Risiken des sexuellen Mißbrauchs erkennen lernen

03.02.2012

Informationsdienst Wissenschaft 3.02.2012

Universitätsklinikum Ulm

Ulmer Wissenschaftler stellen auf internationalem Kongress der katholischen Kirche E-Learning-Konzept für kirchliche Mitarbeiter vor

Ulmer Wissenschaftler der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie stellen auf einem internationalen Kongress der katholischen Kirche zum Thema des sexuellen Missbrauchs in Rom (6. – 9. Februar 2012) die Arbeit des kürzlich gemeinsam gegründeten „Zentrums für Kinderschutz“ vor. Das von der Päpstlichen Universität Gregoriana an der Erzdiözese München-Freising zusammen mit der Ulmer Arbeitsgruppe geführte Zentrum erarbeitet ein multimediales E-Learning-Konzept, das kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern helfen soll, in ihren Einrichtungen sexuellem Missbrauch vorzubeugen.

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22 Kommentare

  1. Katharina Ginkel schreibt am :

    Risiken des sexuellen Missbrauchs erkennen lernen?

    In dem Titel dieses Kongress steckt schon seine ganze fatale Wahrheit. Es geht der katholischen Kirche und den dortigen Wissenschaftlern nicht darum sexuellen Missbrauch als Entwicklungsrisiko der Kinder anzuerkennen, nein sie möchten erst einmal das Risiko des sexuellen Missbrauchs erkennen, um dann daraus vielleicht in naher oder gar ferner Zukunft was zu lernen. Dieses Lernen erfolgt nicht am betroffenen Kind sondern – welch Distanzierungsfähigkeit – weit weg am grünen Tisch über Elearningprogramme. Sexueller Missbrauch ist Seelenmord, nur Kinder mit gewaltigen Ressourcen können damit überleben. Viele begehen Suizid, landen unter starken Medikamenten vielleicht lebenslang in der Psychatrie oder vernebeln sich multitoxisch mit einer Bandbreite von Drogen. Überleben bedeutet noch lange nicht leben und leben an sich ist noch lange keine Lebensfreude oder Leben genießen können. Mich ärgert diese abspaltende Herangehensweise übers Elearning und ich frage mich, ob das alles so gar nicht passiert wäre, wenn auch Bischöfinnen, Diakonissinnen und Priesterinnen ein Wort in der katholischen Kirche mitzureden hätten.

    Wenn es nicht so kurzfristig wäre und nicht in Rom würde ich dort streiken gehen. Wieso können wir – betroffenen Kindern – nicht direkt und unmittelbar von Angesicht zu Angesicht begegnen und helfen? Weshalb müssen da Elearningprogramme dazwischen geschaltet sein? Ein wirklich trauriges Kapitel der katholischen Kirche und unser Wissenschaft.

    Es geht nicht darum etwas erkennen zu lernen, was schon über Jahrunderte als Inzest, Knabenliebe, Machtmissbrauch in unserer Kulturgeschichte gedeiht! Ich frage mich was dieses neugegründete „Zentrum für Kinderschutz“ wohl genau tut?

    Solange Frauen kein Wort in der katholischen Kirche mitzureden haben, solange gibt es niemaden, der diesen Herren bei ihren „phädophilen Spielen“ auf die Finger schaut!

  2. Jacqueline schreibt am :

    Hallo zusammen,

    gestern abend – besser spätnachts sah ich bei ZDF Nachtstudio das Gespräch von Eugen Drewermann mit Volker Panzer mit dem Motto:

    Erklär mir die Welt

    Es war sehr für mich sehr eindrücklich.
    Herr Drewermann ist auch auf die sexuellen Missbräuche der katholischen Kirche eingegangen.
    Als Therapeut und ehemaliger kath. Priester – der wegen seiner persönlichen Weiterentwicklung ja suspendiert wurde : sagte was ganz Wesentliches:

    Die Priester, die sex. Missbrauch verübt haben, seien psychisch/sexuell auf der Entwicklungsstufe eines Zwölfjährigen gewesen und da nicht weitergereift wie die anderen Persönlichkeitsanteile.
    Dasselbe gilt für das System Kirche:
    Darum stellen sie sich auch so kompliziert an und brauchen Kongresse um zu LERNEN – nicht für die Opfer sondern für sich selber!

