„In Gottes Namen“ oder „Der Aufschrei von uns“

17.07.2010

Am 3.07.2010 wurde zum wiederholten Male der Film “ In Gottes Namen „ im hr Fernsehn der Sendereihe „Die 10 Gebote“ von Catherina Gilles ausgestrahlt.
Der Film erzählt in kurzen Abschnitten den Leidensweg meiner Schwester. Im Film heißt sie Anna. Ich heiße im Film Karin und es gibt einzelne Szenen mit mir und meiner Schwester.
Nach Sendung des Filmes im Oktober 2009 erschien eine anonyme Anzeige bei der Kripo in Giessen. Meine Schwester und ich wurden als ZeugInnen vernommen. Ich sagte  fünf Stunden bei der Kripo aus. Die Ermittlungen wurden leider auf Grund der Verjährungsfristen eingestellt. Meine Eltern, zu denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr habe, haben ihr Haus verkauft und sind an einen unbekannten Ort verzogen. Wer den Film sehen möchte, kann das über den Sender im Netz tun. Vorsicht! der Film kann triggern.
Danke fürs Lesen
Heike

16 Kommentare

  1. Petra schreibt am :

    Liebe Heike,

    ich habe mir den Film angeschaut. Und ich möchte dir vor allem sagen, wie toll ich es finde, dass du deiner Schwester bei ihrer schwierigen Wahrheitsfindung so beistehst. Denn GERADE FÜR OPFER VON FAMILIÄRER GEWALT ist es ansonsten ja fast unmöglich, ihre Erlebnisse zu „beweisen“. Du bezeugst das Unrecht, das an deiner Schwester begangen wurde (und bis heute begangen wird, wenn die „Eltern“ gegenüber Fremden lediglich von „zwei Töchtern“ sprechen!!!). Und du hilfst ihr damit, ihren Erinnerungen zu trauen. Beides UNSCHÄTZBAR wichtige, ja lebensnotwendige Hilfsangebote.

    Was ich dir außerdem noch gerne sagen möchte, ist, nicht zu vergessen, dass AUCH DU eine Betroffene bist; wenn nicht von sexueller Gewalt, dann auf jeden Fall von Gewalt. Und deshalb ist es auch für DICH wichtig, gut auf dich Acht zu geben.

  2. Bärbel schreibt am :

    Hallo Heike,
    ich möchte mir auch den Film an sehen ,
    leider weiß ich nicht wie,vielleicht kann man mir jemand die Vorgehensweise mitteilen ??
    Danke Brbel

  3. Larissa schreibt am :

    Hallo Bärbel

    Ich klicke mit der Maus auf „Sender im Netz tun “ dann kommt der Film , und dann auf den Pfeil klicken .

    Toll Heike das ihr den Mut zu dem Film hattet .
    Ich habe mir den Film angeschaut , , ich finde es heftig , wie man die Gebrechen auch noch zum Quälen gebraucht hat .
    Ne frage , ist die Scheuermanche Krankheit geblieben oder mit der Verarbeitung oder Auszug aus dem Zuhause filleicht weg gegangen oder weniger geworden ? Oder ist das geblieben ?
    Bei jedem entwickeln sich wol immer andere Krankheiten .
    Ich hatte als Kind immer exeme an Händen und Füßen oder auch den Bauchnabel , das war irgentwann alles weg .
    Aber dafür bekam ich dann Allergieen , die werden wol immer mehr !
    Ich meine alles sucht sich immer wieder ein Neues Ventil , wo man dann wieder krank wird .

    Ich wurde immer nach dem Schwimmen gehen krank so das ich sehr oft davon befreit war .
    Aber warum ich danach immer krank war , wuste und weiß ich nicht .
    Erst nach 5 Jahren Grundschulzeit bekam ich mit Augenzudrücken dann den Neuschwimmer im Zeugnis .
    Aber ob da was zu vertuschen war bei mir , weis ich nicht .
    Ich hatte mir aber auch Knutschflecken selbst beigebracht , wo man die auch sehen konnte . Am Arm .
    Interessierte wol keinen ??
    Ich weiß nur das ich am Hals auch wol mal welche hatte .
    Ich wuste lange nicht warumm ich Rollkragenpullover haßte .
    Aber heute denke ich das die Knutschflechen , damit villeicht vertuscht werden sollten ?
    Mfg
    Larissa

