Scharfe Kritik von Opfern an Missbrauchsstudie

18.10.2011: ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE 18.10.2011

Berlin (dpa) – Opfervertreter haben scharfe Kritik an einer neuen Studie geübt, wonach der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zurückgegangen ist.

Viele Opfer hätten den Missbrauch komplett verdrängt und machten deshalb bei Befragungen keine Angaben, sagte der Vorsitzende des Netzwerkes Betroffener von sexualisierter Gewalt, Norbert Denef, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. «Wenn ein Opfer schweigt, kann es auch im Geheimen kein Kreuzchen machen», sagte er.
Denef bezweifelte, dass es überhaupt möglich ist, Statistiken über sexuellen Missbrauch zu erstellen. Solche Studien könnten nur falsch sein. Das Kriminologische Forschungsinstitut hatte am Dienstag eine vom Bundesforschungsministerium geförderte repräsentative Studie veröffentlicht. Danach sind die Fälle von sexuellem Missbrauch in Deutschland rückläufig.

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19 Kommentare

  1. Jacqueline schreibt am :

    Hallo zusammen,

    mir erscheint diese Meldung wie eine Nachricht, die besänftigen soll, weil wohl die Institutionen, Kirchen etc. genug von den NEGATIV Meldungen haben, es ihnen zuviel ist, dass täglich was zum Thema Missbrauch in den Medien ist.
    Demzufolge sind die Opfer-Betroffenen stark, weil sie sich durchbeissen, die anderen Stellen schwach, weil sie zum VERDRÄNGEN neigen, zum NEGIEREN und TABUISIEREN, weil das die EINFACHER ist, wie Verantwortung zu übernehmen und ENDLICH das LEBEN und ZUSTÄNDE für die Betroffenen zu ÄNDERN.

    Also Tendenzen in die Vergangenheit… weil die anderen die Schmerzen und Lebensgeschichten anderer nicht mehr ertragen, die Täter zerstört haben…

    Dem heisst entgegenzusteuern.

    Reden und Schreiben kann man viel, ist die letzten 2 Jahre viel gemacht worden, ABER DIE TATEN, die SICHTBAREN ERGEBNISSE fehlen..

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

  2. Doro schreibt am :

    Na, wenn das nicht passt! Kommt ja genau zum richtigen Zeitpunkt, dieser „Rückgang“ ….

    Ähh, nur eine Frage noch: Anhand welcher (vorher) Zahlen konnte der Rückgang festgestellt werden???

  3. Sarah M. schreibt am :

    …interessant finde ich die Argumentation, dass DIESES MAL die 40 – 60 jährigen in der Studie ausgeschlossen wurden, weil diese Altersgruppe damals 1992 bei der Studienerhebung (als damalige 20 – 40 jährig) bereits erhoben wurde.
    Was für eine haarsträubende Ausrede, zumal inzwischen bekannt ist, dass viele Betroffene gerade im Alter von 40 – 60 sich zum ersten Mal an ihre Missbräuche erinnern.
    Auch merkwürdig, warum in einer Studie von „sexuellem Missbrauch“ Vergewaltigungen, körperliche Gewalt in der Ehe/Partnerschaft und ebenso Stalking mit einbezogen werden. Steh ich auf dem Schlauch, oder haben diese Gewalttaten irgendetwas mit sex. Missbrauch zu tun???

    Will man damit die Zahlen beschönern???
    Mal ehrlich, eine Studie, die auf solchen Krücken aufgebaut wurde, kann ich persönlích nicht ernst und für repräsentativ erachten.

    Wurde da nicht zu Beginn des Schreibens angekündigt, dass auch die FOLGEN von sex. Gewalt ein Teil der Forschung sein soll und deren Ergebnisse ebenso bekannt gegeben werden.
    Häh, hab ich was überlesen??? Ich sehe davon nicht eine Seite in dem ganzen Stapel Papier. IRONIEMODUS AN: Ist ja auch nicht wichtig, Hauptsache die Zahlen sind gesunken – IRONIEMODUS AUS

    Lieben Gruß von Sarah

  4. Sarah M. schreibt am :

    Nachtrag zum „Forschungsergebnis:

    …warum die Zahlen der Anzeigen zurück gehen…

    Aufwachen meine Damen und Herren der Forschungsinstitute!!! Die Medien überschlagen sich in den letzten Jahren mit Meldungen, in denen Opfer vor Gerichten auseinander genommen werden, bis sie nur noch ein Häufchen Elend sind und in der Öffentlichkeit zu Lügner stigmatisiert werden. Solange Anwälte öffentlich von Anzeigen abraten, mit dem Wissen, wie mit Opfer vor Gericht umgegangen wird, wird sich auch an den zurück gehenden Zahlen der angezeigten Taten nichts ins Positive ändern. Die Täter dürfen sich weiterhin die Hände reiben.

    Der gleiche Sachverhalt liegt in der Berentung vor. Opfer werden mit Glaubwürdigkeitsgutachten zermürbt, bis sie derart retraumatisiert sind, dass sie aufgeben. Die Verfahren werden über Jahre verschleppt und in die Länge gezogen, da sterben dann schon mal einige weg, bevor überhaupt ein amtliche Entscheidung gefallen ist.

