An die MitgliederInnen des Bundestagsausschuss für Menschenrechte und humanitärer Hilfe

17.12.2010

Sehr geehrter Herr Vors. Tom Koenigs,

in der heutigen Bundestagssitzung hat der Bundestag einvernehmlich für eine weltweite Glaubens-u.Religionsfreiheit gestimmt. Auf der Zuschauertribüne sass unteranderem Bischof Ackermann (Missbrauchsbeauftragter der Kath. Bischofskonferenz) und der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Altbischof Huber.

Der Runde-Tisch Berlin hat in seinem Abschlussbericht einen Hilfsfond in Höhe von 120 Millionen Euro vorgeschlagen, welcher nun vom Bundestag und Bundesrat beraten und zur Abstimmung gestellt werden soll. Die SPD Politikerin Frau Matthäus-Meier hat diesen Abschlussbericht als beschämend für Deutschland bezeichnet und der  Verein ehemaliger Heimkinder (VeH e.V.) hat diesen Abschlussbericht nicht akzeptiert und zurecht auf den geringen Betrag  verwiesen, den jedes ehemalige Heimkind aus dem Hilffond erhalten soll. Mal gerade umgerechnet 2-4000 Euro. Die Vors. vom VeH e.V. verwies auch gleichzeitig auf ihrer Presekonferenz, auf die Entschädigungszahlungen, welche in den USA, Irland und Österreich geleistet wurden, nämlich um ein beachtliches mehr.

Die Vors. Runder Tisch Berlin Frau Antje Vollmer, nannte in dem Abschlussbericht die damaligen Heime, Einrichtungen und Internate ein Ort des Bösen und das in vielen dieser Einrichtungen, massiv gegen die Menschenrechte-u.Würde  verstoßen wurde.

Die Menschenrechts-Verletzungen in den besagten Einrichtungen möchte ich gerne nochmal im Einzelnen aufzählen dürfen, da es für Außenstehende unfassbar und schwer nachvollziehbar ist, was tatsächlich geschehen ist:

Sexueller Missbrauch, Demütigungen, körperliche Züchtigungen, Kinder(sklaven)arbeit, Gefangenschaft, Isolierhaft, von
der Öffentlichkeit und der Gesellschaft ausgeschlossen, schlechtes Essen bis hin zum Essensentzug, Denunziation,
Zucker-u.Peitsche-Mentalität, Androhungen von Hölle und Fegefeuer, Erpressung, Nötigung, stundenlanges Strafantreten,
u.v.m. an menschenunwürdigen Methoden.

Dies, alles konnte nur geschehen, weil Kirche und Staat in diesen Einrichtungen einen rechtsfreien Raum zugelassen haben. Weil Priester, Nonnen, ErzieherInnen, LehrerInnen keiner staatlichen Kontrolle unterlagen und über alle Zweifel
erhaben waren.

Diese verwerflichen Praktiken konnten unter den Augen unseres Staates geschehen, obwohl schon 1954 die Menschenrechte
und die Menschenwürde in unserem Grundgesetz verankert waren.

Zurecht verurteilen wir heute weltweit die Kinder-u.Sklavenarbeit, wir diskutieren über angemessenen Arbeitslohn, sind
gegen sexuelle-u. häusliche Gewalt und Jugendämter-u. Jugendgerichte entscheiden immer vorrangig für das Kindeswohl.

Heute, nachdem Betroffene aus den 50er, 60er und 70er Jahren nach Jahrzehnten ihre Rechte, welche ihnen damals
vorenthalten wurden, zurecht einfordern, werden sie erneut gedemütigt. Denn nichts anderes ist der Abschlussbericht
RTH Berlin und der Hilfsfond von 120 Millionen, eine Demütigung für alle ehemaligen Heimkinder.

Es sei darauf hingewiesen, das die psychischen wie physischen missbrauchten Opfer heute nicht mehr als Bittsteller, sondern als Antragsteller an Sie den Ausschuss und den Bundestag herantreten.

