Berlin plant scharfe Maßnahmen – Wahnsinn ist keine Alternative

13.05.2012

netzwerkB 13.05.2012

ein Kommentar von Doro

Kennt ihr den schon?

(Zitat) „Der Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig handelt gegenwärtig mit 20 Dachverbänden wie der Bischofskonferenz oder der Arbeiterwohlfahrt Vereinbarungen aus, in denen sich die Mitglieder dieser Verbände verpflichten, konkrete Regeln einzuhalten.“

Der ist auch gut:

(Zitat) „Berlin plant scharfe Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch.“

Echt, ich schmeiß mich weg! (*Tränenlach*)

(*glucks*) … verpflichten, konkrete Regeln einzuhalten ….

(*prust*) …. scharfe Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch …

Zur Erinnerung:

In Deutschland gibt es ein Strafgesetz und das verbietet sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen.

Welchen Teil von „Wer sexuelle Handlungen an Kindern oder Jugendlichen vornimmt, wird bestraft“ haben die bisher nicht verstanden?

Welche noch „konkreteren Regeln“ brauchen die Verbände/Institutionen??

Und warum, bitteschön, müssen diese Verbände/Institutionen (die ja alle den deutschen Gesetzen unterliegen) „verpflichtet werden“, sich an Regeln zu halten???????

Hallo??

Wenn das hier wirklich das Ergebnis der zweijährigen „Aufarbeitung“ des jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in Deutschland sein soll, dann entlarvt das doch nur die seit Jahrzehnten bestehenden geistigen Verdrehungen:

Bislang hat es offenbar niemanden gestört, dass in Deutschland tagtäglich die Strafgesetze gebrochen werden und schwere Straftaten gegen Kinder und Jugendliche Alltag in diesem Land sind.

Bislang waren die entsprechenden Paragraphen im Strafgesetzbuch allenfalls humanistische Folklore, etwas, das zum „must have“ eines „demokratischen“, „modernen“ Staates gehört – jedenfalls auf dem Papier.

In Deutschland haben bislang (scheinbar) nur vereinzelte „Sexmonster“ gegen diese Paragraphen verstoßen. Väter, Brüder, Cousins, Stiefväter, Großväter, Lehrer, Pfarrer, Nachbarn, Trainer, Polizisten, Richter, Professoren, Psychologen, Vereinskollegen, Erzieher, Babysitter, Kirchengemeinderäte, Ingenieure, Ärzte, Handwerker und andere Kindervergewaltiger werden dagegen nicht als Sexualverbrecher wahrgenommen.

Das Strafgesetz sieht bereits heute für entsprechende Straftaten Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Frage: Welche „schärferen Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch“ kann es noch geben? Kopf ab? Arbeitslager in Sibirien? Vierteilen??

Nein, viiiel schlimmer: Lehrer und Erzieher müssen zukünftig Anklopfen, wenn sie das Zimmer von Minderjährigen betreten. Wow! Das nenne ich mal „konkret“. Jetzt wissen PÄDAGOGISCHE „FACHKRÄFTE“ endlich mal, was sich auch gegenüber Jüngeren gehört.

Lehrer dürfen zukünftig auch keine medizinische Versorgung im Intimbereich sowie an Bauch und Oberschenkeln vornehmen. Ja jetzt wo Sie’s sagen…! Vermutlich dürfen dann zukünftig Ärzte auch nicht mehr Mathe-Unterricht geben…?

Ach ja: Gemeinsame Saunabesuche von Lehrern und Schüler_innen oder Pfarrern mit Kommunionkindern oder Babysittern mit Babys sind zukünftig auch nicht mehr erlaubt. Gut, dass das jetzt mal „konkretisiert“ wurde. Konnte man(n) ja bisher nicht ahnen, dass das nicht zum allgemeinen Betreuungsumfang gehört.

Abschluss: Ich bin schon gespannt auf die Vereinbarungen, die der Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig mit den Familien in Deutschland aushandelt, in denen sich die Väter, Brüder, Cousins, Stiefväter, Großväter, Onkel usw. verpflichten, konkrete Regeln einzuhalten. („Ach, es gibt „konkrete Regeln“? Na, wenn die „konkret“ sind…. Is ja schon was anderes, als so „unkonkrete“ Strafgesetze. Äh, wo genau endet dann zukünftig „konkret“ und fängt dann „unkonkret“ wieder an? – Schließlich bin ich es nicht gewohnt, mich an „konkrete Regeln“ wie beispielsweise Gesetze zu halten…“)

Ja, manchmal hilft nur noch die Flucht in den Zynismus. Wahnsinn ist keine Alternative.

Mehr auf netzwerkB:

Kraft auftanken

Bund will Facebook-Kontakte von Lehrern zu Schülern verbieten

18 Kommentare

  1. Corinna Kutzscher schreibt am :

    Hallo,
    super gut geschrieben!
    Ich fühle mich verarscht von dieser Regierung, von diesen Politikern!

  2. Sarah schreibt am :

    „Das Strafgesetz sieht bereits heute für entsprechende Straftaten Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Frage: Welche „schärferen Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch“ kann es noch geben? Kopf ab? Arbeitslager in Sibirien? Vierteilen??“

    Nicht doch in einem demokratischen Land. Da wird aus Freiheitstrafe schnell mal eine „Strafe zur Freiheit“ (=Bewährungsstrafe). Das spart dem Staat „Unterhaltskosten“ (=Knastkosten).

    Danke liebe Doro für die treffenden Wortkreationen. Deine Satire „Der ganz normal – konkrete Wahnsinn“ würde sich gut als Eröffnungsrede für das kommende JF am 16.05 eignen. Ganz konkret (hihihihi).

  3. Elke schreibt am :

    Der 2. Jour Fixe fand am 11. Mai statt, dies nur zur Info.
    Ich habe nach wie vor ein gutes Gefühl bei Herrn Rörig und seinem Team, sehe großes Engagement und bin mir sicher, dass Zynismus und Satire uns dort keinen Schritt weiter gebracht hätten.

  4. Simone schreibt am :

    @Doro, danke für den guten Kommentar und Dein Engagement.

  5. Doro schreibt am :

    Gut, dann ganz im Ernst:

    Diese Regeln sind reine Augenwischerei. Sie werden keinen einzigen Täter davon abhalten, sein Ziel zu erreichen. Jede und jeder, der/die sich in den letzten zwei Jahren mit der Thematik – insbesondere den Tätern und ihren Strategien – auseinandergesetzt hat, weiß das auch.

