Mitbetroffene ritueller und organisierter Gewalt gesucht

08.11.2012

Ich bin eine Überlebende sexueller, ritueller und organisierter Gewalt in Kindheit und Jugend. Ich wurde in einer Sekte, die sich „Sonnentempler“ nannte psychisch und physisch gefoltert und missbraucht. Der Wirkungskreis der Sekte war überwiegend im Saarland an verschiedenen Orten, es geschah aber auch u.a. in Frankfurt/Main.

Ich war von einem Alter von 6 bis 9 Jahren in dieser Sekte, danach schloss sich eine Organisation für Kinderprostitution an, dies ging, bis ich 14 Jahre alt war. Hier war der Hauptwirkungskreis ein Hotel, leider weiß ich den Namen nicht, in Frankfurt/Main, aber auch Orte in Belgien und Frankreich.

Ich habe letztes Jahr einen OEG-Antrag eingereicht und befinde mich zur Zeit im Klageverfahren.

Nun suche ich Mitbetroffene, die bereit wären, vor Gericht Ihre Geschichte zu erzählen, Mitbetroffene, die wie ich nicht mehr länger schweigen möchten und die sich wehren möchten.

Meine E-Mail-Adresse können Sie über netzwerkB erfahren.

16 Kommentare

  1. Sarah Mohn schreibt am :

    Vielleicht kann hier die Rennebach – Stiftung weiterhelfen, die ausschließlich für Betroffene von Sekten, sat. rit. und KultBetroffene ins Leben gerufen wurde von einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten Names Renate Rennebach.

    Ich selbst stecke auch seit fast 3 Jahren im OEG – Verfahren, mittlerweile im Widerspruchsverfahren. Eine Gutachterin, die mich weder gesehen, noch je gesprochen hat, „befundete“ meine Schilderungen als „bizarre Scheinerinnerungen“, bediente sich längst überholter und widerlegter wissenschaftlicher Studienergebnisse und Forschungsergebnisse.

    Betroffene fam. oder sat. rit. Missbrauchs haben nun mal sehr, sehr selten Zeugen außer die Mitbetroffenen aus der Familie (Geschwister) oder den Betroffenen der Sekten, deren Namen nie verlautet wurde, genannt wurde. Die Täter sind vermummt in Kutten, wie also sollten Sekten – Betroffene Zeugen ausfindig machen können.

    Ich sehe sehr viel Parallelen zu den Schilderungen der Betroffenen, des Betroffenen, die – der hier den Aufruf gestartet hat. Wie allerdings die Sekte hieß, die mir soviel Grauenvolles angetan hat und vielen, vielen anderen Kindern, Säuglingen, das weiß ich nicht. Aber eines weiß ich, es war nicht in dem oben angegegebenen Bundesland, auch nicht annähernd in der Gegend.

    Doch ich bin nach wie vor nicht in der Lage, mich mit Betroffenen sat. Missbrauchs auszutauschen, oder in Kontakt zu treten. Es triggert und retraumatisiert mich zu stark. Hier muss ich für mich und meine inneren Kindern sorgen und mich konsequent vor Triggergefahren, Retraumatisierungsgefahren schützen. Ich weiß auch nicht, ob ich je eines Tages dazu in der Lage sein werde, offener damit umzugehen. Aber ich habe gelernt, diese meine persönliche „Grenze“ (ich nenne es gesunder Selbstschutz) zu akzeptieren.
    Dennoch hoffe ich, dass der/die Betroffene MitstreiterInnen findet, um ihre/seine Rechte einfordern zu können.

    Sarah Mohn

  2. Sarah schreibt am :

    Hallo Frau Mohn,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich kann gut verstehen, dass Sie sich und Ihre Kinder schützen wollen und finde es auch wichtig, dass Sie auf sich achten.

    Es ist leider wirklich so, dass ein Antrag nach dem OEG in diesem wie auch in meinem Falle nicht wirklich eine Chance auf Erfolg hat, aber ich will nicht mehr schweigen. Ich finde es mutig, dass Sie sich auch geoutet haben und wünsche Ihnen viel Glück weiterhin bei Ihrem OEG-Verfahren.