  4. Liebe Petra,
    vielen Dank für deine Nachricht. Es stimmt genau, was du schreibst. „Gut auf mich acht zugeben“… jahrelang stand das Leben meiner Schwester „auf der Kippe“ und ich habe mein „Erleben“ in den Hintergrund gestellt. Erst die Auseinandersetzung mit mir hat deutlich gemacht, das ich etliche Grenzverletzungen durch meinen Vater erlebt habe und die Gewalt meiner beiden Eltern , dann der „sektiererische Hintergrund“ mich sehr verletzt und geprägt haben. Der Film hat mir geholfen, vieles bei mir nochmals zu sortieren und er hat mir eine Stimme gegeben.
    Heike

  5. Liebe Bärbel,
    der Film kann auch über hr-horizonte- 10 Gebote-In Gottes Namen
    geklickt werden.
    Heike

  6. Liebe Larissa,
    die Scheuermannche Krankheit wurde bei meiner Schwester behoben, jedoch hat sie öfters Rückenprobleme. Durch die jahrelangen Quellen ( Magersucht, mehrere Suizdversuche usw.) ist sie auch körperlich sehr gezeichnet. Durch ihren Willen, ihre Kraft und die Auseindersetzung mit allem was zu Mißbrauch/Gewalt in der Familie vorkam, führt sie heute ein befreites und lebensbejahendes Leben. Das war ein sehr hartes Stück Arbeit für meine Schwester und auch für mich.
    Heike

  7. Larissa schreibt am :

    Hallo Liebe Heike Graf

    Ich finde es toll das ihr zusammenhaltet .
    Ich habe leider keine Schwester , war immer alleine .
    Ein Schwesterchen was geboren war aber schnell wieder tot . 1 Monat alt
    Es kam nie nach Hause .
    Aber der Erzeuger sagte sda chon , das ich mich da nicht drauf freuen breuchte .
    ich währe dann immer schuldig wenn was währe ……
    Ich weiß gar nicht , ob der uns aufeinander aufgehätzt hätte .
    Ich muß wol noch viel verarbeiten , kann aber es nicht anfangen weil es dem Lieben Nachbarn nicht gefällt und die mir das Leben schwer machen ..
    seit Monaten Schikanen , weil die sich rächen wollen , wo ich für keine Schuld habe .
    Ich finde dadurch wieder , nicht sonderlich zu mir selber , meine Vergangenheit aufzuarbeiten .
    Es triggert fiel , und muß aufpassen , das ich nicht abrutsche .
    Auch nicht mehr sonderlich kraft für Zur Frau Bergmann zu schreiben .
    Ich hoffe das ich das noch schaffe ??

    Mfg
    larissa

  8. Richad Werner Till schreibt am :

    Liebe Heike,
    vielen Dank Dir und Deiner Schwester. Der Film hilft mir mehr, als Du vielleicht ahnen kannst. Austherapiert bin ich jetzt, doch das heißt ja nur für den Therapieweg. Es gibt viele Parallelen die im Film zwischen euren und meinem Schicksal und doch so viele Unterschiede. Letzteres ist tröstlich, denn es zeigt unser aller Individualität, jenseits der Klischeevorstellungen in den verschiedenen Traumatherapien; die uns mehr oder weniger auf einen Fall reduzieren und einordnen wollen.Ersteres ist auch wunderbar, denn ihr beschreibt den Weg aus dem Leiden in das Licht. Bis vor drei Jahren war das Bild meines Lebens eine Kette von Grauslichkeiten. Dreißig Jahre Therapiezirkus hatten dieses Bild gefestigt. Inzwischen richte ich den Fokus nur noch auf die Frage: Wie gelingt es Menschen, nicht an dem Erlebten zu zerbrechen. Mein Mitgefühl aber, gilt besonders jenen Menschen, die daran zerbrochen sind oder noch in den alte Bildern gefangen sind,

