Eingestellt, verjährt

25.08.2011

Magnus Gäfgen erstreitet 3.000 Euro…

von Gail R.

Alle reden über den Täter.
Ich auch.
Er ist „faszinierend“.
Im negativen Sinn.
Dafür gibt es kein Wort.
Weil es unüblich ist, dass ein Mensch sich mit seinen negativen Eigenschaften freiwillig so vehement in den Mittelpunkt drängt.
Es ist gut, dass er das Geld gefordert hat.
Es ist gut, dass er das Geld erhalten hat.
Er hat bewiesen, dass er auch nach neun Jahren nicht gelernt, sich nicht verändert, sich nicht entwickelt hat.
Er liefert selber den Grund, warum er nie entlassen werden darf:
Es fehlt ihm an Empathie, eine essentielle Fähigkeit unserer sozialen Kompetenz.
Egal warum.
Falls sich Empathie lernen lässt, er kann sie nicht lernen.
Egal warum.
Er ist nicht gesellschaftskompatibel.
Seine Hemmungslosigkeit war schon früh vorhanden,
als er meine Kinder beklaute, bedrohte und sexuelle Gewalt antat.
Der Kontakt wurde ihm damals immerhin verboten.
Sonst hat es die Gesellschaft aber nicht weiter interessiert – trotz meiner Hartnäckigkeit an der Verteilung von Informationenen.
10 Jahre später beschuldigte er meine Kinder, den bereits ermordeten Jakob von Metzler bei sich zu beherbergen.
Dann brach das SEK in unsere drei Wohnungen ein.
Ein hässliches Erlebnis.
Meine Kinder durften im Zeugenstand den „Fall von damals“ nicht zur Sprache bringen. Sie hielten sich an das explizit formulierte Verbot.
Ich wurde nicht gehört, trotz schriftlichem Angebot.
Und die Anschuldigung wegen sexuellem Missbrauch wurde eingestellt, ohne uns jemals gehört zu haben.
Und eines der Kinder hatte in den Jahren zwischen dem Übergriff und dem Mord die Sorge geäußert, „er studiert nur Jura, damit er später mal ein Kind umbringen kann“. Mein Kind hatte ihn so kennengelernt, dass er Anlass hatte zu dieser Sorge.
Aber niemand wollte meine Kinder hören, nicht nach ihren Erlebnissen mit Gäfgen, nicht nach dem Mord an Jakob von Metzler.
Eingestellt, verjährt.
Ich bin gegen Verjährung – und auch gegen Ignoranz und Verantwortungslosigkeit von Institutionen.

9 Kommentare

  1. rasch schreibt am :

    @ Gail R.
    in fassungsloser Anteilnahme schicke ich euch alles mir zur Verfügung stehende um das alles aufarbeiten zu können. Mehr kann ich dazu nicht mehr sagen,,,,,,,

    Nur eines will ich bemerken:
    SCHEIBT ALLE VERDACHTSMOMENTE AUF .
    Jeder aus dieser Gesellschaft kennt sie,,,,jeder,,,,

    Auf den Seiten „verletzte Seelen “ versuchte ich damals ein post zu starten, ich glaube mit dem Titel „Verdachtsmomente“

    Wir müssen jetzt alle in bewegung kommen, denn nur wer sich bewegt spürt seine Fesseln,,,,,es muss ein Licht nach dem anderen aufgehen,,,,,

  2. ludmilla schreibt am :

    Das ist die Realität die ich nicht verstehen kann.Das entzieht sich meinem Verstand.Und es wirkt halt immer wie Desintresse.Täterorientiert.Immer,immer geht es um den Schutz des Täters,dessen scheinbare Resozialisierung.Aufklärung?Angemessenes Handeln?Nur mal wenigstens eine Anhörung?Leider leider kenn ich das auch so,auch wenn es sich bei uns nicht um einen öffentlichen Skandal handelt.Dennoch werden auch in meinem Fall die Opfer kriminalisiert.

  3. justina schreibt am :

    @Gail R.

    Danke für diesen mutigen, schockierenden Beitrag.

    Alle Kraft der Welt für Sie und Ihre Kinder.

    SAGT ES LAUT und ohne Unterlass!

  4. Simone schreibt am :

    @ludmilla,
    das ist bei uns auch so.