    So spart man sich Gelder, die dann äußerst „sinnvoll“ für Forschungen an Täterprojekten verjubelt werden.

    Korrputes Deutschland im Gutmenschmäntelchen

  5. wannda schreibt am :

    Lasst uns über alles reden.

    Nehmt nicht das Wort „Verbrechen“ und ersetzt es bitte durch „Krankheit“.

    Seid nicht zu „hart“ mit den Tätern.

    Die Täter haben keine Gnade walten lassen.

    Darum gibt es hier an dieser Stelle auch keinen Dank.

    Wenigstens lässt sich die Psychiatrie mit ihren Verdrängungsdrogen hier gut bezahlen.

    Staat Staatsanwalt Krankenkasse.

    Wie praktisach für Alle.

    Nicht für das Opfer.

    Ach lasst uns doch nicht zu hart sein.

    War doch eh gestern.

    Heute und morgen wird es auch so sein.

  6. @ Sarah M.

    In der Tat mir fällt auch erst jetzt auf, dass wenn Missbrauchsfälle erst im Alter von 40-60 Jahren erinnert werden, dieses die Studie hätte gut abbilden können. Ich frage mich, wer da die Entscheidung getragen hat, diese Kohorte auszugrenzen. Das ist schon mehr als eine verpasste Gelegenheit das Ganze zu erforschen. Ich kann es mir eigentlich nur mit finanziellen Zwängen erklären, da die Gewichtung der 14-16 Jährigen gestärkt werden sollte. Um dort einen Erfolg nachzuweisen, hat man die 40-60 Jährigen rausgeschmissen. Das kann vieles bedeuten, die Erklärung zumindest, warum diese nicht enthalten sind, erscheint mir dürftig.

    Dass noch andere Fragen hinzugenommen worden sind, dürfte nicht problematisch sein. (Stalking, Vergewaltigung in der Ehe etc.) Die Kommissionen, die über die Aufnahme der Fragen debattieren, behaken sich da in der Regel stark. Jede einzelne Frage, die aufgenommen wird, geht ganz schön ins Geld und jeder mit einzelnem Forschungsinteresse oder Bedarf will da noch was drin haben. Dass diese Fragen aufgenommen worden sind, macht den Datensatz auch für andere Berechnungen fruchtbar. Ich glaube nicht, dass es da Interferenzeffekte gibt.

    Ganz so krückenhaft würde ich die Studie nicht bezeichnen, allerdings werden die Erfolge tatsächlich viel zu stark überbetont. Eigentlich sollten uns Studien alarmieren, dass immer noch 20 Jahre später nach einer ersten alarmierenden Erhebung 6,4 Prozent der Kinder sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind.

    Norman.

  7. Klaus schreibt am :

    Eigentlich wäre das Ergebnis ja mal ein Grund zur Freude! Anscheinend werden in unserer „Empärungsgesellschaft“ aber eher Ängste und Gegenreaktionen aktiviert, wenn einmal positive Entwicklungen aufgezeigt werden. Ähnliche Reaktionen des Unglaubens und der Verneinung gibt es ja auch, wenn Statistiken den Rückgang ander Übel unserer Gesellschaft aufzeigen, sei es im Bereich der Kriminalität, des Umweltschutzes oder ähnlichem. (Das soll antürlich nicht heißen, dass es nicht genauso Verschlechterungen auf vielen Feldern gibt.)

    Oder spielt hier einfach die Sorge um die möglicherweise schwindende mediale Aufmerksamkeit für das jeweilige Thema und damit zurückgehende öffentliche Mittel eine Rolle?

    Aber im Ernst: If you don´t measure, you can´t manage. Wenn Entwicklungen und Zusammenhänge nicht gemessen werden, lassen sich auch keine Maßnahmen beurteilen und verbessern. Das ist in den Sozialwissenschaften nicht anders als in der Kriminalistik und in der Medizin. Intuition reicht nicht aus und ist oft sogar irreführend. Deshalb: Weiter so – mehr statt weniger statistischer Forschung ist nötig. Aber vielleicht sehe ich das ja als Forscher (wenn auch in anderen Themen) und Nicht-Betroffener einfach etwas zu distanziert.

    Ansonsten schlage ich vor, sich erstmal über die Entwicklung zu freuen, und dann an der weiteren Verbesserung zu arbeiten. Denn: Nicht nur jeder einzige Fall ist einer zu viel, sondern auch jeder einzelne Fall weniger ist ein Gund zur Freude.