    „Sexualstraftäter und andere Täter bedienen sich ihrer eigenen Methoden, um ihre Mitmenschen arglos zu halten. An erster und wichtigster Stelle steht die ETABLIERUNG EINES DOPPELLEBENS. Viele Täter präsentieren sich KÜHL KALKULIERT als die Art von Mensch, die „so etwas“ nie tun würde. (…) Meist ist es allerdings so, dass die Täter solche Neigungen zu tätlichen Übergriffen zuhause ausleben, sich der Außenwelt aber nicht als gewalttätig zu erkennen geben. Das Bild, das der Täter der Außenwelt von sich vermittelt, entspricht in der Regel dem eines „ordentlichen Mannes“, jemand, von dem die Umwelt annimmt, er habe einen guten Charakter und „würde so etwas nie tun“. (…) Die Persönlichkeiten wechseln häufig, je nachdem, was DERJENIGE, den der Täter vor sich hat, SEHEN WILL.“ (Anna Salter, 2006)

    Diese neuen Regeln dienen einzig und allein dazu, diejenigen zu beruhigen, die diese Regeln herausgeben bzw. unterschreiben lassen. Täter unterschreiben jedem, den das beruhigt, jeden Wisch.

    Wieso glaubt man, dass sich Täter ab jetzt an einen „Katalog von Verbotsregeln“ halten, wo doch bekannt ist, dass Täter in der Regel überhaupt kein Unrechtsbewusstsein besitzen? Verbote interessieren sie schlichtweg nicht. Sie sehen ihr Handeln überhaupt nicht als Unrecht an: Für sie ist es entweder ihr Recht oder etwas „Gutes“, das sie Kindern tun, oder es ist ihnen schlichtweg egal, weil sie Egomanen sind, die für ihre Interessen im wahrsten Sinne des Wortes über (Seelen)Leichen gehen.

    Wieso soll jetzt ausgerechnet ein „Katalog von Verbotsregeln“ einen Pfarrer, der schon bislang keinerlei Skrupel hatte, sämtliche Regeln seines eigenen Vereins (10 Gebote, kanonisches Recht usw.) zu brechen, von sexuellen Übergriffen an Kindern abhalten?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass jede/r Lehrer/in, jede/r Trainer/in, jede/r Erzieher/in usw., die NICHT an sexuellen Übergriffen an ihren Schützlingen interessiert war, schon bislang und auch ohne diese Regeln das Thema Nähe und Distanz professionell zu handhaben wusste, und sie weder mit Kindern eine Sauna noch einen FKK-Strand besuchen wollte, usw.

    Der springende Punkt ist – wie unschwer zu erkennen – nämlich nicht das fehlende Anklopfen oder die Anwesenheit von Erwachsenen in Duschräumen. Der springende Punkt sind auch nicht fehlende Regeln.

    Der springende Punkt ist einzig das INTERESSE eines Erwachsenen, seine Machtposition FÜR SEINE EIGENEN ZWECKE (diese können sexueller Art sein, müssen es aber nicht) auszunutzen. Der springende Punkt ist also, auf den Punkt gebracht, die ANTISOZIALE Persönlichkeit des Täters.

    Diese ANTISOZIALE Persönlichkeit ist gegen jegliche Regeln der Sozialgemeinschaft immun. Sie interessieren ihn nur soweit, als sie zur Sicherung seines Doppellebens und zur Täuschung der Außenwelt dienlich sind.

    Das Problem sind nicht fehlende Regeln. Das Problem ist, dass sich die antisoziale Persönlichkeit einen Scheiß um Regeln kümmert und noch viel wichtiger: dass darauf in unserem Rechtssystem keinerlei Sanktionen folgen. DADURCH wurden die längst vorhandenen Regeln (u.a. Berufsordnungen, Vorschriften, aber eben auch Grundrechte und Gesetze u.s.w.) ausgehöhlt und wirkungslos gemacht.

    Der Ansatz kann also nicht sein, noch mehr Regularien zu erfinden, sondern endlich dafür zu sorgen, dass die bereits vorhandenen KONSEQUENT umgesetzt bzw. Verstöße dagegen KONSEQUENT GEAHNDET werden.

    Das Allerschlimmste an diesem „Katalog von Verbotsregeln“ ist, dass er „gut gemeint“ ist. Die meisten glauben jetzt tatsächlich, dass dadurch die Lage für Kinder und Jugendliche in Deutschland sicherer würde. (Ehrlich gesagt, glaube ich, dass das auch der einzige Sinn und Zweck dieser Regeln ist: die Öffentlichkeit soll glauben, man tue etwas und sorge für mehr Sicherheit)

    Tatsächlich werden diese Regeln die Situation für Kinder und Jugendliche unsicherer machen.

    Wieso? Weil – wie aufgezeigt – die Täter sich auch zukünftig einen Scheiß um diese Regeln kümmern werden. ZUSÄTZLICH aber werden diejenigen, die guten Willens sind, die KEIN sexuelles Interesse an Kindern haben, dafür aber ein großes Interesse daran, Kinder zu schützen oder ihnen als unterstützende Anlaufstelle zur Verfügung zu stehen, mit diesem „Katalog von Verbotsregeln“ verunsichert und begrenzt. Ihre Möglichkeiten, ein Vertrauensverhältnis zu ihren Schützlingen aufzubauen, das es betroffenen Kindern erst ermöglichen könnte, sich ihnen anzuvertrauen, werden nachhaltig gestört und damit massiv untergraben.

    Beziehungen zwischen (hilfreichen) Erwachsenen und (betroffenen) Kindern müssen aufgebaut und gelebt werden. Dazu gehört – gerade bei jüngeren Kindern! –, Zeit, menschliche Nähe, persönliche Präsenz, Vertrauen, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbereitschaft und die Fähigkeit, Nähe und Distanz (professionell) zu regeln.

    Das Perfide ist, dass GENAU DAS (nämlich dieses zwingend Angewiesensein auf menschliche Beziehungen) von den Tätern SCHAMLOS und ANTISOZIAL ausgenutzt wird. Durch diesen „Katalog von Verbotsregeln“ werden jetzt aber nicht die Täter abgeschafft (wie vorgegaukelt), sondern das, was Kinder und Jugendliche am dringendsten benötigen: LEBENDIGE, VERTRAUENSWÜRDIGE Beziehungen zu LEBENDIGEN, VERTRAUENSWÜRDIGEN Erwachsenen.

    Nur ein Beispiel: Nach den neuen Regeln dürfen erwachsene Betreuungspersonen Kinder nicht über sexuelle Erfahrungen ausfragen. Ein Kind, das sexuell missbraucht wird, MUSS aber „über sexuelle Erfahrungen“ berichten, wenn es das Schweigen brechen und seine Not öffentlich machen will. Die meisten betroffenen Kinder (Forschung!) reden zunächst verschlüsselt über ihre Erlebnisse oder nur in Symptomen. Wenn die erwachsene Betreuungsperson nicht (VORSICHTIG!) nachfragen darf, wird das missbrauchte Kind weiter schweigen müssen und seinem Schicksal ausgeliefert bleiben. Die erwachsene Betreuungsperson aber wird sich laut den neuen Anstandsregeln im Fall des Falles ziemlich fix dem (heuchlerischen) Vorwurf ausgesetzt sehen, dem Kind den sexuellen Missbrauch eingeredet zu haben. (Klingt das nicht bekannt??)

