Auch männliche Opfer von Gewalt benötigen Beratung und Schutzraum

07.11.2012: netzwerkB Pressemitteilung

Die Pilotstudie „Gewalt gegen Männer in Deutschland. Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern“ im Auftrage des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahre 2004 von Dr. Ralf Puchert und anderen zeigt auf, dass unter den Opfern von Gewalt, sei es sexualisiert, physisch oder psychisch und in Kombination, auch männliche Opfer sind. Der Bericht umfaßt über 1.000 Seiten.

[Studie Gewalt gegen Männer 2004]

Für weibliche Opfer und ihre Kinder existiert keine ausreichende Anzahl von Plätzen in Deutschland. In tausenden von Fällen jährlich werden obdachsuchende Frauen und Kinder von voll belegten Frauenhäusern abgewiesen. Nicht mal jede kreisfreie Stadt und jeder Landkreis können überhaupt ein Frauenhaus vorweisen. Die Opfer müssen in benachbarten Kreisen Zuflucht suchen.

netzwerkB appellierte am 6. November 2012 an die Politik, hier dringend und möglichst bald die Bereithaltung von mehr Plätzen zu veranlassen.
http://netzwerkb.org/2012/11/06/netzwerkb-fordert-mehr-schutzraum-fur-betroffene-von-gewalt/#more-17639

Demgegenüber ist die Situation für männliche Gewaltopfer noch viel miserabler. In Deutschland ist nur ein Männerhaus bekannt. Dieses wird nicht einmal öffentlich gefördert. Den männlichen Opfer von Gewalt, erwachsen oder minderjährig, stehen in nicht ausreichendem Umfang besondere Beratungsangebote und Schutzraum zur Verfügung. Das mangelnde Bewußtsein der Gesellschaft hinterläßt die Opfer in der Hilflosigkeit, in Scham und der Ratlosigkeit, an wen sie sich wenden können.

netzwerkB appelliert an die Politik, auch das zu ändern.


Für Journalisten-Rückfragen:

netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Norbert Denef, Vorsitzender
Telefon: +49 (0)4503 892782
Mobil: +49 (0)163 1625091

3 Kommentare

  1. Sarah Mohn schreibt am :

    Wäre es bzgl. Frauenhäuser, Männerhäuser nicht vielmehr angebracht, zu Gewalttäterhäuser zu appelieren, bis die Gerichtsverhandlung vollzogen ist, und zeitnah den Betroffenen häuslicher Gewalt eine engmaschige, ambulante Hilfe zukommen zu lassen??? (Therapie, Haushaltshilfe, Unterstützung bei den alltäglichen Dingen, die Gewaltopfer in Akutphasen nicht auch noch stemmen können)

    Mir widerstrebt es nach wie vor, warum Opfer von Gewalt flüchten müssen in Frauenhäuser, Männerhäuser, aus ihrem sonstigen sozialen Umfeld gerissen werden (Freunde, KlassenkameradInnen, Kindergarten, Arbeitsstelle….) und warum die gewalttätigen Verursacher sich in Haus, Wohnung breit machen und erst einmal keinerlei Einschränkungen in Kauf nehmen müssen, sondern frei herum laufen dürfen.

    Hier muss sich – wie auch bzgl. der Melde- Anzeigepflicht der Blickwinkel , von dem man die Sache betrachtet, und aufgrund dessen bisher gedacht und gehandelt wird, gravierend ändern.

    Opfer (Frauen, Männer und die dazugehörigen betroffenen Kinder) werden aus ihrem vertrautem Umfeld gerissen, in fern liegende Frauenhäuser / Männerhäuser bei einer meist Nacht- und Nebelaktion gebracht, um Schutz vor ihren gewalttausübenden Täter zu erlangen(Ehemann, Lebenspartner, Vater, – bitte das ganze auch in weiblicher Form hinzufügen, da es – wie wir alle wissen, auch gewalttätige Frauen gibt, auch wenn die Zahl jener im Vergleich sehr, sehr gering ist) .

    Es muss genaue umgekehrt sein, Täter müssten aufgrund der Gesetzeslage um ihre Sicherheit bangen müssen, Opfer müssten sich durch Zivilcourage von Nachbarn, Verwandten, Freunden und dank einer klaren Rechtsregelungen geschützt fühlen, weil sofort gehandelt wird, nämlich die Täter inhaftiert werden oder derweilen in Täterhäuser verbannt werden. Dann müssten nicht mehr die Opfer fliehen vor ihren gewaltausübenden Tätern, sondern umgekehrt. Die Täter müssten fliehen, aus Angst vor den rechtlichen Konsequenzen.

    Traurig, dass in unserem Lande die Sicht genau umgekehrt ist, und daher Frauenhäuser und Männerhäuser überhaupt nötig sind.

    Verdrehte Welt!!!

  2. Martina schreibt am :

    @ Sahra Mohn

    Das ist eine gute Idee, dass es einfach nur Gewalthäuser geben soll.

    So viel ich weiß wurde es vor ein paar Jahren gesetzlich so geregelt, daß
    der Gewalttägige die Wohnung verlassen muß.
    Das Problem ist event. daß man die Gewalt nachweisen muß.
    “ Man könnte sich ja vorsätzlich selbst verletzt haben oder man hat sich nicht genügend gewehrt, das heißt dann man wollte es so.“
    Problematisch kann es aber auch werden, wenn man sich wehrt, weil der Angreifer dann sich womöglich als Opfer darstellt.
    Braucht es dann nicht auch eine Anzeige, wenn die Polizei eingeschaltet wird?

  3. V. Schäfer schreibt am :

    Liebes NetzwerkB-Team,

    ihr habt vollkommen recht mit dieser Kampagne. Ich arbeite beim Opfertelefon des Weißen Rings und stehe immer wieder vor dem Problem, keine Beratungs-und Hilsstellen für männliche Gewaltopfer abgesehen von den Außenstellen des Weißen Rings zu finden. Ich kann in der DAJEB (www.dajeb.de/bfonline2.htm)fast überall Frauenhäuser, Sexual-und Familienberatungsstellen finden, was ja auch schön und gut ist, aber speziell für männliche Opfer habe ich bisher noch garnix finden können. Vor kurzem rief mich ein Mann aus Berlin an und ich konnte
    für ihn in ganz Berlin nichts finden. Es gab bloß eine Hilfsstelle für schwule Männer aber der Anrufer war nicht schwul….
    Es braucht in dieser Sache einen Bewusstseinswandel, macht weiter so!

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