3 Fragen an … Johannes-Wilhelm Rörig

17.05.2012

ZDF 16.05.2012

Frage 1:
Fünf Prozent mehr gemeldete Fälle von Kindesmissbrauch in 2011

Was bedeuten das?

Rörig:
Einmal ist es erschreckend wenn die Zahlen sexuellen Missbrauch in Deutschland ansteigen. Hier geht es um Anzeigen solcher Fälle. Zeigt aber auch, dass vielleicht in der Bevölkerung eine höhere Sensibilität entstanden ist und wenn es ein Ergebnis der Arbeit des Runden Tisches gewesen sein sollte, dann ist das ein kleiner positiver Aspekt.

Frage 2:
Hat sich in den vergangenen Jahren in der Gesellschaft etwas verändert?

Gehen wir anders mit Kindesmissbrauch um?

Rörig:
Das Thema sexueller Kindesmissbrauch ist bei uns in Deutschland leider immer noch ein Tabuthema. Aber in den letzten Jahren ist das Thema mehr in das Licht der Öffentlichkeit gekommen und das ist auch gut so. Das ist eine der ganz wichtigen Präventionsaspekte, dass die Gesellschaft ein Bewusstsein hat, dass sexualisierte Gewalt in unserer Gesellschaft stattfindet.

Frage 3:
Odenwaldschule, Canisius-Kolleg: 2010 bekamen Missbrauchsfälle an kirchlichen Schulen eine große Aufmerksamkeit.

Hat sich seitdem viel getan? Wurde mehr für den Schutz von Kindern unternommen?

Rörig:
Ich hab in den vielen, vielen Gesprächen die ich jetzt seit November oder Dezember letzten Jahres geführt hab insgesamt festgestellt, dass alle Verantwortlichen in den verschiedenen Trägerorganisationen ein ganz, ganz großes Interesse dafür haben, dass die Kinder die ihnen anvertraut sind vor sexualisierter Gewalt geschützt sind und ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren tatsächlich eine enorme Verbesserung in Hinblick auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt verzeichnen können.

ZDFmediathek/beitrag/video…

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6 Kommentare

  1. Christiane Kieburg schreibt am :

    Wurde mehr für den Schutz von Kindern unternommen?
    Nein,ganz sicher nicht,denn sonst wäre der Sexuelle Missbrauch von Kindern nicht so drastisch angestiegen.Das von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird,zeigt doch,dass nichts zum Schutze der Kinder unternommen wurde.Geredet wird von unseren Politikern viel,aber nichts zum Schutz der Kinder unternommen.

  2. Elke schreibt am :

    @Christiane Kieburg:
    Schade, dass immer alles so negativ gesehen und nicht richtig zugehört wird. Möglicherweise hat der angeblich drastische Anstieg ja damit zu tun, dass einfach mehr ans Tageslicht kommt, die Menschen sensibilisierter sind, die Augen offener halten. Klar, dass die Statistik dann zunächst nach oben wandert, oder?

    Mutmachende Grüße,
    Elke
    http://www.initiative-mutmachen.de

  3. Simone schreibt am :

    @Christiane, ich sehe das alles wie Du.Es wundert mich in diesem täterfreundlichen Staat überhaupt nicht, dass die Anzahl der Kinder denen sex. Gewalt angetan wird ständig zunimmt. Ein Straftäter bekommt allenfalls eine milde Bewährungsstrafe, Freisprüche und Einstellungen der Strafverfahren sind die Regel.Haftstrafen die sofort angetreten werden müssen sind eher selten. Deutschland ist ein Paradies für Kinderschänder.

  4. hildegard schreibt am :

    EinBundesbeauftragter, der nach den“…vielen, vielen Gesprächen die ich jetzt seit November oder Dezember letzten Jahres geführt hab“, sich nicht klar zu zwingender, sofortiger Rücknahme der Verjährungsfristen in JEDER Form von Abhängigkeit bei sex. Gewalt bekennt, kann nicht den Schutz dieser Abhängigen meinen.
    Er richtet seinen Blick auf die Schadenbegrenzung für frühere und für heutige Regierende.
    Er als Beauftragter der Regierung hat BETROFFENE in den Fokus zu nehmen.
    Statt dessen vermischt er bei Kaffeekränzchen Täterbelange mit seinem Zuständigkeitsbereich. – Da gibt es gar nix „negativ zu sehen“ oder „nicht richtig zugehört“ zu haben …
    Der BRUCH mit bisheriger Rechtspraxis ist seit 2010 überfällig. – Es braucht keine ‚Jour fix‘.

    Es braucht jetzt klare Aussagen der beteiligten Ministerien:

    Der Staat hat versagt auf der ganzen Linie
    Aufhebung der Verjährbarkeit (= von Täterschutz!!!)
    Absolute Transparenz
    Gesellschaftliche Rehabilitierung ehemals Betroffener
    Jegliche Hilfe für Betroffene
    Ausbildung und Einsatz von Fachpersonal für jeden Notfall

    Gefahr ist im Verzug, wenn LEHRER 80% der NOTWENDIGEN Sozialarbeit für ihre Schüler SELBER leisten müssen …

  5. Anna M. schreibt am :

    @Elke:
    Die Statistik zeigt zumindest, daß die Gewalt nicht weniger wird. Und DAS ist realistisch gesehen bedenklich!
    Es wäre naiv zu hoffen, daß sich jetzt nach der Aufdeckungswelle die Situation für Kinder verbessert. Es wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern, so lange die Verjährungsfristen nicht aufgehoben werden.
    Täter sind eiskalt, die lassen sich doch nicht durch ein paar Maßnahmen oder eine kurzzeitig aufgeschreckte Öffentlichkeit von ihren Verbrechen abhalten. Und sie dürfen sich leider weiterhin in Sicherheit wiegen.