    Der jetzt herausgebrachte „Katalog von Verbotsregeln“ beinhaltet Verhaltensanweisungen, die sich im konkreten Alltag schnell als völlig unpraktikabel herausstellen werden. Ich denke da nur an Kindertagesstätten, in denen Kleinkinder auf die Toilette begleitet werden müssen, oder an Behinderteneinrichtungen, wo bestimmte medizinische Versorgungshandgriffe lebensnotwendig sein können. Also werden diese Regeln bald unterwandert werden MÜSSEN. Erst vielleicht schleichend, dann aber auf immer breiterer (und öffentlicher) Ebene, je mehr es werden, die mit der Unumsetzbarkeit Erfahrungen machen. Außer den Tätern, denen das Brechen von Regeln schon immer nichts ausmacht, werden alle anderen dafür mit einem (meist unbewussten) Schamgefühl „belohnt“ werden, das bald in Wut umschlagen wird, auf jeden Fall aber (unbewusst) abgewehrt werden muss. Die Abwehr trifft dann nicht Herrn Rörig mit seinen Regeln, sondern die Abwehr trifft diejenigen, wegen denen „solche Umstände gemacht werden müssen“, nämlich die Kinder und Jugendlichen. Das begründet eine massive Beziehungsstörung zwischen der (notwendigen, hilfreichen) erwachsenen Betreuungsperson und dem Kind.

    Es wird nicht lange dauern, dann wird der erste seine Scham darüber, dass er diese (in Beziehungsberufen völlig paradoxen) Regeln nicht durchhalten kann, dadurch kompensieren, dass er den Erlass dieser Regeln als „hysterische Überreaktion“ diffamiert. Er wird schnell auf breite Zustimmung stoßen: erst unter denen, die ebenfalls von dieser Beschämung betroffen sind, dann bald auch von der Gesellschaft, die zu verstehen beginnt, dass diese Regeln ja gar nicht das sind, was sie vorgeben zu sein.

    Dann wird es nur noch ein winziger Schritt sein hin zur allgemeinen Infragestellung und Verächtlichmachung sämtlicher Maßnahmen, die zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch nach 2010 umgesetzt werden soll(t)en. Und dann sind wir wieder da, wo wir schon immer waren: Im Täterwonderland.

    Zugespitzt gesagt, sind diese „gut gemeinten“ Regeln also wieder einmal im Interesse der Täter, selbst wenn ich nicht unterstelle, dass sie so beabsichtigt sind.

    In Ansätzen haben sie das gleiche Muster, wie die so genannte „False-Memory“-Bewegung, bzw. die „Missbrauch mit dem Missbrauch“-Bewegung als Antwort auf die letzte Veröffentlichungswelle von massenhaften Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch in den 1980er Jahren: Verunsicherung der Engagierten, also derjenigen, die betroffenen Kindern helfen könnten. Das Umfeld, in denen Kindern geglaubt werden könnte, wieder untergraben, indem man Verwirrung stiftet, Falschinformationen streut oder paradoxe Regeln erlässt. Und sei es „nur“ implizit. Und so schleichend, aber nachhaltig dafür sorgen, dass die Opfer wieder isoliert und damit in die Schweigezonen verdrängt werden.

    Nochmals: Diese Regeln sind Augenwischerei. Sie werden kein einziges Kind schützen. Im Gegenteil, sie arbeiten wieder den Tätern in die Hände (selbst wenn sie so nicht gemeint sind).

    Nach zwei Jahren „Aufarbeitung“ von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Deutschland sollte an der Zentralstelle für diese Aufarbeitung soviel Fachkenntnis vorhanden sein, um sexuellen Kindesmissbrauch nicht länger zu bagatellisieren, indem man so tut, als könnte man ihn mit einem „Katalog an Äußerlichkeiten“ oder dem Aufruf an Kinder, „Nein“ zu sagen, oder ähnlichem Quatsch ernsthaft bekämpfen.

    Sexueller Kindesmissbrauch ist ein gesellschaftliches Krebsgeschwür, das bereits breit gestreut hat. Niemand käme auf die Idee, Krebs mit Regeln wie öfter mal an die frische Luft zu gehen oder keine Essiggurken mehr zu essen, bekämpfen zu wollen. Jeder, der das täte, müsste sich (zu Recht !) vorhalten lassen, die Dimension und die Dramatik UND DIE GEFÄHRLICHKEIT dieser Erkrankung völlig fehlzuinterpretieren und/oder komplett zu verdrängen.

    Das gesellschaftliche Krebsgeschwür sexueller Kindesmissbrauch aber wird auch zwei Jahre nach seiner „Aufdeckung“ genau so behandelt: mit etwas Kamillentee und ein paar Verhaltensregeln. Angesichts der Dimension und der Dramatik UND DER GEFÄHRLICHKEIT dieses gesellschaftlichen Krebsgeschwürs kann man auch hier nur zu dem Schluss kommen, es mit völliger Fehlinterpretation der gesamten Lage der Betroffenen, der Zusammenhänge, Hintergründe und Ursachen von sexuellem Kindesmissbrauch zu tun zu haben. Dieser „Katalog von Äußerlichkeiten“ soll die Scham (der Nichtbetroffenen) angesichts ihrer abgrundtiefen Hilflosigkeit und Ohnmacht gegenüber der Lage der Betroffenen, der Dimension des Problems und seines pandemischen Ausmaßes kompensieren.

    Somit hilft er wenigstens denjenigen, die ihn vertreten. Wenn er schon den Betroffenen nichts nützt (und sogar schadet).

  6. Nathan Adi Major schreibt am :

    Rörig hat seine eigenen Kandidaten und Opfer-Vertreter durchs Hintertürchen handverlesen und ohne Zustimmung der Betroffenen eingeschleust und hofft darauf, dass wir vergessen was da abgelaufen ist!

  7. Nathan Adi Major schreibt am :

    Glaubwürdigkeit von Rörigs Veranstaltung ist gleich Null..

  8. Anna M. schreibt am :

    Das sehe ich genau so.
    Diese Regeln sind reine Augenwischerei, damit sich die Öffentlichkeit nicht länger mit der Thematik auseinandersetzen muß. Und genau dieses „sich zurücklehnen“ und die Augen wieder verschließen GEFÄHRDET Kinder und Jugendliche.
    Und vor allem können diese Regeln nur für Institutionen und Vereine gelten. In den Familien aber gelten andere Gesetze, nämlich die, die der/die Aggressivste und Mächtigste in der Familie macht.
    TäterInnen lachen über solche Regeln!

