß.
    An sich hilft es Kindern, wenn sie wissen, daß es nicht an ihnen liegt, wenn die Eltern ihnen vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit entgegenbringen können, wie sie sich wünschen. Sie suchen sonst schnell die Schuld bei sich, sind verunsichert und fordern um so vehementer Beachtung ein.
    Und ich weiß aus eigener Erfahrung, daß es umso schwerer wird einen echten, guten Kontakt zum eigenen Kind aufzubauen, wenn man sich wiederum von Idealen „guter Vater, gute Mutter“ beeinflussen und unter Druck sezten läßt.
    Auch mir fiel es anfangs schwer, eine gute Beziehung zu meinem Kind aufzubauen. Erst im Laufe der Zeit konnte ich es annehmen. Mein Sohn kennt meine Geschichte. Ich habe mir angewöhnt, ihn kurz „vorzuwarnen“ wenn ich nicht gut drauf bin und ihm damit zu zeigen, daß es nichts mit ihm zu tun hat.
    Damit kann er gut leben, mittlerweile verstehen wir uns gut und haben ein persönliches, vertrauensvolles, offenes Verhältnis.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute,
    Angelika Oetken, Berlin

  9. gudrun schreibt am :

    hallo norbert,
    zuerst einmal meine hochachtung und meinen dank, das sie es schaffen mit diesem theme,sexsueller missbrauch, an die öffentlichkeit zu gehen.

    ich bin mit 6 jahren (heute 63) das erstemal sexuell missbraucht wurden.er war ein mir unbekannter mann. von da an war ich ein anderes kind. meine eltern haben mich „verstossen“. mit 12 1/2 wurde ich von 3 mann vergewaltigt. ich bin nicht zu meinen eltern gegangen, aus angst nicht. ich bin zu meiner rektorin gegangen. die ist mit mir zur polizei, von da aus zum arzt usw..
    mir wurde von meinen eltern suggeriert das ich schuld an diese sache sei.
    in dem alter wuste ich, das wenn jemand etwas ganz schlimmes getan vor gericht muss.
    am tag der verhandlung, sagte meine mutter zu mir, gudrun, du brauchst heute nicht zur schule, du musst vor gericht.
    ich wurde von einem mittarbeiter des jugendamtes abgeholt und er fuhr mit mir zum gericht.
    nach einer weile, wurde ich aufgerufen.
    ich betrat den riesigen gerichtssaal.
    vor mir,etwas erhöht, der richter und drei oder vier andere männer etwas weiter links noch ein mann.
    unterhalb links die drei vergewaltiger und 4 männer.
    rechts unterhalb zei männer und der vom jugendamt.
    ich stand vor gericht die vergewaltiger sassen.
    alle männer waren in scchwarz gekleidet. es war keine mir vertraute person dabei.
    vor gericht wurde ich nocheinmal“vergewaltigt“ aber diesmal mit zuschauern. dies war 1960

    in meiner lehre wurde ich von meinem lehrherrn mehrmals
    sexsuell missbraucht. ich traute mich aber nicht zu hause etwas zu sagen. denn ich fühlte mich ja selber schuldig. also bin ich abgehauen. nach drei tagen wurde ich von der polizei aufgeriffen und nach hause gebracht.
    ich habe nicht gesagt warum ich abgehauen bin. ich hab eine tracht prügel bekommen. kurze zeit später musste ich zum jugendamt. ich wurde in die geschlossene klinik
    für jugendpsychatrie gesteckt. ich wurde in ein zimmer mit gittern vor den fenstern eingeschlossen.
    ich habe es geschaft nach etwa 14 tagen auszubrechen.
    per anhalter mit einem lkw bin ich dann abgehauen.
    mit 19 hab ich geheiratet. mein mann hat mich 10 jahre sexsuell missbraucht und vergewaltigt. meine eltern haben mir nicht geholfen. ich hatte zwischenzeitlich 2 kinder bekommen.mein mann hat mich auch gezwungen es mit einem hund zu tun. da hab ich das 7 mal versucht mir das leben zunehmen.(4x als kind im elternhaus und 3 mal während meiner ehe). ich habe es dann aber alleine geschaft mich von meinem mann zu trennen. wie weiss ich nicht mehr. aber wegen der kinder hatte ich weiterhin kontakt (weihnachten, geburtstage u.s.w.) es war schlimm für mich. aber einestages habe ich es auch geschaft keinen kontakt mehr zu haben. vor meinen kindern war ich aber die böse.
    mit 56 jahren bin ich spielsüchtig geworden.
    meine kinder wissen von meiner vergangenheit aber ich darf nicht über meine gefühle mit ihnen reden, dann gibt es immer sehr grossen krach. ich würde immer alles so drehen wie ich will. mitlerweile erklären sie mich für verrückt.
    ich bin nicht verrückt, habe aber grosse angst, das ich es vielleicht werde.

    ich wünsche dir alles gute und viel erfolg, meine unterschrift hast du.

    gudrun

  10. Angelika Oetken schreibt am :

    Liebe Gudrun,
    wer so viele schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht hat wie Sie, hat eigentlich allen Grund, verrückt zu werden.
    Daß Sie es trotzdem geschafft haben, weiter zu leben und Ihre Kinder groß zu ziehen ist an sich schon eine große Leistung.
    Sie schreiben allerdings von Ihrer Angst, verrückt zu werden. So, wie es sich anhört, haben Sie niemanden, dem Sie sich anvertrauen können und der mit dem, was Sie berichten und empfinden umgehen kann.
    Ihre Kinder werden mit dem Thema sicherlich überfordert sein und merken, daß Sie sehr belastet sind. Angehörige haben häufig nicht genug Abstand, um „gut“ mit den schrecklichen Schilderungen und dem vielen Streß, der dabei hoch kommt, umgehen zu können.
    Manchmal geben sie sich auch selbst die Schuld, ohne genau zu wissen, wofür.
    Das belastet das Verhältnis dann zusätzlich, ohne daß einer von den Beteiligten eine Möglichkeit sieht, etwas daran zu ändern.

    Niemand – weder Sie noch Ihre Kinder können etwas dafür, daß Männer Ihre Haßgefühle an Ihnen ausgelassen haben, um ihre eigene Minderwertigkeit auszugleichen.

    Haben Sie schon daran gedacht, eine spezielle Therapie zu machen ?
    Falls Sie unsicher sein sollten, wo Sie geeignete TherapeutInnen finden, können Ihnen MitarbeiterInnen von Beratungsstellen sicherlich helfen.
    Es ist egal, ob Sie sich an eine Suchtberatungsstelle wenden (wegen Ihrer Spielsucht) oder an eine Beratung für Menschen, die mißbraucht oder mißhandelt wurden.
    Diese Probleme (Mißhandlung, Mißbrauch, Sucht)treten häufig gemeinsam auf, deshalb sind die BeraterInnen damit auch vertraut.
    Solche Beratungen sind kostenlos und auf Wunsch finden sie anonym statt.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und Menschen, die Sie auf Ihrem Weg unterstützen.

    Angelika Oetken, Berlin

  11. Karin Gause schreibt am :

    Die These aufzustellen, dass 50% aller missbrauchten Kinder mit dem Missbrauch gut zurecht kämen und als Erwachsene keine Symptome entwickeln, erscheint mir – gelinde gesagt – gewagt.
    Dieser These dann auch noch ein wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen, indem man auf Studien verweist, die zu diesem Ergebnis geführt hätten, ist nur noch zynisch und lässt jede Empathie vermissen. Wie bitte schön haben denn diese Studien ausgesehen?
    Ich stelle mir da eine Gruppe von Kleinkindern vor, die unter wissenschaftlicher Beobachtung sexuell missbraucht werden. Da es bei Feldstudien immer eine Kontrollgruppe gibt, wird gleichzeitig eine Gruppe mit derselben Anzahl Kleinkinder gebildet, die nicht sexuell missbraucht werden. Dann wird in Langzeitstudien die seelische und körperliche Entwicklung der missbrauchten Kinder und der Kontrollgruppe nach bestimmten Kriterien ausgewertet und verglichen … Ich glaube, ich brauche dieses Szenario nicht fortzuspinnen. Die Absurdität spricht für sich …
    Tatsache ist, dass sexueller Kindesmissbrauch – insbesondere an Kleinkindern – nicht wissenschaftlich messbar ist, weil der Missbrauch nicht dokumentiert ist, weil es keine Zeugen gibt (jedenfalls bestimmt keine, die den Missbrauch zugeben). Man muss da schon der Symptomsprache der Betroffenen glauben, die meist ein beredtes Zeugnis des Geschehens ablegt.
    Oder haben Frau Dr. Kuehnle und Frau Dr. Reddemann die Kleinkindzeit im Leben ihrer erwachsenen PatientInnen Tag und Nacht lückenlos mit der Kamera dokumentiert? Das wäre nämlich erforderlich, um Missbrauch und seine Folgen klar wissenschaftlich einordnen zu können …
    Ich würde es deshalb gut finden, wenn solche unqualifizierten Thesen von Fachleuten künftig unterbleiben würden.
    Dies findet
    Karin Gause

  12. “Bei fast der Hälfte der Betroffenen scheint sich der Übergriff nicht negativ auszuwirken”.

    Das ist lächerlich das ist Augenwischerei!

    Es geht um die Frage eventueller Spätfolgen, die sich oftmals erst im Erwachsenenalter zeigen.

    Erst im Alter von 32 Jahren konnte ich mich an die Übergriffe die Folter durch den Küster von meinem 4 Lebensjahr an Erinnern.
    Spätfolgen ich habe Lebenslänglich an den Folgen der Folter mit Strom zu tragen im Kindesalter.
    Dabei “ genieße ich den Vorzug“ mich an die Übergriffe erinnern zu koennen!

