Sozialpolitischer Ausschuss sucht ehemalige Heimkinder

23.05.2012

Sozialpolitischer Ausschuss sucht ehemalige Heimkinder – Anhörung am 12. Juni 2012 im Bayerischen Landtag

Freitag, 11. Mai 2012

Der Sozialpolitische Ausschuss des Bayerischen Landtags greift im Rahmen einer Anhörung das Schicksal der ehemaligen Heimkinder von 1949 bis 1975 in Bayern und das ihnen widerfahrene Unrecht auf.

Diese Anhörung findet am Dienstag, 12. Juni 2012 in der Zeit von 11 bis 17 Uhr im Bayerischen Landtag statt.



Zahlreiche Adressen ehemaliger Heimkinder liegen beim Landesjugendamt vor, aber leider längst nicht alle. Um möglichst vielen Betroffenen die Teilnahme an der Anhörung zu ermöglichen, geht der Sozialpolitische Ausschuss an die Öffentlichkeit: Ehemalige Heimkinder, die sich von der Einladung angesprochen fühlen und Interesse an einer Teilnahme haben, werden gebeten, sich bis spätestens 23. Mai 2012 an den Bayerischen Landtag – Landtagsamt Referat P II 6 Ausschussdienst – Ausschuss für Soziales, Familie und Arbeit – Maximilianeum 81627 München – Telefax (089) 4126-1447 zu wenden.

Die Anhörung steht unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Barbara Stamm.

Ehemalige Heimkinder sollen auch die Gelegenheit erhalten, zu Wort zu kommen. Bei einem großen Andrang kann das allerdings nur in begrenztem Umfang möglich sein. Dafür bitten die Veranstalter schon im Vorfeld um Verständnis.

Sobald die Anmeldung mit genauer Anschrift im Landtagsamt eingegangen ist, werden den ehemaligen Heimkindern die Unterlagen mit ausführlichen Informationen zugeschickt. Auch wenn das in der damaligen Zeit erlittene Unrecht nie ungeschehen gemacht werden kann, hoffen die Mitglieder des Sozialpolitischen Ausschusses des Bayerischen Landtages, mit dieser Anhörung einen weiteren Beitrag zur Aufklärung und Aufarbeitung leisten zu
können.

Mit freundlichen Grüßen
Brigitte Meyer,
Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses

Quelle: http://www.bayern.landtag.de/cps/rde/xchg/landtag/x/-/www1/16_9065.htm

9 Kommentare

  1. Christiane Kieburg schreibt am :

    „Bei einem großen Andrang kann das allerdings nur in begrenztem Umfang möglich sein.“
    Wie immer,sich bloß nicht mit den Opfern groß abgeben.Vielleicht wird den Opfern auch noch vorgeschrieben,was sie zu sagen haben.Kurz anhören und dann schnell wieder vergessen und die Opfer im Stich lassen.

  2. uwe werner schreibt am :

    Liebe Christiane,
    ich habe mich gerade für diese Anhörung angemeldet.
    Es ist mir nicht bekannt, das andere Landtage z.B. NRW (bevölkerungsreichste Land) eine solche Anhörung unter Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten stattgefunden hat. Jedes Opfer was auf diese Weise zu Wort kommen kann, sollte begrüsst werden und wir sollten diese Chancen nutzen. Lieber eine begrenzte Zahl von Missbrauchsopfern kommt zu Wort, als überhaupt keiner. Und dies im erzkatholischen Bayern.
    Lass es uns versuchen und lieber noch andere Landtage dazu motivieren, eine solche Anhörung zu veranstalten. Ich komme selber aus NRW, aber ich würde auch nach Bayern gehen, wenn mir dort Gehör verschafft würde.
    Mehr Mut und weniger Misstrauen und Verzweiflung wünsche ich Dir.

  3. .
    THEMA: Anhörung ehemaliger Heimkinder im Bayrischen Landtag.