    Die Opfer haben sich unterdessen befreit und auch weiterentwickelt – und da finden die ständigen Missverständnisse statt:
    Das Monstrum Kirche mutet den Betroffenen nochmals den Reifungs-und Erwachungsprozess zu statt sie da abzuholen und da die Kirche mit Schuld und Sühne arbeitet – mit Angst – entsteht Reibung – die niemandem dient.

    Mir hat das Gespräch gestern sehr geholfen und ich empfehle es anzuhören!

    Wie wäre es – dieses klare Bild – den Politikern ENDLICH klar zu machen und dementsprechend um komptetente Gesprächspartner zu pochen – was die Kirchen mit ihrem Aufarbeiteitsgehabe gerade nicht- habe ich auch schon persönlich erlebt.

    Die Ebenen der Politik und der Kirchen stimmen nicht mehr – weil sie zu sehr auf Macht – statt auf Zuhören – auf Angst – statt auf wahre Hilfe und Aufrichtigkeit – auf Systemglauben und Veränderungsangst aufgebaut – die eben uns so noch weiter Opferrolle halten – als gesund und gut ist!

    Darum ist es gut aufzubegehren, damit diese inneren und äusseren Gefängnisse endlich aufgebrochen werden können!

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

  3. Ich habe die Sendung auch gesehen. Teilweise war diese interessant, teilweise verbrähmt und verloren, teilweise skandalös. Vielleicht auch nicht richtig verstanden von mir, aber zumindest unendlich unglücklich ausgedrückt Drewermanns Worte zu den Skandalen in der Kirche.

    Klar gesagt: Drewermann spricht von Amnesie beim Täter, der sich an die Taten nicht mehr erinnern könne. Danach erfolgt die Fokussierung auf das Zölibat als beinah monokausale Ursache warum Täter in der Kirche zu Tätern werden. Drewermann rechtfertigt nämlich weiter, dass
    Menschen das Priestertum als Befreiung von sich selbst „erleben“
    (Zölibat als Befreiung von einer problematischen Sexualität) und dann aber in einer unterdrückten Sexualität während der Tat selbst von sich traumatisiert sind… Diese Hypothesen erscheinen mir mehr als wacklig. (Ich erzähle allerdings nur aus der Erinnerung).

    Es wäre natürlich richtig nachzudenken, warum Täter dies tun, aber das geht bei Drewermann meines Erachtens vollkommen gegen den Baum. Es geht bei ihm nicht um Ursachen, sondern um angeblich traumatisierte Täter. Meines Erachtens hat er kein Wort über die Betroffenen verloren. Er muss aber über die Betroffenen als erste Leidende und auch über sexualisierte Gewalt an Betroffenen als ein mögliches erstes Glied in der Kette sprechen.

    Traumatisierung beim Täter durch die Tat? Das erscheint mir absolut
    absurd und ich höre dies zum ersten mal. Verfehlt zumindest in Anbetracht der gegenwärtige Lage da die Betroffenen nicht entschädigt werden und verleumdet werden durch die Gesetzsprechung.

    Irgendwie verdreht der Drewermann an der Stelle.

    Drewermann ist gewiss nicht doof und ich habe viel von seinen Gedanken mitgenommen, aber diese Argumentation erscheint mir vollkommen zwiespältig und missraten. Ich frage mich ganz ernsthaft, was ihn dazu bewogen hat, so darüber zu reden. Bei vielen anderen Themen kann ich ihm durchaus zustimmen, aber dieses Problem hat er meines Erachtens vollkommen verkannt. Korrigier mich, wenn ich da etwas in der Sendung falsch verstanden habe. Vielleicht habe ich nicht richtig hingehört.

  4. Ganz ernsthaft vielleicht habe ich mich da wirklich verhört, weil irgendwie kann ich im Nachhinein nicht glauben, dass gerade Dewermann diese Argumentation vertritt.

  5. Zeitzeuge schreibt am :

    „Zollner wandte sich dagegen, alle Kinderschänder prinzipiell aus dem Priesterstand entlassen.“
    Hallo, was war da noch mit der Null-Toleranz-Politik der Kirche?!
    Der Öffentlichkeit Sand in die Augen streuen und dabei wieder in das altbekannte Fahrwasser lenken.
    Geht also im Klartext weiter wie bisher :
    Vertuschen und Versetzen auf Kosten weiterer Opfer,
    immer noch dieses verschleiernde Einzeltäter/Einzeltat-Märchen.
    Von Moral keine Spur.

