Stockende Aufarbeitung: Die katholische Kirche und der Missbrauchsskandal

15.07.2012: NDR Info

NDR Info 15.07.2012

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Christian Pfeiffer und Werner Thissen auch für Aufhebung der Verjährungsfristen

Im Studio Michael Hollenbach

Norbert Denef ist Sprecher der Organisation netzwerkB, die sich für die Rechte der Opfer einsetzt. Mit dem HUNGERSTREIK will Norbert Denef, der in Scharbeutz an der Ostsee lebt, vor allem erreichen, dass die strafrechtliche Verjährung aufgehoben wird.

Auch Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, plädiert für eine Aufhebung der Verjährungsfrist, weil die Betroffenen den Missbrauch oft jahrzehntelang verdrängen: „Das kann man diesen Menschen nicht vorwerfen, dass die Kraft dazu, sich zu entscheiden, hier in jungen Jahren nicht da ist. Dass oft Anstöße von außen, die zufällig kommen, eine Rolle spielen. Der Rechtsstaat bricht nicht zusammen, wenn wir aus guten Gründen hier eine Sonderregelung schaffen und Herrn Denefs Wunsch entsprechen.“

Auch der katholische Hamburger Erzbischof Werner Thissen wendet sich gegen eine Verjährung: „In den Opfern selbst verjährt das nie. Das bleibt lebendig. Das macht mir deutlich, dass es angezeigt ist über die Frage der Verjährung nachzudenken.“

 

 

5 Kommentare

  1. Anna M. schreibt am :

    Die Äußerungen von Pfeiffer sind überraschend.
    Noch mehr die des Bischofs. Lippenbekenntnis? Wenn dann die Kirchen vor Gericht – zumindest momentan – doch nicht auf die Einrede der Verjährung verzichten?

    Unlauter finde ich den Vergleich Pfeiffers mit anderen Ländern, in denen die Opfer keine Entschädigung bekommen. Es fehlt der Vergleich mit Ländern, in denen die Opfer ein VIELFACHES bekommen! (USA, Irland)

  2. I.S. schreibt am :

    Ich bin froh, dass Herr Prof. Dr.Pfeiffer als Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen auch für die Aufhebung der Verjährungsfristen ist.
    Auch bin ich froh, dass der NDR den Beitrag von Herrn Hollenbach gesendet hat.

  3. hildegard schreibt am :

    Frohe Botschaft? Ungläubiges Staunen vermischt mit leisem Zweifel – kann es wahr sein?

    Könnte der Kriminologe oder der Bischof solch ein persönliches Bekenntnis widerrufen? Nein, nicht nach dem was geschah …

    Beide werden sie wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Sie werden mit uns noch „dicke Bretter“ zu bohren haben in der deutschen Gesellschaft, in der Justiz, in der DBK und im Vatikan, denn bisher galt:

    Politiker und Kleriker bekämpfen miteinander Betroffene wie die Sündenböcke früherer Zeiten, die man in die Wüste schickte …
    Sie sitzen auf „heißen Eisen“ und spüren sie nicht.
    Sie schweigen zum Grundrechte-Bruch an Kindern, Abhängigen und Schwachen der Gesellschaft.
    Sie bestehen gegen besseres Wissen auf offensichtlich falscher Gesetzgebung, die Menschenrechtsverletzungen zulässt und Menschenwürde verletzt.

    Politiker und Kleriker betrügen sich selbst und wissen sehr wohl, dass

    1. kein Kind je selbst Schuld hatte
    2. damalige Kinder vertrauten, glaubten und schwer ent-täuscht wurden
    3. früher oder später die gemeinsame Kungelei in Hinterzimmern auffliegen muss.

    Politiker und Kleriker müssen jetzt „Mensch werden“, um wieder glaubhaft zu erscheinen und ernst genommen zu werden.

    Politiker und Kleriker sollten mit uns über den Zustand dieser Nation und jener Glaubensgemeinschaften WEINEN – verfehlten sie doch ihre heeren Ziele: Heilige Schriften wie Grundrechte wurden und werden missachtet, Gottesgesetz wie Grundgesetz gebrochen, Glaubenswächter wie Gesetzeshüter wurden „stumme Zeugen böser Taten“ – würde D. Bonnhoeffer sagen!

    Politiker und Kleriker werden früher oder später einsehen und gestehen müssen:
    Sie waren von ihrer Angst schlecht beraten.
    Sie nahmen falsche Rücksicht auf „einflussreiche Kreise“.
    Sie glaubten Täter ihrer Umgebung schützen zu dürfen.
    Sie sind mitschuldig geworden am Leid der Überlebenden.
    Sie verhindern die rechtzeitige Aufklärung UND ermöglichen weitere schwere Straftaten.
    Sie treiben Steuerzahler und Versicherte im Sozialstaat auf horrende Kosten.
    Sie wissen sich verwickelt in wirre Rechtfertigungs-Theorien.
    Sie versinken selbst tief im Sumpf scheußlichster Verbrechen.
    Sie schonen und schützen die Täter, sie schaden den Opfern.

    Nur die ABSCHAFFUNG DER VERJÄHRBARKEIT kann WEITERE TATEN VON TÄTERN VERHINDERN, kann weiteres Unheil von Kindern, kann weiteres Unrecht an Überlebenden abwenden, kann Betroffene rehabilitieren, kann wahren Rechtsfrieden herstellen.

  4. Lurschy schreibt am :

    Hallo, wer glaubt denn den Aufklärungsverhinderen und „Lügenspruchblasen Kirchentätern“ noch. Wenn schon wenige Tage nach dem richtigen Urteil in Sachen Beschneidung von Jungen – alle – die Macht und Einfluss (Lobby) besitzen, aufstehen und schnell eine Gesetzesänderungen herbeirufen – um so schnell diese Kindesmisshandlung, so die Kinderschutzorganisationen, wieder zu legalisieren.
    Ich empfinde nur noch Eckel und Abschaum für diese Machtpolitiker. Ich habe wenig Hoffnung auf Änderung.
    Und daher dir Norbert nur meinen aller größten Respekt für dein Handeln und Tun. Wauuuuuuu. Halte bitte durch auf deinem Weg.
    Danke Lurschy

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