Ein Kommentar

  1. Anna M. schreibt am :

    Bericht über die Filmpremiere:
    Ein Film über die systematische Kindesmisshandlung in afrikanischen Internaten US-amerikanischer Missionswerke in den 50er- und 60er-Jahren.
    Ausgehend von 3 Familien, deren Kinder jahrelang im Internat Mamou in Guinea/Westafrika misshandelt wurden beschreibt der Film dokumentarisch die Gewaltsysteme in den Internaten, die speziell für Missionarskinder eingerichtet wurden. In Interviews erzählen die heute etwa 50-60-Jährigen wie ihnen vom Personal Gewalt angetan wurde, wie sie gedemütigt, geschlagen, vergewaltigt wurden. Wie sie entweder keinen Mut hatten, ihren Eltern davon zu erzählen oder aber ihre Bitten, nicht mehr dort hin zu müssen ignoriert wurden. Und wie sie ein zweites mal zum Opfer gemacht wurden, als sie das Missionswerk mit ihren Erlebnissen konfrontierten. Auch hier wurde seitens der Täterinstitution geschwiegen, hingehalten, bagatellisiert, geleugnet, und letztlich dann doch noch ein wenig Mitgefühl geheuchelt. Die Opfer organisierten sich und kämpften über 10 Jahre darum, dass ihnen Gehör geschenkt wird, vor allem damit die heutigen Missionarskinder nicht auch Gewalt erfahren, denn der ein oder andere Gewalttäter von damals ist noch immer im Missionswerk tätig. Es gab eine unabhängige Untersuchungskommission, einen Abschlußbericht und den ein oder anderen Entzug der Lehrerlaubnis.
    Durchbrochen werden die Interviews von Fotos und Super-8-Material aus der Internatszeit, hin und wieder illustriert durch fromme Missionarslieder. Der heutige Leiter des Missionswerks kommt zu Wort und weint ein paar Krokodilstränen.
    Insgesamt ergibt sich ein umfassendes Bild der damaligen Geschehnisse.
    Gegen Schluß, als die Frage nach der Verantwortung relevant wird, weicht der Film etwas auf, die gerechtfertigte Empörung gerät in den Hintergrund und es wird zu viel Raum gegeben für Missionierung (ja, tatsächlich!), da einige der Opfer heute als Missionare bzw. Priester tätig sind, was angesichts der ihnen widerfahrenen Kindesmisshandlungen einigermaßen erstaunlich ist. Außerdem werden die Eltern, die eindeutig eine Mitverantwortung tragen in Schutz genommen und als Opfer des religiösen Systems dargestellt.
    Insgesamt ein sehenswerter Film, der die Mechanismen in Täterinstitutionen aufzeigt. Die Parallelen zu den hiesigen institutionellen Kindesmisshandlungen sind überdeutlich.

    Der Film ist ab 19.5.2011 online anzusehen, den Youtube-Link findet man unter http://www.allgodschildrenthefilm.com/

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