    Solange die Kirche über die eigenen Missetaten richten darf und
    die Gesellschaft und Politik dem keinen Riegel vorschiebt,
    solange wird sich nichts ändern.

  6. Jacqueline schreibt am :

    Hallo zusammen,

    ich schrieb das wegen Eugen Drewermann, weil er einige gute Gedanken und Ausführungen im Gespräch hatte und ich mich wohl fühlte, als ich ihm zuhörte, da es zu meinem Prozess auch gehört, dass ich ähnlich denke nun wie er.

    Und mich hat beeindruckt, dass er klar machte, dass es in der Religion zu sehr um Angst geht, statt um Liebe!

    Eugen Drewermann ist auch ein „Opfer“ indem Sinn, indem er gebremst wurde – bzw. im Angst gemacht wurde und er so zu Kritiker wurde, und er sich so mit dem Missbrauchsfällen eher am Rande befasst hat, aber als Psychoanalytiker sich dennoch Gedanken dazu gemacht hat.

    Ich denke schon, dass er Betroffene versteht – weil es ja da um das Angstsystem geht….

    Seine Aufgabe ist aber Kirchenkritiker zu sein und die Menschen auf das Wesentliche des Glaubens aufmerksam zu machen – darum lege ich seine Worte für mich auch nicht auf die Goldwaage, weil ich für mich gespürt habe – dass er mir so auch Trost gebracht hat und er auf seine Art – mit der katholischen Kirchen und anderen Kirchen kämpft….

    Denn das Wesentliche ist die Liebe und ist das Annehmen des Gegenübers. Und auch machte er klar, was Jesus wirklich durch sein Wirken lehrte und nicht das, was wir jetzt erleben oder schon lange Usus ist, weil sich die Kirchen eingerichtet haben…

    Er sprach ja auch Kriege, Fleischverzehr etc. an – wo wir nicht achtungsvoll mit der Schöpfung umgehen…

    DA ich für mich auch einen inneren Prozess erlebt habe und es noch tue, der mich von der Kirche immer weiter weg treibt, weil ich ENDLICH all das durchschauen kann, aushalten kann und für mich entscheiden kann, was mir dient und wichtig ist.

    Und dass Glauben und Kirche heutzutage nicht mehr beide unbedingt zusammengehören müssen, wenn sich spirtuell weiterentwickeln will…

    Der Kampf hier bei Netzwerk und von uns Betroffenen ist:

    – als Erwachsene und Betroffene wahrgenommen zu werden.

    – als Betroffene Peerfunktionen übernehmen bei der Opferbetreuung – Prävention und Oeffentlichkeitsarbeit – da dies zum Weg gehört – vom Opfer zum Betroffenen – umso auch anderen helfen zu können durch den eigenen, bereits gegangenen Weg und so erfahren kann, dass das Leid Sinn macht…. oder andere Fähigkeiten sich herausbilden, die dann gelebt werden wollen…
    – Aufrütteln von Kirchen und Institutionen, damit Opferverhaltenfördendes Verhalten der Priester, Leher etc… aufhören!
    Verjährungsfristen aufheben, damit die Opferbetroffenen handlungsfähig werden für ihr Leben und selber entscheiden können, Prozess oder nicht…

    – dass die Straftaten des Sex. Missbrauchs anders bei Gericht behandelt werden – weg vom Täterschutz – um wahren Opferschutz

    – dass sich Täter bewähren müssen, bereits im Gefängnis, bevor sie wieder auf die Menschen losgelassen werden und dass diese lernen müssen – VERANTWORTUNG zu übernehmen – damit das Spiel – Opfer – Täter durchbrochen wird – denn sonst stempeln sich Täter zum Opfer ab…. und es wird eine endlose Story….

    – dass Opferbetroffene lernen, durch die Therapien und Hilfen, dass man aus diesem Spiel aussteigen kann und auch lernen kann, die Verantwortung zu übernehmen und sich von den energetischen/emotionalen und auch körperlichen Verbindungen befreien kann und man sich so selbst anders wahrnehmen kann und ins Leben zurückfinden kann. Durch Verarbeitung und Integration der Körperverletzung – was neue Kräfte freilässt für das Leben!