    Viele andere Opfer sind gar nicht dazu in der Lage sich zu erinnern oder darüber zu sprechen. TROTZDEM LEIDEN SIE WEITER WIE DIE TIERE!

    Deshalb an alle Opfer die darüber sprechen können “ SAGT ES LAUT“

    Pia Survivor = Pia Nachtsheim

    http://www.1730live.de/archiv/news/news-details/datum/2
    010/03/19/opferschutz-fuer-kinder.htm

  13. Maren Ruden schreibt am :

    Wahrheit (griech.: das Gegenteil von Vergessen)

    Warum kann ich nicht vergessen?
    Weil ich weiß,
    dass es die Wahrheit ist.
    Nicht meine Wahrheit.
    Nicht irgendeine Wahrheit.
    Die Wahrheit,
    die geschehen ist.
    Wenn ich sie vergesse
    werde ich zur Lügnerin
    zu der ich gemacht werden soll.
    Aber ich kann nicht vergessen,
    selbst wenn ich wollte.
    Das kleine dicke Mädchen in mir,
    das immer singt im Dunkeln
    hält die Wahrheit fest,
    umklammert sie
    wie einen Schatz.
    Lässt sie nicht los,
    benutzt sie wie ein Schwert
    und
    stößt sie mir ins Herz
    wenn ich beginne zu vergessen… M.R.

    Die Statistik mit den 50 % der „mit dem Missbrauch gut zurecht kommenden“ ist für all jene gemacht, die die Wahrheit nicht sehen wollen und die hoffen, dass wir endlich wieder Ruhe geben und ins Schweigen zurück gehen aus dem wir kamen.
    Aber wir dürfen nicht mehr schweigen. Die Wahrheit, unsere Wahrheit, muss gesagt werden, denn wo sie aufhört fängt das Vergessen an – nicht unser Vergessen, sondern, dass wir vergessen werden.
    Als ich 14 war fing mein Vater an mich zu missbrauchen – das ging viele Jahre lang. Die Folgen waren – Suizidversuch, Essstörung, Depressionen, chronische Hauterkrankung. Trotzdem, ich lebe. Mir hilft schreiben, habe an zwei Anthologien (Bittere Tränen-Projekt) mitgewirkt. Vorbei ist es nie, das Opfer hat immer lebenslänglich – aber es kann nur besser werden für uns wenn wir endlich gehört werden.
    Schweigen ist nicht Gold, schweigen ist Tod.
    Grüße an alle, die auch durchhalten

    von Maren

  14. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo,
    das Problem ist, daß es viele Einzelstudien zum Thema „Langzeitfolgen sexuellen Missbrauchs in der Kindheit“ gibt, die sich mit unterschiedlichen Fragestellungen beschäftigen.
    Aber keine ausreichend groß und umfassend angelegte Langzeitstudie, die sich nämlich im Fall von sexueller Traumatisierung mit einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten beschäftigen müßte. Im Grunde einer ganzen Lebensspanne von sehr vielen Menschen.

    Deshalb sind pauschale Feststellungen, wie Sie Frau Reddemann in der Talkshow getroffen hat, auch an sich nicht korrekt. Sie hätte jedenfalls die Quelle angeben sollen und die Fragestellung der Studie kurz beschreiben. So „blöd“ wie manche „Experten“ annehmen sind Durchschnittszuschauer wie wir gar nicht.
    Zudem wurde nicht definiert, was unter „Verdrängung“ zu verstehen ist.

    Manch einer faßt den Begriff nämlich so auf, daß damit gemeint ist, nicht ständig an das Erlebte zu denken.
    Für andere ist es das bewußte Abspalten von negativen Erinnerungen und Gefühlen.

    So kommt es zu Missverständnissen. Es geht hier nicht um umgangssprachliche Ausdrücke, sondern um einen Kernbegriff eines ganz wesentlichen Forschungsgebiets.

    Frau Kuehnle hat, wie oben schon von Petra Forberger in ihrem Artikel erwähnt, ihre umfangreiche Forschung und Auswertung auf Kinder und Jugendliche angewendet.
    Sie hat definitiv keine Langzeitfolgen über den Zeitpunkt des Erwachsen werdens hinaus untersucht.

    Und das ist nicht so, weil sie es nicht wollte, sondern weil Forschung im Bereich psychosozialer Krankheiten sehr unzureichend finanziert wird.
    Seriöse Langzeitstudien zu betreiben, bedeutet, eine sehr repräsentative Gruppe von Menschen zu finden und über einen langen Zeitraum mit ihnen in Kontakt zu bleiben.
    Oder man untersucht eine sehr große Gruppe von Menschen über einen kürzeren Zeitraum.
    Es ist auch möglich, sogenannte „Metastudien“ zu betreiben, d.h. die vorhandenen Studien zu analysieren, zu vergleichen und daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen.

    Bei einer „Myriade an“ möglichen „Reaktionen“ auf eine sexuelle Traumatisierung wäre ein solches Vorhaben sehr aufwändig und damit teuer.

    Zudem ist es eine grundlegende Frage, ob man „nur“ definierte Krankheitssymptome als negative Folgen ansieht. Wie sieht es mit teilhabebezogenen Folgen aus, wie zerbrochenen Erwerbsbiografien, Partnerschafts- und Familienproblemen, Ausgrenzung, sozialem Rückzug, wirtschaftlicher Not oder sogar Delinquenz?

    „Teuer“ bedeutet, daß man potentielle Geldgeber davon überzeugen muß, daß diese Forschung dringend notwendig ist und die Ergebnisse von Belang sind. Vor allem in finanzieller Hinsicht.

    Wir sind uns hier sicherlich einig, daß sie unabdingbar ist, aber sehen das Entscheidungsträger auch so?

    Bis das so ist, bleibt nichts anderes übrig, als darauf hinzuweisen, daß es keine schlüssige, umfassende Forschung gibt, aber viele Hinweise darauf, daß sexuelle Traumatisierung in der Kindheit mindestens im Bereich der Teilhabe negative Folgen hat.

    Prof. Lucas hat das in dem Artikel vom 5.5. „Missbrauchsopfer des Aloisiuskollegs fordert Entschädigung“ sehr anschaulich dargestellt.

    Solche Beschreibungen von Einzelfällen sind, wenn sie mit sogenannten „Expertenmeinungen“ unterlegt sind, die unterste Stufe der Evidenz.

    Solche „Einzelfallstudien“ sind einfacher und damit preiswerter durchzuführen als großangelegte Studien mit höherer Evidenz.

    Ich habe schon viele Einzelfallstudien gelesen und selbst welche angelegt (in Form von Patientenberichten). Bisher habe ich keine gefunden, in der nicht mindestens gravierende Teilhabeprobleme vorlagen. Meistens auch deutliche, die funktionelle Gesundheit betreffende Folgen aufgetreten waren.

    Frau Reddemann sollte, wenn sie öffentlich sowas wie oben beschrieben behauptet, mind. einige Einzelfallstudien von Menschen veröffentlichen, die keine negativen Folgen ihrer sexuellen Traumatisierung erlitten haben. Dann könnten wir uns alle ein Bild machen, ob diese Studien unserer Meinung nach vollständig sind.

    Das wäre eine sinnvolle Diskussion auf breiter Ebene.

    Alles andere ist furchtbar leichtsinnig. Denn solche Aussagen wie die von ihr werden selektiv gehört und bewertet. V.a. von Tätern, denn die haben derzeit das größte Interesse daran, daß alles so bleibt wie es ist.

    Es geht ihnen ja schließlich in unserer Gesellschaft ziemlich gut.

    Angelika Oetken, Berlin

  15. Sarah M. schreibt am :

    Dem ganzen würde rasch Abhilfe angedeihen, würde die Politik sich endlich für eine Anzeigepflicht entscheiden.
    Gekoppelt damit könnte jedes Opfer und jede/r Erwachsene in der Kindheit von sex. Gewalt betroffene erfasst werden und die daraus resultierenden Folgen dieser sexuellen Misshandlungen in einer landesweiten Langzeitstudie über Jahrzehnte lang dokumentiert werden. Denn würde jedes Opfer, von sex. Gewalt zeitgleich mit der Anzeige (die bei Kindern von Erwachsenen gesetzlich gefordert werden sollte) und jede/r Betroffene eine sog. „Opfer von sex. Gewalt“ Karte (so wie jeder heute eine Krankenkassekarte besitzt) erhalten, könnte dies zukünftig sehr wohl flächendeckend nachgewiesen werden, welche Kosten der Staat bis heute noch unwissend Tag ein Tag aus berappen muss, um all die Langzeitfolgen zu bezahlen.
    Dadurch würde erstens der gesetzlichen Krankenkasse bewusst werden, wie hoch die tatsächlichen durch sex. Misshandlung entstanden Folgekosten sind! Dies gilt ebenso für Arbeitsämter, ARGE-Centern, Rentenkassen. Sobald ein Opfer von sex. Gewalt eine staatliche Leistung in Anspruch nehmen muss, aus welchen Gründen und wo auch immer (Krankenkasse, Rentenkasse, Arbeitsamt, Sozialamt), und er diese Spezialkarte vorlegt, könnten all diese soz. Versicherungsträger die damit verbunden Kosten seperat auflisten.
    Dazu bedarf es aber geschultes Personal an diesen Posten, die regelmäßig überprüft werden im empathischen und adäquaten Umgang mit den Betroffenen.
    Ein weiterer Vorteil dieser Idee, die Dunkelziffer würde drastisch sinken, und der Öffentlichkeit wowie den chronischen Weggucker und Politikern würde der Schleier der Vernebelung von den Augen fallen. Sie müssten mit Entsetzen feststellen, wie hoch die eigentliche Prozentzahl der Opfer sex. Gewalt liegt!!!
    Sarah M.