Die Forderungen werden lauten:

  • Eine wesentliche Aufstockung des Hilfsfond und Zahlungen an die Ehemaligen wie in den USA und Irland geschehen, mindestens aber ca. 50.000 Euro u/o 300 Euro mtl. Rente, wie von den Opferverbänden vorgeschlagen
  • Für die geleisteten Jahre an Kinderarbeit wird die Anrechnung an die Rentenzeiten gefordert
  • Für die heute kranken Missbrauchsopfer eine materielle und pflegerische Versorgung (unbürokratisch)
  • Zuletzt, wenn die Entschädigungen erfolgt sind, eine gemeinsame von Staat und Kirche öffentliche Entschuldigung

Es besteht allgemein die Hoffnung, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung durch den Bundestag/rat kommen wird, damit der Weg durch die gerichtlichen Instanzen uns allen erspart bleibt und die Betroffenen noch zu Lebzeiten ihre
finanzielle Wiedergutmachung erhalten.

Liebe AusschussmitgliederInnen,
alle Ehemaligen und ich auch rechnen fest mit Ihrer Unterstützung, aber auch mit Ihrer tatkräftigen Argumentation für eine Aufstockung des Hilfsfond im Deutschen Bundestag.

Wir werden die Debatten mit starkem Interesse verfolgen und wer für die weltweite Religion-u. Glaubensfreiheit im
Bundestag eintritt, der muss aber auch bereit sein, Sünden der Vergangenheit wieder gutzumachen und dafür auch die
rechtlich verbindliche Verantwortung übernehmen.

Seelische und körperliche Narben werden bleiben, nichts kann rückgängig gemacht werden, es liegt jetzt an Ihnen,
dass uns keine neuen Narben zugefügt werden.

Entscheiden Sie mit für einen gerechten finanziellen Ausgleich, denn der Worte sind viele gefallen, jetzt müssen für uns hilfreiche Taten folgen.

Ein frohes nachdenkliches Weihanchtsfest, wünscht Ihnen ein Ehemaliger,

mit freundlichen Grüßen

Uwe Werner
Aachener Str. 316
41069 Mönchengladbach
0152/23627521

4 Kommentare

  1. heidemarie schreibt am :

    sehr geehrte damen und herren
    seit mehreren monaten betrete ich nicht mehr mein wohnatelier in köln
    wo sich mein ehemaliger freund breit gemacht
    hat mich bedroht und trinkt und gewaltätig ist
    es tut sich nichts von seiten der öffentlichkeit
    obwohl ich schon seit einigerszeit strafanzeige erstattet habe
    da das atelier in einem gelände liegt
    wo sich andere gewaltätige aufhalten
    habe ich davon abgesehen mir ein einstweiliges zutrittsrecht zu verschaffen.
    .
    ich benötige dringend begleitung um meine sachen zu sichten ..

    bitte sich mich zu kontaktieren
    mit freundlichen grüssen
    h leppak

  2. joachim schreibt am :

    Lieber Uwe,
    Ihr Schreiben wird unsere Politanwälte kalt lassen, denn deren Denken geht immer nur in die gleiche Richtung. Obwohl Frau Vollmer Theologin ist, konnte sie diese Richtung nicht ändern, die ihr aus ihrer politischen Arbeit regelrecht „einprogrammiert“ ist. Es bilden sich bei der Arbeit der Politiker regelrechte Abwehrautomatismen gegen jedwede Form von Ansprüchen.
    Dagegen hilft nur unmittelbarer Zwang, beispielsweise eines Gerichts (der letzten Instanz, wohlgemerkt).
    An einen Gott oder ein jüngstes Gericht glauben nur die, die es nicht besser wissen, weshalb auch ein solcher Appell fehl geht. Ich halte es mit der Meinung des Altbundeskanzlers, Helmut Schmidt: Das kleinste Teilchen Materie, ist das Atom. Daraus besteht letzten Endes Alles, auch wir Menschen! Ein Atom ist unzerstörbar. „Unsere“ Atome bestehen also nach unserem Tod fort. Der Tod bedeutet nicht das Ende, sondern eine andere Daseinsform.
    Ich hoffe das regt zum Nachdenken an,
    lg, Joachim

