Zwei Jahre keine gesetzlichen Schritte zur Legitimation der Beschneidung

17.09.2012

Mitzeichnen der Petition 26078

Deutscher Bundestag – Zwei Jahre keine gesetzlichen Schritte zur Legitimation der Beschneidung

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, zunächst für zwei Jahre keine gesetzlichen Schritte zur Legitimation der Beschneidung von Jungen in Deutschland zu ergreifen. Weiterhin möge der Deutsche Bundestag die Einsetzung eines Runden Tisches mit Experten aus allen Gebieten beschließen, um das Thema Beschneidung in Deutschland wissenschaftlich fundiert zu diskutieren und eine Strategie zu erarbeiten, welche alle Interessen, vor allem aber die Belange des Kindeswohls, berücksichtigt.

Begründung

Die Petenten erkennen, dass in der durch das Urteil des LG Köln ausgelösten notwendigen Debatte über die medizinisch nicht indizierte Beschneidung von Jungen weiter lesen

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Mehr auf netzwerkB:

Routine Infant Circumcision with Doctor

netzwerkB Pressemitteilung 22.07.2012…

Mein Körper gehört mir!

18 Kommentare

  1. Coralie schreibt am :

    Die Petition, dass für die nächsten zwei Jahre keine rechtlichen Schritte zur Legitimation der Beschneidung vorgenommen werden und dass ein Runder Tisch eingesetzt werden soll, trägt der Tatsache Rechnung, dass die Befürworter der Beschneidung in der Überzahl sind.

    Eigentlich sollte in einem Rechtsstaat Kindeswohl vor Religionsfreiheit unumwunden einforderbar sein.

    Ich werde unterzeichnen, da diese Petition den Weg des Möglichen geht.

    „There can be no keener revelation of a society’s soul than the way in which it treats its children.“ (Nelson Mandela)

  2. Zash schreibt am :

    @Coralie
    Die Befürworter der Zwangsbeschneidung sollen in der Überzahl sein ?
    Wohl kaum, in allen Umfragen bisher waren mehr Leute dagegen als dafür! Auch im Internet sprechen sich locker 70%+ dagegen aus!
    Beschneidung: ja, allerdings erst wenn derjenige Mensch das selbst entscheiden kann, Zwangsbeschneidung von Kindern: nein!
    Ich habe diese Petition ebenfalls mitunterzeichnet, obwohl es mir lieber wäre das man sich einfach an das Grundgesetz der BRD hält.
    Da allerdings unsere Abgeordneten anderer Meinung sind und die Bibel, die Tora und den Koran als wichtiger erachten als das Grundgesetz sehe ich momentan auch die Notwendigkeit solche Petitionen zu unterstützen.

  3. Eva schreibt am :

    Die Befürworter der Zwangsbeschneidung sollen in der Überzahl sein ?

    Fast alle Politiker, die wichtige Posten haben, haben sich für eine Befürwortung ausgesprochen. zB. Gauck, Westerwelle, Göring- Eckard, Seehofer, Kristina Schröder , Wolfgang Thierse

    Welcher Politiker im Bundestag oder in der Regierung hat sich gegen eine Beschneidung ausgesprochen ?

    Das Volk zählt leider nicht.

  4. Martina schreibt am :

    Die meisten Befürworter von Beschneidungen sind diejenigen die selbst beschnitten wurden, das muß bei der gesamten Debatte berücksichtigt werden.
    Derartig alte archaische Traditionen können nicht per Gesetz geregelt werden, das muß aus den eigenen Reihen kommen…was auch früher oder später kommen wird.
    Auch sehe ich keinen Vergleich mit sex. Missbr., weil die Beschnittenen sich nicht als Opfer sehen.
    Ich kann deshalb nicht verstehen, warum diese Debatte hier stattfindet.

  5. Simone schreibt am :

    Martina, Beschnittene sehen sich auch als Opfer. Sieh Dir mal den Beitrag von Ali Utlu an, am 10.09.2012 wurde das Interview mit ihm von „Vater eines Sohnes“ auf die Seite von netzwerkB gestellt.