  16. Yasmin.Sa. schreibt am :

    Also ich kann über diese Studie nur den Kopf schütteln, denn ich bin auch eine die alles verdrängt hat und zum Teil immer noch verdrängt, aber es kommt der Zeitpunkt, an dem die geschlossene Schublade, sowas von heftig aufspringt, das man dann noch nicht mal mehr weiß wo oben oder unten ist!
    Das Verdrängen als Kind und Jungendliche( r ) ist ein Selbstschutz und ein guter, vor allem wenn jeder wegschaut, insbesondere die eigene Mutter so wie bei mir. Verdrängen, sich während des geschehens in eine andere Welt Denken, all das gab mir die Kraft weiter zu Leben.
    Alle Therapien sind gescheitert, da ich keine richtige Traumatherapie bekam, eine sechs wöchige Reha war völlig umsonst, ausser Heimweh, hat mir die Klinik nichts gebracht. Warum, weil mir keiner glaubte und nun, steht die Rentenkasse vor ihrem eigenen Trümmerhaufen!!!

  17. Hubert schreibt am :

    Zitat Yasmin:
    „Warum, weil mir keiner glaubte und nun,…“

    @Yasmin
    ja, soetwas ist für Betroffene kaum zu ertragen. Erst sich durchringen,
    das Erlebte nach außen zu tragen, was oft das letzte an Kraftreserven kostet.
    Und dann noch zu erleben, daß die Glaubwürdigkeit angezweifelt wird.
    Das ist Horror pur!
    Sowas muß unbedingt verhindert werden durch besonders gut geschulte Fachkräfte, welche sich auch ständig mit Betroffenen befassen.
    Und hier wird zudem deutlich, daß ein stationärer Aufenthalt sich auch
    negativ auswirken kann, und soetwas nicht zur Bedingung für Irgendetwas gemacht werden darf.

    Der Verlauf von Auswirkungen läßt sich in diesen Fällen nicht vorhersagen oder bestimmen. Nur in ganz kleinen Nuancen lassen sich eventuell Veränderungen bewirken…und das auch nur ohne Druck und Zwang.
    Opfer müssen versuchen, damit zu leben, wie es sich ergibt.
    Und genauso muss die Gesellschaft eben AUCH lernen, mit den Betroffenen und den Auswirkungen zu leben, wie es sich im Verlauf ergibt.

  18. Nichtgläubiger schreibt am :

    Das Schlimme ist, wenn ein Mensch unter psychischen Problemen durch
    Mißbrauch / Misshandlung leidet, egal ob die schnell da sind oder erst nach Jahren ausbrechen , einige Psychiater meiner Erfahrung nach
    den Patienten nicht für voll nehmen.

    Selbst wenn man als Angehöriger der gesund ist , den Ärzten schildert mit Beweismitteln was passiert ist, interessieren sich die Krankenhauspsychiater nicht für die Einzelheiten des Falles.
    Vermutlich fehlt die Zeit.

    Es werden ganz schnell riesige Mengen an Psychopharmaka gegeben,
    die im Akutnotfall notwendig sind, aber auf Dauer dem Menschen nicht helfen, die Traumafolgen loszuwerden.

    Das Selbstvertrauen bei Opfern wichtig ist, aufzubauen oder Angstabbau wichtig ist nach der Ohnmacht der Übergriffe , sehen einige auch nicht.

  19. Wilma schreibt am :

    Liebe Yasmin, Sie waren in einer Rehaklinik und niemand hat Ihnen geglaubt????? Das ist ungeheuerlich. Was war das für eine Klinik? Darüber sollte man mal eigene Untersuchungen anstellen, was die Renten-versicherungen alles für einen Mist finanzieren. Nach meinen Erkundigungen ist es in der Geschichte der DRV noch nicht ein einziges Mal vorgekommen, dass die Rentenversicherung Regressansprüche gegenüber einer Klinik geltend gemacht hat. Wenn Sie es nur ein einziges Mal in einer Klinik machen würde, dann würde aber ein anderer Wind wehen.

  20. Mona schreibt am :

    Hallo Yasmin
    Ich war damals auch in einer Klinikes war eine Grundtherra sie dauerte 18 wochen .Nun habe ich mich mit meiner Pyschologin unter halten ,sie hat mir eine Traumaklinik Empfohlen Im waltschlöschen in Drestendas ist eine klink für betroffene. Versuche es mal über deine Pyschologin.
    wenn es nicht klappt werde ich Dir die Mail senden .
    Bey mona

  21. Yasmin.Sa. schreibt am :

    Hallo @ all,

    erst mal das Schweigen brechen dazu braucht man eine Menge Mut, dann redet man mit den Ärzten vertraut sich ihnen an, bekommt Psychopharmaka, damit es dir ja ganz schnell wieder besser geht, vielleicht ändert sich auch wieder dein Gesundheitszustand!Man merkt dann ziemlich schnell das man nicht Ernst genommen wird…
    Erst nach jahrelanger Behandlung, nachdem die Verhandlung gegen meinen Erzeuger gelaufen war, (er wurde verurteilt weil er alles gestanden hat) hat man sich plötzlich um mich gekümmert und bemerkt das eigentlich der Zug abgefahren ist, denn durch die nicht Behandlung der eigentlichen Ursache, hat sich bei mir alles chronifiziert!
    Dann hieß es plötzlich ich bin zu Krank, somit beschloss man mich erst mal in Frührente zu schicken, wobei inmoment laut behandelden Ärzte keine Aussicht auf Heilung besteht. Hätten die mich früher wahr genommen wäre ich heute vielleicht in manchen Dingen des Alltags gefestigter und ich wäre erst gar nicht zu einem Rentenfall geworden.

    Ja @Wilma, ich war in einer Rehaklinik, die mich von fast allen Anwendungen die am Tage dort anstanden befreiten, dass heißt ich konnte an vielen Dingen die sie dort unternahmen nicht Teilnehmen, z.B. Schwimmen… ich war also sechs Wochen in der Klinik nur um einmal die Woche einen Psychologen zu sprechen!!!

  22. Eike schreibt am :

    Welche schlimmen Folgen Stress auf den Körper haben kann , ist in den aufgelisteten Links sehr gut erklärt. Jetzt weiß ich endlich nach langer Odyssee, warum ich immer wieder unter psychosomatischen Erkrankungen, Panikanfällen und Depressionen leiden mußte.
    Ich hoffe, die Informationen können anderen auch zur seelischen und körperlichen Besserung helfen!!!

    http://www.orthoanalytic.ch/fachbereich/pdf/Cortisol_und_DHEA.pdf

    http://www.kit-online.org/acc/KIT-Cortisolmangel.pdf

    http://www.uni-trier.de/uploads/media/Fibromyalgie.pdf

  23. Sarah M. schreibt am :

    Hallo Elke,
    leider haben aber medikamentös imitierte Cortisole, also Cortison sehr nachhaltige Nebenwirkungen, wenn man sie regelmäßig einnehmen muss!
    Ich leide seit 18 Jahren unter einer colitis ulcerosa und weigere mich bis heute, Cortison einzunehmen. Eine kontinuierliche konsequente Psychohygiene half mir persönlich langanhaltend die Schübe zu veringern und zu vermeiden. Unter Psychohygiene verstehe ich die Arbeit mit den inneren verletzten und traumatisierten Kindern. Mit einer Medikamention durch Cortison hätte ich nur die Symptome behandelt, aber nicht die deren Ursachen. Trotzdem ist es wichtig und gut, den Cortisol – Spiegel regelmäßig testen zu lassen. Und ich könnte wetten, dass bei jedem Betroffenen sex. Gewalt und jedem Traumatisierten der Wert erschreckend hoch ist! Das wäre mal eine Langzeitstudie wert!! Vielleicht auch erstrebenswert, dies als Verhärtung des Beweißes einer Traumatisierung für Schadensersatz bei Gerichtsverfahren einzuführen!
    Da würden Gelder fließen :-). Auch könnte man nachweisen, welchen Stress beim bestehende Anzeigeverfahren, dass ein Betroffener über sich ergehen lassen muss, ausglöst wird um auf eine medizinisch begründete Veränderung dieses Verfahrens hinzuarbeiten. Denn moralisch ist vom deutschen Gesetzgeber schon lange nichts mehr zu erhoffen! Entwicklungsland Deutschland!!!!
    Sarah M.
    Lieben Gruß von
    Sarah M.

  24. Bärbel schreibt am :

    Hallo Eike,
    ich habe und hatte viel an mir gearbeitet,
    durch Schicksalschläge oder deren Bewätigung , oder durch Fehlverhalten meinerseits und des Umfeldes,dass sich dann auch in Stress äusserte, wollte einfach vergessen,bin ich doch eigentlich traumatisiert,
    ich werde mir mich erkundigen,
    meine Erfahrungen auf diesem Gebiet,meine Tochter und ich erhalten Musiktherapie,z.B. Tomatis,die gibt es in Deutschland,wir fahren seit vielen Jahren nach Belgien,es gibt auch Informationen :
    http.://www.atlantis-vzw.de, mit vielen Grüssen Bärbel

  25. Eike schreibt am :

    Hallo Sarah M. ,

    ich nehme kein Cortison. Solche Tabletten würde ich nur in lebensbedrohlichen Situationen nehmen. Ich nehme auch keine Psychopharmaka. Wie ich schon oben geschrieben habe, habe ich eine lange Odyssee hinter mir mit unterschiedlichsten Therapiemethoden!
    In meinem Fall lag eindeutig ein organisches Problem vor!!!

