Opfer-Verband: Treffen „scheinheilig und nutzlos“

24.09.2011: ZDF heute

ZDF heute.de 24.09.2011

Opfer-Verband: Treffen „scheinheilig und nutzlos“

Papst spricht mit Missbrauchsopfern in Erfurt

Bei seinem Erfurt-Besuch hat der Papst das Gespräch mit Missbrauchsopfern gesucht. Benedikt XVI. habe sich angesichts des Leids „erschüttert“ gezeigt, hieß es. Betroffene von sexueller Gewalt nennen das Treffen „scheinheilig und nutzlos“….

Betroffenen-Netzwerk: „Scheinheilig“

Das Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt sieht das Treffen in einem weniger positiven Licht. Das Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit kritisierte der Verband als „scheinheilig“ und unzureichend. Die Begegnung diene dem Verschweigen, Vertuschen und Verleugnen, sagte der Vorsitzende der Opfervereinigung, Norbert Denef. „Das bringt überhaupt nichts. Das ist eine Strategie, um der Gesellschaft zu signalisieren, wir tun etwas.“ Stattdessen solle die Kirche ihre Akten öffnen und der Politik empfehlen, die Verjährungsfristen aufzuheben, forderte Denef….

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13 Kommentare

  1. rasch schreibt am :

    weil die Begegnung mit Betroffenen ja in Hysterische Anfälle enden könnten,,,,,,
    Diese Worte sagte gestern eine Journalistin im TV. Man wolle die Betroffenen „schonen“.

  2. Jacqueline schreibt am :

    Gerne möchte ich noch ein paar Zeilen anfügen.

    Papst Benedikt polarisiert, spaltet – je nachdem was man für Erfahrungen mit der katholischen Kirche gemacht hat, ebenso ist er auch ein Spiegel für unsere Vater Erfahrungen oder Erfahrungen mit sogenannten Männlichen Vorbildern.

    Auf ZDF Info laufen seit Donnerstag Dokus zum Papsttum.
    In einer Folge sprach Maximilian über Apostel Petrus, dass er feige etc. gewesen sei, das Wort feige blieb in mir haften und mir fiel was auf:

    Da die Päpste sich gerne auf ihre Vorgänger beziehen, sich als MENSCHLICH bezeichnen – für die Sünden gibt es ja dann die Beichte etc.

    Reicht es wohl, was zu zu geben, was zu beichten und gut ist, das ist ja menschlich.

    DA sich die Bischofskonferenz aus DE, der Papst und andere Kirchenhöhere auch aus der evangelischen Kirche, noch immer nicht OFFEN auf Opfer und Opferverbände eingelassen haben, zum Schutze von Betroffenen, wohl eher zum Schutze der Mächtigen, zeugt davon, dass eine grosse Portion Feigheit im Spiel ist und ich denke, damit gehen viele in Resonanz.
    Bei mir stiegen Bilder meines Vaters auf, der wohl nach meiner Missbrauchserfahrung an mir durch einen Fremden, gänzlich danach in den Alkoholismus abstieg – dem Verdrängen und schlussendlich auch dem Bekämpfen von mir, weil ich plötzlich nicht mehr ins Familiengefüge gepasst habe und den entgegengesetzten Weg bisher gegangen bin, Tabus auflösen, aufzeigen und zu MIR zu stehen.
    Ebenso erlebte ich Priester, bis auf einen aus meiner Kindheit, der mich auch mal beschützte, lange nach dem Missbrauch, dass sie überfordert oder mir gegenüber auch polternd und „mächtig“ entgegentraten.
    Dasselbe bei 2 Herren, die mich später in den 30 ern retraumatisiert haben, sie versteckten sich hinter ihrer Vorgesetzten Position, spielten anfangs noch Machtspiele, erst als ich denen klar machte, wie auch meine damalige Therapeutin, dass es um Leben oder Tod geht und um Würde, erst dann geschah ein wenig…. Feigheit und Machtgehabe waren danach noch immer spürbar – und ANGST!
    Nur welche Frage Angst wonach? Warum sollte ich damit belästigt werden?

    Und in diesem Stadium ist die katholische Kirche nach wie vor – ANGST, Feigheit – Schönreden und Verdrängen herrschen vor.
    Erst heute las ich wieder, dass leider noch immer nur bis 5000 € Entschädigung an die Betroffenen gezahlt wird.
    Letztes Jahr las ich aber, das Bischof Mixa vor und nach seinem Rücktritt 8000 € monatlich erhält!
    Es geht nicht alleine um das Geld, nein um die Verhältnisse und die Massstäbe der katholischen Kirche.
    Denen ist es lieber wenn Betroffene aus Geldmangel, aus Kräftemangel etc. verstummen – als dass sie mächtiger und stärker werden.
    Die kleinen Almosen sollen sowas sein und nicht mehr.