  6. Anna M. schreibt am :

    Martina, die Beschnittenen SIND aber Opfer! KINDERN wird GEWALT angetan, sogar sexualisierte Gewalt, denn es geht um iher Genitalien. DA ist der Zusammenhang mit netzwerkB.

  7. Eva schreibt am :

    Dass Beschneidung eine Form von Gewalt ( Körperverletzung ) ist, ist ja spätestens durch das Urteil aus Köln belegt.

    Der Staat läßt viele Formen der Gewalt zu, die Kinder oder Erwachsene erleiden müssen. So wird er wohl auch , wie viele führende Poliker sagten, die Beschneidung per Gesetz zulassen oder gar empfehlen !

    Die schweren psychischen Folgen nach Gewalt sind dem Staat meisten völlig egal.

    Haben jemals das Justizministerium, Kriminalkommissare, Staatsanwälte oder Richter Opfer in Krankenhäusern begutachtet welche lebenslange psychische Schäden die Opfer nach 10 oder 20 oder 60 Jahren noch haben.

    Opfer, die nach Gewalt in Psychiatrien landen, sind nichts mehr wert. Die Pharmaindustrie verdient aber gut daran.

    Die wenigen Opfer, die den Mut haben in die Öffentlichkeit zu gehen, werden von Tätern und den gut daran verdienenden Anwälten Mundtot gemacht oder wie bei der Beschneidung als Antisemiten bezeichnet.

    Was ist das für eine Ehtik der Juristen ? Keine !!!

  8. Martina schreibt am :

    Aus meiner Sicht sehe ich die Kinder auch als Opfer. Was ich mich aber frage, warum sie als Erwachsenen dann wieder ihre eigenen Kinder beschneiden lassen. Es wäre doch gerade deren Aufgabe sich dagegen einzusetzen.
    Auch könnten sie als Opfer ihre Eltern anzeigen, im Gegensatz zu sex. Missbrauch gibt es hier eindeutige Beweise.
    Sie könnten auch den Arzt anzeigen der es gemacht hat, weil er gegen die Berufsordnung und gegen die ärztliche Ethik verstossen hat.
    In den USA wurden noch vor 30 bis 40 Jahren 90 % der Männer beschnitten. Wo bleiben die Klagen der Beschnittenen der ansonst so klagefreudigen Amerikaner?
    Bei religiös motivierten Beschneidungen geschieht es aus tiefster Überzeugung und die wird sich durch ein Verbot nicht ändern lassen und schon gar nicht durch eine Einmischung von anderen Kulturen.
    Der Unterschied von Beschneidung zum Missbrauch ist, dass er meist jahrelang und heimlich geschieht. Die Täter handeln aus niedrigsten Beweggründen mit dem Willen zu erniedrigen und zu zerstören.
    Einen Zusammenhang zur Beschneidung herzustellen würde sexs. Missbr.
    nur verharmlosen.

  9. Anna M. schreibt am :

    @Martina
    Kinderbeschneidung ist meiner Ansicht nach eine Form von sexualisierter Gewalt. Es macht keinen Sinn, das vom Gesamtkomplex Gewalt gegen Kinder loszulösen und auch nicht die eine Form von Gewalt gegen eine andere Form auszuspielen.
    Ich finde es gut, daß netzwerkB sich mit dem Thema beschäftigt.

    Beschnittene Väter lassen ihre Söhne beschneiden, weil sie „traditionsblind“ sind, dieser Mechanisums wird von Alice Miller sehr gut beschrieben: die Weitergabe der Gewalt von einer Generation an die nächste.
    Es wurden schon viele grausame Traditionen per Gesetz verboten, genauso wie das eines Tages mit der Knabenbeschneidung passieren wird.

    @Eva:
    Juristen wenden sich vehement gegen die Knabenbeschneidung, weil das Grundgesetz da ganz eindeutig ist.
    Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hat die Petition für ein zweijähriges Moratorium ebenfalls unterstützt.
    Einzig und allein die Politik weigert sich, sich für Kinder einzusetzen. Daran sieht man, daß es um Pfründe geht, um die Aufteilung der Macht zwischen den politischen und den religiösen „Chefs“
    Zum Kotzen ist das, besobnders, weil über die Hälfte der Bevölkerung GEGEN Knabenbeschneidung ist.