    Das mit der Langzeitstudie finde ich eine gute Idee!! Mich würde interessieren, ob da vielleicht schon Studien zu laufen.
    Die Erkenntnisse der Medizin zeigen eindeutig, dass uns Betroffenen
    andauernde schwere Köfperverletzungen zugefügt wurden!!!

    Alles Gute und schöne Grüsse

    Eike

  26. Eike schreibt am :

    Hallo Bärbel,

    Die Tomatis Therapie hört sich sehr interessant. Erfahrungen mit der Musiktherapie habe ich noch nicht gemacht.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass Musik in einer Therapie heilen kann!!

    Alles Gute für Dich und Deine Tochter
    Schöne Grüsse
    Eike

  27. Astrid schreibt am :

    ich glaub das mein Vater mich Missbraucht hat.
    Ich habe keine erinerungen daran, doch in den letzten( ca. 15 Jahren )habe ich Albträume.
    Damals bin ich immer von zuhause weg gelaufen. Hatte nie vertrauen zu jemanden u.sw u.s.w. .
    Seid zwei Monaten mache ich eine Therapie, auf grund eines schlimmen zuammenbruchs (vor ca. 5 Jahren).
    Eine Pazientin hatte mich drauf aufmerksam gemacht.Bei dem gesprech Spiegelte sie mich wider.
    Meine frage: Ist es möglich das die Träume realitet sind und das jetzt alles ausbricht??????
    Lieben Gruß Astrid

  28. Yasmin.Sa. schreibt am :

    Guten Morgen Astrid,

    es ist durchaus möglich das man alles so verdrängt und sich an gar nichts mehr erinnern kann, eine sogenannte Amnesie. Ich kenne zwei weitere Betroffene, bei denen der Missbrauch, erst durch einen Zusammenbruch der Seele zum vorschein kamen. Erst in einer Therapie, kam dieser Missbrauch ans Tageslicht und die Aufarbeitung konnte begonnen werden.
    Sprich das doch mal in deiner Therapie an, wenn der/die Therapeu(t)in darauf eingeht, gibt es genug Therapieformen, diesen Missbrauch, wenn statt gefunden aufzudecken.

    Alles Liebe und Gute

    Yasmin

  29. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Astrid,
    ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, ja! Ja es ist möglich.
    Ich hatte alles verdrängt, habe mir sogar fest eingebildet, dass ich meine Mutter erst mit 8 Jahren kennengelernt habe (ich wuchs in einem Heim auf).
    Im Alter von 30 Jahren wurde ich dann aus unerklärlichen Gründen schwerst despressiv und choronisch krank (colitis ulcerosa).
    Erst mit hilfe einer jahrelangen Traumatherapie brach meine Horrorkinderzeit hervor.
    Meine Mutter nutzte die Wochenendabholzeiten dazu, mich und meine kleine Schwester im Kleinkindalter 2 – 5,6 Jahren zu verkaufen an Männern.
    Ich konnte das alles nicht fassen. Eine Konfrontation mit meiner Mutter aber bestätigte all das, was an abgespaltenen Erinnerung an Tageslicht gekommen war während der Therapiesitzungen.
    siehe auch Coming – out „Gefühlsbergwerk“.

    Ich bin bis heute noch am recherchieren, und es fügt sich ein Puzzleteil zum anderen, die diesen Horror bestätigen.
    Morgen zeige ich meine Mutter an und all die mir leider unbekannten Täter (mir wurden meist die Augen verbunden und die Hände und Füße ans Bett gefesselt).

    Deshalb, zweifle nicht an dem, was hochkommt – denn solange du zweifelst, kann keine Heilung geschehen.
    Sieh dir tapfer an, was dir deine inneren Kinder Stück für Stück zeigen werden. Sie haben solange schweigen müssen, nun hast du die Gelegenheit, ihnen eine Stimme zu geben, dein Ohr und dein Herz. Es ist ein schmerzhafter Weg, aber ein wichtiger!
    Denn Abspaltung und Verdrängung bringen nicht nur deine Seele um, die die Täter bereits in der Kindheit getötet haben, sondern auch den Körper.

    Ich wünsche dir bei deiner Aufarbeitung ganz viel Kraft und eine empathische, kompetente Therapeutin, die dich auf diesen schmerzhaften Weg behutsam begleitet und nicht müde wird, deine Wunden zu verbinden!
    Ganz liebe Grüße
    Sarah M.

  30. medi schreibt am :

    Liebe Sarah m,
    ich wünsche ihnen für morgen viel Kraft und Mut,
    aber den haben sie.
    Mögen ihnen danach sanfte Hände begegnen.
    Ich empfinde was sie tun und weiß.

  31. Astrid schreibt am :

    Liebe Yasmin und Sarah M.,
    vielen vielen dank für eure worte!!
    Als erstes möchte ich mich medi anschliessen, und dir Sarah M. führ morgen auch ganz viel Kaft wünschen!!! Ich wünsche dir vom ganzen Herzen das du inneren Frieden findest und hoffe das die Wunden schnell verheilen. Gott sei mit dir!
    Yasmin: Ich habe ein guten Therapeuten,doch irgendwie kann ich es nicht ansprächen. – Es ist zu peinlich.
    Ich habe ja nur meine Träume ,und die sind noch nicht mal ganz klar.
    Mitlerweile stehe ich Morgens immer Schweisgebadet auf und mir ist Morgens immer Schlecht und fühle mich alsob ich zwei nächt nicht geschlafen hätte.(Trotz 8 bis 9 Std. Schlaf)

    Sarah:Das ist echt wahnsinn was Dir/Euch pasiert ist. Ich bewunder deine Kraft und Mut. Hoch Achtung!!!
    Du machst mir Angst! Ich habe seid ca. zwei Monaten sehr heufig Durchfall und Unterleib schmerzen.Teilweise das sie mich in die knie zwingen. Abgesehen dafon sind noch jedemenge andere sachen dazu gekommen.
    Am liebsten würde ich nur im Bett bleiben. Jetzt verstehe ich auch die Ältere Leute 🙂 .
    Nein, ernsthaft.War das bei euch auch so????????
    Ich weis nicht mehr wer ich bin,der Alltag und überhaubt das Leben ist die reinste Qual geworden.In warsten sinne des wortes ,von ein moment zum anderen.

    Wer hat auch solche erfahrung?

    Yasmin und Sarah alles Liebe für die Zukunft!!!
    Eure Astrid

  32. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Medi,
    danke für Ihre Anteilnahme und Ihre positiven Wünsche.
    Die „sanften Hände“ begleiten mich zur Kripo. Ich bin ihr dafür unendlich dankbar!

    Vielen Dank für Ihre Empathie, Sie scheinen das Ganze schon hinter sich zu haben, wie mir scheint. Respekt vor Ihren Mut!!!

    Ich kann nur jede/n Betroffene/n dazu ermuntern, den Schritt zur Anzeige zu wagen, auch wenn die Täter tot sind oder nicht bekannt! Nur so minimiert sich die Dunkelziffer und dem Staat wird deutlich, wie hoch die Zahl der Betroffenen tatsächlich ist!

    Dankbare Grüße
    von Sarah M.

  33. Yasmin.Sa. schreibt am :

    Guten Morgen, ich wünsche Euch allen einen guten Start in die neue Woche.

    @ SarahM.
    Dir wünsche ich für heute ganz viel Kraft und Mut und ich freue mich das Du diesen Schritt gewählt hast Anzeige zu erstatten, zwar wird es nicht Deine Seele befreien, aber es gibt Dir doch ein wenig Selbstvertrauen zurück und wird Dir viele Gedanken der Schuld und Scham nehmen.

    @Astrid
    ich weiß wie schwer es ist über seinen Schatten zu springen und über das was in einem vorgeht zu sprechen, vielleicht hilft es Dir Deine Träume und was inmoment in Dir vorgeht, aufzuschreiben, was ich mir aber wünsche das Du in naher Zukunft die Kraft findest und Deine Therapeutin darauf ansprichst. Eine andere Möglichkeit wäre auch noch Dein Hausarzt oder jemand anderes vor dem Du weniger Scheu hast, darüber zu reden. Denn wenn Du Dein Schweigen brichst, kann man Dir Helfen, gegen die Psychosomatischen Beschwerden die inmoment Deinen Alltag begleiten und einschränken. Ich hoffe, ich kann Dir ein wenig Mut zusprechen. Wenn Du möchstest, schreibe mir eine E-Mail an yasmin.sabra [at] he.netzwerkb.org

    Alles Liebe und Gute

    LG Yasmin

  34. Sarah M. schreibt am :

    Hallo zusammen,
    ich habe es geschafft und hinter mir!!!
    4 Stunden Vernehmung, mitunter auch leider Asthmaanfälle, aber jetzt ist der ganze Dreck zwischen 2 Aktendeckeln. Es wurde alles aufgenommen, um mir eine weitere Befragung beim Antrag zum OEG zu ersparen. Meine mühevolle Vorarbeit der letzten Wochen, alle Missbräuche, alle Zeugenaussagen, alle Recherchen fein säuberlich schriftlich niederzulegen, hat sich gelohnt. Als die Kripobeamtin nach 4 Stunden merkte, dass ich am Ende meiner Kräfte angelangt war, fragte sie nur noch die Art der verschiedenen noch nicht erwähnten Missbräuche ab, wo sie stattfanden, wer dabei war und den Rest kann sie nun Dank meiner schriftlichen Vorarbeit einfach selbst nachlesen. Das ganze geht jetzt direkt zur Staatsanwaltschaft und an das Versorgungsamt, von dem mir dann der OEG – Antrag zugesandt wird. Dieser wird dann auch von einem Kripobeamten (und Ehrenamticher beim Weißen Ring), der heute gleich nach der Vernehmung die Aufzeichnungen und die Vernehmung per Internet zugesandt bekam, mit mir gemeinsam ausgefüllt. Die Kripo – beamtin fragte mich auch gleich nach meinen psychischen und physischen Symptomen und Krankheiten aus, die sich seit Jahren bei mir bemerkbar machten, und meine Therapeutin – die ja dabei war, hatte da so einiges aufzuzählen. Ich habe ja inzwischen schon eine ganze Mappe Diagnosen gesammelt, die werde ich dann dort hin schleppen. Auch habe ich in 2 Wochen einen Termin bei einem Psychiater, mit dem meine Therapeutin im Vorfeld schon mal telfonieren wird, um ihm meine Krankheitsgeschichte zu erzählen. So habe ich dann auch gleich noch ein Gutachten dazu!!!
    Ich möchte allen heute danken, die mir Mut gemacht haben zu diesem Schritt, und mich mit ihren Rat gestärkt und gedanklich begleitet haben. Das ist Gold wert und unbezahlbar!!!