  3. Michael Lehmann schreibt am :

    http://www.n-tv.de/panorama/Verurteilung-waere-wichtig-gewesen-article2183036.html
    Das ist mein Jahrgang, hier hatte ich Glück gehabt, bei der Schulwahl meiner Eltern nicht. Sie wählten ausgerechnet das Pädophilen-Fürstentum Aloisiuskolleg.
    Man hätte, es wäre..
    das wird man in 40 Jahren auch über die Kirche und die heutigen korrumpierten, kirchenservilen und selbstgerechten Politiker ala Vollmer sagen!
    Oder mit den Worten des ehemaligen Jesuitenprovinzials: ´Ich möchte nicht wissen, wie man in 40 Jahren über unsere Taten von heute urteilen wird..´

    Und wieder wird es heissen: ´Wir haben das alles nicht gewusst.. Das konnten wir damals nicht wissen..´
    Doch, konntet ihr, nachzulesen hier, auf dem Forum dass die Betroffenen sich selbst geschaffen haben, oder auf ´ eckiger-tisch.de ´ oder auf vielen anderen Foren.

  4. stadie`s art schreibt am :

    Nicht vergessen!
    Da gibt es doch auch die Verbrechen der Evangelischen Kirche.
    Die Kirche der sog. geistigen Elite- na` Bravo!
    zur Online-Pressemitteilung EKD vom 13.12.2010
    http://www.blogspan.net/presse/tag/ekd/
    Hört sich für Nichtwissende zunächst gut an; Fond, Entschädigung, traurig, erschüttert, schlimm; alles Begriffe, die in der Summe- in Euro – für die Betroffen was konkret bedeutet? Fragen, Fragen, Fragen und als Antworten immer nur geschwätziges Verschweigen!
    Getreu dem Leitsatz: die Frömmigkeit situationsbedingt relativieren, nicht wahr? Die EKD handelt so öffentlichkeitswirksam, wie man es von ihr erwartet, mit sentimentalen Floskeln und marktadäquatem Blabla. Die Opfer der menschenverachtenden Verbrechen nach 1945 haben Sie erneut gedemütigt und retraumatisiert zurück gelassen.
    Eine neue Generation von Leid wurde geschaffen, diesmal mit psychologischer Kriegsführung, denn sind Sie mal ehrlich! wer waren denn schon Ihre Gegner? schwerst traumatisierte Menschen, die Sie als Institution Kirche in Ihren Kinder-Anstalten zu Dauer-Patienten der Gesellschaft und heute zu Anwärtern Ihrer Altenheime gemacht haben. Kinderheime und Altenheime, das weiß man, sind lohnenswerte Massengeschäfte.
    Das System der evangelischen Kirche kurz und knapp:
    Erst frühzeitige Rekrutierung von Kirchensteuerzahlern und finanzielle Mittelbeschaffung, durch Pflegegelder, Spenden, demütige-treue Umsonstarbeiter etc., dann produziert man seelisch und körperlich kranke Menschen, die man dann in eigenen Anstalten erneut verwahrt und zum Schluß eine teure Grube auf dem hauseigenen Friedhof verpachtet.
    Von der Wiege bis zur Bahre bringt der brave Protestant das Bare.
    Der Etikettenschwindel mit der christlichen Nächstenliebe ist aufgeflogen, das institutionelle Unrecht, das gegenseitige Legitimieren von Staat und Kirche bei Menschenrechtsverletzungen an den schwächsten der Gesellschaft; hier Babys, Kinder und Jugendliche nach 1945, wird juristisch mit dem offenen Gesetzbuch rechtsstaatlich und transparent geklärt werden. Versprochen!
    Anzeigen gegen 8 Institutionen sind bei der Staatsanwaltschaft in Münster/Westfalen am 22.Sept. 2010 eingereicht worden,
    Aktenzeichen: 63 UJs 77/10
    Es grüßen
    Friedhelm Münter & Tina Schlief

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