Das heilt keine Zeit

30.10.2010: netzwerkB Pressemitteilung

netzwerkB 30.10.2010

Eine redaktionelle Verschiebemasse – wie mit Missbrauchsopfer umgegangen wird
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25. Juni 2010

Sehr geehrter  Herr Denef,
Wir würden uns sehr freuen, Sie zu unserer  Sendung „Menschen 2010“, dem großen ZDF-Jahresrückblick, einladen zu dürfen. „Menschen“ stellt das ablaufende Jahr in der Retrospektive dar. Neben Prominenten aus Unterhaltung, Sport, und Politik sind als Gäste auch Alltagshelden geladen, die in diesem Jahr mit außergewöhnlichen Situationen konfrontiert waren oder etwas Besonderes erlebt haben. In diesem Jahr wird zum zweiten mal Thomas Gottschalk als Moderator durch die Sendung führen. „Menschen 2010“ wird am 10.12.2010 in den Bavaria Studios in München aufgezeichnet und am 12.12.2009 um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Das schwere „Thema Missbrauch“, ob in kirchlichen Einrichtungen oder in Schulen wird sicherlich ein wichtiges Thema unseres Jahresrückblicks sein. Sie – als „Opfer“, der sich aber nun um Gerechtigkeit und Aufklärung bemüht, wären ein wichtiger und kompetenter Gesprächspartner zu diesem Thema. Gleichfalls bemühen wir uns eine Persönlichkeit aus dem Bereich der katholischen Kirche sowie ein „Opfer aus Schulen“ zu dieser Gesprächsrunde ein zu laden.
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29. Oktober 2010

Lieber Herr Denef,
…leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir nach ausführlichen, redaktionellen Gesprächen gestern beschlossen haben, das Thema: „Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche“ in unserem Jahresrückblick rein filmisch-dokumentarisch und nicht in Form einer Studio-Diskussion umzusetzen. Wir sind jetzt der Auffassung, dass wir uns dem Thema in Form eines chronologischen Films nähern sollten. Uns ist bewusst, dass diese Tatsache eine Enttäuschung für Sie darstellt…

ZDF – Mit dem Zweiten sieht man besser
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Sie sieht in ihm den Filmriss
Das Leben abrupt gestoppt
Kann mit niemandem darüber reden
Das macht sie bekloppt

Es liegt Ewigkeiten zurück
Gelähmt, panisch als passiert es ihr jetzt
Gegenwärtig sein stierer Blick, seine Fäuste
Widerwärtig sein Atem gehetzt

Sie hat versucht den Traum zu reparieren
Sich aus ihm zu befreien
Sie hat lange verzweifelt gewartet
Die Jahre zeigen kein Erbarmen
Das heilt keine Zeit

Immer auf Scherben laufen
Schweigen ein zu schweres Gewicht
Ohnmächtig gegen den Giganten
Seine Nächsten verrät man nicht

Die Nacht ist viel zu leise
Die Seele hämmert so laut
Die Vergangenheit kommt anfallartig
Gebrochen an dem ekligen Stau

Sie hat versucht den Traum zu reparieren
Sich aus ihm zu befreien
Sie hat lange verzweifelt gewartet
Die Jahre zeigen kein Erbarmen
Das heilt keine Zeit

16 Kommentare

  1. raschida schreibt am :

    Hi,

    ich schlucke,,,,danke für den Song…

    Hier mein erstes Gedicht dass ich schrieb vor wenigen Jahren:

    Scherbentanz

    Sie lernte schon ganz früh,
    auf Scherben zu stehen.
    Sie übte fortan immer mehr,
    konnte sich bald drehen.
    Sie unterdrückte die Qualen.
    Sie versuchte sich in ihrm Talent zu aalen.
    Sie tanzte immer weiter, dachte,
    sie wäre einfach nur gut.
    Sie vergaß ihren Körper, und es floß Blut.
    Sie versorgte all ihre kleinen Wunden.
    Sie drehte sich weiter,
    und hat es als Kunst empfunden.
    Sie versuchte,
    nicht an die Scherben zu denken,
    Sie merkte,
    ihre Schritte kann sie nicht immer lenken.
    Sie trat immer wieder zu feste auf,
    Sie spürte Schmerz,
    das Schicksal nahm seinen Lauf.
    Sie wollte ihr Können
    an ihre Kinder weitergeben,
    Sie sah, diese wollten einfach nur leben.
    Sie hörte alsdann auf, hielt inne,
    Sie öffnete nun all ihre Sinne.
    Sie sah ihr langes qualvolles Stück,
    Sie verließ die Scherben
    und ging zum Anfang zurück.
    Sie konnte nun plötzlich sehen,
    Sie merkte, nicht jeder soll lernen,
    auf Scherben zu gehen.
    Sie legte sich hin, ruhte sich aus,
    Sie schickte alle Zuschauer nach Haus.
    Sie wendet sich anderen Künsten zu,
    Sie glaubt weiter an sich
    und findet jetzt Ruh.

    An alle, die vielzulange schon auf Scherben stehen.
    Glaubt mir, auch ihr werdet es verstehen.
    Es dauert lange, oder auch nicht,
    Am Ende, da wärmt uns alle das Licht.

    (raschida)

  2. Larissa schreibt am :

    hallo Norbert

    Das ist ja eine schlechte Nachricht .
    Aber ich denke , ob es nicht auch was gutes sein kann, sowas filmisch darstellen zu können , wie man sich so einen film als Opfer so vorstellt bringen zu können .
    Fillicht macht man nach dem Film noch eine Nachspanndiskusion .
    Oder aber auch eine Telefon anrufmöglichkeit( Dikusion ) danach noch gegeben währe ?

    Ich fände es aber auch gut wenn die Familiären Mißbräuche und andere , da mit zur sprache kämen .

    Ich finde Rückzieher und falsche Versprechungen auch sehr belastend .
    wenn das auch schon so lange angekündigt war , man sich darauf auch eingestellt hat !

    Ich hoffe , das das Angebot nun bestehen bleibt .

    Die Opfer als Regisseur !

    Grüße von
    Larissa

  3. hildegard schreibt am :

    Wir wollen nichts mehr wegstecken! – die, die sich „Scheiße-“ benommen haben, SIE gehören von unseren Zivil-Gesellschaften gehörig diffamiert – und nicht wir!!! – aber:
    Wir sind NICHT frei genug, uns in dieser freiheitlichen Demokratie gegen staatliche und christ-katholische Seilschaften zu schützen.
    Wir können MITNICHTEN dieses Unrecht beklagen, ohne mit weiterer Ächtung, von ganz ‚oben‘ abgesegneter Verachtung gestraft zu werden.
    Wir werden weiterhin wie outlaws behandelt werden, so lange noch die Verantwortlichen und ihre Lakaien in Familien, Schulen, Vereinen, Kirchen, Gerichten, Ministerien uns ihr ätzendes Salz in offene Wunden streuen dürfen – gesetzlich geschützt …
    Es reicht!

  4. marga schreibt am :

    Wie schade!

    Wahrscheinlich hat die Kirche wieder ihren unseligen Einfluss geltend gemacht. Bischof Ackermann hat sicher ein Wörtchen mitzureden gehabt.

  5. heruler schreibt am :

    Wie gut! Denn da hätten Sie sowieso nicht hingehen dürfen, denn im Fernsehen werden die Betroffenen doch nur für Quote, Mainstreamwohlfühlen und Verharmlosung mißbraucht.

  6. heruler schreibt am :

    Und man stelle sich vor, Sie säßen dann mit der sexualisierten Freifrau von und zu Guttenberg, die sich ja so verdient gemacht hat um telemediale Menschenjagd, zusammen an einem Tisch und diese buntscheckige Kasper würde auf Ihre Kosten eine Zote vom Stapel gelassen haben. Wie frivol wäre das dann wohl geworden?

  7. Wilma schreibt am :

    Das ist brutal und unmenschlich. So kann man nicht mit menschlichen Schicksalen umgehen. Im Juni einladen und dann vier Wochen vorher wieder ausladen. Was für eine Enttäuschung! Wer hat da Angst vor wem?

