HUNGERSTREIK Tag 7

14.06.2012: netzwerkB Pressemitteilung

Antwortschreiben aus dem Büro Burghard Lischka, MDB


(Treffen mit Burkhart Lischka, Christine Lambrecht und Marlene Rupprecht am 28.03.2012 in Berlin)

Der Hungerstreik von Norbert Denef sorgt für ein immer stärker anschwellendes Echo bei Medien und Betroffenen. Fünf Betroffene sind bereits in den Hungerstreik getreten und immer mehr Betroffene entschließen sich zu außergewöhnlichen Aktionen, um auf ihr Leid aufmerksam zu machen. In diesem Sinne ist es nicht verwunderlich, dass auch viele Betroffene und Nicht-Betroffene bei der SPD (explizit bei Frank-Walter Steinmeier) nachfragen, warum es bis zum Hungerstreik von Norbert Denef kommen musste.

Der Hungerstreik von Norbert Denef betrifft alle Parteien und die SPD trifft selbst mit dem Ziel einer Verlängerung der Verjährungsfristen auf Widerstände bei den anderen Parteien. Gleichwohl aber traut sich die SPD nicht öffentlich für das Gerechte einzutreten, obwohl der Bundesparteitag hierfür eine klare Mehrheit signalisierte. Trotz offensichtlicher Mehrheiten gibt es also keine Bewegung in den Parteien?

Da die SPD sich nun aber auf dem Parteitag der SPD letzten Jahres öffentlich anders entschieden hat, herrscht gerade bei der SPD Aufgeregtheit. Von der Angst für das Gerechte einzutreten, zeugen nun die Mails, die dort als standardisiertes Antwortschreiben, s. Zitat unten, ausgegeben werden. Dort lässt der Bundestagsabgeordnete Lischka beispielsweise verlauten:

„Mit anderen Kolleginnen und Kollegen der SPD-Bundestagsfraktion hatte ich bereits direkten Kontakt zu Herrn Denef aufgenommen.“

Diese Aussage ist aus zwei Gründen verwirrend. Einerseits erweckt sie den Anschein, als hätte der Bundestagsabgeordnete Lischka nach Beginn von Denefs Hungerstreik Kontakt mit ihm aufgenommen. Dies ist bisher nicht passiert. Zum zweiten war es nicht so, dass nach dem Parteitag die SPD-Fraktion des Bundestages Kontakt mit Norbert Denef aufgenommen hätte, sondern das netzwerkB sich erst umfassend bemühen musste, um überhaupt Termine bei den Abgeordneten zu bekommen.

Diese Beschwichtigungen also, dass ein direkter Kontakt mit Norbert Denef bestehen würde, entspricht nicht der Wahrheit und netzwerkB wartet weiterhin darauf, dass Politiker aller Parteien (und nicht nur der SPD) Stellung beziehen, warum sie weiterhin Täter schützen und nicht den Betroffenen helfen wollen. Diese Betroffenen leiden bereits seit Jahrzehnten und nicht erst seit dem Hungerstreik, aber für viele Betroffene gibt es keinen anderen Ausweg, wenn ihnen nirgendwo Gerechtigkeit widerfährt.

Hoffungsvolle Grüße

Ihr netzwerkB Team

Zitat des Standart Antwortschreibens aus dem Büro Burghard Lischka, MDB:

„vielen Dank für Ihr an Frank-Walter Steinmeier gerichtetes Schreiben vom 10. Juni 2012. Herr Steinmeier hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.
Der Entschluss von Norbert Denef, in den Hungerstreik zu treten, besorgt mich zutiefst.
Ich teile Ihre Ansicht, dass die geltenden zivil- und strafrechtlichen Verjährungsfristen beim sexuellen Missbrauch von Kindern, der Korrektur bedürfen.

Um der speziellen Situation der Opfer Rechnung zu tragen, hat die SPD-Fraktion bereits im November 2010 in ihrem „Gesetzentwurf zur Verlängerung der straf- und zivilrechtlichen Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch von Kindern und minderjährigen Schutzbefohlenen“ (BT-Drs. 17/3646) vorgeschlagen, die strafrechtliche Verjährungsfrist unabhängig vom Höchstmaß der Strafandrohung auf 20 Jahre anzuheben. Da die Verjährung bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers ruht, würde die Tat mit Vollendung des 38. Lebensjahres verjähren. Nach unserem Entwurf können zwischen Tat und Verjährung im Einzelfall mehr als 30 Jahre liegen. Wir sind damit die einzige Fraktion im Deutschen Bundestag, die sich für eine deutliche Verlängerung der strafrechtlichen Verjährungsfristen beim sexuellen Missbrauch stark macht. Insbesondere die Regierungsfraktionen haben bisher eine von uns vorgeschlagene Verlängerung der strafrechtlichen Verjährungsfristen zu meinem Bedauern abgelehnt.