  10. Martina schreibt am :

    @ Anna M.

    Beschnittene Väter lassen ihre Söhne beschneiden, weil sie “traditionsblind” sind, dieser Mechanisums wird von Alice Miller sehr gut beschrieben: die Weitergabe der Gewalt von einer Generation an die nächste.
    __________________________________________________

    Trifft Deine obige Aussage auch auf Missbrauchopfer zu?
    Dann müssten doch alle Missbrauchopfer auch wieder die eigenen Kinder missbrauchen.
    Das ist doch wohl nicht die Regel?

  11. Eva schreibt am :

    @ Anna M.

    Die meisten der 51585 Juristen in der BRD haben sich nicht zu Wort gemeldet. Die Anwaltkammern haben sich nicht zu Wort gemeldet

    Es gibt leider einige hochrangige Juristen, die sehr nahe den Kirchen stehen. Die haben sich für welche für eine „zwingend notwendige Beschneidung“ ausgesprochen oder sogar unter bestimmten Bedingungen die Beschneidung erlaubt.

    Dabei war sogar ein ehemaliger Richter des Verfassungsgerichtes.

    Zitat des Richterbundes:

    „Man müsse jetzt prüfen, unter welchen Bedingungen im Strafrecht eine „konkrete Ausnahmeregelung“ für die Beschneidung von Jungen, insbesondere aus religiösen Gründen, geschaffen werden könne.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/streit-um-beschneidung-richterbund-verlangt-aenderung-des-strafrechts-a-845433.html

  12. Eva schreibt am :

    Ein Verfassungsrechtler:

    Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts versteht die Religionsfreiheit in der Tat sehr weitgehend. Der Einzelne kann sein ganzes Leben an seiner Glaubensüberzeugung ausrichten. Und Eltern können ihre Kinder in gleicher Weise daran teilhaben lassen. Im Judentum und Islam umfasst dies die Beschneidung. Ein Verbot wäre dann tatsächlich eine „Beschneidung“ ihrer Religionsfreiheit.

    http://www.domradio.de/aktuell/83020/von-der-elterlichen-sorge-gedeckt.html

    ———
    2. Zitat:

    Im Familienrecht geht es um die Frage der Reichweite des elterlichen Sorgerechts. Der Gesetzgeber müsste die Beschneidung im Bereich der elterlichen Sorge als eine zulässige Form der Ausübung des elterlichen Rechts zur religiösen Kindererziehung explizit unter der Voraussetzung erlauben, dass sie medizinisch einwandfrei durchgeführt wird. Etwa durch die Formulierung, dass „eine Beschneidung an einem Kleinkind aus religiösen Gründen vom Recht der elterlichen Sorge gedeckt ist, sofern sie medizinisch lege artis durchgeführt wird“.

    ——
    Zitat aus:

    http://waz.m.derwesten.de/;s=azX6Sy35jSHUqmhrPMRWc36/dw/gesundheit/verfassungsrechtler-rechnet-mit-straffreiheit-fuer-beschneidung-id6885452.html?service=mobile

    Religiös motivierte Beschneidung muss gesetzlich geregelt werden, sagt Verfassungsrechtler Christian Kirchberg. Nach der Empörung, die das Kölner Landgericht mit seinem Beschneidungsurteil unter Juden und Muslimen ausgelöst hat, geht der Jurist davon aus, dass es eine Regelung geben wird, „die die Beschneidung grundsätzlich straffrei stellt.

    ———

  13. Anna M. schreibt am :

    @Martina,
    nein, das ist nicht unbedingt die Regel, daß die Gewalt weitergegeben wird. Die Weitergabe ist erstmal die Begründung dafür, warum viele ihren Kindern das zufügen, was sie selbst erlebt haben.
    Das muß aber nicht zwangsläufig so sein. Einige Väter , die beschnitten sind, lassen ihre Söhne nicht beschneiden. Da war z.B. Sigmund Freud, der seine Söhne nicht beschniden ließ. Und heute gibt es eine wachsende Zahl von Eltern, die ihre Kinder davor beschützen.
    Und genauso ist es auch bei der missbräuchlichen Gewalt, ob körperliche oder sexualisierte. Sie wird nicht zwangsläufig an die nächste Generation weitergegeben, sondern vor allem dann, wenn sie verleugnet wird („die Prügel haben mir nicht geschadet“) oder – wie es oft bei sexualisierter Gewalt passiert – verdrängt wird.
    Was also die Kette der Gewalt von Generation zu Generation unterbrechen kann ist die Reflektion über die Gewalt, das Fühlen der Schmerzen, die die Gewalt verursacht hat und die dadurch wiedererlangte Empathie.

