„Hoffnung auf Befreiung war ein Irrtum“

06.09.2011

WDR 6.09.2011

Missbrauchsopfer einer Jesuitenschule berichtet: „Hoffnung auf Befreiung war ein Irrtum“

Von Nina Magoley

Sechs Jahrzehnte lang wurden Schüler am Bonner Aloisius-Kolleg von Jesuitenpatres missbraucht. Mit sexueller Gewalt, aber auch mit brutalen Schlägen traumatisierten die Täter ihre kindlichen Opfer. Viele leiden heute noch. Ein Betroffener erzählt.

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9 Kommentare

  1. Anna M. schreibt am :

    Wann wird endlich das Thema körperliche Gewalt an Kindern ins Licht der Öffentlichkeit gerückt?
    Gerade an diesem Bericht wird deutlich, wie traumatisierend allein körperliche Gewalt ist. Mindestens 80 % der Kinder dieser Generation haben solche Gewalt nicht (nur) in der Schule, sondern im Elternhaus erlebt. Und das war völlig legitim, es galt das elterliche Züchtigungsrecht! Was bedeutet das für diese Generation und für die ganze Gesellschaft? Eine ganze Generation (und die vorhergehenden natürlich auch) ist TRAUMATISIERT! DIE MEHRHEIT DER GESELLSCHAFT IST TRAUMATISIERT!
    Auch den nachfolgenden Generationen ging es nicht besser, erst seit 1979 ist es in allen Bundesländern verboten, Schulkinder in der Schule zu misshandeln (in der DDR seit 1949). Erst 2000 wurde das elterliche Züchtigungsrecht in Deutschland aufgehoben, das heißt, daß noch Kinder in den 90er-Jahren völlig legal misshandelt werden konnten.
    Und das Schlimmste: auch heute noch werden Kinder im Elternhaus geprügelt, sprich körperlich misshandelt. Dieses Verbrechen geschieht heute vor allem im Verborgenen. Die wenigen dramatischen Fälle, die an die Öffentlichkeit gelangen sind nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer ist hoch. Und geahndet wird dieses Verbrechen kaum, eine Meldepflicht für Ärzte, Sozialpädagogen oder Psychologen gibt es in Deutschland nicht. Außerdem wird das Strafgesetz aufgeweicht durch die staatliche Maßnahme „Hilfe statt Strafe“. „Geholfen“ wird dabei lediglich den schlagenden Eltern, aber nicht den Kindern!
    Die Gesetze werden von Menschen/Eltern gemacht, die selbst schlagen oder aber die selbst geschlagen wurden, dies aber nicht als problematisch ansehen, also ihr Trauma komplett verdrängen. Letztere sind gefährlicher als man denken könnte! Sie haben keinerlei Empathie für misshandelte Kinder und daher auch keinen Plan, wie Kindesmisshandlung in Zukunft verhindert werden könnte. Es ist davon auszugehen, daß solche Menschen auch vernünftige Pläne untergraben. Sonst wären wir schon längst weiter.
    Daher ist es enorm wichtig, daß es solche Initiativen wie netzwerkB. gibt. Nur durch den Druck der Öffentlichkeit kann Druck auf die verantwortlichen Politiker und andere Zuständige ausgeübt werden. Von selbst ändern sie nichts, denn sie sind auf diesem Auge blind.

  2. Micha schreibt am :

    Und der zurückgetretene Schulleiter des Aloisiuskollegs feiert gleichzeitig fröhlich mit Sekt seinen Einstand in Göttingen:

    http://www.samiki.de/bho/dcms/sites/bistum/pfarreien/goemichael/nachrichten.html?f_action=show&f_newsitem_id=13656

    ´Nach dem Gottesdienst lud P. Hösl die Anwesenden, darunter auch Bekannte von P. Schneider aus Bonn und anderswo, zu einem kurzen Begrüßungsschluck im Innenhof ein. Natürlich war das eben Erlebte Gesprächsstoff Nr.1….´

    Schön das die Damen und Herren Missbrauchsopfer für ein wenig Gesprächsstoff beim Gläserklirren gesorgt haben..

  3. Micha schreibt am :

    @Anna M.
    ´Die Gesetze werden von Menschen/Eltern gemacht, die selbst schlagen oder aber die selbst geschlagen wurden, dies aber nicht als problematisch ansehen, also ihr Trauma komplett verdrängen. Letztere sind gefährlicher als man denken könnte! Sie haben keinerlei Empathie für misshandelte Kinder und daher auch keinen Plan, wie Kindesmisshandlung in Zukunft verhindert werden könnte. Es ist davon auszugehen, daß solche Menschen auch vernünftige Pläne untergraben. …´

    Dazu passt der Bericht eines Betroffenen von der Göttinger Protestaktion gegen die Amtseinführung des verschobenen Jesuitenpaters Schneider. Dort hatte laut Bericht eine ältere Frau auf die Protestierenden geschimpft, mit den Worten: ´An uns hat man sich nach dem Krieg auch vergangen und da hat es auch keinen solchen Aufstand gegeben!´

    Im anschliessenden Kindergottesdienst (!) gehalten von Pater Schneider, sprach man dann von ´Verzeihen´!

  4. Doro schreibt am :

    Zitat: „Doch für die Opfer selber hat eine Phase der Auseinandersetzung begonnen, die für manche fast noch schwerer ist als das, was hinter ihnen liegt. Erlösung – oder Erleichterung – kann es nur durch eine Geste der Täter geben. Doch die blieb bisher aus. „So hat sich unsere Erwartung, uns durch unser Sprechen endlich befreien zu können, als großer Irrtum herausgestellt.“ “ (Zitatende)

    Dem ist nichts hinzuzufügen. SO ist es.

    Und diese NOTWENDIGE Geste der Täter wird in der überwiegenden Zahl der Fälle für immer ausbleiben. Mit all den schrecklichen Konsequenzen für uns Überlebende. Bis heute aber ist das den Tätern egal. Es geht ihnen nur um sich selbst. Nicht mal nach so vielen Jahren haben sie die Größe, Verantwortung für ihre Verbrechen zu übernehmen. Es ist so erbärmlich.

  5. hildegard schreibt am :

    @ Doro … ja, das ist erbärmlich – „Nicht mal nach so vielen Jahren haben sie die Größe, Verantwortung für ihre Verbrechen zu übernehmen. Es ist so erbärmlich.“
    Allmählich aber verstehen wir immer mehr, wie sehr wir uns vor vergifteten Pfeilen hüten müssen, die diese Machtmenschen aus unseliger Vergangenheit mit immer denselben lässigen Gebärden und hämischem Gehabe gnädig herablassend auf uns abschießen – immer noch …!
    „… Verantwortung? – für welche Verbrechen denn …?“!!

    Dennoch: unser Kraft-Akt zählt …!

  6. Liza schreibt am :

    …. erbärmlich ist auch,dass man mich einer erneuten Begutachtung aussetzt… Kraftakt für mich am Dienstag…bis dahin … Liza

  7. Simone schreibt am :

    Liza, ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

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