    Hinzufügen möchte ich noch, daß es nicht nur um männliche Verwandte gehen darf, sondern auch um Mütter, Schwestern, Cousinen, Stiefmütter, Großmütter, Lehrerinnen, Pfarrerinnen, Nachbarinnen, Trainerinnen, Polizistinnen, Richterinnen, Professorinnen, Psychologinnen, Vereinskolleginnen, Erzieherinnen, weibliche Babysitter, weibliche Kirchengemeinderäte, Ingenieurinnen, Ärztinnen, Handwerkerinnen.
    Diese können nämlich besonders leicht solch ein Doppelleben aufbauen, weil man ihnen das doch ALS FRAU niemals zutrauen würde. Umso geschützter sind sie und umso tabuisierter sind ihre Verbrechen.

    Ich sehe diese „Maßnahmen“ als eine Gegenbewegung zur Aufdeckungswelle, also eine Art Zudeckungswelle. Und ich unterstelle Absicht. TäterInnen und Täterinstitutionen sind an genau solchen Bewegungen beteiligt.
    Das Ganze ist ein großangelegtes Ablenkungs- und Gegenmanöver. Auch wenn sich wahrscheinlich nicht TäterInnen hingesetzt haben und beraten haben, wie man am besten der Aufdeckungswelle entgegentritt und die Opfer wieder zum schweigen bringt, so ziehen sie doch am gleichen Strang.

  9. Sarah schreibt am :

    Der gesamte Katalog wie auch die Installierung des RTs wäre hinfällig gewesen, wenn unser „Rechtsstaat“ konsequent die bereits vorhandenen Gesetze im vollen Maße ausgeschöpft hätte.
    Aber einem Staat, der vorm Klerus zu Kreuze kriecht, ein RT – der besetzt ist mit Täterinstitutionen – fehlt das Rückgrad – um sich für die Schwächsten ihres Landes einzusetzen. Nämlich für die Kinder.

    Kinder, die dem Staat nur Kosten verursachen, nichts ins BIP einbringen, haben keine Lobby.

    Hätten damalig sex. misshandelte Kinder – also die heutigen Betroffenen 2010 keine mediale Welle angezettelt, wäre das Thema weiterhin galant unter den Tisch gekehrt worden.

    Die erarbeiteten Vorschläge des RT´s sind ein schmieriger Kompromiss, der nun umgesetzt werden soll, was trotz viel gutem Willen unter Einsatz enormer Energie vieler Betroffenen wieder nur Flickwerk werden kann, da grundlegende Veränderungen zugunsten der Opfer und Betroffene gar nicht erst vom RT als nötig empfunden wurde.

    z. B.
    – Anzeige – bzw. Meldepflicht ALLER Bürger
    nicht mal das Jugendamt ist verpflichtet, Verdachtsfälle zu melden. Ein Skandal!!!
    – Verjährungsfristen aufheben (nicht für nötig empfunden – angeblich zum Schutze der Opfer und Betroffenen – klar doch!!!)
    – Einführung eines zusätzlichen Führungszeugnisse für ALLE, die mit Kindern in Kontakt kommen, egal ob freiberuflich oder hauptberuflich. oder ehrenamtlich. Nicht für nötig empfunden.
    – Änderung des Kinderschutzgesetzes (lapidar und unwesentliche Änderungen wurden vorgenommen – wichtige Punkte übergangen – nicht für nötig empfunden)
    – angemessene Entschädigungen Betroffener (nicht für nötig empfunden, Betroffene wollen ja nur, dass man ihr Leid anerkennt, mehr nicht – eine finanzielle Entschädigung – nicht für nötig empfunden)
    – Täter und Täterinstitutionen in Regress nehmen (nicht für möglich empfunden, weil dann die Vetternwirtschaft nicht mehr gewährleistet werden kann zwischen ihnen und dem Staat, also wegdiskutiert)

    Die Liste könnte man endlos fortführen.
    Und nun soll es Hr. Röhrig mit Hilfe etlicher Betroffenen, die von Deligierte vertreten werden „richten“, gemeinsam Umsetzungen erarbeiten – um die von Lobbyisten kreierten faulenKompromisse landesweit zu etabliieren.

    Danach kann der unser ach so soziale Staat wieder laut in die Öffentlichkeit posaunen, wieviel Mühe sie sich aufgebürdet haben, um hier WESENTLICHE Änderungen voranzutreiben. Hände werden geschüttelt, die Öffentlichkeit ist wieder baldrianisiert und alles kann munter so weiter gehen.
    Täter erhalten weiter für das „Delikt“ sex. Missbrauch an Kindern eine lapidare Bewährungsstrafe, dürfen weiterhin direkt neben ihre Opfer wohnen, erhalten weiterhin kostenlos Therapie und unaussprechbare Entschädigungssummen, weil Schnarri gepennt hat, als es um die nötige Gesetzesänderung bzgl. der nachträglichen Sicherheitsverwahrung ging. Für Täter werden die Menschenrechte konsequent umgesetzt, was bei Opfern und Betroffenen fast schon ein Fremdwort geworden ist.

    Grundlegendes wird beim Alten bleiben -solange unsere Politik zu feige ist, Grundlegendes anzupacken!

    Und trotzdem – es ist und bleibt unabdingbar und wichtig, dass sich Betroffene solidarisieren und aufbegehren, sich einmischen und konstruktiv – sachlich miteinander Lösungen erarbeiten.

    In diesem Sinne
    kreative – wenn auch mitunter frustrierte Grüße
    von Sarah Mohn

  10. Winfried schreibt am :

    Danke für deinen Zynismus, Doro. Was heißt hier „dein Zynismus“? Du hast nur den Zynismus der Politiker und auch den eines Herrn Rörig auf den Punkt gebracht. Vielleicht hilft diese Enttarnung ja in der Diskussion ein klein wenig weiter, wenigstens so weit, dass es nicht mehr so einfach durchgeht, sich zum sexuellen Missbrauch zu äußern, ohne sich wirklich auseinandergesetzt zu haben.

    Dein Kommentar hilft beim Denken. Er macht auch deutlich, dass wohlfeile Schlussfolgerungen wie höhere Strafen und einschränkende Verhaltensregeln z.B. für Lehrer auch eine problematische Seite haben können: aus der zu kurzen Verjährungsfrist und leichtfertiger Verurteilung zur Bewährung wird gleich eine „Kopf ab“- Justiz und aus der Kritik an zuviel „Nähe zum Kind“ (Reformpädagogik) die Forderung nach körper- und emotionslosem Drill. In der Arbeit mit Kindern braucht es Emotionen und ihren körperlichen Ausdruck. Lehrermaschinen sind menschenfeindlich, übergriffige bedürftige Lehrer allerdings auch das Schlimmste, was einem Kind widerfahren kann. Tatsächlich bewegen wir uns im Pädagogischen Bereich in Deutschland schnell dahin, dass wir zurückfallen in eine körper- und freudlose Pädagogik. Ergebnis: Lehrer und Pädagogen, die in schlichter Angst vor den eigenen Emotionen und vor allem denen von Kindern ein Kontaktverbot nach dem anderen formulieren und nicht mehr souverän und fröhlich agieren. Wärme und Herzlichkeit gehören zu einem guten Lehrer wie Distanz und Grenzsetzung.

