ARD Tagesschau 14.05.2010

14.05.2010: ARD Tagesschau

Bei einer Veranstaltung über sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche beklagten Opfervertreter, dass die Betroffenen nicht zu Wort komme.

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz Ackermann versicherte, die Kirche werde schnell und konsequent handeln um den Opfern zu helfen und neuen Fällen vorzubeugen.

Ecklar gleich zu Beginn, Norbert Denef, selbst Missbrauchsopfer und Vertreter der Opferorganisation netzwerkB fordert lautstark das Podium sofort zu beenden weil kein Opfer vertreten ist.

Norbert Denef: „Ein Runder Tisch ohne Betroffene und da ist nicht ein einziger drin, da redet man nur über Betroffene. Die Zeit hat sich geändert.“

„Nichts gesehen, nichts gehört, nichts gesagt.“ war das Motto der Podiumsdiskussion.

Einen schweren Stand hatte der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche.

Ackermann: „Ich hab doch den Eindruck, dass jetzt plötzlich die Opfer aus dem Blick geraten. Plötzlich gehts um Kirche und Kirchenpolitik. Aber die Opfer die kommen jetzt hier in dem Sinne nicht zum tragen.“

Die Bundeskanzlerin sieht die katholische Kirche bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle auf dem richtigen Weg.

Merkel: “ Mein Wunsch wäre und den spüre ich aber auch in der katholischen Kirche und auch in anderen Bereichen wo das vorgekommen ist, dass wir mit gutem Gewissen sagen können, wir haben den Opfern das wiedergegeben was überhaupt nur möglich ist, nämlich, wo immer möglich Strafe zu haben, wo etwas passiert ist, aber eben auch gesellschaftliches Mitgefühl für die die das erleiden mussten.“

7 Kommentare

  1. Angelika Oetken schreibt am :

    Großartig!!!

    Herr Ackermanns Gesicht sagt „Bitte habt mich wieder lieb“ und Herr Mertes rattert gerade auf der Suche nach einer publikumswirksamen Lösung für das offenbar unvorhergesehene Problem „Betroffene ante portas“ im Geiste alle PR-Handbücher durch, die er je gelesen hat.

    Aprospos „ante portas“ : vollständig heißt das „Hannibal ante portas“ lateinisch korrekt „Hannibal ad portas“. Die Geschichte dazu paßt irgendwie auf uns hier finde ich.

    Hannibal war zur Zeit des römischen Großreiches ein Feldherr aus Nordafrika (Karthago). Er war geschicker Stratege und ging Risiken ein. Er griff das römische Kernland nicht vom Mittelmeer aus an, sondern indem er die Alpen überquerte und die römischen Machthaber somit überraschte. Die Sache mit den Elefanten.

    Zitat aus „wikipedia“:

    „Heute wird der Ausspruch genutzt, um vor einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr, zum Beispiel einer Person oder Sache, von der eine Bedrohung auszugehen scheint, zu warnen.“

    Wir Betroffene können als schlußfolgern:

    Von sexualisierter Gewalt betroffene Menschen, die sich nicht ausgrenzen lassen und sich öffentlich äußern, wie das Norbert Denef gemacht hat, werden unter Umständen als Gefahr angesehen, z.B. von denjenigen, die solche Veranstaltungen wie den „Ökumenischen Kirchentag“ planen.

    Meine These dazu : Wenn wir wirklich nachhaltig etwas ändern und bewegen wollen, dann sollten wir versuchen, uns in die Menschen hineinzuversetzen, die einen öffentlichen, ehrlichen Austausch mit Betroffenen scheuen.
    Erst wenn wir deren Beweggründe nachvollziehen können, können wir genau den Kurs einschlagen, der dazu führen wird, daß Täter und Begünstiger zur Rechenschaft gezogen werden und sexualisierte Gewalt eingedämmt wird.

    Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele, die glauben, Beweggründe für das Vorhaben „In der Öffentlichkeit nicht mit Betroffen sprechen“ zu kennen, sich hier zu Wort melden.

    Wir können auf diese Art und Weise eine möglichst komplette Sicht zusammentragen, die allen hilft, die sich entschließen, sich als Betroffene öffentlich zu Wort zu melden oder auf aktuelle Fälle von sexualisierten Übergriffen hinzuweisen.

    Nach und nach können wir einen „Strategieleitfaden“ zusammen stellen, der von Praktikern entwickelt wurde. „Aus der Praxis für die Praxis“.

    Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

    Angelika Oetken, Berlin

  2. Sebastian11 schreibt am :

    Frau Merkel fehlt offensichtlich jede Kompetenz, Situationen richtig einzuschätzen, wie man in diesem Beispiel wiedereinmal demonstriert bekommt.
    Herr Denef, das, was Sie machen, ist genau richtig. Die Rechte der Menschen mussten stets energisch und aktivistisch gefordert und vertreten werden. Von Politikern und irgendwelchen offiziellen Beamten sollte man gar nichts erwarten. Wie die Bischöfe ihre Kirche, schützen Politiker nur ihre Partei und versuchen, sie in der Öffentlichkeit gut dastehen zu lassen.

    Apropos „Rechte der Menschen“:
    Sollte man nicht dafür streiten, Kindesmissbrauch als ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ geltend zu machen? Denn es sind doch die Rechte der Person, die mit Füßen getreten werden, indem die Ahnungs-, Schutz- und Wehrlosigkeit des Kindes vom Erwachsenen missbruacht wird.
    Als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ würde sich dann wohl auch die Frage nach der Verjährung erübrigen, denn ein solches verjährt nicht und auch Immunität gilt im Angesicht dessen nicht.

    Herzliche Grüße

  3. Vielen Dank, Herr Denef, daß Sie sich auf dem Kirchentag – „ungebeten“ – zu Wort gemeldet haben.

    Sie, die Opfer, sind Dynamit für die Kirche und ihre Orden. Mehr Dynamit, klarsichtigeres Dynamit als alle anderen, die so viel glauben zu reden zu haben. Deshalb – und deshalb allein – muß man Sie beiseite drängen. Denn die Kirchen sind immer noch „staatstragend“.

    Und Glasnost ist etwas den Kirchen – und Staaten, die letztlich auf kirchlicher Moral beruhen – seit Jahrtausenden systemimmanent Fremdes. Sie würden sich allesamt selbst verraten, wenn sie sich so offen und unverklemmt und frei mit Überlebenden sexueller Gewalt auseinandersetzen würden, wie das allein in modernen, offenen Gesellschaften möglich ist.

    Und das heißt: Nur noch zuhören. Nur noch zuhören.

  4. Angelika Oetken schreibt am :

    Hallo Sebastian11,
    die Idee, sich darüber auseinanderzusetzen, inwieweit sexualisierte Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ entsprechen finde ich sehr gut.

    Bisher wurde dieser Begriff völkerrechtlich, meist in Bezug auf kriegerische, gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen gerichtete aggressive, politisch motivierte Handlungen benutzt.

    Angesichts der Tatsache, daß ein hoher Anteil von Kindern einer jeweiligen Alterskohorte von sexuellen Übergriffen betroffen ist und die Taten bei näherer Betrachtung entgegen der landläufigen Meinung nicht erotischen, sondern sexuell eingefärbten aggressiven Impulsen entspringen, kann man durchaus von einem „Bürgerkrieg gegen Kinder“ sprechen.

    Leider kenne ich mich mit der Entstehungsgeschichte der Gesetze zu „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu wenig aus, aber vielleicht findet sich ja in der Leserschaft jemand, der mehr weiß.

    Angelika Oetken, Berlin

  5. Larissa schreibt am :

    zu dem Thema Krieg :
    Nun ja drüher hat man ja bei einem Gewonnenen teilkrieg ja dann die Frauen die da lebten , von dem anderen Volk auch Vergewaltigt.
    Das ist auch eine Art von Krieg .
    Seelenmord ist eine Art von Mord (sogar legal mit geringer Strafe oder auch gar nicht ….) den man aber gar nicht sehen kann .
    Also eine bessere Variante von Krieg , was nicht oder kaum geahndet wird .
    Weil man den schleichenden Tot , gar nicht richtig sehen kann .

    Nun mit Gesetzen , kenne ich mich nicht aus .

    Mfg

    larissa

  6. Georg Bohn schreibt am :

    Merkel lügt!
    (oder lässt sich belügen..
    auf welcher Schule war eigentlich ihr Innenminister?)

  7. astrid schreibt am :

    Merkel äußert stellvertretend, was die meisten Menschen glauben möchten: Dass die katholische Kirche es gut meint mit den Opfern und ihnen Anerkennung und Glauben schenkt. Wie lügnerisch und demütigend sie in Wirklichkeit mit ihnen umgeht, darüber stehen doch hier und in den hier gesammelten Artikeln genügend Geschichten – muss man das mal sammeln und gesammelt ihr und ihrer Justizministerin präsentieren; oder WILL sie ganz einfach nicht und alles sammeln und präsentieren hülfe nichts? Es ist ja auch bezeichnend, dass die Kirche jetzt eine Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit eingerichtet hat: Ist wohl derzeit das Wichtigste für sie – die Außenwirkung.

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