    Der Umgang mit den Betroffenen ist die Ebene, wo ich mit stark solidarisiere, weil ich weiss, wie schwer der Weg zurück ins Leben ist, ich bin erst seit ca. 3-4 Jahr auf dieser Ebene.
    Vorher war es ein Kampf ums Überleben und ein Kampf gegen viele Fronten.
    Noch ist mein Leben noch nicht vollständig geklärt und mein Weg frei, aber ich bin und bleibe dran.

    Vor ca. 2 Wochen liefen berührende Dokus auf 3 Sat zum Thema Missbrauch.
    Darunter berührte mich die Lebensgeschichte einer ca. 54-56 jährigen Frau, die trotz Kampf um Aufklärung und Aufarbeitung den Kampf um ihr Leben verlor, weil sie nicht mehr weiterkämpfen konnte und wohl nicht mehr ertragen wollte.
    Das machte mir bewusst, wie zart jede Verbesserung ist und wie achtsam wir miteinander umgehen müssen und auch mit uns selbst, um sich dem Leben weiter stellen zu können.
    Was Menschen, die keine Empathie und Feingefühl für Betroffene haben, sich oft wie Holzfäller aufführen, ohne Rücksicht auf Verluste.

    Das sind die Punkte, die mich motivieren, mich einzusetzen, damit es andere, etwas leichter haben, nur weil sie „ein Licht am Tunnel“ sehen konnten oder durch mich erleben, lesen können, auch mein Weg hoffnungslos und dennoch habe ich es wieder zurückgeschafft.

    Der Papst als Spiegel macht und nun einfach wieder bewusst, wieviele Menschen, denke wohl viele männliche Wesen, haben sich der Verantwortung nicht gestellt und tun es immer noch.

    Und soll uns einen anderen Blickwinkel auf „mächtige“ Menschen werfen lernen.
    So dass ich für mich akzeptieren lerne, mein Platz ist wohl nicht mehr oder immer weniger in der katholischen Kirche, da ich wohl das Gefüge der Scheinheiligkeit nicht weiter unterstützen soll und kann – also nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis ich austreten werde.

    Durch meine Erfolgreiche Traumatherapie (Gehirnwäsche rückwärts – mit Maltherapie LOM – lösungsorientiertes Malen), lernte ich:

    Ich habe die Wahl, ich habe Möglichkeiten und ich halte das Fehlverhalten anderer aus, ich mache mich davon nicht mehr abhängig und werde so FREI.

    Das wünsche ich mir auch für andere und auch, dass man Wege findet, das Bewusstsein der Gesellschaft so zu erschüttern, dass sie aufwachen und merken, wie wir, um was es wirklich in dem Thema geht und so auch nachhaltige Veränderungen für alle Betroffenen einläuten, die einen Weg ins Leben, ins soziale Leben und Gesellschaft ermöglichen.

    Die katholische Kirche ist zu zementiert, zu starr, da werden wir wohl nicht mehr viel erreichen, aber für die Menschen, die uns noch brauchen.

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

  3. Jacqueline schreibt am :

    Noch ein Nachtrag:

    Feige Männer sind wohl kein gutes Vorbild, mich hat die Rede von Bundespräsident Wulff berührt, weil er auch eine Brücke zu uns Betroffenen geschlagen hat und wohl von vielen nicht verstanden wurde.

    Ich denke, dass feige Männer und Menschen die Angst haben, dass sie entdeckt werden und sie so ihre Macht verlieren können…

    Verantwortungsvolle Menschen stellen sich den Schwierigkeiten, sobald sie auftreten und handeln dementsprechend.
    Bei Menschen und Institutionen, die man bitten, unter Druck setzen, öffentlich ansprechen muss – bei denen ist meist Hopfen und Malz verloren, da sie einen nie verstehen und in ihrer Angst hängen bleiben.

    Machen wir uns das bewusst und schauen, wir dann, das wir andere Möglicgkeiten mit den Problemen umzugehen, ohne dass wir uns den Kopf an starren Menschen und Institutionen anschlagen – schon aus Achtung vor uns selber.

  4. Gabriele schreibt am :

    Mir wird hier viel zu sehr auf Kirche und kirchliche Einrichtungen ein negatives Licht gestellt. – Die wenigsten Priester missbrauchen tatsächlich Kinder/Erwachsene.
    Und: Haben euch früher/heute Angehörige geglaubt? Der Papst und die Kirche glauben.
    Habt ihr schon die Erfahrung gemacht, dass es Menschen gibt, die denken innerhalb kurzer Zeit muss alles vorbei sein?
    Ich habe auf dieser Seite hier den Eindruck, hier sind verbitterte Menschen unterwegs, die ein einziges Ziel haben: Die Kirche regelrecht in ein schlechtes Licht zu stellen, egal ob die Anschuldigungen stimmen oder nicht.
    Ich gebe euch einen Tipp: Wenn die Wut über den eigenen Missbrauch nach einer Theapie vielleicht in ein bis zwei Jahren etwas weniger geworden ist, etwas objektiver an die Sache zu gehen

    Übrigens zu mir: Ich bin selber jemand der als Kind missbraucht wurde, habe also eine Ahnung, von was ich schreibe. Und ich habe in meinem Freundeskreis sehr viele Priester, die mir bei der Bewältiung geholfen haben.

