Keine Ermittlungen mehr gegen den „Seelenverderber“

23.08.2010

General-Anzeiger 23.08.2010

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bonn. Der des vielfachen sexuellen Missbrauchs an Internatsschülern des ehemaligen Bonner St. Ludwig Kollegs beschuldigte Franziskaner-Minoriten-Pater Damian Mai wird strafrechtlich nicht mehr zu belangen sein.

Nach fünf Monaten ist das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Würzburg gegen den heute 76-jährigen Pater eingestellt worden. Wie der stellvertretende Chef der Würzburger Staatsanwaltschaft, Burkhard Pöpperl, der Main-Post mitteilte, seien acht Vorwürfe von sexuellem Missbrauch und Nötigung sowie tätlicher Beleidigung untersucht worden.

Nach GA-Informationen handelte es sich bei den in den sechziger und siebziger Jahren in Bonn verübten Taten sehr wohl um strafrechtlich relevante, auf jeden Fall moralisch verwerfliche Handlungen an Kindern. Die meisten Vorwürfe seien verjährt, die neueren strafrechtlich nicht verfolgbar, so nun die Würzburger Justiz. Laut Pöpperl seien vier ehemalige Schüler des St. Ludwig Kollegs in Bonn befragt worden.

Die Ermittlungen über die zwischen 1963 und 1977 datierten Fälle hätten eingestellt werden müssen, weil der dem damaligen Kollegsleiter Pater Damian vorgeworfene sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen länger als 20 Jahre nach der Volljährigkeit der Schüler zurückliege und damit die Verjährungsfrist abgelaufen sei.

Verjährt seien aber auch die meisten Fälle aus der Tätigkeit des Paters als Diözesankaplan in der Katholischen Studentischen Jugend (KSJ) in Würzburg, sagte der Staatsanwalt der Main-Post. Wie berichtet, war im Februar 2010 die Ermittlungsarbeit wegen möglicher in den Jahren 2000 und 2001 in Würzburg stattgefundener Übergriffe aufgenommen worden. Pater Damian selbst streitet alle Vorwürfe vehement ab.

In Bonn hatten schon 1971 Eltern mit Nachdruck die Versetzung des damaligen Kollegsleiters wegen Missbrauchs gefordert. Die Justiz hatte den umtriebigen und dominanten Pater jedoch für sauber erklärt, so dass der von Opfern „Seelenverderber“ genannte Pater bis 1977 leitend am Kolleg und danach in den Bistümern Würzburg und Bamberg ungehindert in der Jugendarbeit tätig sein konnte.

Wie berichtet, vermuten Opfer des Paters, dass die damaligen Ermittlungen wegen der exzellenten Kontakte des Geistlichen zur damaligen Justiz im Sande verliefen. Die Frau eines damaligen Bonner Oberstaatsanwalts war eine im Arbeitnehmerverhältnis zum Pater stehende Psychologin, die in St. Ludwig ein und ausging und fatalerweise gerade mit Opfern des Paters therapeutisch arbeitete.

Die Akten der Staatsanwaltschaft sind inzwischen fristgerecht vernichtet. „Es ist mehr als enttäuschend. Ich bin wütend, dass Pater Damian wieder davonkommt. Es bleibt die moralische Schuld“, klagt dem GA ein Mann, der in den siebziger Jahren am St. Ludwig Kolleg missbraucht wurde. Es sei ungeheuerlich, dass der Geistliche bis zum heutigen Tage lüge und damit die Persönlichkeitsrechte der von ihm zutiefst geschädigten Menschen erneut verletze.

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