46 Tage HUNGERSTREIK – Politik läßt Opfer lieber verhungern

24.07.2012: netzwerkB Pressemitteilung

Vom 8. Juni bis 24. Juli 2012 befand sich Norbert Denef im HUNGERSTREIK weil:

die Bundestagsfraktion der SPD nicht dazu bereit ist, sich im Deutschen Bundestag für die Aufhebung der Verjährungsfristen von sexualisierter Gewalt einzusetzen, gleichwohl sich die Delegierten des Bundesparteitages der SPD am 6. Dezember 2011 eindeutig dafür ausgesprochen haben: http://youtu.be/j3sUibSUnu0

Diesem Hungerstreik schlossen sich folgende Personen an:
Christiane Kieburg
Katharina M.
Anette W.
Alwin Michel
Wilfried Fesselmann
Brigitte Lunzer Rieder

Einige Namen können nicht voll genannt werden, weil es von den Tätern Unterlassungsklagen gegen sie gibt, und sie sich deshalb nicht offen als Opfer von sexualisierter Gewalt zu erkennen geben dürfen.

Nach Rücksprache untereinander, mit unseren Unterstützern und mit unseren Ärzten, beenden wir den Hungerstreik.

Wir werden uns weiter für den Opferschutz, für die Kinder und den Kinderschutz einsetzen. Die Politik hat gezeigt, dass sie lieber bereit ist, die Opfer verhungern zu lassen, als mit ihnen zu reden und mit ihnen gemeinsam grundlegende Verbesserungen in den Bereichen des Opferschutzes und des Kinderschutzes vorzunehmen.

Die jetzigen Gesetzesentwürfe:
Bundesregierung 17/6261
SPD 17/3646
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 17/5774

Wir haben auch während des Hungerstreiks den Politikern weiter angeboten, ihnen bei der Motivation und den Inhalten zu helfen. Sie schlugen dieses Angebot aus.

Die Politik antwortete nicht auf die Frage, wie sie den Kindern von heute in 20, 30 oder mehr Jahren erklären will: Wir hätten damals die Chance gehabt, die Verjährungsfristen aufzuheben, aber wir haben es nicht getan, ihr müsst weiter schweigen. Sie hat auch keine Antwort gegenüber den Opfern, die heute keine Gerechtigkeit und Unterstützung erhalten.

Für uns waren bis zu 46 Tage Hungerstreik eine harte und schmerzhafte Zeit. Sie ist aber kein Vergleich zu dem, was Kinder jetzt gerade erleiden müssen, die über Jahre hinweg Opfer von sexualisierter Gewalt in ihrem Zuhause oder ihrem Umfeld überleben müssen, ohne Hilfe zu erhalten.

Die zivilrechtlichen und strafrechlichen Fristen für Sexualstraftaten müssen endlich aufgehoben werden, damit Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche zum Beispiel vor dem Hintergrund der hohen Therapiekosten den Opfern möglich bleiben und nicht sämtliche Kosten auf die Gesellschaft abgewiesen werden. Die Opfer sexualisierter Gewalt leiden lebenslang. Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend, viele leiden unter einem Komplexen Posttraumatischen Belastungssyndrom (K-PTBS). Der einklagbare Anspruch auf Unterstützung und Entschädigung darf für Gewaltopfer nicht verjähren. In der Gesellschaft wäre es ein Signal, Gewalttaten nicht länger juristisch als eine Bagatelle zu behandeln. Der Täterschutz darf nicht größer sein als der Opferschutz. Das sind wir den Kindern, die jetzt gerade leiden, schuldig. Mehr unter: Es geht um unsere Kinder

Wir bedanken uns bei all denen die uns im HUNGERSTREIK unterstützt haben:

  • bei den Mitgliedern und Spendern von netzwerkB
  • bei den vielen Menschen die uns geschrieben und angerufen haben
  • bei den Medien, die uns eine Stimme gegeben haben
  • bei den 64.639 Menschen mit ihrer Unterschrift

Auch mit dem Beschluss des Bundestages vom 20. Juli 2012, den Schutz vor Gewalt von Babys und Kindern dem Willen der großen Religionsgemeinschaften in Form von Beschneidung unterzuordnen, setzt die deutsche Politik erneut das Signal, dass ihr Kinderschutz und Opferschutz nicht am Herzen liegen.

Für Journalisten-Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091
presse [at] netzwerkb.org
www.netzwerkB.org
http://twitter.com/netzwerkb

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4 Kommentare

  1. B. Kessler schreibt am :

    Ich habe kein Vertrauen mehr in die Demokratie, das deutsche Recht und die Politiker.

  2. Karl Görtz schreibt am :

    Zitat:

    „Es ist Zeit für große Veränderungen. Sie kommen so oder so. Noch hätten wir die Chance, ihren Ausgang in unserem Sinne zu beeinflussen. Wir können den Ausgang aber auch anderen überlassen, den Macht-Junkies etwa, die derzeit alles gegen die Wand fahren. Wer weiter in seinem Hamsterrad läuft, wird darin verenden. Wer aussteigt und sich aus dem Käfig wagt, weiß nicht, was ihn erwartet. Aber wer seine Angst vor dem Unbekannten überwindet, dem steht das ganze Universum offen. So wie man Politiker wählt, so kann man sie absetzen. So wie Mauern aufgebaut wurden, kann man sie wieder einreißen. Nur weil man mir in der Schule eingetrichtert hat »zu funktionieren«, heißt das noch lange nicht, dass ich es tue! Oder um es erneut mit Mahatma Gandhi zu sagen: »Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst!«“

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/michael-morris/wollen-wir-diesen-weg-wirklich-bis-zum-bitteren-ende-gehen-.html

  3. hildegard schreibt am :

    @ Karl Görtz „Es geht um Zahlen und Bilanzen, aber es geht nicht darum, was für die Menschheit und für den Einzelnen das Beste wäre!“ – So weit stimmt das wohl …
    So schlimm konnte es nur kommen, weil Machthaber uns lange genug unwidersprochen einredeten, das System sei in Ordnung und der Mensch ticke falsch* und der Einzelne habe seine prekäre Situation selber verursacht!
    Wer’s glaubt, …?
    Was ist zu TUN? – unser eigenes Verhalten in dieser Welt hinterfragen und genau hinschauen: Wir sehen uns alle im selben Boot.
    Aber:
    Wir können auf Gewalt an Mensch und Tier verzichten – Kinder Achtsamkeit lehren – Verschwendung der Ressourcen meiden – bewusst leben – Energie sparen – und wo möglich Bäume pflanzen – Lebensraum schaffen – und eben „die Welt retten“. We can!! – und Petitionen, Demos und Proteste sind unsere Mittel.
    Ja, das System ist krank und in Teilen sogar kaputt – aber Gewalt gegen herrschende Gewalt einsetzen kann kein Weg sein, der zum Frieden führt, der die Welt rettet.
    * Kollateralschäden von sex. Gewalt!

  4. Eva schreibt am :

    Viele leiden unter einem Komplexen Posttraumatischen Belastungssyndrom (K-PTBS)steht hier.

    Wie oft kommt F 43.9 ( Reaktion auf schwere Belastung, nicht näher bezeichnet )als Diagnose vor ?

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