    Es scheint, dass ich sehr gute Chancen für eine Opferrente habe! Allein deswegen hat sich dieser Psychomarathon schon gelohnt!!!
    Ganz herzliche und erschöpfte Grüße von
    Sarah

  35. Sarah M. schreibt am :

    Liebe Astrid,
    wenn ich deine Zeilen lesen, sehe ich mich darin wieder.
    Auch ich hatte zunächst nur Albträume, aber keinerlei Ahnung von all den sexuellen Foltern und Gewalttaten, die man an mir als Kleinkind verübte.
    Auch ich tat mir sehr lange schwer, darüber zu sprechen. Du schreibst, dass du eine sehr gute Therapeutin hast. Dann wird sie sich auch auf deinen momentanen Zustand des NICHT – SPRECHEN -KÖNNENS einlassen können. Mir half es, alle Albträume sofort nach dem jeweiligen danach schweißgebadeten Erwachen aufzuschreiben, damit sie aus meinem Kopf waren – und damit ich sie in der Therapiestunde nicht noch mal aussprechen musste. Mit diesen Aufzeichnungen arbeitete dann meine Therapeutin in der jeweiligen Sitzung. Auch schrieb ich täglich meinen psychischen und körperlichen Zustand, meine Gefühle, die in mir tobten, meine Ängste und alles, was mich bewog auf. Zu jeder Sitzung nahm ich dann diese Aufzeichnungen mit. Denn Therapeutin können nur dann mit uns effektiv arbeiten, wenn sie wissen, was in uns vorgeht. Und nirgendwo steht geschrieben, dass man sprechen muss, (da wären ja Stumme Betroffene von vorne herein benachteiligt!!!) – schreiben ist auch eine gute Möglichkeit, zumal man Jahre später sehr gut den Verlauf der Genesung noch einmal nachlesen kann.

    Deine körperlichen Symptome sind mir sehr vertraut!!! Meine Therapeutin erklärte mir damals, dass der Dickdarm das Organ ist, dass bei verdrängter Wut, Zorn und Ohnmacht reagieren würde. Und ich muss gestehen, sie hatte Recht. Es ist eine Form von Autoaggression, weil man – solange der Missbrauch komplett abgespalten ist, nicht weiß, wohin man mit dem unbewusst vorhandenen Zorn, der Verletzung, der Verzweiflung hin soll. Die Symptome, nicht mehr aufstehen zu wollen sind typisch für eine Depression. Man ist sich selbst zu viel, ist den alltäglichen Banalitäten nicht mehr gewachsen. Schreib auch dies auf. Deine Therapeutin sollte unbedingt darüber bescheid wissen.

    Im Laufe der Therapie lernte ich dann, dass meine Albträume mich auf mein abgespaltetes Trauma hinführten, Stück für Stück kam immer mehr Grauenhaftes hoch. Und ich lernte, den Zorn dorthin zu lenken – wo er seine Berechtigung hatte, nämlich zu den Tätern. Das dauert eine Weile, gerade dann – wenn di e Täter in der eigenen Familie sitzen, weil die Loyalität eines Kindes gegenüber den Eltern emens gr0ß ist und tief eingetrichtert. Aber wenn dies gelingt, wird auch dein Darm langsam wieder genesen. Trotzdem muss man ein Leben lang akribisch Psychohygiene betreiben, weil die Gefahr eines Rückfalls der körperlichen Symptome immer bestehen bleiben, was ich gerade die letzten Wochen schmerzhaft erleben muss, durch die aufreibende Vorarbeit der Anzeige, die ich heute bei der Kripo aufgab. Das war für meine Psyche Schwerstarbeit, und ich habe mich und meine inneren Kindern komplett überfordert! Um so mehr werde ich mich nun schonen, mir ganz viel Gutes als Belohnung gönnen und mich verwöhnen (lassen :-)).
    Liebe Astrid,
    ich wünsche Dir nun viel Kraft und ich hoffe, du kannst mit den Schilderung meiner Erfahrungen etwas anfangen.

    Herzliche Grüße
    von Sarah M.

  36. medi schreibt am :

    ja Sarah m ja und Danke für Ihren Mut.Sie werden gewinnen und Sie zeigen Gewalt hat keine Macht,Gewalt hat verloren.Ich möchte Sie umarmen,liebe,liebe Sarah m Medi

  37. Sarah M. schreibt am :

    Hallo medi,
    deine Umarmung nehme ich gerne an 🙂 und schenke sie würdevoll an dich zurück :-)!!!
    Sarah M.

  38. Richard Till schreibt am :

    Hallo Sarah M. ich hab an Dich gedacht, als Du bei der Kripo warst. Herzlichen Glückwunsch, Du hast es geschafft! Mir geht es seit der Anzeige bei der Kripo viel besser. Beim Protokoll aufnehmen mußte ich weinen. Zuerst war mir das unangenehm, ich hab mich geschämt. Hinterher ist mir aufgefallen, daß ich seit langem wieder weinen konnte. Es ist das Verstockte in mir, das ins Fließen gekommen ist. Die Tränen spülen den Dreck aus mir. Während ich Dir das schreibe, fließen die Tränen. Das tut so gut, als lachte meine Seele. Nach der Kripo hab ich mich getraut und ein Gespräch mit einer Redakteurin des Mannheimer Morgens geführt. Den Artikel kannst Du hier im Forum lesen, unter: Selbsthilfegruppen (6) Ich bekam Schwung und druckte auf die Rückseite des „Aufschrei, zur Gründung einer Selbsthilfegruppe in Heidelberg“, diesen Artikel. Ich hab immer einige Exemplare bei mir, wenn ich Bekannte in der Stadt treffen und sie mich fragen wie es mir so geht, dann antworte ich: „Besser seit ich reden kann.“ Ich geb ihnen das Blatt und oute mich ohne reden zu müssen. Seit dem fühle ich mich befreit. Ich habe keine einzige blöde Reaktion bekommen. Im Gegenteil! Den „Aufschrei“ findest Du auf der Website von „Angela Moonlight“. Ich kann mich jetzt in der Stadt frei bewegen, weil ich nicht mehr in Panik gerate, in meinem Gesicht könne man den Dreck sehen der in mir ist.
    Das ist keine Ermutigung zum Nachahmen, denn der Selbstschutz hat unbedingten Vorrang.
    Liebe Grüße Richard

  39. Sarah M. schreibt am :

    Lieber Richard,
    soll ich Dir mal was verraten, aber Pssst! Nicht weitersagen :-). Ich habe mir imagninär als Kraftpaket alle Freunde und Betroffene, die an mich gestern dachten, heimlich in meiner Tasche mit zur Kripo genommen.
    Allein diese Vorstellung half mir sehr! Vielen Dank auch an Dich, dass du im Gedanken „dabei“ warst.
    Ja, auch ich habe sehr viel geweint, musste mich am Morgen schon nach dem Frühstück übergeben vor Aufregung. Ohne die Anwesenheit meiner Therapeutin hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft, denn das Ganze drohte dann nach 2 1/2 Stunden zu eskalieren, da ich eine schweren Asthmaanfall bekam. Mit Hilfe meiner Therapeutin (= auch Ärztin) bekamen wir das dann wieder in Griff. Heute habe ich überall Muskelkater, auch an Stellen – wo ich gar keine Muskeln vermutete :-).

    Auch mir geht es so, dass ich heute zum ersten Mal seit langem endlich wieder schlafen konnte, mein Wackerstein im Bauch um einiges leichter geworden ist und ich tief in meinem Inneren weiß, dass ich für mein verletztes, traumatisiertes inneres Kind das Richtige gemacht habe. Ich habe Partei nach über 40 Jahre für dieses Kind ergriffen, nachdem man ihm damals nicht glaubte, den Schmerz und die Hilfeschreie ignorierte.

    Und wie du auch schreibst, ist es befreiend, wenn man das Thema vor seinen Freunden nicht verstecken muss. Ich hatte sie damals alle eingeweiht, als ich 1992 meine Therapie begann. (siehe Coming Out „Gefühlsbergwerk“).