  11. klaraklara schreibt am :

    Liebe Doro,
    „Ich bin mir ziemlich sicher, dass jede/r Lehrer/in, jede/r Trainer/in, jede/r Erzieher/in usw., die NICHT an sexuellen Übergriffen an ihren Schützlingen interessiert war, schon bislang und auch ohne diese Regeln das Thema Nähe und Distanz professionell zu handhaben wusste, und sie weder mit Kindern eine Sauna noch einen FKK-Strand besuchen wollte, usw. “
    Speziell zu diesen Regeln:
    Das Thema Nähe/Distanz in der Pädagogik ist in der Tat komplex, vor allem wenn der Bereich Schule verlassen wird. Bei „Förderung im häuslichen Umfeld“ oder bei längeren Freizeitaktivitäten gibt es auch große Handlungsspielräume. Nicht jedem ist es von Anfang an gegeben, damit souverän umzugehen. Man kann natürlich dazu lernen, zum Beispiel mit entsprechenden Fragen aus der Arbeit Supervision aufsuchen, aber manche Pädagogen glauben, sie hätten das nicht nötig. Es gibt auch nicht-sexuelle Formen von missbrauch und Grenzverletzungen, und es gibt Pädagogen, die die Unterdrückung des „Erziehungsobjektes“ durch übermäßige Kontrollen etc.verwenden, um sich selbst zu stabilisieren. Insofern finde ich die Regel zum Klopfen an der Tür okay. Diese wird auch nicht jene Pädagogen behindern, die mit guten Motiven Nähe zum Jugendlichen aufbauen wollen, da es dabei einfach nur um Respekt geht.

    Besuch von Sauna oder FKK-Strand ohne missbräuchliche Absichten finde auch ich unwahrscheinlich, aber es könnte junge Pädagogen geben, die hier das zuhause – schlecht – gelernte wiederholen oder das von (Täter-)Kollegen propagierte Verhalten nachahmen. Hierzu finde ich eine Regel schon okay.

    „ZUSÄTZLICH aber werden diejenigen, die guten Willens sind, die KEIN sexuelles Interesse an Kindern haben, dafür aber ein großes Interesse daran, Kinder zu schützen oder ihnen als unterstützende Anlaufstelle zur Verfügung zu stehen, mit diesem „Katalog von Verbotsregeln“ verunsichert und begrenzt. Ihre Möglichkeiten, ein Vertrauensverhältnis zu ihren Schützlingen aufzubauen, das es betroffenen Kindern erst ermöglichen könnte, sich ihnen anzuvertrauen, werden nachhaltig gestört und damit massiv untergraben. “
    Die Befürchtung habe ich auch etwas.

  12. Doro schreibt am :

    Liebe Alle: Danke für eure Rückmeldungen!

    Liebe Anna M.,

    ich gebe dir Recht, bzw. bin mir der Tatsache, dass es auch weibliche Täterinnen gibt, sehr bewusst. Dennoch habe ich mich entschieden, in diesem Fall nur die männliche Schreibweise zu verwenden. Warum?

    In Deutschland ist es Usus, auch bei einem paritätischen Geschlechterverhältnis, ja sogar, wenn die überwiegende Zahl der Gemeinten weiblich ist, die männliche Sprachform zu wählen. Mädchen/Frauen sind seit Jahrhunderten „mitgemeint“.

    Im Falle der Täter, die Kindern sexualisierte Gewalt antun, ist es allen aktuell belastbaren Zahlen nach so, dass nicht nur ein bisschen ein Ungleichverhältnis in der Verteilung des Tätergeschlechts herrscht, sondern ein SEHR EINDEUTIGES:

    Im Abschlussbericht der Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten Dr. Christine Bergmann, heißt es: Die Verteilung des Geschlechts der Täter zeigt einen sehr stark dominierenden Anteil männlicher Personen insgesamt. Männliche Betroffene werden tendenziell häufiger von Frauen missbraucht (13,9 %, N= 155 von N= 1.119 Angaben) als weibliche Betroffene (2,3%, N= 52 von N= 2.226 Angaben), weibliche Betroffene häufiger von Männern (91,6%, N= 2.038 von 2.226 Angaben) als männliche Betroffene (79,9%, N= 894 von N= 1.119 Angaben).

    An die Stelle der Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten haben sich Betroffene freiwillig gewendet und sie konnten das anonym tun. Zudem wurde dafür öffentlich stark geworben, das heißt, die Hemm-/Schamschwelle stark gesenkt. Das heißt, gerade hier wären Berichte über weibliche Täterinnen eher zu erwarten gewesen, wenn sexualisierte Gewalt gegen Kinder ein geschlechtsneutrales Thema wäre.

    Sexualisierte Gewalt an Kindern ist aber kein geschlechtsneutrales Thema, auch wenn genau dieser Fakt bis heute hartnäckig übergangen wird.

    Ja, es gibt weibliche Täterinnen, aber sowohl bei männlichen wie bei weiblichen Opfern müssen wir hauptsächlich von Männern als Täter ausgehen.

    Deshalb bleibe ich erstens dabei, bei Tätern nur die männliche Sprachform zu nutzen (Täterinnen sind dann „mitgemeint“).

    Zweitens warne ich davor, durch die ausgerechnet beim Thema sexueller Kindesmissbrauch immer wieder hervorgehobene Betonung auf Frauen – die sich interessanterweise selten in anderen Zusammenhängen so vehement findet – DEN relevantesten Faktor zum Verständnis von sexuellem Kindesmissbrauch zu verwässern oder zu verschleiern:

    Sexueller Kindesmissbrauch ist kein geschlechtsneutrales Thema. Täter sind hauptsächlich Männer. Wie Gewalt überhaupt – auch wenn es auch hier selbstverständlich weibliche Täterinnen gibt – ein Männerthema ist.
    Das kann niemand ernsthaft bestreiten.

    Laut aktueller Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) sind DREI VIERTEL (74,7 %) aller polizeilich registrierten Straftäter über sämtliche Delikte hinweg männlich.

    Es wäre also an der Zeit, sich endlich mit dieser eindeutigen Geschlechtsbezogenheit von Gewalt zu befassen.