    Viele Grüße
    Sarah

  3. Sarah Mohn schreibt am :

    Hallo Sarah,
    vor drei Tagen erhielt ich einen Ablehnungsbescheid meines OEG – Widerspruchs. Man räumte mir freundlicherweise bis zum 03.01. eine Klagefrist am Sozialgericht ein. Wie sensible doch diese Sesselpfurzer sind. Vorweihnachtliche Bescherung auf sarkstische Art. Und wieder die selben Begründungen, die diese unqualifizierte Gutachterin von sich gab, diesmal von einem Juristen – aber wesentlich respektvoller formuliert.
    Der WR würde mir zwar das Verfahren zahlen, aber sieht selbst nicht viel Erfolgchancen in meinem Fall, da ich weder Namen der Täter, noch Zeugen habe, die bereit wären, vor Gericht auszusagen, da sie selbst (Halbschwester) ihr Trauma nach wie vor verdrängt und darüber nicht mehr reden will. Was auch zu akzeptieren und zu respektieren ist, denn jede Seele hat ihren eigenen Rhytmus.
    Aufgrund dessen werde ich keine Klage einreichen, weil dies nur unnötig Energie und Kraft raubt, die ich für mich und fürs Überleben benötige.
    Wieder einmal haben die OEG – Brecher mit ihren unredlichen, menschenverachtenden Gebahren ihr Ziel erreicht!
    Dennoch, meine Würde und meine Glaubwürdigkeit hängt nicht von diesen Leuten ab, ich definiere mich nicht daraus, ob Menschen, die mich nicht einmal kennen, mir Glauben schenken, oder nicht.
    Ich weiß, was man mir angetan hat und ich stelle mich schützend vor meine innere Kinder. Jetzt erst Recht!!!
    Ich wünsche dir in deiner Sache auf jeden Fall mehr Erfolg. Möge diesmal die Wahrheit und Gerechtigkeit siegen!!! Das wünsche ich dir von ganzem Herzen!

    Sarah Mohn

  4. 1000 Wellenreiten schreibt am :

    Es gibt andernorts bereits Gesetze, die das Thema „rituelle Gewalt“ aufnehmen.

    Ich habe das auf http://www.dissoc.de/gesetz.html gefunden:
    (Vorsicht auf der Webseite könnte einiges triggern!)

    Die folgende Gesetze der Bundesstaaten Idaho, Illinois, Louisiana und seit dem Jahr 2001 auch Massachusetts belegen, dass derartige Straftatbestände von der Legislative bereits anerkannt worden sind und eine rechtlichen Würdigung erfahren haben.

    Bei Ritueller Gewalt handelt es sich somit nicht nur um ausschließliche „Phantasien leichtgläubiger TherapeutInnen“ und „Berichte deren hysterischer KlientInnen“, sondern auch um eine reale Bedrohung der Gesellschaft und deren Rechtsordnung.

    Einer von Tausend

  5. Sarah schreibt am :

    Hallo,
    @ Sarah Mohn, das ist wirklich ein herber Schlag und ich kann gut verstehen, dass du keine Klage einreichst. Es geht tatsächlich um Schutz der inneren Kinder. Und es ist gut, dass du die Anerkennung deiner unsäglichen Leiden nicht von außen abhängig machst. Bei mir ist es ähnlich, meine Geschwister (3 an der Zahl) waren ebenfalls mitbetroffen, können sich jedoch nicht daran erinnern. Ich hoffe für dich und deine inneren Kinder, dass ihr vielleicht doch ein bisschen Ruhe findet und diesen unsäglichen Umgang mit dir und dem was dir passiert ist, verarbeiten kannst.

    @ Eva: ja, die links kenne ich schon, trotzdem danke für Ihr Posting.