  8. rasch schreibt am :

    @ Klaus
    Jeder hier freut sich, wenn die Opferzahlen sinken, das ist doch ganz klar.
    Dennoch darf nicht unbemerkt bleiben, dass die Dunkelziffer nicht griffig ist. Es reicht nicht, zu sagen, ein in den Brunnen gefallenes Kind kann nicht mehr gerettet werden und damit den Ausschluss der 40-60 jährigen zu begründen. Natürlich ist das erfreulich dass nun in Kindergärten , Schulen und im Elternhaus die emotionale Blindheit den konkreten Massnahmen weichen. Aber wer weiss denn, ob das Ausgrenzen der beschriebenen Kategorie nicht zu Fehlern führt, die wir in 20 Jahren dann erneut bemängeln müssen? Die steigende potenzierte Gewalt ist unumstritten und steht in keiner Relation zu den (angeblich) sinkenden Opferzahlen. Die Zahl derer, die keine Möglichkeit bekommen ihre eigene Geschichte korrekt aufzuarbeiten und gefahr laufen, aus diesem Grund erneut in Schweigen und verdrängung zu stürzen, haben Kinder. Und denen wird somit auch wieder der Weg verbaut aufzuarbeiten, bzw es wird ihnen leicht gemacht zu verdrängen und den kampf gegen windmühlen zu verlieren und vllt sogar selber zum Täter zu werden,,,,,in noch unermesslicher Qualität.Wie ich finde ein schlagendes Argument die Studie nicht zu sehr zu loben,,,

  9. Anna M. schreibt am :

    @Klaus:
    eine statistische Erhebung kann durch ihren „Versuchsaufbau“ sehr in die Richtung manipuliert werden, in die man sie haben will.
    Bitte vergessen wir nicht, daß unter den Forschern auch Täter sind! Ist doch klar, in welche Richtung diese steuern!

    und daher
    @Norman
    ist es auch klar, warum die 40-60-jährigen ausgeklammert worden sind. Da diese jetzt erst anfangen, sich zu erinnern, bzw. sich trauen, darüber zu sprechen.
    Es ist bekannt, daß es JAHRZEHNTE dauern kann, ehe sich Menschen darüber äußern, aus Scham- und Schuldgefühlen.

    @ all:
    der Glaube an eine objektive Wissenschaft ist leider immer noch sehr weit verbreitet. Aber Glauben ist nicht Wissen.

  10. Doro schreibt am :

    Äähh, Klaus,

    Welche „mediale Aufmerksamkeit“ , welch „öffentliche Mittel“ meinst du?

    Ich wüsste jetzt nicht, dass Betroffenenverbände und/oder -einrichtungen (NetzwerkB, Wildwasser, Dunkelziffer, …) „öffentliche Mittel“ in nennenswertem Ausmaß erhalten. Und ich kann dir versichern, von uns Betroffenen würde jede/r herzlich gerne auf die „mediale Aufmerksamkeit“ verzichten, wenn ihr/ihm dadurch erspart geblieben wäre, sexualisierte Gewalt in der Kindheit zu erfahren.

    Ansonsten müsste dir als Wissenschaftler klar sein, dass jede Studie nur so viel taugt wie die Parameter, auf denen sie gründet. Und wer eben einen Großteil derer, die sich überhaupt erinnern können, bei so einer Befragung ausschließt, muss sich nicht wundern, wenn seine Ergebnisse bezweifelt werden.

    Es ist schon längst bekannt (und beruht nicht auf der „Intuition“ von Betroffenen, wie du anmaßend unterstellst), dass die neuroendokrine Stressreaktion auf traumatischen Stress weitreichende Konsequenzen auf die im Gehirn angelegten Verschaltungen hat. Beobachtungen an Versuchstieren deuten darauf hin, dass vor allem die aus unkontrollierbaren Belastungen resultierenden massiven und langanhaltenden Erhöhungen der Glucocorticoid-Spiegel zur Destabilisierung der bereits angelegten synaptischen Verbindungen und neuronalen Netzwerke führt. Hohe Spiegel von Glucokortikoiden, wie sie physiologischerweise bei unkontrollierbarem Stress erreicht werden, fördern die Auslöschung von erlernten Verhaltensreaktionen und führen zur Elimination vor allem solcher Verhaltensweisen, die für eine erfolgreiche Beendigung des Stress-Reaktionsprozesses ungeeignet sind (Hüther 1996).

    Bedrohlich wird es, wenn sich eine psychische Belastung subjektiv als nicht bewältigbar erweist. Fortgesetzter Stress führt zur Schrumpfung des Somavolumens von Pyramidenzellen im Hippocampus und deren Dendriten (Kim und Yoon, 1998) und damit zu einer Verschlechterung von Lern- und Gedächtnisleistungen (Newcomer et al., 1999).

    Wenn es einem Menschen nach einer solchen traumatischen Erfahrung nicht gelingt, diese unkontrollierbare Stressreaktion irgendwie anzuhalten, so ist er verloren, denn die dadurch ausgelösten Destabilisierungsprozesse können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

    Jeder traumatisierte Mensch spürt das, und er wird deshalb mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die traumatische Erfahrung und die posttraumatisch immer wieder aufflammenden Erinnerungen an das erlebte Trauma unter Kontrolle zu bringen. Bewährte Strategien, die er – so wie andere Menschen – bisher zur Bewältigung seiner Ängste eingesetzt hat, wurden angesichts des erlebten Traumas ad absurdum geführt: Auf psychosoziale Unterstützung kann er sich nicht mehr verlassen. Der Glaube an eine fremde, göttliche Macht ist ihm ebenso verlorengegangen wie der Glaube an seine eigene Kraft. All sein Wissen und Können, sein Einfluss, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten haben sich als nutzlos erwiesen. Die einzige Strategie, die ihm nun noch Linderung verschaffen kann, ist die Abkoppelung der traumatischen Erfahrung aus dem Erinnerungsschatz, ihre Ausklammerung durch eine gezielt veränderte Wahrnehmung und assoziative Verarbeitung von Phänomenen der Außenwelt.