    .
    .
    Dr. jur. Christian Sailer
    RECHTSANWALT
    Am Trabelt 9
    97828 Marktheidenfeld
    Telefon: 09394/99931
    Telefax: 09391/99932
    e-mail: info [at] kanzlei-sailer.de
    http://www.kanzlei-sailer.de

    05. Juni 2012

    .
    .
    Bayrischer Landtag
    Ausschuss für Soziales, Familie und Arbeit
    z.Hd. von Frau Brigitte Meyer MdL
    Maximilianeum

    81627 München

    Per Fax 089 -41 26 – 1654

    .
    .
    Anhörung ehemaliger Heimkinder.

    .
    Sehr geehrte Frau Abgeordnete,

    erlauben Sie mir, dass ich mich als Rechtsberater und Gesprächspartner vieler Opfer kirchlicher und staatlicher Heimerziehung in den 1960er und 1970er Jahren an Sie wende.

    Mit großem Interesse erhielt ich von Ihrem Einladungsschreiben vom 02.05.2012 Kenntnis, mit dem Sie eine Vielzahl von Betroffenen (zu denen auch die von mir vertretene Alexa M. Whiteman gehört), zu einer öffentlichen Anhörung vor dem sozialpolitischen Ausschuss des Bayrischen Landtags einluden. Endlich sollten die Opfer der schwarzen Pädagogik, die so unsäglich unter körperlichen Züchtigungen, Schwerstarbeit und z.T. auch sexuellem Missbrauch gelitten haben, Gelegenheit erhalten, auf höchster Ebene, vor dem Parlament und in aller Öffentlichkeit über ihre Leidenszeit zu berichten. Dies ist um so nötiger, als das schwere Schicksal der Heimkinder der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wieder entschwunden droht und eine Wiedergutmachung in kleiner Münze, um nicht zu sagen Almosen erfolgen soll.

    Um so bedauerlich fand ich dann Ihr Schreiben vom 31.05.2012, mit dem Sie die öffentliche Anhörung auf eine nicht öffentliche Gesprächsrunde herunterstuften. Nur der Vortrag von Herrn Prof. Kappeler und das Schlusswort der Landtagspräsidentin soll noch öffentlich sein. Sicherlich hat Herr Prof. Kappeler als wohl der beste Kenner der Misere der Heimkinder Wichtiges zu sagen. Aber das konkrete Anschauungsmaterial würde erst von den Heimkindern selbst geliefert, wenn man sie öffentlich zu Wort kommen ließe. Nun soll der Professor lediglich eine öffentliche Girlande für die hinter verschlossenen Türen stattfindenden Gesprächskreise dienen. Hat der Ausschuss plötzlich Angst vor der eigenen Courage bekommen? Oder haben die kirchlichen und staatlichen Heimträger darauf gedrängt, eine aufsehenerregende Debatte über die Verbrechen, die Kirche und Staat an Kindern und Jugendlichen begangen haben, zu vermeiden? Solchen Fragen kann der Ausschuss angesichts seiner Kehrtwendung nicht aus dem Weg gehen.

    In Ihrem Schreiben vom 31.05.2012 deuten Sie beiläufig an, dass der Wunsch nach einem „nicht öffentlichen Ramen“ der Veranstaltung auch eine „Botschaft der Rückmeldung“ sei. Handelt es sich hier wirklich um die Mehrheit oder doch nur um vereinzelte Anregungen? Ich bin sicher, dass die Mehrzahl der Betroffenen Öffentlichkeit wünscht. Würde es nicht demokratischen Geflogenheiten entsprechen, dass Sie die anwesenden Teilnehmer abstimmen lassen, ob die Anhörung öffentlich oder nicht öffentlich erfolgen soll? Im Interesse der Betroffenen, deren Schicksal ich seit Jahren verfolge, darf ich Sie, sehr geehrte Frau Meyer als Vorsitzende des Ausschusses höflich bitten, dies in Erwägung zu ziehen?

    Verbindlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und

    mit freundlichen Grüßen

    Christian Sailer

    Dr. Christian Sailer
    .