    Stattdessen – um auf den „Katalog der Verbotsregeln“ zurückzukommen – werden ALLE mit Regeln überzogen, die das Arbeiten in Beziehungsberufen schwer machen wird. Auch denen, die eigentlich nicht für gewalttätiges Ausagieren ihres Opfergewordenseins bekannt sind.

    Denn interessant beim Blick mit der „Geschlechterbrille“ auf das Thema sexueller Kindesmissbrauch ist ja zudem, dass der überwiegende Großteil der Täter männlich, der überwiegende Großteil der Opfer allerdings weiblich ist.

    Laut Abschlussbericht Bergmann im Verhältnis 65 (weiblich) : 35 (männlich) Prozent, laut PKS waren 2010 Opfer von VOLLENDETEN Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewaltanwendung oder Ausnutzen eines Abhängigkeitsverhältnisses zu 91,6 % (!!!!!!!!) weiblich, bei den versuchten Straftaten dieser Art waren 95,1 % (!!!!) der Opfer weiblich.

    Die Theorie, dass Täter von sexuellem Missbrauch häufig selbst Opfer von sexualisierter Gewalt waren, hinkt also, solange sie geschlechtsneutral betrachtet wird: Wäre es nämlich so, müssten wir angesichts der Überzahl an weiblichen Opfern auch eine Überzahl an weiblichen Täterinnen haben. Dem ist aber – trotz aller „auch Frauen sind Täterinnen“ – eindeutig NICHT so.

    Das heißt, bei der Theorie, dass Täter von sexuellem Missbrauch häufig selbst Opfer von sexualisierter Gewalt waren, fehlt ein entscheidender Fakt, nämlich der, dass vor allem MÄNNLICHE Opfer von sexualisierter Gewalt dazu neigen, ihrerseits sexualisierte Gewalt gegen Kinder zu verüben.

    Die Unterschlagung des wichtigen Fakts, dass hauptsächlich MÄNNER Kinder sexuell missbrauchen, führt dazu, dass wichtige Ansätze in der Aufklärung und der Verhinderung von sexuellem Kindesmissbrauch überhaupt nicht ins Blickfeld kommen.

    MÄNNLICHE (kindliche) Opfer von Gewalt (nicht nur sexualisierter) scheinen – so die Theorie – in einer Gesellschaft, in der Demütigungs-, Ohnmachts- und Schamerfahrungen (aus erlebter Gewalt) nicht mit dem gesellschaftlich zelebrierten Männerbild vereinbar sind, dazu zu neigen, diese Opfererfahrungen durch Aggression nach außen abzuwehren.

    Dieses (übrigens jahrhundertealte) MÄNNLICHE Kompensationsverhalten ist – das ist noch der „Witz“ an der ganzen Geschichte – in unserer Gesellschaft nicht etwa sanktioniert oder stigmatisiert, sondern im Gegenteil: es wird belohnt!

    MÄNNLICHES gewalttätiges Kompensationsverhalten führt in unserer Gesellschaft zu Anerkennung, Bestätigung und sozialer Integration als „Mann“. Natürlich offiziell nur bis zu einer gewissen Grenze (Gesetze).

    Tatsächlich aber erhalten Männer als Täter viel Nachsicht wegen ihres (vermeintlichen) „männlichen Triebes“, ihrer OFFIZIELL ANERKANNTEN Unfähigkeit zu Empathie, Rücksichtnahme und Mitgefühl mit Schwächeren, sowie ihrer ebenfalls OFFIZIELL ANERKANNTEN Unfähigkeit zur gewaltlosen Konfliktregulation. MÄNNLICHE Täter erhalten Nachsicht aufgrund der gesellschaftlichen Idee von „Männlichsein“. Das kann man bei jeder einzelnen Gerichtsverhandlung gegen MÄNNLICHE Sexual- (und andere) Straftäter erneut erleben.

    Daher ist die Unterschlagung der Tatsache, dass sexuelle Kindesmissbraucher hauptsächlich und überwiegend Männer sind, ein Beitrag (oder ein Indiz) zur/der weiteren Aufrechterhaltung eines vor allem für Mädchen/Frauen (aber nicht nur!) LEBENSGEFÄHRLICHEN gesellschaftlichen Verständnisses vom „Mannsein“.

    Um sexuellen Kindesmissbrauch (und andere Formen von Gewalt, die im Übrigen immense gesellschaftliche Kosten verursacht) wirksam zu bekämpfen, muss endlich DIESER TATSACHE, dass sexualisierte Gewalt MÄNNLICH ist, die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden.

    Sexualisierte (und andere) Gewalt gegen Kinder (und andere) hat etwas mit den gesellschaftlichen, kulturellen, religiösen, biologischen, usw. FALSCHEN Vorstellungen von „Mannsein“ zu tun. HIER muss angesetzt werden. Und zwar DRINGEND.

  13. Anna M. schreibt am :

    Das Betonen von auch weiblichen Täterinnen ist deshalb wichtig, weil dieses Thema noch weitaus mehr tabuisiert ist als die Gewalt durch Männer.
    Und da liegt der Hase im Pfeffer.
    Ich bin überzeugt davon, daß JEDE/R TäterIn früher Opfer von Gewalt war, sei es von sexualisierter+psychischer (was immer zusammenkommt) oder auch „nur“ von körperlicher+psychischer (was auch immer zusammenkommt). Oder im schlimmsten Fall von allen drei Formen. Das ist nicht nur eine Theorie, das gebietet die Logik. Und im übrigen ließe sich das auch statistisch nachweisen, wenn ENDLICH JEDE Form von Gewalt als solche angesehen würde.
    Daher ist es wichtig, Frauen als Täterinnen zu benennen, damit der Kreislauf der Gewalt ENDLICH durchbrochen wird. Denn WER macht denn die Buben/Männer zu Tätern? Das sind die Mütter/Ex-Opfer! Sie kompensieren so die selbst erlebte, nie aufgearbeitete Gewalt (man könnte es auch Rache nennen). Daß die Buben später regelrecht zu Tätern durch die Gesellschaft trainiert werden, dafür trägt natürlich die Gesellschaft die Verantwortung. Aber wer als Kind KEINE Gewalt erfahren hat wird auch nicht durch Rollenvorbilder zum Täter. Empathielosigkeit kommt IMMER von selbst erlebter Gewalt, man kann sie nicht einfach durch Nachahmung erlernen. Das ist inzwischen sogar neurologisch nachgewiesen. Der Bereich im Gehirn, der für Empathie zuständig ist, wird durch frühe Gewalt geschädigt.

    Ein einseitiger feministischer Blickwinkel, der Frauen als Täterinnen ausblendet, unterstützt die Mechanismen.
    Der Mythos der „heiligen“, guten Mutter muß endlich überwunden werden!
    Er ist ein giftiger Zahn unserer Gesellschaft!

