Wurde Jahre lang missbraucht, niemand hilft mir!

08.07.2012

Hi, ich bin 23 Jahre alt und habe viel erlebt in meiner Kindheit.

Ich bin die zweitjüngste von 8 Kindern (eigentlich 9 aber eins wurde bei der Geburt weggegeben).

Meine Mutter hat eine psychische Erkrankung, muss oft Tabletten nehmen. Damals wie auch heute noch. Mein Vater sagt nie irgendwas zu ernsten Thema. Er muss immer alles entweder runter spielen oder so tuen als wenn es nie geschehen ist.

Ich wurde mit ca. 3 Jahren von meinem Onkel missbraucht (erinnern kann ich mich nicht). Es ist auch nur durch Zufall raus gekommen. Aber ich erinnere mich an den Missbrauch den mein Bruder oft an mir ausübte. Er ist ca. 7 Jahre älter als ich und es fing an, als ich in die Grundschule kamm und endete erst Jahre später.

Ich habe ihn damals angezeigt.

2 Jahre hoffte ich, daß er bestraft wird. 2 ganze Jahre voller Kraft und Frust, dass es sich alles im Kreise drehte und am Ende verkündigte mir man, glaube mir nicht und es gebe zu wenig Beweise.

Wie bitte, kann das sein – keine Beweise?

Meine Mutter sagte aus, aber anscheint gilt ihre Aussage nicht wegen ihrer Krankheit. Mein Bruder verweigerte die Aussage. Ob er sich doch noch äußerte weiß ich nicht. Meine Rechtsanwältin erzählte mir damals kaum irgendwas. Bemüht hat sie sich auch nicht wirklich, so hatte ich das Gefühl und danach als die Anklage fallen gelassen wurde, war auch sie auf einmal nicht mehr für mich zu erreichen.

Ich hasse diese Ungerechtigkeit.

Man will nur, dass die Wahrheit erkannt wird, aber passieren tut nie was.

Ich wurde sogar von meiner Familie fertig gemacht. Niemand stand hinter mir. Sie schützen sogar den Täter (mein Bruder). Sie sagen er war ja so jung, Er sieht es ja doch jetzt ein oder jetzt mach mal ein schlußstrich ist doch schon lange her….mir fehlen teilweise die Worte.niemand hilft niemand unterstützt.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter.

Nun habe ich ihm geschrieben. Er bestreitet es nicht mal. Er gibt es sogar zu. Einen kleinen Teil. Ich habe es schriftlich! Aber wieder Mal reicht es anscheint nicht aus, dass er seine Strafe bekommt… Wie kann das sein…?

Wer hilft mir aus dem Teufelskreis wenn auf niemanden Verlass ist?

Ich bin enttäuscht, voller Wut und doch weiß ich, ich alleine muss damit leben…. nur wie, das interessiert niemanden….

K. K.

11 Kommentare

  1. Astrid schreibt am :

    „Nun habe ich ihm geschrieben. Er bestreitet es nicht mal. Er gibt es sogar zu. Einen kleinen Teil. Ich habe es schriftlich! Aber wieder Mal reicht es anscheint nicht aus, dass er seine Strafe bekommt… Wie kann das sein…?“

    Hast du einen neuen Anwalt bzw eine neue Anwältin diesbezüglich gefragt? Oder deine unmotivierte Anwältin, die dir im Prozeß keine große Hilfe war?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Brief, in dem ein Täter eine Tat gesteht, nicht in einem Prozeß verwertet werden kann. Man kann ja sicher auch nachweisen, dass der Brief von ihm ist. Vielleicht will deine Anwältin sich nur Arbeit ersparen, du solltest jemand anderen suchen.

    Du hast ein Geständnis des Täters in der Hand! Das muss vor Gericht doch was wert sein, schließlich hast du es ja nicht durch illegales Abhören/aufzeichnen bekommen, sondern von ihm als Brief zugesandt bekommen. Das muss als Beweismittel doch zulässig sein!