    @ Einer von Tausend: danke für den link. Zum Glück ist meine Anwältin sehr fit und kennt sich damit sehr gut aus. Sie ist auch im Verteiler von M. Huber und in einem lokalen AK rituelle Gewalt und von daher gut vernetzt.

    Viele Grüße
    Sarah

  6. Sarah Mohn schreibt am :

    Ich habe mich heute nach einem ausführlichem Beratungsgespräch mit meinem Sozialrechtsanwalt umentschieden. Wir werden Klage einreichen gegen den Ablehnungsbescheid vom Versorgungsamt!!!

    Denn, was ich bisher noch nicht wusste, man kann jederzeit, sogar bis einen Tag vor der richterlichen Anhörung die Klage zurück ziehen, wenn man merkt, dass man sich psychisch, mental oder körperlich nicht mehr in der Lage fühlt, das Verfahren weiter zu führen. Ein weiterer Faktor, der nicht unwesentlich ist, dass es sehr lange dauern kann, bis es überhaupt zur Endverhandlung kommt. Also Zeit, um sich noch mehr zu stabilisieren und sich mental darauf vorzubereiten.

    Und, was besonders interessant und sehr entlastend ist, man hat ausser einem eventuellem Gutachten bis zur Anhörung persönlich nirgendwo zu erscheinen, dass übernimmt alles der Rechtsanwalt in Absprache mit der , dem Kläger.

    Wichtig: Falls noch mal ein Gutachten verlangt wird, ist diese Person eine UNABHÄNGIGE, nicht vom OEG bezahlte Person!!! Daher gilt dieses Gutachten als neutral und wird höher gewertet als der Stuss, der von den GutachterInnen „befundet“ wird, die von Versorgungsämtern bezahlt werden.

    Durch die Einreichung der Klage wird zunächst bewirkt, dass das OEG – Amt ihre Entscheidung noch mal überdenken muss und eventuell sogar einen Vergleich anstrebt, um keinen weiteren Präzedenzfall einstecken zu müssen.
    Diese wichtigen Details verhelfen hoffentlich vielen, doch diesen Schritt zu wagen. Und wenn damit nur das Ziel erreicht wird, diesen unverschämten, menschenverachtenden Versorgungsamt – GutachterInnen einen Denkzettel zu verpassen :-). Das wäre schon Genugtuung ohnes Gleichen :-).

    Norbert, könntest du diesen Kommentar auch unter der Ruprik OEG zusätzlich einsetzen, damit Suchende diese wertvollen Infos dort abrufen können? Danke dafür!

    Sarah Mohn

  7. Wilma schreibt am :

    Da es bis zum Prozess noch eine Weile dauert, ist es außerdem möglich, dass es inzwischen beim OEG Verbesserungen geben könnte zugunsten der Opfer und dann sieht die Sache ja schon mal wieder ganz anders aus.

  8. justina schreibt am :

    Hallo Sarah Mohn,
    von Herzen wünsche ich dir viel Kraft für Deinen Weg, ich freue mich, dass du weiterkämpfst, wobei ich es auch völlig verstanden hätte wenn du nicht weitermachst. Wir (Mein Mann) sind fast am gleichen Punkt, wir erwarten die Ablehnung des Widerspruchs auch und unser Anwalt will dann sofort einspringen. (Ob mein Mann will weiß ich noch nicht)Es macht einen so mürbe, diese ewigen Kämpfe mit den Behörden.
    Herzlichst, Justina

