Persönliches Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Günter Krings

10.01.2011

Am Donnerstag den 06.01.2011 hatte ich ein persönliches Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Günter Krings. Ich hatte ihn um dieses Gespräch gebeten, nach dem der Runde-Tisch-Berlin seinen Abschlussbericht vorgelegt hatte.
Dr. Krings ist aus meinem Wahlkreis Mönchengladbach und so suchte ich ihn dann auch im Rahmen seiner Bürgersprechstunde, in der CDU-Geschäftsstelle auf.

Zuerst berichtete ich ihm, dass ich ein Missbrauchsopfer der 50er und 60er Jahre sei und schilderte ihm in Details den Missbrauch, sowie die Zustände in dem Heim Westuffeln. Seine Mitarbeiterin war bei diesem Gespräch anwesend und machte sich laufend Notizen. Das Entsetzen konnte man an ihrem Gesicht ablesen.

Dr. Krings selber blieb sachlich und schüttelte angesichts meiner Schilderung mehrmals mit dem Kopf. Wichtig schien ihm die Frage zu sein, ob es sich um ein kath. oder evang. Heim gehandelt hat. Ich war davon überzeugt, das Dr. Krings über das Ausmaß des Missbrauchs gut informiert war, aber dies nun von einem Betroffenen persönlich zu hören, war für ihn überraschend und das sah man ihm auch an.

Desweiteren schilderte ich ihm, welche Mühen und Kosten ehemalige Heimkinder aufbringen müssen, um als Opfer von Staat und Kirche anerkannt zu werden. Gleichfalls wie schwierig es ist und einem gemacht wird, an seine eigene Heimakte zu gelangen. Weiterhin, wie schwierig es ist, eine gute Therapiestelle zu finden und wie die Kostenfrage zu klären ist. Ich schilderte ihm, wie viele von uns in schwierigen persönlichen und familiären Verhältnissen leben müssen, weil sie jahrzehnte lang darüber nicht sprechen konnten.

Dann sprachen wir das Thema Entschädigung an, sowie den Abschlussbericht Runder-Tisch und das ich, wie auch der VeHe.V. und das netzwerkB e.V. diesen Abschlussbericht eine Farce finden, als auch die 120 Millionen Euro Entschädigungssumme, welche im Raume stehen. Ich teilte Dr. Krings mit, dass die drei Betroffenen am Runden-Tisch nicht autorisiert waren für uns alle zu sprechen, ebenso, dass sie dem Abschlussbericht nicht in unser aller Namen zustimmen durften.

Ich sprach über die Eingabe einer Petition an den Bundestag, bzgl. der unbürokratischen Herausgabe aller Heimakten und das zum Thema Verjährung eine Klage beim EGfM in Den Haag vorliegt.

Da der Abschlussbericht Runder-Tisch nun dem Bundestag vorgelegt werden soll, schien es mir wichtig, dass die AbgeordnetenInnen vor einer Abstimmung, persönlich betroffen gemacht werden und nicht nur über eine trockene Gesetzesvorlage abstimmen.

Ebenfalls finde ich, dass dadurch die Bemühungen der Opfer-Missbrauchs-Verbände mehr Gewicht erhalten und ernster genommen werden müssen.

Es kostete mir einige Überwindung den hiesigen Bundestagsabgeordneten aufzusuchen, aber ich wollte damit meinen eigenen Beitrag dazu leisten, wenn unser Anliegen im Bundestag behandelt wird. Wenn alle Ehemaligen und Betroffenen ein gleiches tun und ihren Abgeordneten in ihrer Heimatstadt aufsuchen und unser aller Anliegen schildern, dann kann später keiner sagen, das habe ich so nicht gewusst. Denn im Falle einer Abstimmung, ist jede(r)Abgeordnete(r) nur ihrem/seinem Gewissen gegenüber verantwortlich und darf sich nicht aus Gründen des Fraktionszwanges aus der Affäre ziehen.

Leistet auch ihr Euren Beitrag dazu und konfrontiert unsere VolksvertreterInnen mit den knallharten Fakten des Missbrauchs, der Kinderarbeit, der körperlichen Züchtigung und der psychichen und physischen Misshandlungen. Macht den Bundestag gleichfalls zu Betroffenen und schildert in einem perönlichen Gespräch den Volksvertretern in eurer Heimat dieses unsägliche Leiden aller ehemaligen Heimkindern. So verschaffen wir uns Gehör und fordert den Bundestag (Fraktionen) auf, zu diesem Thema eine aktuelle Stunde abzuhalten und vielleicht sogar eine namentliche Abstimmung.

Nur Mut, keiner von uns geht allein.

Liebe Grüße an alle,

Uwe Werner
Aachener Str. 316
41069 Mönchengladbach
0152/23627521

6 Kommentare

  1. astrid schreibt am :

    lieber Uwe Werner, welch eine gute Idee, und wie viel Mut! Das hat wohl ganz andere Wirkung, als nur ab und zu (wenn überhaupt) den einen oder anderen Zeitungsartikel zu lesen.

  2. Michael Lehmann schreibt am :

    Tolle Initiative! Mitmachen, alle die können..!

  3. hildegard schreibt am :

    …gute Ideen und viel Mut schützen vorm Zweifeln und Verzweifeln …

  4. Michael Lehmann schreibt am :

    …ich habe übrigens noch nie eine negative Reaktion erlebt, wenn ich berichtet habe was mir passiert ist. Wenn ich das nur früher gewusst hätte, dann wäre vielen einiges erspart geblieben, denn mein Monster hat nach mir erst richtig losgelegt und am Aloisiuskolleg noch 30 Jahre Unheil angerichtet.
    Ich habe schon einige der nach mir Betroffenen um Verzeihung gebeten und sie haben keine Schuld bei mir gesehen. Darüber bin ich erleichtert und ich bin diesen dafür dankbar.
    Ich habe auch meine Abgeordnete bereits gesprochen. Ich hatte Glück, eine gemeinsame Bekannte hat uns vorgestellt. Aber es ist auch nicht schwer herauszufinden wie man Kontakt aufnimmt.

  5. Eva schreibt am :

    Gute Idee und viel Mut und Glück gehabt Herr Werner !

    Allerdings gibt es auch Politiker, die ich auf der Straße bei Wahlveranstaltungen ansprach, die kaum Interesse zeigten und mich sogar zu einer anderen Fraktion schickten, um mich abzuwimmeln.

  6. Uwe schreibt am :

    Ich danke für Eure Beiträge und hoffe, das noch mehr Betroffene hierdurch den Mut finden, sich an ihre Volksvertreter zu wenden. Wenn PolitikerInnen sich auf dieses Thema nicht einlassen wollen, schon gar nicht auf einer Wahlveranstaltung, dann sollte dies publik gemacht werden, z.B. auf der HP der jeweiligen Partei, oder an die örtliche Tageszeitung.
    Jede(r) Betroffene(r) ist auch eine Wählerstimme und sollte gehört werden, denn z.Z. kann sich keine Partei diese Ignoranz (bekannt bei den Kirchen) erlauben, bei 6 anstehenden Landtagswahlen.

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