Verjährungsfrist passé

12.06.2011

Sehr geehrte Frau Dr. Bergmann,

netzwerkB schreibt in einer aktuellen Verlautbarung zu Ihrem Schlussbericht:

Zitat
Wenn Frau Dr. Bergmann – aus Not oder Angst oder Abhängigkeit von irgendwelchen übergeordneten Instanzen – sich auf eine Verlängerung statt einer Aufhebung der Verjährungsfrist einlässt, dann hat sie entweder etwas Elementares beim Umgang mit sexualisierter Gewalterfahrung in der Kindheit noch nicht verstanden oder sie ist nicht glaubwürdig.

netzwerkB fordert: Die Verjährungsfristen müssen rückwirkend aufgehoben werden!
Zitatende

Als Nichtbetroffener liegt es für mich glasklar auf der Hand, dass netzwerkB bzw. Norbert Denef und seine Mitstreiter Recht haben.
Warum?
Weil ein Täter, der so etwas Schlimmes begeht, das einem seelischen Mord gleichkommt, sich nicht sicher fühlen darf; auch und schon gar nicht jenseits einer Verjährungsfrist, die bei diesem Thema nichts, aber auch gar nichts, zu
suchen hat. Ich frage mich: Wie kommen Sie auf die Idee, die Aufhebung einer Verjährungs-
frist abzulehnen?
Sind Sie sicher, das Sie vollumfänglich verstanden haben, worum es den Opfern geht? Ich sage Ihnen, was ich darüber denke: Sie haben es nicht, denn hätten Sie das, wäre eine Verjährungsfrist passé.

Und: Mit Opferschutz, vor allem auch der (leider) zukünftigen Opfer, hat das nichts zu tun. Mit dem Schutz der Schwachen auch nicht und mit Demokratie im weiteren Sinn auch nicht, weil die Opfer nicht zu Wort kommen.

Mit sehr nachdenklichen Grüßen,

Dr. Curt Asten

13 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Herr Dr. Asten, meine Hoffnung wächst mit Ihrer Stellungnahme, danke!
    Ein außen Stehender erkennt, wie unsere Rechte im Rechtsstaat gestrickt werden müssten.
    Mit Frau Bergmann haben die Damen am Runden Tisch sich verstrickt – oder haben sie sich verstricken lassen? Das Strickwerk passt deshalb nicht, weil das Grundmuster falsch war – Augenhöhe fehlte.

    Wer mitfühlt weiß, wie mühsam es für Betroffene wird, immer und immer wieder an die Grund-RECHTE unserer freiheitlich demokratischen Ordnung erinnern, sie einfordern, einklagen zu müssen.

    Irgend etwas muss damals in den Anfängen der Republik in die falsche Richtung, in die Irre geführt haben.
    War es die Beschleunigung des äußeren Wiederaufbaus, der die Menschen innerlich nicht nachlommen ließ?
    Fehlten nicht damals schon liberale Querköpfe, die es zum Ausgleich zwischen „Wachstum und Wohlstand“ und rechtmäßigem Wohlergehen für die Schwächsten gebraucht hätte?

    Bis heute traut sich in diesem Parlament kein Mensch mehr, das Wort zu ergreifen für unser Recht:
    Ausnahmslos gilt seelischer Mord als ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ im Sinn des gestern zitierten ‚Rom-Statut‘.

    Ausgleichende Gerechtigkeit für ALLE erwachsenen Betroffenen.

    Augenhöhe mit erwachsenen Betroffenen bei Vergabe von Forschungsgeldern betreffs Ursache, Wirkung, Prävention.

    Und unsere Pressemitteilungen und Positionspapiere rufen nach Großen Geistern der Nation, die offensichtlich nur eine ‚Heilige GeistIN‘ erwecken, erreichen, erleuchten kann – zur Güte, zur Weisheit, zur Wahrheit.