Mit anderen Kolleginnen und Kollegen der SPD-Bundestagsfraktion hatte ich bereits direkten Kontakt zu Herrn Denef aufgenommen. Ich hoffe sehr, dass Norbert Denef seinen Entschluss rückgängig macht und sein Engagement und seine Energie weiterhin dafür einsetzt, dass alle Fraktionen des Bundestages in eine Debatte über die strafrechtlichen Verjährungsfristen beim sexuellen Missbrauch von Kindern eintreten und Lösungen im Sinne der Opfer finden. Hier brauchen wir auch die Überzeugungsarbeit von Herrn Denef.“

Zitatende

Für Journalisten-Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Norbert Denef, Vorsitzender
Telefon: +49 (0)4503 892782
Mobil: +49 (0)163 1625091
norbert.denef [at] netzwerkb.org
www.netzwerkB.org

15 Kommentare

  1. Ich ruf da heut nochmal an und glaube, dass sich da doch etwas bewegt!
    Freut Euch schonmal wieder auf ne Currywurst. Damit meine ich aber nicht die SPD!

  2. Panagiotis Papoutsis schreibt am :

    Besser hätte man es auf dem Foto hier nicht zeigen können.

    Burghard Lischka mit geschlossenen Augen und Norbert Denef mit wachen zielgerichteten Augen

    die Symbolik bedarf keiner weiteren Worte!

  3. Christiane Kieburg schreibt am :

    „Der Entschluss von Norbert Denef, in den Hungerstreik zu treten, besorgt mich zutiefst.“
    Wenn Herrn Steinmeier doch zutiefst besorgt ist,dann hätte er den Anstand besitzen sollen,Norbert Denef persönlich zu antworten.
    Traurig ist,dass der Herr Frank-Walter Steinmeier sich nicht persönlich an Norbert Denef gerichtet hat,sondern jemanden für sich sprechen ließ.Ob das auch die persönlichen Worte des Herrn Steinmeier waren,bezweifle ich.Aber das kennt man ja auch von anderen Politikern.Sie lassen sich gerne auch verleugen,wenn man versucht,mit ihnen einen persönlichen Kontakt aufzunehmen um wichtige Themen anzusprechen.

    Erwin Hilbert @
    Currywurst gerne,aber nur Vegan,denn für mich soll kein Tier-Lebewesen gequält und ermordet werden,nur damit ich etwas zu essen habe.Tiere sind Lebewesen und keine Lebensmittel.
    Nur ein kleiner Denkanstoß für Sie.

  4. Da verbeißt sich ja jemand in 20 Jahre, als ginge es um das „ewige Leben“. Was soll dieses Zackern und Zaudern und „Feilschen“?

    Wenn ich bereit bin, die Verjährungsfrist zu verlängern, sollte ich auch die Fähigkeit zur Bereitschaft besitzen, sie gleich ganz aufzuheben. Wenn ich zu letzterem nicht bereit bin, macht die Bereitschaft zur Verlängerung um 20 Jahre einen außerordentlich – – – *merkwürdigen* Eindruck.

    Wie hoch ist der Prozentsatz der Überlebenden sexualisierter Gewalt, die schon vor dem 38. Lebensjahr die Auseinandersetzung wegen dieser Taten mit sich und anderen suchten?

  5. Annette schreibt am :

    … erste Erinnerungen bekam ich erst mit ca. 41 Jahren. Die ich dann ganz schnell wieder verdrängte, „SOWAS“ konnte mir doch nicht „passiert“ sein.
    Nach weiteren 5 Jahren des Verdrängens und nicht-mehr-verdrängen-können begann ich mich der erlittenen Gewalt zu stellen.
    So viel zu „20 Jahren“……………
    Nur eine Aufhebung der Verjährungsfristen kann unser aller Ziel sein.

    Annette

  6. Jacqueline schreibt am :

    Aus Solidarität und weil ich selber gerade gesundheitlich angeschlagen bin, mache ich auf den Hungerstreik aufmerksam und auf die Seite von netzwerkb und stelle meine persönlichen Erfahrungen in den Dienst der Sache.
    Mehr kann ich gerade selber nicht tun, ich weiss, spüre es aber auch, wenn man mal einen gewissen Punkt der Verarbeitung erreicht hat, ist es wichtig, dass DER WEG WEITERGEHT und auch, dass andere Menschen die Möglichkeit erhalten aktiv an ihrem Schicksal zu arbeiten, nicht gebremst durch Fristen, die nur mehr Leid verursachen.