    Dass der Oeffentlichkeit klar gemacht werden muss:

    Opferbetroffene haben ein ANRECHT auf das LEBEN, ein menschenwürdiges Leben.

    Und dass das erfahrene Leid – dass nicht gestoppt und in Heilung geht – ein schweres Verbrechen ist!

    Eben kam was bei der Tagesschau zum Thema Missbrauch – Resümee dabei – so wie ich das verstanden habe!

    Erkenntnisse sind da – es aber geschieht nach wie vor NEUES LEID!
    Und für Betroffene, die schon lange daran tragen, hat sich kaum was geändert.

    Darum ist unsere Beharrlichkeit so wichtig!

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline 🙂

    Und noch was zu Eugen Drewermann:

    Ich nehme für mich das, was mir dient, mit dem anderen gehe ich nicht mehr in Resonanz – sondern akzeptiere – dass dies zu Herrn Drewermann gehört, auch wenn ich mit ihm vielleicht mit allem nicht einig bin…
    Sprich ich kann mich abgrenzen und dennoch respektvoll mit mir und ihm umgehen und ihn für seinen Weg achten…
    Und für mich erkennen, soweit wie er bin ich da und da auch schon – durch die Schule des Lebens…

  7. fabian schreibt am :

    Also, damit hat er ja mal eindeutig recht:

    „Manche Täter seien unheilbar, hätten keinerlei Sensibilität gegenüber den Opfern, seien nicht gereift“

    Logische Schlussfolgerung:

    „man müsse zusehen, wie man sie am besten kontrollieren könne. Ein Ausschluss aus dem geistlichen Stand bedeute freilich, dass sie nicht mehr kontrollierbar wären und die Taten sich wiederholen könnten“

    Ah, echt jetzt? So ist das also. Klingt plausibel und hat schon immer so gut funktioniert. Die Versetzung in andere Gemeinden oder in die Krankenhausseelsorge ist wohl so etwas wie eine „geistliche Fußfessel“ für Freigänger .

    „Augenfälliger könnte die gewachsene Sensibilität in der katholischen Kirche nach den Skandalen in den USA, Irland, Deutschland und anderen Ländern kaum sein.“

    Genau so ist es!

  8. klaraklara schreibt am :

    Auch ich finde, dass sich die kath. Kirche in dieser Situation nicht selbst loben darf, nur weil sie endlich mit Prävention beginnen.
    Prävention von sMb in pädagogischen Einrichtungen ist selbstverständlich zu erwarten, ersetzt aber nicht die ehrliche Aufarbeitung der schon stattgefundener Gewalt.

    Den Titel des Programmes kann ich nicht verstehen. An anderer Stelle formulieren sie das Lernziel des Programmes aber verständlicher, und ich finde es NICHT zynisch:
    „in ihren Einrichtungen sexuellem Missbrauch vorzubeugen“.

  9. Eva schreibt am :

    Jacqueline,

    „Und mich hat beeindruckt, dass er klar machte, dass es in der Religion zu sehr um Angst geht, statt um Liebe!“

    Wenn man in die Geschichte schaut , dass die Kirche mächter als manch ein Kaiser war , bestätigt sich die Ausaage.

    Auch die Ablaßzettel gehörten dazu.

    Aber auch heute, besonders in Sekten, wird mit Angst gearbeitet.

    zB.

    Weltuntergangsvorhersagen

    Nicht zu den 144000 dazugehören, die errettet werden.

    Kinderzüchtigung

    Missionszwang

    und viel mehr

  10. hildegard schreibt am :

    @ Norman
    Drewermann spricht von der „Erlösung von der ANGST“, „den Himmel öffnen zum VERTRAUEN“, und eindeutig auch davon, dass „der Gefühlsbereich total verwirbelt sein kann durch die Triebunterdrückung, durch den verordneten Zölibat als heiliges Ideal“ – und die Schuldigen seien „Stehengebliebene“ … !
    Das würde ich sogar für jeden unserer Täter genau so sehen – was KEINEN(!) ent-schuldigen soll, sondern uns verstehen lässt, wie es zu den Verbrechen kommen konnte …
    Dass dann die unheilige Allianz von „Militär und Kirche, Stahlhelm und Tiara“ den heiligen Männern mit geweihten Händen die Köpfe verdrehen musste, während sie am LEBEN schuldig wurden, sich an ihrem eigenen Anspruch „verwirbelten“ – das haben ihnen die Mächtigen dieser Welt abgeschaut und – quasi gerechtfertigt! – eifrig imitiert …