  2. Liza schreibt am :

    Danke, Herr Dr.Asten,
    Sie haben gespürt wie schlimm es für uns Betroffene ist ignoriert zu werden,belogen zu werden.Ich fühlte mich sehr schlecht als Frau Dr.Bergmann in Schwerin mit dem Satz auf mich traf „und sie sind nicht zufrieden“? Sie versprach dann meine Mails,die ich ihr mehrmals sandte endlich zu lesen und sich zu kümmern und dann zu antworten.Schon da wusste ich,was ich davon zu halten habe und behielt Recht.Ich muss demnächst meine Sache vor Gericht vertreten und daran sind Menschen wie Frau Dr.Bergmann nicht unschuldig.Mehr und mehr wächst mein Entschluss den Menschen die Tatorte zu zeigen und ich habe längst begonnen mich darauf vorzubereiten.Heute aber lieber Herr Dr.Asten,machen Sie mir Mut !!! Mit Dank ! !! Liza

  3. Pia Nachtsheim schreibt am :

    Verjährungsfrist passé

    Ja das ist meinem Sinne als Betroffene.

    Mal ehrlich rechneten die Krankenkassen, Arbeitsämter, Rentenämter unser Statt die wirtschaftlichen Faktoren zusammen, die als Kosten durch den sexuellen Missbrauch und den daraus entstehenden Schäden, in der ersten Generation von der nächsten möchte ich gar nicht erst sprechen müssen, ja von den Kindern von Opfern! Rechneten diese das alles zusammen plus dem materiellen und immateriellen Schäden den die Opfer erleiden. Dann kommen Milliarden Summen zusammen.
    Für die sich aber augenscheinlich Niemand zu interessieren scheint.
    Noch nicht oder? Justita bleibt weiterhin Blind.
    Wie kommt es das diese Blauäugigkeit,“ es gibt scheinbar keine Opfer von Folter und Gewalt in der BRD mit dem ENDE des dritten Reiche sind dem Beginn des Wirtschaftswunders. Wie kommt es zu einem solchen Massen Irrglauben? Hallo Amensti International! Hallo Regierung der BRD seid IHR wirklich alles Blind oder ist der eigen Tellerrand so niedrig das Unrecht im eigenen Land besser weiterhin übersehen wird?

    Wie existiert Interesse für Unrecht wenn dieses nur weit genug weg scheint, warum schaut Niemand vor seine eigene Türe “ in diesem unserem Lande“ ???.

    Was ist also mit dem wirtschaftlichen Faktor ,von den Menschenrechten und dem zwischen menschlichen Fiasko wollen wir besser erst gar nicht reden oder?

    Wer zahlt die Zeche für alle die unschuldigen Opfer, “ in diesem unserem Lande“ ?

    “ DIE OPFER ZAHLEN DIE ZECHE WEITERHIN ALLEIN “

    Weil ein Täter dabei noch ganz gut davon kommt indem er nach all zu kurzer Zeit ohne Strafe ausgeht. Das erinnern an Traumata ist unmenschlich schmerzhaft und kann Jahrzehnte in Anspruch nehmen oder vergraben sein, während der Täter Straffrei immer weiter und weiter tun kann in seiner Gier. Ich habe noch nie von einem einmal TÄTER gehört, erlebt oder erfahren. Die gierigen Täter tun weiterhin ihre Taten während unsere Justitia blind bleibt, nicht ohne Grund.

    Ein Täter, der so etwas Schlimmes begeht, das einem seelischen Mord gleichkommt, der soll sich fürchten müssen, mehr als die Opfer selbst; Täter dürfen sich nicht sicher fühlen jenseits einer Verjährungsfrist, das wiederspricht unserer Verfassung. Dem Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit oder hat man da etwas geändert?

    “ SAGT ES LAUT “

    Pia Survivor

  4. hildegard schreibt am :

    Wie lange schon könnten sie es wissen und umsetzen! – oder werden unsere Volksvertreter darüber nicht informiert:

    „Es liegt am Umfeld eines Kindes und daran, ob es geliebt worden ist, wenn es später zum Täter wird.“ – „Ein Psychopath konnte als Kind kein Mitgefühl, kein Gewissen entwickeln“ – “ sein Furchtsystem ist gestört“ – per Hirnscan und Kernspin längst erforscht …
    Per sofort könnte also VOR der ersten Tat auffälliger Zeitgenossen und spätestens danach vorbeugend das betreffende Hirnarreal behandelt, d.h. weiter entwickelt werden – Methoden sind bekannt – Ethikkommissionen könnten SINNVOLL von der UNO global kontrolliert eingesetzt werden.