    Ihr weist auf zwei Aspekt hin, die oft übersehen werden. Es ist die Kreativität, die aus der Bunkermentalität des Traumas heraus führen kann. Nicht nur über die „Vergangenheitsbezogen Aufarbeitung“ der traumatischen Geschehen, sondern als Zukunftsperspektive. „Die Macht der inneren Bilder“ von Gerald Hüther (rororo) ist mir eine große Hilfe gewesen.
    Die geistige Neuorientierung ist der zweite Aspekt. Ihr habt in den christlichen Glauben zurück finden können. Ich will das nicht mehr. Es gibt jenseits allen Spinnerten und Sektenhaften, eine Vielzahl von tragfähigen Lebenshaltungen. Bei mir ist es der Zen-Weg, allerdings ohne Buddhismus. Da brauche ich mich Begriffen wie „Glaube“,“ Seele“ und „Gott“ nicht abquälen. Die haben die, die vorgaben meine Eltern zu sein, aus mir heraus geprügelt und heraus gebrannt, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Namen eines Gottes für den ich nur noch Verachtung habe. Nur so kann ich weiter leben und nicht verzweifeln.
    Leider stoße ich da auf wenig Verständnis und auf Respekt schon gar nicht. Dieses abfällige Mitleid allenfalls, das brauch ich nicht; denn gelitten haben wir alle hier in diesem Forum, doch selbst schon genug.

  9. hildegard schreibt am :

    Der Film der Schwestern zeigt: selbst aus tiefsten Abgründen von Gewalt findet das Individuum „den Weg aus dem Leiden in das Licht“, jedes auf ureigene Weise.
    Davon geht ganz viel Kraft und Zuversicht auf uns alle über.
    SEI DU SELBST! – eine Botschaft von Göttern, Gräbern und Gelehrten …

  10. hildegard schreibt am :

    Geisterbahn und Riesenrad bedeutete für mich damals Angst und Schwindel und hat mich womöglich davor bewahrt, Geisterfahrer im Teufelskreis zu werden …

  11. Susanne schreibt am :

    Hallo Heike, hallo Betroffene,
    ich bin selbst auch Betroffene sexualisierter Gewalt im freikirchlichen Umfeld geworden, auch bei mir steht die ganze Familie gegen mich (ich habe niemanden auf meiner Seite). Ich habe das Gefühl, dass hier noch ein sehr grosses Loch brodelt, in der Öffentlichkeit wird nur die katholische Kirche wahrgenommen, aber ich könnte mir vorstellen, dass dies auch in Freikirchen nicht nur Zufall ist, und nicht selten vorkommt. Da ich aber nur von mir sprechen kann, würde ich gerne wissen, ob es noch mehr Opfer im freikirchlichen Bereich gibt?
    Heike, könntest Du die Richtung der Freikirche sagen, in der ihr das erlebt habt?
    Gruß, Susanne

  12. hildegard schreibt am :

    an Franco Del-Conte
    Sinn und Bedeutung hat es sicher, wenn wir nicht gerade alle gleichzeitig zur wahren Erkenntnis kommen – unsere Halbwahrheiten sind der faszinierende Teil am Ganzen. Gehen wir einander aus der Sonne – unser aller Schatten sind finster und lang genug.
    Wie schön: oft stellen wir bei anderen Menschen gleiche Impulse, Gedanken fest! Die ‚kosmische Träne‘ ist Evolution – kann also nicht anders, als auf eben diese unsere Impulse und Gedanken harren – und da sind wir hier doch auf einem guten gemeinsamen Weg.
    Und zu Zynikern zu werden taugt unser Thema nicht – so lange wir diese Sache solidarisch zu einem erträglichen Ende zu führen haben.

  13. Lieber Richad,
    vielen Dank für deine Gedanken. Bei mir hat der Film, die Entstehung, die Gespräche mit vielen Menschen, vor allem mit meiner Schwester und mit Freundin Anke (im Film „Lena“), vieles ausgelöst. Keine von uns wußte oder konnte erahnen, welche Wogen das mehrmalige Senden des Films auslöste. Das gesamte Dorf, in dem wir aufwuchsen, hat den Film gesehen. Unsere Familie/Verwandtschaft ist sehr groß, viele haben sich zu Wort gemeldet.
    Für mich war die Auseinandersetzung mit dem religiösen Hintergrund meiner Familie/Elternnochmals sehr wichtig. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, das ich im Sinne einer Sekte erzogen wurde. Ich selbst habe „den Glauben meiner Eltern“ immer abgelehnt. Für mich als Kind konnte es nicht in Ordnung sein, mit Schläge in die sonntägliche Gemeindestunde gezwungen zu werden. Ich habe es abgelehnt, mich taufen zu lassen, war nie ein Mitglied der freikirch. Gemeine (Pfingstgemeinde, Brüdergemeinde usw.) oder der ev./kath. Kirche und stehe diesen „Vereinen“ heute noch kritischer als damals, gegenüber. Ich interessiere mich für Buddhismus und fernösliche Kulturen.
    Die jetzige Situation der kath. Kirche mit ihren vielen, vielen Mißbrauchsfällen beobachte ich sehr genau uns stelle viele Parallelen zu Freikirchen fest.
    Heike