  5. Pia schreibt am :

    Wir Leben in einer täterorientierten Demokratie!
    In meinem Kopf wird ein Schrei nach Gerechtigkeit immer lauter und lauter.
    Wo ist da die Gleichberechtigung die Menschenwürde, wenn nach Jahren der schrecklichen Tat an einem unschuldigen Kind, die Befindlichkeit des Täters in einem Medienspektakel so fokusiert werden darf? Wo ist da die Gerechtigkeit, Mörder haben Ihr Recht auf eine Erbschaft verwirkt, wieso hat dann ein Mörder ein Recht auf einen Schadenersatz? Warum haben die Eltern des Opfers kein Recht auf Schonung ihrer Lebensumstände die dadurch stark beeinträchtigt sind und immer wieder beeinträchtigt werden.

    Für mich läuft das ganze darauf hin das der “ ARME HERR GÄFKEN “ in ein paar Jahren vielleicht aus psychischen Gründe für haftunfähig erklärt werden koennte! In meinen Augen wird darauf hin gearbeitet, sollte dies möglich werden, so ist Justitia nicht nur BLIND, dann ist Justitia meiner Meinung nach auch kopflos.

    Wir Leben in einer Gesellschaft in welcher für Täter besser gesorgt wird, als für deren Opfer, oder die Angehörigen der Opfer!

    “ SAGT ES LAUT “

    Pia Survivor

  6. Kirsten schreibt am :

    Ich bin gegen die Verjährung. Meine Schwester hat sich der Alte gegriffen als er mich 10 Jahre vergewaltigt und geschlagen hatte, dann kam ich weg, er griff sich meine jüngste Schwester.
    Er kommt ungeschoren davon wegen dieser scheiss Verjährung.
    Aber warte Vater, dem Tod kannst du nicht entrinnen.

  7. BvM schreibt am :

    was erwartet man in einem Land, in dem Betrug und Diebstahl höher bestraft werden, als sex. Mi**brauch an Kindern. In meinem Fall hat der überführte Täter in mehr als 200 Fällen, an seinen eigenen Kindern verübt, nur 2 Jahre auf Bewährung bekommen, weil er die Spize des Eisbergs schließlich kurz vor der Verhandlung zugab. Außerdem bekommt er Therapie, während ich immer noch Therapeuten suche. Er war ja auch nicht vorbestraft, ein unbescholtener Bürger, logisch wenn Niemand etwas ahnte. Solche Psychopathen richten ihr ganzes Leben an der Lüge aus, von außen selten zu erkennen. Und die Opfer können nichts sagen. Ich bin gegen Verjährungsfristen, weil es lange Zeit braucht, bis ein ehemals kindliches Opfer soweit geheilt ist, dass es sich unserer Justiz entgegen stellen kann. Traurig aber wahr, es wird mehr für Täter getan, als für ihre Opfer.

  8. Eva schreibt am :

    Obwohl ich für eine Abschaffung der Verjährung bin, machen mich Urteile wie im Falle bei BuM immer wieder sehr nachdenklich .

    Es gibt ja viele solcher Urteile oder noch mildere .

    Neulich las ich, dass jugentliche Mörder 5 Jahre bekommen , aber meistens nicht so lange absitzen müssen.

    Läuft da in unserer Justiz nicht etwas falsch ?

  9. Margarete Köhler schreibt am :

    Wenn Kinder immer mehr ihren Eltern entgleiten…….dann leiden sie meist an Depressionen….Kinderdepressionen sind nicht zu unterschätzen….ich habe das Buch von Magnus Gäfgen gelesen und er
    müsste unter Depressionen gelitten haben, die ihn zu dieser Geldgier getrieben haben. Begonnen hat es damit, dass er von den Eltern offensichtlich ein Aktienpaket bekommen hat und das verspekuliert hatte….nun gehen Eltern davon aus, dass der jurastudierende Sohn genau
    so „pfleglich“ nit Geld umgeht wie sie selbst…..was aber nicht der Fall war …..er bildete sich ein, er sei auf dem besten Weg, ein „Staranwalt“ zu
    werden….
    Deshalb…..sex. Missbrauch und Größenwahn liegen nahe beieinander….
    LG

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