    Er ist gezwungen, mit diesen Strategien gegen die immer wieder aufflammenden Erinnerungen an das Trauma anzurennen. Falls er eine Strategie findet, die es ihm ermöglicht, die traumatische Erinnerung und die damit einhergehende unkontrollierbare Stressreaktion kontrollierbar zu machen, hört der Destabilisierungsprozess auf, und es werden nun all die neuronalen Verschaltungen gefestigt und gebahnt, die zur „erfolgreichen“ Bewältigung seiner durch die traumatischen Erinnerungen ausgelösten Ängste aktiviert werden.

    Auf diese Weise entstehen zunächst kleine, durch ihre wiederholte „erfolgreiche“ Nutzung aber schließlich immer breiter und effektiver werdende zentralnervöse „Umgehungsstraßen“ und „Umleitungen“, „Verbotszonen“, „Rastplätze“ und die dazugehörigen „verkehrsregelnden Leiteinrichtungen“. Gefunden werden diese Lösungen mehr oder weniger rasch und meist intuitiv, aber bis die dabei benutzten Verschaltungen hinreichend effektiv gebahnt sind, können Monate und Jahre vergehen.

    Die dabei ablaufenden Bahnungsprozesse können offenbar so tiefgreifend und weitreichend werden, dass bei manchem traumatisierten Menschen die Erinnerung an das traumatische Erlebnis schließlich nicht mehr abrufbar ist. (Huether 2001)

    Das heißt, die Möglichkeiten, sich an sexualisierte Gewalt in der Kindeit zu erinnern, kann beeinträchtigt sein – vor allem in jüngeren Jahren. Auch dafür finden sich in der Fachliteratur zahlreiche Hinweise, dass Traumaerinnerungen häufig erst nach dem vierten Lebensjahrzehnt aufbrechen und dann oftmals zunächst noch gar nicht mit den tatsächlich stattgefundenen, aber eben abgespaltenen, traumatischen Gewalterfahrungen der Kindheit in Verbindung gebracht werden können.

    Das Durchschnittsalter der Betroffenen, die sich zwischen dem 9. April 2010 (Start der Geschäftsstelle der Unabhängigen Beauftragten) und dem 17. März 2011 (Stichtag der Auswertung für den Abschlussbericht) an die Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs gewandt haben, lag bei 47 Jahren. (Quelle: Abschlussbericht der Unabhängigen Beauftragten, 2011) Warum wohl?

    Wie auch immer: Herrn Pfeiffer – oder wenigstens seinen Auftraggebern – müssten diese Zusammenhänge geläufig sein. Und wenn nicht, ist das nur ein neuerliches Armnutszeugnis dieses gesamten „wissenschaftlichen“ Umgangs mit der Problematik.

  11. rasch schreibt am :

    @ anna
    ja,,,oder weil sie bewusst „blind“ gehalten werden,,,,so wie bei mir.
    Hätte nur einer,,,,nur einer mir einen tipp gegeben,,,,alles wäre anders gekommen. Und genau das wussten die,,,,,die hatten mehr angst vor mir als ich vor denen glaub.
    Meine mutter hatte mich sogut im „griff“,,,,sie wusste genau was zu tun ist damit ich weiterhin so „funktioniere“. Und immer wieder gab sie mir die schuld, wenn ich anfing zu rebellieren . Immer war ich die böse, egoistische und uneinsichtige tochter,,,,pfui ,,,,sie kann froh sein dass ich nun 100 km weiter schonmal bin.
    Ich weiss garnicht wie ich so gut sein kann und den täter meiner tochter, also den sohn meiner schwester nicht aufsuche,,,,
    Gott verzeiht alles,,,ich nicht,,,

  12. klaraklara schreibt am :

    Hallo Klaus,

    „Eigentlich wäre das Ergebnis ja mal ein Grund zur Freude! “
    Nicht unbedingt. Es sollte selbstverständlich sein, dass 0 % der Kinder sexuelle Gewalt erleiden.

    „Anscheinend werden in unserer “Empärungsgesellschaft” aber eher Ängste und Gegenreaktionen aktiviert, wenn einmal positive Entwicklungen aufgezeigt werden. “
    Ob wir in einer ´Empörungsgesellschaft`leben, weiß ich nicht. Dieses Forum hier halte ich nicht für übermäßig empört. Es dürfte hier lediglich nachholend „Dampf abgelassen“ werden von Leuten , die über lange Zeit kein Forum für ihre eigenen Erfahrungen fanden.