    Wo eine kirchlich geprägte „Ethik wieder nur mit Macht weit oberhalb der menschlichen Realität“ agiert, wo WIR nicht mit unserem Problem auf Augenhöhe wahrgenommen werden, da läuft dann wieder etwas aus dem Ruder …

  11. Bernd schreibt am :

    Zu diesem Artikel:
    http://www.domradio.de/aktuell/79672/internationale-konferenz-zum-thema-sexueller-missbrauch-durch-kleriker.html

    schlage ich folgendes vor:

    Jeder katholische Priester nimmt bei seiner Priesterweihe die Staatsbürgerschaft des Vatikanstaats an.
    Der Vatikan errichtet auf seinem Staatsgebiet ein Therapiezentrum und ein Gefängnis.
    Dort können dann die Täter untergebracht werden und sind unter geistlicher Kontrolle, ohne dass sie wie bisher üblich weitere Kinder missbrauchen können.

  12. Sarah schreibt am :

    Yes Bernd, meine Rede! Und dazu dann noch die Anzeigepflicht Dritte. Die fegt dann Klöster und Kirchen leer. Denn wer vertuscht, wegsieht… – ab ins Knast. Dann kann der Vatikan ein paar goldene Kelche verkaufen, um ihre eigenen „Brüder und Schwestern“ zu therapieren und in Sicherheit bringen.

    Lieben Gruß von Sarah 🙂

  13. Bernd Schulz 1 schreibt am :

    Hallo Sarah,

    Die katholische Kirche ist wie eine Mauer, es trinkt nichts nach draußen, sie haben Ihre eigene Gesetze und handeln auch so. Wir Kinder kamen nicht aus dieser Mauer raus, sie Schirmten alles ab. Wir waren Gefangen und ihre Sklaven . Mein Leben war von Hass und Gewalt geprägt, ohne jede Liebe. Nach so einer Traumatisierung, sind Ohnmachtsgefühle kaum in Worte zu fassen. Es ist kaum auszuhalten, weil man auch panische Angst hat.

    Ich wollte nicht mehr Leben. Ich versuchte, mein Leben zu beenden und schnitt mir mit einer Glasscheibe die Pulsader auf. Die Narbe ist bis heute sichtbar.

    Es kann nichts schmutziger sein als das, was die Kirchen und andere Täter mit mir angetan haben. Sie haben uns so tief herab gezogen.

    Das junge Leben, das über zwei Jahrzehnte gezeichnet ist von Missbrauch, Armut, Hunger, Schlägen, Demütigungen und Erniedrigungen sowie harter Arbeit. Und das habe ich 21 Jahre ertragen müssen!

    Ich leide heute noch, „den Missbrauch“ alleine das hat schon gereicht, um mich in ein tiefes Unglück zu stürzen.

    Jeden Tag muss ich heulen, Leiden, mich in meinen Gefühlen erniedrigt fühlen. Mich kotzt dieses Leben sehr an und die Behörden scheint es ja auch egal zu sein?!

  14. Sarah schreibt am :

    @Bernd Schulz,
    ich kann Ihnen sehr gut nachfühlen. Auch ich bin in einem von Klosterfrauen geführtes Kinderheim aufgewachsen.
    Keine Liebe, keine Umarmung, kein Trost, ausgenützt zu Feldarbeiten und anderer Arbeiten in der Klosterwäscherei usw.

    Man war eine Nummer, die zu funktionieren hatte, und wehe dem nicht, dann…

    Dennoch will ich nicht beim Opfer – Sein stehen bleiben, habe mich dank einer langen Therapie und nun erneut in einer Therapie aus dieser Opferrolle befreien können, habe das Heim und meine Missbrauchstäter angezeigt. Das OEG – Verfahren ist immer noch am Laufen, das Heim leuget ab, und die Zeugen, die ich sonst noch habe – sind mittlerweile dement oder selbst so traumatisiert, dass sie immer wieder abspalten und daher sehr wackelige Zeugen sind.

