Vergewaltigungsopfer in der 3. Generation

19.07.2012

Sehr geehrter Herr Denef,

Hochachtungsvoll verfolge ich ihren Kampf um unsere Gerechtigkeit!!!

Möge Ihnen dafür niemals der Mut und die Kraft verlassen!!!

Meine Schwester und ich selbst sind Opfer von schwerer häusslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung  in mehr als 1000 Übergriffen durch meinen Stiefvater, dem Vater meiner Halbschwester.

Wir sind Missbrauch- und Vergewaltigungsopfer in der 3. Generation!!!

Meine Oma im Krieg, im KZ Ravensbrück 1942-1943 und später im „Leben danach“…
Meine Mutter durch ihren Partner und durch stationierte Soldaten im Dorf…

Heute, 54 Jahre alt, in einer kinderreichen Familie in Sachsen-Anhalt aufgewachsen, von meinem alkoholabhängigen Stiefvater über mehr als 20 Jahre tyrannisiert, gedemütigt, geschlagen, mißbraucht, vergewaltigt, vernachlässigt und vieles andere mehr…

Nur, wer änhliche Erfahrungen gemacht hat, kann sich das tatsächliche Ausmass einer solchen Kindheit vorstellen…

Dieser Mensch, hat seit etwa 1959  unser Leben beherrscht…

Die letzte schwere handgreifliche Auseinandersetzung mit ihm, war vor der Geburt meines 2. Kindes – der  Auslöser für eine vorzeitige Entbindung. Nur durch Hilfe meiner Halbbrüder habe ich diese „Prügelattacke“  am 27. Mai 1979 überstanden, überlebt…, am 28. mai wurde mein Sohn geboren…

Das 1. Kind habe 1976  ich abtreiben lassen müssen, es war von meinem Stiefvater….

Als ich mich, nur durch Hilfe anderer aus den sexuellen Übergriffen und den Vergewaltigungen durch ihn befreien konnte, hat er sich an seiner Tochter, meine Halbschwester als „Ersatz “ vergangen.

Meine Mutter hat dies alles gewußt, geduldet und nichts unternommen, um uns zu beschützen…

Wir haben noch nicht den Mut aufgebracht, damit in die Öffentlichkeit zu gehen!!!

Wann der eigentliche Missbrauch bei mir selbst angefangen hat, kann ich heute noch nicht einmal sagen, es war auf jeden Fall vor dem 7 oder 8  Lebensjahr.

Ich habe viele Jahrzehnte gebraucht, um diese Erlebnisse aus der Vergangenheit „zu Verstecken, zu Verleugnen, zu Vergessen“…

Meine Leben war auf dieses „Versteckspiel“ getrimmt, ausgerichtet mit all den Folgen der Vergangenheit – dieser Jahre der Kindheit und Jugend.

Meine erste Ehe ist daran zerbrochen und 1996 habe ich meinen Sohn, für den ich all die vielen Jahre gekämpf habe, durch Suizid verloren…

Seit 2009 bin ich Krank, seit 2010 nach Hüft-OP EU-Rentner, mit neuer Bewilligung bis 2015…

Mit der Bewilligung der EU Rente habe ich wohl zum “ 1.mal Glück “ gehabt, das sie genehmigt wurde!

Seit 2010 streite ich im Feststellungsamt um die Gewährung einer Schwerbehinderung, weil nicht nur meine „Seele“ zerstört ist, sondern auch nachweislich meine Gelenke, da ich schon seit dem 8.-9. Lebensjahr schwere körperliche Arbeiten im Haushalt , in der Landwirtschaft und in Ställen verrichten mußte.
Tägliche Schmerzen treiben mich fast in den Wahnsinn, dazu diese erbamungslose Ungerechtigkeit der Behörden, der Gutachter, dieses Staates …und der Kapf um die Gleubwürdigkeit.

Im Januar 2012 habe ich auch, nur durch Hilfe anderer, einen Antrag beim OEG in Magdeburg gestellt, weil wir durch den finanziellen Verbleib von ca. 465,-  € Rente im Monat und zusätzlicher Kosten für Arztbesuche, Medikamente und Behandlungen immer mehr in den sozialen Abgrund rutschen…

Früher habe ich wie eine besessene um Bildung gekämpft!!!
Trotz der wiedrigen Umstände in „diesem Zuhause“ , mit ständig fehlenden Arbeitsmaterialien, ohne Unterstützung der Eltern, ohne finanzielle Möglichkeiten und Vorraussetzungen habe ich einen guten Abschluß in der Schule, in der Lehre und eines Studiums geschafft…

Es war das einzigste, was man mir nicht wegnehmen und vernichten konnte – Das Wissen …!!!

In dieser Zeit habe ich keine wesentlichen Rentenpunkte sammeln können, die mir heute eine bessere Rente ermöglicht hätte, Schlimmer noch, das ich durch die Zeit nach der Wende, als Folgen der Verganghenheit erneut in Abgründe geraten bin, die mir
heute kein „sorgenfreies Leben“ ermöglicht.

Ich habe die Petition unterschrieben, in der Hoffnung, das irgendwann mal auch unsere Regierung begreift, das man mehr für solche Opfer tun muß, als eine Debatte nach der anderen ohne tatsächliche Gesetzesänderungen zu führen!!!

Bei der Diätenerhöhung waren sie sich alle im Bundestag einig!!!
Soviel Geld wie diese Abgeordneten in einem Monat verdienen, habe ich nicht einmal in fast 3 Jahren zum Leben, obwohl ich immer gearbeitet habe !!! – Was ist das für eine Gerechtigkeit, was ist das für ein sozialer Staat…???

Ich bitte sie, mein Schreiben mit in die riesige Liste all derer aufzunehmen, die um die Gerechtigkeit kämpfen!!!

Nach langem Kampf und sehr vielen Hindernissen, darf ich nun endlich eine Traumatherapie beginnen.
Dafür brauche ich noch sehr viel Kraft, um später einmal mit meinen lieben Partner und Mann, meinem Nachzügler von 18 Jahren, meiner Tochter und den 2 Kindern meines Mannes ein halbwegs gutes Leben in Familie führen zu können.

Für eine wirklich soziale Gerechtigkeit in Deutschland, für eine Abschaffung der Fristenregelung bei Gewalt und sexuellem Missbrauch und für eine umfassende staatliche Unterstützung dieser Opfer.

Elisa

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