    Lieber Richard,
    in deinem Gesicht noch in Dir ist Dreck! Den hast du erstens mit der Anzeige zw. die Aktendeckel gelegt, und zweitens nie besessen. Der Dreck ist und gehört dem Täter!!! Sie haben ihre Seele beschmutzt mit ihren Taten. Unsere Seele wurde dadurch sehr schwer verwundet, ermordet.
    Aber man kann sie durch viel Arbeit wieder zum Leben erwecken. Sie ist durch diese unsägliche sex. Gewalt erstarrt, aber nicht tot! Denn wir fühlen noch, manchmal mehr als uns lieb ist, wir leiden noch – wir sind im Gegensatz zu vielen Menschen äußerst feinfühlig und sensibel. Die Seelen der Täter sind tot. Sonst hätten sie es nie über das Herz gebracht, einem wehrloses Kind solche Qualen anzutun, und sich dabei noch zu ergötzen, und sogar noch einen hoch zu kriegen, wenn man es mal ganz unverblühmt beim Namen nennt. Eine Seele, die auch nur einen Funken von Leben in sich trägt, ist dazu nicht im Stande!!!!
    Deshalb lieber Richard, nicht in Dir ist der Dreck, der Dreck ist der Täter selbst und dessen Seele!
    Und nun noch zum Schluss ein wunderschöner Satz, den mir mal meine Therapeutin sagte, als ich 1993 mühevoll das Weinen „lernte“.
    „Tränen sind die Diamanten der Seele! Sie gehören gezeigt und getragen.“

    Und einen Buchtipp möchte ich zum Thema „Weinen als Befreiung“ noch einstellen:
    „Auf der Suche nach den Regenbogentränen“ von Jorgos Canacakis, Bertelsmannverlag.
    Man kann dieses Buch wunderbar den inneren Kindern „vorlesen“. Es „erlaubt“ ja „ermuntert“ sogar, endlich die tief vergrabenen Tränen zu weinen.
    In diesem Sinne – wie sagt immer meine Therapeutin: Lassen Sie die Tränen laufen! (und du hast es sehr treffend formuliert, Richard: das Verstockte kam ins Fließen)
    Liebe herzliche Grüße
    von Sarah M.

  40. Hypericum schreibt am :

    Liebe Sarah M. , ich möchte Dir einfach alles Beste der Welt wünschen! Du sollst gewinnen und eine sehr hohe Entschädigung erhalten, plus eine gute Opferrente.
    Gute Heilung von den großen Anstrengungen, die hinter Dir liegen! Und vor allem auch von dem haarsträubenden Horror Deiner Kindheit!
    Dein (bzw. Euer, Richard Till und andere!) gutes Vorbild, die Vernehmung zu wagen, gibt Kraft! Gute Ergebnisse wünsche ich Dir und Euch!!!

  41. Sarah M. schreibt am :

    Ein Tipp für alle, die die Anzeige noch vor sich haben und einen Antrag bei der OEG planen.

    Der VdK – Sozialverband ist bei den Versorgungsämter gefürchtet wie die Pest. Ich bin seit ca. einem Monat Mitglied in diesem Verein, die sich für alle Belange im Sozialrecht einsetzen. Als Mitglied hat man in allen Dingen, die mit Behördengänge, mit Rechte durchsetzen, Widersprüche einreichen und durchsetzen, auf eine kostenlose Rechtsanwälte, die auf das Sozialrecht spezialisiert sind, Anspruch. Die VdK ist deshalb gefürchtet, weil sie durch die Spezialisierung fast in 90 % der Fälle gewinnt. In anderen Betroffenenforum habe ich bisher noch nirgendwo gelesen, dass jemand negative Verfahrungen mit diesem Verein gemacht hat. Deshalb mein Tipp, den ich mit gutem Gewissen weiter geben kann und möchte.
    Diese Mitgliedschaft gibt mir unheimliche Sicherheit, falls der Antrag abgelehnt werden sollte, bleib ich da mal ganz gelassen und ruhig :-).

    Dieser Verein ist auch bei Behinderungen jeglicher Art und der Durchsetzung von Rechten für ein behinderten gerechtes Leben, Wohnen, Pflegestufenanträge, Erhalt von Renten jeglicher Art, Kämpfe mit Krankenkassen etc, eben alle sozialrechtliche Anliegen und Ansprüche!!!
    Hier der LInk dazu: (Die Filialen gibt es fast in jedem größerem Ort :-))

    http://www.vdk.de/cgi-bin/cms.cgi?ID=de1

    Sarah M.

  42. Bärbel schreibt am :

    Hallo,seid Alle herzlich von mir gegrüßt,ich war genervt und frustriert,
    weil mir neulich mehrmals meine Zeilen verloren gingen,hoffentlich klappt es Heute,ich hatte an Richard Till geschrieben,zu dem Schriftverkehr von Traumatisiert,ja man braucht viel Kraft,im Heute sein,um die Vergangenheit zu bewältigen,ich beglückwünsche ,Sarah M.
    zu ihrem Schritt,möge sie nicht verzagen,in den letzten Tagen war ich es,
    ich habe Heute Post erhalten vom Amtsgericht,weil ich Prozesskostenhilfe über die Tochter erhalten möchte,ich werde nun gebeten,
    erneut Begründungen zu formulieren,wie sollich das machen ?
    Eine Klinik bestätigte mir,dass die meiste Gewalt in den Familien geschieht,ich habe die nicht tätliche Gewalt erlebt,Eniedrigungen und Demütigungen,größtenteils durch die Schwiegermutter,sie hat mir auch meine Kinder entfremdet, diese Verhaltensmuster und das Fehlverhalten prägt mitlerweile die vierte Generation.Manchmal galt ich schon in der Kindheit als die Böse.
    Ich habe therapiert,ich fühlte mich schuldig,eigentlich hätte die gesamte Familie therapiert werden müssen.
    Meine älteren Kinder ,waren volljährig und hatten ihre eigenen Wohnungen, nach ihren Suizidversuchen sind sie wieder ins Elternhaus eingezogen,sie lehnten jegliche Therapie ab,ich hatte es trotzdem geschafft sie wieder auf die Beine zu stellen.
    Fehler machen wir alle,ich begreife es nicht,dass meine älteren Kinder
    mich im Trauerjahr der anderen Tochter verleumdeten,und mich vor ein Gericht brachten,so dass die jüngste und behinderte Tochter Heute in einem Heim lebt,diese Wohnform hatten wir Eltern uns nicht gewünscht,ich möchte aber auch für die Zukunft planen,und nicht nur zurück schauen,ich wünsche mir ,und auch Euch Allen,dass ich wieder und Ihr, ein fast normales Leben führen kann -können ,bis Heute ,hat sich mir gegenüber niemand sein Bedauern noch sein Fehlverhalten
    geäussert ,geschweige denn ,sich entschuldigt.Ein Satz fällt mir gerade noch ein,Angst fressen Seele auf–aus der Kindheit,
    etwas positives,habe nach Jahren endlich,ein Behinderten Testament ausfertigen können,und habe gerade noch rechtzeitig die defekte Halterung für die Blumen am Balkongeländer entdeckt,so ist niemand zu Schaden gekommen,mit freundlichen Grüssen Bärbel
    Ach so,ich wohne 25 km vom Bischof von Limburg/Lahn entfernt,er war für mich nicht zusprechen,noch hat er mir nicht geantwortet,ich war persönlich vor Ort,nichts zu machen!!

  43. Bärbel schreibt am :

    Hallo Sarah M.,
    meine jüngste Tochter und ich sind seit einigen Jahren im Vd K Mitglieder,
    meine Angelgenheit,wegen ihr,sind Verwaltungsrechte und keine Sozialrechte,deshalb dürfen sie auch keine Rechtsauskunft erteilen,
    wir haben den Prozess gegen die Krankenkasse verloren,wegen der Kostenübernahme der Reha-Massnahmen a) in Belgien ,mit der Ukraine
    noch nicht,
    nochmals alles Gute,ich habe Euch gestern etwas mitgeteilt,dass wissen nur wenige Menschen,
    ich möchte einfach wieder lachen können,
    vielleicht schreibe ich eines Tages ein Buch,nur für mich,
    ich grüsse Alle recht herzlich Bärbel

  44. Astrid schreibt am :

    Hallo alle zusammen!!!!!!!!!!
    Zuerst habe ich von dieser Seite nicht viel gehalten.
    ABER- wie so oft, urteilt man manchmal viel zu schnell. (Ich- in moment viel zu oft!! Geht mir nicht schnell genug das ich wider aufhöre.)
    Mir ist so ein dicker Stein vom Herzen gefallen das, es Menschen gibt die mich verstehen.Ich bin überrascht, das es so viele paralelen gibt.
    Ihr seit alle so lieb!!! Ich bin überweltigt über diesen (mir fehlt kein anderes Wort ein. Hoffe Ihr wisst was ich meine.) zusammen halt.

    Sarah:Du hast mit allem so recht. Doch ich habe überhaupt keine Zeit alles auf zu schreiben.Ich bin mitten in der Ausbildung, bin allein erziehende Mutter von zwei Kinder (11 und 7 Jahre) und Betreue meine Demente Tante und mein Pflegebedürtiegen Vater. (Ich brauch ganz ganz dringend die Knette.)
    Ich bin so Müde von allem, ich weiß garnicht wo ich die kraft herbekommen soll um über mein schatten zu Springen.