  8. Hallo Norbert

    Wie bedauerlich…

    Hat die Kirche wieder ihren unseligen Einfluss geltend gemacht?
    Nun ist die Tatsache, das die Menschenrechte für die Opfer von sexuellem Missbrauch, innerhalb der EU keine Gültigkeit zu haben scheint noch deutlicher geworden.

    Mach weiter so “ SAG ES LAUT “ .

    Pia Survivor

  9. marga schreibt am :

    Ich habe an das ZDF geschrieben und meine Empörung über dieses Vorgehen geäußert.
    Vielleicht wollen es andere auch tun?
    Ich könnte mir denken, dass Zuschauerreaktionen ihre Wirkung nicht ganz verfehlen.
    ___________________________________

    ZDF „Menschen 2010“
    55100 Mainz

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Wie ich erfahren habe, haben Sie für die Sendung „Menschen des Jahres 2010“ Norbert Denef erst ein – dann wieder ausgeladen.

    Ich nehme stark an, dass Bischof Ackermann oder sonst ein Kirchenfunktionär sein Gewicht in die Waagschalen des öffentlich- rechtlichen Fernsehens hat werfen können.
    Hat Ackermann das ZDF unter Druck gesetzt: Wenn Denef, dann nicht Ackermann?

    Schwach, schwach, kann ich nur sagen.

    Das ZDF ist eingeknickt und hat sich der Möglichkeit beraubt, durch eine authentische Aussage eines direkt Betroffenen etwas zu dem unsäglichen Skandal in unserer Gesellschaft, der sexuellen und anderweitigen Gewalt an unseren Kindern, etwas beizutragen.

    Dieser Skandal hat in der Bevölkerung gerade deshalb so viel Aufsehen und Empörung erregt, weil gerade die Institution, die selbst mit großem Fleiß den moralischen Stab über andere bricht, Beichten hört und Sünden „vergibt“, in nicht geahntem Ausmaß an diesem Missbrauch, dieser Gewalt an Kindern, beteiligt war und damals, und auch heute noch, die Täter deckt und das Unrecht vertuscht.

    Das ZDF hätte die Pflicht, die O p f e r in den Mittelpunkt zu stellen, und die Täter nur – wenn überhaupt- im Nebensatz zu Wort kommen zu lassen.

    Mit dem Zweiten sieht man besser???
    Ich zweifle.
    ___________________________________

    @ heruler
    Dein post vom 31.10. halte ich für verfehlt.

  10. Lieber Norbert,
    die Realtiät holt uns immer wieder ein!!
    Es ist bequemer und einfach, einen Film zur Jahresrückschau zur Sendung „Menschen 2010“ einzublenden, als Betroffene von sexellem Mißbrauch ins Studio einzuladen. Dort sitzen die Betroffenen, die Überlebenden in Augenhöhe, „von Angesicht zu Angesicht“ vor ihnen und da den Betroffenen/Überlebenden vor der Kamera kein „Maulkorb“, kein „Pflaster vor den Mund“ verabreicht werden kann, wissen die Verantwortlichen für eine solche Sendung, dies kann gefährlich werden…. wenn sie eine solche Sendung zulassen.
    Trotzdem : Nicht aufgeben, weitermachen, reden, reden, reden…………
    bis der/die letzte verstanden hat, das die Betroffenen/
    Überlebenden an den „Tisch /Sendung“ usw. dazugehören.
    Verdrängung, Verharmlosung werden auf Dauer nicht
    bestehen können!!!
    Heike