    Dennoch, ich werde weiter kämpfen, und darauf hoffen, dass irgendwann ein kleines Stückweit Gerechtigkeit mir zugute kommt. Und sobald ich mein Buch fertig habe, in dem ich alles niederschrieb und immer noch am Schreiben bin über die aktuellen Reaktionen, über meine Gefühle – die in der Therapie und durch die Verwaltungsaktionen ausgelöst werden, werde ich eine Ausgabe dieses Buch den Nonnen um die Ohren hauen.

    Auf diesen Moment freue ich mich richtig dolle.

    Lieben Gruß von Sarah

  15. Bernd Schulz 1 schreibt am :

    Lieb Frau Sarah,

    Da haben wir ja das selbe mitgemacht. In welchen Kloster Waren Sie?? .Ich
    Bin in einen Katholischen Kinderheim in Ershausen im Eichsfeld bei Heiligenstadt
    Aufgewachsen bis zum 21 Lebensjahr. Das war die Hölle. Ich habe auch ein heft von 36 Seiten geschrieben. Wir waren auch nur eine Nummer. Das Kloster leugnet und beschimpft mich als Lügner und Geschichten Erzähler.

    Das Thüringer Landesverwaltungsamt hat mein Antrag auf Opferentschädigung abgelehnt. Mit der Begründung ich würde mir nur dieses alles nur einbilden und Geschichten ausdenken und mit Beleidigungen wurde ich Beschimpft .

    Ich bin Froh und dankbar über die Hilfe vom Weißen-Ring Die Ehrenamtlichen Tätig sind. Ich konnte Ihnen die ganze Geschichte erzählen, wenn immer wieder Tränen liefen. Zu Anfang kam Herr Ronald Hasse und Frau Gaby Marske – Power stehen mir zur Seite jede Woche kamen Sie zum Reden, wenn es Probleme gab auch öfter. Wer weiß, was ohne diese Hilfe geschehen wäre. Ich habe mich entschlossen, für die Wiedergutmachung an den Heimkindern zu kämpfen. Wir können nicht länger stumm bleiben. Wenn wir nichts sagen. Können wir auch keine Hilfe bekommen.

    Auch meine Anzeige wurde eingestellt wegen Verjährung.Ich habe mir einen Anwalt genommen, und haben eine Klage gegen das Thüringer Landesverwaltungsamt das das Sozialgericht Nordhausen angestrebt.

    Ich möchte mich bedanken bei all den Menschen, die mir in den schweren Tagen und Wochen hilfreich zu Seite gestanden haben; sei es durch Liebe Worte oder durch Briefe hier auf NetzwerkB Norbert Denef.

  16. Hallo zusammen

    zu dem Posting von Norman Schulz möchte ich etwas anmerken. Zum einen, wer die Nachtstudio-Sendung mit Eugen Drewermann genau anschaut, sieht, daß es an einigen Stellen, Schnitte gibt, so auch leider an der Stelle, wo es um das Thema Mißbrauch geht, möglicheweise würde es ohne Schnitt noch deutlicher geworden sein, was Drewermann sagen wollte, aber das kann ich natürlich nur spekulieren.

    Zu dem Aspekt der möglichen Traumatisierung, das ist natürlich sehr komplex und in der Sendung auch für mich nicht deutlich genug erörtert worden (bzw. wurden evtl. einige Aussagen geschnitten), was aber auch am Moderator liegt, da nochmal genauer nachzufragen. Ein sehr wichtiger Aspekt jedenfalls wurde gar nicht thematisiert, der aber in diesem Zusammenhang ganz entscheidend ist, und der hat zu tun mit dem Berufungsgeschehen selber. Es kann sein, daß gerade die Unterdrückung jeglicher sexueller Regung, oder die Belegung sexueller Regungen mit schweren Schuldgefühlen, mit dem Gefühl etwas „sündhaftes“ in sich zu tragen, gerade im Berufungsgeschehen seinen Ausdruck findet, das ist ein großes Problem für denjenigen, der es als eine Art Ruf von Außen empfindet, Keuschheit, Reinheit, Abstinenz, etc., als hohes Ideal zu empfinden, wie es in der streng katholischen Erziehung ja teilweise auch heute noch geschieht.