    „Aber im Ernst: If you don´t measure, you can´t manage. Wenn Entwicklungen und Zusammenhänge nicht gemessen werden, lassen sich auch keine Maßnahmen beurteilen und verbessern. “
    Etwas ist dran, wobei Statistiken immer nur einen von vielen Anhaltspunkten darstellen, um die Realität einzuschätzen. Gerade auch bei einem Thema, das mit soviel Verwirrung und Leugnung verbunden ist wie sexuelle Gewalt und ihre Folgen.

    Es kann auch nicht vorrangig darum gehen, zu managen, denn das Problem ist gesellschaftlich tief verankert und verlangt nach mehr als „Verwaltung des Elends“. Die Ergebnisse von Christine Bergmann zeigen deutlich, dass in der gesellschaftlichen Diskussion noch viele Steine ins Rollen kommen müssen, damit die Menschen die nötigen Konzepte entwickeln können, um den früher und heute Betroffenen zu helfen. Die Umsetzung der Hilfekonzepte sollte man statistisch begleiten.
    Du kannst nicht durch statistische Messungen herausbekommen, was helfen kann, die jeweiligen, aktuell stattfindenden Gewalthandlungen der Täter und Verstrickungen der Kinder zu beenden.
    Gute Wissenschaft würde alles zusammenführen, Statistik, Sichtweise und Lösungsideen der Betroffenen, Sichtweise und Lösungsvorschläge von engagierten beruflich Helfenden, kritische Sicht durch Forscher auf die Betroffenen- oder Professionellen-Sichten im Rahmen von qualitativen Untersuchungen etc..

  13. Anka schreibt am :

    @ Doro
    die physiologischen Erläuterungen helfen mir, meine eigenen Gedächtnisausfälle, die mich nach wie vor sehr belasten, besser zu verstehen.
    Das Wissen um physiologische Zusammenhänge sollte ein allgemeiner Bestandteil zur erfolgreichen Argumentation bei der Aufklärung von Gewaltproblematik insgesamt und daraus resultierender Stresssymptomatik mit den raus resultierenden gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen werden.

    Zwar kann ich mich an die erlittene sexuelle Gewalt jederzeit bewusst erinnern, dafür verschwindet jedoch mein alltägliches Erinnern oft in einer Art Nebel. Dann ist es bereits sehr mühevoll, mich zu darauf zu besinnen, wie ich den vergangenen Tag oder die letzte Woche verbracht habe. Oft stoße ich dabei auf Unverständnis und konnte mich dann nicht ausreichend erklären.
    Es war dann halt nur so ein merkwürdiges Gefühl.

    Daher bin ich sehr froh, dass die Forschung auch in dieser Hinsicht große Fortschritte macht und auch mehr publiziert und verbreitet wird.
    Danke, dass Du darauf Bezug genommen hast.
    (Kannst Du mir ggf. die vollst. Quellenangabe schicken?)

    Die physiologischen Forschungen/Hirnforschung müssen aus meiner Sicht jedoch Hand in Hand gehen mit noch weiterreichenden statistischen Erhebungen und Auswertungen, eingebunden in ethische Argumentationen.
    Darüber hinaus sollte die Verknüpfung all dieser überaus komplexen Zusammenhänge auch allgemein verständlich gemacht werden. Dazu bedarf es mehr „Übersetzer“.
    So könnte das Mitbetroffensein in komplexen Systemen für alle offensichtlicher werden.

    Noch eine Frage zu dem Satz:
    „Hohe Spiegel von Glucokortikoiden, wie sie physiologischerweise bei unkontrollierbarem Stress erreicht werden, fördern die Auslöschung von erlernten Verhaltensreaktionen und führen zur Elimination vor allem solcher Verhaltensweisen, die für eine erfolgreiche Beendigung des Stress-Reaktionsprozesses ungeeignet ? sind (Hüther 1996).“
    Ich hätte aus meinem Verständnis eher folgende Schlussfolgerung erwartet: „Elimination vor allem solcher Verhaltungsweisen, die für eine erfolgreiche Beendigung …. geeignet ? sind“ Gibt es ein Beispiel?

  14. prof.dr.gernot lucas schreibt am :

    verjährung aufheben ! und vergangenheit, gegenwart und zukunft stehen in einem anderen, neuen licht da.

  15. Doro schreibt am :

    @ Anka

    Hier der Link zum vollständigen Artikel von Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe an der Uni Göttingen (ich hatte den kompletten Text vor Kurzem schon an anderer Stelle gepostet); ich denke, dann sind die Schlussfolgerungen noch besser nachvollziehbar.

    http://sbpm.web-com-service.de/?Literatur:Gedachtnis_-_Glaubhaftigkeit

    (dort musst du das pdf „Hüther, G.: „Traumatische Erinnerungen“, Asylpraxis Band 9, BAMF, Nürnberg, 2001″ anklicken. Oder du googelst das, was ich hier gerade in Anführungszeichen gesetzt habe, dann findest du das Dokument auch ganz leicht)

    Und ich gebe dir Recht: Das müssten endlich mal mehr Leute wissen bzw. zur Kenntnis nehmen!