    So ist eine Aufhebung der Verjährungsfristen auch ein ZEICHEN, dass man die Handlungsfähigkeit eines jeden OPFERS stärkt zu jeder ZEIT seines Lebens und dem Täter signalisiert, dass er nicht unendlich viele Opfer produzieren darf, weil er ( geschützt) dies meint, sondern die VOLLE VERANTWORTUNG ÚND KONSEQUENENZEN TRAGEN MUSS.

    Dies ist das Ziel.

    Und gerade ein Lernprozess für die MENSCHEN, die uns unsere Handlungsfähigkeit genommen haben oder noch immer nicht zugestehen!

    Mit herzlichen Grüssen und in Gedanken an alle, die hier mitwirken und denen, die im Hungerstreik sind, weil sie einen Punkt erreicht haben, da Worte nix mehr (vermeintlich) bringen.

    Jacqueline

  7. Berthold schreibt am :

    POLITIK WACH ENDLICH AUF! WAS MACHST DU MIT DEINEN MENSCHEN???MUß ERST WAS PASSIEREN UND BALD WERDEN WIR REAGIEREN!!! DU BIST SCHULD AN DEM WAS DANN PASSIERT

  8. Berthold schreibt am :

    TRETET AUS DER KATHOLISCHEN KIRCHE AUS!!!

  9. hildegard schreibt am :

    Herr Steinmeier, ich hab da mal ’ne Frage:
    WER „legt sich in die Furche“ ? – die Regierungschefin? – oder/und … ?

    Schauen Sie sich die Nöte der Menschen an und tun Sie endlich DAS, was Not wendet! Wichtiger waren/sind bisher Ihnen und allen anderen Politikern die äußeren Dinge.
    Vor vorrangigen Problemen – den inneren – ducken sie alle weg.
    Vor schrecklichen Vorstellungen aber nützt es nicht die Augen zu verschließen. Dann erstarren Hände und können nicht HANDeln, dann verSTEINern Herzen und können nicht mitfühlen!

    Von hochrangigen Kirchenleuten sind wir das längst gewöhnt …

  10. Berthold schreibt am :

    NORBERT DENEF DU MUßT KÄMPFEN WIR MÜSSEN ES AUCH GEBE NICHT AUF DAS IST DOCH DAS WAS DIE KIRCHE WILL!!!

  11. Berthold schreibt am :

    NORBERT DENEF DER WAHRE SCHÖPFER WIRD DIR HELFEN

  12. Wir zeigen uns Solidarisch, in dem Wir täglich auf Facebook darüber Berichten. haben auch schon sämtliche Pressestellen angeschrieben, damit Sie über Euch Berichten, da ich selber betrofener bin von sexuellen Missbrauch.

    Viel kraft Euch allen

    MFG

    Norbert

  13. Helga Weitzel schreibt am :

    Wir vom Forum „Freie Initiative Ehemaliger Heimkinder“ sind sehr betroffen, dass es soweit kommen muß und zeigen uns solidarisch .

    Wir haben aufgerufen, sämtliche Medien anzuschreiben und es zu veröffentlichen.
    Ich wünsche allen viel Kraft.

    Helga Weitzel
    ehemaliges Heimkind

  14. Norman schreibt am :

    Hallo Norbert und Helga genau diese Aktionen brauchen wir, vielen Dank euch 🙂

  15. Berthold schreibt am :

    Lieber Norbert und NetwerkB denke an WILLIAM WALLACE und kämpft gg. diese Regierung! RUFT ALLE AUF IHR GELD NICHT MEHR DIESEN PEDOFIELEN IN DER KATHOLISCHEN UND SONSTIGEN KIRCHEN ZU GEBEN- Nehmt Eurer Geld und gebt es Euren Kindern , denn die Kirche nimmt das Geld um seine pedofielen Spielchen weiter machen zu können, so werde ich und alle sollten das tun, denn nur der Aufruf zum BOYKOTT gg. die katholische Kirche wird diese reiche mächtige INSTANZ erschüttern, denn denen geht es wie unserem Staat nur ums Geld, glaubt es mir, oder auch nicht. DESHALB NOCH EINMAL MEIN APELL WIE AUCH AUF ANDEREN PLATTFORMEN DER RUF TRETET AUS, AUS DIESER KINDERSCHÄNDER KIRCHE GERMAN CATHOLIC CHURCH !!!

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