    Endlich könnte nicht nur individuell das Gewissen, kollektiv könnten wieder wahre Werte „nach“-wachsen zum Schutz des Lebens …
    Anregungen aus einer sehr aufschlussreichen Sendung „Wissenschaft im Brennpunkt“, Teil 1: „Die Neuvermessung des Bösen“
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/1474798/ – Teil 2 Pfingstmontag: „Verbrecherpsyche“

  5. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Die Vorsitzende des runden Tisches war/ist Antje Vollmer die half den Skandal an der Odenwaldschule zu vertuschen und die Hartmut von Hentig und dessen Intimus den Kinderschänder Gerold Becker-ehemaliger Direktor der Odenwaldschule der über 80 Knaben missbrauchte und anal und oral vergewaltigte sowie sexuelle Gewalt durch andere Pädagogen an der Odenwaldschule an Knaben und Mädchen zuliess und förderte-verteidigte .Was ist von einem solchen runden Tisch zu erwarten?Nichts.Es war bzw. ist lediglich ein Placebo für die Betroffenen und die Gesellschaft.

  6. Simone schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Dr. C. Asten,
    Danke für Ihr Schreiben an Fr.Dr.Bergmann! Hoffentlich wird Fr.Bergmann dadurch zum nachdenken angeregt.

  7. Michael Lehmann schreibt am :

    Politik und Täter unter einer Decke. Der runde Tisch ist der Club der Täter. Ackermann glänzt als Smartie unter den Missbrauchsorganisationen..
    Vollmer verschaukelt die Heimkinder.. Was für eine Gesellschaft!

  8. Hubert schreibt am :

    Zitat Pia Nachtsheim:
    “ DIE OPFER ZAHLEN DIE ZECHE WEITERHIN ALLEIN “

    Da stimme ich fast mit überein.
    Denn es leidet doch letztendlich die ganze Gesellschaft darunter.
    Und vielleicht ist die Gesellschaft insgesamt sich darüber noch garnicht im klaren, wie sehr „alle“ darunter leiden.
    Wobei die Betroffenen die Haupt-Leidtragenden in solchen Fällen sind.
    Und das Leid wird aufrechterhalten, weil keine ausgleichende, angemessene Entschädigung stattfindet und auch nicht in „ausreichender Form“ geplant bzw. vorgesehen ist.
    Mit einer „leichten Verbesserung“ ist die Angelegenheit noch längst nicht vom Tisch, da es noch keinen Ausgleich darstellt.
    Und genau dieses innere Ungleichgewicht macht letzten Endes der ganzen Gesellschaft zu schaffen.

    Eines der billigsten Nummern ist wohl, den Betroffenen einzueden versuchen, das Alles einfach so „vergeben“ zu können.
    So nach dem Motto „die Zeit heilt alle Wunden“ – und somit kann dann auch die Verjährungsfrist bestehen bleiben?? Ne, oder?
    Kann doch wohl alles nicht wahr sein …

  9. 2 Bernd Schulz schreibt am :

    Sehr geehrte Frau Dr. Bergmann,

    Ein sexual Täter, der so etwas Schlimmes an Kindern begeht, was einem seelischen Mord gleichkommt, der soll keine Ruhemehr finden und sich fürchten müssen, das das Opfer erkannt wird. Täter dürfen sich nicht sicher fühlen jenseits einer Verjährungsfrist. Ich wurde als acht jähriger von einem Klosterpfarrer bis zum 21 Lebensjahr Missbraucht und Misshandelt. Ich habe ein Buch geschrieben von 41 Seiten. Das Buch heißt Kinder Angst Sie schildert meinen Lebensweg als kleiner Junge, und Jugendlicher. Hier geht es nicht nur um sexuellen Missbrauch sondern auch um Gewalt und Machtausübung durch Ordensbrüder und Kloster Schwestern