  16. Hallo Doro,

    der Link ist sehr interessant. Auch die Tatsache, dass du das Durchschnittsalter der Betroffenen, die sich an die unabhängige Beauftragte wandten, benennst (47 Jahre). Dieses geht auch mit der Tatsache überein, dass viele Betroffenen der Pfeiffer-Studie von einmaligen Missbrauch berichten und der Täter im familiären Umfeld liegt, das heißt eher der Onkel in Frage kommt als der Vater. Das Ergebnis der Studie lässt sich eigentlich mit der Traumaforschung (wie ich sie hier nur nach diesem einen Dokument von dir beurteile) in Übereinstimmung bringen:

    Die Fragen der Pfeiffer-Studie sind sehr invasiv und fragen nach konkret benennbarer, sexualisierter Gewalt. Die Hypothese lautet ja nun, dass gerade schwer traumatisierte Betroffene sich in einer solchen Befragung einfach nicht zu Wort melden können.

    Zwar betont die von dir benannte Quelle (Hüther 2001) die subjektive Bewertung der Erlebnisse, die dann das Trauma auslösen (in Abhängigkeit von Integration in ein stabiles Umfeld und vorheriger stabiler Sozialisation und damit erworbenen und unterstützten Verarbeitungsstrategien), dennoch ist davon auszugehen, dass prinzipiell Ereignisse, die nur einmal stattfinden und durch ein stabiles Umfeld gedeckt sind, eher nicht zur vollkommenen Verdrängung des Ereignisses führen; zumindest nicht in dem Maße wie bei komplexen Traumata. Ich weiß, dass du das nicht gerne hörst, aber eine Unterscheidung zwischen leichter und schweren Traumatisierung setze ich parallel zu „leichter“ und schwerer sexualisierter Gewalt allerdings in dem Sinne, dass ich gerade einmalige Ereignisse als „leichte“ sexualisierte Gewalt klassifiziere (dies will ich an dieser Stelle aus Zeitgründen nicht weiter ausführen, obwohl es einer genaueren Klassifizierung hier bedürfte). Ich denke es ist hier plausibel davon auszugehen, dass diese „leichte“ sexualisierte Gewalt mit hoher Korrelation zu leichten Traumata führt (Einzelfälle gibt es natürlich). De facto deckt sich diese Interpretation mit den Ergebnissen der Pfeiffer-Studie: Viele benannte Fälle sind Fälle „leichterer“ sexualisierter Gewalt. Die Studie hat also im Grund eine Erhebung „leichterer“ sexualisierter Gewalt überprüft (vielleicht fällt dir ein Wort für „leichter“ ein, damit es hier nicht zu Bagatellisierung kommt).

    Die Schlussfolgerung der Studie müsste also präziser heißen: Die Zahl leicht zu bestimmender Sexualverbrechen ist zurückgegangen, wobei angesichts vermutbarer, komplexer Traumata zunächst keine Aussage über die Zahl der Betroffenen gemacht werden kann. Andere Erhebungsmethoden müssen hierfür noch gefunden werden.

    Offensichtlich bedarf es eines Studiendesigns, das Indikatoren für sexualisierte Gewalt misst. Direkte Befragungen erscheinen mir angesichts des von dir geposteten Dokuments (Hüther 2006) nicht möglich. Norbert hatte ja bereits bezweifelt, ob Statistik in diesem Rahmen überhaupt möglich ist. Es bleibt aber wenig an Optionen, um ein gesamtgesellschaftliches Problem zu lösen. Daran soll uns ja auch der heutige Weltstatistiktag der UN erinnern. Ich denke prinzipiell ist es möglich, Fragendesigns mit Indikatoren zu entwickeln (wird nur teuer).

    Insofern kann ich auch nur bekräftigen, was Anka sagt:
    „Die physiologischen Forschungen/Hirnforschung müssen aus meiner Sicht jedoch Hand in Hand gehen mit noch weiterreichenden statistischen Erhebungen und Auswertungen, eingebunden in ethische Argumentationen.“

    Über diese Verknüpfung von Ethik, Soziologie und Neuropsychologie fügt sie an:
    „Darüber hinaus sollte die Verknüpfung all dieser überaus komplexen Zusammenhänge auch allgemein verständlich gemacht werden. Dazu bedarf es mehr „Übersetzer“.“

    Ich denke hier, liebe Anka, dass die nachhaltige Beschäftigung mit wissenschaftlicher Thematik gleich welchen Bereichs nach und nach zur Befähigung und Einordnung wissenschaftlicher Ergebnisse führt. Das heißt, dass es nicht immer der Profession bedarf, um für wissenschaftliche Bewertung fähig zu sein. Es bedarf somit auch nicht immer der Hoffnung auf wissenschaftlich-professionalisierter Übersetzer. Dies sind wir vor allem alle gemeinsam. Der Diskurs ist die höchste Form der Wissenschaft.