  4. Simone schreibt am :

    Wie verlief die Anhörung heute im Bayrischen Landtag, gab es ein positives Ergebnis ?

  5. alexa whiteman schreibt am :

    simone,
    ich mache es sehr kurz.
    die anhörung oder wie ich es empfunden habe cirkus, war eine große scheinheiligkeit.
    der einzige der die politik und und und ins gewicht genommen hat war prof. kappeler.
    mein anwalt herr sailer war auch da.

    alexa
    überlebende/bayern
    1960-1978

  6. Simone schreibt am :

    Hallo Alexa, danke für deine Info. Habe mir schon gedacht, das es nur wieder eine Show wird, um die Betroffenen zu beruhigen und so zu tun als wäre man bereit ihnen zu helfen. Leider sind die Politiker in Deutschland so. Habe Herrn Kurt Beck und Herrn Dr. Heiner Geissler angeschrieben , die Belange von netzwerkB geschildert und um Unterstützung bei der Aufhebung der Verjährungsfristen gebeten. Bis jetzt jedoch ( fast erwartungsgemäß) keine Antwort bekommen.

  7. alexa whiteman schreibt am :

    tja simone,
    auch ich durfte nicht öffentlich mein statement vorlesen. die waren zugelangweilt. die landtagspräsitentin stamm ist oft bei der wichtigen rede vom prof. kappeler eingeschlafen. ich konnte sie für ein paar min. sprechen weil sie auch von würzburg kommt. sie hatte alles aber auch alles klein geredet und meine klage gegen bistum würzburg sage sie dafür kann sie nichts.

    Statement von Alexa M. Whiteman zur Anhörung im Bayer. Landtag

    EIN KLEINER TEIL VON MIR
    1.) Mit vier jahren kam ich als ungewolltes, uneheliches Kind in das
    Würzburger Marienheim, wo mich die Nonnen als „Bastard“
    empfingen. Die
    folgenden 10 Jahre waren für mich die Hölle. Zusammen mit
    geistig und
    körperlich behinderten Kindern wurde ich als Abschaum behandelt,

    gedemütigt, regelmäßig geschlagen und über
    mehrere Jahre hinweg von
    einem Priester sexuell mißbraucht und vergewaltigt. zum Schluß haben sich 5 heime an mich
    vergangen.
    Ich habedie Kirche
    hierwegen verklagt. Sie blockiert meine Ansprüche und die
    Aufklärung des
    Falles dadurch, dass sie die Einrede der Verjährung erhebt,
    obwohl mein
    Anwalt den zuständigen Bischof und den Papst schriftlich gebeten
    hat,
    darauf zu verzichten.

    2.) Der Runde Tisch von Berlin, der das Elend der Heimkinder im
    Auftrag des Deutschen Bundestags aufklären sollte, war eine
    Farce: Die
    Heimkinder waren einem bürokratischen Apparat ausgeliefert, der
    von
    vornherein keine ernsthafte Wiedergutmachung im Auge hatte. Er dachte
    nicht daran, die Kirche und den Staat öffentlich zu bitten, auf
    die
    Einrede der Verjährung zu verzichten, um den Opfern die
    Möglichkeit zu
    geben, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Es wurde nicht
    anerkannt, dass in den Heimen verbotene Zwangsarbeit verlangt wurde.
    Die
    Erkenntnisse von Herrn Prof. Kappeler, dem besten Kenner des Elends
    der
    Heimkinder, wurden weitgehend ignoriert. Im Endergebnis will man die
    Opfer staatlicher und kirchlicher Verbrechen mit Almosen abspeisen.
    In
    Deutschland, das sich rühmt, ein Rechtsstaat zu sein, wurden
    schwere
    Menschenrechtsverletzungen begangen, die jetzt weitgehend
    ungesühnt
    bleiben sollen.