    Fühlt Euch alle gedrückt!!!!!!!!!! 🙂 Eure Astrid

  45. Sarah M. schreibt am :

    Hallo Astrid,
    vielleicht wäre es ja eine Möglichkeit für dich, während der Therapie deine Träume und Erinnerungsfetzen aufzuschreiben. Ich konnte in einer Phase während meiner Therapiezeit sehr lange nicht mehr sprechen, weil ich dann keine Luft mehr bekam. Die blieb mir im Hals einfach stecken.
    So habe ich mich eben per Schreiben mich mitgeteilt. Meine Therapeutin konnte sehr gut auf diese Art der Kommunikation eingehen und damit umgehen. Beim Schreiben getraut man sich auch eher, schambesetzte Themen „anzusprechen“. Vielleicht magst du sie beim nächsten Termin ja „fragen“ (indem du ihr nächstes Mal auf einen Zettel deinen Wunsch aufschreibst), ob das für sie ok wäre? Wenn sie gut ist, geht sie darauf ein!
    Dir weiterhin viel Kraft und Mut!
    Liebe Grüße von
    Sarah M.

  46. Ursula schreibt am :

    Hallo Sarah,

    ich muß Dir eine persönliche Mail schreiben.
    Der VDK ist sicher ein sehr guter Verband. Trotzdem wird es mir übel wenn ich davon höhre. Mein Bruder ist Vorsitzender des Ortsverbandes, der für mich zuständig wäre. Dieser Mensch hat mich jahrelang aufs Schlimmste sexuell misbraucht und droht mir heute mit Klage , Schadensersatzforderung und Schmerzensgeldforderungen.Ich wollte damit nur sagen auch bei einem sehr guten Verband kann ein Dreckskerl sitzen. Das wollte ich nur mal sagen dürfen.
    Danke aber für die vielen Hilfen von euch allen Betroffenen.
    Liebe Grüße
    Ursula

  47. Larissa schreibt am :

    Hallo Ursula

    Nun ja , ich komme auch nie davon weg , das die Täter überall sitzen können .
    Den Gedanken habe ich immer .
    Ich binn da sehr kritisch , bei jedem Mann mit dem ich kontackt aufnehme .
    Oder ich denke villeicht ist der im Stillen ( Zuhause ) dann villeicht doch auch ein Täter ?
    Nun ja was ich ja bisher noch nicht kennen gelernt habe , das es auch Männer gibt die sexulle Gewalterfahrungen haben …. .
    Hinterfragen die dann jede Frau wol , ob die eine Täterin ist ?
    Nun ja als Opfer , wo man sowas selber erfahren hat .
    Denkt man wol leider immer so ?

    Ich meinerseits finde den Gedanken immer schwehr zu ertragen , das man Signale von Kindern nicht versteht die mißbraucht werden , weil man selber nicht an sein Gefühl glauben kann , weil man ja sehr pessimistisch schon so ist , und überall sowas sein kann .
    Überreagiert man dann ?
    Ist da doch nichts ?
    Auch wenn Sätze fallen , die man selber kennt .
    Wie wenn du hinfällst , dann bekommst du von mir auch noch einen Drüber , und das Kind dann heftig anfängt zu lachen .
    Dann schaut man doch lieber wieder weg ?
    Weil man denkt , das empfindest du nur so , weil es für dich hart war .
    Aber für das andere Kind da , ist es fillleicht nicht so ernst gemeint , wie es bei mir war ?
    Aber es Triggert immer sehr heftig ! Traurig .
    Ich finde die Gratwanderung sehr schwierig , das das man nicht richtig einschätzen kann , ob was unnormal ist oder nicht .
    Ich habe gelesen , was es für Überlebenstackticken gibt .
    Spielsucht, Magersucht , Wörkaholik ………., Sich nach ausen auf andere zu konzentrieren – nicht mehr auf sich , sondern von sich weg orientiert um das Eigene Seelenleid nicht mehr zu spüren .
    Ob das nicht Betroffene eher bemerken können , als wir , das was nicht stimmt ?

    Mfg
    Larissa

  48. Larissa schreibt am :

    Noch was , ich hatte mit einer Frau gesprochen , über eine Sache .

    Was raus kam war das sie meinte , das jedes Jind nie genug Elterliche Zuwendung bekommen würde .
    Das Kinder alles tuen würden , um den Eltern zu gefallen .
    Nun 2 Varianten habe ich im Kopf .
    Liegt mir jetzt schon 7 Tage im Magen .
    Nun wenn andere auch nie genug Zuwendung bekommen , dann bräuchte ich ja nicht zu jammern , das ich so wenig Zuwendung bekommen habe , denn dann währe Zuwendungsmangel ja normal ?

    Oder aber wenn die schon nicht genug bekommen , wie geht es dann
    uns ( mir ) wenn man damit sehr kurz gehalten wurde , dann währe das ja dann viel zu wenig ?

    Ich dachte früher einmal , man war der Vormieter aber sauber .
    Nun ja , dabei war das , immer mein eigenes Möbelstück gewesen .
    Oha schäm .

    —————————-
    Ich dachte das es beim Nächsten mal , mir leichter fallen würde die Probleme zu meistern , oder was es auch war ?
    Aber es blieb dabei .
    Es bleibt weiterhin , schwer den Alltag zu überleben .
    Nur früher vertand ich das noch nicht warum ich so empfand .
    Das Leben ist immer nur ein Kampf .
    Und wenn es einem etwas gut geht , dann kommt eine andere Strafe von innen heraus .
    Wie sich nicht versorgen mit Essen .
    Aber oft denke ich auch , fühlte fühle es oft so das man gar nicht so viel essen muß , und auch so leben kann .
    Nun was ja nur begrenzt gehen kann .
    Aber wenn ich zuhause selber was Arbeite vergesse ich das essen fast ganz .
    Habe dann nur noch die Arbeit im Kopf , Der körper mit seinen Bedürfnissen ist nicht anwesend .

    beim Werkeln hatte ich einen heftigen Trigger , weil ich eine Bretter wand vor mir stehen hatte , im Rücken auch eine Wand .
    Nur kam ich da ja rechts und links wieder raus .
    Aber der Trigger von damals war das ich nicht mehr rechts und links raus konnte .
    Also in der Nische dann eine Gaanze Weile gefangen war .
    Ich rief ja Der Erzeuger kam , sieh zu wie du da selber wieder raus kommst .
    Er ging dann wieder weg .
    ich war dann da gefangen , weiterhinn !
    Ich weiß nicht ob ich da den werde Gang berichten sollte wie warumm ich da rein geraten war ?
    Hm, ich sage es dann mal .
    Ich wollte da Dachpappe an einem Häuschen drann machen .
    ich wußte aber gar nicht , wie ich da drann kommen sollte .
    Um da Pappnägel rien zu bekommen .
    Er lies mich mit der Lösung alleine .
    Ich mußte selber überlegen .
    Nun ich lies mich in die Nische herunter .
    Die Pappe bekam ich dann auch festgenagelt .
    Doch ich kam dann nicht mehr heraus , wie oben Beschrieben .

    Mfg
    Larissa

  49. Richard Till schreibt am :

    Liebe Sarah
    hab vielen Dank für dein Mutmachen. Nach vier Stunden Schreibqual ist der Brief an Dich, eben nach einem falschen Tastendruck weg. Das ist für einen ADDler grausam. Bin zu müde um zu weinen.
    Liebe Grüße Richard

    Liebe Bärbel,
    Dein Brief vom 15. hat mich nicht erreicht. Wenn Du ihn mir direkt schicken willst richardtill [at] web.de. Gruß Richard

  50. Medi schreibt am :

    Liebe Sarah m,
    morgen gehe ich zum 3.mal.Medi

  51. Maria S. schreibt am :

    Leider ist Realität: für viele Therapeuten steht eher die Aufrechterhaltung ihres bürgerlichen Heileweltvorstellung und das damit verbundene Menschenbild im Vordergrund als die Annahme das diese bürgerliche Gesellschaft und ihre mänlich geprägten Gewalt-und Unterdrückungsstrukturen ein tiefes Leid erzeugen und erzeugten. Dies ist nicht in einer Generation verarbeitet. Es dauert mindestens drei Generationen. Darum machen sich auch viele andere Institutionen und deren Vertreter durch das auferlegte Schweigegebot mitschuldig . Sind sie wohlmöglich selbst beteiligt? Betroffene wissen nur zu gut was passiert wenn man diese Gewalt anprangert. Du musst mit Stigmatation rechnen. Es ist ein Angriff auf bestehende bürgerliche etablierte Formen der Gesellschaft.
    Bei jahrtausend Jahren bestehenden Hirarchien ist es kein Wunder das die Vertetter dieser diesen Angriff auf „altbewehrte Traditionen“ abwehren. Jahrtausende geprägt durch Militärstrukturen.
    Der Begiff Familie in unserer römischen Geschichte bedeutete auch :
    der Herr mit seinem Besitz (Kinder, Sklaven, Frau).
    Darum ist es ein Kavaliersdelikt wenn der Herr mit seinem Besitz macht was er will. Und die studierten Kinder entwerfen dann abstrakte Definitionen für die Diagnostik der Geschädigten. Es ist doch systemerhaltend wenn ich einen missbrauchten Menschen beispw.bescheinige: Schizophrenie..Borderline..dissoziative Störung.. etc. Oder der Professor noch die hervorragende erbliche Komponente hervorhebt. Leider nicht heilbar…
    Oder wissenschaftliche Altherrenmeinung: ein Kind im frühen Alter empfindet nichts weil es noch kein Bewusstsein hat, deshalb hat sexueller Missbrauch in diesem Alter keine Folgen. Und dann: bei seelischer Erkrankung muss wohl ein Fehler der Natur vorliegen.
    Wie bei meinem Freund. Der jahrelang geqüalt von seinem Vater über seine alles erduldende und sich unterordnende , dann klammernde Mutter resümiert:
    „Sie ist schuld an meiner seltenen Krankheit. Es liegt an ihren schlechten Genen“. Der Proffesor freut sich über so viel Einsicht in seine Krankheit.
    Meine Meinung: bei manchen klappt das mit der Verdrängung. Vorausgesetzt das Umfeld ist stabilisierend. Aber es tritt irgend wann, auch wenn erst im späten Alter in verschlüsselter symbolischer Form auf.
    Durch Krankheit und seelischen Schmerz.
    Weil Missbrauch bedeutet: den Willen brechen und denjenigen zum Sklaven seinerselbst machen.
    Es gibt natürlich noch die Möglichkeit seinen unterdrückten Hass und die Wut, den Zorn an den nächst Schwächeren abzureagieren. Systemerhaltend eben! Dazu steht auch noch die wichtigste Waffe der oft erklärten Gottlosen oder Gottesanbeter zur Verfügung: die Feindbildschaffung. Meistens ist es leider die Frau , die hierzu benutzt wird.
    Das wichtigste für mich: Nicht aufhören zu reden über das ungeheuerlich menschenverachtende Ritual!