  6. Initiative zur Abschaffung neuer Staatsdemütigung gegen ehemalige Heim und Klosterkinder. Wir sind die staatliche und kirchliche Verarsche satt. Sagen eindeutig „Nein“ zur neuen Gängelung, Entmündigung und Stigmatisierung.

    Statt zu helfen und freiwillig zu zahlen – freiwillig Schaden begrenzen und Gutzumachen habt ihr aus unserem Trauma einen neuen Verwaltungsakt geschneidert – eine neue Art Willkür erlassen – die alle ehemalig Mißbrauchten demütigt und zusammenzucken lässt.

    Was sollen wir mit Sachleistungen?? Wie bitte? Wollstrümpfe und Gehstock, orthopädische Strümpfe und anderen Unsinn könnt ihr selber tragen .. Wir wollen mehr .. eindeútig mehr.

    Wir werden nicht eher ruhen und Ruhe geben .. bis wir erreicht haben was ihr uns verweigert. Nämlich: Die freiwillige Anerkennung unseres Leids durch EUCH. Wir wollen die neuerliche Schmach und Ungerechtigkeiten aus damaliger Zeit nicht noch einmal durchmachen.

    Zumal sie unsere Lebensqualität schon mal erheblich gemindert haben. Wir fordern von euch kostengetragene Erholung von den Folgen der Traumatisierung die uns durchweg nur geschadet haben. Wir wollen diese Art Demütigung nicht mehr hinnehmen. Die Unruhestifter waren nicht wir sondern ihr – Staat und Kirche. Steht endlich zu eurer Verantwortung und zahlt (!)

    AUF AUF zur Bambule II. 2012

    Aufruf:

    Es ist an der Zeit den verantwortlichen Kirchen (kath. U. ev.) und auch diesem Staat zu zeigen was wir ehemaligen HK von den scheinheiligen „Wiedergutmachungen“ – die uns klebrig angeboten wurden – halten. Jedes ehemalige HK – welches die 10.000 € Sachleistung annimmt verrät einen von uns. Wie tief muss man sinken diesen Schmutz auch nur anzudenken ihn anzunehmen.

    Erst recht deshalb nicht – weil die Kirchen und dieser Staat propagandieren sie täten diese Leistungen „FREIWILLIG“ zahlen. Freiwillig sähe garantiert anderes aus und käme nicht als Disziplinierung, Gängelung und Entwürdigung daher. Hätten diese Institutionen freiwillig geleistet wäre uns ehemaligen HK vieles – sehr vieles erspart geblieben. Wir mussten uns die Anerkennung unseres Leides hart erkämpfen und das gegen jeden Widerstand der Kirchen und des Staates. Nicht umsonst dauerte der Kampf am runden Tisch jahrelang. Wir lassen uns nicht noch mal erniedrigen und uns zwingen diesen Dreck – in dieser niedrigen Höhe – auch nur ansatzweise anzunehmen.

    Wir verlangen nach wie vor angemessene Geldzahlungen (Einmalzahlung) (zwischen 50.000, – 150.000,- €) die sich genau in dem Rahmen bewegen welche International ausgeschüttet wurden. Gleichzeitig verlangen wir – ohne dies und zusätzlich – eine Rente nach OEG – deren Betrag monatlich nicht 500,- € unterschreiten darf. Diese Rente muss als privilegierte Zahlung anerkannt daherkommen und dem Staat zur Verpflichtung auferlegt werden.

    Jeder muss wissen: Jene die diese Sachleistungsschmähung annehmen erteilen den Kinderschändern die Absolution für lumpige 10.000 € und lassen sich auf diese Weise kaufen und entmündigen – grad so – wie es dieser administrative Fiat will.

    Kommt dieser Deal nicht zum Tragen schlage ich vor diese Sachleistungen – die früher als Sozialleistungen daherkamen – rundweg abzulehnen und gezeitigt diesen Staat zu zwingen uns allen eine gerechtere Wiedergutmachung zukommen zu lassen. Streik etc. pp. Dauerdemo.

    Wir verlangen eine echte Wiedergutmachung die dem Sinn entspricht und keine faulen Kompromisse. Eine Wiedergutmachung muss ohne eine von uns erzwungene Unterschrift ausgezahlt werden, die nämlich eine Erklärung Ingang zusetzt – diesen Staat aus seiner Verantwortung uns gegenüber zu entlassen. So nicht. Was passiert wenn wir wegen des Erlittenen in der Kinderzeit – welches unser Leben versaut hat – im Alter mal noch mehr Hilfen brauchen???

    Wehrt euch und zieht Bilanz. Noch ist es nicht zu spät!

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