    Wenn ein solcher Mensch irgendwann sozuagen mit sich selber konfrontiert wird, indem er erleben muß, daß aus seinem Inneren etwas hervorbricht, das er jahrelang unterdrückt und verleugnet hat, etwas, das seiner Selbstgewißheit vollständig widerspricht, indem es mit seinem tief verinnerlichten Tugendperfektionismus absolut unvereinbar ist, kann alleine das schon zu einer schweren Identitäts- oder Persönlichkeitskrise führen.

    Weiterhin kann man den sexuellen Mißbrauch bei Klerikern nicht vergleichen mit dem, was man sonst damit verbindet, die Vorstellung nämlich, daß derBetroffene in einem plötzlichen Akt der Gewalt über ein Kind oder einen Jugendlichen herfällt; die Annäherung geschicht allzumeist schleichend, oftmals gibt es beiderseitig bestimmte Bedürfnisse nach Nähe, die bei jüngeren Opfern sicherlich (noch) nicht sexuell gefärbt sind, aber es gibt eine Art geheimnisvolle und als besonders erlebte Beziehung, bevor es zu dem eigentlichen sexuellen Übergriff kommt.

    Nun muß man aber gut aufpassen, die Sicht auf das Opfer und jene auf den Täter nicht gegeneinander auszuspielen, das heißt, daß eine möglichst genaue Analyse der Psyche des Täters nicht bedeutet, das Opfer zu übersehen – der beste Weg, Opfer zu vermeiden, ist der nämlich der Versuch, die Tat zu verhindern! Übrigens hat gerade Drewermann immer wieder darauf hingewiesen, daß der Versuch, Dinge zu verstehen, selbstverständlich nicht gleichbedeutend damit ist, sie gut zu heißen, oder gar zu rechtfertigen, aber generell gilt, daß nur das möglichst genaue und vorurteilsfreie Verstehen Wege aufzeigen kann, scheusliche Dinge evtl. zu verhindern, oder zukünftig möglichst zu vermeiden.

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1142644/

  17. klaraklara schreibt am :

    @ Volker Brokop
    ich habe von sex. Misshandlungen in einem kath. Internat gelesen, in deren Vorfeld sich überhaupt keine zwischenmenschliche Beziehung angebahnt hatte. plötzliche Übergriffe im SChwimmbad, Manipulation von schlafenden Kindern. Udn gewaltsam bleibt es ja wohl auch dann, wenn zuvor eine zwischenmenschliche Beziehung bestand, von der das Kind profitierte.

  18. klaraklara schreibt am :

    @ fabian
    Ich habe leider selber im Moment keine Kapazitäten, die Sendung zu sehen. Deshalb zitiere ich dein Zitat: “man müsse zusehen, wie man sie am besten kontrollieren könne. Ein Ausschluss aus dem geistlichen Stand bedeute freilich, dass sie nicht mehr kontrollierbar wären und die Taten sich wiederholen könnten”.
    Ich verlange meine sofortige Anstellung beim Jugendamt und Verbeamtung, da ich sonst dem Hang, Mitarbeiter meiner Arge zu stalken, nicht mehr lange widerstehen kann …

  19. Sarah schreibt am :

    @Bernd Schulz,

    Hallo Herr Schulz, ich bin in einem anderen Heim aufgewachsen. Auch der dort wirkende Orden war ein anderer.

    Mein Verfahren ist noch am Laufen und mir hat der Weiße Ring zugesagt, mir zu helfen. Der Ehrenamtliche hier vor Ort ist Kripobeamter, und weiß, welche Greueltaten hinter manch scheinheiligen Mauern sich verbergen, daher würde er nie Aussagen von Betroffenen und Opfern anzweifeln. Ich bin dem Weißen Ring hier vor Ort sehr dankbar, dass sie mir helfen, zu meinem Recht zu gelangen.

    Lieben Gruß und Ihnen weiterhin viel Kraft für die Zukunft wünscht
    Sarah Mohn

  20. m.w. schreibt am :

    die berichte über sexuellen missbrauch in heimen und der katholischen kirch habe ich sehr verfolgt, neben den ereignissen in familien, über die in der presse berichtet wurde. es muss einfach weiter und weiter viel für den kinderschutz getan werden. in diesem bereich kann man gar nicht zu viel machen. es zeigt sich ja immer wieder, wie präsent die gefahr für kinder ist. ich deshalb sehr erfreut über diesen fund hier! vielleicht interessiert ihn ja jemanden… http://www.babypaketeria.de/
    viele grüße

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