  5. rasch schreibt am :

    @ gabriela
    einerseits verstehe ich dich,jedoch andererseits muss ich sagen:
    A: finde ich es sehr sehr unsachlich und auch verletztend hier anderen Wut und ungerechtes Verhalten zu unterstellen. Ich denke deine eigene wut(woimmer die auch herrührt, wenn du doch ach so gut therapiert wurdest) führte dich dazu.Magst du darüber einmal nachdenken?
    und
    B: Bist du Hellseher? Weisst du was nicht noch alles im Verborgenen liegt?

    Tip:
    Wenn du eine von beiden Fragen mit nein beantworten kannst, dann bin ich beruhigt und dein Beitrag ist in meinen Augen genauso wenig förderlich, wie über verzeihen oder vergebung zu sinnieren.

  6. Simone schreibt am :

    @ Gabriele, ich glaube du hast keine Ahnung, von was du schreibst und um was es hier geht.

  7. Elke schreibt am :

    @Simone:

    Wer den ganzen Tag frohlockt, kann keinen Blick mehr für die Sorgen und Nöte anderer haben. 😉

    „Luja sog i!“

    Sorry, ist natürlich ironisch gemeint und von Galgenhumor geprägt…

  8. Simone schreibt am :

    @Elke, guter Kommentar von Dir. Wahrscheinlich ist die G. „gut katholisch“, habe solche Leute auch schon kennengelernt.

  9. hildegard schreibt am :

    @ Gabriele Nach nahezu zwei Jahren Tabubruch und Transparenz in Sachen sexualisierter Machtmissbrauch stehen wir hier gewissermaßen „auf dem Balkon“ und können inzwischen auch schon freier atmen:

    Vom Balkon aus lassen sich gefahrvolle Niederungen trostloser Landschaften von kirchlicher, privater und institutioneller Seelenverwüstung ganz gut überblicken, der wir alle mit schmerzhaften Blessuren irgendwie entkommen konnten – das ist die eine Seite.
    Die andere Seite zeigt, je länger je mehr die Ursprünge, die ich besonders in all den klerikalen Verlogenheiten und juristischen Verrenkungen zu erkennen glaube.
    Glaub nicht, das sei Vergangenheit! Die fatalen Auswirkungen auf Justiz und Gesamtgesellschaft können wir bisher nur ahnen – da gibt es unselige, auch finanzielle Abhängigkeiten und die damit verbandelten Gefälligkeiten …
    Diese Ansicht mag dir oder deinen Beratern unbequem erscheinen – wir aber schätzen an diesem Netzwerk, der allzu lang verweihräucherten Wahrheit näher gekommen zu sein, und das ist gut so! – sehr gut für mich, für meine Befreiung von rostigen Fesseln …
    Ein weiterer Ausblick aus dieser Perspektive ist der auf den dir bekannten Teufelskreis von Gewalt, dessen Konturen an gewissen Punkten schon deutlicher werden …
    Da nehmen wir uns auch einmal das Recht wütend, ja zornig zu werden – na und?!
    Du siehst uns also da, wo du uns sehen wolltest – komm, sei gern dabei! – hilf uns zu objektivieren! – hilf mit, dass Hass und Rache hier keinen Platz finden! – und hilf beim GROßREINEMACHEN 🙂 !!!

  10. Eva schreibt am :

    @ Gabriele

    Es ist sicherlich richtig, dass nur wenige Pastoren oder Pfarrer sexuelle Dinge getan haben.

    Worum es aber geht, dass viele Gläubige denken, dass die Kirchen besonders „rein“ sein müßten und hier liegt das Problem, dass die Oberen alles vertuschen und nicht wie ein Willy Brand zurücktreten, wenn etwas Schreckliches passsiert ist und für ausreichende Entschädigungen sorgen, da eine vollständige Gesundung bei den Opfern nie eintritt.

  11. Hubert schreibt am :

    @Eva @Gabriele
    genau so sehe ich das auch, wie Eva schreibt.
    Zwar kommen derartige Übergriffe in fast allen Einrichtungen vor.
    Aber gerade die Kirche sensibilisiert über besonders strenge Tabu-Gebote genau diesen Bereich wie fast keine andere Einrichtung, und für viele war es ein Ort des absoluten Vertrauens.
    Und wenn genau an so einem Ort soetwas passiert, dann wiegt das natürlich umso schwerer, wenn die Täter dann auch noch die Prediger von diesen Geboten sind.
    Die kirchlichen Einrichtungen haben somit bezügl. einer noch früher geglaubten Schutzzone deutlich an Vertrauen verloren.
    Und gerade das ist die Dramatik an der ganzen Sache und führt zu diesem großen Entsetzen in der Bevölkerung und besonders natürlich bei den Betroffenen – zu Recht.

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