  14. Anna M. schreibt am :

    Die Meinungen unter den Juristen gehen offensichtlich weit auseinander. Aber wie es die religionsnahen Juristen auch drehen und wenden wollen, ein Gesetz zur Legitimierung von medizinisch nicht notwendiger Beschneidung ist einfach nicht mit der Verfassung zu vereinbaren und würde vom Verfassungsgericht sofort wieder gekippt.
    So what?

  15. Eva schreibt am :

    Wie im Parlament anscheinend abgestimmt wird.

    Beschneidungsgegner in der Regierung mussten Plenum verlassen

    Auch in den Regierungsparteien, sagt Marlene Rupprecht, gebe es viele Abgeordnete, die die Kinderrechte schützen wollen. Die seien aufgefordert worden, vor der Abstimmung das Plenum zu verlassen. Ihre Lösung für das Dilemma: die Beschneidung an kleinen Kindern nur symbolisch vornehmen und die Jugendlichen mit 14, wenn sie ihre Religion frei wählen können, selbst entscheiden lassen.

    http://femokratie.com/beschneidungsgegner-in-der-regierung-mussten-plenum-verlassen/07-2012/

  16. Peter01 schreibt am :

    Das Problem sind m. E. die Kreise, die sich als Herrenmenschen verstehen, die eine Lesung von Scholl-Latour in Frankfurt/Main verhindert haben oder ein Denkmal für die Sinti & Roma, die von den Faschisten systematisch verfolgt und ermordet wurden, – die Argumentation „3000 Jahre…“ ist hanebüchen: das Faustrecht galt noch viel länger, nicht wahr?

  17. hildegard schreibt am :

    In seinem Leserbrief zum (von Eva am 26.9.) genannten SZ-Artikel beantwortet ein „rofelix“ die Frage „–Gibt es eigentlich ein Land, in dem die Beschneidung tatsächlich verboten ist und bestraft wird ?–“ mit dieser nach meiner Meinung bemerkenswerten Auflistung:

    Zit.: „Global Survey of Circumcision Harm (GSCH) wurde z. b. nicht von deutschland im Juni 2011 ins Leben gerufen, sondern in der USA

    11. März 2012 , Slowenien Ombudsmann für Menschenrechte: Männliche Beschneidung verletzt die Menschenrechte.

    7. März 2012, Finnen Partei schlägt vor die Beschneidung zu verbieten.

    14. September 2011 Hollandische Ärzte Kampagne gegen „riskanten und schmerzhaften“ Beschneidung von Jungen.

    14. November 2011 ScienceNordic.- Dänemark: Beschnittene Männer haben mehr Schwierigkeiten beim Orgasmus, und ihre weiblichen Partner erleben mehr vaginale Schmerzen und eine minderwertige Sexualleben, zeigt eine neue Studie.

    Isreal lehnte das beschneidungsverbot mit der begründung ab, nicht das einzige land sein zu können, das es verbietet.

    Die schweiz hat harte gesetze gegen die mädchenbeschneidung und die schweizer kliniken begrüssten nicht nur den kölner rechtsspruch in deutschland, sondern haben ihre jungenbeschneidung in anlehnung daran EINGESTELLT !! “
    Zit-ende.

    Die Lobby für Kinder also wächst, und sie spielt sich inzwischen ziemlich rund um den Erdball ab. Dieses Spiel aber wäre ohne beharrliche „Rufe aus den Wüsten“ seit mindestens 20 Jahren – auch bzgl. sex. Gewalt – nicht denkbar.
    Gemeinsam schaffen wir das! – wenigstens für unser aller Kindeskinder …

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