  2. Stefanie schreibt am :

    Hallo,

    ich wede so traurig und wütend, wenn ich lese, was du schreibst. Danke, dass du das hier geschrieben hast! Gerade habe ich auch keine Wunderworte parat, weil ich es einfach so schlimm finde. Du bist noch so jung und bekommst schon die ganze Ungerechtigkeit dieses Rechtsystems in Bezug auf Sexualstraftaten mit. Ich finde es sehr mutig von dir und bewundernswert, wie du versuchst für dich Gerechtigkeit zu erkämpfen! Leider ist die Familie ja oft auf der Seite der Täter, wenn diese aus der Familie kommen… Ich bin in Gedanken bei dir und wünsche dir viel Kraft und Hoffnung!!!

  3. ich23 schreibt am :

    Liebe Astrid,
    es war kein Brief es war mehr eine richtig lange chat Nachricht,die ich auch der Polizei zugesendet habe.diese konnte mir aber schon am Telefon sagen das es wahrscheinlich nicht ausreicht.ich bin ziemlich am ende.Ich habe das Gefühl das bisschen Hoffnung was ich besitze wird von Tag zu Tag immer mehr kaputt gemacht dadurch das ,das Gesetz zuviel Lücken hat.Dazu muss ich noch sagen das ich weder von stellen noch Unterstützung bekomme ,noch von jemand anderen großartig weil viele menschen damit schlichtweg überfordert sind.Was mich nicht Wundert ich bin es ja selber.

    Liebe Stefanie,
    Danke fut deine Worte,auch wenn ich keinen richtigen Weg mehr sehe das durchzuhalten ,denk ich mir doch irgendwann muss es doch auch bei einem Täter zu einer Art Menschlicher Einsicht kommen…das ist das was ich noch hoffen kann…..

  4. Stefanie schreibt am :

    Hallo nochmal,

    ich weiß, dass das nicht die Ungerechtigkeit der juristischen Seite aufhebt, aber tust du etwas für dich, damit du es weiterhin schaffst mit dem zurechtzukommen, was dir geschehen ist?
    Ich weiß ja nicht in welcher Stadt du wohnst oder wo du schon Unterstützung gesucht hast, aber Leute die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen und die nicht damit überfordert sind findest du meistens in Selbsthilfegruppen, Gruppentherapien, Einzeltherapie,…
    Das kann eine große Unterstützung sein, wenn du dich dort gut fühlst.
    Vielleicht kannst du ein bisschen Kraft zurückgewinnen, denn ich selber weiß, dass diese unglaublich negativen Erfahrungen mit der Polizei und dem Rechtssystem einem den letzten Glauben nehmen können. Vielleicht hilft es dir auch ein bisschen, wenn du weißt, dass du nicht alleine bist….wir sind sehr viele…

  5. Simone schreibt am :

    Hallo, Du könntest Dir über den Weissen Ring einen Opferanwalt suchen bzw. über eine Frauenhilfsorganisation. Die haben Anwälte mit denen sie zusammenarbeiten. Ich würde mich von einem kompetenten Anwalt beraten lassen, auf die Meinung der Polizei sollte man nicht so viel geben.

  6. Berthold Schmidt/ Aurich Ostfriesland schreibt am :

    DIE DEUTSCHE POLIZEI- VERGISS ES!!!

  7. Eva schreibt am :

    @K.K.

    jede/r Mißbrauchte wünscht sich Gerechtigkeit. Nur leider ist es so , dass unsere Justiz strenge formale Regeln hat, die nur in den wenigsten Fällen dazu führen, dass „Täter“ wirklich das bekommen was sie verdient haben.

    Wenn Opfer nicht „stabil sind“ raten viele Rechtsanwältinnen ab, weil die Gerichtsverhandlungen und häufig schon die Zeugenaussagen bei Behörden extrem belastend sind.

    Einige Verteidiger und einige Richter „gehen über Leichen“ ist mein Eindruck. Denen sind die schweren psychischen Folgen der Opfer egal.
    Man kann denen nur wünschen, dass ihren eigenen Kinder etwas Ähnliches passiert.

    Um zu überleben , sehe ich nur die langfristige Lösung, eine gute Therapeutin zu finden.

    Ich kenne flüchtig eine Familie, deren Tocher umgebracht wurde und die oder der Täter nie ermittelt wurden und die Eltern es nach einigen Jahren geschafft haben, es so anzunehmen, dass die Behörden keine/n dingfest machen konnten.

  8. Monika schreibt am :

    Eva, ich würde Kindern nicht etwas ähnliches wünschen wollen!