    Im Übrigen sehe ich diese Argumentation zum Diskurs aller auch für den Ruf nach professioneller Hilfe anzusetzen. Natürlich steht jedem Opfer ideal Hilfe zu, die fortschreitende Professionalisierung und Kommerzialisierung von Hilfe in unserem System führt aber dazu, dass jedwede Hilfe in unserem System finanziell verrechnet und gerade angesichts hoher Betroffenenzahlen unbezahlbar wird. Ich schlage also alternative Lösungen vor, wobei ich vor allem daran denke, dass Betroffene hier irgendwann gewisse Fähigkeiten erlangen und diese im Diskurs kommunizieren.

    Natürlich ist die Ausbildung zum Psychologen schon sehr komplex und geht einher mit vielen begleiteten Praxisstunden, dennoch halte ich es nicht für falsch, auch anzunehmen, dass gerade Menschen, die Trauma durchlebt und aufgearbeitet haben, zur professionellen Hilfe befähigt sind. Ohnehin sind auch Psychologen mit komplexen Traumata überfordert, so dass nichts anderes übrig bleibt als das Betroffene sich hier in die Praxis mit einschalten.

    Vor allem aber denke ich, dass gewisse, komplexe Traumata nicht mehr im Sinne einer tiefgreifenden Traumatherapie behandelt werden können, sondern auch schon Therapien Erfolge versprechen, die sich nur auf die Bewältigung des Alltags konzentrieren. Für Extremtraumatisierte gehen die Einschnitte so tief, dass es meines Erachtens ohnehin erstmal um Linderung geht. Es wäre meines Erachtens vermessen, anzunehmen, dass die Psychologie hier zu Wunderbehandlungen in der Lage ist.

    Ich plädiere stattdessen für Diskurse, die auch Therapien darstellen können:
    Das Problem der Traumatisierung erscheint mir nach Doros Dokument (Hüther 2001) vor allem, dass Bewältigungsstrategien vor allem subjektiv durch die Opfer bestimmt werden:

    „Falls er eine Strategie
    findet, die es ihm ermöglicht, die traumatische Erinnerung und die
    damit einhergehende unkontrollierbare Stressreaktion kontrollierbar zu
    machen, hört der Destabilisierungsprozess auf, und es werden nun all
    die neuronalen Verschaltungen gefestigt und gebahnt, die zur “erfolgreichen” Bewältigung seiner durch die traumatischen Erinnerungen ausgelösten Ängste aktiviert werden. […] Immer ist es die subjektive
    Erfolgsbewertung einer zunächst meist unbewusst gefundenen
    Strategie, die zur Aktivierung einer nunmehr kontrollierbaren Stressreaktion
    und damit zur Bahnung der dabei benutzten Verschaltungen führt.“ (Hüther 2001)

    Gerade die Isolierung Betroffener von sexualisierter Gewalt und Gewalt und die notwendige Abkehr vom familiären Umfeld (hinzukommend der soziale Wandel unserer Gesellschaft zu individuellen Inseln) führt dazu, dass wir mehr und mehr professioneller Hilfe bedürfen, weil gerade unsere privaten Kontakte nicht mehr ausreichen, um unsere subjektiven „Erfolgsstrategien“ anzunehmen (sie nicht als krank auszugrenzen) und darauf positiv einzuwirken. Das heißt der Diskurs kommt abhanden, denn hierfür bedarf es mehr als nur einen allein. Die Professionalisierung und Verwissenschaftlichung der Hilfe muss allerdings nicht auf die Institutionen abgewälzt werden, sondern kann sich meines Erachtens auch gerade im privaten, nicht-öffentlichen etablieren. Ob dann Betroffene befähigt sind auch tiefgreifende Therapien durchzuführen ist eine andere Frage. Für solch hochspezialisierte Bereiche bedarf es letztlich Spezialisten. Das heißt aber nicht, dass diese unbedingt immer von der Universität kommen müssen, allerdings ist es wohl sicherer, wenn wir lieber auf gute universitäre Ausbildung bauen, die natürlich auch noch Überarbeitung bedarf.

    Norman.

  17. Doro schreibt am :

    Hallo Norman,

    ich kann auf jeden Fall mitgehen bei der Idee, dass es Unterschiede des Ausmaßes der Traumen und ihrer Folgen gibt – je nach individuellen Umständen, bzw. Begleitumständen. Das ist auch in der Fachliteratur nachzulesen:

    „Um den Schweregrad einer traumatischen Wirkung gewichten und vergleichbar machen zu können, haben wir insgesamt sieben Faktoren zusammengestellt, die die Bildung von Symptomen beeinflussen:

    1. Subjektives Erleben eines dramatischen Ereignisses
    2. Individuelle Handlungsstrategie
    3. Situationsabhängige Handlungsmöglichkeiten
    4. Zeitdauer des Ereignisses
    5. Erlebnisse im mittelbaren und unmittelbaren Zusammenhang mit dem dramatischen Ereignis
    6. Zeitdauer, bis die Wahrnehmungsfragmentierung aufgehoben ist
    7. Zeitdauer, bis das Grundsicherheitsempfinden wiederhergestellt ist“