  10. Wolfgang Sczepan schreibt am :

    Herzlichen Dank, Herr Dr. C.Asten, für Ihren Brief und vor allem für die mit uns Betroffenen bekundete Solidarität. Für mich, persönlich ist mein Weg, der wie für irre viele andere, den ich gehe, immer und immer wieder ein Gang der Peinigung und der Machtlosigkeit.
    Frau Bergmann und ihr Runder Tisch verdeutlicht mir aufs Neue – auch meine Machtlosigkeit – wie es schon die Täter und Täterin an mir zeigten. Insofern sind Frau Bergmann und ihre „TischgenossenInnnen“ ein Trigger. Frau Bergmann hat schon begriffen worum es geht, doch wie wir erfahren mußten an Leib und Seele, die Täter sind eben machtlüsternd und stärker als die ehemaligen und zukünftigen Opfer. Und so hat sich wohl Fr. Bergmann, wie es in dieser sterbenden Demokratie häufig ist, auf die Seite der Starken geschlagen.
    So haut uns Fr. Bergmann und die „Tafelrunde“ ins Gesicht und negiert die menschliche Seele, so wird Seelentötung weiterhin als ein „Kavaliersdelikt“ dargestellt. Doch halten wir mal fest, auch wenn es die Politik und all die sie stützenden Elemente nicht sehn wollen: „Was uns angetan wurde, war und ist Seelenmord.“ Man mag dies ignorieren, doch es bleibt MORD. Und ich gehe noch weiter: „Jeder der mehr Täterschutz als Opferschutz betreibt, macht sich mitschuldig, zumindest an den kommenden Opfern.“ Die Chancen die hier vertan wurden, zum Nachteil von uns Betroffenen und der künftigen Opfer, sind letztlich auch deutlicher Ausdruck der Achtung die in unserer Gesellschaft dem Grundgesetz und den Menschenrechten entgegen gebracht werden. Sie sind ein Fußtritt gegen diese Rechte. Langer Rede – kurzer Sinn > Wenn wir uns nicht gegenseitig stützen – stützt uns wohl auch weiterhin niemand. Wenn wir nicht weiter schrein – schlafen noch die letzten Kinderschützer ein.

  11. hildegard schreibt am :

    @ Wolfgang Sczepan Bevor dies eine „sterbende Demokratie“ wird, müssten noch andere Katastrophen kommen – bleiben wir mit vereinten Kräften laut, wütend und wachsam, bis die letzten Penner aufschrecken!
    Noch dürfen Leute wie Hessel laut rufen „Empört Euch“ …

  12. bernd schulz 2 schreibt am :

    Sehr geehrte Frau Dr. Bergmann,
    hiermit möchte ich noch einmal auf meine Email-Nachricht vom 05.07.2010 erinnern. Leider haben Sie bis heute nicht reagiert und den Eingang meines Schreibens auch nicht bestätigt.
    Möchten Sie mein Fall verschweigen und ignorieren?!
    Das junge Leben, das über zwei Jahrzehnte gezeichnet ist von Missbrauch, Armut, Hunger, Schlägen, Demütigungen und Erniedrigungen sowie harter Arbeit. Und das habe ich 21 Jahre ertragen müssen!
    Ich leide heute noch, der Missbrauch alleine, das hat schon gereicht um mich in ein tiefes Unglück zu stürzen.
    Frage Frau Dr. Bergmann:
    “würden Sie die Qual des Leidens an ihre Kinder spüren wollen”?
    Ich denke mal nicht, dass sie es an ihren Kindern zugelassen hätten und wie ist ihr Bild zu dem Missbrauch in meiner Kindheit?
    Jeden Tag muss ich heulen, leiden, mich in meinen Gefühlen erniedrigt fühlen. Mich kotzt dieses Leben sehr an und ihnen scheint es ja auch egal zu sein?!

  13. Max schreibt am :

    Frau Dr. Bergmann ist nicht mehr im Amt. Sie war meiner Meinung nach sehr emphatisch. Sie war leider auch sehr überlastet und sie hat dieses viele Leid, welches an sie herangetragen wurde,immer schlechter ertragen können. Es hat mit unter sehr lange gedauert bis sie bzw. ihr Team antwortete. Wichtig ist zu schreiben, wenn einem danach ist. Erhält man keine Antwort, sollte man einfach nochmal schreiben.
    Ihr Nachfolger ist Herr Röhrig. Ich glaube, er verzweifelt daran, dass er nichts bewegen kann.

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