    3.) Ich appeliere an die Politik, die Justiz und die Kirchen
    gegenüber den Opfern dieser Menschenrechtsverletzungen auf die
    Einrede
    der Verjährung zu verzichten, um die Geltendmachung von
    Schadensersatzansprüchen zu ermöglichen, die wenigstens
    einen Teil des
    furchtbaren Leides wiedergutmachen.
    ICH ZITIERE HERRN STOIBER „OPFERSCHUTZ KOMMT VOR TÄTERSCHUTZ“.

  8. weiler schreibt am :

    ich habe folgende FRage.

    wenige Wochen nach meiner Geburt bin ich ins Heimgekommen und war mit wenigen Unterbrechungen bis zu meinem 19ten Lebensjahr im Heim.

    Ich bin geschlagen, vergewaltigt worden von andern Heimkindern, Erziehern und Heimleitern.

    Mitte 1962 bis Mitte 1964 musste ich in der Gärtnerei und Landwirtschaft arbeiten ohne Bezahlung.

    Trotz Hausstauballergie wurde ich zu einer Schreinerlehre gezwungen.
    Lernen wollte ich Hotelkaufmann oder Steuergehilfe.

    Ich glaube mir wurde diese Ausbildung verweigert weil ich dann von Montad bis Samstag tagsüber nicht im Heim gewesen wäre und damit nicht stand bey für die Sexuellen Übergriffe des Heimleiters gewesen wäre. Mir als 11-12jähriger Jungen wuchsen Brüste was den Heimleiter, Erzieher und Heimkinder ganz fickerik machten.

    Zweimal war ich auf dem Jugendamt und habe über das was mir im Heim geschieht geklagt. Das letzte mal in den Weihnachtsferien 1964. Ich wollte nicht hinnehmen das ich Schreiner lernen mußte statt Hotelkaufmann oder Steuergehilfe und ich erwartete Hilfe vom Jugendamt. Das Jugendamt wurde von mir über alle Einzelheiten unterrichtet: das ich zur Schreinerausbildung gezwungen wurde trotz meiner Atemprobleme, das ich täglich vergewaltigt und geschlagen werde. Das Jugendamt hat sich auch mit dem Heimleiter in Verbindung gesetzt, mit dem Erfolg, als ich aus dem Weihnachtsurlaub ins Heim kam wurde ich erst richtig vom Heimleiter geschlagen und vergewaltigt.
    Das war die Hilfe des Jugendamtes.

    Es ist so das diese Heimerziehung mein privates und berufliches Leben zerstört hat bevor es angefangen hat.
    Beruflich war ich vom Berufsleben abgehängt und kam nie beruflichauf die Füsse.
    In den 80ziger Jahren bin ich dann ins Ausland gepflüchtet und habe deutsche Touristen betreut. Das ist aber nur bis zu einem gewissen Alter möglich. Ist das Alter überschritte steht mann wieder ohne Arbeit da.
    Was ich nicht wußte, durch meinen Auslandaufenthalt wurden die Krankenversicherungszeiten unterbrochen, Die Rentenvesicherung übernimmt meine Krankenversicherung nich bzw wenige Prozente. Ich bekomme knapp 800€ Rente und muß über 200€ Krankenversicherung bezahlen.

    Ich habe mich ans Amt gewendet und meine unbezahlte Arbeitszeit im Heim geltend gemacht und auch einen lachhaften Betrag für 2 Jahre Arbeit nachgezahlt bekommen. Was ich aber erwarte das die monatliche Krankenversicherung übernommen hat. Die Sachbearbeiterin hat sich mit der Krankenkasse in Verbindung gesetzt, aber ich muß zahlen.
    Nun weiß ich icht, ich habe einen Verzichtserklärung unterschrieben weil ich davon ausging das ich nicht nur die unbezahlte Arbeitszeit nachträglich bezahlt wird, sondern das auch die Krankenkassenbeiträge bezahlt werden.
    Kann ich sollten die Krankenkassenbeiträge nicht bezahlt werden trotz der Verzichtserklärung dann noch Klagen?

    Für sachdienliche Hinweise bin ich sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen
    hw

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