    (Quelle: Horst Kraemer: „Trauma-Bewältigung“ Wege aus der persönlichen Katastrophe)

    „Die Folgen sexueller Traumatisierung bei Kindern sind umso gravierender,

    – je jünger das Kind bei der Traumatisierung war,
    – je länger die sexuelle Traumatisierung andauerte,
    – je größer die verwandtschaftliche Nähe war,
    – je größer der Altersunterschied zwischen Täter und Opfer war,
    – je mehr Gewalt angewandt oder angedroht wurde,
    – je vollständiger die Geheimhaltung war,
    – je weniger schützende Vertrauensbeziehungen bestanden.“

    (Quelle: medica mondiale e.V./Marlies W. Fröse/ Ina Volpp-Teuscher (Hrsg.) „Krieg, Geschlecht und Traumatisierung“, 1999)

    Dazu noch die neurobiologischen Erkenntnisse von Hüther genommen, wonach sich jedes Gehirn seine eigenen Bahnungswege sucht, um mit neuroendokrinem Stress umzugehen, und diese natürlich davon beeinflusst werden, ob es sich um ein einmaliges Ereignis oder wiederkehrende Ereignisse handelt.

    Natürlich unterscheiden sich also die Traumen im Grad ihres Erlebens, ihren Bewältigungsmöglichkeiten und ihren Auswirkungen. Für den Moment bleibt wohl – in der Kürze – deshalb auch nichts anderes, als sie „leichter“ oder „schwerer“ zu nennen.

    Womit ich ein Problem in der Ärzteblatt-Studie hatte, war nicht diese Klassifizierung, sondern die mangelhafte Definition der Abgrenzung der „schweren“ Kategorie zur „leichten“ (also was darunter subsummiert wird aus Sicht der Autoren) und die einseitige Hervorhebung der schweren Fälle in der Endauswertung. Damit konnte (und wurde) ganz leicht die weitaus größere Zahl der Betroffenen unterschlagen werden. Und sowas ärgert mich, weil dies meiner Meinung nach manipulative „Information“ ist.

  18. das-leben-ist-bunt schreibt am :

    Ein Hallo an Alle,
    für mich ist diese Art des Austausches neu und ich muss mich erstmal heran tasten. Lange habe ich keine Ahnung gehabt was mir passiert ist. Noch heute frage ich mich welche Kraft dahinter steht, das ein Mensch so grausame Taten praktisch „vergessen“ kann. Vergessen funktioniert natürlich nicht wirklich, das wissen wohl alle Betroffenen. Unser Unterbeswusstsein vergisst nie. Es gibt immer noch Lücken und ich weiß viel zu oft nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich weiß, dass ich mich meiner eigenen Erinnerung stellen muss und gleichzeitig will ich nichts von alledem wissen. Ich würde gerne jemanden finden, mit dem ich mich austauschen kann, der einfach versteht wovon ich gerade rede. gerade versuche ich wieder vor meiner eigenen Erinnerung davon zu laufen. Mir ist vollkommen bewusst, das es nichts bringt und das ich auch einfach nicht mehr die Kraft dazu habe. So flüchte ich mich in die Arbeit und lasse nichts mehr zu, was mich davon ablenken könnte. Ich habe immer wieder mit starken körperlichen Einschränkungen zu tun. Die körperlichen Folgen des Missbrauchs sind fatal. Aber wesentlich tiefgreifender ist, was das alles heute noch mit mir macht. Als ich von der Petition „Abschaffung der Verjährungsfrist“ erfuhr habe ich spontan meine Stimme dafür gegeben. Ich weiß genau, wie sehr ich mich gequält habe. Meine Kollegen haben sich ebenfalls dafür stark gemacht. Ich hoffe für alle, dass es einen Erfolg gibt. Meine Erinnerung kam erst nachdem alles verjährt war und damit hatte ich keine Chance mehr. Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich den Mut aufgebracht hätte – Aber es wäre wenigstens meine Entscheidung gewesen. Es gibt viele Leute in meinem Umfeld, die es gut mir meinen und mit denen ich reden kann. Allerdings habe ich schon immer das gefühl, das ich die Anderen mit diesem Thema überfordere.

  19. hildegard schreibt am :

    @ Norman
    Freier Diskurs – das war im vergangenen Jahr schon einmal unsere ausdrückliche Forderung an die UBSKM – der Staat hat für MENSCHLICHKEIT kein Geld übrig – das versickert im Wüstensand und in Sumpfgebieten, Priorität haben Wirtschaft und Banken …
    Wer können vom „Katzentisch“ aus bisher gar nichts bewirken – man wollte uns nicht auf Augenhöhe, man will uns nicht FREI!

    „verjährung aufheben ! und vergangenheit, gegenwart und zukunft stehen in einem anderen, neuen licht da.“ Zitat von Prof. Lucas – denn:
    Dann erst kann sich alles, alles wenden!
    Aber – „Menschlichkeit kommt zu teuer“!!!

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