  11. PeggyJansen7673 schreibt am :

    Lieber Norbert,Liebe Gleichgesinnte oder einfach Anteilnehmenden hier…ich finde dies als einen erneuten „Fratzenhammer“ unserer Gesellschaft,das man wie auch sonst in den Medien nur große Sprüche wagt und sich dann eh weder dran hält,noch dazu steht!Man macht Werbung(siehe BERGMANN-SPOT´S), verspricht Besserungen,Opferrechte usw. In unserem Land werden aber wohl Betroffene,gleich welcher Gewaltrichtung es auch sei, immer die Deppen bleiben!Wir zahlen Steuern in die Staatskassen damit wir am Ende nicht mal unsere eignen Krankenkassenkosten oder Beerdigungen tragen können,denn nicht nur die Täter töten unsere Seele,sondern der Staat unsere restliche würde zusätzlich!!! Kein Wunder,das Deutschland immermehr verlassen durch Auswanderungen wird!!! Norbert-EINER FÜR ALLE UND ALLE FÜR EINEN! WIR BLEIBEN STARK,LAUT UND GEHEN VORWÄRTS ;O)! Eure Landesbeauftragte Sachsen.

  12. Georg Bohn schreibt am :

    Dafür darf stephan wahl, der zum Stab des ´Missbrauchsbeauftragten´Ackermann gehört und der den Pädophilen-Fürsten vom Aloisiuskolleg seinen ´geistigen Mentor´nennt, das Wort zum Sonntag lesen..

  13. Hubert schreibt am :

    „Das heilt keine Zeit“?
    Also die Kirche sieht das offenbar ganz anders.
    Bei einer Entschädigungssumme für Missbrauchsfälle aus eigenen Reihen
    will die Kirche 4000 Euro für Therapiekosten bereitstellen, falls die Krankenkasse nicht zahlt.

    Das heisst im Klartext:
    Wenn ein Tag Klinikaufenthalt ca. 500 Euro kostet, so
    ergeben das gerade mal „8 Tage Klinkaufenthalt“ !!
    Demnach geht die Kirche scheinbar davon aus, daß sich so ein Trauma in 8 Tagen beheben läßt.

    Oder bei einer ambulanten Therapie,
    wenn 1 Stunde mit 70 Euro berechnet wird, 57 Stunden.

    Die Kirche glaubt also daran, dass eine Zeit von 8 Tagen bzw. in 57 Stunden diese Wunden heilen kann.
    Oder liegt da jetzt ein geistlicher Gedankenfehler vor?

    Ich glaube eher, daß ein Zeitrahmen für eine Heilung garnicht festgelegt werden kann. Der Heilungsprozess ist nur ein Versuch, welcher nicht selten Lebenslang dauert.
    Man muß noch berücksichtigen, dass eine Therapie auch zusätzlichen Schaden zufügen kann.
    Warum wird immerzu versucht, die Opfer mit solchen Angeboten abzuspeisen?
    Und die Absage für die Sendung ist ebenfalls eine Abspeisung.
    Es ist fast schon zur allgemeinen Grundhaltung geworden.
    Entsetzlich ist das alles.

  14. marga schreibt am :

    Die Kirche macht sich doch keine Gedanken um eine wirkliche Entschädigung!

    Solche Zahlen oder Vorschläge werden doch nur einfach immer mal wieder in die Debatte geworfen, daß man m e i n e n sollte, die Herren würden sich Gedanken machen. Ein paar Stimmen des Protestes werden laut, und dann hat man wieder Ruhe…

    Die sitzen das Problem aus, die Opfer sterben weg, das Geld ist gesichert.
    Wenn mal wieder ein Artikel im Spiegel o.ä. kommt, hält Ackermann mal wieder sein pseudo – mitleidiges Gesicht in die Kamera. Und dann ist vorerst wieder Ruh!

    Mutige Opfer müßten sich vor die Kamera wagen , an die Presse wenden, und ihre ganze, ungeschminkte , wahre Geschichte erzählen.
    Das würde die Öffentlichkeit mobilisieren.
    Denn als Nicht – Opfer w e i ß man nicht, was es heißt, Opfer sexueller Gewalt zu sein. Und Schlagworte wie „Mißbrauch“ nutzen sich ab.

    Ich weiß, das ist ungemein schwer. Aber nur so bewegt sich etwas.

  15. Michael Lehmann schreibt am :

    Bis jetzt hat noch kein einziges Missbrauchsopfer der Jesuiten auch nur einen Cent erhalten..

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