    75 % der heutigen Erwachsenen haben in ihrer Kindheit auf jeden Fall körperliche Gewalt erfahren, wobei der Anteil sicherlich höher wäre, würde man Gewalt noch präziser definieren. Wie groß ist dann wohl der Anteil der Gewaltopfer unter den Tätern? Wenn man davon ausgeht, daß Menschen, die keine Gewalt in ihrer Kindheit erfahren haben nicht zu Tätern werden, ist es nur logisch, daß von den Tätern 100% Opfer sind. Und dabei ist die sexualisierte Gewalt noch gar nicht miteinberechnet, die das Ganze sicherlich verstärkt.

    Es ist ein momentan vielleicht noch ungewohnter Aspekt von Emanzipation. Aber auch hier muß eine Art von „Gleichberechtigung“ sein.
    Damit die Gewalt endlich aufhört.

    Anna M., Emanze

  14. Doro schreibt am :

    Liebe klaraklara,

    Zitat: „Es gibt auch nicht-sexuelle Formen von missbrauch und Grenzverletzungen, und es gibt Pädagogen, die die Unterdrückung des “Erziehungsobjektes” durch übermäßige Kontrollen etc.verwenden, um sich selbst zu stabilisieren.“

    Da gebe ich dir – wie insgesamt zu deinen Ausführungen zum Thema professioneller Umgang mit Nähe und Distanz – absolut und uneingeschränkt Recht!

    DESHALB gehört das Thema „Umgang mit Macht“ ebenso wie „Gewalt“ GANZ DRINGEND und schon längst auf die Agenda so ziemlich ALLER Ausbildungseinrichtungen!! Und nicht nur dort hin. Das Thema gehört ÜBERHAUPT endlich auch die gesellschaftliche Agenda.

    Diese (jetzt veröffentlichten) „Regeln“ entlarven ja im Grunde nur, wie wenig darüber diesbezüglich reflektiert wurde, wie sehr also die gesamte Gesellschaft in das Thema sexueller Missbrauch (und andere Gewalt) involviert ist.

    Unsere „Pädagogik“, unsere „Psychologie“, unsere „Rechtsprechung“, unser Verständnis von „Gerechtigkeit“, unser Verständnis vom Verhältnis Erwachsene/r – Kind, unsere Formen von struktureller und staatlicher Gewalt und Machtausübung, usw. gehören SÄMTLICH auf den Prüfstand.

    Gewalt und Machtmissbrauch ist ein zentraler (Regulations)Faktor unserer Gesellschaft. Wir können also nicht annehmen, wir könnten – quasi chirurgisch – die sexualisierte Gewalt gegen Kinder „herausschneiden“, aber sämtliche andere gesellschaftliche Konsense, die Gewalt gegen andere überhaupt erst bedingen und sogar erlauben, unangetastet lassen.

    (Sexualisierte) Gewalt gegen Kinder, häusliche und außerhäusliche (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen „Andersseiende“, Mobbing, Gewalt in Fußballstadien, Gewalt in U-Bahn-Bahnhöfen, Rechte Gewalt, etc. pp. Kostet diesen Gesellschaft UNSUMMEN. Es ist unfassbar, wie wenig angesichts dessen ERNSTHAFT gegen dieses antisoziale (wie a.a.O. bereits erwähnt: hauptsächlich männliche!) Verhalten unternommen wird.

    Ich mache zwei ernsthafte Vorschläge, um sowohl sexualisierte Gewalt gegen Kinder wie auch alle anderen Formen von (männlicher) Gewalt in dieser Gesellschaft wirksam und relativ kurzfristig zu verändern:

    1. Verabschiedung eines Bundesgesetzes, das REGELMÄSSIGE, WIEDERHOLTE (jährlich, zweijährlich) Anti-Gewalt-Trainings BUNDESWEIT FLÄCHENDECKEND in ALLEN Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen UND BETRIEBEN (EINSCHLIESSLICH „Institutionen“ wie Kirche (= ebenfalls ein „Betrieb“), Sportvereinen, Justizapparat, Psychologische Institute, usw.) VERPFLICHTEND einführt. JEDE/R Einwohner/in Deutschlands muss die regelmäßige Teilnahme an solch einem Training nachweisen; auch „Chefs“, Politiker/innen, Kanzler/innen, Bischöfe, Erwachsene, Kinder, Väter, Mütter, Männer, Frauen, usw.

    Dadurch würde sehr zeitnah das Wissen über Gewalt, (verstecktes) gewalttätiges Handeln (auch nonverbal), Folgen von Gewalt und gewaltfreie Kommunikation weit verbreitet. Damit würde auch sehr zeitnah die Kompetenz ALLER erhöht (geschult), gewalttätiges Handeln anderer zu identifizieren und darauf richtig zu reagieren. Damit hätten wir dann auch die Fragen nach „aber woran erkenne ich, dass es wirklich sexueller Missbrauch ist?“ und „Ich habe nicht gewusst, was ich tun soll“ gelöst. Damit hätten wir auch das Problem gelöst, wie identifiziere ich einen sexuellen Gewalttäter, denn es müssten ja nicht nur sexuelle Gewalttäter diese Anti-Gewalt-Trainings absolvieren. Gleichzeitig würden ALLE darin gestärkt, wie sie gewaltfrei miteinander Beziehungen (privat, betrieblich, schulisch, usw.) gestalten und Konflikte regeln können.

    2. Sofort REGELMÄSSIGE, WIEDERHOLTE Selbstverteidigungstrainings BUNDESWEIT FLÄCHENDECKEND in ALLEN Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen UND BETRIEBEN (EINSCHLIESSLICH „Institutionen“ wie Kirche (= ebenfalls ein „Betrieb“), Sportvereinen, Justizapparat, Psychologische Institute, usw.) VERPFLICHTEND einführen. Selbstverteidigung wird Unterrichtsfach und selbstverständlicher Bestandteil betrieblicher (und sonstiger) Bildungsangebote. JEDE/R Einwohner/in Deutschlands muss die regelmäßige Teilnahme an solch einem Training nachweisen; auch „Chefs“, Politiker/innen, Kanzler/innen, Bischöfe, Erwachsene, Kinder, Väter, Mütter, Männer, Frauen, usw.

    Ich bin mir sicher, dass diese beiden Gesetze die Welt verändern werden.

    Ich bin mir sicher, dass sich die Umsetzung dieser beiden Gesetze selbst finanzieren würde – durch Einsparung der immensen gesellschaftlichen Gewaltfolgekosten (Gesundheitskosten, Gefängniskosten, Betreuungskosten, Resozialisierungskosten, Verwaltungskosten, Kosten von Arbeitsunfähigkeit, Produktivitätsausfallkosten, (Fremd)Unterbringungskosten, Sachkosten, Personalkosten, Therapiekosten, Unterhaltskosten, etc. pp.