  9. Sarah Mohn schreibt am :

    Liebe Justina,
    danke für deine lieben Worte. Na, vielleicht überzeugen die Infos, die ich heute hier gepostet habe, deinen Mann, doch diesen Schritt mit dir gemeinsam zu tragen.
    Denn wie gesagt, man ist erstmal ziemlich aussen vor, der Rechtsanwalt an der „Front“ und nicht wie von Antragstellung bis zum Widerspruch der Betroffene. Ich kann die Sorgen und Bedenken deines Mannes so gut nachvollziehen, da es wirklich sehr kräftezehrend ist bis dahin, wo ihr – wo ich jetzt stehe in diesem besch…, ungerechten und menschenverachtendem Verfahren.
    Weil man sich hilflos dieser Machtmaschinerie ausgeliefert fühlt. Aber jetzt habt ihr die Macht, jetzt seid ihr nicht mehr hilflos ausgeliefert. Ihr habt es nun komplett autark in der Hand, jederzeit die Klage wieder zurück zu ziehen, wenn es euch zu sehr an die Substanz geht. Und dieser FAKTOR, der war für mich ausschlaggebend, um diesen Schritt anzugehen. Weil ICH ganz alleine es bestimmen kann, wieweit ich gehen möchte, und nicht mehr völlig ohnmächtig diesen Sesselpfurzer der OEG – Maschinerie ausgeliefert bin.

    Im Gedanken mit euch und solidarisch gemeinsam unterweg für den Kampf um Gerechtigkeit wünsch ich euch ganz, ganz viel Kraft und vor allem Erfolg auf ganzer Linie :-).
    Sarah Mohn

  10. hildegard schreibt am :

    Sarah Mohn, super! Bleib dran, wenn du kannst auch stellvertretend für alle, die immer noch unter Schock stehen und für jetzt betroffene Kinder!

    Justina, steh es mit deinem Mann zusammen durch!

    IHR schafft alle mit einander die dringend notwendigen Präzedenzfälle, an denen künftige Richter sich dann nicht mehr „vorbeidrücken“ können …

  11. Sarah schreibt am :

    Hallo Sarah,
    das finde ich sehr mutig von dir, doch weiter zu machen Ich drücke dir die Daumen, dass du bis zur Gerichtsverhandlung dich stabilisieren kannst und es stimmt, es dauert ja auch noch eine Weile, bis das Gerichtsverfahren stattfindet.
    Viele Grüße
    Sarah

  12. laura schreibt am :

    hallo zusammen,
    bin selbst auch betroffene ritueller gewalt.es besteht kein täterkontakt seit knapp 20 jahren mehr. gerne würde ich mich mit anderen betroffenen aus bayern zusammentun. das schweigen muss aufhören.
    gibt es in bayern fachtagungen zu diesem thema?
    grüße und kraft
    laura

  13. belinda schreibt am :

    Hallo

    ich bin ebenfalls aus Bayern, 40, weiblich. Kein Täterkontakt.

    Das Schweigen muss aufhören, so sehe ich das auch. Suche ebenfalls andere Betroffene. Gemeinsam sind wir stärker.

    Wenn du magst melde dich. belisaldar [at] gmail.com

  14. Marlis schreibt am :

    Folgendes hilft vielleicht nicht direkt, aber vielleicht doch im Rahmen von Argumentation gegenüber Behörden und Gerichten.

    Die bekannte amerikanische Therapeutin Ellen Lacter hat einen hervorragenden Artikel über Vorgehensweisen und Folgen bei rituellem Missbrauch geschrieben. Er dürfte auf dem neusten Stand der Wissenschaft sein und mit das Beste, was auf diesem Gebiet zu finden ist. Diese Abhandlung ist in dem Buch „RITUAL ABUSE AND MIND CONTROL – THE MANIPULATION OF ATTACHMENT NEEDS“ zu finden. Das Buch wurde darüber hinaus zusammengestellt aus einer Konferenz zu rituellem Missbrauch, die im Jahr 2012 in London stattfand. Leider nur auf Englisch zu erhalten und darüber hinaus besteht eine große Gefahr des Triggerns. Trotzdem sollte es Pflichtlektüre eines jeden Rechtsanwaltes sein, der Betroffene ritueller Gewalt vertritt.

  15. Juna schreibt am :

    Hallo, mir ist ebenfalls in Bayern rituelle Gewalt widerfahren. Ich bin sehr auf der Suche nach anderen und Informationen welcher Art auch immer. Da ich weder mitbetroffene noch zeugen Habe. Lg juna

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