  9. Eva schreibt am :

    @ Monika,

    natürlich hast Du Recht, aber die Erfahrung zeigt, wenn Menschen hautnah Verbrechen miterleben oder in ihrem Umfeld erlebt haben , danach erst anders denken, genauso wie Menschen die dem Tod entkommen sind auch anders denken.

    Ich finde es abscheulich, dass Anwälte auf ihren Seiten Werbung damit machen, dass nur ganz wenige „Täter“ angeklagt werden und noch weniger zur Rechenschaft gezogen werden. Dass solche Werbung erlaubt ist, zeigt den Täterschutz in unserem Land.

    Mißbrauch mit schweren lebenslangen psychischen Schäden wird in unser Gesellschaft fast überall verlacht.

    Hat jemand durch sexuelle Gewalt eine kaputte Psyche, ist er meistens unglaubwürdig.

    Das Einfachste ist , wenn Täter Menschen psychisch krankmachen, dass Behörden fast nie Kausalzusammenhänge dazu herstellen können.

    Haben nicht wenige unter Euch festgestellt, dass selbst das nahe Umfeld das alles nicht hören will, ja sogar es leugnet.

  10. ich23 schreibt am :

    naja wie soll Ichs sagen? gerade mit dem weißen ring die Anwältin hatte damals von denen gestellt bekommen,kompetent ist was anderes….therapeuten traue ich nicht mehr.war zu oft in ner Klinik deswegen die haben nie das ursprüngliche Thema mit mir besprochen sondern immer nur die Krankheit meiner Mutter oder weil ich mich damals selbstverletzt hatte (mache ich heute nicht mehr,auch meine flasbacks sind weniger geworden)ich wollte ne Trauma Therapeutin aufsuchen ,das hielt ich für vernünftig aber da einen Termin zu bekommen dauert leider sehr sehr lange….also muss man warten warten warten…wie immer….aber einer der jemanden missbraucht bekommt gleich ne Therapie gestellt -.- das verstehe ich alles nicht…es kommt mir vor wie ein Täter Schutz Staat…und nicht ein wir müssen helfen Staat….danke für eure Worte

  11. Viktoria Toth schreibt am :

    Hallo K. K.,

    es ist ausgezeichnet dass Du schon so frühzeitig rebelliert hast. Das zeugt davon, dass Deine Täter/Familie Deine Selbstachtung nicht zerstören konnten.
    Leider kann ich Dir nur sagen, das Du erlebt hast, was so gut wie alle von uns erlebt hatten. Viel Hilfe oder Trost kann ich Dir nicht bieten, möchte Dir nur dringend raten, Dich von Deiner Herkunftsfamilie zu trennen, den Kontakt abzubrechen und am Besten wenn Du nur irgendwie kannst, auch größtmöglichen räumlichen Abstand herzustellen. Von dieser Seite wirst Du mit sehr großer Wahrscheinlichkeit (an Sicherheit grenzend) auch weiterhin nur Destruktives und infamen Täterschutz erfahren und damit setzt Du Dich nur immer weiteren fortschreitenden Traumatisierungen aus.
    Aus dem Täter etwas menschliches versuchen herauszulocken ist aller Erfahrung nach vollkommen überflüssig, meines Erachtens schadest Du Dir damit nur selber. Ich weiss nicht ob Du schon die Positionspapiere von netzwerkB durchgelesen hast, sie sind sehr empfehlenswert und da steht auch einiges zu diesem Thema.
    Du solltest im Augenblick an Dich selber denken und erstmal Etwas für Dich selber tun. Es ist extrem belastend und retraumatisierend was Du mit dem Erstatten Deiner Strafanzeige durchlebt hast.
    Du hast auch nach derzeitigem „Recht“ noch etwas Zeit vielleicht noch einmal einen Prozess anzustrengen, stärk Dich erstmal und erhol Dich.
    In dem was Du zu Kliniken schreibst kann ich Dir in vollem Umfang zustimmen, ich wäre glücklich wenn ich das auch schon so früh erkannt/realisiert hätte.
    …und natürlich hast Du vollkommen Recht dieses Land ist ein ganz übler Täterschutzstaat, und vielleicht schaffen wir es die Gesetze zu ändern, aber die Menschen werden wir so schnell nicht ändern, also wappne Dich….
    aber wenigstens gibt es jetzt dieses Forum hier und so sind wir jetzt wenigstens nicht ganz so allein!
    Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute!
    Viktoria

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