    (Natürlich entbindet das nicht davor, sich inhaltlich mit den speziellen Hintergründen spezieller Formen von Gewalt – wie sexualisierte Gewalt gegen Kinder – dennoch auseinanderzusetzen und diesbezüglich weitere Maßnahmen umzusetzen.

    Natürlich entbindet uns das auch nicht von der Aufgabe, über die Verteilung von Macht in unserer Gesellschaft und das gesellschaftliche Verständnis von Mannsein (und Frausein) GRÜNDLICH zu reflektieren!)

  15. Doro schreibt am :

    @ Anna M.

    Weder die Polizeiliche Kriminalstatistik, noch die Statistik der Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten sind durch einen „feministischen Blickwinkel“ verzerrt (glaube ich jedenfalls).

    Und mit der „Heiligen Mutter“ bist du bei mir an der völlig falschen Adresse.

    Ich sagte ja, dass ich Täterinnen „mitmeine“ und ich habe erklärt, dass ICH mich entschieden habe, nur die männliche Form zu nehmen. Das kann jede/r andere auch so halten, wie er/sie will.

    Im Übrigen finde ich es einen guten Ansatz, erst einmal bei denen mit den konkreten Maßnahmen/Änderungen zu beginnen, die – offensichtlich – in der Mehrheit sind. So hat man gleich eine Breitenwirkung, die dann ganz sicher auch auf die Täterinnen wirkt.

    Und um zu erkennen, dass Gewalt etwas mit dem in unserer Gesellschaft kultivierten + akzeptierten Männerbild zu tun hat, muss man keine Emanze sein.

    Doro, die sich nicht in solche Schubladen stecken lassen möchte (weil die auch schon wieder eine Form von gewalt darstellen)

  16. Anna M. schreibt am :

    @Doro
    Schade, daß ich dir nicht vermitteln konnte, worum es mir geht, denn darauf gehst du gar nicht ein.
    Mir geht es um die Gewaltmechanismen und um die Weitergabe der Gewalt in den Familien von Generation zu Generation. Dieser Komplex ist die Voraussetzung für alle weitere Gewalt, die Kindern später in Institutionen zugefügt wird. Daher muß man zuerst diesen Komplex lösen, was nur gelingen kann, wenn der Part der Mütter und anderer weiblicher Täterinnen nicht weiter ausgeblendet bleibt. Und meiner Meinung nach wird er ausgeblendet, wenn man ausschließlich die männliche Form benutzt und gebetsmühlenartig betont, daß die Mehrzahl der Täter männlich ist.

    Es liegt mir fern, dich in eine feministische Schublade zu stecken, zumal du recht hast, daß nicht nur Feministinnen die Mütter schonen. Es sind natürlich genauso Macho-Muttersöhnchen und Religiöse aller Art (4.Gebot des Christentums, das inhaltlich in allen Religionen existiert ).

    Ich fände zum Beispiel im Zusammenhang mit den Machtstrukturen unserer Gesellschaft interessant, die Frage zu diskutieren, was für eine Macht Mütter über kleine Kinder haben und inwiefern sie diese missbrauchen. Das ist die andere Seite der Medaille Patriarchat. Der unbekannte Hinterausgang sozusagen. Die verborgene Büchse der Pandora, die es dringend zu öffnen gilt, wenn wir weiterkommen wollen in unserem Anliegen, Kinder zu schützen.

  17. Doro schreibt am :

    Lese gerade die aktuelle Pressemitteilung des Bundesmissbrauchsbeauftragten:

    „Richtigstellung: Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung hat keinen Maßnahmenkatalog zur Prävention aufgestellt“ (http://beauftragter-missbrauch.de/course/view.php?id=31)

    … und frage mich ernsthaft, was da gespielt wird in diesem Land? Welche Rolle spielen die Medien eigentlich in der ganzen Sache??? Wie kommen die dazu, solche Behauptungen zu verbreiten, wenn es dafür keinerlei Anlass gibt?

    Frage: Geht es bei solchen „Meldungen“ wie „Keine Facebook-Kontakte mehr zwischen Lehrern und Schülern“, „Keine gemeinsamen Saunabesuche mehr“, „Keine gemeinsamen FKK-Aufenthalte“, usw. vielleicht einer (täterfreundlichen/täterdurchseuchten) Presse darum, die Diskussion in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken? Nämlich dahin, eine „Hysterie-Debatte“ anzuzetteln? Genau das anzuzetteln, was ich beschrieben habe?:

    „Es wird nicht lange dauern, dann wird (…) der Erlass dieser Regeln als „hysterische Überreaktion“ diffamiert. (…) Dann wird es nur noch ein winziger Schritt sein hin zur allgemeinen Infragestellung und Verächtlichmachung sämtlicher Maßnahmen, die zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch nach 2010 umgesetzt werden soll(t)en. Und dann sind wir wieder da, wo wir schon immer waren: Im Täterwonderland.“

    ????

  18. Sarah schreibt am :

    Der ganz normale konkrete Wahnsinn!!!

    Die Medien kapieren wohl nicht, welche Verantwortung sie bei diesem Thema haben.
    Wir sollten alle geschlossen direkt bei der Märkschen Allgemeinen Zeitung im Akkord posten und kommentieren, wie schädlich solche in die Welt gesetzte Gerüchte sind und wen sie hier in die Hand spielen.

    Unfassbar!!!
    Und wieder einmal dir – liebe Doro danke für dein intuitives Gespür, mit dem du – wie so oft schon – vollkommen richtig lagst.

    Satire und Zynismus waren hier bei den von den Medien erfundenen und puplizierten hanebüchenen Maßnahme – Katalog ohne Frage sehr wohl angebracht!!!

    kopfschüttelnd
    Sarah Mohn

Artikel aus den Medien

ARD BRISANT ARD Tagesschau Augsburger Allgemeine Badische Zeitung Berliner Morgenpost Berliner Zeitung DER SPIEGEL derStandard.at DER TAGESSPIEGEL derwesten.de DEUTSCHE WELLE Deutschlandfunk Deutschlandradio DiePresse.com diesseits.de DIE WELT DIE ZEIT FOCUS Frankfurter Allgemeine Frankfurter Rundschau Hamburger Abendblatt Hannoversche Allgemeine Humanistischer Pressedienst Kölner Stadt-Anzeiger Leipziger Volkszeitung Lübecker Nachrichten Mitteldeutsche Zeitung n-tv N24 NDR.de NDR Info Neue Zürcher Zeitung nordwestradio Publik-Forum Saarbrücker Zeitung SPIEGEL ONLINE stern.de SÜDWEST PRESSE Süddeutsche Zeitung taz TP Presseagentur Berlin WAZ WELT ONLINE ZDF heute ZEIT ONLINE