  14. Liebe Susanne,
    danke für deine Nachricht. Die freikirchlichen Gemeinde meiner Eltern waren verschiedenen, da sie öfters die Gemeinden wechselten. In dem Dorf, wo wir aufwuchsen, war die freikirch. Gemeinde eine sogenannte „Pfingstgemeinde „. Desweiteren nannten sie sich „Brüdergemeinde“ oder ev. freikirchliche Christengemeinde.
    Heike

  15. Nachsatz : es gibt sicherlich in freikirchl. Kreisen noch viele, viele weitere Opfer, ähnlich der kath. Kirche. Leider ist das „Schweigen brechen“ in diesen sektenähnlichen Strukturen sehr schwierig für die Betroffenen und wird von „oben“ unterbunden, verschwiegen, verschleiert, geleugnet. Es gibt viele Formen der Vertuschung. Das allerschlimmste ist, das Pastoren, Gemeindeleiter, sogenannte „Älteste“, Jugendleiter usw. die pädophile Neigungen haben, Kinder und Jugendliche jahrelang sexuell mißbrauchen in ihren Ämtern verbleiben und somit weiterhin ihre Verbrechen begehen.
    Die „Zeugen Jehovas“ , als Sekte bekannt und vor langer Zeit abgesplittert von der Pfingstgemeinde, sind ebenfalls ein Ort der Verbrechen.
    Aufarbeitung passiert sehr schleppend, jedoch ist jetzt gerade durch das „Ansehen“ der kath. Kirche ein Zeitpunkt gekommen, wo auch freikirchliche Gemeinden und die Verantwortlichen nicht mehr wegsehen können und Überlebende sprechen.
    Heike

  16. W.Müller schreibt am :

    Bravo Heike
    Da haben sie voll ins Schwarze getroffen. Man denke dabei an die vielen amerikanischen Sekten, die sich teilweise hinter Mauern komplett abgeschottet haben und schwer bewaffnet sind. Selbst durch Polizeieinsätze mit Waffen konnten die Sektenmitglieder vielfach nicht befreit werden. Sie haben Europa als Missionsland entdeckt und treiben auch bei uns ihr Unwesen im Namen der Bibel . Bei vielen derartigen Sekten scheint es hauptsächlich um Verwirklichung der Sexualität mit Kindern der alten Männern zu gehen, die diese Sekten beherrschen. Nachgewiesen wurde dies durch Gentests an den vielen gezeugten Kindern in den Sekten. (Bei den Zeugen Jeovas haben die Ältesten das Sagen, Kinder, die sich bei ihren Ritualen nicht ruhig verhalten, werden vielfach durch Schläge ruhig gestellt.
    Danke für den Hinweis

    W.Müller

Artikel kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Artikel aus den Medien

ARD BRISANT ARD Tagesschau Augsburger Allgemeine Badische Zeitung Berliner Morgenpost Berliner Zeitung DER SPIEGEL derStandard.at DER TAGESSPIEGEL derwesten.de DEUTSCHE WELLE Deutschlandfunk Deutschlandradio DiePresse.com diesseits.de DIE WELT DIE ZEIT FOCUS Frankfurter Allgemeine Frankfurter Rundschau Hamburger Abendblatt Hannoversche Allgemeine Humanistischer Pressedienst Kölner Stadt-Anzeiger Leipziger Volkszeitung Lübecker Nachrichten Mitteldeutsche Zeitung n-tv N24 NDR.de NDR Info Neue Zürcher Zeitung nordwestradio Publik-Forum Saarbrücker Zeitung SPIEGEL ONLINE stern.de SÜDWEST PRESSE Süddeutsche Zeitung taz TP Presseagentur Berlin WAZ WELT ONLINE ZDF heute ZEIT ONLINE