  52. Wolfgang Brosche schreibt am :

    @Maria S.

    Vielen Dank, Maria S., daß Sie noch einmal auf die wahren Hintergründe von MB hinweisen – es sind die Machtstrukturen wie sie seit dem pater familias in unserer Kultur immer weiter tradiert wurden. Ich kann mich noch entsinnen, wie ich im Lateinunterricht von den Rechten des „Familienvaters“ über Frau, Kinder, Gesinde und Tiere hörte. Sich diesem „pater familias“ und seinen Anordnungen zu unterwerfen, so wurde es uns erklärt, sei eine Tugend gewesen. Daß es sich dabei um eine „historische Tugend“ in einem antiken und keineswegs demokratischen Gemeinwesen handelte, wurde uns nicht beigebracht.
    Ich weiß noch wie wir Quartaner einen heiligen Schauder (klingt pathetisch, aber es war so) empfanden, als wir die Geschichte von Titus Manlius Torquatus lesen mußten. Ein Feldheer, der in den Nacht vor der Schlacht strikt verboten hatte, in der Dunkelheit anzugreifen. Sein eigener Sohn widersetze sich dem Befehl, weil er eine Chance sah, die Gegner bei Nacht und Nebel zu schlagen, er griff an und siegte. Großer Jubel; aber der Vater ließ den Sohn wegen Befehlsverweigerung hinrichten. Als wir Schüler mit Unverständnis reagierten , bekamen wir zu hören – der Vater und Feldherr habe aber entsprechenden Befehl gegeben. Unser Lateinlehrer hatte als junger Mann die letzten Jahre des 2. WK mitgemacht und beglückte uns dann auch noch mit dem Spruch „Right or Wrong – my Country!“
    Was hat das mit MB zu tun? Solche Heldenepen haben uns Schülern noch in den späten 70er Jahren den Blick vernebelt; erzähle mir keiner was von den Auswirkungen der 68er. Davon hatte man in meiner Heimatstadt Paderborn nichts hören wollen! – Das Hinnehmen von Macht, ohne sie anzuweifeln, die Zementierung der Hierarchie – ob beim Militär, in der Kirche oder in der Familie – ermöglichen den MB.
    Und dieses Weltbild will so leicht auch kein Therapeut zerschlagen.
    Ich habe bald drei Jahre bei so einem Therapeuten verbracht, der sogar mehrere Bücher über die schuldig gewordenen Väter der Kriegsgeneration geschrieben hat, über ihr Schweigen und Verschweigen und deren verfehlter Kommunikation mit ihren Kindern – aber sein hauptsächliches Ziel war es, nach einer entsprechenden Auseinandersetzung eine Versöhnung zwischen Eltern und Kindern herbeizuführen.
    Als ich ihm einmal erzählte, wie froh ich sei, daß die Kinder meiner Schwester (ich habe keine) nicht das durchmachen müßten, was ich bei meinen Eltern durchgemacht habe, meinte er, das müsse mich doch auch mit meinem Leben versöhnen!
    Ich spürte, wie er mir unbewußt immer wieder vermittelte, bloß nicht zum wahren Kern meiner Probleme zu kommen mit eben solchen Äußerungen. Immer wieder tauchten wir in die Geschichte meiner Eltern ein, so als ob das Wissen um ihr Leid, das meine relativieren würde.
    Letztlich ging es immer wieder um das Verständnis der Eltern. Als ich das merkte, habe ich die Therapie abgebrochen. Sie hatte ja ohnehin und eben aus diesen Gründen nicht geholfen.
    Da war ich wohl sehr gut daran – denn die meisten anderen Patienten in Therapien werden durch die aberwitzigen Versuche der Therapeuten, am Machtgefälle, familiär oder gesellschaftlich, strikt festzuhalten, so verwirrt, daß ihnen dann diese schrecklichen Ettiketten psychischer Krankheiten aufgedrückt werden.
    Ich habe einmal mitbekommen, wie junge Mädchen, die sich selbst verletzen, in Kliniken unter Druck gesetzt werden, kontrolliert werden, angeraunzt und bestraft werden, wenn sie von ihren selbstverletzendem Verhalten nicht lassen. Das war nichts anderes als die Gewalt, die sie so geschädigt hatte, daß sie glaubten, sich selbst weiter schädigen und verletzen zu müssen. Es gibt eine unausgesprochene Übereinkunft, auch in der Therapie, die Machtverhältnisse, die den MB erzeugen, nicht anzuzweifeln, sondern sie sogar noch weiterzugeben an die nächste Generation. Right or wrong, my country, my parents, my father,my priest. Das ist oft noch nicht einmal bösartig – aber Ursache ist – wie es Alice Miller so deutlich geschrieben hat – die Angst des Kindes vor der Macht der Eltern, die ganz tief in uns sitzt. Auch in Therapeuten und Psychologen. Und das ist der Grund, weshalb Therapien so oft scheitern!
    Das mag ein weiter Bogen sein, den ich da geschlagen habe – aber die „Rechte“ des pater familias und wofür sie in unserer Gesellschaft stehen, werden uns allen vom ersten Tage noch immer eingepflanzt.

  53. Wolfgang Brosche schreibt am :

    Entschuldigung, es war natürlich ein Feld“herr“ , kein „Feldheer“

  54. Larissa schreibt am :

    ja Wolfgang Brosche
    Als ich in der Klinik war und ich mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen hatte , weil Sie mit mir nicht mehr reden wollte .
    Meinte die Stationsärztin das ich Medikamente einnehmen solle .( das war in der Visite )
    Sie meinte das ich gaanz fieles durcheinander angesprochen hätte , und mit sowas wollte Sie sich nicht unterhalten .
    Sie wandte sich dann ab , und ich stand alleine da , mit dem was ich bereden wollte .

    Nun ja wenn man so viele Themen auf einmal hoch kommen hat , ist das eben so .

    Und ja ich empfinde die auch oft als höhergestellte Leute die was zu sagen haben , aber das liegt bestimmt auch an mir , wenn man selbst nicht weiß was man machen soll , damit umgehen soll .
    Ja versöhnung : Die Verwandschaft sagte immer mach eine Faust in der Tasche .

    Mfg
    Larissa

  55. Wolfgang Brosche schreibt am :

    Liebe Larissa,

    ich will hoffen, daß irgendwann einmal kein Platz mehr ist in der Tasche für die Faust; daß die Stoffnähte reißen und die Faust hinaus muß, damit sie auf den Tisch hauen kann! Das wünsche ich Ihnen !

  56. Medi schreibt am :

    Ein Junge weint nicht.
    Ein Junge beißt sich auf die Zunge bis das Herz reißt.
    Das mußt du wohl noch lernen.
    von Gerhard Schöne,
    der Stoffnähte durchtrennte,mit der Faust auf den Tisch haute und den Jungen und Mädchen die Treue hielt.

  57. Wolfgang Brosche schreibt am :

    Danke MEDI – —

    Ein Indianer kennt keinen Schmerz
    Ein richtiger Junge weint doch nicht
    Narrenhände beschmieren Tisch und Wände
    Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muß sehn, was übrig bleibt
    Lerne Ordnung, liebe sie, sie erspart dir Zeit und Müh
    Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr
    Lügen haben kurze Beine
    Morgenstund hat Gold im Mund
    Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen
    Der Klügere gibt nach

    Ein Indianer weint doch nicht
    Ein richtiger Junge kennt keinen Schmerz
    Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der beschmiert auch Tisch und Wände
    Narrenhände, müssen sehn, was übrig bleibt
    Was Hänschen nicht lernt, gibt er nach
    Lügen haben Gold im Mund
    Was du heute kannst besorgen, das verschiebe auf die Indianer
    Ein richtiger Junge kommt zur rechten Zeit
    Was übrig bleibt, bekommt der Klügere
    Was Hänschen nicht lernt, hat Gold im Mund
    Ein richtiger Junge kennt keinen Schmerz in der Morgenstunde
    Wer nicht weint hat Gold im Munde
    Was Hänschen nicht lernt, hat kurze Beine
    Lerne Ordnung wie ein richtiger Junge
    Der Klügere hat Narrenhände
    Der Klügere hat kurze Beine
    Der Klügere muß sehn, was übrig bleibt
    Der Klügere weint doch nicht
    Der Klügere kennt keinen Schmerz
    Der Klügere hat Narrenhände
    Der Klügere hat keine Morgenstunde
    Der Klügere darf niemals Hänschen sein
    Der Klügere gibt nach

    Ja, so sehen sie aus, die unseligen Indoktrinationen, die einem als Kind eingeimpft werden – und dann muß man aushalten, stillehalten, schweigen und darf die Wahrheit nicht sagen!

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