NetzwerkB erklärt sich mit den Opfern in Connecticut solidarisch

16.04.2010: netzwerkB Pressemitteilung

Pressemitteilung:

Der Arzt George Reardon in Connecticut missbrauchte seit den 1960er Jahren mindestens 500 Kinder in einem Krankenhaus kirchlicher Trägerschaft. Der Staat Connecticut reagiert mit einer Gesetzesinitiative, die von der römisch-katholischen Kirche massiv bekämpft wird.

Der Staat Connecticut plant eine Gesetzesänderung zur Aufhebung der Fristen für zivilrechtliche Ansprüche (House Bill 5473). Connecticut wäre der erste Bundesstaat ohne zeitliche Begrenzung für sexuelle Gewalt gegen Minderjährige.

Die bisherige Frist lautet 30 Jahre nach dem 18. Geburtstag. Opfer in einem Alter von über 48 Jahren bleiben also bislang ohne Rechte und somit auch ohne Hilfe.

NetzwerkB unterstützt dieses Anliegen. NetzwerkB verlangt eine Aufhebung der Fristen im zivilrechtlichen Bereich auch in Deutschland.

Die drei Bischöfe Henry J. Mansell, William E. Lori, und Michael R. Cote der römisch-katholischen Kirche in Connecticut wehren sich vehement gegen die Gesetzesänderung. Sie weisen auf mögliche finanzielle Disaster der Kirche und Beweisprobleme hin.

Die Bischöfe erklären den Kirchenmitgliedern nicht, dass es insbesondere um den Fall des Arztes George Reardon im Krankenhaus St. Francis Hospital and Medical Center in Harfort und die Erzdiözese Hartford geht.

Reardon missbrauchte über 500 Kinder seit den 1960er Jahren.
Dies beweisen ältere Zeugenaussagen. Insbesondere fertigte Reardon von seinen Opfern 50 000 Dias und über 100 Filme, die man im Haus des verstorbenen Arztes 2007 fand. Ältere Dokumente weisen darauf hin, dass die Leitung über Reardon Kenntnisse besaß, was die Anwälte von 135 klagenden Opfern nun gerade beweisen wollen. Diese Chance soll ihnen die Gesetzesänderung geben.

NetzwerkB erklärt sich mit den Opfern in Connecticut solidarisch.
NetzwerkB erwartet, dass die röm.-kath. Kirche willens ist, die Aufklärung zu unterstützen, und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Dokumente:

Schreiben 1970, das Reardon einen guten Neuanfang wünschte:
Letter-medical-association-hartford-to-Reardon-1970.pdf

Brief an die Priester
Connecticut-Archbishop-Cover-Letter-to-Pastors.pdf

Hirtenbrief. 10. April 2010
Connecticut-Pulpit-Announcement.pdf

Brief an die Gemeindemitglieder:
Connecticut-Letter-to-Parishioners.pdf

Connecticut bishops fight sex abuse bill. CNN, 12. April 2010
http://edition.cnn.com/2010/CRIME/04/11/connecticut.abuse.bill/

Connecticut Catholic Bishops Oppose Statute of Limitations Bill. Connecticut Public Radio, 12. April 2010
http://www.cpbn.org/article/ct-catholic-bishops-oppose-statute-limitations-bill

4 Kommentare

  1. Simpl schreibt am :

    Der amerikanischen Presse kann man entnehmen, dass es schon 1964-65 eine Beschwerde wegen des Missbrauchs eines sechs Jahre alten Jungen aus Wethersfield, Patient im St. Francis gab. Die Vorwürfe bei Reardon umfassen auch Vergewaltigung. Hier ist nun eine absolut gründliche Aufklärung erforderlich.

    Der Fall Reardon zeigt: Wer Serientäter schützt, anstatt sie zu stoppen, nimmt unermesslichen Schaden in Kauf. Auch Schadensersatz heilt nicht die verlorenen Kindheiten und die schweren Folgen im Leben, aber er gibt den Opfern eine Hilfe.

    Schade, dass die Kirche beim Problem zerbrochener Kinderseelen vor jeder Reaktion zaudert, aber beim Thema Kasse durchstartet. Auch hier stellt die römisch-katholische Kirche den Wahrheitsgehalt von Zeugenaussagen schon wieder in Frage. Gäbe es nicht zigtausende Dias als Beweise, stünden die Opfer schlecht da.

  2. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo Simpl,

    sehr treffend formuliert : „Schade, dass die Kirche beim Problem zerbrochener Kinderseelen vor jeder Reaktion zaudert, aber beim Thema Kasse durchstartet.“

    Ich kann dem bei aller Tragik sogar etwas Positives abgewinnen- endlich zeigen die Kirchenfürsten ihr wahres Gesicht und offenbaren, worum es ihnen wirklich geht.

    Ich hoffe, daß das möglichst viele Menschen auf der ganzen Welt auch so wahrnehmen und konsequent reagieren.

    Herzliche Grüße von
    Angelika Oetken, Berlin

  3. hildegard schreibt am :

    Es wird weltweit wahrgenommen – konsequent reagiert hat der eine von zwei noch aktiven geistlichen Teilnehmern am 2. Vatikanischen Konzil, Hans Küng, der jetzt öffentlich seinem ehemaligen Mitstreiter – eben dem zweiten! – Josef Ratzinger ins Gewissen redet, doch endlich sein „mea culpa“, sein „mea maxima culpa“ zu sprechen.
    In seinem Offenen Brief an die Bischöfe fordert er diese auf zu eigenständigem Handeln nach all den Versäumnissen in 5 Benedikt- Jahren.

    Auch ich kann in dem Desaster etwas Gutes sehen:
    Diesem ganzen Etikettenschwindel folgt nun die „Stunde der Wahrheit“.
    Entweder wird kirche ihrem eigentlichen Anspruch gerecht oder sie wird sehr bald nicht mehr sein.

  4. Sarah M. schreibt am :

    Hans Küng ist auch der einzige kath. Priester, dem „nur“ der Lehrstuhl entzogen wurden, und nicht das Priesteramt, weil er der UNFEHLBARKEIT des Papstes wiederspricht.
    Mich wundert, dass der Papst ihn vor 4 Wochen zu einem Gespräch überhaupt empfangen hat!

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